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E_1930_Zeitung_Nr.057

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Entwicklung des

Entwicklung des Bestandes an Motorfahrzeugen von 1910-1929. Personenwagen LKtläjjni md Tnttoni Motorräder Total iahr *)" Anzahl ^n" 0< * er Abnahme Annhl Zunahme Aniahl ^n" °^er Abnahme Anzahl ^n' °^er Abnahme p * Motorfahrzeug o/ % o/ o/ /o /o /o 1910 2276 326 4647 7249 615 1913 4 665 105 751 130 4 954 7 10 370 43 373 1914 6411 16 920 23 5504 11 11835 14 329 1017 5 076 -6 1216 32 3113 -43 9 405 -21 413 1920 8 902 75 3 331 174 8179 163 20 412 117 190 1922....^ 15 011 69 5 790 74 9 753 19 30 554 60 127 1923 16 697 11 6 342 10 10 510 8 33 549 10 116 1924 20 028 20 6 658 5 12 943 23 39 629 18 \ OQ 1924 22 540 13 8 253 24 13 664 6 44 457 12 f 8S 1925 28 697 27 8 929 8 18 967 39 56 593 27 70 1926 36 070 26 10 357 16 23 600 24 70 027 24 67 1927 42 369 17 12 078 17 31534 34 85 981 23 46 1928 50 168 18 13143 9 38432 22 101743 18 39 1929 55149 10 15 905 21 42 306 10 113 360 11 36 Von.. .auf 1910/1920. . 291 922 76 182 1910/1929. . 2 323 . 4 779 . 810 . 1 4 6 4 1920/1929. . 520 . 377 . 417 . 455 1924/1929. . 145 . 93 . 210 . 165 *) Die Erhebungen erfolgten: 1913 und 1914 am 30. April, 1910, 1917 und 1924 bis 1929 am 31. Dezember, 1920 bis 1924 am 30. Juni (im Jahre 1924 wurde der Bestand zweimal erhoben). Vergleich der Jahresbestände. Die regelmässigste Entwicklung derjahxesbestände erkennt man bei den Personenwagen. Das Kriegsjahr 1917 bildet in dieser Vergleichsreihe eine eigenartige Ausnahme. Es verzeichnet gesamthaft, wie auch bei den Personenwagen und bei den Motorrädern, gegenüber dem vorangehenden Zähl jähr 1914 eine Abnahme der Bestände, was wohl aus den damaligen enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Benzinmangel sehr leicht erklärt werden kann. Eigenartigerweise zeigt sich beim Vergleichen der Jahre 1927 bis 1929 eine verminderte Gesamrznnahme für 1929. Der Gesamtbestand der Schweiz belief sich im Jahre 1927 auf 85,981 Motorfahrzeuge, im Jahre 1928 auf 101,734 und auf Ende 1929 auf 113,360. Von 1925 bis 1928 konnte man mit einer jährlichen Zunahme von etwa 14,000 oder ca. 18—20% des alten Bestandes rechnen. Die Statistik für 1929 zeigt nun ein Sinken der relativen Jahreszunahme auf 11%. Immerhin lehren die Ziffern der sechs letzten Jahre, dass auch bei fortgeschrittener Attomobilisierung unseres Landes ein sprunghaftes Zunehmen öfters vorkommt. Von einer Sättigung des schweizerischen tootorfahrzeugmarktes darf noch lange nicht gesprochen werden. Wenn auch die gegenwärtigen Zollkämpfe weitere Schwankungen fai den Bestandeszahlen, möglicherweise auch ein vorübergehendes Abflauen der Entwicklung vermuten lassen, so wollen wir doch festhalten, däss unser Land bei weitem nicht genügend motorisiert ist, um allen Vorteilen eines hochentwickelten Strassenverkehrs teilhaftig zu werden. Bestand auf Ende 1929. (Siehe Tabelle II unten). Vier Kantone weisen, wie unsere zweite Tabelle zeigt, einen Bestand von mehr als 10,000 Motorfahrzeugen auf. Der Kanton Zürich behauptet mit 18,983 die Spitze, der grosse Kanton Bern folgt mit 17,884 knapp hinter ihm, an dritter Stelle, aber mit grösserem Abstand, erscheint die Waadt mit 11,272. Der kleine Kanton Genf steht seinem bedeutend grössern Nachbar um ein weniges nach mit seinem Bestände von 10,953 Fahrzeugen. In der Rangordnung für den Bestand an Personenwagen folgen sich: Zürich 8764, Bern 8762 und Genf 6887; bei den Lastwagen dominiert Zürich sehr stark mit 3643 Einheiten, es folgen nach: Bern 1445, Genf 1181 und Basel Stadt mit 1013. Beiden Motorrädern hält Bern mit 7559 Verkehrsbewilligungen den ersten Rang vor Zürich rrlit 6282 und Aargau mit 4012 Stück. Dichte der Motorisierung. Ueber die Dichte der Motorisierung geben die Einwohnerzahlen pro Motorfahrzeug sichere Anhaltspunkte. Den Rekord stellt immer der kleine Kanton Genf mit 1 Motorfahrzeug auf 15 Einwohner auf. In den zweiten Rang schwang sich der Kanton Neuenburg mit der Dichte 18. Rasch hintereinander folgen sich mit abnehmender Dichte, aber stets unter dem allgemeinen Mittel bleibend: Waadt 29, Zürich 30, Baselstadt und Baselland je 32, Aargau 34 und Solothurn mit der Mittelziffer 36. Den Schluss der Dichtigkeitskette bilden Uri mit 106 und Appenzell Inner- Rhoden mit 1 Motorfahrzeug auf 126 Einwohner. Sowohl in der Dichte der Personenwagen (24) als auch in der Dichte der Lastwagen (142) hat Genf einen starken Vorsprung gegenüber den andern Kantonen. ... Die Kolonnen 10 bis 16 der Tabelle II ertei« len Auskunft über die Entwicklung der kari-' tonalen Bestände von 1917 bis 1929. (Schluss Seite 4) Das zerlöcherte Automobilkonkordat. (Aus dem Bundesgericht.) Im Feburar 1929 fuhr der Chauffeur des Automobilbesitzers E. auf der Strasse Neuenburg—Auvernier, deren Oberfläche infolge eines feuchten Nebels sehr glatt war. Der Automobilist H. bog mit seinem Wagen von rechts aus einer Seitenstrasse in die Hauptstrasse ein, nahm dabei die Rechtskurve zu weit und geriet in die Strassenmitte. Der Chauffeur des E., der mit etwa 30 bis 40 km Geschwindigkeit heranfuhr, suchte den drohenden Zus&mmenstoss durch starkes Bremsen zu verhüten; dabei kam sein Wagen auf der feuchten Strasse ins Gleiten und prallte Der Bestand an Motorfahrzeugen auf Ende 1929. AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N° 57 Einwohner p r o M o t o r f a h r z e u g e gegen einen Baum, wobei der Wagen stark beschädigt wurde. E. klagte gegen H. auf 2650 Fr. Schadenersatz, da dieser durch sein falsches Einfahren in die Kurve den Unfall verursacht habe. H. behauptete, der Chauffeur des Klägers sei zu rasch gefahren und sei aus diesem Grunde für den Unfall verantwortlich. Das Kantonsgericht Neuenburg stellte fest, dass der Beklagte beim Einbiegen in die Hauptstrasse fast zwei Meter vom Trottoir entfernt gewesen sei und ungefähr die Mitte der Strasse eingenommen habe; erst in diesem Augenblick habe er den Wagen E. gesehen und angehalten. Nach der im Verkehr geltenden Uebung und nach der Rechtsprechung wäre der Beklagte verpflichtet gewesen, sich bei der Einmündung aus dem Seitenweg iri die Hauptstrasse erst zu vergewissern, ob auf dieser die Bahn frei sei, den Benutzern der Hauptstrasse den Vortritt zu lassen und dem rechten Strassenrand zu folgen. Die Unterlassung dieser Vorsichtsmassnahmen durch H. habe den Chauffeur zu der unter den Umständen gefährlichen starken Betätigung der Bremsen gezwungen. Nun sei der Chauffeur des Klägers freilich mit 30—40 km Geschwindigkeit gefahren, während die Strasse zu denen gehöre, auf denen nach den Vorschriften der Ortspolizei nur das Innerortstempo von 18 km (Art. 35 des Automobilkonkordates) gestattet wäre. Allein die Zivilgerichte hätten das Verhalten des Chauffeurs an Hand der wirklichen örtlichen Verhältnisse zu beurteilen und nicht gemäss den rein theoretischen Regeln der Polizeibehörden, welche der tatsächlich im Verkehr geltenden Uebnng zuwiderliefen. Auf einer breiten, gerade verlaufenden und daher gut übersehbaren, mit Trottoirs versehenen Strasse und zu einer Tageszeit mit nicht allzu dichtem Verkehr (morgens) könne ein Tempo von 40 Kilometer nach Ansicht des Sachverständigen nicht als gefährlich betrachtet werden und das Gericht mache diese Auffassung zu der seinen. (Der Experte hatte erklärt, dass von 10 000 Wagen kein einziger an dieser Stelle mit nur 18 km fahre!) Den Chauffeur treffe kein Verschulden, der Beklagte H. habe den Unfall allein durch sein Verhalten heraufbeschworen und sei in vollem Umfange schadenersatzpflichtig. Die Klage wurde für 2590 Fr. gutgeheissen. Der Beklagte reichte gegen" dieses ""Urteil beim Bundesgericht staatsrechtlichen Rekurs ein. Er führte aus, gemäss Art. 35 des Automobilkonkordates dürfe das Tempo eines Motorwagens innerhalb der Ortschaften 18 km nicht übersteigen. Wenn der Chauffeur des Klägers diese Geschwindigkeit um mehr als das Doppelte überschritten habe und das Kantonsgericht diesem Umstände nicht Rechnung trage, liege darin eine Willkür, die gegen Artikel 4 der Bundesverfassung (Grundsatz der Rechtsgleichheit) verstosse. Das Bundesgericht (staatsrechtliche Abteilung) hat den Rekurs durch Entscheid vom 30. Mai einstimmig abgewiesen und das kantonsgerichtliche Urteil tritt somit in Kraft. Dabei hatte es nicht etwa die Anwendung des Autokonkordats zu überprüfen, das ja hier als kantonales Recht angewendet würde, es hatte nur zu entscheiden, ob das angefochtene Urteil in den Jahren K « n t o n e s o n e n - " t " r ? d £"Total M ö t 0 T . P w . l a g t . w a S e n f a h r z . s o n e n w . w a g e n m 7 1 9 S 4 1 9 S 5 1 9 2 6 1 9 2 7 1 9 a " * * Zürich ....8 7643 6 4 3 2 9 4 6 28218 9 8 3 3 0 6 5 1 5 7 1 4 5 6 7 2061012112 6071516216 60218 983 Bern .. . 8 7 6 2 1 4 4 5 1 1 8 7 55917 8 8 4 4 0 8 1 4 8 9 1 0 7 8 7 1 3 1 9 1 9 9 1 1 14814 20116 67517 884 Luzem" 2 3 9 7 6 3 9 4 4 1 6 6 5 4 7 4 5 3 9 7 8 2 9 2 3 1 7 1 8 5 1 2 4513 0073 6 5 6 4 8 3 3 4 745 Uri . . . 1 0 9 3 2 — 1 0 0 2 4 1 1 0 6 2 3 4 7 9 7 2 3 1 1 0 1 4 1 1 7 3 2 1 4 2 2 7 2 4 1 Schwyz! 4 5 9 1 6 4 — 5 0 5 1 1 2 8 5 5 1 3 5 3 7 9 8 1 4 4 7 5 9 7 7 4 3 8 7 3 1 0 5 9 1 1 2 8 O b w a l d e n . . . . * . . . . 1 3 9 5 0 7 9 6 2 9 2 6 3 1 3 2 3 6 7 9 7 3 1 1 8 1 7 0 2 1 1 2 5 5 2 9 2 Nidwaiden 1 5 0 4 1 6 9 4 2 9 0 5 1 9 8 3 5 9 2 0 1 4 9 1 3 6 1 6 9 2 2 4 2 6 7 2 9 0 G l a r u s 2 9 4 4 9 6 2 3 3 6 8 2 5 9 1 1 7 7 0 3 6 3 2 7 3 3 1 5 3 3 5 4 3 8 6 1 1 6 8 2 Z u „ " " 3 9 4 1 4 1 1 8 2 7 6 8 2 8 4 2 8 7 2 4 4 1 0 4 2 9 2 3 7 9 4 5 4 5 7 6 7 3 5 8 2 8 Freibürg!!!!.'!!!!.'13932142514483 0 8 0 4 9 1 0 8 7 0 5 3 3 2 1 2 7 6 1 5 7 2 2 0092 2 4 7 2 8 4 3 3 080 Solothorn 1 7 3 5 3 7 7 4 0 1 8 1 6 3 9 6 8 3 6 8 2 3 7 9 3 8 8 1 3 7 2 1 9 2 0 2 49130713 6063968 Baselstadt 2 6 3 5 1 0 1 3 5 8 1 1 6 0 4 8 6 6 3 2 5 8 1 5 2 4 3 0 2 5352 3832 7713 2 6 1 4 1 1 8 4 866 Baselland 1 0 6 0 5 2 0 4 5 1 1 3 2 2 7 5 7 3 2 8 4 1 7 1 1 7 1 8 1 7 1 0 9 9 1 4 8 3 1 9 2 6 2 3 3 9 2 757 Schaff hausen 5 3 9 1 8 6 2 6 6 2 6 1 3 7 7 3 9 1 0 1 2 9 2 1 0 2 5 6 7 7 2 8 8 3 5 1 0 9 5 1 3 3 1 1 3 7 7 Appenzell A.-Rh. . . 3 7 2 6 1 — 3 3 8 7 7 1 7 2 1 4 9 9 1 1 8 5 3 9 6 3 3 4 5 2 9 5 8 6 7 1 7 7 7 1 Appenzell L-Rh. . . 5 7 7 — 5 2 1 1 6 1 2 6 2 5 6 2 0 8 6 4 2 5 4 6 6 0 8 2 9 6 1 1 6 St Gallen . . . 2 9 1 7 5 5 7 3 6 1 8 7 6 5 3 8 6 5 6 1 0 4 5 4 3 4 4 2 2 5012 7483 1564 0 1 6 4 8 0 5 5 386 Graubünden 7 0 2 2 3 8 6 4 8 1 3 8 1 9 0 1 7 6 5 3 7 6 — 4 2 2 6 8 5 7 3 8 5 5 1 2 3 3 1 3 8 1 A a r c a u 2 6 4 6 7 4 7 9 7 4 0 1 2 7 5 0 2 3 4 9 7 3 4 3 4 3 7 2 2913 0463 8274 6 5 6 6 8 5 1 7 602 Thurgau".'.'.'.'.'.'.'.'.'.17323208315973 7 3 2 3 8 8 2 4 4 3 2 7 8 1 6 7 4 2 2132 2882 7 0 5 3 3 3 2 3 732 T e s s i a 1 6 1 9 6 6 2 4 1 7 8 8 3 9 7 3 3 9 9 5 2 7 3 3 9 3 1 4 2 6 1 5 1 5 1 9 8 2 2 5 7 6 2 7 4 6 3 973 w^df ' 6 2 8 7 9 7 7 1 7 1 3 8 3 7 1 1 2 7 2 2 9 5 2 3 3 4 8 2 5 4 8956 2967 8649 67110 65811272 W a l l i s ' " " 7 5 1 3 7 4 3 6 8 6 1 8 1 4 7 6 1 8 2 3 6 6 7 3 7 2 2 4 7 6 1 0 1 4 1 6 7 6 1 5 9 4 1 8 1 4 N e u e n b u r ^ " 2 2 0 4 6 2 1 2 6 1 6 9 9 4 4 5 0 2 8 5 7 2 4 2 6 3 7 1 7 9 8 2 2592 8663 3 7 9 3 9 0 0 4 450 Genf ...°.'..'..'.'.'..688711811972 6 8 8 1 0 9 5 3 1 5 2 4 1 4 2 1 6 6 7 4 58862337 4738 625946310 953 Bund 1 4 5 7 5 0 — 9 4 9 8 9 . . . . . . • • 9 5 7 9 8 9 ' Total 55149 14594 1311 42306 113 360 86 73 278 9 405 44457 56593 70027 85981 101743 113360 willkürlich aeL Nun ist der Zivilrichter bei der Feststellung der Unfallursachen und der Behandlung der Verschuldensfrage an das Konkordat und an kantonalpolizeiliche Vorschriften nicht gebunden. Er kann in jeder gegen diese Vorschriften verstossenden Handlung ein Verschulden erblicken oder er kann von diesen Vorschriften absehen und das Verhalten der Beteiligten einzig nach den tatsächlichen Bedürfnissen und Gebräuchen des Verkehrs beurteilen. W. Schärfere Strafen für Automobilstrolche. Allmählich kommen die Gerichte erfreulicherweise doch dazu, Strolchenfahrer etwas energischer anzufassen, als in der bisher geübten Praxis. So hat das Bezirksgericht Oberrheintal einen 22jährigen Lümmel, der im Dezember letzten Jahres in St. Gallen ein Auto entwendete und anlässlich seiner widerrechtlichen Fahrt auch noch ein Unglück mit Personenverletzung heraufbeschwor, gründlich bestraft. Er wurde zu einem Jahr Arbeitshaus und mehrjähriger Kantonsverweisung verurteilt. Die Strafe ist zweifellos hart, aber sie ist wohlverdient und keineswegs ungerecht in Anbetracht des vorliegenden Tatbestandes, wonach der Lausbub mit dem gestohlenen Anto zwei alte Personen anfuhr und sich dann natürlich aus dem Staube machte. Er begnügte sich aber nicht nur mit dieser Untat, sondern Hess das Auto nach dem Unfall am Ruppenstich stehen, stahl verschiedene Velos und erreichte auf diese Weise Zürich, wo ihn dann die Polizei erwischte. Es ist höchste Zeit, dass mit derartigen Elementen nun ganx schonungslos abgerechnet wird, denn wenn ihnen nicht eine starke Hand einen tüchtigen Denkzettel verabreicht, so wird sie nichts von ihren verwerflichen Gewohnheiten abbringen. Einen ebenso strengen Massstab legte das Bezirksgericht Zürich bei einem Fahrer an, der ohne Führerbewilligung und ohne des Autofahrens überhaupt recht mächtig zu sein, die Strassen Zürichs unsicher machte und, wie zu erwarten war, auch einen Passanten über den Haufen rannte, der dann sechs Wochen arbeitsunfähig war. Der Fehlbare wurde xu. sechs Monaten Arbeitshaus verurteilt. Wir begrüssen diese Praxis sehr und hoffen nur, dass es dabei bleiben wird, solange nicht unsere Strafgesetzbücher ergänzt werden, um dem Richter ohne weiteres in der Bestrafung solcher Vergehen einen weiteren Spielraum nach oben ein-' zuräumen. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, die das Ansehen des Automobilismus so schwer schädigenden Elemente zu eliminieren. Deshalb fort mit unverdienter Rücksichtsnahme und mit schlecht belohntem Mitleid. z. Die Frage der einheitlichen Strassenverkehrssignalisierung. ist durch ein Kreisschreiben des Eidg. Justizund Polizeidepartementes, welches dieser Tage den Kantonen zuging, in ein neues Stadium getreten. Die bisherige Lage der Dinge erheischte an und für sich schon eine Abklärung, indem eine Anzahl Städte, welche in der Einführung der seinerzeit vom schweizerischen Städteverbahd aufgestellten Signalordnung ziemlich weit fortgeschritten waren, sich nachträglich nicht mehr entschliessen konnten, den später erschienenen Vermittlungsentwurf des Eidg. Departementes anzuwenden. Dieser letztere stellt bekanntlich einen Kompromiss zwischen den vom Städteverband und den anderseits von der Baudirektorenkonferenz empfohlenen Signalen dar. Die strikte Innehaltung dieser Vorschläge hätte für die vorerwähnten Städte die Entfernung einer beträchtlichen Zahl von bereits aufgestellten Signalen und deren Auswechslung gegen andere Strassentafeln zur Folge gehabt, was zum Teil mit ganz beträchtlichen Kosten verbunden gewesen wäre. Wie erinnerlich, hat sich der permanente Ausschuss des Völkerbundes mit dem Problem der Strassensignalisierung beschäftigt und wurde jüngst der Beschluss gefasst, den interessierten Staaten eine diplomatische Konferenz vorzuschlagen, welche im Frühjahr 1931 einberufen werden sollte, um den end- 1 gültigen Entwurf für eine internationale Konvention über einheitliche Strassensignale auszuarbeiten. Dieser Entschluss hat das Eidg. Justizdepartement bewogen, seinerseits die Kantone zu ersuchen, den von ihm neuerdings empfohlenen Kompromissvorschlag zu einer schweizerischen Signalordnung vorläufig ad acta zu legen und nunmehr die Ergebnisse der inAussichtstehendenKonferenz abzuwarten. Zufolge Platzmangel ist es uns leider heute nicht möglich, auf das für die Verkehrsinteressenten wissenswerte Kreisschreiben näher einzutreten und werden wir in einer kommenden Nummer auf die Angelegenheit zurückkommen.

57 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE s» »••flick« II. Internationale St. Moritzer Automobilwoche. 18—24. August. (IT.) Als die St. Moritzer Automobilwoche vergangenes Jahr in erster Auflage erstand da brachte bei der Preisverteilung einer der Konkurrenten, der Deutsche Wessels — nebenbei bemerkt Gewinner des Sternfahrt- Wanderpreises — ein Hoch auf die Organisatoren der Veranstaltung aus und Hess prompt die zweite St.MoritzerAutowoche hochleben ... Eine Episode -nur aus dem rauschenden Gewoge und Getriebe des ganzen Tourniers, aber auch ein Ausspruch, worin sich die Begeisterung spiegelt, die es bei den Teilnehmern erweckt hatte. Mehr wie einer unter ihnen verliess St. Moritz mit dem stillen Gelöbnis, auch dieses Jahr wieder mit dabei zu sein. Und sie haben das Versprechen, das sie sich selbst gegeben, gehalten. Der Erfolg der ersten St. Moritzer Automobilwoche beginnt sich auszuwirken. Gingen schon vor dem Erscheinen des Reglementes zahlreiche Anfragen, besonders aus den Kreisen letzt jähriger Konkurrenten, ein, so zeitigte der Versand der Ausschreibung noch wachsendes Interesse. Auf jeden Fall: auch für die diesjährige St. Moritzer Veranstaltung eröffnen sich schon jetzt verheissungsvolle Perspektiven, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sie ihrem Vorgänger an Internationalität der Beschickung, an sportlichen Glanz, nicht nachstehen. Vor mehreren Wochen schon streckte Chiron seine Fühler aus. Er hat St. Moritz ein gutes Andenken bewahrt und wird aller Voraussicht nach auch heuer wieder mit in die Arena steigen. Auch dem Italiener de Sterlich scheint es das Engadin angetan zn haben; wenigstens sprach er unlängst persönlich in St. Moritz vor und Hess dabei durchblicken, dass er abermals am Start erscheinen werde. Nicht minder frisch lebt die St Moritzer Automobilwoche in der Erinnerimg der deutschen Fahrer, wie aus den eingegangenen Anfragen erhellt. So werden wir beispielsweise im Münchner Steinweg einen Bekannten vom letzten Jahr begrüssen können; er bringt gleich noch ein paar Kollegen mit. Aus der Erwägung heraus, dass der Start italienischer Fahrer von Klasse geeignet wäre, der Veranstaltung einen starken Zuzug aus dem Süden zu sichern, hat das Organisationskomitee mit Alfa Romeo Verhandlungen angebahnt, die soweit gediehen sind, dass die Entsendung einer Alfa Romeo-Equipe in den Bereich der Möglichkeit gerückt ist Nazzaro hat anläss- Bch seiner Schweizerfahrt auch St Moritz einen Bestich abgestattet und dabei die Shellstrasse wie die Bernina-Rennstrecke in Anrenschein genommen. Die Sache muss ihm offenbar imponiert haben, denn er versprach, sich bei seiner Fabrik, den Fiat-Werken, dafür einzusetzen, dass sie sich für die beiden internationalen Rennen, den Kilometer Lance and das Bernina-Bergrennen, wie anch für die Schönheitskonkurrenz einschreiben. Nachträgliches zum zweiten Lauf um die c Europabergmeisterschaft». Cnneo-CoIIe della Maddalena. xHrtt ab!» sagten die meisten der Rennehampions, als sie nach einer ersten Trainingsfahrt die idyllisch schöne, 66V2 km lange Strecke, die bis 1600 Meter steigt, befahren hatten. «Cuneo della Maddalena» — vom Start bis zum Ziel höchste Anforderung an Fahrer ond Maschine. Dreissig Kilometer Schnurgerade — 36 Kilometer schwierigste Kurven und Kehren, unwahrscheinlichste Biegungen in Felsschluchten und auf abschüssigen Brükken — bis der Pass, der aus seinem rötlichen Gestein an die herrlichsten Dolomitenflecke erinnert, erreicht ist «Wie gefällt Dir Deine Uebersetzung?» wurde zum regen Frage- nnd Antwortspiel. Keinem gefiel sie — am liebsten hätte man sich zweier Rennmaschinen znm Umsteigen bedient! Italienisches Training hat eigene Formeln! Absperrungen existieren nicht «Hilf dir selbst dann hilft dir der Himmel!» ist Losung. Die einheimischen Matadore finden sich — bildlich gesprochen — damit ab, über grasende Schafherden hinwegzuspringen oder auf der Strasse ruhig spielende Kinder im 150-Kilometer-Tempo, in Gymkhanaart, zu umkreisen. Die auswärtigen Meister waren in dieser Hinsicht etwas skeptisch und auch die Staubwolken, die sich als Tarnkappen für Ueberholungszwecke besonders eignen, erhielten nicht ihre vollste Billigung. Aber alles lernt sich einmal und «Uebung macht den Meister!» «Gut gestoppt — ist nicht immer richtig prophezeit!» Italienische Blätter, deren Journalisten Tag für Tag hinter felsigen Schlupfwinkeln, mit Stoppuhren in der Hand, aufzuspüren waren, gaben Tips heraus. Für sie waren Varzi und Stuck die Hauptfavoriten, Echo vom Preis der 24 Stunden von Mans Unten! Das Zeichen zum Start ist gegeben. Die Fahrer stürzen auf ihre Wagen. Oben links: Die Sieger Barnato und Kidston, die mit ihrem Bentley-Wagen in 24 Stunden 2930,663 km. zurücklegten. die beim Training unwahrscheinliche Zeiten herausgeholt und den bestehenden Rekord des Einheimischen Gola auf Alfa Romeo in der Sportklasse im Jahre 1927 mit 48 Minuten um mehr als zehn Minuten gedrückt hatten. Erst in zweiter Linie tippte man auf Arcangeli, Nuvolari und, in seiner Klasse gross, auf Caracciola. Doch mit der Motoren Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten... Im Rennen selbst, das Sonntag, den 29. Mai, Punkt 9 Uhr, auf festlich geschmücktem Rathausplatz vom Stapel ging und von Fagioli auf Maserati eröffnet wurde, kam vieles anders, als man gedacht hatte. «Rennwagen zuerst», war die sehr vernünftige Losung der äusserst gewandten und wohlbesorgten Rennleitung. Dann startete Varzi, phantastisch schnell, anschliessend Nuvolari und folgend Stuck. Der Riesenmegaphon hielt die unübersehbare Menge in Atem. «Nuvolari passiert bereits Demonte», «Fagioli ist 22 Minuten unterwegs», «Stuck und Varzi...». Bewegung unter den Zuschauern. «Was ist mit den beiden, auf deren Duell man wartet?» «Stuck und Varzi haben angehalten — der Deutsche musste nach vier Kilometern wehat seine Preise bedeutend reduziert gen Kolbendefekt und Varzi nach zwölf Kilometern wegen Motorschaden frühzeitig die Waffen strecken!» Die Enttäuschung war laut vernehmbar. «Ahs» und «Ohs» durchfluteten die Strassen und Hessen erst ein wenig nach, als der Favorit der Sportwagenklasse, der Mercedes-Meister Caracciola, auf seinem mächtigen «S. S. K.» von dannen stürmte und nach 41,24 Minuten als Sieger in seiner Klasse gross hervorging, Biondetti und Campari hinter sich lassend... Die Bilanz: Bugatti hat seine Konkurrenz — Alfa in Front — das grosse Schlagwort! Die letzten drei grossen Siege Italiens kann diese Fabrik für sich buchen (Targa Florio : Varzi, Königspreis von Rom: Arcangeli und Cuneo-della Maddalena: Nuvolari). Ganz grossen Stil fuhr der Rekordmann des Tages, der Alfa-Mann Nuvolari; er konnte als beste Zeit des Tages einen Durchschnitt von 103 Kilometern herausholen! Ein gewaltiges Wort! Der zweite Lauf um die Europameisterschaft ist aus — es lebe die nächste ! v. R. Es ist unnötig and töricht, etwas zu riskieren. Das Motto jedes verständigen Automobilisten muss « Safety first» heissen. Verlangen Sie unsere heue Preisliste FIRESTONE IMPORT A.-G. Margarethenstr. 36 BASEL Telephon S. 48.85 Der Grosse Marnepreis von Reims. Dreyfus siegt auf Bugatti. Reims, die alte Königsstadt, sah letzten Samstag und Sonntag eine Reihe von sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, die alle im Zeichen des Automobils standen. Eine Sternfahrt brachte 400 Wagen auf den Plan, die am Samstag nachmittag in Reims einliefen. Eine Schönheitsschau schlotss sich daran an. Das Hauptinteresse konzentrierte sich hingegen auf das Rennen um den Grosen Marnepreis, an dem eine Reihe bekannter Fahrer teilnahmen. An bewährten Kräften hatten ihre "Visitenkarte abgegeben : Chiron, Etancelin, Fagioli, Lehoux, Dreyfus, Zanelli u. a. Der Verlauf des 400 km langen Rennens auf der Rundstrecke bei Reims brachte verschiedene Ueberraschungen. Chiron war vom schwärzesten Pech verfolgt. Er musste mit seinem Wagen beinahe nach jeder Rundehalten. Zu Beginn des Rennens entspann sich ein leichtes Geplänkel zwischen Lehoux und Etancelin. Bei der fünften Runde wurde Lehoux von seinem harten- Gegner überrundet, und kurz nachher ging Dreyfus siegreich an die Spitze vor. Lehoux blieb fortan zurück. Der Kampf spitzte sich zwischen Dreyfus und Etancelin zu, die in rasender Geschwindigkeit Runde um Runde erledigten. Das Duell wurde durch das Schicksal entschieden, das Etancelin ein zerbrochenes Rad bescheerte. Nach einiger Zeit musste auch Zanelli ausscheiden, so dass Dreyfus ziemlich ungeschoren sein Pensum erledigen konnte. Seine Fahrtechnik war wiederum bestrickend, kühl bis ins Herz hinein sass der Sieger des Grossen Preises von Monaco am Lenkrad. Dreyfus fuhr einen neuen Rekord beim Marnepreis, er beträgt nun 142 km. Die schnellste Runde vermochte er nicht zu fahren, der Rekord gehört immer noch Chiron, der 1928 146,938 km fuhr. Bei der Klasse unter 1500 ccm gab es keine besondern Sensationen. Michel Dore führte von Anfang an und hielt bis zum Schluss sein schönes Tempo durch. GesamtklassemenL 1- Rene Dreyfus (Bugatti), 400 km in 2 Std. W 27"% (Mittel: 141,626 km). Alter Rekord: Etancelin (Bugatti), 2 Std. 54' 14" (Mittel: 137,736 km). 2-l-Wagen: 1. Rene Dreyfus (Bugatti). 2. Marcel Lehoux (Bugatti), 2 Std. 51' 30"% (Mittel: 139,938 km). 3. Fagioli (Bugatti). Wagen 1500 ccm: 1. Michel Dore (BugattD, 3 Std. 06' 14"^ (Mittel: 128,868 km), neuer Rekord. Luftfahrt Europa-Rundflug 193a Nachdem die einzelnen am Europanmdfhtg beteiligten Länder ihre Teilnehmer und Etappenorte definitiv bezeichftet haben, lässt sich ein allgemeiner Ueberblick nun schon heute gewinnen. Für die schweizerischen Etappenorte, die bekanntlich Lausanne und Bern sind* ergeben sich folgende Durchflugsdaten: in Lausanne werden die Haupttage der 24, 25. und 26. Juli sein, in Bern, die Tage vom 25. bis 27. Juli; da Lausanne, entsprechend dem Reglement nicht vor dem 25. Juli 07 00 verlassen werden darf, ist damit zu: rechnen, dass die Kopfgruppe der 101 Teilnehmer am 24. d. in Lausanne eintreffen wird, um am 25. d. schon gegen 8 00 Uhr in Bem zu sein und das Rennen gleichen Tags noch über München, Wien, Prag usw. fortzusetzen. In dieser Kopfgruppe wird sich auch bereits der mutmassliche Sieger befinden. Die Deutschen als Sieger der letztjährigen Konkurrenz und Inhaber des Wanderbechers (gestiftet vom Aeroclub de France) werden dieses Jahr auf ganz grosse Gegner stossen; ein überlegener Sieg des einen oder andern der beteiligten Länder kann nicht vorhergesagt werden. Dem Starter in Berlin wird sich die Elite der Führer auf Maschinen aller Länder stellen. England schickt Capt. Broad, den zweiten Sieger von 1929, und unter anderen auch A. S. Buttler (mit Moth-Fhigzeug), der seinerzeit durch seinen London-Kapstadt-Flug bekannt wurde. Garberry, der im letzten Jahr eine Spezialmaschine der Räab-Katzenstein flog, nimmt dieses Jahr mit seiner Mono-Spezialmaschineteil. Ans Frankreich nehmen unter anderen teil M. Finat, der bereits 1929 konkurrierte; Maus, ein internationaler bekannter Segel- und Motorflieger, und Doret, auf einer Spezial-Dewoitine-Maschine, der seinen in Berlin gegen Fieseier errungenen Titel «König der Lüfte» nun auch im Streckenflug behaupten will. Aus Polen sind als Teilnehmer besonders zu nennen Zwirko, der im letzten Jahr einen 5000-km- Flug über Europa ausführte und der reine Amateurflieger Piotrowski, 40 Jahre alt Arzt, Alpinist und Redaktor. Fortsetzung siehe Seite 10 9