Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.044

E_1940_Zeitung_Nr.044

AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 29. OKTOBER 1940 — N° 44 Xu kaufen aeöucnt Zukaufen aeöucfvt Zukaufen aeöucfvt Offerten unter Chiffre B. 1173 T. an das Annoncenbureau des Bündner Tagblatt, Chur. 10-Tonnen- Lastwagen-Zug in einwandfreiem Zustand und nicht unter Jahrg. 1937, wenn an- Zahlung f. ca. Fr. 20000.— gute Hypotheken genommen werden. — Offert, unt. Chiffre 21950 an die Automobil-Revue, Bern. Xu kaufen aeöucfvt Zukaufen Mehr Schmierkraft durch QUAKER STATE-Verfahren. Zu kaufen geduckt Scheren- od. Säulenlift aeöucfvt Lastwagen Altöl Kipper, Occasion, in gutem Offerten m. Preisangabe Zustande. — Offerten m. unter Chiffre Z 6963 an Preisangabe unter Chiffre die Automobil-Revue, Bureau Zürich. (44)21957 Automobil-Revue, 21936 an die (44 Bern. Probieren auch Sie einmal, wie gut Ihr Wagen mit QUAKER STATE fährt. Zukaufen aeöucfvt Typ 170 Jahrgang 1932/33, 6 Zyl. 3-Seiten-, eventuell nur Offerten unter Chiffre Rückwärtskipper, in tadellosem Zustande. (44 21916 an die (44,45 Automobil-Revue, Bern. Eilofferten unt. Chiffre 21944 an die mit oder ohne Kipper Aeusserste Kassaoff, an Postfach 80, Oerlikon- Zürich. "Zukaufen aeöucfvt Benzin, möglichst 100 PS, bevorzugt SAURER 5 BL. Barzahlung. Offerten an Ernst Marti. Kallnach. Telephon 8 2405. Zukaufen aeöucfvt Zukaufen aeöucfvt 16—22 PS, nicht unter Mod. 38. Nur günst. 0ccasion kommt in Frage. Offerten unter Chiffre Z6956 an die Automobil- Revue, Bureau Zürich. für FIAT 1500 mit 7,6 PS, per baldmöglichst. (44 Offerten unter Chiffre Zukaufen 21956 an die Automobil-Revue, Bern. Da wo die Raffination anderer pennsylvanischer Oele abgesch enthalten diese etwa noch 25 % leichte, wertlose Bestandteile. STATEs beglaubigtes Sonderverfahren entfernt diesen Anteil und macht es zu reinem, konzentriertem Motorenöl. Offerten unter Chiffre Z'6964 an die Automobil-Revue, Bureau Zürich. Mercedes-Benz 4-Tonnen- Lastwagen Diesel oder (44 5-T.-Kippwagen auch rep. j bedürftige 1,5-6-L-Lastwagen zuverlässige Ersatz-Betriebsstoff Cabriolet, in noch gutem Zustand, gegen bar. — Offerten mit genauen Angaben und äusserstem Preis erbeten unt. Chiffre 2194 an die (44 Automobil-Revue, Bern. Occasion oder neue, Grosse 955X155 Preisangabe. (44,45 Tel. Scliiipfhelm 8 2103. Zukaufen aeöucfvt LANCIA- aeöucnt 3-Tonnen- GARAGE DES PAQUIS, GENF 11, rue des Paquis Telephon 2 26 30 OEL-BRACK A.G., AARAU Telephon 22757 Lastwagen 3—4 Tonnen Automobil-Revue, Bern AUGUSTA Lastwagen 6 Tonnen Pneus AUTO 2M kaufen geduckt gegen bar neuere und nicht verunfallte Automobile Zukaufen aeöucfvt Camion CHEVROLET Mod. L. T., 1931/33, 2 Tonnen, in tadellos. Zustand. Offerten sind zu richten unter Chiffre 21944 an die (44 Automobil-Revue, Bern. Xu kaufen aeöucfit 6—16 PS, mit starkem Chassis, für Lieferungswagen geeignet, eventuell zu tauschen mit FIAT Baliila, Mod. 38, in tadellos. Zustand. (44) 21961 J. Hörn, Winterthur- Reutlinaen. Mehr denn je müssen Sie heute darnach trachten, Ihre Kunden zu behalten und ihnen Ihre Firma in Erinnerung zu rufen. Ein wirkungsvolles Werbemittel ist diese AGENDA Verlangen Sie unsere Vorschläge und Preise! Geschäfts- Liegenschaft lossen Ist, QUAKER QUAKER STATE Sie leistet in ihrer Kombination von Umlege- undAbreisskalender jedem Büro gute Dienste. Der Schreibraum des Umlegekalenders, genügend gross und praktisch eingeteilt, kann sowohl zur Vornotierung als auch zur Festhaltung wichtiger Dinge benützt und zu Nachschlagezwecken aufbewahrt werden. Die Agenda ist ein praktisches Geschenk, das Sie als Aufmerksamkeit gegenüber Ehren Kunden verwenden können. Auf dem Deckel kann ohne besondere Mehrkosten der Aufdruck der Firma angebracht werden, wodurch die tagtäglich auf dem Pult liegende Agenda zu einem gediegenen Werbemittel für Ihr Haus wird. Nicht zu teuer, zeichnet sie sich durch die gediegene Aufmachung und den persönlichen Charakter aus, . in grosser Gemeinde, Nahe Baden, neues, komfort. 2-Familienwohnhaus, mit gross., angebaut. Geschäftsräumen, geeignet für jede Branche, gute Lage für Land-Apotheke und Drogerie, ist zu verkaufen. Evtl. Tausch gegen abgelegenes kleines Heimwesen. Die Geschäftsräume werden eventl. getrennt vermietet. Anfragen unter Chiffre 17343 an die Personenwagen Die modernen in sonniger Lage, 7 Min. vom Tram, in Wabern (Bern), 2X4 Zimmer und Dependenzen, Garage, grosser Garten. — Auskunft: 21942 OMNIBUSSE TROLLEYBUSSE für Kurs und Ueberlandverkehr liefern in Leichtstahl- und Leichtxnetallkonstruktion die CARROSSERIEWERKE BERN VERLAG HALLWAG BERN Liegenschafts-Markt Zu verkaufen herrschaftliches Zweifamilien-Haus (44 Lombard, Frey & Cie., Bern Liegenschafts- und Verwaltungsbureau Neliengasse 21, 1. Stock. In Thun zu verkaufen zwischen Schiffskanal und Aare idyllisch gelegene Villa m. 8 Zimmern, moderner Komf., Nebengebäude für Garage, Ziergarten, Bootssteg. Offerten unter Chiffre 21943 an die (44,45 Automobil-Revue, Bern. RAMSEIER & JENZER Verlangen Sie unverbindliche Offerte. Tel. 2.94.11 Besitzung Cliches Hallwag sind erstklassig Zukaufen aeöucfvt CAMION 17*—4 Tonnen, Occasion, gut erhalten. 77118 Offerten unter Chiffre 0. F. 10327 A. an Orell Füssli-Annoncen, Basel. Zu verkaufen: gutem Zustande, Fr. 1300.- 1 FIAT 1500/B, 6 Zyl., 8 PS, Innenlenker, 4türig, 4/5pl., in Ia. Zustand, Fr. 3000.- 1 FIAT 1100 (Baliila), 6 PS, Innenlenker, 4türig, 4plätz., Mod. 1940, neue Linie, mit Einzelradabfederung vorn, in Ia. Zustand, mit Garantie, Fr. 3700.- 5 PS, neueres Modell, 4 PL, mit Kofferraum, Vollschwingachsen, extrem sparsam. Benzinverbr., robuste Konstr., mech. neu- Ford 5 PS, Modell 1934, sehr sparsamer Wagen. Preis Fr. 400.-. — Offerten an W. Blatter, Bäckerei, Sennhof b. W'thur. 5 PS, Limousine, 4plätz., sparsamer Wagen, in vorzüglichem Zustande, zu Fr. 900.— Mod. 1937, 4 Zyl., 5,47 PS, hydr. Bremsen, Schwingachsen, Pneus neu. Seeland-Garage, Biel. 1 FIAT 508/L (Baliila), 6 PS, Innenlenker, 4türig, 6plätzig, mit Einzelradabfederung vorn, TOPOLINO in Ia. Zustd., Fr. 3700.- 3 PS, Limous., 1700 Fr. 1 FIAT 508/C (Balilla), 6 PS, Innenlenker, 4türig, 4pl., mit Einzelrad- TOPOLINO abfederung vorn, in Cabr., 1800 Fr. Beide in Ia, Zustand, Fr. 2800.- prima Zustand. — Postfach 173, Zürich-Enge. 1 FIAT 508/C (Balilla), 6 PS, Cabrio-Limousine, 4türig, 4pl.,mit Einzelradabfederung vorn, in Zu verkaufen Ia. Zustand, Fr. 3000.- 6-Tonnen- 1 FIAT 508/111 (Balilla), 6 PS, 4 Gänge, 2türig, Sauresv 4pL, Mod. 1935, in sehr Fiat S.A., Genf Route de Lyon, 100. Zu verkaufen Mercedes 9 PS, Modell 1937, wie neu, mit aller Garantie, Preis Fr. 3000.—. Offerten gefl. unt. Chiffre 17346 an die Automobil-Revue, Bern. Auto Limousine Lastwagen mit neuem 4-Zylinder- Diesel-Motor, Typ ^0D, wird, weil überzählig geworden, preisw. verkauft. Anfragen unter Chiffre 21954 an die (44,45 Automobil-Revue, Bern. Renault 4pl., Md. 30, m. Ia. Pneus in gutem Zustande, aus serst günstig (42-44' Willy Staub, Kleinlützel (Solothurn). 21901 Zu verkaufen 2-Tonnen- 4 Zyl., 17 PS, neue Doppelbereifung, durchrevid. Preis Fr. 3500.- nur gegen wert., zu nur 1750 Fr. ab-bar. — Offerten unt. Chiffre 21948 an die (44 Automobil-Revue, Bern. zugeben. Off. unt. Chiffre 21958 an die (44 Automobil-Revue, Bern. Zu verkaufen wegen; Nichtgebrauch ein Auto Marke (44,45 BALILLA zu verkaufen Garage H. Huber, Zu verkaufen Kadett Limousine 7,5 PS zu verkaufen Ford Lastwagen Ohne Benzin sparsam fahren MERCURY Club-Cabriolet, schöner, sportlicher Wagen, fabrikneu, mit Garantie, ausgerüstet mit Holzkohlen-Aggregat, zu verkaufen. Anfragen an Postfach 32347, Fraumünsterpost, Zürich. (43,44)21921 Zu verkaufen 1 BUICK-Cabr., Mod. 32, 23 PS, kpl. rev. Motor, Fr. 480.— 1 ESSEX, 13 PS, Holzsp.- Räder, Fr. 280.— 1 CITROEN, 6/7 PL, Mod. 31, mit Hintertüre, Fr. 850.— 1 PEUGEOT 301, 7 PS, 1934, Fr. 800.— 1 CHEVROLET, Lim.. 33, 17 PS, Fr. 1100.— 1 STEYR-Cabr., Typ 30, 10 PS, mit Scheibenrädern, Fr. 650.— STEYR A.G., Zürich, Verlag, Druck und Cliches: HALLWAG A.-ü., Bern. Für wirkungsvolle Inserate: Hallwag-Gliches I

BERN, Dienstag, 29. Oktober 1940 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 44 Kameradschaft der Landstrasse In der Dämmerung des schönen Herbstabends hatten wir die Stadt passiert und nun begann wieder die endlose Landstrasse. Die Sonne, die uns vor der Stadt noch geblendet hatte, war unter den Horizont getaucht. Vor unsern Füssen brummte der Motor sein gleichmässiges Lied, an das wir uns gewöhnt hatten, ein wohlwollendes Summen, das nun aber ganz plötzlich für einige Sekunden unterbrochen wurde. Uns mochte es kaum zum Bewusstsein gekommen sein, aber der Fahrer hatte schon seine ganze Spannkraft auf die Ergründung des unerwarteten Versagens eingestellt. Oeldruck — normal, ein Aufatmen innerlich! Gleich schnell Hess er den Wagen weiterlaufen und achtete mit allen Sinnen auf irgend ein Zeichen, das von einer gestörten Funktion der Maschine gezeugt hätte. Gut einen Kilometer hatte der Wagen wieder zurückgelegt, als ein zweites, etwas längeres Aussetzen des Motors auch uns, die Mitfahrer, aufschrecken Hess. «Man hätte eben doch Benzin fassen sollen», War die einstimmige Meinung, die dem Fahrer etwas vorwurfsvoll entgegengehalten wurde. Wenn er auch widersprach, so geschah dies nicht mit ganz reinem Gewissen, denn die Diagnose hatte früher auch schon zugetroffen. Vorläufig gab es nur eines: suchen weiterzukommen, bis ein Tank dem scheinbar durstigen Wagen neuen Kraftzuschuss vermitteln konnte. Es ging auch noch, zwar wurden die unter voller Motorkraft zurückgelegten Strecken immer kürzer, aber der breite, niedere Hügelrücken, den die Strasse da vorne überschritt, kam doch immer näher. Am Fusse der Steigung war der Wagen nicht mehr weiterzubringen. Nach einer Besprechung, die vielleicht etwas unter dem fröhlichen Niveau einer Ferienunterhaltung liegen mochte, machte sich der Fahrer in der angehenden Dunkelheit auf den Weg, nach dem Dörfchen, das da drüben auf dem Hügel zu liegen schien. Vom Hügel her, dort wo der Streifen der Strasse mit dem Nachthimmel verschmilzt, durchbrechen zwei helle Lichter die Dunkelheit; ein leises Sausen schwingt durch die Luft, jaulend kommt immer schneller ein Ding heran, das ein Automobil sein muss, aber doch wie ein losgelassenes Ungetüm anmutet. Instinktiv steht man auf dem äussersten Rand der Fahrbahn, als das kreischende, in den höchsten Tönen heulende Rieseninsekt vorbeiflitzt und nach dem überhellen Schein seiner beiden Augen uns im allertiefsten Dunkel zurücklässt. Geisterhaft ändert sich in der gleichen Sekunde der Ton — mit einem Donnern und immer schwächeren dumpfen Rauschen entschwindet das rote Lichtchen. Wieder erscheint da oben ein Licht, ein kleines diesmal, und in der stillen Nacht vernimmt man das leise Schwirren eines Fahrrades, das uns entgegenkommt. Auf den Anruf steigt der Fahrer ab und gibt Auskunft — weit und breit weder Haus noch Dorf, geschweige denn eine Benzinstation. Nun kommt unser Fahrer aus dem Dörfchen zurück; Benzin fand er dort keines. In der allgemeinen Ratlosigkeit geschieht es, dass, eigentlich gegen jeden inneren Glauben an die Nützlichkeit des Versuches, der Motor nochmals probiert wird. Und •— siehe da — er springt an! Vorsichtig wird losgefahren, ohne Zuversicht, aber trotz allem Unglauben rollt der Wagen ergeben auf die Höhe des Hügels hinauf und auf der andern Seite, nur noch vom Schwergewicht getrieben, wieder hinunter, bis der Motor eingeschaltet werden muss und uns noch zupfend und rupfend einige Kilometer weit trägt. Als es endlich mit der Kraft der Maschine wieder Schluss ist, sind wir nicht mehr weit von einem kleinen Landhaus, aus dessen Fenstern noch ein Lichtschimmer in die Nacht hinaustritt. Mit vieler Mühe erhalten wir einige Liter Benzin, die glucksend im Tank verschwinden. Trotzigem will sich der Motor nicht in Bewegung setzen. «Vergaserstörung» sagt der Fahrer und macht R?ch daran, den Vergaser zu öffnen und nebenbei sein Kleid zu verschmieren. Wie man sich in solchen Dingen gewohnt ist, gelingt ihm das zweite besser als das erste. Immerhin wird mit Kennermiene die Düse durchblasen. Während einer geplagten Leute ablagert. «Was ist los?» rief/er schon über die Strasse her. In zwei Minuten hjftte er den Vergaser auseinander, in einer weitern nute wieder zusammengeschraubt, dann hitfb er mit dem Schlüssel leicht auf den kleinen VjflKuumtank, der da oben an der Spritzwand sass. Der^|Hgj| leer — statt volll Er verlangte ein Schläuchlein, und da wir keines bei uns hatten, holte er es aus seiner riesigen Werkzeugkiste, nebst einem leeren Oelgeschirr. Nun sog dieser wildfremde Mensch, der uns fast um Mitternacht auf einer verlassenen Strasse gefunden, aus Leibeskräften an diesem Gummischlauch, dessen anderes Ende er in den Benzintank gesteckt hatte. Er bekam natürlich den Mund voll Benzin. Spuckend und hustend füllte er dann den kleinen Tank auf der Spritzwand mit dem Benzin aus dem Oelgeschirr und erklärte uns, dass ein Ventil gebrochen sein müsse. Wir würden da drüben, hinter jenem Hügel, ein paar Häuschen finden, von dort führe ein kleiner Weg nach links zu einer Wirtschaft. Dort sollten wir eine Flasche mit Benzin füllen lassen und, so oft es notwendig werde, den kleinen Tank wieder auffüllen. Im gleichen Atemzug fügte er hinzu: «Adieu, gute Fahrt», und war schon wieder jenseits der Strasse, bis wir unsere Dankesworte stammeln konnten. Mit «bitte, bitte», verschwand er im Führersitz und Hess den Motor auf Touren kommen. Als der Fahrer mit einem Geldstück in der Hand zu ihm hinübersprang, da rief er von seinem Sitz herunter: «Nichts da — Kameradschaft der Strasse», und fuhr donnernd los. Von all den schönen°Erinnerungen unserer Fahrt ist uns ;diese die wärmste geblieben; der müde verschmitzte- Chauffeur,- der ,4ins~ seine Idee von einerSneueh Brüderschaft der Landstrasse in praxi vorführte, -der sein Ideal von der gegenseitigen Hilfe so hoch „hielt, dass er es nicht einmal durch Stunde wird der Vergaser einigemal geöffnet Und zugeschraubt; als Resultat können zweihundert Meter Strecke gebucht werden, die mit Ach und Krach zurückgelegt worden sind. Oefters sind Wagen an uns in grossem Tempo vorbeigerastj wir haben um Hilfe gemimt, aber man scheint nachts in freiem Felde nicht gerne anzuhalten. Trotz unserer tragikomischen Verzweiflung haben wir das begriffen und uns mit dem Uebernachten im engen Wagen langsam abgefunden. Da vernehmen wir ein fernes dumpfes Rollen —viele Kilometer weit weg scheint sich etwas mit grosser Macht zu bewegen; wieder fingern weisse Strahlenbündel über eine Hügelkuppe und rumpelnd wälzt sich endlich ein riesenhafter Lastwagen vom Hügel herab uns entgegen. Wir haben es aufgegeben, uns als Schiffbrüchige zu gebärden und sind darauf vorbereitet, den Wagen entschwinden zu sehen, wie alle andern entschwunden sind. Wie nun aber das Ungetüm kurz hinter uns laut kreischend zu stehen kommt, können wir unsern Augen und Ohren nicht trauen. Aus dem hochliegenden Führersitz -steigt* ein schmächtiger Chauffeur, mit einer Kruste jenes verölten Staubes bedeckt, der sich mit der Zeit gleichsam schützend über die Nerven dieser vielein wohlverdientes Trinkgeld trüben wollte. Wi* hatten das Gefühl, einen von der Bruderschaft der irdischen Landstrasse zu treffen. Es ist ein schönes und ein seltenes Gefühl geblieben. H. E. S. Haydn -Anekdoten (1740-1940 Es sind 200 Jahre her, seit der damals achtjährige Joseph Haydn als Chorknabe in den Wiener Stephansdom aufgenommen wurde und damit zum erstenmal intensiv mit der Musik in Berührung kam — ein für seine Entwicklung entscheidender Vorgang. — Aus seiner späteren Zeit existieren ungewöhnlich zahlreiche Anekdoten, von denen wir hier einige wiedergeben. Während seines zweiten Londoner Aufenthaltes war Haydn häufiger Gast bei der berühmten Sängerin Billington, von deren Kunst er immer von neuem begeistert war. Ueber ihrem Klavier hing ihr von Reynolds gemaltes Portrait, auf dem die Künstlerin als Heilige Cäcilie dargestellt war, wie sie mit andächtiger Miene dem Chor der Engel lauscht. «Das Bild ist gut», sagte einmal Haydn, cnur die Auffassung ist falsch.» «Die Auffassung?» fragte erstaunt die Sängerirk, «Wieso?» «Er hat Sie gemalt, wie Sie den Engeln lau« sehen. Aber er hätte die Engel malen müssen, wie sie Ihnen zuhören.» Gleichfalls in London erschien Haydn eines Tages in einer bekannten Musikalienhandlung: «Können Sie mir ein paar gute neue Musikstücke vorlegen?» «Gewiss, mein Herr», versicherte der Verkäufer. «Ich habe da gerade ein paar wundervolle Sachen von Haydn.» «Ausgerechnet Haydn?» lächelte der Meister. «Das interessiert mich nun wirklich gar nicht.» «Wie bitte? Sie mögen Haydn nicht? Haben Sie etwas gegen seine Musik einzuwenden?» «Einiges!» versicherte Haydn. «Haben Sie nichts anderes?» «Haben schon», entgegnete der Haydnschwär* mer empört, «aber nicht für so einen unmusikalischen Menschen wie Sie!» Ueber die Entstehung des berühmten «Ochsen* menuetts» erzählt Saphir: Ein Wiener Metzgermeister stattete Haydn eines Tages einen Besuch ab. «Sie werden schon entschuldigen», begann er, «aber ich bin ein ganz besonderer Verehrer Ihrer Musik. Und weil ich gehört habe, dass Sie so ein gefälliger Herr sind, und weil meine Tochter morgen heiratet, wollte ich Sie gebeten haben, ob Sie mir nicht für die Hochzeit ein neues Menuett schreiben könnten.» Haydn, dem sein eigenartiger, Verehrer gefiel, versprach, das Menuett zu schreiben, und lieferte es noch am gleichen Abend ab. Am nächsten Tag aber — Haydn traute seinen Ohren kaum — ertönte unter seinen Fenstern die neue Komposition. Er schaute hinaus und sah, malerisch um einen -blumengeschmückten Prachtochsen mit vergoldeten Hörnern gruppiert, eine Kapelle, die seine neue Musik spielte. Als sie verklungen war, trat der Metzger, von Tochter und Schwiegersohn begleitet, hervor und hielt eine wohlgesetzte Rede, in der er erklärte, für so ein schönes Menuett könne er sich nicht anders erkenntlich erweisen, als dass er dem Meister seinen allerschönsten Ochsen zum Präsent mache. Und wie sehr Haydn sich auch gegen das Geschenk wehrte — der Metzger nahm es nicht zurück, bis Haydn endlich nachgab. So ist das Menuett zu seinem unsterblichen Namen «Das Ochsenmenuett» gekommen.