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Pirouette No. 03/2021 März (gratis)

Challenge Cup in der "Bubble" In den Niederlanden hat man ein detailliertes Anti-Corona-Konzept mit „Blase“ entwickelt, damit der Challenge Cup auch in diesem Jahr statt­finden konnte, was sehr anerkennenswert weil aufwändig ist. Während vielerorts Wettbewerbe ausfallen, hat der russische Verband kurzerhand einen neuen ins Leben gerufen: Den Teampokal. Damit schlugen die Russen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie motivierten die Sportler und gaben ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, einen Mannschaftswettbewerb zu erleben, wie er ähnlich bei den Olympischen Spielen existiert. Die TV-Einschaltquoten waren rekordverdächtig. Beim russischen Pokalfinale ging es in diesem Jahr um begehrte WM-Startplätze. Als Gäste durften Katharina Müller/Tim Dieck außer Konkurrenz teilnehmen. … Topthemen: · Challenge Cup · Neuer russischer Teampokal · Pokalfinale Russland Weiteres aus dem Inhalt: · Corona: Die WM 2021 in der „Blase“ - Eine Vorschau · Trainer-Portrait: Viola Striegler · Interview: Katharina Müller und Tim Dieck · Interview mit dem französischen Choreografen Benoît Richaud · Interview: Alexandra Stepanova und Ivan Bukin · Teampokal Russland: Phänomenale Kamila Valieva, Kondratiuk beeindruckt wieder · Gran Premio Finale: Rizzo vor Grassl · Pokalfinale Russland: Tuktamysheva, Semenenko, Mishina/Galliamov ergattern WM-Tickets. Sinitsina/Katsalapov melden sich zurück. · Challenge Cup: Silber für Hocke/Kunkel in den Haag, Kolyada überlegen trotz Axel-Problemen, Tarasova/Morozov dominierten trotz Fehler · Vorschläge für Regeländerungen zum ISU-Kongress 2022: Grundsätzliches, Wettbewerbe und Elemente, Änderungen für die Jury · Hippolyt Cup 2021 in St. Pölten: Überraschend knapper Sieg für Leitgeb, WM-Probelauf für Mikutina und Zandron · Weitere Wettbewerbe: Tallink Hotels Cup, Celje Open, LuMi Eistanz Trophy, Sofia Trophy, Südkoreanische Meisterschaft · Neues Schweizer Nachwuchskonzept: Neuer Nachwuchs-Nationaltrainer Richard Leroy soll Konzept umgesetzten · Eislaufgeschichte: Margarete Klebe und Paul Metzner, Eiskunstlaufen in den schwierigen Jahren des Ersten Weltkriegs · Leserbrief: Anmerkungen zum Februar-Interview mit Trainerin Nicole Brünner · Neues aus aller Welt Titelbild: Mikhail Kolyada beim Finale in Moskau, Foto: Olga Timochova Auch als Printversion erhältlich unter: www.pirouette-online.de/nr-3-maerz-2021.html (Erscheinungstermin 12.3.2021)

Challenge Cup in der "Bubble"

In den Niederlanden hat man ein detailliertes Anti-Corona-Konzept mit „Blase“ entwickelt, damit der Challenge Cup auch in diesem Jahr statt­finden konnte, was sehr anerkennenswert weil aufwändig ist. Während vielerorts Wettbewerbe ausfallen, hat der russische Verband kurzerhand einen neuen ins Leben gerufen: Den Teampokal. Damit schlugen die Russen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie motivierten die Sportler und gaben ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, einen Mannschaftswettbewerb zu erleben, wie er ähnlich bei den Olympischen Spielen existiert. Die TV-Einschaltquoten waren rekordverdächtig. Beim russischen Pokalfinale ging es in diesem Jahr um begehrte WM-Startplätze. Als Gäste durften Katharina Müller/Tim Dieck außer Konkurrenz teilnehmen. …

Topthemen:
· Challenge Cup
· Neuer russischer Teampokal
· Pokalfinale Russland

Weiteres aus dem Inhalt:
· Corona: Die WM 2021 in der „Blase“ - Eine Vorschau
· Trainer-Portrait: Viola Striegler
· Interview: Katharina Müller und Tim Dieck
· Interview mit dem französischen Choreografen Benoît Richaud
· Interview: Alexandra Stepanova und Ivan Bukin
· Teampokal Russland: Phänomenale Kamila Valieva, Kondratiuk beeindruckt wieder
· Gran Premio Finale: Rizzo vor Grassl
· Pokalfinale Russland: Tuktamysheva, Semenenko, Mishina/Galliamov ergattern WM-Tickets. Sinitsina/Katsalapov melden sich zurück.
· Challenge Cup: Silber für Hocke/Kunkel in den Haag, Kolyada überlegen trotz Axel-Problemen, Tarasova/Morozov dominierten trotz Fehler
· Vorschläge für Regeländerungen zum ISU-Kongress 2022: Grundsätzliches, Wettbewerbe und Elemente, Änderungen für die Jury
· Hippolyt Cup 2021 in St. Pölten: Überraschend knapper Sieg für Leitgeb, WM-Probelauf für Mikutina und Zandron
· Weitere Wettbewerbe: Tallink Hotels Cup, Celje Open, LuMi Eistanz Trophy, Sofia Trophy, Südkoreanische Meisterschaft
· Neues Schweizer Nachwuchskonzept: Neuer Nachwuchs-Nationaltrainer Richard Leroy soll Konzept umgesetzten
· Eislaufgeschichte: Margarete Klebe und Paul Metzner, Eiskunstlaufen in den schwierigen Jahren des Ersten Weltkriegs
· Leserbrief: Anmerkungen zum Februar-Interview mit Trainerin Nicole Brünner
· Neues aus aller Welt

Titelbild: Mikhail Kolyada beim Finale in Moskau, Foto: Olga Timochova

Auch als Printversion erhältlich unter: www.pirouette-online.de/nr-3-maerz-2021.html (Erscheinungstermin 12.3.2021)

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Pirouette

Nr. 3 | März 2021

Internationales Eiskunstlauf-Magazin | 54. Jahrgang | www.pirouette-online.de

Mikhail Kolyada

Challenge Cup

Neuer russischer

Teampokal

Pokalfinale Russland

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Pirouette-Online


2

Weltmeisterschaften in der „Blase“

Corona

ISU-Vorstandsbeschlüsse

Die ISU bestätigte auf ihrer Online-Vorstandssitzung am 2. März, dass die WM vom

22. bis 28. März in Stockholm stattfinden soll. Allerdings wurde am 6. März bekannt,

dass Stockholm zumindest für Deutschland zum Hochrisikogebiet erklärt wurde Man

wird sehen, ob die WM mit der vorgesehenen „Blase“ stattfinden kann.

Fast alle Länder mit Läufern, die sich für die

WM qualifiziert haben, bestätigten der ISU ihre

Meldungen. Daher bleibt es bei dem schon früher

beschlossenen Qualifikationssystem für die

Startplätze bei den Olympischen Spielen. Etwa

drei Viertel der Länder-Plätze sollen demnach

bei der WM in Stockholm vergeben werden, das

letzte Viertel bei der Nebelhorn Trophy vom 22.

bis 25. September. Die World Team Trophy vom

15. – 18. April soll im japanischen Osaka stattfinden,

wenn die japanischen Behörden bis dahin

den Notstand aufgehoben und bestätigt haben,

dass die Teilnehmer nach der Einreise nicht

in Quarantäne müssen.

Die Junioren-WM 2021, die im chinesischen

Harbin geplant war, ist ausgefallen. Daher bilden

die Ergebnisse der Junioren-WM 2020 in Tallinn

die Grundlage für die Teilnehmerzahl der Juniorenserie

2021, die wieder von August bis Oktober

geplant ist. Die Austragungsorte und Termine

der Junioren Grand Prix hatte die Pirouette

bereits im Novemberheft 2020 auf Seite 7 veröffentlicht.

Unter ihnen ist Linz vom 6. bis 9.

Oktober. Die drei ISU-Mitteilungen 2236, 2238

und 2322 für das Synchronlaufen (u.a. Elemente

für ausgewogene Programme in der Saison

2019/20) bleiben auch in der kommenden Saison

2021/2022 unverändert, weil die meisten

Synchronteams in dieser Saison gar nicht oder

nur sporadisch trainieren konnten. Die oberen

Altersgrenzen für Nachwuchs- und Juniorenläufer(innen)

im Synchronlaufen waren für diese

Saison ausnahmsweise um ein Jahr erhöht worden.

Dies gilt erneut ausnahmsweise auch für

die Saison 2021/22. Die Altersgrenze steigt damit

aber nicht um zwei Jahre, denn wer schon

in dieser Saison von der Erhöhung profitiert hat,

kann dies nicht noch ein zweites Mal tun. Für

neue Läufer in den Teams gelten in der kommenden

Saison die normalen Altersgrenzen.

Die um ein Jahr erhöhten gelten nur für

Läufer(innen), die schon im Vorjahr im selben

Team mitliefen. Die nächste Online-Vorstandssitzung

der ISU ist für den 8. April geplant.

Entscheidungen der Online-Jury

Läufern, die in dieser Saison kaum oder keine

Möglichkeiten hatten, die Mindestpunktzahlen

für die WM bei internationalen Wettbewerben

zu erreichen, wurde von der ISU ausnahmsweise

angeboten, Videos von ihrem KP bzw.

Rhythmustanz oder/und der Kür einzuschicken.

Diese wurden dann von einer internationalen

Online-Jury so bewertet, als ob sie einen normalen

Wettbewerb bestritten hätten. Etwa 20

Läufer bzw. Paare machten von dieser Möglichkeit

tatsächlich Gebrauch. Einige erreichten

die Norm, andere nicht. Einige schickten Programme,

starteten aber noch Ende Februar bei

einem Wettbewerb, in diesem Fall zählte dann

die höhere Punktzahl. Bei den Damen war die

für Taiwan startende Emmy Ma erfolgreich,

aber sie übertraf beide Normen auch beim

Challenge Cup (siehe Seite 20), auch Nelli Joffe

aus Israel und Dasa Grm aus Slowenien (der

die Kürnorm schon voriges Jahr fehlte) qualifizierten

sich für die WM. Laura Karhunen aus

Finnland, Aldis Bergsdottir aus Island, Tara

Prasad aus Indien und Andrea Cantu aus

Mexiko verfehlten mindestens eine Norm. Bei

den Herren schaffte der ex-Oberstdorfer Finne

Valtter Virtanen die noch fehlende Punkte in

der Kür, ebenso Mikhail Shaidorov aus Kasachstan.

Jauhenii Pusanau aus Belarus, Kornel

Witkowski aus Polen und Pablo Garcia aus

Spanien waren dagegen nicht erfolgreich.

Im Paarlaufen übertrafen die für Österreich

startenden Chloe Choinard und Livio Mayr beide

Normen nicht, denn ansonsten hätte das

Land dank des zehnten Platzes von Ziegler/Kiefer

bei der WM 2019 zwei Paare nach Stockholm

schicken dürfen. Ebenfalls vergeblich war

der Versuch der Briten Anastasia Vaipan-Law

und Luke Digby und der schwedischen Geschwister

Greta und John Crafoord, die beim

Online-Wettbewerb und auch in Den Haag im

KP scheiterten. Kein Problem mit den Normen

hatten die Skate America-Sieger Alexa Knierim

und Brandon Frazier. Online erfolgreich waren

auch die amerikanischen Ersatzläufer Emily

Chan/Spencer Akira Howe und die Ukrainer

Sofiia Holichenko/Artem Darenskyi. Im Eistanzen

können sich Ekaterina Kuznetsova und Oleksandr

Kolosovskji aus Aserbaidschan auf die WM freuen.

Charlotte Lafond und Richard Kang aus Neuseeland

hatten dagegen in beiden Programmen

einige Zehntel zu wenige Punkte. krk

TV-Sendezeiten der WM

Auch in diesem Jahr übertragen ONE und

ARD wieder sehr vieles von der WM. Hier die

voraussichtlichen Sendezeiten:

Mittwoch 24.03.

KP Damen 12:00 Uhr – 16:00 Uhr live auf

ONE und Sportschau.de

KP Paare 18.30 Uhr – 22:50 Uhr live auf

Sportschau.de (ab 20 Uhr mit Kommentar)

Donnerstag 25.03.

KP Herren 13:00 Uhr – 17:00 Uhr live auf

ONE und Sportschau.de

Kür Paare 18:10 Uhr – 22:00 Uhr live auf

Sportschau.de (ab 19.30 Uhr mit Kommentar)

22:15 Uhr – 00:15 Zusammenfassung (ONE)

Freitag 26.03.

Rhythmustanz 13:00 Uhr – 16:00 Uhr live

auf ONE und Sportschau.de

Kür Damen 18:00 Uhr – 22:00 Uhr live auf

Sportschau.de (ab 19:30 Uhr mit Kommentar)

22:30 Uhr – 00:30 Uhr Zusammenfassung

auf ONE

Samstag 27.03.

Kür Herren 11:00 Uhr – 15:00 Uhr live auf

ONE und Sportschau.de

Kür Eistanzen 17:00 Uhr – 20:15 Uhr live auf

ONE und Sportschau.de

Sonntag 28.03.

Schaulaufen 14:00 – 17:00 Uhr live auf ONE

Auch Eurosport kündigte an, sehr vieles von

der WM zu übertragen, teilweise auf Eurosport

1, teilweise auf Eurosport 2 bzw. dem

Eurosport Player (kostenpflichtig). Die genauen

Sendezeiten standen bei Redaktionsschluss

jedoch noch nicht fest.

Hase/Seegert verletzt

Die Berliner EM-Fünften Minerva Hase

und Nolan Seegert können nicht zur WM

nach Stockholm, obwohl Deutschland dort

zwei Startplätze hat. Denn bei einer unglücklichen

Landung eines dreifachen Twists

im Training riss das Syndesmoseband im

unteren Bein, was eine Operation mit

mehrmonatiger Heilungsphase erforderlich

macht. Einziges deutsches Kunstlaufpaar in

Stockholm sind daher Annika Hocke und

Robert Kunkel.

Kurzmeldungen

Die Schweizer Einzelläuferin Tanja Odermatt (24),

die im Jahr 2016 Schweizer Meisterin war und

2014 und 2016 an Europameisterschaften teilnahm

(Plätze 26 und 28) ist vom Wettkampfsport

zurückgetreten, nachdem feststand, dass es dieses

Jahr keine Schweizer Meisterschaften gibt.

Das georgische Tanzpaar Maria Kazakova und

Georgy Reviya, das im vergangenen Jahr Zweite

der Junioren-WM und 14. der EM geworden

war, kann wegen einer wiederkehrenden Knie-

Verletzung von ihm nicht an der WM in Stockholm

teilnehmen.

Der Schweizer ehemalige Paarläufer Tim Leemann,

der heute hauptberuflich in der Hotellerie

tätig ist. wurde am 24. Februar Vater einer

Tochter Aurora Marie.

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Impressum

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Stefan Schulze

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3

Inhalt & Termine

Verlagsleitung: Stefan Schulze

Chefredakteur: Klaus-Reinhold Kany

Stellvertreterin: Tatjana Flade

Mitarbeiter: Manuela Buyny, Albert René Kolb

(Schweiz), Katrin Flaschka (Österreich), Hella Höppner

Grafik: Stefan Schulze, Andreas Münch

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Kundenbetreuung: Angelika Manicone

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und Bildzuschriften haftet der Verlag nicht.

Beiträge, die mit Namen oder Initialen des Verfassers

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der Redaktion oder des Herausgebers dar. Für die

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die Clubs verantwortlich. Zuschriften können von uns,

falls kein ausdrücklicher Vor behalt gemacht wird, im

Wortlaut oder aus zugs weise veröffentlicht werden.

Erscheinungsweise: 10 mal im Jahr, Mai/Juni und

Juli/August sind Doppelausgaben, sonst monatlich.

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Gerichtsstand: Bad Mergentheim

Kündigung sind bis acht Wochen vor Ablauf des

Abon ne ments möglich, sonst erfolgt Verlängerung um

ein weiteres Jahr. Eine Kündigung bedarf der

Schriftform.

Eigentlich hätten Katharina Müller und Tim Dieck Bronze gewonnen, doch sie liefen außer Konkurrenz beim russischen

Pokalfinale (siehe Interview auf Seite 5). Foto: Flade

Eiskunstlauf-Termine

von Mitte März bis Ende April

(mit großem Vorbehalt)

18.03. – 21.03. Skate Celje (Slowenien),

abgesagt

22.03. – 28.03. Weltmeisterschaften in

Stockholm (Schweden)

25.03. – 28.03. Deutsche

Nachwuchsmeister schaften

in Dortmund (geplant)

26.03. – 27.03. Abu Dhabi Classic Trophy

(Vereinigte Emirate),

verschoben

26.03. – 28.03. Egna Spring Trophy (Italien)

01.04. – 03.04. Spring Talents Cup in

Brovary (Ukraine)

07.04. – 11.04. Black Sea Ice Cup in

Kranevo (Bulgarien)

07.11. – 11.04. Triglav Trophy mit Narcisa

Cup in Jesenice (Slowenien)

09.04. – 11.04. Ice Cup in Minsk (Belarus)

14.04. – 18.04. Europa Cup Skate Helena

in Belgrad (Serbien)

15.04. – 18.04. World Team Trophy in Osaka

(Japan, sehr unsicher)

17.04. – 18.04. Kurbada Cup in Riga

(Lettland)

Alle Synchronwettbewerbe werden abgesagt,

auch die Synchron-WM.

Erscheinungstermin

der nächsten Pirouette:

16. April 2021

Inhalt

Corona: Die WM in der „Blase“ 2

Trainer-Portrait: Viola Striegler 4

Interview: Müller & Dieck 5

Interview: Benoît Richaud 6

Interview: Stepanova & Bukin 8

Neues aus aller Welt 9

Teampokal Russland 11

Gran Premio Finale 14

Weitere Wettbewerbe 15

Pokalfinale Russland 17

Challenge Cup 20

Vorschläge für ISU-Regeländerungen 24

Österreich: Hippolyt Cup 2021 26

Die vollständigen AGB sind nachzulesen im Internet:

www.pirouette-online.de/info/

allgemeine-geschaeftsbedingungen

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Titelbild: Mikhail Kolyada

Russisches Roulette der Herren beim Finale

in Moskau: Keiner ist wirklich konstant,

nur Kolyada war in dieser Saison viel

stabiler als früher.

Foto: Olga Timochova

Schweizer Nachwuchskonzept 27

Eislaufgeschichte: Klebe und Metzner 28

Leserbrief31

Neues aus aller Welt 31


4

Viola Striegler

Trainer-Portrait

Mehr als 60 Jahre auf dem Eis

Viola Striegler

Zum Jahresende 2020 ist die Berlinerin

Viola Striegler mit 68 Jahren offiziell als

Bundestrainerin für den deutschen Einzellauf

in den Ruhestand getreten. Damit

ist sie eine von mehreren Trainerinnen einer

ganzen Generation, die zurzeit nach

und nach ihre offizielle Tätigkeit beenden.

Eigentlich wollte sie schon ein Jahr

früher in den Ruhestand gehen. Aber sie

sagte jetzt: „Ich wollte ungern aufhören,

bevor ein Nachfolger gefunden ist. Das

hat ja jetzt geklappt.“ Auch ihre Aufgabe

als Stützpunktleiterin kann sie nun beenden,

nachdem Jens Ter Laak die Stelle

übernommen hat. „Das ist ein Vollzeitjob

und sollte ein jüngerer Mensch tun, der

aber trotzdem schon viel Erfahrung hat.“

Striegler ist 1953 unter dem Namen Viola Pohl

geboren und in der DDR aufgewachsen. Ihr erster

größerer Erfolg im Sport war ein Sieg im

Paarlaufen bei der ersten Kinder- und Jugend-

Spartakiade Ende der 1960er Jahre mit Partner

Wolfgang Kosgalwies. Schlagen konnte das Duo

dabei unter anderem den heutigen Berliner Trainerkollegen

Knut Schubert mit seiner Schwester

Katja. Weil es im Sommer kein Eis gab, sind die

beiden in dieser Jahreszeit auch Rollschuh gelaufen,

aber nicht so wettkampfmäßig wie

manche Läufer im Westen. Mit 16 Jahren war

sie Berliner Meisterin und hörte wegen ihrer

Größe mit dem Paarlaufen auf. Sie machte Abitur

und arbeitete gleichzeitig schon als Übungsleiterin

beim TSC Berlin, weil das ein gutes

Praktikum für ihren späteren Berufswunsch

Trainerin und vom Staat auch so akzeptiert war.

Nach dem Abitur studierte sie Sportwissenschaften

mit dem Ziel Diplomsportlehrerin. Um

das zu ermöglichen, brauchte sie einen Verein,

der sich für sie einsetzte, und einen einflussreichen

Fürsprecher. Dieser Mentor war der Ehepartner

der Berliner Trainerin Inge Wischnewski

(Christine Erraths langjährige Trainerin), der Dozent

in der Trainerausbildung war.

Den Abschluss als Diplomsportlehrerin machte

Striegler dann bei der DHfK (Deutsche Hochschule

für Körperkultur) in Leipzig, Außenstelle

Berlin. Thema ihrer Diplomarbeit waren die Entwicklungsstufen

auf dem Eis von den ersten

Schritten bis zu den einfachen Sprüngen. Während

dieser Zeit arbeitete sie ab der Pädagogischen

Prüfung im Jahr 1973 bereits hauptberuflich

auf dem Eis. Wichtigste Aufgabe waren damals

die Kaderüberprüfungen und Vorbereitungen

von vielen Berliner Eisläufern auf nationale

und internationale Wettkämpfe, unter anderem

auf die „Jugendwettkämpfe der Freundschaft“

innerhalb der Staaten des damaligen Ostblocks.

Ihre beste Schülerin zu dieser Zeit war die heutige

Berliner Trainerin Karin Hendschke, die im

Foto: Flade

Jahr 1983 Silber und 1984 Gold bei den ISU Junioren-Weltmeisterschaften

gewann.

Nach der politischen Wende ging es gleich 1990

weiter für sie, denn der damalige DEU-Präsident

Dr. Wolf-Dieter Montag und Sportdirektor Peter

Krick boten ihr einen Vertrag als DEU-Honorartrainerin

für Berliner Einzelläufer an, den sie

gerne annahm. Ihr bester Läufer in den 1990er

Jahren war Sven Meyer, der an sechs Deutschen

Meisterschaften in der Meisterklasse teilnahm.

Sein Karrierehöhepunkt war 1997/98, als er

Deutscher Meister wurde, den favorisierten Andrejs

Vlascenko schlug und zur EM und WM

durfte. Aber im Mai 1999 beging der Sportpolizist

wohl aus privaten Gründen mit seiner

Dienstwaffe Selbstmord, was Striegler sehr mitnahm:

„Ich war völlig schockiert, weil es vorher

keinerlei Anzeichen für so etwas gab und ich

auch keinerlei Probleme mit ihm hatte. Ich habe

länger überlegt, ob ich meine Tätigkeit als Trainerin

aufgeben sollte. Neben der Präsidentin

Frau Siedenberg und dem Sportdirektor Herr

Dönsdorf war Herr Ketterer damals eine große

Stütze für mich, denn er gab mir Zeit, das zu

verdauen, redete öfter und länger mit mir und

überzeugte mich weiterzumachen.“

Ab etwa 2004 hatte sie eine ganze Reihe von

guten Läufern, vor allem Herren und wurde

„Disziplintrainerin Herren“. Sie bedauert, dass

die meisten irgendwann „weggebrochen“ sind.

Trotz mehrerer schwerer Verletzungen durchgehalten

hat nur Peter Liebers, den sie 16 Jahre

lang betreute. „Die beiden Olympischen Zyklen

von 2006 bis 2014 waren meine interessantesten

Jahre als Trainerin, weil ich mit Peter, und

Martin Liebers, Clemens Brummer und Stefan

Lindemann eine Gruppe hatte, die alle ehrgeizig

waren. Ich musste sie so führen, dass sie trotz

der Rivalität Freunde blieben und sich gegenseitig

anstachelten, denn wie das bei jungen Männern

so ist, sie wollen immer gewinnen.“ Höhepunkte

dieser Zeit waren die knappen Entscheidungen,

wer zu den Olympischen Spielen darf,

2010 war das Stefan Lindemann (Rang 22) und

Benoît Richaud (links)mit Daniel Grassl und

Trainer Lorenzo Magri bei der JWM 2020

Trainerin Viola Striegler und Thomas Stoll bei den Junioren-WM 2017

2014 Peter Liebers. Sein achter Platz in Sotschi

mit der besten Leistung seiner gesamten Karriere

war natürlich ein Highlight auch für die Trainerin,

so wie auch der 6.Platz der EM und die

Goldmedaille bei der Universiade 2015.

Im selben Jahr wurde Striegler Bundestrainerin

für alle Einzelläufer der Meisterklasse. „Das war

nicht so einfach, weil ich den erfahrenen Trainern

nicht reinreden wollte, aber trotzdem Ansprechpartner

für sie und den Athleten bei der

DEU sein sollte. Dies war mehr eine beratende

Tätigkeit, insbesondere im respektvollen Umgang

mit den AthletInnen. Außerdem habe ich

natürlich Lehrgänge abgehalten, auch mit deutschen

Trainerkollegen/innen. Des Weiteren habe

ich mit den Kadersportlern Lehrgänge in der

Schweiz bei Stéphane Lambiel und Robert Dierking

abgehalten.“ Als Reinhard Ketterer als

Stützpunktleiter in Berlin in den Ruhestand gehen

musste (mit der Altersgrenze war der Berliner

Senat gnadenlos), übernahm Striegler auch

zunächst amtierend die Funktion als Stützpunktleiterin.

Die Verhandlungen mit dem Senat

und die Koordination der vielen Trainerkollegen

waren ungewohnt und eine enorme Mehrbelastung

für sie, weil sie lieber am Eis arbeitete.

Robert Dierking, ihren Nachfolger als Bundestrainer,

kennt sie schon von mehreren Lehrgängen

in der Schweiz und befürwortete seine Anstellung.

Er und seine Ehefrau wären nach

Strieglers Meinung gerade mit Blick auf den fälligen

Generationswechsel eine gute Unterstützung

für Berlin, aber die Entscheidung fiel für

Oberstdorf als Amtssitz.. Striegler: „Mal sehen,

wie das läuft, man soll niemals nie sagen.“ Wirklich

in den Ruhestand geht sie noch nicht, denn

sie unterrichtet weiterhin in Berlin und gibt in

den Vereinen an den Stützpunkten Hohenschönhausen,

Paul-Heyse-Straße und im Wedding ihre

Erfahrungen an Landes- und auch Bundeskaderläufer

und Trainer weiter. Striegler: „Für die

Zukunft, besonders Olympia 2022 wünsche ich

allen Athleten mit ihren Trainern und dem DEU-

Team viel Erfolg.“ Klaus-Reinhold Kany


Katharina Müller & Tim Dieck

»Anjelika Krylova hat das Gespür dafür,

wie man mit uns umgehen muss«

Nach fast einem Jahr sind

Katharina Müller und Tim

Dieck zu ihrer Haupttrainerin

Anjelika Krylova nach Moskau

zurückgekehrt und bereiten sich

mit ihr auf die WM vor.

Katharina Müller und Tim Dieck

mit den Trainern Anjelika Krylova und

Maxim Staviski (links), Foto: Flade

5

Katharina Müller & Tim Dieck

Interview

Pirouette: Wie haben Sie es geschafft, nach

Russland zurückzukommen?

Katharina: Wir haben es die ganze Saison über

versucht. Als es jetzt vor der WM tendenziell

dahinging, dass wir uns vorbereiten müssen,

sagten wir uns, wir müssen spätestens im Februar

nach Russland. Wir brauchten eine andere

Variante, weil Herr Skotnicky nicht mehr Bundestrainer

ist und auch nicht die ganze Verantwortung

übernehmen wollte. Er hat einen Brief

an Herrn Gorshkov (russischer Verbandspräsident)

geschrieben und wir haben es endlich geschafft,

unsere Dokumente wurden fertig gestellt.

Wir konnten im Konsulat gar nicht glauben,

dass es so einfach und so schnell ging. Wir

haben es ein Jahr lang versucht und jetzt ging

es auf einmal. Als wir das Resultat vom Corona-

Test hatten, haben wir direkt den nächsten Flieger

nach Moskau genommen.

Tim: Nach 318 Tagen haben wir es geschafft.

Sie konnten nicht bei Anjelika trainieren,

aber Sie waren ständig in Kontakt.

Tim: Ja, und Anjelika hat viele Entscheidungen

getroffen, was Änderungen angeht und dass wir

mit speziellen Trainern arbeiten sollen, wann

wir nach Oberstdorf fahren und wann wir in

Dortmund bei Vitali (Schulz) trainieren sollen.

Das hat soweit gut geklappt und wir sind unendlich

dankbar dafür, dass Vitali Schulz und

Herr Skotnicky uns so gut betreut haben über

diese zehn Monate hinweg. Dennoch sind wir

umso glücklicher, dass wir jetzt zurück sind.

Katharina: Hier merke ich doch wieder, sie haben

andere Schwerpunkte, die wir ein bisschen vernachlässigt

haben. Es ist jetzt Anjelikas Aufgabe,

noch mehr Power und Lebendigkeit reinzugeben.

gen ist es umso besser, dass wir nun für die

WM-Vorbereitung hier sind.

Was ist der Hauptgrund, dass Sie wieder bei

Anjelika in Russland trainieren wollen?

Tim: Für mich persönlich spielt unterbewusst

mit, dass unsere Saison bei Anjelika unsere bisher

erfolgreichste war. Wir haben für uns gemerkt,

dass wir uns in der Saison bei Anjelika

am meisten verbessert haben und dementsprechend

war es für uns keine Frage, dass sie diejenige

ist, die uns auf den Weg, auf das Ziel

Olympia vorbereitet.

Katharina: Anjelika hat das Gespür dafür, wie

man mit uns umgehen muss. Sie sagt immer das

Richtige in dem Moment und gibt das richtige

Gefühl im Wettkampf. Bei ihr entwickle ich den

Spaß daran zu laufen, mich zu präsentieren. Wir

wissen, wer von uns steht, sei es Anjelika, Maxim

Staviski, Oleg Ovsiannikov. Du strengst dich automatisch

mehr an, weil die gucken. Es sind zwar

keine Seniorenpaare hier, was uns ein bisschen

fehlt, aber trotzdem spürt man diese Energie

Tim: Maxim Staviski war früher mein absolutes

Vorbild. Ich weiß noch, als ich das erste Mal

hierhin gekommen bin, war ich total nervös, da

wollte ich unbedingt das Beste für die Trainer

zeigen und dieses Gefühl ist bis heute noch da.

Dann noch zu wissen, dass sie hinter dir stehen,

ist ein tolles Gefühl.

Wie war es beim Pokalfinale zu laufen?

Tim: Ich habe zu Katharina am Anfang gesagt,

ich fühle mich das erste Mal in meinem Leben

wie ein Immigrant. Es ist schon was anderes.

Katharina: Ich bin ein bisschen mit dem russischen

Eiskunstlauf aufgewachsen. Als feststand,

dass wir hier laufen, dachte ich, jetzt bin ich

nervöser als zur WM, weil hier alle meine russischen

Idole sitzen, die ich früher im Fernsehen

gesehen und angehimmelt habe, und mir zugucken

werden. Mir war klar, dass wir das als Probe

sehen, aber wir wollten doch dem russischen

Standard entsprechen, weil die Läufer alle sehr

Tim: Lebendigkeit ist ein gutes Stichwort. In

Deutschland haben wir sehr viel an unserer

Technik gefeilt und haben uns technisch sehr

gut weiterentwickelt. Aber dieses Leben reinbringen,

das Tänzerische, das ist genau Anjelikas

Ding und das ganze Team arbeitet hier genau

aufeinander zu, das merken wir direkt. Deswegut

sind. Es war total schön, endlich mal diese

Arena zu spüren, Menschen zu spüren und nicht

in der leeren Halle zu laufen. Es ist sogar besser

hier als bei der WM, weil hier Zuschauer sind.

Wir sind sehr dankbar.

Tim: Die Frauen waren vor uns dran und mit uns

in der Aufwärmhalle und dort war Herr Professor

Mishin. Für mich war es ein Highlight zu sehen,

wie er mit Elizaveta Tuktamysheva umgeht. Es ist

eine Ehre, dass wir unter den ganzen tollen russischen

Sportlern mitlaufen durften. Wir können

auch Vitali schnell anrufen, aber zusammen mit

Anjelika funktioniert es einfach so gut. Ich kann

gar nicht in Worte fassen, was für eine Trainerin

sie ist. Sie ist die Trainerin, die wir immer gesucht

und vor einem Jahr gefunden haben.

Katharina: Max Staviski liebe ich auch. Er bringt

so viel Humor rein. Wenn wir mal genervt sind

veräppelt er uns und dann ist die Stimmung

wieder total locker. Sie ergänzen sich gut.

Was ist Ihr Ziel für die WM?

Tim: Natürlich wollen wir den Olympiastartplatz

für Deutschland erlaufen. Aber das generelle

Ziel ist, dass wir einfach unsere bestmögliche

Leistung zeigen, zeigen, dass wir zwei gute Programme

haben und dass wir zu dieser WM gehören,

dass wir Deutschlands Nummer eins zum

jetzigen Zeitpunkt sind und natürlich bleiben

wollen. Ich denke für den größten Teil der

Sportler ist es eine Erleichterung, dass die WM

geplant ist. Irgendwo muss es weitergehen. Natürlich

gibt es auch andere Sachen als unseren

Sport oder Sport allgemein, das verstehen wir.

Ich habe mich sehr gefreut darüber, dass die

WM stattfinden soll, aber es war für mich nicht

sehr verwunderlich, weil es aus meiner Sicht

keinen Grund gab zu sagen, das geht auf keinen

Fall. Wenn man will, dann gibt es einen Weg,

auch einen sehr, sehr sicheren.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg

in Stockholm!

Mit Katharina Müller und Tim Dieck sprach

Tatjana Flade.

•••


6

Benoît Richaud

Benoît Richaud »Ich möchte

jede Choreographie einzigartig machen«

Interview

Der Franzose Benoît Richaud (33) hat

sich in den vergangenen Jahren einen

Namen als Choreograph gemacht und

mit bekannten Läufern wie Daisuke

Takahashi, Bradie Tennell, Daniel Grassl

und Kaori Sakamoto gearbeitet. In

diesem Interview spricht er über seine

eigene Karriere, wie er Choreograph

wurde und über seine Vision.

Pirouette: Wie kamen Sie zum Eiskunstlauf?

Benoît: Ich komme aus dem Süden Frankreichs

und Sie müssen wissen, dass Eiskunstlauf dort

überhaupt nicht populär ist. Ich hatte Glück, in

Avignon gab es eine kleine Eishalle. Ich war als

Kind sehr aktiv und habe viele verschiedene

Sportarten ausprobiert. Ich sah meine Cousine

beim Eislaufen und wollte es gleich ausprobieren.

Von sechs bis neun habe ich Einzellauf gemacht,

dann fing ich mit Rugby an und hörte

mit dem Eislaufen auf. Mit elf ging ich wieder

zurück zum Eiskunstlauf. Dann kamen die Olympischen

Spiele 2002 und sie waren eine Entdeckung

für mich. Ich sah Marina Anissina und

Gwendal Peizerat gewinnen und sagte meiner

Mutter ‚das will ich machen‘. Ich sagte, ich will

bei denselben Trainern trainieren wie Marina

und Gwendal und meine Trainer sagten ‚du bist

verrückt‘. Aber meine Mutter rief Muriel Zazoui

an und im Mai 2002 fuhren wir nach Lyon. Muriel

und Romain Haguenauer sagten am Ende

des Probetrainings, dass sie eigentlich keine Kinder

nehmen, aber sie machen eine Ausnahme für

mich. Ich war 13 Jahre alt und ich machte Solo-

Eistanz, bis sie eine Partnerin für mich fanden.

Ich zog alleine nach Lyon und wohnte bei einer

Gastfamilie. Es lief gut im Eistanz. Ich wurde

Französischer Juniorenmeister (mit Elodie Brouiller),

wir waren im Juniorenfinale und Siebte bei

der Junioren-WM in Oberstdorf 2007. Aber es

war schwierig, mit mir zu laufen. Mir fehlte der

Teamgeist, deswegen hörte meine erste Partnerin

auf. Danach lief ich mit Terra (Findley), aber kurz

nach dem Aufstieg in die Meisterklasse hörte ich

auf. Ich fing an, in einer Bar zu kellnern. Mir

fehlte die Reife und das Verständnis. Inzwischen

habe ich mich bei meinen früheren Partnerinnen

entschuldigt und sie reden mit mir.

Haben Sie es jemals bereut, dass Sie Ihre

Karriere so früh beendet haben?

Nein, denn wenn ich zurückschaue ist mir klar,

dass ich nicht gern Wettkämpfe lief. Ich habe

gern trainiert, neue Programme mit den Trainern

aufgebaut, alles das, aber ich mochte keine

Wettbewerbe. Dafür war ich nicht gemacht.

Ich habe vier Jahre lang keine Schlittschuhe

angezogen.

Wie kamen Sie zum Eiskunstlauf zurück?

Ich arbeitete in der Bar und ich habe Musik gemacht

und zwei Alben veröffentlicht. Ich habe

per Fernstudium am Cours Florent studiert, der

besten Schauspielschule in Frankreich. Plötzlich

bekam ich eine E-Mail von Art on Ice, die ich

eigentlich nicht öffnen wollte, denn ich hasste

Holiday on Ice. Aber ich habe sie geöffnet und

sie luden mich zu einer TV Show, „Dancing on

Ice“, in die Niederlande ein. Ich dachte, eine TV-

Erfahrung könnte interessant sein. Es gefiel mir

nicht, aber ich fand das Konzept einer TV-Show

sehr interessant. Das Wichtigste jedoch war,

dass ich merkte, dass ich das Eislaufen vermisste.

Danach wurde ich Eistanztrainer in Basel. Ich

trainierte Hobbyläufer und die nationalen Meister

und Zweiten der Meisterschaft. Mit ihnen

fuhr ich zur EM 2015. Ich unterrichtete Eislauffertigkeiten,

Choreographie und fing an, mit

jungen Schweizer Läufern zu arbeiten. Ich kam

in Kontakt mit Ingrida (Snieskiene), der früheren

Trainerin von Deniss Vasiljevs und sagte, ich

möchte gern Choreographie für Deniss machen

Benoît Richaud (links)mit Daniel Grassl und

Trainer Lorenzo Magri bei der JWM 2020

und sie sagte ja. “Adagio for Tron” für Deniss

2014 war meine erste Erfahrung mit einem Einzelläufer.

Aber in der Schweiz gefiel es mir nicht

mehr. Und weil ich sah, dass den Leuten meine

Choreographie gefiel, sagte ich mir, dass ich

Choreograph werden will. Ich arbeitete mit Läufern

aus dem französischen Nationalteam und

so kam es Schritt für Schritt. Nach der WM

2015 war ich in Champéry und dort sah mich

Alexei Mishin und sagte, ich solle Choreographie

für Lisa Tuktamysheva machen. Er lud mich

ein, den ganzen Sommer mit seinem Team zu

arbeiten. 2016 sprach mich der japanische Verband

bei der Junioren-WM an. Ich denke, die

Leute hatten das Gefühl, dass Deniss‘ Choreographie

wirklich anders war.

Was inspiriert Sie?

Ich komme nicht aus einer Künstlerfamilie, aber

mein Vater war DJ und meine Mutter tanzte

gerne. Ich denke, dass hatte einen Einfluss auf

mich, als ich klein war, denn im Haus war immer

Musik und meine Mutter tanzte. Seit ich

sehr jung war, mochte ich das Andere und mein

Auge wird von Details angezogen. Ich denke,

das spiegelt sich in meiner Choreographie wider.

Ich möchte jede Choreographie einzigartig machen.

Für mich ist es sehr wichtig, die Persönlichkeit

des Läufers zu finden. Ich glaube, dass

jeder Eisläufer etwas Besonderes hat und das

will ich herausbringen. Um auf die Frage zurückzukommen,

ich denke, es hat sehr viel mit

meiner persönlichen Lebenserfahrung zu tun. Je

älter ich werde, desto mehr realisiere ich, dass

wir in Frankreich in einem Land leben, das

Kunst kultiviert. Ich habe alle aktuellen Ballett-

Aufführungen in Europa gesehen, die mir gefallen.

Ich habe die klassischen Komponisten studiert,

mit Rachmaninov habe ich angefangen. Er

und der estnische Komponist Arvo Pärt sind

meine Favoriten. Ich habe den Eindruck, dass

Gott zu mir spricht, wenn ich ihre Musik höre.


7

Eva-Lotta Kiibus beim Cup of Russia 2020

Medaille für Bradie Tennell bei den Vier-Kontinente-

Meisterschaften 2020, Fotos: Flade

Sie arbeiten inzwischen mit vielen Läufern.

Wie stellen Sie sicher, dass die Choreographie

nicht zur Fließbandarbeit wird?

Sie werden immer meinen Stil erkennen. Ich

bin froh, dass die Leute realisieren, dass selbst

wenn ich sechs Mädchen in den top zwölf

habe, keine der anderen gleicht. Ich will nicht,

dass die Läuferinnen ähnlich sind, aber daran

denke ich nicht, wenn ich die Programme gestalte.

Das Ziel ist es, sie in den Vordergrund zu

stellen und auf ein höheres Niveau zu bringen.

Ich sehe ihr Potenzial und will, dass sie besser

werden. Egal, ob ich mit einem Mädchen arbeite,

das unter den besten fünf ist oder 20. bei

der WM – es passiert etwas Interessanteres als

in den Jahren davor. Das jüngste Beispiel ist

Eva-Lotta Kiibus, sie hat einen riesigen künstlerischen

Fortschritt gemacht. Ja, ein paar Sachen

sind vielleicht manchmal ein bisschen

ähnlich, das ist klar. Aber meine Programme

basieren so sehr auf der Persönlichkeit der Läuferinnen,

dass ich keine Sorge habe, dass die

Leute sagen‚ ,das ist derselbe Musikstil, dasselbe

Kostüm, dieselbe Choreographie‘.

Sie haben mit ganz unterschiedlichen Läufern

gearbeitet. Was ist Ihre Herangehensweise?

Mit Daisuke (Takahashi) habe ich viel diskutiert

und wir hatten ‚erwachsene‘ Momente, würde

ich sagen – essen gehen, ein Glas Wein trinken.

Aber für mich ist es essenziell, auch zu den jüngeren

Läufern eine Beziehung aufzubauen. Alle

meine Läufer reden viel mit mir, senden mir

Nachrichten. Du kannst nicht der Choreograph

sein und dich nicht für die Persönlichkeit und

das Leben deiner Läufer interessieren. Die

Menschen ziehen gern Vergleiche, aber das

Wichtige ist, die Persönlichkeit des Läufers zu

finden. Ich habe mit Künstlern wie Denis Ten,

Jeremy Abbott, Daisuke Takahashi gearbeitet,

aber es ist auch sehr interessant, mit jemanden

etwas zu machen, der nicht wirklich tanzen

kann und ihn fantastisch und magisch auf dem

Eis wirken zu lassen. Am Anfang habe ich gehört,

‚was willst du mit Bradie Tennell tun‘? Als

ich mit ihr angefangen habe, was sie so Achte

der US-Meisterschaft und das nächste Jahr

war sie US-Meisterin. Ich erinnere mich, dass

die Leute gesagt haben, Bradie kann nur springen

und nicht Eis laufen. Nun bekommt sie

jede Saison bessere Komponenten.

Wie schwer ist es, kreative Programme zu

schaffen, wenn die Elemente immer schwieriger

werden?

Ja, Daniel Grassl hat viele Vierfache im Programm.

Aber ich denke nicht, dass das

schwierig zu verbinden ist, du musst es nur

akzeptieren. Eiskunstlauf ist ein Sport und die

Leute engagieren einen Choreographen, um

eine Lösung für ein Programm mit technischen

Elementen zu finden. Ich kenne die Regeln

sehr gut und denke nicht, dass das ein Widerspruch

ist. Die Choreographie muss funktionieren

und du musst die richtigen Zutaten finden,

damit es am Ende funktioniert. Der Trainer

entscheidet über die technischen Elemente.

Ich würde nie Daniel sagen, dass er einen

Vierfachen am Ende machen soll. Ich muss

wissen, wo ich die Elemente platziere, damit

es für den Läufer komfortabel ist. Der Schwierigkeitsgrad

kann die Kreativität beeinflussen,

aber das stört mich nicht, sondern macht mich

noch kreativer.

Worin sehen Sie den Unterschied zwischen

Choreographie für Frauen und für Männer?

Gute Frage. Ich arbeite viel mehr mit Mädchen

als mit den Männern. Ich kann sagen, dass die

Mädchen viel starker als die Männer sind und

die Arbeit, die Korrekturen viel leichter akzeptieren.

Ich habe realisiert, dass die Männer

seltsamerweise emotionaler sind. Ich glaube

ernsthaft, dass Frauen viel stärker als Männer

sind. Die Jungs haben immer ein Problem ‚mir

tut es da und da weh‘, ‚ich kann nicht mehr

als ein, zwei Stunden auf dem Eis sein‘ … Das

passiert nie mit Mädchen! Sie beschweren sich

nie. Mit den Jungs ist es etwas komplizierter,

aber nicht mit allen. Ich habe nur sehr wenige

Choreographien gemacht, in denen ich die

Frau als fragil darstelle. Mir gefällt es, dass

Frauen stark und mächtig sind, sogar in der

Musikwahl. In der Choreographie sehe ich keinen

großen Unterschied zwischen Frauen und

Männern. Wir leben im Jahr 2021 und ich

sehe alle einfach als Menschen.

Wie war es für Sie, online Choreographien

zu erstellen?

Es war sehr interessant. Zuerst einmal mag ich

es, wenn etwas schwierig ist und man mir sagt

‚das geht nicht‘. Dann will ich es umso mehr. Als

das Coronavirus kam, habe ich sehr schnell verstanden,

dass ich online arbeiten muss, und

habe das akzeptiert. Am Anfang war es sehr

schwer, muss ich sagen. Für mich geht es sehr

viel um die Beziehung zu den Läufern, mit ihnen

auf dem Eis zu sein. Ich habe gelernt, meine

Choreographie mehr mit Worten herüberzubringen,

indem ich viel mehr erkläre. Mein Wohnzimmer

wurde meine Eishalle und ich kann sagen,

es hat sehr gut funktioniert. Es hat länger

gedauert, aber andererseits sagen wir – ist das

Glas halb voll oder halb leer? Jetzt arbeite ich

mit meinen Läufern wöchentlich, vorher vier

Wochen im Jahr. Es gibt auch positive Seiten

dieser Erfahrung und ich denke, daraus wird

sich etwas für die Zukunft weiterentwickeln.

Das hat bereits begonnen. Sicher werde ich

wieder reisen und Choreographie wird wieder

real gemacht werden, aber wir können in der

Saison online arbeiten.

Was können Sie uns über Ihre Projekte Peak

Ice Camp und Carte Blanche Show sagen?

Peak Ice sind Trainingslager. Ich kann Eislauffertigkeiten

in Europa, Japan oder den USA unterrichten.

Egal, ob du Olympiasieger bist oder nie

zur WM oder den Olympischen Spielen kommen

wirst, ich werde dich auf die gleiche Weise die

gleichen Dinge lehren. Es ist dasselbe, ob ich

Choreographie für Topläufer oder Läufer auf

niedrigem Niveau mache. Ich lade hochqualifizierte

Trainer zu meinen Camps ein – wir werden

Sergei Rozanov, Lorenzo Magri haben und wir

hatten Alexander Abt, Sergei Voronov. Ich mag

die Russen, denn sie sind technisch die besten.

Das Ziel ist es, eine professionelle Umgebung für

Läufer auf allen Niveaus anzubieten. Es geht um

die Entwicklung und wir arbeiten an allen Bestandteilen

des Eiskunstlaufs plus Tanz, Ausdruck,

Kreativität, Interpretation. In den Camps

mit Techniktrainern bieten wir läuferische Fähigkeiten,

Technik und Training außerhalb vom Eis

an. Diese Camps mache ich in Frankreich und

das Ziel ist es, sie international anzubieten.

Carte Blanche ist eine Idee, die Barriere zwischen

dem Eislauf als Sport und der Kunst zu durchbrechen.

Ich möchte die Kunst, alles das, was mich

seit meiner Kindheit inspiriert hat wie Ballett,

Modern Dance, Neoklassik, wieder mit dem Eiskunstlauf

verbinden. Carte Blanche wird keiner

anderen Show ähneln. Der Eindruck soll so sein,

als ob du in die Oper gehst oder eine Modern

Dance Aufführung siehst. Die Choreographie

steht im Vordergrund. Das heißt, die Läufer werden

nicht präsentiert, selbst wenn sie Olympiasieger

sind. Das ist nicht das Ziel, sondern die

Kunst auf das Eis zu bringen. Die ersten Shows

sollen Ende 2021 stattfinden und ab 2022 werden

wir Shows in Japan haben und expandieren.

Mit Benoît Richaud sprach Tatjana Flade.

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Pirouette auf Facebook

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Benoît Richaud

Interview


8

Alexandra Stepanova & Ivan Bukin

Interview

Alexandra Stepanova (25) und Ivan

Bukin (27) gewannen ihren ersten nationalen

Meistertitel nach fast einem Jahr

Wettkampfpause. Zunächst litt Stepanova

unter Rückenproblemen, dann erkrankten

beide nacheinander an Corona.

Pirouette: Bei der Russischen Meisterschaft

konnten Sie erstmals in dieser Saison starten.

Wie haben Sie diese schwierige Zeit mit Verletzung

und Krankheit erlebt?

Alexandra: Wir haben die Wettkämpfe in der Tat

sehr vermisst. Diese schwierige Periode haben wir

dank unserer Trainer und Familien überstanden.

Als wir anfingen, Programmteile durchzulaufen,

waren wir sehr erschöpft und machten uns Sorgen,

dass uns nichts gelingt. Doch unsere Trainer

haben uns sehr unterstützt und uns beruhigt.

Ivan: Es war sehr wichtig, dass sie uns nicht gedrängt

haben. Wir haben uns in Ruhe vorbereitet.

Wir wussten, dass wir sehr lange nicht zusammen

gelaufen sind und dass wir vor der

Meisterschaft nicht viel Zeit hatten, aber wir

durften uns am Anfang nicht überanstrengen.

Wie haben Sie sich von Corona erholt?

Alexandra: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht,

wie lange das gedauert hat. Die ersten zwei

Wochen nach der Krankheit bin ich eine Aufwärmrunde

auf dem Eis gelaufen und war schon

müde. Das hat mir Angst gemacht und ich habe

mich gefragt, wie es weitergehen soll. Aber

dann ging es ganz langsam aufwärts. Als Vania

aufs Eis kam, wurde es leichter. Mir wurde klar,

jetzt fangen wir wieder an und alles wird gut.

Ivan: Die Krankheit verlief unterschiedlich bei

uns. Ich brauchte zwei, drei Wochen guter Arbeit

um mich wieder gesund zu fühlen, nachdem ich

zweieinhalb Wochen krank war. Es war schwer.

Dein Körper macht einfach nicht mit. Aber Besonderheiten

nach dieser Krankheit merke ich

nicht, nur dass sie sehr lange andauert.

Was bedeutet Ihnen Ihr erster nationaler

Titel vor diesem Hintergrund?

Alexandra: Für uns war es schon ein Sieg, dass

wir angetreten und gut gelaufen sind, und das

bei unserem ersten Wettbewerb. Besonders in

Alexandra Stepanova

& Ivan Bukin

»In der Stille zu laufen, wird sich

vielleicht anfühlen wie ein Training«

der Kür, da fühlten wir uns schon sicherer. Vor

dem Rhythmustanz war ich nicht nur aufgeregt,

sondern ich hatte regelrecht Angst. Wir waren

fast ein Jahr lang nirgendwo aufgetreten und

ich dachte, lieber Gott, am liebsten würde ich

weglaufen. Aber in der Kür war ich ruhig.

Ivan: Das ist ein sehr wichtiger Titel, aber als

wir uns vorbereitet haben, haben wir nicht daran

gedacht, wie wir uns fühlen werden, wenn

wir gewinnen. Wichtiger war es zu spüren, dass

wir wieder da sind. Du vergisst wirklich, was ein

Wettbewerb ist. Da ist diese Wettkampf-Magie

und die haben wir sehr vermisst.

Sie haben Ihre Programme aus dem Vorjahr

behalten, aber Sie hatten noch vor der später

abgesagten WM den zweiten Teil Ihres

Rhythmustanzes zu „The Show Must Go On“

geändert. Warum?

Alexandra: Alexander Vasilievitch (Svinin, Trainer)

hat diese Musik vorgeschlagen. Sie erschien

uns so viel mächtiger, stärker, dass wir entschieden

haben, sie zu nehmen.

Ivan: Wir sind ihn aber noch nicht so gut gelaufen

wie im Training, weshalb wir jetzt besonders

an diesem zweiten Teil arbeiten werden, um

noch Tempo und Emotionen hinzuzufügen.

Eigentlich hatten Sie eine neue Kür

einstudiert.

Alexandra: Ja, wir sind sogar nach Vanias Krankheit

ziemlich große Teile durchgelaufen. Doch

zwei Wochen vor der Russischen Meisterschaft

sagten unsere Trainer, ‚was haltet ihr davon,

wenn wir die alte Kür behalten‘. Wir waren dafür.

Ivan: Wir lieben diese Kür so sehr, dass wir Gänsehaut

bekamen, als wir die Musik einschalteten.

Dieses Programm gefällt wahrscheinlich

nicht nur uns, sondern auch den Zuschauern

und Preisrichtern und alle sagen, sie passt zu

uns. Es war sehr wichtig, sich an diese Emotionen

zu erinnern, sie haben uns motiviert und

angespornt. Die neue Kür haben wir zwar vorbereitet,

aber sie war trotzdem noch unfertig

und so ein Material wollten wir nicht zeigen.

Man hätte was Interessantes daraus machen

können, aber wir hatten nicht genug Zeit. Wir

werden dieses Programm ausarbeiten und wahrscheinlich

für die nächste Saison vorbereiten.

Aber das kann sich noch ändern.

Alexandra: Wir wollen jetzt noch nichts über

die Musik sagen, denn vielleicht behalten wir

sie doch nicht. In der aktuellen Situation weiß

niemand, wie es weitergeht.

Wie hat Ihnen der Teampokal gefallen?

Alexandra: Wir haben noch nie an so einem

Teamwettbewerb teilgenommen, deswegen war

das für uns natürlich etwas Neues. Es war toll

und es hat uns sehr gefallen. Danke an unseren

Verband, der diese Veranstaltung organisiert

hat, bei der wir alle laufen durften und mit Zuschauern

sein durften. Das ist eine sehr gute Erfahrung,

sogar für die Olympischen Spiele. Als

wir nach dem Kurztanz unser Team angefeuert

haben, haben wir alles gegeben, haben geschrien,

waren für sie nervös. Und am nächsten

Tag merkten wir, wir hatten nicht genug Kraft

für die Kür. Jetzt wissen wir, das kann passieren

und es ist gut, dass wir das gemerkt haben.

Wie gehen Sie die WM an?

Ivan: Wir versuchen uns auf jeden Wettbewerb in

gleicher Art und Weise vorzubereiten. Wir geben

alles und versuchen zu verbessern. Diese Meisterschaft

ist keine Ausnahme, auch wenn wir unter

interessanten Bedingungen laufen werden.

Alexandra: Wir haben keine Angst. Wir denken,

es sind so viele Vorsichtsmaßnahmen ergriffen

worden, wir werden alle in Novogorsk im Trainingslager

sein, machen dort einen Test am Anfang

und am Ende, fliegen nach Schweden, dort

machen wir wieder einen Test und sitzen einen

Tag in Quarantäne, gehen nur zum Training und

in die Halle. So wie ich es verstehe, wird dort

kein einziger Mensch sein, der nicht getestet ist,

und niemand verlässt die Zone Hotel-Halle.

Bei der WM wird es keine Zuschauer geben.

Alexandra: Ja, das wird sehr interessant, denn

unser Verband hat immer das Beste gegeben

und alles getan, was möglich ist, damit Zuschauer

bei unseren Wettbewerben waren, aber

die WM wird ohne Zuschauer sein. In der Stille

zu laufen, wird sich vielleicht wie ein Training

anfühlen, vielleicht sind wir da ruhiger oder

aber umgekehrt nervöser als sonst.

Ivan: Wir sind schon sehr lange nicht mehr

ohne Zuschauer gelaufen, das letzte Mal war

wohl irgendwann bei den Junioren, als nicht

viele Leute da waren, aber dass gar keiner da

ist... mal sehen, wie das wird.

Mit Alexandra Stepanova und Ivan Bukin sprach

Tatjana Flade.

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Ulf Bökeler, Foto: privat

Was macht eigentlich…

Ulf Bökeler?

Der ehemalige Stuttgarter Einzelläufer Dr. Ulf

Bökeler (43), der vor knapp 20 Jahren sogar ab

und zu einen dreifachen Axel zeigen konnte,

ist heute Leitender Oberarzt für den „Schwerpunkt

Schulter- und Ellenbogenchirurgie“ des

Marienhospitals Stuttgart. Er ist wie so viele

andere ein ehemaliger Eiskunstläufer in seinem

Hauptberuf sehr erfolgreich, weil er schon als

Kind und Jugendlicher beim Eislaufen gelernt

hat, etwas zu leisten, durchzuhalten und diszipliniert

zu arbeiten. In seiner Altersklasse ist er

auch noch ein sehr guter Tennisspieler.

übernimmt das neu renovierte Büro von Ketterer

und will ansonsten von seinem weiter bestehenden

Hauptwohnsitz in Nordrhein-Westfalen

aus arbeiten. Die dadurch freigewordene

Stelle des Ausbildungskoordinators hat die DEU

neu ausgeschrieben.

Eishalle in Sterzing

eingestürzt

Die Halle des Südtiroler Ortes Sterzing, dem

ersten Ort südlich des Brenners, ist am 10. Februar

morgens gegen 7 Uhr unter der Last von

Schneemassen und darauffolgendem Regen

eingestürzt. Zum Glück befand sich niemand in

der Halle, denn wegen der Corona-Einschränkungen

war kein Training erlaubt und auch die

Putzfrau war noch nicht im Haus. Der gesamte

ältere Teil der Halle wurde komplett zerstört. In

der 1983 gebauten Halle mit dem Namen Weihenstephan

Arena fanden die Heimspiele des

lokalen Eishockeyteams, der Broncos statt, zuletzt

noch am Abend vor dem Einsturz. Dort

trainierten auch Breitensportler im Eiskunstlaufen,

außerdem fand regelmäßig Publikumslauf

statt. Die Halle war erst 2019 saniert worden.

Auch in Oberstdorf waren die Schneemassen

Anfang Februar ein Problem. Aber die Lokalpresse

schrieb, dass Sportamtschef Hans-Peter

Jokschat rechtzeitig eine Fachfirma bestellte,

die zusammen mit Mitarbeitern des Sportamtes

und einigen Sportlern mehrere hundert

Tonnen Schnee mit Schneehexen, einer

Schneefräse und anderen Geräten vom etwa

5.000 Quadratmeter großen Dach des Eisstadions

herunterschaufelten.

11-Jährige fordert

Biellmann heraus

Am 20. März gibt es in der ARD-Show „Klein

gegen groß“ ab 20:15 Uhr ein Pirouetten-Duell.

Die 11-jährige Schweizerin Sophie-Joline von

Felten aus Luzern fordert Denise Biellmann heraus,

die Weltmeisterin von 1981. Schiedsrichterin

ist die Dortmunder Trainerin Marina Kielmann.

Schon vor Jahren gab es einmal ein ähnliches

Duell mit einer oberbayerischen Läuferin.

Péchalat wieder Mutter

Die französische Verbandspräsidentin Nathalie

Péchalat und ihr Ehepartner, der in Frankreich

sehr bekannte Schauspieler Jean Dujardin,

wurden am 18. Februar Eltern ihrer zweiten

Tochter namens Alice (die erste ist fünf Jahre

alt und heißt Jeanne). Wenige Wochen zuvor

war sie auf dem Titel einer französischen Elternzeitschrift

für Schwangerschaftskleidung,

die ein neuer Sponsor des Verbandes geworden

ist. Und sie war mit Ehepartner auf dem

Titel der Klatschzeitschrift Closer, die etwa der

Bunten in Deutschland entspricht.

9

News

9

Foto: privat

Jens Ter Laak neuer

Berliner Stützpunktleiter

Der Krefelder Jens Ter Laak, der von 1994 bis

1998 jeweils unter den sechs besten deutschen

Einzelläufern war und auch einige Grand Prix

bestritten hat, ist neuer hauptberuflicher Stützpunktleiter

in Berlin mit seinen mehreren Eishallen.

In den letzten 14 Jahren war er Koordinator

der Aus- und Weiterbildung der etwa

1.000 haupt- und nebenberuflich tätigen Eislauftrainer

in Deutschland. Er tritt damit die direkte

Nachfolge von Viola Striegler an, die außerdem

auch Bundestrainerin war, Läufer verantwortlich

betreute und daher weniger Zeit

für die Stützpunktleitung hatte. Eigentlich ist

Ter Laak eher Nachfolger des langjährigen

Stützpunktleiters Reinhard Ketterer, der dieses

Amt bis 2014 innehatte. Ter Laak will an drei

bis vier Tagen pro Woche in Berlin präsent sein,

Foto: privat

Anissina wieder verheiratet

Die französisch-russische Eistanz-Olympiasiegerin

Marina Anissina hat im Februar denselben

Schauspieler Nikita Dzhigurda wieder geheiratet,

von dem sie sich vor ein paar Jahren

hatte scheiden lassen.

Ob sie weiterhin mit

ihren zwei Kindern

bei Bordeaux wohnen

bleibt und dort als

Trainerin arbeitet

oder zurück nach

Russland geht, war

nicht zu erfahren.

Brendan Kerry verletzt

Der Australier Brendan Kerry, der im vergangenen

Sommer Australien verlassen hatte und

zum Training von Land zu Land reisen musste,

weil er lange nicht nach Russland einreisen

durfte, kann wegen einer Fußverletzung nicht

an der WM teilnehmen. Niemand sonst in seinem

Land hat die WM-Norm. Daher muss er

nun zur Nachqualifikation zur Nebelhorn Trophy.

Inzwischen ist Kerry in Moskau und trainiert

wieder bei Elena Buianova.

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10

News

Calalang/Johnson kommen nicht zur WM

Der US-Verband gab bekannt, dass neben den

neuen kalifornischen Paarlaufmeistern Alexa

Knierim und Brandon Frazier nicht die Trainingskameraden

und Vizemeister Jessica Calalang

und Brian Johnson bei der WM in Stockholm

starten werden. Stattdessen wurden das

erste Ersatzpaar Ashley Cain-Gribble und Timo-

Aber schließlich hatte ein nicht vom Verband

abhängiger Betreuer den Mut, den Mund aufzumachen:

David Wilson, freiberuflicher Hauptthy

LeDuc nominiert, das diesmal Platz drei

belegt hatte, bei der WM 2019 Neunte geworden

war und den USA damit für 2021

zwei Startplätze gesichert hatte (2020 war

die WM ausgefallen). Die Begründung des

Verbandes klang ziemlich seltsam und so, als

ob etwas zu verbergen wäre. Denn man

schrieb, sie würden ihre Teilnahme an der WM

„aus persönlichen Gründen absagen, die

nichts mit dem Coronavirus zu tun hätten“.

Damit wollte der Verband zum einen sagen,

dass sie sich nicht mit dem Virus angesteckt

hätten. Aber warum sagen sie eine WM, den

wichtigsten Wettbewerb der Saison, einen

Monat vorher aus persönlichen Gründen ab?

Hatten sie Krach, haben sie sich getrennt, haben

sie etwas Verbotenes getan oder hat Calalang

weiterhin größere Probleme mit den

Sprüngen? Privat waren sie nicht liiert, so

dass solche Probleme wohl ausscheiden. Bis

zum Redaktionsschluss wollte niemand einen

Grund nennen. So weit ist es mit der politischen

Korrektheit gekommen.

Kritik am kanadischen Verband

In der Öffentlichkeit wagte kein kanadischer

Läufer und Trainer, seinen Verband dafür zu kritisieren,

dass sämtliche Events im Lande einschließlich

des Grand Prix und der Nationalen

Meisterschaften in dieser Saison abgesagt wurden.

Die benachbarten USA hatten dagegen

Skate America und die Nationalen Meisterschaften

trotz der Pandemie mit Erfolg abgehalten.

Es hieß, Kanada habe keine mit den USA

vergleichbaren finanziellen Möglichkeiten, denn

das strenge „Schutzkonzept in einer Blase (Bubble)“

koste sehr viel Geld, das der kanadische

Verband nicht habe. Aber intern waren mit Sicherheit

manche Läufer ungehalten, insbesondere

diejenigen, die ihre Chance schwinden sahen,

bei den Olympischen Spielen zu starten.

Denn es stand zur Debatte, dass sie nicht einmal

bei der WM laufen durften, wie es Hochleistungssportdirektor

Michael Slipchuk im Dezember

angedeutet hatte.

Alexa Knierim und Brandon Frazier

choreograf der Läufer der Schule von Brian Orser,

gab dem in Japan lebenden Journalisten

Jack Gallagher für dessen Online-Zeitung ICE

TIME ein Interview. In diesem kritisierte er die

Verbandspräsidentin Leanna Caron und die Geschäftsstelle

und sagte, der Verband brauche

eine neue Führung, weil die bestehende versagt

und von der WM 2020 bis heute alles abgesagt

habe. Zusammenfassend sagte er: „Die anderen

großen Eislaufnationen wie Russland, die USA

und Japan haben ihre Meisterschaften auch abgehalten.

Zwischen Weihnachten und Neujahr

sah man staunend zu, dass in Edmonton eine

zehntägige Junioren-WM im Eishockey mit

Spielern aus zehn Ländern stattfand, obwohl

doch eigentlich in der Provinz Alberta (in der

Edmonton liegt) alle Eishallen geschlossen gewesen

sein sollen. Es ist eine Schande, dass der

Verband nicht dieselben Privilegien erreichen

konnte wie Hockey, obwohl das ein Mannschaftssport

ist, in dem man sich viel leichter

anstecken kann. Das Argument, Läufer in der

Provinz Alberta hätten nicht trainieren können,

ist Unsinn, denn Eisläufer sind erfinderisch und

Jessica Calalang und Brian Johnson, Fotos: Ritoss

wären eben in eine andere Provinz zum Training

gereist, die offen war. Unsere Präsidentin lebt in

Europa, nicht einmal bei uns im Lande, und

zeigt keinerlei Führungsstärke. Wir brauchen

eine neue Führung.“

Der Verband reagierte zuerst mit einem Glückwunsch

an alle Läufer, die beim dem Online-

Pseudo-Wettbewerb Skate Canada Challenge

teilgenommen haben. Als nächstes veröffentlichte

er eine Stellungnahme zu diesem Artikel

und zu Tweets in ähnlichem Sinn, die der US-

Journalist Phil Hersh verschickt hatte. Zur besonders

kritisierten Absage der Nationalen

Meisterschaften in Vancouver in der Provinz

British Columbia sagte man, alles sei einvernehmlich

und mit den lokalen Behörden abgesprochen

worden. Die Sicherheit der Läufer

habe an erster Stelle gestanden. Punkt Nummer

drei zur Beruhigung war dann die Nominierung

des erwarteten Teams für die WM. Punkt vier

war, dass man bekanntgab, dass die nächsten

kanadischen Meisterschaften vom 6. bis 13. Januar

2022 in Ottawa stattfinden sollen. krk


11

Neuer russischer Teampokal

Während vielerorts Wettbewerbe

ausfallen, hat der russische

Verband kurzerhand einen neuen ins Leben

gerufen: Als die EM abgesagt wurde,

stampfte er in Zusammenarbeit mit dem

staatlichen TV Sender „Erster Kanal“ einen

Teamwettkampf aus dem Boden. Damit

schlugen die Russen gleich mehrere Fliegen

mit einer Klappe: Sie motivierten die

Sportler und gaben ihnen gleichzeitig die

Möglichkeit, einen Mannschaftswettbewerb

zu erleben, wie er ähnlich bei den

Olympischen Spielen existiert. Das Turnier

war mit insgesamt 10 Millionen Rubel (ca.

111.000 Euro) dotiert. Das Fernsehen hatte

etwas zu senden, die Fans wurden bei

Laune gehalten. Die Einschaltquoten waren

rekordverdächtig – allein in Russland

schauten mehr als 30 Millionen Menschen

zu. Japan kaufte die Senderechte, Ted Barton

kommentierte einen internationalen

Livestream. Einerseits war der Wettbewerb

eine große Show, andererseits aber nahmen

die Läufer ihn durchaus ernst und es

gab viele herausragende Leistungen zu sehen.

Es war fast Nebensache, dass das

Team unter Kapitänin Alina Zagitova die

Auswahl von Evgenia Medvedeva mit

2634,95 zu 2606,21 Punkten schlug. Gewonnen

hatten eigentlich alle – die Teilnehmer,

der Sport, die Zuschauer. Manche

aggressive Zagitova-Fans verwechselten

die Show mit den Olympischen Spielen

und empörten sich darüber, dass der Sieg

„ihres“ Teams angeblich nicht genug gewürdigt

werde. Der Publikumspreis ging

an Medvedevas Mannschaft.

löst Begeisterung aus

Beim Sprungwettbewerb schlagen die Damen die Herren

Aus Moskau berichtet Tatjana Flade

Los ging es mit einem Sprungwettbewerb, bei

dem sich Anna Shcherbakova, Alexandra Trusova,

Kamila Valieva und Elizaveta Tuktamysheva

mit Dmitri Aliev, Mikhail Kolyada, Andrei

Mozalev und Makar Ignatov maßen. In drei

Runden sollten die Teilnehmer eine dreifachdreifach

Kombination, den dreifachen Axel,

Vierfache und eine Kombination aus bis zu

fünf Sprüngen zeigen. Eine Prominenten-Jury

mit Tatiana Tarasova, Elena Tchaikovskaia, Tamara

Moskvina, Adelina Sotnikova und Maxim

Trankov bewertete die Ausführung. Die

Herren wollten sich nicht blamieren und

standen unter großem Druck, was dazu führte,

dass sie alle irgendetwas verpatzten und

die Damen triumphierten. Womit eigentlich

insgeheim schon jeder gerechnet hatte. „Für

die Jungs war das eine Menge Stress“, sagte

Medvedeva fast mitleidig. „Gegen so tolle

Mädchen hatten sie es echt schwer“, stimmte

Tuktamysheva zu.

Phänomenale Kamila Valieva

Im eigentlichen Teamwettbewerb, für den

einfach alle Punkte zusammengezählt wurden,

starteten pro Mannschaft drei Damen

und Herren, zwei Paarlauf- und drei Tanzpaare.

Zunächst sollte die Zusammensetzung

ausgelost werden, kurzfristig aber mussten

die Kapitäninnen Zagitova und Medvedeva

ihre Läufer abwechselnd selbst berufen. Da

Aliona Kostornaia nicht antrat – sie soll nach

einer Corona-Erkrankung noch nicht in Form

gekommen sein und studierte außerdem eine

neue Kür ein – und durch die Juniorin Maia

Khromykh ersetzt wurde, waren die Damen

nicht ganz gleichwertig verteilt, wovon Zagitova

profitierte. Als Motto wählte die Olympiasiegerin

„Die rote Maschine“, eine Referenz an das

russische Eishockey. „Ich mag Eishockey und es

spielt eine große Rolle in meinem Leben“, erklärte

die Tochter eines Eishockeytrainers. Medvedeva

suchte sich mit der Raumfahrt ein anderes,

sehr populäres russisches Thema aus. Sowohl

russische Astronauten als auch berühmte

Eishockeyspieler sendeten Video-Grußbotschaften

für „ihr“ Team.

Für „Die rote Maschine“ starteten Shcherbakova,

Valieva, Daria Usacheva, Aliev, Ignatov, Mozalev,

Evgenia Tarasova/Vladimir Morozov, Daria

Pavliuchenko/Denis Khodykin, Tiffani Zagorski/

Jonathan Guerreiro, Annabelle Morozov/Andrei

Bagin und Elizaveta Khudaiberdieva/Egor Bazin.

An Bord von Medvedevas Raumschiff gingen

Trusova, Tuktamysheva, Khromykh, Kolyada,

Mark Kondratiuk, Alexander Samarin, Alexandra

Boikova/Dmitrii Kozlovskii, Anastasia Mishina/

Alexander Galliamov, Alexandra Stepanova/Ivan

Bukin, Anastasia Skoptcova/Kirill Aleshin und

Sofia Shevchenko/Igor Eremenko.

Valieva war noch phänomenaler als bei der Russischen

Meisterschaft und erzielte sowohl im KP

als auch in der Kür die jeweils höchste Punktzahl

bei den Damen – 90,25 bzw. 179,19. Sie

zeigte einen 3A in beiden Programmen und

zwei 4T in der Kür. Nationale Punkte sind immer

etwas überhöht, aber auch international hätte

die 14-Jährige nicht viel weniger bekommen.

„Ich war sehr nervös, denn ich bin nicht nur für

mich, sondern für mein Team gelaufen“, kom-

Teampokal Russland

Die beiden Teams, Foto: Flade


12

Teampokal Russland

mentierte die Juniorenweltmeisterin. Shcherbakova

lieferte ein fehlerfreies KP (82,89) ab und

stand einen 4L in der Kür, bei 4F aber fasste sie

mit der Hand nach (169,06). Trusova stürzte

beim ersten 4L und beim zweiten Versuch war

die Hand auf dem Eis. Der 4T in der zweiten

Kürhälfte war einwandfrei (77,86/163,33). Tuktamysheva

hatte eine Überraschung vorbereitet

und kam mit einem neuen KP zu „Lovely“ von

Billie Eilish und Khaled nach Moskau. Sie riss im

KP den Axel auf, aber in der Kür konnte sie zwei

3A stehen, der erste war allerdings umgestiegen

(70,38/150,41). Usacheva glänzte mit zwei sauberen

Programmen ohne 3A oder Vierfache,

während Khromykh in der Kür am 4T scheiterte.

Die übrigen Herren hatten einen deutlichen Abstand

zu den beiden Besten. Makar Ignatov überzeugte

im KP mit 4R und 4T-3T (99,81), aber in

der Kür ging ihm wie immer die Puste aus, was

zu kleineren Wacklern und schwächeren Komponenten

führte, obwohl er wieder einen guten 4R

zeigte (176,43). Europameister Dmitri Aliev wirkte

noch nicht ganz fit nach seiner Corona-Erkrankung

im Dezember. Im KP stürzte er in der

Schrittfolge, in der Kür beim 4L-Versuch und ein

paar andere Sprünge waren knapp (173,56). Andrei

Mozalev patze beim 4F im KP und auch beim

4T in der Kür. Alexander Samarin war nicht in

Form und meldete sich kurz darauf vom Pokalfinale

ab, wohl in der Einsicht, dass er keine Chance

auf den zweiten WM-Startplatz hat.

Starke Paare

Mark Kondratiuk, Foto: Flade

Kondratiuk beeindruckt wieder

Als Kolyada im Sprungwettbewerb keinen 4T

stehen konnte, schrieben die ersten Kommentatoren,

dass man ihn auf keinen Fall in einem

Teamwettbewerb einsetzen könne und erinnerten

an seine Pleite im KP beim Olympischen

Teamwettbewerb 2018. Sie übersahen geflissentlich,

dass er damals in der Kür viel besser

gelaufen war. In Moskau strafte der 25-Jährige

die Kritiker Lügen und zeigte in den Programmen

fast alles, was er kann. Das flotte KP war mit 4T-

3T, 3A und 3L technisch und stilistisch Weltklasse

und wurde mit 105,42 Zählern belohnt. In der

Nurejev-Kür riskierte der Russische Meister erstmals

in dieser Saison den 4S und stieg um. Die

zwei 4T waren exzellent, ebenso wie 3A-2T, aber

bei den letzten zwei Sprüngen in der Kür stolperte

er, weil ihn wohl die Kräfte verließen

(195,02). „Ich habe wie immer versucht, mein

Bestes zu geben. Es gibt Höhen und Tiefen und

wenn etwas daneben geht, muss man den Rückschlag

mit Würde nehmen“, sagte Kolyada.

Etwas mehr als einen Monat nach seiner sensationellen

Bronzemedaille bei der Russischen

Meisterschaft bewies Mark Kondratiuk, dass

dieser Erfolg keine Eintagsfliege war. Im KP gelangen

ihm 4T und 4S-2T (96,83). In der fehlerfreien

Kür stand der 17-Jährige drei Vierfache

und sechs gute Dreifache, so dass er sogar

knapp einen Punkt mehr als Kolyada erhielt

(196,23). „Das war die bisher beste Kür meiner

Karriere,“ kommentierte der Moskauer, der sich

außerhalb vom Eis für Graffiti-Kunst interessiert,

selbst malt und sogar schon an Ausstellungen

teilgenommen hat.

Die vier Paare bewiesen einmal mehr, dass sie

alle Weltklasseformat haben. Der Kampf um den

dritten Startplatz für die WM blieb spannend.

Evgenia Tarasova/Vladimir Morozov gewannen

das KP mit einer exzellenten Darbietung (83,61).

In die Kür schlichen sich allerdings ein paar Unsicherheiten

bei den Solosprüngen und beim

Wurfsalchow ein, der Twist und Wurfrittberger

sowie die übrigen Paar-Elemente waren jedoch

sehr gut. Der erste Platz in der Kür war dennoch

ein wenig dem „Meisterbonus“ zu verdanken

(158,45). Anastasia Mishina/Alexander Galliamov

waren technisch das beste Paar und sich

haben sich unter der Anleitung von Tamara

Moskvina auch künstlerisch sehr gut entwickelt.

Im KP glänzten sie mit exakten Elementen

(80,24) und auch die Kür war absolut fehlerfrei

und hatte den höchsten Schwierigkeitsgrad

(156,30), so dass sie eigentlich die beste Wertung

verdient gehabt hätten. Gut eine Woche

nach dem Wettbewerb starb Choreograph Alexander

Stepin, der viel mit ihnen und mit anderen

Paaren der Moskvina-Schule gearbeitet hatte,

im Alter von 68 Jahren. Obwohl er schon

länger krank war, war er noch aktiv und reiste

bis Ende vergangenen Jahres zu Wettbewerben.

Aleksandra Boikova/Dmitrii Kozlovskii waren

Dritte in KP und Kür, nachdem im KP der Wurfflip

verstolpert war und sie in der Kür den zweiten

Sprung in der erstmals in dieser Saison riskierten

Folge aus zwei 3S doppelt sprang (77,80

bzw. 151,10). Daria Pavliuchenko/Denis Khodykin

verloren etwas an Boden im Vergleich zu

den anderen. Im KP touchierte sie mit der Hand

beim Wurfrittberger (75,73) und in der Kür ging

der Wurfflip daneben. Dafür aber standen sie

einen 3F, den nur ganz wenige Paare in der

Welt im Repertoire haben (143,58).

Keine Überraschung im Eistanz

Im Eistanz durften sechs statt der ursprünglich

vier eingeladenen Duos an den Start gehen. Victoria

Sinitsina/Nikita Katsalapov konnten nicht

teilnehmen, weil sie nach ihrer Corona-Erkrankung

mit Langzeitfolgen zu kämpfen hatte. Alexandra

Stepanova/Ivan Bukin waren daher unangefochten

die Nummer eins und brillierten in

beiden Programmen. Im Rhythmustanz kamen sie

auf 90,75 Punkte und liefen sicherer als bei der

Russischen Meisterschaft. Die Kür zu „Cry Me a

Kamila Valieva

Fotos: Olga Timochova


River“ von Justin Timberlake war mitreißend und

klar die beste des Abends (134,20). Tiffani Zagorski/Jonathan

Guerreiro tanzten solide aber

nicht ganz so feurig wie bei der Russischen

Meisterschaft (85,76/ 128,05). Anastasia Skoptcova/Kirill

Aleshin (81,42/123,34) behaupteten

sich knapp als Nummer drei (bzw. vier wenn man

Sinitsina/ Katsalapov mitrechnet), aber die Abstände

zu Morozov/Bagin (80,54/123,27) und Elizaveta

Khudaiberdieva/Egor Bazin (79,13/123,09)

waren gering. Auch Sofia Shevchenko/Igor Eremenko

haben den Anschluss nicht verloren und

präsentierten sich gut (79,04/120,57). Keines der

Paare machte einen größeren Fehler. Khudaiberdieva,

die ohnehin Rückenprobleme hatte, war im

Einlaufen zum RT mit Kirill Aleshin zusammengestoßen,

trat aber an. In den Pressekonferenzen

nahmen die Kapitäninnen Stellung.

Anastasia Skoptcova

und Kirill Aleshin

13

Teampokal Russland

»„Kapitänin zu sein war für mich schwerer, als

«

Alina Zagitova:

selbst zu laufen. Ich war so nervös, dass ich

sogar eine Allergie bekommen habe. Aktuell

haben wir eine schwierige Situation in der

Welt und es gibt wenige Wettbewerbe. Dieses

Turnier ist eine gute Praxis für die Sportler vor

der Olympiasaison und vor der WM. So einen

Wettbewerb gibt es nirgendwo in der Welt. Sicher

kann man noch was verbessern, aber ich

hoffe, dass es den Pokal jedes Jahr geben wird.

Mir hat es super gefallen. Alle nehmen den

Wettbewerb sehr ernst und sind nervös. Ich

habe alle gefragt, wie wir sie anfeuern sollen.

Denis Khodykin hat zum Beispiel gesagt, dass

wir bei ihnen nicht so laut sein sollen.“

»

Evgenia Medvedeva:

„Der Teampokal war ein guter Ersatz für die

abgesagte EM, denn sonst hätten die Sportler

eine zu lange Pause vor der WM gehabt.

Ich habe mir das Kosmos-Thema komplett

selbst ausgedacht, aber für die Choreographie

unserer Gruppennummer habe ich Ari

Zakarian um Hilfe gebeten, weil ich damit

keine Erfahrung hatte. Ich war so emotional

und habe sogar zweimal geweint. Das letzte

Mal, dass ich in der Öffentlichkeit geweint

hatte, war bei den Olympischen Spielen

(2018). Dieser Wettbewerb fand zum ersten

Mal statt und beim nächsten Mal kann man

sicher einige Korrekturen vornehmen. Die

Auslosung kann verbessert werden. Ich

hätte gern vorher gewusst, dass wir nicht

losen, wie es zuerst hieß, sondern dass

wir unsere Teams wählen sollen und

darauf war ich nicht vorbereitet. Wir

hatten drei Top-Mädchen,

«

wenn

Aliona (Kostornaia) dabei gewesen

wäre, wäre es ausgeglichener

gewesen. Für die Zukunft

fände ich es schöner, wenn

wir als russisches Team

gegen eine internationale

Auswahl antreten

würden.“

Mikhail Kolyada

Anastasia Mishina und Alexander Galliamov


14

Gran Premio Finale

Gran Premio

Finale der italienischen Serie

Starts bei internationalen Wettbewerben

waren in dieser Saison auch

für die italienischen Läufer kaum möglich.

Daher hatte der Verband eine innerita

lienische Serie mit dem Namen „Gran

Premio“ auf die Beine gestellt, deren Finale

fast ohne Zuschauer am 13. und 14.

Februar in der Icelab-Halle in Bergamo

stattfand, mit Siegerehrungen auf dem

Eis und der Nationalhymne. In den vergangenen

Jahren wurde hier stets die

Lombardia Trophy abgehalten. Für die

WM-Teilnehmer war dieses Event eine

willkommene Gelegenheit, zuvor noch

einmal einen Wettbewerb zu laufen.

Im Eistanzen gewannen Charlène Guignard und

Marco Fabbri mit 218 Punkten. Im Rhythmustanz

zu „Grease“ dominierten Bewertungen von +4 für

die Elemente, die Komponenten lagen bei etwa

9,4. In der Kür zu drei Stücken von Dario Marianelli

waren die Level wegen zwei kleiner Wackler

nicht optimal, aber insgesamt blieb der Eindruck

sehr positiv. Platz zwei ging mit 165 Zählern an

Carolina Moscheni und Francesco Fioretti, die

erst seit dieser Saison zusammenlaufen, in der

Kür eine Violinen-Version von David Garrett des

2. Klavierkonzerts von Rachmaninov interpretierten

und mit zur WM kommen. Die Mindestpunktzahlen

in beiden Programmen hatten sie

bei der Egna Dance Trophy Ende Januar 2021 geschafft.

Nur im Eistanzen gab es auch ein Juniorenfinale.

Hier hatten Carolina Portesi Peroni und

Charlène Guignard

und Marco Fabbri

Michael Chrastecky, 17. der Junioren-WM vor einem

Jahr, mit 152 Zählern die Nase vorne.

Paarlaufsieger mit 188 Punkten wurden Nicole

Della Monica und Matteo Guarise. Im KP zu Bearbeitungen

von „Let It Be“ von den Beatles

ging Della Monica beim Wurfrittberger zu Boden,

die anderen Elemente gelangen, auch der

3S. In der Kür zu „Pilgrims On a Long Journey“

der kanadischen Sängerin Coeur de Pirate und

zu „Saturn“ aus dem Musikprojekt „Sleeping At

Last“ von Ryan O‘Neal stürzte sie bei beiden

weggeworfenen Würfen erneut, außerdem war

Della Monicas Toeloop in der Sprungkombination

nur doppelt. Die drei Hebungen wurde dagegen

überwiegend mit +3 und +4 bewertet. Silber

mit 172 Zählern ging an die Nebelhorn-Sieger

Rebecca Ghilardi und Filippo Ambrosini, die

ebenfalls für die WM nominiert sind, nachdem

Della Monica/Guarise bei der WM 2019 auf

Rang neun gelandet waren. Im KP zu „Bring Me

to Life“ von der US-Rockband Evanescence

wirkte der Twist unsauber, der Einzelsprung war

nur ein etwas knapper 2A und ihr bestes Element

die Schrittfolge. In der ebenfalls sturzfreien

Kür zu „Grande Amore“ von dem italienischen

Gesangstrio Il Volo gelangen vier Elemente

nicht ganz einwandfrei, während die drei Hebungen

mit +2 und +3 belohnt wurden. Auf

Platz drei landeten Sara Conti und Niccolo Macii

mit 154 Punkten.

Rizzo vor Grassl

Herrensieger wurde Matteo Rizzo mit 260 Punkten

aufgrund eines sehr guten KP zur Musik „A

Chi Mi Dice“ der britischen Boygroup Blue und

94 Punkten. Sehr sauber glückten 4T, 3A, 3L-3T,

drei Level 4-Pirouetten und eine anspruchsvolle

Schrittfolge, alle sieben Elemente wurden überwiegend

mit +3 für die Ausführung belohnt, und

stilistisch läuft er mit mehr Power als früher. In

der zweitbesten Kür zur Filmmusik „The Greatest

Showman“ war sein erster 4T sauber, der zweite

4T zu nahe an der Bande und umgestiegen und

der erstmals versuchte 4R auf zwei Füßen gelandet.

Vier Dreifache und alles andere gelangen

gut. Daniel Grassl war nach seiner Corona-Erkrankung

vom Dezember noch nicht wieder hundertprozentig

fit und erzielte insgesamt 252

Punkte. Er patzte beim 4L im KP, auch die 3L-3T-

Matteo Rizzo

Fotos: Höppner

Kombination war nicht ideal, so dass er neun

Punkte weniger als Rizzo holte. In der Kür mit

Kostümwechsel bekam Grassl einen Punkt mehr

als Rizzo, weil der 4L zufriedenstellend und der

4F knapp gelangen, allerdings ging hier der

zweite 3A daneben. Beide können zur WM kommen,

denn Rizzo war 2019 in Saitama Siebter

geworden. Auf Rang drei kam Gabriele Frangipani

mit 220 Punkten. Im KP riss er den Toeloop

auf, während er in der Kür (mit knappem 4T)

keine gravierenden Fehler machte. Alle drei trainieren

bei Lorenzo Magri in Egna. Auf Platz vier

landete Mattia Dalla Torre mit 159 Punkten.

Als Siegerin des Finales konnte sich etwas unerwartet

Ginevra Negrello aus Varese mit 186

Punkten feiern lassen. Das KP zu einem Song

aus dem „Game Of Thrones“ glückte mit 3T-3T

und 3R (jeweils etwas unsauber) ohne großen

Fehler, hier punktete sie vor allem bei den

Pirouetten. In der Kür zu Savchenko/Massots

legendärer Olympia-Kürmusik „La terre vue du

ciel“, choreografiert von Benoit Richaud, gelangen

vier der sechs versuchten Dreifachen. Sie

hat die Mindestpunktzahl für die WM vor einem

Jahr im Juniorenbereich geschafft, was gemäß

Ausnahmeregel diesmal zulässig ist. Auf Rang

zwei mit 182 Zählern kam Lara Naki Gutmann

aus Trient, die im Dezember Meisterin geworden

war und das WM-Minimum vor einem Jahr (bei

den Nordischen Meisterschaften) in beiden Programmen

übertroffen hatte. Der Verband nominierte

die Meisterin Gutmann für die WM in

Stockholm. Im KP zu einem Klavierstück von

Ryuichi Sakamoto wurde ihr Lutz nur doppelt,

aber ihre Kürbilanz zeigte drei gute, allerdings

auch zwei unsaubere Dreifache zur Musik aus

Rimsky-Korsakovs Scheherezade. Lucrezia

Beccari landete auf dem dritten Rang mit 171

Punkten vor Alessia Tornaghi (169), der vor Jahren

mal starken Roberta Rodeghiero (129) und

Francesca Poletti (123).

Nach dem Wettbewerb fand eine große Schaulauf-Gala

mit sehr aufwendiger Lichtinstallation

statt. Dafür ist die Halle mit nur 250 Zuschauerplätzen

gut geeignet, wenn kaum Zuschauer

kommen dürfen. Hierzu wurden einige Stargäste

wie die Olympiasieger Aljona Savchenko und

Bruno Massot eingeladen, die zuvor in Oberstdorf

wieder kurz trainiert hatten. Die immer

noch leichtfüßige Savchenko und der sichtbar

schwerer gewordene Massot liefen ohne Sprünge,

aber mit dreifachen Würfen zu „Young and

Beautiful“ von Lana del Rey und „You are Beautiful“

von James Blunt. Weitere Gäste waren Javier

Fernandez (unter anderem mit

der uralten Aerobic-Nummer),

die Schweizerinnen Alexia Paganini

und Kimmy Repond sowie der

österreichische Showläufer Zabato

Bebe. Als Co-Kommentatorin für das italienische

Fernsehen bei der Gala dabei war Carolina

Kostner, die der Hauptkommentator allerdings

etwas wenig zu Wort kommen ließ. Der

Pirouette hatte Kostner kürzlich gesagt, nach

ihrer Hüftoperation stehe sie noch immer nicht

wieder auf dem Eis,

sondern lasse alles in

Ruhe ausheilen.

Klaus-Reinhold Kany


Tallink

Hotels Cup

Der diesjährige Tallink Hotels Cup, ein Einzellaufwettbewerb

aller Altersklassen, fand nicht in der ziemlich

neuen Tondiraba-Vierfach-Eishalle im Osten von Estlands

Hauptstadt Tallinn statt, in der zuletzt vor einem Jahr die

Junioren-WM abgehalten worden war. Stattdessen ging

man – vermutlich aus Kostengründen – in die alte

Shkoda-Eishalle im Westen der Stadt, die 2010 als

Trainingshalle für die EM gedient hatte.

15

Weitere Wettbewerbe

Klar die Beste unter 17 Meisterklasse Damen

war Lokalmatadorin und Nebelhorn-Siegerin

Eva-Lotta Kiibus mit 190 Punkten. Das KP

glückte mit 3T-3T und 3L ohne Fehler, in der

Kür gelangen sechs Dreifache mit Pluspunkten,

nur beim 3F musste sie zu Boden. Auf den zweiten

Platz kam die ebenfalls für die WM nominierte

Österreicherin Olga Mikutina mit 180

Punkten. Erfolgreich waren im KP 3F-3T und 3L,

aber beim 2A musste sie umsteigen. Bei fünf

Dreifachen in der Kür konnte sie kräftig punkten,

nur der 3R war misslungen. Dritte wurde

Josefin Taljegard aus Schweden mit 168 Zählern

vor Alexandra Feigin aus Bulgarien mit 162. Im

Duell der beiden Französinnen hatte Maia Mazzara

als Sechste mit 144 Zählern die Nase deutlich

vorne gegenüber Léa Serna, die auf Rang

12 mit 131 Punkten landete. Gar nicht überzeugen

konnten die beiden früheren EM-Teilnehmerinnen

Matilda Algotsson (Schweden) mit

126 und Angelina Kuchvalska (Lettland) mit 121

Punkten. In der Konkurrenz der 15 Juniorinnen

war niemand erstklassig, hier gewann Jogaile

Celje Open

Celje ist mit 38.000 Einwohnern nach Ljubljana

und Maribor die drittgrößte Stadt des kleinen

EU-Staates Slowenien. Trotz Corona fand in diesem

Jahr Mitte Februar im „Drsalisce mestni

park“ der Wettbewerb Celje Open (nur Einzellauf

Meisterklasse) statt. Die Niederländerin Lindsay

van Zundert gewann mit 164 Punkten nach der

NRW Autumn Trophy im November auch dieses

Event. Nach dem KP lag sie trotz sechs gelungener

Elemente nur auf Rang fünf, weil sie beim

unterdrehten 3L gestürzt war. Aber mit fünf erfolgreichen

Dreifachen konnte sie trotz Sturz

beim zweiten 3L ihre Konkurrentinnen überholen.

Im KP fehlte ihr das WM-Minimum, so dass

der Verband im Februar der ISU ein Video schicken

musste. Lokalmatadorin Dasa Grm kam

nach gewonnenem fehlerfreiem KP (mit 3F und

3T-2T) mit 163 Zählern auf Platz Zwei, nachdem

in der Kür nur drei Dreifache sauber waren und

sie zwei weitere Sprünge aufriss. Auf Platz drei

landete mit 12 Hundertstelpunkten weniger die

Ungarin Regina Schermann vor ihrer Landsfrau

Julia Lang (159), der Tschechin Eliska Brezinova

(149) und der Österreicherin Sophia Schaller

(144). Nur zwei Herren waren am Start: Hier

gewann der Ungar Andras Csernoch mit 187

Punkten ohne 3A- oder Vierfachversuche vor

Landsmann Mate Borocz (146).

krk

Aglinskyte aus Lettland mit 146 Punkten vor der

Französin Lorine Schild (144).

Herrensieger in der Meisterklasse wurde Lokalmatador

Aleksandr Selevko mit 224 Zählern. Im

KP versuchte er einen 4L, aber der Sprung war

leicht unterdreht (q) und gestürzt. Der 3A gelang,

aber in der 3F-3T-Kombination unterdrehte

er auch den 3T. In der Kür erhielt der 4L keine

Minuspunkte, aber beim 4T stürzte er und beim

3A beinahe. Vier weitere Dreifache waren solide.

Dahinter platzierte sich Romain Ponsart aus

Frankreich mit 217 Punkten und zwei Fehlern im

KP. In der Kür war der 4T knapp und vier Dreifache

solide, darunter zwei 3A, aber gegen Ende

fehlte es bei doppelt ausgeführten Sprüngen an

LuMi Eistanz Trophy

In Erinnerung an die Anfang 2019 verstorbene

langjährige ukrainische Verbandspräsidentin,

Schieds- und Preisrichterin Liudmilla Mikhailovskaya

fand vom 10. bis 13. Februar in Odessa

der neue Eistanzwettbewerb LuMi Trophy statt.

Insgesamt 28 Paare nahmen in den fünf Kategorien

vom Nachwuchs (Basic Novice bis Advanced

Novice) bis zur Meisterklasse teil. Internationale

Starter waren bei den Junioren und in

der Meisterklasse dabei. Einen klaren Sieg holten

sich die Einheimischen Alexandra Nazarova/

Maxim Nikitin mit 191,95 Punkten und 31

Punkten Vorsprung vor den Weißrussen Viktoria

Semenjuk/Ilia Yukhimuk (160,25). Nazarova/Nikitin

erlaubten sich keinen Fehler und erhielten

Karel Fajfr freigesprochen

Eva-Lotta Kiibus

Foto: Olga Timochova

Kondition. Auf Rang drei liegt der Bulgare Larry

Loupolover (189). Der österreichische Meister

Maurizio Zandron kam auf Platz vier mit 181

Punkten. Im KP begnügte er sich mit einem 2A,

einer etwas unsauberen 3L-3T-Kombination und

einem guten 3R, aber bei der Schrittfolge stürzte

er. In der Kür gelangen fünf Dreifache, aber den

ersten 3A riss er auf und beim zweiten ging er

zu Boden. Auf dem fünften Rang platzierte sich

der Finne und frühere Oberstdorfer Dr. Valtter

Virtanen mit 172 Zählern. Im KP landete er den

3A vorwärts und stürzte beim 3L, die Kombination

3T-3T glückte dagegen solide. Die Kür enthielt

drei größere Fehler. Überlegener Juniorensieger

wurde Trainersohn Arlet Levandi mit 179

Punkten, praktisch fehlerlosem KP, aber durchwachsener

Kür. Klaus-Reinhold Kany

ausschließlich Pluspunkte für ihre Elemente,

aber bei den Levels ist noch Luft nach oben.

Bronze ging an die Ex-Ukrainerin Yulia Zhata

und ihren türkischen Partner Berk Akalin

(151,96). Die ihnen zum Teil noch fehlenden

WM-Mindestpunktzahlen sicherten sich Nazarova/

Nikitin (Kür), Zhata/Berk (Kür), die viertplatzierten

Aserbaidschaner Ekaterina Kuznetsova/Alexander

Kolosovski (RD, Kür) sowie die

Niederländer Chelsea Verhaegh/Sherim van Geffen

(Kür) auf Rang fünf. Damit wird das erste

Mal seit 1984 ein niederländisches Tanzpaar bei

der WM starten. Den mit fünf Duos besetzten

Juniorenwettbewerb entschieden die aus Russland

kommenden und für Zypern startenden

Angelina Kudriavtseva/Ilia Karankevich mit

161,58 Zählern deutlich für sich. tat

In einem Artikel Mitte Februar schrieben

zwei Allgäuer Medien, dass das Amtsgericht

Sonthofen den Oberstdorfer Trainer Karel

Fajfr (77) rechtskräftig von dem Vorwurf freigesprochen

habe, seinen ehemaligen Schüler

Isaak Droysen geohrfeigt und misshandelt zu

haben. Der Gerichtssprecher sagte, der Vorwurf

der Körperverletzung konnte nicht bewiesen

werden, obwohl acht Zeugen vernommen

wurden. Fajfr ließ erklären, er habe Droysen

niemals geohrfeigt oder misshandelt. Seine

Anwälte erklärten, die falschen Beschuldigungen

würden für Droysen und seine Zeugen

zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben,

zum Beispiel die Zahlung einer hohe Entschädigung

für Fajfrs Verdienstausfall. Ein weiteres

Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft schon

vor Monaten eingestellt.

krk


16

Weitere Wettbewerbe

Mikutina gewinnt

Sofia Trophy

Die Österreichische Meisterin Olga Mikutina (17)

aus Feldkirch gewann am letzten Februarwochenende

die Sofia Trophy mit 187 Punkten. Das

Event fand in der alten Wintersporthalle statt,

die schon für mehrere Europa- und Juniorenweltmeisterschaften

genutzt worden ist. Im KP

gelangen beim Test für die WM die 3F-3T-Kombination

gut, der 2A knapp und der 3L leicht unterdreht

(q). Pirouetten und Schrittfolge (alles

Level 4) erhielten meist +2 und +3. Die Kür war

eine der besten ihrer bisherigen Laufbahn, denn

sechs Dreifache erhielten Pluspunkte, nur ein 2S

gegen Ende war etwas verkorkst. Auf Platz zwei

kam die Bulgarin Alexandra Feigin mit 181 Zählern,

die das Event ebenfalls als Generalprobe für

die WM ansah. Sechs Elemente im KP waren

gut, darunter der 3R, der zweite 3T der Kombination

jedoch unterdreht. Fünf Dreifache in der

Kür erhielten Pluspunkte, der zweite Lutz war

unsauber und beim 3F musste sie zu Boden. Anita

Östlund aus Göteborg, als Ersatz für Josefin

Taljegard bei der WM gemeldet, gewann Bronze

mit 157 Punkten vor der Serbin Antonina Dubinina

mit 144 Punkten.

Herrensieger wurde der schon vorher für

die WM qualifizierte Lokalmatador Larry

Loupolover

mit 222

Zählern,

einem guten 4L im

KP und sechs Dreifachen,

aber ohne erneuten 4L-Versuch in der Kür.

Davide Lewton Brain aus Monaco kam mit

193 Punkten auf den zweiten Platz. Das

KP war fehlerfrei mit 2A, aber in der

Kür reichte es ohne 3A und nach

zwei doppelten statt dreifachen

Sprüngen nicht für das WM-

Minimum. Auch das schon zwei

Wochen vorher eingeschickte

Kürvideo konnte die Online-

Jury der ISU nicht über-

zeugen.

Dritter mit 191 Zäh-

lern wurde

der erst 16 Jahre

alte kasachische

Urmanov-

Schüler Mikhail

Shaidorov,

der trotz Patzer

beim 3A im

KP und drei Stürzen in

der Kür (zweimal beim 4T und erneut beim 3A)

das WM-Minimum schaffte. Schon zuvor hatte

ihm die Online-Jury der ISU bei seinen eingeschickten

Videos noch deutlich mehr Punkte als

in Sofia gegeben. Seit dem Platz 22 bei der Junioren-WM

vor einem Jahr hat der in Almaty geborene

Läufer einen Leistungssprung gemacht

Olga Mikutina, Foto: Tonegutti

und Kasachstan hat nach dem 2018 ermordeten

Denis Ten nun wieder

einen sehr guten Läufer.

Die Konkurrenz der Juniorinnen

gewann die belgische

Juniorenmeisterin Nina Pinzarrone,

Schülerin von Ans

Bockland und Benoit Richaud, mit

sehr beachtlichen 186 Punkten. Das

KP war mit 3F-3T, 3L und erstklassigen

Pirouetten (die Himmelspirouette

erhielt sogar eine

+5) fehlerlos. In der Kür präsentierte

sie sechs gute Dreifache

und einen leicht unterdrehten

3F. Highlights waren erneut ihre

Pirouetten; diesmal belohnte man

die Himmelspirouette mit zweimal

+5. Zweite wurde die Baslerin

Kimmy Repond mit 183 Zählern.

Ihr KP blieb mit denselben Elementen

wie Pinzarrone ohne Makel und

in der Kür glückten sechs Dreifache,

während der zweite 3F unsauber war.

Dora Hus aus Mannheim kam auf

Platz 10 mit 120 Punkten nach

fünf Fehlern in der Kür. Juniorensieger

wurde der Türke Alp Eren Ozkan mit 178

Punkten.

Klaus-Reinhold Kany

Kostornaia will zu Tutberidze zurück

Alena Kostornaia will nach der verpassten WM-Qualifikation

ins Team von Eteri Tutberidze zurückkehren und hat Evgeni

Plushenkos Schule verlassen. „In der anderen Schule (bei Plushenko)

konnte ich mich nicht zu irgendetwas zwingen. Ich

habe verstanden, wenn Eteri Georgievna (Tutberidze) neben

mir wäre, würde ich alles tun, was möglich ist und noch

mehr“, sagte Kostornaia dem russischen TV Sender Erster Kanal.

„Mir scheint, dass Gott uns befohlen hat, ihr eine Chance

zu geben. Ich möchte nicht den Gedanken im Kopf haben,

dass ich eine Möglichkeit hätte geben können, wenn ein

Mensch seine Hoffnungen nicht realisiert hat“, kommentierte

Tutberidze. „Alena muss sich komplett in unseren Trainingsprozess

integrieren, ohne irgendwelche Bedingungen,“ fügte

die Trainerin hinzu. Die Läuferin werde zunächst auf Probe

wieder aufgenommen. Plushenko sagte russischen Medien,

man habe sich im Guten getrennt.

Alena Kostornaia beim Training, Foto: Flade

Südkoreanische

Meisterschaft

Yelim Kim hat überraschend die südkoreanische

Meisterschaft vor der unbekannten Ah-Sun Yun

und JGP-Finalistin Haein Lee gewonnen. Kim

war Dritte nach dem KP, lief die zweitbeste Kür

und holte 199,31 Punkte. Yun kam mit der besten

Kür von Rang fünf nach vorne (197,99) und

Lee rutschte von Platz zwei auf den Bronzerang

(195, 40). Die favorisierte Young You führte

nach dem KP, fiel aber nach zwei Stürzen auf

den vierten Rang zurück und wurde nicht für

die WM nominiert. Diese Tickets gingen an Kim

und Lee. Den Herren-Wettbewerb entschied Orser-Schüler

Jun-Hwan Cha mit 30 Punkten Vorsprung

für sich. Er stand einen 4S, machte aber

auch Fehler (267,12). Silber ging an Si-Hyeong

Lee (227,63) vor Young-Hyun Cha (193,44). Das

einzige Eistanzpaar Yura Min/Daniel Eaton verzichtete

auf die Reise nach Korea, wurden aber

mit Kim, Lee und Cha für die WM nominiert. Die

Meisterschaft war von Januar auf Ende Februar

verschoben worden.

Sotskova zehn Jahre gesperrt

Der russische Eislauf-Verband hat Ex-Läuferin

Maria Sotskova auf Antrag der russischen

Anti-Doping-Agentur Rusada für zehn Jahre

gesperrt. Sotskova, die ihre Karriere de facto

nach dem Grand Prix 2019 in Grenoble beendet,

dies aber ihrem Verband nicht mitgeteilt

hatte und deswegen noch Anti-Doping-Kontrollen

unterworfen war, hatte einige Tests

verpasst. Als Doping-Kontrolleure sie schließlich

antrafen, wurde sie positiv auf das verbotene

Entwässerungsmittel Furosemid getestet und

soll versucht haben, sich im Nachhinein ein Attest

zu besorgen. Alles das zusammen führte zu

der langen Sperre, die aber letztendlich kaum

Konsequenzen für die 20-Jährige haben wird, da

sie nicht mehr bei Wettbewerben starten will,

sondern Choreographie am angesehenen Moskauer

Theaterinstitut GITIS studiert. tat


Spannende WM-Ausscheidung beim

Pokalfinale in

Russland

Tuktamysheva,

Semenenko,

Mishina/Galliamov

ergattern Tickets

nach Stockholm

Aus Moskau

berichtet

Tatjana Flade

Beim russischen Pokalfinale ging es in

diesem Jahr um einige WM-Startplätze.

Die begehrten Tickets sicherten sich Elizaveta

Tuktamysheva, Anastasia Mishina/

Alexander Galliamov sowie Evgeni Semenenko.

Die Meister und andere Topläufer

waren bereits qualifiziert. Die Nominierung

der Eistänzer Victoria Sinitsina/Nikita Katsalapov

stand nicht in Frage, aber für sie

war der Wettbewerb ein wichtiger Formtest

vor der WM. Das Pokalfinale ist vor allem

für die Läufer wichtig, die bei der Russischen

Meisterschaft nicht starten oder

dort kein gutes Ergebnis erzielen konnten,

um in den Kader zu kommen. Angesichts

des großen Interesses und wegen der besseren

Bedingungen verlegte der Verband

das Finale von Novgorod nach Moskau. Als

Gäste durften Katharina Müller/Tim Dieck

außer Konkurrenz teilnehmen.

Tuktamysheva setzt sich durch

17

Pokalfinale Russland

Elizaveta Tuktamysheva hat es geschafft: Sechs

Jahre, nachdem sie ihren größten Titel in Shanghai

gewonnen hatte, ist sie wieder bei einer WM

dabei. 2019 war sie in bei der WM-Ausscheidung

knapp und umstritten Evgenia Medvedeva unterlegen,

diesmal aber schlug sie Alena Kostornaia

klar und verdient. Dazu verhalfen ihr zwei Programme

ohne groben Patzer und insgesamt drei

3A. Der zweite 3A in der Kür war nicht einwandfrei

und die Kombi 3L-3T im KP leicht unterdreht

(q) und außerdem verpatzte sie die letzte Pirouette,

für die sie keine Punkte bekam. Aber das alles

war für die 24-Jährige angesichts der Qualifikation

nebensächlich. Trainer Alexei Mishin war stolz:

„Lisa ist eine Freiheitsstatue für alle Eiskunstläuferinnen,

die älter als 20 Jahre sind,“ sagte er.

Elizaveta Tuktamysheva,

Foto: Olga Timochova

»

„Ich hoffte auf die WM und habe

«

in dieser

Saison darauf gesetzt. Ich war schon so lange

nicht mehr bei der WM, dass ich es einfach

genießen will. Ich möchte mir keine

Ziele hinsichtlich der Platzierung setzen,

sondern die Chance nutzen, meine Programme

nicht nur in Russland, sondern in

der Welt zu zeigen. Bei der Pirouette haben

mich die Emotionen überwältigt. Ich wollte

den Fußwechsel mit besonders viel Power

machen und es kam wie immer, wenn du

was besser machen willst.“

Lisa Tuktamysheva


18

Pokalfinale Russland

Tuktamysheva belegte bei dem Wettbewerb mit

226,01 Punkten den vierten Platz, aber die Siegerin

Kamila Valieva (238,00) sowie Maia Khromykh

(2./235,96) und Daria Usacheva (3./229,71)

sind zu jung für die internationale Meisterklasse.

Valieva war im KP souverän mit einem exzellenten

3A, aber in der Kür stürzte sie beim erstmals

riskierten 4S und dem zweiten 4T, stieg beim

ersten 4T um. Der 3A war aber wieder erstklassig.

„Ich war nervös, weil ich das erste Mal mit

diesen Elementen gelaufen bin“, kommentierte

die Juniorenweltmeisterin. Aber das Pokalfinale,

bei dem es für sie um nichts ging, war eine gute

Gelegenheit, das schwierigere Programm auszuprobieren.

Khromykh stand erstmals den 4T und

gleich dazu den 4S in der absolut fehlerfreien

Kür zur „Agony Suite“ – von Agonie konnte keine

Rede sein, sondern die Läuferin strahlte über

das ganze Gesicht. Usacheva punktete mit Stil

und sauberen Dreifachsprüngen.

Kostornaia war nach ihrer Corona-Erkrankung

nicht in Topform. Der 3A war nach wie vor nicht

wettkampfreif und im KP war der 3F verwackelt,

so dass sie mit Mühe einen 2T dranhängen

konnte. In der Kür waren ein Flip (q) und ein Lutz

unterdreht sowie ein Salchow doppelt – das

reichte nur für Rang sechs. Die Europameisterin

hatte zwei neue Programme, denen es noch an

Schliff fehlte. Im KP lief sie zu „Winter“ aus den

„Vier Jahreszeiten“ – das Programm war weniger

originell als das davor zu Musik von Billie Eilish.

Die Kür dagegen zu den neoklassischen Stücken

„My Way“ und „Yellow Moon“ von Luca d’Alberto

ist vielversprechend. Nach dem KP war die Europameisterin

in Tränen aufgelöst, aber nach der

Kür war sie gefasst. „So geht es eben im Sport.

Mal verlierst du, mal gewinnst du. Das ist nicht

das Ende der Welt“, meinte sie. Am Tag nach

dem Finale wurde bekannt dass sie wieder zu

Eteri Tutberidze zurückgeht (siehe Seite 16).

Überraschung durch Semenenko

Evgeni Semenenko hat in dieser Saison stabile

Leistungen gezeigt, nur bei der Russischen

Meisterschaft wollte er zu viel und verpatzte

beide Programme. Der Russische Juniorenmeister

stand im KP erstmals zwei Vierfache (4T-3T

und 4S). In der Kür zu „Notre Dame de Paris“

gelangen diese zwei Sprünge wieder, aber den

zweiten Toeloop riss der 17-Jährige auf und bei

einem 3S ging er zu Boden. Dennoch siegte er

mit 265,13 Punkten mit Vorsprung vor Petr Gumennik

(256,06) und Europameister Dmitri Aliev

(254,79). Dass der international wenig erfahrene

Semenenko am Ende für die WM nominiert

wurde, war überraschend. Der Verband traut

wohl Aliev nicht zu, für die WM in Form zu

kommen. Der große Gewinner beim Pokalfinale

war also Altmeister Mishin, der mit Tuktamysheva,

Mikhail Kolyada und Semenenko drei

Schüler bei der WM hat – die ihm damit ein

schönes Geschenk zu seinem 80. Geburtstag gemacht

haben. „Ich war so nervös wie immer,

aber an den WM-Startplatz habe ich nicht gedacht.

Jetzt werde ich noch härter trainieren“,

sagte Semenenko.

Gumennik stürzte im KP beim 4S und in der Kür

bei einem 3A und erlaubte sich ein paar kleinere

Unsauberkeiten. Mit Platz drei war er zufrieden,

mit seiner Leistung nicht. „Mir war klar, dass ich

nur mit sehr viel Glück zur WM gekommen

wäre, aber das macht nichts, denn bei dieser

WM ist für mich nichts zu holen. Meine WM

kommt erst noch“, sagte er. Aliev wirkte nach

wie vor matt, machte zu viele Fehler bei den

Sprüngen und verschenkte Punkte bei den Pirouetten.

Der 4T gelang einmal in KP und Kür,

ein 4L knapp (q). Der Europameister war sehr

enttäuscht, dass er nicht für Stockholm aufgestellt

wurde. Hätte man ihn nehmen sollen? Bei

den Herren ist es russisches Roulette – keiner

ist wirklich konstant, nur Kolyada war in dieser

Saison viel stabiler als früher. Juniorenweltmeister

Andrei Mozalev vergab seine WM-Chance

mit drei Stürzen in der Kür (4.) und Mark Kondratiuk

konnte den Druck ebenso nicht verdrängen

und stolperte durch KP und Kür (5.).

Mishina/Galliamov überlegen

Im Paarlauf duellierten sich Anastasia Mishina/

Alexander Galliamov und Daria Pavliuchenko/

Denis Khodykin um den WM-Startplatz. Mishina/Galliamov

brillierten wie schon beim Teampokal

und ließen keinen Zweifel daran, dass

Platz vier bei der Russischen Meisterschaft ein

Ausrutscher war. Bis auf einen umgestiegenen

3T von ihr machten sie keinen Fehler und sowohl

die Elemente als auch die Präsentation

waren von exzellenter Qualität. Das junge Paar

hat bei Tamara Moskvina erheblich dazugewonnen

(234,48). Pavliuchenko/Khodykin gerieten

im KP ins Hintertreffen, als sie beim Wurfrittberger

hinfiel. Die EM-Dritten glänzten in der

Kür und standen den 3F, aber sie bekamen weniger

Pluspunkte für die Elemente und niedrigere

Komponenten, weil bei ihnen alles nicht so

souverän aussah wie bei den Konkurrenten

(216,93). Jasmina Kadyrova/Ivan Balchenko aus

Perm hatten ein paar Probleme bei den Würfen

in der Kür. Auch sie haben den 3F im Repertoire

Evgeni Semenenko

Maia Khromykh

Fotos: Olga Timochova

Daria Pavliuchenko

und Denis Khodykin


19

(3./206,96). Alexandra Boikova/Dmitrii Kozlovskii

gingen nicht an den Start, weil er eine Erkältung

auskurierte und sie an ihrer Kür arbeiteten.

Sinitsina/Katsalapov melden

sich zurück

Victoria Sinitsina/Nikita Katsalapov hatten seit

dem Grand Prix im November keinen Wettbewerb

bestritten, weil sie beide an Corona erkrankten

und vor allem Sinitsina lange mit den

Folgen zu kämpfen hatte. Das Duo präsentierte

sich in ordentlicher Form und war zur Vorjahreskür

zu „Lieder, die mich meine Mutter lehrte“

von Antonin Dvorak zurückgekehrt. Die Level

waren bis auf einen Level 2 für die Pirouette in

der Kür sehr gut (223,12). (s. Kasten rechts)

Silber ging an Annabelle Morozov/Andrei Bagin,

die zwei solide Programme zeigten und sich als

Paar weiterentwickelt haben (202,29). Mit Abstand

Dritte wurden die Petersburger Ekaterina

Mironova/ Evgeni Ustenko (163,81). Eigentlich

hätten Katharina Müller/Tim Dieck Bronze gewonnen,

doch die deutschen Gäste liefen außer

Konkurrenz mit und ihre 176,75 Zähler flossen

nicht in die offizielle Wertung ein. Die Dortmunder

lieferten einen spritzigen RD ab und kamen

ohne großen Fehler durch die Kür. (s. Kasten)

Nicht dabei waren Alexandra Stepanova/Ivan

Bukin, die wohl die direkte Konfrontation mit

Sinitsina/ Katsalapov vor der WM vermeiden

wollten. Tiffani Zagorski/Jonathan Guerreiro und

Victoria Sinitsina und

Nikita Katsalapov

Anastasia Skoptcova/Kirill Aleshin heilten kleinere

Verletzungen aus. Elizaveta Khudaiberdieva/Egor

Bazin fehlten wegen Khudaiberdievas

Rückenproblemen und Sofia Shevchenko/Igor

Eremenko wegen einer Erkältung von ihr (nicht

wegen Corona, wie einige Medien fälschlicherweise

meldeten).

Herausragende Juniorinnen

Das unglaublich hohe Niveau in Russland war

auch bei den Junioren-Wettbewerben zu sehen.

Den Vogel schossen Sofia Akatieva und Sofia

Samodelkina ab. Akatieva brillierte im KP mit

3A-3T und in der Kür mit 3A und zwei 4T

(1./241,04). Samodelkina wackelte beim 3A im

KP und hängte „nur“ einen 2T an, stand aber in

der Kür zwei 4S - den 3A ließ sie hier weg

(2./233,67). Adelia Petrosian ist ein weiteres

großes Talent und landete ohne Vierfache oder

3A auf Rang drei (204,22). Alle drei hoffen sehr

darauf, dass sie in der neuen Saison international

im Junioren Grand Prix starten können. Aber

auch bei den Herren kommt etwas nach. Vladislav

Dikidzhi aus St. Petersburg, ein Schüler von

Oleg Tataurov, sicherte sich Gold mit fehlerfreien

Programmen inklusive zweier 4S in der Kür

(244,97). Der ausdrucksstarke Andrei Kutovoi

stürzte beim 3A im KP, aber in seiner neuen Kür

zu „Ave Maria“ in einer mitreißenden Interpretation

von Thomas Spencer-Wortley war nur ein

3A unterdreht (231,74). Nikolai Ugozhaev, auch

er ein begabter Läufer aus St. Petersburg, der

mit Kutovoi und Gumennik bei Veronika Daineko

trainiert, führte nach dem KP, aber wegen Rückenschmerzen

wirkte er verhalten in der Kür

und unterdrehte seine 3A (3./222,18).

Unter den zwölf Paarlaufduos gibt es vielversprechenden

Nachwuchs, die dreifache Elemente

beherrschen. Ekaterina Petushkova/Evgeni

Malikov aus der Moskvina-Schule in St. Petersburg

revanchierten sich für ihre Pleite bei der

Juniorenmeisterschaft und sicherten sich den

Sieg mit zwei guten Programmen, nur beim

Wurfsalchow in der Kür stürzte sie (185,86).

Anastasia Mukhortova/ Dmitri Evgeniev

(2./184,14) und Polina Kostiukovich mit ihrem

neuen Partner Alexei Briukhanov (3./182,86)

haben ebenfalls Potenzial. Die JWM-Dritten

und aktuellen Juniorenmeister Julia Artemeva/

Mikhail Nazarychev aus Perm dagegen landeten

nach mehreren Stürzen auf Rang fünf (178,39).

»

Nikita Katsalapov

«

»

„Wir haben unsere Probleme zu 80 bis 90

Prozent überwunden und haben die vergangenen

drei Wochen voll trainiert. Hier waren

wir noch nicht bei 100 Prozent, aber wir sind

sehr zufrieden, wie wir uns gepusht haben.

Wir fühlen uns großartig und freuen uns auf

Schweden. Es war die richtige Entscheidung,

zur alten Kür zurückzukehren. Dieses Programm

ist mehr aus einem Guss und es fällt

uns leichter, es zu laufen. Jetzt wollen wir

noch neue Emotionen hinzufügen.“

Katharina Müller und Tim Dieck

Katharina: „Es gab schon ein paar Fehlerchen

in der Kür und wir waren die letzte Minute

ziemlich erschöpft. Wir mussten uns ziemlich

pushen. Zum Glück ist unsere Choreo da, wo

die Trainer standen, die haben dann auch

nochmal Feuer gegeben. Wir wollten es noch

mal so richtig schön machen wie im RD,

denn da war es ziemlich gut. Aber im Endeffekt

sind wir relativ zufrieden, dass man gesehen

hat, wo die Schwachstellen sind, wenn

wir erschöpft sind.“

Tim: „Im Grunde haben wir alles gemacht, es

war eine gute Generalprobe vor der WM,

aber es war auf jeden Fall nicht das, was wir

können. Die letzten drei Wochen vor der WM

wird nochmal alles gegeben. Ich denke, wir

sind in guten Händen, so dass wir zuversichtlich

für die WM sind. Wir laufen erst

zwei, drei Wochen wieder durch, der letzte

Wettkampf war die Deutsche Meisterschaft

«

Mitte Dezember. Wir möchten uns noch einmal

ausdrücklich dafür bedanken, dass der

russische Verband es uns ermöglicht hat, hier

teilzunehmen. Vor allem war es endlich der

erste Wettkampf, bei dem so richtig das

Wettkampf-Feeling rüberkommt, mit Zuschauern.

Wir wurden hier super aufgenommen.

Das ist nicht selbstverständlich.“

Pokalfinale Russland

Im Eistanz fehlten mehrere der Top-Junioren wegen

Krankheit oder Verletzung. Dafür gingen die

Junioren-WM-Teilnehmer Diana Davis/Gleb

Smolkin, die in den USA bei Igor Shpilband trainieren,

erstmals an den Start und gewannen klar

mit 186,38 Punkten. Sie debütierten ihre neue

Kür zu „Moulin Rouge“. Im Sommer hatte die

Tochter von Eteri Tutberidze sich den Fuß gebrochen

und war sieben Wochen in Gips, später erkrankten

beide an Corona, so dass sie weder bei

der Pokalserie noch bei der Juniorenmeisterschaft

liefen. Vasilisa Kaganovskaia/Valeri Angelopol,

die wie Müller/Dieck von Anjelika Krylova

betreut werden, waren deutlich verbessert im

Vergleich zur Juniorenmeisterschaft (2./171,38).

Bronze ging an Angelina Lazareva/Maxim Prokofiev

aus Togliatti bei Samara (162,13). •••

Sofia Akatieva, Foto: Flade


20

Challenge Cup

Silber für

Hocke/Kunkel

in Den Haag

Ein Bericht von

Klaus-Reinhold Kany

Der niederländische Verband hatte ein

detailliertes Anti-Corona-Konzept mit

„Blase“ (bubble) entwickelt, damit der

Challenge Cup auch in diesem Jahr stattfinden

konnte, was sehr anerkennenswert

weil aufwändig ist. Niemand durfte sich

anderswo als im Hotel, im Bus oder in der

Eishalle aufhalten. In den großen Bussen zur

Eishalle durften nur elf Personen sitzen, damit

der Abstand von 1,5 Metern garantiert war.

Nach jedem Läufer wurde sogar die Tränenecke

desinfiziert. In der Ausschreibung stand, dass

die Läufer (auch mit Maske) nicht jubeln

durften, denn das hätte Viren herumschleudern

können. Entsprechend trist war die Atmosphäre

ohne Zuschauer in der ohnehin

etwas düsteren Halle, auch wenn

vereinzelt eine Person klatschte.

Der Livestream kostete 15 Euro

für die gesamte Veranstaltung,

was bei einem solchen Wettbewerb

nicht mehr zeitgemäß ist und von findigen

Hackern in aller Welt umgangen werden konnte.

Aber man habe brutto 3.000 Euro eingenommen,

sagte ein Offizieller.

Im Damenwettbewerb gab es zwei gravierende technische

Pannen. Im KP merkte die Jury bald nach dem Beginn,

dass die Wertungen eines Preisrichters nicht in das System

eingegeben wurden – es soll an einem Kabelbruch

gelegen haben. Daher wurden die Punkte nicht durchgesagt

und auch die Läuferinnen erfuhren erst eine Stunde

nach dem Ende des KP ihre Punkte und Platzierungen. In

der Kür gab es nach der dritten Läuferin eine Stunde Pause,

weil wohl nach einem Fehler beim kurz zuvor erhaltenen

Update erneut nicht korrekt gerechnet wurde.

Schiedsrichterin Ingrid-Charlotte Wolter rief den drei weiteren

Läuferinnen der Gruppe zu, dass sie sich wieder umziehen

und später noch einmal warmlaufen konnten. Sie

brach den Wettbewerb vorläufig ab, weil man nicht später

sämtliche Wertungen per Hand eingeben konnte. Gut,

dass der Fehler nicht erst bei der WM entdeckt wurde.

Loena Hendrickx überlegen

Nach mehreren langen Verletzungspausen ging die inzwischen

21 Jahre alte Belgierin Loena Hendrickx nach der

gewonnenen Budapest Trophy im Herbst 2020 zum zweiten

Mal in dieser Saison an den Start und siegte ganz

überlegen in Den Haag. 2018 war sie schon einmal Fünfte

der EM und Neunte der WM. Ihre Sprünge bis einschließ-

Annika Hocke und Robert Kunkel

Foto: Höppner


21

lich der 3L-3T-Kombination sind absolut erstklassig,

insbesondere weil sie – auch in Den

Haag – häufig beide Hände über den Kopf hält,

was mehr Pluspunkte bringt. Stilistisch gibt es

noch Raum für einen eleganteren Laufstil, aber

insgesamt ist sie eine der zwei oder drei besten

nicht-russischen Läuferinnen in Europa. Im KP

zum schon 2018/19 gewählten „It’s All Coming

Back to Me Now“ von Céline Dion brillierte sie

mit obiger Kombination, 3F, 2A, drei Level 4-Pirouetten

und einer temperamentvollen Schrittfolge.

Die Kür zu den zwei Songs „Fever“ und

„Naughty Girl“ von Béyoncé war mit sechs Dreifachen

so gut wie fehlerlos, nur einen 3R vermisste

man. Der sieben Jahre ältere Bruder Jorik,

der früher selbst ein erstklassiger Läufer war,

zum Beispiel 4. der EM 2017, trainiert sie jetzt.

Emmy Ma

Foto: Bouma

Die Silbermedaille ging an die 20 Jahre alte

Emmy Ma aus Boston, die bis 2018 für die USA

gestartet war, dort auch geboren ist und 2017

Dritte und Fünfte bei ihren beiden Junioren

Grand Prix geworden war. Ihr Trainer Peter Johansson

sagte der Pirouette, dann habe sie für

Taiwan starten wollen, das Heimatland ihres

Vaters. Aber es habe zwei Jahre gedauert, bis

der taiwanesische Verband die Papiere fertig

hatte. Bei ihrem Comeback in Den Haag konnte

sie trotz Fehlern auf Anhieb die Mindestpunktzahl

für die WM locker übertreffen und will

nun bei der WM einen Olympiastartplatz für

sich erkämpfen. Das KP blieb mit 3L-2T, 3F und

ausgezeichneten Pirouetten fehlerlos, in der

Kür verpatzte sie nach sehr gutem Anfang die

beiden letzten Sprünge.

Die Amerikanerin Emilea Zingas (18) aus Michigan,

die neuerdings für Zypern startet, gewann

Bronze und meisterte ebenfalls das WM-Minimum

von 30 Technischen Punkten im KP und

51 Punkten in der Kür. Im fehlerfreien KP

schaffte sie es ganz knapp, weil sie „nur“ 3L-2T

zeigte, für eine Pirouette Level 2 und insgesamt

für die Pirouetten nicht allzu viele Pluspunkte

erhielt. Aber in der zweitbesten Kür des Tages

zu drei Liedern von Billie Eilish holte sie nach

fünf gelungenen Dreifachen sogar 61 technische

Punkte. Die viertplatzierte Maé-Bérénice

Méité war zu ihrem ersten Wettbewerb seit einem

Jahr eigens aus Florida gekommen, obwohl

der Verband ihren Flug schon storniert hatte.

Denn in Paris dachte man, sie schaffe es nicht,

den obligatorischen Corona-Test zuvor noch zu

machen. Aber sie fand doch eine Möglichkeit

und musste anschließend einen viel teureren

Flug neu buchen, der es ihrem Trainer John

Zimmerman unmöglich machte, sie zu begleiten.

Nach weiteren Flugproblemen kam sie

nicht einmal so rechtzeitig in Den Haag an,

dass sie noch das Morgentraining vor dem KP

absolvieren konnte. Im KP zu „If I Ain’t Got

You“ von Alicia Keys gelang eine 3T-3T-Kombination,

aber der 3R war überdreht. Die Kür zum

„Earth Song“ von Michael Jackson war ziemlich

durchwachsen, denn die Kombination 2A-3T

und ein 3T waren die beiden einzigen wirklich

sauberen Dreifachen.

Die Ex-Mannheimerin Kristina Isaev ging nach

einigen Monaten Training bei Michael Huth

erstmals wieder an den Start und zeigte mit

Platz fünf und 161 Punkten die bisher beste

Leistung ihrer Karriere. Das KP mit etwas magerer

3T-2T-Kombination und beinahe gestürztem

3L lief nicht optimal. Aber in der Kür zu „Una

Noche Mas“ von Yasmin Levy präsentierte sie

fünf saubere Dreifache, nur der 3R fehlt in ihrem

Repertoire. Außerdem lief sie extrovertierter

als früher, auch wenn hier noch Reserven

liegen. Die Mindestpunktzahl hatte sie bereits

vorher erreicht und übertraf sie diesmal in der

Kür um vier Punkte, so dass die DEU sie guten

Gewissens als Ersatz für die WM melden konnte.

Die Niederländerin Lindsay van Zundert, bei

der NRW Trophy 2020 siegreich, lief ein fehlerfreies

KP mit 3R-2T, 3L und erstklassigen Pirouetten

zu „Alegria“ aus dem Cirque du Soleil. In

Challenge Cup

Loena Hendrickx

Foto: Bouma

Damen | Challenge Cup

KP Kür Pkt

1 Loena Hendrickx – Belgien 1 1 204.68

2 Emmy Ma – Taiwan 2 3 177.29

3 Emilea Zingas – Zypern 5 2 171.30

4 Maé-Bérénice Meité – Frankreich 3 5 166.01

5 Kristina Isaev – Deutschland 8 4 161.99

6 Lindsay Van Zundert – Niederlande 4 6 161.00

7 Nelli Ioffe – Israel 6 8 153.28

8 Yasmine Kimiko Yamada – Schweiz 9 9 151.36

9 Julia Lang – Ungarn 14 7 149.77

10 Maia Sørensen – Dänemark 7 11 145.52

11 Regina Schermann – Ungarn 12 10 143.90

12 Jenni Saarinen – Finnland 11 13 141.16

13 Bernadett Szigeti – Ungarn 15 12 134.85

14 Anete Lace – Lettland 10 15 134.00

15 Taylor Morris – Israel 17 14 128.60

16 Viktotiia Iushchenkova – Israel 16 16 120.85

17 Andrea Montesinos Cantu – Mexiko 13 17 120.70

18 Victoria Velarde – Peru 18 18 89.86

der Kür zu Tango-Variationen und „Come What

May“ aus Moulin Rouge gingen beide 3L daneben,

vier weitere Dreifache und alles andere

klappte gut. Sie ist schon vier Jahre Stipendiatin

der Joan Haanappel-Stiftung, trainiert bei

Carine Herrygers und Jorik Hendrickx und wurde

für die WM nominiert. Die Schweizerin Yasmine

Kimiko Yamada begann das KP mit einer

guten 3T-3T-Kombination, aber der 3L war

vorwärts gelandet und gestürzt. In der Kür

glückten drei Dreifache, drei weitere misslangen

mehr oder weniger. Von ursprünglich

30 gemeldeten Läuferinnen

blieben 12 zu Hause, darunter auch

Nicole Schot, die keine Ansteckung

riskieren wollte, und Aya Hatakawa.


22

Challenge Cup

Romain Ponsart, Foto: Bouma

Kolyada überlegen

trotz Axel-Problemen

Als Landesmeister war Mikhail Kolyada

bereits für die WM qualifiziert,

brauchte daher nicht beim russischen

Pokal-Finale (siehe Seite 17) zu starten,

sondern wollte lieber einen internationalen

Wettbewerb bestreiten.

Wegen eines zusätzlichen Corona-

Schnelltestes am Moskauer Flughafen

verpasste er das erste geplante

Flugzeug nach Westeuropa und flog

daher erst später mit Tarasova/Morozov.

Beim nächsten obligatorischen

Schnelltest im Den Haager Hotel vor dem

ersten Training stand er aber bereit. Im KP zur

Musik „Let’s Get Loud“ der Berliner Gruppe

Baseballs glückte eine souveräne 4T-3T-Kombination

und fünf andere mit +3 oder +4 bewertete

Elemente, nur den Axel riss er auf. In der

Kür läuft er in dieser Saison eleganter als bisher

zur Musik eines Films über den legendären russischen

Balletttänzer Rudolf Nurejev. Zu Beginn

glänzte Kolyada mit zwei erstklassigen 4T, den

ersten davon mit 3T. Später folgten fünf weitere

sehr gute Dreifache, auch die Pirouetten und

Schrittfolgen glückten ausgezeichnet. Insgesamt

sieben Elemente erhielten mindestens einmal

+5. Einziger Minuspunkt war ein Sturz beim

zweiten 3A, aber dennoch gewann er überlegen

»(siehe Titelfoto).

Mikhail Kolyada

„Dieser Wettbewerb war ein interessanter

Test. Erstens weil er nicht in Russland

«

war,

zweitens gab es einige Schwierigkeiten bei

der Anreise und drittens, nach einem Tag

„Urlaub“ im Hotelzimmer zu laufen. Es war

sicher notwendig, das vor der WM durchzugehen,

denn dort wird die Situation ähnlich

sein und jetzt habe ich diese Bedingungen

erlebt und mir wird es wahrscheinlich leichter

fallen, mit allen Schwierigkeiten in

Schweden zurechtzukommen.“

Silber mit 244 Zählern ging an den Franzosen

Romain Ponsart trotz Sturz beim 4T im KP. Aber

die Kür zu einem Elvis Presley-Medley blieb mit

einem 4T, zwei 3A, fünf weiteren Dreifachen

und guter Ausstrahlung fehlerfrei. Drei Punkte

weniger holte sein Landsmann Adam Siao Him

Fa. Der Schüler von Laurent Dépouilly (früher

Brian Joubert) begann das KP zum Krieg der

Sterne mit 4T-2T, aber beim 2T touchierte er das

Eis mit beiden Händen, was als Sturz gewertet

wird. Der 4S glückte gut, aber beim 3A ging er

wirklich zu Boden. Dasselbe passierte ihm beim

ersten 4T zu Beginn der Kür. Der zweite 4T mit

2T gelang und der 4S war umgestiegen. Später

sammelte er noch viele Punkte und wurde

wegen der besseren Leistungen im Laufe

der Saison vom Verband als Ersatz für

Kevin Aymoz bei der WM nominiert.

Herren | Challenge Cup

KP Kür Pkt

1 Mikhall Kolyada – Russland 1 1 270.17

2 Romain Ponsart – Frankreich 3 2 244.75

3 Adam Siao Him Fa – Frankreich 4 3 241.11

4 Gabriele Frangipani – Italien 2 4 229.11

5 Basar Oktar – Türkei 8 5 217.05

6 Burak Demirboga – Türkei 5 6 216.62

7 Morisi Kvitelashvili – Georgien 6 7 205.12

8 Tomas Llorenc Guarino – Spanien 7 10 192.70

9 Donovan Carrillo Suazo – Mexiko 11 8 190.60

10 András Csernoch – Ungarn 13 9 184.43

11 Luc Maierhofer – Österreich 10 12 182.10

12 Jari Kessler – Kroatien 12 13 179.07

13 Kornel Witkowski – Polen 15 11 175.18

14 Georgii Reshtenko – Tschechien 9 15 174.35

15 Arnau Joly – Spanien 17 14 167.70

16 Aleix Gabara – Spanien 16 16 160.60

17 Mate Borocz – Ungarn 14 17 153.99

Gabriele Frangipani, einer von vier Läufern aus

Egna, die mit Co-Trainerin Eva Martinek gekommen

waren, landete lediglich auf dem vierten

Rang. Während das KP einigermaßen lief, musste

er in der Kür beim 4T und beim zweiten 3A

zu Boden. Ganz knapp endete das Duell der beiden

guten Türken Basar Oktar und Burak Demirboga

zugunsten des Ersteren mit 217 Punkten.

Die Mindestpunktzahlen übertrafen beide überlegen,

weil sie insgesamt je drei 3A in guter

Qualität zeigten und auch sonst in der Kür keinen

einzigen Fehler machten. Der EM-Dritte

Morisi Kvitelashvili wurde von Beiden geschlagen

und kam nach mehreren Patzern in beiden

Programmen nur auf Platz sieben mit 205

Punkten. Bester der drei Spanier wurde Tomas

Llorenc Guarino aus Egna auf Platz 8, aber er

schaffte ohne 3A ebenso wenig das WM-Minimum

wie seine Landsleute.

Grund zur Freude (Jubel war ja nicht erlaubt)

hatte in der Tränenecke dagegen der Mexikaner

Donovan Carillo auf Rang 9 mit 190 Punkten,

denn er schaffte dank zweier 3A das in der Kür

noch fehlende WM-Minimum. Der Österreicher

Luc Maierhofer kam auf Platz 11 mit 182 Punkten,

einem fehlerfreien KP zu „Dance Monkey“,

aber einer Kür mit drei Unsauberkeiten – und

noch immer ohne 3A- oder Vierfachversuch. Der

jetzt für Kroatien laufende Südtiroler Jari Kessler

verpasste das WM-Minimum. Paul Fentz war

ursprünglich nominiert, blieb aber wegen Nachwirkungen

von Schleimbeutelentzündung und

Nackenblockade doch zu Hause.

Tarasova/Morozov

dominierten trotz Fehler

Evgenia Tarasova & Vladimir Morozov, Vierte

bei Olympia 2018 und in den letzten Monaten

in Russland bei Maxim Trankov und Sergei Voronov

und nicht mehr bei Marina Zueva in Florida,

waren wie Kolyada schon für Stockholm

qualifiziert. Im KP zu Maurice Ravels Bolero in

einer Einspielung von André Rieu waren die

sieben Elemente so erstklassig wie fast immer,

daher erhielten sie immerhin 79 Punkte. In der

Kür zu einer Bearbeitung von Albinonis Adagio

brillierten sie jedoch nur bei neun von elf Elementen,

denn beim Toeloop fiel er und beim

Wurfsalchow wäre sie beinahe gestürzt. Dennoch

war der Sieg mit 217 Punkten hochverdient,

denn alles andere wurde zu Recht sehr

»

gut bewertet.

Evgenia Tarasova

„Insgesamt sind wir zufrieden. Das

«

KP sind

wir gut gelaufen. In der Kür hatten wir zwei

Fehler, aber wir waren nicht zu 100% in

Form, weil es schwierig wäre, bis zur WM

die Topform zu halten. Der Start war wichtig,

weil wir uns jetzt vorstellen können, wie

die WM ablaufen wird. Es wird keine Überraschung

sein, dass du einen ganzen Tag im

Zimmer sitzt und auf das Testergebnis warten

musst. Und dass du vor leeren Rängen

läufst. So eine Erfahrung hatten wir noch

nicht. Das ist sehr ungewöhnlich und es

fehlt diese Energie.“

Burak Demirboga

Foto: Höppner


23

Annika Hocke & Robert Kunkel gewannen eine

verdiente Silbermedaille mit 177 Zählern. Im KP

zu „Shout“ von Zayde Wolf stieg Hocke beim 3S

um und auch Kunkel landete nicht ganz sauber,

alles andere gelang überzeugend. Die Kür zu

„The Other Side“ von Ruelle war annähernd fehlerfrei

mit Wurfflip (beidfüßig) und Wurfrittberger,

auch 3S und 2A-2T stellten kein Problem

»

dar. Die Levels sind allerdings noch ausbaufähig.

Annika Hocke

„Wir haben uns wahnsinnig gefreut,

«

wieder

einen Wettkampf laufen zu können. Er war

eine gute Übung für die Weltmeisterschaften,

da der Ablauf dort ähnlich sein wird mit Test,

Anreise, Quarantäne und so weiter. Wir freuen

uns, dass wir unsere gute Trainingsleistung

auch im Wettkampf zeigen konnten.

Bis zur WM werden wir nun noch an den liegengelassenen

Levels arbeiten, um dort noch

ein Stückchen besser sein zu können. Mit

dem guten Gefühl von diesem Wettkampf

starten wir nun die WM-Vorbereitungen und

können es kaum abwarten, dort zu laufen.“

erhielt ein Pflaster am blutenden Knie und sie

liefen das KP ohne Fehler und mit 3T und dreifachem

Wurfsalchow noch gut zu Ende, erhielten

aber gemäß Reglement fünf Punkte Abzug

wegen der Unterbrechung. Aber offensichtlich

hatte sie sich doch verletzt, denn zur Kür traten

sie nicht mehr an. Die Österreicher Miriam Ziegler

und Severin Kiefer blieben zu Hause, weil

Kiefer Leistenprobleme hatte.

Von acht auf nur noch drei Duos schrumpfte das

Feld der Tanzpaare. Verdiente Sieger wurden die

für die WM nominierten Evgenia Lopareva &

Geoffrey Brissaud aus der Lyoner Schule von Petetin

und Bourzat, die zeitweise auch bei Rubleva/Shefer

in Moskau trainieren. Im Rhythmustanz

zu „Too Darn Hot“ aus dem Musical Kiss Me

Kate gefielen sie ebenso wie in der Kür zum

„Adagio for Tron“. Auf dem zweiten Endrang

landeten die Ungarn Anna Yanovskaya & Adam

Lukacs, die in Moskau von Svetlana Alexeeva

und Tochter Elena Kustarova betreut werden. Sie

testeten vor der WM noch einmal „Grease“ im

Rhythmustanz und die Hymne an die Liebe von

Patricia Kaas in der Kür. Dritte wurde das neue

Eistanz | Challenge Cup

RT Kür Pkt

1 Evgenia Lopareva / Geoffrey Brissaud

Frankreich 1 1 165.51

2 Anna Yanovskaya / Adam Lukacs

Ungarn 2 2 151.33

3 Chelsea Verhaegh / Sherim Van Geffen

Niederlande 3 3 128.3

niederländische Tanzpaar Chelsea Verhaegh &

Sherim van Geffen. Verhaegh war mittelmäßige

Einzelläuferin und van Geffen vor kurzem noch

Hobbyläufer, aber sie hatten sich bei Maurizio

Margaglio in Finnland rapide verbessert und

schon zuvor sogar das WM-Minimum geschafft.

Nach dem Wettbewerb flogen sie gleich wieder

nach Finnland zurück, um sich auf die WM

vorzubereiten.

•••

Evgenia Lopareva und Geoffrey Brissaud

Foto: Höppner

Challenge Cup

Die für Ungarn laufenden Ioulia Chtchetinina &

Mark Magyar gewannen eine Bronzemedaille

und übertrafen wie die Deutschen die Mindestpunktzahlen

problemlos. Das KP glückte so gut

wie fehlerfrei, in der Kür war ein missglückter

2T nach dem 3T von ihr der einzige Makel.

Auch die Tschechen Elizaveta Zhuk & Martin

Bidar qualifizierten sich als Vierte mit 163

Punkten für die WM, obwohl Zhuk im KP beim

3T und dem Wurfflip zu Boden ging. Aber im

Paarlaufen sind die Punkte am leichtesten zu

erreichen. Coline Kerivan & Noel Antoine Pierre

aus Paris kamen auf Platz 5 mit 155 Zählern

nach Sturz von Kerivan beim 3T und drei Fehlern

in der Kür. Das Duell der beiden niederländischen

Paare entschieden Nika Osipova &

Dmitry Epstein, die in den Niederlanden bei

Dmitri Kaploun trainieren, mit 140 Punkten und

Rang sechs für sich. Denn sie erlaubten sich im

KP keinen größeren Fehler und landeten auch

3T und Wurfflip. Osipova kommt aus der Moskvina-Schule.

In der Kür gingen dagegen drei

Elemente daneben. Die „Berliner Niederländer“

Daria Danilova & Michel Tsiba (137 Punkte)

patzten zweimal im KP, aber in der Kür war ein

Sturz von Danilova beim 3S einziger großer

Fehler, so dass sie das in der Kür noch fehlende

WM-Minimum schafften.

Weit weg von den Mindestpunktzahlen mit mageren

113 Gesamtpunkten waren die Schweizer

Alexandra Herbrikova & Nicolas Roulet, die bei

fast jedem Element Minuspunkte erhielten.

Auch die Schweden Greta & John Crafoord, die

in den USA trainieren, und die Spanier Dorota

Broda & Pedro Betegon, die in Bergamo leben,

qualifizierten sich nicht für die WM. Die Italiener

Sara Conti & Niccolo Macii leisteten sich im

KP einen seltenen Fehler: Macii stürzte nach

dem Hochwerfen seiner Partnerin beim doppelten

Twist (ihrem ersten Element) vorneüber und

konnte sie nicht auffangen, so dass sie hart fiel.

Nach einigen Sekunden standen sie wieder auf

und berieten sich kurz mit dem Trainer. Conti

Iouila Chtchetinina

und Márk Magyar

Foto: Höppner

Paare | Challenge Cup

KP Kür Pkt

1 Evgenya Tarasova / Vladimir Morozov

Russland 1 1 217.85

2 Annika Hocke / Robert Kunkel

Deutschland 2 2 177.23

3 Iouila Chtchetinina / Márk Magyar

Ungarn 3 3 169.21

4 Elizavets Zhuk / Martin Bidar

Tschechien 5 4 163.11

5 Coline Keriven / Noel Antoine Pierre

Frankreich 4 5 155.45

6 Nika Osipova / Dmitry Epstein

Niederlande 6 7 140.02

7 Daria Danilova / Michel Tsiba

Niederlande 8 6 137.10

8 Greta Crafoord / John Crafoord

Schweden 10 8 127.69

9 Dorota Broda / Pedro Betegon

Spanien 9 10 125.78

10 Alexandra Herbriková / Nicolas Roulet

Schweiz 11 9 113.34

Ausgeschieden:

- Sara Conti / Niccolo Macii

Italien - - -


24

Vorschläge für Regeländerungen

Regeländerungs-Vorschläge

für ISU-Kongress im Jahr 2022

Der für Juni 2020 im thailändischen

Badeort Phuket vorgesehene ISU-

Kongress musste verschoben werden,

zunächst um ein Jahr auf Anfang Juni

2021. Aber da die Pandemie mit Reiseund

Kontaktbeschränkungen sowie

Quarantänen länger dauert als 2020

vermutet, ist auch dieses Datum illusorisch.

In den Spätsommer verschieben

macht wenig Sinn, und noch später sind

viele Delegierte schon wieder bei Wettbewerben

beschäftigt. Die ISU hat noch

einmal die Verbände gefragt, ob sie in

diesem Sommer eine Online-Konferenz

veranstalten soll, was keinen großen

Anklang fand. Daraufhin beschloss der

Vorstand, den nächsten Kongress planmäßig

erst vom 6. bis 10. Juni 2022 abzuhalten,

wegen der schon geleisteten

Anzahlungen an das Hotel in Phuket

und nicht in Las Vegas, wo der übernächste

Kongress für 2022 geplant war.

Wichtige Vorschläge für eilige Regeländerungen

können jetzt nicht beschlossen

werden. Oder man ermächtigt den

Vorstand, Regeländerungen ausnahmeweise

ohne Zustimmung der Mitglieder

zu beschließen.

Auf jeden Fall hat die ISU die provisorischen

Vorschläge für Regeländerungen

(144 Seiten) online veröffentlicht. Jeder

Verband, die ISU-Komitees und der Vorstand

können noch Änderungen und Ergänzungen

anbringen. Die endgültige

Tagesordnung hat noch ein Jahr Zeit,

denn bis dahin kommen sicherlich neue

Anträge hinzu und andere werden zurückgezogen.

ISU-Generaldirektor Fredi

Schmid wies daraufhin, dass für jede

Regeländerung, die Geld kostet, ein geschätztes

Budget beigefügt werden

muss. Wer zum Beispiel zehn zusätzliche

Läufer bei der WM zulassen will,

muss auflisten, wie viel diese Läufer

den Ausrichter kosten (Hotel, Mahlzeiten,

Bustransporte, Sitzplätze in der

Halle usw.).

Hier die wichtigsten Vorschläge für Regeländerungen.

Falls kein Land aufgeführt

wird, sind es Vorschläge der ISU:

Grundsätzliches

Beschlossen werden soll, ob ein Kongress generell

verschoben oder online mit E-Mail-Stimmabgabe

abgehalten werden soll. Der ISU-Vorstand

soll schon vier Jahre im Voraus provisorisch

entscheiden, wo eine ISU-Meisterschaft

stattfinden soll. Ungarn will Junioren-Europameisterschaften

und Junioren-Vier-Kontinente-

Meisterschaften einführen. Die „Event-Koordinatoren“

der ISU sollen in Zukunft zeitgemäßer

Event Manager genannt werden.

Kanada will, dass wichtige Regeländerungen nur

in den ersten beiden Jahren nach Olympischen

Spielen in Kraft treten können, damit sich Läufer

optimal auf die Spiele vorbereiten können und

sich nicht damit beschäftigen müssen, neue Regeln

zu lernen. Weibliche Sportler sollen nicht

mehr Ladies, sondern Women genannt werden,

also Frauen statt Damen. Damen sollen in Zukunft

auch im Eistanzen generell Hosen tragen

dürfen (bisher nur im Kunstlaufen). Russland

will, dass Sportler sechs statt bisher vier Werbeträger

auf ihrer Kleidung tragen dürfen.

Musik-CDs sollen nicht mehr verwendet werden

dürfen, weil sie veraltet und störanfällig sind,

sondern nur noch moderne Formate. Läufer

müssen Musik in einer in der Ausschreibung erwähnten

Form einschicken. Nach dem Wettbewerb

muss die Musik aus Datenschutzgründen

gelöscht werden. Wenn es (wie bei manchen

kleineren Wettbewerben) zuvor kein offizielles

Training gibt, muss dem Läufer oder Trainer die

Möglichkeit gegeben werden, tatsächlich einmal

die eigene Musik zu hören und zu bestätigen,

dass es seine Musik ist. Die Türkei schlägt vor,

dass sämtliche Läufer der Welt, die an größeren

internationalen Wettbewerben teilnehmen, ihre

Musikstücke in eine ISU Cloud hochladen, in der

sie gespeichert und für jeden Wettbewerb verwendet

werden. Das erspart den Organisatoren

von Wettbewerben viel Zeit für die erneute Registrierung.

Bei Musik- oder anderen Problemen

während der Programme (zum Beispiel auf das

Eis geworfenen Gegenständen), für die der Läufer

nicht verantwortlich ist, soll es keine Punktabzüge

mehr geben, wenn der Läufer sein Programm

unterbricht. Denn zuletzt hatte kaum

noch ein Schiedsrichter oder Läufer eine Unterbrechung

gewagt, aus Sorge, der Läufer erhält

fünf Punkte Abzug.

Norwegen will das Mindestalter ab der nacholympischen

Saison 2022/23 für Meisterklasse-

Wettbewerbe von 15 Jahren (am 1. Juli, wenn

die Saison beginnt) auf 17 Jahre erhöhen. Wer

schon 2022 bei EM, WM, 4C oder den Olympischen

Spielen gelaufen ist, darf weiterhin in der

Meisterklasse starten, auch wenn er oder sie

das neue Mindestalter noch nicht erreicht hat.

Kanada will das Höchstalter für Junioren im

Paarlauf und Eistanzen auch für Frauen auf 21

Jahre erhöhen. Ungarn schlägt neue Bezeichnungen

für die Altersklassen zwischen sieben

und 15 Jahren vor. Russland will, dass jeder, der

bei nationalen Meisterschaften gelaufen ist,

eine Freigabe seines Verbandes braucht, wenn

er für ein anderes Land starten will.

Läufer, die sich nicht für das KP (wenn die Qualifikation

wieder eingeführt werden sollte) oder

die Kür qualifizieren, werden nur bis einschließlich

zum Frühstück des Tages nach dem Ausscheiden

finanziert. Dieses Thema wurde schon

vor Jahren diskutiert. Probleme können für ärmere

Verbände entstehen, wenn Umbuchungen

auf frühere Rückflüge teuer sind und der weitere

Hotelaufenthalt ebenfalls. Läufer, die ihre

Teilnahme an ISU-Meisterschaften kurzfristig

absagen, sollen kein detailliertes Attest über die

Art der Erkrankung oder Verletzung mehr an die

ISU schicken müssen, weil dies der neuen

Schweizer Datenschutzrichtlinie widerspricht.

Läufer sollen beim Training aus Sicherheitsgründen

keine Kopf hörer, elektronische Ohrstecker

oder andere körpernahen technischen Geräte

benutzen dürfen.

Wettbewerbe und Elemente

ISU-Meisterschaften sollen schon in der kommenden

Saison 2021/22 einschließlich Trainingstagen

nicht länger als sieben Tage dauern

(das ist jetzt schon so). Ab 2022/23 sind maximal

acht Tage zulässig, falls eine Qualifikation

wieder eingeführt wird. Die vor Jahren abgeschafften

und 2018 versehentlich wieder eingeführten

Zwischenauslosungen im Grand Prix

sollen abgeschafft werden. Island schlägt vor,

dass die Mindestpunktzahlen bis 1. Juli veröffentlicht

werden müssen, damit die Läufer und

Trainer wissen, woran sie sind. Nicht mehr die

Rede ist vom Abschaffen des KP und Ersatz

durch eine künstlerische Kür mit limitierter Zahl

von Sprüngen neben der weiterhin existierenden

traditionellen Kür. Dies schien vor einem Jahr

ein Hauptthema zu werden.

Ab der Saison 2022/23 soll es bei der WM wieder

eine Qualifikationsrunde geben, so wie

schon früher mehr als einmal für ein paar Jahre,

weil die Läuferzahlen in den KP in den vergangenen

Jahren zu groß geworden ist. In diesen

Runden wird nur eine Kür gelaufen. Maximal

können je 54 Läufer im Einzellaufen, 40 im Eistanzen

und 32 im Paarlaufen für eine WM nominiert

werden. Je 24 Einzelläufer, 20 Tanzpaare

und 16 Kunstlaufpaare erhalten gemäß der

Platzierung der Läufer ihres Verbandes bei der

vorangegangenen WM einen „Direct Entry“, sie

dürfen direkt im KP bzw. Rhythmustanz starten,

auch Länder mit zwei oder drei Startern. Läufer


25

der anderen Länder müssen die Qualifikationsrunde

laufen, je Land und Disziplin stets nur ein

Teilnehmer, der die drei statt bisher zwei verschiedenen

Mindestpunktzahlen erreicht haben

muss. Denn neben den bisherigen Technischen

Mindestpunktzahlen für KP und Kür soll eine

Technische Mindestpunktzahl für einen gesamten

Wettbewerb eingeführt werden. Die besten

12 Damen und Herren sowie die besten zehn

Tanzpaare und acht Kunstlaufpaare der Qualifikationsrunde

kommen weiter. Falls die Zahl der

direkt nominierten Läufer bzw. Paare höher ist

als die oben genannten 24, 20 bzw. 16, reduziert

sich die Zahl der Läufer, die nach der Qualifikation

weiterkommen entsprechend. Falls die

Zahl der direkt nominierten Läufer niedriger als

24, 20 bzw. 16 ist, kommen entsprechend mehr

weiter. Die Punkte aus der Qualifikation zählen

nicht zum späteren Gesamtergebnis, sondern jeder

fängt mit dem KP bzw. Rhythmustanz wieder

bei null an. Das war bei den früheren Qualifikationen

um die Jahrtausendwende herum

zeitweise genauso, aber dann einige Jahre lang

anders, als alle Läufer eine Qualifikation laufen

mussten. Falls nur ein oder zwei Läufer mehr

starten wollen als die 36, 30 bzw. 24, die das KP

bzw. den RT erreichen, kann beschlossen werden,

die Qualifikationsrunde zu streichen.

Anders als seit 2018 gültig, sollen nun doch

wieder nur 16 statt 20 Kunstlaufpaare die Kür

erreichen und der damals erfolgreiche Kampf

der Paarlauffreunde (wie John Coughlin) war

vergeblich. Denn bei der WM 2019 gingen nur

19 Paare an den Start (es waren schon mal 27)

und die WM 2020, bei der es mehr gegeben

hätte, ist ausgefallen. Falls bei der WM 2021

wieder viele leistungsstarke Paare starten, könnte

dieser Vorschlag vielleicht geändert werden,

wenn sich Paarlauflobbyisten dafür einsetzen.

Sprungfolgen sollen nicht mehr mit nur 80 Prozent

der Summe der Sprünge bewertet werden,

sondern mit 100 Prozent. Kanada will, dass bei

den Damenküren die Programmkomponenten

mit 2,0 wie bei den Herren multipliziert werden

statt nur mit 1,6 wie bisher. Denn weil die Damen

inzwischen mehr Punkte für schwierigere

Elemente erhalten, müsse es auch mehr Punkte

für die Komponenten geben, damit das Verhältnis

von 50 : 50 Prozent wieder annähernd erreicht

wird. Die Technischen Komitees der ISU

schlagen stattdessen vor, den Multiplikationsfaktor

für die Komponenten jährlich neu festzulegen

und in den aktuellen Mitteilungen (Communications)

bekanntzugeben. Werden diese

jährlich geändert, machen natürlich Vergleiche

der Punktzahlen mit früheren Saisons und der

Begriff Weltrekord gar keinen Sinn mehr.

Österreich will (wie schon 2018) zwei getrennte

Weltranglisten für Junioren und Meisterklasse,

denn Juniorenläufer ab 15 Jahren können auch

Weltranglistenpunkte in Meisterklassenwettbewerben

holen. Juniorenläufer zwischen 13 und

15 Jahren können jedoch nur bei den Junioren

Grand Prix Weltranglistenpunkte sammeln, was

ungerecht sei.

In Juniorenküren der Einzelläufer/innen soll die

übliche Schrittfolge durch eine Choreo-Schrittfolge

ersetzt werden, um auch in diesem Alter

schon die Kreativität zu fördern. Eine Eistanzchoreografie

darf jetzt auch einen Sprung von

höchstens eineinhalb Umdrehungen enthalten.

Neu definiert wurden die Elemente beim Synchronlaufen.

Bei Synchronwettbewerben soll der

Veranstalter in Zukunft jedem Team der Meisterklasse

mindestens 10 Minuten kostenlose

Trainingszeit vor dem KP und 12 Minuten vor

der Kür geben, bei den Junioren 10 und 11 und

beim Nachwuchs 10 Minuten vor der Kür.

Änderungen für die Jury

Kanada, Italien und die Niederlande schlagen

vor, dass bei den (Junioren und Meisterklasse)

Grand Prix, ISU-Meisterschaften und Olympischen

Spielen und Jugendspielen und Synchronwettbewerben

die Hälfte der Preisrichter nur die

Punkte für die Elemente und die Komponente

Eislauffähigkeiten vergeben und die andere

Hälfte die Punkte für die übrigen Komponenten.

Wer was wertet, soll erst direkt vor dem Wettbewerb

ausgelost werden. So könnten alle

Preisrichter in beiden Wettbewerbsteilen zum

Einsatz kommen, was im Augenblick häufig

nicht der Fall ist. Controller und Technische

Spezialisten sollen beim Eistanzen und Synchronlaufen

nicht bei demselben Wettbewerb in

einer anderen Disziplin als Schieds- oder Preisrichter

wirken dürfen, also zum Beispiel nicht

bei den Damen als Controller und bei den Herren

als Schieds- oder Preisrichter. Diese Idee

würde bei kleineren Wettbewerben die Kosten

erhöhen, weil man dann den einen oder anderen

zusätzlichen Offiziellen benötigt. Kanada, China

und Italien wollen, dass die detaillierten Einzelbewertungen

des KP oder Rhythmustanzes bei

den Meisterschaften erst nach dem Ende der

Küren veröffentlicht werden, um die Anonymität

der Preisrichter bis dahin zu gewährleisten.

Argentinien schlägt vor, das Mindestalter für internationale

Preisrichter auf 24 Jahre festzulegen.

Belgien beantragt, das Mindestalter für

Preisrichter bei Nachwuchswettbewerben auf 21

Jahre zu senken und das Höchstalter für alle auf

75 Jahre zu erhöhen. Die Niederlande möchten

die Zugangsvoraussetzungen für Technische

Controller erleichtern, weil es beim Eistanzen,

Paarlaufen und Synchronlaufen zu wenige gebe.

Technische Spezialisten sollen leichter als bisher

nach einigen Jahren Erfahrung auch Controller

werden können.

Den Begriff des „Assistenten des Technischen

Spezialisten“ soll es nicht mehr geben, sondern

beide Technischen Spezialisten sollen gleichberechtigt

werden. Nach dem einen oder anderen

negativen Vorfall werden neue Regeln vorgeschlagen,

wenn Mitglieder der Jury eine offensichtlich

falsche Entscheidung treffen, zum Beispiel

wenn die Spezialisten einen Vierfachsprung

als dreifach registrieren oder wenn der Data

Operator auf den falschen Knopf gedrückt hat.

Für alle Offiziellen soll die Kosten von Mahlzeiten

und Übernachtungen ab dem Abend-Dinner

(bisher dem Mittagslunch) vor dem ersten Training

bis zum Morgen nach Ende ihres Wettbewerbs

und der Diskussion nach dem Wettbewerb

übernommen werden. Klaus-Reinhold Kany

Verbandspräsidentin

von Österreich

Christiane Mörth

Quelle: Skate Austria

Österreichs Vizepräsidentin

Evelyn Rousoukhi

Quelle: Facebook

Kanadas

Verbandspräsidentin

Leanna Caron

Quelle: Facebook

Verbands präsident

von Russlands

Alexander Gorshkov

Foto: privat

Der verstorbenen

US-Paarläufer

John Coughlin

Foto: Kany

Vorschläge für Regeländerungen


26

Hippolyt Cup 2021

Österreich

Hippolyt Cup 2021

mit Mehrfachfunktion

Ende Jänner (Januar) wurde in St. Pölten der traditionelle Hippolyt

Cup ausgetragen. Novum war, dass im Rahmen dieses Wettbewerbs

oder Bewerbs, wie man in Österreich sagt, auch die Wiener Meisterschaften

abgehalten wurden. Die Zahl der teilnehmenden Wiener Läufer

war vergleichsweise überschaubar. Sehr erfreulich war, dass auch ein

Special Olympics Bewerb Teil der Veranstaltung war, so dass auch Sportler

mit Behinderung Gelegenheit hatten, ihr Können zu zeigen. Lediglich

die geplanten Adult-Bewerbe mussten aufgrund des verlängerten

Lockdowns abgesagt werden. Die gesamte Veranstaltung unterlag

einem strengen COVID-Konzept: Eintritt in die Halle nur für

Läufer, Trainer und Funktionäre mit negativem Test, Zuschauer

waren nicht zugelassen, dafür gab es einen Livestream.

Ein sehr großes Teilnehmerfeld gab es mit 19

Starterinnen bei den Intermediate Novice Mädchen

(Neulingen). Es setzte sich die Wienerin

Marharyta Chachyk (37,89 Punkte) mit flotter

Kür zu La Strada mit guten Komponenten und

schönen Pirouetten knapp vor Sascha Sophie

Erhardt (37,15 Punkte) durch. Dritte wurde Sophie

Schwartz (35,61 Punkte). Bei den Knaben

gewann Michail Savenkov (46 Punkte) vor Leon

Salzer (34,73 Punkte).

In der Kategorie Advanced Novice (Fortgeschrittener

Nachwuchs) lieferten sich Sara

Höfer (85,82 Punkte) und Flora Marie Schaller

(83,30 Punkte) ein spannendes Duell, das

Höfer am Ende des Tages zwar mit technisch

einfacheren, dafür aber saubereren Programmen

für sich entschied. Dritte wurde Farah Hofer

(72,22 Punkte). Bei den Knaben gewann Tobias

Oellerer (86,50 Punkte) dank höherer Komponenten

hauchdünn vor Daniel Ruis (86,07). Dritter

wurde Nikolaj Gromov (63,21 Punkte). Es

waren nur drei (Wiener) Läufer am Start. Beim

Eistanzen waren Elisabeth Havers / Leo Havers

(79,65) die einzigen Starter und Titelgewinner

in dieser Altersklasse

Junioren: überraschend knapper Sieg

für Leitgeb

Bei den Juniorinnen sah es nach dem Kurzprogramm

der Damen kurz nach einer Überraschung

aus, denn nach einer aufgerissenen

Kombi (nur 2S-2T) lag die Favoritin Dorotea

Leitgeb nur auf Rang zwei hinter Jasmin Elsebaie.

In der Kür zog Leitgeb (125,13 Punkte) ihr

Programm jedoch eisern durch, auch wenn ein

paar Sprünge etwas wackelig waren. Sie gewann

insgesamt knapp, aber verdient und wurde

auch Wiener Meisterin. Elsebaie (123,33

Punkte) war die Nervosität anzumerken, mit guter

Kür eine Chance auf den Sieg zu haben.

Aber sie kämpfte tapfer und lieferte mit drei

Dreifachsprüngen und zwei 2A ein spannendes

Duell um den Sieg. Auf Rang drei landete Paola

Jurisic (105,56 Zähler).

Alexander Charnagalov (123,58 Punkte) patzte

bei den Herren im Kurzprogramm bei seinen

Sprüngen, in der Kür konnte er sich aber fast

vollständig rehabilitieren: 3T-2T, 3S-2T, 2A und

3S gelangen superschön, nur beim zweiten Axel

stürzte er. Der Sieg und Wiener Meistertitel war

ihm sicher, denn der einzige weitere Teilnehmer,

Nuwan David Rondon (79,29 Punkte), lief insbesondere

technisch deutlich schwächer. Beim

Eistanzen gewannen Corinna Huber / Patrick

Huber (92,67 Punkte) im Alleingang.

WM-Probelauf für Mikutina

und Zandron

In der Meisterklasse wurden nur Einzelbewerbe

ausgetragen und hier hatten die WM-Starter

Olga Mikutina und Maurizio Zandron Gelegenheit,

die Form noch einmal zu testen. Mikutina

(191,30 Punkte) meisterte das bravourös. Sie

stand sowohl in KP als auch der Kür ihre 3-3

Olga Mikutina

Foto: Höppner

Kombi, in der Kür gelangen fünf Dreifache,

aber der geplante 3S nach einem

2A ging nur doppelt. Vor allem in der Kür

zur Musik von Ludovico Einaudi sieht man

sehr schön, dass sie im Laufen reifer geworden

ist - eine gelungene Generalprobe.

Die Zweitplatzierte Sophia Schaller

(143,19) ist eine sehr musikalische Läuferin.

Im KP passte jede Finger- und Fußspitze

zur Musik und sie konnte artistisch gut mit

Mikutina mithalten. Die Kür begann sie mit

gelungener 2A-Euler-3S-Sprungfolge, doch

von da an lief einiges schief: bei einigen Dreifachen

stürzte sie, andere riss sie auf. Dritte

und letzte wurde Emilie Grosch (95,14 Punkte).

Es war keine Wiener Läuferin am Start.

Bei den Herren absolvierte Zandron (216,63

Punkte) das KP ganz gut, obwohl er bei der

Kombi an den 3L nur einen 2T anschloss. In der

Kür klappte dann allerdings einiges nicht wie

geplant. Der erste Axel war fast gestürzt, der

zweite doppelt und auch hier war bei einer

Kombi ein Toeloop doppelt und er wirkte auch

etwas weniger spritzig als bei den österreichischen

Meisterschaften. An den Fehlern muss er

bis zur WM noch arbeiten, der Sieg in St. Pölten

war aber keine Minute gefährdet, da der zweite

Starter, Valentin Eisenbauer (123,22 Punkte),

technisch und auch in den Komponenten nicht

mithalten kann. In der Kür stürzte er dazu dreimal.

Er konnte aber dennoch zufrieden sein,

denn er gewann zum ersten Mal den Wiener

Meistertitel.

Eislaufen neuer Modesport in Wien

Nach mehrmonatigem mehr oder weniger strengem

Lockdown entpuppt sich Eislaufen in Wien

als neuer Trendsport. Während Indoor-Sportarten

verboten sind und aufgrund der Kontaktbeschränkungen

auch Mannschaftssportarten wie

Fußball unzulässig waren, durften die Freilufteisbahnen

offenhalten. Dementsprechend groß

war der Andrang und es kam bei WEV, Wiener

Eistraum & Co. immer wieder auch zu Warteschlangen,

denn die Besucherzahlen waren und

sind COVID-bedingt streng limitiert. Die Lust auf

Eis ist mangels Alternativen sowie sicherlich

auch, weil gerade Eislaufen eine gute Möglichkeit

bietet, die gegenwärtigen Limitierungen des

täglichen Lebens kurz zu vergessen, ungebrochen.

Und im Idealfall wird so vielleicht auch bei

ein paar jungen Talenten Interesse am Eiskunstlaufsport

geweckt.

Katrin Flaschka


Schweizer Nachwuchs meldet sich

Vor zwei Jahren wurde im Schweizer

Eiskunstlauf ein neues Nachwuchs-

Konzept entwickelt. Mit Richard Leroy als

neuem Nachwuchs-Nationaltrainer soll

dies umgesetzt werden.

Es ist ein wenig bezeichnend für diese Tage –

das Romantik-Hotel Sonne in Küsnacht am Zürichsee

präsentiert sich heuer zum Märzanfang

anders als in den letzten Jahren: Denn wenn die

Covid-19-Pandemie nicht wäre, würde zwischen

dem Seeufer und dem Hotelgebäude eine kleine

Eisfläche zum Eislaufen einladen. Und die Sunny

Ice Angels mit mehreren ehemaligen Schweizer

Spitzenläuferinnen böten wöchentlich im Rahmen

einer abendlichen Eislauf-Show ihr Können

zum Besten. Vor zwei Jahren erfolgte am selben

Ort der Auftakt („Kick-off“) für das neugeschaffene

Swiss Ice Skating Team Novice. Diana Barbacci

Lévy (Präsidentin Swiss Ice Skating) begrüßte

damals Aktive, Eltern und Offizielle und

eröffnete das geplante Projekt eines Swiss Ice

Skating Teams Novice.

Impulse des Nachwuchs-

Nationaltrainers

Verantwortlich für dieses Novice Nationalteam

zeichnet Nachwuchs-Nationaltrainer Richard

Leroy. Hierfür arbeitete der vorher 15 Jahren

lang beim Eislauf-Club Küsnacht als Trainer tätige

Franzose und Schweizer ein Nachwuchskonzept

aus. Leroy stand über Jahre vor allem

im Ruf, seine Schützlinge äußerst attraktive

Programme laufen zu lassen, echte „Hingucker“-

Präsentationen. Bezüglich der Schweizer Nachwuchsförderung

war Leroy klar: „Wir mussten in

dieser Sache etwas machen.“ Alles begann mit

der Schaffung der neuen 100%-Stelle eines

Nachwuchs-Nationaltrainers. „Zu Beginn meiner

Tätigkeit als Nachwuchs-Nationaltrainer hatte

ich zwar etwas Angst, von meinen früheren

Trainerkollegen in dieser neuen Aufgabe allenfalls

nicht akzeptiert zu werden“, gibt Leroy zu

bedenken, um gleich Entwarnung zu geben:

„Aber es stellte sich heraus, dass ich von allen

gut aufgenommen worden bin.“ Der neue Nachwuchs-Nationaltrainer

versteht denn seine Rolle

auch als Helfer, Problemlöser und Ansprechpartner.

„Ich habe in den vergangenen zwei Jahren

viele Gespräche mit Coaches, Läuferinnen und

Läufern und deren Eltern geführt. Es ging auch

darum, eine einheitliche Denkweise zu finden

und Pflichtenhefte zu erstellen.“ Überhaupt ist

Gespräche führen eine der wichtigen Aufgaben

eines Nationaltrainers, etwa mit den Leitungsgremien

von Sportschulen. Der neue Posten wird

von Swiss Olympic finanziert und ist ein Beitrag

für professionelle Strukturen in der Nachwuchsausbildung

von Swiss Ice Skating. „Ich verdiene

zwar weniger als in meinem vorherigen Beruf

als Eislauftrainer, aber für mich ist dies ein neuer

Lebensabschnitt. Meine Aufgabe besteht nun

unter anderem darin, die Läuferinnen und Läufer

und ihre zuständigen Coaches zu unterstützen,

allfällige Lösungen in vielerlei Hinsicht zu

finden. Damit sind nicht nur die absolut Besten

eingeschlossen, sondern diese Möglichkeit sollte

allen Nachwuchsleuten zukommen.“ Als

Nachwuchs gelten alle Läuferinnen und Läufer

mit 15 Jahren und jünger.

Ausgeklügeltes System

Mittlerweile ist eine ganze Reihe von Richtlinien

und Reglementen geschaffen worden, sei

es für Kaderselektionen, die Vergabe von Swiss

Olympic Talent Cards (es gibt deren 38) oder

etwa Selektionskriterien verschiedener internationaler

Wettkämpfe. Selektionen erfolgen auf

der Grundlage der Kaderstruktur FTEM, einem

pyramidenartig gestalteten Rahmenkonzept zur

Sport- und Athletenentwicklung. FTEM bedeutet

– Foundation F1 F2 F3, Talent T1 T2 T3 T4,

Elite E1 E2 und Mastery M. Informationswege

werden geschaffen, so auch mit einem Newsletter.

Und was nicht zu unterschätzen ist, dies

alles erfolgt in der Schweiz immer in drei Sprachen.

„2020 wurden die Piste Test Skates geschaffen.

Das sind Übungen, die speziell für Eislaufende

gestaltet worden sind. Bis heute haben

206 Teilnehmende diese Piste Test Skates

absolviert“, erklärt Leroy. Die Piste Test Skates

(genauer: Prognostische Integrative Systematische

Trainer-Einschätzung) sind wie folgt zusammengesetzt:

Athletenbiografie (15%),

Sportliches Leistungsniveau (50%), Physische

Leistungsfähigkeit (25%) und Psyche (10%).

In den Nationalkadern sind 95 Aktive aufgeführt,

ergänzt mit 152 Aktiven verschiedener

Regionalkader. Die nächste Kaderzusammensetzung

erfolgt im April. Es sind Trägerschaften

gebildet worden. Vier von ihnen siedeln sich in

der Region Zürich an mit Dübendorf, Örlikon,

Küsnacht und Winterthur, zwei in der Romandie

mit Genf und Yverdon. Weitere sind vorgesehen.

„Das Ganze gilt nicht für immer. Es kann Anpassungen

geben“, erklärt Leroy hierzu. Die Zusammenarbeit

mit den Regionen werde ausgebaut.

„Und wir dürfen die Prävention nicht vergessen“,

erinnert er. Der 48-Jährige will den

Nachwuchsleuten bezüglich der Gesundheit

medizinische Untersuchungen ermöglichen, den

Zugang zur Sportmedizin erleichtern und sie im

Umgang mit den sozialen Medien schulen. Leroy

nimmt sich vor, eine Fülle von Ideen umzusetzen.

„Ich bin der Meinung, die besten Trainerinnen

und Trainer sollten auch bei den Jüngsten

am Anfang der Karriere zum Einsatz kommen.“

Leroy stellt sich auch vor, frühere Eislaufgrößen

wie Welt- und Europameisterin Denise

Biellmann, Europameisterin Sarah van Berkel

(geborene Meier) oder ehemalige langjährige

Läuferinnen und Läufer wieder mehr in die Abläufe

einzubeziehen. Und mit Genugtuung stellt

Leroy fest: „Frankreich interessiert sich für unser

Nachwuchs-System. Sie machen jetzt das

Gleiche.“ Auf die Frage, ob er zuversichtlich bezüglich

der erhofften Ergebnisse dieser Nachwuchsförderung

sei, antwortet der Eiskunstlauffachmann:

„Ich bin mehr als zuversichtlich.

Ich bin ganz sicher, dass es gut kommt.“

Neuer Nachwuchs-Nationaltrainer Richard Leroy

Ergebnisse dürften folgen

Viele Augen sind etwa auf Basels Kimmy Vivienne

Repond gerichtet – die Junioren-Schweizermeisterin

2020 sorgt schon seit einiger Zeit

für Aufsehen. Etwa kürzlich an der Sofia Trophy

mit einer persönlichen Bestleistung von 183,69

Punkten und einem zweiten Rang bei den Juniorinnen.

Im Protokoll der 14-Jährigen sind über

beide Tage gesehen zehn Dreifachsprünge der

Palette von L, F, R, S und T mit Sprungkombinationen

aufgeführt. „Wir haben junge Läuferinnen

in der Schweiz, die in der Lage sind, in Programmen

mehrere Dreifachsprünge zu zeigen.

Ihre Entwicklung braucht noch etwas Zeit“, bestätigt

Leroy.

Albert-René Kolb

Kimmy Vivienne Repond

Fotos: Kolb

27

Schweizer Nachwuchskonzept


28

Margarete Klebe und Paul Metzner

Eislaufgeschichte:

Margarete Klebe und Paul Metzner

Eiskunstlaufen

in den Jahren des

Ersten Weltkriegs

Eislaufgeschichte

Zu den heute nahezu unbekannten

Deutschen Meister/innen gehören

die Berliner Margarete Klebe und Paul

Metzner. Ihre Lebensgeschichte spiegelt

den Über lebenskampf der Sportart

Eiskunstlaufen in der wirtschaftlich

Alle Fotos: Sportmuseum Leipzig

schwierigen und scheinbar sportfreien

Zeit des Ersten Weltkriegs

wider. Sie offenbart eine kaum

aufgearbeitete Periode

deutscher Sportgeschichte.

Margarete Klebe und Paul Metzner

aus Arthur Vieregg, „Der Eisläufer“,

Verlag Quelle & Meyer, Leipzig

Paul Metzner -

Deutscher Meister 1914

Paul Heinrich Robert Metzner gehörte zu den

größten deutschen Eiskunstlauf-Talenten in den

1910er Jahren und galt als potentieller Nachfolger

von Werner Rittberger. Er wurde am

1.11.1894 als Sohn des Restaurateurs Heinrich

Rudolf Oskar Metzner und Gertrud Wilhelmine

Wichmann in Berlin geboren. Die Familie lebte

in der Holzmarktstraße 72. Paul Metzner trainierte

im Berliner Schlittschuhclub (BSchC). Die

Fachpresse erwähnte ihn erstmals mit seinem

Sieg beim Internationalen Junioren-Kunstlaufen

am 22.01.1912 in Budapest. Trotz Abiturvorbereitungen

nahm er in der Saison 1912/13 an

zahlreichen Wettbewerben teil. Im Alleingang

siegte er beim Internationalen Senioren-Kunstlaufen

am 26.01.1913 in Budapest. Beim Internationalen

Herren-Kunstlaufen um den „Wanderpreis

des Arbeitsministeriums“ am 02.02.1913

in Troppau (Opava) errang er als bestplatzierter

Deutscher hinter den Österreichern Ernst Oppacher,

Ludwig Wrede und Erwin Schwarzböck den

vierten Platz. Hinter seinem Vereinskameraden

Werner Rittberger erlief Paul Metzner beim „Hugo-Ehrentraut-Memorial“

am 15.02.1913 in

Berlin den 2. Platz. Sein Einstieg bei Weltmeisterschaften

erfolgte am 23.02.1913 in Wien. Er

Paul Metzner

Quelle: Arthur Vieregg,

„Der Eisläufer“

belegte zwar den achten und damit letzten

Platz, sorgte aber angesichts seines damals für

einen WM-Teilnehmer ungewöhnlich jungen Alters

von 18 Jahren für Aufsehen. Die „Allgemeine

Sportzeitung“ kommentierte über seine Kür,

dass „zahlreiche Tanzschritte, die Sitzpirouette

vor- und rückwärts, Standpirouetten, Zirkelkombinationen

und Mondfiguren“ kennzeichnend

waren. Nach dem 3. Rang bei den Deutschen

Meisterschaften am 19.03.1913 in Berlin wurde

Paul Metzner ein Jahr später am 01.02.1914 in

Troppau Deutscher Meister. Bei den Berliner

Meisterschaften am 02.03.1914 erreichte er

trotz höherer Punktzahl durch Platzzifferentscheid

überraschend nur den 2. Platz hinter

Willy Kaldenbach vom Berliner Eislauf-Verein

1886 (BEV). Der Erste Weltkrieg sorgte mit Einberufungen

in den Wehrdienst für eine Unterbrechung

ihrer erfolgversprechenden Karriere.

Eiskunstlaufen im Admiralspalast

Der Erste Weltkrieg hatte immense Auswirkungen

auf den internationalen Sportbetrieb. Von

1915 bis 1921 fanden keine EM und WM statt.

Die Olympischen Spiele 1916 in Berlin mit geplanten

Eiskunstlaufkonkurrenzen wurden abgesagt.

Erst 1920 bei den Olympischen Spielen in

Antwerpen gab es wieder Eiskunstlaufwettbewerbe,

Sportler aus Deutschland und Österreich

blieben aber ausgeschlossen. Es gab einen Beschluss

des Deutschen Eislauf-Verbandes, aus

Gründen des Patriotismus und der Solidarität

kein Training und keine Wettbewerbe durchzuführen.

Im Ergebnis wurden landesweit keine

Eisbahnen hergerichtet. Der Berliner Eispalast in

der Lutherstraße wurde in eine Lagerhalle umgewandelt

und die Kältetechnik des Hohenzollern-Sport-Palasts

in der Potsdamer Straße aus


29

Eislaufgeschichte

Margarete Klebe und Paul Metzner

Der Admiralspalast auf einer Postkarte

Kostengründen verkauft. 1918 wurde das

Gebäude zwangsversteigert.

Einzig die Kunsteisbahn im Admiralspalast in

der Friedrichstraße bestand fort. In dem Unterhaltungsetablissement

mit Eisbahn, Schwimmbad

und Casino fanden an den Abenden regelmäßig

Eisballett-Aufführungen statt. Zahlreiche

Eiskunstläufer/innen wechselten in das boomende

Profigeschäft. Der Eispalast verfügte

über drei mit Tischen ausgestattete Galerien.

Die Eisbahn maß 50 × 23 Meter. Entgegen der

Anordnung des Deutschen Eislauf-Verbandes

nahmen der BSchC und der BEV im Winter

1915/16 den offiziellen Trainingsbetrieb wieder

auf. Sie begründeten ihr Vorgehen mit dem Erhalt

der internationalen Konkurrenzfähigkeit

und beriefen sich auf die sportlichen Aktivitäten

von Vereinen in Österreich. Das hieß im damals

herrschenden Kriegsjargon, über sportliche Erfolge

nationale Gesinnung zu demonstrieren. Es

ist erstaunlich, wie viele Wettbewerbe in der eigentlich

Wettkampfsport-freien und entbehrungsreichen

Zeit des Krieges stattfanden. Es

zeigt zudem, über wieviel Macht die Vereine gegenüber

dem Verband einst verfügten. Im Admiralspalast

gab es von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

täglich „Sportlaufen“. Zusätzlich wurde samstags

von 16:00 bis 19:00 Uhr „Musiklaufen“

veranstaltet. Im Winter richtete man zusätzlich

die Westeisbahn an der Leibnizstraße her. Am

05.03.1916 wurde mit der „BSC-Damenmeisterschaft“

im Admiralspalast der erste Eiskunstlaufwettbewerb

nach Kriegsbeginn in Deutschland

ausgetragen, den die spätere Bundestrainerin

Thea Frenssen vor Gertrud Müller und

Ellen Rehra (spätere Brockhöft) gewann. Am

15.12.1916 führte der BSchC auch das traditionelle

Weihnachtsschaulaufen wieder auf.

Margarete Klebe –

dreifache Medaillengewinnerin

bei Deutschen Meisterschaften

Am 19.12.1916 fand ein „Damen-Laufen“ des

BSchC im Admiralspalast statt, das Thea Frenssen

vor der Newcomerin Margarete Klebe und

Gertrud Müller gewann. Margarete Klebe wurde

am 09.05. 1899 als Tochter von Prof. Oberlehrer

Friedrich Wilhelm Klebe und Elisabeth

Emma Lea Bönisch in Berlin geboren und trainierte

im BSchC. Die Familie lebte in der Elsässerstraße

22. Ihr Verein setzte auch die Austragung

von Deutschen Meisterschaften durch, die

am 21.01.1917 auf der Westeisbahn stattfanden.

Sie umfassten neben dem „Damenlaufen“

auch „Juniorenlaufen“ und „Damen-Paarlauf“.

Das „Paarlaufen von Dame und Herr“ fand außer

Konkurrenz statt. Hier siegten Thea Frenssen/Helmut

von Petersdorff. Dies stellt die einzige

Meisterschaftsteilnahme des später international

erfolgreichen Showläufers dar. Im

„Damenlaufen“ der DM 1917 wurde Margarete

Klebe im Feld von sechs Läuferinnen hinter

Thea Frenssen Vizemeisterin. Beim „Damenlaufen“

des „Bezirk-Kunstlaufens“ am 28.01.1917

erreichte sie hinter Gertrud Müller den 2. Platz

vor Margarete Reh (BEV).

Neben Thea Frenssen wurde Margarete Klebe

für das „Internationale Damen-Kunstlaufen des

Wiener Eislauf-Vereins“ nominiert, das am

18.02.1917 stattfand und einem Städtewettkampf

von Wien und Berlin entsprach. Ziel war,

die sportliche Isolierung in Vereinswettbewerben

zu durchbrechen. In diesem Wettbewerb

wurde der Einfluss des Berliner Eisballetts auf

das Amateurkunstlaufen mit zahlreichen Standpositionen

auf den Kufenspitzen, Händen über

Kopfhöhe und ausgedrehtem Spielfuß deutlich

sichtbar. Die österreichischen Medien kritisierten,

dass die Berliner Läuferinnen das Hauptgewicht

zu stark auf eine schöne Haltung legten,

die vielfach zur angelernten, eingedrillten Pose

erstarrt erschiene. Obwohl Margarete Klebe als

Viertplatzierte einen Salchow zeigte, was im

damaligen Damenkunstlaufen noch Seltenheitswert

hatte, monierte die Sportpresse, dass es zu

wenige technische Schwierigkeiten und Abwechslung

in ihrem Programm gegeben hätte.

Die Berliner Läuferinnen waren Vorbotinnen einer

neuen ballettartigen Laufweise. Während

sie für ihre Innovationen noch abgestraft wurden,

sollte Sonja Henie damit 1928 für eine Revolution

im Eiskunstlaufen sorgen.

Bei den Klubmeisterschaften des BSchC am

18./19.03.1917 führte Margarete Klebe nach

der Pflicht, wurde aber in der Kür von den

Schwestern Elly und Margarete Winter noch

auf den 3. Platz verdrängt. Zur Saisoneröffnung

nahm sie am 03.10.1917 an einem Schaulaufen

im Admiralspalast teil. Stargast war der spätere

dreifache Olympiasieger Gillis Grafström. Nach

ihrem unglücklichen 2. Platz beim „Vereinslaufen“

des BSchC (28.11. und 02.12.1917), bei

dem sie trotz höchster Punktzahl aufgrund der

Platzziffer gegen Elly Winter verlor, konnte sie

beim verspätet durchgeführten „Weihnachtskunstlaufen“

am 06.01.1918 ihren ersten Sieg

ihrer Laufbahn erringen. Beim Wohltätigkeitsfest

des BSchC am 16.12.1917 fungierte Margarete

Klebe als Solistin im von 24 Damen aufgeführten

Reigen „Deutsche Tänze von Schubert“.

Mit einem 3. Platz im „Damenlaufen“


30

Margarete Klebe und Paul Metzner

Eislaufgeschichte

hinter Thea Frenssen und Elly Winter

verliefen die Deutschen Meisterschaften

am 10.02.1918 in Oppeln

(Opole) enttäuschend.

Erstmals ging sie im weiterhin inoffiziell

ausgetragenen Paarlaufwettbewerb

mit dem erfahrenen Bruno

Grauel an den Start. Bei dieser Premiere

erreichten sie den 3. Platz.

Grauel lief vor dem Ersten Weltkrieg

mit Alice Rolle. Rolle/Grauel belegten

bei der Eiswalzer-Konkurrenz im Rahmen

der WM 1910 in Berlin den 3.

Platz und waren 1911 Deutsche Paarlaufmeister.

Grauel ist eine Ausnahmeerscheinung

im Eissport, denn er

war ein erfolgreicher Eishockeyspieler.

Er nahm an drei Eishockey-EM

teil und war mit dem BSchC viermal

Deutscher Meister. Ob Margarete

Klebe am 02.03.1918 ausgetragenen

„Deutsch-Österreichischen Sportfest“

im Admiralspalast teilnahm, ist unbekannt.

Der Start in die Saison

1918/19 verlief mit einem erneuten

Sieg im „Weihnachtskunstlaufen“ des

BSchC am 27.12.1918 vor Elly Winter

und Elisabeth Böckel vielversprechend.

Hier gab der aus dem Kriegsdienst

zurückgekehrte Paul Metzner

mit einer Schaulaufdarbietung sein

Comeback auf dem Eis. Bei den Deutschen

Meisterschaften am

14.02.1919 in Berlin zeigte Margarete

Klebe die beste Leistung ihrer Karriere

als Einzelläuferin. Nach der

Pflicht lag sie bereits mit acht Punkten

in Führung. In der Kür wurde sie

aber erneut von Elly Winter mit nur

vier Zehntel Punkten und nur einer

Platzziffer äußerst knapp überholt. Im noch immer

inoffiziellen Paarlaufen trat sie mit ihrem

neuen Partner Paul Metzner an. Hinter Margarete

Winter/Julius Vogel (BSchC) und Marie

Schwendbauer/Georg Velisch vom Münchener

EV (MEV) kam das neu zusammengestellte Paar

auf den 3. Platz. In der Eiswalzer-Konkurrenz

erliefen Klebe/Metzner hinter Elly Winter/Werner

Rittberger (BSchC) den 2. Platz. Ab diesem

Zeitpunkt starteten Margarete Klebe und Paul

Metzner nicht mehr im Einzellaufen und traten

nur noch als Paar an. Metzner begann ein Studium

der Zahnmedizin.

Klebe/Metzner – erste deutsche

WM-Medaillengewinner nach dem

Ersten Weltkrieg

Bei den Deutschen Meisterschaften am

07.02.1920 in Berlin wurde das Paarlaufen wieder

als offizielle Meisterschaftsdisziplin ausgetragen.

Nachdem die mitfavorisierten Grete

Weise/Georg Velisch (MEV) aufgaben, konnten

sich Klebe/Metzner gegen die Altmeister Hedwig

und Hugo Winzer aus Dresden überlegen

durchsetzen und erstmals den Deutschen Meistertitel

erringen.

Turbulent verlief die nachfolgende Saison. Beim

„Internationalen Paarlaufen“ am 23.01.1921 im

Margarete Klebe und Paul Metzner, Deutsche Paarlaufmeister 1920

im Admiralspalast Berlin, Quelle: Sport im Bild 1920

Admiralspalast erreichten Klebe/Metzner den 2.

Platz hinter den späteren Doppelweltmeistern

Helene Engelmann / Alfred Berger (Wien). In

der Eiswalzer-Konkurrenz gewannen Klebe/

Metzner den 1. Platz. Für Aufsehen sorgte das

Berliner Paar mit seinem Sieg vor Hansi Eistert/

Georg Pamperl (Wien) beim „Internationalen

Junior-Paarlaufen“ des Wiener Eislauf-Vereins

am 09.02.1921.

Großen Sportsgeist bewiesen Margarete Klebe

und Paul Metzner bei den Deutschen Meisterschaften

am 06.03.1921 in Berlin. Der BSchC

legte Protest gegen den Start ihrer Konkurrenten

Weise/Velisch ein, weil Velisch als gebürtiger

Ungar über keine deutsche Staatsbürgerschaft

verfügte. Als der Deutsche Eislauf-Verband dem

Protest stattgab, verzichteten Klebe/Metzner auf

ihre Teilnahme und den zweiten Meistertitel, so

dass es in diesem Jahr keine deutschen Paarlaufmeister

gab. Beide Paare zeigten ihre Programme

ohne Wertung als Schaulaufen. Am 12.05.1921

heiraten Margarete Klebe und Paul Metzner. Das

Ehepaar lebte bis Ende der 1920er Jahre in der

Gartenstraße 1 in Berlin-Mitte.

Bei den Deutschen Meisterschaften am 21. und

22.01.1922 in Garmisch-Partenkirchen wurden

sie hinter Weise/Velisch vor Hoffmann/Grauel

Deutsche Vizemeister. Das Ehepaar Metzner

musste sich bei den am 24. und

25.01.1922 am gleichen Ort stattfindenden

„Deutschen Winter-Kampfspielen“

hinter den Siegern Engelmann/Berger

als Drittplatzierte Weise/

Velisch erneut geschlagen geben. Eine

Revanche glückte ausgerechnet bei

dem wichtigsten Wettbewerb ihrer

Karriere - den ersten Nachkriegs-

Paarlaufweltmeisterschaften am

29.01.1922 in Davos. Hinter Engelmann/Berger

und Eilers/Jakobsson erliefen

sie in einer „hauchdünnen“ Entscheidung

den 3. Platz vor den deutschen

Meistern, was gleichzeitig den

ersten WM-Medaillengewinn des

Deutschen Eislauf-Verbandes nach

dem Ersten Weltkrieg darstellte.

Beim „Internationalen Paarlaufen“ am

12.02.1922 in Breslau konnten Weise/

Velisch das Ehepaar Metzner wieder

hinter sich lassen. Margarete und Paul

Metzner schlossen ihre Laufbahn bei

den „Kunstlaufmeisterschaften“ des

BSchC am 12.03.1922 ab. Im Paarlaufen

siegten sie im Alleingang. Bei ihrer

letzten Meisterschaftsteilnahme traten

sie noch einmal im Einzellaufen an.

Beide belegten hinter den aufstrebenden

Ellen Brockhöft bzw. Paul Franke

jeweils den 2. Platz. Ihr Rücktritt ist

mit der Schließung der Kunsteisbahn

im Admiralspalast am 23. April 1922

in Verbindung zu bringen. Im November

1922 meldeten die Zeitungen ihren

Wechsel zu den Berufseisläufern.

Sie erhielten eine saisonale Anstellung

als Eislauflehrer in Arosa (Schweiz).

Vorreiter des Deutschen Eistanzens

Paul Metzner promovierte und arbeitete als

Zahnarzt in Berlin. Die Zahnarztpraxis Dr. Metzner

befand sich zu Beginn der 1930er Jahre im

Südwestkorso 60A, ab 1937 in der Wiesbadener

Straße 15 in Berlin-Friedenau. Überraschend

tauchten ihre Namen 1936 bei einem Eistanz-

Lehrgang wieder auf. Obwohl der 12. ISU-Kongress

1929 das Eistanzen als neue Disziplin in

das Regelwerk auf- und 1931 eine erste Definition

vornahm, war das Eistanzen in Deutschland

unterentwickelt. Es wurden keine Meisterschaften

ausgeschrieben. Weil die Integration in das

Programm von EM und WM nur noch eine Frage

der Zeit schien, führte die „Reichsakademie für

Leibesübungen“ 1936 einen Lehrgang im Berliner

Sportpalast durch, bei dem die Pflichttänze

durch das Ehepaar Metzner vermittelt wurden.

Somit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur

Einführung des Eistanzens in Deutschland. An

der Premiere von Deutschen Eistanz-Meisterschaften

1937 in Hamburg nahmen fünf Paare

teil. Während Dr. Paul Metzner den Zweiten

Weltkrieg vermutlich nicht überlebte, gehörte

Margarete Metzner zu den ehemaligen Mitgliedern,

die nach der zwangsweisen Auflösung des

BSchC durch den Alliierten Kontrollrat den Verein

im Juli 1948 wieder gründeten. Sie war als

freiberufliche Sportlehrerin registriert und arbeitete

als Trainerin. Dr. Matthias Hampe


31

»Viele Trainer sind

nicht gut genug

ausgebildet und

der Erwerb des

Lebens unterhalts

steht bei ihnen

ausschließlich an

erster Stelle.

Aber sie müssen

für den Eislauf

brennen…«

Anmerkungen zum Interview mit der

Nachwuchsbundestrainer-Assistentin

Nicole Brünner in der Februar-Pirouette:

Zu obiger Aussage möchte ich als langjährige

Trainerin einige Anmerkungen machen.

Sicherlich ist es unbestritten, dass sich ein Trainer

immer fortbilden sollte, um die Athleten

bestmöglich fördern zu können. Dazu bedarf es

keiner Diskussion. Trotz allem stellt sich mir die

Frage, was einen wirklich guten Trainer ausmacht?

Ist das jemand, der höchste fachliche

Kompetenz besitzt, gleichzeitig aber bei den

ihm anvertrauten Kindern ernsthaft von „Material“

spricht, der den sehr jungen Sportler dabei

in seiner persönlichen Entwicklung oft übersieht,

um möglichst schnell Erfolge herbeizuführen,

um sich selber als Trainer zu profilieren?

Oder ist es jemand, der die Persönlichkeit des

Kindes respektiert, das Kind fördert, ohne es zu

überfordern, der natürlich auch Leistung verlangt,

aber eben auch schon frühzeitig erkennt,

wenn die Perspektiven begrenzt sind?

Das Vorhaben von Frau Brünner, der schlecht

ausgebildeten neuen Trainergeneration (wer ist

dafür verantwortlich?) die erfolgreichen Trainer

früherer Jahre zur Seite zu stellen, halte ich für

eine gute Idee. Trotzdem sollte dabei ebenfalls

hinterfragt werden, warum es auch diesen ehemals

erfolgreichen und immer noch aktiven und

engagierten Trainern seit Jahren nicht (mehr)

gelingt, deutsche LäuferInnen in die internationale

Spitzenklasse zu führen. Liegt es also doch

nicht immer nur an den Trainern, wenn Erfolge

ausbleiben? Wir leben nicht in Russland oder

China, wir sind in Deutschland. Wir müssen um

jedes Kind dankbar sein, das den Weg in die Eishalle

findet, um eine breite Basis für den deutschen

Eislauf zu schaffen.

Als Trainerin möchte ich kurz die Lage schildern,

mit der ich täglich konfrontiert werde:

Die Arena Nürnberger Versicherung ist eine

Mehrzweckhalle, die von einem privaten Investor

betrieben wird. Wir haben von September

bis März ca. 30 - 40 Veranstaltungen und alle

Heimspiele zweier Bundesligisten in der Halle.

Wenn eine Eventagentur neben der Haupthalle

auch die zweite und die dritte Eisfläche als Lager

anmietet, dann findet dort kein Sport mehr

statt, egal ob Sportler zu einer Meisterschaft

gemeldet sind. Das Training fällt manchmal tagelang

aus, der Eiskunstlauf rangiert an allerletzter

Stelle.

Für das Training kauft die Stadt Nürnberg Stunden

beim Investor an. Je mehr Mitglieder ein

Verein hat, umso mehr Stunden (max. ca. 20

Stunden pro Woche für vier Sparten) bekommt

er. Man ist also auf viele Mitglieder aller Altersgruppen

angewiesen und kann es sich als Verein

nicht leisten, nur mit „talentierten“ Kindern zu

arbeiten. Um den Leistungssportlern des Vereins

einigermaßen gute Bedingungen bieten zu können,

braucht man die breite Masse. Sie sichert

die Trainingsstunden, deren Vergabe durch die

städtische Politik bestimmt wird.

Trainern zu unterstellen, sie würden nicht genug

für den Eissport „brennen“, halte ich für wenig

konstruktiv und zielführend in der Diskussion

um die Entwicklung besserer SportlerInnen.

Ausnahmen gibt es immer, aber gerade Trainer

auch außerhalb der großen Zentren setzen sich

rund um die Uhr für den Eissport ein und führen

durch ihre Arbeit den Stützpunkten immer wieder

Athleten zu. LäuferInnen trotz widriger Trainingsbedingungen

mit einem Bruchteil an Stunden,

wie sie in den Stützpunkten zur Verfügung

stehen, zu Meisterschaften und Klassenlaufen

zu bringen, ist auch eine Leistung, der man mit

Respekt begegnen sollte, vor allem, wenn man

die Trainingsbedingungen vor Ort nicht kennt.

Allein die Absicht, nach einem Jahr Corona in

der nächsten Saison neue Klassenlaufprüfungen

mit einem wesentlich schwierigerem Anforderungsprofil

einzuführen, obwohl zum Beispiel in

Bayern 90 Prozent der Sportler seit 1. November

2020 bis heute kein einziges Training mehr hatten,

zeigt, dass man sich mit den Gegebenheiten

an der Basis zu wenig auseinandersetzt. Anstatt

froh zu sein, dass nach einer ausgefallenen Saison

die Kinder dem Eissport nicht den Rücken

kehren, bekommen sie als „Belohnung“ zum Re-

Start schwierigeren Bedingungen vorgesetzt. Das

ist eine großartige Motivation in dieser schwierigen

Zeit! Ich sehe das nicht als einen behutsamen

Umgang mit den „zarten Pflänzchen“ an.

Einen großen Dank möchte ich an dieser Stelle

an Frau Luft und Herrn Bayer richten, die bei

Problemen immer ansprechbar und sehr hilfsbereit

sind. Unterstützung ist das, was Trainer

brauchen, aber ganz gewiss nicht die Unterstellung

fehlenden Engagements.

Den Hinweis, EiskunstlauftrainerInnen würden

ihren Beruf nur noch ausüben, um Geld zu verdienen,

empfinde ich als unqualifiziert. Er wirft

die Frage auf, ob TrainerInnen am Eis in der Vergangenheit

schon jemals ehrenamtlich und nur

aus Leidenschaft für den Sport gearbeitet haben?

Arbeitet nicht jeder Mensch, um seinen Lebensunterhalt

zu verdienen? Verena Diebold

Trainer Oppegard

unter Beschuss

Die amerikanische Journalistin Christine Brennan

hat in der Tageszeitung USA Today eine

neue Skandalgeschichte aus dem amerikanischen

Eiskunstlauf ans Licht gebracht. Diese

hat sie wohl von der Organisation SafeSport

erfahren, die den Fall seit Juli 2020 und generell

Misshandlungen von Sportler(inne)n aller

Sportarten untersucht. Der US-Trainer und frühere

Paarläufer Peter Oppegard (61) soll im

Jahr 2013 seine damals 15 Jahre alte Schülerin

Jessica Pfund in den Oberarm gebissen haben,

während er sie festhielt und ihr und ihrem Eislaufpartner

(Brennan schreibt Joshua Santillan,

2013 war es aber AJ Reiss) den korrekten Abgang

bei einem Element erklärte. Pfund bestätigte

der Zeitung USA Today jetzt diesen Vorfall

und sagte, ihre Mutter habe zu Hause bestätigte,

dass sie noch eine Woche lang Bissspuren

erkennen konnte. Die Mutter war zum

Zeitpunkt des Vorfalls nicht in der Eishalle.

Eine andere Person in der Eishalle East-West

Palace in Artesia nahe Los Angeles habe dies

aber gesehen und bezeugt. Pfund soll Safesport

gesagt haben, sie habe keine Klage gegen

Oppegard erhoben.

Diese Halle, die die Pirouette noch im Sommer

2019 besucht hatte, gehört der Familie Kwan.

Schon lange gab es Gerüchte, dass Oppegard

manchmal sehr laut und unbeherrscht gewesen

sei. Manche behaupteten, er habe ein Alkoholproblem

gehabt. Brennan schrieb, Safesport

habe die Gerüchte bestätigt gefunden,

dass er heißes Wasser oder seinen Kaffeebecher

auf seine Läufer geworfen habe, wenn sie

immer wieder dieselben Fehler machten. Oppegard

und seine damalige Ehepartnerin Karen

Kwan, die Schwester von Michelle Kwan, waren

von 2005 bis 2018 Cheftrainer in dieser

Halle. Vor einigen Jahren trennte sich Karen

Kwan von Oppegard (sie sollen inzwischen geschieden

sein) und er musste die Halle verlassen.

Dies hatte Danny Kwan, der Hallenmanager

und Vater von Karen und Michelle, 2019

der Pirouette erzählt. Neue Cheftrainer wurde

das jungverheiratete Ehepaar Caroline Zhang

und Grant Hochstein, das übrigens im Februar

im Facebook postete, dass sie in wenigen Wochen

ein Mädchen als Nachwuchs erwarten.

Oppegard hatte bei der WM 1987 mit Jill Watson

eine WM-Bronzemedaille und 1988 eine

Olympische Bronzemedaille im Paarlaufen gewonnen.

Nach dem Rauswurf aus der Kwan-

Halle war er zunächst zu Hause und fand dann

eine untergeordnete Anstellung in der Eishalle

im nahen Anaheim (siehe September-Pirouette

2019). Pfund trennt sich 2014 von AJ Reiss,

zog von Kalifornien nach Ellenton in Florida

und begann eine zweite Paarlaufkarriere mit

Joshua Santillan.

krk

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