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Contura 2018/2019 Deutsch

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2018/2019

Contura

Das Magazin der Rhätischen Bahn

Aus Berufung

Eine Familie im

Dienste des öV

Glacier Express

Exzellenz

nimmt Form an

Tradition

Lang lebe

das Romanisch


Freibillett

Die Welt entdecken …

Die Welt entdecken. Was dies bedeutet, habe ich mit 14 Jahren zum ersten Mal erfahren. In

Tarasp im wunderschönen Engadin zu Hause, trennten mich damals hohe Berge und tiefe Täler

von der grossen weiten Welt. Doch dann durften meine Freunde und ich zum ersten Mal alleine

nach Chur fahren. Der Vereina war noch nicht ganz fertiggestellt und um die Welt zu entdecken

mussten wir eine fast vierstündige Zugfahrt über Bever, Bergün und Thusis auf uns nehmen. Die

Musik, die uns auf dieser Reise begleitete, kam damals noch von CDs und beschallte – nicht zur

Freude aller Passagiere – in niedriger Qualität gleich das gesamte Abteil. Die Zeit in Chur verbrachten

wir mit Skaten, Shoppen und gemütlichem Chillen im Park. Mit einem breiten Lächeln,

vollbepackten Taschen und fast leerem Portemonnaie kehrten wir am Abend – glücklich, die Welt

entdeckt zu haben – nach Hause in unseren Mikrokosmos zurück.

Gino Clavuot alias SNOOK, Schweizer Rapper aus dem Unterengadin

2

www.rhb.ch/contura


Editorial

RhB-Grüsse aus Indien

Namaste, geschätzte Fahrgäste

Ich grüsse Sie herzlich aus dem fernen Indien. Seit mehr

als vier Jahren arbeite ich als Verkaufsleiterin für die

Rhätische Bahn in Mumbai. Die Schweiz, das Land der

Schokolade, der Berge und des Käses, ist für indische

Touristen das Traumreiseziel schlechthin. Auch ich durfte

schon mehrmals mit der RhB durch die schöne Landschaft Graubündens fahren –

ein grossartiges Erlebnis, egal zu welcher Saison. Es erfüllt mich mit Stolz,

für eine namhafte Bahngesellschaft wie die RhB zu arbeiten, die sowohl in

der Geschichte der Eisenbahn als auch im Schweizer Tourismus eine wichtige

Stellung einnimmt. Zwar sind traditionelle Schweizer Reiseziele wie Interlaken,

Luzern und Engelberg starke Konkurrenten auf dem indischen Markt,

doch das UNESCO Welterbe-Label macht die Fahrt mit der RhB für Inder zu

einer beliebten, da prestigeträchtigen Angelegenheit, mit der zu Hause angegeben

werden kann – indische Touristen holen aus ihren Reisen gerne das

Maximum heraus und «sammeln» so viele berühmte Sehenswürdigkeiten wie

möglich. Zudem bietet die RhB etwas für jeden Geschmack: Indische Hochzeitsreisende

verbringen ihre Flitterwochen zum Beispiel besonders gerne auf

der Alp Grüm – frische Alpenluft und atemberaubende Aussichten, was will

man mehr? Vielleicht höchstens ein bisschen Heimat auf dem Teller. Eine der

häufigsten Fragen, die mir von Kunden gestellt wird, ist nämlich, ob in der

Region auch indisches Essen erhältlich sei. Und tatsächlich ist die Fahrt mit

dem Glacier Express bei indischen Reisenden noch beliebter, seit an Bord eine

indische Mahlzeit serviert wird.

Das macht auch mir Appetit auf mehr. Ich freue mich auf meinen nächsten

Besuch und wünsche Ihnen eine gute Fahrt!

Sonal Salian, 32,

Verkaufsleiterin Rhätische Bahn Indien

Mumbai, Indien

PS: Den spannenden RhB-Newsletter noch heute abonnieren und immer

auf dem Laufenden bleiben: www.rhb.ch/newsletter

3


Inhaltsverzeichnis

Wo gehtʼs lang?

46

Albulalinie Parc Ela: das Herz der Welt

14 18 52

Berninalinie

Zuggeschichte(n) von

der Berninastrecke

Nächster Halt

Nicht nur für

«Bahnbekloppte»

Aus der Werkstätte

Spaghetti & Co.

aus der Valposchiavo

4

Impressum: © Copyright / Herausgeberin: Rhätische Bahn AG, Bahnhofstrasse 25, 7001 Chur | Technische Daten:

Rhätische Bahn | Konzept / Text: Panta Rhei PR AG | Grafik: Süsskind SGD Chur | Fotos: Archiv Rhätische Bahn,

Y. Andrea, C. Bader, A. Badrutt, A. Bass, P. Donatsch, Ente Turistico Regionale del Moesano (R. Jörg, Y. Leonardi),

Familie Juon, fotoSwiss.com/cattaneo, M. Gerber, M. Giger/snow-world.ch, G. Giovanoli, Gold-Gusti, Guarda Lodge,

U. Jossi, N. Pitaro, M. Schade, Chr. Sonder egger, E. Süsskind | Gedruckt in der Schweiz, Ausgabe Nr. 9, 2018 / 2019


Der neue RhB Club

Werden Sie Teil der RhB-Familie!

www.rhbclub.ch

16 Scena

InstaMeet

10 Aus Berufung

Eine Familie

im Dienste des öV

14 Berninalinie

Zuggeschichte(n) von

der Berninastrecke

18 Nächster Halt

Nicht nur für

«Bahnbekloppte»

24 UNESCO Welterbe RhB

Auch ein Erbstück:

die Kalka-Shimla Railway

30 Fensterplatz

32 Tradition

Lang lebe das Romanisch

36 Glacier Express

Exzellenz nimmt Form an

41 Hätten Sie das gewusst?

Zahlenzug

42 Kultur

Ein Festival wird erwachsen

46 Albulalinie

Parc Ela: das Herz der Welt

50 Platz an der Sonne

Superlative in Graubünden

52 Aus der Werkstätte

Spaghetti & Co. aus

der Valposchiavo

58 Natur

Teuflisch schöne Diavolezza

62 Was machen eigentlich …

… Lawinenhunde im Sommer?

64 Berühmte Namen

Hortensia von Gugelberg

65 Wir stellen vor

Das RhB-Verwaltungsgebäude

66 Powerplay

Schnee von gestern

72 Für die «Kurzen»

Mit der RhB zum Brätel-Spass …

74 Streckennetz

Höhepunkte

der Rhätischen Bahn

76 Wettbewerb

Wie gut haben Sie aufgepasst?

77 Für Ihre Agenda

Auf einen Blick:

die Erlebnisfahrten 2018 /2019

78 RhB handlich

Erlebniskarte und Broschüren

79 Souvenirs & Geschenke

Schenken macht Freude

Über 7106 Quadrat kilometer echte Schweiz ent decken.

Gibt’s auch für Biker! www.rhb.ch/graubuendenpass

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6

Scena

InstaMeet

Die Eindrücke der Gotthard-Bernina-Rundreise

im Juni 2018 wurden unter dem Hashtag

# trainaroundswitzerland mit dem Rest der

Welt geteilt. Hier eine Auswahl der schönsten

Bilder des «InstaMeets» von @lichterfang …

www.rhb.ch/gotthardbernina

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1

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2

6 www.rhb.ch/contura


7

1 Vierwaldstättersee | 2 Blick aus dem Fenster des

Gotthard Panorama Express | 3 Sonnenaufgang

Alp Grüm | 4 Palügletscher | 5 Alp Grüm | 6 Lago Palü |

7 Bernina Lagalb

7


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8 Bernina Diavolezza | 9 Montebellokurve | 10 Bergün |

11 Bergün | 12 Landwasserviadukt

Weitere Bilder von Jan Kaya,

auch bekannt als @lichterfang, unter

www.instagram.com/lichterfang.

8 www.rhb.ch/contura


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Aus Berufung

Eine Familie im

Dienste des öV

10 Die Decaspers: Tanja, Stefan, Gaby und Carlo mit Hund Nyima.


Der öffentliche Verkehr hat diese Familie fest im Griff – oder ist es

vielmehr umgekehrt? Bei den Decaspers haben sich nämlich alle

vier Familienmitglieder dem öV verschrieben. Ob RhB, SBB oder

Stadtbus Chur: Alle durften sie schon auf die Dienste von Mama,

Papa, Tochter und Sohn Decasper zählen.

«In Domat / Ems haben wir direkt neben der Bahnlinie gewohnt – das war

sicher prägend für unsere Kinder», meint Vater Carlo Decasper. Er selbst

wuchs hingegen in Flims auf, wo keine Bahn fährt. Womöglich verdankt

es Carlo genau diesem Umstand, dass er seine Frau kennengelernt hat –

doch dazu später. Dass ihn das Bahnfieber packte, war eher ein Zufall: Als

er Mitte der Siebzigerjahre vor der Berufswahl stand, folgte Carlo dem Rat

seines Berufsberaters, der ihm eine Lehre als Kondukteur vorschlug. «Das

tönte spannend», und so startete der Bündner 1978 bei der SBB.

Carlo macht einen Abstecher zur RhB

Anfang der Acht zi ger jah re traf Carlo seine spätere Frau Gaby. Und zwar –

mangels öV-Alternativen – beim Autostopp in Flims. Schon kurze Zeit später

wurde geheiratet, und 1985 kam Tochter Tanja zur Welt. Bei der RhB herrschte

damals Personalmangel, und so machte Carlo 1987

«In Chur wurde das einen Abstecher zur Bahn seines Heimatkantons: «Die

RhB lieh sich Personal von der SBB aus. Ich arbeitete

Auto überflüssig. Rund

also zu denselben Konditionen – und sogar in der

14 Jahre lang besassen SBB-Uniform – ein halbes Jahr lang als Kondukteur

wir alle nur ein GA.» für die RhB», erinnert sich Carlo. 1988 wurde Sohn

Carlo Decasper

Stefan geboren. «Der Zug vor dem Fenster, der gehörte

einfach dazu», erinnert sich Stefan an seine Kindheit

in Domat / Ems. Als er zehn Jahre alt war, fand die Familie Wohneigentum in

Chur und zog um. ÖV und Zug wurden damit aber nicht etwa weniger wichtig,

im Gegenteil: «Mit dem Umzug nach Chur wurde das Auto überflüssig,

rund 14 Jahre lang besassen wir alle nur ein GA», so Carlo.

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Tanja berät Kunden

Die Erste, die in Vaters öV-Fussstapfen trat, war Tanja. «Für mich war von

Anfang an klar, dass ich eine kaufmännische Lehre machen wollte. Doch

wo?» Von Papa Carlo auf die Idee gebracht, erhielt Tanja 2002 eine Lehrstelle

im SBB-Reisebüro in Chur. Nach dem Lehrabschluss gab es bei der

SBB allerdings keine passende Anschlusslösung. Nach einer Reise durch

Australien erhielt Tanja über ihren Onkel eine befristete Stelle als Kundenberaterin

bei PostAuto. Aus den geplanten sechs Monaten am Schalter

wurden neun Jahre. «Nach fast einer Dekade wollte ich aber etwas Neues.

Ich arbeitete zwei Jahre beim Medienunternehmen Somedia, lernte eine

komplett andere Branche kennen und machte die Ausbildung zur Marketingfachfrau»,

erzählt Tanja. Mit diesem Ausweis in der Tasche kehrte sie

schliesslich zum öV zurück: Sie erhielt eine Praktikumsstelle in der Marketingabteilung

der RhB, inzwischen ist sie dort als Fachfrau Kommunikation

angestellt. «Es passt perfekt: Ich kann meine Ausbildung in meiner Lieblingsbranche,

dem öV, einsetzen.»

Gaby kontrolliert öV-Reisende

Als Nächstes folgte auch Mama Gaby dem Ruf des öV: 2002 suchte die SBB

sogenannte Kundenfrequenzerheber. Konkret hiess das: die in den Zug

ein- und aus dem Zug aussteigenden Leute zu zählen. Das dreijährige

Projekt machte der zweifachen Mutter viel Spass: «Ich

«Es war eine coole war zwei Tage pro Woche auf den Zügen unterwegs.

Ich hatte gute Tipps von meinem Mann zur Hand und

Zeit. Jeder konnte von

erhielt einen Einblick in seine Arbeitswelt – das war

den Erfahrungen des eine coole Zeit.» Anschliessend war sie als Kontrolleurin

beim Stadtbus Chur und bei PostAuto tätig, letztere

anderen profitieren.»

Gaby Decasper

liehen sich – wie einst die RhB – Personal beim Stadtbus

Chur aus. «Sieben Jahre lang habe ich das gemacht:

Aus dem Haus raus und direkt rein in meinen Arbeitsort, den Bus. Mir hat

diese Flexibilität gefallen. Klar gab es auch mal unschöne Begegnungen

und irgendwann war dann auch mal gut – ich wollte auch noch in Chur

leben können», erklärt Gaby. Noch heute, über vier Jahre später, wird sie

von gewissen öV-Reisenden als Kontrolleurin erkannt.

12

www.rhb.ch/contura


ÖV-Familie: Ob RhB,

Stadtbus Chur, PostAuto

oder SBB – die Decaspers

kennen sie alle.

Stefan begleitet Zugreisende

«Bei mir war die Jobwahl von Anfang an klar, mein Vater hat mich da

sicher geprägt», so der Jüngste der Familie, der 2004 seine Lehre zum

Reisezugbegleiter bei der RhB antrat. Nach seinem Lehrabschluss wohnte

Stefan drei Jahre lang in Davos und arbeitete auf einer der neu geschaffenen

Stellen auf den Strecken des Glacier Express und des Bernina Express.

Dann zog es ihn zurück nach Chur. Bei der RhB war jedoch keine Stelle frei,

«also habe ich mich auf gut Glück beim Chef meines Vaters beworben –

und erhielt 2010 einen Job bei der SBB». Seither sind Vater und Sohn im

Dienste der Schweizerischen Bundesbahnen auf den Schienen unterwegs –

ab und zu sogar auf demselben Zug: «Meist amtiert mein Vater dann als

Zugchef und ich als Reisezugbegleiter», sagt Stefan. Ihre Lieblingsstrecke?

«Zürich – Chur», meinen beide. «Da sind vor allem viele Ausflügler unterwegs,

und die Stimmung ist viel entspannter als beispielsweise auf der

Strecke Zürich – Luzern.»

40 Jahre im Dienste des öV

Eine Familie im Dienste des öffentlichen Verkehrs – so kann man die Decaspers

ohne Übertreibung nennen. Am 1. Mai 2018 feierte Papa Carlo sein

40-Jahre-Dienstjubiläum, bis heute ist er mit Herzblut dabei. Auch viele

Erinnerungen nimmt er aus diesen Jahren mit, zum Beispiel jene von der

Fahrt von Zürich nach Hamburg, als er in Dietikon einen Anruf des Lokführers

erhielt: «Er sagte, der Geschwindigkeitsmesser seiner Lok funktioniere

nicht mehr, und schickte mich auf die hintere der zwei Loks, um ihn

von dort über die Fahrgeschwindigkeit zu informieren. So fuhren wir bis

nach Basel, wo der Fehler dann behoben werden konnte.» Die Familienorganisation

war für Gaby früher die grösste Herausforderung: «Vier Personen

mit unterschiedlichen Arbeitszeiten, da war nicht nur die Feiertagsplanung

kompliziert, sondern jedes Mittag- und Abendessen.» Dafür

war der Austausch am Esstisch immer spannend – jeder konnte von den

Erfahrungen des anderen profitieren und erhielt eine andere Sichtweise

auf die Branche. «Man muss sich vorstellen», erinnert sich Gaby, «es gab

eine kurze Zeit, da haben wir alle gleichzeitig beim öV gearbeitet – in vier

verschiedenen Unternehmen, wohlgemerkt.»

13


Berninalinie

Zuggeschichte(n) von

der Berninastrecke

14 InfoT(r)ainment: Einloggen und staunen.


Nahmen das neue Bord system

bei der Testfahrt genau unter

die Lupe: Jan Kolar (links) und

Arnoldo Tuena.

Das neue Bordsystem InfoT(r)ainment liefert auf dem Bernina Express

ab sofort alles, was Sie schon immer über die Dörfer, Schlösser,

Berge und Seen entlang der UNESCO Welterbestrecke der RhB wissen

wollten. Und zwar individuell auf Sie zugeschnitten. Früher

war das anders, ganz anders. Rendezvous mit einem der Promotoren

von damals und einem Innovator von heute.

Unterschiedlicher könnten die zwei Männer im Bernina Express fast nicht

sein: Hier das RhB-Urgestein Arnoldo Tuena aus dem Puschlav, da der IT-

Jungunternehmer Jan Kolar aus Prag. Letzterer spricht kein Deutsch, ersterer

kaum Englisch. Und doch unterhalten sie sich prächtig, und je länger

die Fahrt dauert, desto mehr sind die beiden Passagiere fasziniert voneinander:

Bahnverrückte halt, alle beide. Und beide auf ihre Art. Tuena

hat in seiner 43-jährigen Bähnler-Laufbahn so ziemlich jede Sparte der

RhB kennengelernt und wird intern als Vater des Bernina Express gehandelt.

«Höchstens der Onkel, wenn überhaupt», wehrt er ab. Kolar hat vor

Kurzem noch als Bub einfache Modelleisenbahnen zu hochkomplexen

IT-Spielzeugen umfunktioniert, und von der RhB hatte der tschechische

Eisenbahnfan bis vor zwei Jahren noch keine Ahnung.

Auf Knopfdruck

Und jetzt also sitzen sie einander gegenüber und Tuena erzählt gerade, wie

die Bernina-Express-Idee anfänglich von vielen belächelt wurde. «Doch

heute ist die Strecke ein Aushängeschild der RhB. Wahrscheinlich gibt es

nicht viele Bahnen, die auf einer vierstündigen Fahrt so viele Highlights

aufweisen können.» Diese Höhepunkte wurden früher live von den Kondukteuren

erklärt, eine Zeitlang übernahmen Hostessen diesen Job, und

auch Tonbänder waren im Einsatz. «Mit mehr oder weniger geübten Stimmen,

mit mehr oder weniger guten Fremdsprachenkenntnissen wurden die

Passagiere mit Informationen versorgt – ob sie nun wollten oder nicht»,

erinnert sich Tuena. Und heute? Heute zücken die Fahrgäste ein Handy oder

das iPad, loggen sich ins InfoT(r)ainment des Bernina Express ein und …

staunen: Ein Film über Chur? Ein Tondokument zum Schloss Rhäzüns?

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Mit einem Klick erhalten

Passagiere Informationen

zur UNESCO Welterbestrecke –

in acht Sprachen.

Geschichtliches zu Graubünden? Kein Problem. Ein Video zum Landwasserviadukt,

zum Lej Nair / Lago Bianco, Berninagletscher und, und … alles auf

Knopfdruck, alles in acht Sprachen. Alles dann, wann und wie lange man

es will. Und all das ist Jan Kolars Werk.

Zufall stellt die Weiche

«Irgendwann war die Modelleisenbahnzeit vorbei, meine Faszination für

Bahnen aber ist geblieben», sagt der Mann aus Prag. «Es hat darum niemanden

erstaunt, dass ich ein Start-up gründete, welches das Bahnfahren

für die Passagiere noch angenehmer machen wollte.» Und dann stellte der

Zufall die Weichen: «Meine Firma Passengera arbeitete an einem Infotainment-Projekt

für die Tschechische Bahn, ein paar RhB-Mitarbeiter sassen

zufälligerweise im entsprechenden Testzug … und nun bin ich hier.»

Auch Tuena hat zu seiner Zeit oft den Zug genommen und in Deutschland,

der Schweiz und Italien bei Touristikern und Reiseagenturen für «seinen»

Bernina Express geworben. «Aber beim Start hatten wir ja nur einen Tisch,

eine Schreibmaschine sowie die Überzeugung, dass das Produkt gut war.»

In Poschiavo musste Tuena anfänglich ein paar Wirte mühsam dazu überreden,

den Bernina-Express-Passagieren das

Arme-Leute-Gericht Pizzoccheri (Buchweizen,

Käse, Schmalz, Gemüse) anzubieten. Doch der

Erfolg war durchschlagend und heute sind Pizzoccheri

auch wegen Tuena und dem Bernina

Eine der spektakulärsten

Express eine weltbekannte Spezialität.

Alpenüberquerungen

Der Bernina Express von Chur,

Davos oder St. Moritz ins Valposchiavo

und weiter nach Tirano Mit ganz anderen Problemen war Kolar an-

Zwischen Hitze und Kälte

verbindet Sprachregionen und

fänglich konfrontiert. «Die InfoT(r)ainment-

Kulturen – in Schlangenlinien

Anlagen und vor allem die Server sind unter

und ohne Zahnrad. Die Panoramafahrten

durch das UNESCO Welterbe dem Zugdach installiert. Im Winter kann es

RhB sind ein Hochgenuss.

dort gut und gerne unter 30, im Sommer bis

Chur – Tirano ab CHF 91.00

zu 80 Grad werden. Ausserdem ist der Signalempfang

in den oft zerklüfteten Schluchten

(Basis 2. Klasse, retour, mit Halbtaxabo

und Zuschlag für den Bernina Express)

nicht gerade optimal.»

www.rhb.ch/berninaexpress

16

www.rhb.ch/contura


Spektakuläre

Landschaft:

dank InfoT(r)ainment

noch

besser erlebbar.

Doch die Tschechen haben das alles in den Griff bekommen. Und so erzählt

einem das Handy oder der Laptop auch die Geschichte des Bernina Express.

Die beginnt am 3. Juni 1973. «Den Promotoren schwebte eine Verbindung

Ostschweiz – Milano vor», erzählt Tuena. «Aber die Verhandlungen

mit Rom waren …, nun ja, komplex», seufzt er. Das

«Nicht viele

Angebot mit Milano war zudem nicht wirklich gefragt, der

Bahnen können

Bernina Express wurde zu einem touristischen Angebot, an

so viele Highlights dem ständig gearbeitet wird. Stichworte dazu sind: Direktzüge

von Chur ab dem 2. Juni 1985, neue Wagen, grössere

aufweisen.»

Arnoldo Tuena

Fenster, eine direkte Bus-Anschlussverbindung von Tirano

nach Lugano und auch ein Mentalitätswandel bei den RhB-

Angestellten. Kondukteure, vor denen man früher noch fast salutierte,

wurden zu Zugsbegleitern. «Im Vordergrund steht schon lange nicht mehr

die Billett-Kontrolle, sondern die Betreuung der Kunden», so Tuena.

Vertiefte Einblicke

Das InfoT(r)ainment-System lässt keine Wünsche offen und steht ab sofort

in beiden Klassen gratis zur Verfügung. Wer es denn wissen will, kann

auf dem Display ganz genau Geschwindigkeit, Höhenprofil oder Standort

ablesen. Ab sofort ist die Strecke Chur – Tirano mit wirklich spannenden

Geschichten und Videos unterlegt. Nicht als Ersatz für all die Viadukte,

Schlösser, Gletscher, Dörfer und Seen, die man ja live erlebt. Dafür gibt es

sowieso keinen Ersatz! «Nein, unser InfoT(r)ainment soll den Fahrgästen

ein vertieftes Erlebnis und Einblicke in die Kultur und Geschichte entlang

der Strecke bieten», sagt Jan Kolar, während der Bernina Express gerade

in Poschiavo einfährt. Arnoldo Tuena hört zu und seinem Gesicht ist eine

Mischung aus Stolz und Zufriedenheit abzulesen. Eigentlich schaut er genauso

aus wie Väter, die wirklich Freude an ihren Kindern haben …

17


Nächster Halt

Nicht nur für

«Bahnbekloppte»

18

Hotel Grischuna: Essen mit Bahnblick.


19


Die einen kommen sicher wegen der einheimischen Spezialitäten.

Die anderen wegen der familiären Atmosphäre und der Herzlichkeit

der Gastgeberin. Wieder andere schätzen die Ruhe und die zentrale

Lage zwischen dem Engadin und dem Landwassertal. Und dann

gibt es noch jene, die im Hotel Grischuna in Filisur unbedingt Zimmer

Nummer 21, 11 oder 5 wollen.

Klar, die Filisurer Pizokel. Oder das beste Hirschfilet zwischen St. Moritz und

San Francisco. Der feine Duft von Arvenholz in den Räumlichkeiten. Die

Herzlichkeit der Gastgeberin Anna Uffer. Auch die Aussicht auf das Albulatal:

Es gibt Dutzende von Gründen, um im Hotel Grischuna in Filisur Ferien

zu machen. Für Matthias Hauck aus Zwickau (D) oder die Familie Meibohm

aus Kuhstorf (D) zählt das alles natürlich auch. Aber mindestens so wichtig

wie die Schönheiten des Albulatals, die Herzlichkeit der Hotelière oder das

gute Essen im Grischuna sind die Zimmer mit den Nummern 21, 11 und 5.

«Von diesen Schlafgemächern hast du nämlich die beste Sicht auf den

Bahnhof und die Albulastrecke der Rhätischen Bahn», erklärt Hauck, der

ehemalige Lokführer aus der ebenso ehemaligen DDR.

Namenswechsel

Doch alles der Reihe nach. «Entstanden ist unser Haus im Zusammenhang

mit dem Bau der Albulalinie der RhB im Jahr 1903», erzählt Anna Uffer. «Hier

wohnten damals wohl Bahningenieure und sehr schnell auch Kurgäste

aus dem Unterland. Sie stiegen auf dem Weg ins Engadin ab, um sich zu

akklimatisieren, sich an die Höhe zu gewöhnen.» Tempi passati, sollte man

meinen, wer hat heute noch so viel Zeit! Aber

die Gastgeberin widerspricht. «Einen Gast,

eine Dame, habe ich noch, die sich diese Zeit

bewusst nimmt.» Anna Uffer und ihr Mann

Reto haben das Grischuna 1993 übernommen.

Wie die Albulabahn wurde auch das heutige

Hotel Grischuna im Juli 1903 eröffnet.

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www.rhb.ch/contura


Gute Aussichten:

Das Hotel liegt

direkt neben der

Albulastrecke.

«Früher hiess das Haus ja noch Bahnhof, aber unser Vorgänger hat es auf

den heutigen Namen umgetauft», spinnt die Hotelière den Faden weiter.

«Bahnhof – das tönte wohl zu sehr nach Lärm und er hatte wahrscheinlich

Angst, potenzielle Gäste abzuschrecken.»

«Bahnbekloppte»

Wie man sich doch täuschen kann! «Als vor 15 Jahren die Arbeiter beim

Bahnhofumbau nachts um ein Uhr einen Heidenlärm machten, stürzte ich

mich im Morgenrock ins Freie, um Ruhe zu schaffen – und machte mich

fast zum Gespött der Anwesenden», muss die Gastronomin heute noch

lachen. «Die Hotelgäste hatten eine Riesenfreude, weil sie zu seltenen

Film- und Fotoaufnahmen kamen. Ich zog mich schnell wieder zurück.»

Andere Gäste stehen gerne mal um fünf Uhr auf, fahren mit dem ersten

Zug nach Samedan, fotografieren dort eine ganz bestimmte Zugskomposition

und sind pünktlich zum Frühstück wieder zurück in Filisur. Apropos

Fotografieren: Der ehemalige Lokführer Hauck hat eine der allerletzten

Draisine-Kontrollfahrten auf der Albulastrecke verewigt. Ralf Meibohm ist

mit seiner Kamera stets auf der Jagd nach den schönsten Zugkompositionen.

«Wir sind alles Bahnbekloppte», meint der Schlosser dazu. Kultstatus

hat die am Hotel befestigte Videokamera. Sie ist auf den Bahnhof und die

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Ganz in der Nähe des Hotels erhebt sich

der eindrückliche Landwasserviadukt,

das Wahrzeichen der UNESCO Welterbestrecke,

über dem Landwassertal.

Bahnlinie gerichtet und wird von einem anderen «Bahnbekloppten» von

München aus gewartet. Die Zahl der Leute, die sich aus der ganzen Welt –

manchmal täglich – auf www.schmalspurbahn.ch/filisur/webcam einloggen,

ist gewaltig. Genauso gewaltig wie die Zahl der Grischuna-Gäste, mit

denen Anna Uffer Kontakt pflegt. «An Weihnachten verschicke ich jeweils

800 Kärtchen – handsigniert.»

Nicht nur für Eisenbahnfans

Vielleicht sind es solche scheinbaren Kleinigkeiten, die dem Hotel eine

Auslastung von gegen 80 Prozent bescheren. Auch ist es bei Weitem nicht

so, dass nur Bahnfans im Grischuna Ferien machen. Wer ein Zimmer auf

der Südwestseite bucht, hat einfach nur Ruhe. Ruhe und einen atemberaubenden

Ausblick aufs Albulatal. Was allen Gästen zugute kommt, ist die

Küche, wo der Chef Reto Uffer seit 25 Jahren an den Pfannen und Töpfen

steht. Viele seiner Produkte stammen aus dem Parc Ela, zu dem Filisur

gehört: etwa die Forellen und das Wild, das Mehl, der Käse und die unvergleichliche

Glace. Was offenbar auch zum Erfolg beiträgt, umschreibt

Bärbel Meibohm so: «Wir kommen nun seit sieben Jahren und sind irgendwie

ein Teil der Grischuna-Familie geworden. Nie, noch gar nie, hätten wir

etwas zu beanstanden gehabt. Die Uffers sind von einer Freundlichkeit, die

man bei uns fast nicht mehr findet.»

Alles nur einen Katzensprung entfernt

Das kleine Filisur, das nur ein paar Hundert Einwohner hat, ist zudem

ein eigentlicher Geheimtipp – so etwas wie der Nabel der Ferienecke der

Schweiz, wie Graubünden früher mal genannt wurde: Davos? Eine halbe

Stunde. Das Engadin? Eine Stunde. Die

Albulalinie

schönste Schlittelbahn der Welt von Preda

Von Thusis aus klettert die RhB durch nach Bergün? Eine halbe Stunde. Die

Kehrtunnels und über Viadukte das längste Natureisbahn Europas oder ein

Albulatal hoch in Richtung St. Moritz.

18-Loch-Golfplatz? Keine halbe Stunde.

Die harmonisch in die Landschaft eingebettete

Linie ist ein Paradestück aus Dazu Wander- und Bikewege à discrétion

der Zeit der Bahnpioniere und gehört und eben der Bahnhof Filisur, auf dem

zum UNESCO Welterbe RhB.

sich zwei Linien kreuzen. Viele Gäste komwww.rhb.ch/albulalinie

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www.rhb.ch/contura


Perfekte Gastgeber:

Anna und

Reto Uffer servieren

lokale Spezialitäten

mit einer

grossen Prise

Freundlichkeit.

men darum mit der Bahn und lassen das Auto daheim. So auch Matthias

Hauck, der Stammgast aus Deutschland. Gegen 19 Uhr begibt er sich mit

seiner Frau und den anderen Gästen in den Speisesaal – natürlich ein

Fensterplatz mit Blick auf ein UNESCO Welterbe: die Albulalinie der RhB.

«Das ist einmalig», sagen die Meibohms am Tisch nebenan.

«Wo erlebst du schon, dass dir ein Zug quasi

«Wo erlebst du schon,

durchs Wohnzimmer fährt?» Den Saal haben die Uffers

dass dir ein Zug

extra für die «Bahnbekloppten» anbauen lassen. Früher,

im alten Speisesaal, liessen die Fans alles stehen

quasi durchs Wohnzimmer

fährt?»

und liegen, wenn der Zug kam, um sich einen Fensterplatz

zu suchen oder nach draussen zu rennen. Dieser

Ralf Meibohm

Saal steht nun jenen Gästen zur Verfügung, die, nun

ja, nicht so bekloppt sind. Und so sind alle glücklich und zufrieden – und

so könnte es ewig weitergehen. Wird es aber nicht – zumindest nicht mit

der Familie Uffer. «Wir machen das jetzt seit 25 Jahren. Und zwar sehr

gerne», sagt die Gastgeberin. «Aber in diesem Vierteljahrhundert sind wir

älter und auch ein bisschen müde geworden.» Noch wissen viele Gäste

nichts davon – aber die Uffers suchen einen Nachfolger. «Aber es muss

jemand sein mit Liebe zum Tal, zu den Gästen und natürlich zur RhB. Nur

dann kommt es gut.»

Weitere Infos zum Hotel Grischuna direkt an der Albulalinie

gibt es unter www.grischuna-filisur.ch

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UNESCO Welterbe RhB

Auch ein Erbstück:

die Kalka-Shimla

Railway

24 Fast wie bei der RhB: kühne Kunstbauten in spektakulärer Landschaft.


Seit 115 Jahren führt die Kalka-

Shimla Railway in Indien auf schmaler

Spur und kurvenreicher Strecke in

die Berge hinauf. Wie die Albulaund

Berninalinie wurde auch sie

2008 in die Liste des UNESCO Welterbes

aufgenommen. Doch inwiefern

lassen sich die beiden Gebirgsbahnen

vergleichen? Andreas Bass und

Christian Florin, Vertreter der Rhätischen

Bahn, haben die indische

Welterbestätte besucht.

Die Fahrt ist nichts für Schwindelanfällige.

Über 1400 Meter schraubt sich der

Zug auf seiner 96,6 Kilometer langen

Reise von Kalka nach Shimla im nordindischen

Bundesstaat Himachal Pradesh

in die Höhe. 70 Prozent der Strecke

besteht aus Kurven, die stets neue Blicke

auf die üppigen Wälder und Täler in

den Ausläufern des Himalaya eröffnen.

Nicht zuletzt dank dieser spektakulären

Landschaft wurde die Kalka-Shimla Railway

2008 nach der Darjeeling Himalayan

Railway (1999) und der Nilgiri

Mountain Railway (2005) als

dritte im Bunde der «Mountain

Railways of India» in die UNESCO

Welterbeliste aufgenommen.

25


Welterbestätte Gebirgseisenbahn

Weltweit haben es bis anhin erst drei Bahnen auf die Liste des UNESCO

Weltkulturerbes geschafft: Neben dem Trio der indischen Gebirgseisenbahnen

– von den Einheimischen liebevoll «Toy Trains», Spielzeugeisenbahnen,

genannt – sind auch die Semmeringbahn in Österreich als erste normalspurige

Gebirgsbahn Europas sowie die «Rhätische Bahn in der Landschaft

Albula / Bernina» auf der Liste vertreten. Sie alle stehen bis heute in Betrieb

und führen unter Überwindung grosser Höhendifferenzen von einer Talregion

in oder über ein Gebirge. Alle profitieren sie als Träger des UNESCO

Welterbe-Labels von der globalen Prominenz und den besseren Vermarktungschancen,

die diese Auszeichnung mit sich bringt; doch stehen sie

auch alle vor den Herausforderungen und Kosten, die mit Bewahrung,

Pflege und Unterhalt einer Welterbe-Bahnstrecke und -Naturlandschaft

einhergehen. Die Frage, wie man in Indien mit der «Herausforderung Welterbe»

umgeht, stand auch im Zentrum des Besuchs von Andreas Bass,

Leiter Stab / HR und Site Manager UNESCO Welterbe der RhB, bei der Kalka-

Shimla Railway. Gemeinsam mit Christian Florin, Leiter Infrastruktur der

RhB, hat er sich die indische Welterbestätte genauer angesehen.

«Toy Train» in

Aktion: Die historische

Dampflokomotive

520 KC

rollt nach wie vor

über die Strecke.

26

www.rhb.ch/contura


Koloniales Erbe:

Die Viceregal

Lodge beherbergt

heute das

Indian Institute

of Advanced

Study.

Mit der Bahn in die koloniale Sommerfrische

Der Bau der Kalka-Shimla Railway erfolgte, wie bei den meisten Eisenbahnen,

in erster Linie aus wirtschaftlichen Überlegungen. Ab Beginn des

19. Jahrhunderts nutzte die britische Kolonialregierung die Gebirgsstadt

Shimla als Sommerresidenz, um der drückenden Hitze im indischen Tiefland

zu entfliehen. 1864 wurde Shimla zur offiziellen Sommerhauptstadt

Britisch-Indiens erklärt. Auf etwa 2200 Metern und inmitten grüner Wälder,

fruchtbarer Täler und schneebedeckter Berge gelegen, lockte der Ort

mit angenehmen Temperaturen. Doch die halbjährliche Verlegung des Regierungshauptsitzes

ins Gebirge war bis zur Eröffnung der Schmalspurbahn

im Jahr 1903 eine mühsame Angelegenheit. Der Bau einer Eisenbahnstrecke

im steilen und schwierigen Gelände vereinfachte nicht nur den Güterund

Personentransport für die britischen Regierungsangestellten, er trug

auch massgeblich zur langfristigen Erschliessung und Besiedlung der Region

bei. «Ohne Bahn hätte sich die Stadt wohl kaum zur heutigen Wohnund

Tourismusdestination entwickelt», meint Andreas Bass. «Damit lässt

sich durchaus eine Parallele zur Albulabahn ziehen: 1904 eröffnet, stellte

diese ebenfalls einen wichtigen Faktor in der Entwicklung des Engadins

zur modernen Tourismusdestination dar.»

Manpower statt Technologie

Von der Idee der Engländer, in dem anspruchsvollen und erdrutschanfälligen

Gebiet eine Eisenbahnstrecke zu bauen, profitieren Anwohner

wie auch Touristen bis heute. Die Bahn ist in Indien zentraler

Lebensnerv, und dies gilt auch für den Teil der lokalen Bevölkerung,

der sich die verhältnismässig teure Zugfahrkarte von Kalka

nach Shimla nicht leisten kann – sie nutzen die Bahnstrecke als

27


N

10 km

Lugano ( CH )

270 m ü. M.

Moesa

Landquart

Thusis

Rhein

Reichenau

Albula

Chur

Tiefencastel

10 km

U B Ü

Bergell

Maira

Filisur

UNESCO Welterbe

Albula- / Berninalinie

der Rhätischen Bahn

Andere Strecken der

Rhätischen Bahn

Bergün

Davos

St. Moritz

N D E

Inn

N

Samedan

Pontresina

Berninagruppe

Sondrio (I)

Veltlin ( I )

Adda

Inn

Zernez

Ospizio Bernina

Poschiavo

Scuol

Müstair

Tirano (I)

Viadukte und Brücken

Tu nels

Stützmauern

Galerien

Dammböschungen

Viaducts and bridges

Viadukte und Brücken

Tu nels

Tu nels

Revetment wa ls

Stützmauern

Ga leries

Galerien

Dam embankments

Da mböschungen

Large reception building

Grö seres Aufnahmegebäude

Medium-size reception building

Mi tleres Aufnahmegebäude

Sma l reception building

Kleineres Aufnahmegebäude

Wartehäuschen

Linesman's hut

Wärterbude

Shed

Remise

Workshop

Werkstä te

Covered turntable

Gedeckte Drehscheibe

Turntable

Drehscheibe

Water crane

Wa serkran

Churches and chapels

Kirchen und Kape len

Forts and residential towers

Burgen, Türme, Schlö ser

Aristocratic and u per-cla s houses,

farmhouses, hotels and museums

Häuser, Hotels, Pala zi, Mus en

Locations of archaelogical finds

Archäologische Fundste len

Ore storage sites

Erzlagerstä ten

Therapeutic springs

Heilque len

Reservoirs

Staus en und Staubecken

Control centres, power plants

and converter stations

Zentralen, Werke und Umformerstationen

Wartehäuschen

Remise

Werkstä te

Gedeckte Drehscheibe

Drehscheibe

Wa serkran

Kirchen und Kape len

Erzlagerstä ten

Heilque len

17.4.2 09 17:40:53 Uhr

Viaducts and bridges

Viadukte und Brücken

Tu nels

Tu nels

Revetment wa ls

Stützmauern

Ga leries

Galerien

Dam embankments

Da mböschungen

Large reception building

Grö seres Aufnahmegebäude

Medium-size reception building

Mi tleres Aufnahmegebäude

Sma l reception building

Kleineres Aufnahmegebäude

Linesman's hut

Wartehäuschen

Shed

Remise

Workshop

Werkstä te

Covered turntable

Gedeckte Drehscheibe

Turntable

Drehscheibe

Water crane

Wa serkran

Churches and chapels

Kirchen und Kape len

Forts and residential towers

Burgen, Türme, Schlö ser

Aristocratic and u per-cla s houses,

farmhouses, hotels and museums

Häuser, Hotels, Pala zi, Mus en

Locations of archaelogical finds

Archäologische Fundste len

Ore storage sites

Erzlagerstä ten

Therapeutic springs

Heilque len

Nützliches Welterbe:

Die Gleise

dienen den Einheimischen

auch

als Fussweg.

Fussweg im ansonsten unwegsamen Gelände. Während der Fahrt mit der

Kalka-Shimla Railway sticht zudem die grosse Anzahl von Mitarbeitenden

auf und neben den Schienen ins Auge. Einer der frappantesten Unterschiede

im Vergleich zur RhB besteht für Andreas Bass denn auch im Personalaufwand:

Ob an Signalen, Barrieren, in der Bahnsystemtechnik oder

bei Bau- und Gleisarbeiten, bei der Kalka-Shimla Railway setzt man bei

Prozessen, die bei der RhB längst automatisiert sind oder von Maschinen

erledigt werden, nach wie vor auf Manpower. Der Experte gibt jedoch zu

bedenken: «Zwar ist man bei der RhB betreffend Sicherheit, Automatisierungsgrad

und moderne Technologien um einiges weiter als in Indien,

doch hat die Modernisierung im Gegenzug einen Einfluss auf die Authentizität

der Welterbestätte.»

Substanzerhalt versus Authentizität

Wie die Albula- und Berninalinie verkehrt auch die Kalka-Shimla Railway

seit ihrer Inbetriebnahme 1903 ohne Unterbruch im regulären Linienbetrieb:

fünf bis sieben Züge täglich, fünfeinhalb bis sechseinhalb Stunden

dauert die Fahrt. Doch 115 Jahre Bahnbetrieb gehen an die Substanz.

Viele der über 900 Brücken, Viadukte und Kunstbauten sind heute sanierungsbedürftig.

Im Rahmen der seit 2010 bestehenden Partnerschaft zwischen

der RhB und dem indischen Eisenbahnministerium wurde den Betreibern

der Kalka-Shimla Railway zwar

erklärt, mit welchen modernen Methoden

die RhB ihre Kunstbauten saniert,

UNESCO Welterbe Pass

Der UNESCO Welterbe Pass ermöglicht doch in die Tat umgesetzt wurden diese

noch nicht. Die erfreuliche Kehrseite

freie Fahrt auf der Welterbestrecke der

Rhätischen Bahn. Während zweier Tage

der Zögerlichkeit des indischen Welterbe-Partners

besteht, wie Andreas Bass

fahren Sie beliebig mit den Zügen zwischen

Thusis und Tirano – beispielsweise

ins Bahnmuseum Albula in Bergün, zum berichtet, in einer Ursprünglichkeit, wie

Gletschergarten in Cavaglia oder zum

sie bei der RhB in dieser Form nicht mehr

Mittagshalt nach Poschiavo.

zu finden ist: So stehen ein beträchtlicher

Teil des historischen Rollma terials,

Mit Halbtaxabo bereits

ab CHF 56.00

(nicht gültig im Bernina Express das Signalsystem von 1903, alte Drehscheiben

sowie das von den Briten im

und Glacier Express)

www.rhb.ch/welterbepass

Reiseführer

UNESCO Welterbe

Rhätische Bahn in der Landschaft

Albula/Bernina

Streckenplan

UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina»

Valle Mesolcina

Hinterrhein

Domleschg

G R A

Oberhalbstein

Landwassertal

Albulatal

Oberengadin

Val Poschiavo

Unterengadin

Piktogramme

Streckenbeschrieb

Grö seres Aufnahmegebäude

Mi tleres Aufnahmegebäude

Kleineres Aufnahmegebäude

Wärterbude / Wärterhäuschen

Burgen, Türme, Schlö ser

Häuser, Hotels, Pala zi, Mus en

Archäologische Fundste len

Staus en und Staubecken

Zentralen, Werke und Umformerstationen

Lago di Como

28

www.rhb.ch/contura


Bahnbetrieb wie

in alten Zeiten:

Auch das britische

Token-System

ist nach wie

vor in Gebrauch

(unten links).

19. Jahrhundert entwickelte Token-System zur Freigabe der eingleisigen

Fahrspur nach wie vor in täglichem Gebrauch; auch eine der original

Dampflokomotiven wird regelmässig für touristische Anlässe ausgefahren.

Während Material und Betrieb bei der RhB weitgehend den modernen Anforderungen

angepasst wurden, fährt es sich bei der Kalka-Shimla Railway

also noch öfter wie in alten Zeiten.

Familiäre Pflege des Erbes

Für die RhB-Verantwortlichen bleibt nach ihrem Besuch die Frage, wie

es der Kalka-Shimla Railway künftig gelingen wird, mit den wachsenden

Herausforderungen im Bereich Substanzerhalt sowie dem Automatisierungs-

und Modernisierungsdruck umzugehen. Denn wie die Albula- und

Berninalinie kann auch die Kalka-Shimla Railway als symbolisches Erbe

einer gesamten Region gesehen werden – und dieses will gepflegt sein.

Als Kolonialbahn zur wirtschaftlichen Erschliessung einer Gebirgsregion

gebaut, veränderte sie auch die Nutzung der umgebenden Landschaft.

Dies gilt ebenso für die RhB, auch wenn bei ihr anstelle des kolonialen

Kontexts dem Tourismus und dem Freizeitverkehr eine deutlich grössere

Bedeutung zukommt. Und es gibt noch eine weitere grosse Gemeinsamkeit,

die Andreas Bass von seiner Reise mit nach Hause nimmt: «Die

Mitarbeitenden der Kalka-Shimla Railway verstehen sich als grosse

‹Eisenbahnerfamilie›, die hinsichtlich Schutz, Pflege und Erhalt der

Bahn und ihrer Umgebung vollen Einsatz zeigt. Eisenbahnkultur

wird hier mit Herzblut gelebt – genau wie bei der RhB.»

29


Fensterplatz

Christian Schmid, 91,

ist pensionierter

SBB-Mitarbeiter und

wohnt in Filisur.

«Das Albulatal ohne RhB ist undenkbar»

Grüezi! Sie steigen gerade aus dem

Zug aus. Dürfen wir fragen, woher Sie

kommen?

Ich war bei Freunden in Davos zum Mittagessen.

Es hat geschmeckt!

Wie wichtig ist die RhB für Sie?

Schauen Sie, ich wohne hier in Filisur im

Albulatal. Also ziemlich abgelegen, und

doch brauche ich kein Auto. Das ist wunderbar.

Das Tal – und viele andere Täler

in Graubünden – wäre ohne die Bahn

arm dran! Denken Sie nur an all die älteren

Leute, die kein Auto haben.

Was schätzen Sie am meisten an der RhB?

Den Stundentakt! Ich bin ja wöchentlich

zwei, drei Mal unterwegs. Früher, also

ganz früher, musste man ja ganze Fahrpläne

auswendig lernen. Heute muss

man sich nur noch eine einzige Zahl

merken, die sich stündlich wiederholt.

Sie haben die Entwick lung der RhB

eins zu eins miterlebt. Was fällt Ihnen

auf Anhieb am meisten auf?

Also der Komfort ist heutzutage gewaltig.

Vor bald 90 Jahren hat mich meine

Mutter zum ersten Mal im Zug mitgenommen.

Damals sind wir noch auf

harten Holzbänken herumgerutscht. Das

ist heute schon anders. Besser. Nur eins

finde ich nicht so gut: Man kann den

Fahrtwind nicht mehr spüren, weil man

die Fenster nicht mehr öffnen kann.

Wenn Sie so oft unterwegs sind,

kennen Sie sicher auch das Zugs per sonal

sehr gut?

Ja, ich kenne viele Zugbegleiter und auch

andere RhB-Mitarbeitende. Dabei fällt

auf, dass unter dem Personal ein freundschaftlicher

Umgang gepflegt wird. Und

auch mit mir gehen die Bähnler sehr zuvorkommend

um.

30

www.rhb.ch/contura


«Die Aussicht ist grandios»

Sie warten mit Skis und Gepäck auf

dem Bahnhof Filisur. Darf ich Sie nach

dem Woher und Wohin fragen?

Ja, klar – wir kommen aus dem Luzernischen

und wollen auf den Zug Richtung

Davos und dann weiter nach Monstein.

Und wie hat Ihnen denn die Fahrt gefallen?

Sehr gut. Das Domleschg sieht man ja

auch vom Auto aus. Aber die Albulastrecke

ist einmalig. Uns machen die Schluchten

und Brücken sehr grossen Eindruck. Die

Aussicht vom Zug aus ist grandios.

Warum gerade Monstein?

Wegen der Ruhe, der Schönheit des Ortes

und weil wir als Skitourenfahrer die

schönsten Routen sozusagen vor der

Haustüre haben.

Sie hätten auch in Landquart direkt

nach Davos umsteigen können …

Ja, schon. Aber wir wollten einfach mal

einen anderen Teil von Graubünden sehen

und durch uns unbekannte Dörfer

fahren.

Fahren Sie oft mit der RhB?

Immer häufiger, seit wir ein Generalabonnement

haben. Wir sind ja oft in

Graubünden in den Ferien und Zugfahrten

geben einem ganz andere Ein- und

Ausblicke auf die Umgebung.

Wie sind Sie – ganz allgemein – mit der

RhB zufrieden?

Sehr! Toll finden wir etwa, dass auf den

Fensterbrettern das ganze Streckennetz

schematisch gezeigt wird. Es erlaubt

eine gute Orientierung. Und dann noch

das: Das Zugpersonal ist sehr freundlich,

nur wird es immer jünger. Aber letzteres

liegt vielleicht auch daran, dass wir älter

werden.

Helen und Ruedi Schneeberger: Die Bibliothekarin,

65, und der IT-Fachmann, 67, aus

Adligenswil (LU) sind auf Entdeckungsreise.

31


Tradition

Lang lebe

das Romanisch

32 Andrea Urech vor dem zweisprachigen Dorfplan: Hier steht das Romanisch an erster Stelle.


Prominent platziert: Reisende

erfahren gleich beim Bahnhof,

wo in Samedan Baselgia oder

Butias zu finden sind.

Die vierte Landessprache der Schweiz hat keinen leichten Stand.

Zwar geniesst das Romanisch einen hohen Sympathiebonus, gesprochen

wird es aber immer weniger. Die Oberengadiner Gemeinde

Samedan setzt dagegen: mit einem Beauftragten für Zweisprachigkeit

– dem Einzigen in ganz Graubünden.

Obwohl nur 0,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung Rätoromanen sind –

ihre Sprache ist beliebt und erobert zunehmend das Unterland. Die grösste

rätoromanische Gemeinde lebt in Zürich und pflegt das Romanische als

identitätsstiftendes Kulturgut sorgfältig. Aber auch Städter, die kein Wort

Romanisch verstehen, nennen ihre Kinder heute Gian, Curdin oder Flurina.

Selbst eine Bank heisst seit Kurzem Cler, was in unserer vierten Landessprache

«klar» und «einfach» bedeutet. Kurz: Romanisch ist im Trend.

«Ausserhalb des Oberengadins mag das stimmen. Hier oben hört man es

viel zu selten», sagt Andrea Urech. Der pensionierte Sekundarlehrer ist seit

2005 Beauftragter für die Zweisprachigkeit in der Oberengadiner Gemeinde

Samedan und kümmert sich offiziell um die Pflege und Förderung des

Romanischen. Der 67-Jährige schreibt zudem Artikel für die Lokalzeitung,

übersetzt und korrigiert Texte für Gemeinde und Schule, gibt Romanisch-

Lektionen oder organisiert mit der Gruppe «Bilinguited» Weiterbildungen

für Lehrpersonen.

Bis vor 200 Jahren war Samedan romanisch

Einer seiner sichtbarsten Erfolge steht gleich am Bahnhof: der zweisprachige

Dorfplan. Baselgia – Kirche ist da zu lesen. Oder Scoula cumünela – Gemeindeschule,

Butias – Geschäfte, Tualetta – Toilette, Föcler – Feuerstelle.

Das Besondere dabei? Die Begriffe stehen zuerst in Romanisch. «Wäre es

umgekehrt, würde sich niemand die Mühe machen, noch den romanischen

Ausdruck zu lesen. Hier können ja alle Deutsch.» Noch bis ins 19. Jahrhundert

wurde in Samedan fast ausschliesslich Puter, ein rätoromanisches

Idiom, gesprochen; bereits in den 1970ern gaben jedoch nur noch 31 Prozent

der Einheimischen Romanisch als Hauptsprache an. Heute sind es

33


Die romanische

Bibliothek in

der Chesa Planta

(links) beherbergt

zahlreiche Schätze.

gemäss Urech noch deren 17 Prozent. «Trotzdem spricht rund die Hälfte

der Samedner noch regelmässig Puter.» Viel dazu beigetragen habe die

Gemeindeschule, in der seit 1996 vom Kindergarten bis zur letzten Klasse

zweisprachig unterrichtet wird.

Einfallsreichtum ist gefragt

Andrea Urech setzt alles daran, die Präsenz des Romanischen im Dorf weiter

zu steigern. Zusammen mit einem Grüppchen einheimischer Sprachenthusiasten,

den Multiplicatuors da Samedan, kreiert er immer wieder neue

Ideen, um den Einheimischen den kulturellen Wert ihrer

Sprache in Erinnerung zu rufen. So grüsst er grundsätzlich

immer auf Puter, entwarf schon Pins mit Aufdrucken

«Rund die Hälfte der

Samedner spricht «Eau incleg rumauntsch» (Ich verstehe Romanisch) und

regelmässig Puter.» «Eau discuor rumauntsch» (Ich spreche Romanisch), Postkarten,

Tischsets mit Texten einheimischer Dichter und

Andrea Urech

eine Einkaufstasche mit Ausdrücken in Deutsch, Romanisch

und Italienisch. Auch wenn er manchmal das Gefühl hat, es gehe zwei

Schritte vorwärts und einen zurück – aufgeben ist für Urech keine Option.

Der neuste Streich: ein Schirm mit Sprichwörtern in Puter. «Damit das Romanische

nicht im Regen stehen bleibt», sagt er augenzwinkernd.

Das Romanische gliedert sich in fünf regionale Varianten

Vor 1500 Jahren war Rätoromanisch von der oberen Donau bis zur Adria

verbreitet. Heute umfasst das Einzugsgebiet noch den Vorderrhein, Teilgebiete

am Hinterrhein, Oberhalbstein und Albulatal sowie Ober-, Unterengadin

und Münstertal. Wegen der früheren Abgeschiedenheit vieler Täler

des Kantons Graubünden und konfessioneller Unterschiede sind dabei

fünf verschiedene Idiome entstanden, die alle noch gesprochen und geschrieben

werden: Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter und Vallader. Die

seit 1982 existierende überregional einheitliche Schriftsprache Rumantsch

Grischun ist bei den Bündnern umstritten: Auch wenn der Kanton und der

Bund ihre Drucksachen darin verfassen, werden Lehrmittel wieder in den

verschiedenen Idiomen herausgegeben, was für Andrea Urech eine unerlässliche

Voraussetzung für den Erhalt des Romanischen darstellt.

34

www.rhb.ch/contura


Disentis/Mustér

Disentis/Mustér

Disentis/Mustér

Disentis/Mustér

Obersaxen

Mesocco

Obersaxen

Sinnbild für romanische Kultur – die Chesa Planta

Romanisch ist ein exklusives Kulturgut, das es zu schützen und zu pflegen gilt.

Davon war auch die Familie von Planta überzeugt, die bis zum 2. Weltkrieg

eines der eindrücklichsten Patrizierhäuser in Samedan bewohnte: die Chesa

Planta. Im 16. Jahrhundert als Bauernhaus errichtet und unzählige Male

umgebaut, gilt das typisch aristokratische Engadinerhaus heute als Denkmal

von historischem Wert. Seit 1943 ist hier die Stiftung Fundaziun de

Planta untergebracht und es finden regelmässig kulturelle Veranstaltungen

statt. Ein besonderer Schatz befindet sich im zweiten Stock des Doppelhauses:

die romanische Bibliothek. Sie umfasst eine grosse Sammlung an

Literatur und beherbergt auch Kostbarkeiten wie das Samnaun erste schriftliche

Dokument in Rätoromanisch: Jachiam Bifruns «Nouv Testamaint» von 1560.

Die Stiftung setzt sich jedoch nicht nur für das Bewahren von Vergangenem

ein. Ihre Romanischkurse, organisiert von der Lia Rumantscha, führen Interessierte

aus aller Welt in die Geheimnisse des Idioms Scuol Puter ein (Infos unter

www.chesaplanta.ch). Flims Domleschg Andrea Urech freuts. «Eine Sprache will schliesslich

Andeer

Chur

gesprochen werden. Und ist immer auch Heimat. Wer Scuol eine neue lernt, gewinnt

deshalb auch ein Stück neues

Filisur

Zuhause.»

Obersaxen

Mesocco

Flims

Mesocco

Vals

Mesocco*

Flims

Domleschg

Flims Chur

Domleschg

Andeer

Obersaxen

Domleschg

Andeer

Andeer

Chur

Avers

Chur

St.Moritz

Bivio

Filisur

St.Moritz

Bregaglia Bivio

Bregaglia Bivio

Bregaglia

Filisur

Bivio

Bregaglia*

Filisur

Samedan

St.Moritz

St.Moritz

Poschiavo*

Samnaun

Brusio

Scuol

Brusio

Brusio

Samnaun

Scuol

Samnaun

Sursilvan

Gemeinden

mittelbündnerischer

Mundarten mit

schriftlichem Gebrauch

des Sursilvan

Sutsilvan

Surmiran

Puter

Gemeinden

mittelbündnerischer

Mundarten mit

schriftlichem Gebrauch

des Puter

Vallader

Deutsch /* Italienisch

Hörproben der fünf Idiome

unter www.liarumantscha.ch

35


Glacier Express

Exzellenz

nimmt

Form an

36 www.rhb.ch/contura


Noch gibt sie sich bedeckt: die neue Glacier Express Excellence Class.

37


Seit bald schon 90 Jahren bringt der Glacier Express Touristen von

St. Moritz nach Zermatt und retour. Höchste Eisenbahn für ein

zünftiges Upgrade, sagten sich die Verantwortlichen bei RhB und

Matterhorn Gotthard Bahn (MGBahn). Genau das bietet künftig die

neue Excellence Class.

«Ganz ehrlich? Der Glacier Express wurde schlicht überholt. Unsere neuen

Allegra-Triebzüge oder die Alvra-Gliederzüge sind ausstattungsmässig höherwertig

als der heutige Glacier Express – das geht für einen Premium-

Zug natürlich nicht», sagt RhB-Projektleiter David Wiegratz. Noch vor zwölf

Jahren erfreute sich der Glacier Express mit jährlich bis zu 250 000 Gästen

super Frequenzen. Dann kam die Euro- und Dollarkrise – und die Gästezahlen

schrumpften. Aus dieser Situation entstand bei der Glacier Express AG

die Idee einer Excellence Class: «Ein besserer Service, der dafür etwas mehr

kosten darf», so Wiegratz. Das Angebot entspricht einem Marktbedürfnis,

spricht die Gäste individueller an und schafft neue Möglichkeiten, das «Erlebnis

Glacier Express» gemeinsam mit RhB und MGBahn zu inszenieren.

Aus zweiter Klasse wird Excellence

David Wiegratz, Projektleiter im RhB Rollmaterial-Engineering, leitet seit

August 2016 gemeinsam mit seinem Pendant bei der MGBahn, Thomas

Wyer, das Projektteam. Die Herausforderung: eine Excellence Class zu

schaffen, die das gewünschte Service-Level bietet, das Natur- und Bergerlebnis

inszeniert und sich auch im Design von allem Bisherigen abhebt.

«Die Anforderungen und insbesondere der anvisierte Zeitplan waren

tough», meint Wiegratz. Doch innerhalb

eines halben Jahres gaben alle beteiligten

Stakeholder das OK sowohl für das Design

als auch die Finanzierung, und seit April

2017 arbeitet das Engineering-Team unter

Bezugsbereit: Bald schmücken weiche Teppiche

und edle Ledersitze den Wagen.

38

www.rhb.ch/contura


Luxus braucht

Zeit: Das Engineering-Team

arbeitet mit

Hochdruck an

der neuen

Excellence Class.

der Leitung von RhB und MGBahn mit Hochdruck an der Konstruktion der

zwei neuen Excellence-Wagen. Diese werden nicht komplett neu gebaut,

sondern entstehen aus bestehenden Zweitklass-Waggons. Auch die restlichen

Glacier Express-Waggons erhalten ein Redesign. «Wichtig ist uns

dabei vor allem eine grössere Differenzierung der beiden Klassen sowie

ein ansprechendes und modernes Innendesign», erklärt David Wiegratz.

Blattgold und alpiner Chic

Doch zurück zur Excellence Class. Mit dem Design wurde die Firma Nose beauftragt,

die bereits die jüngeren RhB-Züge gestaltet hat. «Unser Ansatz:

alpine Motive und Materialien in höchster Design- und Verarbeitungsqualität.

Inspiration holten wir uns auf einer Glacier Express-Reise nach

Zermatt und in verschiedenen nobleren Berghotels», so Christian Harbeke

von Nose. «Für uns galt es die Frage zu beantworten: Wodurch wird Luxus

erlebbar? Unsere Antwort: Durch die Raumgrösse, eine aufwendige Verarbeitung,

stimmungsvolles Licht und hochwertige Materialien. All dies

haben wir verknüpft mit alpinen Motiven und Materialien.» Die neue Glacier

Express Excellence Class bietet nun unter anderem elegantes dunkles

Nussbaumholz, handgetuftete Teppiche, Ambiente-Beleuchtung mit indirekten

LED-Spots, 20 verstellbare lederne Luxussitze sowie mit Blattgold

beschichtete Spezialleuchten mit «Scherenschnitt»-Friesen, die Berglandschaften

abbilden. Auch die Technik entspricht dem neuesten Stand: «Ein

simpler Kopfhörer, der die Gäste alle paar Kilometer mit Infos beschallt,

reicht heute einfach nicht mehr aus», so Wiegratz. WLAN, Lautsprecher in

39


In der Werkstatt werden die

alten Zweitklass-Waggons mit

neuer Exzellenz versehen.

Edelweiss-Optik, Infobildschirme und – als echter Luxus – für jeden Gast

ein Tablet mit Zugriff auf das bordeigene Infotainment-System gehören zur

neuen Excellence-Ausstattung.

Die Bar weist den Weg nach Norden

Das wahre Bijou der Luxusklasse versteckt sich aber im von einem Concierge

bedienten Barbereich des Excellence-Wagens: Über der aus Rheintaler

Quarzit gefertigten Bar prangt eine riesige Kompass-Kuppel mit einem

Durchmesser von 1,70 Metern. «Mit dieser einmaligen Idee hat Nose für

den gewissen Wow-Effekt bei den Entscheidungsträgern gesorgt», erinnert

sich Wiegratz. Die Kuppel ist eine mit Blattgold ausgekleidete Spezialkonstruktion

und greift mit dem hinterleuchteten «Scherenschnitt»-Fries

auch das Bergmotiv aus dem Sitzabteil wieder auf. «Die Kompassnadel

zeigt den Gästen immer, wo Norden liegt – das ist natürlich vor allem

in den Kehrtunnels spannend», erklärt Harbeke. Informationen über

ihre Reise können die Gäste der Excellence Class auf ihrem Tablet abrufen.

Doch Glacier Express-Reisende möchten natürlich auch tolle Fotos

mit nach Hause nehmen. Dazu David Wiegratz: «Wir wollten entspiegelte

Fenster einbauen, damit die Gäste perfekte Fotos schiessen können.

Doch wir mussten feststellen, dass es schlicht nicht möglich ist, Fenster

komplett zu entspiegeln.» Stattdessen wird es nach dem Umbau in den

Eingangstüren sowie im neu gestalteten Bistro- und Fotoabteil der roten

Servicewagen des Glacier Express Fenster geben, die sich öffnen lassen.

Zeitgleich wird auch das digitale Kundeninformationssystem eingeführt.

Die neuen Erstklasswagen sowie der

Servicewagen sollen ab 2020 über die

Schienen rollen, die Zweitklasswagen

folgen später. Mit dem Upgrade will

Panoramafahrt entlang der Alpen der Glacier Express auf die Erfolgsschiene

zurückkehren: «Unser Ziel ist

Die Panoramafahrt im Glacier Express

durch die Schweizer Alpen prägt sich

die erfolgreiche Neupositionierung des

ein – mit Höhepunkten vom Anfang bis

zum Ende. In St. Moritz grüsst die Welt

Glacier Express als Premiumprodukt»,

der Schönen und Reichen, in Zermatt

so David Wiegratz.

das berühmte Matterhorn.

www.rhb.ch/glacierexpress

40

www.rhb.ch/contura


Hätten Sie das gewusst?

Zahlenzug

Die Rhätische Bahn rüstet auf: Ab Dezember 2019 rollen die ersten neuen Flügeltriebzüge

mit dem Namen «Capricorn» auf dem RhB-Netz durchs Bündnerland, bis im Jahr 2024 sollen

insgesamt 36 Capricorn-Triebzüge in Betrieb sein. Ihre Haupteinsatzgebiete sind das Prättigau,

das Engadin sowie die Surselva. Mit einem Auftragsvolumen von CHF 361 Millionen

ist dies das grösste Rollmaterial-Beschaffungsprojekt in der Geschichte der RhB. Die 76,44

Meter langen Flügeltriebzüge bieten 35 Sitzplätze in der 1. Klasse und 129 Sitzplätze in der

2. Klasse sowie 2 Rollstuhl- und 11 Fahrradplätze. Bei 3 der 4 Einstiege handelt es sich

um Niederflureinstiege, 1 von 2 Toiletten ist behindertengerecht. Eine Capricorn-Zugkomposition

besteht aus 1 Antriebs-, 1 Steuer- und 2 normalen Wagen. Bis zu 4 Kompositionen

können zusammengehängt werden, was eine Zuglänge von stattlichen 300 Metern

ergibt. Die maximale Geschwindigkeit der Meterspur-Fahrzeuge liegt bei 120 km/h, die

maximale Leistung am Rad beträgt 1 600 Kilowatt, die Dauerleistung 1 000 Kilowatt. Dank

der neuen Triebzüge können 144 Fahrzeuge, darunter Lokomotiven und Personenwagen,

ausgemustert werden und das Durchschnittsalter der RhB-Flotte wird von 29 auf 22 Jahre

sinken. Mit dem Bau des Capricorn-Triebzugs begann Stadler Rail im Oktober 2017 und schon

bald – im Frühling 2019 – wird die RhB erste Testfahrten durchführen. Bis zum Fahrplanwechsel

im Dezember 2019 sollen ca. 6 Fahrzeuge in Betrieb sein, dann soll jeden Monat

ein weiterer Zug folgen.

41


Kultur

Ein Festival

wird erwachsen

42 Das kleine, feine Musikfestival begeistert Jazzfreunde auch unter freiem Himmel.


Ist stolz auf sein musikalisches

Wunderkind: Christian Jott

Jenny, Begründer und kreativer

Kopf des Festival da Jazz.

Alle waren sie da und viele kommen wieder: Lee Ritenour etwa,

Herbie Hancock, Franco Ambrosetti oder Paolo Conte. Sie und viele

andere Musiker spielten am Festival da Jazz in St. Moritz, welches

2018 zum elften Mal stattfindet. Franz Bamert im Gespräch mit

Christian Jott Jenny, dem Vater dieses kleinen, feinen Anlasses.

Unsereiner ist Schreinerin, Bauer oder eben auch Schreiberling. Meist froh

und manchmal heimlich stolz, wenn man es im angestammten Beruf

schafft. Doch dann trifft man auf einen Christian Jott Jenny, eine Art Universalgenie

der U- und E-Musik, Schauspieler, Opernsänger, Unternehmer,

Vorsteher des Amtes für Ideen und auch Begründer des Festival da Jazz in

St. Moritz. Zu letzterem möchte ich ihn befragen und die Nerven flattern

ein bisschen heftiger als sonst vor einem Interview. Ich erwarte eine Mischung

aus unnahbarer Diva und überheblichem Promi-Tubel. Doch dann

sitzt mir ein Mensch gegenüber. Und zwar ein ausnehmend freundlichwitziger

und neugieriger. Umgehend gestehe ich mein Nervenflattern und

meine Vorurteile. Jenny wird zunächst rot, dann schmunzelnd-zurücklehnend-höflich

und meint spontan: «Darf ich Sie zum Essen einladen?!»

Bevor wir ins Interview einsteigen, geht er auf meine Vorurteile ein:

«Unser einer hat ein Leben lang damit kämpfen müssen! Unterdessen bin

ich aber etwas entspannter. Am Ende des Tages bin ich ja letztlich Typus

Künstler, da muss man irgendwo empfindsam und verletzlich bleiben. Aber

ein gewisser Schutz gegen aussen ist einfach unvermeidbar, sonst geht

man zugrunde … Aber eigentlich mag ich das Leben und vor allem: Ich mag

all die komischen Menschen auf Erden. Inklusive Sie.»

Herr Jenny, warum haben Sie gerade St. Moritz als Geburtsort für eines

Ihrer zahlreichen Kinder ausgesucht?

Das ist die Frage vom Huhn und vom Ei: Das Kind hat mich ausgewählt!

Es musste alles so kommen, wie es kam: ein offener Hoteldirektor, eine

atemberaubende Kulisse, eine Ansammlung von Grossartigkeiten, die das

Engadin halt so mit sich bringt. Alle Einzelteile waren vorhanden. Man

musste sie nur noch richtig zusammensetzen.

43


Musikalischer

Auftakt: «The Rad

Trads» begleiteten

den Extrazug

ans Gratiskonzert

von «Earth,

Wind & Fire».

Wie hat sich dieses Kind seit der Geburt verändert?

Es musste laufen lernen und durch den Kindergarten; es musste Fehler

machen dürfen … Heute ist es aber eines meiner Lieblingskinder!

Nun kommt die Teenagerzeit – schwieriges Alter. Macht das Sorgen?

Natürlich: Kinder verfolgen einen Tag und Nacht und eben auch im Traum.

Man freut sich, man fürchtet sich, man hat Angst um sie. Gerade jetzt, falls

es seine erste Freundin nach Hause bringt … Überall Pickel, Drogen, Alkohol

… (Jenny schmunzelt wieder). Vor allem hat unser Kind kein Sozialamt,

das für allfällige Schäden aufkommt. Das Festival muss sich nämlich immer

wieder verdammt gut neu erfinden. Und das kostet viel. Sehr viel. Aber

wir müssen es uns leisten wollen! Denn es lohnt sich, wenn es dann mal

erwachsen wird und aufblüht!

Warum musste das Kind «Jazz» heissen und nicht zum Beispiel

«Schlager»? Helene Fischer etwa würde das halbe Engadin atemlos

machen, nicht nur die doch sehr überschaubare Jazzszene.

Mag sein. Allerdings glaube ich, dass das Engadin eher Helene Fischer

atemlos machen würde. Und dann könnte sie nicht mehr singen vor Staunen.

Sorry und bei aller Vorliebe für grosse Blondinen: Das Engadin, insbesondere

St. Moritz, steht für Individualität, Kreativität, Natur und einen

gewissen Stil. Wenn Helene gewillt ist, sich diesem unterzuordnen, kann

sie gerne mal mit einem Trio im Dracula-Club unplugged ein Konzert geben!

Wie erklären Sie Jazz? Respektive: Was ist der Unterschied von … sagen

wir Peter Zinsli und Chick Corea?

Die sind gar nicht so weit voneinander entfernt! Beides Alt-Grossmeister.

Der grösste Unterschied ist, dass der eine noch lebt. Und vermutlich ist

Chicks Musik auch die etwas freiere, inspirierendere …

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www.rhb.ch/contura


Schaurig schön: Die Konzerte

im Dracula-Club zeichnen sich

durch eine selten gewordene

Nähe zu den Künstlern aus.

Wie wecken Sie in einem Schlagerfan die Liebe zum Jazz? Oder wäre

das sowieso verlorene Liebesmüh?

Müssen wir das überhaupt? Wenn, dann muss er sich davon wecken lassen!

Sind die Rezeptoren dazu gar nicht vorhanden, ist es in der Tat verlorene

Liebesmüh.

Die Fusion-Band Earth, Wind & Fire spielte 2017 auf einem RhB-Zug.

Wird es so etwas auch in Zukunft wieder geben?

Der Sonderzug der RhB von St. Moritz nach Poschiavo war für mich eines der

Highlights des 10-Jahres-Jubiläums. Auch hier gilt: Wir brauchen Partner,

Sponsoren, Gönner. Sonst gibt es weder ein Open Air noch einen Zug.

Was unterscheidet Ihr Festival von jenem in Montreux?

Wir sind in allererster Linie ein Boutique-Festival, klein und fein. Bei uns

kommt man nicht nur wegen der Stars, sondern wegen des Gesamtpakets:

der weltweit einmaligen Wohnzimmeratmosphäre im Dracula-Club von Rolf

Sachs, des Engadins, der Gastgeber. Wir sind wie eine Familie: Die Hälfte

der Gäste kennt sich. Und jeder ist willkommen, Teil davon zu werden.

Apropos Montreux: Der grosse Claude Nobs war offenbar mit fast all

seinen Stars befreundet. Geht Ihnen das ähnlich?

Ich habe Claude gekannt. Wichtig dabei ist das Wort «fast». Und was

heisst schon befreundet … Ich will gar nicht mit all meinen Künstlerinnen

und Künstlern befreundet sein, sondern nur mit denjenigen, mit

denen ich mich auch auf persönlicher Ebene gut verstehe. Hier kommt

es schon vor, dass man mit der Zeit sehr eng, ja sogar familiär wird.

Man ruft sich zu Weihnachten an, redet über Scheidungen und Hochzeiten,

man hört einander zu. Aber wenn Sie wissen wollen, ob ich die

Handynummer von Herbie Hancock oder Al Jarreau habe: Ja, ich habe sie.

Aber im Himmel nimmt niemand mehr das Telefon ab. (Anm. d. Autors:

Al Jarreau ist 2017 verstorben).

Weitere Informationen zum Festival da Jazz

in St. Moritz unter www.festivaldajazz.ch

Graubünden ist reich an Kunst-,

Kultur- und Naturschätzen:

Entdecken Sie die Bündner Fauna und Flora

sowie Kunst und Historie mit der RhB.

www.rhb.ch/kultur

45


Albulalinie

Parc Ela:

das Herz der Welt

46 Der «Pfad der Pioniere»: Informatives Lustwandeln im Grünen.


Judith Burri, stv. Geschäftsleiterin

Parc Ela, kennt sich auf

den Wegen des grössten Naturparks

der Schweiz bestens aus.

In dieser Geschichte geht es um eine Hexe, die zum Engel wird. Um

Anflugbahnen für Auerhühner oder um alpine Schlaraffenländer. Es

geht auch um Felsen, die aussehen, als stammten sie von Obelix.

Kurz gesagt – es geht um den Parc Ela und seine menschlichen und

tierischen Bewohner.

Bewegungslos, fast wie angenagelt, schwebt ein Raubvogel über dem Albulatal

und späht nach Beute. Unter ihm erstreckt sich eine archaische,

uralte Landschaft, die von den Gletschern geformt wurde. Nach den Gletschern

kamen die Menschen und die Tiere: Auf dem Weg vom oder nach

dem Süden über die Pässe Julier, Albula und Septimer zogen sie alle hier

durch: Kelten und Römer, Heilige und Huren, Heere und Händler, Walser

und Romanen. Und alle hinterliessen sie ihre Spuren: intakte Dörfer wie

Bergün, Burgen wie Belfort oder auch die RhB-Kunstbauten hinauf nach

Preda. All das und noch viel mehr gehört zum Parc Ela, dem grössten Naturpark

der Schweiz.

Lochstein

In diesem Park folgen wir der Parc Ela-Frau Judith Burri auf dem «Pfad der

Pioniere» durch ein Naturwaldreservat direkt zum Crap Furo. Wir – das sind

unter anderem Ben, der Förster, und Rosmarie, die Kräuterhexe.

Liebe Menschen, mit denen man sofort per Du ist. Der

«Der Crap Furo

Pionierweg zeigt exemplarisch, wie die ersten Bauern ihrer

ist der geografische

Mittelpunkt Wald wirklich ausmacht. Vor allem aber führt der Weg zum

Umwelt ein Auskommen abtrotzten, aber auch, was einen

Graubündens.» Zentrum der Welt. Gut – zumindest der Bündner Welt. Der

Judith Burri

«durchbohrte Fels», wie der Crap Furo auf Deutsch heisst,

ist nämlich der geografische Mittelpunkt Graubündens. Er

und weitere Felsen seiner Art sehen ein bisschen aus wie die Menhire, die

Obelix damals durch die Gegend schleppte. «Doch die Gallier waren meines

Wissens nie hier», lacht Judith.

47


Hier, hoch über dem Albulatal, hat sich auf den ersten Blick nicht viel

verändert, seit die Gletscher verschwanden. Weiter oben im Parc Ela sind

sogar noch Saurierspuren sichtbar. Doch erste Blicke sind oft trügerisch:

«Vor 200 Jahren waren die Wälder fast völlig abgeholzt, sie wurden bei der

Verhüttung von Erz wortwörtlich verheizt», erklärt Ben, der Förster. Sozusagen

als späte Wiedergutmachung wurden im Parc Ela vier verschiedene

Naturwaldreservate eingerichtet. Dasjenige mit dem Namen Crap Furo ist

120 Hektaren gross. «Es wird seit 50 Jahren sich selber überlassen», erklärt

Ben. Sich selber und all den kleinen und grossen Tieren, die Ruhe und

Totholz brauchen. Überhaupt die Tiere: Der Adler und der Bartgeier sind in

den Parc Ela zurückgekehrt, Wolf und Bär sind zumindest Gäste auf Zeit.

Ben hat immer mal wieder ihre Spuren angetroffen.

Wildkräuterpesto

Während der Förster erzählt, wie er und seine Kollegen Anflugschneisen

für Auerwild schlagen, verschwindet Rosmarie, die Kräuterhexe, immer mal

wieder im Wald. Nein, nicht darum! Sondern darum: Sie sammelt Kräuter

und Blumen für ein Pesto. Mit einer Kräuterschere zerkleinert sie Salbei

und Guten Heinrich, Thymian oder Sauerampfer und ein gutes Dutzend

weiterer Pflanzen, mischt das Ganze mit Olivenöl, weiteren Ingredienzien,

Crap Furo: Der

«durchbohrte

Fels» und geografische

Mittelpunkt

Graubündens

erhebt sich hoch

über dem Albulatal.

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www.rhb.ch/contura


«Kräuterengel»

Rosmarie

verarbeitet die

gesammelten

Wildkräuter zu

einem schmackhaften

Pesto.

viel Können und noch mehr Liebe zu einem Wildkräuterpesto und streicht

es auf Brotscheiben. Es schmeckt so unglaublich gut, dass wir Rosmarie

sofort umtaufen: von Kräuterhexe zu Kräuterengel. Aber jetzt kommt erst

recht Hunger auf und das Gespräch dreht sich schnell um die Spezialitäten

des Parc Ela: Brot aus Gran-Alpin-Berggetreide, 50 verschiedene Kartoffelsorten,

Forellen aus dem Bach, Bauernhofglace, Hirschwurst, Bergobstsaft

und natürlich die üblichen Verdächtigen: Maluns, Capuns, Salsiz, Bündnerfleisch,

Alpkäse und, und … fast alles in Bio-Qualität. Denn die meisten

Bauern im Parc Ela haben Pestiziden und Kunstdünger schon längst

abgeschworen. Der Hunger zieht uns talwärts. In einen der Gasthöfe, wo

die genannten Produkte serviert werden; oder alternativ in einen Bauernhofladen.

Diese muten an wie alpine Schlaraffenländer. Und dann sind da

noch jene, die direkt auf den Zug müssen. Denen hat der Kräuterengel ein

Gläschen Pesto mitgegeben. Das hilft ganz gut, um die Zeit bis zum nächsten

Besuch im Parc Ela zu überstehen.

Der Parc Ela ist der grösste Naturpark der Schweiz.

Zu den Aufgaben der Naturpärke gehört die Förderung

von Ökologie und Ökonomie der jeweiligen

Region. Mehr Informationen zu Wanderungen,

Natureinsätzen und weiteren Aktivitäten gibt es

auf der Website www.parc-ela.ch.

Via Albula / Bernina

Die Via Albula / Bernina ist einmalig

angelegt – immer wieder kreuzt

der Wanderweg die Bahnlinie. In

zehn Etappen entdecken Sie so die

UNESCO Welterbestrecke Albula /

Bernina zu Fuss. Müde Beine steigen

jederzeit um auf die rote Bahn.

www.rhb.ch/via

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Platz an der Sonne

Superlative

in Graubünden

Friedrich Nietzsche war es im Engadin «bei Weitem am wohlsten

auf Erden», und auch Hermann Hesse beschrieb die Landschaft des

Bündner Hochtals als «wohl die schönste» seiner vielen Reisen.

Graubünden, ein Ort der Superlative also: Doch wo geht es im

grössten Kanton der Schweiz am höchsten hinaus, am tiefsten ins

Tal, und wo bläst einem der Winterwind am eisigsten um die Ohren?

1

Am höchsten: Piz Bernina

Majestätisch erheben sich die weissen Gipfel der Berninagruppe vor dem

blauen Bündner Himmel. In der Mitte thront der Piz Bernina, mit seinen

4049 m ü. M. nicht nur der höchste Punkt des Kantons Graubünden, sondern

auch der einzige Viertausender der Ostalpen. Bis zu seiner Erstbesteigung

im Jahr 1850 galt der «Mount Everest des Engadins» als unbezwingbar.

Seither lockt die Bergtour jedes Jahr zahlreiche Alpinisten ins

Oberengadin. Gemächlichere Gemüter können das prächtige Panorama

auch bequem vom Zug aus bestaunen – UNESCO Welterbe inklusive.

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www.rhb.ch/contura


2 3

2

Am tiefsten: Moësa (San Vittore)

Über 1800 Höhenmeter legt die Moësa auf ihrer Reise durch die Kantone

Graubünden und Tessin zurück. Einmal wild und schäumend, dann wieder

ruhig und gemächlich bahnt sich der Fluss seinen Weg vom San-Bernardino-

Pass talwärts, bevor er kurz vor Bellinzona in den Tessin mündet. Sein tiefster

Punkt auf Bündner Boden (ca. 252 m ü. M.) ist zugleich der tiefste Punkt des

Kantons und befindet sich in der Gemeinde San Vittore an der Grenze zum

Tessin. Dies ist allerdings kein Grund, tiefzustapeln: Zerklüftete Schluchten,

rassige Wildwasserpassagen und beschauliche Auenlandschaften lassen die

Herzen von Adrenalin- und Naturfreunden gleichermassen höherschlagen.

1

3

Am kältesten: Samedan

Wer den Winter in Samedan verbringen möchte, sollte sich warm anziehen.

Das Dorf im Herzen des Oberengadins ist im Kampf um den Titel als kältester

Ort der Schweiz regelmässig ganz vorne mit dabei: Temperaturen um die

minus 30 Grad sind im Winter keine Seltenheit. 2017 lag die Jahresmitteltemperatur

bei 2,7 Grad Celsius, kälter war es im Durchschnitt an keinem

anderen – bewohnten – Ort des Landes. Als schöne Kehrseite des Hochgebirgsklimas

kommen Kälteresistente neben wenig Nebel und Niederschlag

auch in den Genuss von überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden.

4

Am wärmsten: Grono

Warm, wärmer, Grono. Mit einer mittleren Jahrestemperatur von 12,4 Grad

Celsius gehört der Ort in Südbünden, gemeinsam mit Locarno-Monti und

Lugano, zu den durchschnittlich wärmsten Orten des Landes. Auch den

Rekord für die höchste Temperatur, die je in der Schweiz registriert wurde,

hält nicht etwa ein Vertreter aus der Tessiner

Sonnenstube, sondern die Gemeinde

im Misox: Am 11. August 2003 kletterte das

Thermometer in Grono auf 41,5 Grad Celsius,

ein Schweizer Hitzerekord, der bis heute

unerreicht blieb.

4

51


Aus der Werkstätte

Spaghetti & Co.

aus der

Valposchiavo

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Ein gigantischer Genuss: Pasta aus Davide Fislers Molino e Pastificio Poschiavo.

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Das Puschlav mit seiner alpin-mediterran geprägten Landschaft

am Südrand von Graubünden fasziniert Touristen aus aller Welt.

Eine spezielle Anziehungskraft geht vom Hauptort Poschiavo aus.

Hier werden seit über 100 Jahren Teigwaren hergestellt, die in alle

Herren Länder exportiert werden.

Gourmets zufolge gehören die Spaghetti aus Poschiavo zu den besten der

Welt. Ihre herausragende Qualität – im wahrsten Sinne des Wortes – zeigt

sich bereits bei der Zubereitung. Mit 42 Zentimetern sind sie fast doppelt so

lang wie die der gängigen Marken Barilla & Co. Könnte das für unerfahrene

Köche nicht zu einer pfannentechnischen Herausforderung werden? Davide

Fisler winkt lächelnd ab: «Überhaupt kein Problem – unsere Spaghetti passen

wie alle anderen in einen normal grossen Topf.» Sein Familienbetrieb

Molino e Pastificio Poschiavo ist eines der Aushängeschilder des Puschlavs:

Seit Jahrzehnten sind die in blaues Packpapier mit gelber Retro-Etikette

eingewickelten Teigwaren einer der wichtigsten und bekanntesten Botschafter

des italienischsprachigen Bergtals am Rand der Schweiz.

Pasta für hungrige Bauarbeiter

Seinen Ursprung nahm der Betrieb im Jahr

1911. Damals war Davide Fislers Urgrossvater

Samuele der Müller im Dorf – und ein

Mann mit Visionen. Als in der Region der

Bau der Berninabahn in Angriff genommen

wurde, erkannte er sogleich, was sich damit

für eine einzigartige Chance bot. Die Errichtung

der von St. Moritz über Poschiavo bis

ins italienische Tirano führenden Strecke

brachte Tausende Gastarbeiter aus Italien

ins Tal. Während Jahren würden sie Trassees

Länger als üblich: Ganze zwei Tage werden die

Spaghetti in speziellen Kammern getrocknet.

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Spaghetti-

Vorhang auf:

Jede Sorte Pasta

benötigt ihre

eigene Spezialmatrize.

und Brücken bauen und entlang der gut 60 Kilometer langen Strecke Tunnels

in die Felsen schlagen. Harte Knochenarbeit, die Tausende hungrige

Mägen produziert, die versorgt werden wollen. Idealerweise mit Pasta –

damit das Heimweh sie nicht so plagt. Und so begann der findige Müller

in seiner Mühle auch Spaghetti und weitere Teigwarensorten zu produzieren

– eine bis heute währende Tradition nahm ihren Anfang.

Matrizen aus Bronze

Heute leitet Davide Fisler den kleinen Familienbetrieb, der neben Spaghetti

längst auch die Pastasorten Vermicelli, Ternetta, Rigatoni, Cornetti, Fusilli,

Ditalini, Anellini und Pizzoccheri herstellt. 2013 wurde die alte Teigmaschine

aus den 1950er-Jahren von einer topmodernen Anlage abgelöst,

die ganz neue Möglichkeiten eröffnet. «Unser Ziel ist es, jedes zweite Jahr

ein neues Produkt einzuführen. Fusilli haben wir kürzlich ins Sortiment

aufgenommen, als Nächstes sind die allseits beliebten Penne geplant»,

sagt der 48-jährige Puschlaver. Jede Pasta brauche eine spezielle Matrize,

durch die der Teig gepresst wird. Wie anno dazumal bestehen diese Formen

auch bei der neuen Maschine noch aus Bronze und müssen in Italien

bestellt und angefertigt werden. Gemäss Fisler erhält die Pasta dadurch

eine aufgeraute Oberfläche, was die Saucen besser daran haften lässt und

somit das Geschmackserlebnis intensiviert.

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Zwei Zutaten und das Geheimnis der Reifung

Ist es also die raue Oberfläche, welche die Puschlaver Pasta zu etwas Besonderem

macht? Schliesslich besteht auch sie nur aus Wasser und Weizen.

«Es liegt wohl eher an der handverlesenen Qualität der beiden verwendeten

Zutaten», sagt Davide Fisler nicht ohne Stolz.

So stamme der Hartweizen aus Kanada und den USA,

«Die Getreideflocken

weil von dort schlicht der beste komme. Und auch

verleihen unserer Pasta wenn der Weizen von weither importiert wird – das

unvergleichlichen Biss.» Wasser ist quasi hausgemacht, stammt es doch aus

Davide Fisler

einer Quelle, die unweit von Poschiavo im Vartegna-

Gebiet dem Berg entspringt.

Überhaupt könnten die Produktionswege kürzer nicht sein: Dank der hauseigenen

Mühle wird das Getreide für den Teig gleich selbst gemahlen. «Der

Hartweizengriess der bekannten industriellen Pastafabriken dieser Welt ist

viel feiner als unserer», sagt Davide Fisler. Zwar lasse sich der Teig dadurch

leichter und schneller verarbeiten und die Pasta habe eine helle, klare

Struktur. Doch in der Molina e Pastificio Poschiavo stehe das nicht im Vordergrund.

«Bei unserer Pasta sind zwar die Getreideflocken sichtbar, diese

verleihen ihr dafür aber auch den unvergleichlichen Biss.»

Einzigartige

Struktur: Das

Mehl für den

Pastateig stammt

aus der hauseigenen

Mühle.

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Beste Qualität

der Zutaten und

sorgfältige Herstellung

haben

im Familienbetrieb

oberste

Priorität.

Den alles entscheidenden Schliff erhalten die Spaghetti von Molino e Pastificio

jedoch erst im letzten Produktionsschritt, ist Davide Fisler überzeugt.

Im Gegensatz zur industriellen Massenproduktion, bei der die Pasta in

knapp drei Stunden regelrecht gebacken wird, dauert dieser Prozess in seinem

Betrieb zwei Tage und wird in speziellen Trocknungskammern durchgeführt.

«Bei einer Niedergartemperatur von 55 Grad setzt ein Gärprozess

ein, bei dem unsere Pasta ihren einzigartigen, leicht süss-säuerlichen Eigengeschmack

entwickelt.»

Mundpropaganda im wahrsten Sinne

Kein Wunder, steigt die Nachfrage nach der Pasta aus Poschiavo stetig an.

Ende der Sechzigerjahre produzierte Molino e Pastificio noch rund sieben

Tonnen im Jahr, in den Neunzigerjahren waren es 30 Tonnen und heute sind

es bereits über 100 Tonnen. Verlässliche Abnehmer sind Restaurants und

Hotels im Engadin oder auch Fachgeschäfte wie etwa Globus oder Schwarzenbach

in Zürich. Sogar Delikatessengeschäfte in Frankreich, Deutschland,

den USA oder Singapur zählen zum Kundenstamm. Und das, obwohl die Fislers

noch keinen Franken Geld ins Marketing

investierten. Wieso auch. Wer bei Molino e

Pastificio bestellt, hat diese aussergewöhnliche

Pasta meist erstmals als Feriengast im

Reisen mit Genuss

Seien Sie unser Gast und lassen Sie sich

von uns verwöhnen! Geniessen Sie verschiedene

Menüs auf unterschiedlichen

Engadin serviert bekommen – und nicht

mehr vergessen. Wenn das nicht Mundpropaganda

vom Allerfeinsten ist!

bende Landschaft vorbeiziehen.

Strecken und lassen Sie die atemberau-

www.rhb.ch/kulinarik

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Natur

Teuflisch schöne

Diavolezza

58 Dem Gletscher so nah: die neue Aussichtsplattform auf der Diavolezza.


Für alle, die hoch hinaus wollen:

Die Luftseilbahn bringt

die Gäste sicher zur Bergstation

auf knapp 3 000 m ü. M.

Den Proviant im Rucksack, das Seehundfell unter den Holzskiern –

so erklommen waghalsige Berggänger vor über hundert Jahren die

Diavolezza und von hier aus die umliegenden Gipfel wie den Piz

Palü oder Piz Bernina. Heute ist das auf knapp 3000 m ü. M. gelegene

Joch bequem per Luftseilbahn erreichbar. Unverändert ist die

beeindruckende Kulisse der sagenumwobenen Bergwelt.

Die Geschichte rund um den Bau der Bergbahn hinauf in die Gletscherwelt

reicht zurück bis in die 1920er-Jahre. Schon damals gab es Projekte, die

Diavolezza per Bahn zu erschliessen. Doch es sollte ganze 30 Jahre dauern,

bis endlich die ersten Gäste hinauf zum ewigen Eis transportiert werden

konnten: 1956 wurde die Pendelbahn mit einer Kabinenkapazität von 50

Personen eröffnet. Die Freude war gross, der Ansturm ebenso. Bis zu zwei

Stunden geduldeten sich die Gäste, um per Bahn auf die Diavolezza zu gelangen

und von dort die Gletscherabfahrt nach Morteratsch zu absolvieren.

Inzwischen können 125 Gäste auf einmal transportiert werden, womit die

langen Wartezeiten der Vergangenheit angehören.

Mythische Bergwelt

Von vergangenen Tagen handeln auch die Erzählungen, die seit rund drei

Jahren während der Gondelbahnfahrt auf die Diavolezza geschildert werden.

In der Audiotour führt der fiktive Bergsteiger Flurin durch die Geschichten

und Sagen dieser Bergwelt. Hier erfahren die Gäste zum Beispiel,

woher das Joch seinen Namen hat: «Der Name Diavolezza ist eine Ableitung

vom ladinischen diavel: Teufel. Diavolezza heisst übersetzt demnach Teufelei:

ein Ort, wo Dämonen lebten – und eine Bergfee, derentwegen manche

Jäger für immer verschwanden. Aber davon hören Sie später, auf dem

Berg», meint Flurin geheimnisvoll. Die Gondel fährt weiter bergwärts. Die

bequeme Sesselbahn ersetzt den einstigen Skilift, den der findige Bergführer

und Skilehrer Paul Nauer 1960 bauen liess, damit Gäste auch oben auf

dem Berg – ohne erneutes Anstehen im Tal – Ski fahren konnten. Seit gut

zehn Jahren wird der Firnschnee übrigens im Sommer mit einer Folie abgedeckt,

um möglichst viel davon in den nächsten Winter zu retten.

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Ausflug ins ewige

Eis des Persgletschers:

mit der

Bahn, zu Fuss oder

auf den Skiern.

Gipfelstürmer: Gefährliche Faszination

Inzwischen sind die Gäste in Begleitung von Flurins Erzählungen auf 3000 m

ü. M. angekommen: Die Aussicht auf den dreigipfligen Piz Palü und den Piz

Bernina mit seinem markanten Biancograt ist magisch. Beim grossen Eispickel

wirft Flurin einen Blick zurück auf die Bezwingung der beiden Gipfel.

Die Erstbesteigung des bis dahin als unbezwingbar geltenden Piz Bernina

gelang 1850 dem Schweizer Johann Coaz, der dem mit 4049 Metern höchsten

Gipfel der Ostalpen seinen Namen schenkte. Die erste Besteigung des

Piz Palü ist hingegen nicht zweifelsfrei belegt: Es wird vermutet, dass der

Bündner Gian Marchet Colani und seine Seilschaft 1835 nur den Ostgipfel

erreichten. Erst 30 Jahre später erklomm der Engländer Kenelm Edward

Digby mit seinem Führer Peter Jenny und einem Träger den mittleren, 3900

Meter hohen Hauptgipfel. Wie alle Berge, die jedes Jahr unzählige Alpinisten

anlocken, haben auch der Piz Palü und der Piz Bernina ihre gefährlichen

Schattenseiten. Der Absturz von zehn italienischen Bergsteigern im

Jahr 1957 zählt zu den schlimmsten Unglücken am Piz Palü: Nur ein Mann

konnte lebend gerettet werden, eines der Opfer wurde bis heute nicht

gefunden. Und erst im Jahr 2016 kam beim Abstieg vom Piz Bernina der

bekannte Bündner Bergsteiger Norbert Joos ums Leben.

Legenden im ewigen Eis

Ein Glück, dass die faszinierende Gebirgswelt dank Gondelbahn auch gefahrlos

erlebt werden kann: Hoch über dem Persgletscher auf der Diavolezza-Aussichtsplattform

scheinen die umliegenden Gipfel zum Greifen

nah. Daran vorbei führt die Abfahrt vom Pers- über den Morteratschgletscher

bis hinunter zur RhB-Station

Morteratsch – mit zehn Kilometern die

Hoch über dem Gletscher

Reisen Sie auf der UNESCO Welterbestrecke längste Gletscherabfahrt der Schweiz.

der Rhätischen Bahn über spektakuläre Doch wie vielerorts ist auch hier das

Viadukte und Brücken und weiter durch ewige Eis längst vergänglich geworden.

das Engadin bis auf 2000 m ü. M. Die Luftseilbahn

Diavolezza bringt Sie noch näher

Der Persgletscher zog sich im Sommer

zum Piz Bernina, dem höchsten Berg der 2015 so weit zurück, dass die Verbindung

der beiden Gletscherzungen ab-

Ostalpen, und mitten in die eindrückliche

Gletscherwelt hinein.

riss. Der Morteratschgletscher seinerwww.rhb.ch/berninaglaciers

60

www.rhb.ch/contura


seits hat seit den ersten Messungen im Jahr 1878 rund 2,2 Kilometer an

Länge eingebüsst und ist heute noch zirka 6,4 Kilometer lang. Dennoch

bleibt die Faszination bestehen – nicht zuletzt wegen der Geschichten, die

sich um die weisse Bergwelt ranken.

Zum Abschluss der Audiotour lüftet Bergführer Flurin mit der Sage der Diavolezza

noch das Geheimnis um die eingangs erwähnte Bergfee. Diese lebte

in ihrer Felsenburg hoch oben zwischen Chapütschöl und Munt Pers, dem

«verlorenen Berg». Wer einen seltenen Blick auf die Bergfee erhaschte,

wurde ganz vernarrt und unvorsichtig, folgte ihr zu ihrem Felsenschloss –

und verschwand für immer. So erging es auch Aratsch, einem jungen Mann

aus dem Dorf, dessen Schicksal dem Gletscher und der Alp den Namen gab:

«Denn wer sich bis Einbruch der Nacht in der Region des Bernina-Massivs

aufhielt, hörte, vom Winde getragen, die Klagestimme der Diavolezza, die

ausrief: mort ais Aratsch – Aratsch ist tot», erzählt Flurin – bevor er seine

Schilderungen beendet und sich zum Munt Pers zurückzieht, wo auch er

einst spurlos verschwand …

Die Audio-App «Bernina Glaciers», in der Flurin die bewegte

Geschichte der Diavolezza erzählt, kann kostenlos im Apple Store

oder auf Google Play heruntergeladen werden.

Ob Gletscherwelt

oder Italianità:

Die UNESCO

Welterbestrecke

verbindet.

61


Was machen eigentlich …

… Lawinenhunde

im Sommer?

Zwischen den blühenden Krokussen verschwinden die letzten

Schneeflecken und mit ihnen auch die letzten Schneesportler. Doch

obwohl sich der Winter langsam verabschiedet, beginnt für die

Lawinenhunde nicht der eigentlich wohlverdiente Sommerschlaf,

wie Mathias Gerber, Rettungschef der SAC-Sektion Davos, erklärt.

Herr Gerber, wie oft müssen die Hunde trainieren, damit sie in der

schneelosen Zeit ihre Fähigkeiten nicht verlieren?

Das Suchen von Lawinenverschütteten verlernen die Hunde im Sommer

nicht. Wichtig ist, dass sie die Freude an der Arbeit und die Grundkondition

behalten. Regelmässige Bergwanderungen und ein sinnvolles Hundetraining

sind somit eine gute Vorbereitung auf den nächsten Schnee.

Kann man Lawinenhunde auch im Sommer einsetzen?

Für die Personensuche im Sommer gibt es speziell ausgebildete Hunde.

Das Absuchen von Trümmern nach verschütteten Personen, etwa nach

einem Erdbeben, gleicht zwar der Arbeit nach einem Lawinenabgang – in

62

www.rhb.ch/contura


Such das Herrchen: Beim

Üben der Personensuche im

Schnee wird der Schwierigkeitsgrad

sukzessive erhöht.

beiden Fällen wird ein relativ kleiner, wohldefinierter Bereich abgesucht.

Doch für beide Aufgaben müssen die Hunde separat ausgebildet werden.

«Einfach so» kann man einen Lawinenhund nicht zuverlässig für andere

Sucharbeiten einsetzen.

Welche Grundfähigkeiten müssen die Vierbeiner schon vor der Ausbildung

zum Lawinenhund mitbringen?

Suchen können eigentlich alle Hunde. Wichtig ist, dass sie sich gut im

Schnee bewegen können. Da oft auch mit dem Skilift ins Suchgebiet gefahren

wird, sollte man den Hund auf den Schultern tragen können. Der

Hund sollte Freude an der Arbeit haben. Dies ist einfach zu erreichen, wenn

er gerne frisst oder spielt. Etwas vom Wichtigsten ist jedoch die Beharrlichkeit

und Ausdauer, die der Lawinenhund bei der Arbeit zeigt: Er muss

weitersuchen wollen, auch wenn er nicht gleich zum gewünschten Erfolg

und zu seiner Belohnung kommt.

Wie lernt ein Lawinenhund, verschüttete Personen zu finden?

Wir beginnen, indem wir den Hund zuschauen lassen, wie sein Herrchen in

einer Schneehöhle verschwindet. Der Hund weiss, dass er zu seinem Meister

gehört. Folglich wird er ihm in die Höhle nachgehen. Jetzt ist es wichtig,

dass wir dem Hund zeigen, dass er es gut gemacht hat. Je nach Neigung

geben wir ihm Futter oder spielen mit ihm. Wenn er das begriffen hat,

beginnen wir, die Schneehöhle zuzuschaufeln – erst mit wenig Schnee,

sodass der Hund mit leichtem Scharren schnell zum Herrchen kommt und

dort belohnt wird. Sukzessive wird dann der Schwierigkeitsgrad erhöht.

Rettungshundehalter arbeiten – wie alle Bergretter – freiwillig.

Braucht es keine Profis?

Das Ausbilden von Hunden ist zeitintensiv und deshalb teuer, wenn man

es professionalisiert. Um kosteneffizient zu sein, müssten Profi-Hundeteams

sehr grosse Gebiete abdecken. Statt 20 hätte es dann eventuell nur

vier Teams für den ganzen Kanton Graubünden. Die Ortskenntnisse der

lokalen Teams gingen dabei verloren. Die Erfahrung zeigt auch, dass an

bestimmten Tagen – etwa an schönen Wochenenden nach Neuschneeperioden

– beinahe zeitgleich mehrere Lawinenunfälle passieren. An diesen

Lawinentagen wären vier Suchteams zu wenig.

63


Berühmte Namen

Hortensia von Gugelberg

Gelehrte, Feministin, Heilkundige: Hortensia Gugelberg

von Moos gilt als Pionierin der schweizerischen Frauenbewegung.

Bereits im 17. Jahrhundert forderte sie als erste

Schweizerin öffentlich mehr Rechte für Frauen. Heute trägt

der Allegra-Stammnetztriebzug 3103 ihren Namen.

Hortensia von Salis verwitwete Gugelberg von Moos wird 1659 in Maienfeld

in eine der einflussreichsten Bündner Adelsfamilien geboren. Als Tochter

des Stadtvogts und Bundeslandammanns der Drei Bünde geniesst Hortensia

eine für Frauen ihres Standes damals übliche Ausbildung in Lesen,

Schrei ben, Rechnen und Religion. Der Wissensdurst des jungen Mädchens

ist gross, so wird Hortensia zusätzlich von ihrer Grossmutter – einer renommierten

Heilkundigen – unterrichtet.

1682 heiratet Hortensia den Maienfelder Patrizier Rudolf Gugelberg von

Moos. Standesgemäss versorgt, könnte sie nun ein beschauliches Dasein

als «hochadelige Dame» führen. Doch die junge Frau strebt nach Höherem.

Früh verwitwet bildet sie sich autodidaktisch in Theologie, Philosophie,

Botanik, Geologie und Medizin weiter. Nach dem Vorbild ihrer Grossmutter

unterhält sie eine medizinische Praxis und festigt ihren Ruf als profunde

Kennerin der Kräuterheilkunde.

Hortensia korrespondiert auch rege mit den Gelehrten ihrer Zeit und wird

für ihre intelligenten Ausführungen geschätzt. Sie ist die einzige deutschsprachige

Frau in der Schweiz, die im 17. Jahrhundert publiziert, und verteidigt

in ihren Schriften als erste Schweizerin öffentlich das Recht der

Frauen auf theologische und wissenschaftliche Bildung. Gebildet, schön

und sozial engagiert sprengt sie das enge Korsett der Konventionen in

einer männerdominierten Gesellschaft und

bietet ihren Kritikern eloquent Paroli.

Als Gelehrte und Heilkundige weit über die

Grenzen ihrer bündnerischen Heimat hinaus

bekannt, stirbt Hortensia von Salis verw. Gugelberg

von Moos am 29. Juni 1715 hoch angesehen

im Alter von 56 Jahren.

64

www.rhb.ch/contura


Wir stellen vor

Das RhB-Verwaltungsgebäude

Seit über hundert Jahren prägt der mächtige

Hauptsitz der RhB das Churer Stadtbild. Dank

einer sorgfältigen Restaurierung erstrahlt der

denkmalgeschützte Bau nun auch innerlich

wieder in neuem altem Glanz.

Er gilt als ein Leitbau des Bündner Heimatstils, steht unter Denkmalschutz

und ist ein wahrlich prächtiges Kind seiner Zeit: der RhB-Hauptsitz in Chur.

Das zwischen 1907 und 1910 erbaute Verwaltungsgebäude gehört zu den

wegweisenden Bauten einer von wirtschaftlichem Aufschwung geprägten

Belle Époque. Die RhB hatte in den knapp zwanzig Jahren ihrer Existenz

eine beeindruckende Entwicklung auf die Schienen gelegt. Der neue

Hauptsitz sollte der zentralen Stellung des aufstrebenden Verkehrsunternehmens

im Schweizer Tourismus sowie seiner wachsenden Belegschaft

gerecht werden.

Entworfen wurde der aufwendige Repräsentationsbau vom St. Moritzer Architekten

Nicolaus Hartmann und auch im Inneren mit Wandmalereien von

Christian Conradin sowie Plastiken von Otto Weber und Otto Kappeler reich

ausgestattet. Doch 110 Jahre emsiges Treiben hinterliess seine Spuren innerhalb

der soliden Mauern, und auch die Infrastruktur (elektrische Installationen

sowie Heizung, Lüftung und Beleuchtung) entsprach schon länger

nicht mehr den Anforderungen eines Bürobetriebs des 21. Jahrhunderts.

Vor zwei Jahren wurde deshalb

das gesamte Gebäude-Innere in

enger Zusammenarbeit mit der

Denkmalpflege und weiteren Experten

fachgerecht restauriert.

Nun sieht alles aus wie vorher, und

doch moderner, heller, attrakti ver.

Das Kulturgut von natio naler Bedeutung

ist wieder auf der Höhe

der Zeit – mindestens für die

nächs ten 20 Jahre.

65


Powerplay

Schnee

von gestern

66

www.rhb.ch/contura


Snowfarming sei Dank: In Davos gibt es für Langläufer Schnee auf sicher. 67


Langlaufen bereits im November? Seit zehn Jahren kann das die

Wintersportregion Davos garantieren. Am Fusse des Flüelapasses

steht die grösste Snowfarming-Anlage der Schweiz, dank der Jahr

für Jahr eine Loipe aus Kunstschnee gebaut wird. Seither müssen

die Athletinnen und Athleten nicht mehr in den Norden reisen, um

für die Wintersaison zu trainieren.

Wer in den Sommermonaten dem Flüelabach entlang Richtung Äbibrugg

spaziert, kommt nach einigen Wegbiegungen an einem mächtigen Haufen

vorbei. Bis zu 15 Meter hoch, 32 Meter breit, 113 Meter lang und bedeckt

von einer rund 40 Zentimeter dicken Sägemehlschicht lagern hier über

20 000 Kubikmeter Schnee. Die grobkörnige Masse hat eine Konsistenz, die

an feuchtes Salz erinnert: Es ist Kunstschnee. Produziert im letzten Winter,

wird er in diesem Depot aufbewahrt, um im Herbst für die Präparierung

einer vier Kilometer langen Langlaufloipe verwendet werden zu können.

Snowfarming nennt man dieses Verfahren.

Die Werkzeuge: Pistenraupen und Schneeschleudern

Es ist Mitte Oktober. Das Depot hat schon beträchtlich an Volumen verloren.

Kein Wunder. Wie ein Bauer auf seinem Feld Bahn für Bahn die Heuballen

einfährt, befördert hier seit Tagen eine Schneeschleuder die weisse Pracht

in grosse Transportlaster. Die «Ernte» wird anschlies send in den Wald gefahren

und schliesslich mittels einer Pistenraupe zur Loipe planiert. «Wir

sind gut in der Zeit», sagt Norbert Gruber zufrieden. Der Leiter Technische

Die Ernte wird

ausgefahren:

Pistenraupen

planieren den

gesammelten

Kunstschnee

zur Loipe.

68

www.rhb.ch/contura


Der grobkörnige

Kunstschnee

erinnert an die

Konsistenz von

feuchtem Salz.

Betriebe Davos ist vor Ort, um das Fortschreiten der Arbeiten zu überprüfen.

Die Hälfte der Loipe ist bereits eingeschneit. In einer Woche kann die

Strecke für die Sportler geöffnet werden. Das ist enorm wichtig, schliesslich

ist sie Teil des berühmten Weltcup-Rennens Davos Nordic, für das jeweils

im Dezember Langlauf-Athleten aus aller Welt anreisen. Für den Breitensport

ist die Snowfarming-Strecke jeweils am Mittag und Abend geöffnet.

Später, wenn das restliche Loipennetz geöffnet ist, kann auch die Flüelaloipe

jederzeit von allen benutzt werden.

Die Hilfsmittel: Sägemehl oder Gletschervlies?

Zum «Schneefarmer» wurde der 50-jährige Davoser vor zehn Jahren.

Durch einen glücklichen Zufall, wie er sagt. 2008 produzierte er mit seinem

Team künstlichen Schnee für die Loipen. Dank dem damals schneereichen

Winter blieben im Frühling 2500 Kubikmeter Kunstschnee übrig.

«Eine Verschwendung von Energie und Arbeit. Ich brachte es einfach nicht

übers Herz, ihn der Sonne zu überlassen.» Gemeinsam mit dem Institut für

Schnee- und Lawinenforschung, dem SLF in Davos, haben Norbert Gruber

und sein Team nach Wegen gesucht, den Schneehaufen über den Sommer

zu retten. Und so wurden zwei verschiedene Abdeckmethoden ausprobiert:

Die eine Hälfte wurde mit Sägemehl bedeckt, die andere mit Glet-

69


schervlies überzogen. Diese reflektierende Folie wird, wie der Name sagt,

auf Gletschern eingesetzt, wo die Durchschnittstemperaturen über den

Sommer viel tiefer sind als im Tal. Deshalb reicht es, wenn das Sonnenlicht

reflektiert wird, um die Kerntemperatur des Eises zu erhalten. Auf der Höhe

von Davos ist jedoch der Isolationseffekt entscheidend. Und da bringt Sägemehl

die weitaus bessere Leistung: Unter der rund 40 Zentimeter dicken

Sägemehlschicht bleiben zirka 70 bis 80 Prozent des Schneevolumens

erhalten. Das sei auch ökologisch gesehen sinnvoll, erklärt Gruber. «Der

Schnee für das Snowfarming wird in Davos in den kältesten Wintermonaten,

wenn der Energieaufwand am geringsten ist, produziert. Dadurch

kann mit demselben Energieaufwand viel mehr Schnee produziert werden,

als wenn im Herbst bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt

beschneit wird.»

Die Hürden: Auflagen und schmutziger Schnee

Da die Schneefarm-Methode auch wegen der Klimaerwärmung Potenzial

besitzt, wurde in Davos 2014 ein Projekt für den Ausbau der Anlage eingereicht.

Nach einer Einsprache musste das Projekt überarbeitet werden

Unter einer 40

Zentimeter dicken

Sägemehlschicht

übersommert der

Kunstschnee relativ

unbeschadet.

70

www.rhb.ch/contura


Die Qualität der Loipe liegt

in seinen Händen: Norbert

Gruber, Leiter Technische

Betriebe Davos.

und wurde dann im Sommer 2015 mit Auflagen bewilligt. Der Boden der

einige Meter tiefen Schneedepot-Mulde wurde asphaltiert und die Fläche

rund um das Depot sowie der Lagerplatz für die Sägespäne mit Rasengittersteinen

befestigt. «Dies hilft uns, damit der Schnee bei den Arbeiten

nicht verschmutzt wird.» Heute steht auf dem schattigen Areal im Flüelatal

die grösste Snowfarming-Anlage der Schweiz. Gegenüber dem Schneelager

befindet sich das Sägemehldepot. Die 1500 Kubikmeter Sägemehl, die für

die Abdeckung des Schneebergs nötig sind, werden laut Gruber jedes Jahr

wiederverwendet.

Das Ziel: Schneesicherheit und eine blütenweisse Loipe

Bei der Eröffnung der Loipe schlängelt sich zwei Wochen später eine blütenweisse

Langlaufspur durch den ansonsten schneefreien Wald. Die Klimaerwärmung

verschont auch die Bergregionen nicht. «Schneesicherheit

hat in unserer Gemeinde oberste Priorität. Da in Davos das Nationale Leistungszentrum

Langlauf von Swiss Ski beheimatet

ist, können wir nicht warten, bis Frau Holle ihre

«Wir können nicht warten,

Kissen ordentlich schüttelt», sagt Norbert Gruber.

Und so sorgt der Schnee von gestern dafür,

bis Frau Holle ihre Kissen

ordentlich schüttelt.» dass nicht nur Dario Cologna und das Schweizer

Norbert Gruber

Langlaufteam Ende Oktober die Trainingssaison

in heimischen Gefilden starten können. Auch die

Nationalmannschaften aus Frankreich, Italien und Deutschland trainieren

hier. Denn die Strecke mit ihren Steigungen und Abfahrten ist genau das,

was die Spitzenlangläufer kurz vor dem Saisonstart suchen. Dank der gut

vier Kilometer langen Loipe können Jahr für Jahr einige Dutzend Flüge der

Langlauf-Nationalmannschaften in den skandinavischen Winter vermieden

werden. Insofern ist Snowfarming nicht nur ökonomisch, sondern

auch ökologisch und dank den anreisenden Athletenteams auch touristisch

gesehen eine spannende Alternative.

Davos Nordic: Die Weltelite der Langläuferinnen und Langläufer

kämpft am 8. /9. Dezember 2018 auf der einmaligen Flüelaloipe in Davos

um wertvolle Weltcup-Punkte. www.davosnordic.ch

71


Für die «Kurzen»

Mit der RhB zum Brätel-Spass …

Während einer Fahrt mit der RhB gibt es nicht

nur tolle Brücken und Viadukte zu bestaunen.

Man kann neben den Gleisen auch fein grillieren.

An diesen vier Feuerstellen

entlang des RhB-Streckennetzes

schmeckt der Cervelat ganz

besonders gut …

Im Tuss

Wald, Wiese, Weiher, dazu

Kletterturm und schaukeln

auf der Wippe – willkommen

auf dem Waldspielplatz!

Küblis

Guarda

Disentis / Mustér

Fontanivas

«Steimännli»-Wettbauen oder

lieber «Versteckis» im Wald?

Nach dem hitzigen Wettkampf

lockt der kühle See oder eine

feine Glace.

Plan dal Növ

Die schöne Waldlichtung

lädt zum «Fangis»- oder

Fussballspielen ein.

Vielleicht huscht sogar

ein Reh vorbei?

Bernina Diavolezza

Sass Queder

An der höchstgelegenen Feuerstelle

Europas auf 3 066 m ü. M. schmeckt

die Rekord-Wurst besonders gut.

72

www.rhb.ch/contura


In der Nähe welcher Feuerstelle kann man …

Ordne die folgenden Aktivitäten den vier Feuerstellen links zu:

… über den Gletscher

wandern?

Möchtest du gewaltige

Gletscherspalten und

-mühlen mit eigenen

Augen sehen? Oder wissen, wie ewiges

Eis entsteht? Eine Wanderung über den

Pers- und den Morteratschgletscher

macht es möglich – nicht weit von

welcher Feuerstelle?

… auf Schellen-Urslis

Spuren wandeln?

Kennst du den Schellen-

Ursli? Der lustige Bub

mit der Zipfelmütze hat

sogar seinen eigenen Weg mit vielen

spannenden und lustigen Stationen zu

seiner Geschichte. Und er ist ganz in der

Nähe von einer der vier Feuerstellen zu

Hause. Weisst du, wo?

… Gold waschen?

Wusstest du, dass das

grösste Schweizer Goldnugget

im Vorderrhein

im Kanton Graubünden

gefunden wurde? Das Nugget wog 123

Gramm – mehr als eine Tafel Schoggi.

Auch du kannst unter die Goldsucher

gehen. In der Nähe welcher Feuerstelle?

… im Stroh schlafen?

Schlafen im Stroh macht

tierischen Spass! Hasen,

Hühner, Pfauen, Zwergziegen,

Katzen und andere

Hofbewohner sagen dir dort guten

Morgen und gute Nacht. Und das

alles nicht weit von einer Feuerstelle

entfernt. Weisst du, von welcher?

Auf fantastischer Reise mit Clà Ferrovia

Der Kinder-Kondukteur der RhB ist regelmässig

mit seiner Dampf- oder Krokodillok unterwegs.

Lösungen:

Sass Queder: Gletscherwanderungen für Kinder ab 8 Jahren.

Plan dal Növ: Schellen-Ursli kommt aus Guarda, ganz in der Nähe.

Fontanivas: Goldwaschen mit «Gold-Gusti» August Brändle.

Im Tuss: Schlafen im Stroh auf dem Fasmarauserhof.

Seine nächsten Reisen:

Samstag, 8. Dezember 2018:

Reise ins Bahnland mit Krokodillok.

Samstag / Sonntag, 15./ 16. Dezember 2018:

Reise ins Lichterland mit Dampflok.

Infos unter www.cla-ferrovia.ch

73


Ve

Streckennetz

Höhepunkte der Rhätischen Bahn

1

Rheinschlucht

N

Basel

Zürich

2

Langwieserviadukt

Bern

SCHWEIZ

Chur

Graubünden

Genève

Zermatt

Lugano

Ilanz

Disentis/

Mustér

Rueun

Waltensburg-Vuorz

Tavanasa-Breil/Brigels

3

Landwasserviadukt

Valendas-Sa

Castrisch

4

Wiesnerviadukt

Oberalppass

Trun

Rabius-Surrein

Sumvitg-Cumpadials

Sedrun

Vorderrhein

S u r s e l v

a

Andermatt

Visp

Zermatt

Vals

5

Albulaviadukte und -kehrtunnels

Lukmanier

Biasca

6

Alp Grüm

SCHWEIZ

SWITZERLAND

SVIZZERA

San Bernardino

7

Kreisviadukt Brusio

Bellinzona

Lugano

Milano

74

www.rhb.ch/contura

ugano


Flims Trin

rsam-Safien

gogn

1

Zürich

St.Gallen

Landquart Ried

Igis

Zizers

Untervaz-Trimmis

Haldenstein

Chur Wiesental

Chur West

Felsberg

Domat/Ems

Ems Werk

Calanda

2806 m

Bonaduz

Rhäzüns

Rothenbrunnen

Rodels-Realta

Cazis

Piz Beverin

2998 m

Chiavenna

Reichenau-

Tamins

Thusis

Hinterrhein

Chiavenna

Lugano

Rhein/Rhine/Reno

Landquart

Chur

Tiefencastel

Plessur

Weisshorn

2653 m

Lenzerheide

Savognin

Malans

Seewis-Pardisla

Grüsch

Schiers

Furna

Jenaz

Fideris

Chur Altstadt

Küblis

Lüen-Castiel

St. Peter-Molinis

Saas

Peist

Klosters Dorf

Langwies

Litzirüti

Arosa

3

P r

Filisur

2

ä t t

Bergün/Bravuogn

Preda

i g a

Landwasser

Landquart

u

Albulatunnel

Samedan

St. Moritz

Cavadürli

Davos Laret

Davos Wolfgang

Davos Dorf

Davos Platz

Davos Frauenkirch

Davos Glaris

Davos Monstein

Davos Wiesen

Piz Ela

3339 m

Piz Nair

3057 m

Maloja

4

5

Spinas

Celerina

Celerina Staz

Punt Muragl Staz

Pontresina

Klosters Platz

Vereinatunnel

O b e r e n g a

Bever

d i n

Zuoz

Madulain

La Punt Chamues-ch

Punt Muragl

Surovas

Morteratsch

Bernina Suot

Piz Bernina

4049 m

Piz Palü

3901 m

Piz Linard

3411 m

Valposchiavo

ÖSTERREICH

AUSTRIA

AUSTRIA

Susch

Poschiavo

U n

Sagliains

Zernez

Cinuos-chel–Brail

S-chanf

Muottas Muragl

2453 m

Berninapass

6

t e r

Ftan

Ardez

Guarda

Lavin

e n g

Na tiona lpa rk

Livigno

Bernina Diavolezza

Bernina Lagalb

Ospizio Bernina

Alp Grüm

Cavaglia

Cadera

7

Li Curt

Le Prese

Miralago

Brusio

Campascio

Campocologno

Tirano

Samnaun

i n

a d

Inn

Scuol-Tarasp

Bormio

Müstair

Landeck

Mals

Meran

Rhätische Bahn

UNESCO Welterbe RhB

Bernina Express Bus

Tirano – Lugano

Lugano

Edolo

Val Camonica

Brescia

ITALIEN

ITALY

ITALIA

75


Wettbewerb

Rätsel: Wie gut haben Sie aufgepasst?

9.

5.

7.

2.

11.

12.

3.

4.

1.

6.

8.

10.

n

n

n

n

n

n

n

n

n

n

n

n

Wir verlosen:

3 x 1 grosser Geschenkkorb

«Rhätische Bahn» mit

hofeigenen Bio-Produkten

von der Ranch Farsox

inkl. 1 Tageskarte (2. Klasse),

gültig auf dem gesamten

Streckennetz der RhB.

Senden Sie uns das Lösungswort

mit dem Betreff «Wettbewerb»

per E-Mail an contura@rhb.ch

oder schicken Sie uns eine

Postkarte an Rhätische Bahn AG,

Marketing-Kommunikation

und E-Business, Bahnhofstrasse 25,

CH-7001 Chur.

Einsendeschluss ist der

31. März 2019

Beantworten Sie die zwölf Fragen mit Bezug zur aktuellen Contura-Ausgabe:

1. In welchem Unterengadiner Dorf ist Rapper SNOOK aufgewachsen?

2. Welches Joch heisst wie eine teuflisch schöne Bergfee?

3. Wie heisst der höchste Punkt im Kanton Graubünden?

4. Wie heisst der Zwickauer Stammgast im Hotel Grischuna mit Nachnamen?

5. Welcher Musikanlass wurde von Christian Jott Jenny ins Leben gerufen?

6. In welchem Gebiet entspringt das für die Puschlaver Pasta verwendete Quellwasser?

7. Aus welchem Ort stammte der Architekt des RhB-Verwaltungsgebäudes?

8. Welches romanische Idiom sprechen rund die Hälfte der Samedner noch heute?

9. Wie heisst das neue Bordsystem im Bernina Express?

10. Welche Firma ist für das Design der neuen Glacier Express Excellence Class verantwortlich?

11. Über welchen Gletscher führt die längste Gletscherabfahrt der Schweiz?

12. Wie heisst die Endstation der von Andreas Bass besuchten indischen Gebirgseisenbahn?

Die Teilnahme ist gratis und unverbindlich. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Eine Barauszahlung der

Preise ist nicht möglich. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die persönlichen Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

76

www.rhb.ch/contura


Für Ihre Agenda

Auf einen Blick: die Erlebnisfahrten 2018 /2019

Clà Ferrovia

Abenteuer mit dem Kinder-Kondukteur

08.12.* Reise ins Bahnland

15./16.12.* Reise ins Lichterland

* Fahrten 2018. Daten für 2019 unter

www.cla-ferrovia.ch

Dampffahrten

Bahnfahrten mit Schall und Rauch

03.02. Engadin: Samedan Scuol-T.

17.02. Surselva: Landquart Disentis

12.05. Davoser Rundfahrt:

Muttertagsfahrt

æ æ æ

æ

03.08. Davoser Rundfahrt

14.09. Surselva: Landquart Sumvitg

13.10. Engadin: Samedan Scuol-T.

Vollmondfahrten

Mystische Fahrt durchs Gebirge

21.12.2018 Poschiavo Alp Grüm

18./19.01. St. Moritz Alp Grüm

18./19.02. St. Moritz Alp Grüm

20./21.03. St. Moritz Alp Grüm

æ æ æ æ

Historische Fahrten

Täglich Davos Platz – Filisur

11.05. – 27.10. Davos Platz Filisur

Dampfschneeschleuderfahrten

Schnee räumen wie anno dazumal

24.02. Pontresina Alp Grüm

æ

æ

Glacier Pullman Express

Zwei Tage einfach luxuriös reisen

21./22.06. St. Moritz – Zermatt

23./24.06. Zermatt – St. Moritz

19./20.07. St. Moritz – Zermatt

21./22.07. Zermatt – St. Moritz

30./31.08 St. Moritz – Zermatt

01./ 02.09. Zermatt – St. Moritz

Kulinarische Genussreisen

Geniessen im rollenden Restaurant

jeden Freitag Arosa Genussexpress

Chur Arosa

27.10.* Bündner Wein- &

Gourmetfahrten

Chur St. Moritz

10./17.11.* Buurametzgeta

Chur St. Moritz

01.12.* Fondueplausch

in der Stiva Retica

Bahnhof Chur

31.12.*

æ æ æ æ

Bündner

Silvesterrundfahrt

Chur St. Moritz

* Fahrten 2018. Daten für 2019

unter www.rhb.ch/kulinarik

Änderungen bleiben vorbehalten.

Infos unter www.rhb.ch/bahnerlebnisse und www.rhb.ch/kulinarik

77


Meran

Mals

Scuol-Tarasp

1286 m

4

Venezia

Valchava

Sta. Maria

Tschierv

Müstair

UNESCO Welterbe

Kloster St. Johann

Müstair

12

Ftan Baraigla

Motta Naluns

Ardez

Tirano-Thusis

1 2,3 km UNESCO

Welterbe RhB

UNESCO Biosfera

Val Müstair

Parc Naziunal

Schweizerischer

Nationalpark

Inn

/ En

Guarda

Piz Buin

Lugano

Tirano

429 m

Ova Spin

Ofenpass

13

Morteratsch

Surovas

Celerina-

Staz

Punt Muragl

Celerina

Samedan

Bever

Spinas

Preda

Campascio

Campocologno

Sagliains

Lavin

Piz Linard

7

Kreisviadukt

Brusio

Le Prese Li Curt

Miralago

Lago di Livigno

Susch

Madrisa

Brusio

Albulatunnel

Autoverlad

Vereina

Selfranga

Klosters Platz

Klosters Dorf

Zernez

Poschiavo

Livigno

14

17

Schwarzsee

Cavaglia

Cadera

Privilasco

Schweizerischer

Nationalpark

Davos Platz

Davos Dorf

1560 m

Davos Wolfgang

Davos Laret

Davosers e

Gotschnagrat

Cavadürli

S as

Küblis

7

3

9

Alp Grüm

Lago Bianco

Lej Nair

Piz Lagalb

S-chanf

Cinuos-chel-Brail

Schatzalp

Wei sfluhjoch

Ospizio

Bernina

253 m

Bernina

Lagalb

Bernina

Diavole za

Muottas Muragl

Bernina

Suot

Davos

Davos

Monstein

Glaris

Davos

Frauenkirch

Davos

Wiesen

Langwies

Fideris

Jenaz

Furna

Schiers

Lago

Bianco

La Punt

Chamues-ch

Zuoz Madulain

Peist

Litzirüti

6

Piz Kesch

Piz Palü

Diavolezza

Morteratsch-Gletscher

Pontresina

Arosa

1739m

Landwa serviadukt

Wiesnerviadukt

Langwieserviadukt

Plessur

1

Rhäzüns

Bonaduz

Reichenau-

Tamins

Domat/Ems

Ems Werk

Chur

Chur West

Stadt

Felsberg

Chur

Wiesental

Untervaz-Trimmis

Landquart

8

5

Filisur

Haldenstein

Hörnli

Wei shorn

Lej da San Murezzan

Chur

585 m

Piz Bernina

4049 m Piz Roseg

Bergün/

Bravuogn

Alvaneu Bad

Surava

4

18

10

Albulaviadukte und

-Kehrtu nels

Bahnmuseum

Albula

St.Moritz

1 75 m

Tiefencastel

Parpaner

Rothorn

Lenzerheide

Calanda

Tschingelhörner

Solisviadukt

Corviglia

Feldis

Brambrüesch

Piz Corvatsch

Piz Ela

Parc Ela

Lej da Silvaplauna

Piz Nair

Zizers

Igis

Landquart Ried

Grüsch

S ewis-

Malans

Valzeina

11

16

13

Savognin

Cazis

Rodels-Realta

Rothenbru nen

Lej da Segl

Thusis

Maloja

Thusis-Tirano

1 2,3 km UNESCO

Welterbe RhB

Trin

Piz Beverin

2

Vals

Flimserstein

Versam-Safien

Rheinque le

Valendas-Sagogn

Crestasee

Ca sonsgrat

10

Castrisch

15

Ilanz

Oberal pa s

Caumas e

Gornergrat

Flims

2

Disentis/

Mustér

Rabius-Su rein

Trun

Rueun

Falera

L axersee

UNESCO

Welterbe

Tektonikarena

Sardona

Brig

Matterhorn

Oberalpstock

Tödi

Sumvitg-Cumpadials

Tavanasa-Breil/Brigels

Waltensburg/Vuorz

L ax

Crap Sogn Gion

Martinsloch

Zerma t

Visp

Anderma t

Vorab

Erö fnung erste Strecke

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

1

12

13

14

15

16

17

18

Alp Grüm

Bahnmuseum Albula

Dampf- & Nostalgiefahrten

Erlebniszug Albula

www.rhb.ch/kulinarik

www.rhb.ch/schli telwelt

www.rhb.ch/schlosstarasp

Via Albula / Bernina

Nationalparkzentrum Zernez

Rheinschlucht / Ruinaulta

Albula Panorama Winter

Bernina Panorama Winter

Infoarena Albulatu nel

RhB handlich

Erlebniskarte und Broschüren

Unsere Erlebniskarte und Broschüren – am

RhB-Bahnhof mitnehmen oder bequem downloaden:

www.rhb.ch/broschueren

Erlebniskarte der Rhätischen Bahn

Tourist map of the Rhaetian Railway

Cartine per le avventure della Ferrovia retica

www.rhb.ch

Reschenpa s

Vereinatu nel

Landquart

Inn

/ En

Albula

Roseg

Val

St.Peter-Molinis Lüen-Castiel

Rhein

Hinterrhein

Sedrun Göschenen

Ruinaulta / Rheinschlucht

Vorderrhein

Graubünden

Graubünden | Grigioni

Bilderbuch-Erlebnisse im grössten Kanton der Schweiz.

Wie ein roter Faden zieht sich die Rhätische Bahn durch Graubünden.

Reisen Sie mit uns über imposante Brücken, durch tiefe Täler, vorbei

an hohen Felsen und wilden Wa sern: Erleben Sie magische Momente

am laufenden Band!

Picturesque experiences in Switzerland’s largest canton.

The Rhaetian Railway wends its way through Graubünden like a red

thread. Come with us over imposing bridges, through d ep valleys and

past st ep rock faces and wild mountain streams: a su ce sion of magic

moments!

Esperienze da libro illustrato nel maggior Cantone della Svi zera.

La Fe rovia retica si snoda come un filo rosso attraverso i Grigioni. Viaggiate

co noi su ponti imponenti, valli profonde, pa sando vicino ad

alte pareti ro ciose e acque spume gianti: godetevi un momento magico

dopo lʼaltro!

Die Rhätische Bahn in Zahlen

The Rhaetian Railway in figures | La Fe rovia retica in cifre

Firs track opened | Inaugurazione de la prima tra ta:

1 89 (Landquart– Davos)

Streckenlänge | Track length | Lunghe za complessiva: 384000 m

Spurweite | Gauge | Scartamento: 1000 mm

Mitarbeiter | Employ es | Co laboratori: 15 0

Anzahl Brücken | Number of bridges | Numero di ponti: 606

Längste Brücke | Longest bridge | Ponte più lungo:

285 m (Langwieserviadukt | Langwieser Viaduct | viado to di Langwiesen)

Höchste Brücke | Highest bridge | Ponte più alto:

89 m (Wiesnerviadukt | Wiesner Viaduct | viadotto di Wiesner)

Anzahl Tu nels | Number of tu nels | Numero di ga lerie: 15

Grösste Steigung | St epest gradient | Pendenza massima:

70 ‰ (Bernina Linie | Bernina Line | linea del Bernina)

Höchster Punkt | Highest point | Punto più elevato:

2253 m ü. M. | m a.s.l. | m s.l.m. (Ospizio Bernina)

Tiefster Punkt | Lowest point | Punto più basso:

429 m ü. M. | m a.s.l. | m s.l.m. (Tirano)

Personenbeförderungen | Passenger volume

Persone trasportate: 10 00000 jährlich | per year | allʼa no

Die Höhepunkte

The highlights | Gli highlight

Bernina Expre s www.rhb.ch/bex

Glacier Express www.rhb.ch/gex

Bade-Kombi Engadin Bad Scuol / Bad Alvaneu

Spa package | Treno e terme

www.rhb.ch/badalvaneu / www.rhb.ch/badscuol

Albula Railway Museum | Museo fe roviario de lʼAlbula

www.rhb.ch/bahnmuseum

Clà Fe rovia der Kinder-Kondukteur

Childrenʼs conductor | Il contro lore per i bambini

www.rhb.ch/cla

Steam- & nostalgic rides | Viaggi su treni a vapore e nostalgici

www.rhb.ch/damp fahrten

Albula Adventure Train | Treno a ventura dellʼAlbula

www.rhb.ch/erlebniszug

Führerstandsfahrten

F otplate rides | Ma chinisti per un giorno

www.rhb.ch/fuehrerstandsfahrten

Kulinarische Genu sreisen

Culinary trips | Viaggi gastronomici

Schlittelwelt Preda / Darlux – Bergün

Sledging | Il paradiso de lo sli tino

Schloss Tarasp

The castle of Tarasp | Caste lo di Tarasp

National Park Centre Zernez | Centro del Parco Nazionale Zernez

www.rhb.ch/nationalpark

Rhine Gorge / Ruinaulta | Gola del Reno / Ruinaulta

www.rhb.ch/ruinaulta

Albula Panorama Winter | Albula Panorama Inverno

www.rhb.ch/albulapanorama

Bernina Panorama Winter | Bernina Panorama Inverno

www.rhb.ch/berninapanorama

Albula Tu nel Infoarena | Infoarena del tu nel de lʼAlbula

www.rhb.ch/infoarena

«Panorama»-Erlebniskarte

Die Erlebniskarte zeigt auf bildhafte

Weise die Höhepunkte auf

dem RhB-Netz. Lassen Sie sich von

unseren Ausflugs- und Erlebnistipps

inspirieren!

www.berninaexpress.ch

Bernina Express

Chur / Davos / St. Moritz — Tirano — Lugano

de | en | it | fr

Bernina Express – von den Gletschern zu den Palmen

Erleben Sie eine der spektakulärsten Alpenüberquerungen:

die Albula- und Berninalinie der Rhätischen

Bahn. Ein besonderer Hochgenuss ist die Panoramafahrt

im Bernina Express – vorbei an Gletschern bis

hinunter zu den Palmen.

www.rhb.ch

Rhätische Bahn AG

Bahnhofstra se 25

CH-7001 Chur

Tel +41 (0)81 2886565

Fax +41 (0)81 2886105

railservice@rhb.ch

2019

Bahnerlebnisse & Ausflüge

Railway experiences & excursions

Avventure in treno & escursioni

de | en | it

Welcome, benvenuti

Willkommen!

Bahnerlebnisse und Ausflüge

Die Freizeitangebote und Bahnerlebnisse der RhB bieten

Abwechslung pur: Entdecken Sie Graubünden in all

seinen Facetten – im Zug, zu Fuss und mit dem Velo,

Faszinierend

A fascinatingly di ferent

Muoviamoc in modo

anders unterwegs

travel experience

a vincente e alternativo

Die Freizeitangebote und

The RhB’s leisure travel o fers La Fe rovia retica vi propone

Bahnerlebni se der RhB bieten and railway experiences provide varie offerte per il tempo libero

Abwechslung pur: Entdecken plenty of variety: discover the e a venture in treno: scoprite

Sie Graubünden in a len

many faces of the Swi s canton i Grigioni in tu te le sue sfaccettature

– in treno, a piedi

Face ten – im Zug, zu Fu s und of Graubünden – by train, on

mit dem Velo, gemütlich und f ot and by bike, leisurely o in bicicletta, in tranqui lità o

rasant, a lein und in der Gruppe. or sporty, alone or in a group. con adrenalina, da solo oppure

Hier finden Sie alles auf einen You can find everything here at in gruppo. Date un’o chiata e

Blick – la sen Sie sich inspirieren! a glance – let us inspire you! lasciatev ispirare!

gemütlich oder rasant. Hier finden Sie alles auf einen

Blick – lassen Sie sich inspirieren!

Faszinierend ander schenken:

www.rhb.ch/gutscheine

A fascinatingly different gift:

www.rhb.ch/voucher

Regalare in modo originale e

a vincente: www.rhb.ch/buoni

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www.rhb.ch/contura


Souvenirs & Geschenke

Schenken macht Freude

Entdecken Sie unser grosses Sortiment an attraktiven

Geschenkartikeln und Erinnerungsstücken:

www.rhb-shop.ch

Clà Ferrovia als Durstlöscher

Die handliche SIGG-Trinkflasche mit

Clà-Motiv und «Kids Bottle»-Verschluss

sorgt unterwegs für stets erfrischte

Kehlen. Leicht, stabil und frei von Weichmachern

– für den puren Trinkgenuss.

Modelleisenbahn

«Glacier Express»

Für jeden RhB-Liebhaber und

Hobby-Eisenbähnler einfach ein Muss:

das drei teilige «Glacier Express»-Modelleisenbahnset

in der Spurbreite N. Mit Lok,

zwei Pano ra ma wagen und drei Gleisen.

Portabler Energielieferant

Energiegeladener Begleiter

für unterwegs: Ob im Zug, beim

Wandern oder Skifahren,

das elegante Ladegerät

«Bernina Express» mit

USB-Anschluss sorgt

dafür, dass Ihnen der

Saft nie ausgeht.

Vielseitiger Blickfang

Der schicke «Big Bag RhB» geht immer praktisch

zur Hand. Aus hochwertigem Material gefertigt

bietet die Tasche Platz für alles, was Sie auf Ihren

Reisen zu Berg, Tal oder Viadukt benötigen.

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www.rhb.ch

Rhätische Bahn AG

Bahnhofstrasse 25

CH-7001 Chur

Tel +41 (0)81 288 65 65

Fax +41 (0)81 288 61 05

railservice@rhb.ch

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unter dem Hashtag #rhaetiansensation.

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