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E_1936_Zeitung_Nr.094

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Die autotouristische

Die autotouristische Bedeutung der Sustenstrasse Wurde auf Grund der historischen Entwicklung die Bedeutung des Strassenwesens für die gesamte Volkswirtschaft durchaus nicht angezweifelt, so machte sich doch in der Schweiz die breite Oeffentlichkeif jahrzehntelang herzlich wenig Gedanken hinsichtlich der hohen volkswirtschaftlichen Funktionen, welche gute und nach neuzeitlichen Gesichtspunkten erstellte Strassen zu erfüllen berufen sind. In einem Staate, der schwer genug am Schuldenberg seiner Eisenbahnen schleppt, galten die Strassenausgaben eben als « unproduktiv », als überflüssig. All die warnenden Stimmen, die auf den verhängnisvollen Irrtum einer solchen Einstellung hinwiesen, die mahnende Vergleiche anstellten zwischen dem initiativen Vorgehen des Auslandes auf strassenbautechnischem Gebiete und den bei uns herrschenden Zuständen, schlug man in den Wind. Und kam schon einmal das kleinste Projekt zur Diskussion, dann trieb die bei uns so üppig gedeihende Kirchturmpolitik die schönsten Blüten. Nicht genug daran, dass jeder Kanton seine Sonderwünsche in erster Linie erfüllt sehen wollte, jede Talschaft — schon gar, wenn sie zufällig einen Vertreter im Parlament sitzen hatte — stund dieser Eigenbrötlerei in nichts nach. Gerade auf dem Gebiete des Alpenstrassenaus- und -neubaues erwiesen und erweisen sich die lieben Eidgenossen einmal mehr als vorwiegende Streitgenossen. Da heisst es nicht: Einer für Alle und Alle für Einen, sondern recht ausgeprägt: Jeder soviel als irgend möglich für sich und vor allen andern! Daher bestand eine erste Hauptfrage in der Schaffung eines Projektes, das allen Interessen Rechnung trägt, in den Vordergrund jedoch diejenigen der Landesverteidigung und des Fremdenverkehrs stellt. Die zweite Hauptaufgabe war, die öffentliche Meinung zu überzeugen, dass Ausgaben für den Strassenbau nicht unnötiger Aufwand, verlorene Gelder darstellen, sondern selbst für die in wirtschaftlichem Umbau begriffenen Staatswesen Wirtschaftlichkeit und erhöhte Leistungsfähigkeit bedeuten. Im Rahmen dieses schweizerischen Gesamtprojektes für Neubauten nun nimmt der Susten gewissermassen eine Sonderstellung ein, stellt er doch das fehlende zentrale Verbindungsstück der west-östlichen Landestransversale vom Genfersee über Jaun, Col des Mosses oder Pillon durchs Simmental-Reusstal über Klausen-, Flüela-, Ofenpass nach Santa Maria und Umbrail dar. Damit wird jedoch nicht nur eine direkte Verbindung zwischen den am Lac Leman, den Seen des Oberlandes, am Vierwaldstätter- und den Engadinerseen gelegenen Fremdenverkehrsgebieten .geschaffen, sondern gleichzeitig durch die Sustenstrasse das internationale Bindeglied zwischen der am Südufer des Genfersees ausmündenden Route des Alpes und den österreichischen und süditalienischen Strassennetzen eingefügt. Neben den wirtschaftlichen, verkehrsgeographischen und arbeitsbeschaffungspolitischen Seiten dieser neuen Sustenstrasse, wie sie in unseren Spalten eingehend gewürdigt wurden, spielt jedoch heute mehr denn je auch die touristische Bedeutung des Passes eine grosse Rolle. Auf zahlreichen Fahrten über beinahe alle bestehenden Alpenstrassen, von und zu den Gestaden des Mittelmeeres bis hinab ins Wiener Becken, durch Dolomiten und Karawanken und durch Oberbayern haben wir oft bewundernd die sich bietenden einzigartigen Landschaften und Gebirgsszenerien bestaunt. Wir sind über das heutige Sustensträsschen gewandert und haben uns gefreut, festzustellen, und zwar ohne schweizerische Ueberhebung, dass diese Strasse eines der herrlichsten Hochgeblrgspanoramen erschliesst. Von den eher sanften Gebirgsformationen des Grossglocknergebietes beispielsweise heben sich die wildromantischen Granitund Gletscherpartien am Susten wuchtig ab; schwer zu sagen, was schöner und abwechslungsreicher sein wird, ob die Fahrt von Westen nach Osten oder vom Reuss- ins Aaretal. Eine sommerliche Fahrt in den Abendstunden durch dies Gebiet dürfte Unvergessliches bieten: Wenn die Gletscherabbrüche des Heuberg, des Wassenhorns und des Murmelplankstocks, die schroffen Grate und Joche ringsum im Schatten untertauchen, wenn sich am Kuhfladfirn die letzten Sonnenstrahlen brechen und im leisen Dunkel schon aus dem vom Susten- und Gwächtenhorn, den Thierbergen und dem Giglistock gebildeten Zirkus die Qletscherwasser zu Tal rauschen. Einen kleinen Begriff von der Pracht dieser im Banne der neuen Sustenstrasse liegenden Alpenwelt sollen die in der Beilage wiedergegebenen Bilder vermitteln. Einzigartig der Tiefblick von der Passhöhe hinab in den hintern Talkessel des Meientals mit der malerischen Hinterfeldalp! Schöner noch die Sicht auf die ganze von Seewernstock über kleines Spannort bis zum Grassengrat sich präsentierende Gebirgskette! Winkt nicht aufmunternd die Sustlihütte und lädt zu bergsteigerischen Taten ein? Und das Tal selbst, mit den malerischen, bisher von der Welt ganz abgeschiedenen Dörfchen ist wahrlich ein Eldorado alpiner Kleinsiedelungen. Nicht weniger reizvoll erscheint uns das bernische Teilstück durch das Nessen- und Gadmental. Einen besondern Genuss versprechen, zumal bei wechselnder Beleuchtung, die senkrecht abfallenden Wände der Gadmer, Flühe, der Wendenstöcke, des Reissenden Nollen und des Titiis. Ausserdem vermittelt das genügsame und freundliche Völklein, das in diesen Tälern seinem Tagewerk nachgeht, durch seine Verschiedenartigkeit ein Stück schweizerischer Volkskunde, wie es anziehender auf relativ kurzer Strecke kaum anzutreffen ist. Hinsichtlich frühzeitiger Befahrbarkeit besitzt der Susten ebenfalls grosse Vorteile. Der Sonne zugekehrt, verläuft die Strasse meist über der Talsohle, wodurch die Schneeräumungsarbeiten auf ein Minimum beschränkt werden können. Dem Bergtouristen aber bringt dieser Strassenneubau ein hochalpin.es Betätigungsfeld näher, das bis heute nicht selten wegen seiner, verkehrstechnischen Abgeschlossenheit zum Unerreichbaren gehörte. Eine besondere Attraktion bildet diese Strasse zweifelsohne für die in- und ausländischen Autotouristen. Zusammen mit Grimsel- Furka und Brünig ermöglicht der Sustenpass sozusagen eine Achterfigur-Route, die beispielsweise folgende Kombinationen zulässt: Luzern, Altdorf, Wassen, Susten, Innertkirchen, Grimsel, Furka, Wassen, Susten, Meiringen, Brünig, Luzern. Die Sustenstrasee im System des schweizerischen Strassennetzes. HEB AUTOMOB T T. -REVUE FREITAG, 20. NOVEMBER 1936 — N° 94 SLMwmHwii Zweimal befahren würde dabei einzig die Strecke Wassen-Innertkirchen, deren Reiz ja gerade in der Verschiedenartigkeit der je nach dem Ausgansgpunkt wechsefnden Aspekte liegt. Jedem, vor allem aber dem fremden Automobilisten, müsste diese 4-Pässeiahrt ein Erlebnis vermitteln, das unter allen vorhandenen Pässekombinationen, speziell auf so kleinem Räume, seinesgleichen nicht findet. Weder das vielbefahrene Dreieck Gotthard-Lukmanier-Oberalp- noch die zahlreichen Dolomitenvarianten oder die Fahrten Fern-, Flexenpass-Arlberg und Galibier-Lautaret-Col du Glandon lassen sich damit vergleichen. Wie sehr sich diese im Zentrum der Schweiz gelegene Route auch propagandistisch auswerten Hesse, mag allein schon der Hinweis auf die folgenden in ihrem Einzugsgebiete gelegenen berühmten Orte beweisen, deren historische Vergangenheit ihre Anziehungskraft bis heute nicht einbüsste und deren Naturschönheiten noch immer anerkannt sind: Tellskapelle, Altdorf, Pfaffensprung, Teufelsbrücke, Urnerloch, Rhonegletscher, Stausee an der Grimsel, Aareschlucht. Hinzu kommen die zahllosen Möglichkeiten für kurze, lohnende Abstecher in die nächste Nähe dieser Achterroute, etwa: Rigi, Axenstrasse, Rütli, Bürglen, Klausen, Oberalp, Gotthard, Gelmersee, Reichenbachfälle, Hasleberg, Flüeli-Ranft, .Stockalp, Stans und Pilatus. Die Sustenpaßstrasse selbst bildet den Ausgangspunkt für bequeme Touren nach der Sustli-, den Windegg- oder sogar der Trifthütte, dann ins Gental (Engstlenalp), ganz abgesehen von all den bereits erwähnten Möglichkeiten des rechts- und linksseitig der Strasse beginnenden Eldorados für Leute, die sich auf Seil und Pickel verstehen. Einen weitern Reiz dieser Strecke bilden die vier zu berührenden Seen und last but not least die Die grosse militärische Bedeutung der Querverbindung zwischen der Grimsel- und der Gotthardstrasse über den Sustenpass ist nicht erst in jüngster Zeit erkannt worden. Schon bei den Kämpfen Lecourbes am Gotthard im Jahre 1799 spielte der Susten eine nicht unwesentliche Rolle. Damals schon wurde auf Weisung Napoleons am Ausbau einer Sustenstrasse im Meiental gearbeitet, die Arbeiten dann aber nach Wegzug der Franzosen wieder eingestellt. Der Gotthard, als alpines Zentralmassiv und Schlüsselstellung des gesamten Alpenwalles, hat von jeher die besondere Beachtung des Militärs gefunden. Strasseiizüge aus allen vier Himmelsrichtungen vereinigen sich dort, einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte bildend, und damit auch in Strategischer Hinsicht zu einem'operativen Ausgangspunkt, das Ziel von ausserordentlicher Wichtigkeit werdend. Diese Beurteilung führte auch zum Ausbau der verschiedenen Befestigungen im ganzen Gebiet des St. Gotthards. Durch die Fortschritte der Technik, auch auf dem Gebiet der militärischen Hilfsmittel (Motorisierung weittragender Geschütze, Flugzeuge), ist die Qotthardstellung nicht stärker geworden. Ueberfallartiger Angriff eines Feindes von Süden muss immer in Rechnung gestellt werden. Erfolgt ein solcher Angriff an verschiedenen Punkten erfolgreich, z. B. unter Umgehung des eigentlichen Gotthardzentralmassives im Wallis und Bündnerland, so hängt die ganze Gotthardbefestigung an der einzigen, äusserst empfindlichen Kommunikation Axenstrasse-Reusstal. Wie leicht aber die Gotthardstrasse und -bahn auf der Nordrampe unterbrochen werden kann, wissen wir schon aus den fast jährlich auftretenden Naturkatastrophen. Die Sustenstrasse hat nun die Aufgabe, den Gotthard unabhängig von der empfindlichen Reusstal-Kommunikation zu machen. Allein dies Argument rechtfertigt und zwingt sogar zum Ausbau diese Strassenstückes. Rechnen wir mit einem feindlichen Einbruch im Wallis mit Besetzung des Kessels von Gletsch, und dieser Fall kann eintreten, dann fällt jegliche Möglichkeit von Truppenverschiebungen und Nachschub über die Furka ins Gotthardgebiet dahin. Eine Sustenstrasse aber gestattet, ungestört solche Verschiebungen durchzuführen. Bei noch kritischerer Lage, Einbruch ins Oberhasli.wird eine Sustenstrasse für den Feind ausserordentlich unangenehm, und ein Angriff mit starken Kräften vom Susten her auf seine rechte Flanke ist leicht möglich und zweifellos erfolgreich. Auch ein Einbruch östlich der Gotthardstellungen, über die Bündnerpässe beispielsweise wie Lukmanier, ist für den Gotthard gefährlich. In einem solchen Falle erlaubt eine Sustenstrasse rasche Verschiebung grösserer verhältnismässige Kürze der Strecke bei nur 250 km und die relativ geringen Höhendifferenzen, welche zu überwinden sind: Luzern-Wassen Wassen-Furka Furka-Gletsch Gletsch-Grimsel Grimsel-Innertkirchen Innertkirchen-Brünig Brünig-Luzern Wassen-Sustenpasshöhe Sustenpasshöhe-Innertkirchen ca. + 550 m ca. +1450 m ca. — 670 m ca. + 400 m ca. —1540 m ca. + 380 m ca. — 570 m ca. ±1280 m ca. ±1630 m Insgesamt setzt diese Achterroute mit Luzern als Ausgangspunkt demnach die Bewältigung einer Höhendifferenz von ± 5700 m voraus. Vor allem die Sportfahrer unter den Automobilisten wird diese Tour mächtig lokken; die grossartigen, landschaftlichen Schönheiten der zu durchfahrenden Strecke, welche über 4 Pässe, an 4 Seen — den Grimselstausee mitgerechnet — vorüberführt, aber üben bestimmt auch auf weiteste Kreise starke Anziehungskraft aus, denn man findet im gesamten Ausland schwer etwas Ebenbürtiges. Bedenkt man diese touristische Tatsache und die Möglichkeiten, die sie enthält, dann greift man sich an den Kopf und stellt die Frage: Können wir uns, gerade mit Rücksicht auf die starke Konkurrenzierung der Schweiz durch das auf dem Gebiete des Autotourismus viel fortschrittlichere Ausland, wirklich den Luxus leisten, das durch den Bau einer Sustenstrasse zu erschliessende touristische Neuland noch länger brach liegen zu lassen? Die Entwicklung des internationalen Autotourismus einerseits, die nachgerade immer stärkere Formen annehmende Abwanderung der Autotouristen von unsern vernachlässigten Strassen anderseits und erst recht die sich weiterhin verschlechternde Lage unseres Fremdengewerbes zwingen zu einem kategorischen Nein! Die Konsequenz aus dieser Feststellung? Sofortige Inangriffnahme der Bauarbeiten für die neue Sustenstrasse! Die militärische Bedeutung der Sustenstrasse Truppenteile aus dem Berner Oberland ins Gebiet des Oberalp-Krüzlipasses, und weiter ausholend, noch mehr nach Osten, über Klausen und Panixerstrasse (deren Ausbau auch kommen muss), nach dem Rheintal oberhalb Chur. Ganz abgesehen von der Bedeutung des Susten im Falle eines feindlichen Einbruches bis an oder in die Gotthardstellung, hat er eine Daseinsberechtigung, auch wenn der Gotthard selber noch nicht Kampfobjekt ist. Der Susten bringt nämlich auf alle Fälle eine Entlastung der Furkastrasse, was bei deren Empfindlichkeit Witterungseinflüssen gegenüber und damit eventuell vorübergehender Sperrung, sehr zu begrüssen ist und alle generalstablichen Dispositionen wesentlich erleichtert. Truppenverschiebungen auf der schon stark rückwärts einer Front liegenden Sustenstrasse sind auch vom Feind viel weniger leicht zu erkennen als z. B. auf der Furka. Die volle Bedeutung einer Sustenstrasse wird besonders dann erkannt, wenn man sie mit einbezieht in die grosse West-Ost-Verbindungslinie Lausanne - Bulle - Jaun - Interlaken - Susten - Klausen - Panixer - Chur. Fehlt in dieser alpinen Parallelkommunikation zur Rhone - Furka - Oberalp - Rheinlinie allein der Susten, so muss der Umweg über Luzern und um den Vierwaldstättersee gesucht werden. Ein solcher Umweg macht aber eine rasche Kommunikation und damit überhaupt den ganzen Wert dieser Verbindungslinie illusorisch. Es mag auch in diesem Zusammenhange noch das kürzlich aufgetauchte Projekt eines Titiisdurchstiches erwähnt werden. Voraussetzung dafür ist die Sustenstrasse. Aber wenn diese einmal besteht, dürfte damit eine Strasse von Luzern über Stans - Engelberg durch den Titiis nach Wassen eine änsserst wertvolle Verbindung zum Gotthard darstellen, die uns unabhängig von der Reusstalstrasse machen würde. Aufruf zur Volksversammlung für eine Sustenstrasse auf nächsten Sonntag, den 22. November 1936, 14 Uhr, im grossen Saale des Hotels « Drei Schweizer » in Unterseen b. Interlaken. Eröffnungswort des Präsidenten des Aktionskomitees, Herrn J. F. Messerli, Grossrat. Referate: 1. von Herrn Regierungsrat Dr. B ö - ß i g e r , Bern. Baudirektor, über die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Sustenstrasse; 2. des Herrn Regierungspräsidenten A. Seematter über die Stellungnahme der bern. Regierung zum Sustenprojekt und dahenge Beschlüsse; 3. des Herrn Regierungsrat Fr. J o s s über Arbeitsbeschaffung, insbesondere bezüglich der Sustenstrasse. Nachherige Diskussion und Beschlussfassung über einen Resolutioasentwurf. Das Aktionskomitee für den Bau einer Sustenstrasse: Präsident: J. F. Messerli, Grossrat. Sekretär: Dr. W. Michel.

fJO 94 _ FREITAG, 20. NOVEMBER 1936 AUTOMOBIL-REVUE :t Vom Saumweg zur hochalpinen Autostrasse Der Sustenpass, eine Querverbindung vom Aare- zum Reusstal, dürfte in der Reihe der zahlreichen Alpenübergänge wohl zu den romantischsten Gebirgspässen der Schweiz gehören. In historischer, vor allem aber in militärischer Hinsicht kommt diesem Passe, trotzdem er nicht im Zuge der handelspolitisch so wichtigen alpinen Nord-Südverbindungen liegt, grosse Bedeutung zu. Vor Jahrzehnten schon beschäftigte man sich mit Projekten für den Ausbau dieser Verbindung Innertkirchen-Wassen zur leistungsfähigen Fahrstrasse. Die Zeit allein vermochte diese Pläne nicht zur Reife zu bringen; erst unter dem Drucke von Krise und Arbeitslosigkeit konnten sich die diesbezüglichen Bestrebungen zu einer Aktion verdichten, deren Bauprojekte nun endlich ernstliche Aussicht auf Erfolg besitzen. Bereits letztes Jahr haben denn auch die Regierungen der Kantone Bern und Uri dem eidg. Departement des Innern Berichte und Kostenvoranschläge zum Projekt einer neuen Sustenstrasse unterbreitet und in denselben die ca. 46 km lange Strassenbaute generell besprochen. Diesen Berichten nun ist zu entnehmen, dass das bernische Teilstück des Sustensträsschens, wie es heute noch existiert, in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts allmählich vom Fuss- und Saumweg zum Fahrsträsschen ausgebaut wurde. Vor allem in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen erhebliche Verbesserungsarbeiten zur Durchführung, die die Freigabe des Teilstückes Innertkirchen- Gadmen für den Verkehr mit Motorrädern .und Personenautomobilen bis zu 6 Plätzen erlaubte. Diese ca. 18 km lange Strecke weist eine Breite von 3 m bis 3 m 60 auf; von Obermaad (ca. 600 m östlich Gadmen) bis Steingletscher ist der Weg nur noch 2 m 50 breit und einzig mehr für Motorräder und Pferdekarren benutzbar. Nicht weniger als 30 Spitzkehren führen über die ca. 450 m hohe. Steilstufe vom Gadmentalboden nach Bäregg hinauf. Vom Hotel Steingletscher weg bis zur Passhöhe hat das Strässchen durchaus Saumwegcharakter, ist aber beispielsweise für Gebirgsartillerie noch gut benutzbar. Dass sich dies bernische Teilstück des Sustenpasses noch in verhältnismässig gutem Zustande befindet, ist vornehmlich einem angemessenen Unterhalt des Strässchens zuzuschreiben, wobei anzuführen wäre, wie beispielsweise die Trockenmauern weniger durch die Einwirkungen des Verkehrs als durch diejenigen der Witterung leiden resp. baufällig werden. Hinsichtlich der bisherigen Vorarbeiten für eine neue Sustenstrasse erfährt man aus diesen Berichten weiter, dass bereits im Jahre 1901 dem bernischen Grossen Rat eine Motion eingereicht worden war, welche den Bundesbehörden in Verbindung mit dem Kanton Uri ein Projekt für den Bau einer Fahrstrasse über den Susten vorzulegen anstrebte. Im Jahre 1904 unterbreitete der von der bernischen Regierung mit der Projektausarbeitung beauftragte Ingenieur Anselmier seine Studie. Die Baukosten der 28,4 km langen Strecke Innertkirchen-Passhöhe veranschlagte er auf 2,750,000 Fr. Am 18. Oktober 1905 wurde dem Bundesrate das Gesamtprojekt Bern- Uri für die 51,5 km lange Strecke Innertkirchen-Wassen vorgelegt; die veranschlagten Baukosten beliefen sich auf 5,490,000 Fr., was einem durchschnittlichen Kilometersatz von 106,900 Fr. entsprach. Die Finanzierung des Projektes stiess in der Folge dann auf Schwierigkeiten; es kamen die Kriegs- und Nachkriegsjahre und mit ihnen drängten sich andere, momentan wichtigere Probleme in den Vordergrund. Erst der seit Mitte der 20er Jahre sich mächtig entwickelnde Autotourismus vermochte den Bestrebungen zum Ausbau des Sustenpasses neuen Impuls zu verleihen. Vor allem dankt man es dem im Jahre 1928 konstituierten Aktionskomitee für den Bau der Sustenstrasse, dessen grosser Energie, sowie dem initiativen Einsetzen seiner Mitglieder, I dass es seither um dies Projekt nie mehr still wurde, dass dessen Realisation, trotz allen Widerständen und ungeachtet der Bremsmanöver selbst im Einzugsgebiet der - Strasse, heute endlich in greifbare Nähe gerückt ist. Inzwischen wurde , nämlich die Frage des Ausbaues unserer Älpenstrassen inkl. Erstellung neuer alpiner Übergänge auf breitester Basis aufgerollt und im Bundesbeschluss über den Ausbau der Strassen und des Strassennetzes im Alpengebiet, datiert vom 4. April 1935, haben die Vorarbeiten für den Bau einer Sustenstrasse nunmehr ihre bundesrechtliche Grundlage gefunden. Der grosse Erfolg der Wehranleihe hat ein Letztes getan; das für die Verwirklichung des Projektes wichtigste Problem, die Lösung der finanziellen Seite der ganzen Angelegenheit, erscheint in neuem Lichte und die durch die letzten Monate geschaffene psychologische Neuorientierung unseres Volkes dürfte sich auch hier fördernd und erleichternd auswirken. Strategisch betrachtet kommt der Sustenstrasse mit Rücksicht auf die wichtige Rolle der Gotthardstellungen in unserm Verteidigungssystem unter allen Strassenbauten die grösste Bedeutung zu; ihre Erstellung liegt in erster Linie im Interesse der Landesverteidigung. Und war unser Volk vor nicht allzulanger Zeit bezüglich der Belange dieser letztern noch recht geteilter Meinung, so darf man heute doch wieder die Erfordernisse unserer Wehrhaftigkeit diskutieren und in den Vordergrund stellen, ohne als Militarist verschrien zu werden — für diese Einsicht haben die rings um unser Land vor sich gehenden Kräfteverschiebungen gesorgt. Nun zur Linienführung der neuen Sustenstrasse. Das zur Ausführung vorgeschlagene Projekt sieht eine Strassenbreite von 6 m vor, gegenüber 4 m 80 bei der Vorlage Anselmier. Bei der Detailbearbeitung sind für die Einzelheiten des Ausbaues die von der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner aufgestellten Bergstrassen-Normalien für Hauptstrassen massgebend. Als Versteinung der Fahrbahn wurden vorgesehen: ein Steinbett von 25 cm Stärke und eine Bekiesung von 10—12 cm; darüber soll ein staubfreier Belag zur Ausführung kommen. Das neue Projekt strebt nach Möglichkeit eine gestreckte, flüssige Linienführung an, sucht Wendeplatten (Kehren) auf ein Minimum zu beschränken, Lawinenzüge und starke Steigungen zu vermeiden. Die zum Teil recht starken Abweichungen von der im Projekt Anselmier vorgesehenen Linienführung liegen nicht allein in der Anpassung der Vorlage an den modernen Motorfahrzeugverkehr begründet, sondern sind ebensosehr durch die inzwischen erreichte hohe Vervollkommnung der Strassenbautechnik bedingt. Im allgemeinen versucht sich die Trassierung an eine maximale Steigung von 8 % zu halten; an wenigen Stellen nur wird diese 8,6 %, und einzig auf zwei Strecken von 400 resp. 800 m Länge solche von 9 % betragen. Der Ausgangspunkt der neuen Sustenstrasse liegt in Innertkirchen (Grimselstrasse), und es folgt diese in ihrem ersten Teil dem Gadmental. Nach dem Zusammenfluss der Gadmer- und Triftwasser schiebt sich ein Querriegel in die Talmulde, dessen Ueberwindung eine Strassenentwicklung mit höchstzulässigem Gefälle erfordert. Dann folgt die Strasse neuerdings dem nunmehr offenen Talboden bis Obermaad. Ein weiterer, mächtiger Querriegel beim Zusammenfluss der Gadmer- und Wendenwasser verlangt zu seiner Ueberwindung neuerdings Längenentwicklungen bis Bäregg. Von da an, durch die sogenannte Höll, bis zum Hotel « Steingletscher » entwickelt sich die Linienführung längs des rechtsufrigen Steilhanges, und zwar ungefähr in Uebereinstimmung mit dem bestehenden Strässchen. Ob dem Steingletscherhotel (1866 m), holt die" Strasse zu einer mächtigen Schlaufe aus", um in kühner Linienführung die Passhöhe (2262 m) zu erreichen. Diesem generellen Projekt entspricht ein Kostenvoranschlag von 11,6 Mill. Fr. Hievon entfallen 1,42 Mill. auf Erstellung eines staubfreien Belages, so dass die reinen Baukosten 10,18 Mill. Fr. betragen. Diese Summen sind, trotzdem sie nur als generell bewertet werden dürfen, keineswegs rohe Schätzungen, sondern stützen sich auf das Projekt Anselmier. Nachfolgende Zusammenstellung zeigt die Verteilung der Baukosten auf die verschiedenen Teilstrecken : Oestlioh der Passhöhe recken sich die nördlichen Ausläufer des Fleckistockes in die Höhe. Links Griesenhörnli, Mitte Stücklistock mit den Kalchtalwänden. An diesem Seelein zwischen Stuhlwang und Passhöhe soll die neue Sustenstrasse vorbeiführen. Im Hinteigrund sind Thierberggruppe und Steingletscher ersichtlich. Ein 80 m a fassender Felsblock, der kürzlich durch die Macht einer Lawine aus dem Gadmerwasser etwa 150 m weit hinaufgeschleudert wurde. Er ist da.! Der neue Triumph Worte sagen nichts - man muss ihn sehen, man muss ihn fahren! Dann staunt man Ober seine Leistungen, seine Qualität, seine Linienführung - und seinen vorteilhaften Preis. Direkte Fabrikvertretung — Ausstellung — Ersatzteillager — Service KREUZ-GARAGE - Zollikerstrasse 9 beim Kreuzplatz - Telephon 26.826 J. HAUSER, ZÜRICH