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E_1939_Zeitung_Nr.024

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'Aulomobn-Reme •— N° 24 mmm Besuch bei der „fflnrallo" Die «Muralto» hat ihren Namen von dem bekannten Patrizierhaus an der Pelikanstrasse in Zürich; dort ,war die Firma früher als «Galerie Muralto» angesiedelt, in einem Wohnhaus aus den achtziger Jahren, das ein 1 Ange-' höriger der Familie von Muralt für sich bauen Hess. Zu jener Zeit hiess die Bahnhofstrasse noch Fröschengraben, und niemand ahnte, dass sich das Geschäftsviertel Zürichs dereinst zwischen dem Fröschengfaben und der Sihlbrücke entwickeln würde. Kurz, aus dem Patrizierhaus im Renaissancestil wurde ein diskretes Geschäftshaus. Vor kurzer Zeit hat sich die «Muralto» aber im neuen Muraltohaus eingerichtet, an der Nüschelerstrasse; nur ein paar Schritte vom alten Haus entfernt. Es ist ein Genuss, mit dem Geschäftsleiter der Firma, Herrn Merian — seines Zeichens Büffet in Schweizer Barock. Schnitt, durch Pressung, kalt oder heiss, und durch Schweissung. Es sind komplizierte, heikle Arbeiten, zu denen es erfahrenes Personal braucht. Nicht nur Stahlrohrgestelle für Fauteuils werden hier gemacht, sondern auch Autocar-Sitzgestelle, mit blanken Chromgriffen, auf deren Fläche die warme menschliche Haut beim Anfassen einen matten Beschlag erzeugt, der gleich wieder verschwindet, sobald man die Hand wegnimmt — schon ist das Metall wieder spiegelblank! Manche Stahlrohrgestelle werden nicht verchromt, sondern farbig abgeliefert. Gestrichen, meint der Laie. Weit gefehlt: die Farbe, die kein Oel enthalten darf, wird aufgespritzt und in einem Brennofen ins Metall eingebrannt. Es Ist gar nicht mehr möglich, die Farbe abzuschlagen. Das Stahlrohr gibt aber nur das Chassis ab. Dieses muss noch c karossiert > werden, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist. Das heissf, es werden Sitzpolster oder Lehnpölster gebaut, die zwischen die Rohrstücke aufgehängt werden, so dass der Fauteuil entsteht, der dem Körper angepasst ist, der ein Maximum an Ausruhen gestattet. Dazu braucht es zweierei: Aufhängevorrichtungen und Federn. Die Aufhängevorrichtungen bestehen in neuerer Zeit vorwiegend aus Ketten. Ein Hexenwerk, wie die Maschinen blitzschnell aus Draht solche Ketten herstellen! Von der Rolle gleitet der Draht auf einen Stahltisch, verschiedene Hämmer.und Greifzangen schiessen auf ihn los und verwandeln ihn unablässig zu zahllosen Kettengliedern, die die Maschine als festgefügte Kette verlassen. Manche Bestandteile werden auch gestanzt, Klammern, Winkelstücke und dergleichen fallen von einem Werktisch mit Architekt — über die Kultur de« Wohnens zu plaudern. «Wieso sind Sie eigentlich dazu gekommen», frage ich, «in der heutigen Zeit der geraden Linie ein Geschäft mit antiken Möbeln zu gründen?» «Weil ich wusste, dass es immer Leute gibt, die nicht modern sein können oder wollen. Mit dem Aufkommen des modernen Wohnstils haben sich die Firmen ehrlicherweise entscheiden müssen, ob sie die moderne oder die traditionelle Richtung vertreten. Ich meinerseits hatte nie eine andere Absicht, als die Pflege des Traditionellen». «Sie vertrauten also auf die Verschiedenheit der Geschmäcker und der Menschen?» «So ist es. Wir wussten genau, dass es immer viele Menschen geben wird, die an den Sekundeneile hinunter In eine bereitstehende Kiste. So ein Stahlrohrmöbel sieht modern und sauber aus. Wer sich in den Fauteuil setzt, wird von den leisen Fibrationen des Stahlrohres leicht eingewiegt, das Sitzkissen fügt das seinige bei, um den Benutzer weich zu stimmen. Ein Vorteil für den Hausherrn, der seinen Besucher in den sanften Sessel weist — denn wer so weich gebettet wird, ist machtlos und wird nachgiebig. Uebrigens sei nicht vergessen, dass das Stahlrohrmöbel eine grosse Zahl von Verwandten hat; Es sind lauter praktische Dinge, zusammenklappbar und meist wetterfest. Möbel, die man ins Freie mitnehmen kann wie jenes Feldbett, das Automobilisten mit Vorteil zu ihren Picknick-Ausflügen mitnehmen. Oder Liegestühle für Balkone, Liegestühle för den Garten, mit Ueberzügen, die jedem Wetter trotzen oder selbst von dem stärksten Regenguss nicht einmal nass werden. Einer der ersten Vorteile dieser Technik ist die Hygiene. Kein Wunder, wenn sich diese Industrie auch der Ausstattung der Schutzirnmer, der Spitäler und Sanatorien angenommen hat. Wir sind ferne davon, zu behaupten, Stahlrohr sei der alleinseligmachende Stoff zur Herstellung von Mobiliar; viele Menschen scheuen die Kühle des Metalls (aber zu unrecht, was sie einsehen, sobald sie die Sache' probieren); andere glauben, das sei zu unpersönlich für sie. Wer aber vor der Aufgabe steht, einen Arbeitsraum geschmackvoll einzurichten, wird mit Vorteil auch die Erzeugnisse der schweizerischen Stahlmöbelindustrie zu Rate ziehen, einer Industrie, die sich in wenigen Jahren einen europäischen Namen gemacht hat. H. R. S. hergebrachten Formen hängen. Ihnen dient «Wir dürfen uns nicht damit begnügen», er* mein Geschäft. Es gibt immer Leute, die wenigstens ein oder zwei Zimmer in traditionelfach das Mobiliar zu liefern. Der Wunsch der klärt mir Herr Merian, «unsern Kunden einlen Formen haben wollen, selbst) wenn sie im kultivierten Besteller geht dahin, in einer übrigen ganz modern eingestellt sind.» Wohnung zu leben, wo alle Elemente gut aufeinander abgestimmt sind. Dieses Zusammen- «Ich vermute aber, es gebe gar nicht so viele antike Möbel, die wirklich echt sind.» spiel von Tapete und Mobiliar, Teppich und «Sie dürfen mich nicht falsch verstehen. Unser Geschäft ist kein Antiquariat. Der grösste Boden, Lampenordnung und Gebrauchszweck Teil unseres Lagers besteht aus neuen Stücken, die nach alten Mustern angefertigt wurden. Die Zahl der Möbelschreiner, die sich auf diese Arbeiten verstehen, ist übrigens recht klein.» «Es sieht aber doch manches recht alt ans, was Sie hier haben.» «Gewiss. Beim Kopieren alter Stücke kann man ein wenig nachhelfen; man hat alles Recht dazu, sofern man nicht behauptet, diese Kopien seien wirklich alt. Im Ausland gibt es da und dort Fabriken, die sogenannte «echte» antiquarische Möbel fabrizieren. Man nennt das auf französisch «traiter antiquaire», das heisst, man behandelt die .neuen Möbel so, dass sie antik aussehen. Wir verstehen diese Kunst auch, aber wir machen kein Hehl daraus, dass es sich um Kopien alter Stücke Fauteufl, Genre Louis XV. handelt.» ist Sache des Innenarchitekten, der mit dem «Lassen Sie solche Stücke aufs Geratewohl künftigen Eigentümer zusammen die Wahl und auf Vorrat herstellen?» aller Gegenstände trifft Wir betrachten di» «Ihre Frage berührt eine besondere Eigenart unseres Unternehmens, Denn wir bauen Möbel nicht nur als Zweckgegenstände, sondern sie sind auch ein kulturelles Element im unsere Möbelstücke nicht aufs Geratewohl, Leben des Menschen.» sondern gewisserniassen nach Mass, für jeden Schon will der neugierige Besucher gehen, einzelnen Kunden gerade so, wie er es da fragt Herr Merian: «Haben Sie noch fünf braucht.» Minuten Zeit?» «Wie geht das zu?» «Selbstverständlich», sage ich; denn die «Jemand, der ein Zimmer oder eine Wohnung ausstatten möchte, kommt zu uns. Wir Räumlichkeiten, durch die wir geschritten sind, haben so viel Einladendes, dass es schwer besprechen die Wünsche, die der Kunde hat, fällt, sich von diesem wohnlichen, gepflegten stellen die Erwartungen fest, die -er an das Milieu zu trennen. Wir treten in einen grossen, hellen Raum, an dessen Wänden Regale Arbeitszimmer, an das Esszimmer, an den Salon knüpft. Vielleicht hat er einen Grundriss mit Stoffcoupons sind. Der liebenswürdige der Zimmer bei sich. Vielleicht muss man sie Hausherr entfaltet einige von den Stoffen, lässt sie über eine Stuhllehne fallen: «Beispielsweise: Wie würde ein goldgrüner Brokatstoff als Möbelüberzug zu dieser rötlich gemusterten Wandbespannung oder zu diesem braungetönten Wandschirm passen?» «Aha», sage ich, «psychotechnische Prüfung.» «Im sorgfältigen Abwägen der Farben und der Materialien besteht das Geheimnis, einen Raum wohnlich zu machen. Hier haben wir eine schöne Auswahl an farbigen Stoffen, Samt und Seide, Damast und anderen Geweben — hier probieren wir aus, was zusammengeht, was dem Kunden gefallen wird und Freude machen muss.» Glücklich der Mensch, der sich seine Wohnung nach Wunsch und Geschmack gestalten kann unter der Anleitung eines Kenners wie Sessel (Schweizer Barock). vorerst einmal besichtigen. Wir arbeiten einen Vorschlag aus, oft mit farbigen Skizzen, so dass der Kunde auch die Harmonie der Farben zwischen Tapeten und Stoffbezügen mitbestimmen kann. Dann erstellt unser Zeichen» atelier die Entwürfe für die gewünschten Möbel, Fachmann und Auftraggeber beraten gemeinsam, bis überall das Richtige gefunden ist. Sind die Skizzen vom Kunden genehmigt, so konstruiert man die Möbel in Naturgrösse auf dem Papier. Erst jetzt geht der Plan in die Schreinerei, wo ein kunstverständiger Handwerker sich an die Ausführung macht. Der Besteller hat bei uns Gelegenheit, die Entstehung seiner Möbel in allen Phasen zu verfolgen — denn die Werkstätten sind in nächster Nähe, zum Teil im Geschäft selbst.» In der Tapiererwerkstatt besichtigen wir daraufhin Sessel und Fauteuils in allen Stadien des Fertigwerdens. «Sie haben auch schmiedeiserne Lampen aufgehängt Gehört das ebenfalls zum Mobiliar?» Schlafzimmer Louis XV. der kultivierte, unaufdringliche Leiter der «Muralto»! H.R.S. Die Zeichnungen rnm Artikel «Besuch bei der Mnralto» stammen von der genannten Firma, die diese Stücke entworfen und auch angefertigt hat. Der neuzeitliche Bungalow lockt jeden Kenner, der sich ein gemütliches, gesundes Heim wünscht, das für die Hausfrau praktisch aufgeteilt isf. Es ist ein Herrschafishaus zu massigem Preis. m Verlangen Sie unsere Gratis-BroschGre mit zahlreichen Abbildungen solcher Häuser. Villm

N° 24 -» Automobil-Revue Mi Draussen und driniien Hübsche, praktische und wetterfeste Gartenmöbel. (Embru-Werke, Rüti-Zürich.) aue lä Mein Heber Bernhard! Die ganze Nacht träumte ich — nicht etwa von Dir, wie Du Dir einbildest — sondern von dem grossen antiken Kasten, den Du von Tante Amalie geerbt und den Du unbedingt in unsere neue Wohnung hineinstellen möchtest. Und nicht nur das, Du beharrst sogar darauf, unsere ganze Einrichtung diesem Kasten anzupassen und unsere Aussteuer, statt in bewährten Aussteuergeschäften einzukaufen, in Antiquitätengeschäften zusammenzustöbern. Kein Wunder also, dass der Traum zu einem wirklichen Alpdruck wurde, denn zum Schluss begrub er mich, Dein Kasten, und ich starb voll oder: „Wie werden wir wohnen?" Gram über Deine Halsstarrigkeit, um allerdings heute Morgen wieder aufzuerstehen. Ich habe mir die Sache nochmals überlegt, aber es will mir nun einmal nicht einleuchten, dass wegen dem alten Kasten unsere neue Wohnung in ein Museum umgewandelt werden soll! Und es will mir nicht in den Kopf, dass wir Jungen uns in einem alten Nest niederlassen sollen! Diese Idee scheint mir auch ganz im Widerspruch zu stehen mit Deinem Steckenpferd, der Hygiene! Diese alten Möbel mit ihren Holzwurmunterständen und ihrem muffigen Geschmack, im Gegensatz zu den neuen Möbeln, die so herrlich nach Holz und Ct Salon Im Regence-Stil in Nussbaum. Bezüge Brokatstoff. Echter antiker Wand-Gobelin. Entwurf und Ausführung: Fritz Gysi, Kramgasse 44. Bern. Wald duften, sind doch unhygienisch. Es tut mir weh, dass Du unsere schöne, moderne Wohnung mit so altem Plunder ausstaffieren willst. Ich finde es auch stilwidrig. Wenn wir ein feudales altes Herrenhaus besässen oder Du mir wie der Märchenprinz ein Schloss schenken würdest, dann würde ich mich Deinen Plänen nicht widersetzen, weil dann die antike Einrichtung einen Sinn hätte. Ich würde dann das süssliche Biedermeier und die ewigen Louismöbel mit Dir in Kauf nehmen. Da Du aber kein Prinz bist und wir uns bloss Luftschlösser leisten können, so werde ich alles aufbieten, um Dich zu bekehren und Dich für die herrlichen neuen Möbel zu begeistern, die für eine moderne Wohnung das einzig richtige sind. Moderne Möbel brauchen nicht notgedrungen Serienmöbel zu sein, wie sie Dir vorschweben, sondern es werden auch heute so gut als früher-Stücke geschaffen, die den Stempel der Einmaligkeit tragen. Und wenn Du \*on Linie schwärmst, so wirst Du doch zugeben müssen, dass es gerade bei den modernen Möbeln auf die Linie ankommt. Bei Deinen Antiquitäten gibt es Bogen, Schnörkel, Schnitzereien und Intarsien, bei den neuen Möbeln ist alles einfach,- die Linie allein muss es schaffen. Stelle Dir doch vor, wie wunderbar sich jenes lange dreiteilige Büfett im Esszimmer ausnehmen würde, dessen ganzer Schmuck in der eigenartigen Holzmaserung besteht. Und wie würden sich jene molligen, niedrigen Polstermöbel im kleinen Salon gut ausnehmen. Darin sitzt es sich viel weicher als in sämtlichen Empire- oder Rokoko-Fauteuils, die Du auftreiben könntest, mit ihren steifen harten Lehnen! Liebste Marise! Es steht mir als Mann nicht zu, auf meinem Standpunkt zu beharren, denn das Heim ist schliesslich Dein Reich, in dem Du Dich mehr aufhalten wirst als ich. Ich bin daher bereit, Konzessionen zu machen, wäre Dir aber sehr dankbar, wenn Du Dich entschliessen könntest, doch wenigstens ein Zimmer antik einzurichten. Was immer Du sagen magst, es ist doch etwas Schönes um ein antikes Stück, das vom Kunstsinn und dem handwerklichen Können früherer Zeitepochen Zeugnis ablegt, und wenn das betreffende Möbelstück, wie Tante Amalies Kasten, gar ein Familienerbstück ist, das seine eigene Geschichte hat und mit der Familienchronik so eng verbunden ist, so wäre es pietätlos, ein solches Erbstück zu veräussern,- abgesehen davon, dass solche Möbel wertbeständig sind und nie verleiden, was man von den modernen Möbeln nicht immer behaupten könnte! Wenn man auf Stilechtheit verzichtet und sich für irgendeine momentan moderne Phantasieform entschliesst, so riskiert man, dass sich dieselbe bald Oberlebt wie ein aus der Mode gekommenes Kleid, von dem man nicht begreifen kann, dass es uns jemals begeistert hat. Habe ich Dir übrigens gesagt, dass ich mein Empfangs- und Berufszimmer mit Stahlmöbeln auszustaffieren gedenke? Vielleicht überrascht Dich das, aber das wird Dir beweisen, dass ich das Moderne nicht im Bausch und Bogen verurteile, sondern durchaus geneigt bin, davon zu profitieren, wie im vorliegenden Fall, wo Sachlichkeit und Hygiene am Platz sind. Marise an Bernhard: Ich war gestern in einer Raumkunstausstellung, und sie hat mir den Weg zu einer möglichen Verständigung gewiesen und mir gezeigt, wie sich antike Stücke, mit Geschmack gewählt, auch als Einzelmöbel dem übrigen modernen Mobiliar einfügen lassen und vor den ruhigen hellen Wänden der neuzeitlichen Räume in ungeahnter Weise zur Geltung kommen. Nun freue ich mich direkt auf den antiken Kasten, den wir in Dein Studierzimmer stellen werden. Du kannst ihn als Bücherschrank benutzen. Mag sein, dass er als Aristokrat etwas geringschätzig auf die modernen Polstermöbel herabsieht, die ihn umgeben werden, aber die Hauptsache ist, dass damit jedes von uns beiden seinen Willen hat: Du Deinen antiken Kasten und ich die moderne Einrichtung, und gerade durch diesen Kompromiss ein Zimmer besitzen werden, um dessen Eigenart uns viele unserer Freunde beneiden werden und das — dank Tante AmeÜas Kasten — gar nicht kopiert werden kann! Sissy. Ausserordentliche Reise-Erleichterungen durch Schecks und Kreditbriefe in Reiselire, Hotel- und Benzinbons und Bahnermässigungen (50 bis 70%) Auskünfte: ENIT, Zürich, Bahnhofstrasse 80 ENIT, Genf, Place Longemalle 2 ENIT, Lugano, Riva JUbertolli 3 Behaglicher Fauteuil mit Gobelin-Stickerei. was diesem guten Manne fehlt? Ein Fauteuil, wie links davon abgebildet