MAGNIFICAT Januar 2022

butzonbercker

JANUAR 2022


Zum Titelbild

Taufe Jesu

Bamberger Psalter, Regensburg (?) 1220–1230,

Staatsbibliothek Bamberg Msc.Bibl. 48, 9v,

© Staatsbibliothek Bamberg / Foto: Gerald Raab

Der Bamberger Psalter enthält auf insgesamt 208 Pergamentblättern den Text

der 150 Psalmen und ist mit reichen Deckfarbenmalereien ausgestattet. Zu Beginn

findet sich ein Kalendarium mit zwei Medaillons pro Monat. Acht ganzseitige

Zierinitialen und drei Bildsequenzen mit insgesamt 15 Miniaturen zum

Leben Jesu vor den Psalmen 1, 51 und 101 (neuer Zählung) gliedern den Text.

Unser Titelbild zeigt die fünfte Miniatur in der ersten Bildfolge.

Besonders eindrucksvoll ist der zeitgenössische Einband mit Hornplatten

und silbernen Stegen. Die Hornplatten sind durchsichtig und lassen die darunterliegenden

Deckfarbenmalereien auf Pergament durchscheinen: auf dem

Vorderdeckel Christus in der Mandorla und auf dem Rückendeckel Maria mit

Kind in der Mandorla.

Während die Buchwerkstatt früher in Bamberg lokalisiert wurde, sehen die

Kunsthistoriker sie heute eher in Regensburg. Wegen eines späteren Eintrags

auf fol. 3r im Kalender, der sich auf die Ermordung eines Vogts des Hochstifts

Eichstätt im Jahr 1245 bezieht, nimmt man an, dass der Codex zu dieser Zeit

im Eichstätter Raum aufbewahrt wurde. Ab 1430/31 ist er in der Domsakristei

Bamberg und 1743 im dortigen Domschatz belegt. Mit der Säkularisation

gelangte die Handschrift Anfang des 19. Jahrhunderts in die heutige Staatsbibliothek

Bamberg.

Unser Titelbild zeigt Jesus in einem grünen Wellenberg, während ihn der

erhöht stehende Johannes tauft. Auf der anderen Seite ist ein Engel mit den

Kleidern Jesu dargestellt. Mit der Taube des Heiligen Geistes und dem geöffneten

Himmel als Symbol für den Vater repräsentiert Christus die Dreifaltigkeit

in der Mittelachse.

Heinz Detlef Stäps


nicht

wie des Kaisers

neue Kleider

es kommt nicht

auf das Äußere an

er ist

selbst

alles

braucht kein

mehr

Heinz Detlef Stäps

Taufe Jesu

Bamberger Psalter, Regensburg (?) 1220–1230,

Staatsbibliothek Bamberg Msc.Bibl. 48, 9v,

© Staatsbibliothek Bamberg / Foto: Gerald Raab

Karte aus: MAGNIFICAT. Das Stundenbuch, Ausgabe: Januar 2022

© Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.magnificat.de


Benedictus

epriesen sei der Herr, der Gott Israels! *

Denn er hat sein Volk besucht und ihm

Erlösung geschaffen;

er hat uns einen starken Retter erweckt *

im Hause seines Knechtes David.

So hat er verheißen von alters her *

durch den Mund seiner heiligen Propheten.

Er hat uns errettet vor unsern Feinden *

und aus der Hand aller, die uns hassen;

er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet /

und an seinen heiligen Bund gedacht, *

an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;

er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, /

ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit *

vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; /

denn du wirst dem Herrn vorangehn *

und ihm den Weg bereiten.

Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken *

in der Vergebung der Sünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes *

wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen

und im Schatten des Todes, *

und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *

und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *

und in Ewigkeit. Amen.

Lk 1, 68–79 – VIII. Ton, vgl. GL 1975 681 · KG 267,

alternative Melodie im V. Ton: vgl. GL 617, 2


Magnificat

eine Seele preist die Größe des Herrn, *

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd

hat er geschaut. *

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, *

und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *

über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: *

Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;

er stürzt die Mächtigen vom Thron *

und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *

und lässt die Reichen leer ausgehn.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *

und denkt an sein Erbarmen,

das er unsern Vätern verheißen hat, *

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Ehre sei dem Vater ...

Lk 1, 46–55 – IX. Ton, vgl. GL 631, 4 · GL 1975 689 · KG 274

Nunc dimittis

un lässt du, Herr, deinen Knecht, *

wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.

Denn meine Augen haben das Heil gesehen, *

das du vor allen Völkern bereitet hast,

ein Licht, das die Heiden erleuchtet, *

und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Ehre sei dem Vater ...

Lk 2, 29–32 – III. Ton, vgl. GL 665, 3 · GL 1975 700, 3 · KG 290


Januar 2022

Jesus-Titel · Ich-bin-Worte

Gesalbter

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir.

Denn der Herr hat mich gesalbt.

Buch Jesaja – Kapitel 61, Vers 1

VERLAG BUTZON & BERCKER KEVELAER


Jahresthema 2

Jesus-Titel · Ich-bin-Worte

Dezember 2021

Januar 2022

Februar 2022

März 2022

Die Heilige Woche 2022

April 2022

Mai 2022

Juni 2022

Juli 2022

August 2022

September 2022

Oktober 2022

November 2022

Sohn Gottes

Gesalbter

Hirte

Lamm Gottes

Heiland

Auferstehung

Sohn Davids

Brot des Lebens

Weg – Wahrheit – Leben

Herr

Gottesknecht

Menschensohn

Friedensfürst

MAGNIFICAT IN CORONA-ZEITEN

Aktuelle Informationen und Hinweise finden Sie im Internet unter

https://www.magnificat-das-stundenbuch.de/de/corona.html


3

Inhalt

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Das Bild im Blick

Ein menschlicher Mensch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

Morgengebet, Texte zur Eucharistiefeier, Abendgebet 10

Thema des Monats

Christus – Messias – Gesalbter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347

Unter die Lupe genommen

Fest der Beschneidung des Herrn . . . . . . . . . . . . . . . . . 349

Der Name . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352

Singt dem Herrn ein neues Lied

Gelobet seist du, Jesu Christ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354

Engagiertes Christsein

Mahner für den Frieden: Papst Benedikt XV. . . . . . . . . . 358

Die Mitte erschließen

Dreikönige und weihnachtliche Feste . . . . . . . . . . . . . . 361

Themen und Termine

Gebetsanliegen des Papstes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Seliger des Monats: Konrad von Mondsee . . . . . . . . . . . 364

Sternsingeraktion stärkt Kindergesundheit . . . . . . . . . . . 366

Gebetswoche mit Texten aus dem Nahen Osten . . . . . . . 368

Sonntag des Wortes Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372

Zurück ins Paradies? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 374


Inhalt 4

Gottesdienste im ZDF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 376

DOMRADIO.DE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 376

Gebete und Gesänge

Confiteor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

Erbarme dich, Herr, unser Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53

Eröffnung von Morgen- und Abendgebet . . . . . . . . . . . 377

Marianische Antiphon Alma Redemptoris Mater . . . . . . 378

Marianische Antiphon Salve Regina . . . . . . . . . . . . . . . 379

Namenstagskalender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 382

Leserservice . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383

Quellennachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384

Abkürzungen:

GL: Gotteslob 2013

GL 1975: Gotteslob 1975

KG: Kath. Gebet- und Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz

EG: Evangelisches Gesangbuch

MAGNIFICAT wird aus reinem Dünndruckpapier hergestellt und verbraucht

daher 50 % weniger Nutzholz und Energie als herkömmliches

Papier. Dünndruckpapier ist ein idealer Recycling-Rohstoff und leistet

somit einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt.

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5Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Ein Rabbi trifft am Eingang einer Höhle den Propheten Elija

(nach Mal 3, 23 Vorläufer des Messias) und fragt ihn: „Wo ist

der Messias?“ – „Drinnen in der Höhle.“ Da geht er hinein

und findet den Messias da sitzen. Er fragt: „Wann kommst du,

Herr?“ Der Messias antwortet: „Heute.“ Da geht der Rabbi fröhlich

heraus und wartet bis zum Abend. Als aber der Messias

immer noch nicht kommt, sagt der Rabbi zu Elija: „Der Messias

hat gelogen; er sagte, er käme heute.“ Elija antwortet: „Er

meinte: ,... heute, wenn ihr auf meine Stimme hört‘.“ (Psalm

95, 7) So berichtet Franz Rosenzweig in einem Brief von 1917

(vgl. Zeitgewinn, hg. v. G. Fuchs, H. H. Henrix, Frankfurt/Main

1987, 158).

Mit uns warten die Juden auf den Messias – mit dem Unterschied,

dass wir Jesus erwarten, die Juden nicht. Ein unüberbrückbarer

Graben? Wenn es um Jesus geht, ja. Angesichts in

seinem Namen ausgeübter Judenverfolgung aus gutem Grund.

Doch immer mehr jüdische Stimmen nehmen Jesus als Juden

und jüdischen Lehrer ernst. Mir scheint, das steht uns Christen

auch gut zu Gesicht, zumal Jesus seine messianische Prägung

– das, was ihn für uns zum Christus macht – aus jüdischen

Traditionen empfangen hat. Wer Jesus kennen lernen möchte,

sollte nicht erst beim Neuen Testament beginnen, sondern vor

allem Jesaja lesen (40 ff.), Jeremia (30 f.) und die Psalmen. Nicht

als sei das alles auf Christus hin geschrieben. Sondern weil es

die geistige (und geistliche!) Heimat Jesu ist. Jesus hat bei der

Taufe Gottes Stimme gehört und darin Gottes Zuwendung erfahren,

wie es die Propheten verheißen haben. So ist er selbst zur

Stimme Gottes geworden, hat sich den Armen zugewandt, wie

es vom Messias verkündet wird. „Gott erkennen heißt wissen,

was zu tun ist“, sagt Emmanuel Levinas. Darin können wir uns

treffen, Juden und Christen.

Ihr Johannes Bernhard Uphus


Das Bild im Blick 6

Ein menschlicher Mensch

Dass der Text der 150 Psalmen mit 15 Miniaturen zum Leben

Jesu illuminiert wurde, ist zunächst nicht naheliegend.

Dahinter steht aber die christliche Tradition, die Psalmen auf

Christus hin zu deuten und sie in seinem Heilshandeln erfüllt

zu sehen. Die Szene der Taufe Jesu ist auf unserem Titelbild

wie bei einer byzantinischen Ikone auf Goldgrund dargestellt.

Ein in abwechselnden Farben gestaltetes Knickband füllt den

gemalten Rahmen.

Christus in menschlicher Gestalt

Die zentrale Bildachse wird von der unbekleideten Figur Jesu

beherrscht. Seine Füße (s. Innenkarte) sind in leichter Schrittstellung

gezeigt und der rechte Fuß überschneidet den Rahmen

unten. Dadurch und durch die anstößige Nacktheit (auch wenn

das Geschlecht nicht zu sehen ist) wird gezeigt, wie sehr der

Sohn Gottes im Menschsein angekommen ist: mit der Erde

verbunden ist er ein menschlicher Mensch. Dabei wird seine

Gottheit aber nicht versteckt. Der Goldnimbus mit dem eingeschriebenen

Kreuz scheint sich im Goldgrund über den oberen

Teil der Miniatur auszubreiten und verströmt göttliches Licht.

Der Täufling hat die rechte Hand zum Segen erhoben (nach

Lk 3, 21 betete er während der Taufe) und taucht die Linke in

den grünen Wellenberg, der ihn vom Bauch abwärts mit einem

netzartigen Muster umgibt.

Auf der linken Seite türmt sich eine waghalsige Felsformation

auf, deren Spitze Johannes der Täufer aufwärts schreitend

einnimmt. Sein Obergewand ist blau und rot gezeigt, doch darunter

kommt das „Gewand aus Kamelhaaren“ (Mt 3, 4) hervor,

das ihn als Asketen in der Wüste charakterisiert. Der goldene

Nimbus weist ihn als Heiligen aus. Mit der linken Handfläche

zeigt er auf Jesus hin, die Rechte berührt mit zwei Fingern des-


7

Das Bild im Blick

sen Kopf in der Nähe des Scheitels. Es ist aber kein Wasser zu

sehen, denn die Taufe wird nicht als Handlung des Täufers, sondern

als trinitarisches Geschehen aufgefasst.

In der Mitte die Dreifaltigkeit

Denn auch die anderen beiden Personen der Dreifaltigkeit sind

in der mittleren Bildachse zu sehen, wenn sie auch durch die

symbolische Abkürzung nicht dasselbe Bildgewicht erhalten.

Über dem Haupt Jesu ist die Taube des Heiligen Geistes wie im

Sturzflug zu sehen. Diese Symbolik leitet sich von der Tauferzählung

in den synoptischen Evangelien ab: „der Heilige Geist

kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab“ (Lk 3, 21).

Der Vater wird im Evangelientext in Gestalt einer Stimme aus

dem Himmel eingeführt: „… und eine Stimme aus dem Himmel

sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen

gefunden“ (Lk 3, 21). Da es nicht ohne Weiteres möglich

war, eine Stimme in der Malerei darzustellen (man könnte nur

das, was die Stimme sagt, in einem Schriftband niederschreiben,

aber dann wäre es Schrift, nicht gesprochenes Wort, von

Stimme getragen), griff der Maler zur Darstellung des Vaters

auf den geöffneten Himmel zu Beginn der Taufszene zurück.

Er malte nämlich ein gewelltes blaues Wolkenband, das von

der oberen Miniaturkante herabzutropfen scheint und den Rahmen

überschneidet. In seinem Inneren aber ist eine ebenfalls

gewellte orange-leuchtende Zunge zu sehen, die sozusagen das

Innere des Himmels meint und Gott in seiner Liebe abbildet.

In späteren Zeiten scheute die christliche Kunst auch nicht davor

zurück, den Vater in menschlicher Gestalt darzustellen (vgl.

MAGNIFICAT, Dezember 2021).

Vater, Heiliger Geist und Christus bilden die Mitte dieser Miniatur

und werden von den beiden Figuren in Menschengestalt

umrahmt und damit in ihrer Bedeutung hervorgehoben.


Das Bild im Blick 8

Engel als Diener

Gegenüber dem Täufer steht ein Engel auf einem Felsplateau,

dem unten eine ähnlich gestaltete Stufe vorgelagert ist. Die

seltsame Form der Felsen zeigt, warum diese Stilstufe der Romanik

im Vorfeld der Gotik „Zackenstil“ heißt. Der Engel ist

ebenfalls in blau-rote Gewänder gehüllt und den Kopf umgibt

ein Nimbus (der hier aber vor den Flügeln besser zur Geltung

kommt als bei Johannes). So wirkt er wie eine Spiegelung des

Täufers, beide rahmen gemeinsam die göttliche Erscheinung in

drei Personen. Die den Rahmen überschneidenden Flügel mit

roten und weißen Federn zeigen ebenso wie beim Wolkensaum

in der Mitte die Herkunft des Engels „von oben“ an. Der Engel

aber hält dem Täufling seine grünen Kleider hin, um ihn zu

bedecken oder abzutrocknen. Hiermit wird erneut die irdische

(grün), menschliche Natur Jesu unterstrichen. Der Engel aber

wird zum Diener, wie kurz danach am Ende der Versuchungsszene

beschrieben: „… und siehe, es kamen Engel und dienten

ihm“ (Mt 4, 11).

Die Erzählung der Taufe Jesu markiert den Beginn des öffentlichen

Wirkens Jesu. Bevor Jesus in Gottes Vollmacht spricht

und handelt, bekennt sich der Vater zu ihm und nennt ihn

„mein geliebter Sohn“. Es ist eine Bestätigung der messianischen

Sendung Jesu, er wird als „Christus“ (Gesalbter) proklamiert.

In den frühen christologischen Auseinandersetzungen ist

diese Szene teilweise missinterpretiert worden als eine Form

von Adoption: Jesus, der Mensch, wird von Gott als Sohn angenommen

und erst jetzt mit göttlicher Vollmacht ausgestattet.

Dementsprechend folgen auch manche frühen Darstellungen

der Taufe Jesu dieser heterodoxen theologischen Spur, indem

sie die menschliche Seite Jesu betonen und seine Nacktheit

sehr drastisch darstellen (vgl. z. B. das Kuppelmosaik im Baptisterium

der Arianer in Ravenna, um 500). Hier im 13. Jahrhundert

ist das aber sicherlich nicht mehr der Fall. Nachdem

in der Romanik sehr stark die göttliche Natur Jesu, seine könig-


9

Das Bild im Blick

liche Würde und seine wundertätige Macht zum Ausdruck gebracht

wurden, bereitet sich nun schon die gotische Betonung

der menschlichen Natur vor. Es geht darum zu zeigen, dass der

Sohn Gottes als Mensch unter Menschen gelebt hat, dass er

wie jedes Kind Windeln gebraucht hat und dass er unter seinem

Gewand nackt war. Vor allem aber ging es darum, das Leiden

des Gottessohnes zu zeigen, um Gottes Nähe und Zuwendung

zu uns Menschen spürbar zu machen, gerade da wo wir leiden

müssen und uns gottfern fühlen.

Heinz Detlef Stäps


Hochfest der Gottesmutter

Maria

Samstag, 1. Januar 2022

A

m Oktavtag von Weihnachten, dem Beginn eines neuen Jahres,

feiert die Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria. Das Fest

entstand in Rom im siebenten Jahrhundert. Später feierte man den

achten Tag nach Weihnachten (wobei man den 25.12. als ersten Tag

mitzählt) als Tag der Beschneidung und zugleich Namensgebung Jesu,

wie es im Lukasevangelium (2, 21) heißt: „Als acht Tage vergangen

waren und das Kind beschnitten werden sollte, erhielt das Kind den

Namen Jesus.“ Erst bei der Liturgiereform von 1969 übernahm man

wieder die ursprüngliche Bedeutung des Tages als Marienfest. Das

Fest der Namensgebung Jesu wird am 3. Januar gefeiert. Maria hat der

Welt den Urheber des Heils, Jesus Christus, geschenkt. In ihr verehren


11

Samstag, 1. Januar · Morgen

wir die Glaubende, an der wir uns ausrichten können in unserem

Glauben. Als Urbild der Kirche ist Maria unsere Fürsprecherin bei

Gott. Zugleich aber ist sie unsere Wegbegleiterin durch das neue Jahr.

1967 hat Papst Paul VI. den Neujahrstag zum Weltfriedenstag erklärt.

Die Erfahrung vieler Kriege oder kriegerischer Auseinandersetzungen

an manchen Orten der Erde macht deutlich, wie wichtig

dieses Thema ist, und dass es deshalb auch zum Beginn eines neuen

Jahres passt. Heute erinnert uns der Weltfriedenstag daran, dass der

Friede in der Welt in uns selbst beginnen muss, wenn er gelingen soll.

Dass wir zu Friedensboten werden in Wort und Tat, dabei mag Maria,

die Königin des Friedens, uns helfend zur Seite stehen.

Namenstag: hl. Severus von Ravenna (Bischof, 4. Jh.) · hl. Fulgentius

von Ruspe (nordafrikan. Theologe und Bischof, Freund des Mönchtums,

† 532) · hl. Wilhelm von Dijon (Abt, Anhänger der Reform

von Cluny, ließ Schulen einrichten und unterstützte fahrende Leute,

† 1031) · hl. Odilo von Cluny (Abt, führte die Klöster der Reform von

Cluny in einem Klosterverband zusammen, propagierte die Idee des

„Gottesfriedens“, führte den Allerseelentag ein, † 1048)

Heute ist Weltfriedenstag.

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Gott sei uns gnädig und segne uns.

Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,

damit auf Erden sein Weg erkannt wird

und unter allen Völkern sein Heil.

Die Völker sollen dir danken, o Gott,

danken sollen dir die Völker alle.

Ps 67, 2–4

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen. Halleluja.


Morgen · Samstag, 1. Januar 12

Hymnus

Zu diesem Lied finden Sie eine Auslegung auf den Seiten 354–

358.

Gelobet seist du, Jesu Christ,

dass du Mensch geboren bist

von einer Jungfrau, das ist wahr;

des freuet sich der Engel Schar.

Kyrieleis.

Des ewgen Vaters einig Kind

jetzt man in der Krippe findt;

in unser armes Fleisch und Blut

verkleidet sich das ewig Gut.

Kyrieleis.

Den aller Welt Kreis nie beschloss,

der liegt in Marien Schoß;

er ist ein Kindlein worden klein,

der alle Ding erhält allein.

Kyrieleis.

Das ewig Licht geht da herein,

gibt der Welt ein’ neuen Schein;

es leucht wohl mitten in der Nacht

und uns zu Lichtes Kindern macht.

Kyrieleis.

1. Strophe: 14. Jahrhundert; 2.–7. Strophe: Martin Luther 1524

GL 252 · GL 1975 130 · KG 331 · EG 23, Strophen 1–4

(Strophen 5–7 folgen im Abendgebet)

Psalm 34 Verse 12–23

Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! *

Ich will euch in der Furcht des Herrn unterweisen.

Wer ist der Mensch, der das Leben liebt *

und gute Tage zu sehen wünscht?


13

Samstag, 1. Januar · Morgen

Bewahre deine Zunge vor Bösem *

und deine Lippen vor falscher Rede!

Meide das Böse und tu das Gute; *

suche Frieden und jage ihm nach!

Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten, *

seine Ohren hören ihr Schreien.

Das Antlitz des Herrn richtet sich gegen die Bösen, *

um ihr Andenken von der Erde zu tilgen.

Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr; *

er entreißt sie all ihren Ängsten.

Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, *

er hilft denen auf, die zerknirscht sind.

Der Gerechte muss viel leiden, *

doch allem wird der Herr ihn entreißen.

Er behütet all seine Glieder, *

nicht eines von ihnen wird zerbrochen.

Den Frevler wird seine Bosheit töten; *

wer den Gerechten hasst, muss es büßen.

Der Herr erlöst seine Knechte; *

straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet.

Ehre sei dem Vater ...

Vater aller Menschen, du hast uns zu Boten deines Friedens

berufen. Gib, dass wir spüren, wo du uns brauchst, und lass uns

von deiner Barmherzigkeit zeugen.

Lesung Mich 5, 2–3a

Gott, der Herr, gibt Israel preis, bis die Gebärende einen

Sohn geboren hat. Dann wird der Rest seiner Brüder heimkehren

zu den Söhnen Israels. Er wird auftreten und ihr Hirt

sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahwes, seines

Gottes.


Morgen · Samstag, 1. Januar 14

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Benedictus, Magnificat und Nunc dimittis finden Sie auf einem heraustrennbaren

Gebetsblatt am Anfang des Heftes. Die dazugehörigen Antiphonen werden

jeweils vor und nach diesen Gesängen aus dem Evangelium gebetet.

Antiphon zum Benedictus:

Ein wunderbares Geheimnis tritt heute ans Licht: Gott wurde

Mensch, er blieb, was er war, und nahm an, was er nicht war,

ohne Vermischung und ohne Teilung. So wurde Gottes Schöpfung

neu.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns in seiner Güte dieses neue Jahr beginnen

lässt. Zu ihm rufen wir:

A: Höre unsere Bitten.

– Richte in deiner Güte alles, was durch unser Versagen im

vergangenen Jahr falsch gelaufen ist.

– Lass alles, was wir im vergangenen Jahr begonnen haben, zu

einem guten Ende gelangen.

– Lass uns nicht ins Neue Jahr eintreten, ohne uns mit unseren

Mitmenschen versöhnt zu haben.

Vaterunser

Oration

Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der

Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt.

Lass uns auch im neuen Jahr immer und überall die

Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber

des Lebens geboren hat, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren

Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit

dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Auf allen unseren Wegen

geleite uns Gott durch sein ewiges Wort,

seinen geliebten Sohn Jesus Christus.


15

Samstag, 1. Januar · Eucharistie

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 238, 243, 257, 258, 364, 406, 407, 430, 530 ·

KG 186, 196, 305, 334, 345, 350, 355, 356, 601, 766

Gloria

Ein Licht strahlt heute über uns auf,

denn geboren ist uns der Herr.

Und man nennt ihn: Starker Gott, Friedensfürst,

Vater der kommenden Welt.

Seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Vgl. Jes 9, 1.5; Lk 1, 33

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Numeri Num 6, 22–27

Der HERR sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen:

So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:

Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein

Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende

sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich

werde sie segnen.

Antwortpsalm Ps 67, 2–3.5–8

Kehrvers:

Gott sei uns gnädig und segne uns.

Gott sei uns gnädig und segne uns. *

Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,

damit man auf Erden deinen Weg erkenne, *

deine Rettung unter allen Völkern. – Kehrvers

Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, /

denn du richtest die Völker nach Recht *

und leitest die Nationen auf Erden.


Eucharistie · Samstag, 1. Januar 16

Die Völker sollen dir danken, o Gott, *

danken sollen dir die Völker alle.

Kehrvers:

Gott sei uns gnädig und segne uns.

Die Erde gab ihren Ertrag. *

Gott, unser Gott, er segne uns!

Es segne uns Gott! *

Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 2a, ferner GL 45, 1 (VI. Ton) oder GL 1975 149, 4

oder GL 55, 1 · KG 367 (VIII. Ton)

Lesung aus dem Galaterbrief Gal 4, 4–7

Schwestern und Brüder! Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott

seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt,

damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und

damit wir die Sohnschaft erlangen.

Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes

in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater.

Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber

Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.

Impuls zur Lesung

Wo stehen wir? Sind wir mündig, sind wir erwachsen geworden?

Nicht im Sinne der „Coolness“, gar des Abgebrühtseins.

Erwachsen, mündig, das bedeutet nicht: Ich habe alles schon

gesehen, mich tangiert das alles nicht mehr. Tangere heißt lateinisch:

berühren. Vor allem: Was ficht mich deine Not an. Ist

es meine Schuld? Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Doch es

gibt Lebenslagen, da sind Menschen hilflos. Auf andere angewiesen.

Radikal. Aber bitte, was soll das, was geht es mich an;

bin ich Jesus? Ja. Im Heiligen Geist. Gott sandte „den Geist

seines Sohnes in unsere Herzen“. Jedoch: Wünschen wir diese

Beförderung? Ist das nicht wie bei der Einkommenssteuer,

beruflicher Aufstieg, nächste Stufe, aber bringt nur Nachteile,


17

Samstag, 1. Januar · Eucharistie

wenn man es mal durchrechnet. Kalte Progression lautet das

Stichwort. „Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn;

bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.“ Kind

und Sklave waren in der Antike fast eins (Gal 4, 1–2). Wagen

wir diesen Schritt? Sohn und Tochter Gottes werden, Erbe und

Erbin sein – gemeinsam mit dem Sohn, im Heiligen Geist?

Ruf vor dem Evangelium vgl. Hebr 1, 1–2

Halleluja. Halleluja.

Einst hat Gott zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;

heute aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 2, 16–21

In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria

und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es

sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind

gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das,

was ihnen von den Hirten erzählt wurde.

Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem

Herzen.

Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für

alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt

worden war.

Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden

sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt

hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

Credo

Gabengebet

Barmherziger Gott, von dir kommt alles Gute, und du führst es

zum Ziel. Wir danken dir für den Anfang des Heiles, das du uns

in der Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria eröffnet


Eucharistie · Samstag, 1. Januar 18

hast. Höre auf ihre Fürsprache und führe uns in diesem Jahr

näher zu dir. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater,

immer und überall zu danken, weil du Großes getan hast an

der seligen Jungfrau Maria. Vom Heiligen Geist überschattet,

hat sie deinen eingeborenen Sohn empfangen und im Glanz

unversehrter Jungfräulichkeit der Welt das ewige Licht geboren,

unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn loben die Engel deine

Herrlichkeit, beten dich an die Mächte, erbeben die Gewalten.

Die Himmel und die himmlischen Kräfte und die seligen Serafim

feiern dich jubelnd im Chore. Mit ihrem Lobgesang lass

auch unsere Stimmen sich vereinen und voll Ehrfurcht rufen.

Kommunionvers Hebr 13, 8

Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, am Fest der seligen Jungfrau Maria, die wir als

Mutter deines Sohnes und Mutter der Kirche bekennen, haben

wir voll Freude das heilige Sakrament empfangen. Lass es uns

eine Hilfe sein, die uns zum ewigen Leben führt. Darum bitten

wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Gott, unser Vater, der Quell und Ursprung alles Guten, gewähre

euch seinen Segen und erhalte euch im neuen Jahr unversehrt

an Leib und Seele.

Er bewahre euch im rechten Glauben, in unerschütterlicher

Hoffnung und in der Geduld unbeirrbarer Liebe.

Eure Tage ordne er in seinem Frieden, eure Bitten erhöre er

heute und immerdar; am Ende eurer Jahre schenke er euch das

ewige Leben.


19

Samstag, 1. Januar · Abend

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Die vollständige Fassung der Eröffnungen von Morgen- und Abendgebet finden

Sie mit Noten auf Seite 377.

Hymnus

Der Sohn des Vaters, Gott von Art,

ein Gast in der Welt hie ward

und führt uns aus dem Jammertal,

macht uns zu Erben in sei’m Saal.

Kyrieleis.

Er ist auf Erden kommen arm,

dass er unser sich erbarm

und in dem Himmel mache reich

und seinen lieben Engeln gleich.

Kyrieleis.

Das hat er alles uns getan,

sein groß Lieb zu zeigen an.

Des freu sich alle Christenheit

und dank ihm des in Ewigkeit.

Kyrieleis.

1. Strophe: 14. Jahrhundert; 2.–7. Strophe: Martin Luther 1524

GL 252 · GL 1975 130 · KG 331 · EG 23, Strophen 5–7


Abend · Samstag, 1. Januar 20

Canticum Phil 2,6–11

Antiphon:

Die Antiphon wird zu Beginn und am Ende eines Canticums gebetet.

Gottes Sohn ist uns geboren: Gott von Gott, Licht vom Licht,

vor aller Zeit.

Christus Jesus war Gott gleich, *

hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,

sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave *

und den Menschen gleich.

Sein Leben war das eines Menschen; /

er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, *

bis zum Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott über alle erhöht /

und ihm den Namen verliehen, *

der größer ist als alle Namen,

damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde *

ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu

und jeder Mund bekennt: /

„Jesus Christus ist der Herr“ – *

zur Ehre Gottes, des Vaters.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung Gal 4, 4–5

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren

von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die

freikaufte, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die

Sohnschaft erlangten.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Selig der Leib, der dich getragen, und die Brust, die dich genährt

hat, dich, den Herrn und Retter der Welt. Halleluja.


21

Samstag, 1. Januar · Abend

Fürbitten

Treuer Gott und Vater der Armen, zu Beginn dieses Jahres empfehlen

wir dir alle notleidenden Menschen und bitten dich:

A: Hilf uns, ihnen zu helfen.

Für die Obdachlosen in unserem Land;

– hilf, dass wir ihnen geschwisterlich begegnen und ihnen ein

wenig Freude schenken.

Für die Geflüchteten an Europas Grenzen;

– gib, dass niemand Schutz versagt wird, dem in seiner Heimat

Verfolgung und Unterdrückung droht.

Für die Menschen in den Kriegsgebieten der Erde;

– lass uns das Unsere tun, um dauerhaftem Frieden zu dienen.

Für alle, denen die tägliche Nahrung fehlt;

– leite uns an, mit ihnen zu teilen und ihnen beim Aufbau einer

tragfähigen Lebensgrundlage zu helfen.

Für alle Kranken und Sterbenden;

– hilf, dass wir ihnen unsere Nähe schenken können oder ihnen

durch Gebet beistehen.

Vaterunser

Oration

Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der

Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt.

Lass uns auch im neuen Jahr immer und überall die

Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber

des Lebens geboren hat, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren

Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit

dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Herr des Himmels möge uns glücklich geleiten

und uns in Frieden auf unseren Wegen führen.


Abend · Samstag, 1. Januar 22

Mögen wir alle zusammen glücklich werden

alle Tage unseres Lebens!

Nach Tob 10, 11.13

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


23

Samstag, 1. Januar · Von Woche zu Woche

Von Woche zu Woche

Kalendergedanken

Meine Freude als Kind

über den kleinen roten Kalender –

glänzend, neu,

voller Erwartung!

Mein Kalender heute ist digital.

Leer ist er nicht einmal

am ersten Tag des ersten Monats

des neuen Jahrs.

Macht unsere Zeitnot die Zeit tot?

Was macht sie lebendig?

– Der Tag füllt sich,

aber erfüllt er sich?

Öffnen wir Herz und Sinn

für Unerwartetes,

für die erfüllte Stunde,

für Fülle und Fügung – jetzt!

Dorothee Sandherr-Klemp


2. Januar 2022

2. Sonntag nach Weihnachten

Namenstag: hl. Basilius von Caesarea (Kirchenlehrer, † 379) · hl. Gregor

von Nazianz (Kirchenlehrer, † 390) · hl. Adalhard von Corbie (Abt,

Vetter Karls des Großen, Mitgründer von Corvey und Herford, Vertreter

der karolingischen Renaissance, † 826) · Dietmar (erster Bischof

von Prag, † 983) · Odino (Prämonstratenser, erster Abt von Rot an der

Rot, † 1182)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Lobt Gott für alles, was er an uns tut;

rühmt seinen heiligen Namen!

Es kommt ein Schiff, geladen

bis an sein höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden,

des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,

es trägt ein teure Last;

das Segel ist die Liebe,

der Heilig Geist der Mast.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


25

Sonntag, 2. Januar · Morgen

Der Anker haft’ auf Erden,

da ist das Schiff am Land.

Das Wort will Fleisch uns werden,

der Sohn ist uns gesandt.

Zu Betlehem geboren

im Stall ein Kindelein,

gibt sich für uns verloren:

Gelobet muss es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden

umfangen, küssen will,

muss vorher mit ihm leiden

groß Pein und Marter viel,

danach mit ihm auch sterben

und geistlich auferstehn,

das ewig Leben erben,

wie an ihm ist geschehn.

Elsass, 15. Jahrhundert; Bearbeitung: Daniel Sudermann um 1626

GL 236 · GL 1975 114 · KG 305 · EG 8

Psalm 118 Verse 1–9

Danket dem Herrn, denn er ist gütig, *

denn seine Huld währt ewig!

So soll Israel sagen: *

Denn seine Huld währt ewig.

So soll das Haus Aaron sagen: *

Denn seine Huld währt ewig.

So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren: *

Denn seine Huld währt ewig.

In der Bedrängnis rief ich zum Herrn; *

der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht.

Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. *

Was können Menschen mir antun?


Morgen · Sonntag, 2. Januar 26

Der Herr ist bei mir, er ist mein Helfer; *

ich aber schaue auf meine Hasser herab.

Besser, sich zu bergen beim Herrn, *

als auf Menschen zu bauen.

Besser, sich zu bergen beim Herrn, *

als auf Fürsten zu bauen.

Ehre sei dem Vater ...

Bist du bei uns, treuer Gott, was kann uns schaden? Bist du uns

nah, vor wem sollten wir uns fürchten? Wir danken dir, Ewiger,

für deine Huld.

Lesung Jes 49, 8b–9

So spricht der Herr: Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt,

der Bund zu sein für das Volk, aufzuhelfen dem

Land und das verödete Erbe neu zu verteilen, den Gefangenen

zu sagen: Kommt heraus!, und denen, die in der Finsternis sind:

Kommt ans Licht!

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Gebenedeit bist du unter den Frauen, allzeit jungfräuliche Mutter

Maria; denn du hast der Welt das ewige Wort geboren.

Bitten

Gepriesen sei Christus Jesus, das Wort des ewigen Vaters. Zu

ihm lasst uns rufen:

A: Gib uns den Geist der Wahrheit und des Friedens.

In dir ist uns Gottes Bundestreue neu und endgültig zugesagt;

– lass uns tiefer verstehen, dass wir gemeinsam mit allen Menschen

ins Reich des Vaters gerufen sind.

Du hast uns vorgelebt, was Gottes Herrschaft für unser Leben

bedeutet;


27

Sonntag, 2. Januar · Eucharistie

– hilf uns, mit anderen Menschen geduldig und liebevoll umzugehen,

wie der Vater es uns gegenüber tut.

Du selbst bist die frohe Botschaft des Vaters an uns;

– gib, dass wir dir ähnlich werden und durch unser Leben die

verwandelnde Kraft des Evangeliums bezeugen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, du erleuchtest alle, die an dich glauben.

Offenbare dich den Völkern der Erde, damit alle Menschen

das Licht deiner Herrlichkeit schauen. Darum bitten wir

durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht

in alle Ewigkeit.

Bei d e n Orationen, die mit „Darum bitten wir durch Jesus Christus“ enden,

soll die oben angegebene abschließende Formel gebetet werden.

Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Vgl. 2 Kor 13, 13

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 238, 239, 247, 252, 254, 256 · KG 331, 333,

334, 335, 352, 355, 356, 531

Gloria

Als tiefes Schweigen das All umfing

und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,

da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr,

vom Himmel herab, vom königlichen Thron.

Weish 18, 14–15


Eucharistie · Sonntag, 2. Januar 28

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach Sir 24, 1–2.8–12

Die Weisheit lobt sich selbst und inmitten ihres Volkes rühmt

sie sich. In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren

Mund und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:

Der Schöpfer des Alls gebot mir, der mich schuf, ließ mein

Zelt einen Ruheplatz finden. Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt

auf und in Israel sei dein Erbteil!

Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen und

bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. Im heiligen Zelt diente ich vor

ihm, so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.

In der Stadt, die er ebenso geliebt hat, ließ er mich Ruhe finden,

in Jerusalem ist mein Machtbereich, ich schlug Wurzeln in

einem ruhmreichen Volk, im Anteil des Herrn, seines Erbteils.

Impuls zur Lesung

Eine Atmosphäre von Fülle, Leben und Liebe umgibt Frau

Weisheit, der wir in den jüngsten Schriften des Alten Testaments

begegnen. Heute spricht sie von sich selbst: Frau Weisheit

stellt sich vor. Sie erzählt von ihrem göttlichen Ursprung

vor aller Schöpfung und von ihrer Unvergänglichkeit, von ihrem

Wirken im Kosmos und von ihrer Ansiedelung im Tempel.

Von Anfang an hat die Weisheit den Schöpfer der Welt begleitet.

Sie durchwaltet das All und ist wirksam in allen Kreaturen.

In dem hier ausgelassenen Vers 6 heißt es: „Auf den Wogen

des Meeres und auf der ganzen Erde, / in jedem Volk und in

jeder Nation hatte ich Besitz.“ Also nicht: „Rule, Britannia,

Britannia rule the waves.“ Frau Weisheit lässt sich nicht vereinnahmen.

Ihr Zelt schlägt Gottes Weisheit nicht willkürlich auf.

Gesucht ist ein Ort, der ihr entspricht. Der Herr unterstützt

ihre Wahl: In Jerusalem wird seine Weisheit zelten, auf dem

Zionsberg wird sie wohnen. In seinem heiligen Tempel tut sie

liturgischen Dienst. Win-win, sagt man neudeutsch, ein Ge-


29

Sonntag, 2. Januar · Eucharistie

winn für beide Seiten. Gott liebt die Weisheit; sie darf auf dem

Zion zelten. Gott liebt Israel; seine Weisheit lässt sich hier für

immer nieder – und öffnet die Tora für alle: Damit wir lernen,

dass nicht nur Menschen unserer eigenen Nation niemals zu

Sklaven werden dürfen, sondern dass Gottes Weisheit auf die

ganze Menschheit schaut. Was für eine Nachbarschaft!

Antwortpsalm Ps 147, 12–15.19–20

Kehrvers: Halleluja – oder:

Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Jerusalem, rühme den HERRN! *

Zion, lobe deinen Gott!

Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, *

die Kinder in deiner Mitte gesegnet. – Kehrvers

Er verschafft deinen Grenzen Frieden, *

er sättigt dich mit bestem Weizen.

Er sendet seinen Spruch zur Erde, *

in Eile läuft sein Wort dahin. – Kehrvers

Er verkündet Jakob sein Wort, *

Israel seine Gesetze und seine Entscheide.

An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *

sie kennen sein Recht nicht. – Kehrvers

Kehrvers siehe Joh 1, 14, ferner GL 255 (VIII. Ton)

oder GL 1975 149, 6 (IX. Ton) oder KG 359 (VII. Ton)

Lesung aus dem Epheserbrief Eph 1, 3–6.15–18

Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus

Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet

durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn

in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit

wir heilig und untadelig leben vor ihm. Er hat uns aus Liebe

im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus

Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,


Eucharistie · Sonntag, 2. Januar 30

zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in

seinem geliebten Sohn.

Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich

in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem

Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen

gehört. Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater

der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,

damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures

Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn

berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes

den Heiligen schenkt.

Ruf vor dem Evangelium vgl. 1 Tim 3, 16

Halleluja. Halleluja.

Christus, offenbart im Fleisch, verkündet unter den Völkern,

Christus, geglaubt in der Welt: Ehre sei dir!

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1, 1–18

Kurzfassung: Joh 1, 1–5.9–14

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das

Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch

das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden

ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis

hat es nicht erfasst.

Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes.

Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht,

damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst

das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die

Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden,

aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber

die Seinen nahmen ihn nicht auf.


31

Sonntag, 2. Januar · Eucharistie

Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes

zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus

dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem

Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt

und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des

einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über

den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus,

weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,

Gnade über Gnade.

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und

die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je

gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters

ruht, er hat Kunde gebracht.

Credo

Gabengebet

Herr, unser Gott, heilige unsere Gaben durch die Menschwerdung

deines Sohnes. Durch seine Geburt hast du allen Menschen

den Weg der Wahrheit gewiesen und ihnen dein Reich

verheißen. Lass uns in dieser Feier verkosten, was du denen

bereitet hast, die dich lieben. Darum bitten wir durch Christus,

unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater,

allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn

Fleisch geworden ist das Wort, und in diesem Geheimnis erstrahlt

dem Auge unseres Geistes das neue Licht deiner Herrlichkeit.

In der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt du uns den

unsichtbaren Gott erkennen, um in uns die Liebe zu entflammen

zu dem, was kein Auge geschaut hat. Darum singen wir


Auslegung · Sonntag, 2. Januar 32

mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten und

mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Hochgesang

von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Kommunionvers Joh 1, 12

Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, befreie uns durch die Wirkung dieses Sakramentes

von unseren Fehlern und Sünden. Erfülle unser Verlangen

und schenke uns alles, was wir zum Heil nötig haben.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der barmherzige Gott hat durch die Geburt seines Sohnes die

Finsternis vertrieben und diesen Tag erleuchtet mit dem Glanz

seines Lichtes; er mache eure Herzen hell mit dem Licht seiner

Gnade.

Den Hirten ließ er durch den Engel die große Freude verkünden;

mit dieser Freude erfülle er euer ganzes Leben.

In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden; durch

ihn schenke er allen Menschen guten Willens seinen Frieden,

durch ihn vereine er euch mit der Kirche des Himmels.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Peter Köster

Der Prolog ist kein in sich geschlossenes Ganzes, kein Schlüssel

zum Inhalt des ganzen Evangeliums, vielmehr als Zeug-


33

Sonntag, 2. Januar · Abend

nis für Jesus, Gottes Sohn und einzigen Offenbarer, zu verstehen

(vgl. Joh 1, 6–8) und in diesem Sinn als Einladung, sich

dem Geheimnis des göttlichen Wortes zu öffnen.

Peter Köster SJ (Theologe, geistlicher Lehrer, * 1936),

aus: Ders., Lebensorientierung am Johannes-Evangelium.

Eine geistliche Auslegung auf fachexegetischer Grundlage, 22,

© EOS Verlag, St. Ottilien 2013

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben,

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,

noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen

das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern,

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern

aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken

an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz.

Dann wolln wir des Vergangenen gedenken

und dann gehört dir unser Leben ganz.


Abend · Sonntag, 2. Januar 34

Lass warm und still die Kerzen heute flammen,

die du in unsre Dunkelheit gebracht.

Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.

Wir wissen es: Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,

so lass uns hören jenen vollen Klang

der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,

all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

GL 430 · KG 554 · EG 65 u. 637

Psalm 76 Verse 8–13

Furchtbar bist du. Wer kann bestehen vor dir, *

vor der Gewalt deines Zornes?

Vom Himmel her machst du das Urteil bekannt; *

Furcht packt die Erde, und sie verstummt,

wenn Gott sich erhebt zum Gericht, *

um allen Gebeugten auf der Erde zu helfen.

Denn auch der Mensch voll Trotz muss dich preisen *

und der Rest der Völker dich feiern.

Legt Gelübde ab und erfüllt sie dem Herrn, eurem Gott! *

Ihr alle ringsum, bringt Gaben ihm, den ihr fürchtet.

Er nimmt den Fürsten den Mut; *

furchterregend ist er für die Könige der Erde.

Ehre sei dem Vater ...

Richte dein Recht auf in unserer Welt, gnädiger Gott, komm den

Gebeugten zu Hilfe. Rüttle uns wach, damit wir Barmherzigkeit

üben.


35

Sonntag, 2. Januar · Abend

Lesung 1 Joh 1, 1–3

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir

mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was

unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort

des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen

und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das

beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und

gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr

Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit

dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Selig der Leib, der den Sohn des ewigen Vaters getragen, selig

die Brust, die Christus den Herrn genährt hat.

Fürbitten

Christus Jesus, immer weniger Menschen in unserem Land wissen

von dir. Wir bitten dich:

A: Mach uns zu glaubhaften Boten des Evangeliums.

Für alle Christen, die einem bürgerlichen Beruf nachgehen;

– dass sie deinem Beispiel folgen und ihren Mitmenschen mit

Güte und Geduld begegnen.

Für alle, die in der Seelsorge tätig sind;

– dass sie die Menschen bei der Hand nehmen und ihnen in

Not und Angst beistehen.

Für alle christlichen Erzieherinnen und Erzieher;

– dass sie Kindern und Jugendlichen vermitteln, wie nahe gerade

ihnen dein Reich ist.

Für alle, die Kranke pflegen oder Sterbende begleiten;

– dass sie ihnen Hoffnung auf das Erbarmen des Vaters schenken.


Abend · Sonntag, 2. Januar 36

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, du erleuchtest alle, die an dich glauben.

Offenbare dich den Völkern der Erde, damit alle Menschen

das Licht deiner Herrlichkeit schauen. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Der Herr lasse uns wachsen und reich werden

in der Liebe zueinander und zu allen,

damit unser Herz gestärkt wird und wir ohne Tadel sind

und geheiligt, wenn er mit allen seinen Heiligen kommt.

Vgl. 1 Thess 3, 12–13

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Montag, 3. Januar 2022

Heiligster Name Jesu

Der Name ist mehr als „Schall und Rauch“, er drückt das Wesen

eines Menschen aus. Das verdeutlichen vor allem biblische

Namen. Im Namen Jesus – Jahwe ist Heil – spricht Gott selbst

sich aus und wird in ihm ansprechbar. In der Apg 4, 12 heißt es:

„Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel

gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ Der Hymnus des

Philipperbriefes (2, 10) gipfelt in der Aussage, alle Menschen würden

„ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“ und ihn als Herrn

bekennen.

Vor allem in der Ostkirche wird die Anrufung des Namens Jesu

im Jesusgebet besonders gepflegt. Im Westen reicht die Verehrung

des Namens Jesu zurück bis ins 15. Jahrhundert. Besonders Bernhardin

von Siena und Johannes von Capestrano setzten sich dafür

ein. Papst Clemens VII. erlaubte 1530 dem Franziskanerorden, das

Fest des Allerheiligsten Namens Jesu zu feiern. 1721 wurde das

Fest in der ganzen lateinischen Kirche eingeführt. Bis zur Liturgiereform

wurde es an unterschiedlichen Tagen gefeiert. Die Neuordnung

nach dem 2. Vatikanischen Konzil hat auf ein eigenes Fest

verzichtet und die „Namensgebung des Herrn“ am 1. Januar mit

erwähnt. Papst Johannes Paul II. legte 2002 den Gedenktag „Heiligster

Name Jesu“ für den Allgemeinen Römischen Kalender auf

den 3. Januar fest.

In der Anrufung des Namens Jesu erbitten wir die helfende Gegenwart

Jesu in den Anliegen unserer Zeit.

Schrifttexte: Lesung: Phil 2, 1–11; Evangelium: Lk 2, 21–24

Namenstag: hl. Genovefa von Paris (Büßerin, Stifterin von St-Denis,

† um 502) · hl. Adela von Pfalzel (Attala, Tochter Irminas von Oeren,

Klostergründerin, † um 734)


Morgen · Montag, 3. Januar 38

Hymnus

Jesus, dir leb ich.

Jesus, dir sterb ich.

Jesus, dein bin ich

im Leben und im Tod.

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

O sei uns gnädig,

sei uns barmherzig,

führ uns, o Jesus,

in deine Seligkeit.

1. Str. Martin Luther nach Röm 14, 8; 2. Str. Stuttgart 1838,

GL 367 · GL 1975 (Anhänge)

Psalm 31 Verse 2–9

Herr, ich suche Zuflucht bei dir. /

Lass mich doch niemals scheitern; *

rette mich in deiner Gerechtigkeit!

Wende dein Ohr mir zu, *

erlöse mich bald!

Sei mir ein schützender Fels, *

eine feste Burg, die mich rettet.

Denn du bist mein Fels und meine Burg; *

um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.

Du wirst mich befreien aus dem Netz, *

das sie mir heimlich legten; denn du bist meine Zuflucht.

In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist; *

du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

Dir sind alle verhasst, die nichtige Götzen verehren; *

ich aber verlasse mich auf den Herrn.


39

Montag, 3. Januar · Morgen

Ich will jubeln und über deine Huld mich freuen; /

denn du hast mein Elend angesehn, *

du bist mit meiner Not vertraut.

Du hast mich nicht preisgegeben

der Gewalt meines Feindes, *

hast meinen Füßen freien Raum geschenkt.

Ehre sei dem Vater ...

Um deines Namens willen führst du uns, treuer Gott. Auf dich

verlassen wir uns; denn du bist mit unserer Not vertraut.

Lesung

Jes 62, 11b–12a

Sagt der Tochter Zion: Sieh her, jetzt kommt deine Rettung.

Siehe, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen

hat, gehen vor ihm her. Dann nennt man sie „Das heilige

Volk“, „Die Erlösten des Herrn“.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, voll

Gnade und Wahrheit. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,

Gnade über Gnade. Halleluja.

Bitten

Im Namen Jesu ist uns das Heil zugesagt. Darum bitten wir:

A: Rette uns, Christus.

– Vor dem Gefühl der Leere und der Sinnlosigkeit.

– Aus unserer Selbstsucht und Einsamkeit.

– Wenn wir an deiner Treue zweifeln.

Vaterunser


Eucharistie · Montag, 3. Januar 40

Oration

Allmächtiger Gott, dein Sohn ist durch die Geburt aus der Jungfrau

uns in allem gleich geworden, außer der Sünde. Gib, dass

wir in unserem Denken und Tun den alten Menschen ablegen

und als neue Menschen ein neues Leben beginnen. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Texte zur Eucharistiefeier

Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn.

Gott, der Herr, ist als Licht über uns aufgestrahlt.

Vgl. Ps 118, 26–27

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem ersten Johannesbrief 1 Joh 2, 29 – 3, 6

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn ihr wisst, dass Gott gerecht

ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut,

von Gott stammt.

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat:

Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt

uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt

sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch

nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein

werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen,

wie er ist.

Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig

ist. Jeder, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde

ist Gesetzwidrigkeit. Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die

Sünde wegzunehmen, und er selbst ist ohne Sünde. Jeder, der


41

Montag, 3. Januar · Eucharistie

in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht

gesehen und ihn nicht erkannt.

Antwortpsalm Ps 98, 1.3c–6

Kehrvers:

Alle Enden der Erde sehen das Heil unsres Gottes.

Singet dem Herrn ein neues Lied; *

denn er hat wunderbare Taten vollbracht.

Er hat mit seiner Rechten geholfen *

und mit seinem heiligen Arm. – Kehrvers

Alle Enden der Erde *

sahen das Heil unsres Gottes.

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, *

freut euch, jubelt und singt! – Kehrvers

Spielt dem Herrn auf der Harfe, *

auf der Harfe zu lautem Gesang!

Zum Schall der Trompeten und Hörner *

jauchzt vor dem Herrn, dem König! – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 3cd, ferner GL 55, 1

oder GL 1975 149, 1 · KG 363 (VIII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Joh 1, 14a.12a

Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Allen,

die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1, 29–34

In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen

und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt

hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir


Eucharistie · Montag, 3. Januar 42

kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch

ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit

Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen.

Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel

herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte

ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen,

er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst

und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist

tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn

Gottes.

Impuls zum Evangelium

Unsere theologische und liturgische Tradition kennt Listen

und Litaneien mit Jesus-Namen. Schon im Johannes-Evangelium

erkennt und benennt der Täufer den ihm Unbekannten

vielfach stark und treffend: Gotteslamm – Wegträger der Sünde

der Welt – Erstgeborener – Bleibe des Gottesgeistes – Geisttäufer

– Sohn Gottes. Der Name Jesus bedeutet: Gott rettet. Auf

diesen Namen können wir nur mit Liebe antworten. Nicht nur

Not, auch Liebe macht erfinderisch, gerade im Finden von zärtlichen

und bewundernden Namen ist die Liebe groß. Nur im

Überschwang, im Überfluss, sieht sie einen Weg, das geliebte

Gegenüber zu berühren, zu begreifen, dem Ziel ihrer Sehnsucht

nahezukommen. Es müssen ja nicht gerade einhundertsiebenundzwanzig

Namen für den Gottes- und Marien Sohn

sein, wie sie dem Mönch Anastasios Sinaites, der um 700 Abt

auf dem Sinai war, zugeschrieben werden. Schon ein Bruchteil

seiner und des Täufers Leidenschaft, Jesus beim Namen zu

nennen, wäre viel.


43

Montag, 3. Januar · Abend

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ich will nicht sagen: weinet nicht; denn nicht alle Tränen sind

von Übel.

Heute ist der 130. Geburtstag von J. R. R. Tolkien.

• Kann ich Tränen zulassen – bei mir und bei anderen?

• Worüber habe ich schon geweint?

Confiteor – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und

Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe –

ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken – durch

meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.

Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen

und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei

Gott, unserem Herrn.

Hymnus

Christus, Erlöser aller Welt,

du Gottes einzig wahrer Sohn,

geboren aus des Vaters Schoß

geheimnisvoll vor aller Zeit.

Des Vaters Abglanz, Licht vom Licht,

von dir erhoffen wir das Heil:

Erhöre deiner Diener Flehn,

das rings vom Erdkreis zu dir dringt.


Abend · Montag, 3. Januar 44

Gedenke, dass der Jungfrau Schoß

dich kleidete mit Fleisch und Blut

in unsre arme Knechtsgestalt,

dich, Urgrund unsres ew’gen Heils.

Das kündet uns der große Tag,

der wiederkehrt im Jahreskreis,

dass du vom Thron des Vaters kamst

als Heiland, der die Welt erlöst.

Es jauchzen Himmel, Erd’ und Meer

und alles, was in ihnen ist,

dem Vater zu in frohem Dank,

der dich gesandt zu unsrem Heil.

Auch wir, mit deinem Blut erkauft,

wir singen dir ein neues Lied

voll Freude ob des heil’gen Tags,

da du für uns geboren bist.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,

Gott, den die Jungfrau uns gebar,

Lob auch dem Vater und dem Geist

durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

Nach: Christe, redemptor omnium, 6. Jahrhundert

Melodie: GL 237 · GL 1975 138 · KG 332 · EG 24

Psalm 40 Verse 10–14.17–18

Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde, *

meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es.

Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht im Herzen, *

ich spreche von deiner Treue und Hilfe,

ich schweige nicht über deine Huld und Wahrheit *

vor der großen Gemeinde.


45

Montag, 3. Januar · Abend

Du, Herr, verschließ mir nicht dein Erbarmen, *

deine Huld und Wahrheit mögen mich immer behüten!

Denn Leiden ohne Zahl umfangen mich, /

meine Sünden holen mich ein, *

ich vermag nicht mehr aufzusehn.

Zahlreicher sind sie als die Haare auf meinem Kopf, *

der Mut hat mich ganz verlassen.

Gewähre mir die Gunst, Herr, und reiß mich heraus; *

Herr, eile mir zu Hilfe!

Alle, die dich suchen, frohlocken; *

sie mögen sich freuen in dir.

Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: *

Groß ist Gott, der Herr.

Ich bin arm und gebeugt; *

der Herr aber sorgt für mich.

Meine Hilfe und mein Retter bist du. *

Mein Gott, säume doch nicht!

Ehre sei dem Vater ...

Deine Gerechtigkeit, ewiger Gott, gereicht deinen Geschöpfen

zum Segen. Lass sie in uns und durch uns Wirklichkeit werden.

Lesung 1 Joh 1, 5b.7

Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir im

Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft

miteinander, und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von

aller Sünde.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Lasst uns jubeln im Herrn und jauchzen in der Freude des Geistes;

denn das ewige Heil ist aller Welt erschienen. Halleluja.


Abend · Montag, 3. Januar 46

Fürbitten (Gebetsanliegen des Papstes)

Beten wir für alle, die unter religiöser Diskriminierung und Verfolgung

leiden;

– ihre persönlichen Rechte mögen anerkannt und ihre Würde

geachtet werden, weil wir alle Schwestern und Brüder einer

einzigen Familie sind.

Näheres zu diesem Gebetsanliegen erfahren Sie auf www.magnificat.de/

aktuelles.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, dein Sohn ist durch die Geburt aus der Jungfrau

uns in allem gleich geworden, außer der Sünde. Gib, dass

wir in unserem Denken und Tun den alten Menschen ablegen

und als neue Menschen ein neues Leben beginnen. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Dienstag, 4. Januar 2022

Namenstag: hl. Rigobert von Reims (Bischof, † um 740) · sel. Roger

von Ellant (Zisterzienser, † nach 1162) · hl. Angela von Foligno (Franziskaner-Terziarin,

† 1309) · hl. Elisabeth Anna Bayley Seton (Gründerin

der Sisters of Charity, † 1821)

Ökumenischer Gedenktag: Friedrich von Bodelschwingh d. J. (ev.

Theologe, 1877–1946)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Zu Betlehem geboren

ist uns ein Kindelein.

Das hab ich auserkoren,

sein Eigen will ich sein.

Eja, eja, sein Eigen will ich sein.

In seine Lieb versenken

will ich mich ganz hinab;

mein Herz will ich ihm schenken

und alles, was ich hab.

Eja, eja, und alles, was ich hab.

O Kindelein, von Herzen

dich will ich lieben sehr

in Freuden und in Schmerzen,

je länger mehr und mehr.

Eja, eja, je länger mehr und mehr.


Morgen · Dienstag, 4. Januar 48

Dazu dein Gnad mir gebe,

bitt ich aus Herzensgrund,

dass dir allein ich lebe

jetzt und zu aller Stund.

Eja, eja, jetzt und zu aller Stund.

Dich wahren Gott ich finde

in meinem Fleisch und Blut,

darum ich fest mich binde

an dich, mein höchstes Gut.

Eja, eja, an dich, mein höchstes Gut.

Lass mich von dir nicht scheiden,

knüpf zu, knüpf zu das Band:

Die Liebe zwischen beiden

nimmt hin mein Herz zu Pfand.

Eja, eja, nimmt hin mein Herz zu Pfand.

Friedrich Spee 1637 – GL 239 · GL 1975 140 · KG 337 · EG 32

Psalm 119

Denk an das Wort für deinen Knecht, *

durch das du mir Hoffnung gabst.

Das ist mein Trost im Elend: *

Deine Verheißung spendet mir Leben.

Frech verhöhnen mich die Stolzen; *

ich aber weiche nicht ab von deiner Weisung.

Denke ich an deine Urteile seit alter Zeit, *

Herr, dann bin ich getröstet.

Zorn packt mich wegen der Frevler, *

weil sie deine Weisung missachten.

Zum Lobgesang wurden mir deine Gesetze *

im Haus meiner Pilgerschaft.

In der Nacht denke ich, Herr, an deinen Namen; *

ich will deine Weisung beachten.

Verse 49–56 Sajin


49

Dienstag, 4. Januar · Morgen

Deine Befehle zu befolgen *

ist das Glück, das mir zufiel.

Ehre sei dem Vater ...

Gütiger Gott, durch dein Wort schenkst du uns Leben und Hoffnung.

Öffne unsere Ohren, damit wir bereit sind, deine Stimme

zu hören, wenn du heute zu uns sprichst.

Lesung Jes 45, 22–24

Wendet euch mir zu und lasst euch erretten, ihr Menschen

aus den fernsten Ländern der Erde; denn ich bin Gott,

und sonst niemand. Ich habe bei mir selbst geschworen, und

mein Mund hat die Wahrheit gesprochen, es ist ein unwiderrufliches

Wort: Vor mir wird jedes Knie sich beugen, und jede

Zunge wird bei mir schwören: Nur beim Herrn – sagt man von

mir – gibt es Rettung und Schutz. Beschämt kommen alle zu

ihm, die sich ihm widersetzten.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Christus, unser Herr, in dem die Fülle der Gottheit wohnt, du

hast die Schwachheit unseres Fleisches angenommen und wurdest

geboren als der neue Mensch.

Bitten

Heute vor 200 Jahren wurde der Philologe Georg Büchmann

geboren, der vielen durch seine Zitatensammlung „Geflügelte

Worte“ ein Begriff ist. Mit ihr hat er neu ins Bewusstsein gehoben,

was seit der Antike bekannt ist: Worte haben nicht nur

selbst die Kraft zu fliegen, sie können auch Flügel verleihen.

Bitten wir unseren Schöpfer:

A: Stärke uns durch dein Wort.

– Dass wir heute kraftvoll und froh unsern Tagesweg gehen.


Eucharistie · Dienstag, 4. Januar 50

– Damit wir uns getragen fühlen, auch wenn es uns schwer

wird.

A: Stärke uns durch dein Wort.

– Dass wir den Menschen Mut und Halt geben, die mit uns

verbunden sind.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, zu unserem Heil ist dein Sohn als Licht der

Welt erschienen. Lass dieses Licht in unseren Herzen aufstrahlen,

damit sich unser Leben von Tag zu Tag erneuert. Darum

bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Texte zur Eucharistiefeier

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht;

über denen, die im Land der Finsternis wohnen,

leuchtet ein Licht auf.

Jes 9, 1

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem ersten Johannesbrief 1 Joh 3, 7–10

Meine Kinder, lasst euch von niemand in die Irre führen!

Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist.

Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt

von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um

die Werke des Teufels zu zerstören.


51

Dienstag, 4. Januar · Eucharistie

Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes

Same in ihm bleibt. Er kann nicht sündigen, weil er von Gott

stammt. Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des

Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen

Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

Antwortpsalm Ps 98, 1.7–9

Kehrvers:

Alle Enden der Erde sehen das Heil unsres Gottes.

Singet dem Herrn ein neues Lied; *

denn er hat wunderbare Taten vollbracht.

Er hat mit seiner Rechten geholfen *

und mit seinem heiligen Arm. – Kehrvers

Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, *

der Erdkreis und seine Bewohner.

In die Hände klatschen sollen die Ströme, *

die Berge sollen jubeln im Chor. – Kehrvers

Jubeln sollen alle vor dem Herrn, wenn er kommt, *

um die Erde zu richten.

Er richtet den Erdkreis gerecht, *

die Nationen so, wie es recht ist. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 3cd, ferner GL 55, 1

oder GL 1975 149, 1 · KG 363 (VIII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Hebr 1, 1–2

Halleluja. Halleluja.

Einst hat Gott zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;

heute aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn.

Halleluja.


Eucharistie · Dienstag, 4. Januar 52

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1, 35–42

In jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei

seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete

Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus.

Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten,

fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi –

das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du? Er antwortete:

Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte,

und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden,

die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.

Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm:

Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der

Gesalbte – Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn

an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst

Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels – Petrus.

Impuls zum Evangelium

Was suchen Sie hier? Was haben Sie hier zu suchen? Der Ton

macht die Musik. Der Satz kann herrisch, abweisend klingen.

Du hast hier nichts zu suchen! Im heutigen Evangelium geht

es um eine Berufung. Zwei Dinge fallen ins Auge. Zum einen

der erzählte Sachverhalt, dass der künftige Jünger hier nicht

unmittelbar durch Jesus zu Jesus findet (anders bei Matthäus,

Markus und Lukas), sondern durch einen anderen, Freund

oder Bruder, der Jesus kennt. Zum anderen, dass das erste Wort

Jesu im Johannesevangelium weder eine Belehrung noch eine

Bitte, noch ein Befehl, sondern eine Frage ist, die Frage nach

dem innersten Verlangen der anderen: „Was sucht ihr?“ In der

vorliegenden Übersetzung: „Was wollt ihr?“ Und Jesu zweites

Wort ist die Einladung, mit ihm eigene Erfahrungen zu machen:

„Kommt und seht!“ Was wohl geschehen würde, wenn

wir uns an dieses biblische Drehbuch hielten? Und nicht nur


53

Dienstag, 4. Januar · Abend

ausnahmsweise, sondern von innen heraus und darum alltäglich?

Wenn wir uns darauf besinnen: Was suche ich? Und uns

so finden lassen. Und wenn dann unsere Offenheit für diesen

Jesus und seinen Gottes-Ort, seinen Gottes-Weg, schlicht ansteckend

würde? Wenn wir uns mit ihm wirklich dafür interessierten,

was unser Gegenüber bewegt? Wenn wir die Türen unseres

Lebens mit ihm himmelweit öffneten: Kommt und seht!?

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Eine richtige Antwort ist wie ein liebender Kuss.

Johann Wolfgang von Goethe (deutscher Dichter, 1749–1832)

• Was ist eine „richtige“ Antwort für mich?

• Ist es die Antwort, die ich erwarte?

Confiteor (Seite 43) – oder:

V: Erbarme dich, Herr, unser Gott, erbarme dich.

A: Denn wir haben vor dir gesündigt.

V: Erweise, Herr, uns deine Huld.

A: Und schenke uns dein Heil.

Hymnus

Du denkst und hast’s nicht ausgedacht,

Als wär’s geheime Lehr,

Dass heute dir in dieser Nacht

Dein Herr geboren wär.


Abend · Dienstag, 4. Januar 54

Und suchst am Himmel überall,

Ob du den Stern gewahrt,

Der ihn zu Betlehem im Stall

Den Hirten offenbart?

Begreif’s und starre dich nicht blind

Nach Wundern am Gezelt:

In jedem neugebornen Kind

Kommt heut noch Gott zur Welt.

Rudolf Alexander Schröder,

Gesammelte Werke in fünf Bänden. Band I: Die Gedichte,

© Suhrkamp Verlag Berlin und Frankfurt am Main 1952.

Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.

Psalm 49 Verse 14–21

So geht es denen, die auf sich selbst vertrauen, *

und so ist das Ende derer, die sich in großen Worten gefallen.

Der Tod führt sie auf seine Weide wie Schafe, *

sie stürzen hinab zur Unterwelt.

Geradewegs sinken sie hinab in das Grab;

ihre Gestalt zerfällt, *

die Unterwelt wird ihre Wohnstatt.

Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, *

ja, er nimmt mich auf.

Lass dich nicht beirren, wenn einer reich wird *

und die Pracht seines Hauses sich mehrt;

denn im Tod nimmt er das alles nicht mit, *

seine Pracht steigt nicht mit ihm hinab.

Preist er sich im Leben auch glücklich und sagt zu sich: *

„Man lobt dich, weil du dir’s wohl sein lässt“,

so muss er doch zur Schar seiner Väter hinab, *

die das Licht nie mehr erblicken.


55

Dienstag, 4. Januar · Abend

Der Mensch in Pracht, doch ohne Einsicht, *

er gleicht dem Vieh, das verstummt.

Ehre sei dem Vater ...

Gott, du Ursprung und Mitte unseres Lebens, nur wenn wir

umkehren und dir statt uns selbst vertrauen, werden wir Menschen

zueinanderfinden. Belebe uns neu und öffne unsere Herzen

und Hände für unsere Schwestern und Brüder.

Lesung Röm 8, 3b–4

Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, das unter

der Macht der Sünde steht, zur Sühne für die Sünde,

um an diesem Fleisch die Sünde zu verurteilen; dies tat er, damit

die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir

nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Ich bin von Gott ausgegangen und in die Welt gekommen. Nicht

von mir aus bin ich gekommen: Mein Vater hat mich gesandt.

Fürbitten

Gott, unser Vater, du möchtest, dass alle Menschen zu deinen

Kindern werden. Wir bitten dich:

A: Steh deinen Getreuen bei.

Für alle, die in der Mission tätig sind;

– dass sie die Herzen der Menschen erreichen, zu denen sie

gesandt sind.

Für das ärztliche und pflegerische Personal in den Krisengebieten

der Erde;

– dass sie mit den oft bescheidenen Mitteln, die ihnen zur Verfügung

stehen, ihren Patienten bestmöglich helfen.


Abend · Dienstag, 4. Januar 56

Für alle in der Politik Engagierten, die sich zu dir bekennen;

– dass sie schöpferische Konzepte für eine gerechtere Weltordnung

entwickeln und umsetzen.

A: Steh deinen Getreuen bei.

Für alle, die fern von ihrer Heimat gestorben sind;

– vereine sie mit ihren Lieben in deinem Reich.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, zu unserem Heil ist dein Sohn als Licht der

Welt erschienen. Lass dieses Licht in unseren Herzen aufstrahlen,

damit sich unser Leben von Tag zu Tag erneuert. Darum

bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Mittwoch, 5. Januar 2022

Namenstag: hl. Ämiliana (Emilie, Nonne, 6. Jh.) · hl. Eduard der

Bekenner (König von England, † 1066) · hl. Gerlach von Houthem

(Einsiedler, Pilger, † um 1172/77) · sel. Roger von Todi (Franziskaner,

† 1273) · hl. Johannes Nepomuk Neumann (böhm.-us-amerik. Redemp

torist, Bischof von Philadelphia, † 1860) · hl. Karel Houben (nl.

Ordenspriester, Seelsorger in Irland, † 1893)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Lobt Gott, ihr Christen alle gleich,

in seinem höchsten Thron,

der heut schließt auf sein Himmelreich

und schenkt uns seinen Sohn.

Er kommt aus seines Vaters Schoß

und wird ein Kindlein klein;

er liegt dort elend, nackt und bloß

in einem Krippelein,

entäußert sich all seiner Gwalt,

wird niedrig und gering

und nimmt an eines Knechts Gestalt,

der Schöpfer aller Ding.

Heut schließt er wieder auf die Tür

zum schönen Paradeis;


Morgen · Mittwoch, 5. Januar 58

der Kerub steht nicht mehr dafür.

Gott sei Lob, Ehr und Preis.

Nikolaus Herman 1560/54 – GL 247 · GL 1975 134 · KG 336 · EG 27

Psalm 97

Der Herr ist König. Die Erde frohlocke! *

Freuen sollen sich die vielen Inseln.

Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, *

Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns.

Verzehrendes Feuer läuft vor ihm her *

und frisst seine Gegner ringsum.

Seine Blitze erhellen den Erdkreis; *

die Erde sieht es und bebt.

Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, *

vor dem Antlitz des Herrschers aller Welt.

Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, *

seine Herrlichkeit schauen alle Völker.

Alle, die Bildern dienen, werden zuschanden, /

alle, die sich der Götzen rühmen. *

Vor ihm werfen sich alle Götter nieder.

Zion hört es und freut sich, *

Judas Töchter jubeln, Herr, über deine Gerichte.

Denn du, Herr, bist der Höchste über der ganzen Erde, *

hoch erhaben über alle Götter.

Ihr, die ihr den Herrn liebt, hasst das Böse! /

Er behütet das Leben seiner Frommen, *

er entreißt sie der Hand der Frevler.

Ein Licht erstrahlt den Gerechten *

und Freude den Menschen mit redlichem Herzen.

Ihr Gerechten, freut euch am Herrn *

und lobt seinen heiligen Namen!

Ehre sei dem Vater ...


59

Mittwoch, 5. Januar · Morgen

König des Alls, in Wolken und Dunkel bist du verborgen. Sei

gepriesen, denn du hast dein Heiligtum aufgetan und uns einen

Strahl deines Lichtes gesandt.

Lesung Weish 7, 26–27

Die Weisheit ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte

Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit.

Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu

ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt

sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Der Herr hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen.

Bitten

Christus Jesus, dir wenden wir uns zu und warten auf deine

Stimme. Wir rufen zu dir:

A: Kehr bei uns ein, du Weisheit des Vaters.

– Mit der Aufrichtigkeit deiner Worte.

– Mit der annehmenden Offenheit deines Blicks.

– Mit der Ernsthaftigkeit deines Zuhörens.

Vaterunser

Oration

Getreuer Gott, in der Geburt deines Sohnes hast du uns auf

wunderbare Weise den Anfang des Heiles geschenkt. Stärke in

uns den Glauben, dass Christus dein Volk durch die Mühen

dieser Zeit zum Land der Verheißung hinführt. Er, der in der

Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle

Ewigkeit.


Eucharistie · Mittwoch, 5. Januar 60

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Texte zur Eucharistiefeier

Am Anfang und vor aller Zeit war Gott, das Wort.

Er ist uns heute geboren als Heiland der Welt.

Vgl. Joh 1, 1

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem ersten Johannesbrief 1 Joh 3, 11–21

Meine Schwestern und Brüder! Das ist die Botschaft, die

ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben

und nicht wie Kain handeln, der von dem Bösen stammte

und seinen Bruder erschlug. Warum hat er ihn erschlagen? Weil

seine Taten böse, die Taten seines Bruders aber gerecht waren.

Wundert euch nicht, meine Brüder, wenn die Welt euch hasst.

Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen

sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt

im Tod. Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder, und ihr

wisst: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt.

Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben für

uns hingegeben hat. So müssen auch wir für die Brüder das

Leben hingeben. Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz

vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die

Gottesliebe in ihm bleiben? Meine Kinder, wir wollen nicht mit

Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.

Daran werden wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind,

und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen. Denn

wenn das Herz uns auch verurteilt – Gott ist größer als unser

Herz, und er weiß alles. Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber

nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht.


61

Mittwoch, 5. Januar · Eucharistie

Antwortpsalm Ps 100, 2–5

Kehrvers:

Jauchzt vor Gott, alle Länder der Erde!

Dient dem Herrn mit Freude! *

Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!

Erkennt: Der Herr allein ist Gott. /

Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum, *

sein Volk und die Herde seiner Weide. – Kehrvers

Tretet mit Dank durch seine Tore ein! /

Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels! *

Dankt ihm, preist seinen Namen!

Denn der Herr ist gütig, /

ewig währt seine Huld, *

von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 1, ferner GL 56, 1 · GL 1975 646, 1 · KG 623 (V. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Aufgeleuchtet ist uns aufs Neue der Tag der Erlösung: Ein großes

Licht ist heute auf Erden erschienen. Kommt, ihr Völker,

und betet an den Herrn, unseren Gott!

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1, 43–51

In jener Zeit wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen; da traf er

Philippus. Und Jesus sagte zu ihm: Folge mir nach! Philippus

war aus Betsaida, dem Heimatort des Andreas und Petrus.

Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den

gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten

geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. Da sagte

Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes

kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh!


Abend · Mittwoch, 5. Januar 62

Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da

kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Natanaël

fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon

bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum

gesehen. Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes,

du bist der König von Israel!

Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich

dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen.

Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr

werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf– und

niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Impuls zum Evangelium

Ein Messias aus Nazaret? Warum nicht gleich einer aus Hückeswagen.

Natanaël ist mehr als überrascht. Doch er verschließt

sich nicht im Bescheidwissen. Im Gegenteil. Natanaël

öffnet ein Fenster. Er öffnet sich. Er lässt das Neue ein. Er

lässt sich auf das Neue ein. Der Mann aus Nazaret lässt nicht

locker. Und der andere lässt sich locken. Natanaël ist wirklich

auf der Suche. Darum wird er wirklich gefunden.

Innehalten am Abend

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ein Wort ist kein Sperling. Wenn es weg ist, kann man es nicht

wieder einfangen.

Aus Russland


63

Mittwoch, 5. Januar · Abend

• Welche Sätze, welches uneinholbare Wort habe ich bedauert?

• Auch wenn einmal Gesagtes nicht wieder einzufangen ist –

wie könnte ich doch echtes Bedauern darüber zeigen?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Es führt drei König’ Gottes Hand

mit einem Stern aus Morgenland

zum Christkind durch Jerusalem

zur Davidsstadt, nach Betlehem.

Gott, führ auch uns zu diesem Kind,

mach, dass wir seine Diener sind!

Sie kehrten bei Herodes ein,

am Himmel schwand des Sternes Schein;

doch wie zum Kind sie eilig gehen,

den Stern sie auch von Neuem sehn.

Gott, lass das Licht der Gnad uns schaun,

auf deine Führung fest vertraun!

Und überm Haus, wo’s Kindlein war,

stand still der Stern so wunderbar;

da knien sie und weihn dem Kind

Gold, Weihrauch, Myrrh’ zum Angebind.

Auch wir dir weihn Gut, Leib und Seel,

Herr, mach’s zum Opfer ohne Fehl!

Neues Stundenbuch

Canticum vgl. 1 Tim 3, 16

Lobet den Herrn, alle Völker.

Er wurde offenbart im Fleisch, *

gerechtfertigt durch den Geist.


Abend · Mittwoch, 5. Januar 64

Lobet den Herrn, alle Völker.

Geschaut von den Engeln, *

verkündet unter den Heiden.

Lobet den Herrn, alle Völker.

Geglaubt in der Welt, *

aufgenommen in die Herrlichkeit.

Lobet den Herrn, alle Völker.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung 2 Tim 1, 9–10

Gott hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen,

nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem

Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in

Christus Jesus geschenkt wurde; jetzt aber wurde sie durch das

Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart. Er hat dem

Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen

Lebens gebracht durch das Evangelium.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Die Weisen sahen den Stern und sprachen zueinander: Das ist

das Zeichen des großen Königs. Kommt, lasst uns hingehen,

ihm zu huldigen.

Fürbitten

Gott, du hast die Weisen aus dem Morgenland durch einen

Stern zur Krippe geführt. Wir bitten dich:

V: Gott, unser Vater, A: steh uns bei.

Wir beten für alle, die heute auf der Suche nach Leben sind,

– lass sie dich finden.

Wir beten für alle, denen in Kirche, Staat und Gesellschaft Verantwortung

für ihre Mitmenschen anvertraut ist,


65

Mittwoch, 5. Januar · Abend

– dass sie sich von deinem Geist leiten lassen.

Wir beten für alle, die den Glauben bezeugen in Wort und Tat,

– dass sie gute Resonanz finden und Mut schöpfen für ihr Engagement.

Wir beten für alle, die neue Wege der Verkündigung wagen,

– dass sie sich durch anfängliche Schwierigkeiten nicht entmutigen

lassen.

Vaterunser

Oration

Allherrschender Gott, durch den Stern, dem die Weisen gefolgt

sind, hast du am heutigen Tag den Heidenvölkern deinen Sohn

geoffenbart. Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.

Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner

Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gott lasse uns wachsen in der Gnade und Erkenntnis

unseres Herrn Jesus Christus, der uns erlöst hat.

Ihm sei Ehre jetzt und in Ewigkeit.

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Erscheinung des

Herrn

Donnerstag, 6. Januar 2022

D

ie Antiphon zum Benedictus des Festtages weist auf die vielfältige

Bedeutung des Festes Epiphanie, Erscheinung des Herrn,

hin: „Heute ward dem himmlischen Bräutigam die Kirche vermählt,

da Christus sie im Jordan rein von Sünden wusch; Weise

eilen mit Geschenken zur königlichen Hochzeit; Wasser wird in

Wein gewandelt und erfreut die Hochzeitsgäste.“ Die Kirche feiert

das Offenbarwerden des Retters Christus Jesus in der Anbetung

der Magier, der Taufe Jesu und dem Wunder zu Kana. Die genaue

Herkunft der Magier, die den König der Juden suchen, ist für den

Evangelisten Matthäus weniger wichtig, als dass sie die Welt der

Heiden repräsentieren (vgl. Mt 2, 2).

Seit dem Mittelalter treten in der Volksfrömmigkeit die „Heiligen

Drei Könige“ in den Mittelpunkt, besonders seit der Überführung


67

Donnerstag, 6. Januar · Morgen

ihrer Gebeine 1164 nach Köln. Biblisch ist von Magiern, nicht aber

von Königen die Rede, wobei man auf die Zahl Drei schloss, weil

von drei Geschenken die Rede ist: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Diese Gaben beziehen sich wohl auf alttestamentliche Stellen wie

Ps 72, 10–15, Jes 60, 6 oder Hld 3, 6 und sollen zugleich die Würde

des Messias verdeutlichen: Gold steht für den König, Weihrauch

für den Hohenpriester und Myrrhe (eine Heilpflanze) für den Arzt

Jesus. Heiliggesprochen wurden die drei Könige nie, und viele Geschichten

um ihre Herkunft, Zahl und Namen sind dem Bereich

der Legenden zuzuordnen.

Mancherorts ist es üblich, am Epiphanietag nach dem Evangelium

den Termin des Osterfestes zu verkünden. Aus dem vielfältigen

Brauchtum ist besonders die Segnung der Häuser bekannt: C + M +

B – „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne das Haus) –,

im Volksmund als Namen der Könige gedeutet: Caspar, Melchior

und Balthasar. Junge Menschen ziehen an diesem Tag als Sternsingerinnen

und Sternsinger von Haus zu Haus, zeichnen den Segen

auf die Türen und sammeln für die Aufgaben der Weltmission.

Namenstag: hl. Julian und hl. Basilissa (Eheleute in Ägypten, widmeten

sich der Krankenpflege, † um 304) · sel. Wiltrud von Bergen

(Äbtissin, † um 990) · Gertrud von Traunkirchen (Äbtissin, 11. Jh.) ·

sel. Erminold von Hirsau (erster Abt von Prüfening, † 1121) · Pia von

Huysburg (Klausnerin, Nonne, 12. Jh.)

Heute Abend beginnt für die altkalendarischen Orthodoxen Kirchen

Weihnachten.

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ihr Völker alle, huldigt dem Herrn!

Preist ihn, alle Nationen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Morgen · Donnerstag, 6. Januar 68

Hymnus

Ihr alle, die ihr Christus sucht,

erhebt zum Himmel euren Blick,

da geht vor euren Augen auf

das Zeichen ew’ger Herrlichkeit:

Ein Stern, der selbst den Sonnenball

an Glanz und Feuer überstrahlt,

verkündet heute aller Welt,

dass Gott im Fleisch erschienen ist.

Und Weise, fern im Orient,

erkennen deutend diesen Stern

als Zeichen, dass ein Königskind

der Welt zum Heil geboren ist.

„Wer ist es“, fragen sie bestürzt,

„dem Licht und Sterne dienstbar sind,

dem sich der Himmel unterwirft,

der über die Gestirne herrscht?

Ein großes Leuchten schauen wir,

erhaben, weit und grenzenlos,

ein Leuchten, das kein Ende kennt,

das älter als der Himmel ist.“

Er ist es, aller Völker Herr,

der König über Judas Haus,

der Abraham verheißen ward

und allen, die ihm Söhne sind.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,

der du uns heut erschienen bist,

dem Vater und dem Geist zugleich

durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

Nach: Quicumque Christum quaeritis; Prudentius, † nach 405

Melodie: GL 147 · GL 1975 516 · KG 199 · EG 155


69

Donnerstag, 6. Januar · Morgen

Canticum Jes 12, 1b–6

Antiphon:

Herrliche Taten hat Gott vollbracht; die ganze Erde soll es wissen.

Ich danke dir, Herr. /

Du hast mir gezürnt, doch dein Zorn hat sich gewendet, *

und du hast mich getröstet.

Ja, Gott ist meine Rettung; *

ihm will ich vertrauen und niemals verzagen.

Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr. *

Er ist für mich zum Retter geworden.

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude *

aus den Quellen des Heils.

An jenem Tag werdet ihr sagen: *

Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!

Macht seine Taten unter den Völkern bekannt, *

verkündet: Sein Name ist groß und erhaben!

Preist den Herrn; denn herrliche Taten hat er vollbracht; *

auf der ganzen Erde soll man es wissen.

Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion, *

denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung Jes 52, 7–10

Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,

der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft

bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König!

Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle

zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach

Zion zurückkehrt. Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr

Trümmer Israels! Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.

Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen

aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.


Morgen · Donnerstag, 6. Januar 70

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Heute wurde die Kirche dem himmlischen Bräutigam vermählt:

Im Jordan wusch Christus sie rein von ihren Sünden. Die Weisen

eilen mit Geschenken zur königlichen Hochzeit. Wasser

wird in Wein gewandelt und erfreut die Gäste. Halleluja.

Bitten

Der Kaufmann und Altertumsforscher Heinrich Schliemann,

der heute vor 200 Jahren geboren wurde, hat durch seine Wiederentdeckung

antiker Stätten der Archäologie zu ungeahnter

Popularität verholfen. Auch heute spielt sie eine bedeutende

Rolle für ein vertieftes Verständnis unserer Kultur und insbesondere

der Bibel. Bitten wir darum den Herrn der Geschichte:

A: Öffne unsere Augen.

– Für die Wunder vergangener Zeiten.

– Für die Anwesenheit der Vergangenheit überall dort, wo wir

stehen.

– Für die wissenschaftlichen Leistungen aller, die in der Archäologie

tätig sind, besonders auch für den Beitrag der Hilfskräfte.

Vaterunser

Oration

Allherrschender Gott, durch den Stern, dem die Weisen gefolgt

sind, hast du am heutigen Tag den Heidenvölkern deinen Sohn

geoffenbart. Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.

Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner

Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gott, der die Sterne geschaffen

und die Weisen zu Jesus geführt hat,


71

Donnerstag, 6. Januar · Eucharistie

öffne uns die Augen für seine Zeichen

und leite uns sicher auf seinen Wegen.

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 240, 241, 259, 261, 262, 357 · KG 192, 194,

315,4, 333, 335, 345, 353, 522

Seht, gekommen ist der Herrscher, der Herr.

In seiner Hand ist die Macht und das Reich.

Vgl. Mal 3, 1; 1 Chr 19, 12

Gloria

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Jesaja Jes 60, 1–6

Steh auf, werde licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht

und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir.

Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,

doch über dir geht strahlend der HERR auf, seine Herrlichkeit

erscheint über dir. Nationen wandern zu deinem Licht und

Könige zu deinem strahlenden Glanz.

Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln

sich, kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine

Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen. Da wirst du

schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten.

Denn die Fülle des Meeres wendet sich dir zu, der Reichtum

der Nationen kommt zu dir. Eine Menge von Kamelen bedeckt

dich, Hengste aus Midian und Efa. Aus Saba kommen sie alle,

Gold und Weihrauch bringen sie und verkünden die Ruhmestaten

des HERRN.


Eucharistie · Donnerstag, 6. Januar 72

Impuls zur Lesung

„Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben

und sich weiten.“ Engherzig oder großherzig leben, das ist

immer die Frage. Schauen und Strahlen, willkommen, wunderbar.

Ein Herz, das lebendig ist, das erbebt, das wünschen

wir uns. Sogar jenseits von Rosamunde-Pilcher-Romantik. Einerseits.

Andererseits, es macht uns auch Angst. Können wir

da noch alles kontrollieren? Haben wir alles, oder wenigstens

uns selbst, noch im Griff? Wohin führt das, das Schauen und

Strahlen, das Erbeben des Herzens? Etwa zur Weitung eines

ängstlichen Herzens? Für ein verengtes und verängstigtes

Herz: eine Wohltat. Und doch, Herzklopfen begleitet unseren

Weg. Zu Beginn des neuen Jahres, in diesem Januar.

Antwortpsalm Ps 72, 1–2.7–8.10–13

Kehrvers:

Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker.

Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, *

dem Königssohn gib dein gerechtes Walten.

Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit *

und deine Elenden durch rechtes Urteil. – Kehrvers

In seinen Tagen sprosse der Gerechte *

und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist.

Er herrsche von Meer zu Meer, *

vom Strom bis an die Enden der Erde. – Kehrvers

Die Könige von Tarschisch und von den Inseln

bringen Gaben, *

mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba.

Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, *

es dienen ihm alle Völker. – Kehrvers

Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, *

den Elenden und den, der keinen Helfer hat.


73

Donnerstag, 6. Januar · Eucharistie

Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, *

er rette das Leben der Armen. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 11, ferner GL 260 · GL 1975 153, 1 · KG 365 (VI. Ton)

Lesung aus dem Epheserbrief Eph 3, 2–3a.5–6

Schwestern und Brüder! Ihr habt gehört, welches Amt die

Gnade Gottes mir für euch verliehen hat. Durch eine Offenbarung

wurde mir das Geheimnis kundgetan. Den Menschen

früherer Generationen wurde es nicht kundgetan, jetzt aber

ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist

offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu

demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung

in Christus Jesus durch das Evangelium.

Ruf vor dem Evangelium vgl. Mt 2, 2

Halleluja. Halleluja.

Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, dem

Herrn zu huldigen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus Mt 2, 1–12

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa

geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem

Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König

der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind

gekommen, um ihm zu huldigen.

Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz

Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des

Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo

der Christus geboren werden solle.

Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es

geschrieben bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von

Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden


Eucharistie · Donnerstag, 6. Januar 74

Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der

Hirt meines Volkes Israel.

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und

ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen

war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und

forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden

habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige!

Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den

Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog

vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er

stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer

Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und

Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.

Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold,

Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes

zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr

Land.

Credo

Gabengebet

Allmächtiger Gott, nimm die Gaben deiner Kirche an. Sie bringt

nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe dar, sondern er, den

diese Gaben bezeichnen, wird für uns geopfert und uns zur

Speise gegeben, unser Herr Jesus Christus, der mit dir lebt und

herrscht in alle Ewigkeit.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater,

allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn

heute enthüllst du das Geheimnis unseres Heiles, heute offenbarst

du das Licht der Völker, deinen Sohn Jesus Christus. Er ist

als sterblicher Mensch auf Erden erschienen und hat uns neu

geschaffen im Glanz seines göttlichen Lebens. Darum singen


75

Donnerstag, 6. Januar · Abend

wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten

und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Hochgesang

von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Kommunionvers vgl. Mt 2, 2

Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen,

dem Herrn mit Geschenken zu huldigen.

Schlussgebet

Wir danken dir, allmächtiger Gott, für die heiligen Gaben und

bitten dich: Erhelle unsere Wege mit dem Licht deiner Gnade,

damit wir in Glauben und Liebe erfassen, was du uns im

Geheimnis der Eucharistie geschenkt hast. Darum bitten wir

durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Gott, unser Vater, hat uns aus der Finsternis in sein wunderbares

Licht gerufen; er segne euch und stärke euch im Glauben, in

der Hoffnung und in der Liebe.

Und Christus, der heute der Welt erschienen ist als Licht in

der Finsternis, leuchte auf in euren Herzen und mache euer

Leben zum Licht für eure Brüder.

Die Weisen sind dem Stern gefolgt und haben Christus gefunden;

Gott führe auch euch auf dem Weg der irdischen Pilgerschaft

zur Anschauung seiner Herrlichkeit.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Donnerstag, 6. Januar 76

Innehalten am Abend

Wir bitten dich, segne nun dieses Haus, / und alle die gehen

da ein und aus. / Verleihe ihnen zu dieser Zeit: / Frohsinn,

Friede und Einigkeit.

Aus einem Dreikönigslied

• Für wen erbitte ich besonders Gottes Segen?

• Zu wem kann i c h gehen?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Die Weisen schauen auf zum Stern

und folgen gläubig seiner Spur,

sie finden durch das Licht zum Licht,

mit Gaben ehren sie das Kind.

Erkenne in den Gaben, Kind,

die Königszeichen deiner Macht

und was des Vaters ew’ge Huld

dir dreifach hat vorherbestimmt:

Den König kündet an das Gold,

dem Gott steigt auf des Weihrauchs Duft,

doch weist voraus auf Tod und Grab

der Myrrhenkörner Bitterkeit.

Der Vorzeit Väter schauten dich,

dich kündet der Propheten Mund;

doch heut bezeugt der Vater selbst:

Du bist der Erbe meines Reichs.

In dir, o Kind, wird alles eins,

du bist das A und O der Zeit,

du bist das Haupt der neuen Welt,

in der die Schöpfung sich erfüllt.


77

Donnerstag, 6. Januar · Abend

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,

der du uns heut erschienen bist,

dem Vater und dem Geist zugleich

durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

Nach: Magi videntes parvulum; Prudentius, † nach 405

Melodie: GL 485 · GL 1975 643 · KG 512 · EG 72

Psalm 72 Verse 12–19

Der Herr rettet den Gebeugten, der um Hilfe schreit, *

den Armen und den, der keinen Helfer hat.

Er erbarmt sich des Gebeugten und Schwachen, *

er rettet das Leben der Armen.

Von Unterdrückung und Gewalttat befreit er sie, *

ihr Blut ist in seinen Augen kostbar.

Er lebe, und Gold von Saba soll man ihm geben! /

Man soll für ihn allezeit beten, *

stets für ihn Segen erflehen.

Im Land gebe es Korn in Fülle. *

Es rausche auf dem Gipfel der Berge.

Seine Frucht wird sein wie die Bäume des Libanon. *

Menschen blühn in der Stadt wie das Gras der Erde.

Sein Name soll ewig bestehen; *

solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name.

Glücklich preisen sollen ihn alle Völker *

und in ihm sich segnen.

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! *

Er allein tut Wunder.

Gepriesen sei sein herrlicher Name in Ewigkeit! *

Seine Herrlichkeit erfülle die ganze Erde.

Amen, ja amen.

Ehre sei dem Vater ...


Abend · Donnerstag, 6. Januar 78

Herrscher des Alls, wir bekennen das Kind in der Krippe als

unseren König und Herrn. Gib uns Anteil an seiner Gerechtigkeit

und Güte, und hilf uns eintreten für die Gebeugten und

Schwachen.

Lesung Tit 3, 4–5

Als die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters,

erschien, hat er uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht

hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund

seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und

der Erneuerung im Heiligen Geist.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern die

Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein

bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns

zum Heil. Halleluja.

Fürbitten

Jesus, Immanuel, in dir kommt Gott uns nah. Wir bitten dich:

A: Offenbare dich in unserer Zeit.

– Damit die Suchenden dich finden.

– Damit die Zweifelnden Stärkung erfahren.

– Damit die Leidenden Hoffnung schöpfen.

– Damit die Zerstrittenen Frieden schließen.

– Damit die Verstorbenen nicht vergessen werden.

Vaterunser


79

Donnerstag, 6. Januar · Abend

Oration

Allherrschender Gott, durch den Stern, dem die Weisen gefolgt

sind, hast du am heutigen Tag den Heidenvölkern deinen Sohn

geoffenbart. Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.

Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner

Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Friede Gottes,

der alles Denken übersteigt,

bewahre unsere Herzen

in Christus Jesus, unserem Herrn.

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Freitag, 7. Januar 2022

Heiliger Valentin

Heiliger Raimund von Peñafort

Herz-Jesu-Freitag

Valentin, der Patron des Bistums Passau, lebte im fünften Jahrhundert.

Er missionierte die Gegend um Passau und war einer

der ersten Bischöfe von Passau. Allerdings hatte er wenig Erfolg. So

musste er schließlich Passau verlassen und wirkte dann als Wanderbischof

in Rätien und Südtirol. Seine Gebeine kamen zuerst nach

Meran, später nach Trient und wurden schließlich von Herzog Tassilo

III. nach Passau übertragen.

Schrifttexte: Lesung: Jes 52, 7–10; Evangelium: Mt 28, 16–20

Raimund (um 1175–1275) war einer der bedeutendsten Rechtsgelehrten

des Mittelalters. Er trat 1222 in den Dominikanerorden

ein. Im gleichen Jahr verfasste er die Statuten des neu gegründeten

Mercedarierordens, der sich die Befreiung christlicher

Sklaven aus muslimischer Gefangenschaft zur Hauptaufgabe machte.

1230 rief ihn Papst Gregor IX. als Rechtsberater und Pönitenziar

nach Rom. In dieser Zeit verfasste Raimund eine Sammlung päpstlicher

Rechtsentscheidungen und eine Sammlung von Richtlinien

für Beichtväter, die das Bußwesen des Hochmittelalters maßgeblich

beeinflusste. 1238–1240 war er dritter Ordensgeneral des Dominikanerordens

und überarbeitete die Statuten des Ordens. Er wurde

1601 von Papst Clemens VIII. heiliggesprochen.

Schrifttexte: Lesung: 2 Kor 5, 14–20; Evangelium: Lk 12, 35–40

Namenstag: Sigrid (Hirtin bei Poitiers, 5. Jh.) · sel. Widukind (Sachsenfürst,

Gegner Karls des Großen, † um 795) · hl. Reinhold von Köln

(Mönch in St. Pantaleon, Aufseher der Steinmetze, 10. Jh.)


81

Freitag, 7. Januar · Morgen

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Seht, am Himmel erglänzt

leuchtend ein neuer Stern,

kündet: Christus, der Herr,

wurde als Mensch geborn,

der Geringes geformt,

der auch das Größte schuf,

dessen Zepter mit Macht

ewig das Reich regiert.

Weise folgen dem Stern,

finden das kleine Kind,

Judas heiligen Spross,

arm und gering im Stall.

Weihrauch, Myrrhe und Gold

bringen sie kniend dar:

Sie verehren in ihm

König und Mensch und Gott.

Lasst uns jubelnd im Lied

heute das Fest begehn,

da der gütige Herr

gnädig im Fleisch erschien.

Jetzt ist Gott unter uns:

Christus, das Licht vom Licht,

ew’ger Vater des Alls,

Richter und Herr der Welt.

Christus Ehre und Preis,

den uns die Magd gebar,

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Morgen · Freitag, 7. Januar 82

den der Stern offenbart,

strahlend in großem Licht;

auch dem Vater sei Lob,

der ihn als Sohn bezeugt,

Preis und Ehre dem Geist,

jetzt und für alle Zeit. Amen.

Nach: En caeli rutilant lumine splendida; Hrabanus Maurus, † 856

Psalm 147 Verse 12–20

Jerusalem, preise den Herrn, *

lobsinge, Zion, deinem Gott!

Denn er hat die Riegel deiner Tore fest gemacht, *

die Kinder in deiner Mitte gesegnet;

er verschafft deinen Grenzen Frieden *

und sättigt dich mit bestem Weizen.

Er sendet sein Wort zur Erde, *

rasch eilt sein Befehl dahin.

Er spendet Schnee wie Wolle, *

streut den Reif aus wie Asche.

Eis wirft er herab in Brocken, *

vor seiner Kälte erstarren die Wasser.

Er sendet sein Wort aus, und sie schmelzen, *

er lässt den Wind wehen, dann rieseln die Wasser.

Er verkündet Jakob sein Wort, *

Israel seine Gesetze und Rechte.

An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *

keinem sonst seine Rechte verkündet.

Ehre sei dem Vater ...

Unendlich liebender Gott, segne die Kinder in unserer Mitte.

Bring das Eis in uns zum Schmelzen und gib, dass wir ihnen

ähnlich werden.


83

Freitag, 7. Januar · Morgen

Lesung Jes 9, 5

Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die

Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn Wunderbarer

Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des

Friedens.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Die Weisen aus dem Morgenland kamen nach Betlehem, um

dem Herrn zu huldigen. Halleluja. Sie taten ihre Schätze auf

und brachten ihm ihre Gaben dar: Gold dem König, Weihrauch

dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis. Halleluja.

Bitten

Gott, du selbst bist unser Reichtum. Wir bitten dich:

A: Schenke uns deine Fülle und segne uns.

– Mit deiner unverbrüchlichen Treue.

– Mit deiner Leben schaffenden Gerechtigkeit.

– Mit deiner unverhofften Gegenwart.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn neu

geschaffen zum Lob deiner Herrlichkeit. Mache uns durch die

Gnade deinem Sohn gleichförmig, in dem unsere menschliche

Natur mit deinem göttlichen Wesen vereint ist, der in der Einheit

des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.


Eucharistie · Freitag, 7. Januar 84

Texte zur Eucharistiefeier

Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau,

damit wir das Recht der Sohnschaft erlangten.

Vgl. Gal 4, 4–5

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem ersten Johannesbrief 1 Joh 3, 22 – 4, 6

Liebe Schwestern und Brüder! Alles, was wir erbitten, empfangen

wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun,

was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen

seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben,

wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt

in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen

wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Liebe Brüder, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister,

ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in

die Welt hinausgezogen. Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder

Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen,

ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht

aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, über den ihr gehört

habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt.

Ihr aber, meine Kinder, seid aus Gott und habt sie besiegt;

denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt

ist. Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt

spricht, und die Welt hört auf sie. Wir aber sind aus Gott. Wer

Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf

uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist

des Irrtums.

Antwortpsalm Ps 2, 7–8.10–11

Kehrvers:

Ich gebe dir die Völker zum Erbe.


85

Freitag, 7. Januar · Eucharistie

Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. /

Er sprach zu mir: „Mein Sohn bist du. *

Heute habe ich dich gezeugt.

Fordere von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, *

die Enden der Erde zum Eigentum.“ – Kehrvers

Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, *

lasst euch warnen, ihr Gebieter der Erde!

Dient dem Herrn in Furcht, *

und küsst ihm mit Beben die Füße. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 8a, ferner GL 32, 1 (I. Ton) oder GL 1975 149, 5 (VI. Ton)

oder KG 359 (VII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Mt 4, 23b

Jesus verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk

alle Krankheiten und Leiden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus

Mt 4, 12–17.23–25

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis

geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ

Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im

Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen,

was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land

Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet

jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im

Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich

des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.

Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das

Himmelreich ist nahe.

Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete

das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle

Krankheiten und Leiden. Und sein Ruf verbreitete sich in ganz


Abend · Freitag, 7. Januar 86

Syrien. Man brachte Kranke mit den verschiedensten Gebrechen

und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte,

und er heilte sie alle. Scharen von Menschen aus Galiläa,

der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet

jenseits des Jordan folgten ihm.

Impuls zum Evangelium

Der Täufer hatte das nahe Feuergericht Gottes verkündet, doch

seine aufrüttelnde Rede von der Axt, die schon an die Wurzel

der Bäume gelegt ist, und vom bereits anlaufenden Reinigen

der Tenne zielt auf Bekehrung, denn selbst jetzt bietet Gott dem

in Schuld verstrickten Volk die Vergebung der Sünden und den

Neuanfang an, deren leibliches Zeichen die Wassertaufe ist. Als

der Täufer von Herodes Antipas mundtot gemacht und schließlich

ganz zum Schweigen gebracht wird, macht sich ein anderer

auf den Weg; ein anderer ergreift, verwandt und doch ganz

anders, das Wort. Jesus von Nazaret hat eine alles wendende

Erfahrung gemacht – das angekündigte Reich Gottes steht nicht

nur aus, es steht nicht bloß vor der Tür: es steht in unsere Zeit

herein. Die Türen haben sich geöffnet, und Gottes Königsherrschaft

tritt ein, sie stellt sich ein in den Heilkräften Jesu, in seiner

göttlichen Wunder-Macht über die ganze Palette menschlicher

Beschädigungen, Besessenheiten, Krankheiten und Leiden.

Gottes Heil ist da, im Heiler, im Heiland Jesus von Nazaret lässt

sich das Heil berühren, hat es die Welt für immer berührt.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


87

Freitag, 7. Januar · Abend

Innehalten am Abend

Sich selber erforschen, um sich selbst zu erkennen, ist das erste

Studium.

Johann Michael Sailer (deutscher katholischer Theologe,

Bischof von Regensburg, verfasste zahlreiche theologische,

philosophische und pädagogische Schriften, 1751–1832)

• Wie bereit bin ich, die Motive meines Handelns oder Unterlassens

zu hinterfragen?

• Mit wem kann ich das vertraute Gespräch suchen?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Ich steh an deiner Krippe hier,

o Jesu, du mein Leben.

Ich komme, bring und schenke dir,

was du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn.

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

und lass dir’s wohl gefallen.

Da ich noch nicht geboren war,

da bist du mir geboren

und hast mich dir zu eigen gar,

eh ich dich kannt, erkoren.

Eh ich durch deine Hand gemacht,

da hast du schon bei dir bedacht,

wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht,

du warest meine Sonne,

die Sonne, die mir zugebracht

Licht, Leben, Freud und Wonne.

O Sonne, die das werte Licht


Abend · Freitag, 7. Januar 88

des Glaubens in mir zugericht,

wie schön sind deine Strahlen.

Ich sehe dich mit Freuden an

und kann mich nicht satt sehen;

und weil ich nun nichts weiter kann,

bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär

und meine Seel ein weites Meer,

dass ich dich möchte fassen!

Paul Gerhardt 1653

GL 256 · GL 1975 141 · KG 333 · EG 37

Canticum Offb 15, 3b–4

Antiphon:

Deine Wege sind gerecht und wahr, du König aller Zeiten.

Groß und wunderbar sind deine Taten, *

Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung.

Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, *

du König der Völker.

Wer wird dich nicht fürchten, Herr, *

wer wird deinen Namen nicht preisen?

Denn du allein bist heilig: /

Alle Völker kommen und beten dich an; *

denn offenbar geworden sind deine gerechten Taten.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung 2 Petr 1, 3–4

Alles, was für unser Leben und unsere Frömmigkeit gut ist,

hat Gottes Macht uns geschenkt; sie hat uns den erkennen

lassen, der uns durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat.

Durch sie wurden uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen

geschenkt, damit ihr der verderblichen Begierde, die


89

Freitag, 7. Januar · Abend

in der Welt herrscht, entflieht und an der göttlichen Natur Anteil

erhaltet.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Mit großer Freude schauten die Weisen den Stern. Sie traten

in das Haus und taten ihre Schätze auf: Gold, Weihrauch und

Myrrhe. Halleluja.

Fürbitten

Lasst uns beten für alle, die am Existenzminimum leben:

V: Barmherziger Vater, A: wir bitten dich, erhöre uns.

– Für die alleinerziehenden Eltern.

– Für die Selbstständigen, die keine Aufträge bekommen.

– Für alle, deren Rente nicht zum Leben reicht.

– Für alle, die zahlungsunfähig sind.

– Für alle, die heute verarmt und ohne Angehörige sterben.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn neu

geschaffen zum Lob deiner Herrlichkeit. Mache uns durch die

Gnade deinem Sohn gleichförmig, in dem unsere menschliche

Natur mit deinem göttlichen Wesen vereint ist, der in der Einheit

des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Samstag, 8. Januar 2022

Heiliger Severin

Severin (um 410–482) war ein Mann des Ausgleichs und der

praktischen Nächstenliebe. Er lebte arm und anspruchslos und

kam zur Zeit der Völkerwanderung als Laienmönch in die römische

Provinz Noricum (Gebiet zwischen Passau und Wien). Dort bemühte

er sich um Vermittlung zwischen der ansässigen römischen

Bevölkerung und den aus dem Norden und Osten andrängenden

Germanen. Tatkräftig half er den unter den Kriegswirren leidenden

Menschen und bemühte sich um die Integration der Germanen.

Die Klöster, die er gründete (z. B. in Passau, Lorch an der Enns und

Mautern), sollten Menschen und Land neuen Halt geben.

Schrifttexte: Lesung: Jak 2, 14–17; Evangelium: Mt 25, 31–46

(oder 25, 31–40)

Namenstag: hl. Gudula von Brüssel († 712) · hl. Erhard von Regensburg

(Bischof, 8. Jh.) · Heinrich von Arnsberg (Prämonstratenser, Klostergründer,

† 1200)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

In dulci jubilo nun singet und seid froh:

Unsers Herzens Wonne liegt in praesepio

und leuchtet wie die Sonne matris in gremio.

Alpha es et O, Alpha es et O.

O Jesu parvule, nach dir ist mir so weh.

Tröst mir mein Gemüte, o puer optime,


91

Samstag, 8. Januar · Morgen

durch alle deine Güte, o princeps gloriae.

Trahe me post te, trahe me post te.

O Patris caritas, o nati lenitas!

Wir warn all verdorben per nostra crimina,

da hat er uns erworben caelorum gaudia.

Quanta gratia, quanta gratia.

Ubi sunt gaudia? Nirgends mehr denn da,

wo die Engel singen nova cantica

und die Zimbeln klingen in regis curia.

Eja qualia, eja qualia!

15. Jh./3. Str. Leipzig 1545

GL 253 · GL 1975 142 · EG 35 · KG 346

Psalm 92 Verse 2–6

Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, *

deinem Namen, du Höchster, zu singen,

am Morgen deine Huld zu verkünden *

und in den Nächten deine Treue

zur zehnsaitigen Laute, zur Harfe, *

zum Klang der Zither.

Denn du hast mich durch deine Taten froh gemacht; *

Herr, ich will jubeln über die Werke deiner Hände.

Wie groß sind deine Werke, o Herr, *

wie tief deine Gedanken!

Ehre sei dem Vater ...

Deine Güte, Gott Israels, erhält uns am Leben. Hilf uns erkennen,

was du an uns tust, und gib, dass wir diesen Tag froh beginnen.

Lesung Jes 4, 2–3

An jenem Tag wird der Spross des Herrn für alle Israeliten,

die entronnen sind, eine Zierde und Ehre sein; die Früchte


Morgen · Samstag, 8. Januar 92

des Landes sind ihr Stolz und Ruhm. Dann wird der Rest von

Zion, und wer in Jerusalem noch übrig ist, heilig genannt werden,

jeder, der in Jerusalem in das Verzeichnis derer, die am

Leben bleiben sollen, eingetragen ist.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Drei Geschenke brachten die Weisen dem Herrn, dem Sohne

Gottes, dem großen König: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Halleluja.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns neues Leben schenken will. Zu ihm

lasst uns rufen:

A: Überwinde unsere Grenzen.

– Dass wir dich nicht überhören, wenn du heute zu uns sprichst.

– Dass wir unsere Mitmenschen durch ein tröstendes Wort

oder einen tauglichen Rat ermutigen.

– Dass wir sehen, wo es gerade auf uns und unsere Fähigkeiten

ankommt.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, wir gehen durch eine Welt voll Zwielicht und

Schatten. Lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen und

führe uns durch das Dunkel dieses Lebens in deine unvergängliche

Klarheit. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.


93

Samstag, 8. Januar · Eucharistie

Texte zur Eucharistiefeier

Ein heiliger Tag strahlt über uns auf.

Kommt, betet an den Herrn,

denn ein großes Licht ist auf die Erde herabgekommen.

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem ersten Johannesbrief 1 Joh 4, 7–10

Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist

aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt

Gott.

Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.

Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass

Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir

durch ihn leben.

Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben,

sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere

Sünden gesandt hat.

Antwortpsalm

Ps 72, 1–4b.7–8

Kehrvers:

Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen.

Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, *

dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!

Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit *

und deine Armen durch rechtes Urteil. – Kehrvers

Dann tragen die Berge Frieden für das Volk *

und die Höhen Gerechtigkeit.

Er wird Recht verschaffen den Gebeugten im Volk, *

Hilfe bringen den Kindern der Armen. – Kehrvers


Eucharistie · Samstag, 8. Januar 94

Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen *

und großer Friede, bis der Mond nicht mehr da ist.

Er herrsche von Meer zu Meer, *

vom Strom bis an die Enden der Erde.

Kehrvers:

Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen.

Kehrvers siehe Vers 11, ferner GL 263 · GL 1975 152, 1 · KG 364

oder GL 260 · GL 1975 153, 1 · KG 365 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Jes 61, 1 (Lk 4, 18)

Halleluja. Halleluja.

Der Herr hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu

bringen und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 6, 34–44

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid

mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten

haben. Und er lehrte sie lange.

Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort

ist abgelegen, und es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in

die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu

essen kaufen können.

Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen

wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es

ihnen geben, damit sie zu essen haben? Er sagte zu ihnen: Wie

viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und

berichteten: Fünf Brote, und außerdem zwei Fische.

Dann befahl er ihnen, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in

Gruppen ins grüne Gras setzen. Und sie setzten sich in Gruppen

zu hundert und zu fünfzig.

Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte

zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und

gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch


95

Samstag, 8. Januar · Abend

die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. Und alle aßen und

wurden satt.

Als die Jünger die Reste der Brote und auch der Fische einsammelten,

wurden zwölf Körbe voll. Es waren fünftausend

Männer, die von den Broten gegessen hatten.

Impuls zum Evangelium

Gott ist der Geber des Lebens. Brot ist lebenswichtig. Brot ist

Leben. Wir leben aus Gottes Hand. Anders gesagt: Wir leben

von Gottes Brot. Von der Hand in den Mund, leben wir von

Gott. Das sind Gedanken, die Menschen von heute nicht gerade

naheliegen. Sorgen wir etwa nicht selbst für uns? Sind wir

nicht einigermaßen wohlhabend, leistungsfähig, erfolgreich –

oder doch wenigstens sozialversichert? Wir Menschen können

unser Leben letztlich nicht sichern, aber wir müssen es auch

nicht. Wir sind eingeladen an den Tisch des Herrn.

Hymnus

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Des Vaters eingebor’ner Sohn

kommt aus der Jungfrau in die Welt,

im Bad der Taufe heiligt er,

die sich ihm gläubig anvertraun.

Vom Himmel kommt der Höchste selbst,

erscheint in menschlicher Gestalt;

dem Tode liefert der sich aus,

der uns das ew’ge Leben schenkt.


Abend · Samstag, 8. Januar 96

Der alle Sünde auf sich nimmt,

ihn taucht Johannes in die Flut.

Der ohne allen Makel ist,

der Reinste, teilt der Sünder Los.

Des Vaters Stimme offenbart

im Knecht den vielgeliebten Sohn.

Der Geist bezeugt ihm Macht und Amt,

als Christus Gottes Werk zu tun.

Erlöser, Herr, wir bitten dich:

Vertreib das Dunkel, tilg die Schuld,

mach gnädig unsre Herzen hell

mit deiner Gottheit klarem Licht.

Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit,

der heute uns erschienen ist,

dem Vater, der den Sohn bezeugt

und ihn mit seinem Geiste salbt. Amen.

Nach: A Patre Unigenite; spätestens 10. Jahrhundert

Melodie: GL 485 · GL 1975 643 · KG 512 · EG 72

Psalm 51 Verse 3–21

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, *

tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!

Wasch meine Schuld von mir ab *

und mach mich rein von meiner Sünde!

Denn ich erkenne meine bösen Taten, *

meine Sünde steht mir immer vor Augen.

Gegen dich allein habe ich gesündigt, *

ich habe getan, was dir missfällt.

So behältst du recht mit deinem Urteil, *

rein stehst du da als Richter.

Denn ich bin in Schuld geboren; *

in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.


97

Samstag, 8. Januar · Abend

Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, *

im Geheimen lehrst du mich Weisheit.

Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; *

wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.

Sättige mich mit Entzücken und Freude! *

Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, *

tilge all meine Frevel!

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *

und gib mir einen neuen, beständigen Geist!

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht *

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!

Mach mich wieder froh mit deinem Heil; *

mit einem willigen Geist rüste mich aus!

Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, *

und die Sünder kehren um zu dir.

Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, *

dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.

Herr, öffne mir die Lippen, *

und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.

Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; *

an Brandopfern hast du kein Gefallen.

Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, *

ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz

wirst du, Gott, nicht verschmähen.

In deiner Huld tu Gutes an Zion; *

bau die Mauern Jerusalems wieder auf!

Dann hast du Freude an rechten Opfern, /

an Brandopfern und Ganzopfern, *

dann opfert man Stiere auf deinem Altar.

Ehre sei dem Vater ...


Abend · Samstag, 8. Januar 98

Ein reines Herz erschaffe uns, Gott, und schenke uns einen

neuen Geist. Richte uns auf, du unser Heil, und lass uns dein

Angesicht schauen.

Lesung Apg 10, 37–38

Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen

in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet

hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen

Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle

heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit

ihm.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Der uns im Wasser der Taufe von der alten Verderbnis reinigt,

uns neu schafft und mit Unvergänglichkeit bekleidet, er, unser

Heiland, kommt heute zum Jordan und erbittet von Johannes

die Taufe.

Fürbitten

Christus Jesus, du lässt alle Getauften teilhaben an deinem königlichen

Priestertum. Wir bitten dich:

A: Erfülle uns mit deiner Gnade.

Lass alle Glaubenden den Willen des Vaters erkennen

– und befähige sie, danach zu handeln.

Gib allen Gliedern der Kirche das Selbstbewusstsein, dass du

sie erwählt hast,

– und lass sie die Verantwortung wahrnehmen, die ihnen daraus

erwächst.

Lass in allen Glaubenden deine Liebe und Güte zur Herrschaft

gelangen

– und bringe durch sie dein Licht in der Welt zum Leuchten.


99

Samstag, 8. Januar · Abend

Hilf allen Getauften, ihren Tod im Vertrauen auf dich anzunehmen,

– und nimm unsere Verstorbenen in deine Herrlichkeit auf.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige

Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab, und du hast

ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart. Gib, dass auch wir,

die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren

sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus

der Fülle dieses Geistes leben. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Gnade und unvergängliches Leben sei mit allen,

die Jesus Christus, unseren Herrn, lieben.

Eph 6 ,24

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Von Woche zu Woche · Samstag, 8. Januar 100

Von Woche zu Woche

Beten öffnet – den Himmel

(zu Lk 3, 15–16.21–22)

Gebet und Taufe sind lebendige Einheit:

Lukas zeigt Jesus als Betenden.

Auch die Jüngerinnen und Jünger

hat Jesus das Beten gelehrt.

Von der Urgemeinde sagt Lukas,

dass sie festhält am Gebet.

Mit dem betenden Jesus zeigt er

die lebeneröffnende Nähe zum Vater.

Das Gebet im Jordan strahlt aus.

Das Evangelium lädt ein:

Beten macht empfänglich

– und öffnet den Himmel!

Dorothee Sandherr-Klemp


aufe des Herrn

Sonntag

9. Januar 2022

Die drei synoptischen Evangelien (Markus 1, 9–11; Matthäus

3, 13–17 und Lukas 3, 21–22) berichten am Beginn des öffentlichen

Wirkens Jesu von seiner Taufe am Jordan, der Evangelist Johannes

kommt nur indirekt darauf zu sprechen (vgl. 1, 29–34). Johannes

der Täufer hatte zur Umkehr aufgerufen und zur Bußtaufe.

Jesus reiht sich in die Schar der Sünder ein, macht sich mit ihnen

solidarisch, um von Johannes dem Täufer getauft zu werden. Als er

aus dem Wasser steigt, öffnet sich über ihm der Himmel, und der

Vater bezeugt ihn vor der Öffentlichkeit als seinen geliebten Sohn,

den er der Welt sendet. Hier wird deutlich, dass die Taufe Jesu zur

Epiphanie gehört, die wir am 6. Januar feiern. Der Geist Gottes

ruht bleibend auf Jesus, und in der Kraft dieses Geistes Gottes geht

Jesus seinen Weg zu den Menschen, lehrt sie, sich für Gottes Gerechtigkeit

zu öffnen.

Im Tagesgebet heißt es: „Gib, dass auch wir, die wir aus dem

Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, in deinem

Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes

leben.“ Auch uns hat Gott in der Taufe als seine geliebten Söhne

und Töchter angenommen und uns seinen Geist geschenkt. In der

Kraft dieses Geistes sollen wir unser Leben gestalten und uns als

Brüder und Schwestern Jesu erweisen in Wort und Tat.

Namenstag: hl. Hadrian von Canterbury (Abt, † 709) · Eberhard von

Schäftlarn (Prämonstratenser, † 1160) · sel. Alix le Clerc (Ordensgründerin,

† 1622)

Ökumenischer Gedenktag: Jan Laski (poln. Reformator, 1499–1560)


Morgen · Sonntag, 9. Januar 102

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Lobet den Herrn, ihr seine Frommen!

Herr, unser Gott wie groß bist du!

Vgl. Ps 104, 1

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Jordan, sing!

Schwing deine Wasser

über die Wüste hin.

Trunken bist du vom Glanz darin:

Jesus, der Christus, steht als Lamm in den Fluten.

Menschheit, auf!

Lauf ihm entgegen,

deine Geburt ist nah!

Sieh, der Geliebte, die Hochzeit ist da:

Trink seinen Wein, den neuen, glühenden, guten!

Herrliches All!

Fall vor ihm nieder,

bring dich als Gabe dar!

Christus verwandelt dich wunderbar.

Ewiges Leben wird dich im Tode durchbluten!

Zeitgenössisch (Urheberin: Silja Walter)

Psalm 93

Der Herr ist König, bekleidet mit Hoheit; *

der Herr hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet.


103

Sonntag, 9. Januar · Morgen

Der Erdkreis ist fest gegründet, *

nie wird er wanken.

Dein Thron steht fest von Anbeginn, *

du bist seit Ewigkeit.

Fluten erheben sich, Herr, /

Fluten erheben ihr Brausen, *

Fluten erheben ihr Tosen.

Gewaltiger als das Tosen vieler Wasser, /

gewaltiger als die Brandung des Meeres *

ist der Herr in der Höhe.

Deine Gesetze sind fest und verlässlich; /

Herr, deinem Haus gebührt Heiligkeit *

für alle Zeiten.

Ehre sei dem Vater ...

Gott, unser König, wahrhaft lebt nur, wer aus dir lebt. Gib uns

die Bereitschaft, in deine Hand zu legen, was wir sind und haben,

und lass es uns nach deinem Willen neu empfangen.

Lesung vgl. Jes 61, 1–2a

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat

mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen

eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen

ist, damit ich die Entlassung der Gefangenen verkünde

und die Befreiung der Gefesselten, damit ich ein Jahr der Gnade

des Herrn ausrufe.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Christus wird getauft, und die Welt wird geheiligt. Er schenkt

uns Nachlass der Sünden; wir werden gereinigt durch Wasser

und Geist.


Eucharistie · Sonntag, 9. Januar 104

Bitten

Gott, du hast in unserer Taufe den Grund dafür gelegt, dass wir

zu neuen Menschen werden. Wir bitten dich:

A: Stärke uns mit deiner Liebe.

– Dass deine Frohbotschaft uns tiefer durchdringt.

– Dass wir dir fester vertrauen.

– Dass wir über uns hinaus- und dir entgegenwachsen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige

Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab, und du hast ihn

als deinen geliebten Sohn geoffenbart. Gib, dass auch wir, die

aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, in

deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle

dieses Geistes leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Gott und Vater Jesu Christi

reinige uns durch sein Wort

und belebe uns durch seinen Geist.

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 357, 362, 481, 485, 489, 491 · KG 40,

194, 356, 534

Als Jesus getauft war, öffnete sich der Himmel,

und er sah den Geist Gottes wie eine Taube

auf sich herabkommen.

Und die Stimme des Vaters aus dem Himmel sprach:

Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.

Vgl. Mt 3, 16–17


105

Sonntag, 9. Januar · Eucharistie

Gloria

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes) – oder:

Allmächtiger Gott, dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,

ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen. Wie er uns

gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt, so werde unser

Inneres neu geschaffen nach seinem Bild. Darum bitten wir

durch ihn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt

und herrscht in alle Ewigkeit.

Lesung aus dem Buch Jesaja Jes 40, 1–5.9–11

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem

zu Herzen und ruft ihr zu, dass sie vollendet hat ihren Frondienst,

dass gesühnt ist ihre Schuld, dass sie empfangen hat aus

der Hand des HERRN Doppeltes für all ihre Sünden!

Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,

ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll

sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist,

soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart

sich die Herrlichkeit des HERRN, alles Fleisch wird sie

sehen. Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb

deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb

deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda:

Siehe, da ist euer Gott.

Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit

starkem Arm. Siehe, sein Lohn ist mit ihm und sein Ertrag geht

vor ihm her. Wie ein Hirt weidet er seine Herde, auf seinem

Arm sammelt er die Lämmer, an seiner Brust trägt er sie, die

Mutterschafe führt er behutsam.

Impuls zur Lesung

„Tröstet, tröstet mein Volk“ – wer wird hier angesprochen, zum

Trösten aufgefordert? Die Trostlosen trösten, das kann letztlich


Eucharistie · Sonntag, 9. Januar 106

nur Gott. Gott tröstet; er vertröstet nicht. Gott rettet, Gott hilft

auf, Gott heilt. Die schlimmen Erniedrigungen durch die Babylonier

haben ihre Spuren in den Menschenleben hinterlassen –

eigentlich kann nur Gott selbst Licht ins Dunkel bringen. „Tröstet,

tröstet mein Volk, spricht euer Gott.“ Gott spricht! Er ruft

Menschen auf, andere Menschen zu trösten. Mutlosen spricht

er Mut zu, damit sie Entmutigte ermutigen. Kann das gut gehen?

Sollte Gott ein so heikles Anliegen nicht lieber gleich zur

Chefsache erklären, anstatt es notorisch unzuverlässigen Menschen

anzuvertrauen? „Tröstet, tröstet mein Volk.“ Gottes Vertrauen

darauf, dass wir einander trösten, ist unser bester Trost.

Antwortpsalm Ps 104, 1–4.24–25.27–30

Kehrvers:

Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus

groß bist du!

Preise den HERRN, meine Seele! /

HERR, mein Gott, überaus groß bist du! *

Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, *

du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. – Kehrvers

Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /

Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, *

du fährst einher auf den Flügeln des Windes.

Du machst die Winde zu deinen Boten, *

zu deinen Dienern Feuer und Flamme. – Kehrvers

Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /

sie alle hast du mit Weisheit gemacht, *

die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

Da ist das Meer, so groß und weit, *

darin ein Gewimmel, nicht zu zählen:

kleine und große Tiere. – Kehrvers


107

Sonntag, 9. Januar · Eucharistie

Auf dich warten sie alle, *

dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.

Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, *

öffnest du deine Hand,

werden sie gesättigt mit Gutem. – Kehrvers

Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /

nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin *

und kehren zurück zum Staub.

Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen *

und du erneuerst das Angesicht der Erde. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 1ab, ferner GL 58, 1 (VIII. Ton)

oder GL 57, 1 · GL 1975 743, 1 · KG 625 (I. Ton)

Lesung aus dem Titusbrief Tit 2, 11–14; 3, 4–7

Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.

Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und

den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und

fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung

unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit

unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.

Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit

erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe, das

voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Als die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres

Retters, erschien, hat er uns gerettet – nicht aufgrund von Werken

der Gerechtigkeit, die wir vollbracht haben, sondern nach

seinem Erbarmen – durch das Bad der Wiedergeburt und die

Erneuerung im Heiligen Geist.

Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus

Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht

gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.


Eucharistie · Sonntag, 9. Januar 108

Ruf vor dem Evangelium vgl. Lk 3, 16

Halleluja. Halleluja.

Johannes sagte: Es kommt einer, der stärker ist als ich. Mit dem

Heiligen Geist und mit dem Feuer wird er euch taufen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 3, 15–16.21–22

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung und alle überlegten

im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus

sei.

Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch

mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich

bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er

wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk

auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der

Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube

auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du

bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Credo

Gabengebet

Gott, unser Vater, wir feiern den Tag, an dem du Jesus als deinen

geliebten Sohn geoffenbart hast. Nimm unsere Gaben an

und mache sie zum Opfer Christi, der die Sünden der ganzen

Welt abgewaschen hat. Er, der mit dir lebt und herrscht in alle

Ewigkeit.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater,

zu danken und deine Größe zu preisen. Denn bei der Taufe


109

Sonntag, 9. Januar · Eucharistie

im Jordan offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes durch

wunderbare Zeichen: Die Stimme vom Himmel verkündet ihn

als deinen geliebten Sohn, der auf Erden erschienen ist, als

dein ewiges Wort, das unter uns Menschen wohnt. Der Geist

schwebt über ihm in Gestalt einer Taube und bezeugt ihn als

deinen Knecht, den du gesalbt hast, den Armen die Botschaft

der Freude zu bringen. Darum singen wir mit den Engeln und

Erzengeln, den Thronen und Mächten und mit all den Scharen

des himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner göttlichen

Herrlichkeit.

Kommunionvers Joh 1, 30.34

Dieser ist es, über den Johannes gesagt hat: Ich habe es gesehen

und lege Zeugnis ab: Dieser ist der Sohn Gottes.

Schlussgebet

Gütiger Gott, du hast uns mit deinem Wort und dem Brot des

Lebens genährt. Gib, dass wir gläubig auf deinen Sohn hören,

damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind. Darum

bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare

euch die Wege seiner Weisheit.

Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch

die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein

Wille geschehe.

Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache

euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.

Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.


Auslegung · Sonntag, 9. Januar 110

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Origenes

]er Heilige Geist [stieg] auf den Heiland „in Gestalt einer

[D Taube“ herab, also eines sanften, unschuldigen und einfältigen

Vogels. Damit werden wir ermahnt, die Unschuld der

Tauben nachzuahmen (vgl. Mt 10, 16). Von der Art ist der Heilige

Geist: rein, beschwingt, zur Höhe emporstrebend.

Deswegen lautet unser Gebet: „Wer wird mir Flügel wie von

einer Taube geben, so dass ich fliege und Ruhe finde?“ (Ps 55, 7),

das heißt: Wer wird mir die Flügel des Heiligen Geistes geben?

Origenes (Leiter der Katechetenschule von Alexandria,

bedeutender Exeget und Theologe, Märtyrer, um 185–um 253),

aus: Fontes Christiani, Homilien zum Lukasevangelium II,

übers. und eingeleitet von Hermann-Josef Sieben, 287,

© 1992 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br.

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Fest soll mein Taufbund immer stehn,

zum Herrn will ich gehören.

Er ruft mich, seinen Weg zu gehn,

und will sein Wort mich lehren.

Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad

in seine Kirch berufen hat;

ihr will ich gläubig folgen!


111

Sonntag, 9. Januar · Abend

Dein Tod am Kreuz, Herr Jesu Christ,

ist für uns ewges Leben.

Vom Grab du auferstanden bist,

hast uns die Schuld vergeben.

Dein Volk, o Herr, dich lobt und preist;

denn aus dem Wasser und dem Geist

hast du uns neu geboren.

Text: Karl Günter Peusquens,

Rechteinhaber: Erzdiözese Köln – alle Rechte vorbehalten

GL 835 (Anhang Köln) · GL 1975 (Anhänge)

Canticum

vgl. Offb 19, 1b.2a.5b.6b–7

Antiphon:

Gerecht und heilig wollen wir leben in der seligen Hoffnung auf

die Wiederkunft des Herrn.

Halleluja.

Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht

ist bei unserm Gott. *

Seine Urteile sind wahr und gerecht. Halleluja.

Halleluja.

Preist unsern Gott, all seine Knechte *

und alle, die ihn fürchten, Große und Kleine! Halleluja.

Halleluja.

Denn König geworden ist der Herr, unser Gott, *

der Herrscher über die ganze Schöpfung. Halleluja.

Halleluja.

Wir wollen uns freuen und jubeln *

und ihm die Ehre erweisen. Halleluja.

Halleluja.

Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes, *

und seine Frau hat sich bereit gemacht. Halleluja.

Ehre sei dem Vater ...


Abend · Sonntag, 9. Januar 112

Lesung Jes 42, 1

Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter,

an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn

gelegt, er bringt den Völkern das Recht.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Christus hat uns geliebt und durch sein Blut von unseren Sünden

erlöst. Er machte uns zu Königen und zu Priestern für Gott,

seinen Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle

Ewigkeit. Amen.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, in dem die Güte des Vaters

unter uns erschienen ist:

A: Gib uns ein fühlendes Herz.

– Sende unserer Zeit Menschen, die uns deine Weisheit lehren.

– Hilf uns, die wir weithin dem Konsum leben, den Reichtum

echter Mitmenschlichkeit zu entdecken.

– Lass die Außenseiter unserer Industriegesellschaft Verständnis

und Wertschätzung finden.

– Lehre uns Bewohner der reichen Länder, mit unseren notleidenden

Geschwistern zu teilen.

– Öffne unsere Wahrnehmung für die Keime des neuen Lebens,

das du allen schenken willst.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,

ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen. Wie er uns

gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt, so werde un-


113

Sonntag, 9. Januar · Abend

ser Inneres neu geschaffen nach seinem Bild. Darum bitten wir

durch ihn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt

und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Gott Israels,

der uns in der Feuersäule

durch die Fluten des Meeres geführt hat,

beschütze uns in dieser Nacht

und lasse uns am Morgen sein Heil schauen.

Alma Redemptoris Mater (Seite 378)


Montag, 10. Januar 2022

Namenstag: hl. Paulus (Einsiedler in Oberägypten, † um 341) · hl.

Wilhelm von Donjeon (Zisterzienser, Bischof von Bourges, † 1209) ·

sel. Gregor X. (Papst, † 1276)

Ökumenischer Gedenktag: Theophan Goworow (russ.-orth. Bischof

und Theologe, 1815–1894)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Vertraut den neuen Wegen,

auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen,

weil Leben wandern heißt.

Seit leuchtend Gottes Bogen

am hohen Himmel stand,

sind Menschen ausgezogen

in das gelobte Land.

Vertraut den neuen Wegen

und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen

für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten

das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten,

wo er uns will und braucht.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


115

Montag, 10. Januar · Morgen

Vertraut den neuen Wegen,

auf die uns Gott gesandt!

Er selbst kommt uns entgegen.

Die Zukunft ist sein Land.

Wer aufbricht, der kann hoffen

in Zeit und Ewigkeit.

Die Tore stehen offen.

Das Land ist hell und weit.

Klaus Peter Hertzsch 1989

© Rechtenachfolge

EG 395, Melodie: GL 187 · GL 1975 480

Psalm 6 Verse 2–11

Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn *

und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Sei mir gnädig, Herr, ich sieche dahin; *

heile mich, Herr, denn meine Glieder zerfallen!

Meine Seele ist tief verstört. *

Du aber, Herr, wie lange säumst du noch?

Herr, wende dich mir zu und errette mich, *

in deiner Huld bring mir Hilfe!

Denn bei den Toten denkt niemand mehr an dich. *

Wer wird dich in der Unterwelt noch preisen?

Ich bin erschöpft vom Seufzen, /

jede Nacht benetzen Ströme von Tränen mein Bett, *

ich überschwemme mein Lager mit Tränen.

Mein Auge ist getrübt vor Kummer, *

ich bin gealtert wegen all meiner Gegner.

Weicht zurück von mir, all ihr Frevler; *

denn der Herr hat mein lautes Weinen gehört.

Gehört hat der Herr mein Flehen, *

der Herr nimmt mein Beten an.


Morgen · Montag, 10. Januar 116

In Schmach und Verstörung geraten all meine Feinde, *

sie müssen weichen und gehen plötzlich zugrunde.

Ehre sei dem Vater ...

Du, treuer Gott, achtest auf die Menschen, die in Not sind. Gib

uns ein waches Gespür für die Leidenden und hilf uns, sie zu

stützen und aufzurichten.

Lesung Eph 4, 23–24

Erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen

an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit

und Heiligkeit.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Gepriesen sei der Herr, unser Gott.

Bitten

Jesus, du hast die Deinen zu Menschenfischern berufen. Wir

bitten dich:

A: Christus, mach uns Mut.

– Dass wir dir mit ganzem Herzen nachfolgen.

– Dass wir auf dein Wort hin unsere Netze auswerfen.

– Dass wir uns durch deinen Geist zu lebendiger Gemeinschaft

verbinden lassen.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, komm unserem Beten und Arbeiten mit deiner

Gnade zuvor und begleite es, damit alles, was wir beginnen,

bei dir seinen Anfang nehme und durch dich vollendet

werde. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


117

Montag, 10. Januar · Eucharistie

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, unser Heil, in deiner wunderbaren Vorsehung hast du bestimmt,

dass das Reich Christi sich über die ganze Erde ausbreiten

soll. Du willst, dass alle Menschen von ihrer Schuld erlöst

und gerettet werden. Lass deine Kirche leuchten als Zeichen

des allumfassenden Heiles. Hilf ihr, das Geheimnis deiner Liebe

zu verkünden und es an den Menschen wirksam zu machen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Einführung zur Bahnlesung aus den Samuel-Büchern

Die Samuel-Bücher erzählen von einem großen Umbruch: von der Richterzeit,

deren letzter Vertreter Samuel ist, zum Königtum und seinen beiden ersten

Repräsentanten Saul und David. Von den wundersamen Umständen vor Samuels

Geburt bis zum Alter Davids spannen sich die Bücher aus. Sie bildeten

ursprünglich eine Einheit. Eine ungewöhnliche Frauengestalt steht am Anfang

der Samuel-Bücher: Hanna, 1 Sam 1–2, und am Ende: Rizpa, 2 Sam 21. Hier

geht es um die Geburt eines Sohnes, dort um den Tod der Söhne. David ist in

den Samuel-Büchern die wichtigste Person, und zugleich ist sein Bild äußerst

spannungsreich, ja ambivalent; kritische Blicke fehlen nicht. Die Bücher haben

einen langen Wachstumsprozess hinter sich. Vom 8. Jh. v. Chr. bis in die

Zeit nach dem Exil im ausgehenden 6. Jh. reicht dann die Zeitspanne ihrer

Abfassung und Zusammenstellung.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 1, 1–8

Einst lebte ein Mann aus Ramatajim, ein Zufiter vom Gebirge

Efraim. Er hieß Elkana und war ein Sohn Jerohams, des Sohnes

Elihus, des Sohnes Tohus, des Sohnes Zufs, ein Efraimiter.

Er hatte zwei Frauen. Die eine hieß Hanna, die andere Peninna.

Peninna hatte Kinder, Hanna aber hatte keine Kinder.


Eucharistie · Montag, 10. Januar 118

Dieser Mann zog Jahr für Jahr von seiner Stadt nach Schilo

hinauf, um den Herrn der Heere anzubeten und ihm zu opfern.

Dort waren Hofni und Pinhas, die beiden Söhne Elis, Priester

des Herrn.

An dem Tag, an dem Elkana das Opfer darbrachte, gab er

seiner Frau Peninna und all ihren Söhnen und Töchtern ihre

Anteile. Hanna aber gab er einen doppelten Anteil; denn er hatte

Hanna lieb, obwohl der Herr ihren Schoß verschlossen hatte.

Ihre Rivalin aber kränkte und demütigte sie sehr, weil der Herr

ihren Schoß verschlossen hatte.

So machte es Elkana Jahr für Jahr. Sooft sie zum Haus des

Herrn hinaufzogen, kränkte Peninna sie; und Hanna weinte

und aß nichts. Ihr Mann Elkana fragte sie: Hanna, warum

weinst du, warum isst du nichts, warum ist dein Herz betrübt?

Bin ich dir nicht viel mehr wert als zehn Söhne?

Antwortpsalm Ps 116, 12–15.18–19

Kehrvers: Halleluja – oder:

Ein Opfer des Dankes will ich dir bringen.

Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, *

was er mir Gutes getan hat?

Ich will den Kelch des Heils erheben *

und anrufen den Namen des Herrn. – Kehrvers

Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen *

offen vor seinem ganzen Volk.

Kostbar ist in den Augen des Herrn *

das Sterben seiner Frommen. – Kehrvers

Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen *

offen vor seinem ganzen Volk,

in den Vorhöfen am Hause des Herrn, *

in deiner Mitte, Jerusalem. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 17a, ferner GL 404 · GL 1975 688 · KG 274 (IX. Ton)

oder GL 1975 477 (V. Ton)


119

Montag, 10. Januar · Eucharistie

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

1 Sam 3, 9; Joh 6, 68c

Rede, Herr, dein Diener hört. Du hast Worte des ewigen Lebens.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 1, 14–20

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging

Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium

Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.

Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und

Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen;

sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt

her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des

Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und

richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren

Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und

folgten Jesus nach.

Impuls zum Evangelium

Jesus von Nazaret hat entdeckt, dass er sein altes Leben aufgeben

und sich in jedem Sinne auf den Weg machen muss, um

die Botschaft vom angebrochenen Gottesreich gerade den Armen

und Kranken, den Besessenen und Verstrickten zusagen

zu können. Und er begreift, dass er allein nichts ausrichten,

dass er die gute Botschaft nicht alleine ausrichten kann. Er ist

auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Diese können nur

Menschen leisten, die von Gottes eigenem Geist be-geistert

sind, die lernen wollen, sich von Jesu umstürzender Gotteserfahrung

bewegen lassen wollen und auf ein kreatives Lehrer-

Schüler-Verhältnis einlassen. Die Berufungserzählungen des


Abend · Montag, 10. Januar 120

Markus-Evangeliums der ersten Jesusjünger deuten Bruchstellen

mit Sippenerwartung und auskömmlichem Broterwerb an,

wie sie auch in der Erzählung von der Berufung des Elischa

durch Elija (1 Kön 19, 19–21) vor Augen geführt werden. Es

gilt, das existenzielle Gewicht und die Tragweite der Entscheidung

zur Nachfolge zu zeigen, es geht nicht um das Plädoyer

für einen kopflos-überstürzten Entschluss. Viele Jesusworte

unterstreichen im Gegenteil, dass die Beharrlichkeit der eigenen

Begeisterung, die zur Verfügung stehenden Kräfte und

das eigene Stehvermögen gewissenhaft prüfen soll, wer die

Chance seines Lebens ergreifen und Jesu Jünger und Jüngerin

um Gottes Nahen willen werden will. Was erschwerend hinzukommt:

Die „Furcht vor der Freiheit“ hat nicht Erich Fromm

(1900–1980) erfunden.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Wer nach seiner Überzeugung handelt, und sei sie noch so

mangelhaft, kann nie ganz zugrunde gehen, wogegen nichts

seelentötender wirkt, als gegen das innere Rechtsgefühl das

äußere Recht in Anspruch nehmen.

Heute ist der 225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff.

• Wer oder was hat meinen inneren Kompass, mein „inneres

Rechtsgefühl“ gestärkt?

• Wann bin ich bewusst meinem inneren Kompass gefolgt?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)


121

Montag, 10. Januar · Abend

Hymnus

Des Himmels Schöpfer, großer Gott.

Du hast das Firmament gebaut

und so geschieden Flut von Flut,

dass sie nicht wirr zusammenströmt.

Den Wolken wiesest du die Bahn,

den Flüssen zeigtest du ihr Bett;

nun hemmt die Flut des Feuers Macht,

damit die Erde nicht verbrennt.

So gieße denn, o guter Gott,

der Gnaden Ströme in uns ein,

damit uns nicht mit neuem Trug

die alte Schwachheit bringt zu Fall.

Der Glaube, den die Nacht bedrängt,

den Kleinmut zu verwirren droht,

er überwinde Trug und Wahn:

Er finde Licht und spende Licht.

Dies schenk uns, Vater voller Macht,

und du, sein Sohn und Ebenbild,

die ihr in Einheit mit dem Geist

die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

Nach: Immense caeli conditor; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 539 · GL 1975 605 · KG 781 · EG 142

Canticum vgl. Eph 1, 3–10

Antiphon:

Gott hat uns erwählt, seine Kinder zu werden durch Jesus

Christus.

Gepriesen sei Gott, *

der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet *

durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.


Abend · Montag, 10. Januar 122

Denn in ihm hat er uns erwählt

vor der Erschaffung der Welt, *

damit wir heilig und untadelig leben vor Gott;

er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, *

seine Söhne zu werden durch Jesus Christus

und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, *

zum Lob seiner herrlichen Gnade.

Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn; /

durch sein Blut haben wir die Erlösung,

die Vergebung der Sünden *

nach dem Reichtum seiner Gnade.

Durch sie hat er uns reich beschenkt *

mit aller Weisheit und Einsicht

und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, *

wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat:

die Fülle der Zeiten heraufzuführen in Christus *

und alles, was im Himmel und auf Erden ist,

in ihm zu vereinen.

Ehre sei dem Vater ...

Antiphon:

Gott hat uns erwählt, seine Kinder zu werden durch Jesus

Christus.

Lesung Kol 1, 9b–11

Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr

in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den

Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen,

das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet.

Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und

wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht

seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und

Ausdauer habt.


123

Montag, 10. Januar · Abend

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Meine Seele preist die Größe des Herrn; denn auf die Niedrigkeit

seiner Magd hat er geschaut.

Fürbitten

Lasst uns beten für alle, die ungewollt kinderlos sind:

V: Guter Schöpfer, A: gib ihnen Trost.

– Dass sie Wege finden, mit ihrem Wunsch nach einem Kind

umzugehen.

– Dass sie über vielen fehlgeschlagenen Bemühungen die Hoffnung

bewahren.

– Dass ihnen gute Freunde zur Seite stehen und ihnen Zuversicht

schenken.

– Dass sie erkennen, wie ihre Liebe und Lebenssehnsucht

fruchtbar werden kann.

Vaterunser

Oration

Gott, du liebst deine Geschöpfe, und es ist deine Freude, bei

den Menschen zu wohnen. Gib uns ein neues und reines Herz,

das bereit ist, dich aufzunehmen. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Dienstag, 11. Januar 2022

Namenstag: hl. Theodosius (Oberabt in Palästina, † 529) · hl. Paulin

von Aquileja (Sprachgelehrter, Patriarch, † 802) · Johannes Cochlaeus

(Humanist, Gegner Martin Luthers, † 1552)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Komm, Heil’ger Geist, vom ew’gen Thron,

eins mit dem Vater und dem Sohn;

durchwirke unsre Seele ganz

mit deiner Gottheit Kraft und Glanz.

Erfüll mit heil’ger Leidenschaft

Geist, Zunge, Sinn und Lebenskraft;

mach stark in uns der Liebe Macht,

dass sie der Brüder Herz entfacht.

Lass gläubig uns den Vater sehn,

sein Ebenbild, den Sohn, verstehn

und dir vertraun, der uns durchdringt

und uns das Leben Gottes bringt. Amen.

Nach: Nunc, Sancte, nobis Spiritus; Ambrosius (?), † 397

Melodie: GL 342 · GL 1975 241 · KG 481

Psalm 33

Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn; *

für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.


125

Dienstag, 11. Januar · Morgen

Preist den Herrn mit der Zither, *

spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!

Singt ihm ein neues Lied, *

greift voll in die Saiten und jubelt laut!

Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, *

all sein Tun ist verlässlich.

Er liebt Gerechtigkeit und Recht, *

die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.

Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen, *

ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.

Wie in einem Schlauch fasst er das Wasser des Meeres, *

verschließt die Urflut in Kammern.

Alle Welt fürchte den Herrn; *

vor ihm sollen alle beben, die den Erdkreis bewohnen.

Denn der Herr sprach, und sogleich geschah es; *

er gebot, und alles war da.

Der Herr vereitelt die Beschlüsse der Heiden, *

er macht die Pläne der Völker zunichte.

Der Ratschluss des Herrn bleibt ewig bestehen, *

die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, *

der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.

Der Herr blickt herab vom Himmel, *

er sieht auf alle Menschen.

Von seinem Thronsitz schaut er nieder *

auf alle Bewohner der Erde.

Der ihre Herzen gebildet hat, *

er achtet auf all ihre Taten.

Dem König hilft nicht sein starkes Heer, *

der Held rettet sich nicht durch große Stärke.

Nichts nützen die Rosse zum Sieg, *

mit all ihrer Kraft können sie niemand retten.


Morgen · Dienstag, 11. Januar 126

Doch das Auge des Herrn ruht auf allen,

die ihn fürchten und ehren, *

die nach seiner Güte ausschaun;

denn er will sie dem Tod entreißen *

und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.

Unsre Seele hofft auf den Herrn; *

er ist für uns Schild und Hilfe.

Ja, an ihm freut sich unser Herz, *

wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.

Lass deine Güte über uns walten, o Herr, *

denn wir schauen aus nach dir.

Ehre sei dem Vater ...

An dir, Gott, freut sich unser Herz, auf deinen Namen vertrauen

wir. Lass deine Güte über uns walten!

Lesung

Röm 13, 11b–13a

Die Stunde ist gekommen, sich vom Schlaf zu erheben. Denn

jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig

wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst

uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen

des Lichts! Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Einen starken Retter hat der Herr uns erweckt, wie er verheißen

hat durch den Mund seiner Propheten.

Bitten

Jesus, du hast allen Menschen dein Mitgefühl erwiesen. Wir

bitten dich:

A: Bewege unsere Herzen.

– Dass wir jedem, der uns bittet, das geben, was wir in diesem

Moment geben können.


127

Dienstag, 11. Januar · Eucharistie

– Dass wir allen Betrübten durch ein tröstendes Wort oder einen

aufmunternden Blick Zeichen deiner Nähe werden.

– Dass wir um der Hungernden und Notleidenden willen auf

Entbehrliches verzichten.

Vaterunser

Oration

Herr, neige dein Ohr und vernimm das Morgengebet deiner

Gläubigen. Erhelle und heile, was in der Tiefe unseres Herzens

krank ist, damit kein Begehren uns in seinem Bann gefangen

hält, die wir erleuchtet wurden durch das Licht der himmlischen

Gnade. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, unser Vater. Wir sind als deine Gemeinde versammelt und

rufen dich an: Öffne unser Ohr, damit wir hören und verstehen,

was du uns heute sagen willst. Gib uns ein gläubiges Herz,

damit unser Beten dir gefällt und unser Leben vor dir bestehen

kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 1, 9–20

In jenen Tagen, nachdem man in Schilo gegessen und getrunken

hatte, stand Hanna auf und trat vor den Herrn. Der Priester

Eli saß an den Türpfosten des Tempels des Herrn auf seinem

Stuhl. Hanna war verzweifelt, betete zum Herrn und weinte

sehr. Sie machte ein Gelübde und sagte: Herr der Heere, wenn

du das Elend deiner Magd wirklich ansiehst, wenn du an mich


Eucharistie · Dienstag, 11. Januar 128

denkst und deine Magd nicht vergisst und deiner Magd einen

männlichen Nachkommen schenkst, dann will ich ihn für sein

ganzes Leben dem Herrn überlassen; kein Schermesser soll an

sein Haupt kommen. So betete sie lange vor dem Herrn.

Eli beobachtete ihren Mund; denn Hanna redete nur still vor

sich hin, ihre Lippen bewegten sich, doch ihre Stimme war

nicht zu hören. Eli hielt sie deshalb für betrunken und sagte zu

ihr: Wie lange willst du dich noch wie eine Betrunkene aufführen?

Sieh zu, dass du deinen Weinrausch los wirst!

Hanna gab zur Antwort: Nein, Herr! Ich bin eine unglückliche

Frau. Ich habe weder Wein getrunken noch Bier; ich habe

nur dem Herrn mein Herz ausgeschüttet. Halte deine Magd

nicht für eine nichtsnutzige Frau; denn nur aus großem Kummer

und aus Traurigkeit habe ich so lange geredet.

Eli erwiderte und sagte: Geh in Frieden! Der Gott Israels wird

dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast.

Sie sagte: Möge deine Magd Gnade finden vor deinen Augen.

Dann ging sie weg; sie aß wieder und hatte kein trauriges Gesicht

mehr.

Am nächsten Morgen standen sie früh auf und beteten den

Herrn an. Dann machten sie sich auf den Heimweg und kehrten

in ihr Haus nach Rama zurück. Elkana erkannte seine Frau

Hanna; der Herr dachte an sie, und Hanna wurde schwanger.

Als die Zeit abgelaufen war, gebar sie einen Sohn und nannte

ihn Samuel – „Gott erhört“ –, denn sie sagte: Ich habe ihn vom

Herrn erbeten.

Antwortpsalm

1 Sam 2, 1b–e.4–5b.6–7.8a–d

Kehrvers:

Mein Herz ist voll Freude über den Herrn, meinen Retter.

Mein Herz ist voll Freude über den Herrn, *

große Kraft gibt mir der Herr.

Weit öffnet sich mein Mund gegen meine Feinde; *

denn ich freue mich über deine Hilfe. – Kehrvers


129

Dienstag, 11. Januar · Eucharistie

Der Bogen der Helden wird zerbrochen, *

die Wankenden aber gürten sich mit Kraft.

Die Satten verdingen sich um Brot, *

doch die Hungrigen können feiern für immer. – Kehrvers

Der Herr macht tot und lebendig, *

er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf.

Der Herr macht arm und macht reich, *

er erniedrigt, und er erhöht. – Kehrvers

Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub *

und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt;

er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, *

einen Ehrenplatz weist er ihm zu. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 1b, ferner GL 312, 4 · GL 1975 209, 1 · KG 267 (VIII. Ton)

oder GL 1975 597, 2 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. 1 Thess 2, 13

Halleluja. Halleluja.

Nehmt das Wort Gottes an, nicht als Menschenwort, sondern –

was es in Wahrheit ist – als Gottes Wort.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 1, 21–28

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.

Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre;

denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht

wie die Schriftgelehrten.

In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen

Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit

dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins

Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine

Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem

Geschrei.


Abend · Dienstag, 11. Januar 130

Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das

zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre

verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.

Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von

Galiläa.

Impuls zum Evangelium

Jesus lehrt. Die Menschen in der Synagoge staunen und bestaunen

seine Lehre. Doch ein unreiner Geist, ein Un-Geist,

ein unbarmherziger Hausbesetzer, geht in den offenen Konflikt

mit Jesus. Er fordert den heraus, von dem er sich herausgefordert

fühlt. Und – unterliegt. Die Menschen spüren, dass

sie von Zuschauern zu Zeugen werden, Zeugen einer Lehre

mit „Vollmacht“. Das hier gebrauchte griechische Wort für Befehlsgewalt

oder Vollmacht, „exousía“, wurde ins Lateinische

übersetzt mit „imperium“. Doch das mit Jesus in die Welt

gekommene Weltreich ist – Gottes Reich. Ein radikaler Herrschaftswechsel.

Sein Reich ist nicht von dieser Welt.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Gott ist höher und tiefer als alle Erkenntnis; nur die Liebe erreicht

ihn.

Gertrud von Helfta (genannt Gertrud die Große,

bedeutende Theologin und Ordensfrau,1256–1302)

• In welchen Situationen habe ich bewusst die Nähe Gottes

erfahren können?

• Wo gibt es in meinem Leben Raum für den Weg nach innen?


131

Dienstag, 11. Januar · Abend

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Du mildes Licht, Herr Jesus Christ,

du ewig klarer Morgen:

Die Sonne sinkt, der Tag vergeht,

bei dir sind wir geborgen.

Die Welt ist dunkel: Sei uns gut,

bewahr uns, wenn wir schlafen.

Nimm Leib und Seel in deine Hut,

bis wir zu dir erwachen.

Gott Vater auf dem hohen Thron,

wir preisen deinen Namen

durch Jesus Christus, deinen Sohn,

im Heil’gen Geiste. Amen.

Neues Stundenbuch

Psalm 20 Verse 2–10

Der Herr erhöre dich am Tage der Not, *

der Name von Jakobs Gott möge dich schützen.

Er sende dir Hilfe vom Heiligtum *

und stehe dir bei vom Zion her.

An all deine Speiseopfer denke er, *

nehme dein Brandopfer gnädig an.

Er schenke dir, was dein Herz begehrt, *

und lasse all deine Pläne gelingen.

Dann wollen wir jubeln über deinen Sieg, /

im Namen unsres Gottes das Banner erheben. *

All deine Bitten erfülle der Herr.

Nun bin ich gewiss: *

der Herr schenkt seinem Gesalbten den Sieg;

er erhört ihn von seinem heiligen Himmel her *

und hilft ihm mit der Macht seiner Rechten.


Abend · Dienstag, 11. Januar 132

Die einen sind stark durch Wagen, die andern durch Rosse, *

wir aber sind stark im Namen des Herrn, unsres Gottes.

Sie sind gestürzt und gefallen; *

wir bleiben aufrecht und stehen.

Herr, verleihe dem König den Sieg! *

Erhör uns am Tag, da wir rufen!

Ehre sei dem Vater ...

In deinem Namen allein sind wir stark, Gott, unser Heil. Steh

uns bei und gib uns Mut, dass wir tun, was du mit uns vorhast.

Lesung Eph 4, 29–32

Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein

gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört,

Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen

Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung! Jede Art von Bitterkeit,

Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus

eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt

einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat!

Nunc dimittis – Lobgesang des Simeon

Antiphon zum Nunc dimittis:

Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz,

wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen

in seinem Frieden.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der alle Glaubenden zur Mitarbeit

an seinem Reich beruft:

A: Segne unser Tun und Lassen.

Für alle Glaubenden in Europa;

– lass sie durch ihr beherztes Engagement zur Neubelebung

unseres christlichen Erbes beitragen.


133

Dienstag, 11. Januar · Abend

Für alle Glaubenden, die Kinderlosigkeit bedrückt;

– zeige du ihnen, dass sie angenommen sind, und lass sie andere

aufrichten, die ihre Lage teilen.

Für die jungen Menschen, die auf der Suche nach ihrer Lebensaufgabe

sind;

– lass sie in lebendigen christlichen Gemeinschaften den Mut

finden, sich ihrer Berufung zu stellen.

Für unsere Verstorbenen;

– lass sie die Früchte ihres Einsatzes schauen.

Vaterunser

Oration

Herr, gütiger Vater, sei du unsere Leuchte im Dunkel der Nacht.

Gib, dass wir in Frieden schlafen, damit wir uns beim Anbruch

des neuen Tages in deinem Namen freudig erheben. Darum bitten

wir durch Christus, unseren Herrn.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Mittwoch, 12. Januar 2022

Namenstag: hl. Tatiana (Märtyrerin, † um 200) · hl. Cäsaria (Äbtissin,

† 524) · Hilda von Salzburg (Benediktinerin, 11./12. Jh.) · hl. Aelred

von Rievaulx (engl. Zisterzienser, geistl. Schriftsteller, † 1167) · Johann

Kaspar Kratz (Missionar in Indochina, Märtyrer, † 1737)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Nacht und Gewölk und Finsternis,

verworr’nes Chaos dieser Welt,

entweicht und flieht! Das Licht erscheint,

der Tag erhebt sich: Christus naht.

Jäh reißt der Erde Dunkel auf,

durchstoßen von der Sonne Strahl,

der Farben Fülle kehrt zurück

im hellen Glanz des Taggestirns.

So soll, was in uns dunkel ist,

was schwer uns auf dem Herzen liegt,

aufbrechen unter deinem Licht

und dir sich öffnen, Herr und Gott.

Dich, Christus, suchen wir allein

mit reinem, ungeteiltem Sinn,

dir beugen willig wir das Knie

mit Bitten und mit Lobgesang.


135

Mittwoch, 12. Januar · Morgen

Blick tief in unser Herz hinein,

sieh unser ganzes Leben an:

Noch manches Arge liegt in uns,

was nur dein Licht erhellen kann.

Dir, Christus, guter Herr und Gott,

dem ew’gen Vater, der uns liebt,

dem Heil’gen Geist, der bei uns ist,

sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Nach: Nox et tenebrae et nubila; Prudentius, † nach 405

Melodie: GL 297 · GL 1975 178 · KG 395 · EG 79

Canticum

Antiphon:

Herr, du bist groß und wunderbar in deiner Macht.

Jdt 16, 1–2a.13–15

Stimmt ein Lied an für meinen Gott unter Paukenschall, *

singt für den Herrn unter Zimbelklang!

Preist ihn und singt sein Lob, /

rühmt seinen Namen und ruft ihn an! *

Denn der Herr ist ein Gott, der den Kriegen ein Ende setzt.

Ich singe meinem Gott ein neues Lied; *

Herr, du bist groß und voll Herrlichkeit.

Wunderbar bist du in deiner Stärke, *

keiner kann dich übertreffen.

Dienen muss dir deine ganze Schöpfung. *

Denn du hast gesprochen, und alles entstand.

Du sandtest deinen Geist, um den Bau zu vollenden. *

Kein Mensch kann deinem Wort widerstehen.

Meere und Berge erbeben in ihrem Grund, /

vor dir zerschmelzen die Felsen wie Wachs. *

Doch wer dich fürchtet, der erfährt deine Gnade.

Ehre sei dem Vater ...


Morgen · Mittwoch, 12. Januar 136

Lesung Jes 55, 10–11

Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht

dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie

zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen

gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen

Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern

bewirkt, was ich will, und erreicht das, wozu ich es ausgesandt

habe.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Vollende an uns dein Erbarmen, o Herr, und denk an deinen

heiligen Bund.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der heute wie jeden Tag zu uns sprechen

will. Lasst uns bereit sein für ihn und rufen:

V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.

In unserer Zeit sind deine Worte selten geworden;

– gib, dass wir dein Wort annehmen und es weitersagen.

Menschen mit Visionen sind heute wieder gefragt;

– gib uns Einsicht in das, was du mit uns vorhast.

Dein Licht ist noch nicht erloschen;

– öffne uns die Augen für deine Gegenwart auch dort, wo wir

dich nicht vermuten.

Vaterunser

Oration

Erhöre uns, Gott, unser Heiland, und gib, dass wir in deinem

Lichte leben und die Wahrheit tun; denn als Kinder des Lichtes

sind wir aus dir geboren. Mache uns zu deinen Zeugen unter

den Menschen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


137

Mittwoch, 12. Januar · Eucharistie

Der Gott des Friedens

schaffe in uns, was vor ihm wohlgefällig ist,

durch Jesus Christus, dem die Ehre gebührt in alle Ewigkeit.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Barmherziger Gott, du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt,

um die Menschen aus der alten Knechtschaft zu erlösen. Schenke

allen, die auf deine Hilfe warten, die Freiheit des neuen Lebens.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 3, 1–10.19–20

In jenen Tagen versah der junge Samuel den Dienst des Herrn

unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des

Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah

es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach

geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes

war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des

Herrn, wo die Lade Gottes stand.

Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: Hier

bin ich. Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich

gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder

schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen.

Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und

ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli

erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder

schlafen! Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort

des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden.

Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er

stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich

gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte.

Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich


Eucharistie · Mittwoch, 12. Januar 138

wieder ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört.

Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder.

Da kam der Herr, trat zu ihm heran und rief wie die vorigen

Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn

dein Diener hört.

Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm und ließ

keines von all seinen Worten unerfüllt. Ganz Israel von Dan

bis Beerscheba erkannte, dass Samuel als Prophet des Herrn

beglaubigt war.

Impuls zur Lesung

Wie kann der Mensch erkennen, dass Gott zu ihm spricht?

Der junge Samuel, Hannas lange ersehntes und schließlich

von Gott geschenktes Kind, wird von dem Priester Eli erzogen,

bei dem er auch lebt. Als Gott den Knaben ruft, kann dieser

das Gehörte nur aus seiner bisherigen Erfahrung verstehen –

als Ruf Elis. Eli hat zwar Erfahrung mit der Rede Gottes, aber

auch er erkennt erst beim dritten Ruf, dass es der Herr ist, der

bei Samuel anklopft. Wir sind gerufen, aufmerksam zu leben,

offen für die Anrede des Einen, aber wir dürfen auch darauf

vertrauen, dass uns dabei ein Anderer zu Hilfe kommt.

Antwortpsalm

Ps 40, 2.4ab.7–10

Kehrvers:

Mein Gott, ich komme; deinen Willen zu tun, macht mir Freude.

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. *

Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.

Er legte mir ein neues Lied in den Mund, *

einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. – Kehrvers

An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, *

Brand- und Sündopfer forderst du nicht.

Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; /

darum sage ich: Ja, ich komme. *

In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist. – Kehrvers


139

Mittwoch, 12. Januar · Eucharistie

Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, *

deine Weisung trag’ ich im Herzen.

Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde, *

meine Lippen verschließe ich nicht;

Herr, du weißt es. – Kehrvers

Kehrvers siehe Verse 8a.9a, ferner GL 31, 1 (IV. Ton)

oder GL 1975 170, 1 (II. Ton) oder KG 794 (I. Ton)

Ruf vor dem Evangelium Joh 10, 27

Halleluja. Halleluja.

So spricht der Herr: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich

kenne sie, und sie folgen mir.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 1, 29–39

In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes

in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des

Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,

und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf.

Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.

Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man

alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor

der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen

Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er

verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging

an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter

eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm:

Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen,

in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn

dazu bin ich gekommen.

Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen

und trieb die Dämonen aus.


Abend · Mittwoch, 12. Januar 140

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Innehalten am Abend

Not hat weder Gesetz, Glauben noch König.

Aus Frankreich

• Wie reagiere ich auf Situationen der großen Bedrängnis, Bedrohung,

der Not?

• Gibt es einen bleibenden Kompass für mich?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

O Gott, du höchster Gnadenhort,

verleih, dass uns dein göttlich Wort

von Ohren so zu Herzen dring,

dass es sein Kraft und Schein vollbring.

Der einig Glaub ist diese Kraft,

der fest an Jesus Christus haft’;

die Werk der Lieb sind dieser Schein,

dadurch wir Christi Jünger sein.

Verschaff bei uns auch, lieber Herr,

dass wir durch deinen Geist je mehr

in dein’r Erkenntnis nehmen zu

und endlich bei dir finden Ruh.

Konrad Hubert 1545

EG 194 · Melodie: GL 147 · GL 1975 516 · KG 199


141

Mittwoch, 12. Januar · Abend

Psalm 119

Wie geht ein junger Mann seinen Pfad ohne Tadel? *

Wenn er sich hält an dein Wort.

Ich suche dich von ganzem Herzen. *

Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!

Ich berge deinen Spruch im Herzen, *

damit ich gegen dich nicht sündige.

Gepriesen seist du, Herr! *

Lehre mich deine Gesetze!

Mit meinen Lippen verkünde ich *

alle Urteile deines Mundes.

Nach deinen Vorschriften zu leben *

freut mich mehr als großer Besitz.

Ich will nachsinnen über deine Befehle *

und auf deine Pfade schauen.

Ich habe meine Freude an deinen Gesetzen, *

dein Wort will ich nicht vergessen.

Ehre sei dem Vater ...

Verse 9–16 Bet

Zu wem, Gott, sollen wir gehen? Wir suchen dich von ganzem

Herzen. Lass uns erkennen, was du von uns willst.

Lesung 1 Joh 3, 1a.2

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat:

Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Liebe Brüder,

jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch

nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein

werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen,

wie er ist.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Großes hat an mir getan der Mächtige, sein Name ist heilig.


Abend · Mittwoch, 12. Januar 142

Fürbitten

Du unser Gott, dein Reich bricht sich Bahn, wo wir dein Wort

in uns wirken lassen: Jesus Christus, der jedem Menschen nahekommen

will. Wir rufen zu dir:

A: Wirke dein Heil unter uns.

Viele Menschen haben von Jesus gehört, und doch kennen sie

ihn nicht;

– lass alle ihm begegnen, die sich nach Gemeinschaft mit dir

sehnen.

Schreibe deinen Glaubenden Jesu Namen in ihr Herz;

– gib, dass sie aus seiner Güte leben.

Stärke deine Glaubenden im Dienst an der Welt;

– lass sie in Gemeinschaft miteinander Jesu Weg zu den Menschen

finden.

Jesus bleibt die Hoffnung unserer Verstorbenen;

– gestalte sie neu nach seinem verherrlichten Bilde.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, dein Sohn Jesus von Nazaret hat die Menschen

selig gepriesen, die sich mühen, deinem Willen zu folgen. Gib

uns ein hörendes Herz, damit wir deine Stimme vernehmen

und tun, wozu du uns brauchst. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Redaktion Magnificat

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Donnerstag, 13. Januar 2022

Heiliger Hilarius

Hilarius (um 315–367) war im Westen einer der herausragenden

Gegner des Arianismus, der die Gottheit Jesu leugnete.

Hilarius war zunächst Heide. Durch eingehendes Studium der Heiligen

Schrift fand er zum Glauben und ließ sich mit seiner ganzen

Familie taufen. Bald darauf wurde er Priester. 350 wählte man ihn

zum Bischof seiner Heimatstadt Poitiers. Aus dem Zusammenleben

des Bischofs mit seinem Klerus entwickelten sich die ersten klösterlichen

Gemeinschaften in Gallien. 356 wurde Hilarius als Gegner

des Arianismus von Kaiser Konstantius verbannt, durfte aber später

wieder zurückkehren. Er verfasste eine Gesamtdarstellung der

Lehre der Dreieinigkeit, verband östliche und westliche Theologie

und lehrte die Vereinbarkeit des Glaubens mit der Vernunft. Er gilt

als erster Hymnendichter der lateinischen Kirche. Papst Pius IX.

ernannte ihn 1851 zum Kirchenlehrer.

Schrifttexte: Lesung: 1 Joh 2, 18–25; Evangelium: Mt 5, 13–19

Namenstag: Agritius von Trier (Bischof, † 329) · hl. Remigius (Bischof

von Reims, taufte den Frankenkönig Chlodwig, † um 533) ·

hl. Berno von Cluny (Klostergründer, erster Abt von Cluny, † 927) ·

sel. Gottfried von Cappenberg (Gründer des ersten Prämonstratenserstifts

im deutschsprachigen Raum, † 1127) · sel. Hildemar (Hofkaplan

Wilhelms des Eroberers, Klostergründer, † 1197) · sel. Jutta von Huy

(Ivette, Krankenpflegerin, Reklusin, Seelsorgerin, † 1228)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Morgen · Donnerstag, 13. Januar 144

Hymnus

Wohl denen, die da wandeln

vor Gott in Heiligkeit,

nach seinem Worte handeln

und leben allezeit.

Die recht von Herzen suchen Gott

und seiner Weisung folgen,

sind stets bei ihm in Gnad.

Von Herzensgrund ich spreche:

Dir sei Dank allezeit,

weil du mich lehrst die Rechte

deiner Gerechtigkeit.

Die Gnad auch ferner mir gewähr,

zu halten dein Gebote;

verlass mich nimmermehr.

Mein Herz hängt treu und feste

an dem, was dein Wort lehrt.

Herr, tu bei mir das Beste,

sonst ich zuschanden werd.

Wenn du mich leitest, treuer Gott,

so kann ich richtig gehen

den Weg deiner Gebot.

Nach Cornelius Becker 1602, nach Ps 119; AÖL 1973

GL 543 · GL 1975 614 · KG 551 · EG 295

Strophen 1–3

Psalm 25 Verse 12–22

Wer ist der Mann, der Gott fürchtet? *

Ihm zeigt er den Weg, den er wählen soll.

Dann wird er wohnen im Glück, *

seine Kinder werden das Land besitzen.

Die sind Vertraute des Herrn, die ihn fürchten; *

er weiht sie ein in seinen Bund.


145

Donnerstag, 13. Januar · Morgen

Meine Augen schauen stets auf den Herrn; *

denn er befreit meine Füße aus dem Netz.

Wende dich mir zu und sei mir gnädig; *

denn ich bin einsam und gebeugt.

Befrei mein Herz von der Angst, *

führe mich heraus aus der Bedrängnis!

Sieh meine Not und Plage an *

und vergib mir all meine Sünden!

Sieh doch, wie zahlreich meine Feinde sind, *

mit welch tödlichem Hass sie mich hassen!

Erhalte mein Leben und rette mich, /

lass mich nicht scheitern! *

Denn ich nehme zu dir meine Zuflucht.

Unschuld und Redlichkeit mögen mich schützen, *

denn ich hoffe auf dich, o Herr.

O Gott, erlöse Israel *

aus all seinen Nöten!

Ehre sei dem Vater ...

Lehre uns, gütiger Gott, dich zu fürchten, weihe uns ein in deinen

Bund. Deine Weisung erfüllt uns mit Freude.

Lesung Jes 66, 1–2

So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde

der Schemel für meine Füße. Was wäre das für ein Haus, das

ihr mir bauen könntet, was wäre das für ein Ort, an dem ich

ausruhen könnte? Denn all das hat meine Hand gemacht, es gehört

mir ja schon – Spruch des Herrn. Ich blicke auf den Armen

und Zerknirschten und auf den, der zittert vor meinem Wort.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Dienet dem Herrn in Heiligkeit, denn er befreit uns aus der

Hand unserer Feinde.


Eucharistie · Donnerstag, 13. Januar 146

Bitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der uns besucht und befreit

hat:

A: Zeig uns dein Angesicht.

– Wenn wir in uns selbst gefangen sind.

– Wenn wir zu sehr an materiellen Gütern hängen.

– Wenn wir die Orientierung verloren haben.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, am Abend, am Morgen und am

Mittag preisen wir deine göttliche Herrlichkeit und bitten: Vertreibe

aus unserem Herzen die Finsternis der Sünde, damit wir

zum wahren Licht gelangen, zu Christus, deinem Sohn, unserem

Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit

dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet und beschütze uns, denn

wir setzen unsere ganze Hoffnung auf dich. Reinige uns von

aller Sünde und hilf uns, in deiner Gnade zu leben, damit wir

Erben deiner Verheißung werden. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.


147

Donnerstag, 13. Januar · Eucharistie

Lesung aus dem ersten Buch Samuel

1 Sam 4, 1b–11 (1–11)

In jenen Tagen zog Israel gegen die Philister in den Krieg. Sie

schlugen ihr Lager bei Eben-Eser auf, und die Philister hatten

ihr Lager in Afek. Die Philister rückten in Schlachtordnung gegen

Israel vor, und der Kampf wogte hin und her. Israel wurde

von den Philistern besiegt, die von Israels Heer auf dem Feld

etwa viertausend Mann erschlugen.

Als das Volk ins Lager zurückkam, sagten die Ältesten Israels:

Warum hat der Herr heute die Philister über uns siegen lassen?

Wir wollen die Bundeslade des Herrn aus Schilo zu uns holen;

er soll in unsere Mitte kommen und uns aus der Gewalt unserer

Feinde retten.

Das Volk schickte also Männer nach Schilo, und sie holten

von dort die Bundeslade des Herrn der Heere, der über den Kerubim

thront. Hofni und Pinhas, die beiden Söhne Elis, begleiteten

die Bundeslade Gottes. Als nun die Bundeslade des Herrn

ins Lager kam, erhob ganz Israel ein lautes Freudengeschrei,

sodass die Erde dröhnte.

Die Philister hörten das laute Geschrei und sagten: Was ist das

für ein lautes Geschrei im Lager der Hebräer? Als sie erfuhren,

dass die Lade des Herrn ins Lager gekommen sei, fürchteten

sich die Philister; denn sie sagten: Gott ist zu ihnen ins Lager

gekommen. Und sie riefen: Weh uns! Denn so etwas ist früher

nie geschehen. Weh uns! Wer rettet uns aus der Hand dieses

mächtigen Gottes? Das ist der Gott, der Ägypten mit allerlei

Plagen geschlagen hat. Seid tapfer, Philister, und seid Männer,

damit ihr nicht den Hebräern dienen müsst, wie sie euch gedient

haben. Seid Männer und kämpft!

Da traten die Philister zum Kampf an, und Israel wurde besiegt,

sodass alle zu ihren Zelten flohen. Es war eine sehr schwere

Niederlage. Von Israel fielen dreißigtausend Mann Fußvolk.

Die Lade Gottes wurde erbeutet, und die beiden Söhne Elis,

Hofni und Pinhas, fanden den Tod.


Eucharistie · Donnerstag, 13. Januar 148

Antwortpsalm Ps 44, 10–11.14–15.24–25

Kehrvers:

In deiner Huld erlöse uns, o Herr!

Du hast uns verstoßen und mit Schmach bedeckt, *

du ziehst nicht mit unserm Heer in den Kampf.

Du lässt uns vor unsern Bedrängern fliehen, *

und Menschen, die uns hassen, plündern uns aus. – Kehrvers

Du machst uns zum Schimpf für die Nachbarn, *

zu Spott und Hohn bei allen, die rings um uns wohnen.

Du machst uns zum Spottlied der Völker, *

die Heiden zeigen uns nichts als Verachtung. – Kehrvers

Wach auf! Warum schläfst du, Herr? *

Erwache, verstoß nicht für immer!

Warum verbirgst du dein Gesicht, *

vergisst unsere Not und Bedrängnis? – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 27b, ferner GL 229 · GL 1975 526, 5 · KG 48 (I. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Mt 4, 23b

Jesus verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk

alle Krankheiten und Leiden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 1, 40–45

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um

Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst,

kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit

ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will

es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz,

und der Mann war rein.


149

Donnerstag, 13. Januar · Eucharistie

Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in

Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem

Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet

hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.

Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit,

was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, sodass

sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur

noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch

kamen die Leute von überallher zu ihm.

Impuls zum Evangelium

Wer an einer hartnäckigen Hautkrankheit erkrankt, muss isoliert

werden. Abschied von der Kultgemeinschaft, Abschied

von der Gemeinschaft. Ausschluss. Ausstoßung. Quarantäne

– aber vielleicht lebenslänglich. So groß ist die Angst vor Ansteckung.

In den Krisenzeiten von Corona konnten wir das ganz

gut verstehen. Nur von herausragenden Gottesmännern wie

Mose und Elischa werden Aussatzheilungen erzählt. Mit seiner

Bitte: Wenn du willst, kannst du mich rein machen, stellt

der an Aussatz leidende Mann Jesus ihnen gleich. Doch noch

einmal anders als die großen Gottesmänner, die durch mündliche

Anweisungen den Heilungsprozess einleiten, berührt Jesus

den Aussätzigen leiblich. Schickt ihn so zurück ins Leben.

In die Gemeinschaft. Aber ist Jesus jetzt nicht selbst aussätzig?

Jedenfalls verdächtig? Jesus begibt sich in freiwillige Quarantäne.

Doch es hilft nichts: Alle kommen zu ihm. Der vom

Aussatz Geheilte hielt sich nämlich nicht an das Verbot Jesu,

das Geschehen zu verbreiten, sondern erzählte überall herum,

dass Jesus ihn berührt hat, damit er, der schwer Geschlagene,

sozial Vernichtete, nicht länger unberührbar bleibt.


Abend · Donnerstag, 13. Januar 150

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ein Scherz, ein lachend Wort entscheidet oft die größten Sachen

treffender und besser als Ernst und Schärfe.

Horaz (Quintus Horatius Flaccus, römischer Dichter, 65–8 v. Chr.)

• Wie reagiere ich auf Schärfe und Druck?

• Was habe ich als hilfreich empfunden, um zu Entscheidungen

zu finden?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Schon neigt der Tag dem Abend zu,

die Schatten werden länger.

Vergänglich ist, was uns umgibt,

du aber bleibst bestehen.

Im Tageslicht, das steigt und sinkt,

wird uns die Zeit bemessen,

bis uns der Tod hinüberführt,

wo alle Grenzen fallen.

Lob sei dem Vater und dem Sohn,

Lob sei dem Heil’gen Geiste.

Wie es von allem Anfang war,

jetzt und für alle Zeiten.

Nach: Rerum, Deus, tenax vigor; Ambrosius (?), † 397


151

Donnerstag, 13. Januar · Abend

Psalm 32

Wohl dem, dessen Frevel vergeben *

und dessen Sünde bedeckt ist.

Wohl dem Menschen, /

dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt *

und dessen Herz keine Falschheit kennt.

Solang ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, *

den ganzen Tag musste ich stöhnen.

Denn deine Hand lag schwer auf mir

bei Tag und bei Nacht; *

meine Lebenskraft war verdorrt

wie durch die Glut des Sommers.

Da bekannte ich dir meine Sünde *

und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir.

Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. *

Und du hast mir die Schuld vergeben.

Darum soll jeder Fromme in der Not zu dir beten; *

fluten hohe Wasser heran, ihn werden sie nicht erreichen.

Du bist mein Schutz, bewahrst mich vor Not; *

du rettest mich und hüllst mich in Jubel.

„Ich unterweise dich und zeige dir den Weg,

den du gehen sollst. *

Ich will dir raten; über dir wacht mein Auge.“

Werdet nicht wie Ross und Maultier, *

die ohne Verstand sind.

Mit Zaum und Zügel muss man ihr Ungestüm bändigen, *

sonst folgen sie dir nicht.

Der Frevler leidet viele Schmerzen, /

doch wer dem Herrn vertraut, *

den wird er mit seiner Huld umgeben.


Abend · Donnerstag, 13. Januar 152

Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, *

jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!

Ehre sei dem Vater ...

Gott, unser Vater, voller Geduld bringst du uns nahe, was uns

zum Leben führt. Wache über uns und nimm uns bei der Hand,

damit wir zu dir finden.

Lesung 1 Petr 1, 6–9

Ihr seid voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter

mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer

Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller

ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich

ist. So wird eurem Glauben Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil

bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen,

und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber

ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer

Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen

werdet: euer Heil.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Gott, der uns Tag und Nacht in seinen Händen

birgt:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

– Für alle, die im Winterurlaub sind.

– Für alle, die sich nicht vor der Kälte schützen können.

– Für alle, die durch Schneefall in ihrem Auto oder Wohnhaus

eingeschlossen werden.

– Für alle, die durch Lawinenabgänge umkommen.


153

Donnerstag, 13. Januar · Abend

Vaterunser

Oration

Gott, unser Vater, steh deinen Dienerinnen und Dienern bei

und erweise allen, die zu dir rufen, Tag für Tag deine Liebe. Du

bist unser Schöpfer und der Lenker unseres Lebens. Erneuere

deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen, und erhalte, was du

erneuert hast. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Freitag, 14. Januar 2022

Namenstag: hl. Christiana von Georgien (Nina, Glaubensbotin, 4.

Jh.) · sel. Engelmar (Einsiedler im bayer. Wald, † 1096) · Reiner von

Arnsberg (Prämonstratenser, † 1184) · sel. Berno von Schwerin (Zisterzienser,

Bischof, † 1191) · sel. Petrus Donders (nl. Missionar, Redemptorist,

† 1887)

Ökumenischer Gedenktag: Sava von Serbien (serb.-orth. Bischof, um

1175–1235) · George Fox (Mitbegründer der Quäker, 1624–1691)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht,

und wie ein Tau, der auf die Gräser träufelt,

und wie die Regenluft, die wachsen macht.

Genau so ströme der Mensch sein Wohlwollen aus

auf alle, die da Sehnsucht tragen.

Ein Wind sei er, indem er den Elenden hilft,

ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet,

und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet

und sie mit der Lehre erfüllt wie Hungernde:

indem er ihnen seine Seele hingibt.

Hildegard von Bingen, „Morgengebet“,

aus: Heinrich Schipperges, Hildegard von Bingen, Causae et curae.

Das Buch von dem Grund und Wesen der Heilung der Krankheiten,

© Otto Müller Verlag, 6. Auflage, Salzburg 1992,

S. 306 (Zeilenumbrüche eingefügt)


155

Freitag, 14. Januar · Morgen

Psalm 100 Verse 1b–5

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde! /

Dient dem Herrn mit Freude! *

Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!

Erkennt: Der Herr allein ist Gott. /

Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum, *

sein Volk und die Herde seiner Weide.

Tretet mit Dank durch seine Tore ein! /

Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels! *

Dankt ihm, preist seinen Namen!

Denn der Herr ist gütig, /

ewig währt seine Huld, *

von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Ehre sei dem Vater ...

Loben wollen wir dich, unser Gott, und dir mit Freude dienen;

denn du bist gütig, ewig währt dein Erbarmen.

Lesung

Jes 65, 1b–3a

Ich sagte: Hier bin ich, hier bin ich! Den ganzen Tag streckte

ich meine Hände aus nach einem abtrünnigen Volk, das einen

Weg ging, der nicht gut war, nach seinen eigenen Plänen, nach

einem Volk, das in seinem Trotz mich ständig ärgert.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Der Herr hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen.

Bitten

Jesus, Immanuel, vielfältig sind die Ängste und Sorgen, die uns

bedrücken. Wir bitten dich:

A: Komm, Herr, steh uns bei.

– In Trauer und Verzweiflung, Enttäuschung und Wut.


Eucharistie · Freitag, 14. Januar 156

– Gegen Hass und Missgunst, Häme und Neid.

A: Komm, Herr, steh uns bei.

– Bei Erwerbslosigkeit, in Krankheit und Einsamkeit.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst

gerufen hast. Mach uns stark im Glauben, in der Hoffnung und

in der Liebe, damit wir immer wachsam sind und auf dem Weg

deiner Gebote bleiben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Unser Herr Jesus Christus hat gesagt: „Nicht Gesunde brauchen

den Arzt, sondern Kranke. Nicht Gerechte zu rufen bin ich gekommen,

sondern die Sünder.“ Darum beten wir: Barmherziger

Gott. Zu Unrecht halten wir uns oft für gut und glauben,

gerecht vor dir zu sein. Wecke uns aus unserer falschen Sicherheit,

befreie uns von unserer Selbstgerechtigkeit und heile uns

durch Jesus Christus, den Arzt der Kranken, den Heiland der

Sünder, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und

herrscht in alle Ewigkeit.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 8, 4–7.10–22a

In jenen Tagen versammelten sich alle Ältesten Israels und gingen

zu Samuel nach Rama. Sie sagten zu ihm: Du bist nun alt,

und deine Söhne gehen nicht auf deinen Wegen. Darum setze


157

Freitag, 14. Januar · Eucharistie

jetzt einen König bei uns ein, der uns regieren soll, wie es bei

allen Völkern der Fall ist.

Aber Samuel missfiel es, dass sie sagten: Gib uns einen König,

der uns regieren soll. Samuel betete deshalb zum Herrn, und

der Herr sagte zu Samuel: Hör auf die Stimme des Volkes in

allem, was sie zu dir sagen. Denn nicht dich haben sie verworfen,

sondern mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr

König sein.

Samuel teilte dem Volk, das einen König von ihm verlangte,

alle Worte des Herrn mit. Er sagte: Das werden die Rechte des

Königs sein, der über euch herrschen wird: Er wird eure Söhne

holen und sie für sich bei seinen Wagen und seinen Pferden verwenden,

und sie werden vor seinem Wagen herlaufen. Er wird

sie zu Obersten über Abteilungen von Tausend und zu Führern

über Abteilungen von Fünfzig machen. Sie müssen sein

Ackerland pflügen und seine Ernte einbringen. Sie müssen seine

Kriegsgeräte und die Ausrüstung seiner Streitwagen anfertigen.

Eure Töchter wird er holen, damit sie ihm Salben zubereiten

und kochen und backen.

Eure besten Felder, Weinberge und Ölbäume wird er euch

wegnehmen und seinen Beamten geben. Von euren Äckern und

euren Weinbergen wird er den Zehnten erheben und ihn seinen

Höflingen und Beamten geben.

Eure Knechte und Mägde, eure besten jungen Leute und eure

Esel wird er holen und für sich arbeiten lassen.

Von euren Schafherden wird er den Zehnten erheben. Ihr

selber werdet seine Sklaven sein.

An jenem Tag werdet ihr wegen des Königs, den ihr euch

erwählt habt, um Hilfe schreien, aber der Herr wird euch an

jenem Tag nicht antworten.

Doch das Volk wollte nicht auf Samuel hören, sondern sagte:

Nein, ein König soll über uns herrschen. Auch wir wollen wie

alle anderen Völker sein. Unser König soll uns Recht sprechen,

er soll vor uns herziehen und soll unsere Kriege führen. Samuel


Eucharistie · Freitag, 14. Januar 158

hörte alles an, was das Volk sagte, und trug es dem Herrn vor.

Und der Herr sagte zu Samuel: Hör auf ihre Stimme und setz

ihnen einen König ein!

Impuls zur Lesung

Macht ohne Machtmissbrauch, gibt es das? Es scheint ein

Ding der Unmöglichkeit zu sein. Wo immer Macht sich konzentriert,

da ballt sich Unrecht. Darum gibt es den demokratischen

Grundsatz der Gewaltenteilung – Gewalt ist das alte

Wort für Macht. Der heutigen Lesung aus dem Samuel-Buch

verdanken wir da viel. Das Volk, das unbedingt einen König

haben will, wird von Samuel gewarnt: Eure Söhne und Töchter,

eure Knechte und Mägde, aber auch eure Weinberge und

Schafherden, sie werden dann nicht mehr zu euch und euch

gehören, vielmehr wird der König seine Hand auf sie legen und

alles für sich beanspruchen. Wollt ihr das wirklich? Ihr werdet

ausbluten, und freie Menschen werden im Handumdrehen zu

Sklaven werden. Könnt ihr das wollen? Ihr, die ihr vom Herrn

aus der ägyptischen Knechtschaft befreit wurdet, ihr wünscht

euch wieder einen Zwingherrn? Doch das Volk bleibt dabei.

Nicht nur der Wunsch, endlich so zu sein wie alle anderen

Völker auch, wird in Volkes Stimme laut, sondern, wie so oft,

die uralte, übermächtige Angst um die eigene Sicherheit: Bloß,

wenn wir uns einem König unterstellen, wenn wir straff und

zentral regiert und organisiert sind, haben wir eine Chance,

wirtschaftlich und militärisch schlagkräftig zu werden und uns

zu behaupten unter den überlegenen Nachbarn. Auch heute

erleben wir, durch die Skrupellosigkeit der Diktatoren, und

durch Desinformation und Propaganda im Internet angetrieben,

einen Aufschwung autokratischer Systeme. Hat eine Ein-

Parteien-Diktatur wie China die Corona-Krise nicht besser in

den Griff bekommen als unsere vielstimmigen Demokratien?

So munkeln oder hetzen manche. Angst ist ein schlechter Ratgeber,

heißt es. Geschürte Angst macht blind. Wer weiß Rat?


159

Freitag, 14. Januar · Eucharistie

Antwortpsalm Ps 89, 16–19

Kehrvers:

Von den Taten deiner Huld, o Herr, will ich ewig singen.

Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß! *

Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts.

Sie freuen sich über deinen Namen zu jeder Zeit, *

über deine Gerechtigkeit jubeln sie. – Kehrvers

Denn du bist ihre Schönheit und Stärke, *

du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte.

Ja, unser Schild gehört dem Herrn, *

unser König dem heiligen Gott Israels. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 2a, ferner GL 401 · GL 1975 496 · KG 85, 7 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Lk 7, 16

Halleluja. Halleluja.

Ein großer Prophet trat unter uns auf: Gott nahm sich seines

Volkes an.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 2, 1–12

Als Jesus nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass

er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele

Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und

er verkündete ihnen das Wort.

Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier

Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute

nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus

war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen

den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.

Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein

Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!


Abend · Freitag, 14. Januar 160

Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen:

Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann

Sünden vergeben außer dem einen Gott?

Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen:

Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem

Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu

sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh umher?

Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht

hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte

zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre

und geh nach Hause!

Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging

vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen

Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Die Ignoranten sind die Lieblinge der Großen.

Heute ist der 400. Geburtstag von Molière.

• Wo nehme ich wahr, dass Beschränktheit geschätzt und gefördert

wird, weil sie in die Ideologie oder Glaubensüberzeugung

der „Großen“ passt?

• Wie viel Mut zur eigenen Meinung habe ich?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)


161

Freitag, 14. Januar · Abend

Hymnus

Du aller Dinge Kraft und Grund,

der unbewegt stets in sich ruht,

du ordnest weise Zeit und Tag,

lässt Licht erscheinen und vergehn.

Bis unser Tag zur Neige geht,

erhalte gnädig uns dein Licht;

dann öffne uns ein heil’ger Tod

das Tor zur sel’gen Ewigkeit.

Dies schenk uns, Vater voller Macht,

durch Jesus Christus, unsern Herrn,

der mit dem Geiste und mit dir

regiert in alle Ewigkeit. Amen.

Entnommen aus: Benediktinisches Antiphonale 2, 72,

© Vier-Türme GmbH, Verlag, Münsterschwarzach / Abtei Münsterschwarzach

Melodie: GL 539 · GL 1975 605 · KG 781 · EG 142

Psalm 41 Verse 2–14

Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt; *

zur Zeit des Unheils wird der Herr ihn retten.

Ihn wird der Herr behüten *

und am Leben erhalten.

Man preist ihn glücklich im Land. *

Gib ihn nicht seinen gierigen Feinden preis!

Auf dem Krankenbett wird der Herr ihn stärken; *

seine Krankheit verwandelst du in Kraft.

Ich sagte: „Herr, sei mir gnädig, *

heile mich; denn ich habe gegen dich gesündigt.“

Meine Feinde reden böse über mich: *

„Wann stirbt er endlich und wann vergeht sein Name?“

Besucht mich jemand, *

so kommen seine Worte aus falschem Herzen.


Abend · Freitag, 14. Januar 162

Er häuft in sich Bosheit an, *

dann geht er hinaus und redet.

Im Hass gegen mich sind sich alle einig; *

sie tuscheln über mich und sinnen auf Unheil:

„Verderben hat sich über ihn ergossen; *

wer einmal daliegt, steht nicht mehr auf.“

Auch mein Freund, dem ich vertraute, *

der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt.

Du aber, Herr, sei mir gnädig; *

richte mich auf, damit ich ihnen vergelten kann.

Daran erkenne ich, dass du an mir Gefallen hast: *

wenn mein Feind nicht über mich triumphieren darf.

Weil ich aufrichtig bin, hältst du mich fest *

und stellst mich vor dein Antlitz für immer.

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, *

von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen, ja amen.

Ehre sei dem Vater ...

Öffne uns Augen und Ohren für unsere Mitmenschen, barmherziger

Gott: Wer uns braucht, dem lass uns helfen. Lass uns

aus deiner Güte leben.

Lesung Röm 15, 1–3

Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die

schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben. Jeder

von uns soll Rücksicht auf den Nächsten nehmen, um Gutes

zu tun und die Gemeinde aufzubauen. Denn auch Christus hat

nicht für sich selbst gelebt; in der Schrift heißt es vielmehr: Die

Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Der Herr nimmt sich seiner Kinder an und denkt an sein Erbarmen.


163

Freitag, 14. Januar · Abend

Fürbitten

Beten wir für die Menschen, die sich heute nach Freiheit sehnen:

V: Gott, du Befreier, A: erbarme dich.

– Dass alle, die sich in Abhängigkeit finden, frei werden.

– Dass allen, die keinen Sinn erkennen, ein Hoffnungslicht aufgeht.

– Dass wir Bürgerinnen und Bürger westlicher Demokratien

wertschätzen, wie wir leben dürfen.

– Dass die Menschen in den aufstrebenden Kulturen Afrikas

und Asiens ihre Wege finden, Freiheit zu leben und zu gestalten.

– Dass niemand umsonst gestorben ist, der sein Leben für Freiheit

und Gerechtigkeit eingesetzt hat.

Vaterunser

Oration

Gott, unser Vater, sieh an unsere Not und wende uns dein Erbarmen

zu. Stärke den Glauben deiner Kinder und erleichtere

ihre Bürde, damit sie sich mit Zuversicht deiner Vorsehung anvertrauen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Samstag, 15. Januar 2022

Namenstag: hl. Romedius (Pilger, Einsiedler in Südtirol, 5. Jh.) · hl.

Maurus (Schüler und Gehilfe Benedikts, 6. Jh.) · sel. Konrad von

Mondsee (Abt, † 1145, siehe auch den Beitrag auf den Seiten 364–

366) · Anton von Ilbenstadt (Prämonstratenser, † um 1149) · hl. Arnold

Janssen (Gründer der Steyler Missionare, † 1909)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Hymnus

Ich komme wie ein Kranker zu dir,

du Arzt meines Lebens.

Wie ein Unreiner komm ich zu dir,

du Quell des Erbarmens,

wie ein Blinder zu dir,

du Licht von ewiger Klarheit.

Wie ein Armer flieh ich zu dir,

du Herr über Himmel und Erde.

Nach Thomas von Aquin

Psalm 131

Herr, mein Herz ist nicht stolz, *

nicht hochmütig blicken meine Augen.

Ich gehe nicht um mit Dingen, *

die mir zu wunderbar und zu hoch sind.

Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; *

wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.


165

Samstag, 15. Januar · Morgen

Israel, harre auf den Herrn *

von nun an bis in Ewigkeit!

Ehre sei dem Vater ...

Lass uns zur Ruhe kommen bei dir, treuer Gott, wir sind ja

deine Kinder. Schenke uns Einfalt des Herzens, damit wir alles,

was uns nottut, von deiner Liebe erhoffen.

Lesung

1 Sam 16, 7b

Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der

Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht

das Herz.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Licht aus der Höhe, leuchte allen, die in Finsternis sind und im

Schatten des Todes.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns durch seinen Sohn getröstet hat. Zu

ihm rufen wir:

A: Vater, hilf uns auf.

– Wenn wir von unserer Umgebung verachtet und ausgegrenzt

werden.

– Wenn wir angesichts des wachsenden Unglaubens den Mut

verlieren.

– Wenn uns ein lieber Mensch für immer genommen wurde.

Vaterunser

Oration

Heiliger Gott, mache unser Herz hell durch den Glanz der Auferstehung

deines Sohnes, damit das Dunkel des Todes uns nicht


Eucharistie · Samstag, 15. Januar 166

befalle und wir zum ewigen Licht gelangen. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott. Du kennst uns besser, als wir uns selber kennen. Du

weißt, wie sehr wir der Änderung und Umkehr bedürfen.

Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran oder mit List. Du

kommst zu uns mit deinem Wort – deinem offenen und guten,

deinem fordernden und heilenden Wort. Gib, dass wir dir heute

nicht ausweichen, dass wir uns öffnen und dein Wort annehmen:

Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der

in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in

alle Ewigkeit.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel


1 Sam 9, 1–4.17–19; 10, 1 (1a)

In jenen Tagen lebte in Benjamin ein Mann namens Kisch,

ein Sohn Abiëls, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats,

des Sohnes Afiachs, ein wohlhabender Benjaminiter. Er hatte

einen Sohn namens Saul, der jung und schön war; kein anderer

unter den Israeliten war so schön wie er; er überragte alle um

Haupteslänge.

Eines Tages verliefen sich die Eselinnen von Sauls Vater Kisch.

Da sagte Kisch zu seinem Sohn Saul: Nimm einen von den

Knechten, mach dich mit ihm auf den Weg und such die Eselinnen!

Sie durchquerten das Gebirge Efraim und durchstreiften

das Gebiet von Schalischa, fanden sie aber nicht. Sie zogen

durch das Gebiet von Schaalim – ohne Erfolg; dann durchwanderten

sie das Land Jemini, fanden sie aber wieder nicht.


167

Samstag, 15. Januar · Eucharistie

Als Samuel Saul sah, sagte der Herr zu ihm: Das ist der Mann,

von dem ich dir gesagt habe: Der wird über mein Volk herrschen.

Saul trat mitten im Tor zu Samuel und fragte: Sag mir doch,

wo das Haus des Sehers ist. Samuel antwortete Saul: Ich bin

der Seher. Geh vor mir her zur Kulthöhe hinauf! Ihr sollt heute

mit mir essen. Morgen früh will ich dich dann weiterziehen

lassen. Ich werde dir Auskunft über alles geben, was du auf

dem Herzen hast.

Früh am Morgen nahm Samuel den Ölkrug und goss Saul das

Öl auf das Haupt, küsste ihn und sagte: Hiermit hat der Herr

dich zum Fürsten über sein Erbe gesalbt.

Impuls zur Lesung

Jung und schön. Aber kann das alles sein? Angesichts des gegenwärtigen

Jugend- und Schönheitswahns stutzen wir. Doch

die Schönheit des, hier: zukünftigen, Königs ist den Samuel-

Büchern wichtig. Schönheit gilt als sichtbarer Ausdruck von

Gottes Segen (vgl. Ps 45, 3.8). Schönheit liegt, das ist auch

wahr, im Auge des Betrachters. Als unsere Freundin sich verlobte,

sagte ihr Vater meiner Mutter im Vertrauen: „Der Stall

ist gut.“ Das ist nicht 3000 oder 300, sondern 30 Jahre her. Eigentlich

ist es hier auch so: Wer ist Saul? Der Stall ist gut. Der

Vater war schon ein Held (die Einheitsübersetzung legt den

Schwerpunkt auf seinen Reichtum). Saul ist ein junger Mann.

In der Erzählkunst des 1. Samuel-Buches ist das nicht bloß

eine Altersangabe, sondern signalisiert: Von diesem Menschen

ist noch Großes zu erwarten. Da wartet eine Zukunft. Auf ihn;

auf uns? Auf alle? Und, vor allem: Wird es Gottes Zukunft sein?

Antwortpsalm Ps 21, 2–7

Kehrvers: An deiner Macht, o Herr, freut sich der König.

An deiner Macht, Herr, freut sich der König; *

über deine Hilfe, wie jubelt er laut!


Eucharistie · Samstag, 15. Januar 168

Du hast ihm den Wunsch seines Herzens erfüllt, *

ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten.

Kehrvers: An deiner Macht, o Herr, freut sich der König.

Du kamst ihm entgegen mit Segen und Glück, *

du kröntest ihn mit einer goldenen Krone.

Leben erbat er von dir, du gabst es ihm, *

viele Tage, für immer und ewig. – Kehrvers

Groß ist sein Ruhm durch deine Hilfe, *

du hast ihn bekleidet mit Hoheit und Pracht.

Du machst ihn zum Segen für immer; *

wenn du ihn anblickst,

schenkst du ihm große Freude. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 2a, ferner GL 263 · GL 1975 152, 1 · KG 364 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Jes 61, 1 (Lk 4,18)

Halleluja. Halleluja.

Der Herr hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu

bringen und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 2, 13–17

In jener Zeit ging Jesus wieder hinaus an den See. Da kamen

Scharen von Menschen zu ihm, und er lehrte sie. Als er weiterging,

sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und

sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm.

Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, aßen viele Zöllner

und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern; denn

es folgten ihm schon viele.

Als die Schriftgelehrten, die zur Partei der Pharisäer gehörten,

sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie

zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und

Sündern essen?


169

Samstag, 15. Januar · Abend

Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen

den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um

die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Hymnus

ein fest

fängt

bei mir

selber

an

ich

halt mich

nicht

zurück

denn

wenn

ein fest

für alle

glückt

bin ich

ein stück

von

diesem

glück

die freude

die

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Samstag, 15. Januar 170

beim fest

sich zeigt

ist vorschein

von

dem

glück

das aufsteigt

und uns

alle

eint

als ewigkeit

im augenblick

Wilhelm Willms

Psalm 37 Verse 1–11

Errege dich nicht über die Bösen, *

wegen der Übeltäter ereifere dich nicht!

Denn sie verwelken schnell wie das Gras, *

wie grünes Kraut verdorren sie.

Vertrau auf den Herrn und tu das Gute, *

bleib wohnen im Land und bewahre Treue!

Freu dich innig am Herrn! *

Dann gibt er dir, was dein Herz begehrt.

Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertrau ihm; *

er wird es fügen.

Er bringt deine Gerechtigkeit heraus wie das Licht *

und dein Recht so hell wie den Mittag.

Sei still vor dem Herrn und harre auf ihn! /

Erhitze dich nicht über den Mann, dem alles gelingt, *

den Mann, der auf Ränke sinnt.


171

Samstag, 15. Januar · Abend

Steh ab vom Zorn und lass den Grimm; *

erhitze dich nicht, es führt nur zu Bösem!

Denn die Bösen werden ausgetilgt; *

die aber auf den Herrn hoffen,

werden das Land besitzen.

Eine Weile noch, und der Frevler ist nicht mehr da; *

schaust du nach seiner Wohnung – sie ist nicht mehr zu finden.

Doch die Armen werden das Land bekommen, *

sie werden Glück in Fülle genießen.

Ehre sei dem Vater ...

Treuer Gott, dir vertrauen wir uns an. Lass deine Gerechtigkeit

in uns leuchten, hell lass es werden in der Welt.

Lesung Zef 3, 14.15b

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke

von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der König Israels,

der Herr, ist in deiner Mitte.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich über

dich dein Gott.

Fürbitten

Verborgener Gott, auf vielfältige Weise baust du uns Brücken zu

dir. Wir bitten dich:

A: Tu uns den Himmel auf!

– Wenn wir Mahl miteinander halten.

– Wenn wir dein Wort miteinander hören und gemeinsam beten.

– In unserem Streben nach Versöhnung in unseren Lebensgemeinschaften

und Glaubensfamilien.

– Im dankbaren Gedenken an unsere Verstorbenen.


Abend · Samstag, 15. Januar 172

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du gebietest über Himmel und Erde, du hast

Macht über die Herzen der Menschen. Darum kommen wir

voll Vertrauen zu dir; stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit

mühen, und schenke unserer Zeit deinen Frieden. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Der Herr lasse uns wachsen

und reich werden an Liebe zueinander

und mache unser Herz stark und untadelig

in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater.

Salve Regina (Seite 379)


173

Samstag, 15. Januar · Von Woche zu Woche

Von Woche zu Woche

Das Geschenk

(zu Joh 2, 1–11)

Wer ist Jesus von Nazaret?

Was hat er mit Gott zu tun?

Und was soll dieses – zunächst –

widerwillig gewirkte Wein-Wunder?

„Füllt die Krüge mit Wasser!“

Was bedeutet Jesu Tat,

das „Geschenkwunder“,

für mich und mein Leben?

Vielleicht geht es genau darum:

ob ich das Geschenk annehmen kann

– und mein Leben sich weitet,

wundersam wandelt und wächst.

Dorothee Sandherr-Klemp


16. Januar 2022

2. Sonntag im Jahreskreis

Namenstag: hl. Marzellus I. (Papst, † um 308) · hl. Honorat (Gründer

des Klosters Lérins, Bischof von Arles, † 429) · hl. Tillo von Solignac

(Tilmann, Goldschmied, Mönch, Einsiedler, † um 702) · Ulrich von

Blücher (Prämonstratenser, Bischof von Ratzeburg, † 1284) · Theobald

von Geisling (Franziskaner, „Apostel Österreichs“, † 1520)

Ökumenischer Gedenktag: Georg Burkhardt Spalatin (deutscher Humanist,

Theologe und Reformator, 1484–1545)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Singt dem Herrn und preist seinen Namen,

verkündet sein Heil von Tag zu Tag!

Ps 96, 2

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Singt, singt dem Herren neue Lieder,

er ist’s allein, der Wunder tut.

Seht, seine Rechte sieget wieder,

sein heilger Arm gibt Kraft und Mut.

Wo sind nun alle unsre Leiden?

Der Herr schafft Ruh und Sicherheit;


175

Sonntag, 16. Januar · Morgen

er selber offenbart den Heiden

sein Recht und seine Herrlichkeit.

Der Herr gedenkt an sein Erbarmen,

und seine Wahrheit stehet fest;

er trägt sein Volk auf seinen Armen

und hilft, wenn alles uns verlässt.

Bald schaut der ganze Kreis der Erde,

wie unsers Gottes Huld erfreut.

Gott will, dass sie ein Eden werde;

rühm, Erde, Gottes Herrlichkeit!

Frohlocket, jauchzet, rühmet alle,

erhebet ihn mit Lobgesang!

Sein Lob tön im Posaunenschalle,

in Psalter- und in Harfenklang!

Auf, alle Völker, jauchzt zusammen,

Gott macht, dass jeder jauchzen kann;

sein Ruhm, sein Lob muss euch entflammen,

kommt, betet euren König an!

Das Weltmeer brause aller Enden,

jauchzt, Erde, Menschen, jauchzt vereint!

Die Ströme klatschen wie mit Händen;

ihr Berge, hüpft, der Herr erscheint!

Er kommt, er naht sich, dass er richte

den Erdkreis in Gerechtigkeit

und zwischen Recht und Unrecht schlichte;

des sich die Unschuld ewig freut.

Matthias Jorissen 1798 – EG 286 – Melodie: GL 385 · GL 1975 269 · KG 440

Psalm 104 Verse 13–23

Du, Herr, tränkst die Berge aus deinen Kammern, *

aus deinen Wolken wird die Erde satt.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh, *

auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut,


Morgen · Sonntag, 16. Januar 176

damit er Brot gewinnt von der Erde *

und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,

damit sein Gesicht von Öl erglänzt *

und Brot das Menschenherz stärkt.

Die Bäume des Herrn trinken sich satt, *

die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, *

auf den Zypressen nistet der Storch.

Die hohen Berge gehören dem Steinbock, *

dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.

Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten, *

die Sonne weiß, wann sie untergeht.

Du sendest Finsternis, und es wird Nacht, *

dann regen sich alle Tiere des Waldes.

Die jungen Löwen brüllen nach Beute, *

sie verlangen von Gott ihre Nahrung.

Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim *

und lagern sich in ihren Verstecken.

Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, *

an seine Arbeit bis zum Abend.

Ehre sei dem Vater ...

Den Reichtum der Erde hast du allen Geschöpfen gegeben, du

unser Vater. Führe uns neu in die Gemeinschaft mit allem, was

lebt. Lass uns heute deine Kinder werden.

Lesung Jes 65, 18–19

Ihr sollt euch ohne Ende freuen und jubeln über das, was ich

erschaffe. Denn ich mache aus Jerusalem Jubel und aus seinen

Einwohnern Freude. Ich will über Jerusalem jubeln und

mich freuen über mein Volk. Nie mehr hört man dort lautes

Weinen und lautes Klagen.


177

Sonntag, 16. Januar · Morgen

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Zu Kana fand eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei.

Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.

Bitten

Auf dein Wort hin, Jesus, haben die Leute in Kana die Krüge

mit Wasser gefüllt. Auch wir wollen tun, was du uns sagst, und

bitten:

A: Wandle unser Wasser in Wein.

– Dass wir uns dir zuwenden, wenn wir nicht weiterwissen.

– Dass wir neu lernen, einfach zu leben.

– Dass wir die in unserem Alltag verborgenen Kostbarkeiten

sehen und genießen lernen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du gebietest über Himmel und Erde, du hast

Macht über die Herzen der Menschen. Darum kommen wir

voll Vertrauen zu dir; stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit

mühen, und schenke unserer Zeit deinen Frieden. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Der Gott der Hoffnung erfülle uns mit aller Freude

und mit allem Frieden im Glauben,

damit wir reich werden an Hoffnung

in der Kraft des Heiligen Geistes.

Vgl. Röm 15, 13


Eucharistie · Sonntag, 16. Januar 178

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 146, 272, 389, 400, 422, 484, 487 · KG 143,

210, 518, 544, 545

Gloria

Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,

sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.

Ps 66, 4

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Jesaja Jes 62, 1–5

Um Zions willen werde ich nicht schweigen, um Jerusalems

willen nicht still sein, bis hervorbricht wie ein helles Licht

seine Gerechtigkeit und sein Heil wie eine brennende Fackel.

Dann sehen die Nationen deine Gerechtigkeit und alle Könige

deine Herrlichkeit. Man ruft dich mit einem neuen Namen,

den der Mund des HERRN für dich bestimmt. Du wirst zu einer

prächtigen Krone in der Hand des HERRN, zu einem königlichen

Kopfschmuck in der Hand deines Gottes.

Nicht länger nennt man dich „Verlassene“ und dein Land

nicht mehr „Verwüstung“, sondern du wirst heißen: „Ich habe

Gefallen an dir“ und dein Land wird „Vermählte“ genannt. Denn

der HERR hat an dir Gefallen und dein Land wird vermählt.

Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt

sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut

über die Braut, so freut sich dein Gott über dich. Wie der Bräutigam

sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.

Impuls zur Lesung

Nicht länger nennt man dich „Verlassene“ und dein Land nicht

mehr „Verwüstung“. Sondern: „Ich habe Gefallen an dir.“ Das

ist ein Wort! Es ist Gottes Wort, Gottes Wort an Zion, Gottes

Wort für Zion. Gott ist nun im Wort. Und der Herr steht zu


179

Sonntag, 16. Januar · Eucharistie

seinem Wort. Die sogenannten, die selbst ernannten Realisten

sehen es anders. Das wird nichts mehr. Ihr habt doch Flausen

im Kopf. Willkommen in der Wirklichkeit. Der biblische Prophet

steht für einen anderen Realismus ein. Die wirklichste

Wirklichkeit heißt biblisch – Gott.

Antwortpsalm Ps 96, 1–4.6–7.10

Kehrvers:

Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn!

Singet dem HERRN ein neues Lied, *

singt dem HERRN, alle Lande,

singt dem HERRN, preist seinen Namen! *

Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! – Kehrvers

Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, *

bei allen Völkern von seinen Wundern!

Denn groß ist der HERR und hoch zu loben, *

mehr zu fürchten als alle Götter. – Kehrvers

Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, *

Macht und Glanz in seinem Heiligtum.

Bringt dar dem HERRN, ihr Stämme der Völker, *

bringt dar dem HERRN Ehre und Macht! – Kehrvers

Verkündet bei den Nationen: *

Der HERR ist König!

Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. *

Er richtet die Völker so, wie es recht ist. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 3a, ferner GL 54, 1 oder KG 491 (VIII. Ton)

oder GL 1975 529, 6 (II. Ton)

Lesung aus dem ersten Korintherbrief 1 K or 12, 4–11

Schwestern und Brüder! Es gibt verschiedene Gnadengaben,

aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber

nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken,

aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.


Eucharistie · Sonntag, 16. Januar 180

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit

sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe

geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch denselben

Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, einem anderen

in demselben Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer

in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem

anderen Kräfte, Machttaten zu wirken, einem anderen prophetisches

Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu

unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von

Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.

Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er

seine besondere Gabe zu, wie er will.

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Thess 2, 14

Halleluja. Halleluja.

Durch das Evangelium hat Gott uns berufen zur Herrlichkeit

Jesu Christi, unseres Herrn.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 2, 1–11

In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und

die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren

zur Hochzeit eingeladen.

Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben

keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir,

Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter

sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungssitte

der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert

Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!

Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft

jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist!

Sie brachten es ihm.


181

Sonntag, 16. Januar · Eucharistie

Dieser kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er

wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das

Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam

rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor

und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger

guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.

So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte

seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

Credo

Gabengebet

Herr, gib, dass wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern;

denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen,

vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung. Durch Christus,

unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu

danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren

Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen

Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau.

Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit

und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben

erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit

den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Kommunionvers 1 Joh 4, 16

Wir haben die Liebe erkannt und an die Liebe geglaubt, die

Gott zu uns hat.

Schlussgebet

Barmherziger Gott, du hast uns alle mit dem einen Brot des

Himmels gestärkt. Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe, da-


Auslegung · Sonntag, 16. Januar 182

mit wir ein Herz und eine Seele werden. Darum bitten wir

durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure

Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus

Jesus.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Peter Köster

D

ie Mutter Jesu kommt im Johannes-Evangelium zweimal

vor: hier und unter dem Kreuz (Joh 19, 25–27). Beide Male

wird sie von Jesus mit „Frau“ angeredet, und hier wie dort

spricht der Evangelist von der „Stunde“ Jesu. In Kana steht die

Mutter Jesu noch nicht für die Glaubenden. Sie repräsentiert

den wartenden und hoffenden Teil Israels. Sie ist bereit, auf den

von Gott bestimmten Kairós (d. h. „Zeitpunkt“, „Augenblick“,

Anm. d. Red.) zu warten. Am Ende unter dem Kreuz ist sie

Urbild und Mutter des neuen Volkes, das Gott sich unabhängig

von Familie und Sippe, von Nation und Gesellschaft „aus Wasser

und Geist“ (Joh 3, 5) erschafft. Ihr Wort an die Diener greift

dem Wirken Jesu nicht vor und führt gleichzeitig zu ihm hin.

Wer auf ihn hört und tut, was er sagt, erhält Anteil an der Fülle

des Lebens, das er für jeden bereithält.

Peter Köster SJ (Theologe, geistlicher Lehrer, * 1936),

aus: Ders., Lebensorientierung am Johannes-Evangelium.

Eine geistliche Auslegung auf fachexegetischer Grundlage, 40,

© EOS Verlag, St. Ottilien 2013


183

Sonntag, 16. Januar · Abend

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Herr, zeige uns den Morgenstern

und führe uns zum Land des Friedens,

wo uns der Ewige erwartet,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, öffne uns das Lebensbuch,

darin die Namen stehn geschrieben,

die uns der Ewige gegeben,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, sende uns in deine Welt

und deute uns der Zeiten Zeichen.

Es will der Ewige uns rufen,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, schließ uns auf das große Tor

zur neuen Stadt, zum Zelt der Liebe.

Dort lässt der Ewige uns wohnen,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, bitte uns an deinen Tisch,

an dem wir mit dir Hochzeit feiern.

Uns hat der Ewige geladen,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Helmut Schlegel, © 2015 Dehm Verlag, Limburg


Abend · Sonntag, 16. Januar 184

Canticum

Röm 8, 31b–35.37–38a.39b

Antiphon:

Weder Tod noch Leben können uns scheiden von der Liebe Gottes,

die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Redaktion Magnificat nach Röm 8, 39

Ist Gott für uns, *

wer ist dann gegen uns?

Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, /

sondern ihn für uns alle hingegeben – *

wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? /

Gott ist es, der gerecht macht. *

Wer kann sie verurteilen?

Christus Jesus, der gestorben ist,

mehr noch: der auferweckt worden ist, *

sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? /

Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, *

Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

Doch all das überwinden wir durch den, *

der uns geliebt hat.

Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben

noch irgendeine andere Kreatur /

können uns scheiden von der Liebe Gottes, *

die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung Jes 12, 5–6

Preist den Herrn, denn herrliche Taten hat er vollbracht; auf

der ganzen Erde soll man es wissen. Jauchzt und jubelt, ihr

Bewohner von Zion; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige

Israels.


185

Sonntag, 16. Januar · Abend

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Zu Kana in Galiläa tat Jesus sein erstes Zeichen und offenbarte

seine Herrlichkeit.

Fürbitten

Jesus, du hast das Leben genossen und mit den Menschen gefeiert.

Wir bitten dich:

A: Gib uns Anteil an deiner Freude.

Für die Menschen, die sich nach Sinn und Erfüllung sehnen;

– dass sie ihren Weg zu dir finden.

Für die Menschen, die nichts zu lachen haben;

– dass sie Menschen begegnen, die ihnen nahe sind.

Für alle, die sich vor lauter Lebenshunger in Exzessen verlieren;

– dass sie die Kraft tragfähiger Gemeinschaft erfahren.

Für alle, die enttäuscht und verbittert gestorben sind;

– dass sie bei dir wieder froh werden.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du gebietest über Himmel und Erde, du hast

Macht über die Herzen der Menschen. Darum kommen wir

voll Vertrauen zu dir; stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit

mühen, und schenke unserer Zeit deinen Frieden. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Der gütige Gott nähre unsern Leib

und schenke uns Kraft, seine Werke zu tun.

Er labe unser Herz, dass unsere Freude überspringt

und wir mit unseren Mitmenschen in seiner Fülle leben.

Salve Regina (Seite 379)


Montag, 17. Januar 2022

Heiliger Antonius

Antonius (um 251–356) wird zu Recht auch „der Große“ und

„Vater des Mönchtums“ genannt. Er stammte aus Mittelägypten

und erbte nach dem Tod der Eltern schon in jungen Jahren

deren großes Vermögen. Das Evangelium vom reichen Jüngling bewog

ihn, seinen ganzen Besitz zu verschenken und als Einsiedler

ein asketisches Leben zu führen, zuerst in der Nähe seines Heimatortes,

später am Rande der libyschen Wüste, wo er von zahlreichen

Anfechtungen heimgesucht wurde, und schließlich an einem einsamen

Berg jenseits des Nils. Viele Jünger ließen sich in seiner Nähe

als Einsiedler nieder. Diese Gemeinschaft war das Vorbild späterer

Mönchsgemeinschaften. Trotz seiner Abgeschiedenheit nahm Antonius

auch am Weltgeschehen Anteil. Er war mit Kaiser Konstantin

und dessen Söhnen in brieflichem Kontakt. Mehrfach verließ er

seine Einsiedelei. So ging er zur Zeit der Christenverfolgung unter

Maximinus Daia nach Alexandria, um die Christen dort zu stärken.

Hochbetagt unterstützte er Athanasius, indem er öffentlich gegen

die Arianer auftrat. Er soll 105 Jahre alt geworden sein.

Schrifttexte: Lesung: Eph 6, 10–13.18; Evangelium: Mt 19, 16–26

Namenstag: sel. Gamelbert (Gründer des Klosters Metten, 8. Jh.) ·

Beatrix von Cappenberg (Prämonstratenserin, Schwester Gottfrieds,

12. Jh.) · hl. Rosalina von Celle-Roubaud (Kartäuserin, Mystikerin,

† 1329)

Heute ist Tag des Judentums (in Österreich, Italien, den Niederlanden

und Polen).

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


187

Montag, 17. Januar · Morgen

Hymnus

In der Wüste suche ich dein Angesicht,

in der Wüste ernährt mich dein Brot.

Ich fürchte nicht, in deiner Spur zu gehen,

dein lebendiges Wasser sprudelt für meinen Durst.

In der Wüste höre ich dein Wort,

in der Wüste, fern vom Lärm,

tröstet mich die Erinnerung an dein Gesetz.

Verborgener Gott, du willst zu meinem Herzen sprechen.

In der Wüste atme ich deine Luft.

In der Wüste wohnt der Geist,

er ist die Kraft am Morgen, die mich treibt.

Er ist das Feuer, das mir vorausgeht in der Nacht.

Aus: Reinhard Lettmann, Zeit der Gnade, 38,

© 2000 Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.bube.de

Psalm 42 Verse 2–6

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, *

so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.

Meine Seele dürstet nach Gott, *

nach dem lebendigen Gott.

Wann darf ich kommen *

und Gottes Antlitz schauen?

Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht; *

denn man sagt zu mir den ganzen Tag: „Wo ist nun dein Gott?“

Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke: /

wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, *

mit Jubel und Dank in feiernder Menge.

Meine Seele, warum bist du betrübt *

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, *

meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Ehre sei dem Vater ...


Morgen · Montag, 17. Januar 188

Du unsere Sehnsucht, nach deinem Leben dürsten wir. Mit Jubel

und Dank lass uns zu dir kommen.

Lesung Jes 55, 3

Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet

ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen,

gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Als Antonius in die Kirche kam, hörte er das Wort Jesu: Wenn

du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib

das Geld den Armen. Dann komm und folge mir nach!

Redaktion Magnificat nach Athanasius

Bitten

Lasst uns beten zu unserem Gott, der die Gerechtigkeit liebt:

A: Dein Reich komme.

– Öffne uns für deine Gegenwart, damit deine Güte in uns

Raum gewinnt.

– Bekleide uns mit deinem Heil, dass wir deine Freude in unsere

Welt tragen.

– Lass uns in der Kraft deines liebenden Geistes allem Unrecht

und Hass entgegentreten.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, du hast den heiligen Mönchsvater Antonius

aus der Welt herausgerufen und ihm die Kraft gegeben, in der

Einsamkeit der Wüste vor dir zu leben. Hilf uns auf seine Fürbitte,

uns selbst zu überwinden und dich über alles zu lieben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


189

Montag, 17. Januar · Eucharistie

Der ewige Gott, der ist, der war und der kommen wird,

sei bei uns heute und alle Tage,

bis wir auf immer sein Angesicht schauen.

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 15, 16–23

In jenen Tagen sagte Samuel zu Saul: Ich will dir verkünden,

was der Herr mir heute Nacht gesagt hat. Saul antwortete:

Sprich!

Samuel sagte: Bist du nicht, obwohl du dir gering vorkommst,

das Haupt der Stämme Israels? Der Herr hat dich zum König von

Israel gesalbt. Dann hat dich der Herr auf den Weg geschickt

und gesagt: Geh und weihe die Amalekiter, die Übeltäter, dem

Untergang; kämpfe gegen sie, bis du sie vernichtet hast. Warum

hast du nicht auf die Stimme des Herrn gehört, sondern hast

dich auf die Beute gestürzt und getan, was dem Herrn missfällt?

Saul erwiderte Samuel: Ich habe doch auf die Stimme des

Herrn gehört; ich bin den Weg gegangen, auf den der Herr mich

geschickt hat; ich habe Agag, den König von Amalek, hergebracht

und die Amalekiter dem Untergang geweiht. Aber das

Volk hat von der Beute einige Schafe und Rinder genommen,

das Beste von dem, was dem Untergang geweiht war, um es

dem Herrn, deinem Gott, in Gilgal zu opfern.

Samuel aber sagte: Hat der Herr an Brandopfern und Schlachtopfern

das gleiche Gefallen wie am Gehorsam gegenüber der

Stimme des Herrn? Wahrhaftig, Gehorsam ist besser als Opfer,

Hinhören besser als das Fett von Widdern. Denn Trotz ist ebenso

eine Sünde wie die Zauberei, Widerspenstigkeit ist ebenso

schlimm wie Frevel und Götzendienst. Weil du das Wort des

Herrn verworfen hast, verwirft er dich als König.


Eucharistie · Montag, 17. Januar 190

Antwortpsalm

Kehrvers:

Wer rechtschaffen lebt, dem zeig’ ich mein Heil.

Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, *

deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.

Doch nehme ich von dir Stiere nicht an *

noch Böcke aus deinen Hürden. – Kehrvers

„Was zählst du meine Gebote auf *

und nimmst meinen Bund in deinen Mund?

Dabei ist Zucht dir verhasst, *

meine Worte wirfst du hinter dich. – Kehrvers

Das hast du getan, und ich soll schweigen? /

Meinst du, ich bin wie du? *

Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.

Ps 50, 8–9.16b–17.21.23

Wer Opfer des Lobes bringt, ehrt mich; *

wer rechtschaffen lebt, dem zeig’ ich mein Heil.“ – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 23b, ferner GL 31, 1 (IV. Ton)

oder GL 1975 170, 1 (II. Ton) oder KG 794 (I. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Hebr 4, 12

Halleluja. Halleluja.

Lebendig ist das Wort Gottes und kraftvoll. Es richtet über die

Regungen und Gedanken der Herzen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 2, 18–22

Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten,

kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine

Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger

der Pharisäer fasten?

Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten,

solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam

bei ihnen ist, können sie nicht fasten.


191

Montag, 17. Januar · Abend

Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam

genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.

Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn

der neue Stoff reißt doch vom alten Kleid ab, und es entsteht

ein noch größerer Riss. Auch füllt niemand neuen Wein in alte

Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist

verloren, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört

in neue Schläuche.

Impuls zum Evangelium

Das Leben ein Fest – wer träumt denn da? Doch im heutigen

Evangelium klingt es ähnlich. Jesu Wort bringt zum Ausdruck,

dass mit seinem Auftreten die Worte der Propheten über die

kommende Heilszeit erfüllt sind (Jes 61, 10; 62, 5). Hochzeiten

werden auch heute groß gefeiert. Zur Zeit Jesu nahmen sie oft

mehrere Tage in Anspruch. Wer wie die Pharisäer zwei Fasttage

in der Woche hielt, musste – oder durfte – bei einer solchen Gelegenheit

flexibel reagieren: Wer wird denn fasten können, während

die anderen mit dem Brautpaar festen? Ein solches Verhalten

müsste die Festfreude und Festgemeinschaft mit Braut und

Bräutigam verletzen. Wie halten wir es? Christliche Existenz ist

Hoch-Zeit und Sehnsuchtszeit, von Sehnsucht erfüllte Wartezeit,

zugleich. Und doch, was wäre, wenn wir Jesu Hochzeitswort zu

Ehren brächten? Würde Kirche dann endgültig zu einer weltabgewandten

Insel der Seligen? Oder wären wir dann vielleicht

gelöst wie Festgäste – und gerade darum empfindlich für alles,

was Menschen daran hindert, das Fest ihres Lebens zu feiern?

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Montag, 17. Januar 192

Innehalten am Abend

Es kommt eine Zeit, in der die Leute närrisch werden, und

wenn sie einen sehen, der kein Narr ist, dann stehen sie gegen

ihn auf und sagen: Du bist verrückt. Deswegen, weil er ihnen

nicht ähnlich ist.

Antonius (Heiliger des Tages)

• Wie viel Abweichung vom Gewohnten und Tradierten gestehe

ich mir selbst zu?

• Wie viel Abweichung kann ich anderen zugestehen?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Gott sorgt für mich, was will ich sorgen,

er ist mein Vater, ich sein Kind;

er sorgt für heut, er sorgt für morgen,

sodass ich täglich Spuren find,

wie Gott die Seinen väterlich erhält und schirmt:

Gott sorgt für mich.

Gott sorgt für mich an Seel und Leibe,

mit Wort und Gnade die Seel er nährt,

und wenn in Gott mein Werk ich treibe,

wird mir auch täglich Brot beschert.

Wohl mir, solang ich festiglich auf Gott vertrau:

Gott sorgt für mich.

Johann Caspar Wetzel (1691–1755)

GL 843 (Anhang Rottenburg-Stuttgart) – Strophen 1 und 2

Psalm 40 Verse 2–9

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. *

Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.

Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, *

aus Schlamm und Morast.


193

Montag, 17. Januar · Abend

Er stellte meine Füße auf den Fels, *

machte fest meine Schritte.

Er legte mir ein neues Lied in den Mund, *

einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott.

Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen *

und auf den Herrn vertrauen.

Wohl dem Mann, der auf den Herrn sein Vertrauen setzt, *

sich nicht zu den Stolzen hält noch zu treulosen Lügnern.

Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, /

und deine Pläne mit uns; *

Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich.

Wollte ich von ihnen künden und reden, *

es wären mehr, als man zählen kann.

An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, *

Brand- und Sündopfer forderst du nicht.

Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; /

darum sage ich: Ja, ich komme. *

In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist.

Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, *

deine Weisung trag ich im Herzen.

Ehre sei dem Vater ...

Du unser Retter, die Menschen, die auf dich hoffen, lässt du

nicht zugrunde gehen. Öffne uns den Mund, dass wir dich preisen.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.

Lesung Jer 17, 7–8

Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen

Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am

Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er

hat nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt; seine Blätter

bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge,

unablässig bringt er seine Früchte.


Abend · Montag, 17. Januar 194

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Antonius hörte den Herrn im Evangelium sagen: Sorgt euch

nicht um morgen!

Redaktion Magnificat nach Athanasius

Fürbitten

Unser treuer Vater sorgt für uns Tag für Tag. Mit allen, die uns

nahestehen, vertrauen wir uns ihm an und bitten:

A: Beschütze uns durch deine Engel.

– Mit unseren Eltern und Kindern.

– Mit unseren Verwandten und Freunden.

– Mit unseren Kollegen und Mitarbeitern.

– Mit allen, die wir aus den Augen verloren haben.

– Mit unseren Verstorbenen.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, du hast den heiligen Mönchsvater Antonius

aus der Welt herausgerufen und ihm die Kraft gegeben, in der

Einsamkeit der Wüste vor dir zu leben. Hilf uns auf seine Fürbitte,

uns selbst zu überwinden und dich über alles zu lieben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der erhabene Gott,

der hinabschaut in die Tiefe

und den Schwachen aus dem Staub emporhebt,

er segne uns und alle, die uns nahe sind.

Er schenke uns Frieden und Freude.

Nach Ps 113, 6 f.

Salve Regina (Seite 379)


Dienstag, 18. Januar 2022

Namenstag: hl. Priska (Märtyrerin, 1. Jh.) · Odilo von Bayern (Bayernherzog,

Stifter des Klosters Niederaltaich, † 748) · sel. Regina Protmann

(Ordensgründerin, † 1613)

Heute beginnt unter dem Leitwort „Wir haben seinen Stern im Osten

gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten“ (Mt 2, 2) die Gebetswoche

für die Einheit der Christen.

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Du Licht des Himmels, großer Gott,

der ausgespannt das Sternenzelt

und der es hält mit starker Hand,

du sendest Licht in unsre Welt.

Die Morgenröte zieht herauf

und überstrahlt das Sternenheer,

der graue Nebel löst sich auf,

Tau netzt die Erde segensschwer.

Das Reich der Schatten weicht zurück,

das Tageslicht nimmt seinen Lauf;

und strahlend, gleich dem Morgenstern,

weckt Christus uns vom Schlafe auf.

Du, Christus, bist der helle Tag,

das Licht, dem unser Licht entspringt,


Morgen · Dienstag, 18. Januar 196

Gott, der mit seiner Allmacht Kraft

die tote Welt zum Leben bringt.

Erlöser, der ins Licht uns führt

und aller Finsternis entreißt,

dich preisen wir im Morgenlied

mit Gott, dem Vater, und dem Geist. Amen.

Nach: Deus, qui caeli lumen es; 5.–6. Jahrhundert

GL 615 · GL 1979 229 · KG 473 – andere Melodie: EG 437

Psalm 53 Verse 2–7

Die Toren sagen in ihrem Herzen: *

„Es gibt keinen Gott.“

Sie handeln verwerflich und schnöde; *

da ist keiner, der Gutes tut.

Gott blickt vom Himmel herab auf die Menschen, *

ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.

Alle sind sie abtrünnig und verdorben, *

keiner tut Gutes, auch nicht ein Einziger.

Haben denn die Übeltäter keine Einsicht? *

Sie verschlingen mein Volk.

Sie essen Gottes Brot, *

doch seinen Namen rufen sie nicht an.

Es trifft sie Furcht und Schrecken, *

obwohl doch nichts zu fürchten ist.

Deinen Bedrängern hat Gott die Glieder zerschlagen. *

Gott lässt sie scheitern, denn er hat sie verworfen.

Ach käme doch vom Zion Hilfe für Israel! /

Wenn Gott einst das Geschick seines Volkes wendet, *

dann jubelt Jakob, dann freut sich Israel.

Ehre sei dem Vater ...

Gott unserer Hoffnung, in Jesus hast du uns Hilfe gebracht. Gib,

dass wir auf ihn hören und immer neu zu dir umkehren.


197

Dienstag, 18. Januar · Morgen

Lesung 2 Kor 1, 21–22

Gott, der uns und euch in der Treue zu Christus festigt und

der uns alle gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel

aufgedrückt und als ersten Anteil (am verheißenen Heil) den

Geist in unser Herz gegeben hat.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Aus den Händen aller, die uns hassen, errette uns, o Herr.

Bitten

Gepriesen bist du, unser Schöpfer, du hast die Kirche auf deinen

Sohn gegründet. Wir bitten dich:

A: Lass uns ganz auf Jesus bauen.

Wo wir liebgewordene Gewohnheiten für unaufgebbar halten,

– lass die Freude über unsere Erlösung uns zu neuer Gemeinschaft

befreien.

Wo gegensätzliche Auffassungen unüberbrückbar erscheinen,

– lass sie uns geduldig betend vor dein Angesicht tragen.

Wo wir deine Gegenwart in gemeinsamer Feier mit Glaubenden

anderer Konfessionen erfahren,

– lass unsere Freude fruchtbar werden für die Versöhnung unserer

Kirchen.

Vaterunser

Oration

Herr Jesus Christus, du wahres Licht, das alle Menschen erleuchtet,

damit sie das Heil finden, gib uns die Kraft, deinem

Frieden und deiner Gerechtigkeit den Weg zu bereiten. Der du

in der Einheit des Heiligen Geistes mit Gott dem Vater lebst und

herrschest in alle Ewigkeit.


Eucharistie · Dienstag, 18. Januar 198

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott. Du bist uns nahe, noch bevor wir zu dir kommen. Du bist

bei uns, noch bevor wir uns aufmachen zu dir. Sieh deine Gemeinde,

die auf dich schaut: Sieh unsere Sehnsucht nach Glück,

unseren Willen zum Guten und unser Versagen. Erbarme dich

unserer Armut und Leere. Fülle sie mit deinem Leben, mit deinem

Glück, mit deiner Liebe. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 16, 1–13

In jenen Tagen sprach der Herr zu Samuel: Wie lange willst du

noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll

nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit

Öl und mach dich auf den Weg!

Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir

einen von seinen Söhnen als König ausersehen. Samuel erwiderte:

Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und

mich umbringen. Der Herr sagte: Nimm ein junges Rind mit

und sag: Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer

darzubringen. Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich

dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den

salben, den ich dir nennen werde.

Samuel tat, was der Herr befohlen hatte. Als er nach Betlehem

kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen

und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden? Er antwortete:

Frieden. Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer

darzubringen. Heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer!


199

Dienstag, 18. Januar · Eucharistie

Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer

ein.

Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht

nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel:

Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt,

denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das,

worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen

ist, der Herr aber sieht das Herz. Nun rief Isai den Abinadab

und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat

der Herr nicht erwählt. Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte:

Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.

So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel

sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt. Und er fragte

Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt

noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai:

Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht

zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte

also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte

schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf,

salbe ihn! Denn er ist es.

Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten

unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David

von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach

Rama zurück.

Impuls zur Lesung

Ein neuer König wird ausgesucht, aber weder vom Volk noch

von Kurfürsten. Gott selber wählt. Der Erwählte ist einer der

Söhne Isais, nur so viel weiß Samuel, der Prophet. Mit einem

Horn voll Salböl steht er vor den Kandidaten. Unter diesen erwachsenen,

diesen stattlichen und erfahrenen Männern wird

sich der Richtige doch wohl finden lassen! Es sind sieben. Eine

Zahl, die Vollkommenheit und Vollständigkeit ausdrückt: Sieben

sind genug. Doch in diesem Auswahlverfahren gilt etwas


Eucharistie · Dienstag, 18. Januar 200

anderes: Es muss doch mehr als alle geben! David, der nicht

infrage zu kommen schien, der Jüngste, mit dem keiner rechnet,

der nicht zählt, er wird schließlich vom Feld geholt. Er ist

Gottes Erwählter: „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,

der Herr aber sieht das Herz.“

Antwortpsalm Ps 89, 20–22.29.27–28

Kehrvers:

Ich habe David, meinen Knecht, gefunden.

Einst hast du in einer Vision

zu deinen Frommen gesprochen: /

„Einen Helden habe ich zum König gekrönt, *

einen jungen Mann aus dem Volk erhöht.

Ich habe David, meinen Knecht, gefunden *

und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt. – Kehrvers

Beständig wird meine Hand ihn halten *

und mein Arm ihn stärken.

Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, *

mein Bund mit ihm bleibt allzeit bestehen. – Kehrvers

Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, *

mein Gott, der Fels meines Heiles.

Ich mache ihn zum erstgeborenen Sohn, *

zum Höchsten unter den Herrschern der Erde.“ – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 21a, ferner GL 60, 1 · GL 1975 233, 7 · KG 30, 5 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Eph 1, 17–18

Halleluja. Halleluja.

Der Vater unseres Herrn Jesus Christus erleuchte die Augen unseres

Herzens, damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir

berufen sind.

Halleluja.


201

Dienstag, 18. Januar · Abend

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 2, 23–28

An einem Sabbat ging Jesus durch die Kornfelder, und unterwegs

rissen seine Jünger Ähren ab. Da sagten die Pharisäer

zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten.

Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als

er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten

– wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus

Gottes ging und die heiligen Brote aß, die außer den Priestern

niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab?

Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da,

nicht der Mensch für den Sabbat. Deshalb ist der Menschensohn

Herr auch über den Sabbat.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Schwache und verschobene Köpfe verschieben und verändern

sich am wenigsten wieder, und ihr innerer Mensch kleidet sich

sparsam um.

Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, 1763–1825)

• Wen habe ich als Kind oder junger Mensch als geistig beweglich,

wahrhaft lebendig erfahren?

• Geistige Starre und die Fixierung auf Traditionen – wo begegnen

sie mir heute?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)


Abend · Dienstag, 18. Januar 202

Hymnus

Herr und Gott, die Lichter schwinden,

deine Kirche wacht.

Wer dir singt, der wird dich finden:

Du wohnst in der Nacht.

Lass uns ein, du allein

kannst uns Licht in deinem Dunkel sein.

Herr und Gott, die Sterne drehen

ihren Tanz dir zu.

Welten steigen und vergehen,

du bleibst immer du.

Lass uns ein, du allein

wirst im Tode unser Leben sein.

Herr, den wir nicht schauen können,

gib uns doch dein Licht.

Menschen, deren Lampen brennen,

zeigst du dein Gesicht.

Lass uns ein, du allein

senkst die Welt in Frieden ein.

Halleluja.

Aus: Silja Walter, Gesamtausgabe, Band 10,

© 2005 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br.

Psalm 54 Verse 3–6.8–9

Hilf mir, Gott, durch deinen Namen, *

verschaff mir Recht mit deiner Kraft!

Gott, höre mein Flehen, *

vernimm die Worte meines Mundes!

Denn es erheben sich gegen mich stolze Menschen, /

freche Leute trachten mir nach dem Leben; *

sie haben Gott nicht vor Augen.

Doch Gott ist mein Helfer, *

der Herr beschützt mein Leben.


203

Dienstag, 18. Januar · Abend

Freudig bringe ich dir dann mein Opfer dar *

und lobe deinen Namen, Herr; denn du bist gütig.

Der Herr hat mich herausgerissen aus all meiner Not, *

und mein Auge kann auf meine Feinde herabsehn.

Ehre sei dem Vater ...

Höre unser Rufen, treuer Gott, befreie uns aus aller Not! Du bist

unser Helfer, auf dich setzen wir unsere Hoffnung.

Lesung Jes 66, 1–2

So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde

der Schemel für meine Füße. Was wäre das für ein Haus, das

ihr mir bauen könntet, was wäre das für ein Ort, an dem ich

ausruhen könnte? Denn all das hat meine Hand gemacht, es gehört

mir ja schon – Spruch des Herrn. Ich blicke auf den Armen

und Zerknirschten und auf den, der zittert vor meinem Wort.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Großes hat an mir getan der Mächtige, sein Name ist heilig.

Fürbitten

Christus Jesus, deine Kirchen sollen Orte der Freude sein, wo

deine Gegenwart spürbar wird. Wir bitten dich:

A: Komm in unsre Mitte.

– Dass wir Glaubenden dir bei jedem Gottesdienst ein Stück

näherkommen.

– Dass wir bei jeder Eucharistiefeier zur lebendigen Gemeinschaft

deines Leibes zusammenwachsen.

– Dass unsere Gotteshäuser auch außerhalb der Liturgie von

deinem guten Geist erfüllt sind.

– Dass unsere Glaubensgemeinschaften durch gemeinsames

Tun in deinem Sinne überwinden, was uns noch trennt.


Abend · Dienstag, 18. Januar 204

– Dass die Verbindung zu unseren Verstorbenen durch dich lebendig

bleibt.

A: Komm in unsre Mitte.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, dein ist der Tag, und dein ist die Nacht. Lass

Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, in unseren Herzen nicht

untergehen, damit wir aus dem Dunkel dieser Zeit in das Licht

gelangen, in dem du wohnst. Darum bitten wir durch ihn, Jesus

Christus.

Salve Regina (Seite 379)

Christus Jesus, der Auferstandene,

komme den Seinen zu Hilfe.

In der ewigen Herrlichkeit

zähle er uns seinen Heiligen zu.

Nach dem Te Deum


Mittwoch, 19. Januar 2022

Namenstag: hl. Marius und hl. Marta (Eheleute, Märtyrer, † um 300) ·

hl. Makarios der Große (ägypt. Mönch, † 390)

Ökumenischer Gedenktag: Johann Michael Hahn (schwäbischer Pietist,

1758–1819)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Lass mich, o Herr, in allen Dingen

auf deinen Willen sehn und dir mich weihn;

gib selbst das Wollen und Vollbringen

und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.

Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;

dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Gib meinem Glauben Mut und Stärke

und lass ihn in der Liebe tätig sein,

dass man an seinen Früchten merke,

er sei kein eitler Traum und falscher Schein.

Er stärke mich in meiner Pilgerschaft

und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft.

Lass mich, solang ich hier soll leben,

in gut und bösen Tagen sein vergnügt

und deinem Willen mich ergeben,

der mir zum Besten alles weislich fügt;

gib Furcht und Demut, wann du mich beglückst,

Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst.


Morgen · Mittwoch, 19. Januar 206

Ach, hilf mir beten, wachen, ringen,

so will ich dir, wenn ich den Lauf vollbracht,

stets Dank und Ruhm und Ehre bringen,

dir, der du alles hast so wohl gemacht.

Dann werd ich heilig, rein und dir geweiht,

dein Lob verkündigen in Ewigkeit.

Georg Joachim Zollikofer 1766

EG 414

Psalm 52 Verse 3–11

Was rühmst du dich deiner Bosheit, du Mann der Gewalt, *

was prahlst du allzeit vor dem Frommen?

Du Ränkeschmied, du planst Verderben; *

deine Zunge gleicht einem scharfen Messer.

Du liebst das Böse mehr als das Gute *

und Lüge mehr als wahrhaftige Rede.

Du liebst lauter verderbliche Worte, *

du tückische Zunge.

Darum wird Gott dich verderben für immer, /

dich packen und herausreißen aus deinem Zelt, *

dich entwurzeln aus dem Land der Lebenden.

Gerechte werden es sehen und sich fürchten; *

sie werden über ihn lachen und sagen:

„Seht, das ist der Mann, *

der nicht zu Gott seine Zuflucht nahm;

auf seinen großen Reichtum hat er sich verlassen *

und auf seinen Frevel gebaut.“

Ich aber bin im Haus Gottes wie ein grünender Ölbaum; *

auf Gottes Huld vertraue ich immer und ewig.

Ich danke dir, Herr, in Ewigkeit; *

denn du hast das alles vollbracht.


207

Mittwoch, 19. Januar · Morgen

Ich hoffe auf deinen Namen im Kreis der Frommen; *

denn du bist gütig.

Ehre sei dem Vater ...

Mit Zorn erfüllt uns, wie sich manche aus Hochmut und Menschenverachtung

verhalten. Gebiete ihnen Einhalt, Gott, und

öffne uns die Augen, wo wir versagen. Hilf uns, bei uns selbst

zu beginnen. Wandle unser Herz.

Lesung Röm 8, 35.37

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis

oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr

oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt

hat.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Dienet dem Herrn in Heiligkeit, denn er befreit uns aus der

Hand unserer Feinde.

Bitten

Lasst uns beten zu Gott, dem Grund unserer Hoffnung:

A: Lass dein Licht leuchten.

– Für uns, damit wir dich finden.

– In uns, damit wir uns freuen.

– Durch uns, damit unsere Welt hell wird.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, lass es hellen Tag werden in unserem Herzen,

damit wir nicht in die Irre gehen, sondern auf dem Weg deiner

Gebote bleiben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Eucharistie · Mittwoch, 19. Januar 208

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, unser Vater, alles Gute kommt allein von dir. Schenke uns

deinen Geist, damit wir erkennen, was recht ist, und es mit

deiner Hilfe auch tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel

1 Sam 17, 32–33.37.40–51

In jenen Tagen sagte David zu Saul: Niemand soll wegen des

Philisters den Mut sinken lassen. Dein Knecht wird hingehen

und mit diesem Philister kämpfen. Saul erwiderte ihm:

Du kannst nicht zu diesem Philister hingehen, um mit ihm zu

kämpfen; du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.

Und David sagte weiter: Der Herr, der mich aus der Gewalt

des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der

Gewalt dieses Philisters retten. Da antwortete Saul David: Geh,

der Herr sei mit dir.

David nahm seinen Stock in die Hand, suchte sich fünf glatte

Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er

bei sich hatte und die ihm als Schleudersteintasche diente. Die

Schleuder in der Hand, ging er auf den Philister zu.

Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger

schritt vor ihm her. Voll Verachtung blickte der Philister

David an, als er ihn sah; denn David war noch sehr jung, er

war blond und von schöner Gestalt. Der Philister sagte zu David:

Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir

kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern. Er rief

David zu: Komm nur her zu mir, ich werde dein Fleisch den

Vögeln des Himmels und den wilden Tieren zum Fraß geben.


209

Mittwoch, 19. Januar · Eucharistie

David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit

Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im

Namen des Herrn der Heere, des Gottes der Schlachtreihen Israels,

den du verhöhnt hast. Heute wird dich der Herr mir ausliefern.

Ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen.

Die Leichen des Heeres der Philister werde ich noch heute den

Vögeln des Himmels und den wilden Tieren zum Fraß geben.

Alle Welt soll erkennen, dass Israel einen Gott hat. Auch alle,

die hier versammelt sind, sollen erkennen, dass der Herr nicht

durch Schwert und Speer Rettung verschafft; denn es ist ein

Krieg des Herrn, und er wird euch in unsere Gewalt geben.

Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David

herankam, lief auch David von der Schlachtreihe der Israeliten

aus schnell dem Philister entgegen. Er griff in seine Hirtentasche,

nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den

Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein, und der

Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden.

So besiegte David den Philister mit einer Schleuder und einem

Stein; er traf den Philister und tötete ihn, ohne ein Schwert

in der Hand zu haben. Dann lief David hin und trat neben den

Philister. Er ergriff sein Schwert, zog es aus der Scheide, schlug

ihm den Kopf ab und tötete ihn. Als die Philister sahen, dass ihr

starker Mann tot war, flohen sie.

Impuls zur Lesung

David und Goliat! Auch wenn der kleine Proviantträger den

gewaltigen Kampfprofi tötet – als Paar wurden sie unsterblich.

In der Bibel nimmt das Judit-Buch das Motiv des radikal ungleichen

und doch siegreichen Kampfes auf, wenn Judit durch

die Tötung des Feldherrn das bedrohte Israel retten kann. Das

kleine Israel, das sich gegen wechselnde Großmächte behaupten

musste, konnte sich in der Geschichte von David und Goliat

besonders gut wiederfinden. Aber wir alle können das. Es

ist wohl der Anteil des Kindes in uns, das – Eltern mögen es

manchmal anders erleben – der Erwachsenenwelt der Riesen


Eucharistie · Mittwoch, 19. Januar 210

wie ein machtloser Zwerg gegenübersteht. David ist hier kein

Krieger, in der Welt des Krieges ist er nur zu Besuch. Und gerade

ihm wird Israels Schicksal anvertraut. Er übernimmt Verantwortung.

Er sucht keinen Streit, aber weicht dem Streithahn

auch nicht aus. David, ein Hüter, kein Krieger. Vielleicht ist er

so der Sieger?

Antwortpsalm

Kehrvers:

Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist.

Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, *

der meine Hände den Kampf gelehrt hat,

meine Finger den Krieg.

Du bist meine Huld und Burg, /

meine Festung, mein Retter, *

mein Schild, dem ich vertraue. – Kehrvers

Ein neues Lied will ich, o Gott, dir singen, *

auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen,

Ps 144, 1–2c.9–10

der du den Königen den Sieg verleihst *

und David, deinen Knecht, errettest. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 1a, ferner GL 401 · GL 1975 496

oder 745, 1 · KG 85, 7 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Mt 4, 23b

Jesus verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk

alle Krankheiten und Leiden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 3, 1–6

In jener Zeit, als Jesus in eine Synagoge ging, saß dort ein

Mann, dessen Hand verdorrt war. Und sie gaben acht, ob


211

Mittwoch, 19. Januar · Abend

Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen

Grund zur Anklage gegen ihn.

Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf

und stell dich in die Mitte! Und zu den anderen sagte er: Was ist

am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten

oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen.

Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über

ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand

aus! Er streckte sie aus, und seine Hand war wieder gesund.

Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit

den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Der Glückliche ist mit sich und seiner Umgebung einig.

Oscar Wilde (irischer Schriftsteller, 1854–1900)

• Was lässt mich zufrieden, ja glücklich sein?

• Was beunruhigt und stresst mich?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

O Gott, aus deinem klaren Licht

schufst du für uns den hellen Tag.

Wir suchen dich, des Lichtes Quell,

nun, da der Tag hinuntersinkt.


Abend · Mittwoch, 19. Januar 212

Die Sonne eilt dem Westen zu

auf ihrer vorbestimmten Bahn,

rasch senkt der Abend sich herab

und hüllt die Welt in Dunkelheit.

Wir flehn zu dir, o höchster Herr,

ermüdet von des Tages Last:

Mit deinem Segen nehme uns

die Nacht in ihre Ruhe auf.

Wenn unser letzter Tag sich neigt,

dann wehre, Herr, der Finsternis

und führe uns in deiner Huld

zum Licht, das keinen Abend kennt.

Dies schenk uns, Vater voller Macht,

und du, des Vaters einz’ger Sohn,

die ihr in Einheit mit dem Geist

auf ewig thront im Reich des Lichts. Amen.

Nach: Deus, qui claro lumine; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 628 – alternative Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469

Psalm 55 Verse 2–9

Vernimm, o Gott, mein Beten; *

verbirg dich nicht vor meinem Flehen!

Achte auf mich und erhöre mich! *

Unstet schweife ich umher und klage.

Das Geschrei der Feinde macht mich verstört; *

mir ist angst, weil mich die Frevler bedrängen.

Sie überhäufen mich mit Unheil *

und befehden mich voller Grimm.

Mir bebt das Herz in der Brust; *

mich überfielen die Schrecken des Todes.

Furcht und Zittern erfassten mich; *

ich schauderte vor Entsetzen.


213

Mittwoch, 19. Januar · Abend

Da dachte ich: „Hätte ich doch Flügel wie eine Taube, *

dann flöge ich davon und käme zur Ruhe.“

Weit fort möchte ich fliehen, *

die Nacht verbringen in der Wüste.

An einen sicheren Ort möchte ich eilen *

vor dem Wetter, vor dem tobenden Sturm.

Ehre sei dem Vater ...

Wie oft setzt uns das Leben Widerstände entgegen, wie oft bringen

uns Menschen in Bedrängnis! Gott, unser Schutz, gib uns

Ruhe und Sicherheit.

Lesung 1 Petr 5, 5b–7

Begegnet einander in Demut. Denn Gott tritt den Stolzen entgegen,

den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt

euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er

euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist. Werft alle eure Sorge

auf ihn, denn er kümmert sich um euch.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Machtvolle Taten vollbringt der Herr, er zerstreut, die im Herzen

voll Hochmut sind.

Fürbitten

Auch in unserer Zeit erleben wir, dass David den Goliat besiegt.

So lasst uns Gott bitten:

A: Stärke unsere Hoffnung.

– Dass wir trotz unserer begrenzten Möglichkeiten beitragen

können, Frieden und Gerechtigkeit voranzubringen.

– Dass Menschen, die einen Neuanfang wagen, im Leben wieder

Fuß fassen können.


Abend · Mittwoch, 19. Januar 214

– Dass auch kleine Unternehmen Chancen haben, in der Wirtschaftswelt

zu bestehen.

A: Stärke unsere Hoffnung.

– Dass die Lebensfreude und die Solidarität der Armen unsere

konsumorientierte Gesellschaft verwandeln helfen.

– Dass niemand vergessen bleibt, der einsam und elend gestorben

ist.

Vaterunser

Oration

Gott, dein Name ist heilig, und deine Barmherzigkeit wird gerühmt

von Geschlecht zu Geschlecht. Nimm das Abendgebet

deiner Kirche an und gib, dass in ihr dein Lobpreis niemals

verstumme. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Donnerstag, 20. Januar 2022

Heiliger Fabian

Heiliger Sebastian

Fabian war 236–250 Bischof von Rom und baute die römische

Kirche organisatorisch aus. Er unterteilte Rom in sieben Bezirke,

die jeweils von einem Diakon geleitet und verwaltet wurden.

Mit der jungen Kirche war der Bedarf an Klerikern gewachsen,

deren Aufgaben stärker differenziert werden mussten. Neben den

höheren Ämtern (Bischof, Presbyter, Diakon) sollen unter seinem

Pontifikat auch fünf Ämter niederen Ranges (darunter Subdiakon

und Lektor) entstanden sein. Fabian starb 250 als Märtyrer während

der Christenverfolgung unter Kaiser Decius.

Schrifttexte: Lesung: 1 Petr 5, 1–4; Evangelium: Joh 21, 1.15–17

Sebastian ist ein Märtyrer der frühen Christenheit, der weitgehend

in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts lebte und

um 300 getötet wurde. Der Legende nach war er ein Offizier der

kaiserlichen Garde, der sich zu seinem christlichen Glauben bekannte

und deshalb auf Befehl des Kaisers Diokletian an einen

Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt wurde. Als seine

Wunden wider Erwarten heilten, soll er vor den Kaiser getreten

sein und diesen mutig des Verbrechens der Christenverfolgung beschuldigt

haben. Daraufhin habe ihn der erzürnte Kaiser mit Keulen

erschlagen lassen.

Schrifttexte: Lesung: 1 Petr 3, 14–17; Evangelium: Mt 10, 28–33

Namenstag: hl. Heinrich von Uppsala (Glaubensbote in Finnland,

Märtyrer, 12. Jh.) · Ursula Haider von Leutkirch (Klarissin, Äbtissin,

Förderin der Passions- und Herz-Jesu-Verehrung, † 1498) · Jakob Potfliet

(Franziskaner, † 1628)


Morgen · Donnerstag, 20. Januar 216

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Sieh, das Firmament spannt seinen Bogen

unermesslich um den Erdkreis aus,

und das Weltmeer rollet seine Wogen

endlos ins Unendliche hinaus:

Sieh, und doch reicht’s an die Menschenseele

nicht an Größe, nicht an Herrlichkeit;

denn der Gottheit heiligste Kapelle

ist ein Herz, von keiner Schuld entweiht.

Drum sei stolz auf deine Menschenwürde,

hüte deiner Seele goldne Ruh,

wehre der befleckenden Begierde,

und an Gottes Engel reichest du.

Adalbert Stifter (1805–1868)

Psalm 81 Verse 2–17

Jubelt Gott zu, er ist unsre Zuflucht; *

jauchzt dem Gott Jakobs zu!

Stimmt an den Gesang, schlagt die Pauke, *

die liebliche Laute, dazu die Harfe!

Stoßt in die Posaune am Neumond *

und zum Vollmond, am Tag unsres Festes!

Denn das ist Satzung für Israel, *

Entscheid des Gottes Jakobs.

Das hat er als Gesetz für Josef erlassen, *

als Gott gegen Ägypten auszog.


217

Donnerstag, 20. Januar · Morgen

Eine Stimme höre ich, die ich noch nie vernahm: /

Seine Schulter hab ich von der Bürde befreit, *

seine Hände kamen los vom Lastkorb.

Du riefst in der Not, *

und ich riss dich heraus;

ich habe dich aus dem Gewölk des Donners erhört, *

an den Wassern von Meríba geprüft.

Höre, mein Volk, ich will dich mahnen! *

Israel, wolltest du doch auf mich hören!

Für dich gibt es keinen andern Gott. *

Du sollst keinen fremden Gott anbeten.

Ich bin der Herr, dein Gott,

der dich heraufgeführt hat aus Ägypten. *

Tu deinen Mund auf! Ich will ihn füllen.

Doch mein Volk hat nicht auf meine Stimme gehört; *

Israel hat mich nicht gewollt.

Da überließ ich sie ihrem verstockten Herzen, *

und sie handelten nach ihren eigenen Plänen.

Ach, dass doch mein Volk auf mich hörte, *

dass Israel gehen wollte auf meinen Wegen!

Wie bald würde ich seine Feinde beugen, *

meine Hand gegen seine Bedränger wenden.

Alle, die den Herrn hassen, müssten Israel schmeicheln, *

und das sollte für immer so bleiben.

Ich würde es nähren mit bestem Weizen *

und mit Honig aus dem Felsen sättigen.

Ehre sei dem Vater ...

Du unsere Zuflucht, unser Schutz, wie oft richten wir uns danach,

was wir selbst uns vorstellen und wünschen. Öffne uns

die Ohren, damit wir deine Stimme vernehmen, und mach unser

Herz bereit, dir zu folgen.


Morgen · Donnerstag, 20. Januar 218

Lesung Röm 14, 17–19

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit,

Friede und Freude im Heiligen Geist. Und wer

Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den

Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum

Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Lass uns, Herr, dein Heil erfahren und vergib uns unsere Sünden.

Bitten

Gott, unser Schöpfer, du hast uns Menschen hohe Würde gegeben.

Wir bitten dich:

A: In deiner Freiheit lass uns leben.

– Dass wir frohen Herzens unsere Möglichkeiten ergreifen, die

Welt in deinem Sinn zu gestalten.

– Dass wir dir danken, für all das, was du uns täglich gibst.

– Dass wir ein waches Gespür dafür entwickeln, wo unser Handeln

gefragt ist.

Vaterunser

Oration

Herr und Gott, du wahres Licht, gib, dass wir in der Tiefe unseres

Herzens gläubig erfassen, was heilig ist, und in der Klarheit

deines Lichtes diesen Tag verbringen. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.


219

Donnerstag, 20. Januar · Eucharistie

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott. In Jesus von Nazaret hast du der Welt den neuen Menschen

gegeben. Wir danken dir, dass wir ihn kennen dürfen;

dass sein Wort und Beispiel in dieser Stunde unter uns lebendig

wird. Öffne uns für seine Gegenwart. Rühre uns an mit seinem

Geist. Mach durch ihn auch uns zu neuen Menschen. Darum

bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel

1 Sam 18, 6–9; 19, 1–7

In jenen Tagen, als die Israeliten nach Davids Sieg über den

Philister heimkehrten, zogen die Frauen aus allen Städten

Israels König Saul singend und tanzend mit Handpauken, Freudenrufen

und Zimbeln entgegen. Die Frauen spielten und riefen

voll Freude: Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend.

Saul wurde darüber sehr zornig. Das Lied missfiel ihm,

und er sagte: David geben sie Zehntausend, mir aber geben sie

nur Tausend. Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde. Von

diesem Tag an war Saul gegen David voll Argwohn.

Saul redete vor seinem Sohn Jonatan und vor allen seinen

Dienern davon, dass er David töten wolle. Sauls Sohn Jonatan

aber hatte David sehr gern; deshalb berichtete er David davon

und sagte: Mein Vater Saul will dich töten. Nimm dich also morgen

früh in Acht, verbirg dich in einem Versteck! Ich aber will

zusammen mit meinem Vater auf das Feld hinausgehen; dort,

wo du dich versteckt hältst, werde ich stehenbleiben und mit

meinem Vater über dich reden, und wenn ich etwas erfahre,

werde ich dir Bescheid geben.

Jonatan redete also zugunsten Davids mit seinem Vater und

sagte zu ihm: Der König möge sich doch nicht an seinem Knecht

David versündigen; denn er hat sich ja auch nicht an dir versündigt,

und seine Taten sind für dich sehr nützlich gewesen. Er


Eucharistie · Donnerstag, 20. Januar 220

hat sein Leben aufs Spiel gesetzt und den Philister erschlagen.

Der Herr hat durch ihn ganz Israel viel Hilfe gebracht. Du hast

es selbst gesehen und dich darüber gefreut. Warum willst du

dich nun versündigen und unschuldiges Blut vergießen, indem

du David ohne jeden Grund tötest? Saul hörte auf Jonatan und

schwor: So wahr der Herr lebt: David soll nicht umgebracht

werden.

Jonatan rief David und berichtete ihm alles. Dann führte Jonatan

David zu Saul, und David war wieder in Sauls Dienst wie

vorher.

Impuls zur Lesung

Warum ist allein Saul argwöhnisch gegenüber David, dem die

Siege und die Herzen zufliegen? Hätte Jonatan, Sauls Prinz,

Sohn, sein logischer, legitimer Nachfolger, nicht mindestens

ebenso viel Anlass, sich bedroht zu fühlen? Keine Angst vor

Konkurrenz? Kein Kampf auf Leben und Tod um die Macht?

„Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben“, heißt es in Vers

18, 2, der nicht Teil unseres Lesungsabschnittes ist. Das ist

wohl die Antwort. Wo Liebe ist, hat Furcht keinen Platz. Wo

wir der Liebe aktiv Raum geben, da kann sich die Angst vor

dem anderen wandeln in die Sorge um ihn.

Antwortpsalm Ps 56, 2–3.9–13

Kehrvers:

Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen

mir antun?

Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach; *

meine Feinde bedrängen mich Tag für Tag.

Täglich stellen meine Gegner mir nach; *

ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpfen. – Kehrvers

Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir. /

Sammle meine Tränen in einem Krug, *

zeichne sie auf in deinem Buch!


221

Donnerstag, 20. Januar · Eucharistie

Dann weichen die Feinde zurück *

an dem Tag, da ich rufe. – Kehrvers

Ich habe erkannt: *

Mir steht Gott zur Seite.

Ich preise Gottes Wort, *

ich preise das Wort des Herrn. – Kehrvers

Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. *

Was können Menschen mir antun?

Ich schulde dir die Erfüllung meiner Gelübde, o Gott; *

ich will dir Dankopfer weihen. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 5bc, ferner GL 1975 625, 1

oder GL 76, 1 · GL 1975 698, 1 (II. Ton) oder KG 636 (IV. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Tim 1, 10

Halleluja. Halleluja.

Unser Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen

und uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 3, 7–12

In jener Zeit zog sich Jesus mit seinen Jüngern an den See

zurück. Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm. Auch

aus Judäa, aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits

des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen

Scharen von Menschen zu ihm, als sie von all dem hörten, was

er tat. Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für

ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.

Denn er heilte viele, sodass alle, die ein Leiden hatten, sich an

ihn herandrängten, um ihn zu berühren. Wenn die von unreinen

Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder

und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Er aber verbot ihnen

streng, bekannt zu machen, wer er sei.


Abend · Donnerstag, 20. Januar 222

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

So eine wahre, warme Freude ist nicht in der Welt, als eine

große Seele zu sehen, die sich gegen einen öffnet.

Johann Wolfgang von Goethe (deutscher Dichter, 1749–1832)

• Wem gegenüber kann ich mich vertrauensvoll öffnen?

• Wer kann sich mir anvertrauen?

Confiteor (Seite 43), Erbarme dich (Seite 53) – oder:

Bitten wir Gott, den Herrn, um Vergebung für das Leid, das

wir einander antun; dass wir einander vernachlässigen und vergessen;

dass wir einander nicht verstehen und nicht ertragen;

dass wir Böses reden und oft von Groll und Bitterkeit erfüllt

sind; dass wir nicht vergessen können. Lasset uns beten um Verzeihung

für alle Sünden, die die Menschen in ihrer Ohnmacht

gegeneinander begehen.

GL 1975 7, 2

Hymnus

Nimm gnädig, guter Herr und Gott,

uns diese Nacht in deine Hut;

lass uns in dir geborgen sein:

In deinem Frieden ruht sich’s gut.

Dieweil die müden Glieder ruhn,

bleib unser Herz dir zugewandt.

Wir sind dein Volk, das dir vertraut:

Beschütze uns mit starker Hand.


223

Donnerstag, 20. Januar · Abend

Dir sei, Gott Vater, Sohn und Geist,

die Ruhe dieser Nacht geweiht.

Umfängt uns einst des Todes Nacht,

führ uns ins Licht der Herrlichkeit. Amen.

Nach: Christe, qui lux es et dies (Christe, qui splendor et dies);

5.–6. Jahrhundert

Melodie: GL 663 · GL 1975 696 · KG 284 – alternative Melodie: EG 469

Psalm 119

Du hast deinem Knecht Gutes erwiesen, *

o Herr, nach deinem Wort.

Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil! *

Ich vertraue auf deine Gebote.

Verse 65–72 Tet

Ehe ich gedemütigt wurde, ging mein Weg in die Irre; *

nun aber halte ich mich an deine Verheißung.

Du bist gut und wirkst Gutes. *

Lehre mich deine Gesetze!

Stolze verbreiten über mich Lügen, *

ich aber halte mich von ganzem Herzen an deine Befehle.

Abgestumpft und satt ist ihr Herz, *

ich aber ergötze mich an deiner Weisung.

Dass ich gedemütigt wurde, war für mich gut; *

denn so lernte ich deine Gesetze.

Die Weisung deines Mundes ist mir lieb, *

mehr als große Mengen von Gold und Silber.

Ehre sei dem Vater ...

Wir preisen dich, Gott, denn Tag für Tag erweist du uns deine

Güte. An deine Verheißung wollen wir uns halten.

Lesung 1 Thess 5, 23

Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre

euern Geist, eure Seele und euern Leib unversehrt,


Abend · Donnerstag, 20. Januar 224

damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr,

kommt.

Nunc dimittis – Lobgesang des Simeon

Antiphon zum Nunc dimittis:

Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz,

wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen

in seinem Frieden.

Fürbitten

Einen Massenzulauf wagen wir Christinnen und Christen heute

kaum noch zu erwarten. Dennoch sind viele Menschen auf

der Suche. Bitten wir den Auferstandenen um seinen Beistand:

A: Menschensohn, komm uns zu Hilfe.

– Dass wir Glaubenden unseren Mitmenschen verlässliche

Weggefährten sind.

– Dass wir Vergebung üben und Frieden stiften.

– Dass wir Trauernde trösten und Arme in unsere Mitte holen.

– Dass deine Kirche ein Hort der Gerechtigkeit wird.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, sende uns in dieser Nacht einen ruhigen

Schlaf, damit wir uns von der Mühe des Tages erholen und morgen

mit neuer Kraft dir dienen können. Darum bitten wir durch

Christus, unseren Herrn.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Freitag, 21. Januar 2022

Heiliger Meinrad

Heilige Agnes

Meinrad (um 800–861) stammte aus der Nähe von Rottenburg.

Im Benediktinerkloster auf der Bodenseeinsel Reichenau erzogen,

empfing er dort mit fünfundzwanzig Jahren die Priesterweihe

und wurde Benediktinermönch. Er suchte die Einsamkeit und

zog sich 835 in eine Einsiedelei im „Finsteren Walde“ zurück, wo

heute das Benediktinerkloster Einsiedeln steht. Freundliche Menschen

brachten ihm Geschenke, die er sogleich an die Armen der

Umgebung weitergab. Mit jedem Wanderer teilte er das wenige,

das ihm blieb. 861 wurde er von zwei Räubern erschlagen, die er

zuvor bewirtet hatte.

Schrifttexte: Lesung: 1 Petr 4, 12–19; Evangelium: Mt 16, 24–27

Agnes ist eine Märtyrerin der frühen Kirche. Sie lebte im dritten

Jahrhundert. Ihr Kult bestand schon im vierten Jahrhundert

in Rom und breitete sich bald in der abendländischen Kirche aus.

Dennoch gibt es über ihr Leben und Sterben keine sicheren Nachrichten.

Ungewiss ist, ob sie enthauptet oder verbrannt wurde. Der

Legende nach soll das junge Mädchen sich geweigert haben, den

Sohn des Stadtpräfekten zu heiraten, da sie sich Christus versprochen

habe. Trotz Drohungen und Demütigungen sei sie standhaft

geblieben und schließlich getötet worden.

Schrifttexte: Lesung: 1 Kor 1, 26–31; Evangelium: Mt 13, 44–46

Namenstag: hl. Patroklus (Märtyrer, † um 259) · Agnes Aislinger (Reklusin

beim Kloster Rebdorf in Eichstätt, † 1504)

Ökumenischer Gedenktag: Matthias Claudius (Dichter, 1740–1815)


Morgen · Freitag, 21. Januar 226

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

All Morgen ist ganz frisch und neu

des Herren Gnad und große Treu;

sie hat kein End den langen Tag,

drauf jeder sich verlassen mag.

O Gott, du schöner Morgenstern,

gib uns, was wir von dir begehrn:

Zünd deine Lichter in uns an,

lass uns an Gnad kein Mangel han.

Treib aus, o Licht, all Finsternis;

behüt uns, Herr, vor Ärgernis,

vor Blindheit und vor aller Schand,

und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

zu wandeln als am lichten Tag,

damit, was immer sich zutrag,

wir stehn im Glauben bis ans End

und bleiben von dir ungetrennt.

Johannes Zwick, um 1541

GL 710 (Anhang München-Freising) · GL 1975 666 · KG 670 · EG 440

Psalm 59 Verse 2–5.10–11.17–18

Entreiß mich den Feinden, mein Gott, *

beschütze mich vor meinen Gegnern!

Entreiß mich denen, die Unrecht tun, *

rette mich vor den Mördern!


227

Freitag, 21. Januar · Morgen

Sieh her: Sie lauern mir auf, *

Mächtige stellen mir nach.

Ich aber habe keinen Frevel begangen und keine Sünde; *

Herr, ich bin ohne Schuld.

Sie stürmen vor und stellen sich auf. *

Wach auf, komm mir entgegen, sieh her!

Meine Stärke, an dich will ich mich halten, *

denn du, Gott, bist meine Burg.

Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen; *

Gott lässt mich herabsehen auf meine Gegner.

Ich aber will deine Macht besingen, *

will über deine Huld jubeln am Morgen.

Denn du bist eine Burg für mich, *

bist meine Zuflucht am Tag der Not.

Meine Stärke, dir will ich singen und spielen, *

denn du, Gott, bist meine Burg, mein huldreicher Gott.

Ehre sei dem Vater ...

Du unsre Stärke, dir wollen wir singen und spielen. Komm uns

entgegen und hilf uns, damit wir voll Zuversicht auf deinen Wegen

gehen.

Lesung Eph 2, 13–16

Jetzt seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus

Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. Denn

er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile – Juden und

Heiden – und riss durch sein Sterben die trennende Wand der

Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz mit seinen Geboten und

Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen

neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte

die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er

hat in seiner Person die Feindschaft getötet.


Eucharistie · Freitag, 21. Januar 228

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns besucht

das aufstrahlende Licht aus der Höhe.

Bitten

Lasst uns beten zu unserem Vater, der uns allezeit nahe ist:

V: Erweise, Herr, uns deine Huld

A: und schenke uns dein Heil.

– Gib uns die Kraft, Feindseligkeit mit Güte zu vergelten.

– Öffne uns die Augen für deine Pläne und gib uns Geduld,

wenn wir Widerständen begegnen.

– Lass uns in unserem Tun als deine Kinder offenbar werden

und unseren Mitmenschen Orientierung geben.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, wir bringen dir unser Morgenlob dar. Gib,

dass unser Lied einst sich vollende im Chor deiner Heiligen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur

Erkenntnis der Wahrheit kommen. Sende Arbeiter in deine Ernte,

damit sie der ganzen Schöpfung das Evangelium verkünden.

Sammle dein Volk durch das Wort des Lebens und stärke es


229

Freitag, 21. Januar · Eucharistie

durch die Kraft des Sakramentes, damit es auf dem Weg des

Heiles voranschreitet. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem ersten Buch Samuel 1 Sam 24, 3–21

In jenen Tagen nahm Saul dreitausend Mann, ausgesuchte

Leute aus ganz Israel, und zog aus, um David und seine Männer

bei den Steinbock-Felsen zu suchen. Auf seinem Weg kam

er zu einigen Schafhürden. Dort war eine Höhle. Saul ging hinein,

um seine Notdurft zu verrichten. David aber und seine

Männer saßen hinten in der Höhle.

Da sagten die Männer zu David: Das ist der Tag, von dem

der Herr zu dir gesagt hat: Sieh her, ich gebe deinen Feind in

deine Gewalt, und du kannst mit ihm machen, was dir richtig

erscheint. Da stand David auf und schnitt heimlich einen Zipfel

von Sauls Mantel ab. Hinterher aber schlug David das Gewissen,

weil er einen Zipfel vom Mantel Sauls abgeschnitten hatte.

Er sagte zu seinen Männern: Der Herr bewahre mich davor,

meinem Gebieter, dem Gesalbten des Herrn, so etwas anzutun

und Hand an ihn zu legen; denn er ist der Gesalbte des Herrn.

Und David fuhr seine Leute mit scharfen Worten an und ließ

nicht zu, dass sie sich an Saul vergriffen.

Als Saul die Höhle verlassen hatte und seinen Weg fortsetzte,

stand auch David auf, verließ die Höhle und rief Saul nach:

Mein Herr und König! Als Saul sich umblickte, verneigte sich

David bis zur Erde und warf sich vor ihm nieder.

Dann sagte David zu Saul: Warum hörst du auf die Worte von

Leuten, die sagen: Gib acht, David will dein Verderben. Doch

heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass der Herr dich

heute in der Höhle in meine Gewalt gegeben hat. Man hat mir

gesagt, ich solle dich töten; aber ich habe dich geschont. Ich

sagte: Ich will nicht die Hand an meinen Herrn legen; denn er

ist der Gesalbte des Herrn.

Sieh her, mein Vater! Hier, der Zipfel deines Mantels ist in

meiner Hand. Wenn ich einen Zipfel deines Mantels abgeschnitten

und dich nicht getötet habe, dann kannst du erkennen und


Eucharistie · Freitag, 21. Januar 230

einsehen, dass ich weder Bosheit noch Aufruhr im Sinn habe

und dass ich mich nicht gegen dich versündigt habe; du aber

stellst mir nach, um mir das Leben zu nehmen. Der Herr soll

zwischen mir und dir entscheiden. Der Herr soll mich an dir rächen;

aber meine Hand wird dich nicht anrühren, wie das alte

Sprichwort sagt: Von den Frevlern geht Frevel aus; aber meine

Hand soll dich nicht anrühren. Hinter wem zieht der König von

Israel her? Wem jagst du nach? Einem toten Hund, einem einzigen

Floh! Der Herr soll unser Richter sein und zwischen mir

und dir entscheiden. Er blicke her, er soll meinen Rechtsstreit

führen und mir dir gegenüber Recht verschaffen.

Als David das zu Saul gesagt hatte, antwortete Saul: Ist das

nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul begann laut

zu weinen und sagte zu David: Du bist gerechter als ich; denn

du hast mir Gutes erwiesen, während ich böse an dir gehandelt

habe. Du hast heute bewiesen, dass du gut an mir gehandelt

hast; obwohl der Herr mich in deine Gewalt gegeben hatte, hast

du mich nicht getötet. Wenn jemand auf seinen Feind trifft,

lässt er ihn dann im Guten seinen Weg weiterziehen? Der Herr

möge dir mit gutem vergelten, was du mir heute getan hast.

Jetzt weiß ich, dass du König werden wirst und dass das Königtum

in deiner Hand Bestand haben wird.

Antwortpsalm Ps 57, 2–4.6.11

Kehrvers:

Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig!

Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig; *

denn ich flüchte mich zu dir.

Im Schatten deiner Flügel finde ich Zuflucht, *

bis das Unheil vorübergeht. – Kehrvers

Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, *

zu Gott, der mir beisteht.


231

Freitag, 21. Januar · Eucharistie

Er sende mir Hilfe vom Himmel; /

meine Feinde schmähen mich. *

Gott sende seine Huld und Treue. – Kehrvers

Erheb dich über die Himmel, o Gott! *

Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.

Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, *

deine Treue, so weit die Wolken ziehn. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 2a, ferner GL 75, 1 oder GL 1975 716, 1 · KG 610 (III. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Kor 5, 19

Halleluja. Halleluja.

Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt und uns das

Wort von der Versöhnung anvertraut.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 3, 13–19

In jener Zeit stieg Jesus auf einen Berg und rief die zu sich,

die er erwählt hatte, und sie kamen zu ihm. Und er setzte

zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden

wollte, damit sie predigten und mit seiner Vollmacht Dämonen

austrieben.

Die Zwölf, die er einsetzte, waren: Petrus – diesen Beinamen

gab er dem Simon –, Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes,

der Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Beinamen

Boanerges, das heißt Donnersöhne –, dazu Andreas, Philippus,

Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des

Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn

dann verraten hat.

Impuls zum Evangelium

Jesus ist der Freudenbote. Er ist der Sohn, der geliebte Sohn Gottes

(Mk 1, 1.11), der die Ankunft Gottes bei seinem Volk bekannt


Abend · Freitag, 21. Januar 232

machen wird. Die Zeit drängt. Hilfe kommt ihm von Freunden.

Sie lernen durch sein Wort, und ebenso wichtig, dadurch,

dass sie seinen Weg mit ihm gehen. Weggefährten ist wohl das

Schlüsselwort. Heilige? Helden wie wir? Geistliche Elitetruppe?

Übermenschen? Ein Dutzend glatt geschliffener Funktionäre?

Nein, zwölf Menschen, liebend, lebendig, leidenschaftlich und

lau, Stärken und Schwächen, weiße und befleckte Weste, Vorzeigebiografie

und Lücke im Lebenslauf, Ängste, Verletzungen,

Heilungen, Hindernisse, Vertrauen und Misstrauen, Verzagen

und Mut. Mit Gottes Hilfe werden sie wachsen – nicht gleich in

den Himmel, aber mit Jesus und auf ihn zu.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Jeder Wahrheit sollte man hinzufügen, dass man sich auch der

entgegengesetzten Wahrheit entsinne.

Blaise Pascal (Naturwissenschaftler und christlicher Mystiker, 1623–1662)

• Was könnte das für mich heißen, „sich auch der entgegengesetzten

Wahrheit“ entsinnen?

• Wo vermisse ich diese weise Haltung schmerzlich?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Der Mensch fiel von Gott ab, die Sterne nicht,

Drum ist in Sternen Wahrheit, im Gestein,

In Pflanze, Tier und Baum, im Menschen nicht.


233

Freitag, 21. Januar · Abend

Und wer’s verstünde, still zu sein wie sie,

Gelehrig fromm, den eignen Willen meisternd,

Ein aufgespanntes, demutsvolles Ohr,

Ihm würde leicht ein Wort der Wahrheit kund,

Das durch die Welten geht aus Gottes Mund.

Franz Grillparzer (österreichischer Nationaldichter, 1791–1872)

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: *

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn, *

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er lässt deinen Fuß nicht wanken; *

er, der dich behütet, schläft nicht.

Nein, der Hüter Israels *

schläft und schlummert nicht.

Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten: *

er steht dir zur Seite.

Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden *

noch der Mond in der Nacht.

Der Herr behüte dich vor allem Bösen, *

er behüte dein Leben.

Der Herr behüte dich,

wenn du fortgehst und wiederkommst, *

von nun an bis in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater ...

Von dir kommt unsere Hilfe, du Hüter Israels, du bist unser

Licht in der Nacht. Wir danken dir für deine Treue.

Lesung 1 Kor 2, 7–10a

Wir verkündigen das Geheimnis der verborgenen Weisheit

Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu


Abend · Freitag, 21. Januar 234

unserer Verherrlichung. Keiner der Machthaber dieser Welt

hat sie erkannt; denn hätte einer sie erkannt, so hätten sie den

Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Nein, wir verkündigen,

wie in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr

gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist:

das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn

uns hat es Gott enthüllt durch den Geist.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Denke, Herr, an dein Erbarmen, das du unseren Vätern verheißen

hast.

Fürbitten

In unserer Welt kommt es darauf an, dass jede, jeder einzelne

Glaubende bereit ist, sich von Gott senden zu lassen. Darum

lasst uns bitten:

V: Du unser Gott, A: mach uns zu Zeugen deiner Güte.

– Lass die jungen Menschen ihre Begabungen entdecken und in

deinem Sinn entfalten.

– Lass uns Glaubende Wege finden, unser geistliches Leben zu

vertiefen.

– Lass alle, die sich deine Kinder nennen, mutig für deine Gerechtigkeit

und Liebe einstehen.

– Lass die Angehörigen der Weltreligionen Hand in Hand für

den Frieden arbeiten.

– Lass alle, die in ihrem Leben für dich dagewesen sind, bei dir

Erfüllung finden.

Vaterunser


235

Freitag, 21. Januar · Abend

Oration

Herr, unser Gott, im Ärgernis des Kreuzes hast du deine unerforschliche

Weisheit kundgetan. Lass uns die verborgene

Herrlichkeit des Leidens Christi erkennen, damit wir niemals

an seinem Kreuz irrewerden, sondern allezeit uns im Kreuze

rühmen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Samstag, 22. Januar 2022

Heiliger Vinzenz

Vinzenz ist ein Märtyrer der frühen Kirche. Er lebte Ende des

dritten Jahrhunderts in Spanien. Als Diakon des greisen Bischofs

Valerius von Saragossa (auch „Valerius von Valencia“) wurde

er mit diesem während der Christenverfolgung des Diokletian

von Dacian, dem grausamen Statthalter Valencias, verhaftet. Nach

einer glänzenden Verteidigung seines Glaubens wurde Vinzenz

grausam zu Tode gemartert.

Schrifttexte: Lesung: 2 Kor 4, 7–15; Evangelium: Mt 10, 17–22

Namenstag: hl. Gaudenz (Glaubensbote in Graubünden, Märtyrer,

4. Jh.) · sel. Theodelind von Monza (Dietlind, Langobardenkönigin,

† 628) · sel. Walter von Bierbeek (Zisterzienser, † 1206/22) · Elisabeth

von Österreich (Königinwitwe in Frankreich, Wohltäterin, † 1592) · hl.

Vinzenz Pallotti (Seelsorger, Ordensgründer, † 1850) · sel. Ladislaus

Bathyány-Strattmann (Familienvater und Arzt, † 1931)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

No man is an island,

Entire of itself.

Each is a piece of the continent,

A part of the main.

If a clod be washed away by the sea,

Europe is the less.

As well as if a promontory were.

As well as if a manor of thine own


237

Samstag, 22. Januar · Morgen

Or of thine friend’s were.

Each man’s death diminishes me,

For I am involved in mankind.

Therefore, send not to know

For whom the bell tolls,

It tolls for thee.

Niemand ist eine Insel

völlig für sich allein.

Jeder ein Stück des Kontinents,

vom Ganzen ein Teil.

Würde das Meer einen Klumpen entreißen,

Europa wär geschrumpft.

Genauso, wie wenn es ein Kap wär,

dein eigener Landsitz

oder der eines Freundes.

Jedes Menschen Tod tut Abbruch mir,

bin doch der Menschheit ich verwandt.

Frag darum nicht,

für wen die Stunde schlägt:

sie schlägt für dich.

John Donne (englischer Dichter, 1572–1631)

Psalm 8 Verse 2–10

Herr, unser Herrscher, /

wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; *

über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.

Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge

schaffst du dir Lob, /

deinen Gegnern zum Trotz; *

deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.

Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger, *

Mond und Sterne, die du befestigt:

Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, *

des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?


Morgen · Samstag, 22. Januar 238

Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, *

hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.

Du hast ihn als Herrscher eingesetzt

über das Werk deiner Hände, *

hast ihm alles zu Füßen gelegt:

all die Schafe, Ziegen und Rinder *

und auch die wilden Tiere,

die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, *

alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Herr, unser Herrscher, *

wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Ehre sei dem Vater ...

Solange noch Kinder geboren werden, wird dein Lob nicht verstummen.

Guter Vater, lehre uns Ehrfurcht vor den Kindern

und hilf uns sie schützen.

Lesung Röm 12, 14–16a

Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! Freut

euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!

Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern

bleibt demütig!

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Herr, lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns im Schutz seines Angesichts birgt.

Zu ihm lasst uns rufen:

A: Kyrie, eleison.

– Lass uns spüren, wo Menschen uns nötig haben.

– Lass uns den Trauernden nahe sein.


239

Samstag, 22. Januar · Eucharistie

– Hilf uns auf, wenn Sorgen uns niederdrücken.

Vaterunser

Oration

Dich lobe, Herr, unser Mund, dich lobe unser Leben. Von dir

kommt alles, was wir sind und haben. Sei gepriesen durch Jesus

Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit

des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott. Du suchst Menschen, die von dir sprechen und der Welt

deine gute Botschaft weitersagen. Hilf uns, Trägheit und Menschenfurcht

zu überwinden und deine Zeugen zu werden – mit

unserem ganzen Leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem zweiten Buch Samuel

2 Sam 1, 1–4.11–12.17.19.23–27

Als David nach dem Tod Sauls von seinem Sieg über die Amalekiter

zurückgekehrt war und sich zwei Tage lang in Ziklag

aufgehalten hatte, kam am dritten Tag ein Mann aus dem Lager

Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Staub auf dem Haupt. Als

er bei David angelangt war, warf er sich vor ihm auf den Boden

nieder und huldigte ihm. David fragte ihn: Woher kommst du?

Er antwortete ihm: Ich habe mich aus dem Lager Israels gerettet.

David sagte zu ihm: Wie stehen die Dinge? Berichte mir! Er

erwiderte: Das Volk ist aus dem Kampf geflohen, viele von den

Männern sind gefallen und umgekommen; auch Saul und sein

Sohn Jonatan sind tot.


Eucharistie · Samstag, 22. Januar 240

Da fasste David sein Gewand und zerriss es, und ebenso

machten es alle Männer, die bei ihm waren. Sie klagten, weinten

und fasteten bis zum Abend wegen Saul, seines Sohnes Jonatan,

des Volkes des Herrn und des Hauses Israel, die unter

dem Schwert gefallen waren.

Und David sang die folgende Totenklage auf Saul und seinen

Sohn Jonatan:

Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen. Ach, die

Helden sind gefallen!

Saul und Jonatan, die Geliebten und Teuren, im Leben und

Tod sind sie nicht getrennt. Sie waren schneller als Adler, waren

stärker als Löwen.

Ihr Töchter Israels, um Saul müsst ihr weinen; er hat euch

in köstlichen Purpur gekleidet, hat goldenen Schmuck auf eure

Gewänder geheftet.

Ach, die Helden sind gefallen mitten im Kampf. Jonatan liegt

erschlagen auf deinen Höhen. Weh ist mir um dich, mein Bruder

Jonatan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine

Liebe für mich als die Liebe der Frauen. Ach, die Helden sind

gefallen, die Waffen des Kampfes verloren.

Impuls zur Lesung

Saul und sein Sohn Jonatan sind nicht mehr, und David empfängt

nach der Salbung nun auch die Machtinsignien des Königs,

Stirnreif und Armspange. Doch nicht Triumphgefühle,

sondern Trauer und unbändiger Schmerz erfüllen ihn. In starken

Zeichen, die im Alten Israel verbreitet waren – Zerreißen

des Gewandes, lautes, anhaltendes Klagen, Weinen, Fasten –

gibt er dem Schmerz Raum und lässt ihn in eine ergreifende

Totenklage einmünden, die zugleich eine große Liebeserklärung

ist. So quälend und bitter die Beziehung zu Saul geworden

war, so eindeutig bleibt Davids Trauer, Achtung und Liebe.

Und der brennende Schmerz um Jonatan, „mein Bruder Jonatan“,

glüht durch die Jahrtausende hindurch.


241

Samstag, 22. Januar · Eucharistie

Antwortpsalm Ps 80, 2.3b–7

Kehrvers:

Lass dein Angesicht leuchten, o Herr, und wir sind gerettet.

Du Hirte Israels, höre, *

der du Josef weidest wie eine Herde!

Der du auf den Kerubim thronst, erscheine! *

Biete deine gewaltige Macht auf,

und komm uns zu Hilfe! – Kehrvers

Gott, richte uns wieder auf! *

Lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.

Herr, Gott der Heerscharen, wie lange noch zürnst du, *

während dein Volk zu dir betet? – Kehrvers

Du hast sie gespeist mit Tränenbrot, *

sie überreich getränkt mit Tränen.

Du machst uns zum Spielball der Nachbarn, *

und unsere Feinde verspotten uns. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 4b, ferner GL 48, 1 (I. Ton) oder GL 1975 529, 1 (II. Ton)

oder KG 385, 2 (V. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

vgl. Apg 16, 14b

Herr, öffne uns das Herz, dass wir auf die Worte deines Sohnes

hören.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 3, 20–21

In jener Zeit ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so

viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal

mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten,

machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen;

denn sie sagten: Er ist von Sinnen.


Abend · Samstag, 22. Januar 242

Hymnus

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Sei hier zugegen, Wort uns gegeben.

Dass ich dich hören mag mit Herz und Sinn.

Weck deine Kraft, komm, uns zu befreien.

Wort uns gegeben, in unserer Mitte,

Zukunft des Friedens, sei hier zugegen.

Dein Wille geschehe, dein Königreich komme.

Siehe uns, dulde uns, lass uns nicht fallen.

Dass wir nicht leben, gefangen in Leere.

Dass wir nicht fallen, zurück zu Staub.

Send deinen Geist, dass wir erneuert werden.

Dass wir dich hören, dass wir dich leben,

Menschen für Menschen, alles für alle.

Dass wir vollbringen dein Wort, unsren Frieden.

Weck deine Kraft, komm, uns zu befreien.

Huub Oosterhuis (Übertragung: Cornelis Kok)

Psalm 116 Verse 10–19

Voll Vertrauen war ich, auch wenn ich sagte: *

Ich bin so tief gebeugt.

In meiner Bestürzung sagte ich: *

Die Menschen lügen alle.

Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, *

was er mir Gutes getan hat?

Ich will den Kelch des Heils erheben *

und anrufen den Namen des Herrn.


243

Samstag, 22. Januar · Abend

Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen *

offen vor seinem ganzen Volk.

Kostbar ist in den Augen des Herrn *

das Sterben seiner Frommen.

Ach Herr, ich bin doch dein Knecht, /

dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd. *

Du hast meine Fesseln gelöst.

Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen *

und anrufen den Namen des Herrn.

Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen *

offen vor seinem ganzen Volk,

in den Vorhöfen am Hause des Herrn, *

in deiner Mitte, Jerusalem.

Ehre sei dem Vater ...

Guter Gott, du blickst auf deine Knechte, die deinen Namen

anrufen. Löse unsere Fesseln, dass wir dir unsere Gelübde erfüllen.

Lesung Hebr 13, 20–21

Der Gott des Friedens, der Jesus, unseren Herrn, den erhabenen

Hirten seiner Schafe, von den Toten heraufgeführt

hat durch das Blut eines ewigen Bundes, er mache euch tüchtig

in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut. Er bewirke in uns,

was ihm gefällt, durch Jesus Christus, dem die Ehre sei in alle

Ewigkeit! Amen.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Esra schlug das Buch des Gesetzes auf und pries den Herrn, den

großen Gott. Und das ganze Volk rief mit erhobenen Händen:

Amen, amen!


Abend · Samstag, 22. Januar 244

Fürbitten

Heute ist der 100. Todestag von Friedenspapst Benedikt XV.,

der sich „In dich, Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt“ (Ps

71, 1) zum Wahlspruch gewählt hatte. Bitten wir Gott für all

die Frauen und Männer, die sich dafür einsetzen, das Wort der

Hoffnung neu in unsere Zeit zu sprechen. Wir rufen zu ihm:

V: Gib uns deinen Geist, Gott,

A: gib uns die Gabe der Sprache.

– Für alle, die sich der Bibelwissenschaft widmen.

– Für alle, die sich im interreligiösen Dialog engagieren.

– Für alle, die um der Sache Jesu willen der Kirche die Treue

halten.

– Für alle, die sich einen Sinn für die Lebendigkeit der Bibel

und des Evangeliums bewahrt haben.

– Für alle, die ihre Freude über deine unbegreifliche Nähe mit

anderen Menschen teilen möchten.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen

und gib, dass wir im Namen deines geliebten Sohnes reich

werden an guten Werken. Darum bitten wir durch ihn, Jesus

Christus.

Gott lasse unsere Liebe wachsen

an Erkenntnis und allem Verstehen,

damit wir lauter und makellos werden für den Tag Christi.

Salve Regina (Seite 379)


245

Samstag, 22. Januar · Von Woche zu Woche

Von Woche zu Woche

Geisterfüllt

(zu Lk 1, 1–4; 4, 14–21)

Gottes Geist leitet Jesus.

Er erfüllt ihn ganz.

Er führt ihn zu den Menschen.

Er führt ihn in seinen Heimatort.

Als Ehrengast trägt er die Lesung

aus der Jesaja-Rolle vor.

Bewusst wählt Jesus diese Stelle aus:

die Einsetzung des Freudenboten.

– Er selbst ist dieser Bote!

Beim staunenden Beifall der Menge

wird es nicht bleiben.

– Wo bleiben wir?

Dorothee Sandherr-Klemp


23. Januar 2022

3. Sonntag im Jahreskreis

Namenstag: hl. Ildefons von Toledo (Abt, Bischof, † 667) · Otfrid von

Weißenburg (Benediktiner, erster namentlich bekannter althochdeutscher

Dichter, † 864/867) · Hartmut von St. Gallen (Abt, † nach 905) ·

sel. Wido (Abt, 13. Jh.) · sel. Heinrich Seuse (Mystiker, † 1366) · hl.

Maria Anna Cope (Ordensfrau, Pflegerin der Leprakranken auf Molokai,

† 1918) · sel. Nikolaus Groß (christl. Gewerkschafter, Publizist,

† 1945) · Eugen Bolz (Politiker, † 1945)

Ökumenischer Gedenktag: Menno Simons (fries. Theologe, 1496–

1561)

Heute wird in Österreich, der Schweiz und weltweit der Sonntag des

Wortes Gottes begangen.

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Singet dem Herrn ein neues Lied,

singt dem Herrn, alle Lande!

Ps 96, 1

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


247

Sonntag, 23. Januar · Morgen

Hymnus

Gloria in excelsis deo.

Gott ist die Flamme, die hell vor mir geht.

Gott ist der Stern, der zur Nacht vor mir steht.

Gloria in excelsis deo.

Gloria in excelsis deo.

Gott ist mein Pfad auf dem Weg durch die Welt.

Gott ist mein Hirte, der mich sucht und mich hält.

Gloria in excelsis deo.

Gloria, heute und für alle Zeit.

Gloria in excelsis deo.

Gloria, jetzt und in Ewigkeit.

Gloria in excelsis deo.

Nach Kolumban d. Ä. (von Iona), Text: Eugen Eckert, Musik: Peter Reulein

© Strube Verlag, München 2010

Psalm 148

Lobet den Herrn vom Himmel her, *

lobt ihn in den Höhen:

Lobt ihn, all seine Engel, *

lobt ihn, all seine Scharen;

lobt ihn, Sonne und Mond, *

lobt ihn, all ihr leuchtenden Sterne;

lobt ihn, alle Himmel *

und ihr Wasser über dem Himmel!

Loben sollen sie den Namen des Herrn; *

denn er gebot, und sie waren erschaffen.

Er stellte sie hin für immer und ewig, *

er gab ihnen ein Gesetz, das sie nicht übertreten.

Lobet den Herrn, ihr auf der Erde, *

ihr Seeungeheuer und all ihr Tiefen,


Morgen · Sonntag, 23. Januar 248

Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, *

du Sturmwind, der sein Wort vollzieht,

ihr Berge und all ihr Hügel, *

ihr Fruchtbäume und alle Zedern,

ihr wilden Tiere und alles Vieh, *

Kriechtiere und gefiederte Vögel,

ihr Könige der Erde und alle Völker, *

ihr Fürsten und alle Richter auf Erden,

ihr jungen Männer und auch ihr Mädchen, *

ihr Alten mit den Jungen!

Loben sollen sie den Namen des Herrn; /

denn sein Name allein ist erhaben, *

seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.

Seinem Volk verleiht er Macht, /

das ist ein Ruhm für all seine Frommen, *

für Israels Kinder, das Volk, das ihm nahen darf.

Ehre sei dem Vater ...

Wir loben dich, ewiger Gott, denn wunderbar hast du uns erschaffen.

Lass deinen Geist in und durch uns wirken, und bereite

in uns eine Wohnung für dein Wort.

Lesung Ez 37, 12b–14

So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole

euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch

zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und

euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet

ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen

Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder

in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.

Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.


249

Sonntag, 23. Januar · Eucharistie

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.

Er hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu

verkünden.

Bitten

Lebendiger Gott, heute und alle Tage richtest du dein Wort an

uns. Wir bitten dich:

A: Lass uns deine Stimme hören.

– In unserem Bedürfnis nach Geborgenheit.

– In den Rufen der Armen und Leidenden.

– In den Fragen der Suchenden.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen

und gib, dass wir im Namen deines geliebten Sohnes reich

werden an guten Werken. Darum bitten wir durch ihn, Jesus

Christus.

Ach, Herr, bring doch Hilfe! Ach, Herr, gib doch Gelingen!

Gott, der Herr, erleuchte uns.

Ps 118, 25.27

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 149, 362, 365, 403, 449, 474, 551 · KG 38,

149, 511, 518, 520, 522, 711

Singet dem Herrn ein neues Lied,

singt dem Herrn, alle Lande!


Eucharistie · Sonntag, 23. Januar 250

Gloria

Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht,

Macht und Glanz in seinem Heiligtum!

Ps 96, 1.6

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Nehemia Neh 8, 2–4a.5–6.8–10

In jenen Tagen brachte der Priester Esra die Weisung vor die

Versammlung, Männer und Frauen und überhaupt alle, die

schon mit Verstand zuhören konnten. Vom frühen Morgen bis

zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern

und Frauen und denen, die es verstehen konnten, daraus

vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung.

Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die

man eigens dafür errichtet hatte. Esra öffnete das Buch vor aller

Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als

er das Buch aufschlug, erhoben sich alle. Dann pries Esra den

HERRN, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen

Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor

dem HERRN nieder, mit dem Gesicht zur Erde.

Man las aus dem Buch, der Weisung Gottes, in Abschnitten

vor und gab dazu Erklärungen, sodass die Leute das Vorgelesene

verstehen konnten.

Nehemia, das ist Hattirschata, der Priester und Schriftgelehrte

Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten

dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des

HERRN, eures Gottes. Seid nicht traurig und weint nicht! Alle

Leute weinten nämlich, als sie die Worte der Weisung hörten.

Dann sagte er zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl

und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst

nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres

Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am HERRN

ist eure Stärke.


251

Sonntag, 23. Januar · Eucharistie

Impuls zur Lesung

Es kriselt. Die Heimkehr war hart. Der Wiederaufbau gestaltet

sich langwierig. Das Leben ist mühsam. Ein Hauch von

Depression liegt über dem Land. Doch heute geschieht etwas

Unerwartetes. So viele Leute. Immer mehr Menschen strömen

herbei. Das Gesetz, die Lebensweisung Gottes, wird vor dem

Jerusalemer Wassertor laut vorgelesen. Das haben sich nicht

einzelne religiöse Profis ausgedacht, das ist eine Initiative des

ganzen Gottesvolkes, so heißt es hier. Junge und Alte, Frauen

und Männer, auch Kinder, sofern sie schon etwas vom Wort

Gottes verstehen können, alle kommen zusammen, als gäbe

es etwas umsonst. Es gibt etwas umsonst, gratis. Mit den fünf

Büchern des Mose kann man leben lernen. Vor allem eines

wird hier gelehrt: solidarisches Teilen. An den Bibelmarathon

schließt sich ein Festmahl an, bei dem schon einmal geübt werden

kann: Die Zu-kurz-Gekommenen kommen nicht zu kurz.

Bei Gott!

Antwortpsalm Ps 19, 8–10.12.15

Kehrvers:

Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.

Die Weisung des HERRN ist vollkommen und gut, *

sie erquickt den Menschen.

Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, *

den Unwissenden macht es weise. – Kehrvers

Die Befehle des HERRN sind gerade, *

sie erfüllen das Herz mit Freude.

Das Gebot des HERRN ist rein, *

es erleuchtet die Augen. – Kehrvers

Die Furcht des HERRN ist lauter, *

sie besteht für immer.

Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, *

gerecht sind sie alle. – Kehrvers


Eucharistie · Sonntag, 23. Januar 252

Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; *

reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Die Worte meines Munds mögen dir gefallen; /

was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, *

HERR, mein Fels und mein Erlöser.

Kehrvers:

Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.

Kehrvers vgl. Joh 6, 63b, ferner GL 312, 7 · GL 1975 465 · KG 629 (II. Ton)

Lesung aus dem ersten Korintherbrief 1 Kor 12, 12–31a

Kurzfassung: 1 Kor 12, 12–14.27

Schwestern und Brüder! Wie der Leib einer ist, doch viele

Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele

sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus.

Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen

einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und

Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Auch der Leib besteht nicht nur aus e i n e m Glied, sondern

aus vielen Gliedern.

Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum

Leib!, so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt:

Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es

doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe

dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der

Geruchssinn? Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den

Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.

Wären alle zusammen nur e i n Glied, wo bliebe dann der

Leib? So aber gibt es viele Glieder und doch nur e i n e n Leib.

Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht.

Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche

euch nicht.

Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des

Leibes sind unentbehrlich. Denen, die wir für weniger edel

ansehen, erweisen wir umso mehr Ehre und unseren weniger


253

Sonntag, 23. Januar · Eucharistie

anständigen Gliedern begegnen wir mit umso mehr Anstand,

während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat

den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied

umso mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt

entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen.

Wenn darum e i n Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn

e i n Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber

seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.

So hat Gott in der Kirche die einen erstens als Apostel eingesetzt,

zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; ferner verlieh

er die Kraft, Machttaten zu wirken, sodann die Gaben, Krankheiten

zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen

Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten,

alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Machttaten zu wirken? Besitzen

alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen?

Können alle übersetzen?

Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!

Ruf vor dem Evangelium vgl. Jes 61, 1 (Lk 4, 18)

Halleluja. Halleluja.

Der Herr hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu

bringen und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 1, 1–4; 4, 14–21

Schon viele haben es unternommen, eine Erzählung über die

Ereignisse abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben. Dabei

hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang

an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch

ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig

nachgegangen bin, es für dich, hochverehrter Theophilus,

der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der

Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen

wurdest.


Eucharistie · Sonntag, 23. Januar 254

In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes,

nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich

in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde

von allen gepriesen.

So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und

ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand,

um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten

Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht:

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt.

Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft

bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und

den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in

Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener

und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn

gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das

Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Credo

Gabengebet

Herr, nimm unsere Gaben an und heilige sie, damit sie zum

Sakrament der Erlösung werden, das uns Heil und Segen bringt.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater,

allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn

wir erkennen deine Herrlichkeit in dem, was du an uns getan

hast: Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit zu Hilfe gekommen

und hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn Rettung

und Heil gebracht aus unserer menschlichen Sterblichkeit.

So kam uns aus unserer Vergänglichkeit das unvergängliche

Leben durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn preisen


255

Sonntag, 23. Januar · Auslegung

wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den

Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Kommunionvers Ps 34, 6

Blickt auf zum Herrn, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr

braucht nicht zu erröten.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, in deinem Mahl schenkst du uns göttliches

Leben. Gib, dass wir dieses Sakrament immer neu als dein großes

Geschenk empfangen und aus seiner Kraft leben. Darum

bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare

euch die Wege seiner Weisheit.

Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch

die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein

Wille geschehe.

Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache

euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.

Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Origenes

B

ei einigen Lehren, wie der Geometrie, liegt der Zweck offensichtlich

in der Lehre selbst, während andere auf das

Tun ausgerichtet sind, so z. B. die Medizin, aber eben auch das

Wort Gottes. Nachdem er also ihr Wissen bezeichnet (wenn er


Abend · Sonntag, 23. Januar 256

von Augenzeugen spricht), zeigt er deren Werke, indem er hinzufügt:

„die Diener des Wortes Gottes waren“.

Origenes (Leiter der Katechetenschule von Alexandria,

bedeutender Exeget und Theologe, Märtyrer, um 185 – um 253),

hier nach: Thomas von Aquin, Catena Aurea. Kommentar zu den Evangelien

im Jahreskreis, hg. v. Marianne Schlosser und Florian Kolbinger, 624,

© EOS Verlag, St. Ottilien, 2. Auflage 2012

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Des Lichtes guter Schöpfer du,

der uns den Glanz des Lichtes schenkt,

der mit dem ersten Strahl des Lichts

der Welterschaffung Werk beginnt.

Du rufst den Morgen aus der Nacht

und führst den ersten Tag herauf;

das düstre Chaos sinkt dahin –

durch deines Wortes Macht gebannt.

Gib, dass der Mensch durch eigne Schuld

das Gut des Lebens nicht verliert,

wenn er des Ew’gen nicht gedenkt

und in das Böse sich verstrickt.

Er poche an des Himmels Tor,

erringe sich des Lebens Preis.

Fern bleibe, was uns Schaden bringt,

und rein von Schuld sei unser Herz.

Dies schenk uns, Vater, voller Macht,

und du, sein Sohn und Ebenbild,


257

Sonntag, 23. Januar · Abend

die ihr in Einheit mit dem Geist

die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

Nach: Lucis creator optime; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469

Psalm 110 Verse 1–5.7

So spricht der Herr zu meinem Herrn: /

Setze dich mir zur Rechten, *

und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.

Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus: *

„Herrsche inmitten deiner Feinde!“

Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, *

wenn du erscheinst in heiligem Schmuck;

ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, *

wie den Tau in der Frühe.

Der Herr hat geschworen, und nie wird’s ihn reuen: *

„Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.“

Der Herr steht dir zur Seite; *

er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes.

Er trinkt aus dem Bach am Weg; *

so kann er von Neuem das Haupt erheben.

Ehre sei dem Vater ...

Wir erwarten die Herrschaft deines Gesalbten, Gott unser Vater.

Er herrsche unter uns in Güte und Barmherzigkeit.

Lesung 2 Kor 4, 13–14

Wir haben den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in

der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet.

Auch wir glauben, und darum reden wir. Denn wir wissen,

dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns

mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch (vor sein

Angesicht) stellen wird.


Abend · Sonntag, 23. Januar 258

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Die Augen aller waren auf Jesus gerichtet. Und er sprach: Heute

hat sich das Wort der Schrift erfüllt.

Fürbitten

Während der Pandemie haben sich weltweit, aber besonders

auch bei uns spaltende Tendenzen verstärkt. Deshalb bitten wir

Gott, der alle Menschen zu Geschwistern geschaffen hat:

V: Du unser Vater, A: führ uns zusammen.

– Dass die Menschen über Grenzen und Vorurteile hinweg miteinander

ins Gespräch kommen.

– Dass alle, die in prekären Verhältnissen leben und sich abgehängt

fühlen, eine gute Perspektive bekommen.

– Dass die Vermögenden sehen lernen, wie sie eine lebenswerte

Zukunft für alle mitgestalten können.

– Dass die Glaubenden in aller Welt dazu beitragen, das Leben

in all seiner Weite und Tiefe als unsern größten Reichtum zu

entdecken.

– Dass wir Lebenden im Gedenken an die Toten Wege finden,

Krieg, Terror und Gewalt zu überwinden.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen

und gib, dass wir im Namen deines geliebten Sohnes reich

werden an guten Werken. Darum bitten wir durch ihn, Jesus

Christus.

Der allmächtige Gott erweise uns seine Güte

und sei unser Licht in der Nacht.

Salve Regina (Seite 379)


Montag, 24. Januar 2022

Heiliger Franz von Sales

Franz von Sales (1567–1622) stammte aus einer adeligen Familie.

Dem Wunsch seines Vaters folgend, der ihn für eine diplomatische

Laufbahn vorgesehen hatte, studierte er Rhetorik, Philosophie,

bürgerliches und kirchliches Recht, daneben aus eigenem

Interesse Theologie. Er wurde Doktor beider Rechte, setzte sich

dann aber gegen den Willen des Vaters durch und wurde Priester.

Seine erste Aufgabe war die Rekatholisierung der vom Calvinismus

beherrschten Provinz Chablais (südlich des Genfer Sees), wo er

erst nach großen Anstrengungen so erfolgreich war, dass der Bischof

von Genf ihn zu seinem Koadjutor machte. Nach dessen Tod

wurde er selbst 1602 Bischof von Genf und bemühte sich um die

Durchführung der Beschlüsse des Konzils von Trient. Er wurde geschätzt

als Seelenführer und Prediger, ebenso für seine Geduld und

Toleranz Andersdenkenden gegenüber. Eine besondere Freundschaft

verband ihn mit Johanna Franziska von Chantal, mit der er

den Orden der Salesianerinnen gründete. Zu den Schriften, die er

hinterließ, gehören neben anderen „Die Anleitung zum frommen

Leben“ (Philothea) und die „Abhandlung über die Gottesliebe“

(Theotimus). 1665 wurde er heiliggesprochen und 1877 zum Kirchenlehrer

erhoben.

Schrifttexte: Lesung: Eph 3, 8–12; Evangelium: Joh 15, 9–17

Namenstag: hl. Vera von Clermont († um 400) · sel. Arno von Salzburg

(Bischof, † 821) · Bernhard Lehner (Schüler, † 1944)

Ökumenischer Gedenktag: Xenia von Petersburg (Närrin in Christus,

um 1725 – um 1803)


Morgen · Montag, 24. Januar 260

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Dich Gott Vater,

ohne Ursprung und End,

Dich Sohn,

der liebend den Vater erkennt,

Dich Heiligen Geist,

der aus beiden entbrennt,

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Dich Eine hohe Dreifaltigkeit:

preisen die Engel voll Seligkeit,

feiert auf Erden die Christenheit

jetzt und allezeit. Amen.

Dich Gott Vater,

allgewaltig an Macht,

Dich Sohn,

der ewiges Heil uns gebracht,

Dich Heiligen Geist,

der die Herzen entfacht,

Dich Eine hohe Dreifaltigkeit:

preisen die Engel voll Seligkeit,

feiert auf Erden die Christenheit

jetzt und allezeit. Amen.

Nach: A Patre Unigenite; spätestens 10. Jahrhundert


261

Montag, 24. Januar · Morgen

Psalm 95

Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn *

und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!

Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen, *

vor ihm jauchzen mit Liedern!

Denn der Herr ist ein großer Gott, *

ein großer König über allen Göttern.

In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, *

sein sind die Gipfel der Berge.

Sein ist das Meer, das er gemacht hat, *

das trockene Land, das seine Hände gebildet.

Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, *

lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!

Denn er ist unser Gott, /

wir sind das Volk seiner Weide, *

die Herde, von seiner Hand geführt.

Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /

„Verhärtet euer Herz nicht wie in Meriba, *

wie in der Wüste am Tag von Massa!

Dort haben eure Väter mich versucht, *

sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch mein

Tun gesehen.

Vierzig Jahre war mir dies Geschlecht zuwider, /

und ich sagte: Sie sind ein Volk, dessen Herz in die Irre geht; *

denn meine Wege kennen sie nicht.

Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: *

Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe.“

Ehre sei dem Vater ...

Öffne unsere Ohren für dein Wort, schärfe unsere Sinne für

deine Gegenwart. Du unser Gott, lass uns zur Ruhe kommen

bei dir.


Morgen · Montag, 24. Januar 262

Lesung Jak 2, 12–13

Redet und handelt wie Menschen, die nach dem Gesetz der

Freiheit gerichtet werden! Denn das Gericht ist erbarmungslos

gegen den, der kein Erbarmen gezeigt hat. Barmherzigkeit

aber triumphiert über das Gericht.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Wenn die Frömmigkeit wahr und aufrichtig ist, zerstört sie

nichts, sondern vervollkommnet und vollendet alles.

Redaktion Magnificat nach Franz von Sales

Bitten

Du Mitte unseres Lebens, wir bitten dich:

A: Öffne unsere Sinne für deine Gegenwart.

– Lass uns mit sehenden Augen deine Spuren erblicken.

– Lass uns mit lauschenden Ohren deine Stimme vernehmen.

– Lass uns mit feinfühligen Nerven deine Nähe ertasten.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, du hast den heiligen Franz von Sales dazu berufen,

als Bischof und Lehrer allen alles zu werden. Hilf uns,

sein Beispiel nachzuahmen und den Brüdern zu dienen, damit

durch uns deine Menschenfreundlichkeit sichtbar wird. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.


263

Montag, 24. Januar · Eucharistie

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem zweiten Buch Samuel 2 Sam 5, 1–7.10

In jenen Tagen kamen alle Stämme Israels zu David nach Hebron

und sagten: Wir sind doch dein Fleisch und Bein. Schon

früher, als noch Saul unser König war, bist du es gewesen, der

Israel in den Kampf und wieder nach Hause geführt hat. Der

Herr hat zu dir gesagt: Du sollst der Hirt meines Volkes Israel

sein, du sollst Israels Fürst werden.

Alle Ältesten Israels kamen zum König nach Hebron; der König

David schloss mit ihnen in Hebron einen Vertrag vor dem

Herrn, und sie salbten David zum König von Israel.

David war dreißig Jahre alt, als er König wurde, und er regierte

vierzig Jahre lang. In Hebron war er sieben Jahre und sechs

Monate König von Juda, und in Jerusalem war er dreiunddreißig

Jahre König von ganz Israel und Juda.

Der König zog mit seinen Männern nach Jerusalem gegen die

Jebusiter, die in dieser Gegend wohnten. Die Jebusiter aber sagten

zu David: Du kommst hier nicht herein; die Blinden und

Lahmen werden dich vertreiben. Das sollte besagen: David

wird hier nicht eindringen. Dennoch eroberte David die Burg

Zion; sie wurde die Stadt Davids.

David wurde immer mächtiger, und der Herr, der Gott der

Heere, war mit ihm.

Antwortpsalm Ps 89, 20–22.25.26.29

Kehrvers:

Meine Treue und meine Huld begleiten ihn.

Einst hast du in einer Vision

zu deinen Frommen gesprochen: /

„Einen Helden habe ich zum König gekrönt, *

einen jungen Mann aus dem Volk erhöht.


Eucharistie · Montag, 24. Januar 264

Ich habe David, meinen Knecht, gefunden *

und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt.

Kehrvers:

Meine Treue und meine Huld begleiten ihn.

Beständig wird meine Hand ihn halten *

und mein Arm ihn stärken.

Meine Treue und meine Huld begleiten ihn, *

und in meinem Namen erhebt er sein Haupt. – Kehrvers

Ich lege seine Hand auf das Meer, *

über die Ströme herrscht seine Rechte.

Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, *

mein Bund mit ihm bleibt allzeit bestehen.“ – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 25a, ferner GL 60, 1 · GL 1975 233, 7 · KG 30, 5 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Tim 1, 10

Halleluja. Halleluja.

Unser Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen

und uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 3, 22–30

In jener Zeit sagten die Schriftgelehrten, die von Jerusalem

herabgekommen waren: Er ist von Beelzebul besessen; mit

Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen:

Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich

in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine

Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.

Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich

selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern

es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus

eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben,


265

Montag, 24. Januar · Eucharistie

wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein

Haus plündern.

Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen

werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern

mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in

Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an

ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen

Geist besessen.

Impuls zum Evangelium

Dämonen sind im antiken Verständnis Hausbesetzer des Menschen,

sie vertreiben das Ich aus dem Haus des Leibes und

des eigenen Lebens, sie machen sich dort selbstherrlich breit.

Jesus hat leidende Menschen von ihren inneren Besatzungsmächten

befreit. Doch nicht allen gefällt sein Wirken, nicht

allen sind seine Erfolge geheuer. Religiöse Autoritäten lancieren

einen ungeheuerlichen Verdacht: Ist Jesus nicht mit denen

im Bunde, die er zu bekämpfen vorgibt? Ist Jesus nicht selbst

besessen, und zwar von Beelzebul, dem radikalen Gegenspieler

Gottes? Die Wirksamkeit von Jesu Tun lässt sich ja nicht

anzweifeln, sehr wohl aber deren Herkunft, ihr Grund. Vom

Herrn der Quälgeister besessen! Jesus hält dagegen: Sollte Satan

wirklich Satan bekämpfen? Ist das nicht zu kurz gesprungen

und gedacht? Das wäre ja töricht, schlicht selbstzerstörerisch.

Jesus ist nicht irgendein Exorzist. Seine Macht über böse

Geister zeigt auf, bezeugt Gottes unter den Menschen ankommende

Wirklichkeit: Wo immer quälende Mächte machtlos

und gedemütigte und gequälte, vermeintlich selbstquälerische

Menschen von ihren Quälgeistern frei werden, greift Gottes

Reich Raum. Seine Liebesmacht kann von keiner Macht der

Welt mehr gebrochen werden – Gott ist aufgebrochen zur Heilung

der Welt.


Abend · Montag, 24. Januar 266

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Der wahre Heilige weiß nichts von seiner Heiligkeit, und je

heiliger einer ist, desto weniger glaubt er, es zu sein.

Franz von Sales (Heiliger des Tages)

• An wen denke ich, wenn von Heiligen die Rede ist, die so gar

nichts von ihrer Heiligkeit wissen (wollen)?

• Was macht „Heiligkeit“ für mich aus?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte;

komm uns zu Hilfe mit göttlicher Kraft!

Mit deinem Beistand uns allzeit behüte,

der uns befreit und Geborgenheit schafft.

Hör unser Bitten; die Angst in uns wende;

Feuer des Heiligen Geistes uns sende!

Hilf unserm Glauben, wenn mutlos wir werden;

Lichtblick und Freude erblühen aus dir.

Dein Reich des Friedens lass wachsen auf Erden;

Werkzeuge deiner Verheißung sind wir.

Lehr uns aus Glaube und Liebe zu handeln

und so uns selbst und die Welt zu verwandeln.

Ruf uns zur Umkehr, sooft wir versagen;

du bist barmherzig, vergibst uns die Schuld.

Antwort bist du in verzweifeltem Fragen;


267

Montag, 24. Januar · Abend

lehr uns Verzeihen, Vertrauen, Geduld.

Du hast für uns deinen Sohn hingegeben,

Worte und Taten, aus denen wir leben.

Text: Raymund Weber 1982, © beim Autor

GL 272

Psalm 123

Ich erhebe meine Augen zu dir, *

der du hoch im Himmel thronst.

Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, *

wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin,

so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, *

bis er uns gnädig ist.

Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig, *

denn übersatt sind wir vom Hohn der Spötter,

übersatt ist unsre Seele von ihrem Spott, *

von der Verachtung der Stolzen.

Ehre sei dem Vater ...

Die Menschen, die dir dienen, verborgener Gott, werden oft

belächelt wegen ihrer Treue zu dir. Erweise allen, die dich nicht

kennen, deine Gnade. Zeig ihnen dein Antlitz.

Lesung Dtn 4, 39–40a

Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe

ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner

sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote

achten, auf die ich dich heute verpflichte.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Wo immer wir stehen, stets können und sollen wir uns um das

vollkommene Leben bemühen.

Redaktion Magnificat nach Franz von Sales


Abend · Montag, 24. Januar 268

Fürbitten

Lasst uns beten zu Gott, dem verborgenen, unaussprechlichen

Geheimnis:

A: Bleibe uns nicht fern.

– Gewähre den kontemplativen Orden deine Gnade, dass sie

deine Kirche zu ihrer Mitte führen.

– Lass ihre geistliche Kraft ausstrahlen auf dein ganzes Volk,

dass jeder an seiner Stelle seinen Mitmenschen dient.

– Gib den Gemeinschaften der Nächstenliebe Kraft aus Gebet

und Betrachtung, dass sie deine Menschenfreundlichkeit tätig

verkünden.

– Offenbare du dich selbst allen, die an dich glauben, und sende

sie hinaus zu den Menschen, die dich suchen.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, du hast den heiligen Franz von Sales dazu berufen,

als Bischof und Lehrer allen alles zu werden. Hilf uns,

sein Beispiel nachzuahmen und den Brüdern zu dienen, damit

durch uns deine Menschenfreundlichkeit sichtbar wird. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr behüte uns vor allem Bösen, er behüte unser Leben.

Der Herr behüte unseren Ausgang und Eingang,

von nun an bis in Ewigkeit.

Vgl. Ps 121, 7–8

Salve Regina (Seite 379)


ekehrung des Heiligen

Apostels Paulus

Dienstag, 25. Januar 2022

Zeugnisse für die Bekehrung des Saulus-Paulus – der eine sein

jüdischer, der andere sein römischer Name – finden sich in

der Apostelgeschichte (9, 1–31; 22, 1–21; 26, 4–23) und auch in

seinen Briefen (z. B.: Phil 3, 6; Gal 1, 12–17). Saulus-Paulus legte

Wert darauf, dass er, der Sohn eines Pharisäers, auch selbst als

Pharisäer ganz nach dem Gesetz lebte. Er wollte die jüdische Lehre

rein und von allen Verfälschungen frei halten. Wie die Christen

an einen gekreuzigten Messias zu glauben, war für ihn unvorstellbar.

Voll Eifer verfolgte er deshalb die Kirche Jesu Christi, wie er

selbst schreibt (vgl. Phil 3, 5 f.). Dass gerade ihn der Ruf Gottes

traf, diesen Jesus zu bekennen, war für ihn selbst unbegreiflich.

Ihm, der mit offiziellen Papieren unterwegs nach Damaskus war,

um die dortigen Christen zu verfolgen, begegnete dieser Christus

in einer Vision – und aus dem glühenden Christenverfolger wurde

ein ebenso glühender Eiferer für Jesus Christus und sein Evangelium.

Während Petrus von Jesus zum Felsen der Kirche bestimmt

wurde (Mt 16, 18), wurde Paulus berufen, als „Lehrer der Heidenvölker“

(1 Tim 2, 7) zu wirken. Paulus hat sich aufgrund dieses

Damaskuserlebnisses immer wieder darauf berufen, ein Apostel zu

sein wie die anderen Apostel. In seinem unermüdlichen Einsatz

für den Glauben wurde er zum Völkerapostel und gründete viele

Christengemeinden.

Frühestens seit dem achten Jahrhundert ist ein Fest der Bekehrung

des Paulus in Gallien bezeugt.

Schrifttexte: Lesungen zur Auswahl: Apg 22, 1.3–16 oder Apg 9,

1–22; Evangelium: Mk 16, 15–18

Namenstag: Susanna (biblische Gestalt) · Wolfram von Wadgassen

(Abt, † 1158) · Titus Maria Horten (Dominikaner, Seelsorger, † 1936)


Morgen · Dienstag, 25. Januar 270

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ach bleib mit deiner Gnade

bei uns, Herr Jesu Christ,

dass uns hinfort nicht schade

des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deinem Worte

bei uns, Erlöser wert,

dass uns sei hier und dorte

dein Güt und Heil beschert.

Ach bleib mit deinem Glanze

bei uns, du wertes Licht;

dein Wahrheit uns umschanze,

damit wir irren nicht.

Ach bleib mit deinem Segen

bei uns, du reicher Herr;

dein Gnad und alls Vermögen

in uns reichlich vermehr.

Lobet den Herrn, alle Völker,

preist ihn, alle Nationen!

Ps 117, 1

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ach bleib mit deiner Treue

bei uns, mein Herr und Gott;

Beständigkeit verleihe,

hilf uns aus aller Not.

Josua Stegmann 1627

GL 436 · EG 347 – Melodie: GL 1975 537 · KG 136


271

Dienstag, 25. Januar · Morgen

Psalm 85 Verse 2–14

Einst hast du, Herr, dein Land begnadet *

und Jakobs Unglück gewendet,

hast deinem Volk die Schuld vergeben, *

all seine Sünden zugedeckt,

hast zurückgezogen deinen ganzen Grimm *

und deinen glühenden Zorn gedämpft.

Gott, unser Retter, richte uns wieder auf, *

lass von deinem Unmut gegen uns ab!

Willst du uns ewig zürnen, *

soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?

Willst du uns nicht wieder beleben, *

sodass dein Volk sich an dir freuen kann?

Erweise uns, Herr, deine Huld *

und gewähre uns dein Heil!

Ich will hören, was Gott redet: /

Frieden verkündet der Herr seinem Volk *

und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.

Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. *

Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land!

Es begegnen einander Huld und Treue; *

Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

Treue sprosst aus der Erde hervor; *

Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

Auch spendet der Herr dann Segen, *

und unser Land gibt seinen Ertrag.

Gerechtigkeit geht vor ihm her, *

und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

Ehre sei dem Vater ...

Dein Wort, unser Gott, gibt Segen in Fülle. Mach uns bereit, es

aufzunehmen. Auf dich wollen wir hören.


Morgen · Dienstag, 25. Januar 272

Lesung 1 Tim 1, 12–13

Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem

Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen

Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und

verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste

in meinem Unglauben nicht, was ich tat.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Voll Freude feiern wir die Bekehrung des heiligen Paulus. Denn

seinen Verfolger hat der Herr zu seinem Werkzeug erwählt.

Bitten

Gott, in deiner Gnade nimmst du uns an, unvollkommen, wie

wir sind. Wir rufen zu dir:

A: Herr, erbarme dich unser.

– Schenke uns lebendigen Glauben, der in der Liebe wirksam

ist.

– Weite unser Herz und hilf, dass wir unsere Kleinlichkeit überwinden.

– Reinige uns von Selbstsucht und mach uns bereit, unsere Güter

mit anderen zu teilen.

Vaterunser

Oration

Gott, du Heil aller Völker, du hast den Apostel Paulus auserwählt,

den Heiden die Frohe Botschaft zu verkünden. Gib uns,

die wir das Fest seiner Bekehrung feiern, die Gnade, uns deinem

Anruf zu stellen und vor der Welt deine Wahrheit zu bezeugen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


273

Dienstag, 25. Januar · Eucharistie

Gnade sei mit uns und Friede

von Gott, unserem Vater,

und dem Herrn Jesus Christus.

Vgl. Röm 1, 7

Eucharistiefeier

Ich weiß, auf wen ich mein Vertrauen gesetzt habe,

und bin überzeugt, dass er die Macht hat,

das mir anvertraute Gut bis zu seinem Tag zu bewahren,

er, der Herr, der gerechte Richter.

2 Tim 1, 12; 4, 8

Gloria

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus der Apostelgeschichte Apg 9, 1–22

In jenen Tagen wütete Saulus immer noch mit Drohung und

Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester

und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus,

um die Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, die er

dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.

Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah

es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.

Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte:

Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus,

den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir

gesagt werden, was du tun sollst.

Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die

Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich vom Boden.

Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei


Eucharistie · Dienstag, 25. Januar 274

der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. Und er war

drei Tage blind, und er aß nicht und trank nicht.

In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte

der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich,

Herr.

Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur sogenannten

Geraden Straße und frag im Haus des Judas nach einem Mann

namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade und hat in einer Vision

gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt

und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. Hananias

antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser

Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier

hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die

deinen Namen anrufen.

Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann

ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor

Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm

auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.

Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus

die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich

gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du

sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.

Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er sah wieder;

er stand auf und ließ sich taufen. Und nachdem er etwas

gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er

bei den Jüngern in Damaskus; und sogleich verkündete er Jesus

in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes.

Alle, die es hörten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das

nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die

diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierhergekommen,

um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu führen?

Saulus aber trat umso kraftvoller auf und brachte die Juden in

Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der

Messias ist.


275

Dienstag, 25. Januar · Eucharistie

Impuls zur Lesung

Die Erzählung des Lukas von der Lebenswende des Paulus ist

eine große Ermutigung für die bedrängten Gemeinden. Jesus,

der erhöhte Herr, identifiziert sich mit ihnen und ihrem Leiden.

Er selbst führt die Kirche auf ihrem beschwerlichen und

gefährlichen Weg. Ein überzeugter Gegner der Juden und Jüdinnen

des neuen Weges Jesu wird durch das Eingreifen des

Herrn zu einem Christuszeugen, der seinen Namen „bis an die

Grenzen der Erde“ (Apg 1, 8) tragen wird. Während Paulus in

seinen Briefen seine unmittelbare „Berufung“ durch Christus

betont (1 Kor 9, 1 f.; 15, 8; Gal 1, 15), steht hier seine „Bekehrung“,

also eine Wende, im Mittelpunkt. Die beiden Aspekte

widersprechen sich nicht, sondern ergänzen einander. Zu

jeder Zeit wendet sich Christus, unmittelbar, unvermittelt, an

die, die seine Zeugen und Zeuginnen werden sollen. In der

Zeit der Kirche, so gibt Lukas zu verstehen, kommt es auf Menschen

wie Hananias an: Auch einem Paulus öffnet erst der Bruder,

die Schwester, die Augen – der Christus im Bruder, der

Bruder in Christo.

Antwortpsalm Ps 117

Kehrvers:

Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen das Evangelium!

Lobet den Herrn, alle Völker, *

preist ihn, alle Nationen! – Kehrvers

Denn mächtig waltet über uns seine Huld, *

die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Mk 16, 15,

ferner GL 454 · GL 1975 646, 5 oder KG 36 (VI. Ton)


Eucharistie · Dienstag, 25. Januar 276

Ruf vor dem Evangelium vgl. Joh 15, 16

Halleluja. Halleluja.

So spricht der Herr: Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt,

dass ihr Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 16, 15–18

In jener Zeit erschien Jesus den Elf und sprach zu ihnen: Geht

hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen

Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet;

wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden

folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie

Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;

wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird

es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände

auflegen, werden gesund werden.

Gabengebet

Gott und Vater aller Menschen, erhelle unsere Herzen mit dem

Licht des Glaubens und erfülle sie in dieser Opferfeier mit dem

Heiligen Geist, der den Apostel Paulus gedrängt hat, deine Herrlichkeit

unter den Völkern zu verkünden. Darum bitten wir

durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater,

allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn

du bist der ewige Hirt, der seine Herde nicht verlässt, du hütest

sie allezeit durch deine heiligen Apostel. Du hast sie der

Kirche als Hirten gegeben, damit sie ihr vorstehen als Stellvertreter

deines Sohnes. Darum singen wir mit den Engeln und

Erzengeln, den Thronen und Mächten und mit all den Scharen


277

Dienstag, 25. Januar · Abend

des himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner göttlichen

Herrlichkeit.

Kommunionvers Gal 2, 20

Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und

sich für mich hingegeben hat.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, das Sakrament, das wir empfangen haben,

erwecke in uns den apostolischen Eifer, der den heiligen Paulus

dazu bereit gemacht hat, unermüdlich für alle Gemeinden zu

sorgen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der allmächtige Gott segne euch durch unseren Herrn Jesus

Christus, der seine Kirche auf das Fundament der Apostel gegründet

hat.

Der heilige Apostel Paulus hat mit Freimut das Evangelium

Christi verkündet; Gott stärke euch durch seine Botschaft zum

Zeugnis für die Wahrheit.

Das Beispiel der Apostel festige euch im Glauben, ihre Fürsprache

geleite euch zur ewigen Heimat.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Dienstag, 25. Januar 278

Innehalten am Abend

Man muss das Gute tun, damit es in der Welt sei.

Marie von Ebner-Eschenbach (österreichische Schriftstellerin, 1830–1916)

• Was kann ich tun, damit „das Gute“ in der Welt ist?

• Was kann ich heute tun?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)

Hymnus

1. Staunend sehen wir

deines Lebens Wandlung:

Saulus hießest du

und ein Feind der Christen,

Paulus bist du jetzt,

und als Christi Zeuge

wird dir die Krone.

3. Auserwählt vom Herrn,

um das Wort zu künden,

streust du seine Saat,

wirst der Heiden Lehrer,

hast am eignen Leib,

hast durch Tod und Leben

Christus verherrlicht.

2. Da sein Licht dich trifft,

fällst du blind zu Boden,

stehst verwandelt auf,

seinem Ruf zu folgen.

Eingetaucht in ihn,

bist du neu geworden,

Glied seines Leibes.

4. Bringe unser Lob

vor den höchsten Vater,

bring es vor den Sohn,

der dich rief in Gnade,

bring es vor den Geist,

dessen Kraft dich drängte,

Christus zu künden. Amen.

Zeitgenössisch

Psalm 74 Verse 12–23

Gott ist mein König von alters her, *

Taten des Heils vollbringt er auf Erden.

Mit deiner Macht hast du das Meer zerspalten, *

die Häupter der Drachen über den Wassern zerschmettert.


279

Dienstag, 25. Januar · Abend

Du hast die Köpfe des Leviatan zermalmt, *

ihn zum Fraß gegeben den Ungeheuern der See.

Hervorbrechen ließest du Quellen und Bäche, *

austrocknen Ströme, die sonst nie versiegen.

Dein ist der Tag, dein auch die Nacht, *

hingestellt hast du Sonne und Mond.

Du hast die Grenzen der Erde festgesetzt, *

hast Sommer und Winter geschaffen.

Denk daran: Der Feind schmäht den Herrn, *

ein Volk ohne Einsicht lästert deinen Namen.

Gib dem Raubtier das Leben deiner Taube nicht preis; *

das Leben deiner Armen vergiss nicht für immer!

Blick hin auf deinen Bund! *

Denn voll von Schlupfwinkeln der Gewalt ist unser Land.

Lass den Bedrückten nicht beschämt von dir weggehn! *

Arme und Gebeugte sollen deinen Namen rühmen.

Erheb dich, Gott, und führe deine Sache! *

Bedenke, wie die Toren dich täglich schmähen!

Vergiss nicht das Geschrei deiner Gegner, *

das Toben deiner Widersacher, das ständig emporsteigt!

Ehre sei dem Vater ...

Gib Zuversicht den Bedrängten, treuer Gott. Lass sie deine Heilstaten

schauen.

Lesung 1 Tim 1, 14–15

So übergroß war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus

Jesus den Glauben und die Liebe schenkte. Das Wort ist

glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist

in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin

ich der Erste.


Abend · Dienstag, 25. Januar 280

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Heiliger Apostel Paulus, Verkünder der Wahrheit und Lehrer

der Heiden, tritt für uns ein bei Gott, der dich erwählt hat.

Fürbitten

Zu Gott, unserem Vater, lasst uns rufen:

A: Herr, wir vertrauen auf dich.

– Allen, die Hilfe brauchen, gib Mut, dich zu bitten, und lass sie

deine Antwort verstehen.

– Hilf uns, die Bitten von Menschen in Not zu hören und ihnen

zu helfen.

– Rufe alle beim Namen, die dich nicht kennen, und lade sie ein

zur Zwiesprache mit dir.

– Höre das Gebet für die Verstorbenen und hole sie heim in

dein Reich.

Vaterunser

Oration

Gott, du Heil aller Völker, du hast den Apostel Paulus auserwählt,

den Heiden die Frohe Botschaft zu verkünden. Gib uns,

die wir das Fest seiner Bekehrung feiern, die Gnade, uns deinem

Anruf zu stellen und vor der Welt deine Wahrheit zu bezeugen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit uns allen.

Vgl. Röm 16, 24

Salve Regina (Seite 379)


Mittwoch, 26. Januar 2022

Heiliger Timotheus und heiliger Titus

Timotheus und Titus sind die bekanntesten Schüler und Mitarbeiter

des Paulus und gelten als Adressaten der Pastoralbriefe.

Timotheus wird in der Apostelgeschichte und in einigen Paulusbriefen

erwähnt. Zwei der Pastoralbriefe richten sich an ihn.

Timotheus stammte aus Lystra und hatte einen heidnischen Vater

und eine jüdische Mutter. Möglicherweise wurde er auf der ersten

Missionsreise von Paulus selbst bekehrt, bevor er dessen Begleiter

und Mitarbeiter wurde. Die Apostelgeschichte berichtet, dass

Timotheus Paulus zum Apostelkonvent in Jerusalem begleitet hat.

Immer wieder sandte Paulus ihn mit Briefen und Aufträgen zu verschiedenen

Gemeinden. Nach Phil 2, 19 hat Timotheus Paulus bei

seiner ersten Gefangenschaft in Rom aufgesucht. Später übertrug

ihm Paulus die Verantwortung für Ephesus. Nach altkirchlicher

Überlieferung soll Timotheus nach dem Tod des Paulus Bischof von

Ephesus geworden sein. Über seinen Tod gibt es keine gesicherten

Nachrichten.

Titus, ein weiterer Gehilfe des Paulus, wird nicht in der Apostelgeschichte,

aber häufig in den Paulusbriefen erwähnt, von denen

einer an ihn gerichtet ist. Er war Heide. Über seine Bekehrung

gibt es keine sicheren Angaben. Aus dem Galaterbrief erfahren wir,

dass auch er Paulus auf der Reise zum Apostelkonvent nach Jerusalem

begleitete. Ebenso wie Timotheus wurde er mit wichtigen

Aufträgen betraut. So übernahm er die Organisation der Kollekte

für die Jerusalemer Gemeinde (2 Kor 8, 17). Nach dem Tod des

Paulus soll Titus der erste Bischof von Kreta geworden und mit 94

Jahren gestorben sein.

Schrifttexte: Lesung: 2 Tim 1, 1–8 oder Tit 1, 1–5; Evangelium:

Lk 10, 1–9

Namenstag: hl. Paula (Pilgerin, Klostergründerin in Betlehem, † 404) ·

hl. Alberich von Cîteaux (Abt, Mitgründer des Zisterzienserordens,

† 1109) · Albert von Steinfeld (erster Abt des Prämonstratenser-Stiftes,

† 1189)


Morgen · Mittwoch, 26. Januar 282

Ökumenischer Gedenktag: David der Erbauer (König von Georgien,

1073–1125) · Johann Matthäus Meyfart (ev. Theologe und Kämpfer

gegen die Hexenverfolgung, 1590–1642)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ihr Knechte Gottes, preist den Herren,

helft, seinen Namen zu verehren!

Des Herren Nam sei benedeit

nun und in alle Ewigkeit!

Sein Name muss gepriesen werden,

so weit die Sonne leucht’ auf Erden,

und hoch erhaben ragt sein Thron

weit über alle Nation.

Wer ist wie Gott, der droben trohnet,

der über allen Himmeln wohnet

und nieder auf die Erde sieht,

dem alles kund, was da geschieht?

Kaspar Ulenberg (1549–1617)

Psalm 89 Verse 2–19

Von den Taten deiner Huld, Herr, will ich ewig singen, *

bis zum fernsten Geschlecht laut deine Treue verkünden.

Denn ich bekenne: Deine Huld besteht für immer und ewig; *

deine Treue steht fest im Himmel.

„Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten *

und David, meinem Knecht, geschworen:


283

Mittwoch, 26. Januar · Morgen

Deinem Haus gebe ich auf ewig Bestand, *

und von Geschlecht zu Geschlecht richte ich deinen Thron auf.“

Die Himmel preisen, Herr, deine Wunder *

und die Gemeinde der Heiligen deine Treue.

Denn wer über den Wolken ist wie der Herr, *

wer von den Göttern ist dem Herrn gleich?

Gewaltig ist Gott im Rat der Heiligen, *

für alle rings um ihn her ist er groß und furchtbar.

Herr, Gott der Heerscharen, wer ist wie du? *

Mächtig bist du, Herr, und von Treue umgeben.

Du beherrschst die Empörung des Meeres; *

wenn seine Wogen toben – du glättest sie.

Rahab hast du durchbohrt und zertreten, *

deine Feinde zerstreut mit starkem Arm.

Dein ist der Himmel, dein auch die Erde; *

den Erdkreis und was ihn erfüllt hast du gegründet.

Nord und Süd hast du geschaffen, *

Tabor und Hermon jauchzen bei deinem Namen.

Dein Arm ist voll Kraft, *

deine Hand ist stark, deine Rechte hoch erhoben.

Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen deines Thrones, *

Huld und Treue schreiten vor deinem Antlitz her.

Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß! *

Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts.

Sie freuen sich über deinen Namen zu jeder Zeit, *

über deine Gerechtigkeit jubeln sie.

Denn du bist ihre Schönheit und Stärke, *

du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte.

Ja, unser Schild gehört dem Herrn, *

unser König dem heiligen Gott Israels.

Ehre sei dem Vater ...


Morgen · Mittwoch, 26. Januar 284

Durch deinen Gesalbten, Gott Israels, geleitest du uns auf deinen

Wegen. Wir freuen uns an dir; denn im Licht deines Angesichts

lässt du uns gehen.

Lesung 1 Tim 2, 4–6

Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis

der Wahrheit gelangen. Denn: Einer ist Gott,

Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der

Mensch Jesus Christus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für

alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder

nicht; weise zurecht, tadle und ermahne in geduldiger Belehrung.

Bitten

Christus Jesus, du Licht unseres Lebens, zu dir rufen wir an

diesem Morgen:

A: Geleite uns heim.

– Aus der Knechtschaft unserer Schuld.

– Aus der Wüste unserer Einsamkeit.

– Aus der Dunkelheit des Hasses und der Gleichgültigkeit.

Vaterunser

Oration

Gott, unser Vater, du hast die Apostelschüler Timotheus und

Titus mit den Gaben des Heiligen Geistes beschenkt und sie

deiner Kirche als Hirten gegeben. Höre auf ihre Fürsprache und

hilf uns, dass wir gerecht und fromm in dieser Welt leben und

so zur Gemeinschaft mit deinen Heiligen gelangen. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.


285

Mittwoch, 26. Januar · Eucharistie

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Texte zur Eucharistiefeier

Der Herr bestellte ihn zum Hohenpriester.

Er erschloss ihm seinen Reichtum

und überhäufte ihn mit Gnaden.

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem zweiten Timotheusbrief 2 Tim 1, 1–8

Paulus, durch den Willen Gottes zum Apostel Christi Jesu berufen,

um das Leben in Christus Jesus, das uns verheißen ist,

zu verkündigen, an Timotheus, seinen geliebten Sohn: Gnade,

Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus,

unserem Herrn.

Ich danke Gott, dem ich wie schon meine Vorfahren mit reinem

Gewissen diene – ich danke ihm bei Tag und Nacht in

meinen Gebeten, in denen ich unablässig an dich denke. Wenn

ich mich an deine Tränen erinnere, habe ich Sehnsucht, dich

zu sehen, um mich wieder von Herzen freuen zu können; denn

ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner

Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und

der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt.

Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes

wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil

geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit

gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der

Besonnenheit.

Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen;

schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im

Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott

gibt dazu die Kraft.


Eucharistie · Mittwoch, 26. Januar 286

Impuls zur Lesung

In der Autorität des Apostels Paulus spricht der zweite Timotheusbrief.

Die Botschaft, die wir heute hören dürfen, ist ganz

nüchtern – und doch ganz wunderbar: „Gott hat uns nicht

einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der

Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Gegen den Ungeist

der Ängstlichkeit und des Misstrauens, unterirdisch verwandt

mit der Anmaßung, dem Auftrumpfen, der Arroganz, steht

Gottes ureigene Ermutigung, zu vertrauen und gelassen zu

sein – und, in der Gewissheit, geliebt zu sein, zu lieben.

Antwortpsalm Ps 96, 1–3.7–8.10

Kehrvers:

Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn!

Singet dem Herrn ein neues Lied, *

singt dem Herrn, alle Länder der Erde!

Singt dem Herrn und preist seinen Namen, *

verkündet sein Heil von Tag zu Tag! – Kehrvers

Erzählt bei den Völkern von seiner Herrlichkeit, *

bei allen Nationen von seinen Wundern!

Bringt dar dem Herrn, ihr Stämme der Völker, *

bringt dar dem Herrn Lob und Ehre! – Kehrvers

Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens, *

spendet Opfergaben, und tretet ein in sein Heiligtum!

Verkündet bei den Völkern: Der Herr ist König. /

Den Erdkreis hat er gegründet, sodass er nicht wankt. *

Er richtet die Nationen so, wie es recht ist. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 3a, ferner GL 54, 1 oder KG 491

oder GL 1975 529, 6 (II. Ton)


287

Mittwoch, 26. Januar · Eucharistie

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Der Samen ist das Wort Gottes, der Sämann ist Christus. Wer

Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 4, 1–20

In jener Zeit lehrte Jesus wiederum einmal am Ufer des Sees,

und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg

deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber

standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in

Form von Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen:

Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte,

fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und

fraßen sie.

Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde

gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als

aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte,

weil sie keine Wurzeln hatte.

Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen

wuchsen und erstickten die Saat, und sie brachte keine Frucht.

Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte

Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach,

ja sechzigfach und hundertfach. Und Jesus sprach: Wer

Ohren hat zum Hören, der höre!

Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten

sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen:

Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen

aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn

sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie,

hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und

ihnen nicht vergeben wird. Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr

schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die

anderen Gleichnisse verstehen?


Abend · Mittwoch, 26. Januar 288

Der Sämann sät das Wort. Auf den Weg fällt das Wort bei

denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und

nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde.

Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf

felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig

auf; aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig,

und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt

werden, kommen sie sofort zu Fall.

Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: sie hören es zwar,

aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier

nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken

es, und es bringt keine Frucht.

Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören

und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, ja sechzigfach

und hundertfach.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Man empfängt die Leute nach ihrem Kleide und entlässt sie

nach ihrem Verstand.

Redensart

• Wonach beurteile ich Menschen?

• Was ergibt der zweite Blick?

Confiteor (Seite 43) – oder – Erbarme dich (Seite 53)


289

Mittwoch, 26. Januar · Abend

Hymnus

Eine große Stadt ersteht,

die vom Himmel niedergeht

in die Erdenzeit.

Mond und Sonne braucht sie nicht;

Jesus Christus ist ihr Licht,

ihre Herrlichkeit.

Durch dein Tor lass uns herein

und in dir geboren sein,

dass uns Gott erkennt.

Lass herein, die draußen sind;

Gott heißt jeden Sohn und Kind,

der dich Mutter nennt.

Dank dem Vater, der uns zieht

durch den Geist, der in dir glüht;

Dank sei Jesus Christ,

der durch seines Kreuzes Kraft

uns zum Gottesvolk erschafft,

das unsterblich ist. Amen.

Zeitgenössisch (Verfasserin: Silja Walter)

Melodie: GL 479 · GL 1975 642 · KG 505

Psalm 119 Verse 105–112 Nun

Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, *

ein Licht für meine Pfade.

Ich tat einen Schwur, und ich will ihn halten: *

Ich will deinen gerechten Entscheidungen folgen.

Herr, ganz tief bin ich gebeugt. *

Durch dein Wort belebe mich!

Herr, nimm mein Lobopfer gnädig an *

und lehre mich deine Entscheide!

Mein Leben ist ständig in Gefahr, *

doch ich vergesse nie deine Weisung.


Abend · Mittwoch, 26. Januar 290

Frevler legen mir Schlingen, *

aber ich irre nicht ab von deinen Befehlen.

Deine Vorschriften sind auf ewig mein Erbteil; *

denn sie sind die Freude meines Herzens.

Mein Herz ist bereit, dein Gesetz zu erfüllen *

bis ans Ende und ewig.

Ehre sei dem Vater ...

Erleuchte uns, Gott, durch dein Wort, und lehre uns, deinen

Willen zu tun. Du bist die Mitte unseres Lebens; lass uns stets

deine Nähe spüren.

Lesung Tit 3, 5b–7

Gott hat uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und

der Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem

Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter,

damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und

das ewige Leben erben, das wir erhoffen.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Gerecht und heilig wollen wir leben in der Hoffnung auf die

Wiederkunft des Herrn.

Fürbitten

Gott, du bist heilig und heiligst alle, die deinen Willen tun. Wir

bitten dich:

A: Segne deine Diener und Dienerinnen.

Die Heiligen unserer Zeit tragen ihr Tun nicht lautstark zu

Markte;

– lass ihr stilles Beispiel in unserer Welt Frucht bringen.

In unserer Gesellschaft ist es nicht leicht, den Menschen das

Evangelium nahezubringen;


291

Mittwoch, 26. Januar · Abend

– steh den mit der Verkündigung Betrauten bei und mache sie

zu glaubwürdigen Zeugen.

Wenig zählt heutzutage der Einsatz für die Armen und Schwachen;

– lass allen, die ihren Nächsten dienen, die Freude deiner Gegenwart

zuteilwerden.

Unsere Verstorbenen haben das Ziel ihrer Sehnsucht erreicht;

– lass sie auf immer dein Angesicht schauen.

Vaterunser

Oration

Gott, unser Vater, du hast die Apostelschüler Timotheus und

Titus mit den Gaben des Heiligen Geistes beschenkt und sie

deiner Kirche als Hirten gegeben. Höre auf ihre Fürsprache und

hilf uns, dass wir gerecht und fromm in dieser Welt leben und

so zur Gemeinschaft mit deinen Heiligen gelangen. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Gnade und Friede von Gott, dem Vater,

und Christus Jesus, unserem Retter.

Tit 1, 4

Salve Regina (Seite 379)


Donnerstag, 27. Januar 2022

Heilige Angela Meríci

Angela Meríci (1474–1540) wuchs im Umbruch vom Mittelalter

zur Neuzeit auf. Schon früh entschloss sie sich, ehelos

zu bleiben, und trat in den Dritten Orden des heiligen Franziskus

ein. Bereits in jungen Jahren spürte sie die Berufung, eine Gemeinschaft

geweihter junger Frauen zu gründen. Dieser Wunsch reifte

vierzig Jahre in ihr, bevor sie ihn verwirklichte. Angela hatte selbst

erlebt und immer wieder beobachtet, wie schwierig es für junge

Frauen war, religiös zu leben, ohne zu heiraten oder in ein Kloster

zu gehen. So lud sie immer wieder junge Frauen zu sich ein und

gab ihnen Anregungen für die Gestaltung ihres religiösen Lebens.

1535 schloss sie sich dann mit gleichgesinnten Gefährtinnen zur

„Gemeinschaft der heiligen Ursula“ (Ursulinen) zusammen. Hier

sollten Frauen, die aus religiösen Gründen ehelos bleiben wollten,

ein religiös ausgerichtetes und selbstbestimmtes, ganz normales

Alltagsleben führen können, ohne dafür in ein Kloster zu gehen.

Die junge Gemeinschaft wuchs rasch. Allerdings hat sie heute die

klösterliche Lebensform angenommen und sich damit von den Vorstellungen

ihrer Gründerin entfernt. Die Heiligsprechung Angela

Merícis wurde 1790 verkündet, wegen der politischen Wirren der

Zeit aber erst 1807 feierlich vollzogen.

Schrifttexte: Lesung: 1 Petr 4, 7b–11; Evangelium: Mk 9, 34–37

Namenstag: sel. Alrun von Cham (Reklusin bei Niederaltaich, † 1045) ·

sel. Gerhard von Kremsmünster (Abt, † um 1050) · sel. Paul Josef Nardini

(Gründer der Mallersdorfer Schwestern, † 1862)

Ökumenischer Gedenktag: Paavo Ruotsalainen (finn. Bauer und Laienprediger,

1777–1852)

Heute ist Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.


293

Donnerstag, 27. Januar · Morgen

Hymnus

Gegenwart

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Wer auf der Schwelle seines Hauses geweint hat

wie nicht je ein fremder Bettler.

Wer die Nacht auf den Dielen

neben dem eigenen Lager verbrachte.

Wer die Toten bat

sich wegzuwenden von seiner Scham.

Dessen Sohle betritt die Straße nicht wieder,

sein Gestern und Morgen

sind durch ein Jahrhundert getrennt

und reichen sich nie mehr die Hand.

Die Rose verblüht ihm nicht.

Der Pfeil trifft ihn nie.

Doch fast erschreckt ihn der Trost

wenn sich ein sichtbarer Flügel wölbt,

sein zitterndes Licht

zu beschützen.

Hilde Domin, Gegenwart, aus: Dies., Gesammelte Gedichte,

© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1987

Psalm 89 Verse 47–53

Wie lange noch, Herr? Verbirgst du dich ewig? *

Soll dein Zorn wie Feuer brennen?


Morgen · Donnerstag, 27. Januar 294

Bedenke, Herr: Was ist unser Leben, *

wie vergänglich hast du alle Menschen erschaffen!

Wo ist der Mann, der ewig lebt und den Tod nicht schaut, *

der sich retten kann vor dem Zugriff der Unterwelt?

Herr, wo sind die Taten deiner Huld geblieben, *

die du David in deiner Treue geschworen hast?

Herr, denk an die Schmach deines Knechtes! *

Im Herzen brennt mir der Hohn der Völker,

mit dem deine Feinde mich schmähen, Herr, *

und die Schritte deines Gesalbten verhöhnen.

Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit! *

Amen, ja amen.

Ehre sei dem Vater ...

Du Burg des Armen, blick auf unsere Schwächen, unsere Ungerührtheit

und Trägheit. Rüttle uns auf, dass wir den Unterdrückten

zu Hilfe kommen! Lass uns dein Angesicht leuchten.

Lesung Mi 5, 3.4a

Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im

hohen Namen Jahwes, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit

leben, denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der

Erde. Und er wird der Friede sein.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Dienet dem Herrn in Heiligkeit, denn er befreit uns aus der

Hand unserer Feinde.

Bitten

Guter Schöpfer, wir bitten dich um Jesu gewaltlose Entschiedenheit

für das Leben und rufen:

A: Salbe uns mit deiner Kraft.


295

Donnerstag, 27. Januar · Eucharistie

– Dass wir mutig für deine barmherzige Gerechtigkeit einstehen,

wo es auf uns ankommt.

– Dass wir uns unabhängig von Kultur, Religion oder Herkunft

mit den Menschen verbünden, die an einer guten Zukunft für

alle bauen wollen.

– Dass wir trotz angeblicher Sachzwänge und allzu menschlicher

Beharrungskräfte an unserem großen Lebensziel festhalten.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, erleuchte die Völker, die im Schatten des Todes

sitzen, mit dem Licht jener Herrlichkeit, mit der uns der

Aufgang aus der Höhe heimgesucht hat, Jesus Christus, unser

Herr. Der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und

herrscht in alle Ewigkeit.

Der treue Gott,

dem das Sterben seiner Frommen kostbar ist,

er löse unsere Fesseln und schenke uns seinen Frieden.

Vgl. Ps 116, 15 f.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören.

Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres

Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Eucharistie · Donnerstag, 27. Januar 296

Lesung aus dem zweiten Buch Samuel

2 Sam 7, 18–19.24–29

Nachdem Natan zum König David gesprochen hatte, ging

dieser hin und setzte sich vor dem Herrn nieder und sagte:

Wer bin ich, mein Herr und Gott, und was ist mein Haus, dass

du mich bis hierher geführt hast? Weil das in deinen Augen

noch zu wenig war, mein Herr und Gott, hast du dem Haus

deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht.

Ist das eine Weisung, wie sie einem schwachen Menschen zukommt,

mein Herr und Gott?

Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt, und du,

Herr, bist sein Gott geworden. Doch nun, Herr und Gott, verleih

dem Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus

gesprochen hast, für immer Geltung, und tu, was du gesagt

hast. Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten, und

man wird sagen: Der Herr der Heere ist Israels Gott!, und das

Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben.

Denn du, Herr der Heere, Gott Israels, hast deinem Knecht

offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht

den Mut, so zu dir zu beten: Ja, mein Herr und Gott, du bist

der einzige Gott, und deine Worte sind wahr. Du hast deinem

Knecht ein solches Glück zugesagt. So segne jetzt gnädig das

Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand

hat. Denn du, mein Herr und Gott, hast es versprochen, und

mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer

gesegnet sein.

Antwortpsalm Ps 132, 1–3.5.11–14

Kehrvers:

Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

O Herr, denk an David, *

denk an all seine Mühen,

wie er dem Herrn geschworen, *

dem starken Gott Jakobs gelobt hat: – Kehrvers


297

Donnerstag, 27. Januar · Eucharistie

„Nicht will ich mein Zelt betreten *

noch mich zur Ruhe betten,

bis ich eine Stätte finde für den Herrn, *

eine Wohnung für den starken Gott Jakobs.“ – Kehrvers

Der Herr hat David geschworen, *

einen Eid, den er niemals brechen wird:

„Einen Spross aus deinem Geschlecht *

will ich setzen auf deinen Thron. – Kehrvers

Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, *

mein Zeugnis, das ich sie lehre,

dann sollen auch ihre Söhne *

auf deinem Thron sitzen für immer.“ – Kehrvers

Denn der Herr hat den Zion erwählt, *

ihn zu seinem Wohnsitz erkoren:

„Das ist für immer der Ort meiner Ruhe; *

hier will ich wohnen, ich hab’ ihn erkoren.“ – Kehrvers

Kehrvers siehe Lk 1, 32b, ferner GL 60, 1 (VI. Ton)

oder GL 1975 753, 1 · KG 632 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium Ps 119, 105

Halleluja. Halleluja.

Dein Wort, o Herr, ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für

meine Pfade.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 4, 21–25

In jener Zeit sprach Jesus: Zündet man etwa ein Licht an und

stülpt ein Gefäß darüber oder stellt es unter das Bett? Stellt

man es nicht auf den Leuchter? Es gibt nichts Verborgenes, das

nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag

kommt. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er!

Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß,

mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja,


Eucharistie · Donnerstag, 27. Januar 298

es wird euch noch mehr gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben;

wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen,

was er hat.

Impuls zum Evangelium

Wie ist das mit Geheimnissen? Mit dem Heimlichen? Es war

noch vor „Corona“. Eine Nichte feierte runden Geburtstag.

Schönes, heiteres Sommerfest. Eine andere junge Verwandte

und ihr Partner gesellten sich zu den Feiernden. Aus dem

Nichts heraus war da der Gedanke, der Eindruck: Die sind

zu dritt! Tatsächlich, so stellte sich heraus, hatte sich das

Kindchen angemeldet, aber zu sehen war damals – rein gar

nichts. Aber vielleicht wollte da jemand signalisieren, offenbar

machen, und zeigte es – ohne bewusste Absicht – etwa im

Kleidungsstil an oder in einer neuen Freudigkeit: Wir haben

ein Geheimnis. Es ist wunderschön. Freut euch mit uns! Nun

könnte man sagen, Geheimnisse sind zum Geheimhalten da.

Aber das heutige Evangelium lädt auch dazu ein, ein Licht

möglichst hell leuchten zu lassen, es gewiss nicht abzudecken,

unter den Scheffel zu stellen. Das wäre ja völlig widersinnig.

Gewiss, da geht es um die noch verborgene Königsherrschaft

Gottes. Aber wenn Gott mitten in den oft mäßig erfreulichen

Königsherrschaften, den zu oft fürchterlichen Machtverhältnissen

der Welt wirkmächtig werden will – sollte das nicht Spure