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E_1930_Zeitung_Nr.022

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12 AUTOMOBIL-REVUE 1950

12 AUTOMOBIL-REVUE 1950 — N° 22 den anderen Strick an ihr linkes Handgelenk. Nachdem sie die Lungen ganz mit Luft vollgepumpt haben, lassen sie sich aufrecht in die Tiefe gleiten. Sie müssen den Grund erreichen, der ungefähr zwanzig Meter unter dem Meeresspiegel liegt und im Zwielicht die Austern von den Bänken brechen, sie vom Sand auflesen oder den Algen entreissen und in ihre Körbe füllen. Dann ziehen sie die Schnur an ihrem Gelenk und auf dieses Signal hin hisst der Gehilfe an Bord sie an die Oberfläche. Bis zur Ohnmacht unter Wasser. Jedes Tauchen dauert ungefähr drei Minuten, manche bleiben sogar vier Minuten unter Wasser. Wenn der Taucher an der Oberfläche erscheint, muss er umfasst und an Deck gezogen werden, denn er befindet sich in einem Zustand vollständiger Erschöpfung. Er fällt auf den Boden hin, das verschluckte Meerwasser stürzt aus seinem Mund, Blut dringt aus seinen Nasenlöchern, seinen Ohren. Er hört und sieht nichts. Krampfhaft bewegt der Atem seine Flanken. Die Kameraden bemühen sich um ihn, rollen ihn hin und her, drücken seinen Leib, massieren ihn. Da kommt er wieder zu sich, setzt sich auf. Sein Atem wird ruhiger, er wischt sich die Augen mit dem Handrücken, trinkt ein wenig Kaffee, streckt sich, spuckt aus und flucht Dann steckt er sich zwei Wachspfropfen in die Ohren, nimmt wieder seine Fäustlinge und seine Nasenklemmer und taucht von neuem. Unbewegt steht der Kapitän in seinem weissen Burnus da und lässt ein paar Muscheln aufheben, die einem der Fischer früher entfallen sind. Drei — vier — fünf Minuten vergehen und es zeigt sich keine Bewegung an einem der Taucherseile. Mit lautem Geschrei macht der Gehilfe, der das Signal zum Aufziehen erwartet, darauf aufmerksam. Es muss ein Unglück geschehen sein: vielleicht ist der Mann von einem Hai angefallen worden, vielleicht hat er das Bewusstsein verloren. Die'Kameraden tauchen an der Stelle, wo der Perlenfischer verschwunden ist, kehren wieder an die Oberfläche zurück, tauchen nochmals — vergeblich. «Aufziehen!» kommandiert der Kapitän. BIoss der Stein kommt ans dem grünlichen Wasser empor. Der Mann ist verloren! Der Kapitän zuckt die Achseln. Die Arbeit teht weiter. Vierzehn lange Stunden suchen die Fischer zwanzig Meter unter Wasser nach den Muscheln. Die einen kommen an die Oberfläche und spucken Blut. Die anderen reissen sich an den spitzen Klippen ganze Stücke aus ihrem Körper. Dann gibt es welche, die sich gegen Haie oder Polypen verteidigen müssen — für diese Kämpfe am Meeresgrund versehen sich manche mit Messern. Aber sie sind nicht immer siegreich. Viele sehen die Sonne nie wieder. Die Ueberiebenden verzehren seelenruhig ihre Reisportion, kauen einige Datteln und schlummern, vom Schlingern des Schiffes eingewiegt Morgen arbeiten sie weiter. Ein Fund! Wenn der Segler seine volle Austern- Iadung beisammen hat geht er an Land, die Muscheln werden ausgeladen und geöffnet. OLEUM BASILEUM QREDIQ'3 GRAND CAFE ASTORIA Bahnbofstmss« ZÜRICH Peterstrasn Bfindnerstube - Spezialitätenküche für | Handels-Schule Widemann Gegr. 1876 BASEL Kohlenberg 13 Fachschule Handel und Sprachen Höhere Handelsausbildung mit Diplomabschlnss. Deutschkura für Fremdsprachige. Privatsekretärinnen-, Stenotypisten- u. Hotelfaohknrae. Alle Fremdsprachen. Semesterbeginn: Mitte April PROSPEKTE DURCH DIE DIREKTION. Konzerthaus Uhler St. Gallen Modernit eingerichtete« Gesellschaftsinns am Platz, ff. Küche und Keller. Zürcher Löwenbräu. Günstiger Aufsteltangiplata. Tiglioh Künstler-Konzerte. Mit höflicher Empfehlung! Telephon 31.36 A. Bemmer-Ledergerber. Oft steigt das Fieber der Erwartung so hoch, dass die Landung nicht abgewartet wird. Mit Messern sprengen sie die Schalen, zerwühlen mit rissigen Fingern das Muschelfleisch. Und manchmal rollt einem von ihnen eine grosse, wertvolle Perle unter den Nagel. Unbeschreiblich ist die Freude auf dem armseligen Segler. Die Mannschaft tanzt brüllt, stampft. Der Kapitän gibt Pistolenschüsse in die Luft ab, um die anderen Fahrzeuge von dem Glückfall zu benachrichtigen. Aber die Perle muss vor allzu plötzlichen Temperaturunterschieden bewahrt werden. Sie ist empfindlich und bekommt leicht Sprünge. So nimmt der Fischer das Kleinod in den Mund und trachtet — als einzig Stummer inmitten der Tobenden —, das aufgeregte Aufeinanderschlagen seiner Kiefer zu beherrschen. Im Autoschlachthof. Man kann dauernd Inserate lesen, wo altersschwache, wenn auch noch fahrbereite Autos zu erstaunlich billigen Preisen angeboten werden. Selbstredend sind diese Wagen keine « Kilometerfresser » mehr, sie sind in ihrer Geschwindigkeit gemütlicher geworden, wie alte Menschen im Gehen, sie sind Veteranen, die noch so lange dienen, bis die Reparaturkosten die Rentabilität übersteigen, und wenn endlich keine «Generalüberholung» mehr hilft, enden sie in den Alteisenhandlungen. Laszlo Rozsa beschreibt in der «Frankfurter Zeitung » eine solche Althandlung, die er «Autoschlachthof» nennt: Die Alteisengrosshandlung, die ich sehe, ein Riesenhof mit einigen Gebäuden, liegt dicht an einem Vorstadtbahnhof, von dem aus sich Zweiggeleise in das Gelände Schlingeln für die Waggons, die hier geladen werden. , • / / * • ' - * - 'i / ^ - ^ w ^ v — - ' y ' Die Raserei klingt ab. Nun kommen die Dichter an die Reihe. Deren gibt es immer welche unter den todgeweihten Männern. Sie preisen die neue Perle, geben ihr nach orientalischer Sitte tausend Beinamen, vergleichen sie mit den Sternen, dem Lächeln einer Frau, dem Auge eines Hengstes. Glühender Wind schwellt die Segel. Man fährt in den Hafen ein. Der Herr wartet, nimmt die Perle in seine warme Hand und geht, ohne ein Wort zu sagen. Die Männer aber singen, wie einer, der die Persenfischer besucht hat, im «Neuen Wiener Journal» berichtet weiter in die heisse Nacht von der Perle, dem unschätzbaren Kleinod, das sie am Meeresgrund auflasen und das ihrem Herrn Reichtum bringen wird und einer schönen Unbekannten Freude bereiten... Da lagern zwischen metallenen Fabrikabfällen (ich sah einen Eisenspäneberg von etwa 8 bis 10 Meter Höhe), überholte Maschinen, verrostete Lokomobile, einige Dutzend greise, krumme, schiefgestandene Autos. Zweisitzer, Lastwagen, Limousinen, Sportmodelle in wüstem Durcheinander, meist schon all ihrer noch brauchbaren Teile beraubt. Ohne Kühler und Hauben, die Motoren bis zur Unkenntlichkeit demoliert, die Türen ohne Schlösser und Fenster, das Wageninnere des Komforts entblösst. Noch gar nicht so lange waren diese Maschinen «Wagen mit allen Schikanen ». Aulo gegen Flugzeug. Ein Wettrennen zwischen einem Sportflufzeng und einem Rennwagen fand kürzlich am «Trockenen See> in Muroc (Kalifornien) statt. Im Moment der Aufnahme betrug die Geschwindigkeit rund 230 Kilometer. Eine Rennmaschine. Ich stehe vor einem Wagen, der eine Rennmaschine war. Wieviele Kilometer mag er durchrast haben? Seine Form, sensationelles Modell einst, ist selbst im Zerfall von edlen Linien. Dieser Wagen steht schon seit längerer Zeit hier im Hofe der Alteisenhandlung und liefert ein typisches Beispiel, was von einem Auto nach Abmontieren der noch verwendbaren Teile übrig bleibt; doch werden vor der Verschrotung vielleicht noch verschiedene Stücke aus ihm herausgeholt. Von dem kräftigen Motor ist nur der stäm- BASLER- OEL Kein Autofahrer ohne dieses Hellölt Schätzt vor Infektionen, heilt Erkrankungen der Atmunfsorgane, vortreffliches Einreibemittel bei Muskel-Rheumatismen, auch als Badezusatz gegen diesen zu verwenden. , ' IN ALLEN APOTHEKEN! •' Das schönste modernste u. praktischste Grammophon des Weltmarktes ist unbestreitbar das neue elektrische In Truhenform, Nussbaum poliert, oder anderes Holz auf Wunsch, automatische Ein- und Ausschaltung, Motor u. Werk mit 5 Jahren Garantie, alles Schweizer Qualitätsarbeit, kein Spielzeugmotor. Dieses Grammophon ist ein Schmuckkästchen für jeden Wohnraum, Saon oder Wohnstube. Eintach, gediegen und vornehm, dem man das Grammophon nicht sofort ansieht. Infolge Verkaufes von der Fabrik an die Kunden direkt gelangt de? Fabrikpreis zur Berechnung. Sie erhalten einen erstklassigen elektrischen Apparat tür Fr. 650.- für den beim Händler etwa Fr. 1500.- bezahlt werden müsste. Keine Vertreter. Besuchen Sie mich bitte in der Fabrik und lassen Sie sich zuerst einen Prospekt kommen. ITn. Fontana, Igjs (Qraubünden) El-Sol Grammophon- und Violette-Strahlen-Apparate-Fabrikation mige Block mit den schlingelnden Zuleitungs-? röhren vorhanden. Die Scheinwerfer erblindet, die Leitungsschnüre liegen kraus in der Luft, sie haben keine speisende Lichtmaschine mehr hinter sich. Pedale, Tachometer, Volant fehlen, ebenso die Polsterung, Bereifung und die beiden Vorderräder. Die Rahmen dec Schutzscheiben leer, Haube und Kühler haben ebenfalls neue Inhaber gefunden. Alles, was noch übrigblieb aus Eisen, Aluminium und Holz, stützt sich verwahrlost auf die Hinterräder, einem niedergeschlagenen, stählernen Tier ähnlich, dessen Zerteilung unbeendet blieb. Preise und Abfall. Ich bekam einen Lieferwagen gezeigt, der 140 Mark kostete, dann einen Zweisitzer, der für nur 90 Mark angekauft wurde. Im allgemeinen bewegt sich der Preis zwischen 60 und 300 Mark. « Je nach dem Inhalt, denn unser Hauptverdienst liegt im Verkauf noch verwendbarer Ersatzteile», belehrte mich der Händler. « Die Kunden kommen zu uns. Es sind vorwiegend die Reparaturwerkstätten, sie schicken einen Monteur, der die gesuchten Teile selbst aus dem Wagen herausholt.» Die Preise für die Ersatzteile werden von Fall zu Fall festgestellt, es wird alles gekauft, doch die gangbarsten Stücke sind: Kotflügel, Getriebe, Lichtmaschinen und Kurbelwellen. Die unbrauchbaren Teile werden schonungslos aus dem Autoleib gerissen. Sie liegen um den Wagen herum auf dem Boden. Rostende Getriebe. Kerzen. Ein zerschlagener Akkumulator. An einen räderlosen Liefer-i wagen gelehnt, steht ein Differential. «Was geschieht weiter mit diesen Wa-* gen?» fragte ich den Händler, als wir tuw seren Rundgang beendet hatten. «Sie werden verschrotet. Auseinandergenommen. Die Metallteile sortiert, kleingeschnitten und zu neuen Barren geschmolzen.* Der Tod der Dinge ist nur eine kurze Sta-i tion in ihrem Leben. Das Eisberg-Mikrophon. Die bekannte, amerikanische Schiffahrtsgesellschaft United States Lines lässt in nächster Zeit auf ihrem grossen Ozeandampfer „Leviathan" interessante Versuche anstellen. Es handelt sich um die Erfindung eines Mikrophons, das ermöglichen soll, das eigentümliche Geräusch, von schmelzenden Eisbergen auf eine Distanz von 10 km anzuzeigen. Der Apparat besteht aus einem ärztlichen Stethoskop, das mittels eines langen Gummisohlauches mit dem ins Meer versenkten Trichter verbunden ist. Die Erfindung stammt von Prof. Dr. Howard Th, Barnes, der auf der Eisexpedition van Hornea an Bord de« Schoners „Uvira" damit erfolgreiche Versuche angestellt hatte. Die Apparatur ist trotz ihrer Einfachheit von verblüffender Empfindlichkeit; sie soll eine der bedeutendsten Neuerungen darstellen, um Katastrophen, wie die der „Titanic", mit Sicherheit auszuschliessen. mb. • • * Unfreiwilliger Humor. Eine schweizerische Fachzeitung berichtet über den Ausbau des Bubenbergplatzes in Bern:

N°22 — 1930 AUTOMOBIL-PFVUE 13 EDO HDuTEILR Das ist die Zeit der Budenfreiheit, da Madame Augusta ihr Geschäft ins Freie verlegt hat, mitten in den Verkehr, dicht bei der Madeleine. Dort sitzt sie auf ihrem Dreistuhl, von mittags bis Mitternacht. Am Tage leuchtet ihr die Sonne, bei Nacht eine Azetylenfunzel, und wenn sie nicht die ewigen Sterne über sich hat, dann einen Regenschirm, Neben dem Schemel stehen schön gerichtet die Lederschuhe der kleinen Frau, weil sie vorsorglich ihre Füsse in dicke Filzpantoffeln gesteckt hat. Auf ihrem Schoss liegt ein Pappdeckel, und darauf wieder viele sauber geschnittene, weisse Papierblätter, wie sie der Krämer etwa zum Einwickeln immer bereit hat. Tief gebeugt über dieses Einwickelpapier sitzt Madame Augusta und schreibt, unaufhörlich wie eine Maschine. Nie hat ihr jemand ins Auge gesehen, keiner vermag ihr Gesicht zu erblicken, sie sieht nicht rechts, sie sieht nicht links, schreibt und wirft hin und wieder, wenn sie gefragt wird, einige Antworten unwillig in die Luft, kurz, knapp, messerscharf aus den Zähnen. Denn Zeit ist Geld, selbst für Madame Augusta und ihren Gatten, die mit Wahrsagen und Hellsehen handeln. Auch in diesem Beruf hat die Gemütlichkeit und Feierlichkeit ein Ende genommen und die Rationalisierung des Betriebes ihren Anfang. Nacht muss es sein, wenn Augustas Sterne strahlen. Je später die Stunde, desto grössere Menschenmassen sammeln sich in dichten Kreisen, desto besser floriert der Handel. Versieht ihn die eine Ehehälfte im Sitzen, so die andere im Stehen und Herumgehen. Eine kleine Glatze leuchtet auf dem Haupt des Gatten. Sein ergrauter Schnurrbart ist stets frisch gewichst, und weil der Patriotismus immer das Geschäft ein wenig hebt, trägt Augustas Herr und Gebieter bescheiden und desto vertrauenerweckender das Band eines Kriegsordens im Mantelknopfloch. In der linken Hand hat der kleine Mann ein Kartenspiel, dessen zweiunddreissig Blätter unaufhörlich mit dem rechten Daumen und Zeigefinger aufelnandergeknallt werden. Bemerkt der Geschäftsführer frischen Zustrom von Neugierigen, dann lässt er ein Kartenblatt ziehen, fragt Madame \ugusta, was das für eine Karte sei und, wie von einem Maschinengewehr gefeuert, knallt die richtige Antwort in die Luft. Der freundliche kleine Herr lässt sich Geldscheine zeigen, besieht sie, fragt die Seherin, die in der gleichen Weise den Wert des Scheines, Drucknummer und die sechsstellige Numerierungsziffer hervorschleudert. Alles staunt und ist verblüfft. Immer neue Scheine, immer neue richtige Antworten. Da ist der Handel schnell im Schwung. Für drei Franken, fünfzig Centimes, kann jeder in Gedanken zwei oder drei Fragen an Madame EFTR/ORCJ Die Wahrsagerin an der Madeleine. Augusta stellen, und sie werden diskreterweise, wie sich das gehört, schriftlich beantwortet. Wer seine drei Franken abgeladen hat, flüstert seinen Vornamen dem Geschäftsführer ins Ohr, zieht eine Karte, Madame Augusta nennt die Karte, notiert sie und dazu den Vornamen, den sie gleichfalls gehellsichtigt hat. Dies kleine Zwischenspiel, das sich unaufhörlich wiederholt, macht jedoch die Sibylle nicht irre. Sie schreibt und schreibt. Alle zwei — drei Minuten ist ein Kunde abgefertigt. „Ecrivez visiblement, Madame!" «Ercrlvez visiblement, Madame», befiehlt immer wieder der Gatte, was weniger an Madame gerichtet ist als an die Kundschaft; um sie vom Ernst des Geschehens zu überzeugen^ Und sie schreibt Hält alle zwei — drei Minuten einen Zettel in die Luft, laut rufend: «Monsieur Jean — Madame Annette — Madame Yvonne — Monsieur Albert!» Die Aufgerufenen erhalten ihre Antworten, buchstabieren, lesen, hie und da lassen sie sich einige Zeichen erklären, oder Madame bekommt den Zettel zurück und muss ihn deutlicher ausfüllen. Neue Kunden, neue Vornamen, neue Antworten, neues Geld. Ab und zu unterbricht ein sehr intim, nur von Mund zu Ohr geführtes Gespräch zwischen einem besonders bedrückten Kunden und dem Geschäftsführer den Handel, dann lauscht die Menschenmasse gespannt, tiefe Stille herrscht rings im Kreise und nur Augusta lässt sich nicht stören und schreibt. Haben die Frager die Antworten gelesen, so sind sie verblüfft, schütteln den Kopf vor Staunen, und wenn auch nicht alles haarscharf zu stimmen scheint, irgendwie ist Augusta immer auf der richtigen Fährte, gibt auch manchmal, wenn sie aufgefordert wird, eine Antwort mündlich und laut, so z. B.: dass eine Dame einen Brief von ihrer sechzehnjährigen Tochter aus dem Schweizer Pensionat erwartet oder dass die Gattin jenes Herrn im Pelz heute in Nizza sei. Das interessiert aber den Mann weniger. Er will erfahren, wo die Getreue gestern war. Augusta kann das leider nicht beantworten, der Wahre Eleganz Ueber wahre Elegana zu sprechen oder zu schreiben, ist ein illusorisches Thema. Es ist so wie mit dem Sinn für Musik: wer ihn besitzt, weiss, was darunter verstanden wird, und wer ihn nicht hat, vermag ihn nicht zu erlernen. Wer nicht versteht, wie wahre Eleganz aussieht, wird es auch aus tausend Worten nicht erlernen. Mais guand meine... Es wäre ideal, schreibt die Modeschriftstellerin der «Prager Presse>, wenn jede Frau mit einei Gestalt und den körperlichen und geistigen Eigenschaften ausgestattet wäre, auf denen sich auch die Eleganz der Kleidung ausbauen Hesse, wie man auf richtigem Stahlskelett eines Gebäudes die Wände ausbaut. Es gibt Frauen, denen diese ureigene Eleganz anhaftet, schon von der Zeit an, da sie Schulmädel waren, die von ihr sozusagen bis ins Grab begleitet werden. Jede ihrer Bewegungen hat jenes undefinierbare Plus, das so viel für die richtige Bewertung des Menschen bedeutet. Jede Bewegung der Hand, des Kopfes, der Gang. Dann kommt die Sprache dazu. Es mag lächerlich klingen, wenn ich sage, dass es eine elegante Färbung der Sprache gibt. Es ist vielleicht schwer zu verstehen, aber manche Leserin wird mich begreifen. Ich setze voraus, dass es viele Gangarten gibt, die elegant sein können, und es ist eine schwere Aufgabe, wenn diese oder jene Frau aus einer Reihe eleganter Dinge gerade die finden soll, die mit ihrem^Treigensten Wesen in absoluter Harmonie sind. Darin liegt, möchte ich fast sagen, das tiefste Geheimnis. Man stelle sich vor: eine Frau ist hoch und schlank, mit etwas ungeschickten Bewegungen, denen nur eine gewisse Nuance absoluter Grazie mangelt. Bei diesen Proportionen fehlt 'sie fast immer. Diese Frau hat sicherlich allen Anspruch darauf, elegant zu sein. Sie wird das Kleidungsäquivalent ihrer Wesenscharakteristik in allem finden, was weder ausgesprochen englisch noch ausgesprochen französisch ist, sondern in einer Mischung der beiden Abarten, deren Namen dazu dienen, eine allgemeine Vorstellung wachzurufen, obgleich ich fest davon überzeugt bin, dass es heute : weder eine rein englische noch eine rein französi- 'sehe Mode gibt. Die Vermengung beider bedeutet : ; eine gewisse Einfachheit der Linie, zugleich aber Leichtigkeit und Vollkommenheit der Ausarbeitung Der Gesamteindruck mnee eher würdUr al« spielerisch und kokett sein. Eher neutrale als ausgesprochene Farben, aber ohne alles Nonnenhafte. Französische Garnierung, beispielsweise feine Ajouren auf feinstem Material, aus dem Weste, Fichu, Kragen, Manschetten gearbeitet sind. Auch ganz junge Damen, die ganz offen tolpatschig sind, weil der Kanon ihres Körpers noch nicht die richtigen Proportionen erlangt hat und die sich gleich, jungen reinrassigen Hunden bewegen, können dabei vollkommen elegant sein. Aus den gleichen Gründen wie eben bei diesen jungen Hunden: durch ihre vollblütige Reinrassigkeit. Diese Mädchen, die in Abehdgewändern komisch aussehen, wandeln sich in Tweed und Wollsweater zum Urbild der jungen Diana. Sie sollten sich vor einem Hintergrund von Meer und Wald bewegen. Betriebsleiter fährt dazwischen und sagt, Seherin könne immer nur den augenblicklichen Standort bestimmen, und tiefsinnend geht der Herr im Pelz weiter. ,Es gehen die Strassenmädchen weiter, die jungen Burschen, die Droschkenkutscher, die Reichen und die Armen, die Fremden und die Einheimischen, neue strömen zu und der Geschäftsführer vergisst nicht, seine roten gedruckten Zettel zu verteilen, auf denen die Wohnung von Augusta und ihre Sprechstunden angegeben sind. Die Lichtreklame ist längst erloschen, schliesst Jakob Altmaier seine in einer deutschen Zeitung erschienene Schilderung, es ist dunkel geworden auf den Boulevards, nur die Azetylenlampe erhellt den Umkreis^ der Wind pfeift und die Sterne strahlen. Namentlich Wald. Ihre Rauheit ist einer ihrer .grössten Reize. Und den Parketten sollten sie ausweichen, solange sie nicht ganz herangereift sind. Frauen mit lateinischem Temperament und lateinischen Proportionen, die eher gebrechlich als elastisch sind, pflegen oft die Quintessenz der Eleganz zu sein; ihre Lebendigkeit, ihre Staccato-Bewegungen widerlegen die bekannte Behauptung nicht, dass eine ruhige und vielleicht etwas müde aussehende Frau eleganter wirke. Das zarte Gerippe der lateinischen Frauen, ihre zierlichen Proportionen und die nervöse, manchmal etwas affektierte Mimik passt am besten zu duftigen, wehenden Stoffen, weichen, langhaarigen Fellen, zu Volants und allgemeiner Bauschigkeit, die allerdings, man missverstehe mich nicht, mit der duftigen Tüllzierlichkeit sechzehnjähriger Debütantinnen nichts Gemeinsames hat. An dieser Frauentype kommt am besten die besondere absichtliche Schönheitspflege zur Geltung; wenn sie nur die geringste Neigung zu Banalität und einer gewissen Unabgeschlossenheit haben, wird die absichtliche Glätte der Haartracht, die Unauffälligkeit des Schmuckes und eine pastellfarbige Toilette dazu verhelfen, das Gesamtbild mit seinen etwas allzulebhaften Farben gleich einer Sordine zu dämpfen: die Melodie sanfter und Tuhiger erklingen zu lassen. Auch grosse, junonische Gestalten können elegant sein, ihr Stil ist aber eng begrenzt, und jede Versündigung muss unbarmherzige Folgen zeitigen. Diese grossen, starken (nicht dicken!), proportioneil gewachsenen Frauen sehen am besten in Gewändern von strengem Schnitt aus, die gut und verlässlich gearbeitet sind. Homespun und schwere Seidenstoffe, Leinen und massive Pelze, In strengen, anschmiegenden, kaum geschmückten Hüten. Kein leichtes und billiges Detail; auch der Schmuck, von dem solch eine rrosse Gestalt mehr tragen kann als jede andere, mnss massiv und gediegen sein. All das hier Gesagte erscheint schrecklich selbstverständlich, aber wenn man offenen Auges um sich blickt, rieht man auf jeden Schritt und Tritt Frauen mit allen Voraussetzungen nnd Möglichkeiten, elrgant va. sein, die sich selbst in unbegreifliche« Welse missverstehen. Die heiratslustigen Rumäninnen. Vor einigen Wochen erschien fn Buforester Blättern in auffallendem Druck ein« Anzeige, wonach 413 in eine öde Kolonie verschlagene junge Engländer 413 Mädchen zur Ehe suchen. Angebote seien an das Kolonialministerium in London zu richten. Ein© Annonce am nächsten Tag Hess erkennen, dass es sich um eine Reklamenotiz für einen neuen Film in den Bukarester Lichtspie'- theatern handelte. Gross war aber das Erstaunen im Bukarester Aussenministerium, als dort dieser Tage eine offizielle Zuschrift der englischen Foreign' Office eintraf, worin AKTIENGESELLSCHAFT LEU & Co., ZÜRICH GEGRÜNDET 1755 BAHNHOFSTRASSE 32 DEPOSITENKASSEN HEIMPLATZ — LEONHARDSPLATZ — INDUSTRIEQUARTIER Wir besorgen Bankgeschäfte jeder Art insbesondere Vermögensverwaltungen Kapitalanlagen Testamentsvollstreckungen Handels- und Hypothekenbank Berner Tromcwten- Leuchter PochonSilber handgetrieben In eigenem Atelier nach alten REHFUSS-Mustern u. Original - Zeichnungen Gebr. Pochon t / Bern 65 Marktgasse 55 Gegründet im Jahre 1601 Wochennroeramm io u»n uxri STADTTHEATERl Di.: abend*: Dar nrlorcna lohn. Mi.: abends: Orphns In der Unterwelt Do.: abends: D*r nrlorena Sohn, Volksvorstell. Fr.: abends: Roienkaralier. Sa.: abends: Orpheus in der Unterwelt So.: nachm.: DI« teläne Meisterin. abends: Rosenkavalier. ZÜRICH: STADTTHEATER! Ml.: abends 8 Uhr: Midi. Do.: abends 6 Uhr: Slee frled. 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