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E_1935_Zeitung_Nr.083

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F E U I L L E T O N

F E U I L L E T O N !Biume§ihoüe am JtacUUa Urwälder ebnls Von Ernst F. Löhn dort L La Ballen ha. Betrieb bei Aasgeier Santiago ! Dünn, als ob entfernter Regen auf Wellblechdächer rieselt, summt eine Gitarre. Laut rauschen die Stimmen trinkender Männer durch den hölzernen Barraum. Merkwürdig schrill und plötzlich in weiches, girrendes Lachen zerschmelzend, wiegt sich auf dem Chaos die oft unterbrochene Unterhaltung der Senhoritas. Pepita ! Ihre berückend schönen Finger mit den glänzenden Nagelhalbmonden schlagen die schwirrenden Saiten. Tiefrot hat sie die Lippen heute geschminkt, und nun gleicht ihr Mund der Hibiskusblüte, wenn sie voll geöffnet am Stengel glüht Zigarettenqualm, starker Fuseldunst, billiges Parfüm und stäubender Puder vermischen sich mit den mannigfachen Ausdünstungen malerisch zerlumpter, brigantenhaft unrasierter Urwaldmenschen und bilden ein Wolkenmeer über unseren erhitzten Köpfen. Der seltsame, strenge Duft brandet in meine Nüstern und wühlt die Seele zu stummen Melodien auf, die in wilder, primitiver Sehnsucht verklingen. Als Leitmotiv, kaum vernehmbar, plötzlich scharf und grell beherrschend, ununterbrochen, nie versiegend, zittert das Klirren gespülter und auf den Tisch gestülpter Becher durch Santiagos Pfahlbauhaus. Der einäugige Sambo Benito übt dies Geschäft mit eintöniger Regelmässigkeit aus. Sein grosser, gelbgesprenkelter Augapfel wacht mit gläserner Starrheit über den Gästen.'Santiago, mit dem einem sattgefressenen Königsgeier täuschend ähnlichen Profil, hockt im gewohnten Winkel, wo das mottenlöcherige Jaguarfell von der verschimmelten Wand baumelt. Tot für die übrige Welt, stiert er vor sich hin; seine gekrümmte Hand hält den Blechbecher voll scharfem, brasilianischem Zuckerrohrschnaps. Am wackelnden Ecktisch lehnt ein glorreich bezechter Gummisucher, der den Ertrag von sechs Monaten fiebertoller Arbeit in den dampfenden Urwäldern des Rio Xingu nun während einer einzigen, ebenso tollen Nacht hier verjubelt. Und sein Handwerk trägt — das weiss ich aus bitterer Erfahrung genau! —. das grause Antlitz eines phantastischen Nachtmahrs. Hinter dem fidelen, kautschuksuchenden Freibeuter des Sertao sitzt gleich einer turmartigen Masse vor der likörbesudelten Holzplatte die kuppelnde Ehehälfte Santiagos, genannt La Ballenha, der Walfisch. Eine Frau mit schmalem, feingeformtem Nofretetekopf, dem die eigensinnige Laune der Natur einen tonnendicken, walfischähnlichen Rumpf als Krönung verlieh! Eine Frau, deren Herz härter als Flint und Kieselstein ist. Und gleicht ihr Gemüt nicht Eis ? Denn noch nie, seit sie das regierende Zepter über dem alten, geiernasigen Saiv tiago und seinen Gästen schwingt, hat sie letzteren, die doch ihren Verdienst von Monaten und Jahren in ebensoviel Stunden auf den verbeulten, nassen Schanktisch schleudern, auch nur eine einzige Kupfermünze Kredit gewährt Siebenhundert Milreis besassen Pedro Almeira und ich! Der Juwelier zu Rio gab sie uns für einen grünen Stein, den zu^ergattern wir vier Indianer da hinten in den" schweigenden Urwäldern umbrachten. ' Dem fünften, einem alten, mit Schlangenbälgen und bunten Federn behängten Medizinmann, der uns seine Stammesbrüder erst auf den Hals hetzte, versetzte der cholerische Pedro einen gewaltigen Kolbenhieb auf den kahlen Schädel, so dass er in das tiefe Bayou hinter den Strohhütten des Dorfes der kleinen, braunen Blasrohrmänner plumpste. Seine eigenen, geheiligten Krokodile nahmen ihn in Empfang und zogen ihn hinab unter die gigantischen Blätter der Victoria regia, die dort gleich Tortenblechen aus einer Riesenküche auf dem dunkeln Wasser schaukeln, zurück nach Remate de Males. Den Rest bekamen die Senhoritas der Ballenha. Als wir aus den Kanus die Plattform des Hauses erkletterten, sandten sie uns ihre erprobten Blicke zu, die sich wie glühende Angelhaken in die Instinkte unkomplizierter, an Stromdschungeln und monatelanges Urmenschentum gewöhnter Männer hineinbohren. Und dabei können sie schlucken wie halbverdurstete irische Vollmatrosen, jene zarten Senhoritas ! Unwiderstehlich tönt unseren Ohren, die nur an die machtvoll brausende Symphonie der Urwaldtiere gewöhnt sind, jenes trügerische Sirenenlied, mit dem man uns die schmierigen Milreisscheine gleich bündelweise aus den Taschen lockt Wer kann da widerstehen,' wenn die Pepita ihren Hibiskusblütenmund öffnet und kindlich lächelnd um den Betrag für einen Heut' hob' ich eine ganz alte Tramway geseh'n, Da bin ich so traurig geworden und blieb, ihr nachblickend, steh'n, Und mir kam vor, dass ich genau so ein armes Tier; Wie der Elektrischen geht's auch mir und dir, Immer sind wir im Kasten unsrer Leiber gesperrt, Immer ist da was, das so grässlich bimmelt und plärrt. Immer sausen wir blöd im selben Trott und Geleis Und keiner, keiner, der mehr um die Freiheit, den Himmel weiss. Arme Elektrische, fährst du nicht doch noch ins Paradies, Oder bleiben wir ewig in diesem steinern Verliess? * Und in dir hetzt nur Lüge, nur Elend, nur Kummer und Hohn, Du lieber Gott! mach' alles wieder mal grün und süss. Und vielleicht fliegt doch noch die Tramway mit uns eines Tages davon. Finsteren Mord — denn das ist die sogenannte Notwehr, wenn sie der Gier nach Reichtum entspringt! —. salzigen Schweiss und unsagbare Strapazen kostete dieser grosse grüne Stein, den wir für einen Sma*- ragd hielten. Weshalb wir ihn den roten Männern, die ihn anbeteten, wegnahmen! Und da sie sich's nicht gutwillig gefallen liessen, brauchten wir eine verdammt fadenscheinige Notwehr; ihnen hat dieser Widerstand gegen die höhere Intelligenz und Kultur des weissen Mannes — einer von uns ist übrigens so braun wie Schokolade, hihi! ••&*• fünf Krieger gekostet. Der Rest flüchtete in die Büsche, die rauschend hinter ihnen; zusammenschlugen. Der Urwald hüllte' sich in brütendes, drohendes Schweigen. - Wir aber besassen den Stein. Den herrlichen Smaragd ! Jener Juwelier in Rio de Janeiro bewies uns jedoch mit wortreicher Logik, dass es sich nur um eine ungewöhnlich grosse., schöne Jaspisplatte handelte. Weil er sie an Liebhaber zu verkaufen gedachte, zahlte er Pedro und mir siebenhundert Milreis dafür. « Diablo ! Ein Museumsstück ! » hat der geschmeidige, stehkragentragende Senhor zu uns zerlumpten, nach Urwald und Sumpf riechenden Männern gesagt. Langsam und theatralisch zögernd legte er die Geldscheine auf den Tisch. Ihr Siebenhundert! Wo seid ihr? Santa Maria y Jesus ! Ein kleiner Teil ging natürlich drauf für die Dampferfahrt AUTOMOBIL-REVUE 1935 — Qie Mektoische Jakob Haringer. neuen Seidenrebozo bettelt? Eine ganze Kanuladung Gummi will ich wetten, dass jeder Mann, der ein halbes Jahr in der Dschungel hauste, nur mit ihren Geschöpfen in Berührung kam und gleichzeitig ein Leben führte wie eine Kreuzung zwischen Affe und Tapir — bald in den Bäumen, bald halstief im Sumpfe —, in Anbetung zerschmilzt, wenn Pepita ihm nur ein einziges Mal mit ihren wundervollen Fingern das rauhe Kinn streichelt. Dabei ist sie doch nur ein Freudenmädchen aus Pernambuco, bei Aasgeier Santiago auf Prozente und das, was ihre schlangerikluge Koketterie einträgt, angestellt. Pah! das ist uns bekannt. Wir wissen auch, dass ihre Schwüre und Liebesgesten schamlose Lügen sind, um uns freigebig zu machen. Aber wenn wir ausgehungert und halbausgebrannt aus der Wildnis taumeln, so können wir doch nicht die erste beste Frau, die auf der Strasse unseren Kurs kreuzt, unter den Arm stecken! Es ist eigentlich teuflisch schade, dass man das nicht darf, und ich meine, die alten Römer hatten mit den Sabinerinnen 'ne wahrhaft glorreiche Zeit! Was bleibt uns also übrig, als zu Santiago zu gehen und den Senhoritas unser schwer verdientes Geld in die willig geöffneten Finger zu stecken? Und ist's auch Theater, was sie uns dafür geben, so spielen sie doch ihre Rolle hervorragend gut, und das bleibt schliesslich die Hauptsache für einen Mann, der morgen wieder in den Urwald zurückkriecht und dort No 83 vielleicht das gewaltsame Ende findet, das ihm auf Schritt und Tritt droht Pedros Anteil von den Siebenhundert wechselte den Besitzer innerhalb vierundzwanzig Stunden. Der meine — valgame Dios! —• brauchte vielleicht die doppelte Zeit, bis Pepita alles hatte. Schliesslich erhielt der Trödler und Bürgermeister Dom Xaime noch meine zwei geliebten Revolver. Der Erlös davon wanderte prompt in' die Krokodillederhandtasche einer mir begegnenden, spazierenrudernden Tochter der Freude, deren Augenfeuerwerk ich nicht standhalten konnte, als ich gerade mein Kanu zurück zuSantiago paddelte. Hätte jene — glichen ihre Augen doch nachtschwarzen Teichen, worin Sterne versunken waren! — nicht meiner ersten Liebe in Mexiko geähnelt, dann würde sicher Pepita mit dem Blumenmund auch dieses Geld bekommen haben. Freund Pedro war den Morgen vorher in das auf vier Pfählen im Sumpfe stehende, Kalabus genannte Gefängnis gesteckt worden* Wie nämlich seine Milreis zu Ende gingen, bekam er das heulende Elend, und in diesem Zustande verprügelte er einen schäbig aussehenden Kerl, der sich dann aber als Advokat und Schwiegersohn des Bürgermeisters entpuppte. Ich plante bereits, zu Pablo Reyes oder zum alten Joaquim zu paddeln. Beide sind Händler, die das Wagnis übernehmen, die sogenannten « wilden Gummisucher » mit Kanu und Proviant auszurüsten, damit sie wieder in den Urwald zurückkehren können. Gar nicht selten machen ihnen dann jene kleinen Indios des Amazonas, die lautlos vergiftete Pfeile aus zwei Meter langen Blasrohren schiessen, ein ebenso giftiges Reptil oder sonst ein Zufall den Abschlussstrich unter die Rechnung. Das Kapital geht dann in die Binsen oder, besser gesagt, vor die Gifte. Häufig genug jedoch kehren solche auf Kredit Ausgerüsteten mit 'tier sündhaften Menge Kautschuk zurück, und der Händler macht sich ungefähr zehnfach bezahlt. Deshalb kann er es sich leisten, dass, wie man zu sagen pflegt, manchen seiner Schuldner der Teufel oder « Urumuha », das Urwaldgespenst, holt Beim alten Joaquim, dem ehrlichsten dieser Landhaifische, beabsichtigte ich Vorzusprechen, um mich ausrüsten zu lassen. Naturgummi ist noch immer gesucht; denn, frage ich, warum legt man immer noch grosse Plantagen an, und warum blüht immer noch das traurige Geschäft der wilden Gummisucher, die oft ganze Wälder vernichten? Erst ruderte ich aber nochmals zu Santiagos Platz hinüber, um denen dort zu zeigen, 10er Packung Vr. 4.50, 4er Packung Fr. 2.-. Grati8-Prospekt diskret durch EROVAQ A.-Q., Zürich 25, Bachtobelstr. 59, Lesen Sie die Broschüre „Angst vor Empfängnis?" Ton Dr. R. Engler, zu beziehen gegen Einsendung Ton Fr. 1.20 In Briefmarken oder auf Postseheck Vin/1819 Erovae A.-8. Zürcher Unterhaltungsstätten ZUG, Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. Ft. Wagners CHTouring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. O. S. Herbst- Zugerland Ausflug Zugersee — Aegerisee — Zugerberg Gutgeführte Hotels. Pensionen und Kinderheime. Auskünfte und Prospekte durch das kant. Verkehrsbureau Zug. 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N° 85 — 1935 Schloss Frauenfeld. Ein schönes Pferd und eine gut eingeschossene Pistole sind für mich das Himmelreich!» tenden Flamboyantbäumen flattern. Und fall rote Blüten von den wie Fackeln leuch- Ihre Augen blitzten lustig: «La-la! und hat manchmal sank eine solche Blüte in den man nicht dreihundert Milreis für seidene Rebozos, Pariser Schuhe und Rubinohrringe we- anderen Blume, die an den schwärzlichen Fel- weissen, weit offenen, gewaltigen Kelch einer gen einer gewissen Pepita ausgegeben? He, sen rankte. Die roten Lippen Pepitas in ihrem hat man das? Und wer lag vor Pepitas Füssen, als sie neulich in der Hängematte hinten von einst Deshalb kaufte ich Rebozos und weissen Gesicht erinnerten mich an dies Bild auf der Veranda sass und ,La Paloma' sang?» Schuhe für Pepita. Ah, Senhora, und als ich Verblüfft rief ich: «Senhora haben Augen auf den amerikanischen Schonern fuhr, die wie eine Spinne — milles perdones! wollte den Seelöwen um seines kostbaren Felles willen von den Pribylowinseln im kalten Bering- sagen, wie eine Biene. Nämlich etliche Millionen, die alles sehen! — Pepita? Dios, ihr meer bis an die liebliche Bai von Jeddo im Mund gefällt mir. Auch die Hände! Das ganze Lande der aufgehenden Sonne verfolgen — Leben besteht ja eigentlich aus Erinnerungen. Orte, von denen Sie sicher nie gehört haben! Und wieso, fragen Sie? Hören Sie, Senhora — da legten wir oft dort in Japan an. mia! In der Südsee sah ich an einem Wasser- (Fortsetzung folgt-) dass ich keinen Rei mehr in der Tasche hatte und mir im übrigen wenig draus mache, dass sie sie mir kunstgerecht ausgeleert hatten. Das war gestern, und nun ist heute, und Pedro sitzt im Kalabus. Es war gestern, als sich zwischen Ballenha und mir durch den herrschenden Lärm im Schankraum hin folgendes Gespräch entspann: «Senhor sind lustig! Sie haben Ihr Geld mit Anstand verloren und keine Rauferei angefangen, wie jener Abschaum dort! » Ihr fetter, beringter Finger wies verächtlich auf die trinkenden, braungelben Brasilianer, die gerade einen Höllenaufruhr verursachten. Ich musste lachen: « 0 Senhora, Geld soll seinen Besitzer wechseln, dazu ist es da. Uebrigens sind die Banknoten in diesem schönen Lande so unappetitlich schmutzig, dass es mich wie eine Erleichterung befällt, wenn ich die letzte ausgebe! Die Wälder dort hinten zwischen den Zuflüssen des grossen Stromes sind allein rein! Ah, Senhora, wie ich jene verfluchte, gesegnete Dschungel liebe und die blöde, sich selbst überholende Zivilisation hasse! » Ihr schöner Kopf beugte sich über den Tisch, und lakonisch kamen die Fragen: « Gummisucher? Pleite? » Ich nickte: « Si, Senhora, und meine beiden schönen Revolver hat nun der alte, wuchernde Satan und Bürgermeister in Person, Dom Xaime Torres.» Mit dem Finger drohend meinte die Frau: « Sie hängen an jenen Waffen? » Die Hand aufs Herz legend, entgegnete ich: « Senhora! wenn es nicht eine Gotteslästerung oder zumindest eine Beleidigung Ihres Geschlechtes wäre, so müsste ich antworten: Zum Wandern muss man geboren sein. Der echte Landstreicher hat die Sehnsucht nach Veränderung, den Widerwillen gegen Wurzelfestigkeit und genau umrissene Verhältnisse im Blute. Man hat den Wandertrieb erklärt als einen atavistischen Rückschlag, denn alle Völker haben tausendjährige Epochen nomadischer Wanderschaft und Lebensgestaltung hinter sich. Die Nervenärzte sprechen, von einer neurotischen Unsicherheit des Landstreichertyps, aber so lange sie uns nicht sagen können, aus welchen Elementen sich eigentlich der normale Mensch zusammensetzt, können wir mit dieser Klassifizierung nicht viel anfangen. Aus Not allein wird niemand zum Landstreicher. Es gibt in allen Städten unserer — von grossen Gegensätzen zerrissenen Welt —Menschen, die nichts mehr zu verlieren und häufig auch nichts mehr zu gewinnen haben. Aber sie denken deshalb doch nicht daran, hinauszugehen auf die- Landstrasse, durch fremde Länder zu laufen, als blinder Passagier zu fahren, den Kampf um die eigene Selbstbehauptung in jeder Stunde und an jedem Tage neu zu führen, in einer neuen Umgebung, unter fremden Menschen* Und wenn sie einmal herausgeworfen werden, sitzen sie bald wieder fest. Denn das Wesentliche des Landstreichers : die Unruhe im Blute, ein aktiver und auch romantischer Zug, fehlt ihnen. Das Leben hat sie in einen Sumpf hinabgestossen, aber sie treiben Wurzeln in diesem Sumpf, so wie sie es im gutbürgerlichen Familienheim oder auf der Höhe der Gesellschaft auch machen würden. Gewiss ist auch der Landstreicher ein wandernder Protest gegen die Schattenseiten der heutigen Ordnung der Welt. Sein Denken und Tun ist eine Art von Rebellion, aber eine persönliche Art. Der Landstreicher lässt sich nicht organisieren und tritt nie als Masse auf. Am nächsten steht ihm in der AUTOMOBIL-REVUE 15 Zivi Jtsychotagie des £andst>ieichexs Von Leo Ki pf er psychischen Struktur der Dichter. Die Nervenärzte werden sich freuen, denn auch dem Dichter haben sie die neurotische Unsicherheit und mangelnde Einordnung in das Getriebe der Gesellschaft attestiert. Sie mögen sich trösten, denn auch die Dichter sind heutzutage viel zahmer geworden, als es sich mit ihrem Rufe eigentlich verträgt. Jeder wirkliche Dichter hat in seiner Jugend dem Nömadentrieb nachgegeben und ist ein mehr oder weniger vollendeter Landstreicher gewesen. Das lässt dann nicht mehr los und wenn die Jahre kommen, in denen das Realitätsprinzip die Abrundung zur Persönlichkeit und zum nützlichen Bürger vollendet, gibt es doch immer wieder einmal so einen Ruck im Innern, und wenige Monate später erscheint die Verlagsanzeige eines neuen Wander- und Landstreicherbuches. Es sind überwiegend Erlebnisbücher. In ihnen schwingt der Rhythmus der Landstrasse und die Sehnsucht dessen, der nie wieder mit gleich tiefen Zügen die Luft einatmen wird, Wie er es als Schiffsjunge oder Tippelbruder tat. Die besten Wander- und Landstreicherbücher liest man nicht, man lebt sie mit. Und eben in diesem Leben finden wir die besten Beiträge zur Psychologie des Landstreichers, die doch zugleich auch die Psychologie des Dichters ist. Nehmen wir einige dieser Bekenntnisbücher zur Hand. -! Die Lebensfahrt eines romantischen Strofc Ches schildert Arthur Heye in seinem biographischen Roman « Unterwegs ». Er bezeichnet sich selbst als Romantiker von Geburt und Bestimmung. Schon als Junge erfüllte ihn die Sucht, ferne Länder zu sehen, jeden Weg zu gehen, nur nicht den, den die andern gingen. Und er ging seinen eigenen Weg. Mit 14 Jahren rückte er aus und fuhr auf See* Es gab Abenteuer, aber icht solche, die er sich geträumt hatte. Er musste arbeiten, Sieg. Von Heinrich Lämmlln Dunkle Nächte, gramdurchflutet, senkten ihre schwarzen Schwingen auf mich nieder. Immer wieder hörte ich die Glocken klingen, während sich mein Leid verblutet. Dunkle Nächte! — Eine Blüte wuchs aus Leid und Glockenklingen in mein Leben, Und erheben konnf ich mich nach langem "Ringen zum Verstehen und zur Güte. dass das Blut unter den Nägeln hervorspritzte. Um sich herum sah er Roheit, Niedertracht, und Gemeinheit, aber keine Romantik. Die blühte in ihm und liess sich nicht zerstören. Nach einigen Fahrten rückte er aus vom Schiff und wanderte die mächtigen Schienenwege Nordamerikas entlang. Er kam mit den Tramps zusammen, amerikanischen Landstreichern, die sich vor nichts und niemandem fürchteten, ausser — vor Arbeit Arthur Heye erzählt über sich: «Ich habe Menschen unter ihnen getroffen, die seit 40 Jahren kreuz und quer durch die riesigen Länderstrecken der Vereinigten Staaten zogen, Menschen, die seit 10 Jahren in keinem Bett geschlafen und keine 3 Tage hintereinander an demselben Platze gearbeitet hatten; Menschen, die ihren Namen und ihren Geburtsort vergessen hatten. — Wen das Leben amerikanischer Tramps einmal gepackt hat, der bleibt ihm meist verfallen für immer. Hinter jeder Weite liegen ja dort immer wieder neue, blaudämmernde Weiten, liegen Prärien, Wüsten, Ströme und Gebirge, tosende Millionenstädte und menschenleere Einöden, liegen eisige, von Schneestürmen überbrauste Gebiete, in denen halbjahrlang polare Winter herrschen, und andere, in strotzender, üppiger Fülle wuchernde, über denen sich glutheisser Tropenhimmel wölbt Rastlos durchwandert der Tramp diese Mannigfaltigkeit und Gegensätzlichkeit, und Schauen und Wandern wird zuletzt Lebenszweck und Schicksal. > In Arthur Heye spricht einer, der durch alle Erdteile gewandert ist und alle Meere befahren hat, über den Landstreicher. Alle seine Erlebnisse und Eindrücke holt er sich aus jenem Grenzbezirk, wo die Welt der sesshaften Leute zu Ende ist und die weiten, manchmal aber auch sehr engen Gefilde derer beginnen, die unterwegs sind. Es gibt viel Schlamm dort, in dem täglich Menschen untergehen. Es gibt einen Kampf aller gegen alle und doch auch wieder Zeugnisse einer Ideal durch HOhenkllmaund Wintersport Töchterinstitut Klosters Sekundärschule mit Progymnasium. Vorbereitung aul Mittelschulen. Haushaltungsschule. Winter-Semesterkurs 10. Oktober bis 26. März 1936 mit Diplomabschluss. Gründliche, zeitgemässe Ausbildung nach staatlichem Lehrplan. Dr. Landolt-Lehner. Das Auto ist ne schön« Sach Darüber herrscht kein Zweifel Dagegen sind nun allgemach Die Tour'n vorbei, zum Teifel. Ein flotter Aut)ef weiss Bescheid, Er kennt nicht Langeweüe, Er kommt nicht in Verlegenheit, Zu „Eiber" geht«, in Eile. Ich brauch' Musik, mein lieber Mann Ein Stück mit gutem Tone Und voll Verständnis Wählt er dann Begeistert.... Radlome Musikhaus Eiber, Zürich2 Alfr. Escherstrasse 23 — (Tel. 35.009) Selbst bei langandauernder Fahrt wird diese Erscheinung nicht mehr auftreten, wenn Sie die auf lange Erfahrung beruhende und von Aerzten empfohlene tragen. 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