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E_1936_Zeitung_Nr.013

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12 Jeder ist eine Welt

12 Jeder ist eine Welt für sich, in die einzukehren, sich lohnt. Die Verschiedenheit des Geschlechtes, des Alters, der Nationalität, des Berufes ergibt Gesprächsstoff für ein tioru« Leben. Man brauchte sich ja nur unwissend zu stellen und würde in jedem Menschen einen ausgezeichneten Lehrer finden. Wüsste man selbst eine Wahrheit und Hesse sie den andern aussprechen, so fühlte man sich in ihr befestigt. Die Fehlerquellen in der gegenseitigen Beurteilung würden allmählich auf ein Minimum reduziert; der zart und geschickt vorgebrachte Widerspruch weckte neue Gedanken. Je* der wäre bemüht, seine eigene Farbe abzudämpfen oder zu erhöhen, um so an die des andern heranzukommen und einen Farbenakkord mit ihr zu bilden, Jeder versuchte, seinen persönlichen Grundton auf den des andern abzustimmen, um so jene Harmonie zu erzielen, die das Glück jedes Beisammenseins ausmacht. Aber da* alles geschieht nicht. Denn die Menschen wollen nicht auf den Gedankengang eines andern eingehen und vor allen Dingen nicht schweigen. Aber auch nicht sprechen. Sie pflegen gegenwärtig ihren Teint, ihr Haar, ihre Muskeln, was jq sehr erfreulich ist, aber auf die Idee, seine Sprache zu pflegen, kommt selten einer. Höchstens jene, welche den Wunsch haben, geballt, gestuft, gefaltet, gefugt, gemeisselt zu sprechen, in totaler Unkenntnis, dass man das alles nicht mehr trägt, dass die neue Mode den einfach bekleideten Satz mit Subjekt und Prädikat vorschreibt. Wie schön wäre es, wenn jeder gezwungen würde, nur dann zu sprechen, wenn ihm etwas einfällt, mit Hingebung zuzuhören und liebenswürdig, entgegenkommend zu schweigen. Dann hätten wir bald eine ausgebildete Gesprächskunst. So sind wir, obgleich in Horden lebend, Eremiten geblieben. Niemand wird zwar behaupten können, dass das Berner Oberland eine terra incognita, ein unbekanntes Land sei. Sein Lob ist seit 100 Jahren von kompetenten Leuten verkündet worden, etwa von Lord Byron in Versen, von Mark Twain etwas prosaischer, aber ebenso anerkennend. Seither haben sich Kur- und Verkehrsdirektoren, Presse- und Propagandachefs, eingeladene und nicht eingeladene Journalisten, erbetene und ungebetene Korrespondenten, SchreibÜnge und Quartalsdichter der Sache angenommen. Kurz, über das Berner Oberland ist man orientiert, und wenn man sich noch über etwas interessiert, so lediglich um Schneehöhen, Skirennen, Schlittschuh-Konkurrenzen, Fancy Dress Bälle und Skikanonen. Das bisschen Landschaft, das noch drum und dran ist, stört einen nicht sonderlich. Man nimmt es in Kauf wie etwa in einer Konditorei das Orchester, das einem auch erst dann auffällt, wenn es plötzlich und unbegründet in wilden Synkopen daherstolpert, oder ein Geiger um einen halben Ton danebenfiedelf. idemann Höhere Handeisabteilung mit Diplomabschluß sowie Kurse für Privatsekretärinnen, Stenotypisten, Buchhalter nnd kaufmännische Lehrlinge. Deutschkurs tiir Fremdsprachige. Das schönste Auto ist nicht komplett, wenn unsere „REGENT" dazu fehlt! Die schönste, eleganteste und leistungsfähigste Kamera bei vorm. Goshawk, Bahnhotstr. 37, Tel. 36.083 Ist die Rasierklinge, wie sie sein soll! Blauband Rotband Grünband Fr. 3.— Fr. 2.25 Fr. 1.60 10 Stk. Nähe Zentralbahnhof. Aeschenvorstadt 65. • Behagliches Familienhotel. Moderner Komfort. Appartements mit Bad und Staatetelephon. - Zimmer von Fr. 4«— bis 6.—. — Alkoholfreie Restauration — Eisblumen Eisblumen am Fenster, Kein Blick in die Welt; Kein Blenden, kein Flimmern In meiner Hütte Dämmerung fällt. Kein laut aus dem Schweigen Der Bergwinternacht. — Da ist in der Glut Des Herdes ein Knistern, Ein helles Knistern, Ein Singen erwacht. Ein Jubelton, jauchzend. Silberig klar... Ob von den Sternen Ein Sternchen am Himmel Geboren war? Oder irgendwo, Unter der Menschen Bann Mit lautem Frohlocken Ein einziger einmal Das Glück gewann? Oder war'« deiner Stimme Vertrauter Klang, Der, mich zu berauschen, Aus der Sehnsucht Ferne Ins Ohr mir drang?... Eisblumen am Fenster; Sie wachsen und wehren Der Nacht, durch ihr Dräuen Mein Lauschen zu stören. Sie weben, Mit zierlichen Spitzen behängt, Ein Netz, Das mein wunderlich Träumen umfängt. Th. B. Strasser. Sechs Engfänder entdecken das Bemer Oberland BASEL Hotel Baslerhof Von A. G. U. Pozzy de Besta. Also gäbe es im Berner Oberland nichts mehr zu entdecken, wie? Seitdem es um den Tatzelwurm stille geworden ist — er lebt zwar in •artgemässer Form im Berliner Westen als Variete weiter —, hat in der Tat niemand mehr Entdeckungen gemacht, die von der Presse als druckwördig befunden worden wären. Sämtliche Möglichkeiten, irgend etwas Neues über das Berner Oberland zu berichten, scheinen ausgeschöpft worden zu sein. Alles und jedes ist schon mindestens einmal und meistens besser gesagt worden. Die letzte Idee, die einigermassen Aussicht hatte, einige Beachtung auf sich zu ziehen, die Beleuchtung der Jungfrau, verdunstete ebenso schnell, wie sie gekommen war. Die Beleuchtung von Jungfrauen, und zwar mit tausendkerzigen Ballsaallampen ist dagegen schon längst nichts Neues mehr, und überdies ist dieses Thema ebenso reichlich von Romanciers wie von Kosmetikern abgewandelt worden. In die Dürre, in der wir trotz Schneefall, Föhn, neuem Schneefall, neuem Föhn... etc. lebten, platzten nahezu unversehens sechs Söhne und Töchter Albions hinein, Repräsentanten jener Zeit- schritten, die in Engelland die Welt bedeuten, socially spoken. Wessen Bildnis im «Bystander>, im «Field», in den «Illustrated London News>, im «Queen> erscheint, der gehört zur englischen Gesellschaft. Wessen Bildnis in diesen erlauchten Magazinen nicht erscheint, der gehört wenigstens zum englischen Volk. Unsere sechs Engländer kamen In einem komfortablen Kabinenflugzeug der Imperial Airways angeflogen und Hessen sich zunächst einmal von einem smarten Interlakner Hotelier das sommerliche lnterlaken In all seinem Glanz und In all seiner Pracht schildern. Als ebenso smarte Vertreter der Presse werden sie wissen, was sie zu tun haben werden, und wo die berufliche Phantasie nicht ausreicht, da helfen Baedeker und Grieben — englische Ausgabe — nach. Die sechs waren aber nicht gekommen, um das sommerliche Berner Oberland zu erkunden, sondern das winterliche. Also fuhr man nächsten Tages hinein und hinauf, erlebte Murren, Wengen, die Kleine Scheidegg, sammelte Eindrücke und Photoalben in Grindelwald und Adelboden und verschwand nach sechs Tagen wieder dahin, von wannen man gekommen war. Ausser einer zeitweise beträchtlichen Schneemenge entdeckten unsere britischen Besucher nach ihrer eigenen Aussage nichts, was man nicht fast ebenso gut in Kitzbühl oder Cortlna d'Ampezzo haben konnte. Man entdeckte aber etwas anderes, nämlich die wirkliche, die authentische, die vtelbesungene und 18karätlge schweizerische Gastfreundschaft, und zwar bei Leuten, denen man auf diesem Gebiete die Amateurqualifikation eigentlich absprechen muss, bei den bemeroberländlschen Hotellers. Grosszügige Freundschaft zu üben, ist eine Kunst. Wer diese Kunst versteht, der weiss, dass seine Gäste nicht nur den guten Wein, die gute Küche, das Hausorchester und die schwellenden Betten loben, sondern mindestens oder noch mehr den so guten Geist, der im Hause um- geht und sich bald tm Hausherrn, bald In der Hausfrau, immer ober in der natürlichen Freundlichkeit eines gut gehaltenen und gut behandelten Personals manifestiert. Natürlich wird man in den «big eights>, den acht grossen englischen Magazinen, in nächster Zelt allerhand vom Berner Oberland lesen können, aber — und darauf kommt es an — diesmal wird man nicht nur von der vortrefflichen Küche, den guten Weinen, den wundersamen Skifeldern, muntern Taillngsparties und sonnebeg'länzten Eiskunstlaufen lesen können, sondern auch von jenen, die sonst lediglich als gewandte und scharfsinnige Einnehmer fremder Geldsorten bekannt sind und weniger als das, was sie daneben schliesslich denn auch sind und sein können; warmherzige Menschen, die sieh einer grosszögigen Gastfreundschaft mit Inbrunst hingeben. Winterferien: Doppelte Fe Warum? Fragt nicht die Stubenhocker, nicht die Bleichgesichter, die mit hochgeschlagenem Mantelkragen durch winterliche Großstadtstrassen eilen, um möglichst rasch hinter den Ofen zu kommen. Fragt die anderen, die schon einmal im Hochwinter in den Bergen waren, die in Höhensonne gebadet und auch schon einem tüchtigen Schneesturm getrotzt haben! Fragt die von der Skiläufergilde, die sich die Berge in mühsamem Anstieg erobern, die um die Losgelöstheit einer Gipfelrast wissen, um Hüttenabende in traulicher Runde, um stiebende Abfahrten im Pulverschnee eines jungen Tages. Fragt die Sonnensucher, auch wenn sie keine Skiläufer sind, die in drei Tagen mehr gesundes Sonnenbraun und mehr Lebensfreude nach Hause brachten als vielleicht von einer langen Auslandsreise. Darum Winterferien, weil es einmal sein muss, das; der ganze Mensch durchweht und durchsonnt wird, ganz anders, als im Sommer. Im Winter ist die Sonne nahe, sie schickt durch reine Luft ihre heilende Kraft auf die Erde, auf den Schnee, auf die Gletscher, von denen die Strahlen tausendfach zurückströmen und alles durchdringen. Im Sommer ist der Mensch oft träge. Selten ringt er sich das Mass an Bewegung und Ausarbeitung ab, das er sich vornahm, das sein Körper verlangt. Von einer Bergtour ruht mancher drei Tage aus; wenn es heiss ist, sucht er den Schatten auf, und wenn es regnet, so sitzt er trübselig umher. Im Winter leidet es keinen beim Stillsitzen. Bei Sonnenschein wäre es Sünde, im Zimmer zu bleiben, und wenn es schneit, ist die Umwelt in anderer Weise schön, erlebnisreich und verlockend. . Skilaufen! Das kann man erlernen. Jedes Lebensalter ist recht, die Bretter unter die Füsse zu nehmen und sich einem ordentlichen Skikurs der Schweizer Skischule anzuschliessen. Eitelkeit oder Angst vor Lächerlichkeit gibt es nicht am Uebungshang. Jeder war einmal Anfänger. Man lernt, man lacht und ist doch ernsthaft bei der Sache, man ist jung oder alt, mehr oder weniger mutig und geschickt — die Hauptsache ist die Begeisterung. Wenn man nach zehn Tage Uebungshang die erste ernsthafte Tour Zum Wintersport, das lass Dir raten: Am Anfang aller grossen Taten Querrinn« hinter sich hat, sieht das Leben auf einmal ganz anders aus. Man muss es ausprobieren, welche Wunder ein Tag in der Wintersonne vollbringt, wieviel mehr ein Tag auf den langen Brettern. Wenn man helmkehrt, braungebrannt, lebensfroh und bis ins Innerste gesund, dann weiss man die Antwort auf die Frage; Ferien? von Anfang denk daran H Die Batterie viel leisten kann, ü Muss sie stets aufgeladen sein. Ein Aoula besorgt dies fein. Das Steigen hat Dich hergenommen, Hast - wie man sagt«'nen Ast» bekommen, Ein Favraud***-Sohluck tut sicher gut, Schafft neue Kraft und frischen Mut. Das Kapriolett II Warum sind Winterferien doppelte Olympischer Scherz Ein merkwürdiger Fall ereignete sich td dof Olympischen Spielen 1904 in St. Louis im Marathonlauf, der bei einer fürchterlichen Hitze entschieden wurde. Wie in den meisten Konkurrenzen dieser Spiele waren infolge der grossen Entfernung von Europa auch hier die Amerikaner un 5 ter sich. Es war keine Kleinigkeit, bei einer Tem 2 peratur von 33 Grad im Schatten eine solche Laufstrecke zurückzulegen. So kam es, dass sich die Reihen der Konkurrenten schon nach wenigen Kilometern lichteten. Eines dieser Opfer war der Amerikaner Lorz; er erlaubte sich dabei einen Scherz, der bei dem heutigen Kontrolldienst der Marathonstrecke nicht gut mehr möglich wäre. Er machte nämlich auf halber Strecke schlapp und liess sich von einem Auto aufnehmen, das ihn, der bereits Kilometer hinter der Spitzengruppe lag, wieder nach vom brachte, wo er, dem Ziele nahe, an einer unbemerkten Stelle ausstieg und dann mit neuen Kräften weiterlief. Da dem Renngericht von diesem Vorfall zunächst nichts bekanntgeworden war, wurde er bei Betreten des Stadions — er besass die Unverfrorenheit, noch eine Schluss^ runde zu laufen — als Sieger begrüsst. Eine Viertelstunde nach diesem «Sieger» traf dann der eigentliche Marathonheld ein. Es war der Amerikaner Hicks, der nur geringen Beifall erhielt Lcider berichtet die Chronik nicht, ob Lorz für seinen Betrug bestraft worden ist. (Olympische Spiele 1936.) Steht, wie seit Jeher schon, die Wahl Vom richtigen Material. ACIll,A-Cleichii

— AutmnoMl-Hevue Der Herr lüftete höflich den Hut und'sagte: Ich sehe, Sie warten auch schon lange. Könnten wir nicht vielleicht zusammen warten? » Das Fräulein mit dem Jägerhüterl blickte erstaunt auf, besah sich Zuerst einmal den Herrn, bevor sie sich besann, ob sie überhaupt antworten soll oder nicht. Ihr Urteil fiel jedoch günstig aus: « Schön, einverstanden! Aber lange warte ich nicht mehr. Eine Freundin von mir sollte mit dem 20.34 ankommen. Jetzt ist es beinahe 21 Uhr. » Der Herr lachte auf: « Mit demselben Zug hätte meine Frau eintreffen sollen. Aber manchmal verspätet sie sich. Warten wir also noch fünf Minuten.» Der Herr dachte für sich: Herzig ist sie! Gottlob traf meine Frau nicht ein. Hab' ich ein Glück! Auf alle Fälle muss heute nacht Frau Dora Henzing gut aufpassen, dass ihr tit. Gatte ihr hübsch treu bleibt. Im Köpfchen unter dem Jägerhüterl ging folgendes vor sich: Ist ja eigentlich eine Frechheit, mich einfach so anzurempeln. Er sieht aber nett und anständig aus und ein bisschen plaudern kann doch nichts schaden. Ich werde es morgen meiner Freundin Dora Henzing erzählen, was sie mit ihrer Verspätung angerichtet hat. Nun, das Paar stand da, machte sehr höflich, mit ganz kleinen und etwas fadenscheinigen Witzchen zwischenhinein, Konversation und fror im übrigen entsetzlich. Zwar wurden sie von der Bahnhofhalle vor dem dichten Schnee geschützt, aber der Wind blies tüchtig. Punkt neun Uhr machte er den Vorschlag, sie ein Stückchen zu begleiten: «Unsere Frauen sind augenscheinlich entgleist,» meinte er lachen, und sie fügte bei: « Na, wenn nur wir hübsch im Geleise bleiben. » Man trat auf die Strasse. Der Schnee blies in grossen, schweren Flocken und der Herr schlug den Mantelkragen hoch. Beinahe war es für weitere Unterhaltung zu kalt und zu stürmisch. Als sie jedoch an einer verlockenden Konditorei vorbeikamen, proponierte er: « Wie wäre es, rasch eine Tasse Kaffee trinken zu gehen. Bei diesem Schneegestöber muss man doch unbedingt etwas Warmes trinken, ehe man zu Bette geht. » Sie zögerte. Da aber eben ein neuer Bisenstoss um die Ecke fegte, gab sie nach und entschuldigte sich: « Nun ja, bei diesem Schneegestöber!» Ptuichal 7 Tagt (b tf.W— Pautchil 7 Tag« ab FM05,- Ja, bei diesem Schneegestöber! züNrfifc vEtämw Das Hahnenmoos lockt Pauschal 7 Ttge all Fr. 94.50 Von Peter Pee. mit seinen erlebnisreichen Abfahrten. Lassen Sie uns für Ihr leibliches Wohl sorgen — dann werden Sie. einen maximalen Genuss aus Ihrer Wintersports-Betätigung herausholen. Parkhotel Bellevue, Adelboden Sonne und Berge schauen gerade hinein in unsere freundlichen Zimmer; wir geben uns alle erdenkliche Mühe, damit sich unsere Gäste „Zuhause" fühlen und Adelboden mit seiner idealen Umgebung besorgt den Rest, um Ihren Aufenthalt zu einem eindrücklichen Erlebnis zu gestalten. Kulm-Hotel Kurhaus, Adelboden Eine lustige Auf- und Ab-Partie ist der Wintersport in Grindelwald. Durch die Wengernalpbahn lässt man sich mühelos — und billig — nach der Höhe führen, um dann um so besser die Freuden der Abfahrt gemessen zu können. Und die Unterkunft bei uns bietet alles, was das ferienhungerige Hers sich wünschen mag. Hotel Belvedere, Grindelwald Wenn das Toggenburg Sie lockt, dann steigen Sie vorteilhaft bei uns ab. Seit langer Zeit ist unser Haus - direkt an der Durchgangsstrasse über den Ricken gelegen für fachmännisch geführte Küche und freundliche Räume bekannt. Zimmer von Fr. 2.- an. Garage. Tel. Nr. 71,154, A. Lacher, Küchenchef. Bad und Gasthof zur Linde, Wattwil Wie es kam, weiss man so recht nie, aber plötzlich war es elf Uhr und die Rechnung lautete auf 4 Tassen Kaffee, 2 Kirsch und 2 Cointreaux. Der Herr hängte ungeniert auf der Strasse seiner Unbekannten ein und das Jägerhüterl kam aus dem Lachen kaum mehr 'raus. Es war also auf alle Fälle sehr vergnügt und man hatte sich ausgezeichnet unterhalten. Vor der Haustüre des Jägerhüterl sagte er: « Nun schlage ich Ihnen mal was vor: Ich habe keine blasse Ahnung, wer Sie sind. Ich kenne Sie aber ganz genau. Sie sind allerliebst, jung, fröhlich, gut gebaut und gefallen mir famos. Wie Sie heissen, ist eigentlich gar nicht so interessant. Bleiben wir also ohne Namen, lassen wir die konventionelle Verstellung beiseite und treffen wir uns morgen abend wieder am Bahnhof. Einverstanden? » Das Jägerhüterl gab sich Mühe, so zu handeln, wie ihr die Mutter vor ein paar Jahren noch eingeschärft hatte. Da aber der Abend eine nicht üble Abwechslung im öden Dasein geboten hatte, da der Herr ja verheiratet und wohl aus diesem Grunde eigentlich anständig, sozusagen sehr anständig gewesen war, gab sie ihm lachend die Hand: «Schön, abgemacht. Morgen abend, 20.34 Uhr, am Bahnhof.» Zu Hause fand der Herr seine Frau. Sie war nicht im geringsten aufgebracht und erzählte, dass der Zug, des Schnees wegen, beinahe eine , ganze Stunde Verspätung gehabt habe und fügte, ohne zu fragen, bei: « Du wirst wohl einen Freund angetroffen haben und daher erst jetzt nach Hause kommen. » Der Herr stimmte wahrheitsgetreu bei: « Ja, ja, ich habe einen Freund getroffen und da sind wir bei diesem Schneegestöber noch rasch etwas trinken gegangen. » Vor dem Einschlafen überdachte er die Lage: Eigentlich hätte ich meiner Frau alles erzählen können. Wenn sie aber den « Freund » als Selbstverständlichkeit vorschiebt, hat es doch gar keinen Zweck, genaue Details über den Freund anzugeben. Sonst glaubt sie doch, ich unterschlage die Hälfte meines kleinen Erlebnisses, Und morgen — na ja, morgen muss leider das Jägerhüterl vergeblich auf mich warten. Frau Dora telephonierte am nächsten Morgen ihrer Freundin und entschuldigte sich, als sie erfuhr, dass ihre Freundin sie hatte abholen rtfyW > Die Administration der Automobil-Revue hält Prospekte sämtlicher vorgenannten Hotels und Verkehrsvereine zu Ihrer Verfügung. Wir garagieren preiswert und halten einen flotten Service zur Verfügung wollen. Die Zugsverspätung, das schlimme Schneegestöber worauf das Jägerhüterl ebenfalls vom « schlimmen Schneegestöber» stöhnte und. als Entschädigung zu den Henzings zum Mittagessen eingeladen wurde. Als Herr Henzing nach Hause kam und das Jägerhüterl in innigster Unterhaltung mit seiner Frau antraf, wurde ihm beinahe schwarz vor den Augen. Da aber Frauen in solchen Fällen besser Haltung bewahren, fasste er sich, setzte ein sehr konventionelles Lächeln auf (mit Mühe!), als seine Frau ihn vorstellte und drückte zwar zitternd aber doch formgemäss die hingestreckte Hand, Durch ein sekundenlanges Augenblinzeln kam die Abmachung zustande: Man sagt nichts und man hat nichts erlebt. Gar nichts! Es wäre alles gut gegangen, wenn nicht während des Essens Frau Dora plötzlich von dem ausserordentlichen Schneegestöber zu erzählen angefangen hätte, worauf sie sich wunderte, dass sowohl ihr Gatte wie ihre Freundin von einem heftigen Hustenanfall ergriffen wurden und die Gesichter hinter den Servietten verstecken mussten. Schliesslich murmelten die beiden Schuldigen: «Ja, bei diesem Schneegestöber! » Frau Dora stutzte, dachte kurz nach und: « Richtig, Ihr habt ja beide auf mich gestern in diesem Schneesturm gewartet. Komisch eigentlich, dass Ihr einander nicht gesehen habt!» Es gibt noch Frauen, die nichts bemerken — aber meistens haben sie es schon bemerkt und wollen nichts bemerken. Alte Haussprüche aus dem Berner Oberland Ob dem Eingang des neuerbauten Heimes von der Hand des Zimmermeisters oder Schnitzlers einige ernste Worte eingraben zu lassen, die vor der Mit- und Nachwelt vom Erbauer zeugen mochten, war eine schöne Sitte der Väter. Meist ist es ein schlichtes Bekenntnis frommer Sinnesart. Der Hausbau hat gewiss grosse materielle Opfer auferlegt; an irdischem Gut gemessen stellt er also keinen geringen Wert dar, indessen: Aler wäld sinn vnd mvt steiht nach der ehr vnd gvt / vnd wann sie das erwerben so liegen sie vnd starben, wie in der Nähe von Kandersteg der Hausspruch eines Bauherrn aus dem Jahre 1603 mahnt. Ebenso demütig und schicksalsergeben klingt dieser kurze Bauspruch von 1791: Hier baute ich ein neues haus / Stirb viellicht der erste draus. Wieviel ernstes Erleben mag über den Erbauer hingegangen sein, bis er so reif war, diese Worte über der Schwelle seines täglichen Aus- und Eingangs anzubringen! Auch in Form eines ziemlich trotzig-kriegerischen Gottvertrauens offenbart sich oft die fromme Sinnesart der Alten. Wer durch das enge Tal der Lütschine nach Wilderwil wandert, wo auf dem von Bergen bedrängten, knappen Boden der Dorfschaft in alten Tagen vielleicht mancherlei Privatfehden in der Schwebe waren, liest an einem der ältesten Häuser den köstlichen Vers: Ich achte mine Hasser « Als einen Tropfen Wasser, Der vom Tach herniderfallt. Wenn sie mich auch niden, Müssen sie doch liden, Dass mich Gottes Guet erhalt. Und ein Bauherr in Ried achtet seine « Hasser » Gleich wie das Rägenwasser, Das vom Dach herniederfliesst. Wenn sie mich auch neiden, Müssen sie doch leiden, Dass mir Gott mein Helfer ist. Kürzer und ebenso unbekümmert ein ajidrer: Lass neider Neiden und hasser Hassen / Was Gott mier gibt muss man mier lassen! Gegenüber kritisierenden Nachbarn sucht der Bauherr Trost beim Allmächtigen, so in Wattfluh (1752): Es ist kein Man so weys noch alt, das er bauwe das Jederman Gfalt. Ob er gleich Sein bestes thut, So halt man Ihms doch nicht für gut. Wer aber Gott vertraut, derselb hat weislich und wohl gebaut. * Wie denn überhaupt die Kritikaster in vielen Hausinschriften kräftig zurechtgewiesen werden: i; Mancher mich rieht. Betracht sich selber nicht: Betrachtet er sein So vergäss er mein. Oder etwas gröber: Hier buw ich nach meinem sinn Ob ich schon nicht jemand gefeiig bin. Dem es nicht gefahlt Dar denck Ehr hab es nicht bezalt. Und über die Schweizer Grenzen hinaus ist ein ähnlicher Hausvers fast im ganzen deutschen Sprachgebiet zu finden: Wer will bauen an der Strassen, Muss die Leute reden lassen. Andere Türinschriften führen dem Vorübergehenden einen Satz weltlich-ernster Lebensweisheit vor Augen, den vielleicht der Erbauer des Hauses am eigenen Schicksal besonders deutlich erfahren, wie etwa in Stiegeischwand, Adelboden (von 1824): Ein Freund in der Noth, ein Freund in dem Tod, ein Freund unterm Rücken: das sind drei starke Brücken. Wer offenen Auges die Heimat durchwandert, der stösst auf Schritt und Tritt auf ähnliche Denkmäler der Altvorderen, Vermächtnisse, die als Quellen ernsten inneren Erlebens jedem offenstehen. A. K. Göschenen BAHNHOF BÜFFET UmladestelJe für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel, 2.11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner. Sex 44 Bestellen Sie sofort Sex44, der neue Weg gegen vorzeitiges Altern und zur L-eistungavteigerungl Sex 44 ist ein wirksames, aktiviertes Hormonpräparat, das Ihnen frühere Spannkraft u. 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