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E_1940_Zeitung_Nr.052

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ft-J AUTOMOBIL-REVUE

ft-J AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, S4. DEZEMBER 1940 — N° 52 Aus |edem der folgenden vier Rätsel ergeben sich einige Wörter, die zusammen unseren Festtagsglückwunsch nennen. Zahlenrätsel. f) . 0 1 2 3 4 5 6 7 8 8 7 9 7 8 7 10 11 12 13 5 6 10 14 6 7 7 6 10 9 7 8 10 2 15 6 10 14 12 13 5 2 4 7 6 10 17 2 10 14 6 10 14 3 13 5 8 6 18 15 6 10 18 15 6 4 15 7 19 7 10 13 18 15 k 7 6 13 5 7 18 15 10 I) 17 7 6 15 10 2 18 15 m) 7 8 13 18 15 21 5 5 n) 6 10 20 2 8 7 6 18 grosses südamerikan. Säugetier. Verbeugung. 10 Teil Asiens. 15 16 7 gerichtliche Befragung. 10 Teil Indiens. Stoffart. 7 Grossgewerbe. 4 2 amerikanisches Pelztier. 3 13 13 plötzlich auftretender Muskelschmerz im Kreuz. 6 20 Gletscherwanderungslehre. 5 7 10 hohes Fest. 7 8 3 10 22 seelische Umwälzung. 15 südamerikanischer Staat des Altertums. o) 15 23 8 10 7 8 13 18 15 24 4 Ton von Blasinstrumenten. Die ersten Buchstaben — von oben nach unten — und die vierten Buchstaben — von unten nach oben — nennen die ersten vier Wörter unseres Glückwunsches. Diagrammrätsel. Rätsel* Erc:!*» Qtüchuwftsch-JlätsetkeUe Von aussen nach innen: 1. Blumenzüchter. 2. Schwarzer Vogel. 3. Nordamerikanische Halbinsel. 4. Bekannter Filmschauspieler, Abenteurer-Darsteller. 5. Bewohner eines südrussischen Gebiefes. 6. Kohlenprodukt. 7. Pädagoge, Jugendführer. 8. Götzenbild. 9. Kundiger der Scheidekunst. 10. Grosser deutscher Philosoph. 11. Britisch-indischer Vasallenstaat. 12. Ungebunden. 13. Bestandaufnahme, Verzeichnis. 14. Gerte. 15. Gesamtheit des Soldatenwesens. 16. Fluss in Italien. 17. Monat. 18. Sohn Isaaks. 19. Urbevölkerung Italiens. 20. Italienischer Schaumwein. 21. Transformator. 22. Stadt in Russland (eingelegte Silberarbeiten). 23. Inventeur. 24. Fluss in Spanien. 25. Säugetierart. 26. Spanischer Herzog in den Niederlanden. 27. Balancekünstler, Taschenspieler. 28. Gestorbene. 29. Werktätiger. 30. Kreiseinteilung. 31. Israelit. 32. Blume. Im Sinne des Uhrzeigers: Ae u s- seresVieleck: 1—3. Teil des Mittelländi- Einsetzrätsel. Gitterrätsel. Cham, Eber, est, Inn, hat. Rosse, nun, Nuss, Schi, Uri, Wachs, wer. Vorstehende Wörter sind so in die folgenden Wörter einzusetzen, dass neue Wörter entstehen. Die Anfangsbuchstaben der eingesehen Meeres. 3—5. Fleischsülze. 5—7. Männliches Haustier. 7—9. Staat, bemittelt. 9—11. Vulkan auf Island. 11—13. Säugetiere. 13—15. Berühmter finnischer Läufer. 15—17. Staat der U.S.A. 17—19. Griechischer Muttermörder. 19—21. Schlafbild. 21—23. Längenmass. 23—25. Sächsische Fabrikstadt. 25—27. Französischer Physiker. 27—29. Nagetier. 29—31. Bühnenleitung. 31—1. Heidekraut. Im Sinne des Uhrzeigers: Inneres Vieleck: 1—3. Englisches Getränk. 3—5. Arabischer Männername. 5—7. Europäischer Inselbewohner. 7—9. Biblischer Prophet. 9—11. Höhenzug an der Weser. 11—13. Vorsilbe. 13—15. Netz (englisch). 15—17. Englische Abkürzung für Thomas. 17—19. Brei. 19—21. Englische Anrede. 21—23. Altnordische Meeresriesin. 23—25. Elend. 25—27. Niederung. 27—29. Balkanmünzen. 29—31. Weiblicher Vorname. 31—1. Zweig. setzten Teile nennen wieder zwei Wörter unseres Glückwunsches. Schichtig, ach, Trier, Rakel, Manen, Sade, Mama, Fin, Bure, Kai, Sen, Karien. A A A A A A A 3> \7 \7 \7 \7 \7 \7 \7 AAAAAA B C D EEEEEE6EE F G H III Obige Buchstaben sind so in die Figur einzusetzen, dass die senkrechten Latten Wörter nachfolgender Bedeutung ergeben. Bei richtiger Lösung nennen die beiden waagrechten Latten die vier letzten Wörter unseres Glückwunsches. Die richtigen LSser erhalten 6 Punkte UHU MM NNN OOO PP R SSSSSS U Z. 1. Griechischer Schlachtenort, italienische Würstart (Mehrzahl). 2. Weibliche Kriegerin. 3. Zimmerdecke. 4. Bäuerliches Vorratshaus. 5. Fertiger Lehrling. 6. Kegelschnittslinie. 7. Auf der Wetterkarte Linie, die Orte gleichen Luftdrucks verbindet. Einsendetermin: 31. Dezember 1940 3> An Stelle der Punkte sind Buchstaben zu setzen, so dass Wörter der nachfolgenden Bedeutung entstehen. Die Anfangsbuchstaben der achtbuchstabigen Radialwörter und deren gemeinsamer Endbuchstabe nennen weitere vier Wörter unseres Glückwunsches. Auflösung des symmetrischen Königszuges. Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben, Willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz. Xenien. £ ty Richtige LösunOen des symmetrischen Königszuges (Nr. 50). •4 Punkte A. Bachofen, Glarus; E. Benz jun., Goldach; Max Bertschmann, Basel; H. Boiler, Zürich; Frl. Margrit Bossert, Lenzburg; A. Dätwyler, Bern; Frl. Margrit EppJe, St. Gallen; Frau C. Fravi, Rappers- •wil; Frau Dr. Gräflin, Walzenhausen; Frau Dr. J. Hopf, Bern; Frau G. Jacob, Winterthur; W. Kühnis, Oberriet; G. Laepple, Basel; Frau E. Lienhard, Töss; Frau E. Markoff, Buchs; Frau Marti, Ölten; Frau Lisette Rock, Basel; Frl. M, Ruf, Winterthur; Frau Else Steinbömer-Feix, Schaan; Fritz Wenger, Bern; Frl. E. Winteler. schützen sich vor Autound Eisenbahnkrankheil durch Erhältlich In allenApotheken oder Oantrale HomAopathique Romanos Gent Eine gute Emnfehlimu Ist Jeder Erika-Brief. Erzeugt von fortschrittlichem Geist seine« Absenders und macht durch seine schone, saubere Schrift auf den Empfänger einen nachhaltigen Eindruck. Wer darauf Wert legt, schreibt die berühmte Kleinschreibmaschine Verlangen Sie ausfahrt. Gratisprospekt Ob. d. neue Erika-Teil- Sn ä S E Ä h W. Häusler-Zepf, Ringstrasse 17, Ölten. Für Kunstliebhaber: Das antike Rom Text von Jakob Burckhardt. Format 18 X 26 cm, 103 Abbildungen auf Tafeln, davon 2 vierfarbig. 100 Seiten Text. Fr. 9.50. Wie manchen Besucher Roms verwirrt die Fülle der Bauwerke und Kunstdenkmäler aus den verschiedensten Epochen! In über 100 Abbildungen führt dieses neue Werk das antike Rom, die Stadt der Republik und der Cäsaren, vor: die Tempel und Amphitheater, die Thermen, Triumphbogen und Säulen, die Paläste und Villen, die Denkmäler und Gräber, dazu die wertvollsten Kunstschätze, deren Hüterin die Ewige Stadt geworden ist. Der Text ist Jakob Burckhardts ewig gültigem «Cicerone» entnommen. Pompeji Kunst und Kultur einer antiken Stadt. Herausgegeben von Amedeo Maiuri, Generalintendant der Ausgrabungen in Pompeji und Herkulanum. Format 18x26 cm, 115 Abbildungen, davon 4 vierfarbig. 60 Seiten Text. Ganzleinen Fr. 9.50. . Der Verfasser unterrichtet den Leser über den Untergang der versunkenen Stadt, die der Vesuv mit Lava bedeckte. Er gibt ein Bild der Anlage der Stadt, des Lebens ihrer Bewohner, ihrer Kultur und ihrer Kunst, wie es rekonstruiert werden konnte. In allen Buchhandlungen erhältlich. VERLAG HALLWAG BERN Zürich FRANZ ROSENFELD Empfehlenswerte Unterhaltungsstätten Stadttheater Abends 19* Uhr, Sonntag nachmittags 14 J* Uhr. Theaterkasse Tel. 2 69 22 und 4 67 Off, 10—12.30 und 1530—19 Uhr. Kuoni Tel. 3 3613, &—18.30 ühr. Di. abend 24. DeZ. Abends geschlossen. Mi. 25. Dez. Geschlossen. Do nachm 26 Dez Der vergessene Kuss, Operette v. Harald Barth. DO. abend 26. Dez. Die ZauberfIBte, Oper von W. A. Mozart Fr. abend 27. Dez. Margarethe (Faust), von Ch. Gounod (mit der grossen Ballettszene der Walpurgisnacht). Zar unli Sa. abend 28. Dez. Zimmermann, kom. Oper von Albert Lortzing. SO. nachm.29.Dez. Aida, Oper von G.Verdi. SO abend 2! Dez. Friederike, Operette von Franz Lehar. DL abend 31.Dez. Grosse Silvesterpremiere: Die Fledermaus, Operette von Johann Strauss. Militär in Uniform bezahlt auf allen Platzen die Hälfte. Schauspielhaus -^en 1 ZORICH TELEPHON 52212 Abendkasse ab 18 ühr (2 1111) HÜ. 25. Dez. 1. Weihnachtstag geschlossen. D0.nachm.26.DeZ. Heinrich VIII. und seine sechste Frau. DO abend 26 Dez Flflaros Hochzeil oder Der tolle Tag. Fr abend 27 Dez. Figaros Hochzeit oder Der tolle Tag. Sa abend 28 Dez. Heinrich VIII. und seine sechste Frau. m nhpiiil 31 Dez Silvester-Premiere: Der Bauer als ui. auenu OI.UK. Mj||jonä von Ferd Raimunci. Militär auf allen Plätzen halbe Preise.

52 oder die Abenteuer Jerome Tippy's 1. Fortsetzung. Roman von Franz Carl Endres Der Herr eilte in das Haus zurück, das junge Mädchen verhüllte rasch Kopf und Gesicht mit einem weissen Schleier, der über ihren Schultern lag und eilte dem Herrn in das Haus nach. Der grinsende Neger aber, ein riesenhafter Mensch, stürzte an die Gittertüre, öffnete sie, legte seine schwere Hand auf Tippys Schulter und sagte ihm in schlechem Negeramerikanisch, er möge sich schleunigst entfernen. Er stehe hier auf fremdem Grund und auf einer Seite der Villa, zu der gar kein Weg führe. Es mache den Eindruck, dass er Uebles im Sinne habe. Er scheine einen Einbruch vorzubereiten, er sehe überdies gemein wie ein Stromer aus. Das war Jerome Tippy zuviel. Er begann laut zu schimpfen und nach seinem Sechsläufigen zu greifen, den er an einem Gürtel unter der Jacke trug. Dieser Bewegung kam der Neger zuvor und schlug dem armen Tippy zwei, drei runde, gute Hiebe auf die Kinnbacken. Als Jerome aus seiner Ohnmacht erwachte, war er allein. Soweit sein Auge blickte, keine menschliche Behausung, nur jenseits des Gitters die stille Villa mit verhängten Fenstern. Und dann war Tippy von Pontius zu Pilatus gelaufen, hatte aber nichts erreichen können. Die Behörden zuckten die Achseln und behaupteten, sie könnten diesen Selbstschutz des Villenbesitzers, der in so menschenleerer Gegend wohne, nicht bestrafen, zumal Jerome Tippy sowohl über einige Zäune gestiegen sei, um an das Gittertor zu gelangen, als auch den ihn wegweisenden Neger mit der Pistole bedroht habe. Und als Jerome Tippy wenigstens für den verprügelten anderen Neger Gerechtigkeit forderte, zuckten die Behörden wiederum die Achseln. Ein wenig Disziplin tue dieser schwarzen Gesellschaft ganz gut. Und als Jerome Tippy wütend entgegnete, die Behörden stünden wohl noch immer auf dem kanibalischen Standpunkt der Südstaaten vor dem Sezessionskriege, erreichte er nur eine Ordnungsstrafe von 10 Dollar wegen ungebührlichen Benehmens gegenüber der Staatsgewalt und im übrigen die etwas höhnische Bemerkung, dass wenn man so negerfeindlich gesinnt wäre, man ja Gelegenheit hätte, den boxenden Diener des Villenbesitzers zu strafen. In einem privaten Auskunftsbureau erfuhr Tippy, dass der Villenbesitzer Gabbas heisse, das Mädchen seine Tochter sei, dass er seit kurzem diesen dem Staat gehörigen Besitz "gemietet höbe, ihn fast nie verlasse und unermesslich reich sei. «Deshalb also», schloss Jerome Tippy seine Erzählung, «deshalb also geschieht ihm nichts. Weil er jeden zahlt, der ihm auf die Finger sieht, Weil er jeden besticht, der amtlich von ihm etwas verlangt, weil er sich als sehr brauchbares Element dieser ganz verrotteten Gesellschaft erwiesen hat.» In diesem Augenblick meldete der Diener, dass das Essen bereit sei und verhinderte dadurch weitere, sehr ehrenrührige Angriffe Tippys gegen die Regierung des Staates Florida und die Stadtverwaltung von Jacksonville. Während Moore den dicken Journalisten in das Speisezimmer schob, versuchte dieser noch die Frage anzubringen, ob man denn nicht wenigstens das märchenhaft schöne Mädchen aus den Händen ihres barbarischen Vaters befreien solle. Aber er bekam keine Antwort auf diese Frage. Der Anblick köstlicher Speisen und Getränke konnte das heisse kalifornische Blut Tippys so weit beruhigen, dass er ganz plötzlich seinen Zorn auf Cabbas vergass und sich mit sichtlicher Vorfreude an dem kleinen in der Ecke des grossen Saales gedeckten Tisch Moore gegenüber niederliess. Die mächtige, in der Mitte des Raumes stehende, für grosse Gesellschaft berechnete Tafel war mit einer seidenen Decke bedeckt. An den Wänden hingen wertvolle Gobelins und vor den Fenstern schwere Vorhänge. Weiche Teppiche saugten jedes Geräusch der Tritte eines in Frack und habe in die bleigrauen Dünste geblickt, die über seinem Spiegel lasten. » Da lächelte Ralph Moore uqd sagte ganz leise und wie nebenbei: «Miss Maud Harvey bittet Sie, auf unserer Reise ihr Gast zu sein. > Das war zuviel für den dicken Kalifornier. Er begann einen wahrhaftigen Indianertanz aufzufühund kurzen seidenen Hosen servierenden Dieners auf. Jerome Tippy genoss es kindlich, in einem reichen Hause gut zu Abend zu essen. Er wurde sanft und sanfter, und als schliesslich zu den prachtvollen Floridaorangen eine Flasche uralten Kalifornierweines vom Diener auf den Tisch gestellt wurde, Moore selbst einschenkte und von einem Grass von der alten Heimat sprach, da versuchten helle Tränen den steilen Weg über Jeromes dicke Wangen zu finden. Selbst das Wippen war seliger Ruhe gewichen und Jerome Tippy reichte seinem Wirt über den Tisch die Hand. « Moore, Moore, Sie sind doch der beste Mann in den Staaten.» Und Jerome Tippy trank mit Verständnis und Andacht, mit Hingebung und Rührung den schweren und süssen Gruss seiner fernen Heimat. Dann, als sie wieder in Ralphs Zimmer sassen und rauchten, kam er auf die Orientreise Mauds zu sprechen. Da schien ihm der Augenblick gekommen zu sein, einen ganz geheimen und lang gehegten Wunsch zu äussern. Trotz seiner wilden Vergangenheit und trotz seines rücksichtslosen Auftretens in der Oeffentlichkeit war Tippy ein schüchterner Mensch, dem nichts so schwer fiel, als um irgend etwas zu bitten. Er konnte sich auch jetzt nicht entschliessen, obwohl der kalifornische Wein das Seinige getan, direkt seinen Wunsch auszusprechen, sondern begann mit einer diplomatischen Einleitung. «Muss prachtvoll sein, endlich mal rauszukommen aus dieser Enge. Fremde Menschen, fremde Länder sehen! Sich rühren, frei sein, Gefahren bestehen, Entdeckungen machen, Erinnerungen sammeln, neue Eindrücke verarbeiten! Wie beneide ich Sie, Moore, um diese Reise. > Moore lächelte und trat mit Tippy an die Wandkarte. Er erklärte ihm den geplanten Reiseweg. Tippy folgte mit gespanntester Aufmerksamkeit und seine Fragen und Einwände versetzten Moore in Erstaunen, denn sie bewiesen eingehende Kenntnisse über vorderasiatische Verhältnisse. «Woher wissen Sie denn das alles? » fragte Moore. Tippy wurde rot wie ein Schuljunge, den man bei einer Lausbuberei ertappt. «O, ich habe das alles studiert, damit ich etwas von Ihrer Reise habe und damit ich alles besser verstehe, was Sie, wie ich mit Sicherheit annehme, der Redaktion des «Florida-Leuchtturm» aus Palästina berichten werden. Ich bin im Traume schon oft über den Ozean gefahren, ich bin schon oft auf dem Oelberge gestanden und habe jenseits vom Kidrontale die heilige Stadt zu meinen Fassen liegen sehen. Erst gestern war ich am 1 Toten Meere ren. Dann aber besann er sich plötzlich, packte Moore vorne bei den Rockknöpfen, schüttelte ihn und rief: « Ist das Ihr Ernst, Mann, ist das nicht nur so geredet? Wollen Sie etwa einen armen Veteranen der Feder zum Narren halten? Wollen Sie meines Vaters besten Sohn verulken? » Moore lachte ihm ins Gesicht. «Es ist mein Ernst, Tippy, Sie junger Mann! Donnerwetter, Sie sind wirklich jünger als Sie aussehen. Wer wird sich denn so kannibalisch freuen.» «Kannibalisch? » brüllte Tippy, « gut, nennen Sie es kannibalisch! Soll ich hier bei Ihnen meine Gefühle verbergen? Mein Herz wohnt ganz dicht bei der Natur und nur die Rücksicht auf Ihre Hausdame hindert mich daran, aus diesem Revolver », dabei zog er seinen schweren mexikanischen Sechsläufer, den er in irgendeiner seiner unendlich vielen Taschen verborgen hatte, heraus, « aus diesem Revolver hier sechs Freudenschüsse in die vor Langeweile stinkende Luft von Jacksonville abzugeben. » Moore hatte alle Mühe, ihn zu beruhigen und zur Versorgung seiner Mordwaffe zu bewegen, was endlich nur dadurch gelang, dass eine neue Flasche Kalifornier die Begeisterung Tippys in das Sentimentale umformte. Und dabei blieb es. Es war spät in der Nacht, als der Journalist, infolge eines sehr rührenden Gedankens erneut mit Tränen in den Augen und infolge des alten Kaliforniers mit den poetischen Geistern im Gehirne, das Haus Moores verliess, nicht ohne die kühnsten und abenteuerlichsten Pläne des seligen Richard Löwenherz alle Ehre gemacht hätten. Aber was sind Träume der Menschen gegen die Wirklichkeit! Hätte Tippy damals geahnt, was sich alles ereignen sollte, vielleicht hätte er vor der Romantik der Wirklichkeit, selbst in dem wackeligen Zustand, in dem er sich befand, noch eine untadelhafte Verbeugung gemacht. Es gab nun keinen Tag mehr, an dem Tippy nicht wegen irgendeiner höchst wichtigen Reiseangelegenheit in der Wohnung Moores vorsprach. Aber die Frage nach der geheimnisvollen Villa und der zu befreienden' Jungfrau schien aus seinem Gedächtnis ausgelöscht zu sein. Die nächsten Wochen waren ausschliesslich mit Vorbereitungen gewaltigster Natur angefüllt. Tippy bewaffnete sich, als müsste er allein den Ungläubigen das heilige Grab entreissen. Er verproviantierte sich,, als hiesse es, den Rest seines Lebens in der Sinaiwüste zuzubringen, er beschaffte sich, weiss Gott, wer ihm das Geld dazu lieh, eine riesenhafte Bibliothek von Nachschlagewerken, die er sorgfältigst in eiserne Schiffskisten packte, er Hess sich von den vereinigten Apothekern Jacksonvilles eine Reiseapotheke zusammenstellen, deren Mixturen und Tabletten genügt hätten, ein erkranktes Volk der Gesundheit wieder zuzuführen. Kurz, er war den ganzen Tag bis tief in die Nacht hinein fieberhaft beschäftigt, Im « Florida-Leuchtturm » erschien ein Leitartikel, der über Mordtaten beduinischer Scharen und Bedrohung der heiligen Stätten der Christenheit in Palästina berichtete und angetan war, das Herz jedes braven Christenmenschen aufs tiefste zu erschüttern. Der Schluss des Artikels brachte in fetten Lettern die für Jacksonville bedeutsame Nachricht, dass der Feuilletonredakteur des «Florida-Leuchtturm», Jerome Tippy, im Interesse einwandfreier Aufklärung über die oben angeführten besorgniserregenden Verhältnisse sich demnächst persönlich in das Heilige Land begeben werde. Diese Nummer des «Florida-Leuchtturm » war in einer halben Stunde nach ihrem Erscheinen auf der Strasse ausverkauft und Jerome Tippy war von nun an nicht nur der geistige, sondern auch der religiöse Mittelpunkt seiner zahlreichen Verehrer. Der gute Tippy sonnte sich an dieser immensen Vergrösserung seiner persönlichen Bedeutung für die brave Stadt Jacksonville und legte sich eine Würde und eine erhabene Gemessenheit bei, die nur dann aus dem Geleise kam, wenn er bei Moore Beratungen abhielt, Beratungen, die stets einer oder mehreren Flaschen des alten Kalifornierweines das Dasein kosteten. Es waren glückliche Wochen für Tippy, die nicht einmal dadurch getrübt wurden, dass die «Jacksonville-Post» in einem Leitartikel den Feuilletonredakteur des «Florida-Leuchtturm», als « einen mit der öffentlichen Meinung der Vereinigten Staaten freventlich jonglierenden Narren » bezeichnete. II. Die geheimnisvolle Villa. Mitten in den Vorbereitungen zur Abreise besuchte Ralph Moore einen seiner Freunde, der eine Farm in der Nähe von Hibernia am St. Johns River hatte. Es war eine linde Vollmondsnacht, als er in seinem Auto auf der grossen von Hibernia nach Jacksonville führenden Landstrasse nach Hause zurückfuhr. Er sass im Grund des offenen Wagens und Hess den Chauffeur das Tempo massigen. Der Duft der Orangengärten, die scharfen Schattenrisse der Platanen und das Glitzern des Stromes schufen ihm ein Traumland, in dem seine Gedanken lustwandelten. Heute früh war er bei Maud Harvey gewesen. Sie hatte wieder zur Abreise gedrängt, war ungeduldig, dass die Angelegenheit des Schiffes, das von einer "New Yorker Reederei gemietet werden sollte, noch immer nicht erledigt war, schien aber mit Moores Einladung an Jerome Tippy recht einverstanden zu sein, denn sie hatte gelacht und gesagt: « Wir werden einen glänzenden Berichterstatter unserer Abenteuer haben und vor allem einen fidelen Kumpan, der uns beide aufheitern wird, was wir, wie ich denke, sehr notwendig haben. » Maud Harvey war der lebendige Gegensatz zu den lebenslustigen und geistig anspruchslosen Damen der Gesellschaft von Jacksonville. Ihr Ernst, der fast männliche Züge trug, Hess sie diese Gesellschaft, so gut es ging, meiden. Sie interessierte sich weder für Sport noch für Klatsch, weder für Moden noch für Flirt. Einzig und allein die Studien über den Orient erfüllten ihre Tage. Ihnen oblag sie mit einer Zähigkeit, die einem strebenden Gelehrten zur Ehre gereicht hätte. Ihr natürlicher Ernst war in den letzten Wochen noch auffälliger geworden. Die stolze Schönheit ihrer schlanken und grossen Gestalt und ihres fast römischen geschnittenen Gesichtes, aus dem grosse graue Augen mit auffallender Klarheit in die Umwelt blickten, war unnahbar und wirkte wie die einer der Masse der Menschen entrückten Königin. Der Ernst im Wesen Mauds lastete wie ein Alp auf der Seele des jungen Gelehrten, der selbst still und wenig heiter war und den die grosse Frage nach der Ehrlichkeit seiner Gefühle diesem seltenen Mädchen gegenüber immer tieferen und freudloseren Grübeleien zugeführt hatte. Maud hätte es leicht gehabt, diese Grillen zu verscheuchen, aber das wollte sie nicht. Sie liebte Ralph, war aber viel zu stolz, um seiner Schüchternheit — denn diese hielt sie für das Motiv seines Schweigens — einen Pfad zu ihrem Herzen freundlich zu weisen. So quälte sie sich und ihn und verlernte Lachen und Fröhlichkeit. (Fortsetzung folgt.) BERNE RESTAURANT DU THßÄTRE Französisches Restaurant im I. Stock Im Parterre-Restaurant Orchester Lore Durant