Aufrufe
vor 11 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.040

E_1940_Zeitung_Nr.040

6 AUTOMOBIL-REVUE

6 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 1. OKTOBER 1940 — N° 40 Gesucht Zweiachs- Anhänger zu 4—5 Tonnen Nutzlast mit womöglich mechanischer Auflaufbremse, Luftbereifung. (39,40 Zu verkaufen Rosengart 10 PS, Super Traction, sehr schönes Cabriolet mit CITROEN-Motor, wie neu. GEFUNDEN auf der Strasse Sld«rs- vollständig Visp ein grosser und ein kleiner (40 Handkoffer mit Wolldecke Zu verkaufen neue Kipnbrücke Zu verkaufen 2 Einachser Anhänger Tragiast Je 5 T, in einwandfreiem Zustand. Off. an K. Burkhardt-Jundt A.-G., Basel. (P 5235 0) TITAN Occasions-Wagen- reinigt Motor und Chassis besser, billiger, schneller Zu verkaufen OPEL Offerten unter Chiffre 21818 an die Offerten unter Chiffre in Baustahl, für 5 AD- Automobil-Revue, Bern. 21831 an die (40-42 Der Eigentümer wolle sich SAURER, mit Fabrikgarantie. Ausstellunq Automobil-Revue, Bern. melden mit genauen Inhaltsangaben bei Anfragen unter Chiffre UPER SIX, 12,59 PS, W. Aeberhard, Visp. 17318 an die Tel. w. 7 21 Aenernaro, 5 PL, 4türig, Lim. 10. 21834 visp. ivaiö Automobil-Revue, an aie Bern. u n-, »lung, IJUU. Ir M IIF T T ^Ilb/IM/an *?,ä6niifj>*i rVflt\l-l*l\llf% Tel 72110 21834 Automobil-Revue, Bern. ZU Verkaufen OLYMPIA, 7,57 PS, 4 IV A U t I I PL, Co., Cabr., Mod. Modell 1939, Limousine, ^eSt ^Sto trSatZteile Leistungsfähige Garage o „ 1939. wie neu, erst 19 000 km rḟ ,,, 3k°- &b " "* -•-- Ä gefahren, 5,46 PS, 7—8 I ^ ur " ^ ṇz 22oo.—"! auch '(4O)2i r 3^-4 T. mit grosser IjUlJl lUluL ZOLLIKOFEN „__ P-,«.-!*-!.-,«---.-*«« fung doppelt 32X6M. KastenlieferwagenOpel, Offert Offert an an Otto Otto Schmid, Schmid, Brücke, welcher auf Holz- WMHIIÜIWI «,,„,,„„) T„W, .4 7011 VOI1 bTSatZlireiillStOtt- für 1^-2 T. Tragkraft, (astenlieferwagenOpel, 4 ZyL, 7 PS, 400 kg BaseL BaseL Spalenring Spalenring 76. 76. vergaser umgebaut werden 4-Plätzer-Wagen, mit Le- l "J^l* !' leJe P ü - *" -.«--«-.-»A««.«-» Bereifung 7,50X20. Tragkraft 4 ZyL, 7 PS, 400 kg könnte. Maximalgeschwin- derpolsterung, nicht unter II W \'\ nkailf von Wa B en jjeiieraTDreil Robert Blum Anhänger KADETT, Tragkraft5 PS, Co., KADETT, 5 PS, Co., & l = e S Ä = - 3 ""CHkUUfetl _ — ^ — — _ _ — ^ ^ _ - _ _ — _ Limousine, Original 6/7- 4 Zyl., 5,54 „„„!,-..*«_ Steuer-PS, 4- türiger, pfostenloser, vierplätziger Innenlenker, Mo- *7 f,„„f„„ LaStWagen bei ^ tedellos repariertf Best eingerichtete Reparatur- S | l Kolben- OPTTf pSeAnnentnker.X XlilZllMf&l 4 T., für Rohölbetrieb (Oc- sowie sämtliche zerbrochene Werkstätte am Platze. Jg|||§ ringe ^ ^ » JSl JLj deU dell 37, 30000 km gefahren, Benzinsparer, sehr gedUCkt SÄSrf*?ÄJÄ Ma,chinenteüe. Bielstras.« 4 S H waren Ä so 6.Zyl, 10 PS, 4/^Plüt^r, -. gut eerhalten, r^^ sofort abt abzu- -*' - zu richten unter Chiffre M. Gattlen, Bern, Belp- Telephon 85521 \WMIIW nutzbringend *"%^lmo^ e '^ocleU geben zu Fr. 2100.—. An- DCCaSIOnS- Zfi ^^m^^^^^^^rnnmammmmmm^^mm^m^^^m^m^^^i^mn^^^^^^^^m^m |"||A||tf AIIK

BERN, Dienstag, 1. Oktober 1940 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 40 Südliche Idylle Eines Abends im Frühling, als Gilgian müde und von der langen Krankheit aufgezehrt, am abendlichen See sass und in die Ferne hinausträumte, stand plötzlich Sonja vor ihm. Sie hatten sich lange nicht gesehen. Viele Jahre lagen zwischen dem letzten Beisammensein und diesem seltsam melancholischen Abend, an dem die Laternen früh angezündet wurden und weisser Dunst über den See zog: Jahre der Irrungen und Wirrungen ... Als sie sich damals die Hände' zum Abschied reichten, feierten- frohe Menschen das Fest des herbstlichen Segens. Auf den Bergen flammten die Freudenfeuer, und der See und seine Ufer erstrahlten im Lichterglanz. - - Sie standen lange, nachdem die schaulustige Menge sich in den engen Gassen der Stadt verloren hatten, an der Quaimauer und sahen versunken über die dunkle Fläche hinaus, auf der noch da und dort ein lichtumfluteter Nachen tanzte. Von Johannes Vincent Venner. Gilgian und Sonja klang es wie eine hochzeit- von Neggia in einer Alphütte rasteten und mit den liehe Mahnung des Waldgottes Pan,., Hirten die köstliche Polenta mit hartem Käse * schmausten; das mundete ihnen besser, denn je ein Festmahl zuvor. Rasch hatten sie sich mit den Berglern ange-* freundet, und zum Abschied wurde ihnen ein Cafe nero con grappa vorgesetzt. Ein anderes Blatt. Sie wanderten der wildschäumenden Bavona entlang durch das stillste der Tessiner Täler. Ueber hängende Drahtbrücken schaukelten sie zum andern Ufer hinüber, wo zwischen bemoostem Urweltgetrümmer Alpenrosenstauden flammten. Wie herrlich schmeckten zum herben, roten Nostrano die am Wege gesammelten Kastanien, die sie in der Kaminglut der kleinen Osteria in Foroglio rösteten. Damals pflückten sie am Wege die letzten Himbeeren und Brombeeren. Die Alpenrosen waren am Verblühen. Die Sehnsucht zeichnete eine tiefe Rune in ihr Herz: Zur Zeit der neuen Alpenrosenblüte wollten sie wieder da hinaufpilgern und von der Höhe ins Vedascatal, nach Indemini, ans Kamin der alten Rosina, wo man so geborgen sass und von dem grauen Mütterchen so liebevoll be- Wieder ein anderes Blatt: Gilgian erinnerte sich eines milden Herbsttages, treut wurde, wie vom eigenen, das schon so lange als sie nach langer Wanderung auf der Passhöhe, ^sich.zum letzten Schlummer hingelegt hat. Auf der Passhöhe stehen die Alpenrosenbüsche meterhoch links und rechts vom Wege, und der Blick schweift tief hinab, über die wetterharten, grauen Mauern und Dächer des Dörfchens hinweg zu andern Weilern und Gehöften, die verstreut in diesem einsamsten Tale liegen. Wie fröhlich war die Heimfahrt auf dem Auto der Strassenarbeiter. Gilgian hielten sie für einen Neapolitaner und Sonja für eine Russin. Sie lachten mit blitzenden Zähnen, wenn Sonja ihre drei italienischen Brokn ken zusammensuchte. Bild reihte sich an Bild, wie die Perlen sien an einer Kette reihen, und jedes war schön wie eine Perle. Die erste Zeit blühte hoch in Gilgians Herzen. Er wartete jeden Morgen bei der Antoniuskirche auf Sonja. Zwischen Oleander und Lorbeer standen vor der alten Osteria del Santo zwei Tische und ein paar Stühle. Die Wirtin freute sich über ihr Glück und war stolz, dass die beiden Forestieri mit ihrer Verliebtheit zu ihr kamen. Sie schenkte Sonja jeden Morgen einen Teller frisch gepflückter Trauben. Und nun war die Frau, an die er in seiner Seelennot immer dachte, wenn die Sehnsucht um eine neue Heimat weinte, wieder gekommen. Sachte zog er sie neben sich auf die Bank. Ihre Gedanken kamen und gingen den gleichen Weg. Hinter beiden lagen die Scherben eines zerbrochenen Glücks. Sie waren zwei Entzauberte, die ein gütiger Stern zusammengeführt hatte. Gilgian hielt die Hände Sonjas sanft, zart und doch so fest, dass sie sich nie mehr aus den seinen lösen sollten, denn er wusste, dass sie gekommen war. ihn zu suchen. Nun schenkten die gütigen Mächte den beiden alternden Liebenden eine wundersam selige Zeit. Sie pilgerten durch die Tage so leicht und beschwingt, wie nie zuvor in ihrer Jugend. Gilgian erinnerte sich einer Wanderung. Es war an einem Oktobersonntagmorgen. Links zauderte der Fluss breit und träge über die Ebene, an Sandbänken und Schilfdickicht, an Erlenbüschen und magern Aeckerchen mit Buchweizen und Mais vorbei. Rechts von der Strasse stiegen die Weinberge steil hinan. Bis zum nackten Felsen stand auf jedem Fussbreit Humus ein kleiner Rebstock mit prallreifen Trauben. Frohgemut wanderten Gilgian und Sonja durchs Land und summten ein Wanderlied. Hing ihnen der Himmel nicht voller Geigen? ... Und dann der nächtliche Heimweg. Auf den schwarzen Haaren der Frau spielte der Silberhauch des besternten Himmels. Gilgian blätterte weiter zurück im Buche der Erinnerungen. Ein Blatt war darin, von kleinen, feinen Hekkenrosen umrankt und das Hohelied der Liebe stand in flammenden Versen darauf geschrieben: Es war im Frühling ... Es war im Frühling ... Es war aber gar nicht im Frühling, sondern im rotleuchtenden Herbst und nicht im Rosengarten von Sansoucis, sondern im einsamen Centovalli zwischen wilden Lorbeerbüschen. Rings standen alte, würdige, knorrige Kastanienbäume. Die braunen, glänzenden Früchte sprengten gerade ihre stachligen Hüllen und klopften im Gleichtakt auf den mürben, schwarzen Waldboden. Auf der andern Seite der Strasse zog sich eine lange hohe Mauer hin. Dahinter lag der Friedhof. Gilgian erzählte Sonja von diesem und jenem Schläfer, die dort zur letzten Ruhe gebettet Wim den, und die ihm einst im Leben nahe standen. Von der wilden Gräfin Reventlof und der zarten blonden Frau des Dichters Klabund, der fern von seiner grossen Liebe auch irgendwo begraben liegt. Die 'Bücher der Reventlof wurden einst viel gelesen: aber, als sie gestorben war, baumelte ein einziger Kranz an ihrem Sarg und ein paar arme Dichter mit ausgefransten Hosen und schiefgetretenen Schuhen begleiteten ihn. Und von andern Schläfern erzählte er Sonja; möge ihnen allen die Erde leicht sein. Hand in Hand stiegen sie an manchen Abenden die Strasse empor, die von Sankt Antonius zum Kirchlein von Monti della Trinitä hinaufführt. Hier oben sieht man weit über den See hin, bis tief nach Italien hinein. Sie sassen auf der Bank vor der Kirche, bis die Dämmerung das Land verschleierte und der Mond über dem Tamaro emporstieg. Er zog ein silbernes Band über die spiegelglatte Fläche zu ihren Füssen, spielte um die Türme der Kirchen und Kapellen und Hess die Blätter der Olivenbäume in seinem Glänze erzittern. In der Stadt unten summte es wie in einem Bienenkorb. Von der Piazza Grande klang Lachen und Singen zu ihnen empor, und die Glocken mahnten an die davoneilenden Stunden. Das waren köstliche Abende. Sie schauten und lauschten. In den Lorbeerbüschen der alten Gärten schlugen die Nachtigallen, im Brewald oben rief das Käuzchen, und unter dem Dach des Kirchturms gurrten die Tauben im Traume, Unten auf dem See zog ein Schiff südwärts. Die gepeitschten Wellen glitzerten im Möndlicht, und die silberne Spur wurde länger und länger, breiter und breiter und verging erst, als der Dampfer um das Delta der Maggia herum gegen Ascona zu fuhr. Gilgian erwachte aus seiner Träumerei. So kahl und kalt das Großstadtzimmer sonst war, in dem er dahingraute: auf einmal war es sonnig und hell geworden. So sonnig wie Gilgians Herz, das von Sonja träumte..*