aMun Magazin Nr. 59

amunmagazin

Ausgabe 2 / 2019 | 3,50 €

21. Jahrgang / Heft Nr. 59

Magazin für die Freunde

Ägyptischer Museen und Sammlungen

ISSN 2196-8942

59


E D I T O R I A L

Dr. Thomas

Ritter

Horst

Creutz

Klaus

Suckow

Prof. Dr. Ludolf

Pelizaeus

Dr. Hartmut

Häger

Dr. Angela

Onasch

Dr. Andreas

Brandstetter

Verehrte Freunde und Förderer der Ägyptischen Museen und Sammlungen,

Dr. Eva

Eggebrecht

im vorigen Heft ist es schon thematisiert worden: Das – Magazin für die Freunde

Ägyptischer Museen und Sammlungen hatte zwanzigjähriges Jubiläum. Und wie Sie aus

den Heften 58 und 59 des 21. Jahrgangs schließen können: Es geht weiter!

In dieser Jubiläumsausgabe sei ein kurzer Rückblick auf den Werdegang des –

Magazins gestattet.

Die Initialzündung ging von Berlin aus, genauer: von Herrn Winfried Stolze, der den damaligen

Direktor des Berliner Ägyptischen Museums, Herrn Professor Dietrich Wildung,

überzeugen konnte, ein Mitteilungsblatt für den Verein zur Förderung des Ägyptischen

Museums Berlin und für den Freundeskreis des Ägyptischen Museums München ins Leben

zu rufen. Es sollte überwiegend von den Mitarbeitern der Museen getragen werden, um aus

erster Hand kompetent und aktuell über das Museumsgeschehen (Projekte, Konzeptionen)

und über Sonderausstellungen und Grabungen zu informieren sowie Einzelobjekte und

Objektgruppen der eigenen Museen bekannt zu machen.

Das erste Heft erschien im April 1999. Es gab vier Hefte pro Jahrgang – eine äußerst beachtliche

Leistung, wie wir „Nachkommen“ neidlos zugeben. Die Redaktion hatten Herr

Stolze und Herr Professor Wildung übernommen; als Herausgeber firmierten die Vorsitzenden

der beteiligten Vereine.

Der Erfolg wirkte anziehend. 2001 stieß der Freundeskreis des Ägyptischen Museums der

Universität Leipzig dazu, 2006 der Freundeskreis Ägyptisches Museum Wilhelm Pelizaeus

Hildesheim und etwas später der Hildesheimer Museumsverein. Die Kartusche mit den

Logos der Vereine auf der vorderen Titelseite musste gestreckt werden.

Das Heft 43 des 12. Jahrgangs vom Januar 2010 war das letzte in der genannten personellen

Konstellation des Redaktionsteams. Das Ausscheiden der Herren Stolze und Wildung

aus der Redaktion erforderte jetzt nicht nur eine Neubesetzung, sondern führte auch zu

Überlegungen bezüglich struktureller Veränderungen.

Aber zunächst konnte die erste so erfolgreiche – Periode mit einem Gesamtverzeichnis

der Hefte 1–43 gekrönt werden. Es erschließt die ca. 2 000 Druckseiten durch

hilfreiche Indices, so dass das Gesamtverzeichnis nicht nur Suchinstrument ist, sondern

auch eine kleine Chronik der Museen und Fördervereine darstellt.

2


In Vorbereitung der Weiterführung des – Magazins wurden in einem Vertrag

„Freunde Ägyptens – Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)“ Aufgaben und Verantwortlichkeiten

von Herausgebern und Redaktion festgelegt.

Die zweite – Periode konnte endlich 2012 starten. Mit Heft 44 vom April 2012

schlossen Redaktion und Herausgeber nicht nur in der Heftzählung an die Vorgänger an,

sondern suchten Kontinuität und Neuerungen zu verbinden.

Die Redaktion ging nach Leipzig, wo sie Frau Ute Terletzki, Mitglied des Leipziger Freundeskreises,

übernahm. Sie erstellte das neue Layout im oben angesprochenen Sinn. Unter

ihrer Regie erschienen die Hefte 44/2012 bis 53/2016.

Leider waren nun die Münchner nicht mehr dabei. Kurz nach dem Neubeginn 2012

schloss sich der Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums der Universität Bonn dem

– Bund an; es folgte 2013 der Freundes- und Förderkreis Antike & Gegenwart des

Museums August Kestner Hannover. Im gleichen Jahr kamen der Verein der Freunde des

Kunsthistorischen Museums Wien und der Verein Freunde des Echnaton Museums Minia

hinzu. Die Mitgliederkartusche auf dem Titelblatt nahm das langgezogene ptolemäische

Format an. Desgleichen wuchs auch die Fotogalerie der Herausgeber auf der ersten Innenseite.

Das bedeutet aber nicht, dass für eventuelle weitere Beitrittskandidaten kein Platz

mehr ist. Vieles ist möglich — auch typographisch.

E D I T O R I A L

Wechselnde Redaktionsstandorte waren bei der Neuetablierung des Magazins schon

mitgedacht worden. Es wurde akut, als Frau Terletzki aus beruflichen Gründen 2016 die

– Redaktion abgeben musste.

Ein häufiges Epitheton unseres Namenspatrons lautet: „Amun, der hört, wenn man ihn

ruft“. Wie auch immer: Zum Januar 2017 war das neue Redaktionsteam in Berlin startklar.

Die Redaktion ging wieder zum Berliner Freundeskreis. Herr Mike Berger übernahm

Satz und Layout, Frau Erika Böning-Feuß das Lektorat. Diesmal schloss das erste Heft der

neuen Redaktion (54/2017) zeitlich lückenlos an das Vorgängerheft an.

Auch unter dieser Redaktion wurde die wiederholt aufgeworfene Frage nach der Heftanzahl

pro Jahr – 4, 3 oder 2 – zugunsten von zwei Heften entschieden. Trotz Computer und

raffinierter Programme ist der Arbeitsaufwand für die ehrenamtlich arbeitende Redaktion

und für die Verantwortlichen in den Museen, die die Beiträge besorgen und häufig auch die

Autoren sind, sehr groß. In der Diskussion ist auch der Veranstaltungskalender gewesen,

der die Übersicht über die Sonderausstellungen der ersten – Periode abgelöst hat.

Allgemein als nützlich empfunden wurden sehr umfangreiche Ankündigungen durch eine

empfohlene Obergrenze pro Museum eingehegt. Es wird niemanden wundern, dass auch

eine Internet-Ausgabe im Gespräch ist. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich damit. Sie soll aber

auf keinen Fall die Printausgabe verdrängen. Deren hohe Wertschätzung zeigt sich auch in

dem Plan, alle bisherigen Hefte in mehreren Bänden als Bücher zusammenzufassen.

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E D I T O R I A L

Alle Ideen, Pläne und Probleme werden neuerdings in einem neuen „Format“ zusammengetragen:

dem Arbeitstreffen von Redaktion, Museumsverantwortlichen und Herausgebern.

Wegen seiner zentralen Lage war 2017 und 2019 Hannover Gastgeber; 2020 wird

es Leipzig sein. Nach zweimaligem Treffen kann man sagen: Es ist sinnvoll, produktiv und

anregend.

Ein Rückblick auf die Themen der Hefte beider – Perioden kann hier aus Platzgründen

nicht gegeben werde. Zusammenfassend kann man sagen, dass Themenvielfalt die

treffende Charakterisierung ist. Nur zwei Themen seien herausgegriffen:

Einen herausragenden Platz in der ersten –Periode nimmt die enge Berichterstattung

über die großen Bauprojekte ein. In Berlin war es der Wiederaufbau des Neuen

Museums auf der Museumsinsel, in München der Neubau, in Leipzig der Umzug in das

Kroch-Hochhaus und in Hildesheim der Umbau des Hauses. An allen Standorten präsentierten

sich die Museen danach mit neuen Konzeptionen.

Wie eine spannende Fortsetzungsgeschichte ziehen sich die Berichte über zwei Grabungen

durch die – Hefte. War es in der ersten – Periode die Grabung des Ägyptischen

Museums Berlin im sudanesischen Naga, ist es nun die ägyptisch-deutsche Grabung

in Heliopolis, wo ein Team des Leipziger Museums auf einer Müllhalde sensationelle Funde

macht.

Im vorliegenden Jubiläumsheft erwartet Sie wie gewohnt ein bunter Themenmix. Hervorzuheben

wären die Berichte über zwei weitere Jubiläen: 175 Jahre Hildesheimer Museumsverein

(S. 14) und das 40jährige Doppeljubiläum Hildesheim und Minia (S. 18).

Der Dank, den wir, die Herausgeber, am Schluss dieses Editorials aussprechen, geht an

mehrere Adressaten. Er gilt zunächst Ihnen, den Lesern der – Hefte, für Ihre Treue,

Ihr Interesse und Ihre Anregungen. Bleiben Sie uns weiterhin – auch kritisch – gewogen!

Unser Dank, dem sich die – Leserschaft der Freundes- und Fördervereine anschließt,

gilt den Autoren der –Beiträge, die bereit sind, über ihre wissenschaftlichen

Forschungen zu berichten und Freuden und Probleme im Museumsgeschehen mit

den Lesern zu teilen.

In ganz besonderem Maße möchten wir uns bei den Redakteuren aller Hefte bedanken. Sie

mussten und müssen es allen recht machen: den Autoren, den – Verantwortlichen

der Museen und Vereine, der Druckerei und vor allem den Lesern. Ihre ehrenamtliche Arbeit

neben ihren beruflichen Verpflichtungen verdient unsere Hochachtung und Dankbarkeit.

Nach diesem Rückblick wünsche ich Ihnen mit dem neuen Heft viele interessante Informationen

und Anregungen!

Ihre Angela Onasch

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Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .02

Inhaltsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 05

Dietrich Wildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .06

Rückblick

20 Jahre

Gunnar Sperveslage / Frank Förster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .09

Kaiserliche Pharaonen – Pharaonische Kaiser

Eine Sonderausstellung im Ägyptischen Museum der Universität Bonn

Hartmut Häger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14

175 Jahre

Hildesheimer Museumsverein e. V.

Regine Schulz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16

Neuer Vorsitzender

des Freundeskreises Ägyptisches Museum Wilhelm Pelizaeus Hildesheim e. V.

Helmut Brandl / Sven Kielau / Oliver Rösner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18

Doppel-Jubiläum!

Hildesheim und Minia feiern ihre langjährige Partnerschaft

Thomas Ritter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25

Ein Ma’at-Impuls für Europa!

Veranstaltungskalender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

Dina Faltings / Anna-Maria Begerock . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .32

Ein Rum-Baron und seine Mumie

Neukonzeption der Ägyptenausstellung im Bacardí-Museum Santiago de Cuba

Daniela Rutica . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

Arbeiter – Künstler – Pharaonen

Die 12. Tage der Ägyptologie im koptischen Kloster Brenkhausen

Thomas Ritter / Daniela Vandersee-Geier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .48

Toutânkhamon le Trésor du Pharaon

Reise des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums in Berlin nach Paris zur Ausstellung

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .51

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Unsere Museen im Internet:

http://www.smb.museum

http://www.aegyptisches-museum.uni-bonn.de

http://www.museum-august-kestner.de

http://www.rpmuseum.de

http://www.gko.uni-leipzig.de/aegyptisches-museum

http://www.khm.at

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Rückblick

20 Jahre

Am 11. Oktober 2019 feiert die Stiftung

Preußischer Kulturbesitz den zehnten

Jahrestag der Eröffnung des renovierten

Neuen Museums. Die Mitglieder des Vereins

zur Förderung des Ägyptischen Museums

Berlin haben das Privileg, die Vorgeschichte,

die zehn überaus spannenden Jahre von 1999

bis 2009 geradezu live noch einmal erleben

zu können. Regelmäßig berichtete

direkt aus den Planungssitzungen und später

von der Baustelle über das Wiedererstehen

des Ägyptischen Museums an seinem historischen

Ort auf der Museumsinsel.

Dietrich Wildung

Schade, dass das für die Zukunft des

Ägyptischen Museums so entscheidende

Jahrzehnt nach dem Fall der Mauer nicht

ebenso authentisch nacherlebt werden kann.

Die Initialzündung für das Projekt

fand erst im November 1998 statt. Ein mir

bis dahin unbekannter Wilfried Stolze (im

Branchenbuch mit seiner Firma „Preußenwerbung“

verzeichnet) hatte mich um einen

Termin gebeten, und bei unserem ersten

Gespräch in meinem Büro im Pergamonmuseum

trug er mir seine erstaunliche Idee

vor, für den Förderverein ein Magazin zu

publizieren, das einen aktuellen Kontakt

zwischen Museum und Verein bilden sollte.

Schon einen Monat später einigten sich Herr

Stolze, der Vereinsvorsitzende, Dr. Wilm

Tegethoff, und ich bei einem Treffen im

Stülerbau mit Blick auf Schloss Charlottenburg

auf die Eckdaten der Gründung von

: Vier Hefte pro Jahr, Finanzierung

ausschließlich durch Werbeanzeigen, Layout,

Gestaltung und Druck durch W. Stolze,

redaktionelle und fachliche Betreuung durch

das Museum, Herausgeberschaft beim Vereinsvorstand.

Durch seine Konzentration

auf die Arbeit des Museums und des Vereins

sollte neben populären Zeitschriften

wie Kemet, Antike Welt oder Archäologie

in Deutschland ein klares eigenes Profil

zeigen, formuliert im Untertitel „Magazin

für die Freunde der Ägyptischen Museen“.

Im April 1999 erschien pünktlich zum

Quartalsbeginn das erste Heft. Die von

Herrn Stolze mit unerbittlicher Präzision

anberaumten Redaktionsbesprechungen im

Museum entwickelten sich im Lauf des

folgenden Jahrzehnts zu einem festen Element

meines Terminkalenders. Ich plante

immer einen ganzen Vormittag ein, denn die

Gespräche mit dem redefreudigen Wilfried

Stolze beschränkten sich nicht auf die Themen

und die Gestaltung des nächsten Heftes,

sondern beleuchteten auch die Befindlichkeit

von Berlin und der Welt. Für mich wurden

die – Sitzungen alsbald zum Anlass,

ein Vierteljahr Museumsbetrieb Revue passieren

zu lassen, mir Rechenschaft über den

Weg des Museums abzulegen und über die

nächsten Planungsphasen nachzudenken.

Die Essenz dieser Überlegungen fand ihren

6


Niederschlag in Beiträgen in

als 150 sind es geworden.

; mehr

Das Konzept von fand alsbald das

Interesse anderer Museen; bereits Heft 2

zeigt auf dem Titel neben dem Berliner auch

das Münchener Vereinslogo; Leipzig und

Hildesheim schlossen sich später an.

In elf Jahren wuchs die stattliche Reihe

von 43 Ausgaben auf fast 2 000

Druckseiten an. Als im Sommer 2009 Wilfried

Stolze von Berlin ins Emsland umzog

und meine Zeit am Ägyptischen Museum

zu Ende ging, war der Herausgabe der „Mitteilungen

für die Freunde der Ägyptischen

Museen“ die wichtigste Grundlage entzogen,

der regelmäßige persönliche Kontakt zwischen

den Museen und Herrn Stolze, dem

unermüdlichen Motor des Projekts. Ihm ist

das 2010 erschienene „Gesamtverzeichnis

1–43“ gewidmet, in dem alle Beiträge

bibliographisch erfasst und inhaltlich

erschlossen sind – eine Fundgrube für einen

Rückblick auf eine unvergessliche Zeit des

Aufbruchs.

Abb. 1: Cover vom Gesamtverzeichnis

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Kaiserliche Pharaonen

AUTOKRATOR

KAISAROS

Pharaonische Kaiser

Die Herrschaft der römischen Principes

zwischen Republik und ägyptischem Königtum

Ägyptisches Museum der Universität Bonn

18. Juni bis 30. November 2019

gefördert durch die

Öffnungszeiten: Di-Fr 13-17 Uhr; Sa-So 13-18 Uhr


Kaiserliche Pharaonen –

Pharaonische Kaiser

Eine Sonderausstellung

im Ägyptischen Museum der Universität Bonn

In der Schlacht bei Actium, einer Halbinsel

im Ionischen Meer an der Westküste Griechenlands,

besiegte Octavian, der spätere

Augustus, die von Kleopatra und Marcus

Antonius befehligte Flotte und zwang Antonius’

Landtruppen zur Kapitulation. Zwar

vergingen noch zehn Monate, ehe Octavian

an der nordafrikanischen Küste landete und

Alexandria einnahm; auch entsprang die

Einnahme Ägyptens nicht römischen Expansionsbestrebungen,

sondern resultierte aus

einem römischen Bürgerkrieg, in dem sich

Octavian und Marcus Antonius als Kontrahenten

gegenüberstanden. Dennoch gilt die

Schlacht als das historische Ereignis, das zur

Eingliederung Ägyptens in das Römische

Reich führte.

Gunnar Sperveslage / Frank Förster

Für das Land am Nil brach damit eine

neue Ära an. Die Herrschaft der Ptolemäer

war nach rund 300 Jahren beendet, Ägypten

wurde fortan vom römischen Kaiser

beherrscht. Entsprechend der ägyptischen

Königsideologie waren Augustus (31 v. Chr.

– 14 n. Chr.) und seine Nachfolger nicht nur

römischer Kaiser, sondern auch ägyptischer

Pharao. Zu Beginn der Regierungszeit des

Augustus wurden die Grundlagen der römischen

Herrschaftsrepräsentation in Ägypten

gelegt, wobei die Darstellungsweise auf den

ägyptischen Monumenten der ägyptischen

Tradition folgte. Der Kaiser erhielt eine

pharaonische, in Hieroglyphenschrift umgesetzte

Titulatur, bestehend aus Horusnamen,

Thronnamen und Eigennamen. Bemerkenswert

ist dabei, dass, anders als bei seinen

Nachfolgern, der Name Augustus nicht in

Hieroglyphen geschrieben wurde. Stattdessen

wurden die Titel „Autokrator“ und „Kaisaros“

in Kartuschen geschrieben. Ebenfalls

belegt sind die Bezeichnungen „Herrscher

der Herrscher, erwählt von Ptah“ und „Der

Römer“. Bei den Titeln „Autokrator“ und

„Kaisaros“ handelt es sich um die griechischen

Entsprechungen zu den römischen

Titeln „Imperator“ und „Caesar“. Demnach

war offenbar die griechisch sprechende Priesterschaft

in Ägypten, vermutlich konkret in

Alexandria, für den Entwurf der Titulatur

verantwortlich.

In Rom verlieh Augustus seinem Machtanspruch

über Ägypten durch die Verschleppung

ägyptischer Monumente sichtbaren

Ausdruck. Ein konkretes Beispiel dafür ist

der Obelisco Flamino, der heute auf der

Piazza del Popolo in Rom steht. Ursprünglich

stand der 24 m hohe Obelisk, der von

Sethos I. begonnen und unter Ramses II.

vollendet wurde, in Heliopolis. Augustus

ließ ihn auf der Spina des Circus Maximus

aufstellen. Auch der Obelisk auf der Piazza

Montecitorio wurde von Augustus nach

Rom gebracht und auf dem Marsfeld wiedererrichtet,

wo er als Schattenstab einer

riesigen Sonnenuhr gedient haben soll.

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Die Darstellung und Inszenierung des

Herrschers befindet sich in einem ideologischen

Spannungsfeld zwischen dem

römischen Principat und dem ägyptischen

Königtum. Im Kontext des ägyptisch-römischen

Kulturkontaktes hat der römische

Kaiser zwei verschiedenen Rollen und übt

unterschiedliche Funktionen aus. Entsprechend

wurden andere Wege der Herrschaftsrepräsentation

entwickelt. Die Ausstellung

„Kaiserliche Pharaonen – Pharaonische Kaiser:

Die Herrschaft der römischen Principes

zwischen Republik und ägyptischem Königtum“

thematisiert nun einerseits, wie der

römische Kaiser auf ägyptischen Monumenten

inszeniert wird, und ist andererseits der

Frage gewidmet, mittels welcher ägyptischen

Bild- und Formsprache der römische Kaiser

seinen Herrschaftsanspruch über Ägypten

in Rom erhebt. Umgesetzt ist dies durch

thematische Poster und ausgewählte Einzelobjekte.

Neben Objekten aus der Sammlung

des Ägyptischen Museums sind Leihgaben

aus dem Akademischen Kunstmuseum der

Universität Bonn, aus dem LVR-Landes-

Museum Bonn sowie aus mehreren Privatsammlungen

zu sehen.

Exemplarisch werden die Herrschaftsinszenierungen

für die drei Kaiser Augustus

(31 v. Chr. – 14 n. Chr.), Domitian (81–96

n. Chr.) und Hadrian (117–138 n. Chr.)

dargestellt. Augustus nimmt allein dadurch

eine Sonderstellung ein, dass er nach der Eingliederung

Ägyptens in das Römische Reich

der erste römische Herrscher über Ägypten

war. Seine Repräsentation in Ägypten und

die für ihn entworfene pharaonische Titulatur

waren Vorbild für alle folgenden Kaiser.

Unter den Flaviern gewinnt der Isis-Kult im

Abb. 1: Relieffragment mit Teil einer Königskartusche, die die hieroglyphisch geschriebenen Titel „Autokrator“

und „Kaisaros“ enthält (Ägyptisches Museum Bonn, Inv.-Nr. BoSAe o. Nr. © Foto: Jutta Schubert; leicht

schematisierte Umzeichnung: Dominic Jacobs).

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Römischen Reich an Bedeutung; erstmals

stellt sich nun auch der Kaiser unter den

Schutz der ägyptischen Göttin. Ein zentrales

Objekt ist der hieroglyphisch beschriftete

Obelisk des Domitian (heute auf der Piazza

Navona in Rom), auf dem Domitian als

„geliebt von Isis“ bezeichnet wird und auf

dem seine Krönung durch die Göttin Isis

dargestellt ist. Auch unter Hadrian finden

sich neben den ägyptischen Elementen in

seiner Villa in Tivoli einzigartige Ägyptenbezüge.

Hieroglyphische Inschriften aus seiner

Zeit enthalten Übersetzungen römischer

Termini ins Ägyptische und auf der Nilinsel

Philae wurde eine mythologisch hochgradig

aufgeladene Darstellung des Nil-Ursprungs

angebracht.

In römischer Zeit wurden in der Repräsentation

von ägyptischen Gottheiten die

Bildtypen der Ptolemäerzeit fortgeführt.

Oft lässt sich schwer entscheiden, ob eine

Götterfigur in die ptolemäische oder in die

römische Zeit zu datieren ist. Nur wenige

Bildtypen wurden in der römischen Zeit neu

entwickelt. Eine davon ist die schlangenleibige

Isis-Thermouthis, die ab dem 1. Jh.

n. Chr. auftritt (Abb. 2). Sie wurde nach dem

Vorbild der ägyptischen Schlangengöttin

Renenutet geschaffen, deren Hauptkultort

im Fayum lag.

Nachfolgend seien einige ausgewählte

Exponate kurz besprochen, die als Kostproben

Appetit auf die Ausstellung machen

sollen. Diese ist auf insgesamt sechs Vitrinen

verteilt, wozu noch einführende Poster zu den

genannten drei Kaisern kommen, die im Korridorbereich

des Museums aufgehängt sind.

Ein Highlight und zugleich eine Art Logo

der Ausstellung ist ein kleines Relieffragment

unbekannter Herkunft, das im Ägyptischen

Museum aufbewahrt wird (Abb. 1). Es zeigt

in eine Kartusche geschrieben den Doppeltitel

„Autokrator Kaisaros“. Dabei ist der

Titel, wie in der ägyptischen Schrifttradition

zur Notation fremdländischer Namen üblich,

in Einkonsonantenzeichen geschrieben. Eine

genaue Zuordnung des Fragmentes zu einem

bestimmten römischen Kaiser ist kaum möglich;

sicher ist nur, dass es einem Nachfolger

des Augustus zuzuweisen ist. Denn unter

Augustus wurden die Titel „Autokrator“ und

„Kaisaros“ noch nicht zusammen in eine

Kartusche geschrieben.

Abb. 2: Terrakotta mit Darstellung der Göttin

Isis-Thermouthis in Schlangengestalt mit Menschenkopf.

Auf dem Kopf trägt sie eine Krone, die aus den

ägyptischen Elementen Kuhhörnern, Sonnenscheibe

und Federn besteht (Akademisches Kunstmuseum

Bonn, Inv.-Nr. D 56; © Foto: Wolfgang Klein).

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In der Götterwelt wurde bereits unter

den Ptolemäern in vielen Bereichen der

ägyptische Totengott Osiris durch den neugeschaffenen

Gott Serapis verdrängt. Serapis

vereinigt in sich Aspekte der ägyptischen

Götter Osiris und Apis sowie des griechischen

Vatergottes Zeus, des Totengottes

Hades und des Asklepios, des Gottes der

Heilkunst. Dargestellt wird er entsprechend

der griechischen Vatergottheiten als bärtiger

Mann. Ein besonderes Kultbild des Gottes

Serapis stellt ein bronzener Fuß aus der

Privatsammlung Lisa Schwarz dar, die als

Dauerleihgabe im Ägyptischen Museum aufbewahrt

wird (Abb. 3). In die Aussparung im

oberen Bereich war ursprünglich vermutlich

eine kleine Büste des Serapis eingelassen.

Dieses Motiv ist von Münzen und Gemmen

bekannt und symbolisiert die heilenden

Fähigkeiten des Gottes.

Amulettplättchen (1,5 x 1,2 cm) aus dem

LVR-LandesMuseum Bonn, das im Jahre

1924 oder 1925 in der Nähe des römischen

Militärlagers in Bonn gefunden und von

Alfred Wiedemann, dem Begründer der

Bonner Ägyptologie, 1925 in den „Bonner

Jahrbüchern“ publiziert wurde (Bd. 130,

S. 193–198). Gefertigt aus weißem Glasfluss,

zeigt es auf der einen Seite ein Udjat-

Auge als schutzbringendes Symbol, auf der

anderen ein Pferd zusammen mit einigen

Hieroglyphen (Abb. 4). Darstellungen von

Pferden finden sich eher selten auf ägyptischen

Amuletten. Anders als im Römischen

Die Verbreitung ägyptischer Objekte

im Römischen Reich illustriert ein kleines

Abb. 3: Kultstatuette des Gottes Serapis in Form eines

Fußes (Ägyptisches Museum Bonn, Leihgabe Sammlung

Lisa Schwarz Nr. 39; © Foto: Norbert Böer).

Abb. 4: Ägyptisches Amulett mit Darstellung eines

Udjat-Auges auf der einen sowie eines Pferdes mit

Hieroglyphen auf der anderen Seite, gefunden 1924/25

nahe des römischen Militärlagers in Bonn (LVR-LandesMuseum,

Inv.-Nr. 30825; © Fotos: Jürgen Vogel).

12


Reich wurde das Pferd in Ägypten kaum als

Reittier, sondern nahezu ausschließlich als

Zugtier von zweirädrigen Streitwagen eingesetzt.

Die Frage, ob der Träger des Amuletts

vielleicht Anhänger eines im Römischen

Reich verbreiteten ägyptischen (Isis?-)Kultes

war, muss offenbleiben. In jedem Falle dürfte

es sich bei dem Glücksbringer um das erste

Objekt aus dem alten Ägypten handeln, das

nach Bonn gelangte – vor rund 2 000 Jahren.

Universität Bonn als ein Gemeinschaftsprojekt

der beteiligten Fächer Alte Geschichte

und Ägyptologie unter Leitung von Prof.

Konrad Vössing und Prof. Ludwig Morenz

realisiert wurde (vgl. auch 57, 2018,

S. 64–70), ist noch bis zum 30. November

2019 zu sehen. Und die Chancen stehen gut,

dass sie sogar noch um einige Monate verlängert

wird!

Auf den ersten der kaiserlichen Pharaonen

und pharaonischen Kaiser, nämlich Augustus,

gehen spezielle Münzprägungen zurück,

die auf einer Seite ein Krokodil zeigen, das

oft wie hier als an eine Palme gekettet dargestellt

ist (Abb. 5). Das Krokodil ist ein

Symbol für den Nil und damit für Ägypten,

dessen Eroberung hierdurch bildhaft zum

Ausdruck gebracht werden soll. Manche

Münzen weisen zudem noch eine Aufschrift

AEGYPTO CAPTA auf, was ganz konkret

„Ägypten ist bezwungen“ zu lesen ist.

Bei unserem Beispiel verrät der Schriftzug

COL(onia) NEM(ausus), dass die Münze

aus dem gallischen Nîmes stammt. Das

Motiv des gefangenen Krokodils war in

Nîmes besonders beliebt, da dort zahlreiche

Veteranen aus der Schlacht bei Actium angesiedelt

waren. Noch heute sind das Krokodil

und die Palme Teil des Stadtwappens von

Nîmes. Auf der Vorderseite der Münze ist

Augustus mit seinem engen Vertrauten und

Stellvertreter Agrippa zu sehen.

Freunde des interkulturellen Kontakts zwischen

Ägypten und dem alten Rom werden

noch für einige Zeit auf ihre Kosten kommen:

Die Sonderausstellung, die im Rahmen

des Sonderforschungsbereiches 1167 „Macht

und Herrschaft – Vormoderne Konfigurationen

in transkultureller Perspektive“ an der

Abb. 5: Das gefangene Krokodil auf der Rückseite

der Münze aus der Regierungszeit des Augustus

symbolisiert die römische Eroberung Ägyptens. Auf

der Vorderseite ist eine Darstellung des Augustus mit

seinem Stellvertreter Agrippa zu sehen (Akademisches

Kunstmuseum Bonn, Inv.-Nr. R 10.010;

© Fotos: Akademisches Kunstmuseum Bonn).

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175 Jahre

Hildesheimer Museumsverein e. V.

Am 29. Juli 1844 wurde der Museumsverein

unter dem Namen „Verein für

Kunde der Natur und der Kunst im Fürstenthume

Hildesheim und in der Stadt

Goslar“ gegründet. Gründungsmitglieder

waren Gottlob Heinrich Bergmann (1781–

1861), Johannes Leunis (1802–1873), Hermann-Adolf

Lüntzel (1799–1850), Clemens

Praël (1800–1878) und Hermann Roemer

(1816–1894). 14 Tage später, am 12. August

1844, genehmigte die hierfür zuständige

Verwaltungsstelle der königlich-hannoveranischen

Landdrostei die Satzung, und am

1. September 1844 stellte sich der Verein in

der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vor.

Nun begann eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte,

und schon am 20. März 1845

konnte die erste Ausstellung in zwei Räumen

der Boos’schen Kurie am Domhof 26

der Öffentlichkeit präsentiert werden. Da

das Museum sowohl natur- als auch kulturkundliche

Gegenstände sammeln wollte,

gab es zwei Direktoren: Für die Geschichte

und Kunst war Hermann-Adolf Lüntzel

zuständig und für die Naturkunde Johannes

Leunis. Der Geschäftsführer („Secretaer“)

war Hermann Roemer. Zum Zeitpunkt

der Ausstellungseröffnung hatte der Verein

bereits 178 Mitglieder, 6 Ehrenmitglieder

(Fördermitglieder) und 31 korrespondierende

Mitglieder (Sammler und Stifter). Um

weitere Unterstützer zu begeistern, erging

Hartmut Häger

noch im selben Jahr ein erneuter Aufruf zur

Beteiligung am Museumsverein.

Bereits zehn Jahre nach seiner Gründung

gelang es dem Museumsverein, die Martinikirche

zu kaufen und sie von 1857 bis 1859

von Conrad Wilhelm Hase zum Museum

umbauen zu lassen. Wiederum zehn Jahre

später konnte der Verein die benachbarten

Gebäude des Waisenhauses und der Kapelle

(Portiuncula) erwerben und durch Stadtbaumeister

Gustav Schwartz in das nun

„Städtische Museum“ integrieren lassen.

Die Erweiterungen zeugen vom raschen

Anwachsen der Sammlung durch Stifter mit

unterschiedlichen Interessen, so dass viele

qualitativ hochwertige Bereiche entstanden:

Paläontologie, Geologie, Völkerkunde,

Ägyptologie, Heimatgeschichte, jeweils mit

weiteren Ausdifferenzierungen. Die Familie

Roemer steuerte eigene Sammlungen bei,

aber vor allem erhebliche Vermächtnisse,

die den Unterhalt des Museums absicherten.

Eineinhalb Monate nach Hermann Roemers

Tod am 24. Februar 1894 wurde das

Städtische Museum in „Roemer-Museum“

umbenannt.

14


Danach kamen weitere bedeutende

Sammlungen nach Hildesheim – zum Beispiel

durch Museumsdirektor Rudolf Hauthal,

der nach 1906 für das Hildesheimer

Museum eine bedeutende Alt-Peru-Sammlung

erwarb und durch Wilhelm Pelizaeus,

der bis 1911 der Stadt über 2 000 altägyptische

Objekte schenkte. Für das „Pelizae us-

Museum, archäologische Sammlung“ wurde

eine erneute bauliche Erweiterung er forderlich,

deren Eröffnung am 29. Juli 1911 ein

Wechsel der Trägerschaft vom Museumsverein

auf die Stadt vorausging.

Seitdem begleitet und berät der Museumsverein

das Museum und die Stadt in den

jeweiligen Aufsichtsgremien, früher der

Gemeindevertretung, heute der gGmbH.

Er tritt öffentlich für die Belange „seines“

Museums ein und bietet seinen Mitgliedern

eine Fülle interessanter Angebote.

Der Museumsverein – die älteste noch

aktive Bürgerinitiative der Stadt Hildesheim

– hat zurzeit 1 100 Mitglieder, darunter über

200 junge Mitglieder von 8 bis 18 Jahren

– die JuMis. Seit dem 16. Juni 1977 gibt

es einen zweiten Verein, den Freundeskreis

Ägyptisches Museum Wilhelm Pelizaeus, mit

dem der Hildesheimer Museumsverein aufs

engste zusammenarbeitet. Während sich der

Museumsverein verstärkt auf die Aktivitäten

und Sammlungsbereiche des Roemer-Museums

(Naturkunde, Ethnologie, Kunst- und

Regionalgeschichte) konzentriert, stehen

beim Freundeskreis die Antiken-/Ägyptensammlungen

und die Projekte des Pelizaeus-Museums

im Vordergrund. Unterstützt

werden das Museum und die beiden Vereine

außerdem (Roemer- und Pelizaeus-Museum

zusammen mit dem Stadtmuseum Hildesheim)

von ca. 100 ehrenamtlichen Helferinnen

und Helfern, die in vielen verschiedenen

Bereichen aktiv mitwirken.

Danke an alle Mitglieder für 175 Jahre!

UNSERE

JUMIS

_jungblut

_wissensdurst

_teamwork

GEBURTSTAG

15


Neuer Vorsitzender

des Freundeskreises Ägyptisches Museum

Wilhelm Pelizaeus Hildesheim e.V

Nach dem plötzlichen Ableben des

langjährigen Vorsitzenden, Dr. Jürgen

Kroneberg, hat der Vorstand Herrn Prof. Dr.

Ludolf Pelizaeus als neuen Vorsitzenden des

Freundeskreises Ägyptisches Museum Wilhelm

Pelizaeus Hildesheim e. V. berufen.

Regine Schulz

Prof. Dr. Ludolf Pelizaeus ist ein Nachfahre

von Wilhelm Pelizaeus (1851–1930),

dem Begründer des Pelizaeus-Museums in

Hildesheim, das 1911 eröffnet wurde und

jetzt Bestandteil des Roemer- und Pelizae us-

Museums (RPM) Hildesheim ist.

16


Ludolf Pelizaeus ist seit 2014 Professor für

Ideengeschichte, Kultur- und Interkulturelle

Geschichte im Fachbereich Fremdsprachen

und Kulturen an der Université de Picardie

Jules Verne in Amiens (Frankreich). Vorher

war er außerplanmäßiger Professor an

der Johannes Gutenberg Universität Mainz

und lehrte an der Karl Franzens Universität

Graz (Österreich), der National University of

Ireland in Galway und arbeitete am Leibniz

Institut für Europäische Geschichte. Er studierte

Geschichte, Kunstgeschichte und Kulturanthropologie,

wurde 1998 promoviert

und habilitierte sich 2003 mit einer Arbeit

zum Städtischen Widerstand im Reich

Karls V.

Im Zentrum seiner Forschungen steht die

Entstehung des Modernen Staates, aber auch

die Beziehungen zu Lateinamerika und Nordafrika.

Einer der Forschungsschwerpunkte in

diesem Rahmen sind die UNESCO–Welterbezonen.

In diesem Zusammenhang hat er

im April 2019 als Vorsitzender der Stiftung

Wissensraum Europa Mittelmeer zusammen

mit dem Institut für Auslandbeziehungen

in Stuttgart und dem RPM eine Tagung

zum Thema „Pflege und Inwertsetzung des

Architekturerbes der Kolonialzeit. Herausforderungen

und Perspektiven in Tetuan

(Marokko)“ organisiert.

HERMANN

ROEMER

WILHELM

PELIZAEUS

Seit vielen Jahren ist Prof. Pelizaeus dem

Roemer- und Pelizaeus-Museum eng verbunden

und unterstützt sowohl das Museum

im Aufsichtsrat der gGmbH als auch die Fördervereine.

Der Vorstand des Freundeskreises

und das RPM insgesamt sind glücklich,

ihn als neuen Vorsitzenden gewonnen zu

haben und freuen sich sehr auf die Zusammenarbeit

mit ihm.

17


Doppel-Jubiläum!

Hildesheim und Minia feiern ihre langjährige

Partnerschaft

Die Stadt Hildesheim und das Roemerund

Pelizaeus-Museum freuen sich in

diesem Jahr über ein besonderes Jubiläum:

Genau 40 Jahre ist es her, seit die Städtepartnerschaft

mit der mittelägyptischen Stadt

Minia und dem gleichnamigen Gouvernorat

begründet wurde. Dieses Jubiläum wird mit

einem intensivierten Austausch auf mehreren

Ebenen begangen, zu dem auch gegenseitige

Besuche gehören.

Auf Einladung der Stadt besuchte aus diesem

Grund eine ägyptische Delegation vom

Helmut Brandl / Sven Kielau / Oliver Rösner

15. bis 19. Juli 2019 Hildesheim. Angeführt

wurde sie vom Gouverneur von Minia, S. E.

General Qassem Mohamed Hussein Qassem

und dem Präsidenten der Universität Minia,

Prof. Mostafa Abd el-Naby Abd el-Rahman

Ahmed. In ihrer Begleitung befanden sich

Damen und Herren aus dem ägyptischen

Entwicklungsministerium, Spezialisten der

Universität Minia für Umweltschutz und

kulturelle Bildung, Tourismusfachleute

und die Leiterin der Medienabteilung des

Gouvernorates Minia.

Abb. 1: Unterzeichnung

des Abkommens zur Fortsetzung

der kommunalen

Partnerschaft im Hildesheimer

Rathaus. Links: Der

Gouverneur von Minia,

General Qassem Mohamed

Hussein Qassem, rechts:

Oberbürgermeister Dr.

Ingo Meyer;

© Foto: H. Brandl

18


Die Koordination dieses Besuches lag

auf der Seite der ägyptischen Gäste in den

bewährten Händen von Prof. Hussein

Mohamed Ali Ibrahim, einem Restaurierungs-

und Denkmalpflegespezialisten der

Universität Minia, der seit vielen Jahren mit

dem Hildesheimer Museum und der Hochschule

für Angewandte Wissenschaft und

Kunst in Hildesheim (HAWK, Abteilung

Bauen und Erhalten, Fachbereich Stein)

zusammenarbeitet. Auf deutscher Seite war

Oliver Rösner vom Fachbereich Büro des

Oberbürgermeisters, Internationale Beziehungen

und Fördermittelberatung, für den

Ablauf verantwortlich.

Zum Abschluss des erfolgreichen Besuches

wurde ein Dokument unterzeichnet, das die

Bedeutung der Beziehungen auf sozialem

und kulturellem Gebiet unterstreicht uns

ihre Fortsetzung in den kommenden Jahren

umreißt (Abb. 1). Von nicht zu unterschätzender

symbolischer Bedeutung war dazu

die Benennung einer Hildesheimer Brücke

unweit des Roemer- und Pelizaeus-Museums

als „Minia-Brücke“, denn es ist das erste

Mal, dass eine Hildesheimer Partnerstadt in

dieser Weise geehrt wird (Abb. 2).

Der Gegenbesuch einer Hildesheimer

Delegation, angeführt von Oberbürgermeis-

Abb. 2: Einweihung der „Minia-Brücke“ in Hildesheim. Vordere Reihe (von li. nach re.): Prof. Regine Schulz

(Direktorin und Geschäftsführerin der Roemer- und Pelizaeus-Museum gGmbH), Dr. Tharwat Fathy el-Azhary

(Leiter des Tourismus-Referates in Minia), Prof. Mostafa Abd el-Naby (Präsident der Universität Minia), Prof.

Hussein Mohamed Ali (Koordinator des Ägyptisch-Deutschen Begegnungsprojektes), Prof. Mohamed Galal

Hassan Shehata (Vize-Präsident der Universität Minia), General Qassem Mohamed Hussein Qassem (Gouverneur

von Minia); © Foto: H. Brandl

19


ter Dr. Ingo Meyer, ist für den November

dieses Jahres vorgesehen. Eine Gruppe von

etwa 20 interessierten Bürgerinnen und Bürgern

wird sie voraussichtlich begleiten und

dabei Gelegenheit haben nicht nur Land und

Leute sondern auch die wichtigsten Kulturstätten

in Minia und Umgebung kennenzulernen.

(Es sind noch Plätze frei!). Diese

Reise wird ohne Zweifel dazu beitragen die

freundschaftlichen Bande zwischen beiden

Städten noch enger zu flechten.

Den wesentlichen Anstoß zu dieser beispielhaften

kommunalen Partnerschaft gab

der vormalige Direktor des Pelizaeus-Museums,

Prof. Arne Eggebrecht, dessen Interesse

an Minia vor allem von seiner Begeisterung

für die Kunst und Kultur der Amarna-Periode

getragen wurde. Bekanntlich liegt Tell

el-Amarna, die Stadtruine von Achet-Aton,

der kurzlebigen Residenzstadt des Echnaton

und der Nofret-ete im Gouvernorat Minia.

Hildesheims Beziehungen zu Minia sind

heutzutage vielfältig. Aktuelle Themen,

die unter Experten beider Städte diskutiert

werden, umfassen Energie-Management und

Abfallwirtschaft ebenso wie Tourismus und

Abb. 3: Ankündigung eines Vortrages von Prof. G.

Roeder über den Fortgang der ersten Hildesheimer

Grabungen in Hermopolis, 1930.

© Roemer- und Pelizaeus-Museum / Stadtarchiv

Hildesheim

Marketing. Am weitesten reichen jedoch die

kulturellen Beziehungen zurück.

Anlässlich des 40-Jahre-Jubiläums erinnert

das Roemer- und Pelizaeus-Museum derzeit

an den bereits 90 Jahre zurückliegenden

Beginn der deutschen Ausgrabungen

in El-Aschmunein, dem pharaonischen

„Schmunu“, das von den alten Griechen

Hermopolis (bzw. Hermoupolis) genannt

wurde und das ebenfalls im Gouvernorat

Minia liegt.

Bereits zwischen 1903 und 1906 grub

hier der Archäologe Otto Rubensohn nach

Papyri der griechisch-römischen Periode;

das war jedoch bevor er 1914 Gründungsdirektor

des Pelizaeus-Museums wurde. Erst

sein Nachfolger im Amt, Günther Roeder,

konnte auf der Basis einer vertraglichen

Vereinbarung mit der ägyptischen Antikenbehörde

und mit finanzieller Unterstützung

eines speziell zu diesem Zweck ins Leben

gerufenen Fördervereins zwischen 1929 und

1939 systematische Ausgrabungen durchführen

(Abb. 3). In neuerer Zeit widmete

sich eine Gruppe von Archäologen um die

frühere RPM-Direktorin und derzeitigen

Leiterin des Niedersächsischen Landesmuseums

in Hannover, Dr. Katja Lembke, der

Erforschung der hermopolitanischen Nekropole

aus der römischen Kaiserzeit.

Aktuell wird vom Roemer- und Pelizaeus-Museum

(RPM) in Kooperation mit der

Universität Minia (Faculty of Fine Arts) die

Wiederaufnahme der Arbeiten in der antiken

Stadt selbst betrieben (Projektleitung Prof.

Regine Schulz und Prof. Hussein Mohamed

Ali Ibrahim) – in enger Zusammenarbeit mit

der Hochschule für Angewandte Wissenschaft

und Kunst (HAWK) Hildesheim.

20


Das Projekt trägt den Namen „Hermopolis

Magna: Wiederaufnahme der archäologischen

und restauratorischen Arbeit

und Forschung in der Stadt des Thot

– eine deutsch-ägyptische Kooperation“

und soll 2020 beginnen. Ein Fokus wird

unter der Leitung des Klassischen Archäologen

Dr. Sven Kielau (RPM) auf dem in

der Fachwelt zwar bekannten, aber nur

ansatzweise erforschten Heiligtum aus der

Zeit Ptolemaios III. und seiner Gemahlin

Berenike II. liegen (spätes 3. Jh. v. Chr.). In

diesem Heiligtum befanden sich Bauwerke

klassisch griechischen Stils, in dorischer,

ionischer und korinthischer Ordnung. Eine

gut erhaltene griechische Giebelinschrift

berichtet davon, dass es die vor Ort stationierten

„Reiter“ waren, die „wegen der ihnen

erwiesenen Wohltat“ das Heiligtum und

seine Kultbilder dem König Ptolemaios und

seiner Gemahlin weihten (Abb. 4). Hier will

das RPM zudem mit Masterstudierenden des

Fachbereichs Bauforschung der Ostbayerischen

Technischen Hochschule Regensburg

zusammenarbeiten (OTH, betreut von Prof.

Ulrike Fauerbach), die vor Ort an der Bauaufnahme

mitwirken sollen.

Auch restauratorisch und konservatorisch

sind in Hermopolis dringend Maßnahmen

erforderlich. Das Antikengelände ist zwar

nicht modern überbaut, aber bereits ergrabene

Bauteile und Tempelmauern sind ungeschützt

der Bodenfeuchtigkeit, Witterung

und Versalzung ausgesetzt (Abb. 5). Besonders

bedroht sind die zahlreichen Reliefblöcke

aus den Aton-Tempeln von Achet-Aton/

Tell el-Amarna, die bald nach dem Ende von

Echnatons Regierung als Steinbruch genutzt

wurden. In Hermopolis wurden Tausende

dieser reliefgeschmückten Blöcke in Fundamenten

wiederverwendet. Sie stellen einen

extrem interessanten und bisher nur zum Teil

gehobenen Schatz dar. Diesem Themenfeld

wird sich der Amarna-Experte Dr. Christian

Bayer (RPM) widmen, der ebenfalls an dem

Projekt beteiligt ist. Gemeinsam mit der Universität

Minia und der Hildesheimer HAWK

wird auch die Abteilung Restaurierung des

RPM vor Ort an den Dokumentations- und

Schutzmaßnahmen mitwirken.

Aus Anlass dieser beiden Jubiläen und der

bedeutenden wissenschaftlichen Vorhaben

wurde die große Wandvitrine im Foyer des

Abb. 4: Giebelinschrift des

Heiligtums für Ptolemaios III. in

Hermopolis

© Foto: H. Brandl

21


Abb. 5: Ruine des Pylons und der sich anschließenden Hypostyl-Halle des Amun-Re-Tempels von Schmunu

(Hermopolis) aus der Zeit Sethos‘ II., 19. Dynastie, um 1200 v. Chr.

© Foto: H. Brandl

Abb. 6: Aktuelle „Minia-Vitrine“ im Foyer des Roemer und Pelizaeus-Museums, Hildesheim (Detail)

© Foto: D. Warnecke

22


Roemer- und Pelizaeus-Museums neu eingerichtet.

Die temporäre Installation, die noch

bis Mitte Oktober 2019 zu sehen ist, stellt

den Museumsbesuchern wichtige archäologische

Stätten und Museen in Minia vor und

gibt einen komprimierten Überblick über

die dortigen archäologischen Aktivitäten des

RPM im 20. Jahrhundert (Abb. 6).

Im Zentrum steht dabei einer der frühen

Funde G. Roeders aus El-Aschmunein, der

im Rahmen der damals möglichen Fundteilung

nach Hildesheim gelangte: Es handelt

sich um ein Relieffragment, das aufgrund

seines Formates und des bewegten Stils

seiner Darstellung wohl zu einem amarnazeitlichen,

sogenannten „Talatat“-Block (d.

h. „Dreier“-Block, eine Handspanne hoch,

drei Handspannen breit) gehört. Es fand

sich verbaut in einer Tempelmauer der 19.

Dynastie (Abb. 7). Der vorhandene Rest der

Darstellung zeigt, gestaffelt auf Hockern mit

gekreuzten Beinen sitzend, drei Figuren. Von

der Gestalt ganz links sind zwar nur noch

wenige Linien der Unterschenkel erhalten,

doch genügt dies um eine dritte Person als

gesichert anzusehen (Abb. 8). Dass es sich

um männliche Figuren handelt, bezeugen

Abb. 7: Mauer im südlichen Tempelbezirk

von Schmunu / Hermopolis;

der Pfeil zeigt die Fundlage des Blockes

Hildesheim, Roemer- und Pelizaeus-Museum,

PM 4573;

© Roemer- und Pelizaeus-Museum

Hildesheim

Foto: G. Roeder (1930)

Abb. 8: Sekundär verbauter Reliefblock,

Sandstein, Amarna-Zeit, Mitte des 14.

Jh. v. Chr., H. 21,7 cm, aus El-Aschmunein

(Hermopolis), Hildesheim,

Roemer- und Pelizaeus-Museum, PM

4573;

© Roemer- und Pelizaeus-Museum

Hildesheim

Foto: Sh. Shalchi

23


neben den kurzen Schurzen vor allem die

roten Farbreste im Bereich der Haut aller

drei Personen. Bisher ist es nicht gelungen,

den Kontext der Darstellung zu zweifelsfrei

zu ermitteln. Aufgrund des Materials,

Sandstein, ist eine ursprüngliche Herkunft

des Reliefs aus einem südlicher als Amarna

gelegenen Bauwerk zu vermuten. Möglicherweise

handelt es sich dabei um ein Aton-Heiligtum

in Theben (Karnak?). Die Größe der

Figuren, ihre Sitzposition und nicht zuletzt

ihre durch körperliche Berührung erkennbare,

enge Verbindung lassen an männliche

Personen aus dem Umfeld der königlichen

Familie denken. Die Figur ganz rechts

scheint wegen ihrer Proportionen und der

unruhigen Körperhaltung ein Jugendlicher

zu sein. Ein Name, der hier so manchem

in den Sinn kommt, ist – Tutanchaton, der

spätere Pharao Tutanchamun.

Darüber hinaus werden in dieser Vitrine

Archivalien, Fotos und eine Filmsequenz von

den Grabungen aus dem Jahr 1930 gezeigt

und zusammen mit Realien, kaiserzeitlichen

Terrakotten, präsentiert. Bei einer davon

handelt es sich um eine eigentümliche Lampe

in Form des hockenden, Pavian- gestaltigen

Gottes Thot mit Mondsichel und –scheibe

auf dem Kopf. Augen, Schnauze, Pfoten

und Fellstruktur des Tieres sind weitgehend

deutlich angegeben, so dass es eindrücklich

als Affe erkennbar ist (Abb. 9). Thot wurde

schon im Neuen Reich nicht nur als Weisheitsgott

verehrt, sondern auch als nächtlicher

Lichtbringer, dessen Lebenskraft sich

auf magische Weise zyklisch erneuert. Vielleicht

wurde auch deshalb der hauptsächliche

Verehrungsort des universalen Sonnengottes

Aton unter Echnaton gegenüber der altehrwürdigen

Stätte des Mondkultes errichtet.

Aufgrund der bedeutenden Rolle, die das

RPM nicht allein im Kulturleben der Stadt

Hildesheim spielt, sondern weil es mit seiner

international berühmten Ägypten-Sammlung,

den ethnologischen und naturkundlichen

Sammlungen und nicht zuletzt mit

seinen Sonderausstellungen viele kulturbegeisterte

Menschen aus dem In- und Ausland

anzieht, ist zu erwarten, dass Hildesheims

Bewerbung als Kulturhauptstadt des Jahres

2025 auch von dieser Seite eine eindrucksvolle

Unterstützung erfährt. – Durch Ihren

Besuch unterstützen Sie uns auf diesem Weg.

Wir freuen uns darauf!

Abb. 9: Lampe: Gott Thot als Pavian mit „Mondkrone“,

Terrakotta, römisch-kaiserzeitlich, H. 17 cm,

Herkunft unbekannt (Hermopolis?), Hildesheim,

Roemer- und Pelizaeus-Museum, PM 833; © Roemerund

Pelizaeus-Museum Hildesheim

© Foto: Sh. Shalchi

24


Ein Ma’at-Impuls für Europa!

In Europa wie auch in der Welt gewinnen

diversifizierende Kräfte an Bedeutung. Es sind

viele der sogenannten Populisten auf dem Plan.

Thematisch geht es nicht mehr um das Öffnen

von Grenzen und die Entwicklung gemeinsamer

politischer und kultureller Räume sondern

im Gegenteil um die Errichtung von Mauern

und Zäunen zwischen Menschengruppen. Es

werden Kriterien zur Unterscheidung und zur

Heraustellung und Markierung der Differenzen

der Kulturen und der Menschen gesucht, um

über die kulturelle Identifizierung für jeden

einzelnen Mensch eine politische Identität

zu konstituieren, die wiederum bestimmten

Staaten – oder besser einem bestimmten Staatsgebiet

– zugeordnet wird. In Europa sind diese

diversifizierenden Kräfte so weit zur Macht

gelangt, dass trotz den Erfahrungen des zweiten

Weltkriegs und trotz der jahrezehntelang friedenssichernden

Funktion und Bedeutung der

Europäischen Union mit aller Kraft („komme,

was wolle” (so der aktuelle britische Premierrminister))

ein Bre xit durchgesetzt werden soll.

Bei Ma’at geht es nicht um das Diversifizierende

und das Trennende sondern um eine nicht

nur die menschliche „Gesellschaft” sondern die

ganze „Welt” tragende Einheit. Unabhängig

von den vielen Fragen, die in der Wissenschaft

z. B. von J. Assmann oder von J. Dittmer – von

letzterem auch unter dem Gesichtspunkt der

Zusammenhänge zur griechischen Eunomia

bzw. zum Logos – gestellt werden, kann mit

Thomas Ritter

H. Brümmer gesagt werden, „dass mit dem

Konzept der Ma’at eine vergleichsweise sehr

frühe Kultur auf höchster Abstraktionsstufe

einen Begriff geprägt hat, der menschliches

Handeln und kosmische Ordnung miteinander

verknüpft, und damit Recht, Moral, Staat, Kult

und religiöses Weltbild auf eine gemeinsame

Grundlage stellt … Im Begriff der Ma’at liegt

ungeschieden nebeneinander, was später in

Staats-, Moral- und Naturphilosophie und

Theologie auseinandertreten wird”.

Im Blick auf die eingangs dargestellten

Kräfte der Diversifizierung und der Gefahr der

Schwächung und der Erosion der in Europa

erreichten politischen und friedenssichernden

Einheit wünsche ich mir einen „Ma’at-Impuls”

für Europa. Nicht nur im politischen und

kulturellen Bereich sollte es vorrangig wieder

mehr darum gehen danach zu fragen, was

uns in unseren Verschiedenheiten verbindet

und wie aus dieser Einheit unter Bewahrung

kultureller Unterschiede erreichte politische

Einheiten wie die Europäische Union weiterentwickelt

und gestärkt werden können. Einen

solchen „Ma’at-Impuls” gibt und unterstützt

seit Jahrzehnten das Magazin, indem

es staatenübergreifend kulturelle Wurzeln und

Zusammenhänge aufgrund eines entsprechenden

Zusammenwirkens von Menschen

darstellt. Dafür gebührt allen im Rahmen des

Beteiligten, von den Initiatoren bis zu

allen heute Aktiven ein besonderer Dank.

25


V E R A N S T A L T U N G E N

BERLIN

Kunstwerk des Monats 2019

Neues Museum

Pädagogikraum im 3. OG

Anschließend Führung am Objekt im Raum

1.09 („Dreißig Jahrhunderte“)

6. Oktober 2019 – 11:00 Uhr

„Original und Fälschung“

Drei Malereifragmente und

ihre thebanische Vorlage

Prof. Dr. Friederike Seyfried

3. November 2019 – 11:00 Uhr

„Haus und Hof“

Altägyptische Lebenswelt im Modell

Dr. Olivia Zorn

1. Dezember 2019– 11:00 Uhr

„Auszug aus einem Schulbuch“

Ein kursivhieroglyphisches

Ostrakon der Kemit

Prof. Dr. Verena Lepper

Vorträge

Forschung im Museum II

Brugsch-Pascha-Saal

15. Oktober 2019– 19:00 Uhr

Objekte lesen und verstehen.

Zur Methodik der Aufarbeitung

mykenischer Keramik aus Amarna

Saskia Nehls, M.A.

19. November 2019– 19:00 Uhr

Herr Petepiphis – ein Ägypter

mit Fremdsprachenkenntnissen

in Elephantine

PD Jan Moje & Dr. Ruth Duttenhöfer

10. Dezember 2019– 19:00 Uhr

Eine Königin auf Reisen – Erwerbungen

und Ausstellungen ägyptischer

Kunst im 19. Jahrhundert

Mariana Jung, M.A.

BONN

Sonderausstellungen

Noch bis zum 30. November 2019

Di – Fr: 13:00 Uhr – 17:00 Uhr

Sa + So: 13:00 Uhr – 18:00 Uhr

Kaiserliche Pharaonen –

Pharaonische Kaiser

Die Herrschaft der römischen

Principes zwischen Republik

und ägyptischem Königtum

(Siehe Beitrag in diesem Heft, ab Seite 9)

Verlängert auf unbestimmte Zeit:

Sinnüberschuss und Sinnreduktion

von, durch und mit Objekten:

Materialität von Kulturtechniken zur

Bewältigung von Außergewöhnlichem

Eine Arbeitsausstellung zum BMBF-

Verbundprojekt „SiSi“

Haben Sie auch einen Glücksbringer in Ihrer

Tasche oder um den Hals hängen? Oder einen

Kugelschreiber, ein T-Shirt oder einen anderen

Gegenstand, der Ihnen Glück bringen soll?

Wir alle besitzen solche mit Sinn aufgeladenen

Gegenstände – ein quasi universelles

Phänomen, das nun im Rahmen eines neuen

Projekts in verschiedenen Zeiten und Kulturen

untersucht werden soll: „Sinnüberschuss und

Sinnreduktion von, durch und mit Objekten.

Materialität von Kulturtechniken zur

Bewältigung von Außergewöhnlichem“ (kurz:

„SiSi“). Neben der Bonner Ägyptologie, die

in den nächsten drei Jahren sicher spannende

Ergebnisse rund um Amulette, Glücksbringer

und böse Omen im Alten Ägypten zu

berichten haben wird, sind in diesem

fachübergreifenden Projekt noch die Bonner

Altamerikanistik sowie die Medizinische

Hochschule Brandenburg und die Heinrich-

Heine-Universität Düsseldorf (‚Mad Studies’/

Medizingeschichte) vertreten. Das Ägyptische

Museum der Universität Bonn zeigt ab dem

14.1.2019 eine erste kleine Arbeitsausstellung

zum Thema.

Trotz aktueller Baumaßnahmen im Ostflügel

des Universitätshauptgebäudes bleibt

das Museum bis auf weiteres geöffnet.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

26


Vorträge

16. Oktober 2019 – 18:30 Uhr

Aegypto capta:

Wie Ägypten römisch und der

Kaiser ein Pharao wurde

Dr. Gunnar Sperveslage

6. November 2019 – 18:30 Uhr

„Von Pyramiden, Göttern

und Hieroglyphen“

Zu einigen Exlibris von Ägyptologen

Dr. Kirsten Konrad

11. Dezember 2019 – 18:30 Uhr

Akhenaten’s seat of government:

the Central City at Amarna

Prof. em. Dr. Barry J. Kemp

Dauerausstellung

Drei Wege nach Ägypten

Die Dauerausstellung ist in drei Bereiche

gegliedert, die drei Wege beschreiben, das

Alte Ägypten zu erkunden: Reichtum und

Vielfalt der pharaonischen Kultur werden in

Vitrinen zu den Themen Keramik, Werkzeuge,

Leben und Luxus, Schrift, Pharao, Götter,

Mythen und Tod sowie Kunst gezeigt, die

gemeinsam ein Kulturhistorisches Panorama

des Alten Ägypten entwerfen. In der

Studiensammlung werden Amulette, Gefäße,

Uschebtis und zahlreiche weitere Objekte

nach Material, Form und Funktion geordnet

präsentiert. Dadurch lassen sich Formen und

Gattungen unterschiedlicher Herkunft aus

verschiedenen Epochen vergleichen. In der

Studiensammlung befinden sich auch die

Grabausstattungsobjekte aus den Bonner

Ausgrabungen auf der Qubbet el-Hawa

bei Assuan. Das Kabinett des Sammelns

schließlich stellt einzelne Kollektionen und

ihre Sammler vor. Sie stehen beispielhaft

für die Auseinandersetzung mit und

Aneignung der pharaonischen Kultur im

Heute. In der Dauerausstellung finden sich

zudem in der neuen „Forschungsvitrine“

Informationen zu Objekten, die Gegenstand

von Abschlussarbeiten, von Aufsatzund

Buchprojekten oder von laufenden

Forschungsarbeiten sind.

Sonderausstellung

im Museum Koenig

14. November 2019 bis 22. März 2020

Objektwelten als Kosmos:

Von Alexander von Humboldt

zum Netzwerk Bonner

Wissenschaftssammlungen

Die Universität Bonn und das Zoologische

Forschungsmuseum Alexander Koenig zeigen

in einer Sonderausstellung, auf welche Weise

universitäre Sammlungen, Museen sowie

ihre Objekte und Wissenschaftsdisziplinen

miteinander verwoben sind. Die Ausstellung

spielt mit ihrem Titel auf „die ganze

materielle Welt“ an, die nach Alexander von

Humboldt keine Grenzen zwischen Geistesund

Naturwissenschaften kennt und sich

von daher in vernetzten Objektwelten als

Kosmos widerspiegelt. Der Blick richtet sich

damit auf die vielschichtigen Verbindungen

zwischen mehr als 100 ausgewählten Objekten

der Sammlungen und Museen und die

einhergehenden, sich zeitlich verändernden

Vorstellungen von Wissenschaft und

Forschung.

An der Ausstellung beteiligt sind auf Seiten

der Universität Bonn das Ägyptische Museum,

das Akademische Kunstmuseum, das BASA-

Museum der Altamerikanistik und Ethnologie,

das Goldfuß-Museum der Paläontologie,

das Mineralogische Museum und die Vorund

Frühgeschichtliche Studiensammlung

sowie von Seiten des Museums Koenig das

Biohistoricum. Die Ausstellung ist Teil des seit

Dezember 2016 vom Bundesministerium für

Bildung und Forschung (BMBF) geförderten

Verbundprojektes und wird ebenfalls vom

Landschaftsverband Rheinland (LVR) über

sein Programm der Museumsförderung

unterstützt.

Die Sonderausstellung kann im Rahmen

der normalen Öffnungszeiten des Museums

Koenig auf der Museumsmeile Bonn

(Adenauerallee 160) besichtigt werden. Zur

Ausstellung erscheint ein Katalog, erhältlich im

Museum. Weitere Informationen hierzu unter

https://www.zfmk.de

V E R A N S T A L T U N G E N

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V E R A N S T A L T U N G E N

HANNOVER

Stadtspaziergänge

Exklusiv, nur für Mitglieder des Freundes- und

Förderkreises „Antike & Gegenwart e. V.“

Neben Exkursionen und anderen

Unternehmungen erschließt der Freundesund

Förderkreis „Antike & Gegenwart e. V.“ des

Museum August Kestner die Sammlung des

Hauses auch an anderen Orten, z.B. bei den

Stadtspaziergängen. Werden Sie Mitglied, dann

können auch Sie teilnehmen!

18. Oktober 2019

Kestnerschätze im Landesmuseum

Führung durch die Gemäldegalerie und das

Kupferstichkabinett mit

Dr. Thomas Andratschke

22. November 2019

Musikalisches Erbe von Hermann

Kestner in der Stadtbibliothek

Vortrag mit Blick auf Noten und Hörgenuss

Dr. Anne Viola Siebert

Vorträge

Öffentliche Vorträge des Freundes- und

Förderkreises Antike & Gegenwart e. V.

16. Oktober 2019 – 18:30 Uhr

Zeitenwende 1400

Hildesheim als europäische Metropole

Prof. Dr. Claudia Höhl

Für den 11.01.2020 ist eine Exkursion des

Freundeskreises zu dieser Ausstellung geplant.

Schulangebote

„Kestner to go“

22. Oktober 2019 – 30. März 2020

Das Museum kommt in Ihre Schule

Auch während unserer Schließzeit möchten wir

Schüler*innen für das Alte Ägypten und Rom

begeistern!

Sie können bei uns 2 Angebote buchen

(jeweils 90 Min.).

„Frag den Ägyptologen“ oder

„Frag die Archäologin“

Kuratoren unserer ägyptischen, der römischen

und griechischen Abteilung stellen sich den

Fragen Ihrer Schüler*innen.

Für mehrere Klassen oder eine Jahrgangsstufe

(Aula oder ähnliche Räumlichkeit erforderlich)

1,00 € pro Schüler*in (mindestens 80,00 €)

„Altes Ägypten“ und „Antikes Rom“

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen des

museumspädagogischen Teams gestalten eine

Doppelstunde mit Beamer-Präsentation,

Fragestunde und Gruppenarbeit. Auf spezielle

Wünsche oder Erfordernisse Ihrer Lerngruppe

gehen wir gerne ein!

Für eine Klasse, 2,00 € pro Schüler*in

Schüler*innen mit einem Hannover-Aktiv-

Pass sind bei allen Angeboten von Gebühren

befreit.

Informationen zu

„Das Museum kommt in Ihre Schule“:

https://www.hannover.de/Museum-August-

Kestner/ Bildung-Kommunikation/Schulen

20. November 2019 – 18:30 Uhr

Computergestützte Maßvergleiche

an antiker Skulptur

Prof. Dr. Martin Langner

Mittwoch, 18.12.2019, 18.30 Uhr

Die Voodoo-Religionen in

Westafrika und in der Karibik

Oliver Gauert, M.A.

Achtung! Von Oktober 2019 bis einschließlich

März 2020 ist das Museum

wegen dringender Baumaßnahmen

geschlossen.

Die Vorträge finden deshalb im

Historischen Museum Hannover statt!

28


HILDESHEIM

Vorträge

14. Oktober 2019 – 18:30 Uhr

Conrad Wilhelm Hase.

Der Architekt als Kirchenrestaurator

PD Dr. Christian Scholl

Universität Hildesheim

21.Oktober 2019 – 18:30 Uhr

The Voodoo Religion in Haiti –

Die Voodoo-Religion in Haiti

Erol Josué – Direktor des Ethnologischen

Museums in Port-au-Prince

28. Oktober 2019 – 18:30 Uhr

Das Tagebuch (1822–1833) von

Hermann Adolf Lüntzel

Dr. Helga Stein – Hildesheim

4. November 2019 – 18:30 Uhr

Edgar Walden – ein Berliner

Ethnologe in Hildesheim

Dr. Sabine Lang – RPM

11. November 2019 – 18:30 Uhr

Faszination Vogelflug – Eine

spannende Bionik-Bildpräsentation

Sven Achtermann – OVH Hildesheim

18. November 2019 – 18:30 Uhr

Die Geschichte des historischen

Markplatzes in Hildesheim

Dr. Stefan Bölke

RPM und Stadtmuseum

25. November 2019 – 18:30 Uhr

Neuigkeiten aus dem Leiden-Turiner

Grabungsprojekt in Saqqurra

Lara Weiss – Universität Leiden

13. Januar 2020 – 18:30 Uhr

Im Land der lebenden Toten – Zombies

und Zombifikation in Haiti

Oliver Gauert – M.A. RPM

20. Januar 2020 – 18:30 Uhr

Günther Roeder – Die

archäologischen Ausgrabungen des

Museums um 1930 in Ägypten

Dr. Christian Bayer – Dr. Sven Kielau –

RPM

27. Januar 2020 – 18:30 Uhr

Jüdische Mitglieder im

Hildesheimer Museumsverein

Dr. Hartmut Häger –

Museumsverein Hildesheim

3. Februar 2020 – 18:30 Uhr

Das Roemer-Museum – Sammlungen

im Dornröschen Schlaf

Antje Spiekermann – M.A. – RPM

10. Februar 2020 – 18:30 Uhr

Die Welt der einheimischen Insekten

Burkhard Rasche – OVH Hildesheim

17. Februar 2020 – 18:30 Uhr

Taiwanesisches Schattentheater – ein

Projekt der Kooperaration des Centers

for World Music und des RPM

Pei-Shan Wu – M.A.

RPM und CWM Hildesheim

2. März 2020 – 18:30 Uhr

Benin und Haiti – Berichte über

Forschungsreisen des RPM im

Vorfeld der Voodoo-Ausstellung

Oliver Gauert – M.A. und

Kristin Kschuk – M.A.

9. März 2020 – 18:30 Uhr

Cosmos in Motion – The gods of the

Yoruba-Religion in Westafrika,

Irene Hübner – M.A. – Nijmegen

16. März 2010 – 18:30 Uhr

Johannes Leunis – Geistlicher und

Lehrer – Botaniker und Museumsdirektor

Benno Haunhorst – OStDr. i.R.

Josephinum

V E R A N S T A L T U N G E N

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V E R A N S T A L T U N G E N

IPHOFEN

Sonderausstellungen

Noch bis zum 10. November 2019

Di–Sa: 10:00 Uhr – 17:00 Uhr

So: 11:00 Uhr – 17:00 Uhr

Mo: geschlossen

ELEFANT

Graue Riesen in Natur und Kultur

Der Elefant ist das gewaltigste und großartigste

Landtier – und steht auf der Liste der

bedrohten Tierarten. Seine Ahnenreihe

reicht rund 7 Millionen Jahre zurück.

Wissenschaftler sind bis heute fasziniert von

seinen Fähigkeiten, sich große Wegenetze zu

merken und zählen zu können. Trotz ihrer

großen Kräfte sind Elefanten ihrem Wesen

nach sanftmütige Geschöpfe, sie setzen ihre

Stärke gegen andere Lebewesen nur bei Gefahr

ein, missbrauchen sie aber nicht.

Kabinettausstellung

Noch bis zum 10. November 2019

Klänge Alt Amerikas

Musikinstrumente in Kunst und Kult

Dauerausstellungen

Die Reliefsammlung –

Kultur lebendig erleben

Das Kunstschaffen der alten Weltkulturen

erleben - dazu wäre eine Reise zu den

Stätten der antiken Weltkunst oder zu den

Museen Europas und Amerikas nötig, denn

keine Publikation kann den Eindruck des

Kunstwerks in Originalgröße ersetzen, kein

Bild die Griffigkeit einer Reliefwand oder

Dreidimensionalität einer Statue vermitteln.

Das Knauf-Museum bietet jedoch eine

einmalige Alternative: Meisterwerke des alten

Ägypten, Mesopotamiens, Persiens und des

Hethiterreiches, weltberühmte Spitzenwerke

griechischer und römischer Kunst, des

alten Indien und der dem Europäer wenig

bekannten Kulturen Altamerikas und der

Osterinsel sind in den weitläufigen Räumen

und dem großen Innenhof des historischen,

ehemaligen Amtshauses in meisterlichen

Abformungen ausgestellt.

Weitere Infos unter: www.knauf-museum.de

LEIPZIG

Sonderausstellungen

Noch bis zum 17. November 2019

„Landschaft“ von Marion Wenzel

Gezeigt werden Fotografien, die Landschaften

in ihrem zeitlichen und räumlichen Wandel

abbilden. Es handelt sich dabei einerseits

um industrielle Tagebaulandschaften

in Deutschland (Leipzig, Lausitz)

und andererseits um den ägyptischen

Tempelkomplex von Heliopolis in Matariya/

Kairo, der seit 2012 von einem ägyptischdeutschen

Grabungsteam unter der Leitung

von Dr. Aiman Ashmawy und PD Dr. Dietrich

Raue freigelegt wird.

16. Januar 2020 – 3. Mai 2020

„Heliopolis – Kulturzentrum

unter Kairo“

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des

größten religiösen Zentrums Ägyptens sowie

die Geschichte seiner Erforschung bis heute.

Vorträge

Campus Augustusplatz

10. Oktober 2019 – 18:15 Uhr, Hörsaal 8

Übersetzerische Stilblüten –

Vom Grünen Leiden, Hebungen des

Hustens und vom Bohren in der Nase

Dr. Susanne Radestock

17. Oktober 2019 – 18:15 Uhr, Hörsaal 8

The Powers of Hell: The Pharaonic

Landscape in Christian Magic

Dr. Korshi Dosoo

7. November 2019 – 18:15 Uhr, Hörsaal 8

„Weiße Pharaonen“ - Ägyptologische

Migrationstheorien im 20. Jahrhundert

Dr. Susanne Voss

5. Dezember 2019 – 18:15 Uhr, Hörsaal 8

Von der Nacktschnecke zur Hornviper

– Entwirrungen der Hieroglyphen

Josephine Hensel M.A.

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19. Dezember 2019 – 18:15 Uhr, Hörsaal 8

Kharga Oasis: An Edge of Empire

Dr. Salima Ikram

Führungen

12. Oktober 2019 – 14:00 Uhr

Ideal & Wirklichkeit – Ägypten, wie

es sein soll und wie es wirklich war

Dr. Marc Brose

27. Oktober 2019 – 14:00 Uhr

Wiedergänger, Dämonen &

in Vergessenheit geraten –

Angst im Alten Ägypten

Klara Dietze M.A.

9. November 2019 – 14:00 Uhr

Führung durch die Dauerausstellung

Celine Rose

24. November 2019 – 14:00 Uhr

Fest und Alltag im Alten Ägypten

PD Dr. Dietrich Raue

14. Dezember 2019 – 14:00 Uhr

Führung durch die Dauerausstellung

PD Dr. Dietrich Raue

22. Dezember 2019 – 16:00 Uhr

Taschenlampenführung für

Kinder von 6 bis 13 Jahren

Anna Grünberg M.A.

Aufgrund begrenzter Teilnehmerzahl bitte mit

vorheriger Anmeldung unter 0341-9737015

Sonstige Veranstaltungen

13. November 2019, ab 14:15 Uhr, Hörsaal 8

9. Steindorff-Tag zu Ehren des 158.

Geburtstages von Georg Steindorff

Am Nachmittag finden Vorträge zu

verschiedenen aktuellen Forschungen an

Objekten des Leipziger Museums statt.

Abendvortrag (18:15 Uhr): Himmlisch! Die

Eisenobjekte aus dem Grab des Tutanchamun,

Katja Broschat

WIEN

Sonderausstellungen

Kunsthistorisches Museum Wien

Noch bis zum 6. Oktober 2019

Maurizio Cattelan

In Fortsetzung unserer Reihe von

Ausstellungen zeitgenössischer Kunst im

Theseustempel zeigen wir heuer ein Werk des

italienischen Künstlers Maurizio Cattelan.

Noch bis zum 13. Oktober 2019

Zuhanden Ihrer Majestät

Medaillen Maria Theresias

Das Münzkabinett des Kunsthistorischen

Museums bewahrt sowohl in quantitativer

als auch qualitativer Hinsicht die exquisiteste

Sammlung an Medaillen Maria Theresias.

Noch bis zum 20. Oktober 2019

grey time – Bruchteile aus dem Museum

Eine künstlerische Auseinandersetzung von

Jeremias Altmann und Andreas Tanzer

Mein König, die Welt ist nicht mehr.

Zeugen der Vergangenheit und Trümmer

unserer Zukunft.

Ein verfrühtes Resümee, solange es noch

Menschen gibt.

Noch bis zum 20. Oktober 2019

Jan van Eyck – „Als Ich Can“

Die Kabinettausstellung zeigt drei von rund

zwanzig erhaltenen Werken Jan van Eycks

und bietet BesucherInnen einen Einblick

in die Kunst zur Zeit Herzog Philipps des

Guten, als die Burgundischen Niederlande im

15. Jahrhundert eine einmalige Blütezeit der

höfischen und städtischen Kultur erlebten.

15. Oktober 2019 bis 19. Januar 2020

Caravaggio & Bernini

Die international angelegte Ausstellung

präsentiert erstmals ein großes und

überwältigendes, visuelles Barockspektakel im

Kunsthistorischen Museum. Im Zentrum steht

dabei das bahnbrechende Werk des Malers

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–

1610) und des Bildhauers Gian Lorenzo

Bernini (1598–1680).

V E R A N S T A L T U N G E N

31


Ein Rum-Baron und seine Mumie

Neukonzeption der Ägyptenausstellung im

Bacardí-Museum Santiago de Cuba

Im Jahr 1912 begab sich Don Emilio

Bacardí-Moreau mit seiner Gattin Elvira

Capé nach Ägypten, um im Land der Pharaonen

eine Mumie und diverse altägyptische

Objekte zu kaufen. Bacardí hatte die Rumfabrik

seines Vaters geerbt und war in seiner

Heimatstadt Santiago de Cuba zum Bürgermeister

aufgestiegen. Nun, als Mittfünfziger,

zog er sich aus den ihm übertragenen

Ämtern zurück und reiste nach Kairo und

Luxor. Die auf einem Markt in Luxor erworbenen

Stücke sollten das von ihm geplante

Dina Faltings / Anna-Maria Begerock

Museum in Santiago de Cuba bereichern.

Zunächst aber bereitete insbesondere der

Erhalt aller erforderlichen Ausfuhrpapiere

große Schwierigkeiten und finanziellen Aufwand,

wie Bacardí umfangreich und recht

humorvoll dem zukünftigen Museumsdirektor

Bofill brieflich berichtete.

Zahlreiche Stempel und Telegramme

später konnten Mumie und Objekte über

Hamburg und New York nach Santiago

de Cuba, in die Heimatstadt Bacardís ver-

Abb. 1: Das Museo Bacardí in Santiago de Cuba beherbergt in seiner untersten Etage ethnologische Schätze, die

in unserem Seminar teilweise gehoben werden konnten, und die einzige ägyptische Mumie Kubas.

© Foto: Anna-Maria Begerock

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schifft werden. Sie werden heute im Museo

Provincial Don Emilio Bacardí-Moreau im

Herzen Santiagos ausgestellt, und sogar im

Lonely Planet ist die Mumie als must-see

verzeichnet – sie ist eben die einzige ägyptische

Mumie in ganz Kuba. Bacardí selbst

hat die Eröffnung des (von ihm finanzierten)

imposanten Baus nicht mehr erlebt.

Das Museum beherbergt neben europäischer

Malerei und Reliquien von Revolutionsführern

einen ethnographischen Saal mit

den von Bacardí gekauften Ägyptiaca sowie

zahlreichen Objekten aus anderen Kulturen,

die von Weltreisenden gestiftet worden sind,

und zwar auf Bacardís Aufruf hin.

In einem der letzten Jahrzehnte hat man

das Museum aufwändig renoviert und sich

dabei für eine minimalistische Präsentation

entschieden. Ein Teil des Ethnographie-Saales

erhielt weiße Wände und beherbergt den

ägyptischen Fundus. Der andere Teil wurde

hellgrün gestrichen und enthält die übrigen

Ausstellungsstücke. Dieser gegenwärtige

Zustand wird aber dem kulturhistorischen

Wert der Objekte nicht gerecht. Die jeweilige

Objektbeschreibung ist oft begrenzt auf

ein Wort oder fehlt ganz. Die einleitenden

großen Bilder zu den beiden Bereichen des

Saales sind ebenfalls nur spärlich mit Text

versehen. Auf Unterbereiche und kulturspezifische

Thematiken wird ganz verzichtet.

Zu einem Teil mag dies einer gewollten

Konzeption entsprechen, zum anderen

aber ist es wohl auch der prekären wirtschaftlichen

und finanziellen Lage Kubas

geschuldet, die sich seit den 1990er Jahren

deutlich verschärft hat. Der Austausch mit

ausländischen Wissenschaftlern ist auf ein

Minimum begrenzt, was den Zufluss an

Abb. 2: Der Blick in die derzeitige Ausstellungssituation zeigt den spärlichen Informationsgehalt, der dem Alten

Ägypten mit all seinen Facetten und auch den von Bacardí gekauften Objekten nicht gerecht wird.

© Foto: Anna-Maria Begerock

33


Informationen, insbesondere Büchern und

Wissen über neue Erkenntnisse zu alten

Kulturen der Welt einschränkt. Ein großer

Teil der vorhandenen Bücher ist auf Russisch

abgefasst und spiegelt den Wissensstand der

1970er Jahre wider. Russisch versteht jedoch

kaum einer der kubanischen Wissenschaftler

und Museologen aus der heute heranwachsenden

Generation. Auch im Internet

sind neue Erkenntnisse zu den ausgestellten

Stücken kaum zu gewinnen. Es ist wegen

des US-amerikanischen Embargos nicht

umfänglich nutzbar, überdies ist es sehr langsam

und enorm teuer. Hinzu kommt die

Ungunst der geografisch-meteorologischen

Bedingungen vor Ort. Im Jahr 2012 tobte

der tropische Wirbelsturm Sandy über der

Bucht von Santiago. Große Teile der Stadt

wurden zerstört und auch die Museen Santiagos

erlitten schweren Schaden, vor allem

ihre Archive. Viele Archivalien und damit

Informationen zu den einzelnen Ausstellungsstücken

sind seither unwiederbringlich

verloren.

Für das Museum Bacardí schien die Lage

damals hoffnungslos. Aber aufgrund des

international gestiegenen Interesses an der

Erforschung von Mumien in musealen

Sammlungen entstand 2015 eine kubanisch-spanische

Kooperation zur Erforschung

der in Kuba befindlichen Mumien.

2017 wurden die Mumien im Ethnographie-Saal

des Bacardí-Museums in Santiago

de Cuba von der Forschergemeinschaft des

Instituto des Estudios Científicos en Momias

(IECIM) in Spanien untersucht. Bei dieser

Gelegenheit baten die kubanischen Museumsleute

auch um Hilfe bei der Bestimmung

der weiteren Objekte und bei der Konzipierung

einer moderneren, dem aktuellen Stand

angepassten Ausstellung.

So wurde im Herbst 2017 in einem

Gespräch zwischen den Autorinnen dieses

Berichts die Idee geboren, gemeinsam die

Ägyptenabteilung neu zu konzipieren und

umzugestalten. Da das Heidelberg Center

for Cultural Heritage (HCCH) u.a. zum

Ziel hat, die museale Präsentation von kulturellem

Erbe zu verbessern und die diesbezüglichen

Fähigkeiten auch Studierenden

zu vermitteln, kamen wir überein, das im

Rahmen eines dort angesiedelten Seminars

zu tun. Studierende der Ägyptologie und

verwandter Fächer sollten lernen, ihr Wissen

für ein Museumspublikum interessant aufzubereiten.

Dabei gingen wir schrittweise vor. Die vorhandenen

Objekte wurden vorbestimmt in

Bezug auf Alter, Echtheit und einstige Funktion.

Die Studenten bekamen die Aufgabe,

Ausstellungsthemen zu entwickeln, Unterthemen

zu formulieren und die Objekte

darin zu verorten. Darüber hinaus sollten die

Texte auf Englisch konzipiert werden, damit

die Ausstellung zukünftig zweisprachig (Englisch

und Spanisch) präsentiert werden kann.

Vor allem die finanziellen Einschränkungen

in Kuba erschienen uns Dozentinnen als

eine besondere, aber doch sehr praxisnahe

Herausforderung - auch deutsche Museen

sind oft genug von Geldknappheit betroffen,

sodass die vorhandenen Vitrinen ausreichen

müssen, weil unter solchen Zwängen

keine neuen gebaut werden können.

Außerdem entfallen teure Installationen. In

Kuba kommt erschwerend der Mangel an

Druckereien und Druckmaterialien hinzu,

sodass alle Träger, Raumteiler etc. zur Not in

Europa zu drucken und leicht transportierbar

sein müssen, damit sie als Fluggepäck

nach Kuba gebracht werden können. Dem

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abgewandelten Ausspruch „Wir sind arm,

aber kreativ” folgend, gestaltete sich das in

Blockveranstaltungen durchgeführte Seminar

am HCCH überraschend erfolgreich.

Hier einige Auszüge aus dem Seminar-Tagebuch:

Block-Tag 1 (20.10.018):

Besuch der Ägypten-Ausstellung in den

Reiss-Engelhorn-Museen in der Nachbarstadt

Mannheim. Anhand eines vorher

gemeinsam erarbeiteten Fragebogens sollen

die Studierenden Denkanstöße bekommen

und auf Konzeption, Design, Ausdrucksmöglichkeiten,

Präsentationsebenen sowie

die damit verbundenen Chancen der Informationsübertragung

achten.

Triumph, Triumph! Sie bleiben bereits im

Vorraum stehen und diskutieren schon dort

ca. 40 Minuten lang über Farben, Grafik,

Licht und Schriften! So war es zwar nicht

gemeint und erwartet, aber schon das ist ein

voller Erfolg. Der Gang durch den Rest des

Museums muss immer wieder mal „angeschubst“

werden, weil die Diskussionen sehr

hohe Wellen schlagen und nicht enden wollen.

Es scheint großen Spaß zu bringen und

über den Umweg der Fragen viele Erkenntnisse

zum Thema Museumsdesign zu bewirken.

We are delighted.

Nach der Mittagspause geht es in die

Ausstellung „Musikwelten“ – in ein völlig

anderes Ausstellungskonzept, ganz ohne

Einleitung oder Hinführung zum Thema

und ausschließlich als Audio-Führung angeboten

- was zumindest bei einigen von uns

helle Begeisterung auslöst. Hausaufgabe ist,

eine vergleichende Bewertung dieser beiden

Konzepte zu erstellen, die beim nächsten

Mal (in einer Woche) diskutiert werden soll.

Block-Tag 2 (27.10.2018):

Oha, verpennt! Das fängt ja gut an! Schnell

frühstücken und los. Die Studis stehen

schon unten vor der Glastür zu den Seminarräumen,

die samstags natürlich zu ist.

Immerhin sind wir genau pünktlich! Anfangs

werden die Museumseindrücke von letzter

Woche besprochen und verglichen. Heute

soll es zunächst um die Themen Konzeption

(innerer Zusammenhang, Szenografie, Vitrinenaufbau),

Raumgestaltung (Raumfarben,

Besucherführung, Leitsysteme) und Textgestaltung

(Schriften, Textinhalt, Grafiken)

gehen, später noch um Besonderheiten, wie

die Einbeziehung von Minderheiten (Kindund

Behindertengerechtigkeit). Es geht

heiß her, u.a. auch beim Thema Ethik, und

wir müssen irgendwann leider abbrechen.

Anschließend bekommen die Studis noch

etwas Input von uns zu diesen Themen, mit

Bildbeispielen aus anderen Museen.

Unser Hauptziel in Santiago soll sein:

Interesse wecken und dadurch „nebenbei“

Information vermitteln. Dann geht es nach

kurzer Pause an die Stücke selbst:

Zuerst werden die in Santiago de Cuba

vorhandenen Objekte einmal „durchgekaut“

– Jedes Stück wird bildlich vorgestellt und

diskutiert - was es ist, ob es echt ist und ob

man es aus konservatorischen oder ethischen

Gründen überhaupt ausstellen kann. So vergehen

die Stunden wie im Flug. Nach der

Kaffeepause: Auftritt Marc Schumacher, seines

Zeichens langjährig museumserfahrener

Grafiker. Er erklärt uns, welche Druckmaterialien

sich wofür am besten eignen, wie teuer

35


und stabil oder auch wie leicht im Koffer sie

über den Ozean zu transportieren sind und

geht dann vor allem auf die Textgestaltung

ein: semantische Optimierung, Anschläge

pro Zeile, Textgröße, Fonts, Farben usw. Wir

nehmen alle viel Neues mit.

Am Schluss: Vorstellung der Gegebenheiten,

Räumlichkeiten und Vitrinen vor

Ort sowie Aufteilung der Objekte zwecks

Recherche entsprechend der vorhandenen

Interessen. Wir haben einen L-förmigen

Raum, 5 kleine ca. würfelförmige Vitrinen

und 2 große, in denen die Mumie und der

Kartonagesarg liegen müssen. Eine weitere,

hängende ist fest an der Wand installiert.

Es bilden sich ganz ohne unser Zutun

anhand der Stücke 4 Themengruppen heraus:

1. Einleitung (Ägypten – Nil, Land und

Leute, Bacardí als Reisender und Sammler,

auf dem Basar), 2. Tägliches Leben (Soziale

Struktur, Lebensbedingungen, Berufe und

Einzelthemen wie Kosmetik, Magie und

Medizin etc.), 3. Religion (Götter, Tempel,

Tierkult) sowie 4. Bestattung und Jenseits

(Mumie, Sarg, Grabausstattung).

Die Arbeit kann losgehen. Hausaufgabe ist

eine erste Recherche zu den übernommenen

Objekten und (als Übung gedacht:) ein erster,

beispielhafter, übergreifender Text zum

Themenbereich Totenkult sowie Bildrecherche

nach gemeinfreien Abbildungen dazu,

die wir benutzen könnten.

4 Wochen später, Block-Tag 3

(24.11.2018):

Termin im IWR (Institut für Wissenschaft-

Abb. 3: Die Seminargruppe diskutiert angeregt und manche Idee ruft Erstaunen hervor. © Foto: Dina Faltings

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liches Rechnen in Heidelberg) bei Hubert

Mara, der schon mehrfach mit der Sammlung

und dem Ägyptologischen Institut

kooperiert hat und unseren Studierenden

auch schon im Rahmen eines anderen Seminares

das Scannen mit dem 3-D-Scanner

beigebracht hat.

Wir wollen zwecks Ergänzung der teilweise

schwach besetzten Themen (Bacardí

war schließlich kein Ägyptologe) Objekte aus

der Heidelberger Sammlung in 3-D scannen,

um diese evtl. als Kunststoff-Ausdrucke auf

Kuba auszustellen – als hands-on-Objekte.

Noch haben wir Hoffnung auf die Bewilligung

unseres Vorhabens als VW-Teilprojekt.

Das würde 3-D-Ausdrucke finanziell möglich

machen und auch so einiges Andere,

das schön zu haben wäre. Das 3-D-Scannen

wird uns in 2 Gruppen in Theorie und Praxis

beigebracht (sehr interessant und alles kein

Hexenwerk!).

Nach der Mittagspause, die im beneidenswert

schick und teuer eingerichteten

Pausenraum der hier angestellten Mathematiker

verbracht wird: Geplant ist eine erste

Vorstellung und Diskussion der Hausaufgaben

sowie die Verteilung der Bereiche in

dem (leider knapp bemessenen) Raum des

Museums Don Emilio Bacardí-Moreau in

Santiago de Cuba (kleiner als der Pausenraum

der Mathematiker im IWR!).

Leider hat kein einziger die Hausaufgabe

gemacht, so dass man an keinem Beispiel die

Abb. 4: Die Objekte müssen während des 3D-Scans immer wieder gedreht werden, sodass der Scanner sie von

allen Seiten erfassen kann. Am Bildschirm werden die Scans und mögliche Fehlstellen überprüft.

© Fotos: Dina Faltings

37


Praxis der Texte üben bzw. demonstrieren

kann. Das Semester läuft auf Hochtouren

und jede/r hat eine andere „Ausrede“ parat.

Dann muss es eben ohne Übung gehen und

alle eben gleich ins kalte Wasser springen.

Mit Fehlerbesprechung und Korrekturen ist

sowas eigentlich leichter – naja.

Nach einer kleinen Kaffeepause gehen wir

in die letzte Runde – die Raumverteilung.

Interessant! Man sieht, wer Teamplayer

ist und wer die Ellenbogen ausfährt. Stille

Wasser sind tief und sogar die eher Ruhigen

lassen sich mit dem Funken der Begeisterung

anstecken…

Das Raumdesign und damit der Parcours

durch die Ausstellung werden – in den eng

gesteckten finanziellen und räumlichen

Grenzen – festgelegt. Auch dieses ergibt sich

mehr oder weniger von selbst, denn die Einleitung

muss an den Eingang. An die Gegebenheiten

wie Nil und Jahreszeiten schließt

sich das Tägliche Leben fast schon von allein

an, danach gibt es noch ein wenig Gerangel

um die größere Fläche bei der Entscheidung,

wer dann kommt – die Religion mit Tempeln

und Göttern oder das Thema Grab und Jenseits.

Die Größe der Vitrinen für Mumie und

Sarg sowie die unverrückbare, an der Wand

hängende Vitrine geben den Ausschlag, denn

sie müssen dort bleiben, wo sie schon jetzt

Abb. 5: Detailbesprechungen am

Grundrissplan.

© Fotos: Dina Faltings

38


stehen bzw. hängen. Es folgt also im hinteren

Teil des Langraumes die Religion mit dem

Thema Tempel, Götter und Tierkulte und

dann am Ende das Thema Jenseits.

Erschöpft machen wir mit ca. 1 Stunde

Überziehung Schluss und geben jeder

Gruppe schon mal als Hausaufgabe die

Bereichstexte auf.

Block-Tag 4 (01.12.2018):

Als erstes wird am Morgen ein korrekter

Raumplan im Maßstab 1:20 gezeichnet und

an die Tafel gehängt, danach in verschiedenen

Farben die Planungen der einzelnen

Gruppen in Form von beschrifteten Kärtchen

an den Plan geheftet, vorgestellt und

mit allen diskutiert, ob das ausstellungstechnisch

gut oder schlecht ist, was das erwartete

Ziel ist und ob das Ergebnis dann so auch zu

erreichen ist. Es kommen gute und sehr gute

Vorschläge – wir müssen sehen, wie wir diese

Idealvorstellungen dann realisieren.

Mittagspause - und wir beginnen mit der

Besprechung der unter der Woche erstellten

Bereichs-Texte. Die Gruppen stellen ihre

Ergebnisse vor, indem sie ihre Texte vorlesen.

Sie sind noch eher mittelprächtig, aber es ist

ja noch kein Meister vom Himmel gefallen

und Übung macht den nun mal. Wir einigen

uns darauf, zumindest hier und da etwas

Lustiges einzuflechten, um die Besucher

vom Einschlafen abzuhalten. Z.B. soll der

erste, faktenträchtige Textentwurf zu dem

Götterpaar Isis und Osiris, der sich extrem

trocken liest, in eine Gelbe-Seiten-Anzeige

umgeschrieben werden. Später bekommt

sogar jeder erwähnte Gott eine humorvolle

Gelbe-Seiten-Anzeige.

Hier die beiden Textentwürfe: links die erste, noch deutsche Version, rechts die neue,

Gelbe-Seiten-Version:

Osiris:

Wichtige Kultorte: Heliopolis, Athribis,

Abydos, Busiris,

Hauptverehrungszeit: Neues Reich

Ein Fruchtbarkeitsgott, dem Mythos nach

von seinem eifersüchtigen Bruder Seth

ermordet, zerstückelt und über das ganze

Land verteilt, von seiner Gemahlin Isis

und deren Schwester Nephtys aufgesammelt,

zusammengesetzt und wiederbelebt

und daraufhin zum König der Unterwelt

gemacht. Es war auch üblich, den verstorbenen

König mit Osiris gleichzusetzen.

Außerdem wurde er als Gegenstück des Re

in der Unterwelt gesehen.

Osiris:

You think you’ve got problems?

I was killed by my brother Seth, dismembered

and thrown all over Egypt.

Then my wife Isis and her sister Nephtys

brought me back to life and after that I was

made king of the underworld and incarnation

of deceased rulers.

I’ve been judging billions of men for ages

and ages.

So if you ever need an experienced lawyer,

I’m your man.

Call me when you’re lost in the mazes of

the netherworld.

39


Isis:

Wichtige Kultorte: Dendera, Behbeit

el-Hagar,Philae, Deir el-Shelwit

Hauptverehrungszeit: Spätere Perioden

Obwohl Isis lange Zeit kein spezifischer,

eigener Kultort geweiht war, wurde sie

später zu einer der wichtigsten ägyptischen

Gottheiten überhaupt. Zu ihren zahlreichen

Teilaspekten gehörten vor allem die

Zauberei, für die sie noch heute bekannt

ist, aber auch als Schwester des Osiris und

Mutter des Horus erlangte sie Bekanntheit.

Diese Verwandtschaften machten

sie außerdem symbolisch zur Mutter des

Königs. Die enge Verbindung zu ihrem

Gatten Osiris ließ sie bald auch als Beschützerin

der Verstorbenen eine wichtige

Rolle in den Jenseitsvorstellungen der

Menschen spielen.

Isis:

Abracadabra! I´m the sorceress of your

choice!

As mother of Horus people worship me as

the mother of all kings.

If you ever find yourself in a situation and

don´t know what to do, maybe a little magic

can help save the day (or your dismembered

husband).

Abb. 6: Im Maßstab 1:1 wird der Aufbau innerhalb der Vitrinen simuliert. Was ist optisch interessant? – keine

leichte Aufgabe. © Foto: Dina Faltings

40


Die Gruppen stellen auch nach der Mittagspause

zunächst weiterhin ihre Ergebnisse

vor. Parallel dazu läuft übers Internet die Bildrecherche.

Auch hier gilt wieder zu bedenken:

wir sind in Kuba und haben kein Geld. Sind

die Bilder gemeinfrei und dort nutzbar? Im

letzten Block nach der Kaffeepause: konzentrierte

Gruppenarbeit an den Texten.

Etwas Input zum Thema Didaktik in

Museen wie z. B. Sonderführungen, Sonderausstellungen,

Einsatz von Filmen und Interaktivität

rundet am Ende das Bild noch ab.

Block 5, letzter Termin (15.12.2018):

Endspurt! In der ersten Stunde werden die

bisher gelieferten, teilweise auch schon die

neu geänderten Texte vorgelesen. Vortrag

Gelbe Seiten der Götterwelt: Wir sind highly

amused! Die 2. Textvariante ist so lustig, dass

man immer mehr hören will.

Die Fakten zum Tätigkeitsbereich des

Gottes XYZ kommen genauso gut rüber,

sind aber so verpackt, dass man auch noch

den nächsten und den nächsten Gott kennenlernen

möchte. Wir beömmeln uns alle

über die Reklametexte und von allen Seiten

hagelt es weitere Vorschläge für Gelbe-(Götter-)

Seiten.

Am Nachmittag herrscht bei hochkonzentrierter

Gruppenarbeit eine gute und

ruhige Arbeitsatmosphäre: Die Vitrinen

werden in 1:1 mit selbstgebastelten Dummies

aus Pappe bestückt, um die Wirkung

der Objekte und ihrer Platzierung innerhalb

der Vitrinen vorab ausprobieren und begutachten

zu können. Wir müssen die Zweisprachigkeit

bedenken und entscheiden uns

für jeweils einen Textblock in Spanisch links

und einen auf Englisch rechts. Das verringert

den möglichen zu schreibenden Objekt-Text

und macht die Vitrinen extrem voll. Erste

Objekttexte werden fertig und gleich parallel

zur Gruppenarbeit in den einzelnen Gruppen

von uns begutachtet und diskutiert.

Nach der Kaffeepause: Überlegungen

dafür, wie wir Kindern die Informationen

spielerisch verpackt übermitteln können,

führen zu verschiedenen Auswahlmöglichkeiten.

Unser Heidelberger Anubis aus Holz,

der in 3-D gescannt wurde, wird zu unserem

Maskottchen erkoren, der den Kindern am

Sockel jeder Vitrine lustige Fragen stellen

und fun facts vermitteln soll. Das Spielerische

kommt uns ansonsten zu kurz, aber wir

müssen es leider dem Platzmangel und der

Tatsache, dass es in Kuba nichts gibt und

alles Lose bald weg wäre, opfern. Immerhin

kriegen wir noch eine Pappfigur mit

Gesichtsausschnitten unter, wo man sich zu

dritt als Mykerinostriade fotografieren lassen

kann.

Anhand der gebastelten 1:1-Vitrinen wird

den jeweils anderen Gruppen am Schluss das

eigene Ergebnis vorgestellt.

Am Schluss sind wir noch nicht ganz

durch, manche Gruppe hat noch nicht

alle Objekttexte und gewünschten Bilder

geliefert, verspricht aber, bis zum Ende des

Semesters alles zu schicken. So gehen wir mit

einem Gefühl, etwas geschafft zu haben, auseinander.

Leider kommt einige Wochen später die

Nachricht von VW, dass das Projekt, zu dem

wir gehörten, abgelehnt wurde. Nun müssen

wir andere Wege finden, unsere guten Ideen

in die Wirklichkeit umzusetzen….

41


Arbeiter – Künstler – Pharaonen

Die 12. Tage der Ägyptologie im

koptischen Kloster Brenkhausen

Die diesjährigen Tage der Ägyptologie

standen unter dem Motto „Arbeiter –

Künstler – Pharaonen“. Bereits zum 12. Mal

fand die Tagung im koptischen Kloster statt,

zu der wieder Ägyptologen, Studierende und

Ägyptenfreunde aus ganz Deutschland und

der Schweiz angereist waren. Zwei Monate

vor der diesjährigen Veranstaltung zeichnete

sich bereits ein neuer Besucherrekord

ab. Nun ist das Kloster Brenkhausen alles

andere als klein, doch der größere der beiden

Tagungsräume im koptischen Südflügel

bietet nur Platz für maximal 100 Besucher,

bisher war das ausreichend, doch in diesem

Jahr sollten es 140 Besucher werden. Im Vorfeld

der Tagung begann deshalb die Suche

nach einem neuen Veranstaltungsraum. Die

Daniela Rutica

Lösung kam schließlich von der katholischen

Gemeinde St. Johannes Baptist, die ihren

großen Saal im Pfarrheim, im gotischen

Ostflügel des Klosters, zur Verfügung stellte.

Bei der ersten Besichtigung des Raumes entstand

dann sofort die Idee, Ausstellerbereich,

Bühne und Vortragsraum zu kombinieren

und den Saal passend zum diesjährigen

Thema zu dekorieren. Die Umsetzung übernahmen

Daniela Rutica M.A. (Ägyptologin

und Künstlerin, koptisches Kloster Brenkhausen)

und Angela Kaiser (Dipl. Designerin,

Himmelsmalerin und Kulissenbauerin)

aus Potsdam. Beide Künstlerinnen arbeiten

gemeinsam an zahlreichen Malereiprojekten

rund um das koptische Kloster und stellten

für die Dekoration des Raumes Arbeiten aus

Abb. 1: Gruppenfoto mit Bischof Damian vor dem koptischen Kloster, © Foto: Maxime Armgardt

42


Abb. 2: Angela Kaiser bei der Aufhängung der geflügelten

Sonnenscheibe, © Foto: Daniela Rutica

ihrem Fundus zur Verfügung. Tatkräftig

unterstützt wurden die beiden von Maxime

Armgardt, die gerade ein Freiwilliges Soziales

Jahr im Kloster bzw. in der koptischen Akademie

in Bad Grund absolviert. Die Anbringung

der Bühnenbilder erforderte einiges an

Vorbereitung: Allein um die 9 m lange und

1,5 m hohe geflügelte Sonnenscheibe über

dem Bühnenvorhang anzubringen, musste

mit Hilfe eines Rollgerüstes in 4 m Höhe eine

eigens dafür entworfene Lattenkonstruktion

montiert werden. Hinter dem Vorhang entstand

eine Theaterbühne, die als Kulisse für

das künstlerische Rahmenprogramm der

Gruppe Ebers‘ Erben aus Leipzig dienen

sollte. Tatkräftige Unterstützung erhielt das

Aufbauteam von den freiwilligen Tagungshelfern,

die extra deshalb schon am Donnerstag

angereist waren. Auch ein Basarbereich rund

ums Alte Ägypten wurde vorbereitet. Mit

dabei waren in diesem Jahr: Carina Felske

(Selket-Shop), Begga Rolfsmeyer (Ägyptenreisen

mit Begga-Tours), Silvia Kreye (Buchkunst-Werkstatt),

Orell Witthuhn M.A. mit

dem Büchertisch der göttinger Ägyptologie

und Ausstellungs-Stände der Künstlerinnen

Angela Kaiser (Kaiserhimmel), Daniela

Rutica und Anne Hesmer.

Am Freitagmorgen war dann alles vorbereitet

und viele ehrenamtliche Tagungshelfer

standen bereit, um die Besucher in

Empfang zu nehmen oder vom Bahnhof

Höxter abzuholen. Bischof Anba Damian

hatte es sich nicht nehmen lassen, mit

seinem Küchenteam ein festliches Begrüßungsbuffet

im schattigen Klostergarten

vorzubereiten und so begann die Tagung

mit einem kulinarischen Meeting auf der

Klosterwiese. Danach begaben sich die Gäste

in den neuen Vortragsraum, der zu Beginn

der Tagung, trotz des heißen Wetters, dank

der dicken Klostermauern noch angenehm

kühl war. Die Äußerungen der Freude und

des Erstaunens über den geschmückten Saal

gaben der Idee des Planungsteams recht –

der Aufwand hatte sich gelohnt. Nach der

Begrüßung durch die Veranstalter Bischof

Anba Damian (Diözesanbischof der kopt.

Kirche in Norddeutschland) und Prof. Dr.

Rainer Hannig (Ägyptologie Marburg)

stellte sich das Organisationsteam vor

(Daniela Rutica, Angela Kaiser und Maxime

Armgardt). Außerdem wurden die Gäste von

Matthias Goeken MdL und Pastor Tobias

Spittmann begrüßt, dessen Gemeinde den

Raum für das Wochenende zur Verfügung

gestellt hatte; beide betonten dabei die gute

ökumenische Zusammenarbeit im Kloster

43


Brenkhausen, das aus einem koptischen

und katholischen Teil besteht. Thematisch

begann das Programm mit einem Vortrag

von Alexandra Küffer lic. phil. (Historisches

und Völkerkundemuseum St. Gallen). In

ihrem Vortrag „7 Mumien für den Bundesrat”

referierte die Ägyptologin über die Särge

aus dem Versteck von Bab-Gasus, die im späten

19. Jahrhundert in die Schweiz gelangt

waren und berichtete über die anschließende

Präsentation und Bearbeitung in den jeweiligen

Sammlungen. Dabei machte sie auf

Innovationen bei der Gestaltung von Privatsärgen

während der 21. und 22. Dynastie

aufmerksam und stellte ihre Forschungen zu

dieser Blütezeit der ägyptischen Sargmalerei

vor. Im anschließenden Vortrag von Joachim

Willeitner M.A. (München) ging es ebenfalls

um kunstgeschichtliche Aspekte. Der

Ägyptologe, Archäologe und Sachbuchautor

referierte über die Stilistik der Amarnazeit

und den langen Schatten des Atonkults,

der sich bis in die ramessidische Zeit und

später nachverfolgen lässt. In der Pause vor

dem Abendessen bestand die Möglichkeit

zu einer Führung mit dem Holzbildhauer

Gunter Schmidt-Riedig, der den Besuchern

viele Neuerungen im koptischen Kloster

zeigte. Von den Wappenpflanzen Ägyptens

handelte der Vortrag von Ulrike Jungnickel

M.A. (Universität Mainz). Ein Schwerpunkt

lag dabei auf der botanischen Identifikation

der sogenannten Südpflanze, die bis heute

nicht eindeutig geklärt werden konnte. Den

thematischen Abschluss des Abends bildete

der Vortrag von Dr. Helmut Brandl (Roemer-

und Pelizaeus-Museum, Hildesheim).

Der Ägyptologe nahm die Besucher mit

auf eine virtuelle Reise ins archäologische

Museum von Ismaelia (Ägypten) und zeigte

dabei viele herausragende, aber hierzulande

weitgehend unbekannte Exponate. Viele

der Teilnehmer ließen den Abend bei einem

Umtrunk im neuen, ägyptisch gestalteten

Restaurant St. Markus gemütlich ausklingen.

Nach dem optionalen Morgenweihrauchgebet

und dem Frühstück im Speisesaal des

Klosters startete das Programm am Samstagmorgen

mit dem Thema „Spuren des Alten

Ägypten in Mozarts Zauberflöte – wieviel

Ägypten steckt in der Oper“ von Volker

Semmler M.A. (Museum August Kestner,

Hannover). Der Ägyptologe und Musiker

untersuchte die ursprüngliche Inszenierung

auf ihre ägyptischen Einflüsse und kam

Abb. 3: Der Vortrag von

Alexandra Küffer „7 Mumien

für den Bundesrat” handelte

von Särgen aus dem Versteck

von Bab-Gasus in der Schweiz

© Foto: Daniela Rutica

44


dabei zu teilweise überraschenden Ergebnissen.

Um die Wiedererweckung des Alten

Ägypten in der Literatur ging es im Vortrag

von Judith Mathes. Die Autorin der hochgelobten

Ägypten-Romane „Tage des Ra“ und

„Tage des Seth“ referierte über das Thema

„Erforschtes lebendig machen, Unbekanntes

erschließen“ und ging dabei auf die Frage

ein, inwieweit historische Romane zum Verständnis

einer weit entfernten Vergangenheit

beitragen können. Anhand von ausgewählten

Textpassagen zeigte die Referentin dabei

auf, wie der Balanceakt zwischen ägyptologischen

Fakten und künstlerischer Fiktion

und Dramaturgie gelingen kann. Der Vortrag

von Karin Stephan M.A. (Universität

Mainz) handelte von Ramses II. und dem

Parfümeur Bichara. Die Ägyptologin berichtete

dabei über einen neuzeitlichen Flakon

im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

und die kriminalistische Suche nach dem

Ursprung der dort verwendeten Hieroglyphentexte.

Nach der Mittagspause referierte

die Ägyptologin Dr. Heidi Köpp-Junk (Universität

Trier) über das Thema „Wasser“ und

erläuterte die Funktion von Wasserver- und

Entsorgungssystemen in Pyramidenbezirken,

Tempeln und Wohnkomplexen in pharaonischer

Zeit. Nach einem Überblick über

ägyptische Ableitungssysteme von der Zeit

des Alten Reiches bis in die griechisch-römische

Zeit stellte die Referentin ihre aktuellen

Forschungen zu Wasserentsorgungssystemen

im Tempelbezirk von Athribis vor und zog

einen Vergleich zu modernen Umsetzungen.

Im Vortrag „Per Anhalter durchs Mittelmeer

– Wenamun als komischer Held“ präsentierte

Dr. Katharina Stegbauer (Universität

Leipzig) ihre Forschungen zum Reisebericht

des Wenamun (pMoskau 120). Der Papyrus

berichtet von der Reise des Tempelbeamten

Wenamun, der von Smendes und Tanutamun

nach Byblos geschickt wurde, um

Zedernholz einzukaufen, was sich jedoch

als schwierig erweisen sollte. Die Referentin

machte in ihrem Vortrag auf die im Text enthaltene

Ironie und Satire aufmerksam und

zeigte auf, inwieweit sich daraus Anspielungen

auf die politischen Veränderungen zu

Beginn der 3. Zwischenzeit ableiten lassen.

In seinem Vortrag „Die Erfindung der Farbherstellung

in der Antike“ referierte Prof. Dr.

Robert Fuchs (Technische Hochschule Köln)

über Farbmittel und Maltechniken im Alten

Ägypten. Der Chemiker und Ägyptologe

präsentierte dabei eigene Forschungsergeb-

Abb. 4: „Sound of Silence“, das abendliches Konzert

von Heidi Köpp, © Foto: Daniela Rutica

Abb. 5: Anne Hesmer entwarf und fertigte die Geierhaube

der Nefertari, © Foto: Begga Rolfsmeyer

45


nisse in Bezug auf die Herkunft der zur pharaonischen

Zeit verwendeten Pigmente und

zeigte innovative Maltechniken, die bei der

Papyrusmalerei im Alten Ägypten von einzelnen

Künstlern erprobt wurden. Das Vortragsprogramm

am Samstag endete mit der

Präsentation „Nicht nur zu Gast in der Ramses-Stadt

- Internationale Beziehungen einer

Altägyptischen Residenz” von Dr. Edgar

Pusch (Roemer-und Pelizaeus Museum, Hildesheim).

Der Ägyptologe und langjährige

Grabungsleiter von Piramesse gab einen Einblick

in seine 36jährige Forschungstätigkeit

über die Rekonstruktion der Ramses-Stadt,

referierte über den internationalen Charakter

der antiken Metropole und zeigte Funde,

die auf ausländische Besucher, Botschafter

und Würdenträger hinweisen. Nach dem

Abendessen begann das künstlerische Rahmenprogramm

mit dem vergnüglichen

Theaterstück „Der kurze Weg zum Frieden“,

das die Gruppe Ebers‘ Erben (Universität

Leipzig) exklusiv für die Tagung einstudiert

hatte. Das Stück handelt von einem geheimen

Treffen zwischen Pharao Ramses II.

(Joost Hagen) und dem hethitischen Großkönig

Hattusilis III. (Helmar Wodtke) nach

der Schlacht von Kadesh und präsentiert

in erfrischend frechen Dialogen eine alternative

Variante der Geschichte, nach der es

in Wirklichkeit die beiden Königsgemahlinnen,

Nefertari (Ursula Selzer) und Puduchepa

(Katharina Stegbauer) waren, die den

ersten Friedensvertrag der Menschheitsgeschichte

schlossen. Ein optischer Hingucker

war dabei die golden glänzende Krone der

Königin Nefertari – eine Geierhaube, die in

monatelanger Feinarbeit von Anne Hesmer

aus 220 echten Messing- und Bronzeplättchen

entworfen und angefertigt worden war.

Der Abend endete mit dem stimmungsvollen

musikalischen Entertainment-Programm

von Heidi Köpp. Die aus Funk und Fernsehen

bekannte Sängerin, Ägyptologin und

Musikarchäologin nahm das Publikum mit

auf eine Reise durch die Musikgeschichte.

Ihr abendliches Konzert „Sound of Silence

– Musik im Alten Ägypten und heute“

begeisterte das Publikum mit antiken Instrumenten

und altägyptischen Texten bis zu

modernen Chansons mit Gitarrenbegleitung

bis tief in die Nachtstunden.

Abb. 6: Die Gruppe Ebers‘

Erben (Universität Leipzig)

zeigte am Samstag abend

ihr neues Stück „Ramses II.

und Hattusilis - Der kurze

Weg zum Frieden“

© Foto: Daniela Rutica

46


Am Sonntagmorgen bestand die Möglichkeit

zur Teilnahme am koptisch-orthodoxen

Gottesdienst. Nach dem anschließenden

Agape-Mahl und Mittagessen begann das

Vortragsprogramm mit dem Thema „Die

verlorene Mumie von Alexander dem Großen“

von Dr. Michael E. Habicht (Universität

Zürich). Der schweizer Ägyptologe

referierte in seinem spannenden Vortrag

über die Spurensuche nach dem Verbleib der

Mumie des großen Makedonenkönigs und

zeigte auf, welche Rolle dabei koptische und

mittelalterliche Heiligenlegenden spielen

könnten und was Alexander den Großen

mit dem Hl. Markus verbindet. Dr. Irmtraut

Munro (Universität Bonn) präsentierte in

ihrem Vortrag.„Ein nützliches Puzzle: Das

Zusammenführen von Totenbuch-Fragmenten”

ihre langjährige Forschungsarbeit am

Bonner Totenbuchprojekt und berichtete

über die Suche nach weltweit verstreuten

Papyrusfragmenten. In der anschließenden

Diskussion wurden von Seiten der Besucher

großes Bedauern und Bestürzung über die

Einstellung des Projektes geäußert. Den

Abschluss der Tagung bildeten traditionell

zwei koptologische Vorträge. Joost Hagen

M.A. (Universität Leipzig) stellte in seinem

Vortrag „Einzigartig, doppelt und dreifach“

die koptischen Texte aus Kasr Ibrim vor und

im Anschluss referierte Julien Delhez M.A.

(Universität Göttingen) zum Thema „Schenute,

Mönch und Lehrer“ über die Klosterregeln

in den Aufzeichnungen des bekannten

koptischen Autors und Klostervorstehers aus

dem 5. Jahrhundert. Die Tagung endete mit

Kaffee und Kuchen im Klostergarten, zu

dem Bischof Damian die Besucher herzlich

einlud. Einige Gäste nutzten die Gelegenheit

und verbrachten noch ein paar Urlaubstage

länger in Brenkhausen oder besuchten

die ägyptische Sammlung im Roemer-und

Pelizaeus Museum in Hildesheim. Und die

Gespräche und kreativen Ideen beim abendlichen

Ausklang im Restaurant St. Markus

drehten sich bereits um die nächste Tagung

und weitere ägyptologische Veranstaltungen

und Themen-Events im Kloster. Geplant

sind die nächsten Tage der Ägyptologie

unter dem Motto „Helden, Heilige und Hieroglyphen“

übrigens für das Wochenende

31.07.–02.08.2020.

Abb. 7: Angela Kaiser (Kaiserhimmel) zeigte an ihrem

Stand in den Pausen Mal- und Vergoldungstechniken

© Foto: Daniela Rutica

Abb. 8: Künstlerstand von Daniela Rutica und Angela

Kaiser bei den Tagen der Ägyptologie

© Foto: Daniela Rutica

47


Toutânkhamon

le Trésor du Pharaon

Reise des Vereins zur Förderung des Ägyptischen

Museums in Berlin nach Paris zur Ausstellung

Die vom 16. Februar 1980 bis zum 26.

Mai 1980 im heutigen Bröhan-Museum

durchgeführte Tutanchamun-Ausstellung war

und ist schon allein im Blick auf die damaligen

655 900 Besucher eines der prägenden

Großereignisse in der Geschichte des Fördervereins

des Ägyptischen Museums Berlin.

Thomas Ritter / Daniela Vandersee-Geier

und Gäste – geführt von Frau Dr. Zorn – auf

den Weg nach Paris, um sich die Ausstellung

anzusehen. In Paris kamen 2 Mitglieder zum

Besuch der Ägyptischen Abteilung des Louvre

hinzu. Die Gruppe umfasste dabei alle

Generationen. Die jüngste Mitreisende war

11 Jahre alt.

Nunmehr fand 2019 die Ausstellung „Tutanchamun.

Der Schatz des Pharao“ in Paris

statt. Ausgestellt wurden darin 150 Objekte,

wobei 60 dieser Objekte erstmals außerhalb

Ägyptens zu sehen waren. Anfang August

2019 machten sich 26 Vereinsmitglieder

Das Reise- und Besuchsprogramm in Paris

umfasste nicht nur die dortige Tutanchamun-

Ausstellung, sondern auch einen Besuch in

der Ägyptischen Abteilung des Louvre sowie

den Besuch der Hethiter-Ausstellung, die

ebenfalls im Louvre stattfand.

Abb. 1: Die Pyramide am Vorabend des Louvre-Besuchs © Foto: Bettina Ritter

48


Die Reisenden trafen sich am Samstag,

den 3. August 2019, zur Mittagszeit, an der

großen Glaspyramide im Hof des Louvre.

Die Besuchermassen waren immens, aber

unter besonderem Einsatz der Leitung

bekam die Gruppe den Zutritt über einen

Nebeneingang, so dass die Führung beginnen

konnte. Diese dauerte dann zum einen

wegen der unzähligen interessanten Ausstellungsstücke

aber auch wegen der bereichernden

und inspirierenden Erläuterungen von

Frau Dr. Zorn bis zum Schließungszeitpunkt

des Louvre an. Der zur freien Gestaltung

stehende Samstagabend klang für einen Teil

der Gruppe in einem sehr guten und gediegenen

Restaurant in der Nähe des Boulevard

Haussmann aus, während andere Reisende

sich für einen individuellen Abend in Paris

entschieden.

Am Sonntag, den 4. August 2019, traf die

Gruppe wieder zusammen und ging – nach

einem gemeinsamen Stadtrundgang – wieder

in den Louvre zum Besuch der Ausstellung

„Vergessene Königreiche – Die Erben des

Hethitischen Reiches”. Mit dem Besuch dieser

Ausstellung und der kompetenten Führung

durch den Kurator dieser Ausstellung,

Herrn Dr. Vincent Blanchard, wurde das

Verständnis für die Hethiter als große rivalisierende

Macht des alten Ägypten sowie die

Bemühungen des Louvres für die Erhaltung

und den Schutz des Kulturerbes in Konfliktgebieten

vertieft. Der Sonntagabend klang

bei einem gemeinsamen Abendessen aus.

Am Montag, den 5. August 2019, ging

es dann zur Ausstellung „Toutânkhamon,

le Trésor du Pharaon”, die nicht im Louvre,

Abb. 2: Frau Dr. Zorn bei der Führung im Louvre © Foto: Bettina Ritter

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sondern in der Grande Halle in La Villette

im Norden von Paris stattfand. Es handelt

sich um die ehemalige Große Halle des

Schlachthofes von Paris. Durch die Ausstellung,

die das ägyptische Antikenministerium

mit der Eventfirma IMG Exhibitions unter

fachlicher Beratung des Louvre bis 2022 auf

eine Weltreise schickte, um an Carters Jahrhundertfund

zu erinnern, sollte wieder Frau

Dr. Zorn führen. Nicht zuletzt aufgrund der

Besuchermassen, die durch die Ausstellung

– wohl gemäß dem Ausstellungskonzept –

hindurchorganisiert wurden bzw. hindurchorganisiert

werden mussten, erwies sich

das Vorhaben einer Führung allerdings als

nicht realisierbar. Die Führung hat Frau Dr.

Zorn, der an dieser Stelle nochmals herzlich

gedankt wird, unter Verwendung der von

Herrn Schröder gemachten Bilder nach der

Rückkehr nach Berlin in einer „Paris-Nachlese“

in dem den „Berlinern“ vertrauten

Museumsformat im Brugsch-Pascha-Saal

nachgeholt.

Die Reise nach Paris war für alle – nicht

zuletzt wegen der zahlreichen menschlichen

Begegnungen und der guten Gespräche

– vielfältig und insbesondere für das Vereinsleben

bereichernd und hat einen tiefen

Einblick in die oben dargestellten Themen

gegeben. Unmittelbar erfahrbar wurde

dabei auch, wie eine „moderne“ und von

Event-Firmen mitorganisierte Museumsund

Ausstellungsorganisation abläuft.

Abb. 3: Ägyptische Abteilung des Louvre

© Foto: Daniela Vandersee-Geier

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Magazin für die Freunde

Ägyptischer Museen und Sammlungen

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Museums Berlin e.V.

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Ausgabe Oktober 2019

Heft-Nr. 59 / 21. Jahrgang

ISSN: 2196-8942 (Print)

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Hildesheimer Museumsverein

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Verein der Freunde des

Kunsthistorischen Museums

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Tel.: +43 1525 24 6901

E-Mail: freunde@khm.at

Lektorat:

Erika Böning-Feuß, Berlin

erika.boening-feuss@amun-magazin.de

Satz und Layout:

Mike Berger, Berlin

Auflage:

3 000

Druck:

PRIMUS international printing GmbH

Hochstraße 14

56307 Dernbach

Titelbild:

Heft Nr. 1 / 1999

© Foto: Daniela Vandersee-Geier

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