DIE SUCHE NACH AL-ANDALUS - Teil I. - Marokko - Hüter des maurischen Erbes

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Kein anderes Land meiner Recherchen ist al-Andalus so nah wie das Königreich Marokko. Nicht nur geographisch. Mehrere Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte und die geographische Nähe haben das Land geprägt. Das andalusische Erbe ist überall sichtbar. Maurische Auswanderer gründeten Stadtviertel, wie das andalusische Viertel in Fès oder ganze Städte wie Tetuan und Chefchaouen. Die Kunst maurischer Baumeister und Handwerker findet sich in der marokkanischen Architektur wieder, in der Dekoration von Gebäuden mit farbigen Fliesen und Fassaden mit Arabesken und in der Tradition der patios, der Innenhöfe – so vieles erinnert an al-Andalus. Musik aus der arabischen Zeit Spaniens wird in Marokko weiter liebevoll gepflegt und ist äußerst beliebt, mehr noch als in Spanien selbst. Und auch marokkanische Berberdynastien haben beeindruckende Zeugen ihrer Präsenz in Spanien hinterlassen: zu den berühmtesten zählen die Giralda und der Turm Torre del Oro, beide in Sevilla. Die Kunstfertigkeit sefardischer Silber- und Goldschmiede ....

DIE SUCHE NACH AL-ANDALUS

in Marokko – Syrien – Usbekistan – Jordanien – Iran

Teil I. – Marokko

Hüter des maurischen Erbes

© Isabel Blanco del Piñal


DIE SUCHE NACH AL-ANDALUS

in Marokko – Syrien – Usbekistan – Jordanien – Persien (Iran)

©Isabel Blanco del Piñal

Inhalt der Reihe:

Teil I. Marokko und Al-Andalus – Hüter des maurischen Erbes

(veröffentlicht)

https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

Teil II. Syrien und Al-Andalus – Reichtum und Toleranz

(veröffentlicht)

https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

Teil III. Usbekistan, die Seidenstraße und Al-Andalus – Wissen und Handel

(veröffentlicht)

https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

Teil III. Uzbekistan, the Silk Road and al-Andalus – Knowledge and Trade

English version - (published)

https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

Teil IV. Jordanien und al-Andalus – Herrschen und Genießen

(veröffentlicht)

https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

Teil V. Persien und al-Andalus – Wasserbau und paradiesische Gärten

(veröffentlicht)

https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

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Titelbild: Der Hassanturm, das Minarett der unvollendeten Almohadenmoschee, Rabat, 12. Jh. Die

Dynastie der Almohaden herrschte auch über al-Andalus von 1147 bis 1269

Anmerkungen:

Jedem Kapitel liegt das gesamte Verzeichnis der Reihe „Die Suche nach al-Andalus“ bei

Links in Fußnoten oder im Text: mit dem cursor auf den link gehen, STRG gedrückt halten und

anklicken Webseite www.rosenoire.de – Email rosenoiregf@gmail.com

Digitale Veröffentlichungen: https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

2


Einstimmung

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, mit dem überraschenden Welterfolg der ERZÄHLUNGEN VON

DER ALHAMBRA des Amerikaners Washington Irving, besann sich die Arabische Welt wieder auf die

Maurenzeit in Spanien, und das Abendland entdeckte al-Andalus mit romantischer Begeisterung.

Der Glanz der arabischen Hochkultur im Abendland und ihr dramatischer Untergang fesselten und

berührten auch mich. Das Ergebnis waren vier eigene Bücher 1 – jedes für sich betrachtet die spanische

Maurenzeit aus einer anderen Warte. Die Blütezeit der islamischen Kultur hatte mit den osmanischen

Eroberungen im Vorderen Orient ein jähes Ende gefunden: vom Byzantinischen Reich (1453) über

Persien, Syrien, Ägypten und ganz Nordafrika bis an die Grenze des marokkanischen Königreichs. Der

fast zu gleicher Zeit stattfindende Überlebenskampf der spanischen Mauren mehrere tausend Meilen

westwärts und der letztendliche Untergang von al-Andalus am Ende des 15. Jh., blieben fast unbemerkt.

Meine Suche nach Zusammenhängen führte mich in die Länder von denen ich wusste oder vermutete,

dass sie schon im frühen Mittelalter einen kulturellen Einfluss, einen bedeutenden Anteil an der

erstaunlichen Entwicklung des früheren, recht rustikalen. westgotischen Hispanien zum legendären, im

Orient und Abendland gleichermaßen und bis heute viel gepriesenen "Paradies al-Andalus" gehabt

hatten: Marokko, Syrien, Usbekistan, Jordanien und Iran. Könnte ich heute noch in diesen Ländern

anschauliche Spuren, greifbare Zeugen von ihrem Einfluss auf al-Andalus oder ihrer befruchtenden

Verbindung mit dem islamischen Spanien finden die mir erlaubten das nachzuvollziehen? Oder

umgekehrt, in welchem Land hatte al-Andalus seinerseits ein nachhaltiges Erbe hinterlassen? Bei allen

Reisen waren meine Fragen dieselben:






Vom 8. bis zur Mitte des 13. Jh. erlebte die gesamte arabische Kultur eine Blütezeit die

allgemein als „Goldenes Zeitalter des Islam 2 “ bezeichnet wird. Wie konnte das maurische

Spanien den außerordentlichen Wissensstand, das hohe Niveau an Gelehrtheit erreichen die

auch das mittelalterliche Europa bereicherten und befruchteten? Lag das Land nicht am

äußersten westlichen Ende der damals bekannten Welt?

Fast 8 Jahrhunderte lang war die Iberische Halbinsel die Heimat der Mauren gewesen. Al-

Andalus gilt heute als leuchtendes Beispiel für das tolerante Miteinander der Religionen.

Tatsächlich gab es diese Toleranz nur in wenigen Jahrhunderten. In welchem muslimischen Land

würde ich noch greifbare Hinweise auf diese Toleranz finden?

Wie kam es zu dem legendären Reichtum von al-Andalus?

In welchem Land würde ich Zeugen finden von der Lebensfreude der syrischen und maurischen

Umayyaden? Im 8. Jh., in der Zeit des noch jungen Islam, herrschten sie über ein Großreich: vom

damaligen Syrien über ganz Nordafrika und den größten Teil der Iberischen Halbinsel. Unter den

maurischen Emiren und Kalifen der Dynastie erreichte das orientalisch-sinnliche Raffinement in

al-Andalus einen Höhepunkt und … gab es schon immer ein Bilderverbot im Islam?

Al-Andalus ist berühmt für Wasserbau, für hydraulische Systeme und paradiesische Gärten.

Woher hatten die spanischen Araber dieses Wissen? Nach der Eroberung von al-Andalus gegen

Ende des 15. Jh. übernahmen die Christen das fortschrittliche Wassermanagement der Mauren

wie zum Beispiel das Wassergericht von Valencia. Es tagt noch heute und gilt als die älteste

Institution Europas.

Ψ

1 s. Anhang am Ende

2 Mehr über diesen Begriff unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Bl%C3%BCtezeit_des_Islam

3


Linkl

links: Die Giralda, das ehemalige Minarett der Hauptmoschee der Almoraviden, Sevilla (12. Jh.)

rechts: der (Gold-)Turm Torre del Oro am Ufer des Guadalquivir, Sevilla (13. Jh.)

Kein anderes Land meiner Recherchen ist al-Andalus so nah wie das Königreich Marokko. Nicht nur

geographisch. Mehrere Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte und die geographische Nähe haben

das Land geprägt. Das andalusische Erbe ist überall sichtbar. Maurische Auswanderer gründeten

Stadtviertel, wie das andalusische Viertel in Fès oder ganze Städte wie Tetuan und Chefchaouen. Die

Kunst maurischer Baumeister und Handwerker findet sich in der marokkanischen Architektur

wieder, in der Dekoration von Gebäuden mit farbigen Fliesen und Fassaden mit Arabesken und in

der Tradition der patios, der Innenhöfe – so vieles erinnert an al-Andalus. Musik aus der arabischen

Zeit Spaniens wird in Marokko weiter liebevoll gepflegt und ist äußerst beliebt, mehr noch als in

Spanien selbst. Und auch marokkanische Berberdynastien haben beeindruckende Zeugen ihrer

Präsenz in Spanien hinterlassen: zu den berühmtesten zählen die Giralda 3 und der Turm Torre del

Oro, beide in Sevilla. Die Kunstfertigkeit sefardischer 4 Silber- und Goldschmiede aus al-Andalus

wurde auch auf der anderen Seite der Meerenge von Gibraltar in die Tradition aufgenommen.

Zahlreiche spanische Juden waren schon vor der christlichen Rückeroberung, der Reconquista,

geflüchtet und nach Marokko ausgewandert. Im Jahr 1492, gleich nach dem Ende der Reconquista

wurden die Sefarden aus Spanien ausgewiesen. Im marokkanischen Königreich fanden viele eine

neue Heimat. Der muslimischen Bevölkerung wurde zunächst zugesichert weiter in Spanien leben zu

dürfen; im Jahr 1609 wurde dennoch die letzte Phase einer ethnischen Säuberung eingeleitet. Sie

dauerte fünf Jahre: Zwischen wurden 250.000 und 300.000 Morisken 5 des Landes verwiesen. Auch

sie fanden eine neue Heimat im Königreich Marokko.

3 Die Giralda ist heute als Glockenturm der Kathedrale von Sevilla

4 Die jüdischen Einwohner von al-Andalus werden Sefarden genannt

5 Nach der christlichen Rückeroberung Spaniens wurden die Muslime Morisken genannt.

4


„Ich habe immer die Farbe Grün gewählt,

um die arabische Zeit in Cordoba zu

beschreiben.

Als die Araber nach Andalusien kamen,

lebten sie nur durch das Grün.

Ihre Lyrik, ihre Prosa, ihre Gedanken

und ihre Seele waren so.

Die Eroberer – alle Eroberer –

haben Schwerter gesät,

wohin sie auch kamen. Die arabische

Eroberung aber

war die erste, die Palmen, Orangenbäume,

Jasmine und Springbrunnen brachte.

Diese kordobesischen Häuser,

schläfrig auf ihrem Lager

aus Veilchen und Myrte ruhend,

mit ihren Mosaiken und Verzierungen aus

Alabaster,

verstecken sich in engen, gewundenen

Gässchen

wie kleine Paradiese – in ihrer Stille ungestört.

Diese Brunnen, die Tag und Nacht

in den patios eurer bezaubernden

Häuschen singen, wovon erzählen sie?

Als Dichter kann ich es euch sagen:

Sie erzählen davon, dass die Araber

nicht als Eroberer nach Cordoba kamen,

sondern als Liebende.

Und so ist es das erste Mal in der Geschichte,

dass aus einer Eroberung Liebe wurde

und aus dem Schwert eine Rose ...

Die Araber gaben Andalusien das Beste ihrer

Kultur,

und Andalusien nahm Einfluss auf ihre Seele.

Die Hände der Araber

wurden zu sensiblen Instrumenten,

ihre Gedanken öffneten sich,

und ihre Sprache wurde sanft.

Das grüne Andalusien verlieh der arabischen

Poesie

Fantasie und Schönheit,

umhüllte sie mit süßen Düften

und seidenen Gewändern;

der trockene Wüstenstaub, die glühende

Sonne,

fanden wohltuenden Schatten.

Auf der andalusischen Erde

wurde aus dem arabischen Traum eine

Serenade,

wie für den Vogel der Nacht bestimmt,

der sich von Note zu Note

in eine Freiheit ohne Grenzen schwingt.“

Nizar Qabbani, Damaskus, 20. Jh. 6

6 aus Ich pflückte die Rose …, © Isabel Blanco del Piñal, Verlag

RoseNoire, S. 122, 124. Gedichtübersetzung: Isabel Blanco

del Piñal

5


Das Paradies al-Andalus

Seit ich Anfang der 90ger Jahre mit der Arbeit an meinem ersten Buch den Geschichten aus al-Andalus

begann, war ich fasziniert von der Entwicklung der Iberischen Halbinsel zur Heimat der maurischen

Hochkultur, deren Wissensstand auf den Gebieten Philosophie, Astrophysik, Mathematik, Medizin und

Wasserwirtschaft so fortschrittlich war, dass sie auch das damalige Europa befruchtete. Lag al-Andalus

nicht im äußersten Westen, am Ende der damals bekannten Welt, fernab von Zentralasien und dem

Orient die schon früh von Entdeckungen und Innovationen aus China profitierten?

Ebenso fasziniert war ich jedoch auch zu sehen wie sich der quälende Niedergang der einst

glanzvollen Kultur über mehrere Jahrhunderte hinzog, bis zum dramatischen Untergang. Ich fühlte mich

wie ein Zuschauer auf einem bevorzugten Logenplatz der zwar das Verhängnis kommen sieht aber nicht

warnend eingreifen kann. Der Untergang der maurischen Zivilisation begann schon im 11. Jahrhundert.

Er beruhte in großem Maß auf internen Machtkämpfen, auf staatsmännischer Unfähigkeit und auf

Epochen ausufernder Dekadenz. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts unternahmen die

christlichen, spanischen Könige die ersten Versuche zur Rückeroberung der arabischen Territorien

Hispaniens. Das sollte sich als ein äußerst schwieriges und langwieriges Unterfangen herausstellen, das

erst im Jahr 1492 abgeschlossen wurde.

Ab der Mitte des 8. bis zur Mitte des 13. Jahrhundert erlebte die gesamte arabische Welt eine

kulturelle, wirtschaftliche und wissenschaftliche Blütezeit die als Goldenes Zeitalter des Islam

bezeichnet wird. In al-Andalus dauerte sie, mit Unterbrechungen, vom 10. bis zum 12. Jh. Sie war kürzer

aber umso glanzvoller und überlagerte in der Geschichte die Jahrhunderte langen, bewegten und nicht

selten blutigen Zeiten der Machtfestigung der Emire und ihre Habgier, mit der sie mit überhöhten

Steuern die Bevölkerung ausbeuteten. In Vergessenheit geraten scheinen auch die Zeitabschnitte von

Benachteiligung oder Verfolgungen von Juden und Christen unter muslimischen Machthabern. Für die

Nachwelt wurde die Maurenzeit in Spanien zum Symbol für technische Fortschrittlichkeit, für das

friedliche Zusammenleben der drei Weltreligionen und für eine Blütezeit der Wissenschaften, die auch

das Abendland bereicherte und befruchtete.

„Das Paradies in al-Andalus

hat eine eigene Schönheit,

wie die einer Braut.

Im sanften Streicheln einer Brise

weht ein süßer Duft. Es ist,

als käme das Strahlen seiner sonnigen Morgen

von den herrlichen Zähnen eines Mundes,

und die Dunkelheit seiner Nächte

von dunkelroten Lippen.

Jedes Mal wenn die Brise von Osten geht,

sage ich zu mir:

„Welch unstillbare Leidenschaft

fühle ich doch für al-Andalus!“

Ibn Chafadscha, Alcira (Spanien), 11./12. Jh. 7

Ψ

7 aus Ich pflückte die Rose … © Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 65


Zunächst ein wenig Geschichte …

Dunkelbraun: Das muslimische Spanien von

711 bis 1031 und ein Teil Nordafrikas. Im

Norden die christlichen Königreiche Asturien-

Leon, Kastilien, Navarra, Aragon und

Katalonien.

Schon vor der arabischen Herrschaft in

Hispanien gab es dort ein buntes

Völkergemisch: Von 264-206 v. Chr. gab es

eine Kolonie der Karthager, bis ca. Mitte des

ersten Jahrtausend gehörte es zum

römischen Reich bis die christlichen

Westgoten in einem langsamen Prozess den

Römern eine hispanische Provinz nach der

anderen abrangen. Unter den Römern

waren schon viele Juden nach Hispanien

eingewandert, für sie lag dort, im äußersten

Westen der damaligen Welt, ein Gelobtes

Land namens Sefarad. Unter den

intoleranten Westgoten hatten sie einen schweren Stand gehabt. Dass die Araber den größten Teil der

Halbinsel in nur sieben Jahren erobern konnten, verdankten sie nicht zuletzt den Sefarden, die sich neutral

verhielten. Die westgotischen Könige und ihre Gefolgschaft zogen sich in den äußersten Norden Hispaniens

zurück und brüteten Jahrhunderte lang darüber, wie sie das verlorene Land zurückgewinnen könnten.

Eine arabische Streitmacht unterstützt von berberischen Truppen aus Marokko, legte im Jahr 711 unter der

Führung des Feldherrn Tariq ibn Ziyad an der Südspitze Hispaniens an. Innerhalb weniger Jahre unterwarfen

sie den größten Teil der Iberischen Halbinsel. Die Eroberer nannten das neue Land al-Andalus und alle

Einwohner waren fortan Andalusier. Zu jener Zeit gehörte auch Nordafrika zum Kalifat der Umayyaden in

Damaskus und Kalif Abd al-Walid I. herrschte über das weite Reich. Unter seiner Herrschaft wurde die Große

Moschee der Umayyaden in Damaskus gebaut. Im 8. Jh. wurden die Umayyaden von den Abbasiden

abgelöst, sie erkoren Bagdad zur neuen Hauptstadt.

Bei dem gewaltsamen Umsturz in Damaskus gelang es einem Umayyadenprinzen und seiner Gefolgschaft al-

Andalus zu erreichen. Nach mehreren Jahrzehnten andauernder Machtkämpfe auf der Iberischen Halbinsel,

konnten sich er und seine Getreuen gegen rivalisierende Stämme und Familienclans durchsetzen . Er bestieg

als Emir Abd al-Rahman I. den Thron; er war der Stammvater der spanischen Umayyadendynastie. Cordoba

wurde die Hauptstadt des muslimischen Spaniens.

Bis zum Anfang des 11. Jahrhunderts sollten alle Emire oder Kalifen in al-Andalus der Dynastie der

Umayyaden entstammen. In den Zeiten des noch jungen Islam, waren die Umayyaden schon in Damaskus

tolerant und lebensfroh gewesen, ausgesprochene Schöngeister und Ästheten; sie pflegten gute

Beziehungen zum christlichen Byzanz, und alle Herrscher über al-Andalus setzten diese Tradition fort.

Arabische Überlieferungen berichten, dass der Kaiser von Byzanz in der Mitte des 10. Jh. dem Kalifen von

Cordoba Tausende von kostbaren Mosaiksteinchen für die Verzierung des Mihrabbogens (Gebetsnische) der

großen Moschee in Cordoba zum Geschenk machte. Die Byzantiner waren damals berühmt für ihre Kunst

Bauwerke mit Mosaiken oder Fresken zu verzieren, daher schickte der Kaiser gleich seine besten

Kunsthandwerker mit nach Cordoba. Dieser Mosaikschmuck ziert noch heute den Mihrabbogen.

Ψ

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Mihrab der Moschee-Kathedrale von Cordoba

Unter den neuen Herrschern wurde al-Andalus dreisprachig:

Das einfache, christliche Volk bediente sich weiter des

Romanischen, ein einfaches Volkslatein aus den Zeiten der

römischen Besatzung. Die Sefarden, die jüdische

Bevölkerung, pflegten weiterhin ihre eigene Sprache, im

Lauf der Jahrhunderte entstand daraus ein ganz eigener

Dialekt: das Ladino. Die neue Oberschicht sprach Arabisch,

das war die offizielle Sprache und jeder, der erfolgreich

Handel treiben, sein Handwerk ausüben oder eine der

begehrten Stellen bei Hof oder Verwaltung ergattern

wollte, war bemüht die neue Sprache so schnell wie

möglich zu erlernen. Alle Einwohner von al-Andalus wurden

Andalusier genannt.

Al-Andalus war nicht gleich nach der arabischen Eroberung

zu jenem Stern, der ab dem 10. Jahrhundert mit seinem

Leuchten auch die kulturelle Finsternis des damaligen

Europa erhellen sollte. Es war ein langer Weg bis

paradiesische Gärten und Paläste entstanden den

Bauwerken von Damaskus und Bagdad gleich, nach deren

Luxus und baumeisterlicher Ästhetik sich die arabischen

Wüstensöhne in ihrer neuen Heimat sehnten. Noch länger

dauerte es, bis der fruchtbare Boden für technische Fortschrittlichkeit, für Bahn brechende Gelehrtheit und

für das friedliche Miteinander von Muslimen, Juden und Christen geschaffen war.

Nach einem Bürgerkrieg der 30 Jahre lang den ganzen südlichen Teil des Landes erschütterte, bestieg eine

herausragende Persönlichkeit den Thron von al-Andalus: Abd al-Rahman III. Als erster Herrscher in al-

Andalus nahm er den Titel Kalif an, was so viel heißt wie „Herrscher über alle Gläubigen“. Diesen Titel trugen

nur die Nachfolger des Propheten. Al-Andalus wurde zum „Großen Kalifat von Cordoba“.

Mit seiner Inthronisierung im Jahr 912 begann die Blütezeit der maurischen Zivilisation in der westlichen

Welt: Systematisch wurden die Weichen gestellt für wirtschaftliche Expansion, für die gezielte Förderung des

inländischen Handwerks und für rege Handelsbeziehungen mit allen Mittelmeerländern. Seit das, von China

sorgfältig gehütete Geheimnis der Seidenraupenzucht gelüftet worden war, hatte es auch das entfernte al-

Andalus erreicht. Die andalusische Stoff- und Teppichindustrie wurde marktführend in Europa und in allen

Mittelmeerländern. Die Wasserwirtschaft wurde zum Wohl der Landwirtschaft und der Städtehygiene von

Grund auf strukturiert und den Themen Wissen und Wissenschaften eine vorrangige Bedeutung eingeräumt.

Landesweit wurden Schulen eingerichtet und staatlich gefördert. Für abgelegene Dörfer fanden sich immer

gebildete Privatpersonen für den Unterricht, selbst wenn die Bezahlung nur in Naturalien erfolgte. Im 10.

Jahrhundert wurde das Studium der Sprache wichtiger als das Studium des Korans. Cordoba hatte damals

um die 300.000 Einwohner, während Städte wie Paris oder London gerade einmal 20.000 zählten. Die Stadt

hatte die ersten Straßenlaternen in Europa und die ersten unterirdischen Abwasserleitungen.

Auch viele Christen waren nach der arabischen Eroberung in al-Andalus geblieben. Da es im

Mittelalter Usus war, dass die Untertanen die Religion der Herrscher annahmen, gab es viele Christen die

zum Islam übertraten 8 . Mischehen zwischen Muslimen und Christen waren häufig. Bei jungen Christen

wurde es sogar Mode Muslim zu sein. Es ist überliefert, dass sich der Erzbischof von Toledo bitter darüber

beklagte, dass die jungen Christen den Koran besser kennen würden als die Bibel. Bei den jüdischen

Gemeinden galt dagegen das Bewahren ihres Glaubens und ihrer Traditionen als höchstes Gut.

8 Diese Konvertiten wurden Muladíes genannt, vom arab. al-muwallad

8


Im Bild rechts: Die Oud 9 ist eien Kurzhals-Laute, ein, auf der

Rückseite bauchiges, Instrument. Es erinnert von der Seite

gesehen an eine vertikal halbierte Birne.

Schon in der Mitte des 9. Jh. war die Kunde von al-Andalus

durch seefahrende Händler bis nach Arabien gelangt. Das

ferne Land im Westen wurde wegen seiner Fruchtbarkeit,

der landschaftlichen Schönheiten, seiner ausgedehnten,

schattigen Wälder und seines wachsenden Wohlstands als

wahres Paradies gepriesen. Es gab eine Einwanderungsflut

von Baumeistern, Kunsthandwerkern, Meistern der schönen

Künste. Auch für Intellektuelle war al-Andalus ein Paradies

für Studien jeglicher Art: In den Bibliotheken des Kalifen

fanden sich Abschriften aller Abhandlungen alt-griechischer

Wissenschaftler, von Medizin über Sternenkunde oder

Philosophie waren in Arabien schon früh alle Werke der

griechischen Antike übersetzt worden.

Mit einem Sänger und Musiker aus Bagdad namens Ibn

Ziryab hatte um das Jahr 822 auch das orientalische

Raffinement Einzug am Hof von Cordoba gehalten. Die

maurische Gesellschaft erkor ihn schnell zum Preisrichter in

allen modischen Belangen: Frisuren, Gewänder, Speisen, alles richtete sich nach dem Stil Ziryabs, er

verkörperte die Mode „Bagdad“. Mit ihm verbreitete sich schnell ein exquisiter Lebensstil. Ihm ist auch die

Einführung des Deodorants und des fünfsaitigen Lautenspiels zu verdanken 10 .

Cordoba wurde neben Konstantinopel und Bagdad zum wichtigsten Kultur- und Handelszentrum der damals

bekannten orientalischen und westlichen Welt. Als Kalif Abd al-Rahman III. im Jahr 961 starb konnte sein

Sohn Hakam II. sein Werk noch mehrere Jahrzehnte zum Wohl aller Untertanen fortsetzen. Mit seinem

Nachfolger, dem Kindkalif Hischam II., begann der Untergang des Großen Kalifats von Cordoba.

Das Große Kalifat von Cordoba zerbrach 1013 an einem verheerenden Bürgerkrieg. Al-Andalus zerfiel in viele

kleine Splitterreiche, die Taifa-Königreiche 11 . Die Ära der Taifas wurde zum goldenen Zeitalter maurischer

Dichtkunst. Aus dieser Zeit stammen die schönsten Sammlungen andalus-arabischer Poesie und die

romantischsten Liebesgeschichten der Maurenzeit.

Aber den „kleinen Königen“ – wie Intellektuelle die Könige der Taifareiche auch herablassend nannten –

mangelte es an staatsmännischer Erfahrung und an politischer Weitsicht. Sie trugen erbitterte Machtkämpfe

untereinander aus und realisierten nicht, dass die Christenkönige im Norden nur darauf warteten die

muslimischen Territorien zurück zu erobern. Der Lebensstil an den Taifahöfen war verschwenderisch, sie

verloren sich in einer Traumwelt; die Grenzen von Realität und Phantasie wurden fließend. Die Poesie wurde

zum Lebensinhalt, es wurde gedichtet um des Dichtens willen; Wesire mussten dichten können, berühmte

Poeten wurden zu Ministern ernannt.

Übersetzungen von überlieferter, maurischer Literatur, von Gedichten oder Geschichten aus jener Epoche

können am besten den Zeitgeist wiederspiegeln. Daher füge ich hier und da Originaltexte ein, die aus

arabischen und/oder maurischen Quellen stammen, wie die Gedichte auf den beiden nächsten Seiten aus

aus der Ära der Taifakönigreiche:

Ψ

9 Kurzhalslaute, auch Ud (arab.)

10 Die arabische[al]-Oud, auch Ud. Über das arabische Spanien wurde sie auch in Europa, als „Laute“ bekannt und zum

Instrument der Troubadoure. Bis zum 9. Jh. hatte sie nur 4 Saiten. Heute wird die Oud doppelchörig bespannt und ist ein

weit verbreitetes Musikinstrument in Marokko, in der Türkei und der arabischen Welt.

11 Kleinkönigreiche, arab. von al-tawaif, gleichbedeutend mit Splitterpartei, Abtrünnige

9


„Oft in der Nacht ging der Wein von Hand zu Hand,

und zwischen uns lief ein Zeitvertreib, so sanft,

wie eine Brise über Rosen streicht.

Wieder und wieder tranken wir, umhüllt von der Trinkschale

duftendem Atem. Noch besser waren unsre Spiele

die wir nur unterbrachen,

um sie von neuem zu beginnen.

Ich kostete dazu die Margeriten ihrer Lippen

und die Lilie ihres Halses, die Narzissen ihrer Augen

und die Rose ihrer Wangen.

Bis Weines Schwere und der Schlaf sich in die Glieder schlichen

und sie auf meinem Arm zusammensank.

Ich versuchte die Hitze, die mein Herz verzehrte,

an der Frische ihres Mundes zu löschen.

Ich sah, sie hatte ihren Umhang abgelegt,

und ich umarmte dieses Schwert,

das aus der Hülle kam.

Welch weiche Haut, welch schlanker Leib, welch Beben

in den Flanken, welch Schimmern auf der Klinge! 12

Ich verwöhnte sie und spielte mit dem Zweig,

der einem sandigen Feld entsprang,

mir war, ich küsste das Gesicht der Sonne,

wenn sie einen herrlichen Tag begrüßt.“

Ibn Chafadscha, 11./12. Jh. 13

Ψ

12 Eins der herausragenden Merkmale de maurischen Lyrik war dass die Poeten in Vergleichen sprechen, sie malen mit

Worten förmlich Bilder in die Luft um die Phantasie der Zuhörer anzuregen.

13 Henri Pérès, El esplandor de al-Andalus, Libros Hiperión, seg. Edición, 1990, S. 405 – aus Al-Dajira, III, 157a

10


Die überlieferte, weibliche Dichtung ist für die damalige muslimische Gesellschaft bemerkenswert. Während

sich die Poeten oft als zärtliche Minnesänger erweisen, sich in verzückten Vergleichen über die Vorzüge der

Geliebten ergehen, ihre Wangen mit Rosen, ihre Brüste mit Äpfeln und ihren Gang mit dem einer Gazelle

vergleichen, ist die weibliche Dichtkunst gewagt und in ihrer Deutlichkeit zuweilen erstaunlich. Vor allem im

11. Jahrhundert schätzten die Dichterinnen keine Scheu, weder im Formulieren ihrer intimsten Wünsche

noch im Verfassen von Reimen. Im bürgerlichen Volk gab es zu jeder Zeit weibliche Poesie, nur wurden die

Namen der Poetinnen nicht überliefert, im Gegensatz zu den Werken jener Dichterinnen, die ihrer Herkunft

wegen im Licht der Öffentlichkeit standen, wie im Fall von Prinzessin Wallada und ihrer Liebesgeschichte mit

dem Wesir Ibn Zaidun. Ganz am Ende dieses Beitrags, im Kapitel „Andalusien, wo alles einst begann ...“

werden wir dem berühmten kordobesischen Liebespaar noch einmal und ausführlicher begegnen. Die

verborgenen lyrischen Schätze wurden im Schoß der Familie gesammelt und weitergegeben bis sie, oft

Jahrhunderte später und auf vielen Umwegen, durch die Andalusforschung das Licht der Öffentlichkeit

erblickten. Alle nachfolgenden Verse sind anonym 14 und nicht ein- und derselben Autorin zuzuordnen.

„Lass doch meine Fußspange

und fass mich um die Hüften,

mein Freund Ahmed;

steige mit mir auf das Bett, mein Leben,

und leg dich nackt zu mir

Komm, mein Freund, entschließe dich,

komm doch her und liebe mich;

so küss mich auf den Mund

und drück fest meine Brüste;

bieg meinen Fußring hoch zum Ohrgehänge,

mein Mann hat keine Zeit.“

Ψ

„Komm, Zauberer;

erwacht der Morgen mit diesem Glanz,

er nach Liebe verlangt.

Morgen meiner Glut!

Morgen meiner Freude!

Wenn der Späher nicht wacht,

will ich Liebe heute Nacht.“

Ψ

„Ich werde nicht schlafen, Mutter;

wenn der Morgen anbricht,

kommt Abu l’Qasim

mit Auroras Gesicht.“

Ψ

„Wenn du bei Nacht mich besuchst,

wann ich dich herbestellt,

werd ich dir das Gelockte und meine Zöpfe schenken.“

14 Auf Grund der Freizügigkeit ist anzunehmen, dass sie aus dem 11. Jh. stammen. Aus Ich pflückte die Rose…, ©Isabel

Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, München, S. 25, 27

11


Andere, deutlich erotische Verse und Gedichte mit Beschreibungen von ausschweifenden Gelagen, auch aus

dem 11. Jh., zeichnen das Bild einer fortschreitenden Dekadenz:

„Alle Blumen, nach dem Regen, trugen ein Halsband

aus Perlen, die in der Hand des Goldschmieds schmelzen.

Die einen lächelten, als sie Tautropfen weinten,

und andere weinten, während sie lachten.

Liebliche Mädchen liefen auf sie zu des Morgens,

mit leuchtend roten Lippen.

Die Leiber der Gazellen 15 bückten sich in ihrem Lauf

und richteten sich wieder auf.

Ich griff sie an mit einer Horde ungestümer Knaben,

wie der Krieg ein friedlich’ Dorf.

Die Weinkrüge fielen und wurden geköpft

wie waidwunde Gazellen, mit blutströmendem Maul.

Des Frühwinds sanfter Lufthauch wehte

und die Zweige küssten sich.

Unser Rausch war so groß,

das Verbotene war wie ein Zwang.

Wir warfen unsre Mützen zu Boden und ließen

die Enden der Turbane über die Erde schleifen.

Die Sängerinnen trällerten und die Gazellen antworteten

mit lockenden Rufen;

Stehend klatschten wir in die Hände

und ließen unsere Köpfe tanzen.

Dann sang ein Knabe, ein königlicher Page,

Nachkomme jemenitischer Könige.

So zart war er, dass er leise klagte ob seiner Ohrringe

und seines Halsbands schwerem Gewicht.

Er schämte sich nicht, als die Mädchen

seine Lippen mit Küssen bedeckten,

ihm ihre Brüste wie süße Früchte boten

und ihn auf ihre Hüften hoben.

Sie taten, als fühlten sie sein Begehren nicht,

doch sie bemerkten es wohl.

Als er dann ging, folgte ich ihm bis an seine Tür;

du musst das Wild jagen, um es zu erlegen.

Ich legte ihm meine Zügel an, und er ließ sich willig zäumen.

Bedächtig trank ich am Brunnen der Begierde

und vergaß die Schändlichkeit der Sünde.“

Ibn Schuhaid, Cordoba, 11. Jh. 16

15 Junge Mädchen oder Frauen werden auch heute gern Gazellen genannt

16 aus Ich pflückte die Rose…, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, München, S. 41

12


Als die Christen in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts die politische Schwäche der Taifakönige

ausnutzten und tatsächlich zur Rückeroberung ansetzten 17 , wussten sich die kleinen Könige in panischer

Angst keinen anderen Ausweg als ihre Glaubensbrüder in Marokko, die Almoraviden 18 , zu Hilfe zu rufen.

Unbemerkt vom Rest der Welt hatten diese berberischen Kriegermönche unter der Führung von

Yussuf Ibn Taschfin innerhalb weniger Jahre ganz Marokko unterworfen. Wie ein Wüstensturm waren sie

von einem ribat 19 tief im Süden der Sahara, über das nordafrikanische Land gefegt. Sie waren kampferprobt,

unterwarfen sich einer eisernen Disziplin und waren erfüllt von heiligem Eifer. Die Almoraviden konnten die

Christen zwar in ihre Schranken weisen, wandten sich dann aber gegen die Könige der Taifas die in ihren

Augen dekadent und dem islamischen Glauben abtrünnig geworden waren. Einige starben im Kampf, andere

wurden nach Marokko deportiert. Ab dem Ende des 11. Jh. wurden in allen Provinzen al-Andalus berberische

Gouverneure eingesetzt, damit war Marrakesch auch die Hauptstadt von al-Andalus.

Danach sollte es immer wieder Blütezeiten der maurischen Kultur in Hispanien geben, aber das Ende

des 11. Jh. markiert den Wendepunkt, es war der Anfang vom Ende von al-Andalus. In diesem Moment

beginnt die gemeinsame Geschichte von al-Andalus und dem Königreich Marokko:

Marokko und al-Andalus

Bereits im 4. Jahrhundert n.Chr. verließen die alten Araber ihre Halbinsel, um die angrenzenden Kontinente

zu erkunden. Im äußersten Westen gebot ein Furcht einflößendes und Legenden umwobenes Meer ihrem

Entdeckungsdrang Einhalt. „(...) Dort im Okzident beginnt das westliche Meer, das man auch das Meer der

Dunkelheit nennt. Weiter darüber hinaus weiß niemand, was dort existiert (...)“ schrieb der Geograph al-Idrisi

im 12. Jahrhundert. Dort, am Ende des afrikanischen Erdteils, lag ein Land, das die Araber al-Maghrib al-aqsa

nannten den äußersten Westen – ein Land am Rande des Sonnenuntergangs.

Obwohl der Ursprung von al-Andalus in der Dynastie der Umayyaden von Damaskus lag, gibt es kein

anderes Land dessen Geschichte enger mit al-Andalus verbunden wäre, als die des Königreichs Marokko. Das

war mir klar geworden, kaum dass ich die Geschichten aus al-Andalus abgeschlossen hatte. Es führte dazu

dass ich ein Buch nur über das maghrebinische Königreich schrieb: Land am Sonnenuntergang – Marokko.

Damit wurde Marokko ab dem Jahr 1999 zum Ziel zahlreicher Reisen. Auch hier konnte ich wieder

auf die reiche Fülle überlieferter Quellen zurückgreifen und damit auch der bewegten Geschichte des

Königreichs Marokko menschliche Züge verleihen: Im Land der Berber erwachten Sultane und Poeten zu

neuem Leben, heilige Männer und Geistwesen waren der Ursprung für faszinierende Legenden. Große

Bedeutung kommt der Epoche vom 11. bis zum 14. Jahrhundert zu in der die Schicksale von al-Maghreb und

al-Andalus besonders eng miteinander verbunden waren.

Ψ

Anmerkung:

Ich musste mich entscheiden ob ich die Erzählung in diesem Kapitel hier chronologisch, nach geschichtlichen

Abläufen, oder unter Berücksichtigung der geographischen Gegebenheiten des Königreichs von Nord nach

Süd aufschreibe. Ich habe für Ersteres optiert, auch wenn es geographisch ab und zu von Nord nach Süd und

wieder zurück geht.

Ψ

17 Maßgeblich beteiligt bei der Rückeroberung im 11. Jahrhundert war ein außerordentlich begabter spanischer

Feldherr namens Rodrigo Díaz de Vivar, den die Nachwelt als den Kämpen und Ritter El Cid kennt.

18 arab. al-murabitun „Krieger/Kämpfer von der Grenze“ [zu Mauretanien]

19 ein Kloster. S. auch der Name der Stadt Rabat. An der Stelle der heutigen alten Stadt auf dem Felsen befand sich ein

Kloster der Kriegermönche, der Almoraviden

13


Moulay Idris, 1999. Wie in allen

islamischen Ländern weisen

grüne Dächer auf heilige

Bauwerke hin.

Schon der Anfang des

maghrebinischen Königreichs

ähnelt dem von al-Andalus. Abd

al-Rahman I. war der letzte

Überlebende der Dynastie der

Umayyaden von Damaskus

gewesen, dem nach einem

Putsch der Abbasiden die Flucht

nach al-Andalus gelang.

Für Marokko war es Idris Ibn

Abdallah aus dem Geschlecht

der arabischen Aliden, der in

eine Revolte gegen die

Abbasiden verwickelt war und fast 30 Jahre später aus Bagdad fliehen musste (786). Nach einer

abenteuerlichen Odyssee über Kairo und Nordafrika erreichte er das marokkanische Walili 20 , das ehemalige

römische Volubilis. Er wurde gastlich aufgenommen und blieb. Obwohl arabische Eroberungszüge auch

Marokko berührt hatten, gab es in Marokko noch keinen arabischen Herrschaftsanspruch. Die Mehrzahl der

Einwohner waren angehörige unabhängiger Berberstämme, die seit Urzeiten den Norden Afrikas

bevölkerten und von Fürsten ähnlichen Anführern geleitet wurden. Die Berber hatten ihre eigenen, zum

großen Teil heidnischen, Rituale und verschlossen sich zunächst der Islamisierung.

Idris Ibn Abdallah hatte ein ausgeprägtes Führungstalent, im Jahr 789 wurde der ehemalige

Flüchtling als Emir Idris I. anerkannt. Zunächst lag sein Bestreben vorrangig darin, dass er versuchte

rivalisierende Berberstämme zu einen. Unbeirrt predigte er und führte dazu ein gottgefälliges Leben, seine

weisen Ratschläge wurden auch von den Stammesführern geschätzt. Er war der Stammvater der Dynastie

der Idrisiden. Anfangs war sein Reich noch klein, doch eroberte er Agadir und Tlemcen im Jahr 780 und

konnte ein Bündnis mit einem weiteren, mächtigen Berberfürsten schließen. Damit reichte sein

Einflussgebiet im Norden schon bis zum heutigen Fès wo er ein befestigtes Heerlager errichten ließ. Er wurde

vergiftet und starb im Jahr 791 21 .

Bis ins Jahr 974 entstammten alle marokkanischen Emire der Dynastie der Idrisiden. Einige spielten

auch kurzzeitig eine eher unbedeutende Rolle in der Zeit der Taifakönigreiche in al-Andalus. Idris I. wurde in

Walili bestattet, ihm zu Ehren heißt der kleine Ort heute Mulay Idris und ist eine der bedeutendsten

Wallfahrtsstätten Marokkos. Zu Ehren des Gründers des Königreichs Marokko wurde ein beeindruckender

Moscheekomplex gebaut. Nicht nur die Gebetshalle, auch die Ortschaft selber durfte bis 1920 von keinem

Andersgläubigen betreten werden. Für die Moschee galt das weiterhin 1999 als ich mit einer Familie

marokkanischer Pilger aus Meknès dort war. Obwohl ich die traditionelle Dschellaba trug und mich nicht

einmal in die Nähe des muslimischen Heiligtums wagte wurde ich in den Gassen hier und da mit feindseligen

Blicken bedacht.

An dieser Stelle möchte ich jedoch ganz besonders hervorheben dass dies das einzige Mal war.

Obwohl ich immer allein und in alle Himmelsrichtungen durch Marokko gefahren bin, habe ich nur

Höflichkeit, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Ritterlichkeit erfahren, unabhängig von Alter und

Bildungsniveau, ob in großen Städten oder in ländlichen Gegenden.

Ψ

20 auch Walila

21 Es heißt, dass Kalif Harun al-Raschid, aus der Dynastie der Fatimiden (Kairo) den Befehl hierzu gegeben hätte weil er

befürchtete, dass Idris I. zu mächtig werden könnte.

14


Die Almoraviden und al-Andalus

Nomadenzeltlager in der

marokkanischen Hamada

(Steinwüste), tief im Süden

Marokkos. So ähnlich, nur

um Einiges größer, können

wir uns das Heerlager der

Almoraviden vorstellen.

In der Geschichte von al-

Andalus waren wir auf

Seite zwölf an der Stelle

stehen geblieben, als die

Taifakönige die berberischen

Kriegermönche zu Hilfe riefen weil sie dem christlichen Eroberungsdruck nicht gewachsen waren. Die

Almoraviden wandten sich dann auch gegen die Taifakönige, einige starben im Kampf andere wurden nach

Marokko deportiert.

Der Anführer der Almoraviden, ein Feldherr namens Yussuf Ibn Taschfin, war im Jahr 1010 in der

Sahara geboren worden. Er war ein außergewöhnlicher Mann, hielt die Kriegermönche zu strenger Disziplin

an, war ein kluger Stratege und, das Wichtigste, er lebte seinen Kriegern Einfachheit und Genügsamkeit vor.

Er verkörperte den Geist der Kriegermönche. Die überlieferten Quellen beschreiben ihn so:

„Yussuf Ibn Taschfin verbrachte seine Jugend im Stamm der Lamtuna, zwischen Sanddünen, Palmen und

Kamelen. Furchtlos und gerecht, zutiefst gläubig und genügsam, führt er ein rechtschaffenes Dasein. Er ist

mittlerer Statur, hat einen spärlichen Bart und seine krausen Haare reichen bis zu den Ohrläppchen. Seine

Gewänder sind aus Wolle und ohne jeglichen Schmuck. Sein ganzes Leben lang ernährt er sich nur von

Gerstenbrot und der Milch und dem Fleisch seiner Kamele. 22

Von anfänglich nur 300 wuchs die Anzahl der Kriegermönche innerhalb weniger Jahre auf über 1000 Mann

an, Yussuf Ibn Taschfin nahm dann den Titel Emir 23 der Gläubigen an. Es wird immer noch darüber gerätselt

ob Abū Bakr Ibn Umar, ein Vetter des Yussuf Ibn Taschfin, Marrakesch gründete (Mai 1070) oder Yussuf Ibn

Taschfin im Jahr 1062. Es könnte sein, dass Ibn Taschfin an derselben Stelle und vor 1070 ein großes

Heerlager anlegen ließ und diese provisorische Einrichtung als Stadtgründung betrachtet werden könnte.

Al-Mutamid Ibn Abbad, der Dichterkönig von Sevilla

Und wieder übernehmen die überlieferte Literatur und Lyrik die Rolle der Erzählerin, sie ist authentischer

und aussagekräftiger. Die Lebensgeschichte des al-Mutamid, König der Taifa Sevilla, ist gleichzeitig die

Geschichte des 11. Jahrhunderts: Sie erzählt von Glanz und Untergang, von Sorglosigkeit, Lebensfreude und

hat einen dramatischem Ausgang. Sie hört sich fast wie ein orientalisches Märchen an. Der König war eine

schillernde Figur als Herrscher, als Mäzen der Dichtkunst, aber auch als Mensch. Er lebte sorglos und

verschwenderisch, keine Ausschweifung war ihm fremd, sein Ende war tragisch. Ich kann Ihnen hier leider

nicht seine ganze Geschichte erzählen, sie würde den Rahmen sprengen. Wenn Sie mögen, finden Sie sie

mit einer Vielzahl weiterer seiner Gedichte in meinen Geschichten aus al-Andalus.

Wie kein anderer steht König al-Mutamid für die märchenhafte Romantik der Maurenzeit, für die

Dekadenz der Ära der Taifas aber auch gleichzeitig für das dramatische Ende der Königreiche Taifas am Ende

des 11. Jh. Schon in jungen Jahren war er mehr den schönen Dingen des Lebens zugetan, als dem Unterricht

in Staatsführung seiner Lehrer. Er besaß einen Harem von 800 der schönsten Frauen doch gehörte seine

Liebe nur Itimad, einer ehemaligen Sklavin, die er ehelichte und in den Stand einer Königin erhob. Sie war

klug, kapriziös und wusste die Liebe ihres Königs immer wieder aufs Neue zu entfachen.

22 aus Geschichten aus al-Andalus, © Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S.119)

23 Fürst

15


Palast Reales Alcázares de Sevilla. Er erfuhr viele Veränderungen.

Ein kleiner Teil des Palasts datiert noch aus dem 11. Jh. So

wie wir den „maurischenTeil heute sehen, wurde er

vorwiegend unter dem Christenkönig Pedro I. von Kastilien im

Jahr 1364 im Mudejar-Stil erbaut. Aber wir können uns

angesichts dieser Palastsäle gut vorstellen, dass der Palast

Königs al-Mutamid eine mindestens ebenso prunkvolle Bleibe

war.

Mudejaren war die Bezeichnung für Muslime, die ihre Religion

auch unter christlicher Herrschaft beibehielten 24 . Als

Baumeister wurden sie zu jeder Zeit von den Christen hoch

geschätzt.

Die Amtszeit des al-Mutamid als König der Taifa Sevilla

begann in der Mitte des 11. Jahrhunderts und war von

heftigen Angriffen der hispanischen Christen auf die

Kleinkönigreiche geprägt. Al-Mutamid schrieb zahlreiche

Gedichte in jeder Lebenssituation: überschwängliche

Lobpreisungen auf sich selbst auf der Höhe seiner Macht,

romantische Liebeserklärungen an seine Königin Itimad,

Verse sehnsuchtsvollen Verlangens wenn das Königspaar

durch widrige Umstände getrennt war, nostalgische Erinnerungen an seine Jugend und verzweifelte Klagen

während seiner Gefangenschaft in Aghmat 25 . Aber noch sieht er sich als glanzvoller Herrscher, dem

Mondgestirn ebenbürtig. Er wird sein eigener Panegyrist:

„Ich trank einen Wein,

der mit seinem Leuchten das Dunkel erhellte,

als die Nacht die Dämmerung

wie einen Mantel über die Erde warf;

bis der Mond im Zeichen des Zwillings erschien

einem König gleich,

leuchtend im Glanz seiner Herrlichkeit;

als er sich aufmachte um gen Okzident zu wandern,

öffnete sich über ihm ein funkelnder Schirm:

Die Sterne drängten sich, ihn strahlend zu umgeben,

sein Leuchten wurde erst durch sie vollkommen.

Wie tapfere Krieger sammeln sich die Sterne um ihn,

darüber stehen die Plejaden wie wehende Fahnen;

ich bin ihm ebenbürtig auf der Erde,

zwischen Kriegern und jungen Frauen,

beide sind Zeichen für Ehre und Schönheit.“ 26

König al-Mutamid, Sevilla, 11. Jh. (Lobrede auf sich selbst)

24 Die Muslime, die 1492 nach dem Sieg der Katholischen Könige über das letzte Maurenreich in Hispanien zum

Christentum übertraten (bzw. zwangsbekehrt wurden) wurden Morisken genannt. Das Wort Moriske hatte einen

abwertenden Beigeschmack

25 Südöstlich von Marrakesch, in Richtung Hoher Atlas gelegen. Unter Einheimischen auch als Ghemat bekannt. Als ich

im Jahr 2000 dort war, war es noch nicht auf der Straßenkarte Michelin verzeichnet.

26 aus Ich pflückte die Rose …, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, München, S.75

16


„Ich fühlte Eifersucht für diesen Brief,

weil er dein strahlend’ Antlitz sieht.

Wie hab ich mir gewünscht,

mein Leib sei dieses Blatt –

so würde dein betörender Blick

jetzt auf mir ruh‘n!

Im Traum hab ich dich auf meinem Lager gesehen,

mir war, als diente dein weicher Arm mir als Kissen,

als umarmtest du mich und fühltest

die Liebe und das Drängen meiner Qual;

es war, als küsste ich deine Lippen,

deinen Nacken, deine Wangen

und könnte endlich mein Begehren stillen.

Bei deiner Liebe!

Würde dein Bild mich nicht im Traum besuchen,

würde ich nie mehr schlafen gehn!“ 27

Al-Mutamid schreibt Itimad aus einem Feldlager

als er sein Heer in den Kampf gegen die Christen

begleiten muss,11. Jh.

Unfähig zur Geschlossenheit waren die Maurenkönige den christlichen Überfällen ausgeliefert, immer

wieder erkauften sie sich einen trügerischen Frieden mit immer neuen Vasallenverträgen und

Tributzahlungen an die Angreifer die sie allerdings gern vergaßen, wenn es ihnen gerade passte. Als die

Bedrängnis durch den Christenkönig Alfons XI. und seinen Feldherrn „El Cid“ übermächtig wurde, war es al-

Mutamid, der die anderen Taifakönige überzeugte die berberischen Almoraviden um Hilfe zu bitten.

Ψ

27 aus Geschichten aus al-Andalus, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 78.

17


Die Kriegermönche fügten den Christen zwar eine vernichtende und vorerst endgültige Niederlage zu, dann

wandten sie sich jedoch gegen die Taifakönige die in ihren Augen lasterhaft, leichtfertig und vom wahren

Glauben abgefallen waren. Das Leben wurde von Tag zu Tag schwerer, gefährlicher, mit Melancholie

erinnerte sich al-Mutamid an die Zeiten seiner unbeschwerten Jugend:

Palast Reales Alcázares de Sevilla, (s. S. 13)

„Grüße mir meine Orte in Silves, Abu Bakr,

und frage sie, ob ihre Sehnsucht der meinen gleicht!

Grüße den Palast Barandas von einem Jungen,

der ihn schmerzlich vermisst!

Herrensitz der Löwen, Zuhause weißer Jungfrauen,

welch dichtes Grün, welch prächt’ge Säle!

Wie viele Nächte verbrachte ich dort,

in seiner lieblichen Zuflucht,

zwischen großzügigen Hinterbacken

und schlanken Taillen!

Weiße und braune Frauen,

die meine Seele durchdrangen

wie helle Schwerter und dunkle Lanzen.“ 28

König al-Mutamid, Erinnerungen an seine Kindheit

im Palast von Silves, im heutigen Portugal.

28 aus Geschichten aus al-Andalus, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 61

18


Aghmat, Marokko. Mausoleum des Königs al-

Mutamid, seiner Frau Itimad und eines Sohns.

Al-Mutamid wurde zur Symbolfigur für den

Widerstand gegen Christen und Almoraviden

gleichermaßen. Er unterlag bei dem Sturm der

Kriegermönche auf Sevilla, wurde gefangen

genommen und mit seinen engsten

Angehörigen 1090 in das marokkanische

Aghmat verbannt, ein armseliges Hüttendorf

wie er es empfand, 40 Kilometer südöstlich von

Marrakesch gelegen. Eine seiner Töchter wurde

von den Almoraviden als Sklavin verkauft.

Am Fuß der schneebedeckten Gipfel des Hohen

Atlas, fristeten die Gefangenen ein trauriges Dasein. Al-Mutamid sah sich in Ketten 29 , er zerbrach an seinem

Schicksal. Aus romantischen Liebesgedichten und erotischen Phantasien wurden verzweifelte Klagen. Er

versank in tiefe Traurigkeit und ahnte, dass er seinen herrlichen Palast in Sevilla nie wiedersehen würde. Als

seine geliebte Itimad starb fühlte er sich selbst dem Tod nah und schrieb seinen eigenen Nachruf:

„Mögen die Wolken mit ewigen Tränen

deine weiche Erde lockern, o Grab im Exil,

das du die Reste des Königs Ibn Abbad bewachst.

Du hütest damit drei erlauchte Tugenden:

Weisheit, Güte, Großmut, alles in einem ...

Was willst du mehr, o Grab?

Zeige Mitleid mit so viel Ehre, die dir anvertraut.

Möge der Segen des Herrn herabkommen,

unbeschränkt und immerfort,

auf den, der an deiner warmen Brust verfault. 30

(…)

Ach wüsste ich doch, ob mir noch einmal

vergönnt ist eine Nacht zu erleben

zwischen Gärten und Wasserbecken,

in den Olivenhainen –

Vermächtnis von Größe und Herrlichkeit,

wo die Tauben gurren und die Vögel zwitschern.

Möge Gott meinen Tod in Sevilla verfügen

und mögen sich dort unsere Gräber öffnen

am Tag der Auferstehung!“

König al-Mutamid, Aghmat, 11. Jh. 31

Es war al-Mutamid nicht vergönnt seine Paläste mit den blumenduftenden Gärten und singenden

Springbrunnen wieder zu sehen. Er starb in Aghmat im Jahr 1095. Nach seinem Tod wurde das Leben des

königlichen Poeten zur Legende. Im Königspalast zu Sevilla erinnert nur eine schlichte Gedenksäule an den

romantischen Dichterkönig. In Aghmat dagegen errichteten seine ehemaligen Feinde über seiner letzten

Ruhestatt ein, in seiner Schlichtheit ergreifendes, Mausoleum.

29 Aghmat war unter Emir Yussuf Taschfin eine große Ansiedlung. Wahrscheinlich sind al-Mutamids Klagen über ein

Hüttendorf und dass er seine Tage „in Ketten“ verbrachte, übertrieben. Er war ein königlicher Gefangener und war zwar

nicht luxuriös, aber gewiss standesgemäß untergebracht.

30 aus Ich pflückte die Rose …, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 82

31 Ebd.

19


Leicht zu übersehen: Eingang des Mausoleums von Yussuf Ibn

Taschfin in Marrakesch (2001). Inzwischen gibt es ein neueres

Mausoleum für den Almoravidenherrscher.

Unten: Innenraum mit dem Kenotaph

Die Almoraviden herrschten über al-Andalus mit unnachgiebiger

Strenge, Marrakesch wurde auch die Hauptstadt von al-Andalus.

Städte, Plätze und Gassen wurden denen in der Heimat der

Berber ähnlich, alle Lebensfreude und auch die Dichtkunst

versiegten. Ein Abgrund öffnete sich zwischen den Andalusiern

und den neuen Herren mit ihrem unbeugsamen

Religionsverständnis. Andalusien wurde afrikanisch, und sogar

das Straßenbild ähnelte zunehmend dem der Heimat der Berber.

Die fröhlichen Feste verhallten, Poeten und Sänger waren in alle

Winde zerstreut und irrten umher auf der Suche nach neuen

Königshöfen, wo ihre Kunst wieder gefördert und gebührend

bewundert würde.

In Granada und Sevilla begegneten die rauen Söhne der Wüste

zum ersten Mal dem märchenhaften Reichtum der Andalusier

und ihrer exquisiten Lebensart. Sie waren geblendet von der

überwältigenden Pracht der Paläste und gewöhnten sich schnell

daran, aus goldenen Bechern und kristallenen Schalen zu trinken. Sie genossen den beruhigenden Gesang

der Brunnen, die Tag und Nacht in berauschend duftenden Innenhöfen und überschwänglich blühenden

Gärten plätscherten. Das sinnliche Gefühl feiner Baumwollgewänder und kühler Seidenstoffe auf ihrer Haut

war wie eine Liebkosung. Hatten die Afrikaner auf ihrem Kontinent die Reinheit ihrer Ideologie und die

Strenge ihrer Regeln bewahren können, waren sie in dem kulturellen Schmelztiegel al-Andalus einer Vielzahl

fremder Einflüsse ausgesetzt. Fast unmerklich erlagen sie dem Zauber Andalusiens. Der maurische Volkspoet

Ibn Quzman berichtet, dass ein almoravidischer Gouverneur sich sogar die Waden mit Blattgold verzieren

ließ. Emir Yussuf Ibn Taschfin starb, fast hundertjährig, im Jahr 1106.

20


Nach dem Tod des Emirs Ibn Taschfin übernahm sein Sohn Ali Ibn Yussuf mit 22 Jahren die Herrschaft über

das große Imperium. Er war die Frucht der Liebe seines Vaters zu einer christlichen Sklavin, und im

Gegensatz zu seinem Erzeuger war er groß und hellhäutig. Er trug den Einfluss beider Kulturen in sich. Mit

ihm erwachte auch die Dichtkunst zu neuem Leben und nicht nur in al-Andalus. Maurische Literaten und

Dichter pilgerten in den Maghreb auf der Suche nach neuem Ruhm. Andalusische Architekten und

Baumeister kamen auf der nordafrikanischen Seite der Straße von Gibraltar zu großen Ehren und wurden

reich entlohnt. Ibn Ruschd, der Großvater des großen Philosophen Ibn Ruschd (Averroës), leitete den Ausbau

der Stadtmauern von Marrakesch. Die Schönheit von al-Andalus, der Gesang seiner Springbrunnen, elegante

Bogengänge, kunstvoll ziselierte Stuckverzierungen und blumenduftende Gärten fanden eine neue Heimat

jenseits der Meerenge von Gibraltar.

Auf die Dauer erwies es sich als äußerst schwierig al-Andalus von Marokko aus zu regieren. Waren

die Mauren zunächst wie gelähmt vor Schrecken über die brutale Eroberung gewesen, waren sie bald nicht

mehr bereit, sich den neuen Herrschern widerspruchslos unterzuordnen. Die Andalusier rebellierten gegen

die Nordafrikaner. Und wieder schöpften die Christen im Norden Hispaniens neuen Mut, sie nutzten die

Unruhen für ihre Zwecke. Jede Auflehnung im muslimischen Teil der Halbinsel, gegen welche Obrigkeit auch

immer, war ihnen recht, sie unterstützten die Mauren auf jede nur erdenkliche Art und Weise.

Als Alfons I., König von Aragon, den Almoraviden 1118 Zaragoza abnahm, war das schon der Beginn

ihres Niedergangs. Unter der Führung hoher Würdenträger erhoben sich immer wieder ganze Dörfer und

Städte gegen die afrikanischen Statthalter. Als der Enkel des großen Yussuf Ibn Taschfin, Abu Muhammad

Taschfin Ibn Ali, im Jahr 1143 den Thron von Marrakesch bestieg, war der Zenit der Macht der Almoraviden

schon überschritten. Zudem wurde es immer kostspieliger andauernd Streitkräfte wegen fortwährender

Unruhen vom Maghreb aus nach Hispanien überzusetzen.

Die Almohaden und al-Andalus

Im Hintergrund, die Gipfel des Hohen Atlas und das kleine Dörfchen Tinmal, davor ein lehmfarbenes

längliches helles Gebäude: die Almohadenmoschee (12. Jh.). Sie ist ein einzigartiger Zeitzeuge, obwohl die

Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen haben. Umso authentischer und ursprünglicher wirkt sie.

21


Bogengang in der Almohadenmoschee in Tinmal, Marokko. Es

ist ein beeindruckendes und harmonisches Bauwerk, an dem

das ganze Dach unzähligen Wintern zum Opfer gefallen war.

Gut zu erkennen und typisch für die Architektur auch in al-

Andalus, der Hufeisenbogen

Ein neuer Umstand machte die Anwesenheit aller Streitkräfte

im Maghreb überlebenswichtig, denn diesmal waren es nicht

die Christen und auch nicht rebellierende Andalusier die den

Untergang der Almoraviden bedrohten. Ihr großes Reich

zersetzte sich langsam von innen heraus: eine neue religiöse

Bewegung sorgte im Norden Afrikas für wachsende Unruhe.

Ein Mann namens Ibn Tumart wurde irgendwann zwischen

den Jahren 1078 und 1081 in Igilliz im Vorgebirge des Großen

Atlas geboren. Im Jahr 1106 studierte er in Cordoba, pilgerte

von dort nach Mekka und kam zurück erleuchtet mit dem

heiligen Feuer des reinen Glaubens. Die strikte Einhaltung

aller islamischen Gebote wurde für ihn der Sinn des Lebens.

Bereits in den Jahren 1116/1117 begann er die Dekadenz und

den mangelnden religiösen Eifer der Almoraviden in Marokko

anzuprangern.

Ibn Tumart zog im Maghreb von Dorf zu Dorf und von Stadt zu

Stadt, er predigte auf Marktplätzen und an Moscheemauern. Er verkündete die Einheit des göttlichen

Wesens, daher wurden er und seine Anhänger Almohaden genannt (arab: al-muwahhidun: Unitarier,

Bekenner der Einheit Gottes). So säte der Prediger den Keim der Rebellion gegen ein immer schwächer

werdendes Almoravidenregime.

Mihrab der Almohadenmoschee von Tinmal

Im Jahr 1120 hatte der Wanderprediger bereits eine so

zahlreiche Anhängerschaft, dass eine offene Rebellion

ernstlich zu befürchten war. Ibn Tumart war ein Sohn der

Berge, er konzentrierte seine Gefolgschaft zunächst im

Vorgebirge des Großen Atlas und begann von dort wahre

Religionskriege. Nach einigen erfolgreichen Schlachten ließ er

sich in Tinmal, südlich-westlich von Marrakesch nieder. Fortan

trug er den Titel Mahdi 32 .

In Tinmal wuchs in den folgenden drei Jahren die

Kernzelle eines neuen Reiches heran. Dann zog er mit seinen

Getreuen aus und begann Berg um Berg, Acker um Acker

seinen Kampf gegen die Almoraviden. 1130 starb Ibn Tumart

in Tinmal. Nachfolger wurde sein treuester Schüler unter dem

Namen Kalif Abd al-Mumin.

32 arab. der „Rechtgeleitete“; nach traditionellen Interpretationen des Islam derjenige, der in den „letzten Zeiten“, dem

„Ende aller Zeiten“, kommt, um alles Unrecht zu beseitigen.

22


Links: Der Minbar (12. Jh.), der in Cordoba für die Almoravidenmoschee

Koutoubia in Marrakesch gefertigt wurde. Oben: In

der Qubba überrascht den Besucher eine herrlich verzierte Kuppel.

Unten: Die Qubba al-Baruddiyyin.

Im Jahr 1142 eroberten die Almohaden den Hohen Atlas, dann

zogen sie gegen das Land der Oasen im Süden. Im Jahr 1147, nach 17 langen Jahren harter Kämpfe,

eroberten sie Marrakesch. Die almoravidische Moschee samt Minarett wurden geschleift und auf den

Ruinen die Gebetshalle die Koutoubia mit ihrem berühmten Minarett errichtet. Dass von den vier Seiten des

Minaretts keine der anderen gleicht, ist eine architektonische

Besonderheit – dass sie dennoch harmonisch wirkt, ist ein

Meisterstück.

Dieses Minarett war die Vorlage für die Minarette der Großen

Moschee in Sevilla, der Giralda, und für den Hassan-Turm in

Rabat. Ich gehe hier nicht weiter auf die Koutoubia ein, sie ist

allseits bekannt und weltberühmt. Ganz besondere

Aufmerksamkeit verdient der Minbar der Koutoubia, die

Predigerkanzel für den Imam. Sie wurde von Kunsthandwerkern

1125/30 in Cordoba auf Wunsch des Almoravidenführers Ibn

Taschfin angefertigt. Es ist ein Meisterwerk aufwändigster

Holzgestaltungskunst. Das Holzgestell wurde mit Elfenbein,

Ebenholz und Sandelholz inkrustiert und die Seitenflächen mit

geometrischen Flechtwerkornamenten verziert. Der kostbare

Minbar wurde von den Almohaden übernommen. Heute wird er

in einem kleinen Raum im Palast al-Badi in Marrakesch

aufbewahrt.

Marrakesch birgt noch ein historisches Juwel: Zum Einen ist es in

Marrakesch das einzige religiöse Gebäude aus der

Almoravidenzeit, zum anderen ist die Kuppel innen

außergewöhnlich reich verziert: die Qubba al-Baruddiyyin. Eine

Qubba im Islam ist ein, zumeist viereckiges, Grabhaus oder

Mausoleum mit einer Kuppel. Qubbas werden für islamische

Heilige oder einen besonders verehrten Scheich gebaut. Sie sind oft das Ziel von Wallfahrten. Meistens

befindet sich in der Qubba ein Kenotaph. Auch die eleganten, fein ziselierten, durchbrochenen

Schmuckornamente sind außergewöhnlich für die almoravidische Architektur.

Ψ

23


Das Eingangstor zur Kasbah Oudaïa bewahrt

noch den almoravidischen Einfluss.

Nach Marrakesch führte der Weg der

Unitarier nach Norden. Es galt die wichtigsten

Stützpunkte der Almoraviden am Atlantik und

an der Meerenge von Gibraltar zu erobern:

Rabat und Tanger waren die Häfen von denen

aus Streitkräfte nach al-Andalus und

Nachschub für die Truppen, auch Kamele und

Pferde eingeschifft wurden. Kamele waren

schon für die Almoraviden für die

Kriegsführung in al-Andalus wichtig gewesen.

Sie sorgten für Panik unter den Schlachtrossen

der Christen, die beim Anblick der

unbekannten, hochgewachsenen Tiere, die

mit wildem Brüllen auf sie zustürmten, scheuten und zuerst einmal das Weite suchten.

Abgesehen von Tanger, ist auch Rabat von besonderer historischer Bedeutung. Leider liegt die Stadt abseits

der normalen Touristenroute: Die meisten Reisenden kommen in Casablanca an, fahren dann in Richtung der

alten Königsstädte Meknès und Fès. Von dort nach Süden, nach Marrakesch und eventuell um den Mittleren

Atlas herum auf der Straße der Kasbahs zurück.

Auf dem Felsen Oudaïa, einer kleinen, erhöhten Landzunge an der Flussmündung des Bou Regreg,

die zum Atlantik hin steil abfällt, liegt die Kasbah (Stadtburg) Oudaïa, der älteste Teil von Rabat. Hier

gründeten schon die Almoraviden eine Klosterburg, daher der Name Rabat, der vom arabischen Wort ribat

(Kloster) stammt. Das ganze Gelände wurde mit einem starken Mauerring befestigt. Die Almohaden bauten

die Klosterburg zum militärischen Stützpunkt aus. Ein idealer Ort – von hier aus konnten sie hervorragend

auch den Atlantik in Richtung Norden überblicken, dort lagen das maurische, aber auch das christliche

Spanien, nur von dort hätte Gefahr drohen können. Das ursprüngliche Klostergebäude wurde zur Residenz

des Kommandanten umgebaut und, wie im Mittelalter üblich, scharten sich darum bald viele bescheidene

Häuschen, deren Bewohner sich hinter den starken Mauern sicher fühlten. Heute ist die Kasbah ein sehr

schön restauriertes und Instand gehaltenes Viertel mit andalusischem Flair. Inzwischen sind die Immobilien

dort heiß begehrt, sie können sogar teurer sein als größerer Wohnungen im modernen Rabat. Die Moschee

und das Minarett sind die ältesten von Rabat.

Kasbah Oudaïa

24


In der Kasbah Oudaïa. In den Gassen der kleinen Stadtburg meint man in einem andalusischen Dorf zu sein.

Die Farbe Blau ist charakteristisch für marokkanisch-andalusische Dörfer in ganz Nordafrika, sie ist ein

Glücksbringer und schützt vor dem bösen Blick. Unten links ein Blick in die älteste Moschee von Rabat.

25


Gegen Ende 1147 legten die Almohaden auch in al-Andalus an. Ihre Ankunft kam in letzter Minute: Überall

auf der Iberischen Halbinsel gab es Aufstände gegen die Almoraviden und in Cordoba war der kastilische

Christenkönig Alfons VII. gern gesehener Dauergast. Auch in Granada, Valencia und Murcia hatten sich kleine

Fürsten und Kadis gegen die Almoraviden erhoben und sie vertrieben. Sie verspürten zwar wenig Lust sich

von den Almohaden das Zepter wieder aus der Hand nehmen zu lassen, waren aber der militärischen

Übermacht nicht gewachsen. Im Gegensatz zu den Almoraviden konnten die neuen Eroberer den Glauben an

den einzigen, wahren Gott auch in al-Andalus mit neuem Feuer beleben. Ihre Intoleranz gegenüber

Andersgläubigen fand plötzlich Zustimmung unter der muslimischen Bevölkerung; viele Juden, Christen und

Muladíes 33 wanderten in die christlichen Königreiche im Norden aus.

Die Unitarier richteten ihren Regierungssitz in Cordoba ein, die ehemalige Kalifenstadt gewann einen

Schimmer ihres verlorenen Glanzes zurück. Es gelang den Unitariern al-Andalus nicht nur militärisch zur

Einheit zu zwingen, sie überzeugten auch die Bevölkerung und al-Andalus erlebte eine neue Blütezeit. Die

neuen Herrscher waren nicht nur religiöse Puristen und intelligente Strategen, sie besaßen auch einen Sinn

für Schönheit und Ästhetik. Sie öffneten sich der exquisiten, arabischen Kultur des neuen Landes. Die

Schönheit der Landschaft, der Anblick herrlicher Paläste und die fortschrittliche Infrastruktur großer Städte

beeindruckte sie und besänftigte ihren kämpferischen Geist. Ihre anfängliche Intoleranz gegenüber

Nichtmuslimen wich allmählich einer toleranteren Geisteshaltung. Sie war der fruchtbare Schoß, aus dem die

größten arabischen und jüdischen Wissenschaftler und Philosophen von al-Andalus hervorgingen, deren

Weisheit und Erkenntnisse Orient und Okzident gleichermaßen mit zukunftsweisenden Thesen und

Erkenntnissen bereicherten. Die subtilen Unterschiede zwischen Vernunft, Erleuchtung und der Vereinigung

mit Gott wurden erforscht und in neu-platonischen und aristotelischen Interpretationen diskutiert.

Denkmal des Philosophen Averroës (Ibn Ruschd), Cordoba

Das Vermächtnis der andalus-arabischen Philosophen Ibn Tufail

(Abentofal), Ibn Zuhr (Avenzoar), Ibn Ruschd (Averroës), des andalusjüdischen

Gelehrten Ibn Maimun (Maimonides) und des andalusarabischen

Mystikers und Sufimeisters Ibn Arabi sollte die gesamte

arabische und europäische Welt über Jahrhunderte hinweg befruchten.

Maimonides lehrte genauso an den Moscheemauern wie der Muslim Ibn

Ruschd, sie schätzten und respektierten einander sehr.

Und erneut begannen afrikanische Eroberer Städte mit herrlichen

Bauwerken zu verzieren, bereits vorhandene Paläste wurden erweitert

und verschönert. Auch die Poesie erwachte unter den Almohaden zu

neuem Leben. In den Vorzimmern der Höfe von Sevilla, Cordoba und am

Hof von Granada drängten sich erneut Literaten und Poeten die hofften

als Lobredner zu Ruhm und Ehren zu gelangen.

Obwohl die Almohadenkalifen die Geisteswissenschaften förderten,

forderten die revolutionären Thesen des Muslimen Ibn Ruschd und des

jüdischen Gelehrten Ibn Maimun bald die misstrauische Kritik von islamischen Rechtsgelehrten und der

Imame heraus, denn Ibn Ruschd wagte es zu verkünden:

„Das Leben der Frauen hat den gleichen Endzweck wie das der Männer (..). Der Koran kennt nur den

Unterschied zwischen denen – seien es Männer oder Frauen –, die Gottes Gesetz suchen, und denen, die sich

nicht darum kümmern. Eine andere Rangordnung zwischen den Menschenwesen gibt es nicht. (...) Euch aber,

ihr Männer, euch gelten die Frauen wie Pflanzen, die man nur um ihrer Früchte, um deren Zeugung willen

begehrt. Und ihr macht sie zu Abgesonderten, zu Dienerinnen ... Das sind eure Traditionen; mit dem Islam

haben sie nichts zu tun. Die Gesellschaftsordnung ist die beste, in der jede Frau, jedes Kind, jeder Mann alle

Möglichkeiten bekommt sämtliche Gaben zu entwickeln, die ihm von Gott gegeben wurden. Eine Gesellschaft

wird frei und gottgefällig sein, wenn niemand mehr aus Angst vor dem Fürsten oder vor der Hölle handelt.“ 34

33 Muladíes waren Muslime die den christlichen Glauben angenommen hatten

34 aus Geschichten aus al-Andalus, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, München, S. 166

26


Denkmal des Philosophen Maimonides (Ibn Maimun), Cordoba

Der jüdische Gelehrte Ibn Maimun (geb. um 1135/1138 in Cordoba) lehrte

seine Schüler:

„Vernunft und Offenbarung sind zwei Erscheinungsformen ein- und

derselben göttlichen Wahrheit. Der Einzelne kann sich nur in einer

gesunden Gesellschaftsordnung entwickeln, in der die Pflichten Vorrang

haben gegenüber den Rechten. Zweckbestimmung einer gottgefälligen

Gesellschaftsordnung ist das Wachsen des Menschen, nicht des

Wohlstands. Der Mensch wächst, wenn er sich in der Vernunft voll

ausbildet – einer Vernunft, die ihre Grenzen und ihre Postulate kennt. Die

menschliche Vernunft ist nur ein Teilhaben an der göttlichen Vernunft. Ein

neuer Zyklus in der Geschichte beginnt erst, wenn ein Prophet wie Moses

zum Volk herabsteigt, um ihm neue Gesetze zu bringen.“ 35

In Sevilla pries der Mystiker und Sufimeister Ibn ‘Arabi 36 die Liebe in jeder Form, deren einziger Ursprung und

alleiniges Ziel nur im Göttlichen zu suchen sei:

Ψ

„Jede Liebe ist Wunsch nach Vereinigung. Jede Liebe ist bewusst oder

unbewusst Liebe zu Gott. Noch in der körperlichen Vereinigung, in der du

lustvolle Verzückung suchst, spürst du die Sehnsucht, das Bedürfnis nach

dem, was nicht du selbst bist, und liebst du das geliebte Wesen nur um

seinetwillen, ist dir seine Freude wichtiger als die deine, so lehrt dich diese

Liebe das Opferbringen. Gott ist die Einheit, er ist die Einheit von Liebe,

Liebendem und Geliebtem.

Es gibt eine göttliche Liebe, die höchste: Du liebst in allem den, der es

geschaffen hat, und liebst Gott nur um seiner selbst willen. Ohne Furcht vor

Strafe und ohne Wunsch nach Belohnung (...)“ 37

Foto Ibn ‘Arabi 38

„Es gab eine Zeit, da ich meinen Nächsten ablehnte,

wenn sein Glaube nicht der Meine war.

Heute ist mein Herz Herberge für alle Religionen:

Weide für Gazellen und Kloster für Christenmönche,

Tempel für Götzenbilder und Kaaba für Pilger,

es ist Gefäß für die Tafeln der Thora

und für die Verse des Koran. Denn meine Religion ist die Liebe,

und wohin auch ihre Karawane zieht,

dort ist auch mein Weg.

Denn die Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube.“ 39

Ibn ‘Arabi, Cordoba, 12./13. Jh.

Ψ

35 Ebd. S. 167

36 geb. 1165 in Murcia gest. 1240 in Damaskus

37 Ebd.

38 Von website: https://www.goodreads.com/photo/author/5831763.Ibn_Arabi

39 Ebd., S. 169

27


Das ging den Almohaden dann doch zu weit, derartige Thesen nagten am Fundament der Reinheit des Islam:

Es gelang den Gegnern der Philosophen die Obrigkeit gegen Ibn Ruschd und Ibn Maimun aufzubringen. Es

sollte ihnen nicht vergönnt sein bis ans Ende ihrer Tage in Ruhm und Ehren in ihrer Heimat al-Andalus zu

leben. Beide Gelehrte starben im Exil, Ibn Ruschd am Hof des Kalifen von Marrakesch und Ibn Maimun als

Leibarzt von Sultan Saladin in Kairo. Auch Ibn ‘Arabi verließ Cordoba zusammen mit seiner Frau, die auch

eine überzeugte Anhängerin des Sufismus war. Zunächst zog sie ihn nach Nordafrika, Ägypten, besuchten

danach die heiligen Stätten des Islam, dann kam das Paar für eine Weile zurück nach al-Andalus um

irgendwann endgültig nach Damaskus auszuwandern. Dort starb Ibn ‘Arabi im Jahr 1240. Im unserem Kapitel

„Die Suche nach al-Andalus, Teil II. – Syrien“ werden wir Ibn ‘Arabi wieder begegnen.

Ψ

Der Hassanturm, das unvollendete Minarett auf

dem Gelände der ebenfalls unvollendeten

Moschee. Der Almohadenherrscher Yaqub al-

Mansur begann den Bau im letzten Jahrzehnt

des 12. Jahrhunderts; nach seinem Tod (1199)

wurden der Bau für immer eingestellt. Es sollte

die größte Moschee der islamischen Welt

werden und das Minarett das höchste. Überreste

von Pfeilern und Säulen wurden dem

ursprünglichen Grundriss entsprechend wieder

aufgestellt.

Kalif Abu Yaqub Yussuf I. (herrschte von 1163-

1184) zeichnete sich durch eine rege

Bautätigkeit auch in al-Andalus aus, auf seinen

Befehl wurde die Große Moschee von Sevilla gebaut, auf deren Grundfesten die Kathedrale von Sevilla steht.

Das ehemalige Minarett ist heute der Glockenturm der Kathedrale und als La Giralda, das wichtigste

Wahrzeichen der andalusischen Hauptstadt.

Die Giralda, das Almohadenminarett der ehemaligen Großen

Moschee von Sevilla

Das Minarett und die Große Moschee Koutoubia in Marrakesch

waren als erstes fertig geworden, ebenso die neue Große

Moschee und das Minarett in Sevilla, sie werden wegen ihrer

formvollendeten, harmonischen Bauweise heute noch

bewundert und künden von der Blütezeit der Almohaden. Das

unvollendete Minarett von Rabat ist ein Erzähler ohne Stimme,

ein steinerner Zeitzeuge von der Vergänglichkeit aller

Herrlichkeit.

Dem jungen Imperium der Almohaden war nicht lange Ruhe

vergönnt. Schon ab dem Jahr 1176 häuften sich die Angriffe der

Christen in al-Andalus. Unter Kalif Yaqub al-Mansur (von 1184–

1199) konnten die Marokkaner den christlichen Heeren in al-

Andalus noch schwere Niederlagen zufügen. Unter der Führung

des Kalifs endete die Schlacht bei Alarcos (1195) für die

christliche Streitmacht in einem Desaster. Er starb 1199, in

kurzen Abständen folgten ihm neun Kalifen, von denen keiner

mehr fähig war, das große Reich zusammenzuhalten.

28


Auf dem ehemaligen Moscheegelände stehen sich Vergangenheit und Gegenwart gegenüber: Der Hassan-

Turm und das Mausoleum von König Mohammed V. Beide künden eindrucksvoll von der Vergänglichkeit

aller Herrlichkeit. Malerisch präsentieren sich die Soldaten der königliche Garde, die rund um die Uhr über

das Mausoleum wachen. Die Grablege ist nicht besonders groß, von außen weiß, schlicht in der Form, das

Dach grün, die Wände innen mit Kalligraphie und Arabesken prächtig, aber geschmackvoll verziert. Im

Inneren kann man auf den tiefer gelegten Raum mit den schlichten Kenotaphen des Königs und zwei seiner

Verwandten blicken.

29


Die Geschichte wiederholte sich: Die Andalusier lehnten sich erneut auf, wieder kämpften sie gegen die

Eroberer aus dem Maghreb und riefen die Unabhängigkeit einzelner Kleinstaaten aus. Die Macht der

Almohaden war gebrochen. Und wieder ergriffen die Christenkönige die Gelegenheit Zwietracht zu säen und

maurische Aufstände gegen die Nordafrikaner zu unterstützen. Allerorts waren Almohaden und Andalusier

in zermürbende Kleinkriege verstrickt. Als Yusuf II. al-Mustansir (1213–1224), noch minderjährig, den Thron

in Marrakesch bestieg und Machtkämpfe unter den Führern der Almohaden ausbrachen, ging das

Almohadenreich schon seinem Untergang entgegen.

Die Meriniden und al-Andalus

Dunkelbraun: Granada, das letzte Maurenreich

in Hispanien im 15. Jh.

Inzwischen gab es in Marokko einen

einflussreichen Berberstamm der nach der

Macht strebte: die Banu Merin. Fast

unmerklich dehnten sie die Gebiete aus in

denen sie ihre Macht behaupten konnten.

1248 eroberten sie Fès und gründeten dort

eine neue Dynastie, die Meriniden. Zwar

konnten die Almohaden ihren Regierungssitz

Marrakesch noch bis 1269 gegen sie

verteidigen und sich zum Teil auch noch in al-

Andalus behaupten, doch hatten sie ihre

Bedeutung weitgehend verloren und

verschwanden irgendwann im Dunkel der

Geschichte. Die Meriniden sollten eine

langlebige Dynastie werden, sie behaupteten ihre Herrschaft bis 1465, und nahmen weiterhin, nicht ganz

uneigennützig, Einfluss auf die weitere Entwicklung der Dinge in al-Andalus.

Aus den Unruhen und Machtkämpfen in al-Andalus war im Jahr 1232 ein Andalus-Araber als Sieger

hervorgegangen: Muḥammad Yusuf ben Nasri al-Aḥmar, 1237 wurde er zum Sultan des granadinischen

Königreichs ausgerufen und wählte Granada zu seiner Regierungsstadt. Er war der Stammvater der Dynastie

der Nasriden, die in der Literatur poetisch die „Könige der Alhambra“ genannt werden. Bis 1272 sollte das

Schicksal des Reichs Granada in seinen Händen ruhen.

Bis dahin nahm die Reconquista 40 ihren unerbittlichen Lauf. Bis zum Jahr 1238 verlor das muslimische

Hispanien die wichtigsten Bastionen an die Christen: Badajoz, Merida, Cordoba, Murcia und Valencia. Um

das Überleben des Königreichs Granada zu sichern unterzeichnete König Muhammad I. schon im Jahr 1246

einen Vasallenvertrag mit dem Christenkönig Ferdinand III., dem die christliche Nachwelt den Zusatz „der

Heilige“ verliehen hat.

Als Vasall musste der König hohe Tributzahlungen an die Christen und auch militärische

Unterstützung leisten. So kam er in die missliche Lage, für die Eroberung von Sevilla Einheiten für den Kampf

gegen seine Glaubensbrüder, die Almohaden, entsenden zu müssen. Im Jahr 1248 eroberte König Ferdinand

Sevilla. Vor dem entschlossenen Vormarsch der Christen flüchteten Mauren und Juden in Scharen aus den

eroberten Gebieten und Städten nach Granada, in dem letzten maurischen Königreich fühlten sie sich sicher.

Noch war Granada groß, es kontrollierte einen großen Teil der südlichen Mittelmeerküste und die Häfen

Almeria am Mittelmeer und Algeciras an der Meerenge von Gibraltar. Es war die unfreiwillige Zuwanderung,

die die brach liegende Wirtschaft Granadas belebte. Handwerk, Industrie und Handel erwachten zu neuem

Leben, die gesetzlichen Abgaben bescherten dem König gut gefüllte Schatztruhen.

40 Die christliche Rückeroberung der maurischen Territorien in Spanien

30


In der Alhambra: Dem Zauber des Myrtenhofs

bei Nacht kann sich kein Besucher entziehen.

(Bild: B. Tschöpe)

Und dann war es wie der Schwanengesang der

maurischen Kultur: Nach fast eineinhalb

Jahrhunderten afrikanischer Herrschaft, ständig

bedroht von der christlichen Rückeroberung,

sollte die inzwischen dekadente arabische

Kultur in Hispanien unter den Nasridenkönigen

noch einmal eine goldene Renaissance erleben

und der Glanz der Alhambra, den gesamten

arabisch sprechenden Mittelmeerraum

überstrahlen.

Alle Könige der Alhambra betrieben ein subtiles

diplomatisches Spiel das dem Reich Granada

mehr als zwei Jahrhunderte lang das Überleben

sicherte. Das Glück war, dass ab dem 13. Jh. die Könige der christlichen Reiche untereinander oft heillos

zerstritten und in ständiger Geldnot waren. Zuweilen konnte es bis zu mehreren Jahrzehnten dauern, bis sich

die Fronten geklärt hatten und die Rückeroberung von Neuem beginnen konnte. Die Nasridenkönige

scheuten sich auch nicht mit gezinkten Karten zu spielen: Bedrängten sie die Christen allzu sehr weil sie ihren

Tributzahlungen nicht nachgekommen waren oder weil sie wieder einmal versucht hatten sich mit den

Meriniden zusammenzutun, um den Christen Schaden zuzufügen, schworen sie reumütig erneut

Vasallentreue, hielten sich dann aber wieder nur bedingte Zeit daran.

Im Jahr 1258 wurde in Fès Abu Yussuf Yaqub zum Sultan ausgerufen. Er war der erste

Merinidensultan, der dem von den Christen wieder einmal stark bedrängten Reich Granada zu Hilfe kam.

Dabei entsprang das Übersetzen nach Andalusien nicht nur frommer Nächstenliebe. Nach dem Untergang

der Almohadenherrschaft hatte der Verlust von al-Andalus eine tiefe Wunde in die stolze Berberseele

geschlagen, fast anderthalb Jahrhunderte lang war das islamische Spanien von allen Marokkanern als ihr

Eigentum betrachtet worden. Alle Sultane der Meriniden und auch die nachfolgenden Saadier sollten den

geheimen Wunsch nach einer Wiedereroberung des arabischen Spaniens hegen. Dabei war ihnen jedes

Mittel recht, sei es um ihren andalusischen Brüdern gegen die Christen zu Hilfe zu eilen oder um einen

christlichen König bei Streitigkeiten mit seinesgleichen zu unterstützen.

Der Sultanshof zu Fès wurde Ziel all derer, die nicht in den erlauchten Dunstkreis des

Nasridenherrschers aufgenommen wurden: Dichter, Musiker, Baumeister und Kunsthandwerker. Aber nicht

nur die Elite zog es nach Marokko. Vielen Andalus-Arabern und Sefarden war die Lage nicht geheuer. Sie

empfanden den Druck der, nur auf eine neue Gelegenheit lauernden Christen als ständige Bedrohung,

verließen Granada und fanden ein neues Zuhause in Marokko. Die Almoraviden und Almohaden hatten recht

wenig vom exquisiten Lebensstil der Andalus-Araber übernommen. Sie hatten kein besonderes Interesse an

lichtdurchfluteten, mit feinen Stuckarbeiten verzierten Palästen oder an blumengeschmückten Gärten mit

fröhlichen Springbrunnen gezeigt und auch nicht an elegant geschwungenen Bogengängen, durch die

Duftschwaden von parfümierten Essenzen schwebten. Die Meriniden waren zwar auch Berber, aber sie

waren sehr empfänglich für die Schönheiten und Annehmlichkeiten der andalusisch-arabischen Architektur

und auch für einen gepflegten Lebensstil.

Ab dem Ende des 13. Jh. wurde die Architektur Marokkos, zuerst vorwiegend im nördlichen Teil, der

von al-Andalus immer ähnlicher: weiß gekalkte Mauern, Wände mit Fayencefries bedeckt, schöne Gärten mit

Springbrunnen und charmante Innenhöfe. Das Quartier des Andalous in Fès, die Städte Chefchaouen und

Tetuan in Nordmarokko wurden von Andalus-Arabern gegründet. Sie sind berühmt für ihr ausgeprägtes,

andalusisches Flair und beliebte Ziele für Reisende, die einen Wochenendabstecher vom spanischen Festland

nach Marokko machen.

31


Muqarnas 41 in der Alhambra.

Wenn man das Bild vergrößert

sind an manchen Stellen noch

Farbreste zu erkennen: Gold,

kräftiges Blau und Rot.

Die mittelalterliche Architektur

war in Marokko vielleicht

nicht ganz so raffiniert, so elegant,

von so ausgewogener

Symmetrie.

Bei den berberisch-arabischen

Bauwerken sind vom Stil her

oft unterschiedliche schmückende

Ornamente miteinander

vermischt, manche

Verzierungen sind für unseren

Geschmack vielleicht etwas zu bunt. Allerdings waren die andalusischen Stuckarbeiten wie Muqarnas,

verzierende Arabesken und Kalligraphien z. B. in der Alhambra auch koloriert, in Dunkelblau, Dunkelrot und

Gold. Die Architektur marokkanischer Paläste, reich ausgestatteter Bürgerhäuser und Moscheeportale

erscheint eventuell etwas herber, daher aber umso ursprünglicher.

Palast Bahia, Marrakesch (erbaut 1867). Der Palast hat eine

beeindruckende Grundfläche von ca. 8.000 m2, hat über 160

Räume, zahlreiche Innenhöfe, einen eigenen hammam 42 und eine

eigene Moschee. Er gilt als Paradebeispiel für den andalusischmaurischen

Baustil in Marokko.

Die Gärten folgten zwar dem andalusischen Vorbild, nur nicht

ganz so akkurat und von den Blumenbeeten her, vielleicht nicht

so perfekt begradigt und in den Farben aufeinander abgestimmt.

Aus der Zeit von al-Andalus gibt es ganze Abhandlungen darüber

wie ein Garten, vorzugsweise mit einem Pavillon, oder

Blumenbeete auszusehen haben und wie Springbrunnen oder

Wasserbecken angelegt sein sollten. Sie sind das Symbol für das

Paradies. In kleinen Innenhöfen gehören sie in die Mitte, sodass

die geraden Linien von jeder Ecke zur Mitte die gleiche

Entfernung vom Becken haben. Im Idealfall sollte eine schmale

Rinne oder, wenn nicht möglich, eine angedeutete Linie auf den

Fliesen von jeder Ecke auf das Becken zulaufen, als Symbol für die

vier Paradiesflüsse.

Für Berber wie für Andalus-Araber war Wasser das kostbarste

Gut, sie liebten Springbrunnen in den Gärten und Wasserbecken

in den Innenhöfen, Es war die Quelle allen Lebens. Gern nahm

man sich in Nordafrika ein Beispiel an granadinischen Vorgaben,

wie an dem länglichen Wasserbecken im Myrtenhof der

Alhambra. In mittelalterlichen Palästen, Medresen oder in marokkanischen Riads, reichen privaten

Stadthäusern, sind Wasserbecken häufig rechteckig.

41 Stalaktitengewölbe, ab dem 10. Jh. ein wichtiges Element der islamischen Architektur

42 Arabisches oder türkisches Bad

32


Granada – Könige und Dichter

In den zwei Jahrhunderten bis zur Kapitulation von Granada verlieren sich langsam die Spuren, die Zeugnis

von bedeutsamen Zusammenhängen oder Verbindungen zwischen Andalus-Arabern und Marokkanern

ablegen. Die Meriniden spielten bis ins 15. Jh. zwar immer noch eine Rolle als Helfer in der Not gegen die

spanischen Christen, eroberten zeitweise sogar Tarifa an der Westküste Hispaniens, es gab aber keine

gemeinsame Geschichte mehr obwohl man sehr freundschaftliche Beziehungen pflegte. Ganz selten, wie

Schlaglichter in der Dunkelheit, tauchen noch hier und da Spuren von Andalus-Arabern in Marokko auf.

Für uns sind hier zwei davon von Bedeutung. Beide Namen haben etwas gemeinsam: sie erklommen

die höchsten Gipfel von Ruhm und Herrlichkeit, und beide nahmen ein tragisches Ende. Im ersten Fall

berichten Historiker ausführlich über die Flucht von König Mohammed V. von Granada nach Marokko im Jahr

1369. Er wurde von seinem Bruder entmachtet und fürchtete um sein Leben. Der Merinidensultan Abu Salim

Ali II. (1359–1361) hatte sich sofort bereit erklärt ihn und sein Gefolge am Hof von Fès aufzunehmen.

Im Gefolge befand sich auch Ibn al-Chatib, ein Wesir, berühmter Literat, Poet und offizieller Lobredner

Mohammeds V.

Im Empfangsaal des Palasts in Fès war der gesamte Hofstaat des Sultans versammelt um die hohen

Flüchtlinge zu empfangen. Da trat Ibn al-Chatib vor, er fasste die Gefühle der Flüchtlinge in Gedichtform in

Worte: Sehnsucht nach der Heimat, Trauer über den Verlust derselben und unendliche Dankbarkeit für die

großzügige Geste des Sultans, den er nach bester Lobrednertradition am Ende überschwänglich preist. Es ist

auch überliefert, dass alle Anwesenden dabei zu Tränen gerührt waren. Ich gebe hier einige Auszüge wieder:

„Fragt meine Freunde, ob jemand Kunde von ihr 43 hat,

ob das Gras im Tal noch grünt und süßer Blumenduft es erfüllt.

Ob dort am Fluss der milde Frühlingsregen noch ein Haus besucht,

das nur noch in der Erinnerung steht und dessen Spuren verweh‘n.

Es ist meine Heimat, in deren Geborgenheit

der erfrischende Wein meiner Leidenschaft

von Mund zu Mund ging, als mir das Leben

noch ein duftend’ Blütenzweig war.

Und die Gesellschaft, in der ich mich bewegte, ließ mir,

wie ein warmes Nest, Flügel wachsen.:

Heute dagegen, schaut mich an, habe ich Flügel und Nest verloren.

Sie hat mich von sich gestoßen, doch nicht aus Abscheu oder Überdruss,

und die Trennung hat meine Liebe nicht gemindert.

Es ist wohl so, dass die Freuden des Lebens flüchtig sind

und sie uns besuchen, um uns gleich darauf zu verlassen.

Was würde ich dafür geben, bald wieder meine Heimat zu seh’n!

Ohne sie wird die Zeit zur Ewigkeit, und ein Tag ist lang wie dreißig Tage (...).

Die Hand der Trennung hat schon die Perlen der Tränen verstreut,

zu klein ist die Brust um den gewaltigen Kummer

der brennenden Qual zu fassen (...)

43 Al-Andalus, seine Heimat

33


Wenn du mit deinem Schwert unser Haus beschützt,

kann nichts, solange du lebst, meinen Leib verletzen

oder mein Schwert berühren.

Es war bereits bestimmt, dass Ibrahim [Abu Salim] 44

unseren Schmerz lindern würde,

und als wir sein Antlitz sahen, war es so.

Aus Yaqubs Familie 45 ist er auserwählt,

immer wenn die Lage düster wird, gibt seine Entschlossenheit

dem aufgehenden Tag das Licht zurück.

Würde seine Großmut die Meere füllen, wären ihre Wasser süß

und niemals käme eine Ebbe nach der Flut.

Seinen Mut fürchtet selbst der Tod, und es ist stolze Erhabenheit,

die sich in seinen Gewändern bewegt.

Als Heimatlose wenden wir uns an dich, o bester aller Könige!

Das Glück ist deine Dienerin; räche das Verbrechen, das man uns angetan.

Als wir in deiner Herrlichkeit Zuflucht suchten, versiegte das Unglück,

und als wir uns deinem Ruhm anvertrauten,

suchte der Schrecken die Flucht.“ 46

Ibn al-Chatib, Fès, 14. Jh.

Ψ

Aghmat: Eingang zum Mausoleum

des Dichterkönigs al-Mutamid von Sevilla (2001)

König Mohammed V. und seine Gefolgschaft konnten im April 1362

wieder nach Granada zurückkehren, der Thronräuber war ermordet

worden. Ibn al-Chatib blieb noch in Marokko und reiste durch das

Land. Er besuchte viele historische Stätten darunter auch das Grab

des unglücklichen Dichterkönigs al-Mutamid von Sevilla. Dort

gedachte er dessen Schicksal mit ergriffenen Worten. Seine Verse

sind auf einer Tafel an der Wand der kleinen Mausoleums in

Aghmat zu lesen:

„Ich kam nach Aghmat, vom Wunsch bewegt, dein Grab zu sehn ...

Eine Fackel warst du, ein Leuchten in düsterer Nacht!

Wäre es mir vergönnt gewesen, in deiner Zeit zu leben,

wie hätte ich dich mit herrlichen Versen gepriesen.

Dein Grab beherrscht den Hügel, auf dem es liegt,

Ziel allen Glaubens derer, die kommen, um dich zu grüßen.

Erhaben warst du in deinem Leben und bist es noch in deinem Tod

und dein Ruhm währt immerfort (...)“ 47

Ibn al-Chatib, Fès, 14. Jh.

Ψ

44 Der großzügige Gastgeber

45 Gemeint ist Sultan Abu Yusuf Yaqub (1259 bis 1286), der im Ruf großer Frömmigkeit und Heldentums als

entschlossener Verteidiger des Islam stand. Er war der dritte Sultan der Dynastie und führte vier Feldzüge nach

Andalusien, um den Nasriden gegen christliche Angriffe von Kastilien beizustehen. Er starb 1286 während des letzten

Feldzuges, bei der Belagerung von Algeciras

46 aus Land am Sonnenuntergang – Marokko, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S.177, 179

47 Ebd.180

34


Als Ibn al-Chatib nach Granada zurückkehrte hatte er den Eindruck, dass ihm Mohammed V. nicht mehr so

gewogen war wie vor und während ihrer Flucht nach Marokko. Einem seiner ehemaligen Schüler namens Ibn

Zamrak 48 , ebenfalls ein äußerst begabter Poet, war inzwischen auch der Rang eines Wesirs verliehen

worden. Al-Chatib war von Eifersucht zerfressen, dazu hatte er das unbestimmte Gefühl dass Ibn Zamrak

finstere Pläne schmiedete, um ihn aus dem Weg zu räumen. Er bat den Merinidensultan um erneute

Aufnahme am Hof von Fès, das wurde ihm gewährt. Mit großen Ehren wurde er in Marokko empfangen. Ibn

Zamrak platzte fast vor Neid. Er war inzwischen zum offiziellen Lobredner ernannt worden. Hinterhältig

streute er in Granada böse Verleumdungen aus, al-Chatib sei ein Verräter und ein Staatsfeind. Das Gift

verfehlte nicht seine Wirkung: Am Ende glaubte auch der granadinische König die Gerüchte und bat den

Merinidensultan die Verhaftung und Auslieferung des Literaten zu veranlassen. Das Gesetz der

Gastfreundschaft war heilig, das Gesuch wurde abgelehnt.

In Fès war Ibn al-Chatib das Privileg zugestanden worden, Ländereien zu erwerben; er errichtete

prächtige Landhäuser und schmückte sie mit herrlichen Gärten. Selbst als der Sultan starb fühlte er sich noch

sicher, war er doch eng mit dem Reichsverweser Ibn el-Ghazi befreundet, der auch jedes Gesuch aus

Granada, den Flüchtigen auszuliefern, entschieden ablehnte. Aber die diplomatischen Beziehungen zwischen

dem Kabinett des neuen Sultans und dem Reich waren wichtiger: Ohne Vorwarnung brachen eines Tages

Soldaten in einen Besitz des Granadiners ein, nahmen Ibn al-Chatib gefangen und verwüsteten alle seine

Landhäuser und Gärten. Ausgerechnet der ärgste Feind des Literaten, der Lobredner Ibn Zamrak, führte den

Vorsitz bei der Gerichtsverhandlung in Fès.

Fès: Mausoleum des Ibn al-Chatib, außerhalb der Stadtmauer

nahe des Stadttors Bab Mahruq

Schon während der Gerichtsverhandlung ahnte Ibn al-Chatib,

dass diese nur der Form genügen sollte und sein Leben verwirkt

war. In seinem Verlies schrieb er seinen eigenen Nachruf:

„Fern der Heimat sind wir, doch ist sie uns nah;

ihr vernehmt unsere Stimme, obwohl wir schweigen.

Plötzlich stand unser Atem still,

wie einem lauten Gebet leises Murmeln folgt.

Wie Sonnen waren wir am Horizont der Herrlichkeit;

sie gingen unter – und alle weinten um sie (...)

Sagt unseren Feinden, dass Ibn al-Chatib von uns ging

und aus dem Leben schied – doch wer wird nicht einst sterben?

Sagt denen, die darob frohlocken:

Freut euch, wenn ihr unsterblich seid.“ 49

Ibn al-Chatib, Fès, 14. Jh.

1374/75 wurde er zum Tode verurteilt doch noch bevor die

ordentliche Hinrichtung stattfinden konnte, wurde er in seinem

Verlies heimtückisch erwürgt. Am nächsten Tag bestattete man

ihn auf dem Friedhof nahe dem Stadttor Bab Mahruq, doch wurde in der darauf folgenden Nacht sein Körper

ausgegraben und auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Man fand ihn, verkohlt, am Rand seines Grabs

liegend. Er wurde erneut der Erde übergeben. Auf diese unrühmliche Art endete das Leben eines der

größten Poeten und Literaten von al-Andalus und des 14. Jahrhunderts.

48 Es gab drei berühmte Poeten der Alhambra: der erste war Ibn al-Yayyab, hoch geachteter Lobredner am Nasridenhof

und Lehrer von Ibn al-Chatib. Ironie des Schicksals: Es war al-Chatib gewesen, der Intrigen gegen seinen Lehrer spann,

damit Ibn al-Yayyab in Ungnade fiel und er freie Bahn als Lobredner hatte.

49 aus Land am Sonnenuntergang – Marokko, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 186

35


Boabdil, der letzte Maurenkönig und

das Ende von al-Andalus 50

Der zweite Name der beiden vorher erwähnten ist der Berühmteste

und auf immer mit dem Untergang der maurischen Kultur in Spanien

verbunden: König Boabdil von Granada, der letzte König der

Nasriden. Symbolisch übergab er am 02. Januar 1498 seine Stadt an

die Katholischen Könige Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand

II. von Aragon. Die Lebensgeschichte Boabdils ist romantisch,

dramatisch und tragisch zugleich. Ausführlich erzähle ich sie in

meinen Geschichten von al-Andalus. Hier gebe ich sie in verkürzter

Form wieder. Im 15. Jh. wurden die rasch aufeinanderfolgenden

Thronwechsel am Nasridenhof zu Granada von Intrigen,

Familienfehden und Brudermord bestimmt. Im andalusischen

Königreich herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Nur hin und

wieder war der wankenden Monarchie und ihren muslimischen

Untertanen eine Atempause vergönnt.

Im Jahr 1482 wurde Abu Abdallah Muhammad, im Volksmund „Boabdil“ genannt, zum König von Granada

ausgerufen. Er war ein schwacher Herrscher, unentschlossen, scheute die Mühen des Krieges und das Leben

in primitiven Heerlagern. Er liebte es in den blumengeschmückten Gärten der Alhambra dem Gesang des

Wassers zu lauschen und sich an der Herrlichkeit seiner Paläste zu erfreuen. Seine Gemahlin Morayma liebte

er über Alles. Schon kurz nach seiner Thronbesteigung hatte er sich zum ergebenen Vasall der Katholischen

Könige erklärt und glaubte damit sein Reich vor jedem Übel bewahrt zu haben. Königin Isabel I. von Kastilien

und Ferdinand II. von Aragon hatten jedoch nur ein Ziel, sie setzten die Reconquista fort, behandelten aber

Boabdil mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit. Selbst als die bislang uneinnehmbaren Festungen Ronda, Loja,

Malaga und, im Jahr 1489, die letzte muslimische Bastion Baza an die Christen fielen, ließ er sich noch von

seinen anscheinend so freundschaftlichen Beziehungen zu den Christenkönigen in Sicherheit wiegen.

Er ahnte nicht, dass die Christen einen unerbittlichen Plan verfolgten: König Ferdinand wusste um

die große Einwohnerzahl von Granada und fürchtete die starken Mauern der Stadt. Sie würde nicht leicht

einzunehmen sein; er brauchte Zeit um eine Belagerung vorzubereiten. Als Boabdil die Aufforderung zur

Übergabe der Stadt erreichte traf ihn die Botschaft vollkommen unvorbereitet. Verzweifelt schickte er dem

Königspaar flehende Nachrichten, vergebens: In einer Sommernacht fielen ohne weitere Warnung 5000

bewaffnete Reiter und 20 000 Mann Infanterie in das andalusische Königreich ein. Felder und Wiesen

wurden verbrannt, Viehherden geraubt, ganze Dörfer ausgelöscht. König Ferdinand hatte sein Heer

angewiesen, Kämpfen mit den Andalusiern aus dem Weg zu gehen, aber so viel Schaden im Land anzurichten

wie nur möglich. In Granada drängten die Heerführer auf Vergeltung und auf einmal fasste Boabdil einen

heldenhaften Entschluss: Er legte seine Rüstung an und führte am 15. April 1490 seine Streitmacht gegen die

mächtige Festung Alhendin, das Tor zur Alpujarra 51 . Sechs Tage dauerte die Belagerung, dann stürmten sie

die von den Christen besetzte Festung. Sie wurde dem Erdboden gleich gemacht damit sie nie wieder

aufgebaut und gegen die Muslime verwendet werden konnte.

Es schien als hätte sich Boabdil plötzlich mit dem Glück vermählt, jeder neue Feldzug gegen bereits

eroberte Ortschaften der Christen verwandelte sich in einen Sieg. So unerhört, so unerwartet war das

Aufleben des Widerstands unter Boabdil dass das Königspaar zunächst Zeit brauchte, um sich zu sammeln.

Dann erreichte Boabdil die Nachricht, dass König Ferdinand mit einer gewaltigen Übermacht vorrückte.

50 Auszug aus Geschichten aus al-Andalus, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 172-189

51 An der Südseite der Sierra Nevada. Auch: Alpujarras

36


Klug entschied er sich für den Rückzug, doch auf dem Weg plünderten seine Heere noch wahllos Dörfer und

Ansiedlungen, und das granadinische Heer konnte gerade noch rechtzeitig und mit reicher Beute in die

schützenden Mauern der Alhambra zurückkehren. Kaum hatten sich die Stadttore hinter ihnen geschlossen,

stand auch schon König Ferdinand mit einem 27 000 Mann starken Heer an der Grenze des Reichs. Boabdil

war zwar jetzt für sein Volk ein Held, dennoch war die Stimmung in Granada gedrückt. Die Vorräte wurden

knapp und der feindliche Ring um Granada zog sich immer enger zu, alle Verbindungen nach außen waren

abgeschnitten. In dieser verzweifelten Situation entschloss sich Boabdil noch einmal, heldenhaft zu kämpfen.

Anstatt alle Stadttore zu verbarrikadieren, ordnete er immer wieder überraschende Ausfälle an, einmal

durch dieses, dann durch jenes Tor. Er konnte tatsächlich den Christen schwere Verluste zufügen. Aber dem

Feind war es trotzdem gelungen in der Nähe der Stadt Kanonen und Bombarden aufzubauen. Geschossregen

prasselte auf die Stadt. Zehn Jahre lang hatten die Granadiner Niederlagen und Schande ertragen, hatte sich

ihr König als Vasall der Christenkönige gedemütigt und jetzt, als schon alles verloren schien, kämpften sie mit

nie gesehenem Wagemut und versuchten ihre Stadt gegen eine ganze Nation zu verteidigen. Sie klammerten

sich an jede Scholle der geliebten Erde und waren eher bereit zu sterben als aufzugeben. Sie hofften noch

auf ein Wunder aber als sie sahen, wie die Katholischen Könige ganz in der Nähe eine richtige Stadt aus

festem Stein bauen ließen 52 , um von dort aus die Belagerung fortzusetzen wussten sie, dass die letzten

Stunden ihrer geliebten Stadt nahe waren.

Die Vorräte wurden knapp, der Winter stand vor der Tür und die todesmutigen Kämpen waren

müde; all die heldenhaften Tode waren vergeblich gewesen. Der Große Rat von Granada ließ Boabdil keine

Wahl. Die Stadt musste sich ergeben, wenn nicht alle des Hungers sterben sollten. Schweren Herzens

schickte Boabdil die erniedrigende Botschaft an König Ferdinand. Man empfing die Gesandten aus Granada

mit allen Ehren und die Bedingungen für die Kapitulation wurden ausgiebig besprochen und niedergelegt.

Am 25. November 1491 wurde der Vertrag mit einer ausreichenden Frist für die Übergabe der Stadt

unterschrieben.

Die Bedingungen schienen großzügig: Boabdil und seine Edelleute mussten den Christen ewige Treue

schwören, ihm selbst wurden einige Ländereien in den Bergen der Alpujarra zugesprochen. Alle Muslime

und Sefarden im Reich blieben Lehnsleute der Christenkönige, sie durften jedoch ihr Hab und Gut behalten

und auch ihre Religion weiter ausüben. Diejenigen, die innerhalb von zwei Jahren ausreisen wollten, sollten

Geld für die Reise und für den Transport ihrer Besitztümer erhalten. Von diesem Tag an wurde die

Belagerung leichter, doch erlaubte der vorsichtige König Ferdinand keinen Kontakt mit der Außenwelt, auch

erreichten immer noch keine Lebensmittel die hungernde Stadt. Boabdil beschloss die Wartezeit abzukürzen

und Granada am 6. Januar 1492 zu übergeben.

Einige Tage vor der unheilvollen Frist brach jedoch ein Tumult in Granada aus, noch einmal wollte

das Volk zu den Waffen greifen, doch Boabdil ritt hinunter in die Stadt und in einer zu Herzen gehenden

Ansprache gelang es ihm, die Menschen zu beruhigen. Er nahm alle Schuld auf sich und bat sie zu verstehen,

dass er die Übergabe nur in ihrem Interesse unterschrieben habe: Damit der Hunger ein Ende hätte, damit

alle wieder in Frieden leben könnten und damit ihren Frauen und Töchtern keine Gewalt angetan würde. Das

Volk war gerührt von seiner Demut und den einfachen Worten, es erhoben sich sogar einzelne Stimmen mit

dem Ruf „Hoch lebe unser unglücklicher König Boabdil!” Boabdil unterrichtete König Ferdinand über den

Tumult und bat die Übergabe der Stadt nicht weiter hinauszuzögern, sondern gleich am nächsten Tag zu

vollziehen. Mit großer Befriedigung nahmen die christlichen Monarchen den Vorschlag an.

Als die Sonne am 2. Januar 1492 über Granada aufging ritt Boabdil den Hügel der Alhambra hinunter

bis vor die Stadttore, wo das Königspaar hoch zu Ross in der Ebene mit ihrem Gefolge auf das verabredete

Zeichen für den Vollzug der Übergabe wartete. Endlich sahen sie, gleißend in der Morgensonne, das große

silberne Kreuz auf dem Wachtturm der Alhambra und gleich daneben das Banner des heiligen Santiago 53 .

52 Santa Fe (Heiliger Glaube), heute ein Vorort von Granada

53 Hlg. Jakob.

37


Hochrufe wurden laut, Ferdinand und Isabel stiegen ab, knieten nieder und dankten Gott für diesen großen

Triumph. Als Boabdil sie erreichte wollte er absteigen und dem Königspaar die Hände küssen, sie hinderten

ihn daran und ersparten dem Maurenkönig diese Demütigung. Dann übergab Boabdil dem Christenkönig die

Schlüssel der Stadt mit den Worten „Dieser Schlüssel ist das Letzte was von dem großen Reich der Araber in

Spanien übrig bleibt. Dir gehören sie, o König! Unsere Reichtümer, unser Königreich und meine Person. Das ist

der Wille Gottes! Empfange uns mit dem Erbarmen, das du uns versprochen hast.”

Ferdinand II. sicherte ihm zu dass er und die Bevölkerung des Reichs fortan in Frieden leben könnten.

Für den glorreichen Abschluss der Reconquista wurde dem königlichen Paar von der Kirche der Titel

„Katholische Könige“ verliehen. Sie hielten ihre Versprechen nicht: Bis auf einige wenige die hohe Positionen

als königliche Berater, als Verwalter des Schatzamts an christlichen Höfen oder als Übersetzer arabischer

Werke bekleideten, wurden alle Sefarden noch im gleichen Jahr des Landes verwiesen. Die Mehrzahl fand in

Marokko und im osmanisch-türkischen Reich Aufnahme. Boabdil und seine Familie mussten Spanien im

Oktober 1493 verlassen. Mit einem Gefolge von 1130 Personen kam er in Melilla an und bat Sultan Asch-

Schaich 54 um Aufnahme. Er erhielt die Erlaubnis sich in Fès niederzulassen. In der Nähe des andalusischen

Viertels ließ der Vertriebene einen kleinen Palast errichten und einen bezaubernden Garten anlegen. Hier

kehrte ein wenig vom Glanz seiner andalusischen Heimat und seiner geliebten Alhambra zurück. Er lebte

dort noch 34 Jahre bis er in einer Schlacht fiel, in die er mit dem Sultan von Fès gezogen war. Wo sein Palast

war und wo er begraben wurde ist nicht genau bekannt. Es gibt einen Hinweis auf ein kleines, verwahrlostes

Grabhaus außerhalb der Stadtmauern von Fès. Bisher wurden jedoch alle Gesuche eine DNA-Probe von den

Überresten des dort Bestatteten entnehmen zu dürfen, abgelehnt.


Noch bevor das 16. Jahrhundert anbrach, begann in Spanien die systematische Verfolgung der Muslime, die

im Vertrauen auf den Kapitulationsvertrag in ihrer Heimat Spanien geblieben waren. Jetzt wurden sie

Morisken genannt, Enteignungen und Zwangsbekehrungen waren an der Tagesordnung, allerorten wütete

die gefürchtete Inquisition. Nordafrika und vor allem Marokko nahm eine Vielzahl von maurischen

Flüchtlingen auf und es heißt, dass bis ins frühe 17. Jahrhundert fast 300 000 Muslime die Iberische Halbinsel

verließen und auf der anderen Seite des Mittelmeers eine neue Heimat fanden.

Moscheen und Paläste wurden geschleift um auf den Grundfesten Kirchen und spanische Renaissance-

Residenzen zu errichten. Wie durch ein Wunder wurden die Alhambra und die Moschee von Cordoba

verschont. Es könnte sein, dass dies den christlichen Veränderungen zu verdanken ist, die an beiden

Bauwerken vorgenommen wurden: Der Palast König Karls V. (zugleich Kaiser des Römisch-Deutschen Reichs)

wurde direkt an die Mauern der maurischen Palästen der Alhambra gebaut und mitten in den Schoß der

Großen Moschee von Cordoba wurde eine katholische Kathedrale eingepflanzt. Dafür wurden zahlreiche der

Säulen, Pfeiler und Bögen entfernt aber der Eindruck sobald man die ehemalige Moschee betritt ist und

bleibt überwältigend.


54 Abu Abdallah Muhammad I. asch-Schaich (1472–1504) aus der Dynastie der Wattasiden

38


Ruinen der Moschee der (vormals) prunkvollen Palaststadt

Medinat al-Zahara von Kalif Abd al-Rahman III. (10. Jh.) Die

Ausgrabungen dort dauern nun fast schon ein Jahrhundert und

immer noch fehlt der größte Teil. Die Palaststadt hatte

unvorstellbare Ausmaße, sie gilt als die größte Stadt im

Mittelmeerraum die im 10. Jh. gebaut wurde. Sie sollte nicht

einmal ein Jahrhundert überdauern und wurde im Bürgerkrieg in

dem Anfang des 11. Jh. das Große Kalifat unterging, vollkommen

zerstört. Die Fundstätte liegt ca. 8 Km nordwestlich von

Cordoba. 55

Wir sind am Ende des Teils Marokko und al-Andalus angelangt.

Wir haben mit der Nostalgie, der wieder entdeckten Sehnsucht

der arabischen Welt nach al-Andalus angefangen und wir

beenden diesen Teil auch mit einer Klage des syrischen Dichters

Nizar Qabbani (20. Jh.):

Im Königreich Marokko hatte ich den Geist von al-Andalus

spüren können, beide Reiche hatten ihren Ursprung im Orient und eine gemeinsame Geschichte. Im späten

Mittelalter wurde Marokko zur neuen Heimat für Hunderttausende jüdische und hispano-arabische

Flüchtlinge die von der christlichen Rückeroberung 56 aus Spanien vertrieben wurden. Al-Andalus ist in die

Architektur, in Jahrhunderte alte Handwerkstechniken 57 und in die marokkanische, traditionelle Musik

eingeflossen – das maghrebinische Königreich und al-Andalus befruchteten sich gegenseitig.

„Wüsste die Blume, Freundin des Windes,

von der Leidenschaft in meinem Herzen,

würde ihr Duft zu Balsam werden,

um mich zu heilen.

Könnte die Nachtigall in den Zweigen

das Feuer meiner Seele in meinen Tränen sehen,

würde sie einen süßen Gesang anstimmen,

um mich zu trösten.

Nichts ist von uns,

von unseren acht Jahrhunderten

in Spanien geblieben

als der Bodensatz des Weins

im leeren Glas.“ 58

Nizar Qabbani, Damaskus, 20. Jh.

55 Die Entdeckung im Jahr 1910 war ein Zufall. Die Sorgfalt der Archäologen und die Bemühungen der Regierung im

Wiederherstellen und/oder zumindest andeutungsweisen Wiederherstellen von Gebäudekomplexen, Thronsaal,

offiziellen Gebäuden, um Besuchern aus aller Welt diese einmalige Prunkstadt nahe zu bringen, sind gewaltig. Obwohl

in arabischen Schriften immer wieder von der Palaststadt die Rede war hielten selbst Andalus-Forscher die Berichte für

eine Legende. Die Planung der Stadt war fortschrittlich, sie hatte sogar ein unterirdisches System für Frischwasser und

Abwässer.

56 Die Reconquista (span.), die Rückeroberung der muslimischen Territorien. Sie begann in der Mitte des 11. Jh. und

endete 1492 mit der Eroberung des letzten Maurenreichs, Granada.

57 wie die Dekoration von Bauwerken mit farbig glasierten Fliesen oder das Kunsthandwerk der Gold- und

Silberschmiede

58 aus Ich pflückte die Rose …, ©Isabel Blanco del Piñal, Verlag RoseNoire, S. 129

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Bücher von Isabel Blanco del Piñal

GESCHICHTE, GESCHICHTEN und GEDICHTE

aus der

SPANISCHEN MAURENZEIT und MAROKKO

Isabel Blanco del Piñal geht die Geschichte von al-Andalus -dem maurischen Spanien- nicht

wissenschaftlich an, sie ist eine leidenschaftliche Erzählerin und folgt dem Schreibstil arabischer

Chronisten aus der Zeit der klassischen islamischen Literatur: Geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen

wurden mit Gedichten, amüsanten Anekdoten, Palastgeflüster und romantischen oder tragischen

Geschichten aus dem Leben von Kalifen und Königen, von Wesiren, Poeten, heiligen Männern oder

berühmten Frauen ihrer Zeit ausgeschmückt. Damit waren die arabischen Chronisten nicht nur

Geschichtsschreiber, ihre Jahrhunderte alten Werke liefern uns gleichzeitig ein gesellschaftliches

Spiegelbild, sie geben den Zeitgeist der jeweiligen Epoche wieder. In den vielen Jahrhunderten arabischer

Herrschaft in Spanien hatte es Blütezeiten der Wissenschaften gegeben, die auch das Abendland

befruchteten, Zeiten des friedlichen Zusammenlebens der drei Religionen aber auch Epochen ausufernder

Dekadenz.

Es war eine ganz besondere Ehre dass Frau Dr. Dr. h.c. mult. Annemarie Schimmel das Vorwort zu Isabel

Blancos erstem Buch „GESCHICHTEN aus AL-ANDALUS“, schrieb. Die stimmungsvollen Lesungen und

lebendigen Vorträge von Isabel sind beliebt, besonders ihre Ausführungen zur Toleranz im Reich der drei

Religionen.

Auf der Webseite www.rosenoire.de finden Sie Leseproben und/oder Inhaltsverzeichnisse der

verschiedenen Bücher und Rezensionen. Wir sind für Sie da, gern beantworten wir weiterführende Fragen

per Email.

Herausgeber:

RoseNoire Gisela Fischer, 81827 München,

Tel. 089/439 53 21, Fax 089/439 75 89

Email: rosenoiregf@gmail.com webseite: www.rosenoire.de

Elektronische Veröffentlichungen: https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

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GESCHICHTEN AUS AL-ANDALUS (3. Auflage)

Die Königreiche Taifas, ein andalusischer Traum

Isabel Blanco del Piñal

Vorwort von Frau Dr. Dr. h.c. mult. Annemarie Schimmel

Geschichten, Geschichte und Gedichte: Die Autorin schreibt lebendig und

abwechslungsreich über Glanz und Untergang der maurischen Kultur in

Spanien. Viele Jahrhunderte lang pflegten arabische Literaten und Chronisten

die Tradition der, jede auch noch so winzige Kleinigkeit erfassenden,

Überlieferungen. Sie verknüpften historische Fakten mit dramatischen

Geschichten, mit Lyrik und Prosa jener Zeiten, mit amüsanten oder

tragischen Anekdoten aus dem Leben von Königen, Dichtern, Wesiren,

Philosophen oder Prinzessinnen. Ihre Chroniken bieten eine Überfülle an

Informationen und enthalten auch Palastgeflüster, bösartige Intrigen,

bewegende Liebes-geschichten oder Eifersuchtsdramen – zuweilen lesen sich

diese Schriften wie orientalische Märchen.

Isabel Blanco del Piñal hat diesen Schreibstil übernommen und lässt nicht nur die Blütezeit der maurischen

Hochkultur noch einmal aufleben, die auch die abendländische Philosophie, Wissenschaft und Religion

inspiriert und bereichert hat. Sie erzählt auch von dem dramatischen Untergang der spanischen Araber. Die

Geschichten aus al-Andalus sind ursprünglich in drei Bänden erschienen. Bei der ersten überarbeiteten und

erweiterten Neuauflage wurden sie in einem Sammelband zusammengefasst. Die liebevoll gestaltete

hochwertige Veröffentlichung erschien als Hardcover.

64 Bilder in nostalgisch-braunem Duplex-Druck, 224 S. – 16x21cm, ISBN 978-3-933653-07-9

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe finden Sie auf unserer Website www.rosenoire.de.

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LAND AM SONNENUNTERGANG – MAROKKO

Isabel Blanco del Piñal

Bereits im 4. Jahrhundert n.Chr. verließen die alten Araber ihre Halbinsel,

um die angrenzenden Kontinente zu erkunden. Im äußersten Westen gebot

ein Furcht einflößendes und legendenumwobenes Meer ihrem

Entdeckungsdrang Einhalt. „(...) Dort im Okzident beginnt das westliche

Meer, das man auch das Meer der Dunkelheit nennt. Weiter darüber hinaus

weiß niemand, was dort existiert (...)“ schrieb der Geograph al-Idrisi im 12.

Jahrhundert. Dort, am Ende des afrikanischen Erdteils, lag ein Land, das die

Araber al-Maghrib al-aqsa nannten, „den äußersten Westen“ - ein Land am

Rande des Sonnenuntergangs.

Isabel Blanco schöpft wieder aus der reichen Fülle der überlieferten

Literatur und verleiht der bewegten Geschichte des Königreichs Marokko

menschliche Züge: Im Land der Berber erwachen Sultane und Poeten zu

neuem Leben, heilige Männer und Geistwesen sind der Ursprung für faszinierende Legenden. Daneben lässt

die Autorin auch eigene Reiseeindrücke einfließen. Große Bedeutung kommt der Epoche vom 11. bis zum

14. Jahrhundert zu in der die Schicksale von al-Maghrib und al-Andalus, dem arabischen Spanien, besonders

eng miteinander verbunden waren. Dicht an dicht sind die andalusischen Ornamente in den

farbenprächtigen Teppich der marokkanischen Geschichte eingewoben.

Es ist ein lebendig geschriebenes Portrait eines Landes in dem historische Zusammenhänge aufgedeckt

werden und sich Vergangenheit, Traditionen und Gegenwart zu einem schillernden Mosaik zusammenfügen.

Hardcover, 304 S. – 38, ganzseitige Bilder (S/W), 17x21cm

ISBN 378-3-933653-06-2 – Inhaltsverzeichnis auf www.rosenoire.de

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ROSEN DER WÜSTE – Die Architektur in der arabischen Literatur

von María Jesús Rubiera – Übersetzung aus dem Spanischen von Isabel

Blanco del Piñal

ROSEN DER WÜSTE – ein poetisches Symbol für die prunkvollen,

märchenhaften Bauwerke der arabischen Architektur. Ihre Paläste und

Gartenanlagen wurden aus der Wüste geboren. In der Fantasie der Beduinen

verwandelten sich Hitze flimmernde Trugbilder in Türme und Kuppeln, die

vor Gold und Edelsteinen glitzern, und dem erlösenden Wohlgefühl bei der

Ankunft in schattigen, grünen Oasen sind üppig blühende Gärten mit leise

plätschernden Wasserläufen nachempfunden. Die arabische Architektur

inszenierte ein dynamisches Schauspiel, erfüllt von Licht, Farben, Klängen und

Düften. Sie erschuf Bauwerke als Lustobjekte und Orte der Lust zugleich.

Die Autorin gibt in diesem Band mittelalterliche Texte von arabischen

Chronisten, Hofpoeten und Reisenden wieder. Sie beschreiben bis ins kleinste

Detail die ehemalige Pracht von Städten, Palästen, Moscheen, Bädern und

Gärten im alten Arabien und im islamischen Spanien. María Jesús Rubiera interpretiert Fakten und

Legenden, jedoch ist dies keine Abhandlung über Kunst oder Archäologie. Es ist eine lange Reise durch die

arabische Architektur mit weit geöffneten und verträumten Augen – ein Buch verführerischer ferner und

fremder Visionen.

Paperback, 256 Seiten, 20 x15cm, ISBN 978-3-93365305-5

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe auf www.rosenoire.de

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ICH PFLÜCKTE DIE ROSE …

Eine Auswahl der schönsten Verse und Gedichte

Aus der spanischen Maurenzeit

Die überlieferte Lyrik in diesem Band lässt den verführerischen Zauber von

al-Andalus, dem maurischen Spanien, wieder auferstehen. Sie beflügelt

unsere Fantasie und erfüllt uns mit einer unbestimmten Sehnsucht, die

unsere Seele wie eine sanft gezupfte Saite vibrieren lässt. Ist es unser

Verlangen nach märchenhafter, schwärmerischer Romantik, nach einer

heilen Welt die heute mehr denn je in fast unerreichbare Ferne gerückt

scheint? Doch die Zeiten, die uns hier bewegen, waren keineswegs nur

paradiesisch. Die Anthologie spiegelt auch ein Gesellschaftsbild wieder und

am Ende erwartet uns, wie eine historisch logische Folge, die raue

Wirklichkeit, denn der Zauber von al-Andalus zerbrach an der christlichen

Rückeroberung.

Isabel Blanco del Piñal führt mit Versen und Gedichten durch die Glanzzeit der maurischen Kultur bis hin zu

ihrem dramatischen Untergang. Abschließend lässt sie auch zeitgenössische arabische Dichter mit ihren

Klagen über den Verlust vom Paradies al-Andalus zu Wort kommen. Die Verse und Gedichte sind

chronologisch nach Jahrhunderten geordnet und mit zahlreichen Erläuterungen zum Hintergrund ihrer

Entstehung versehen.

Hardcover, 144 S., 21x17cm, ISBN 978-3-933653-08-6

Vorwort kostenlos als PDF lesen unter: https://www.yumpu.com/user/rosenoiregf

Unter dem Titel: Historische Arabesken – Die hispano-arabische-Dichtkunst

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MAURENLAND, CHRISTENLAND

Ein Ritter, ein König und ein Poet: Drei Jahrhunderte spanische

Reconquista Isabel Blanco del Piñal

Nach den „Geschichten aus al-Andalus“, in denen Isabel Blanco del Piñal

die Geschichte Spaniens von der arabischen Eroberung der Iberischen

Halbinsel im Jahre 711 bis zum Untergang der maurischen Kultur im

Abendland mit der Stimme und aus der Sicht der spanischen Mauren

erzählte, widmet sie in diesem Band ihre Aufmerksamkeit der

Gegenseite, der spanischen Christenwelt. Drei berühmte

Persönlichkeiten führen durch die drei wichtigsten Jahrhunderte zähen

Ringens um die Reconquista, die christliche Rückeroberung des

muslimischen Spaniens: der Ritter Rodrigo Díaz aus Vivar (11. Jh.) kurz

"der Cid" genannt, König Alfons X. von Kastilien und Leon (13. Jh.), dem

die Nachwelt den Beinamen „der Gelehrte“ verlieh und Miguel de

Cervantes Saavedra (16./17. Jh.), der Autor des Don Quijote von der

Mancha.

Alle drei waren sie Grenzgänger zwischen den Religionen und Kulturen, ihr Leben und ihr Vermächtnis

führen anschaulich vor Augen, wie facettenreich das Verhältnis von Christen und Mauren im damaligen

Spanien bis über das Mittelalter hinaus war. Sie zeigen uns Welten politischer Grauzonen und innerer

Zerrissenheit, und es wird in jedem Fall offenbar, dass nichts so war, wie es auf den ersten Blick scheint. So

unterschiedlich sie von ihrem Stand her waren, haben sie doch etwas gemeinsam: Mit Leidenschaft lebten

sie ihre Visionen, sie verfolgten unbeirrt ihre Ziele und vollbrachten Außergewöhnliches. Und wenn auch das

Leben jedes Einzelnen, aller Berühmtheit zum Trotz, nicht einer gewissen Tragik entbehrt, haben ihre Werke

und Taten sie doch unsterblich gemacht.

Hardcover, 21x16cm, 100 Bilder in Farbe, 440 S.,ISBN 978-3-933653-09-3

Inhaltsverzeichnis auf www.rosenoire.de

Die letzte Rezension (14. Juni 2014) für diesen Titel …:

MAURENLAND, CHRISTENLAND,

Ein Ritter, ein König und ein Poet,

drei Jahrhunderte spanische Reconquista

… finden Sie unter:

http://afarab.blogspot.com/2014/06/maurenland-christenland-rezension.html

Frau Birgit Agada ist eine bekannte Reisejournalistin, Reiseunter-nehmerin und selbst auch Autorin

von Reiseliteratur. Sie ist spezialisiert auf arabische und nordafrikanische Länder und Kulturen.

Kontakt:

RoseNoire

Gisela Fischer – Isabel Blanco del Piñal

Günderodestraße 20, D-81827 München

Tel. +49 (0)89 439 53 21 – Fax +49 (0)89 439 75 89

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