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E_1939_Zeitung_Nr.034

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merksani sn machen. Also

merksani sn machen. Also auch das nur vereinzelte weisse Raben? Ungeduldig bearbeitet unser Fahrer seine Hupe und steuert schliesslich schlecht und recht an dem herzlich wenig zur Seite weichenden Lastwagen vorbei Nun geht es eine Zeitlang wieder ganz gut. Die Dinge benehmen sich manierlich; der rasche Wechsel der vorüberziehenden Landschaften beschleunigt den Vorgang des Vergessens. Der Wagen nähert sich einer Kantonshauptstrasse, deren Zufahrtswege erst vor kurzem nach den neuesten Grundsätzen der Strassenbautechnik ausgebaut worden sein sollen. Trottoirs und Fussgängerstreifen, spezielle Fahrbahnen für die Radfahrer seien da vorhanden, so dass das Befahren auch der verkehrsreichsten Kreuzung Kinderspiel und reines Vergnügen bedeute. Neugierig steuert der Automobilist auf den sagenhaften Platz zu. Nun ist er angekommen. Ein Blick genügt, um zu konstatieren, dass die fabelhafte Anlage zwar vorhanden, die Verkehrsdisziplin aber um kein Haar besser geworden. Fussgänger ziehen die Strasse dem Trottoir vor, Velofahrer tun das gleiche — ihre eigenen Fahrbahnen aber liegen verödet. Wo immer es einem gerade einfällt; wird die Strasse gekreuzt und auch die in alle vier Richtungen flitzenden Motorfahrzeuglenker scheinen die Wintermonate nicht zur Repetition der Verkehrsregeln benützt zu haben. Unser Mann schüttelt den Kopf und steuert vorsichtig durch dieses Chaos hindurch. Nein — so hatte er sich seine erste Ausfahrt wahrlich nicht ausgemalt! (Fig. 4) Besser die Stadt hinter sich lassen, denkt er im Weiterfahren. Hinaus aufs Land, hinauf in die Berge — vielleicht wird dort noch Wirklichkeit,' auf was er sich seit Wochen gefreut. In flotter* Fahrt zieht der Wagen bergan. Es ist, als möchte er die in den Wintermonaten gesammelte Kraft dokumentieren, spielend nimmt er die Steigungen; Zementund Rundpflästerstfassen wechseln' imt asphaltgedeckten; kein Stäubchen hindert die' Fig. 5. prächtige Sicht. In Gedanken nickt der Automobilist jenen Verkehrsprospektumschlägen und Verkehrsplakaten zu, deren grosszügig angelegte Wendeplatten und auf 6 und mehr Meter Breite ausgepflasterte Strassenansichten ihm während des Winters manch ungläubiges Lächeln entlockt. Also doch! Aber o weh — auch dies freudige Ueberraschtsein hält nicht an. Kaum beginnt die eigentliche Bergstrecke, so sind auch die bekannten Staubwolken einmal mehr nicht abzuschüttelnde Gefährten. Hupengeheul zerreisst die Stille; welch' guter Fahrer drosselt seinen Motor gern und geduldig auf einer Passfahrt? Ein Vorfahren aber ist selbst auf ausgebauten Strecken infolge mangelhafter Strassenbreite durchaus nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen. Wieder bricht eine Illusion zusammen: Unsere Strassenbauer besitzen nicht den Weitblick eines Napoleon, d. h. sie bauen unsere Qebirgsstrassen, nicht, wie jener den Slmplon, 7—8 in breit. Zwar messen die auf unsern Paßstrassen verkehrenden Gesellschaftswagen durchschnittlich 2 m 20 in der Breite, manchmal noch mehr — aber unbekümmert um diese Tatsache wenden sie unsere Bergstrassen-Normalien halt nicht als Mittd-, sondern als Maximalmasse an! (Fig. 5) , :j , Schliesslich winkt aber auch nach der engsten und staubigsten Bergstrecke eine Passhöhe, die zum Verweilen einlädt und mit ihrer Fernsicht die Mühen und' Unannehmlichkeiten des Weges entschädigt. Doch so ohne weiteres wird einem auch dies Vergnügen nicht. Knapp unter dem Kulminationspunkt versperrt ein mitteö-in der Kurve parkierter Wagen die Weiterfahrt, resp. gestaltet diese zu einer Geschicklichkeitsübung ob dem Abgrund. Mitten in einer der anstbssenden saftigen "Alpenwiesen lagern die Insassen,'ihre roten Hütchen mit den langen •Federn geben ihnen-ein überaus neckisches Aussehen. Brrr — denkt unser Mann und '< stellt sich diesen Picknickplätz in einigen Stunden vor. Er hat ja deren schon zu Hunderten angetroffen. Leere Konservenbüchsen, Flaschen, Papierfetzen, Orangen- und Bananenschalen werden dann herumliegen und die Scheinwerfer und Motorhaube des heimwärtssteuernden Wagens je nach Saison Narzissen- oder Alpenrosenbündel zieren (Fig. 6). -Dann geht es wiederum talwärts. Noch ist der schöne Tag längst nicht zur Neijre gekostet, als plötzlich eine unsichtbare Macht ins Steuerrad greift. Da heisst es festhalten und parieren; Am Strassenrand kommt der Wagen glücklich zürn Stehen und ein wenig AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 25. APRIL 1939 — N° 34 seufzend besieht sich unser Mann den Schaden näher. Panne: einem der Finken hat wohl ein Nagel den Garaus gemacht Also Radwechsel! Unverdrossen macht er sich ans Werk. Aber der Rädschlüssel ist und ist gutem Beispiel vorangehen. nicht zu finden. Blieb er im Vorgefühl kommender Fahrtfreuden am Ende in der Garage liegen ? Nun — zum Verzweifeln scheint kein Grund vorhanden. In kurzer Folge fahren hier Wagen auf Wagen durch; einer wird das notwendige Requisit schon mit sich führen. Doch auch hier scheint sich unser Freund trügerischen Illusionen hingegeben zu haben. Von>- der vorausgesetzten Kameradschaftlichkeit der Mit-Automobilisten ist herzlich wenig zu spüren. Keiner macht Miene, anzuhalten und nach seinem Missgeschick sich zu erkundigen. Da nützen die unmissverständlichsten. Gebärden nichts, einer nach dem * WI • Mw^^^•AA**M^ Kf. 6. andern zieht vorbei, von Hilfsbereitschaft nicht die Spur — Schadenfreude allerdings ist auf mehr als einem Gesicht zu lesen. Doch schliesslich hat auch diese Regel ihre Ausnahme/ Ein geliehener Schlüssel, • eine, sicher funktionierende Handpumpe und vier Hände an Stelle von zweien machen den Schaden in kürzester Zeit wieder gut (Fig. 7). Meditierend geht es daraufhin heimwärts. Also selbst in den eigenen Reihen ist es noch so schlimm bestellt, denkt unser Mann. Ei — da dürfen wir allerdings an Disziplin und Kameradschaftlichkeit der andern Strassenbenützer keine grossen Anforderungen stellen. Denn schliesslich sollten wir doch mit Unversehens sieht er sich nun eingeschaltet in die Riesenschlange der heimkehrenden Wagen. In ununterbrochener Reihe, folgen sich die Vehikel, eins hinter dem andern. Bis dann plötz- Ffc. 8. Hch ein Glied dieser Kette von einer Tarantel gestochen zu sein scheint. An unübersichtlicher Stelle bricht er aus der Linie, drückt vor und sieht sich plötzlich in einer höchst unangenehmen Situation (Fig. 8). Nun geht die Zeit, welche er einsparen wollte, verloren — ein mehreres dazu, und schliesslich landet der Ausreisser als letzter an jenem Orte, an dem um seiner kulinarischen Spezialitäten willen kaum ein Sonntagsfahrer einfach vorüberzieht. Nach kurzer Rast geht es dann weiter, hinaus in die Nacht. Hell geistert der durch die Verkehrskontrolle überprüfte Scheinwerfer durchs Dunkel. Unserm Automobilisten fällt das Fehlen jeglicher Verkehrssignale auf. Angestrengstes Nachdenken bringt Licht in die Geschichte. Die bei Fahrtbeginn beobachteten, auf niedern Zementsockeln montierten und daher direkt ins Blickfeld springenden Verkehrssignale sind wohi erst eine Art Ver- Fig. 9. suchskaninchen. Ein Stoßseufzer wird laut: Möchten doch die Baubehörden recht bald ein Einsehen haben I Die auf hohen Eisenstangen befindlichen bisherigen Signale liegen samt und sonders im Scheinwerferschatten und können vom Lenker trotz vorzüglicher Halsakrobatik nicht gefunden werden (Fig. 9). Steht der Wagen dann wohlverwahrt m der Garage, so lässt unser Mann seine Tageserlebnisse noch einmal an sich vorüberziehen. Und siehe da ! All die Intermezzi und Enttäuschungen sind bereits am Verblassen, leuchtend steht darüber die Erinnerung an einen prächtigen Tag voll Sonne und Blüten. Und so soll und muss es sein : Dennoch und trotzdem wollen wir sagen zur Diskrepanz zwischen Wunschtraum eines guten Automobilisten und der weniger idealen Wirklichkeit! , Da fühlte sie sich plötzlich hochgehoben und auf Aguillars Armen wie ein Kind fortgetragen. In ihren Ohren rauscht das Blut und klingt das rasende, besessene -Klatschen der begeisterten Menge. Eine Gittertür, wird rasch auf- und zugeschlagen und dann wird sie selbst sanft aber schnell in den Sand der Manege gestellt. « Ruhe l * zischt ihr Aguillar mit hypnotischer Stimme zu. «'Sie: tun Ihnen nichts- Halten Sie sich immer hinter mir !.» ' Muriel bleibt nichts anderes übrig, als dem Befehl zu.folgen und hinter dem breiten Rücken des Bändigers Deckung ! za [ suchen: Sie spürt den- dürchdririgendenVRäubtiergeruch mit allen Nerven und sieht die bunten Bestien mit elastischer Trägheit in, ihrer nächsten Nähe Sich "schleichend bewegen. Zum Glück bemerkt sie noch nichts von der beginnenden Unruhe unter den Tieren, sie findet im Gegenteil nach dem ersten Schock, dass sie sich die Könige des Dschungels immer viel wilder und gefährlicher vorgestellt hat. Wenn es nach der Phantasie ihrer Mädcheniahre ginge, müsste sie schon zerrissen sein. Dieser Gedanke gibt ihr ihren ganzen Mut wieder und macht sie fähig, sich zum erstenmal ausserhalb des Käfigs umzublicken. Zwar erkennt sie keine Gesichter im Publikum, doch sie merkt, dass die 1 Leute noch immer wie rasend- Beifall klatschen und dass die Kapelle mit einem Tusch eingesetzt hat. Offenbar gilt diese Ehrung ihr selbst. Sie fühlt erstaunt, dass ihre weibliche Eitelkeit wach wird und neigt einige Male damenhaft 1 beiläufig den Kopf. Don Aguillar, der das mit einem seiner kurzen Seitenblicke bemerkt, ruft ihr mit spürbar aufrichtigster Hochachtung ein bravo ! bravo ! zu. « Eine fabelhafte Frau ! » denkt er flüchtig, doch dann richtet sich seine vollste Aufmerksamkeit wieder auf die Tiger. Er, der sie so gut kennt, merkt sehr wohl die Unruhe, die. sie immer mehr ergreift, und führt sie auf die Anwesenheit Muriels im Käfig zurück» Natürlich, das Vorhandensein der fremden Frau, deren Geruch die empfindlichen Nasen der Bestien reizt, kompliziert den Dressurakt. Aber damit hat Aguillar gerechnet und er ist durchaus der Mann, solche Schwierigkeiten zu meisterni Immerhin kann er die Rede, die er sich ausgedacht hat, nicht so schön halten, wie er gern möchte, und muss sich auf das Notwendigste beschränken. Sobald sich der Beifall etwas gelegt hat, hebt er um Ruhe bittend die linke Hand. Die rechte braucht er, um die immer nervöser werdenden Bestien mit der Eisenstaage zu dirigieren. * « Meine Damen und Herren! » verkündet' er in einem leicht gefärbten Französisch, «Sie sehen heute etwas ganz Besonderes. Eine Dame der Gesellschaft hat sich mit mir unter die wilden Tiere begeben, um die Liebe ihres Gatten zu erproben. Sobald der j betreffende: Herr mir ein gewisses Schriftstück durch das Gitter reicht, wird die mutige L-ady unversehrt und glücklich in die Arme ihres Gemahls zurückkehren.» Das ist deutlich genug, um Mr. d'Andrade verständlich zu sein. Jetzt wird er wohl den unterschriebenen Kaufvertrag für die Muni- Itipn herausrücken. Die Kapelle bläst unaufgefordert wieder einen Tusch. Die Menge < beginnt, von neuem zu klatschen, sie ist von diesem- ganz neuartigen Trick fasziniert. Einige Reporter stenographieren eilig. . « Das ist es also ! »sagt Muriel hart, dicht hinter Aguillars Ohr. «Ich tue es für mein Vaterland», gibt der ebenso hart zurück. « Uebrigens muss Ihr Mann so tr >-t kommen. Er ist bestimmt hier, loh habe orhin mit ihm telefoniert.» Damit sucht der Dompteur Muriel und auch sich selbst zu trösten, denn seiner Meinung nach müsste Mr. d'Andrade, wenn er • seine Frau liebte, schön längst in der Manege stehen. Aguillar weiss ja nicht, dass er statt mit Charles, mit Don Paulo am Telefon gesprochen hat. • Ein wildes Aufbrüllen macht der Verständigung ein Ende. Muriel legt'unwillkürlich ihre Hände haltsuchend auf die Schultern des Dompteurs. Wenn doch Charles käme, oder sonst jemand dieser Szene ein Ende machte! Ob sie um Hilfe rufen sollte ? Don Aguillar hat inzwischen die junge Tigerin, die sich seitlich angeschlichen und einen Sprung versucht hat, mit der Stange heftig zurückgestossen. Was ist nur in die Tiere gefahren ? Er hatte nicht geglaubt, dass die Anwesenheit einer Fremden sie so sehr aufregen würde. Mit den Augen signalisiert er dem Wärter und den Stallmeistern ausserhalb des Käfigs Vorsicht und Aufmerksamkeit. Am besten ist es sicher, den Dressurakt so rasch wie möglich zu beginnen. < «Romeo ! Allez ! Hopp !•> ' In dem Befehl des Bändigers klingt geballt alle jene Energie, die den Mann zum Herrn der belebten Welt gemacht hat, - ., Mit einem Satz, wie ein hochgeschleuderter Gummiball, fliegt der «Verräter» auf sein Podest. Sein grosser, gefährlicher Kopf und seine riesigen Pranken beherrschen das Rund des Käfigs und seine Artgenossen. Aguillar atmet auf. « Bravo, Romeo ! Bravo ! > Die Peitsche schwirrt über die andern Tiere, die sich geduckt und knurrend an ihre Plätze trollen. Wo bleibt Charles d'Andrade? (Fortsetzung folat.)

JJO 34 — DIENSTAG, 25. APRIL 1939 tute Ütundfcaye dec Radfahrer und Automobilist Freund und Feind? A.~% Vorbemerkung der Red.: Wir sind uns dessen bewusst, dass es für ein Auto-Fachblatt ein etwas heikles Unterfangen ist, das Thema Radfahrerdisziplin aufzugreifen. Denn — darüber geben wir uns keinen Illusionen hin — auch unter den Automobilisten finden sich schwarze Schafe. Und wer im Glashaus sitzt, sollte besser nicht mit Steinen werfen. Wir wollen das auch gar nicht. Was uns leitet, ist vielmehr die Absicht, einen Beitrag an die Erhöhung der Verkehrssicherheit zu leisten dadurch, dass wir den Radfahrerverbänden wie übrigens auch den Behörden, mit Vorschlägen und Anregungen dafür an die Hand gehen, wie sich auf diesem Gebiete Remedur schaffen, wie sich die Unfallbekämpfung, woran die Radfahrer gleicherweise wie die Leute vom Volant interessiert sind, gerade in diesem Punkt wirksamer gestalten liesse. Lässt sich dabei — das liegt in der Natur der Sache — eine gewisse Kritik nicht unterdrücken, so darf und will sie niemals Selbstzweck sein, vielmehr soll sie die Wege weisen helfen, um der Unfallgefahr, die mit der gewaltigen Zunahme unseres Bestandes an Fahrrädern stetig wächst, entgegenzutreten. Nicht niederreissen, sondern aufbauen und uns mit konstruktiven Ideen in den Dienst der Unfallbekämpfung stellen, das möchten wir. • «D'Dienschtmaitli und d'Velofahrer!» ist eine stehende Redensart, die viele Chauffeure in ärgerlichen Situationen leise vor sich herbrummen und damit andeuten, dass diese beiden Gruppen von Strassenbenützern «an allem schuld» seien. ' Namentlich die Velofahrer kommen bei den meisten Automobilisten nicht eben gut weg. Immerhin: die Abneigung wird von Herzen erwidert! Dabei liegt die Ursache dieser Disharmonie gar nicht so tief und wäre mit ein bisschen Philosophie: und Humor leicht zu überbrücken. Aber die meisten -Menschen haben es eben schwer, sich in die Haut des andern hineinzudenken. Und in selbstgerechter, gut schweizerischer Schulmeisterlichkeit denkt keiner daran, zuerst bei sich anzufangen, zuerst die Hand zu strecken, auch ohne die Gewissheit der Gegenleistung. Warum aber sollten gerade wir Autofahrer nicht etwas generöser denken? Auch wenn wir einmal warten und zahmer fahren müssen, wie leicht haben wir das wieder ohne körperliche Anstrengung aufgeholt! Eigentlich sollten alle Autofahrer eine Zeitlang in belebten Strossen Velofahren müssen, und umgekehrt alle Velofahrer einmal im Mittagsgewühl vom Auto aus ihre Sünden «gemessen». Für uns ist es einfacher, die Radperspektive kennenzulernen und da repetieren wir einmal wieder die besondern Schwierigkeiten des Velos: Unsicherer Kurs, bedingt durch das Balancieren mittels des Vorderrads, unangenehmes Anhalten und Wiederabfahren, das man durch allerlei «Kunstfahren» zu vermeiden oder hinauszuschieben sucht, Wetterbelästigungen durch Regen, Staub, Seiten- und Gegenwind, usf. Das ergibt für uns einige «Anstandsregeln», die zum Beispiel so formu- liert werden könnten: Nimm als Profilbreite des Velofahrers etwa das Dreifache seiner wirklichen Breite an, damit er genügend «schlängeln» -kann. Zwinge nicht ohne guten Grund einen Velofahrer zum Anhalten; denn wenn er wieder aufsteigt, so stört sein Wackeln nur wieder ein anderes Auto. Vergrössere den Abstand beim Kreuzen und Ueberholen bei schlechtem Wetter, bei Staub gib erst in reichlicher Distanz Vollgas. Sintemalen aber der Verfasser seit den Jünglingsjahren kaum mehr Velo gefahren ist, geht es ihm punkto «Perspektive» wie oben beschrieben: sein Wunschzettel an die Velofahrer ist bedeutend grösser! Folgende Unarten und andere vermeidbaren Unzukömmlichkeiten sollten erwähnt werden: Das Gruppenfahren! In Deutschland ging man radikal vor, da ist der Gänsemarsch Vorschrift. Bei uns musste der Gesetzgeber volkstümlicher sein und Hess das Fahren zu zweit noch zu. Nun, das Velofahren ist auf grosser Strecke oft langweilig und ein Gespräch vermindert die Mühsal. Eine Zweiergruppe von Velofahrern braucht gleichviel Strassenprofil wie ein Auto, hat aber nur einen Bruchteil seines Tempos. Mit andern Worten: neben einem Velofahrer haben zwei kreuzende Autos meistens noch Platz, nicht aber neben zwei Radlern. Velopaare bringen also viel Unruhe, aber auch Gefahren in den Verkehr. Energisch sollte aber auch gegen das noch häufige Fahren zu dritt eingeschritten werden, das noch gefährlicher ist als die Zweiergruppen. Denn das Abbrechen solcher «Mahden» braucht zu viel Zeit im Verhältnis zum Tempo des nahenden Autos. Besonders ärgerlich wirkt für uns ein Radfahrer, der neben einer Strasseribahn herfährt, die man doch so rasch als möglich hinter sich bringen möchte. Ein einziger Velofahrer kann so ganze Autoschlangen hinter sich erzeugen, und wenn er dann sich noch den Spass macht, mit dem Tram um die Wette zu fahren, schön nebenher, so sammelt er ahnungslos ganze Wagenladungen glühender Kohlen auf sein Haupt! Drum möchten wir den Wunsch popularisieren: wenn du Radfahrer, neben einem Tram fährst, lass es vorbei, oder fahr ihm sofort davon, damit die Fahrbahn für die Wagen frei wird) In den letzten Jahren wurden prächtige Radfahrwege gebaut. Da kann man denn ehrlich «in die Wolle geraten», wenn die Velofahrer auf der Fahrbahn bleiben und ihren eigenen Weg verschmähen. Allerdings sollten die Radfahrwege, genauer. ,markiert sein, ob .sie für, beide Fahrrichtungen gelten. Bis jetzt ist'mir nicht klar geworden, ob man bei einseitig angelegten Radwegen auch in der Gegenrichtung, also eventuell am linken Rand der Fahrbahn fahren soll oder darf. Als eine der gefährlichsten Unsitten betrachte ich vor allem die Tempi an Kurven und Kreuzungen, welche namentlich gewisse Ausläufer einschlagen. Manchmal ist der Meister schuld, der zu wenig Zeit gibt, oft aber lesen die jungen Leute Sportnachrichten und verplaudern sich an einer Ecke, und die Verspätung muss mit Rasen eingeholt werden. Weil an die Einführung einer Radfahrerprüfung nicht zu denken ist, bleiben für die Abhilfe meines Erachtens nur zwei bewährte Wege: Aufklärung und Strafe.'Der erste Weg kann nie ganz genügen, sollte aber noch viel stärker benützt werden. Nach vermehrten Polizeistrafen zu rufen, widerstrebt uns Autofahrern. Möglicherweise könnte noch eine gewisse Selbsthilfe der Autofahrer etwas abtragen, zum Beispiel durch Abgabe von Flugblättern, durch Anhalten und vernünftiges Reden mit den Sündern. Viel Arbeit bliebe daneben auch den Radfahrerverbänden, die wir darin gerne unterstützen würden. Dr. E. P. AUTOMOBIL-REVUE Sünden im Strassenverkehr Die « Automobil-Revue » hat in ihrer Ausgabe vom 31. März 1939 neuerdings das Thema: «Verkehrserziehung in der Schule zur Verbesserung der Verkehrsdisziplin» aufgegriffen und ist dabei mit Vorschlägen an die Oeffentlichkeit getreten, die nähere Prüfung verdienen. Wenn ein jeder an seinem Platz ernsthaft und ehrlich mithilft, dann sollte es gelingen, die beängstigende Zahl von Unfällen herabzusetzen. Ich bin nun seit 30 Jahren ausschliesslich im Autofach tätig und, jahraus, jahrein mit meinem Wagen auf der Strasse. Meine täglichen Beobachtungen haben mich zu der Ueberzeugung geführt, dass die jungen radfahrenden Bäcker- und Metzgerausläufer eines der grössten Gefahrenmomente im Strassenverkehr darstellen. Wenn man Gelegenheit hat, diese rücksichtslos sich überall durchzwängenden Jünglinge zu beobachten, muss man sich wundern, dass die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nicht noch grösser ist. Zu dreien und vieren nebeneinander nehmen diese jungen Leute oft die Fahrbahn in Anspruch, sie hängen sich an jeden Lastwagen an, lassen sich vom fahrenden Tram ziehen und schenken überhaupt keiner Verkehrsregel Beachtung. Nach meiner Auffassung muss hier der Hebel angesetzt werden. Der Autofahrer hat sich einer umfassenden theoretischen wie praktischen Prüfung zu unterziehen, was jedermann durchaus in Ordnung findet. Darf er aber nicht auch vom Radfahrer erwarten, dass dieser zum mindesten die wichtigsten Verkehrsregeln Als wir, von einer grösseren. Reise zurückkehrend, unserm Autofachmann und Berater erzählten, in der Regel weniger als 50 Stundenkilometer gefahren zu sein, wusste der Mann nicht, sollte er lachen oder weinen. Schliesslich aber verdichtete sich der Zwiespalt seiner Seele in ein deutlicher nicht ausgesprochenes Bedauern, seinen guten Wagen an den Unrichtigen verkauft zu haben. Nun sind ja einige PS über den Bedarf, allein schon ihre Besteuerung, eine gediegene Sache. Man kann ihnen die Strasse unbesehen zu fressen geben, sich heute in Paris amüsieren und morgen in die Nordsee spucken. Oder mit den technischen Gewalten eine seelische Verbindung eingehen und in feinem Einfühlungsvermögen, in verständnisvollem Zusammenspiel ihre Möglichkeiten, auskosten. Man kann mit einem guten Wagen kennt und sie befolgt? Es sollte nicht vorkommen, dass Velofahrer Einbahnstrassen in verbotener Richtung benützen, jeder unter ihnen sollte wissen, dass in einer Ortschaft immer der von rechts kommende das Vortrittsrecht hat, dass vor dem Abbiegen nach links einem gleichzeitig entgegenkommenden Fahrzeug der Vortritt zu lassen ist, dass auf einer Strasse mit allgemeinem Fahrverbot eben nicht gefahren werden darf, dass vor dem Fussgängerstreifen anzuhalten ist, um den Fussgängern, die sich auf der Strasse befinden, den Vortritt zu lassen, dass ferner die Signallampen zu beachten sind, dass das Fahrrad des nachts beleuchtet und mit einer Reflexlinse versehen sein muss, die natürlich ihren Zweck nur dann erfüllt, wenn sie sauber gehalten wird, dass das Loslassen der Lenkstange wie auch der Pedale verboten ist, usw. Gelingt es, hier Ordnung zu schaffen, dann haben wir damit für die Sicherheit der Strasse viel, sehr viel gewonnen. Nicht nur von uns Automobilisten würde damit ein Alpdruck weichen, weit stärker noch müssten die Radfahrer selbst daran interessiert sein. Und damit komme ich wieder auf die Anregung der «A.-R.» zurück, die Verkehrserziehung der radfahrenden Schuljugend, der Generation von morgen, durch Ausrichtung von Prämien zu fördern. Ich bin überzeugt, dass die Versicherungsgesellschaften ein sehr grosses Interesse daran haben und eventuell breit wären, zusammen mit den grossen Verkehrsverbänden wie A. C. S., T. C. S. usw. denjenigen Schulhäusern, die während eines Schuljahres von Unfällen frei bleiben, irgendeine Anerkennung zur Aufmunterung der anderen zukommen zu lassen. F. K., Fahrlehrer. Lob des Antowanderni aber auch weniger eilig fahren. Wir tun es. Nicht ganz so vornehm, aber fast so schön, wie das Büblein auf dem Heuwagen. Und — lachen auf das Lächeln aller Prominenten. Es ist jedoch allerdings nicht gesagt, dass man nun gerade zur cweekendlichen» Aus- oder Heimfahrt im Bummeltempo einherpilgern öder die Autokolonne beim Seenachtfest oder bei einem Rennen behindern oder ein ständiges Ueberholen provozieren soll. Selbst der Frömmste aber wird in Marseille, wie es dort Recht und Sitte will, die Fussgänger vor sich am Randstein hochspringen lassen, um nicht selbst von hinten lieblos überfahren zu werden. Ist nur Zweck und Ziel wichtig, I kann er seinen Wagen ausnützen wie jeder an- I dere. Die Eile und Hast aber, werden sie nicht zu HERM. GRABER, ; CAR1OSSIER, WICHTRACH i