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PINwand 335

Weinmailing Ausgabe März 2022 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

Weinmailing Ausgabe März 2022 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

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P I N W A N D n o 3 3 5<br />

VERÓNICA ORTEGA | BIERZO<br />

The last CAL(L)!<br />

Ein atemberaubender Weißwein gibt seine Abschiedsvorstellung!<br />

Und der „feinste ROC aller Zeiten“ hat einen grandiosen Auftritt!<br />

Erlesene Weine und Feinkost<br />

März 2022


PINWAND no <strong>335</strong> März 2022<br />

DEUTSCHLAND<br />

Weingut Müller-Rupprecht | Pfalz. 4<br />

„Er macht mit 2020 bei seinen Rieslingen genau dort weiter, wo er mit 2019 aufgehört hatte.“<br />

heißt es im aktuellen Vinum Weinguide über die letzten beiden Kollektionen aus Kallstadt. Philipp Wöhrwag<br />

präsentiert die ersten Weine des neuen Jahrgangs aus Deutschland und setzt damit zum Hattrick an!<br />

FRANKREICH<br />

Famille Perrin & Beaucastel | Südliche Rhône. 12<br />

„Ein Doppelsieg ist bei den 100 Weinen des Jahres schon extrem selten. Doch eine Wiederholung hatten wir i<br />

in den vielen Jahren noch nie. Das spricht für die Ausnahmestellung der Famille Perrin.“<br />

– Weinwirtschaft („Die Weine des Jahres“)<br />

Domaine du Pégau | Châteauneuf-du-Pape. 22<br />

Laurence Férauds Châteauneuf-du-Pape gilt als zeitloser Klassiker. In einer immer schneller werdenden<br />

Welt erweisen sich ihre Weine als antik im besten Sinne: Sie überdauern die Kurzlebigkeiten unserer Zeit.<br />

Domaine Saint Sylvestre | Terrasses du Larzac (Languedoc). 26<br />

Sophie und Vincent Guizard vinifizieren dramatisch schöne, mächtige Terroirweine des Midi.<br />

„Die Weine sind von solch einer Finesse, dass sie als Vorbild für das gesamte Languedoc dienen können!“<br />

– bettane+desseauve 2021<br />

Domaine Joblot | Givry (Burgund). 30<br />

William Kelley (Robert Parker’s Wine Advocate) über den Jahrgang 2020: „Die subtilen Verfeinerungen,<br />

die Juliette Joblot in die Gleichung eingebracht hat, seit sie die Zügel in die Hand genommen hat, zeigen,<br />

dass sich diese Referenz-Domaine in Bestform befindet. “<br />

ITALIEN<br />

Adami | Prosecco. 40<br />

„Franco Adami ist die Personifikation des Prosecco – Mr Prosecco himself!“ heißt es in<br />

Robert Parker’s Wine Advocate. Adami gilt unter Kennern als die Nr. 1 des Prosecco!<br />

Due Palme | Apulien . 44<br />

Due Palme liegt auf Platz 1 unserer Italien-Verkaufs-Charts, denn gute Qualität muss nicht immer teuer sein!<br />

Riecine | Chianti (Toskana) . 52<br />

Sean O’Callaghans jüngster Streich: Er geht mit dem Trebbiano auf Tuchfühlung.<br />

Bei den Rotweinen heißt es: „come sempre, qualità eccellente!“<br />

SPANIEN<br />

Verónica Ortega | Bierzo. 60<br />

Ein grandioser „ROC“ und die vorerst wohl letzte Möglichkeit den besten Godello aus dem Bierzo<br />

(„mein Lieblingsweißer aus der Region in seinem besten Jahrgang überhaupt“<br />

– Luis Gutiérrez, Robert Parker’s Wine Advocate) zu ergattern!<br />

Bernabeleva | Vinos de Madrid. 68<br />

Garnacha in einer puristischen Eleganz und Reintönigkeit, die man so hier niemals erwarten würde.<br />

Der Vorstoß in neue Dimensionen! Grandioser Stoff!<br />

PORTUGAL<br />

Anselmo Mendes | Vinho Verde . 78<br />

Die Königin der portugiesischen Weißweinreben hat einen treuen Verbündeten: Anselmo Mendes.<br />

Seine langlebigen Vinhos Verdes zählen zu Portugals Weißwein-Ikonen.<br />

ÖSTERREICH<br />

Uwe Schiefer | Burgenland . 90<br />

Der Eiserne Vorhang ist längst gefallen: 99 Punkte für das ehemalige Enfant terrible des Burgenlands!<br />

Uwe Schiefer zählt heute ganz sicher zu den Spitzenwinzern nicht nur Österreichs …<br />

2<br />

PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


März 2022<br />

PINWAND no <strong>335</strong><br />

pinwand no <strong>335</strong><br />

Liebe Freunde von Pinard de Picard,<br />

der britische Schriftsteller und Verfasser des Romanzyklus „Alms<br />

for Oblivion“, Simon Raven, riet einst: „Since life is short and the<br />

world is wide, the sooner you start exploring it, the better.“ Und<br />

aus dieser weiten Welt müssen wir zunächst von einem traurigen<br />

Verlust für unser Portfolio berichten. Streng genommen<br />

trifft Verónica Ortega dieser Verlust noch mehr. Denn für den<br />

Weinberg ihres genialen Weißweins „CAL“ ist der Pachtvertrag<br />

ausgelaufen, die einzigartige Kalkterroir-Lage befindet sich nun<br />

in anderen Händen. Immerhin fünf Jahrgänge lang konnten wir<br />

nach Herzenslust von diesem Juwel schwärmen, das zu unseren<br />

absoluten Lieblingen zählt und zu Recht mit Höchstwertungen<br />

bedacht wurde. Mit einem Schlag scheint die Zukunft dieses<br />

großen Weins mehr als ungewiss, und man ertappt sich bei dem<br />

Gedanken: „Hätte ich doch schon früher mehr davon gebunkert!“.<br />

Daher rufen wir bewusst zum „last CAL(L)“ auf! Genießen<br />

Sie dieses Godello-Meisterwerk, denn wer weiß, ob Verónica<br />

in nächster oder naher Zukunft noch einmal eine derart<br />

privilegierte Parzelle wird bewirtschaften können!<br />

Wo sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere: Bei Riecine<br />

in der Toskana tobt sich Sean O’Callaghan, der die Geschicke<br />

des Weinguts mittlerweile routiniert leitet, mit einer neuen<br />

Cuvée aus, desgleichen auch Uwe Schiefer im Burgenland.<br />

Beide Rotweinbetriebe eint die Freude zum Experimentieren<br />

bei den Weißweinen. Der Blick über den Tellerrand ist hier<br />

eigentlich Pflicht und lohnt sich ungemein! Außerdem: Kaum<br />

eingetroffen, schon (fast) wieder verteilt: der neue Jahrgang<br />

von Juliette Joblot aus Givry, deren Burgunder den Auftakt der<br />

„arrivage“ in unserem Lager in Saarwellingen machen. Und<br />

ganz früh geben uns Sabine und Philipp vom Weingut Müller-<br />

Ruprecht den ersten Pfälzer Vorgeschmack auf den neuen<br />

Jahrgang 2021 aus Deutschland!<br />

Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre<br />

unserer Pinwand!<br />

Versandkonditionen<br />

innerhalb Deutschlands!<br />

Frei Haus ab 95,00 €<br />

oder ab 12 Flaschen<br />

(Weine, Spirituosen & Olivenöle)<br />

Für Bestellungen unterhalb der Freihausgrenze erheben<br />

wir eine Versandkostenpauschale von 6,50 €<br />

KONTAKT<br />

Tel.: 06838/97950-0<br />

Email: info@pinard.de<br />

und das Team von Pinard de Picard<br />

3


DEUTSCHLAND PFALZ<br />

Müller-Ruprecht<br />

WEIN- & SEKTGUT<br />

MÜLLER-<br />

RUPRECHT<br />

KALLSTADT<br />

„Philipp Wöhrwag ist ein Strahlemann. (…) Und wenn wir<br />

seine Weine im Glas haben, zaubert das auch uns einen<br />

fröhlichen Ausdruck ins Gesicht. (…) Diese Weine haben<br />

immensen Druck, sie pulsieren, drücken, drängen, fordern,<br />

dass es eine Freude ist. Sie sind dabei – ohne, dass ein Widerspruch<br />

ist – gelassen wie der Wellberg, ausgewogen wie der<br />

Horn und zielstrebig wie der Nill, dessen Extraklasse ihn von<br />

den anderen noch einmalm abhebt.“– VINUM WEINGUIDE 2022<br />

In Kallstadt an der Deutschen Weinstraße befindet sich das<br />

Weingut Müller-Ruprecht. Für viele Weinliebhaber lässt bereits<br />

die Nennung dieser kleinen Gemeinde ihre Herzen höherschlagen.<br />

Denn untrennbar verbunden mit der Haardter Ortschaft<br />

ist eine der legendärsten Lagen der gesamten Pfalz, der<br />

Kallstadter Saumagen. Diese Lage, deren Terroir besonders vielschichtig<br />

ist, bringt große trockene Rieslinge hervor, die unsere<br />

Wahrnehmung für Pfälzer Weine über Generationen geprägt<br />

haben. Ein Riesling aus dem Saumagen ist kraftvoll, saftig und<br />

dabei von einem mineralischen Gerüst geleitet, das nur die<br />

besten Lagen hervorzubringen vermögen. Ein „Saumagen“<br />

überzeugt durch Kraft und Finesse, ist in jedem Fall aber ein Typ<br />

Riesling, der mit seiner saftigen Art zu überzeugen weiß.<br />

Seit 1702 wird im Weingut Müller-Ruprecht Wein produziert.<br />

Eine Tradition, die in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit<br />

mehr darstellt. Und gerade deshalb hat sich Sabine Wöhrwag<br />

dazu entschieden, die Familiengeschichte des 20 Hektar großen<br />

Betriebs fortzuführen. Sie kann dabei auf geniale Lagen zurück-<br />

4 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Müller-Ruprecht<br />

PFALZ DEUTSCHLAND<br />

in Kallstadt und Ungstein präzise und ohne Zierrat heraus. Eine<br />

sichere Hand attestieren ihm dabei nicht nur seine Rieslinge und<br />

Burgunder, sondern auch seine Steckenpferde wie die Scheurebe<br />

und der Merlot.“ Auch im Vinum Weinguide ist man höchsten<br />

Lobes, hat Philipps letzte Schritte aufmerksam verfolgt: „Es ist<br />

der erste Jahrgang, den der gerade mal 30 Jahre alt gewordene<br />

Philipp Wöhrwag im Familienweingut seiner Frau Sabine Wöhrwag<br />

komplett alleine verantwortet hat. Und es ist die beste<br />

Kollektion, die wir aus diesem Hause jemals verkosten durften.<br />

Präzision ist das beherrschende Thema.“ so die Jury über den<br />

Jahrgang 2019, von dem wir Ihnen, werte Kunden, vergangenes<br />

Jahr und vor Erscheinen des Guides ebendies berichteten.<br />

Über die Weine ist man voll des Lobes: „Ein Rosé aus Merlot,<br />

Pink Lady, der läuft und läuft und läuft. Grauburgunder, Weißburgunder<br />

und Chardonnay rebsortentypisch, aber alles doch<br />

nur ein Vorspiel für das, was an Rieslingen noch kommen soll.<br />

Kreidkeller und Saumagen läuten das Hochamt ein, der Saumagen<br />

Horn, aus einer warmen Parzelle legt eins drauf, der Weilberg<br />

macht uns schon äußerst glücklich – doch der Riesling aus dem<br />

kühlen Nill hinterlässt uns baff, sprachlos, ungläubig. Spielend<br />

und lächelnd spaziert dieser Wein an jeder Menge Konkurrenz<br />

vorbei, beeindruckt mit einer reduktiven, spannenden Natur.“<br />

Nur ein Jahr später stellt man zufrieden fest: „Er macht mit 2020<br />

bei seinen Rieslingen genau dort weiter, wo er mit 2019 aufgehört<br />

hatte.“<br />

© Melanie Hubach<br />

greifen, die zu den besten der Haardt gehören und allesamt auf<br />

engstem Raum direkt um den Ort gelegen sind. Zu den „Filetstücken“<br />

zählen, neben besagtem Saumagen, Kreidkeller und<br />

Weilberg – Lagen, die kaum mehr als einen Kilometer vom Weingut<br />

entfernt sind, so wie wir das auch aus dem Burgund kennen.<br />

Diese „behagliche“ Nähe erlaubt den Blick fürs Detail, für<br />

parzellenspezifische Unterschiede. Und diese sind bei Müller-<br />

Ruprecht klar schmeckbar.<br />

Sabine Wöhrwag ist eine Bilderbuch-Pfälzerin, eine feinsinnige<br />

und gleichzeitig energiegeladene Frau. Sie liebt ihr kleines<br />

Paradies, die Weinberge, und sie sind ihr Zuhause. Das Ergebnis<br />

ihrer Arbeit: Ein großes Stück Pfälzer Herrlichkeit im Glas. Tatkräftig<br />

unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann Philipp, einem<br />

klugen Kopf, der mit seinen württembergischen Wurzeln und<br />

klaren Vorstellungen das Weingut seit 2016 gemeinsam mit<br />

ihr Schritt für Schritt weiterentwickelt (und 2019 unter die<br />

20 besten Winzer der Pfalz gewählt wurde).<br />

Und das sagt die Jury über Philipp Wöhrwag:<br />

„Der Schwabe in der Pfalz weiß mit seinen reduzierten und<br />

puristischen Weinen zu überzeugen. Mit klarer Handschrift<br />

arbeitet Philipp Wöhrwag den Ausdruck der Sorten und Lagen<br />

Und natürlich lässt die nächste Auszeichnung nicht lange auf<br />

sich warten: Im Juli vergangenen Jahres verkostete und kürte<br />

eine namhafte Jury Philipp Wöhrwag zu einem der besten Winzer<br />

im Wettbewerb „Die Junge Pfalz“ 2021/2022 (Jonas, Philipp<br />

und Lukas Seckinger wurden übrigens auch ausgezeichnet)! Das<br />

Urteil kann sich lesen lassen: „Der Schwabe in der Pfalz wusste<br />

mit seinen reduzierten und puristischen Weine zu überzeugen.<br />

Mit klarer Handschrift arbeitet Philipp Wöhrwag den Ausdruck<br />

der Sorten und Lagen in Kallstadt und Ungstein präzise und<br />

ohne Zierrat heraus. Eine sichere Hand attestierten ihm dabei<br />

nicht nur seine Rieslinge, sondern auch bei den Burgundern gibt<br />

es eine Idee die sich wohltuend abhebt.“<br />

Unser Fazit: Hier in Kallstadt arbeitet ein gut funktionierendes,<br />

hochmotiviertes Team mit gemeinsamen Idealvorstellungen daran,<br />

Weine zu machen, welche immer deutlicher die Herkunft<br />

und Heimat der Reben betonen. Sabine und Philipp sind unterwegs<br />

auf einer spannenden Reise mit einem klaren Ziel und<br />

haben das Ruder fest in der Hand. Sabines Eltern, Jutta und<br />

Ulrich, stehen dabei als fester Anker im Hintergrund und ermöglichen<br />

diese Weiterentwicklung des Traditionsbetriebs, der<br />

sich nicht völlig neu erfinden will, sondern sich der tiefverwurzelten<br />

Tradition verpflichtet fühlt. (Philipp: „Unser Weingut befindet<br />

sich in der Fortentwicklung und nicht im Umbruch.“). Eine<br />

Stärke, die nur Generationenbetriebe für sich nutzen können.<br />

Und Sabine und Philipp, die gerne gemeinsam verkosten, kochen<br />

und über Weine, Gott und die Welt diskutieren, die viel<br />

arbeiten, aber auch lustvoll genießen können, sind sich dieser<br />

Stärken voll bewusst.<br />

Probieren Sie, liebe Kunden, diese verzaubernden Pfälzer Preziosen<br />

mit ihrem großartigen Preis-Genuss-Verhältnis – wir<br />

versprechen Ihnen, es lohnt sich!<br />

5


DEUTSCHLAND PFALZ<br />

Müller-Ruprecht<br />

„PINK LADY“ ROSÉ TROCKEN, 2021<br />

Die Pink Lady aus der Pfalz, die genau weiß,<br />

was sie will!!<br />

DPF060821 „Pink Lady“ Rosé, trocken 2021 DV<br />

12,5% Vol. 12,66 €/l 9,50 €<br />

WEISSBURGUNDER TROCKEN, 2021<br />

Unaufgeregter Weißburgunder – ein Musterbeispiel<br />

wie aus dem Lehrbuch der Rebsorte<br />

DPF060121 Weißburgunder trocken, 2021 DV<br />

12,5% Vol. 10,40 €/l 7,80 €<br />

Rosé ist eine Wein-Gattung, die eine Weingemeinde schnell<br />

spalten kann: Gerne fallen die Weine zu oberflächlich und banal<br />

aus und schmecken nach Fruchtgummi, oft sind sie zu süß und<br />

harmonisch abgeschmeckt oder tragen schwer an ihrer Alkohollast.<br />

Wenn Rosé aber durchdacht und mit Sorgfalt erzeugt wird<br />

und mehr als ein Nebenprodukt ist, kann er durchaus verzücken.<br />

Zu dieser Kategorie zählt die „Pink Lady“ aus dem Weingut<br />

Müller-Ruprecht aus der relativ früh reifenden Rebsorte Merlot,<br />

die in der Pfalz längst heimisch geworden. Sabine und Philipp<br />

Wöhrwag, die inzwischen den Takt im Familien-Weingut vorgeben,<br />

profitieren heute davon, dass Seniorchef Ulrich Müller als<br />

passionierter Rotweinliebhaber schon frühzeitig rote Reben wie<br />

Spätburgunder, Cabernet-Varietäten und eben Merlot pflanzte.<br />

„Pink Lady“ schätzt den geschmackssicheren und souveränen<br />

Auftritt mit einem feinen Duft nach Pflaume, Kirsche, Erdbeere<br />

und auch gelbem Steinobst. Am Gaumen zeigt sie die raffinierte<br />

Balance, die einen guten Rosé ausmacht mit einer ausgewogenen<br />

Struktur, gut eingebundener Säure, die sich bestens mit der<br />

gering dosierten fruchtigen Süße versteht: Da geht es wohltuend<br />

kitschfrei und geradlinig zu. Saftig entfaltet sich die Frucht,<br />

neben Pflaume und Heidelbeere auch Himbeere, feine Tannine<br />

und eine dezente kräuterige Herbe schärfen das Profil wie die<br />

dezent anklingende mineralische Grundierung. „Pink Lady“ ist<br />

ein Rosé mit Stil, trocken, saftig, animierend und originell: Das<br />

ist eine seriöse Lady, die genau weiß, was sie will!<br />

Ab sofort bis 2023.<br />

Sabine und Philipp Wöhrwag haben in wenigen Jahren eine stimmige<br />

Stilistik entwickelt, die weithin Beachtung und Respekt<br />

findet: Sie keltern Weine, die zum einen den Charakter und den<br />

Standort der Rebsorten klar herausstellen, die aber nie mehr<br />

sein wollen als sie sind. Das ist eine Kunst, die auf gewollte<br />

Effekte verzichtet und die man nicht hoch genug schätzen kann.<br />

Im Lagen-Bereich entstehen so Weine mit natürlichem Profil, die<br />

ihre Herkunft zeigen können, aber auch schon die einfacheren<br />

Qualitäten bieten sehr viel fürs Geld. Die Trauben für diesen<br />

Wein wurden handgelesen und streng selektioniert, im Keller<br />

verzichtete das Winzerpaar wie immer auf unnötige Eingriffe.<br />

Ihr Weißburgunder aus dem Jahrgang 2021 könnte aus dem<br />

Lehrbuch dieser Rebsorte stammen: Es ist ein unaufgeregter<br />

Sortentyp, der nach weißen Blüten, Mandarine, Aprikose, Apfel<br />

und auch Birne duftet. Saftig und gebirgsquellklar läuft er am<br />

Gaumen in einer schlanken, klar definierten Kontur. Wieder<br />

gelbe Frucht wie Aprikose und Mirabelle, dazu kommen Apfel<br />

und Mandarine. Die feine Süße und der Schmelz werden von<br />

der recht präsenten Säure gekontert, auch etwas Kohlensäure<br />

hält den Gaumen in Schwung. Da sitzt alles wohl proportioniert<br />

am rechten Fleck. Ein klassischer Weißburgunder, der<br />

mühelos das Soll übererfüllt und als Extra noch feine Raffinesse<br />

bietet. Braucht keine lauten und aufgesetzten Töne, die ohnehin<br />

nicht in das Repertoire der Wöhrwag’schen Weine passen.<br />

Ein Alltags-Klassiker mit hohem Standard. Gut so!<br />

Ab sofort bis 2023.<br />

6 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Müller-Ruprecht<br />

PFALZ DEUTSCHLAND<br />

GRAUBURGUNDER TROCKEN, 2021<br />

Kulinarisches Allround-Talent von der Mittelhaardt<br />

DPF060221 Grauburgunder trocken, 2021 DV<br />

12,5% Vol. 11,93 €/l 8,95 €<br />

SCHEUREBE TROCKEN, 2021<br />

Gestandene, handfeste Scheurebe mit Pfälzer Esprit!<br />

DPF061321 Scheurebe trocken, 2021 DV<br />

13,5% Vol. 11,93 €/l 8,95 €<br />

Man kann sich die Frage stellen, ob man an der Mittelhaardt,<br />

wo Rieslinge von Weltformat auf berühmten Lagen wie dem<br />

Kallstadter Saumagen oder dem Ungsteiner Weilberg wachsen,<br />

Grauburgunder anpflanzen muss. Der wächst fast überall, auch<br />

auf Böden in der Ebene, wo besser Kartoffeln und Rüben stehen<br />

sollten. Aber es gibt wohl keine andere Weinregion, wo – jenseits<br />

der vielbeschworenen Saumagen-Folklore – so gerne, oft und<br />

deftig gegessen wird wie in der Pfalz. Und da ist der Grauburgunder<br />

als geerdetes kulinarisches Allround-Talent genau<br />

am richtigen Platz. Dazu kommt – und ist nicht weniger wichtig<br />

–, dass das junge Winzerpaar Sabine und Philipp Wöhrwag ein<br />

bemerkenswertes Händchen hat für richtig gute Alltagsweine,<br />

die man mittags und abends auf den gedeckten Tisch stellen<br />

kann, ohne lange nachdenken zu müssen. Also Grauburgunder<br />

an der Mittelhaardt und in Kallstadt? Aber natürlich und immer<br />

wieder gerne! Um dem Wein etwas mehr Struktur zu verleihen,<br />

baut ihn Philipp Wöhrwag im Edelstahl und teilweise auch<br />

im Holzfass aus, das aber keine dominante Rolle einnehmen<br />

soll. Das Ergebnis aus dem Jahrgang 2021 ist ein fest gebauter<br />

Grauburgunder mit angemessener Fülle, der sortentypisch nach<br />

Birne und Walnüssen riecht, auch Noten von Apfel und reifer<br />

Honigmelone kommen auf. Am Gaumen saftig mit reifer Säure<br />

und einer Spur Kohlensäure, die feine Restsüße lässt ihn<br />

geschmeidig wirken, Schmelz und feine Würze zeigen sich am hinteren<br />

Gaumen. Grundsolide Qualität und attraktiver Wein-Wert!<br />

Ab sofort und bis 2024.<br />

Riesling spielt im Weingut Müller-Ruprecht in Kallstadt die<br />

Hauptrolle, aber die Scheurebe nimmt im Portfolio von Sabine<br />

und Philipp Wöhrwag einen festen Platz ein. Sie kann, wie der<br />

Gewürztraminer, zu den klassischen Rebsorten der Pfalz gezählt<br />

werden. Der kapriziösen Scheurebe, einer Züchtung aus Riesling<br />

und der Bukettsorte, wird gerne (und zu Unrecht!) nachgesagt,<br />

dass sie außer einem aufreizenden Parfum nicht mehr allzu viel<br />

zu bieten habe: Oft muss sie sich mit der Rolle des duftigen<br />

und grazilen Aperitif-Weins mit süßlichem Touch begnügen, der<br />

die nachfolgenden Weine ankündigt. Ganz anders die „Scheu“<br />

von Sabine und Philipp Wöhrwag aus dem Jahrgang 2021, die<br />

ihren Aufstieg in eine andere Gewichtsklasse schon im eindringlichen<br />

Duftbild manifestiert: Da steckt Kraft und Intensität<br />

dahinter mit Noten von reifer Mango, Cassis, Birne und Litschi,<br />

ergänzt von Zitronengras, vollreifer Himbeere und Gewürzen<br />

wie Kardamom und gelbem Curry. Aromatisch könnte sie damit<br />

auch manchen vorlauten Sauvignon Blanc zum Statisten degradieren.<br />

Auch am Gaumen baut sich Kraft und Konsistenz auf:<br />

Stoffig, saftig, mit reifer Säure, athletischem Körper und guter<br />

Länge. Wieder reife Mango, Birne und schwarze Johannisbeere,<br />

erinnert mit seiner würzigen Verve an Gewürztraminer, Struktur<br />

und Mundgefühl lassen an einen grauen Burgunder denken.<br />

Diese trocken ausgebaute Scheurebe ist ein gestandener und<br />

handfester Charakter mit Pfälzer Esprit, viel mehr als nur ein<br />

Apéritif-Wein!<br />

Jetzt bis 2026.<br />

7


DEUTSCHLAND PFALZ<br />

Müller-Ruprecht<br />

© Melanie Hubach<br />

SCHEUREBE KABINETT, 2021<br />

Faszinierend filigrane Kabinett-Kunst von der Scheurebe<br />

DPF061521 Scheurebe Kabinett, 2021 DV 9% Vol. 10,40 €/l 7,80 €<br />

Ist es ein Zufall, dass einem nach dem ersten Schluck<br />

dieser Scheurebe Eduard Mörikes Ode an den Frühling<br />

im Kopf herumzuschwirren beginnt: „Frühling lässt<br />

sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; Süße,<br />

wohl bekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land …“<br />

Im Glas ist die Scheurebe von Sabine und Philipp Wöhrwag,<br />

die eine gleichermaßen feine wie faszinierende<br />

Aromatik entfaltet nach Holunderblüte, Maracuja,<br />

Litschi, Aprikose und schwarzer Johannisbeere. Sehr<br />

rein, sehr klar, da ist nichts Störendes und Irritierendes<br />

dabei. Sie wirkt am Gaumen weniger süß als das Prädikat<br />

es erwarten lässt, die selbstbewusste Säureader<br />

lässt den Restzucker in den Hintergrund treten und<br />

den Wein beinahe trocken wirken. Dabei hat die Säure<br />

nichts Forderndes oder gar Aggressives, sie ist ein bestens<br />

eingebundenes Element in diesem schlank und<br />

grazil gehaltenen Bau. Feiner Saft fließt am Gaumen<br />

mit Mandarine, Maracuja, Pfirsich, Johannisbeere und<br />

Grapefruit, man meint auch etwas Granatapfel zu erschmecken.<br />

Eine feine, aparte Herbe erfrischt, die<br />

Riesling-hafte Eleganz betört wie das animierende<br />

Süße-Säure-Spiel und die herrlich aromatische Saftigkeit.<br />

Verspielt und lustvoll wandelt die „Scheu“ den<br />

Gaumen entlang, dass es eine Freude ist, beinahe<br />

schwebt sie dabei. Man muss aufpassen, dass die Flasche<br />

sich nicht allzu schnell leert, Trinkfluss und Spaß sind<br />

enorm. Mit feiner Hand und auf den Punkt genau gearbeitet.<br />

Kompliment, viel besser kann man das Genre<br />

Kabinett kaum bedienen – und das zu einem wirklich<br />

famosen Preis!<br />

Ab sofort bis 2025.<br />

8 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Müller-Ruprecht<br />

PFALZ DEUTSCHLAND<br />

KALLSTADTER ANNABERG RIESLING TROCKEN, 2021<br />

Mineralischer Riesling aus dem unterschätzten Annaberg<br />

DPF060421 Kallstadter Annaberg Riesling trocken, 2021 DV 12% Vol. 10,40 €/l 7,80 €<br />

Der Kallstatter Annaberg ist eine spannende, kühle<br />

Lage, die es noch nicht in den öffentlichen Fokus<br />

geschafft hat: Sie wird an einer Seite vom Waldrand<br />

abgeschirmt, an ihrer Stirnseite stößt sie an einen<br />

Kalksteinbruch. Dessen Sedimente wurden im Laufe<br />

der Jahrtausende in den an der Mittelhaardt typischen<br />

Buntsandstein geschwemmt und verleihen dem Weinberg<br />

und seinen Weinen ein besonderes Profil. Ulrich<br />

Müller, Vater und Schwiegervater von Sabine und Philipp<br />

Wöhrwag, machte das junge Winzerpaar auf das<br />

besondere Potenzial des Annabergs aufmerksam. „Er<br />

hat immer eine gute Nase für solch geniale Lagen“,<br />

schwärmt Philipp Wöhrwag, der die Weine im Weingut<br />

Müller-Ruprecht ausbaut. Der appetitliche Duft<br />

animiert direkt zum ersten Schluck, neben Noten von<br />

Steinobst wie Pfirsich kommen auch Apfel und steinige<br />

Anklänge zum Tragen, nasser Kalk, etwas Steinmehl. Es<br />

ist eine präzise und kühle Nase, ohne Noten überreifer<br />

Frucht. Präzision und Geradlinigkeit bestimmen auch<br />

den Gaumen des schlank gebauten Kabinett-Rieslings:<br />

Neben der gegenwärtigen Säure sorgt auch Gärungskohlensäure<br />

für einen zusätzlichen Frischekick –<br />

die in einigen Weinen belassen wurde und zu einem<br />

typischen Stilmittel des Winzerpaares geworden ist.<br />

Feiner Saft von Apfel und Pfirsich sorgt für elegante<br />

Geschmeidigkeit, kalkige Noten liefern den markanten<br />

mineralischen Touch. Ein Riesling mit gutem Trinkfluss,<br />

da bleibt es nicht bei einem Gläschen, schlank, kühl,<br />

präzise und verspielt, kein bisschen überkandidelt,<br />

eher mit Hang zum Understatement. Eine Wohltat in<br />

Zeiten der häufig überproportionierten und überambitionierten<br />

Weine. Vom Kallstadter Annaberg, interpretiert<br />

von Sabine und Philipp Wöhrwag, wird man<br />

noch einiges hören!<br />

Ab sofort und bis gut 2025.<br />

KALLSTADTER SAUMAGEN RIESLING TROCKEN, 2021<br />

Lagen-Riesling aus dem weltberühmten Kallstatter Saumagen<br />

DPF060921 Kallstadter Saumagen Riesling trocken, 2021 DV 12,5% Vol. 14,00 €/l 10,50 €<br />

FINESSENREICHE KRAFT<br />

Wer hier Besitz hat, darf sich privilegiert fühlen: Der<br />

37 Hektar umfassende Kallstadter Saumagen zählt mit<br />

seinen Böden aus Löss-Lehm und Kalkmergel mit reichlich<br />

kleinen Kalksteinen zu den großen Riesling-Lagen<br />

der Pfalz und der deutschen Weinregionen überhaupt.<br />

Sie liegt am Fuß der Haardt – des Gebirgszugs am Ostrand<br />

des Pfälzer Waldes – auf einer Höhe zwischen 160<br />

und 200 Metern. Das Weingut Müller-Ruprecht betreibt<br />

im weltberühmten Kallstadter Terroir schon seit<br />

1702 Weinbau, inzwischen setzen Sabine und Philipp<br />

Wöhrwag hier Akzente, unterstützt von Jutta und Ulrich<br />

Müller, den Eltern der Winzerin. Ihr Riesling aus<br />

dem Saumagen zeigt zunächst in der fokussierten<br />

Nase Noten von Steinobst wie Pfirsich und Mirabelle,<br />

Apfel, feine Kräuterwürze und etwas Hefegebäck,<br />

mit etwas Luft kommen auch mineralische Anklänge<br />

dazu, nasser Stein und Kreide. Im Mund dominiert<br />

zuerst Frische: Die präsente Säure wird noch von etwas<br />

Gärungskohlensäure unterstützt und befördert diesen<br />

ersten oberflächlichen Eindruck der Zugänglichkeit.<br />

Aber man sollte den Saumagen nicht unterschätzen, er<br />

hat noch viel mehr zu bieten und ist auf Langlebigkeit<br />

vinifiziert: In der schlank gehaltenen Textur formiert<br />

und entfaltet sich Energie und Spannung, getragen von<br />

gutem Extrakt, einer kalkigen Kreidigkeit und mit feiner,<br />

mundwässernder Saftigkeit. Grapefruit am hinteren<br />

Gaumen gesellt sich zur gelben Frucht, würzige Mineralität<br />

im Ausklang unterstreicht den Lagen-Charakter.<br />

Erreicht vielleicht nicht ganz die Komplexität des Jahrgangs<br />

2020, aber punktet mit Eleganz und der Tiefgründigkeit,<br />

die der Saumagen verlässlich garantiert.<br />

Schon jetzt mit Freude zu genießen, aber Geduld lohnt<br />

sich auf alle Fälle. Ein Riesling aus einer weltberühmter<br />

Lage, der Finesse und Kraft verbindet, und das zu<br />

einem ungemein konsumentenfreundlichen Tarif!<br />

Ab sofort bis 2027+.<br />

9


DEUTSCHLAND PFALZ<br />

KALLSTADTER SAUMAGEN „H“ RIESLING TROCKEN, 2020<br />

„H“ – so sonnig lacht das Riesling-Gemüt!<br />

DPF061120 Kallstadter Saumagen „H“ Riesling trocken, 2020 DV 13% Vol. 21,06 €/l 15,80 €<br />

Eine Abendbeschäftigung für Riesling-Freunde ist<br />

schnell gefunden. Einfach die beiden Selektionen aus der<br />

berühmten Lage von Müller-Ruprecht einschenken und<br />

dann die Unterschiede besprechen. Es wird abendfüllend<br />

sein, denn „N“, der Zweite im Bunde, und „H“ sind<br />

zwei Seiten einer Medaille. In diesem Falle kommt die<br />

Opulenz der Frucht zum Tragen, die einen ganzen Obstsalat<br />

durchdekliniert. Die kalkige Grundierung dieses<br />

Südhangs ist dabei eine wichtige Garnierung, weil sie<br />

dem Spiel der Aromen eine Struktur verleiht. Doch ansonsten<br />

darf die sonnenverwöhnte Fruchtigkeit dieses<br />

Rieslings schon in der Jugend zeigen, was möglich ist,<br />

wenn Winzer mit dem Terroir arbeiten und ihm keinen<br />

Stil aufzwingen wollen. Immerhin kennen die Winzer<br />

den „Saumagen“ nicht erst seit gestern. 1702 begann die<br />

Riesling-Kultivierung durch Müller-Ruprecht und Sabine<br />

und Philipp Wöhrwag als aktuelle Generation im Familienbetrieb<br />

stellen mit diesem Know-how alle Facetten<br />

heraus, die Riesling hier zeigen kann.<br />

Wenn Weingarten-Pfirsich und Pink Grapefruit zusammen<br />

ein cremig süßes Stück Meringue backen …<br />

Oder ist es doch Biskuitteig mit Ananas? In jedem Fall<br />

bringt der Duft dieses Pfälzer Rieslings eine Fülle von<br />

intensiven Eindrücken mit. Allesamt sind sie in gelbfruchtige<br />

Noten getaucht und strahlen förmlich vor<br />

sonnendurchfluteter Freundlichkeit. Dieser Wein will<br />

verkostet werden – und den Gefallen tun wir ihm gerne.<br />

Die feine Würze überrascht anfangs, doch die Füllhörner<br />

des Fruchtigen werden auch hier reichlich ausgegossen.<br />

Ein ganzer Korb Agrumen, mal fleischig wie<br />

Jaffa-Orangen, dann wieder herb wie Bergamotten,<br />

dazwischen wie eine Limette, die man aus einem „Key<br />

Lime Pie“ stibitzt hat. Doch auch wenn die Anklänge<br />

an Patisserie hier reichlich sind: Süß ist dieser Wein<br />

(drei Gramm Restzucker) nie. Wohl aber fruchtsatt.<br />

Denn mit Luft wird der „H“ auch noch um exotische<br />

Noten ergänzt. Sogar ein Quäntchen Vanille blitzt<br />

dann durch die tropenfruchtige Melange. Was für<br />

ein Kontrast zwischen der Fernreise am Gaumen und<br />

dem deftigen Namen der Lage! Doch dann betritt die<br />

Grapefruit gravitätisch die Bühne. Szenenapplaus.<br />

Vorhang. Und unbedingt nachschenken!<br />

Ab sofort bis 2033.<br />

KALLSTADTER SAUMAGEN „N“ RIESLING TROCKEN, 2020<br />

„N“ steht für langlebig und fein ziseliert<br />

© Melanie Hubach<br />

DPF060720 Kallstadter Saumagen „N“ Riesling trocken, 2020 DV 13% Vol. 26,00 €/l 19,50 €<br />

Das Riff, um das sich alle reißen: Aus Kalkschnecken<br />

aufgetürmt, mit ein wenig Löss überglänzt, liegt der<br />

„Saumagen“ wie ein Amphitheater im Mittelhaardt.<br />

Der Vergleich mit den antiken Spektakelstätten passt<br />

durchaus besser als der mit der Leibspeise des Pfälzer<br />

Bundeskanzlers selig. Die Römer hatten hier bereits<br />

ihre Steinbrüche errichtet und praktisch ausnahmslos<br />

bieten die Rieslinge von hier Galavorstellungen für<br />

Weinfreunde. Wäre das noch nicht genug, um die Lage<br />

zu einer der teuersten der Region zu machen, bringt<br />

das nicht einmal 40 Hektar große Stück Rebgarten<br />

auch noch perfekte Sonnenausrichtung als Südhang<br />

mit. Bei Müller-Ruprecht hat man den eigenen Anteil<br />

an der Lage nochmals unterteilt, weshalb es die Füllungen<br />

„N“(ill) und „H“(orn) gibt, deren Aromatik sich<br />

auch deutlich unterscheidet. Expressiver zeigt sich der<br />

„H“, während der besonders ziselierte der beiden trockenen<br />

Rieslinge die Bezeichnung „N“ trägt.<br />

Schon sein erster Gruß gen Nase zeugt von der rezentfrischen<br />

Güte dieses Rieslings: Quitte und Yuzu sind<br />

zu erschnuppern, mit mehr Luft dann auch noch eine<br />

zarte Röstnote – wie von frischer Oliven-Focaccia.<br />

Doch wird es beim „N“ noch ziselierter. Als hätte man<br />

Birnen säuberlich geviertelt und dann gepfeffert – so<br />

riecht dieser Tropfen aus der Kallstadter Paradelage.<br />

Nur die Aprikosendüfte, die man so sehr mit Riesling<br />

verbindet, sie zieren sich noch ein wenig. Etwa so, als<br />

wäre tief ins Bowlegefäß ein Stückchen Pfirsich gesunken:<br />

Man erhascht es nicht, aber nimmt es doch noch<br />

wahr. Doch genug geschnuppert! Der feine Nerv der<br />

Rebsorte spült allzu großes Sinnieren weg. Der Mittelteil<br />

– kandierte, dabei zart säuerliche Früchte – wirkt<br />

hingegen fast zum Beißen dicht. Dock auch die karge<br />

Erbmasse der Kalkböden ist deutlich zu spüren. Und<br />

wo sich zwei Texturen treffen, freut man sich auf das<br />

Dritte. Das Finish dieses 2020er-Weißweins nämlich!<br />

Herbe Töne von Zesten und etwas Grapefruit<br />

beschließen anmutig den Reigen dieses jugendlichen<br />

Pfälzers. Doch wenn der Kallstadter Saumagen für<br />

etwas berühmt ist, dann für seine langlebigen Weine.<br />

Anders gesagt: rasch bevorraten!<br />

Ab sofort bis 2035.<br />

10 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Müller-Ruprecht<br />

PFALZ DEUTSCHLAND<br />

© Melanie Hubach<br />

11


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

Beaucastel & Perrin<br />

CHÂTEAU BEAUCASTEL<br />

& FAMILLE PERRIN<br />

CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE<br />

© Marc Ginot<br />

„2020, DIE ABSOLUTE<br />

HARMONIE“<br />

– FAMILLE PERRIN<br />

Dreamteam: Kellermeister César<br />

und Matthieu Perrin mit Mistral<br />

12 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Beaucastel & Perrin<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

Beaucastel: Ein Name, eine Legende.<br />

Uralter Rhône-Adel!<br />

„Einer der Referenzbetriebe im Rhône-Tal sowie auf der ganzen<br />

Welt ist das Château de Beaucastel der Familie Perrin.“ – Jeb Dunnuck<br />

Außerdem: Perrin belegt gleich mit zwei Weinen das Siegerpodest für „Die Weine des Jahres“!<br />

„Les Christins“ und die „Réserve“ sind „Beste Rotweine Frankreichs“ nach Preis-Genuss-Punkten!<br />

Wer einmal diesen quasi mythischen Rhône-Klassiker<br />

aus Châteuneuf-du-Pape getrunken hat, den lässt<br />

ein Beaucastel sein ganzes Leben lang nicht mehr<br />

los. „Es ist unbestreitbar, dass Beaucastel nicht nur die langlebigsten<br />

Rot- und Weißweine der südlichen Rhône hervorbringt,<br />

sondern mit die größten und charaktervollsten Gewächse des<br />

gesamten Rhônetals: Es sind die weißen und roten Referenzweine!“<br />

urteilt Parker voller Enthusiasmus. Und die „Bibel“<br />

der französischen Weinkritik, das „Classement“ der Revue du<br />

Vin de France, zählt dieses Weltklassegut als einziges von der<br />

südlichen Rhône zur winzig kleinen, elitären Spitzenklasse der<br />

„besten Domainen“ Frankreichs!<br />

Worin liegen die seit Jahrzehnten bereits großartigen Qualitäten<br />

dieses traditionsreichen Familiengutes (inzwischen wird<br />

es in siebter Generation geführt) begründet? Hier sind mehrere<br />

Faktoren gleichberechtigt zu nennen: Zum einen erfolgt die Bewirtschaftung<br />

der extrem steinigen Weinberge ausschließlich<br />

nach biodynamischen Grundsätzen. Auf der im äußersten Norden<br />

von Châteauneuf-du-Pape in der Nähe von Courthézon gelegenen<br />

Domaine werden bereits seit 1964 (!) keine Düngemittel,<br />

Pestizide oder Insektenvernichtungsmittel mehr verwendet,<br />

stattdessen wird mit Kompost (jährlich eine Tonne pro Hektar)<br />

aus Schafsmist und Traubentrester gedüngt. „Wenn Unkrautvernichtungsmittel<br />

gespritzt werden, wurzeln die Reben nicht<br />

tief genug. Daher bekämpfen wir Krankheiten ausschließlich mit<br />

biologischen Mitteln, lockern den Boden auf und schneiden die<br />

oberflächlichen Wurzeln weg. Damit versetzen wir unsere Reben<br />

– die Neubestockung erfolgt nach einem detailliert geplanten<br />

Rotationsprinzip, so dass die Weinstöcke im Schnitt stets<br />

50 Jahre alt sind – in die Lage, auch in den heißen Sommermonaten<br />

genügend Wasser zur Vermeidung von Trockenstress<br />

zu finden und genügend Nährstoffe und Mineralien aus den<br />

unterschiedlichen Schichten in der Tiefe der Erde in die Rebe<br />

zu transportieren“, erläutert Jean-Pierre Perrin (einer der beiden<br />

Brüder, die heute die Domaine mit großer Weitsicht leiten) engagiert<br />

und detailfreudig. Und ergänzt: „Im Laufe der Jahre haben<br />

die Reben so ihre eigene Abwehrkraft gegen Angriffe aller Art<br />

entwickelt, und Bienen, Marienkäfer und Regenwürmer bevölkern<br />

wieder unsere Weinberge. Das natürliche Gleichgewicht<br />

führt zwangsläufig zu limitierten Erträgen, gibt aber die Quintessenz<br />

des Charakters dieses einzigartigen Terroirs wieder.“<br />

Ein weiterer entscheidender Faktor der unverwechselbaren<br />

Qualitäten der großen Châteauneuf-Weine von Beaucastel<br />

liegt in ihrer besonderen Rebsortenzusammensetzung. Beim<br />

roten Châteauneuf fließen, wie beispielsweise auch bei Clos<br />

des Papes, sämtliche dreizehn Rebsorten der Appellation in<br />

die Cuvées ein, was zur großen Harmonie, zur Ausgewogenheit<br />

und zur Finesse der Weine entscheidend beiträgt. Ein seit<br />

Generationen tradiertes Wissen, das aber immer mehr Winzer<br />

der Region, in ihrem Bestreben hochbepunktete Monsterweine<br />

zu erzeugen, zu vergessen oder bewusst zu negieren scheinen.<br />

So ist beispielsweise die Counoise-Rebe sehr wichtig für die<br />

Finesse im Wein, während die früh reifende, mit reichlich<br />

Frucht ausgestattete Cinsault-Traube ein notwendiges Gegengewicht<br />

zum Alkoholgrad der köstlichen Grenache und<br />

den Tanninen von Syrah und Mourvèdre bildet. Letztere trägt<br />

durch ihren für die Appellation ungewöhnlich hohen Anteil<br />

(etwa 30 %) zum höchst eigenständigen, unverwechselbaren<br />

Beaucastel-Stil in seiner ganzen Ursprünglichkeit bei: Bio-Weine<br />

der absoluten Weltspitze!<br />

Da also die Cuvéetierung einzigartig ist, wird der Charakter der<br />

großen Weine von Beaucastel auch und besonders durch ihre<br />

eigenwillige Rebsortenzusammensetzung geprägt. Bisweilen<br />

werden die roten Gewächse sogar als der Gegenentwurf eines<br />

klassischen Châteauneuf-du-Pape bezeichnet. Wohl auch, weil<br />

sie durch den hohen Mourvèdre- Anteil in ihrer Jugend häufig<br />

etwas unzugänglicher und weniger einschmeichelnd sind als die<br />

Weine anderer Domainen. Dazu muss man wissen, dass eben<br />

dieser hohe Mourvèdre-Anteil bei Châteauneuf-Weinen absolut<br />

Usus war und erst in den 1950er-Jahren, als man lastzügeweise<br />

Grenache ins Burgund karrte, um die damaligen dünnen Pinot-<br />

Noir-Wässerchen aufzupäppeln, ebenso zurück gedrängt wurde<br />

wie im letzten Jahrzehnt, als man der tiefen Farbausbeute<br />

13


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

Beaucastel & Perrin<br />

wegen damit begann, immer mehr Syrah anzupflanzen, der aber<br />

eindeutig im Norden der Rhône, in kühleren Lagen, seine besten<br />

Resultate erzielt.<br />

Was für eine Verkennung des wahren Charakters eines großen<br />

Châteauneufs! Diese singulären Weinmonumente von Beaucastel<br />

mögen zwar Genießern von Neue-Welt-Einheitsweinen, die<br />

Wert auf maximal vordergründige Frucht und viele Raummeter<br />

neue Eiche legen, nicht gefallen. Für wahre Kenner und Liebhaber<br />

aber zählen sie zu den originellsten und charaktervollsten Rotweine<br />

der Welt. Und noch dazu sie gehören seit über 20 Jahren<br />

zu unseren persönlichen Favoriten! Denn das Ergebnis nach der<br />

Reifephase, die normalerweise sechs bis zehn Jahre andauert<br />

(im Gegensatz zu den Basisweinen der Domaine, die bereits<br />

in ihrer frühesten Jugend vollendeten Trinkgenuss bieten) und<br />

über zwei Jahrzehnte anhält, ist spektakulär: In Spitzenjahrgängen<br />

zeigt sich der Wein üblicherweise von rubin- bis purpurroter<br />

Farbe mit einem unglaublich komplexen Aromenspektrum, einer<br />

sagenhaften Süße und Fülle der Frucht und einer fantastischen<br />

Konzentration, Dichte und Tiefe.<br />

Die Kellerarbeit der Familie Perrin ist genauso vorbildlich wie<br />

die im Weinberg. Und das gilt für alle Weine, vom Einstiegswein<br />

bis zu den tatsächlich legendären Top-Cuvées! Die unumstößliche<br />

Maxime dabei lautet: Der Charakter und die natürlichen<br />

Eigenschaften eines Weins dürfen nicht durch Zugeständnisse<br />

an die moderne Technik gefährdet werden.<br />

Auf Beaucastel verarbeitet man alle (natürlich extrem penibel selektierten)<br />

Rebsorten getrennt, wobei der Großteil der Mourvèdre<br />

und Syrahtrauben entrappt wird. Letztere ist die einzige<br />

Sorte, die mit neuer Eiche in Berührung kommt, da Experimente<br />

gezeigt haben, dass ihr eine Gärung in kleinen Eichenholzfässern,<br />

wie man es der nördlichen Rhône praktiziert, besonders förderlich<br />

ist. Sämtliche Rebsorten werden bis zum ersten Frühling<br />

nach der Ernte, wenn der Auswahlprozess und der endgültige<br />

Verschnitt erfolgen, getrennt vergoren und ausgebaut. Die<br />

Brüder Jean-Pierre und François sowie ihre insgesamt sieben<br />

Söhne treffen sich dann zu „einem magischen Vorgang“ (Jean-<br />

Pierre Perrin), um die „Rohlinge“ gemeinsam zu verkosten, die<br />

aus den verschiedenen Rebsorten gewonnen werden, und um<br />

für jeden Wein die Qualität jeder einzelnen Rebsorte zu prüfen,<br />

die der Cuvée des jeweiligen Jahrgangs beigefügt wird. Die einjährige<br />

Lagerung des Weins in großen Holzfässern erfolgt danach<br />

in beeindruckenden, klimatisierten unterirdischen Kellern,<br />

die von ihren Dimensionen her darauf ausgelegt sind, alle durchschnittlich<br />

20.000 bis 25.000 Kisten Châteauneuf-Wein eines<br />

Jahrgangs in einem einzigen Durchgang unfiltriert abfüllen zu<br />

können. So werden unerwünschte Qualitätsunterschiede in den<br />

einzelnen Flaschen vermieden.<br />

Auf Grund ihres besonderen Enthusiasmus’ für Mourvèdre und<br />

den durch diese Traube bedingten unverwechselbaren Weincharakter,<br />

sind die ebenso tatkräftigen wie sympathischen Perrins<br />

keiner der bekannten Gruppierungen mit ihrer jeweiligen Stilistik<br />

in Châteauneuf zuzuordnen, sondern sie sind, was sie schon<br />

immer waren, liebenswerte Individualisten, die unbeirrt aller<br />

Moden ihren eigenen Weg gehen. „Die Perrins arbeiten außerordentlich<br />

professionell und fühlen sich dem Besten, was die<br />

Natur zu bieten hat, verpflichtet. Der wohlverdiente Erfolg<br />

von Beaucastel hat dazu geführt, dass François und Jean-Pierre<br />

Perrin heute im Rhônetal wesentlich mehr repräsentieren als Qualitätsbewusstsein<br />

– nämlich Ehrlichkeit, vorzügliche Leistungen,<br />

Fleiß und Hingabe. Sie haben nicht nur die besten Traditionen<br />

im Rhônetal bewahrt, sondern diese sogar erweitert und damit<br />

weltweit Ruhm erlangt – für ihre Weine, für das Rhônetal und<br />

nicht zuletzt für Frankreich“, schwärmt Parker zu Recht von<br />

dieser Domaine, die zu den ganz großen Weingütern Frankreichs<br />

gehört.<br />

Ein Châteauneuf-du-Pape von Beaucastel ist stets ein brillantes<br />

Gewächs auf absolutem Weltklasseniveau, geschaffen von visionären<br />

Winzerpersönlichkeiten: Der Triumph einer fantastischen<br />

Appellation, erklärbar aus dem Zusammenspiel eines großartigen,<br />

beseelten Terroirs, sensibler, biodynamischer Wirtschaftsweise<br />

und der unermüdlichen Tatkraft einer Familie engagierter<br />

Perfektionisten. Weine mit weltweit magischem Klang!<br />

© Marc Ginot<br />

Natürlich handelt es sich bei den Châteauneufs von Beaucastel<br />

um die Flaggschiffe der Familie Perrin, daneben erzeugt man<br />

aber auch in ebenfalls biodynamisch bewirtschafteten Lagen<br />

um Châteauneuf-du-Pape „köstliche Rotweine im regionstypischen<br />

Stil der südlichen Rhône, bemerkenswerte Leistungen,<br />

die nirgendwo in der Welt auf diesem Qualitätsniveau zu diesem<br />

sympathischen Preis produziert werden“ (Robert Parker) und<br />

die den legendären Mythos der Perrin-Weine in der ganzen<br />

Welt mitbegründet haben. Diese wunderbaren Tropfen, die alle<br />

nach den gleichen Grundsätzen des biodynamischen Anbaus<br />

hergestellt werden, besitzen ein weltweit unschlagbares Preis-<br />

Genussverhältnis und sind zu einer echten Marke geworden!<br />

Kein Wunder, dass sämtliche Qualitätsstufen unterhalb des<br />

„Châteauneufs“ seit Jahren die meist verkauften Rhôneweine<br />

unseres Programms sind. Unsere Kunden haben eben einen<br />

vorzüglichen Geschmack – santé!<br />

14 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Beaucastel & Perrin<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

FAMILLE PERRIN, „RÉSERVE“ CÔTES-DU-RHÔNE, ROUGE 2019<br />

Perrin – ein Name, der für das Herausragende bürgt<br />

Wie im Vorjahr: Platz 2. Bester Rotwein Frankreichs!<br />

„Ein Doppelsieg ist bei den 100 Weinen des Jahres schon extrem selten.<br />

Doch eine Wiederholung hatten wir in den vielen Jahren noch nie.<br />

Das spricht für die Ausnahmestellung der Famille Perrin.“ – Weinwirtschaft<br />

FRS012019 Famille Perrin, „Réserve“ Côtes-du-Rhône, rouge 2019 14% Vol. 11,93 €/l 8,95 €<br />

Die Perrins zählen unbestritten zu den herausragendsten<br />

Weinbaufamilien Frankreichs. Nicht nur zählen<br />

ihre prestigeträchtigen Châteauneuf-du-Papes von<br />

Château de Beaucastel alljährlich zu den Ikonen der<br />

Appellation sondern sie beeindrucken auch durch die<br />

Konstanz, mit der sie im Basisbereich vieltausendfach<br />

stets über die Maßen zuverlässige, ja höchst markante<br />

Weine vinifizieren. Wer einen „Perrin“ aus dem Regal<br />

greift, wird nie enttäuscht! Ihr Beitrag zur Region ist<br />

daher von nahezu unüberschätzbarem Wert.<br />

Einen erheblichen Beitrag steuert die „Réserve“<br />

bei. Dieser Côtes du Rhône bietet das Maximum an<br />

Genuss und Komplexität in seiner Preisklasse, wurde<br />

im Vorjahr sogar als „Bester Rotwein Frankreichs“ in<br />

Meiningers Weinwirtschaft gekürt („Die 100 Weine<br />

des Jahres“). Das mag hochgesteckt klingen, doch<br />

wenn man bedenkt, mit welcher Reichweite und<br />

niedrigen Preishürde hier ein höchst bemerkenswerter<br />

Rhône-Wein präsentiert wird, zählt dieser<br />

Evergreen gewiss zu den zuverlässigsten Rotweinen<br />

Frankreichs. Einen besseren Côtes-du-Rhône zu<br />

diesem Preis? Irgendwie unmöglich.<br />

2. PLATZ:<br />

Bester Rotwein<br />

Frankreichs!<br />

Weinwirtschaft<br />

Die Cuvée verteilt sich dieses Jahr auf 40% Grenache<br />

Noir, 40% Mourvèdre und 20% Syrah. Die Grenache-<br />

Trauben stammen überwiegend aus dem Prébois- Weinberg<br />

in der Gemeinde Orange, ganz im Herzen Châteauneuf-du-Papes.<br />

Der Syrah reift etwas nördlicher<br />

in der Appellation Vinsobres. Wir haben es hier mit<br />

einem ausgesprochen schönen Einstiegswein zu tun,<br />

der zeigt, wie viel Finesse der geneigte Rhône-Liebhaber<br />

auch in der Basis des Portfolios erwarten darf!<br />

Etwa eine verführerisch feine Nase, die nach dunklen<br />

Waldbeeren aber auch roten Früchten, allen voran<br />

Herzkirschen und Johannisbeeren duftet. Feine Gewürznoten<br />

runden das Gesamtbild ab. Am Gaumen<br />

zeigt sich der Rhône-Weine ausgesprochen kühl und<br />

saftig. Die Frucht prescht voran, die Tannine sind<br />

poliert und geschmeidig. Eine „gepfefferte“ Würze fügt<br />

noch ein weitere Facette hinzu. Das Finish „hallt“ dann<br />

auch wirklich nach, die Frucht, die ganz in Mineralität<br />

aufzugehen scheint, ist fast beängstigend elegant.<br />

Alles ist in echter Balance, wobei sich das in keiner<br />

Weise nivellierend auswirkt – ganz im Gegenteil: Hier<br />

ist das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile,<br />

die Bezeichnung „Réserve“ mehr als berechtigt! Für<br />

uns ganz unangefochten eine, wenn nicht sogar die<br />

Referenz in dieser Kategorie. Daher nach wie vor eine<br />

unbedingte Kaufempfehlung für jeden, der ausgewogene,<br />

elegante und tendenziell feingliedrige Weine<br />

von der Rhône zu schätzen weiß.<br />

Ab sofort bis mindestens 2028.<br />

15


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

Beaucastel & Perrin<br />

FAMILLE PERRIN, „LES CORNUDS“ VINSOBRES, ROUGE 2019<br />

„Bloß nicht die Vinsobres-Abfüllungen verpassen!“ – Jeb Dunnuck<br />

FRS010419 Famille Perrin, „Les Cornuds“ Vinsobres, rouge 2019 14,5% Vol. 15,86 €/l 11,90 €<br />

Gerade in den letzten Jahren stellen wir zunehmend fest,<br />

dass so mancher Winzer oder auch Betrieb ein wenig<br />

die Bodenhaftung verliert, wenn es um die Preise geht.<br />

Natürlich bestimmen das Angebot und nicht zuletzt die<br />

Nachfrage den Preis. Aber man kann auch als Winzer<br />

gegensteuern, um seinen Kunden gewogen zu bleiben.<br />

Bei den Perrins ist das so. Was sie unter „Famille Perrin“ i<br />

n Bezug auf besagte Fairness und Güte erzeugen, ist<br />

immer wieder sensationell. Ein Beispiel? Der „Les Cornuds“.<br />

Er stammt vom nördlichsten Weinberg der südlichen<br />

Rhône. 40 Kilometer nördlich von Châteauneufdu-Pape<br />

in der Nähe von Vaison La Romaine befinden<br />

sich die Weinlagen hier auf rund 300 Metern Höhe.<br />

Die von Steinen, sandigem Mergel und Schwemmland<br />

geprägten Böden sind weitgehend terrassiert. Man<br />

setzt dort vor allem auf Syrah, weil er eine Finesse<br />

und Kühle erreicht, die deutlich mehr an die nördliche<br />

als an die südliche Rhône erinnert. Neben Syrah kultivieren<br />

Perrins auch etwas Grenache Noir, sodass sich<br />

für eine Cuvée eine wunderbare Balance ergeben<br />

kann. Der Syrah wird in großen Holzfässern vergoren<br />

und ausgebaut, die Grenache im Edelstahl.<br />

2019 war ein typischer Neuner-Jahrgang. Das sind Jahrgänge,<br />

die sehr herausfordernd sind, aber bei denen<br />

sich im Herbst dann alles zum Guten wendet: „Nach<br />

einem frühen Knospenaufbruch Anfang April erfolgte<br />

die Blüte unter guten Bedingungen. Ende Juni begann<br />

dann ein heißer Sommer, dem die Reben tapfer<br />

standhielten: Sie litten kaum unter Wasserstress, dank<br />

der Kamille, mit der wir die Pflanzen besprühten, um<br />

die Hitze zu bewältigen. Schließlich verlief die Weinlese<br />

wie üblich, ohne besondere Eile. Die Weine sind vielversprechend;<br />

ein weiterer Neuner-Jahrgang steht wieder<br />

einmal unter einem guten Stern.“<br />

„Les Cornuds“ ist ein Vinsobres mit Finesse und einer Fülle,<br />

die sehr ansprechend, aber nie schwer wirkt. Im Duft<br />

erinnert er an Brombeeren, schwarze Kirschen, Himbeeren<br />

und Zwetschgen. Darüber liegen Noten von Veilchen,<br />

Jasmin und Bresaola, Garrigue und trockenem Waldboden.<br />

Am Gaumen präsentiert sich die Cuvée<br />

schmackhaft und fleischig, saftig-pikant mit viel<br />

dunkler Frucht, Kräuterwürze und Gestein. Das ist ein<br />

sinnlicher, lustvoller Rhône-Wein mit einer für diese<br />

Preisklasse formidablen Länge und Tiefe. Nicht von<br />

ungefähr schrieb Jeb Dunnuck schon über einen der<br />

Jahrgangsvorgänger: „It's a terrific wine that sells for a<br />

great price“ – was zu 100 % auch für den 2019er gilt!<br />

Ab sofort und bis 2027+.<br />

FAMILLE PERRIN, „PEYRE BLANCHE“ CAIRANNE, ROUGE 2019<br />

Kann vielen Châteauneuf-Weinen locker das Wasser reichten: tolles Terroir,<br />

guter Jahrgang und exzellenter Erzeuger.<br />

FRS011019 F. P., „Peyre Blanche“ Cairanne C.-du-Rhône Village, r. 2019 14,5% Vol . 15,86 €/l 11,90 €<br />

Die Eigentümerfamilie des legendären Châteauneufdu-Pape-Weinguts<br />

Beaucastel erzeugt auch in weiteren<br />

Cru-Lagen an der südlichen Rhône Weine in ihrem<br />

unnachahmlichen Stil aus Intensität und Frische.<br />

Unweit der berühmten „CdP“-Region liegen nahe<br />

des Dörfchens Cairanne die von Steinen geprägten<br />

Weinberg der gleichnamigen Appellation. Das Terroir<br />

ist ähnlich, und wie bei den „großen Geschwistern“<br />

dominiert Grenache im Zusammenspiel mit Syrah die<br />

Cuvée „Peyre Blanche“. Die kleinbeerigen Trauben<br />

stammen von uralten Reben, die nach biodynamischen<br />

Grundsätzen bewirtschaftet und in Handarbeit<br />

gelesen werden. Wunderbar betörend duftet es aus<br />

dem Glas mit der rubinroten Flüssigkeit nach dunklen<br />

Beeren und roten Früchten, vor allem nach Kirschen<br />

und Blau- und Johannisbeeren. Neben den delikaten<br />

Früchten nehmen wir noch eine kräutrige Würze<br />

wahr und Nuancen von Lakritz. Am Gaumen ist der<br />

„Peyre Blanche“ wunderbar weich und füllig elegant.<br />

Ein kraftvoller erster Schluck Wein, der einen balanciert<br />

kühlen Wein offenbart. Auch hier erfreuen kompakte,<br />

wohldosierte Früchte und ein Lakritz-Frischehauch<br />

mit einem langen, feinmineralischen Finale. Seine<br />

Kraft und die natürlich stets präsenten Garrigue-<br />

Aromen – wir haben diese Landschaft bei jedem Schluck<br />

ohnehin vor Augen – machen ihn zum wunderbaren<br />

Speisebegleiter für kräftige, reichhaltige provenzalische<br />

Gerichte. Uns schwebt aber ein (auch zu Hause leicht<br />

nachzukochendes) Gericht eines deutschen Drei-Sterne-Kochs<br />

vor: Lammkeule mit Kirsch-Walnuss-Sauce<br />

– dazu macht sich der „Peyre Blanche“ er ebenso gut<br />

aussehen wie im Vergleich mit vielen, deutlich kostenintensiveren<br />

Weinen der Südrhône!<br />

Ab sofort zu genießen, Höhepunkt ab 2022 bis 2026.<br />

16 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Beaucastel & Perrin<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

Letztes Jahr:<br />

1. PLATZ:<br />

Bester Rotwein<br />

Frankreichs!<br />

Weinwirtschaft<br />

© Serge Chapuis<br />

FAMILLE PERRIN, „LES CHRISTINS“ VACQUEYRAS, ROUGE 2019<br />

Der Nachfolgejahrgang des „Besten Rotweins Frankreichs“ (Weinwirtschaft)<br />

ist eingetroffen!<br />

„Neben den Weinen vom Château de Beaucastel veröffentlicht Perrin auch unter<br />

dem Label Famille Perrin eine ganze Reihe brillanter Weine“ – Jeb Dunnuck<br />

FRS011419 Famille Perrin, „Les Christins“ Vacqueyras, rouge 2019 14,5% Vol. 22,60 €/l 16,95 €<br />

Die drei wirklichen Crus der Südrhône sind ohne Zweifel<br />

Châteauneuf-du-Pape, Gigondas und Vacqueyras. Aus<br />

letztgenannter Appellation stammen die Cuvées der Familie<br />

Perrin namens „Les Christins“. In der Acht-Hektar-<br />

Lage südlich der Dentelles de Montmirail entstehen sowohl<br />

ein überaus seltener weißer Vacqueyras als auch<br />

diese Cuvée aus etwa 75 % Grenache und 25 % Syrah<br />

von rund 50 Jahre alten Reben. Der Boden der Lage<br />

ist von Kies und Schwemmland des Ouvèze-Flusses<br />

sowie von Lehm und Sand geprägt. Die Trauben wurden<br />

von Hand gelesen und sortiert, im Weingut entrappt und<br />

eingemaischt. Die Gärung erfolgte sehr langsam, und<br />

die Extraktion wurde durch manuelles Unterstoßen des<br />

Tresterhutes erzielt. Nach der malolaktischen Gärung<br />

und der Assemblage wurden die Weine in Fudern und<br />

Barriques über ein Jahr hinweg ausgebaut.<br />

Der Vacqueyras strahlt in einem leuchtenden und intensiven<br />

Rubinrot und duftet vom ersten Moment an<br />

nach reifen Himbeeren, Feigen und Kirschen sowie<br />

nach Noten von Schokolade, Süßholz und Garrigue.<br />

Mit Luft und vor allem am Gaumen stoßen nach und<br />

nach Brombeeren und Cassis hinzu, etwas Rauch und<br />

Kräuter. Zunächst dominiert also die Grenache, bevor<br />

sich auch der Syrah zu Wort meldet. Der Vacqueyras<br />

wirkt am Gaumen balanciert zwischen der reifen<br />

Frucht, einer lebendigen, aber dezenten Säure und einer<br />

seidigen Tanninstruktur. Er wirkt elegant, durchaus<br />

opulent, aber nicht schwer, ist vielmehr ausgewogen,<br />

frisch und reif zugleich. All das macht ihn im Zusammenspiel<br />

sehr charmant und sinnlich.<br />

PS: Den Vorgänger hievte der Meininger-Verlag<br />

(Weinwirtschaft) im Extra „Die Weine des Jahres“<br />

auf das Siegertreppchen der besten Weine Frankreichs.<br />

Daraufhin war der ohnehin begehrte Wein im Nu ausverkauft.<br />

Nun ist der Nachfolger eingetroffen: Es gilt<br />

also schnell zu sein!<br />

Ab jetzt und bis sicherlich 2030+.<br />

17


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

Beaucastel & Perrin<br />

FAMILLE PERRIN, „COUDOULET DE BEAUCASTEL“<br />

CÔTES DU RHÔNE, ROUGE 2020<br />

Der „kleine“ Bruder des „grand vin“ von Beaucastel!<br />

„Ein einzigartiger Charakter für einen Wein, der jedes Jahr die Quintessenz<br />

der Arbeit in diesen Weinbergsparzellen darstellt.“ – Famille Perrin<br />

in Subskription,<br />

Auslieferung ab Herbst 2022<br />

FRS010620 „Coudoulet de Beaucastel“ Côtes-du-Rhône, rouge 2020 26,00 €/l 19,50 €<br />

FRS010620M „Coudoulet de Beaucastel“ Côtes-du-Rhône, rouge 2020 MAGNUM 26,00 €/l 39,00 €<br />

SUBSKRIPTION<br />

© Marc Ginot<br />

Beim „Coudoulet de Beaucastel“ sprechen wir bei Fassproben<br />

oft vom „kleinen Beaucastel“. Kein Wunder,<br />

denn im Prinzip handelt es sich hierbei um so etwas<br />

wie den Zweitwein Beaucastels, der neben dem<br />

„Grand Vin“, dem Châteauneuf-du-Pape besteht. Eine<br />

Petitesse verhindert die Deklarierung als Châteauneuf-<br />

du-Pape: Diese Cuvée aus Grenache, Mourvèdre,<br />

Syrah und Cinsault stammt von Reben außerhalb der<br />

Châteaneuf-du-Pape-Appellation, die allerdings direkt<br />

an ihrer nördlichen Grenze stehen – und übrigens<br />

nicht weit entfernt vom Weingutsgebäude. Nur die<br />

berühmte autoroute du soleil trennt das exzellente<br />

steinige Terroir des „Coudoulet“ von dem des unmittelbar<br />

angrenzenden legendären „Chateauneuf“ von<br />

Beaucastel! Seit mehr als 30 Jahren bereits werden die<br />

Reben für den traditionell in Holzfudern ausgebauten<br />

„Coudoulet“ biodynamisch bewirtschaftet, die tief in<br />

den kalkhaltigen Böden wurzeln, die teppichartig mit<br />

den berühmten galets roulés, großen kieselförmigen<br />

Steinen, bedeckt sind. Somit handelt es sich weiterhin<br />

um einen Geheimtipp, dessen Preis-Genuss-Verhältnis<br />

unverbesserlich ist. Wer in die Herkunft dieses<br />

Weins eingeweiht ist, dem wird schnell klar, warum der<br />

„Kleine“ von Beaucastel jedes Jahr ein solch heiß begehrter<br />

Wein ist und daher, ganz wie der Große, ebenfalls<br />

en primeur, also zur Subskription angeboten wird.<br />

Der Jahrgang 2020 lässt uns endlich aufatmen. Die Perrins<br />

sind zufrieden mit der Qualität und Menge. Endlich<br />

steht wieder ein Jahrgang bevor, der keine Turbulenzen<br />

und homöopathischen Mengen wie 2018 mit sich<br />

brachte. Zudem, so unser bisheriger Eindruck, besitzt<br />

der Jahrgang 2020 etwas mehr Charme und Leichtigkeit<br />

als sein enorm konzentrierter Vorgänger. Es ist ein Jahrgang,<br />

der sich perfekt balanciert präsentiert. Die Verwandtschaft<br />

zum Châteauneuf-du-Pape von Beaucastel<br />

ist unverkennbar. Der violett im Glas liegende Wein<br />

duftet nach schwarzen Beeren, die Mourvèdre sorgt<br />

für Brombeeren, wie man sie von den großen Weinen<br />

Bandols (etwa Tempier) kennt. Hinzu kommt der süßlich<br />

warme Duft eingelegter Maraschino-Kirschen. Ein<br />

Hauch Nelke, Tamarinde und Süßholz erweitert das<br />

sehr fein definierte Bouquet. Im Prinzip baugleich mit<br />

dem Châteauneuf-du-Pape des Hauses, verbringt der im<br />

Holzbottich vergorene Wein seinen Ausbau im großen<br />

Holz. Am Gaumen sind die Tannine etwas seidiger<br />

als beim grand vin, die Frucht dominiert mit ihrer<br />

geschmeidigen Beerennote. Alles hat bereits beim Fassmuster<br />

perfekte Balance. Und doch wird der Coudoulet<br />

über seinen weiteren Ausbau noch vielschichtiger geraten,<br />

nochmals an Balance gewinnen. Diese Zugänglichkeit<br />

ist nicht zuletzt der Frische aller Fruchtaromen<br />

(samt feiner Lavendel-Kopfnoten) zu verdanken.<br />

2020, so steht es für uns fest, wird den etwas behäbigeren<br />

2019er wohl überragen, sofern man sich für Finesse<br />

und Eleganz begeistert.<br />

Das hier hat Frische und Saftigkeit, zeigt sich konzentriert<br />

statt schwer und ähnelt auch, ob des<br />

mineralischen Einschlags, in der Tat in den Grundzügen<br />

den großen Weinen Beaucastels. Kostet aber nur<br />

einen Bruchteil! Es gibt Phasen, da läuft der kleine<br />

„Coudoulet“ seinem großen Bruder, der allerdings<br />

(natürlich) deutlich mehr Potenzial besitzt, fast den<br />

Rang ab. Gerade jetzt, in der ersten Phase, steht er<br />

ihm wirklich sehr nahe und zeigt, dass hier der Apfel<br />

nicht weit vom Stamm gefallen ist. Eben echter<br />

Rhône-Adel und pures Understatement, was seine<br />

Klassifikation angeht. Wir raten dazu, durchaus eine<br />

Kiste in der hintersten Kellerecke zu vergessen. Denn<br />

das hier ist bereits sehr anspruchsvoll!<br />

Zu genießen mit größtem Vergnügen ab sofort,<br />

Höhepunkt 2023 bis 2036+.<br />

18 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Beaucastel & Perrin<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

19


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

Beaucastel & Perrin<br />

97<br />

Punkte<br />

Suckling<br />

96<br />

Punkte<br />

Decanter<br />

20 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Beaucastel & Perrin<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE, ROUGE 2020<br />

„Das Dreigestirn aus Säure, Tanninen und Alkohol ist perfekt aufeinander abgestimmt<br />

und schafft absolute Harmonie.“ – Famille Perrin über den 2020er Beaucastel<br />

in Subskription,<br />

Auslieferung ab Herbst 2022<br />

FRS010720 Châteauneuf-du-Pape, rouge 2020 96,00 €/l 72,00 €<br />

FRS010720H Châteauneuf-du-Pape, rouge 2020 (0,375l) 96,00 €/l 36,00 €<br />

FRS010720M Châteauneuf-du-Pape, rouge 2020 MAGNUM 96,00 €/l 144,00 €<br />

BEAUCASTEL – SUBSKRIPTIONSSTART EINER LEGENDE!<br />

In Châteauneuf-du-Pape gibt es eine Handvoll Ikonen. Clos des<br />

Papes, Rayas und Beaucastel bilden das Trio der wohl renommiertesten<br />

Betriebe der Südlichen Rhône. Sie alle fahren unterschiedliche<br />

Konzepte. Auf Rayas ist es reinsortiger Grenache,<br />

der samt Rappen im großen Holz vinifiziert wird, Clos des Papes’<br />

Rotwein entsteht komplett ohne Rappen und neues Holz. Familie<br />

Perrin erhöht seit einigen Jahren, vor allem im Zuge der Klimaveränderungen<br />

den Anteil an Mourvèdre. Die im Bandol ebenso<br />

beheimatete Rebsorte trotzt warmen und trockenen Jahren –<br />

wie sie zuletzt zu verzeichnen waren – viel besser als Grenache,<br />

die schnell überreif und alkoholisch gerät, zudem eine hohe Anfälligkeit<br />

für Pilzkrankheiten besitzt. Vor allem repräsentiert der<br />

grand vin Beaucastels die Rebsortenvielfalt Châteauneuf-du-<br />

Papes. Sämtliche der 13 zugelassenen Rebsorten finden hier Verwendung,<br />

wobei Grenache, Mourvèdre, Syrah, Counoise, Cinsault<br />

und Terre Noir, Muscardin sowie Vaqueyrese dabei als dominierende<br />

Grundpfeiler des ausgeklügelten Blends fungieren. Heute<br />

möchten wir Ihnen den Jahrgang 2020 zur Subskription anbieten,<br />

der alle Anlagen besitzt, um einen reifefähige und großen<br />

Châteauneuf-du-Pape hervorzubringen. Bis in den Herbst 2022<br />

wird er in den kühlen Gemäuern Beaucastels heranreifen. Doch<br />

lassen wir Familie Perrin in ihren eigenen Worten berichten, was<br />

die Charakteristika des aktuellen Jahrgang sind:<br />

„Die Weinlese 2020 in der südlichen Rhône wurde durch sehr<br />

gute Wetterbedingungen begünstigt, es ist ein großzügiger Jahrgang,<br />

sowohl in Bezug auf Qualität als auch auf Quantität. Das<br />

Jahr war nicht so heiß wie 2019, jedoch während der gesamten<br />

Vegetationsperiode sehr windig und von leichten Niederschlägen<br />

geprägt. Nach einem recht milden Winter (in der Nacht<br />

zum 24. März gab es einen einzigen Frost, von dem aber nur die<br />

Parzellen mit frühem Reifebeginn leicht betroffen waren), gestaltete<br />

sich der Frühling strahlend. Es war recht warm und sehr<br />

windig, so dass die Böden ihre Frische bewahren konnten. Die<br />

Blüte begann am 18. Mai unter sehr gesunden Bedingungen.<br />

Das gute Wetter setzte sich im Juni, Juli und August fort, mit<br />

viel Wärme, aber niedrigeren Temperaturen als 2019, kühlen<br />

und feuchten Nächten und Wind, der weiterhin wehte und<br />

so die Frische der Reben bewahrte und perfekte hygienische<br />

Bedingungen für die Trauben schuf. Die relativ frühe Lese<br />

begann unter diesen sehr guten Bedingungen am 26. August<br />

mit den weißen Côtes-du- Rhônes und dauerte bis Ende September<br />

mit dem Mourvèdre. Anfang September war es warm<br />

und dann gemäßigter – idyllische Bedingungen, die es uns<br />

ermöglichten, jede Parzelle bei perfekter Reife zu ernten.<br />

Die eingefahrene Ernte war äußerst gesund, mit schönen saftigen<br />

und sehr reifen Trauben, vernünftigen Alkoholwerten, guter<br />

Säure und bereits großer Ausgewogenheit. Die Erträge sind<br />

etwas höher als 2019, und die ersten Verkostungen deuten auf<br />

einen sehr schönen Jahrgang hin.“<br />

Alle 13 Rebsorten, die hier eingehen, werden zuvor separat ausgebaut,<br />

bis sie dann erst nach aufwändiger Verkostung cuvéetiert<br />

werden. Die „finale“ Cuvée beweist das enorme Gespür der<br />

equipe Beaucastels, unter Wahrung des Jahrgangscharakters<br />

stets einen reifewürdigen Wein zu assemblieren. Bei diesem<br />

Ansatz, sofern man ihn denn so meisterlich beherrscht wie die<br />

Familie Perrin, lässt sich besonders auf die jeweiligen Stärken<br />

der einzelnen Trauben-Sorten im Jahrgang eingehen, die allesamt<br />

aus dem zusammenhängenden Weinberg des Château<br />

de Beaucastel stammen. Nach der malolaktischen Gärung verbringt<br />

der Wein nun rund zwei Jahre im Holzfuder, um dann im<br />

Herbst 2022 freigegeben zu werden. „Unter den 13 Rebsorten<br />

dominieren Mourvèdre und Grenache, wobei erstere ihre leicht<br />

reduktive Qualität und letztere ihre Extravaganz beisteuert.<br />

Dieser prächtige Wein von großer Präzision und Reife wird sich<br />

in den kommenden Jahrzehnten weiterentwickeln und nach und<br />

nach seine ganze Komplexität entfalten.“ so die Einschätzung<br />

der Perrins.<br />

Das Bouquet fällt dieses Jahr enorm würzig aus. Ein Hauch Muskatnuss,<br />

Lakritz und reife Brombeeren tummeln sich hier. Etwas<br />

Schwarzkirsche und diverse rote Pflaumensorten pirschen nach<br />

vorne, auch Cassis-Gelee schwirrt im Hintergrund. Bei aller<br />

Komplexität und Kraft bleibt der Eindruck eines kühlen Weins.<br />

Dies zieht sich auch am Gaumen fort, wo der Beaucastel mit<br />

kraftvollem aber fein poliertem Tanningerüst auftritt. Die Frucht<br />

ist charmant und präsent, wird begleitet von nobler Säurestrukrur,<br />

die weder bissig noch zu mild ausgefallen ist. Kräuter<br />

taucht hier dann auf, die sich so in der Nase nicht fanden. Das<br />

regt die Sinne an, gestaltet sich balanciert, besonders im immer<br />

feiner werdenden Nachhall diverser Beerenaromen. Kurzum:<br />

Ein Beaucastel, der Klasse zeigt. Ein Châteauneuf-du-Pape, den<br />

man nicht nur unter den allerbesten einzusortieren hat, sondern<br />

ebenso ob seiner Markanz wiedererkennen wird. Ein Unikat.<br />

Notabene: Wer sich von diesem Schatz Flaschen sichern möchte,<br />

sollte unbedingt jetzt zuschlagen. Denn bis zum Eintreffen dieses<br />

Weins im Herbst 2022 wird er vermutlich nahezu ausverkauft sein!<br />

21


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

Domaine du Pégau<br />

DOMAINE<br />

DU PÉGAU<br />

CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE<br />

© Marc Ginot<br />

„Das Leben ist zu kurz, um nicht<br />

reichlich Pégau zu trinken!“<br />

JEB DUNNUCK<br />

Unsere langjährigen Freunde von der Familien-Domaine<br />

Pégau, mit denen wir seit Beginn unserer Tätigkeit als<br />

Weinhändler mit großer Freude zusammenarbeiten<br />

und deren Weine wir bereits seit über 25 Jahren leidenschaftlich<br />

gerne trinken, zählen unbestritten zu den besten Winzern<br />

der weltberühmten Appellation Châteauneuf-du-Pape. Der<br />

so bodenständige wie sympathische Paul Féraud und seine<br />

charmante Tochter Laurence vinifizieren hier schon seit Beginn<br />

der 80er-Jahre auf beständig höchstem Niveau grandiose,<br />

unverwechselbare, „hand“-werklich hergestellte Weine, denen<br />

kaum jemand zu widerstehen vermag.<br />

Es ist vor allem der majestätische, authentische, man kann durchaus<br />

auch sagen „altmodische“ Stil ihrer „Cuvée Réservée“, der sich<br />

so wohltuend vom Einheitsgeschmack langweiliger, gestylter<br />

Modeweine unterscheidet, die, obwohl technisch gut gemacht,<br />

mit viel zu viel neuem Holz und zu viel Extraktion maskiert sind<br />

und als „Monstertropfen“ ohne Brillanz, ohne Frische und ohne<br />

Seele wegen des Verlustes ihres ureigenen Charakters schlicht<br />

austauschbar geworden sind. Wie anders schmeckt dagegen Pegaus<br />

Inkarnation der großen Tradition der authentischen Klassiker<br />

der südlichen Rhône. Die einzigartige Qualität dieses majestätischen<br />

Weins entsteht in erster Linie im Weinberg, wo die über<br />

30 bis 90 Jahre alten Weinstöcke (75 % Grenache, 25 % Syrah,<br />

Mourvèdre und Grenoise) – in sehr arbeitsintensiver Handarbeit<br />

nach biodynamischen Richtlinien (jedoch ohne Zertifizierung)<br />

liebevoll gepflegt – hochwertige Trauben in geringer Quantität,<br />

aber höchster Qualität liefern. Das Areal der Domaine verteilt sich<br />

auf elf erstklassige Parzellen (von denen die berühmte Lage „La<br />

Crau“ mit den ältesten Reben sicherlich die Beste ist), weit verstreut<br />

innerhalb der gesamten Appellation, mit sehr unterschiedlichen<br />

Bodenformationen, die so durch ihre Differenziertheit<br />

zur Komplexität, zur Kraft und Konzentration der im schönsten<br />

Sinne „barocken“ Weine von Pégau entscheidend beitragen. Die<br />

Sandböden sowie kräftigen Lehm-Kalkböden, die mit großen<br />

roten Kieselsteinen bedeckt sind, die nachts die tagsüber gespeicherte<br />

Wärme an die Trauben abgeben, werden zur besseren<br />

Durchlüftung und zur Aufnahme von Bio-Dünger und Schafsmist<br />

fünf- bis siebenmal pro Jahr umgepflügt.<br />

Und ein Besuch im Keller kommt einer Zeitreise gleich. Modernste<br />

Technik und blitzende Edelstahltanks? Fehlanzeige! Auf Pégau<br />

arbeitet man noch wie vor Urzeiten mit minimalen Eingriffen im<br />

Keller: Vergärung der ganzen Trauben mit Stielen und Stängeln (das<br />

für die frische Stilistik und das Alterungspotenzial der Weine wohl<br />

maßgeblichste Mittel), Spontanvergärung und Ausbau im großen,<br />

gebrauchten Holzfuder ohne Schönung und Filtration. Tradition<br />

und handwerkliche Winzerkunst sind eben auf dieser domaine<br />

keine leeren Worthülsen, sondern Tag für Tag gelebte Realität.<br />

22 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Domaine du Pégau<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

„PLAN PÉGAU“ VIN DE FRANCE, ROUGE (16/17/18)<br />

Der vielleicht beste „Vin de France“, den wir kennen!<br />

FRS060318 „Plan Pégau“ Vin de France, rouge (16/17/18) PK 14,5% Vol. 14,53 €/l 10,90 €<br />

Eines der größten Phänomene des Châteauneuf-du-<br />

Pape ist die Domaine du Pégau. Das liegt sicher daran,<br />

dass sie schon zu einer Zeit, als das Winzerhandwerk<br />

des Südens im Wesentlichen noch von Männern<br />

dominiert war, von der Winzerin Laurence Féraud geführt<br />

wurde. Das liegt sicher auch daran, dass sie sich<br />

nicht von modernen Weinbereitungsmethoden hat<br />

verführen lassen, und auch daran, dass ihr „Da Capo“<br />

einer der größten Weine des französischen Südens ist.<br />

Für uns ist das größte Phänomen aber ihr einfachster<br />

Wein. Und an dem soll man ja bekanntlich die Güte<br />

eines Weinguts erkennen können. Hier heißt der Einstieg<br />

„Plan Pégau“, und er wird immer aus drei Jahrgängen<br />

erzeugt, in diesem Fall aus den Jahren 2016 bis<br />

2018. Deshalb ist es offiziell auch kein „Qualitätswein“,<br />

sondern „nur“ ein Vin de France. Was man hier aber<br />

ins Glas bekommt, ist ein Weinwert, wie man ihn nur<br />

selten findet. Er zeigt das ganze Können der Winzerin<br />

Laurence Féraud, und das bei einem Wein, der nicht<br />

etwa Jahrzehnte im Keller reifen soll, sondern den man<br />

hier und jetzt öffnen und genießen kann. Sie nutzt<br />

dafür einen Weinberg mit Grenache, Syrah, Merlot,<br />

Carignan, Mourvèdre, Cinsault, Danlas, Alicante und<br />

Cabernet, also einige der typischen Châteauneuf-du-<br />

Pape-Sorten, aber auch ein paar zugereiste. Es sind<br />

alte Reben, die hier Verwendung finden. Die Lese erfolgte<br />

von Hand, und es wurde wie bei allen Weinen<br />

von Laurence rigoros auf Qualität geachtet und aussortiert.<br />

Die verschiedenen Rebsorten wurden zusammen<br />

mit ihren Rappen über rund zehn Tage hinweg<br />

ohne Temperaturführung spontan im klassischen Zement-cuve<br />

vergoren und dann in fünf Jahre alten Barriques<br />

ausgebaut. Der Wein unterliegt also genau den<br />

Qualitätsansprüchen, die auch für alle anderen Weine<br />

von Laurence gelten.<br />

Das schmeckt man nicht nur, das erkennt man schon<br />

im Duft. Schon beim ersten Hineinschnuppern wird<br />

klar, dass man diesen Wein lieben muss. Die Verbindung<br />

von Blütennoten, einer leicht süßen und saftigen<br />

roten und dunklen Frucht, die Anklänge von Unterholz<br />

und Steinpilzen, der Hauch von Zedern- und Sandelholz,<br />

die Garrigue und der Tabak machen den „Plan“<br />

extrem attraktiv. Am Gaumen dann wird es einfach<br />

köstlich und – wir scheuen uns nicht, das so auszudrücken<br />

– sehr, sehr lecker! Die Frucht zeigt sich reif, aber<br />

immer noch knackig, was von einer griffigen und ebenfalls<br />

saftigen Säure unterstützt wird. Das Tannin besitzt<br />

genau den richtigen grip. Es wirkt seidig, bietet aber<br />

einen angenehmen Widerstand. Dieser Vin de France<br />

brilliert mit einer Lebendigkeit und Frische, wie man sie<br />

aus einer Cuvée von drei Jahrgängen kaum erwarten<br />

würde. Das Ergebnis ist ein fantastischer Trinkfluss für<br />

viel, viel Trinkfreude!<br />

Der „Plan Pégau“ ist jetzt mit Genuss zu trinken. Potenzial<br />

bis 2025 und länger.<br />

23


FRANKREICH SÜDLICHE RHÔNE<br />

„CUVÉE RÉSERVÉE“ CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE, ROUGE 2018<br />

Komplettist: Die „Cuvée Réservée“ besitzt Kraft, Spannung,<br />

Salzigkeit und Frische „en masse“!<br />

FRS060219 „Cuvée Réservée“ Châteauneuf-du-Pape, rouge 2019 14,5% Vol. 60,00 €/l 45,00 €<br />

FRS060219M „Cuvée Réservée“ Ch.-du-Pape, rouge 2019 MAGNUM 14,5% Vol. 65,33 €/l 98,00 €<br />

Es gibt Weine, die sind so komplett, dass sie schon früh<br />

und von Beginn an Freude bereiten und dass dann auch<br />

noch weitere zehn bis 20 Jahre. Die „Cuvée Réservée“ der<br />

Domaine du Pégau ist ein solcher Wein. Der Wein hat<br />

Sprinterqualitäten, ist aber eigentlich ein Langstreckenläufer.<br />

Das einzige Problem dabei mag sein, dass man den<br />

Sprint so faszinierend findet, dass man von dem Wein<br />

gar nichts für die lange Strecke übrig lässt. Definitiv allerdings<br />

„CdP“-Klassik, weil so klassisch ausgebaut, wie nur<br />

noch wenige andere. 80 % Grenache treffen hier auf rund<br />

6 % Syrah, 4 % Mourvèdre und 10 % weitere typische<br />

Châteauneuf-du-Pape-Rebsorten. Ja, tatsächlich sind in<br />

dieser Cuvée alle zugelassenen roten Rebsorten der Appellation<br />

enthalten. Nach der manuellen Lese erfolgte<br />

eine rigorose Selektion der besten Trauben, die dann<br />

zusammen und ohne entrappt zu werden im Beton-cuve<br />

spontan vergoren wurden, und zwar ohne Temperaturkontrolle<br />

– ganz so, wie Laurence Féraud, die Großmeisterin<br />

des Châteauneuf-du-Pape, es bei allen ihren<br />

Weinen handhabt. Danach wurde die Cuvée über zwei<br />

Jahre hinweg in großen alten Fudern ausgebaut. Wie<br />

gesagt, klassischer geht es bei einem „Châteauneuf“<br />

nicht. Mit dieser Stilistik hat die Winzerin eine Legende<br />

erschaffen, die sie 2019 nahtlos weiterführt.<br />

Dabei scheint sich der Wein enorm entwickelt zu haben.<br />

Als Jeb Dunnuck das Weingut besuchte – er hat den Wein<br />

mit 91–94 Punkten bewertet –, schrieb er nach der Fassprobe<br />

des noch nicht gefüllten Weins: „Die 2019 Châteauneuf-du-Pape<br />

Cuvée Réservée war schwer zu lesen und<br />

unglaublich reduktiv, eine Eigenschaft, die ich bei diesem<br />

Weingut noch nie gesehen habe.“ Diese Reduktion kann<br />

man heute noch erahnen, aber der Wein ist viel offener<br />

geworden. Zunächst bietet er eine noch leicht rauchige<br />

Nase, Überbleibsel der Reduktion, aber auch einen<br />

Hauch von leicht geräuchertem Speck und leicht angerösteten<br />

Kräutern der Provence. Dann öffnet sich der<br />

Wein recht schnell und bietet viele violette Blüten,<br />

Kräuter, Oliventapenade, Süßholz und Pfeffer, Erde und<br />

Waldboden, Waldbeeren, Kirschen und Pflaumennoten.<br />

Am Gaumen paaren sich die Kräuterwürze und die Erdigkeit<br />

mit einer wunderbar fleischigen Frucht, mit pfeffrigen<br />

Noten und Garrigue. Was uns fasziniert, ist die Säure und<br />

Frische des Weins, die Salzigkeit und Spannung. Das Tannin<br />

darf sich hier gerne noch über die nächsten Jahre ein<br />

wenig feiner einbinden. Doch ein Charmeur ist das jetzt<br />

schon. Ein Wein, der uns die Augen schließen und in<br />

Gedanken in der Provence sein lässt.<br />

Jetzt (mit viel Luft) und die nächsten 20+ Jahre.<br />

„CUVÉE RÉSERVÉE“ CHÂTEAUNEUF-DU-PAPE, BLANC 2020<br />

Mineralisch, burgundisch, elsässisch und doch zutiefst südfranzösisch!<br />

FRS060620 „Cuvée Réservée“ Châteauneuf-du-Pape, blanc 2020 14% Vol. 53,20 €/l 39,90 €<br />

Wenn es um die Weine aus Châteauneuf-du-Pape<br />

geht, dann sind es vor allem die Weißweine, die bis<br />

heute sehr rar sind und von Jahr zu Jahr immer begehrter<br />

werden. So verhält es sich auch mit der weißen<br />

„Cuvée Réservée“ der Domaine du Pégau. Laurence<br />

Féraud, die berühmte Winzerin, die auch gerne „Madame<br />

Châteauneuf-du-Pape“ genannt wird, verbindet<br />

hier rund 60 % Clairette mit 20 % Grenache Blanc,<br />

10 % Roussanne und 10 % Bourboulenc, die rund acht<br />

Monate im Beton-cuve gereift sind. Gerade einmal<br />

4.000 Flaschen entstehen von der Cuvée, die alles ist,<br />

nur nicht leicht einzuordnen.<br />

Eindeutig ist, dass es sich um eine eher südliche<br />

Frucht und Würze handelt, die sich im Duft offenbart.<br />

Das Aroma bleibt dabei aber eher fein als üppig oder<br />

gar ausladend. Es sind weiße Blüten, die hier eine<br />

Rolle spielen, weißer Pfirsich und Guave, ein klein<br />

wenig grüne Ananas und zudem eine Melange aus<br />

zerstoßenem Stein, etwas weißem Pfeffer, Zitronenabrieb<br />

und Wachs. Was die „Cuvée Réservée“ blanc so<br />

besonders macht, ist die Balance von Großzügigkeit<br />

und Eleganz, die sehr burgundisch wirkt, die Seidigkeit<br />

und das Schlanke, das der Wein trotz seiner Großzügigkeit<br />

besitzt. Es ist die Frische, die nicht von der<br />

Säure stammt, sondern von einer Mineralität, die uns<br />

an reife Rieslinge aus dem Elsass denken lässt und den<br />

„Blanc“ sehr weit ins lange Finale trägt. Die weiße<br />

„Cuvée Réservée“ ist auch im Jahrgang 2020 wieder<br />

ein besonders schöner Wein geworden!<br />

Jetzt und über die nächsten 10–15 Jahre genießen. Idealerweise<br />

gönnt man dem Wein aktuell viel Luft.<br />

24 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Domaine du Pégau<br />

SÜDLICHE RHÔNE FRANKREICH<br />

91–94<br />

Punkte<br />

Jeb Dunnuck<br />

25


FRANKREICH LANGUEDOC<br />

Saint Sylvestre<br />

SAINT<br />

SYLVESTRE<br />

PUÉCHABON<br />

Sophie und Vincent Guizard erobern die<br />

Ursprünglichkeit im Languedoc zurück! Fülle,<br />

Kraft und Konzentration vermählen sich mit dem<br />

Parfum des wilden französischen Südens!<br />

„Die Weine sind von solch einer Finesse, dass sie als Vorbild für das gesamte Languedoc<br />

dienen können.“ – bettane+desseauve 2021<br />

„Terrasses du Larzac – Languedoc’s rising star“ – Decanter<br />

Jährlich grüßt das Murmeltier oder: es kommt, wie es kommen<br />

muss: Die neuen Jahrgänge der (ohne jede Übertreibung!) genialen<br />

Weine von Terrasses-du-Larzac-Chefstilist Vincent Guizard<br />

sind da ... und wie (leider, leider!) immer müssen Sie sich, werte<br />

Kunden, die Einschränkung „nur für kurze Zeit“ mitdenken.<br />

Denn die Menge der Weine, die er auf Saint Sylvestre vinifiziert<br />

ist nicht allzu groß, die Nachfrage allerdings rekordverdächtig.<br />

Und das für Weine einer Region, die, als sich 1985 die Appellation<br />

Coteaux du Languedoc konstituierte, quasi ausgeklammert<br />

wurde, da viele der weinproduzierenden Ortschaften gar nicht<br />

erst miteinbezogen wurden, weil sie als zu kühl galten, ein komplettes<br />

Ausreifen der Trauben gar nicht erst in Betracht gezogen<br />

wurde. Ein Ding der Vergangenheit – les temps changent!<br />

Der „rising star“ des Languedoc ist das neue „wonderland“ und<br />

Vincent Guizard nicht mehr „nur“ ein junger Überflieger, sondern<br />

eindeutig einer der fabelhaftesten Winzer dieser an fabelhaften<br />

Winzern nicht eben armen Region. Kein Wunder, hat der doch<br />

bei so legendären domaines wie Mas Jullien und Grange des Pères<br />

– hier ist die Vokabel „ikonisch“ tatsächlich gerechtfertigt – gelernt<br />

und trat dann („the proof is in the pudding!“) den Beweis an,<br />

dass er das Gelernte auch, begabt, ja begnadet wie er eben<br />

ist, in die Praxis umzusetzen verstand: Sieben Jahre lang<br />

leitete er mit seinem Cousin Frédréric Pourtalié Domaine<br />

Montcalmès, deren Weine in kürzester Zeit zu den großen<br />

Trouvaillen der Terrasses du Larzac avancierten.<br />

26 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Saint Sylvestre<br />

LANGUEDOC FRANKREICH<br />

Mit Ehefrau Sophie gründet er Ende 2010 das Weingut Saint<br />

Sylvestre inmitten einer nahezu unberührten Naturlandschaft.<br />

Für Weinreisende und Wallfahrer aller Länder heißt der Sehnsuchtsort<br />

nun Puéchabon, ein verträumtes Dörfchen in der<br />

Nähe des Hérault, der nicht weit davon auf seinem Weg ins Mittelmeer<br />

fließt. Vincents Parzellen liegen auf etwa 320 Metern<br />

Höhe inmitten einer intakten Biosphäre (Wäldchen inklusive),<br />

was der aromatischen „Sprengkraft“ seiner Trauben (und dann<br />

natürlich auch seiner Weine) sehr entgegenkommt.<br />

Wo anfangen? Ganz sicher mit dem „Saint Sylvestre – Rouge“!<br />

Dieser Stil, der Konzentration nebst einer dichtgewirkten, bemerkenswert<br />

mineralischen Struktur, „burgundisch“ anmutenden<br />

Ausbau und minimale Intervention im Keller mit einander<br />

„versöhnt“, hat schon etwas Magisches, lässt uns immer wieder<br />

Staunen. Und dann ist diese Frische, diese Kühle, die den „Saint<br />

Sylvestre“ (nicht nur) im sonnenverwöhnten Languedoc zu einer<br />

rara avis macht. Und – es kommt, wie es kommen muss – auch<br />

zum Lieblingswein vieler Kritiker. „Coups de Cœur“ en masse<br />

(von uns ohnehin) von bettane+desseauve dann der Ritterschlag,<br />

die den roten „Saint Sylvestre“ in die Liste ihrer Weine<br />

des Jahres aufnahmen und das Weingut mit drei Sternen bedachten.<br />

Die Begründung liest sich so: „Die Weine sind von solch<br />

einer Finesse, dass sie als Vorbild für das gesamte Languedoc<br />

dienen können. Superb von Anfang an, sowohl die Weissen als<br />

auch die Roten. Das Weingut ist einer der besten Produzenten<br />

aus den Terrasses du Larzac!“<br />

Traumschön natürlich auch das wunderbar individuelle und<br />

komplexe Pendant in Weiß, der „Saint Sylvestre – Blanc“, der<br />

zusammen mit den Weissweinen von Gauby zu unseren Leib-,<br />

Magen- und Seelenweinen aus dem französischen Süden gehört.<br />

Auch für diese Kostbarkeiten gilt: leider rar, leider limitiert,<br />

leider viel zu rasch vergriffen! Daher können wir Ihnen nur<br />

dringend raten sich rechtzeitig die eine oder andere Flasche zu<br />

sichern, denn das leidige „im Handumdrehen ausverkauft“ hat<br />

sich bedauerlicherweise als Konstante erwiesen.<br />

27


FRANKREICH LANGUEDOC<br />

Saint Sylvestre<br />

„SAINT SYLVESTRE – ROUGE“ LANGUEDOC, ROUGE 2019<br />

GSM – Grenache, Syrah und Mourvèdre in formvollendet finessenreicher Interpretation!<br />

FLA250119 „Saint Sylvestre – Rouge“ Languedoc, rouge 2019 14,5% Vol. 39,93 €/l 29,95 €<br />

Weit oberhalb von Montpellier, nur unweit entfernt<br />

von den Gorges de l’Herault, liegt die Domaine Saint<br />

Sylvestre, die Vincent Guizard und seine Frau Sophie<br />

im Jahr 2010 gegründet haben. Innerhalb kürzester Zeit<br />

sind sie bekannt geworden. Grundlage ihres Erfolges<br />

war von Beginn an ein Wein, der von den beiden ganz<br />

einfach als „Saint Sylvestre Rouge“ bezeichnet<br />

wurde. Er stammt aus dem Weinberg,<br />

den Vincent von seinem Großvater übernommen<br />

hat. Jahre zuvor hatte er die<br />

Frucht schon in den „Signature-Wein“ der Domaine<br />

de Montcalmès einfließen lassen, die er einige Jahre<br />

lang zusammen mit seinem Cousin geführt hatte,<br />

bevor er sich schließlich zusammen mit seiner Frau<br />

selbstständig gemacht hat. Seinerzeit schon hatte<br />

er gezeigt, was in diesem Weinberg steckt. Doch seit<br />

2010 sind die Ergebnisse konstant noch beeindruckender<br />

geworden. Das liegt an der hingebungsvollen<br />

Arbeit der beiden, am Alter der Reben und auch an<br />

der Tatsache, dass die nach und nach absterbenden<br />

uralten Rebstöcke durch von Vincent selbst gezogene<br />

neue Exemplare mit sehr altem Genmaterial ersetzt<br />

werden. Ein weiterer Grund ist die Reduzierung<br />

der Erträge, mittlerweile ist man bei kaum mehr als<br />

20 Hektoliter pro Hektar angelangt (für den 2019er<br />

sind es gerade einmal zwölf). So entstehen bei Syrah<br />

(70 %), Grenache (20 %) und Mourvèdre (10 %) eine<br />

große Dichte und Konzentration, die aber zu keinem<br />

Zeitpunkt schwer oder extrahiert wirkt. Sie wird vielmehr<br />

von einer inneren Spannung und Lebendigkeit<br />

gekontert, die durch die Mineralität erzeugt wird,<br />

die die alten Reben in den Wein bringen. Beim „Saint<br />

Sylvestre – Rouge“ baut Vincent jede Rebsorte getrennt<br />

nach einzelnen Parzellen innerhalb des alten,<br />

von galets roulés geprägten Weinbergs aus, um sie<br />

erst vor der Füllung zu assemblieren. Seine Weine<br />

reifen nach Entrappen und spontaner Vergärung über<br />

24 Monate hinweg in burgundischen Fässern. Sie werden<br />

nach Mondphasen ungeschönt und unfiltriert auf die<br />

Flasche gezogen.<br />

Dabei entsteht ein Wein, der schon im Duft wie eine<br />

Melange von warmen und kühlen Lagen, von reifer<br />

Frucht und kühlem Gestein wirkt. Am Gaumen verstärkt<br />

sich dieses Bild noch. Da wirkt der „Saint Sylvestre –<br />

Rouge“ von Beginn an beeindruckend kühl und fest,<br />

transparent und seidig in der überaus eleganten Tanninstruktur.<br />

Erst nach und nach zeigt sich die Reife der<br />

dunklen Frucht von Brombeeren, Schlehen und schwarzen<br />

Kirschen, die von Veilchen und Süßholz begleitet<br />

wird. Die Kühle wird noch unterstrichen von knackig<br />

roten Beeren und diesem Gefühl, als wäre ein auf<br />

Schmirgelpapier fein geriebener Kalkstein mit im Spiel.<br />

Das Südliche schließlich wird durch Noten von Garrigue,<br />

schwarzer Oliventapenade und dunklem Tabak<br />

repräsentiert. Man ist immer versucht, sich durch<br />

den schlichten Titel des Weines ein wenig irritieren<br />

zu lassen. Doch was man hier im Glas hat, ist offensichtlich<br />

ein Cru des Languedoc, gemacht von Könnern,<br />

entstanden auf bestem Terroir!<br />

Ab sofort und bis sicherlich 2030 zu genießen.<br />

28 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Saint Sylvestre<br />

LANGUEDOC FRANKREICH<br />

„SAINT SYLVESTRE – BLANC“ LANGUEDOC, BLANC 2020<br />

Ein expressiver und doch so gefühlvoller wie finessenreicher weißer Cru des Languedoc!<br />

FLA250220 „Saint Sylvestre – Blanc“ Languedoc, blanc 2020 13% Vol. 42,66 €/l 32,00 €<br />

max. 3 Fl. /Kunde<br />

Wenn man sich näher mit diesem Wein beschäftigt, der<br />

so zurückhaltend und schlicht benannt ist, dann fallen<br />

einem zunächst die Rebsorten auf: Marsanne, Roussanne<br />

und Viognier in einem Weinberg? Liegt die Domaine<br />

Saint Sylvestre denn an der Rhône? Keineswegs“! Doch<br />

wenn man sich den Weinberg von Sophie und Vincent<br />

Guizard genauer besieht, dann fühlt man sich in Anbetracht<br />

der Fülle von großen Kieselsteinen – den galets<br />

roulés – tatsächlich in die vignobles der Südrhône versetzt.<br />

Doch sie liegen auf den Terrasses du Larzac, einer<br />

Cru-Appellation im Midi, die beste Voraussetzungen<br />

für diese weißen Rhône-Rebsorten bieten. Der Weinberg<br />

befindet sich schon lange im Besitz der Familie<br />

von Vincent Guizard. Doch seitdem Vincent die Regie<br />

dort übernommen hat – erst 2003 bis 2010 zusammen<br />

mit seinem Freund Fréderic Poutalier, mit dem er die<br />

Domaine de Montcalmès gegründet hatte –, seit 2010<br />

dann zusammen mit seiner Frau Sophie, ist der Weinberg<br />

ein Hort an Biodiversität geworden, ein Kleinod,<br />

das die beiden mit großem Aufwand hegen und pflegen,<br />

und zwar mit dem Resultat, dass auch die Weine<br />

immer komplexer und feiner werden, obwohl Vincent,<br />

der ja bei Mas Jullien und Grange des Pères gelernt hat,<br />

schon auf sehr hohem Niveau eingestiegen war.<br />

Der „Saint Sylvestre – Blanc“ von 2020 fasziniert uns<br />

vom ersten Moment an. Das beginnt schon bei der<br />

intensiven Farbe, die mit ihrem intensiven Grün-Gold<br />

an einen Chablis-Cru erinnert. Was sich dann aber im<br />

Glas öffnet, wenn man es schwenkt (und man sollte<br />

hier unbedingt zum Burgunderkelch greifen!), ist Süden<br />

pur. Wenn Sie dann noch die Augen schließen und diese<br />

Melange aus Jasmin und Orangenblüten, Veilchen und<br />

Süßholz, Birnen und Orangen, Anis, blondem Tabak und<br />

Melone in sich aufnehmen, werden Sie sich auf einem<br />

sonnenbeschienen Platz an einem abgelegenen Ort der<br />

Pyrenées Orientales wähnen – es fehlen nur noch die<br />

zirpenden Zikaden! Das Faszinierende an diesem Wein<br />

ist das Wechselspiel von expressiver Frucht und Würze<br />

sowie einer für den Süden sehr bemerkenswerten<br />

Frische und Säure. Schon im Duft kann man den<br />

feuchten zerstoßenen Stein wahrnehmen, der am<br />

Gaumen offensichtlich wird und sich dort mit der tiefen<br />

Mineralität der alten Reben verbindet. Die Textur des<br />

„Saint Sylvestre – Blanc“ ist herrlich fein und seidig. Samt<br />

und Seide, Vanille, ein wenig Holz und Mandel-Brioche<br />

sorgen für all die Kraft und Konzentration, die sich in<br />

dieser Cuvée befindet. Der Wein gleitet mit feinem<br />

Schmelz über den Gaumen und fächert sich im Finale<br />

noch einmal in reife, fruchtige und pikant-würzige Noten<br />

mit einem Hauch von Salz und weißem Pfeffer auf.<br />

Ab sofort und bis sicherlich 2026 ein Genuss.<br />

29


FRANKREICH BURGUND<br />

Joblot<br />

„Die subtilen Verfeinerungen, die Juliette Joblot<br />

in die Gleichung eingebracht hat, seit sie die Zügel<br />

in die Hand genommen hat, zeigen, dass sich diese<br />

Referenz-Domaine in Bestform befindet.“<br />

– WILLIAM KELLEY (ROBERT PARKER’S WINE ADVOCATE)<br />

Über die Domaine Joblot in Givry gibt es im Grunde nur eine (ungeteilte) Meinung:<br />

Das Weingut ist die qualitative Spitze – nicht nur in Givry, sondern gehört auch zu den<br />

besten Betrieben an der gesamten Côte Chalonnaise.<br />

„Ein sonniger Jahrgang, der für kleine, vollreife Beeren und dichte, konzentrierte Weine steht.“<br />

– Juliette Joblot über den Jahrgang 2020<br />

„Der Jahrgang 2020 ist in Burgund enorm vielversprechend, insbesondere bei den Rotweinen.“<br />

– Christy Canterbury MW (Tim Atkin Burgundy 2020 Special Report)<br />

Unvergessen: Freitagmorgen, ein kalter Novembertag in<br />

Givry. Wir sind auf unserer einwöchigen Reise durchs<br />

Burgund zu Gast bei Joblot. Jean-Marc, einst „Rockstar“<br />

der Region, heute mehr entspannter Entertainer, empfängt uns<br />

in der urigen Probierstube. Wir verkosten uns durch die Givrys<br />

des Jahrgangs, als eine kleine Familie den Raum betritt, um ihre<br />

Bestellung abzuholen. Natürlich probieren sie sofort fleißig und<br />

gespannt auf den neuen Jahrgang mit. Es bedarf nur der kurzen<br />

Spanne zwischen zwei Cuvées, als eine Truppe geselliger Franzosen<br />

(und wie sich später herausstellt, mit Jean-Marc offensichtlich<br />

bestens bekannt) an die Tür der Probierstube klopft und sich<br />

Sekunden später um den runden Tisch schart. Es sind jetzt etwa<br />

15 Personen auf engstem Raum um den vermeintlichen Ruheständler<br />

versammelt. Und der Star der Region unterhält die Leute<br />

wie der beste nur denkbare Conférencier. Es wird gelacht, gescherzt<br />

und Wein verkostet als ein junger Mann, seiner Berufskleidung<br />

nach zu urteilen ein Sommelier vor Beginn des ersten<br />

Service, etwas verzweifelt durch die Glastüre blickt. Öffnen lässt<br />

sie sich – der Raum ist zum Bersten voll – beim besten Willen<br />

nicht. Und so zieht er unverrichteter Dinge von dannen. Denn für<br />

den Moment (und die nächsten anderthalb Stunden) ist die Bude<br />

voll – an einem Freitag um 10 Uhr morgens! Jean-Marc ist eben<br />

eine Ikone, auch wenn für sämtliche Weine mittlerweile seine<br />

bezaubernde Tochter Juliette verantwortlich ist. Und die echten<br />

Kenner pilgern weiterhin zur Domaine Joblot ins südlichen Givry.<br />

Auch (oder gerade weil) es hier nur selten Heerscharen von Weinhändlern<br />

oder Sommeliers hin verschlägt, da das nationale wie<br />

internationale Augenmerk eher dem Zentrum des Burgunds,<br />

den berühmten Appellationen der Côte d’Or wie Chambolle-<br />

Musigny, Gevrey-Chambertin und Vosne-Romanée gilt. Aber<br />

echte Kenner wissen eben auch, dass es höchste Zeit ist, sich mit<br />

den Weinen der domaine einzudecken. Denn es gibt nicht allzu<br />

viele Flaschen, und man muss recht schnell sein.<br />

Denn inzwischen ist die Nachfrage nach den Preziosen des Weinguts<br />

höher als je zuvor! Seit drei Generationen haben hier Männer<br />

auf das Zepter geschwungen, nun aber leitet Juliette, Jean Marcs<br />

Tochter, die Geschicke der domaine. Behutsam entwickelt<br />

sie den Stil der Spitzenweine weiter. „Evolution statt Revolution“<br />

sagt Juliette. „Ich strebe mehr Finesse und Frische an, mehr<br />

Präzision. Über einen zurückhaltenderen Einsatz von neuem<br />

Holz sollen die Weine noch mehr Balance bekommen, gerade<br />

die Weißen.“ Eine Aufgabe, die Fingerspitzengefühl erfordert.<br />

Ihr Vater Jean-Marc, eine Seele von Mensch und ein so intelligenter<br />

wie eigenwilliger Kopf, der genau weiß, was er will, hat seit<br />

den späten 1970ern und Anfang der 1980er-Jahre im Keller und<br />

vor allem in den Weinbergen alles unternommen, um die Weine<br />

seines Guts zu den besten Gewächsen der Region zu machen.<br />

Mittlerweile genießt er es, isch auf den wohlverdienten Lorbeeren<br />

auszuruhen, wohl wissend, dass mit Juliette die Zukunft der<br />

domaine in besten Händen liegt.<br />

Aber Juliette wäre nicht seine Tochter, wenn nicht auch ihr genau<br />

diese Wesenszüge zu eigen wären. Und so feilt sie bereits<br />

seit 2012, genau wie der Herr Vater es ihr vorgemacht hat, an<br />

der Stilistik der Weine. Kleine Veränderungen hier und da, sei’s<br />

im Keller oder im Weinberg, um die Burgunder noch ein wenig<br />

zu verbessern. Das Ergebnis all dieser Bemühungen drückt sich<br />

denn auch in den absolut faszinierenden Weinen von Joblot aus:<br />

Sie paaren jene sprichwörtliche „burgundische“ Finesse mit Geschmeidigkeit<br />

und einer fabelhaften inneren Dichte, Saftigkeit<br />

und Konzentration. Pinot Noirs von vollendeter Schönheit mit<br />

einer betörenden, klaren Frucht und grandiosen Delikatesse der<br />

Aromen, fast schon lasziver Sinnlichkeit und unübertrefflichen<br />

Transparenz, eingebettet in eine kühle, packende Mineralität.<br />

Das ist ganz großes emotionales Kino!<br />

30 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Joblot<br />

BURGUND FRANKREICH<br />

DOMAINE<br />

JOBLOT<br />

GIVRY<br />

„DAS BESTE<br />

WEINGUT GIVRYS“<br />

CLIVE COATES MW<br />

(„THE WINES OF BURGUNDY“)<br />

31


FRANKREICH BURGUND<br />

Joblot<br />

Die exzellenten Lagen und liebevoll gepflegten Weinberge befinden<br />

sich im beschaulichen, romantischen Dörfchen Givry, der<br />

sicherlich dynamischsten der fünf Appellationen Côte Chalonnaise,<br />

tief im Süden Burgunds. Die in höchstem Respekt vor der<br />

Natur in sensibler, traditionell handwerklicher Arbeit gepflegten<br />

Reben demonstrieren augenscheinlich, wo die Qualität der<br />

Weine entsteht. Derart gepflegte Böden (in ihrer geologischen<br />

Zusammensetzung mit den berühmten Crus von der Côte d’Or<br />

quasi identisch), derart extrem ausgedünnte Trauben (keine<br />

Beere berührt die andere!), derart aufwändige Laubarbeiten,<br />

um Luft und Sonne an die Trauben zu lassen und dazu noch<br />

(quasi, aber nicht zertifizierter) biologischer Anbau: Domaine<br />

Joblot ist ein wahres Kleinod im nahezu undurchdringlichen<br />

(Wein-)Dschungel von Burgund.<br />

In den unterirdischen Kellern mit ihrem optimalen Mikroklima<br />

werden die Weine mit großer Könnerschaft so schonend wie<br />

möglich vinifiziert und ausgebaut – Weinwerdung als „sanfte<br />

Geburt“. Kein Wunder, dass Parker und Meadows unisono konstatieren:<br />

Die Joblots vinifizieren schlicht Referenzburgunder!<br />

Und das Beste: Juliettes traumhafte Weine von der Côte Chalonnaise<br />

besitzen die Qualität, nicht aber die Reputation der<br />

teuren Prestigegewächse der Côte d’Or! Ein El Dorado also<br />

für Weinliebhaber, denen die Qualität im Glas wichtiger ist als<br />

das Etikett!<br />

„Die Grundlagen unserer Philosophie ergeben sich aus der Wahl<br />

der »culture raisonné« und einer Traubenernte bei perfekter<br />

Reife. Um die Reintönigkeit zu bewahren, achten wir behutsam<br />

auf jeden wichtigen Moment bei der Entstehung der Weine im<br />

Herzen unserer Weinberge.“ – Juliette Joblot<br />

Domaine Joblot (bei Tim Atkin unter den „Top 25 Producers“<br />

der Côte Chalonnaise gelistet) genießt nun schon seit über zwei<br />

Jahrzehnten Kultstatus, und Juliette schreibt am nächsten Kapitel<br />

der Weingutsgeschichte: Hier können Sie, liebe Kunden,<br />

einen der größten Geheimtipps aus einer der renommiertesten<br />

Weinanbauregionen der Welt erwerben! Viele um ein Vielfaches<br />

teurere Grand Crus mit viel berühmteren Namen haben gegen<br />

diese Fabel-Weine nicht den Hauch einer Chance!<br />

Vater und Tochter sind sich einig: Der höchste Ausdruck des<br />

Pinot Noir ist seine Finesse. Eine Finesse, die in ihrer schönsten<br />

Ausprägung in eine famose Kraft eingebettet, aber immer<br />

mit einer unvergleichlichen Eleganz verbunden ist. Es ist nicht<br />

die höchste Kunst, entweder einen finessenreichen oder einen<br />

kraftvollen Wein zu machen, aber es ist extrem schwierig, eine<br />

perfekte Balance zwischen beiden Kriterien herzustellen. Und<br />

die besten Weine Burgunds vermögen das in exemplarischer<br />

Qualität! Und in diese Phalanx der ganz großen Gewächse reihen<br />

sich die großartigen Weiß- und Rotweine der sympathischen<br />

Joblots ein. Es stimmt eben: „Joblot is the uncontested king in<br />

the Givry appellation!“ (Robert M. Parker)<br />

PS: Eine Anekdote sei rasch erzählt, denn sie schlägt die Brücke<br />

zu unserer Eingangsgeschichte und veranschaulicht wunderbar,<br />

welche Dynamik gerade in Givry herrscht. Denn als wir den<br />

Jahrgangsbericht William Kelleys, Burgund-Verkoster des Wine<br />

Advocate, lasen, mussten wir doch ziemlich schmunzeln. Aber<br />

lesen Sie selbst:<br />

„Die Domaine Joblot ist so schnell vollständig ausverkauft, dass<br />

ich zu meinem Bedauern gezwungen bin, an dieser Adresse eher<br />

skizzenhafte Weine aus dem Fass, als fertige Weine aus der<br />

Flasche zu verkosten, aber der Jahrgang 2020 ist schon sehr vielversprechend.<br />

Mit einer durchschnittlichen Erntemenge von<br />

etwa 35 Hektolitern pro Hektar sind diese Weine reichhaltig,<br />

aber lebendig, zeigen satte Farben und lebendige Säuren. Wie<br />

ich schon früher geschrieben habe, produziert die Familie<br />

Joblot in beiden Farben ernstzunehmende Weine mit Substanz<br />

und Struktur, die sich in der Flasche wunderbar entwickeln; und<br />

die subtilen Verfeinerungen, die Juliette Joblot in die Gleichung<br />

eingebracht hat, seit sie die Zügel in die Hand genommen hat,<br />

bedeuten, dass diese Referenz-domaine in Bestform ist.“<br />

32 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Joblot<br />

BURGUND FRANKREICH<br />

Robert Parker’s Wine Advocate weiß: „Familie Joblot bringt<br />

regelmäßig Givrys hervor, die ebenso gut oder besser sind als<br />

die meisten Grands Crus von der Côte d’Or – nur dramatisch<br />

günstiger im Preis!“<br />

WEISS<br />

GIVRY 1ER CRU „EN VEAU“, BLANC 2020<br />

Von 16-jährigen Chardonnay-Reben aus der südöstlich aus gerichteten<br />

Premier-Cru-Lage stammt dieser charmante Chardonnay.<br />

Bei den in den letzten Jahrgängen immer besser gewordenen und daher stets sehr<br />

schnell ausverkauften Weißweinen spürt man am deutlichsten die behutsamen<br />

Veränderungen, die von Tochter Juliette initiiert worden sind. Liebe Leut’ ist das gut!<br />

FBU040220 Givry 1er Cru „En Veau“, blanc 2020 13% Vol. 52,00 €/l 39,00 €<br />

„En Veau“ ist ein 4,5 Hektar umfassender 1er Cru im Norden<br />

Givrys, der auch von Master of Wine Jasper Morris<br />

in der aktuellen zweiten Auflage seines Standardwerks<br />

„Inside Burgundy“ als Lage bezeichnet wird, die<br />

„besonders gut mit weißen Rebsorten funktioniert.“<br />

Juliette Joblots wunderbar zugänglicher Chardonnay<br />

von gerade einmal 16-jährigen Reben kann dies Urteil<br />

bestätigen. Nicht, dass es sich hierbei um einen großen<br />

vin de garde handelt, dieser Givry ist laut Juliette bewusst<br />

für den Genuss in den ersten vier bis fünf Jahren<br />

angedacht. Doch das gekonnte Spiel von zartem Holzausbau<br />

und reifer Frucht bringt hier einen Typ Burgunder<br />

hervor, der uns einfach ein breites Lächeln ins<br />

max. 3 Fl. /Kunde<br />

Gesicht zaubert. Es duftet hier nach Kamillenblüten,<br />

Honigmelonen sowie Äpfeln, Quitten und Birnen.<br />

Nur ein Hauch Holzeinfluss ist hier zu riechen. Am<br />

Gaumen gleitet der Givry 1er Cru über den Gaumen,<br />

zeigt sich leicht cremig und mit gelbpflaumiger Frucht<br />

sowie etwas Mandel- und Wollwachs. Doch die feine<br />

Säurestruktur belebt ihn im Nachhall, der mit Zitronat<br />

nachhallt. Das hat uns schon im Vorjahr sehr überzeugt,<br />

im Jahrgang 2020 hat Juliette Joblot nochmals<br />

eine Schippe draufgelegt. Chapeau!<br />

Ab sofort bei 12–14 °C zu genießen. Höhepunkt wohl ab<br />

2023 bis 2028+.<br />

33


FRANKREICH BURGUND<br />

Joblot<br />

GIVRY 1ER CRU „MADEMOISELLE“, BLANC 2020<br />

Mademoiselle: Assemblage des 1er Crus „Servoisine“ mit ältesten Reben aus „En Veau“<br />

FBU041020 Givry 1er Cru „Mademoiselle“, blanc 2020 13% Vol. 54,66 €/l 41,00 €<br />

Getreu Aristoteles’ These „Das Ganze ist mehr als die<br />

Summe seiner Teile.“ vermählt Juliette Joblot bei dieser<br />

Cuvée zwei exzellente 1er-Cru-Lagen Givrys: Trauben<br />

aus dem Cru „Servoisine“ von 95 Jahre alten Reben,<br />

deren Südausrichtung für die nötige Ausreifung des<br />

Chardonnays sorgt, treffen hier auf die ältesten Reben<br />

aus dem 1er Cru „En Veau“. Und wer einmal das<br />

Glück hatte, beide Parzellen separat vom Fass zu verkosten,<br />

versteht diesen meisterlichen Kunstgriff. Denn<br />

beiden Lagen erlangen nun eine Harmonie, die sie<br />

einzeln nicht besitzen. Kein Wunder, dass Juliette hier<br />

sogar 45 % neues Holz verwendet. Es zügelt die Kraft<br />

der Weine und verhilft ihnen zu noch mehr Ausdruckstärke,<br />

die all die schönen Konturen betont. Bei derartig<br />

perfekten Proportionen würde man sagen: Das<br />

scheint gewagt, doch wenn es jemand tragen kann,<br />

dann „Mademoiselle“!<br />

Hier bestätigt sich eine Beobachtung, die wir schon<br />

vor einiger Zeit gemacht haben: Obwohl die Domaine<br />

bei all ihren Weinen seit jeher auf einen hohen<br />

Anteil neuer Fässer vertraut, wirken sie niemals holzlastig.<br />

Das Holz vermählt sich hier bestens mit den<br />

max. 3 Fl. /Kunde<br />

intensiven Weinen. Ein Zeichen jahrzehntelangen Feinschliffs<br />

und bester Kontakte zur tonnellerie François<br />

Frères (auf die auch Zeitgenossen wie die Domaine<br />

de la Romanée-Conti vertraut). Es duftet hier mehr<br />

würzig und nach Getreide sowie einer Spur gereiften<br />

Tabaks, statt nach Vanille- und Röstnoten. In diesem<br />

noblen Rahmen tauchen dann gelbe Pflaumen,<br />

Zironenmelisse und auch etwas Bienenwachs auf. Am<br />

Gaumen erweist sich dieser 1er Cru dann als höchst<br />

geschmeidig. Eine zart rauchige Note macht sich bemerkbar,<br />

der Geschmack von neuem Holz verblasst<br />

hier, alles konzentriert sich auf die Betonung der<br />

gelben aber nicht exotischen Frucht, die hier durch kalkig-mineralische<br />

Noten unterlegt ist. Ein solch seidiger<br />

und intensiver Wein würde im Zentrum Burgunds,<br />

an der Côte d’Or, gewiss das Doppelte kosten. Leider<br />

hat unser Enthusiasmus einen Haken: Juliette erzeugt<br />

von diesem Wein stets nur eine ganz kleine Menge.<br />

Wer sich damit halbwegs bevorraten möchte, sollte<br />

recht flink sein!<br />

Ab sofort bei 12–14 °C zu genießen. Höhepunkt wohl ab<br />

2023 bis 2030+.<br />

„In beiden Farben produziert die Joblot-Familie seriöse<br />

Weine mit Substanz und Struktur (…). Das ist eine<br />

der besten Weinquellen der Côte Chalonnaise, und ich<br />

kann sie nicht oft genug empfehlen.“ – William Kelley<br />

(Robert Parker’s Wine Advocate)<br />

34 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Joblot<br />

BURGUND FRANKREICH<br />

ROT<br />

GIVRY 1ER CRU „CLOS DU BOIS CHEVAUX“, ROUGE 2020<br />

„Clos du Bois Chevaux“: Bereits seit dem 13 Jahrhundert urkundlich bekannt!<br />

FBU040720 Givry 1er Cru „Les Bois Chevaux“, rouge 2020 14,3% Vol. 52,00 €/l 39,00 €<br />

Master of Wine Jasper Morris und Verfasser der Burgundbibel<br />

„Inside Burgundy“, weist auf die große Historie<br />

dieser Lage zurück. So finden sich dank des Zisterzienserklosters<br />

La Ferté bereits im 13 Jahrhundert<br />

Belege für den „Clos du Bois Cheveaux“. Heute gehört<br />

der rein mit Pinot Noir bestockte, 13,58 Hektar<br />

große Cru jedoch nicht mehr den Mönchen, sondern<br />

drei domaines. Die Gemeinde Givry im Süden Burgunds,<br />

der Côte Chalonnaise, gleicht einem echten Amphitheater<br />

an großartigen Lagen. So reihen sich alle Spitzenlagen<br />

L-förmig um den Gemeindekern. Der 1er Cru<br />

„Les Bois Chevaux“ ist nach Osten ausgerichtet und<br />

mit 20-jährigen Reben bestockt. Er liefert den vielleicht<br />

schlanksten und geradlinigsten der Lagenweine<br />

des Hauses.<br />

Hélène Sarkis, eine hochbegabte Önologin, die Juliette<br />

in ihrer Arbeit seit Jüngstem als Regisseurin unterstützt<br />

und zuvor Stationen bei Biodynamikern wie<br />

Zindt-Humbrecht im Elsaß oder Marie Thérèse Chappaz<br />

(Wallis) absolvierte, hat an diesem Cru wahrlich<br />

ihre Freude: „Dieser Cru bekommt deutlich weniger<br />

Sonnenstunden ab als Cellier aux Moines oder die<br />

Parzellen für den „Préface“. Außerdem besitzt er einen<br />

Typ Kalk, der etwas kälter ausfällt, weniger Wärme<br />

speichert. Das ergibt einen unglaublich feinen Pinot<br />

Noir.“ Das zeigt sich auch bei unserer Fassprobe vergangenen<br />

Spätherbst. Der Vertreter des 2020er-<br />

Jahrgangs duftet fein nach Cassis, Zwetschgen<br />

und roten Weinbergspfirsichen. Auch ein Hauch<br />

roter Frucht taucht auf sowie etwas Nelke und<br />

Kardamom. Das ist kein Dampfhammer-Pinot-Noir,<br />

sondern ein sehr saftiger und fast schon schmeichlerischer<br />

Givry. Wäre da nicht die so besonders feine Kalkader,<br />

die ihm besonders im jugendlichen Stadium auch<br />

grip verleiht. Die kühle Aromatik kommt uns als Finesse-Liebhabern<br />

höchst entgegen. Er hat nicht ganz die<br />

Anlagen zu einem Wein für „zwei Dekaden und mehr“<br />

wie die von doppelt so alten Reben stammenden Crus<br />

„Clos du Cellier aux Moines“ und „Servoisine“, betört<br />

dafür aber gerade in der Jugend mit seiner Rassigkeit<br />

und dürfte auch ansonsten über mindestens ein Jahrzehnt<br />

schönste Weinerlebnisse vermitteln. Ein puristischer<br />

Wein, voller Vitalität, dessen animierende Aromatik<br />

und fast hedonistische Ausprägung die Delikatesse<br />

dieses Crus früher als gewohnt zum Vorschein bringen.<br />

Unser geheimer Favorit der 2020er-Kollektion!<br />

Zu genießen ab sofort (idealerwiese um 14–16 °C)<br />

bis nach 2034+.<br />

GIVRY 1ER CRU „CLOS MAROLE“, ROUGE 2020<br />

Nicht von ungefähr auch als „Clos Grand Marole“ bekannt!<br />

FBU040320 Givry 1er Cru „Clos Marole“, rouge 2020 14,3% Vol. 52,00 €/l 39,00 €<br />

Der 4,4 Hektar große 1er Cru „Clos Marole“ bildet zusammen<br />

mit dem „Cellier aux Moines“ die Spitze der<br />

Crus des Hauses. Letztes Jahr fiel die Ernte jedoch so<br />

gering aus, dass wir Ihnen diesen Wein leider nur im<br />

Paket mit den anderen Lagenweine anbieten konnten.<br />

Zum Glück haben sich 2020 die Erträge von diesem<br />

Spitzen-Cru aus über 40-jährigen Reben erholt!<br />

Der „Clos Marole“ wirkt stets sehr kraftvoll. Er fällt<br />

auch im dieses Jahr gang lagentypisch dunkler und<br />

intensiv aus. Es duftet nach reifen Pflaumen, Brombeeren<br />

und Schwarzkirschen. Das Bouquet ist derart<br />

intensiv und präsent, dass man am liebsten in den feinen<br />

Duft eintauchen möchte! Eingebettet zwischen<br />

den ebenfalls als 1er Cru klassifizierten Lagen „Boix<br />

Cheveaux“ und „Cellier au Moines“, besitzt er einen<br />

höchst eigenständigen Charakter. Die dunkle Würze<br />

zieht sich auch am Gaumen fort, wo fleischige, aber<br />

weiche Tannine diesen geschmeidigen Givry leiten.<br />

Wie alle Weine der diesjährigen Kollektion besticht<br />

max. 2 Fl. /Kunde<br />

der „Clos Marole“ durch präsente und saftige Frucht.<br />

Man kommt einfach nicht umhin ihn in großen Schlucken<br />

zu genießen. Nicht zuletzt die dunkle Frucht<br />

und attraktive Würzigkeit erinnern an einen größeren<br />

Wein von der Statur eines Vosne-Romanées oder<br />

Morey-St-Denis.<br />

Ein Premier Cru, der für die Côte Chalonnaise geradezu<br />

exemplarisch ist und eine klare Kampfansage<br />

selbst an die großen Weine der Côte d'Or, die ein<br />

Mehrfaches dieses traumhaften Weins kosten. Kein<br />

Wunder, erinnert doch – eine Laune der Natur – die<br />

Kalkformation des „Marole“ an eben genau jene des<br />

weltberühmten Clos de la Roche! Das ist Burgund<br />

pur, intensiv, bestens ausbalanciert und von einer<br />

Grazie, wie sie so (fast) nur Pinot Noir<br />

hervorbringen kann!<br />

Höhepunkt etwa 2024 bis nach 2040.<br />

90–93 Punkte<br />

PARKER<br />

35


FRANKREICH BURGUND<br />

Joblot<br />

GIVRY 1ER CRU „SERVOISINE“, ROUGE 2020<br />

„Er erinnert an eine dynamischere Version des 2018ers.“<br />

– William Kelley (Robert Parker’s Wine Advocate)<br />

max. 2 Fl. /Kunde<br />

FBU040420 Givry 1er Cru „Servoisine“, rouge 2020 14,3% Vol. 52,00 €/l 39,00 €<br />

91–93 Punkte<br />

„Schade, dass wir nicht Givry-Chambertin heißen,“<br />

schmunzelt Jean-Marc bei unserer Verkostung, als<br />

ein Stammkunde anmerkt, dass man zu diesem kleinen<br />

Preis von den renommierten Appellationen Burgunds<br />

kaum Vergleichbares bekäme. Das ist typisch<br />

Jean- Marc. Der „Rockstar“ Burgunds fühlt sich in<br />

seiner Rolle als Entertainer bei unserer Verkostung<br />

pudelwohl und wirkt tiefenentspannt. Denn er weiß,<br />

dass mit seiner Tochter Juliette eine Generation die<br />

Führung übernommen hat, die mit größtem Talent,<br />

unbändigem Ehrgeiz, einer Spitzenausbildung sowie<br />

internationaler Weitsicht das ihr übergebene Erbe<br />

erfolgreich ausbauen wird.<br />

PARKER<br />

Für uns zählt der 7,49 Hektar große „Clos de la Servoisine“<br />

stets zu den absoluten Lieblingslagen. Er ist<br />

vielleicht sogar das Aushängeschild des Weinguts,<br />

nicht weil er der komplexeste, der beeindruckendste<br />

Cru der Domaine ist, sondern weil er schlichtweg zeigt,<br />

wie ehrlich und attraktiv die Appellation Givry ist,<br />

wenn man preiswerte aber anspruchsvolle Burgunder<br />

sucht. Wir hatten schon das Glück einige reife Jahrgänge<br />

zu verkosten, dabei denken wir an einen magischen<br />

2005er und hedonistischen 2009er, den ein guter Kunde<br />

mit uns spontan an einem Freitagnachmittag teilte<br />

und damit den Weg ins Wochenende versüßte. Und<br />

jedes Mal denken wir: Es könnte so einfach sein, davon<br />

zwei Kisten wegzulegen und über zehn bis 15 Jahre von<br />

einfach umwerfenden Burgundern zu profitieren, die<br />

noch erschwinglich sind.<br />

Der 2020er erweist sich als wunderbar feinwürzig und<br />

nach Brombeeren duftender Givry; Süßkirschen breiten<br />

sich mit Luftkontakt aus, ein Hauch Minze schwebt<br />

ins Geschehen. Am Gaumen zeigt dieser charismatische<br />

Pinot Noir die feine Klinge. Die Struktur des Weins<br />

deutet es bereits an: Reifepotenzial ist hier ausreichend<br />

vorhanden. Wer die großartigen Weine Joblots<br />

etwas früher trinken will, greife zu den anderen Crus,<br />

hier wird jedes Jahr Warten belohnt, wie man es früher<br />

vom Sparbuch gewohnt war (und heute nicht mehr<br />

kennt). Die neuen Fässer (ganze 50 % neues Holz!) hat<br />

der dichte Wein mühelos geschluckt, sie sind bereits<br />

jetzt bestens integriert. Das zeigt auch, welch Extrakt<br />

und Kraft in diesem Wein stecken. Sicherlich einer der<br />

schönsten „Servoisine“, den wir wie William Kelley der<br />

ähnlichen Grundaromatik wegen beim 2018er einsortieren,<br />

aber deutlich höher bewerten, da die feine<br />

Säureader einfach für mehr Vitalität und Frische im<br />

Nachhall sorgt.<br />

Ideal wohl ab 2024 bis 2040. Wer nicht warten kann,<br />

greife unbedingt zu Karaffe und großen Gläsern.<br />

36 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Joblot<br />

BURGUND FRANKREICH<br />

GIVRY 1ER CRU „CLOS DU CELLIER AUX MOINES“, ROUGE 2020<br />

„Hier entsteht ein hervorragender Wein.“<br />

– William Kelley (Robert Parker’s Wine Advocate)<br />

„Es steht außer Frage, dass diese südlich ausgerichtete Lage mit ihrer mittleren<br />

bis steilen Neigung ihren Premier-Cru-Status verdient.“<br />

– Jasper Morris MW („Inside Burgundy“)<br />

max. 3 Fl. /Kunde<br />

FBU040620 Givry 1er Cru „Clos du Cellier aux Moines“, rouge 2020 14,3% Vol. 52,00 €/l 39,00 €<br />

13,4 Hektar ist der legendäre Premier Cru „Clos du Cellier<br />

Aux Moines“ groß, der zu den absoluten Filetstücken<br />

der Appellation zählt. Bis ins 13. Jahrhundert lässt<br />

sich dieser Teilabschnitt urkundlich zurückverfolgen.<br />

Er zählt alljährlich zu den mit Höchstwertungen bedachten<br />

Favoriten. Der Jahrestrias 2017, 2019, 2020<br />

traut Kelley bis zu 94 Punkten zu, und das schon aufgrund<br />

einer frühen Fassprobe (mehrfach betonte er<br />

bereits, dass er sich selbst als Kritiker sputen muss,<br />

denn die Weine Joblots sind stets rasend schnell ausverkauft).<br />

Das Geheimnis dieser Lage: der höhere Gehalt<br />

an Aktivkalk und weniger Lehm. Was einen sehr<br />

feinen und mineralischen Wein ergibt, der weniger<br />

in die Breite geht, dafür an Finesse deutlich zulegt.<br />

Dieser Cru zählt zu den bevorzugten Terroirs in Givry.<br />

Schon die Zisterziensermönche wussten um die Vorzüge<br />

dieses im Norden der Appellation gelegenen<br />

Crus auf ton- und kalkhaltigen Böden mit komplett<br />

südlicher Ausrichtung und Blick auf das Dorf. Er galt<br />

als Juwel unter den Lagen des Burgunds. Wir wiederum<br />

wissen um die auf die Erlangung irdischer Sinnesfreuden<br />

bedachten Anstrengungen der frommen und<br />

strebsamen Mönche (die Wartezeit auf das himmlische<br />

Paradies wurde schon immer mit überaus irdischen<br />

Stimmungsaufhellern überbrückt), folgerichtig wurde<br />

flugs ein Mäuerchen um dieses Stückchen Erde gezogen<br />

(daher der Begriff „Clos“) und über Jahrhunderte lang<br />

der Spiritualität mit dem Saft des biblischen Rebstocks<br />

aus dieser privilegierten Parzelle auf die Sprünge<br />

geholfen.<br />

Juliettes 2020er „Cellier aux Moines“ duftet intensiv<br />

und komplex nach Schwarzkirschen und eingelegten<br />

Maraschino-Kirschen. Ein Hauch Blutorangen,<br />

sogar der duftig-ölige Abrieb solcher Zitrusfrüchte<br />

steigt hier aus dem Burgunderpokal. Das Bouquet<br />

ist wunderbar präsent, eine für uns charakteristische<br />

Eigenschaft des 2020er-Jahrgangs, der früh gelesen<br />

wurde. Die Côte Chalonnaise hat hier enorm viel zu<br />

bieten. Nicht umsonst erwähnt Jasper Morris MW<br />

(„Inside Burgundy“), dass die nach dem Bouzeron<br />

zweitkleinste Appellation dieses südlichen Teilabschnitts<br />

Burgunds vor der Reblauskatastrophe zu den<br />

„meistgesuchten Weinen“ zählte. Ganze 178 der nur<br />

393 Hektar umfassenden Appellation sind als Premier<br />

Cru eingestuft! Am Gaumen erweist sich dieser von<br />

einem Hauch asiatischer Gewürze begleitete<br />

Givry als kraftvoll und von fleischigen<br />

Tanninen geprägt, dazu dann saftige<br />

Zwetschgen tauchen auf, Nelke und Schwarzkirschen.<br />

Das ist ein purer Hedonist, der die Vorzüge des 2020er<br />

Jahrgangs verkörpert. Der „Cellier aux Moines“ ist eine<br />

Orgie verführerischer Frucht und subtiler Mineralität!<br />

Ein Givry, der mit dem Garantieschein auf ein langes<br />

und glückliches Leben die domaine verlässt. Auch hier<br />

drückt sich bereits Juliettes Einfluss aus: weniger Holz,<br />

weniger Power, mehr Harmonie und Gleichgewicht,<br />

reinere Frucht.<br />

Der jugendliche Charme täuscht leicht darüber hinweg,<br />

dass dieser Weine bis weit nach 2040 reifen kann.<br />

Höhepunkt wohl ab 2025.<br />

92–94 Punkte<br />

PARKER<br />

37


FRANKREICH BURGUND<br />

Joblot<br />

GIVRY 1ER CRU „L’EMPREINTE“, ROUGE 2020<br />

Die allerbesten Trauben des Jahrgangs vom allerbesten Betrieb Givrys!<br />

FBU041220 Givry 1er Cru „L’Empreinte“, rouge 2020 14,3% Vol. 54,66 €/l 41,00 €<br />

„Die Rotweine von Givry können die charmantesten<br />

und stilvollsten der Côte Chalonnaise sein und liegen<br />

in ihrer Struktur auf halbem Weg zwischen denen von<br />

Rully und Mercurey.“ fasst Altmeister Clive Coates<br />

seinem Opus magnum „The Wines of Burgundy“ über<br />

die Gemeinde zusammen. Die Domaine Joblot stellt<br />

für ihn eindeutig den besten Betrieb dar. Was also kann<br />

es Schöneres geben, als den Spitzenwein der Spitzendomaine<br />

zu trinken? Juliette Joblots „L’Empreinte“<br />

(„Fußbdruck“) ist diese Top-Cuvee. Mit ihrem Wein<br />

aus den allerbesten Trauben des Jahrgangs möchte sie<br />

etwas Bleibendes hinterlassen.<br />

Seit 2012 führt sie nun auf dem väterlichen Weingut<br />

Regie. Im Jahrgang 2016 setzte sie eine kühne Idee,<br />

mit der sie sich schon lange beschäftigt und an der<br />

sie viel gearbeitet hat, in die Tat um. Von jedem<br />

Premier Cru hat sie das beste Fass ausgewählt, um es<br />

zu einem neuen Wein zu verschneiden: der Quintessenz<br />

aller 1er Crus der Domaine Joblot, um die Summe<br />

der vorzüglichen Einzelteile und Stärken einer jeder<br />

Lage zu einem großen, noch besseren Ganzen zusammenzuführen:<br />

„L’Empreinte“, das neue Flaggschiff der<br />

Domaine, war geboren. Bereits der Jungfernjahrgang<br />

konnte sich sehen lassen, überzeugte nicht nur<br />

Juliette, sondern auch die zahlreichen Joblot-Fans<br />

von dem neuen Projekt. Und so steht nun der<br />

fünfte Jahrgang in den Startlöchern.<br />

Wie schmeckt denn nun solch ein Spitzenwein? Noch<br />

feiner und purer als alle anderen Lagen. Denn wir sind<br />

hier weiter im Burgund, wo man Finesse vor Kraft<br />

schätzt. Und Juliette möchte keinen breitschultrig-imposanten<br />

Wein vinifizieren (da überlässt sie gerne den<br />

teuren Super-Toskanern und anderen Hyperweinen<br />

das Feld), was ihr am Herzen liegt, ist die schlüssige<br />

Antwort auf die Frage nach dem bestmöglichen Wein<br />

des Jahrgangs.<br />

Dieser tief lilafarbene Pinot Noir, der im Jahrgang 2020<br />

zu 40 % in neuem Holz (fast ausschließlich vom Spitzentonnelier<br />

ihrer Wahl, François Frères) ausgebaut wurde,<br />

duftet hauchfein nach Zwetschgen in all ihren<br />

Facetten. Der Wein wirkt seiner subtilen Nase geradezu<br />

aufgeräumt und klar strukturiert, am Gaumen<br />

scheint er wie aus einem Guss, die Tannine sind noch<br />

dicht beisammen und straff, üben zarten Druck aus<br />

und schieben die saftige Frucht über die Zunge. Die<br />

Mineralität aus den kalkigen Terroirs Givry liegt wie<br />

ein solides Fundament unter der komplexen Aromatik<br />

und verleiht diesem edlen Tropfen gemeinsam mit<br />

den fleischigen Gerbstoffen eine Struktur, die dem<br />

„L’Empreinte“ ein langes Leben verheißt. Das schmeckt<br />

aufregend anders als die einzelnen Premier-Cru-<br />

Füllungen! Natürlich versuchen wir bei<br />

der Verkostung das eine oder andere<br />

Gewächs in diesem Wein wiederzuerkennen,<br />

die Typizität einer Lage<br />

herauszuschmecken, aber die Idee eines bestimmten<br />

Crus blitzt nur kurz auf, um sofort<br />

von neuen Eindrücken weggespült zu werden<br />

– absolut faszinierend! Dieser neue Pinot-<br />

Stern braucht viel Zeit. Bei Freigabe noch ein echtes<br />

„Baby“, das erst am zweiten Tag nach Öffnen<br />

erahnen lässt, wohin hier die Reise geht. Wer ihn<br />

jetzt probieren möchte, entkorke ruhig 24 Stunden<br />

vor Genuss (ein Dekantieren empfehlen wir bei zarten<br />

Pinot Noirs eher nicht) und verkoste dann über<br />

mehrere Tage – es lohnt sich!<br />

„L’Empreinte“ bedeutet „Abdruck“ oder auch „Fußspur“:<br />

Die Geschichte des Weinguts, die Essenz seiner großen<br />

Lagen eingefangen und verschmolzen in einem<br />

einzigen Wein.<br />

Im jugendlichen Stadium empfehlen wir den Wein lediglich<br />

12 Stunden vorher zu entkorken (ein Belüften im großen<br />

Dekanter halten wir bei zarten Pinot Noirs für eher<br />

kontraproduktiv) und sich in der Flasche entfalten zu<br />

lassen. Trinkreif ab 2025, Höhepunkt wohl 2027 bis 2048.<br />

38 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Joblot<br />

BURGUND FRANKREICH<br />

„Die Domaine Joblot ist so schnell vollständig<br />

ausverkauft, dass ich zu meinem Bedauern gezwungen<br />

bin, an dieser Adresse eher skizzenhafte Weine aus dem<br />

Fass, als fertige Weine aus der Flasche zu verkosten, aber<br />

der Jahrgang 2020 ist schon sehr vielversprechend.“<br />

– William Kelley (Robert Parker’s Wine Advocate)<br />

39


ITALIEN VENETIEN<br />

Adami<br />

ADAMI<br />

PROSECCO<br />

„WIR BESTELLEN DAS<br />

LAND, DAS UNS VON<br />

UNSEREN KINDERN<br />

GELIEHEN WURDE.“<br />

FRANCO ADAMI<br />

Die wunderbare Leichtigkeit des Seins.<br />

Wir tanzen in laue Sommerabende!<br />

Höchstbewertete spumanti in Robert Parker’s Wine Advocate „Franco Adami ist die<br />

Personifikation des Prosecco – Mr. Prosecco himself!“) und in Merum. Und mehrfach<br />

„tre bicchieri“ im Gambero Rosso! Adami gilt unter Kennern als die Nr. 1 des Prosecco!<br />

Prosecco und Prosecco: Das sind in der Realität zwei komplett<br />

getrennte Welten, die nichts miteinander zu tun<br />

haben. Teils von unterirdischer „Qualität“ zu Dumpingpreisen,<br />

im Bestfall ein ernsthafter Konkurrent erstklassiger Champagner.<br />

Natürlich in einem ganz anderen Stil: Hier schmecken<br />

wir die italienischen Seiten des Lebens. Die besten Prosecchi<br />

werden im Hügelgebiet im Norden von Treviso erzeugt, zwischen<br />

Conegliano und Valdobbiadene, einer Landschaft von<br />

faszinierender Schönheit, die auch Teil des UNESCO-Welterbes<br />

ist. Die Umgebung des Weinguts erscheint mit dem Ausblick<br />

auf die Dolomiten nur auf den ersten Blick ein wenig rau und<br />

wild. Die Casa Adami umfasst nämlich zwölf Hektar Weingärten<br />

in bester Lage, die sich auf Höhen von bis zu 400 Metern<br />

erheben und bestens geschützt liegen. Der Prosecco gehört<br />

hierher wie der Chianti in die Toskana und der Barolo ins<br />

Piemont. Liebhaber schwören, das könne man riechen! Das könne<br />

man schmecken! Die Landschaft und das wellige, teils sehr steile<br />

Mosaik der Rebparzellen perlten aus jeder Flasche. Und das wollen<br />

wir Ihnen mit unseren handwerklich hergestellten Schaumweinen<br />

der Brüder Franco und Armando Adami beweisen,<br />

die durch eine betörende Nase, faszinierende Frische, feine<br />

Fruchtigkeit und ihre Eleganz beeindrucken.<br />

Es ist Herbst, die Sonne scheint über dem Herzen von Prosecco-Land.<br />

Eine zarte Novembersonne wärmt die Luft, von der<br />

die Menschen sagen, sie sei frizzante – prickelnd. Das Mittagslicht<br />

wärmt aber auch die Herzen der Menschen und macht<br />

richtig Lust auf ein Gläschen Prosecco. Und dann werden es<br />

gleich ein paar mehr, die Stimmung ist beschwingt. Und wir erleben<br />

die Faszination Terroir im Prosecco! Armando und Franco<br />

Adami zeigen uns, dass es nicht nur möglich ist, exzellente, sondern<br />

auch einzigartige Schaumweine mit einem unverwechselbaren<br />

Charakter herzustellen. Aber, das weiß Franco Adami nur<br />

zu genau, das kann man nur „im Herzen“ der Appellation: „Der<br />

Wein aus dieser Region ist nicht einfach besserer Prosecco.<br />

Es ist schlicht der Original-Prosecco. Der echte, historische<br />

Prosecco kommt nur aus Conegliano und Valdobbiadene. Und<br />

nicht aus den fruchtbaren Ebenen. Basta.“ Und wie recht Franco<br />

mit dieser klaren Aussage hat: Wie überall auf der Welt ist das<br />

Terroir die Grundlage für die Einzigartigkeit eines Weins.<br />

PS: „Frische“ ist die Maxime der Adamis – bis zu hundert Mal<br />

im Jahr füllen die Geschwister ihre sprudelnden Variationen ab!<br />

40 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Adami<br />

VENETIEN ITALIEN<br />

„GARBÈL“ BRUT DOC PROSECCO DI TREVISO<br />

Feinster Sommerwein, der jede Party rockt! Und: naturally refreshing!<br />

IVE010400 „Garbèl“ Brut DOC Prosecco di Treviso 11% Vol. 15,93 €/l 11,95 €<br />

„Muss es denn wirklich immer Prosecco sein?“ fragen<br />

sich – alle Jahre wieder – Journalisten aus aller<br />

schaumweingeneigten Herren Länder, um (auch hier<br />

grüßt jährlich das Murmeltier) die immer ähnlich lautende<br />

Antwort gleich nachzuliefern: „Und ob, aber<br />

nur wenn er gut ist!“ Seltsam, ist das nicht arg „allgemeinplatzend“,<br />

gilt das nicht für jeden Wein? Peter<br />

Keller von der NZZ brachte es jüngst kurz und knapp<br />

auf den Punkt: „Das Geheimnis eines guten Schaumweines<br />

ist überall das gleiche: Die Erzeuger produzieren<br />

ihn aufwendig, mit Rebsorten von einem exzellenten<br />

Terroir, mit der zweiten Gärung in der Flasche<br />

sowie einer möglichst langen Reifung auf der Hefe.“<br />

Und natürlich ist das alles kein Geheimnis, sondern<br />

eine Frage des winzerischen Könnens und Wollens.<br />

Und Adami kann’s und will’s halt! Schon der Name<br />

des Proseccos ist Programm: Das mundartliche<br />

„Garbèl“ beschreibt die angenehme, ja befriedigende<br />

Empfindung, die der trockene und frische, angenehm<br />

säurebetonte Wein am Gaumen hinterlässt (ein Zustand,<br />

den man – Schluck für Schluck – immer wieder<br />

wiederholen möchte!). Die dichte, dabei feine<br />

Perlage im Glas ist nicht nur optisch sehr reizvoll,<br />

befördert sie doch auch verführerische florale Noten<br />

und frische Fruchtaromen (insbesondere Birnen, Pfirsich,<br />

Melone und reifer Apfel). Das Zusammenspiel<br />

von perfekt eingebundener Säure und den delikaten<br />

Fruchtaromen, die sich auch am Gaumen wiederfinden,<br />

prädestiniert diesen – beileibe nicht leichtgewichtigen!<br />

– Spumante (100 % Glera) zum perfekten<br />

Apéritif-Prosecco. Aber auch jenseits dieser<br />

Eröffnungssituation würden wir immer wieder zum<br />

„Garbèl“ greifen, denn (und um F. Scott Fitzgerald zu<br />

paraphrasieren): „Zu viel von allem ist schlecht. Aber<br />

zu viel Prosecco ist genau richtig.“<br />

Ein Prosecco, fürs Hier und Jetzt, ein Apéritif<br />

„per eccellenza“!<br />

„DEI CASEL“ EXTRA DRY DOCG PROSECCO DI<br />

VALDOBBIADENE SUPERIORE<br />

Grandios charmanter Apéro!<br />

IVE010300 „Dei Casel“ Extra Dry DOCG Pr. di Va. Superiore 11% Vol. 18,00 €/l 13,50 €<br />

Als „Dei Casel“ werden in Venetien umgangssprachlich<br />

die kleinen Häuschen benannt, in welchen<br />

Werkzeuge verstaut werden oder die bei Regen<br />

Unterschlupf bieten. Aber „Dei Casel“ ist auch der<br />

Spitzname der Familie Adami in der Region und<br />

drum gibt es seit jeher jene berüchtigte Cuvée. Dieser<br />

Prosecco (100 % Glera) stammt von Lagen in bis<br />

zu 300 Höhe der Gemeinden Valdobbiadene, Vidor<br />

und Farra di Soligo. Die kalkhaltigen Tonböden sind<br />

hier für erfrischenden und schlanken Prosecco, wie<br />

er im Hause Adami üblich ist, geradezu prädestiniert.<br />

Dieser klassisch nach dem „Metodo Italiano“<br />

im Stahl ausgebaute Prosecco ist ein hervorragender<br />

Aperitif – sommers wie winters: Im Duft einladend<br />

frisch, weißfleischiger Pfirsich, Apfel- und Akazienblüten.<br />

Der „Die Casel“ überrascht am Gaumen<br />

mit mineralischer Note und zartester Perlage. Dank<br />

der „Extra Brut“-Dosage zeigt sich der Prosecco<br />

schlank und doch anschmiegsam ohne jemals süßlich<br />

zu schmecken. Seine frische Erscheinung macht<br />

ihn zum idealen Begleiter von Hefegebäck wie etwa<br />

Panettone sowie taralli und natürlich jede Art von<br />

Antipasti. Prosecco dieser Qualität ist tatsächlich<br />

der fröhlichste und sofern eiskalt serviert unkomplizierteste<br />

Schaumwein der Welt! Hier kommen<br />

große Emotionen auf und vor allem steigt die Laune<br />

auf ausgiebige Feiern an lauen Sommerabenden.<br />

Italien, wie es zugänglicher und verführerischer<br />

nicht sein kann!<br />

Gerne im Eiskühler bei 7–9 °C servieren, aus großvolumigen<br />

Schaumwein – oder Weißweingläsern. Reifepotenzial<br />

von 2–3 Jahren auf der Flasche, wobei wir die<br />

intensive Frische im ersten Jahr am meisten schätzen.<br />

41


ITALIEN VENETIEN<br />

1<br />

Herz<br />

Merum<br />

93<br />

Punkte<br />

falstaff<br />

Adami<br />

„VIGNETO GIARDINO“ DRY DOCG<br />

PROSECCO DI VALDOBBIADENE<br />

SUPERIORE, 2020<br />

Erster Einzellagen-Prosecco des Valdobbiadene!<br />

„BOSCO DI GICA“ BRUT DOCG<br />

PROSECCO DI VALDOBBIADENE<br />

SUPERIORE<br />

Prosecco „kann auch komplex“<br />

– und ist dabei wunderbar elegant!<br />

1 Herz – Merum (Taschenführer Wein 2020/2021)<br />

IVE010200<br />

„Bosco di Gica“ Brut DOCG Prosecco<br />

di Valdobbiadene Superiore<br />

11% Vol. 18,53 €/l 13,90 €<br />

Im Herzen der besten Anbauzone, auf den Hügeln von Valdobbiadene,<br />

Vidor und Farra di Soligo, wachsen die Trauben<br />

für diesen reinsortigen Prosecco auf hervorragendem Terroir,<br />

vornehmlich Kalkböden, die gen Süden ausgerichtet sind. Der<br />

„Bosco di Gia“, der nach einem schon im sechsten Jahrhundert<br />

urkundlich erwähnten Wäldchen bei Colbertaldo (hier befinden<br />

sich auch die ersten Weinberge der Familie) benannt ist, schimmert<br />

in hellem, silbrigem Gelb mit zart grünlichen Reflexen im<br />

Glas. Die Cuvée aus Glera (95–97 %) und einer Spur Chardonnay<br />

(3–5 %) brilliert mit einer feinen langanhaltenden Perlage, die<br />

eine wunderbare „Gemengelage“ von Aromen wunderbar befördert:<br />

Im Duft, und herrlich animierend, gelbe Äpfel, Abate-<br />

Fetel-Birne, Honigmelone, Zitronenmelisse und Holunderblüte,<br />

am Gaumen betörend und erfrischend zugleich, mit einer für<br />

einen Prosecco geradezu „gestalteten“, dabei zarten, angenehm<br />

zitrischen Säure (Grapefruit) – das weckt Sommergefühle und<br />

die Freude am beschwingten leichtfüßigen italienischen Leben.<br />

Bei aller Frische: Dieser Prosecco „kann auch komplex“, absolut<br />

bemerkenswert Länge und Nachhall, die in Kombination mit<br />

dem niedrigen Alkoholgehalt (von 11 Vol.-%) eine so schwebende<br />

wie nachhaltige Leichtigkeit vermittelt! Wie alle spumanti von<br />

Adami gut gekühlt (8 °C) unglaublich unbeschwert (und in verblüffend<br />

großen Mengen) zu genießen! Natürlich nicht nur<br />

„solistisch“, sondern gerade in Verbindung mit frischen Erdbeeren<br />

oder Honigmelone mit Parmaschinken, von würzigen Knabbereien<br />

bis salumi. Auch die klassische Fruchtbowle, die soviel besser<br />

als ihr Ruf ist, kann mit dem „Bosco di Gica“ nur gewinnen<br />

– ein Sorbet oder eine granità ohnehin!<br />

„Naturalmente“ ab sofort, Frische ist Trumpf!<br />

93 Punkte in Falstaff, zweithöchste Wertung<br />

aller Prosecco Superiore!<br />

IVE010520<br />

„Vigneto Giardino“ Dry DOCG Prosecco<br />

di Valdobbiadene Superiore, 2020<br />

11% Vol. 20,66 €/l 15,50 €<br />

Giardino ist die historische Valdobbiadene-Lage, die noch Francos<br />

Großvater bepflanzt und 1920 erworben wurde. In diesem<br />

natürlichen Amphitheater reifen die schönsten Trauben der<br />

Kellerei, die Franco und Armando in einen Prosecco von großer<br />

Finesse verwandeln. Dabei zeigt sich hier auch Adamis besondere<br />

Stellung unter allen Prosecco-Häusern des Valdobbiadene.<br />

Denn der Terroir-Gedanke prägt seitjeher die Philosophie des<br />

Hauses. So wundert es nicht, dass der „Vigneto Giardino“ als erster<br />

Einzellagen-Prosecco des Valdobbiadene gilt und damit Vorbild<br />

für mehrere Generationen der Region darstellt. Die Reben<br />

(100 % Glera) wachsen hier in 200 bis 250 Metern Höheauf Kalkstein-Terroir<br />

mit Ton. Leitgedanke ist hier der typische „Fruchtbecher“<br />

(macedonia), den guter Prosecco verströmt; eine Ansammlung<br />

frischer Früchte. Frische und Leichtigkeit (11 Vol. %)<br />

prägen den noblen Prosecco. So duftet es hier zart nach frischen<br />

Birnenspalten, Pampelmusen und Nektarinen. Gelbe<br />

Äpfel und vom Sommerwind duftende Akazien tummeln sich<br />

als florale Kopfnote über dem feinsinnigen „Vigneto Giardino“.<br />

Dieser feine Prosecco strahlt Harmonie und Grandezza aus.<br />

Die Perlage ist fein und animierend, die Aromatik nimmt hier<br />

die zahlreichen Früchten aus dem Bouquet wieder am Gaumen<br />

auf. Dabei hallt der Lagen-Schaumwein mit feinem Aroma nach<br />

frisch geschälten Mandeln aus. Für uns stellt dieser Prosecco<br />

den Inbegriff von Frische und Leichtigkeit dar, ohne eben an<br />

Anspruch einzubüßen. Dieser Spagat gelingt dem Hause Adami<br />

wie nur einer Handvoll anderer Betriebe Venetiens.<br />

Kurzum: Hervorragend geeignet als Apéritif für intensive Begegnungen<br />

mit lieben Menschen und rauschenden Festen; als<br />

Begleiter von Gebäck, Kuchen, zu reifem Obst (Pfirsich, Melone)<br />

und allem, was Sie persönlich gerne auskosten wollen …<br />

Im Unterschied zu vielen anderen Prosecchi, die einfach jung getrunken<br />

werden wollen, haben wir es hier mit einem Lager- und<br />

Entwicklungspotenzial von 3–5 Jahren zu tun. Tipp: Adami empfiehlt<br />

diesen noblen Prosecco nicht aus der aromenschmälernden<br />

Sektflöte, sondern unbedingt aus etwas größeren Weißweingläsern<br />

zu genießen.<br />

42 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Adami<br />

VENETIEN ITALIEN<br />

93<br />

Punkte<br />

falstaff<br />

„COL CREDAS“ EXTRA BRUT<br />

DOCG PROSECCO DI<br />

VALDOBBIADENE SUPERIORE, 2020<br />

„Tänzelt leichtgewichtig über die Zunge.“<br />

– Falstaff<br />

IVE010720<br />

„Col Credas“ Extra Brut DOCG Prosecco<br />

di Valdobbiadene Superiore, 2020<br />

11,5% Vol. 21,20 €/l 15,90 €<br />

In jeglicher Hinsicht „superiore“!, dieser Single-Vineyard-Prosecco,<br />

der aus einem Weinberg bei Credazzo, dem „Col Credas“<br />

stammt. Und vor allem einer der intensivsten Schaumweine von<br />

Adami: ein Prosecco aus den sogenannten rive, deren Tonböden<br />

und steile Süd-Süd-Ost-Ausrichtung eines der Flaggschiffe des<br />

Hauses entscheidend prägen. Ein großer Wein, der – anders als<br />

die unzähligen Apéro-Schäumer der Region – auch ein ganzes<br />

Menü perfekt begleiten kann.<br />

Im Bouquet zeigt sich hier (sehr reizvoll!) Aprikose, begleitet von<br />

Äpfeln und etwas Akazienhonig. Im Duft im besten Sinne „weinig“<br />

aufgrund feiner Brioche-Noten! Am Gaumen zeigt sich die Perlage<br />

fein und lebendig, ist aber derart fein gewirkt, dass man sich<br />

eines Breiten Dauerlächelns kaum erwehren kann. Aromen von<br />

Feingebäck auf der Zunge, auch Aprikosen sind mit von der Partie,<br />

und am Gaumen fühlt sich der Prosecco herrlich herb und, ganz<br />

große Überraschung, richtig trocken an. Leicht wie eine Feder<br />

schwebt er über die Zunge, ist schlank, hat wenig Alkohol<br />

(gerade einmal 11 Vol.-%) und brilliert am Zungenrand mit<br />

feinen Salzaromen. Hier klebt nichts, hier schiebt sich keine<br />

Süße in den Abgang, hier ist alles wunderbar harmonisch und<br />

elegant. Prosecco, der mit den ganzen banalen und seelenlosen<br />

Blubberweinen aus industriellerer Produktion (ausschließlich<br />

Tal-Lagen) nichts zu tun hat. Das ist kein Bussi-Bussi-Schickimicki-Billigsprudel,<br />

sondern Stoff für Kenner der Materie: ein<br />

formidabler Schaumwein. Man dürfte sowas in diesem Kontext<br />

daher eigentlich nicht sagen, aber das ist der perfekte Partner<br />

zu wirklich hochwertigen Kartoffelchips (lediglich mit etwas<br />

Meersalz gewürzt!). Natürlich funktioniert er aber auch eine<br />

Spur nobler zu Langusten, Shrimps und Ähnlichem. Lassen Sie<br />

es ploppen und genießen sie das Perlenspiel. Valdobbiadene wie<br />

es sich gehört. So geht, so muss Prosecco!<br />

Ab sofort, aber auch noch in 2–3 Jahren ein Genuss!<br />

„CARTIZZE“ DRY DOCG<br />

PROSECCO DI VALDOBBIADENE<br />

SUPERIORE DI CARTIZZE<br />

Der Prosecco-Olymp – mehr geht nicht!<br />

IVE010600 „Cartizze“ Dry DOCG Prosecco di<br />

Valdobbiadene Superiore di Cartizze<br />

11% Vol. 30,66 €/l 23,00 €<br />

Schlichtweg betörend ist der Duft, der in die Nase strömt. Reifer<br />

Apfel, ein wenig Birne und die Blütenblätter roter Rosen. Und<br />

dann, kaum im Mund, findet man sich in einem italienischen<br />

Film der 60er-Jahre wieder. Sinnlich, kurvig, sexy, verführerisch,<br />

erotisch und in gewisser Weise auch ein wenig opulent. Auch<br />

am Gaumen reifer auf der Zunge, Aprikosen, Birnen und eine<br />

Scheibe Ananas. Cremig steht der „Cartizze“ in seiner prallen<br />

Schönheit auf ihr, lullt sie ein und zeigt, warum er das Prädikat<br />

„Verführer“ trägt, und auch verdient. Für uns gehört er schon<br />

seit geraumer Zeit zu den besten Prosecchi, die wir kennen –<br />

eine Bekanntschaft, die wir auch sehr gerne immer wieder<br />

erneuern!<br />

Das ist schon das Oberhaus, ach was, der Olymp! Und eine<br />

ziemlich erregendes Schauspiel, was sich da am Gaumen tut!<br />

Wie unendlich fein es dort prickelt, wie saftig „dry“ sein und wie<br />

perfekt man 24 bis 26 Gramm Restzucker in einem Prosecco verstecken<br />

kann …! Wo bitte sind die hin? Nach dem Öffnen dematerialisiert?<br />

Incredibile! Wir trinken aus und gönnen uns ein zweites<br />

Glas von diesem zauberhaften Schäumer. Diese elegante<br />

Fülle, diese perfekt geformten Kurven, diese Sinnlichkeit –<br />

manchmal sind 0,75 Liter doch erschreckend wenig, für einen<br />

Abend allein sollte man vielleicht doch etwas mehr einplanen,<br />

als allgemein üblich, à deux dann natürlich entsprechend. Diesen<br />

Traumstoff können Sie zum Essen trinken (Adami empfiehlt<br />

dazu eine crostata mit frischen Früchten), er schmeckt aber<br />

auch solistisch – ganz gleich ob auf der Couch (Récamière, Ottomane,<br />

wahlweise auch Kline) oder Hängematte, ob auf der<br />

Terrasse (Veranda, Balkon oder Loggia sowie Wintergarten sind<br />

auch glänzend geeignet) oder beim Picknick im Grünen – ganz hervorragend.<br />

Das Symptom „Glas schon wieder leer, bitte auffüllen“<br />

ist dann ganz besonders akut. Vorrauschauend kaufen, was geht!<br />

Wie alle Prosecchi macht der „Cartizze“ jetzt großen Spaß, gerade<br />

weil seine tiefgründige Frische soviel mehr ist als bloße Oberfläche.<br />

Potenzial für 2–3 Jahre, der Verzicht wird mit einem erheblichen<br />

Plus an Komplexität belohnt!<br />

43


ITALIEN APULIEN<br />

Due Palme<br />

CANTINE<br />

DUE PALME<br />

CELLINO SAN MARCO<br />

Gambero Rosso:<br />

„Qualität, Terroir, Authenzität!“<br />

In Süditalien werden die Weine der besten Güter in den letzten<br />

Jahren beständig nochmals besser. Und besitzen teilweise<br />

ein spektakuläres Preis-Genussverhältnis! So auch auf der<br />

Cantina Due Palme in Apulien. Diese Region im tiefen Südosten<br />

des Landes ist mit einem vorzüglichen Klima gesegnet.<br />

Geprägt wird sie durch ihre Lage zwischen dem ionischen und<br />

dem adriatischen Meer, vor allem aber durch die scheinbar immer<br />

präsente Sonne und ein faszinierendes, unverwechselbares<br />

Licht. Einzigartig ist die Vielzahl an Böden, von sandig und kalkreich<br />

bis hin zu steinig und kompakt. Kein Wunder also, dass<br />

die vielfältigen Weine dieser sonnenverwöhnten Region immer<br />

beliebter werden! Wie die der Muster-Cantina Due Palme. Sie<br />

ist das Werk ihres Gründers und Präsidenten Angelo Maci, der<br />

vierten Generation einer Winzerfamilie und rastloser Pionier in<br />

Bezug auf Qualität. Angelo war es, der apulische Weine auf die<br />

internationalen Weinkarten gebracht hat. Sein Herz schlägt für<br />

heimische Rebsorten und er kämpft für die Erhaltung der traditionellen<br />

und weltweit einzigartigen Reberziehung „Alberello<br />

Pugliese“ (Bäumchenerziehung), wobei die Rebstöcke in Einzelbuschform<br />

gezogen werden ohne Stützpfähle oder Drahtrahmen.<br />

Da auf Due Palme die Weinberge mit so viel Liebe und<br />

Leidenschaft gehegt und gepflegt werden, fällt es uns natürlich<br />

leicht, Ihnen, so herrlich verführerische Rotweine aus den heimischen<br />

Rebsorten wie Negroamaro und Primitivo anzubieten,<br />

die Ihren Gaumen erfreuen werden. Unbedingt probieren, denn<br />

diese Weine tragen die apulische Sonne in Ihre Herzen!<br />

44 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Due Palme<br />

APULIEN ITALIEN<br />

„COREROSA“ SALENTO IGP, ROSATO 2020<br />

Das rosafarbene Herz des Salento!<br />

IPU011020 „Corerosa“ IGP Salento, rosato 2020 PK 12,5% Vol. 13,20 €/l 9,90 €<br />

IPU011020P 12 x „Corerosa“ IGP Salento , rosato 2020 (10+2 Fl. gratis) statt 118,80 € nur 99,00 €<br />

„Corerosa“ bedeutet im salentinischen<br />

Dialekt nichts anderes als „cuore rosa“ –<br />

„rosafarbenes Herz“. Für die Macher von<br />

Due Palme ist dieser Name zugleich ein<br />

Bekenntnis und Ansporn zur Vinifizierung<br />

eines echten Prestige-Rosés – der „Corerosa“ ist dann<br />

auch tatsächlich die qualitative Speerspitze, zweifelsohne<br />

der beste Rosé des Betriebs. Aus einer sehr<br />

sorgfältigen Selektion vorzüglicher Susumaniellound<br />

Primitivo-Trauben wird ein höchst eleganter<br />

Rosé vinifiziert, mit sehr kurzem Kontakt mit den<br />

Beerenhäuten und Stängeln bei der Pressung und<br />

einem kurzen Ausbau im Edelstahltank.<br />

Und in der Tat wird der „Corerosa“ dem Anspruch<br />

eines Top-Rosés gerecht. Geradezu Der lachsfarbene<br />

Rosé tänzelt mit seinen schlanken 12,5 Vol.-% Alkohol<br />

geradezu leichtfüßig über die Zunge, wirkt für diese<br />

südliche Region ungemein frisch und animierend und<br />

begeistert – ein rechter Gaumenschmeichler – mit<br />

einer zarten Säure, die dem Wein eine tolle Vitalität<br />

verleiht. Weinbergpfirsich- und Walderdbeerendüfte<br />

aus dem verführerischen Bouquet finden sich auch<br />

auf der Zunge wieder, unterlegt mit einer feinen<br />

Würze, floralen Noten, Sauerkirsche und Himbeeren.<br />

Wunderbar ausbalanciert und stets auf der eleganten<br />

Seite bleibend, behält der „Corerosa“ selbst bei etwas<br />

wärmerer Trinktemperatur seine Präzision und Leichtigkeit.<br />

Ein wirklich toller Rosé, den uns Due Palme<br />

hier präsentiert und den wir Ihnen natürlich mit<br />

großer Freude als Neuzugang vorstellen. Ein hervorragender<br />

Allrounder, zum Sologenuss oder auch als<br />

vielseitiger Essensbegleiter. Zum Kennenlernpreis<br />

oder direkt im attraktiven Paket, es lohnt sich!<br />

Ab sofort bis 2023+. Due Palme empfiehlt den Rosé zu<br />

Lasagnette mit Rotbarschfilet und Kichererbsenrahmsauce<br />

– was uns allemal zusagt!<br />

„ANGELINI“ DOP SQUINZANO, ROSSO 2019<br />

Ein Rosso, der südliches Feuer und Eleganz kombiniert!<br />

IPU010819 „Angelini“ DOP Squinzano, rosso 2019 PK 12,5% Vol. 10,00 €/l 7,50 €<br />

Diese herrlich entspannt wirkende Rotweincuvée aus<br />

85 % Negroamaro und 15 % Malvasia Nera wächst<br />

auf den mineralreichen Böden rund um das zwischen<br />

Brindisi und Lecce gelegene Städtchen Squinzano,<br />

dessen Wurzeln bis in das zweite vorchristliche Jahrhundert<br />

zurückreichen. Auf eine lange Geschichte<br />

kann auch der Weinanbau in der gleichnamigen,<br />

historisch berühmten DOP zurückblicken. Due Palme<br />

erntet traditionell im September die Trauben für<br />

diesen Rotwein, der sechs Monate in französischer<br />

Eiche ausgebaut wird.<br />

Rubinrot steht der Wein im Glas und verströmt einen<br />

intensiven Duft von dunklen Waldbeeren, Zwetschgen<br />

(ohne Überreife!), aber auch süßen, dunklen<br />

Kirschen und Gewürzen, eine Melange aus Pfeffrigkeit,<br />

Küchenkräutern und einem Hauch Vanille.<br />

Am Gaumen finden sich Brombeeren und Kirschen<br />

als dominierender Fruchteindruck wieder, aber eingehüllt<br />

in feine, mit winzigen Süßholzeinsprengseln<br />

versetzte Zartbitterschokolade. Sehr schön<br />

auch die vitale Säure, die dem Wein ein „pochendes<br />

Herz“ verleiht und eine unnachahmliche Frische erzeugt.<br />

Mit seinen vorbildlich gezügelten, gerade<br />

einmal 12,5 Vol.-% Alkohol entwickelt der „Angelini“<br />

keinerlei Schwere, ganz im Gegenteil! Ein herrlich animierender<br />

Trinkspaß, sehr rund, mit weichen, kaum<br />

spürbaren Gerbstoffen und einem angenehmen,<br />

wohltuend schlanken Nachhall. Eine höchst gelungene<br />

Kombination aus Intensität und Vielschichtigkeit,<br />

Frucht und Würze, Konzentration sowie Leichtigkeit<br />

– che bellezza! – und zu diesem Preis fast schon unverschämt<br />

gut!<br />

Ab sofort bis 2024+. Ein wirklich schöner Alltagswein,<br />

der sowohl die italienischen Klassiker wie Pasta und<br />

Pizza vorbildlich begleitet (natürlich auch regionale<br />

Köstlichkeiten wie eine „minestra di fave e orzo“), mit<br />

dem Sie aber auch auf jeder Grillparty „bella figura“<br />

machen.<br />

45


ITALIEN APULIEN<br />

Due Palme<br />

„COSTA“ NEGROAMARO IGP SALENTO, ROSSO 2020<br />

Herrlicher Klassiker des Salento – gekonnt und süffig interpretiert.<br />

IPU010120 „Costa“ Negroamaro IGP Salento, rosso 2020 PK 12,5% Vol. 9,26 €/l 6,95 €<br />

IPU010120P 12 x „Costa“ Negroamaro IGP S., r.2020 (11+1 Flasche gratis) statt 83,40 € nur 76,45 €<br />

Die Herkunft der Negroamaro-Rebe liegt,<br />

wie so oft in diesen Dingen, im Dunkeln.<br />

Eine häufig zitierte These besagt, dass<br />

sie von den antiken Griechen eingeführt<br />

worden sei (was sich sogar etymologisch stützen ließe<br />

– „mavros“ ist das griechische Wort für „schwarz“),<br />

allerdings wurde das mittlerweile durch genetische<br />

Tests widerlegt, da keinerlei verwandtschaftlichen<br />

Verhältnisse zwischen Negroamaro und griechischen<br />

Rebsorten bestehen. Also kein „negromavro“<br />

(„schwarzschwarz“), sondern tatsächlich „negroamaro“<br />

(„schwarzbitter“), was aufgrund der schwarzen Farbe<br />

der Schalen sowie der typischen Tanninstruktur ganz<br />

plausibel erscheint. Doch verstehen Sie das Bittere<br />

nicht falsch, es handelt sich eher um eine herbe Note,<br />

wie man sie auch von süditalienischen amari wie beispielsweise<br />

dem „Averna“ kennt. Und wenn man es<br />

genau nimmt, dann strotzt ein Negroamaro wie der<br />

„Costa“ der Cantine Due Palme vor allem mit dunklen<br />

aromatischen Fruchtnoten. Noch dazu existiert eine<br />

Rebsorte namens „Negro Dolce“, die im Salento seit<br />

dem 19. Jahrhundert dokumentiert ist, nicht zuletzt<br />

wohl um die beiden „Negro“-Varianten zu unterscheiden.<br />

Bei Due Palme hat man sich der Traube zumindest<br />

mit vollem Engagement angenommen, kein Wunder<br />

also, dass der große Rebsortenatlas von Jancis Robinson,<br />

Julia Harding und José Vouillamoz („Wine Grapes: A<br />

complete guide to 1,368 vine varieties“) unsere Cantina<br />

als notable producer für den Negro Amaro aufführt!<br />

Dieser „Costa“ ist der „kleine Negroamaro“ für „kleines<br />

Geld“, wenn Sie so wollen. Und er ist der Wein, der jeden<br />

Abend, jedes klassische Pizza- oder Pasta-Gericht<br />

und jede Party aufwertet; denn dieser Wein sorgt einfach<br />

für gute Laune. Hier duftet es nach Pflaumen und<br />

Kirschen, Himbeeren und einer Note, die ein wenig<br />

an Hoisin-Sauce erinnert. Am Gaumen ist der „Costa“<br />

ein im besten Sinne unkomplizierter, gutmütiger und<br />

lebenslustiger Wein voller roter und vor allem schwarzer<br />

Früchte und mit einer lebendigen sowie gleichzeitig<br />

seidigen Säure und einem runden Tannin. Die<br />

Frucht wird begleitet von dunklem, fast süßem Malz<br />

und einem Hauch von Zimt. Der Negroamaro wirkt<br />

dabei nicht etwa ausladend wuchtig, wie man es bei<br />

einem Wein von einem so heißen Flecken erwarten<br />

würde, sondern er kombiniert Reife mit Frische<br />

und einem ausgesprochen moderaten und umso trinkfreudigeren<br />

Alkoholgehalt von gerade einmal 12,5 Vol.-%<br />

– typisch Cantine Due Palme! Sie bringt die Essenz des<br />

apulischen Weins in die Flasche.<br />

Küchentechnisch ein Universaltalent, das ganz ausgezeichnet<br />

mit diversen Pastagerichten harmoniert – etwa<br />

den in Apulien so beliebten „orecchiette“ (mit „cime di rapa“<br />

oder einem klassischen „sugo“) oder „milaffanti“ (eine<br />

Pasta aus Hartweizengries, Ei, Pecorino und Petersilie,<br />

die man in einer Fleischbrühe serviert).<br />

Ab sofort ein Genuss und sicher bis 2024.<br />

46 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Due Palme<br />

APULIEN ITALIEN<br />

„COSTA“ PRIMITIVO IGP SALENTO, ROSSO 2020<br />

100 % Primitivo, 100 % Salento, 100 % Lebensfreude!<br />

IPU010220 „Costa“ Primitivo IGP Salento, rosso 2020 PK 13,5% Vol. 10,60 €/l 7,95 €<br />

IPU010220P 12 x „Costa” Primitivo, rosso 2019 (11+1 Flasche gratis) statt 95,40 € nur 87,45 €<br />

Lange Zeit hat man gedacht, die süditalienischen Sorten<br />

seien vor Urzeiten mit den Griechen nach Italien<br />

gekommen. Doch manche Rebsorten kamen auf ganz<br />

anderen Wegen wie zum Beispiel der Primitivo, der irgendwann<br />

mit Mönchen vom Balkan nach Süditalien<br />

kam und dort heimisch wurde. Der Name mutet bei<br />

uns ein wenig seltsam an, er hat jedenfalls nichts damit<br />

zu tun, dass die Sorte in irgendeiner Weise „primitiv“<br />

sei. Nein, der Primitivo gehört zu den roten Sorten des<br />

Südens, die zuerst reif werden, und früher war er wohl<br />

„der Erste“. So ist der Name einer Sorte entstanden,<br />

die zum erfolgreichsten Exportprodukt des Mezzogiorno<br />

avanciert ist, des italienischen Südens.<br />

Wenn man den „Costa“ der Winzer von Due Palme<br />

probiert oder auch nur am Glas schnuppert, bekommt<br />

man schnell eine Ahnung davon, weshalb das so ist,<br />

denn schon im Duft kann man erahnen, dass es hier<br />

um das pralle Leben und um ungeschminkte Lebensfreude<br />

geht. Das ist der Wein, den man sich wünscht,<br />

wenn man sich an eine ferne Piazza in der Mittagsruhe<br />

träumt und aus dem gelegentlichen Hupen eines alten<br />

Fiat Panda oder einer Vespa nur das Flirren der Hitze<br />

und eine gelegentlich kühlende Brise vom Meer wahrnimmt<br />

und sich auf einen Abend mit bodenständigem<br />

Essen und auf Freunde freut. Dieser Primitivo „Costa“<br />

ist die perfekte Begleitung zu all dem. Im Duft sind es<br />

dunkle Himbeeren, Süßkirschen und reife Pflaumen,<br />

etwas Flieder und ein Malzbonbon. Am Gaumen begeistern<br />

die runden Tannine, die volle dunkle Frucht<br />

und die seidig reife Säure. Der Wein ist unkompliziert<br />

und besitzt doch Charakter, ist süffig und zeigt trotzdem<br />

auf wohltuende Weise Struktur und grip am Gaumen.<br />

Das ist einfach sehr, sehr gut gelungen!<br />

Klassischer Pizza-Pasta-Brot-und-Butter-Wein, mit dem<br />

es sich auch gleich viel beschwingter kocht! Wie wäre es<br />

mit der apulischen „Pizza-Variante“, einer mit Kartoffeln,<br />

Käse (Pecorino und Cacciocavallo), Zwiebeln, Oliven und<br />

Kapern gefüllten Focaccia, der „pitta“? Eben, perfekt! Ein<br />

Wein fürs Jetzt und sicher bis 2024.<br />

47


ITALIEN APULIEN<br />

Due Palme<br />

„PIETRA DEL MITO“ APPASSIMENTO IGP SALENTO, ROSSO 2020<br />

Aromatische Quintessenz des italienischen Südens zum kleinen Preis!<br />

IPU011120 „Pietro del Mito“ Appassimento IGP Salento, rosso 2020 PK 14% Vol. 11,33 €/l 8,50 €<br />

Beim „Pietra del Mito“ von Due Palme sei ein kurzer<br />

Exkurs in eine spezielle önologische Technik erlaubt,<br />

die schon lange im Mittelmeerraum und vor allem in<br />

Italien praktiziert wird: Appassimento steht auf dem<br />

Etikett, dabei handelt es sich um das Trocknen von<br />

Trauben bei der Weinbereitung. Das Verfahren<br />

wurde schon von dem punischen Schriftsteller<br />

Mago, der im zweiten Jahrhundert vor Christus<br />

in Karthago lebte, und später auch von Hesiod<br />

beschrieben. Wenn Beeren antrocknen und zur Rosine<br />

schrumpfen, werden auch ihre Inhaltstoffe wie<br />

Frucht, Süße und Säure konzentriert. Ein Effekt, der<br />

schon am Rebstock erzielt werden kann, indem man<br />

die Stiele der Trauben knickt und so ihre Versorgung<br />

mit Nährstoffen unterbindet. Oder – und das ist das<br />

übliche Verfahren – die Trauben werden auf Gestellen<br />

mit Strohmatten sorgfältig getrocknet. Zu den<br />

bekanntesten Weinen dieser Gattung zählt der „Amarone<br />

della Valpolicella“ aus Venetien. Tief im Süden<br />

Italiens auf der apulischen Halbinsel Salento keltert<br />

Due Palme den „Pietra del Mito“ aus Primitivo, Negroamaro<br />

und Cabernet Sauvignon im Appassimento-<br />

Verfahren. Der macht keinen Hehl daraus, dass es bei<br />

ihm um Intensität und Konzentration geht mit einer<br />

vollmundigen und würzigen Nase mit viel reifer Frucht<br />

wie Brombeere, Schwarzkirsche und Amarenakirsche,<br />

dazu kommen Süßholz, Holzwürze, Tabak, Kakao und<br />

gedörrte und karamellisierte Feigen. Auch im Mund<br />

großzügig und vollmundig mit Saft und Kraft, die geschmolzenen<br />

Gerbstoffe sind charmant, das Zentrum<br />

bildet der konzentrierte Fruchtkern mit süßer Brombeere,<br />

Holunder und Kirsche, unterlegt von feiner<br />

Fruchtsäure und dunklem Waldhonig, karamellisierten<br />

Feigen, feinherber Schokolade und etwas Kaffeelikör.<br />

Ein betörendes und sinnliches Fruchtelixier, die aromatische<br />

Quintessenz des italienischen Südens zum<br />

kleinen Preis. Salute!<br />

Ab sofort 2028+. Großartig zu Pastagerichten wie „ciceri<br />

e tria“, das Kichererbsen und frische, dann frittierte (!)<br />

Pasta (Papardelle haben sich da bewährt) kombiniert!<br />

„SERRE“ SUSUMANIELLO IGP SALENTO, ROSSO 2020<br />

Üppige Überraschung von der Adriaküste!<br />

IPU010320 „Serre“ Susumaniello IGP Salento, rosso 2020 PK 13,5% Vol. 11,93 €/l 8,95 €<br />

IPU010320P 12 x „Serre” Susumaniello, rosso 2020 (11+1 Fl. gratis) statt 107,40 € nur 98,45<br />

Ab und an müssen wir Rebsorten ins<br />

rechte Licht rücken, die sonst Gefahr<br />

laufen übersehen zu werden: Die autochthone<br />

Rebsorte Susumaniello zählt zu<br />

diesen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen<br />

Mauerblümchen. In Apulien zuhause, musste<br />

sie sich hinter den beliebten lokalen Reben Primitivo<br />

und Negroamaro anstellen und wurde lange Zeit nur<br />

als Verschnittpartner für Cuvées benutzt. Ursprünglich<br />

soll Susumaniello aus Dalmatien stammen und<br />

auch mit dem italienischen Sangiovese verwandt sein.<br />

Wie auch immer: Der rührigen Cantine Due Palme, die<br />

an der Adriaküste auf der süditalienischen Halbinsel<br />

Salento Akzente setzt, kommt das Verdienst zu, die<br />

Vorzüge der Rebsorte erkannt zu haben und ihr Potenzial<br />

auszuschöpfen. Der sechs Monate im gebrauchten<br />

Barrique ausgebaute „Serre“ fließt tiefdunkel mit lila<br />

Reflexen ins Glas. Der üppige und ausladende Duft<br />

wird bestimmt von reifen, dunklen Beerenaromen wie<br />

Brombeeren, Holunder, Schwarzkirsche, Pflaume, begleitet<br />

von Vanille, Süßholz, Espresso, dunkler Schokolade,<br />

Lakritz, Holzwürze und Tabak. Auch satt und<br />

üppig am Gaumen, viel Holunder und auch Holundermark,<br />

Cassis, Heidelbeeren, Himbeeren und dunkler<br />

Schokolade. Großzügiger, süßlicher Extrakt, die merkliche<br />

Fruchtsäure fügt sich balancierend ein, große<br />

Menge an Gerbstoffen, die weich und geschmolzen<br />

sind, aber auch ein breites Rückgrat bilden. Markanter<br />

Fruchtkern, gute Länge, im Ausklang intensive Würze<br />

und auch etwas Brombeerlikör. Die Sonne des Südens<br />

dringt aus allen Poren dieses Weins: Wie wärmend,<br />

sich einfach seiner berauschenden Fülle hinzugeben!<br />

Gerne leicht gekühlt genießen, gerade als Begleitung zu<br />

kräftigen und kräftig gewürzten Gerichten, denn das ist<br />

natürlich seine Paradedisziplin: Wunderbar etwa zu den<br />

regionaltypischen „involtini“ (Rouladen) vom Grill (oder<br />

aus dem Ofen), den „bombette“: Schweinenackenfilets<br />

(mit Salz und Pfeffer würzen), darauf „pancetta“ oder<br />

(noch besser) „coppa“ und Käse (das Originalrezept verlangt<br />

Canestrano, aber Cacciocavallo oder Scamorza<br />

machen sich auch sehr gut), gut einrollen, fixieren (Zahnstocher<br />

funktioniert bestens) und ab auf den heißen Grill<br />

(oder ca. 30 Minuten im 200 °C heißen Ofen).<br />

Ab sofort und bis 2025+.<br />

48 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Due Palme<br />

APULIEN ITALIEN<br />

„ETTAMIANO“ PRIMITIVO IGP SALENTO, ROSSO 2019<br />

Und immer wieder dieses „Genug ist nicht genug“-Gefühl!<br />

IPU010719 „Ettamiano“ Primitivo IGP Salento, rosso 2019 14,5% Vol. 19,86 €/l 14,90 €<br />

Eine der besten Ecken Italiens, um hochwertigen Primitivo<br />

zu erzeugen, ist der Salento. Es ist die rund 100<br />

Kilometer lange und etwa 40 Kilometer breite Halbinsel,<br />

die wir gerne als den Stiefelabsatz Italiens bezeichnen.<br />

Dort haben die Weinbauern der Cantine Due<br />

Palme ihre Weinberge. Manche davon befinden sich<br />

in Höhenlagen, wo es zwar tagsüber im Sommer fast<br />

ebenso heiß ist wie am Meer, es nachts aber deutlich<br />

stärker abkühlt, sodass hier im besonderen Maße die<br />

Säure in den Trauben erhalten bleibt und die Frucht<br />

ausgeprägt wird. Beim „Ettamiano“, jenem Primitivo,<br />

den der Gründer und Präsident der Cantine Angelo<br />

Maci nach seinem Großvater benannt hat, werden<br />

sowohl frische Trauben vergoren als auch solche,<br />

die im Appassimento-Verfahren spät gelesen und<br />

dann in den Kellern des Weinguts getrocknet wurden.<br />

Der Wein wird nach der Vergärung in Fässern aus<br />

französischer Eiche ausgebaut.<br />

Der „Ettamiano“ ist ein prachtvoller Primitivo, der<br />

sich farblich zwischen einem intensiven Rubin- und<br />

Scharlachrot bewegt. Im Duft finden sich saftige<br />

Kirschen, Brombeeren und Zwetschgen, aber auch<br />

Noten von Pflaumenkonfitüre mit etwas Zimt, Vanille<br />

und Schokolade. Dazu kommen dezente Noten von<br />

Rauch und leicht getoasteter Eiche. Am Gaumen ist<br />

das ein Top-Primitivo, der genau zeigt, warum dieses<br />

Weingut so erfolgreich ist. Der Wein ist opulent, weich,<br />

sinnlich und seidig, dabei aber perfekt balanciert<br />

und von einer wunderbaren Lebendigkeit und Klarheit.<br />

Die dunkle Frucht harmoniert mit dem Holz, den<br />

Gewürzen und mit Noten von leicht gerösteten Nüssen.<br />

Hier zeigt sich eine große Saftigkeit und Tiefe –<br />

das ist Cantine Due Palme pur: Sie bringen die Essenz<br />

apulischen Weins in die Flasche!<br />

Der Wein ist jetzt bis 2026+ mit Genuss zu trinken. Der<br />

„Ettamiano“ passt ganz wunderbar zu (naturalmente!)<br />

kräftigen Fleisch- bzw. Innereiengerichten. Wie wär’s mit<br />

„gnummareddi“, kleinen, sehr würzigen Rouladen aus<br />

Lammfleisch (nebst Leber, Herz, etc.) oder „muchiska“<br />

(einem lange geschmorten Eintopf mit Lamm- oder Ziegenfleisch,<br />

der mit üppig Peperoncini, Knoblauch und<br />

Fenchelsaat gewürzt wird)?<br />

49


ITALIEN APULIEN<br />

Due Palme<br />

„ SELVAROSSA“ DOP SALICE SALENTINO<br />

RISERVA, ROSSO 2017<br />

Der „Selvarossa“ ist ein Prachtstück und seit 30 Jahren<br />

der Spitzenwein der Cantine Due Palme!<br />

IPU010417 „Selvarossa“ DOP Salice Salentino Riserva, rosso 2017<br />

14,5% Vol. 21,20 €/l 15,90 €<br />

Die Winzer bezeichnen ihren „Selvarossa“ als „Symbol für die Exzellenz und<br />

die Essenz der Region Salento“. Darin schwingt der ganze Stolz mit, den die<br />

Mitglieder der Cantine Due Palme zu Rrecht in sich tragen, h. Haben sie<br />

sich doch im Laufe der letzten 30 Jahre – und so lange gibt es auch diesen<br />

Wein – unter der Leitung von Angelo Maci zu einer der besten Genossenschaften<br />

Italiens entwickelt und den Fortbestand vieler familiärer Weingutstrukturen<br />

gesichert. Der „Selvarossa“ ist gleichsam das Symbol dieser<br />

Arbeit, aber auch der Geschichte des Salento, in dem die Qualitätswein-<br />

Appellation Salice Salentino beheimtetbeheimatet ist. Diese Cuvée besteht<br />

aus zwei ursprünglichen Sorten der Region. Zu 15 % ist es die alte Sorte<br />

Malvasia Nera, zu 85 % der Negroamaro, von dem es heißt, dass es ihn dort<br />

schon seit 3.000 Jahren gebeiht, er also mit den Griechen gekommen sei.<br />

Das ist zwar möglich, doch man kann bis heute keinerlei DNS-Ähnlichkeiten<br />

zu griechischen Sorten feststellen – allerdings auch zu keiner italienischen<br />

Sorte, weshalb die Herkunft des Negroamaro im Dunkeln bleibt.<br />

Dunkel ist die Sorte ohnehin, und daher hat sie auch ihren Namen, denn<br />

das Schwarze ist für sie genauso typisch wie das Bittere. Doch verstehen<br />

Sie das Bittere nicht falsch, es handelt sich eher um eine herbe Note, wie<br />

man sie auch von süditalienischen amari wie beispielsweise dem „Averna“<br />

kennt. Die Malvasia Nera hingegen ist für ihre Eleganz und ihren weichen,<br />

fruchtigen Charakter bekannt. Beide Rebsorten werden im Alberello-Stil<br />

auf den roten, also von Eisenoxid durchsetzten Lehmböden angebaut und<br />

von Hand in Kisten geerntet; einige werden anschließend in den Kellern im<br />

sogenannten Appassimento-Verfahren getrocknet, um den Zucker und die<br />

Aromen zu konzentrieren und die Struktur zu verbessern. Der „Selvarossa“<br />

wird nach der Gärung für neun Monate in Barriques aus französischer Eiche<br />

ausgebaut, bevor er schließlich auf der Flasche weiterreift.<br />

Der intensiv rubinrote und leicht purpurfarben schimmernde Wein wirkt<br />

sehr großzügig und einladend mit viel reifer und dunkler Frucht von Brombeeren,<br />

Pflaumen und Blaubeeren, mit Kirschkonfitüre, Datteln und Gewürzen<br />

wie Süßholz, Zimt und Vanille. Dazu kommt ein eleganter Ton vom<br />

Eichenholz, den man auch am Gaumen wiederfindet und der sich dort mit<br />

Röstnoten verbindet. Auch hier wirkt die Frucht reif und konzentriert mit<br />

Extraktsüße und seidigweichenseidenweichen Tanninen, einem vollen Körper<br />

und genau dem notwenigen Quantum Säure und Frische: Ein Wein des<br />

Südens wie aus dem Bilderbuch.<br />

Genießen Sie ihn leicht gekühlt bei ca. 16 °C ab sofort bis 2028. Der „Selvarossa“<br />

nimmt es mit fast jedem Gericht auf, die Standardempfehlung für Negroamaro<br />

(bzw. Primitivo) selbst in gehobensten Kreisen (so etwa im Londoner<br />

Weinclub „67 Pall Mall“) ist Pizza (ganz gleich wie würzig oder scharf der<br />

Belag) und Fast Food im Allgemeinen, Burger im Besonderen. Wir empfehlen<br />

einen (nicht ganz so regionaltypischen) Wildschweinburger mit Zwiebel-Balsamico-Confit<br />

und üppig Käse, und zwar eine (lokalpatriotisch-apulische)<br />

Mischung aus Cacciocavallo und Pallone di Gravina. Bei Lichte betrachtet<br />

wäre ein Blauschimmelkäse auch ganz göttlich – auch wenn Apulien keinen<br />

produziert. Daher: Gorgonzola oder Castelmagno!<br />

50 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Due Palme<br />

APULIEN ITALIEN<br />

51


ITALIEN TOSKANA<br />

Riecine<br />

RIECINE<br />

GAIOLE IN CHIANTI<br />

Die gloreichen Sechs: Das Team um<br />

Weinmacher Carlo Ferrini<br />

Ein mythischer Name aus einer der<br />

magischsten Kulturlandschaften der Welt<br />

verzaubert mit biologisch angebauten<br />

Chiantis voller Noblesse!<br />

2021: „Kollektion des Jahres – Toskana“ bei Wein.Plus!<br />

„Die Weine von Riecine sind immer ziemlich kraftvoll, zumeist gleichzeitig aber derart betörend<br />

saftig, frisch und beinahe feingliedrig, dass man ihnen schon in ihrer Jugend kaum widerstehen<br />

kann. Das gilt schon für den Basis-Chianti, doch erst recht für die drei Top-Cuvées. Die 2016er<br />

Versionen sind schlichtweg allesamt umwerfend.“ – Marco Hofschuster<br />

Laue Abende in der Toskana verführen zum Träumen: Mit<br />

allen Sinnen saugen wir bei jeder neuen Winzerreise den<br />

berauschenden Geruch des Herbstes ein und genießen<br />

den Chianti mit guten Freunden. Ja, dieser Wein ist die Seele<br />

der Toskana. Es sind Herzblutweine, deren Stilistik jedoch in<br />

den letzten drei Jahrzehnten erheblichen Veränderungen unterworfen<br />

war! Inwiefern? Nun, nach den vielen dünnen, sauren<br />

Weinchen der 1980er-Jahre wurden und werden heute mit<br />

hohem kellertechnischen Aufwand viel zu viele fette, in ihrer<br />

Stilistik austauschbare Marmeladenweine aus internationalen<br />

Rebsorten produziert: Rubens trifft Schwarzenegger. Wahre<br />

Toskana-Liebhaber haben jedoch einfach keine Lust, diese<br />

barriquegeschwängerten „Monstertropfen“ zu trinken, die vor<br />

schierer Kraft kaum zu laufen, geschweige denn grazil im Glase<br />

zu stehen vermögen! Aber es gab und gibt die rühmlichen<br />

Ausnahmen in der Toskana: Handwerklich, in größter Achtung<br />

vor der Natur vinifizierte Sangiovese-Weine (die autochthone<br />

Urrebe der Region), vibrierend lebendige Geschöpfe voller<br />

Individualität – und somit das genaue Gegenteil eines in industrieller<br />

Massenproduktion gefertigten, immer gleich schmeckenden<br />

„Coca-Cola-Produkts“!<br />

52 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Riecine<br />

TOSKANA ITALIEN<br />

„DIE REFERENZ<br />

DER TOSKANA!“<br />

Eine dieser leider so raren Trouvaillen, die immer wieder viel zu<br />

schnell ausverkauft sind, können wir Ihnen heute mit heißem<br />

Herzen anempfehlen, denn die neuen Jahrgänge sind frisch<br />

eingetroffen: Das Weingut Riecine aus Gaiole in Chianti ist in<br />

jeder Hinsicht eine Perle und einer der strahlenden Fixsterne<br />

von bella Italia und nimmt in stilistischer Hinsicht eine absolute<br />

Ausnahmestellung ein. Seine Weine sind so betörend anders<br />

– schwebenden Wesen ähnlich, in unverfälschter, höchst authentischer<br />

toskanischer Weintradition! Diese Inkarnation von<br />

burgundischer Feinheit in Duft und Textur bildet den Gegenpol<br />

zu den unzähligen austauschbaren Technoweinen, die heute<br />

den Markt überschwemmen.<br />

schaften des Terroirs im Wein. Unserer Meinung nach hätte<br />

diese Auszeichnung keinem Würdigeren zuteilwerden können<br />

– bravo, bravissimo!<br />

Das Resultat von Andreas liebevoller Arbeit sind denn auch<br />

absolut geschliffene Sangiovese-Delikatessen – völlig frei von<br />

modischen überreifen Aromen, fetter Frucht oder gar trockenen<br />

Tanninen. Handwerkliche Sangiovese-Weine voller Eleganz<br />

statt holzüberladener Supertuscans aus internationalen Modesorten!<br />

Diese urigen, authentischen Weine aus dem Chianti<br />

gehen schlicht unter die Haut! Sie beschwören die Magie ihrer<br />

Herkunft, sie rufen wehmütige Erinnerungen an laue Sommerabende<br />

unter toskanischem Himmel und das unbeschreiblich<br />

schöne fahle Licht in der Abenddämmerung wach, sie sind<br />

von burgundischer Textur und außerordentlich vielschichtig in<br />

ihrem faszinierenden Duft: Gänsehautatmosphäre! Die Sehnsucht<br />

nach solch ursprünglichen, unverwechselbaren, authentischen<br />

Weinen zu fairen Preisen und nach dem prallen Leben in<br />

mediterranem Ambiente lodert im Herzen eines jeden echten<br />

Toskanafans. Diese originären Chianti wagen avantgardistische<br />

Tradition, besitzen Charisma und unverfälschten Herkunftscharakter:<br />

Sie sind die Essenz der Toskana, ihr pochendes Herz!<br />

Die magischen Weine von Riecine gehören schlicht zu den<br />

größten Weinen Italiens. Und werden dementsprechend von<br />

der internationalen Fachpresse begeistert gefeiert!<br />

ORIGINÄRES CHIANTI, WIE ES NOBLER UND<br />

UNVERFÄLSCHTER NICHT SEIN KANN!<br />

Kein Zweifel: „Riecine“ ist in den knapp vier Jahrzehnten seines<br />

Bestehens zur Legende geworden. Und vor allem ein Mann ist<br />

dafür verantwortlich: Sean O’Callaghan („Saint Sean“, Schutzpatron<br />

des Sangiovese) führte dieses toskanische Kleinod an die<br />

absolute Spitze der Region und machte es zu einem der besten<br />

Weingüter ganz Italiens! Die konsequente Hinwendung zum<br />

zertifizierten biologischen Anbau war dabei nur noch das letzte<br />

Tüpfelchen auf einem steilen Erfolgsweg, dessen Credo stets die<br />

höchstmögliche Qualität im Glase war, vinifiziert aus der autochthonen<br />

Rebsorte der Toskana! In seine Fußstapfen trat dann<br />

Carlo Ferrini, der Seans Erbe behutsam weiterentwickelt. Seit<br />

2016 leitet der 1984 geborene Önologe Alessandro Campatelli<br />

als winemaker (er ist sowohl für die Weinberge als auch den<br />

Keller verantwortlich), der nach seinen Intermezzi bei Kendall-<br />

Jackson, Monteverro und der Tenuta di Trinoro den Weg zu<br />

Riecine fand. Ein Glücksfall für alle Beteiligten und eine vorausschauende<br />

Investition in die Zukunft des Weinguts, die jüngst<br />

mit einem der renommiertesten Preise, den Italiens Weinwelt zu<br />

vergeben hat, geadelt wurde: Alessandro Campatelli wurde mit<br />

dem premio „Giulio Gambelli“ ausgezeichnet, eine Hommage<br />

an den 2012 verstorbenen maestro del Sangiovese mit der jährlich<br />

ein junger Önologe oder Winzer geehrt wird, der dem Weg des<br />

„fare il vino“ Giulio Gambellis, am nächsten kommt. Das heißt<br />

maximaler Respekt vor der Traube und die „Verherrlichung“ der<br />

Rebsorte (natürlich Sangiovese), des Jahrgangs und der Eigen-<br />

53


ITALIEN TOSKANA<br />

Riecine<br />

„PALMINA ROSÉ“ IGT TOSCANA, ROSATO 2021 (BIO)<br />

Ungewöhnlich, weil ungewöhnlich großartiger Rosé von über 45-jährigen Reben!<br />

ITO040421 „Palmina Rosé“ IGT Toscana, rosato 2021 PK 13,5% Vol. 21,26 €/l 15,95 €<br />

IT-BIO-006<br />

Man muss schon ganz schön verrückt sein, um uralte<br />

Reben von mehr als 45 Jahren für die Produktion eines<br />

Roséweins zu verwenden. Zumindest in der Toskana –<br />

denn Tradition hat es keine. Oder man ist eben Visionär.<br />

Dieser Rosé sprengt mehr als nur etwas den Rahmen<br />

des Üblichen, bewegt er sich doch in Sphären,<br />

die fruchtbetont-blumige Vertretern dieser Weinspezies,<br />

die oftmals nur als einfache Durstlöscher herhalten<br />

(müssen), niemals erreichen. Ein Rosé wie von<br />

einem (doch, doch!) anderen Planeten – kein banales<br />

Erfrischungsgetränk, sondern ein höchst seriöser,<br />

anspruchsvoller und individueller Wein, zu 100 % aus<br />

der Rebsorte Sangiovese gekeltert.<br />

Dieser kräftige, etwas aperol-orangefarbene vino<br />

rosato duftet fein rotbeerig und nach Sauerkirschen,<br />

Mandarinen und Rosen. Unterlegt wird er dabei von<br />

einer zart hefigen Note, die bereits andeutet, dass wir<br />

es hier nicht mit einem Gletschereis-Rosé zu tun haben,<br />

sondern mit einem ernstzunehmendem Wein, der<br />

schon fast so etwas wie eine „burgundische“ Balance<br />

besitzt. Er ist angenehm trocken, am Gaumen mineralisch.<br />

Die Frucht bleibt im Hintergrund, Maraschino-Kirschen<br />

und Zitronen schweben hier mit. Viel spannender<br />

ist aber die seidige und kräftige Struktur des „Palmina“,<br />

der eine unaufdringliche Grandezza verströmt. Das<br />

ist ein herrlich „nonkonformer“, in vielerlei Hinsicht<br />

einnehmend unkonventioneller Rosé, der im Grunde<br />

viel zu schön ist, um ihn „lediglich“ auf der Terrasse<br />

zu schlürfen.<br />

Gewiss darf Riecines „Sommerwein“ (für uns eindeutig<br />

ein „Alljahreswein“!) zu unseren anspruchsvollsten<br />

Rosés gezählt werden. Mit seiner würzig frischen<br />

und fruchtmilden Aromatik, der kräftigen Struktur<br />

und zarthefigen Aromatik hebt er sich ab vom reinen<br />

Muntermacher. Leider wird dieses Unikat nur in homöopathischen<br />

Mengen produziert, sodass ihn die<br />

Weinöffentlichkeit kaum wahrnimmt, er dann aber<br />

meist schon ausverkauft und getrunken ist, bevor die<br />

klassische Rosé-Saison überhaupt begonnen hat. Nach<br />

wie vor ein Geheimtipp, auch wenn ihn einige unserer<br />

treuen und begeisterten Kunden sicherlich schon<br />

jahrelang – seinerzeit noch nicht als „Palmina“, sondern<br />

„For Jasper“ etikettiert – kennen und lieben.<br />

Ab sofort und sicherlich noch bis 2024+.<br />

54 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Riecine<br />

TOSKANA ITALIEN<br />

„BIANCO DI RIECINE“ IGT TOSCANA, BIANCO 2020<br />

Riecines jüngster Streich: Trebbiano Toscano aus der Amphore!<br />

ITO040920 „Bianco di Riecine“ IGT Toscana, bianco 2020 12,5% Vol. 52,00 €/l 39,00 €<br />

„Es gibt nur wenige Rebsorten in Italien, die zu Recht<br />

einen schlechteren Ruf genießen als der Trebbiano<br />

Toscano, der seit jeher mit der Erzeugung von neutralen,<br />

faden Weißweinen, die nicht reifen, oder glanzlosen<br />

Chianti in Verbindung gebracht wird.“ schreibt Ian<br />

d’Agata („The Native Grapes of Italy“). Das ist harsch.<br />

Und sicherlich richtig. Aber eben auch nicht alles.<br />

Trebbiano Toscano (in Frankreich kennt man die Sorte<br />

als Ugni Blanc, allerdings wird größtenteils Cognac<br />

daraus gemacht – man weiß warum …) mag zwar auf<br />

dem Papier eine aromatisch „schmale“, sehr säurebetonte<br />

Rebsorte sein, ist aber der Garant für Präsenz<br />

und Lebendigkeit eines guten vin santo (auch wenn<br />

sich viele Winzer zusätzlich mit einem gehörigen<br />

Quantum an Malvasia Bianca Lunga behelfen). Und<br />

sobald die Trauben einmal spät oder zumindest später<br />

gelesen werden – „diese widerstandsfähige, säurebetonte<br />

Traube steckt späte Ernten mit einem Lächeln<br />

weg.“ (Ian d’Agata) – eröffnet sich in aromatischer Hinsicht<br />

ein bemerkenswertes Panorama.<br />

Die für den „Bianco de Riecine“ im September gelesenen<br />

Trebbiano-Toscano-Trauben stammen von im<br />

Schnitt etwa 25-jährigen Reben, die auf 450 bis 500<br />

Metern Höhe auf kalk- und lehmhaltigen Böden wurzeln.<br />

Sie werden zur Gärung in cocciopesto-Amphoren<br />

(ein Luftkalkmörtel, dem zusätzlich zum Sand oder<br />

stattdessen feine Tonscherben bzw. feiner Ziegelsplitt<br />

mit Ziegelmehlanteilen beigemischt werden) gegeben<br />

und mazerieren dort bis November. Dann wird ein<br />

Teil des Weins in neue tonneaux aus französischer<br />

Eiche umgefüllt, der andere in der Amphore belassen,<br />

wo er mit etwa 50 % der Schalen weiterhin<br />

mazeriert. Im März des Folgejahres entsteht<br />

dann die endgültige Cuvée in der Amphore, der<br />

fertige 2020er kam im Dezember auf die Flasche.<br />

Um es kurz zu machen: Riecines stroh- bis fast dunkelgelber<br />

„Bianco“ ist ein ganz wunderbar süffigergriffiger<br />

Stoff! Im Glas zeigt er sich nach einer Weile<br />

durchaus zunächst von seiner „natural“-Seite (mürbe<br />

reife gelbe zum Teil getrocknete Äpfel, Birnen, Zitronenabrieb<br />

inklusive weiße Innenschale, dazu ein<br />

Hauch Bienenwachs, Zeder, ein gewisse Kreidigkeit<br />

und Anflüge von „dunklem“ Cidre bzw. Poiré), dabei<br />

ungemein einnehmend (flüchtige Säure ist hier kein<br />

Thema!). Am Gaumen dann anregend tonisch, sehr<br />

fein, sehr fruchtig-saftig (die Träubchen wie mit den<br />

Salzkristallen durchsetzt) und mit einer hellen, nicht<br />

erdrückend präsenten Säure und einer fabelhaften<br />

Struktur (der subtile tannische grip tut ein Übriges,<br />

die Kombination aus Amphore und neuem Holz wirkt<br />

Wunder) und Länge gesegnet. Ein für toskanische<br />

Verhältnisse mehr als ungewöhnlicher Wein, den<br />

wir, weil auch ungewöhnlich gut, sofort ins Herz geschlossen<br />

haben!<br />

Ab sofort und sicherlich noch bis 2024+.<br />

CHIANTI CLASSICO DOCG, ROSSO 2020<br />

Ein Referenzwein des Chianti Classico!<br />

ITO040120 Chianti Classico DOCG, rosso 2020 13% Vol. 26,53 €/l 19,90 €<br />

ITO040120M Chianti Classico DOCG, rosso 2020 MAGNUM 13% Vol. 32,00 €/l 48,00 €<br />

Wenn es nach uns ginge, dann sollte jedes im Herzen<br />

der Toskana gelegene Weingut an seinem Chianti<br />

Classico gemessen werden. Und wenn wir dies beim<br />

längst zum Kult gewordenen Weingut Riecine tun,<br />

dann können wir nur sagen: Die Messlatte liegt außerordentlich<br />

hoch.<br />

Man kann den „Chianti Classico“ aus dem 450 bis<br />

500 Meter hoch gelegenen, biologisch organisch bewirtschafteten<br />

Weinberg in Gaiole nur als meisterlich<br />

bezeichnen. Dieser reinsortige Sangiovese wurde<br />

Ende September und Anfang Oktober 2020 von Hand<br />

gelesen, sortiert und nach Parzellen in Nomblot-<br />

Fermentern vergoren. Die Mazeration dauerte rund<br />

zehn Tage, danach wurde langsam abgepresst und der<br />

Wein über 13 Monate hinweg in gebrauchten tonneaux<br />

und großen Fudern unter der Leitung des Önologen<br />

Carlo Ferrini ausgebaut.<br />

Der granatrote Chianti Classico duftet so sinnlich<br />

und verführerisch, dass man das Glas gar nicht wieder<br />

abstellen möchte. Süße Kirschen, gehüllt in flüssige<br />

Schokolade, ein wenig Marzipan und Leder, Unterholz<br />

und Blüten charakterisieren den Wein im Duft. Am<br />

Gaumen liefert er ein feines Korsett an reifem, aber<br />

für Sangiovese typisch markantem Tannin und eine die<br />

Frucht durchdringende lebendige Säure. Der Wein hat<br />

sehr viel Energie wie auch Frische und zeigt sich am<br />

Gaumen mit grip und Biss. Das ist einfach gut und sehr<br />

typisch. Bravo!<br />

Diesen Wein kann man schon jetzt und sicher bis 2035<br />

und länger genießen.<br />

55


ITALIEN TOSKANA<br />

Riecine<br />

CHIANTI CLASSICO RISERVA DOCG, ROSSO 2019<br />

Fulminante „Riserva“ – hier übertrifft sich Riecine selbst! Auslieferung ab 10. März 2022<br />

ITO040219 Chianti Classico Riserva DOCG, rosso 2019 14,0% Vol. 39,86 €/l 29,90 €<br />

ITO040219M Chianti Classico Riserva DOCG, rosso 2019 MAG 14,0% Vol. 43,33 €/l 65,00 €<br />

In diesem Jahr feiern sowohl Riecine als auch der unweit<br />

des Weinguts in Gaiole gelegene Weinberg ihren<br />

50. Geburtstag. 1971 wurde es vom inzwischen verstorbenen<br />

Briten John Dunkley gegründet, die Reben<br />

wurden auf dem Hausweinberg Gittori gepflanzt, und<br />

sieben Jahre später wurde bereits sein allererster Wein<br />

ein Erfolg. Mittlerweile handelt es sich bei den Reben<br />

dieser 450 bis 500 Meter hoch gelegenen, nach Süden<br />

ausgerichteten Terrassenanlage um vecchie viti, um<br />

alte Reben, die auf dem zum Kult-Weingut avancierten<br />

Riecine auch 2019 für Traumstoff sorgen. Verantwortlich<br />

dafür ist seit einigen Jahren das Trio Alessandro<br />

Campatelli als Gutsverwalter, Ilda Roci, der den<br />

kompletten Weinbau- und die Vinifikation verantwortet,<br />

sowie Carlo Ferrini, der schon einmal als junger,<br />

noch unbekannter Önologe für Riecine gearbeitet hat,<br />

dann zu einem der Top-Önologen Italiens aufgestiegen<br />

ist und nun, nach dem Weggang des langjährigen<br />

Masterminds Sean O’Callaghan, wieder beteiligt werden<br />

konnte. Das Triumvirat hat das Ziel, die überaus<br />

erfolgreiche Stilistik Riecines in voller Schönheit zu erhalten<br />

und noch ein wenig weiter zu steigern. Dabei<br />

helfen ihnen natürlich die alten Reben, die mittlerweile<br />

bio-zertifiziert bewirtschaftet werden – auch wenn<br />

das auf den Etiketten gar nicht vermerkt ist. Für das<br />

Team von Riecine ist die Außenwirkung der Bio-Zertifizierung<br />

nicht entscheidend, sondern das, was sich<br />

tatsächlich im Weinberg verändert hat. Und damit<br />

kann man nur zufrieden sein.<br />

Das beste Beispiel dafür ist die Entwicklung des Chianti<br />

Classico Riserva, der uns auch aus dem gerade lancierten<br />

Jahrgang 2019 wieder einmal ungemein gut gefällt!<br />

Wie schon beim Vorgänger gibt es viel zu bewundern,<br />

er wirkt kraftvoll und (nicht zu) reif, lässt es dabei<br />

aber nicht an Subtilität, Finesse oder Eleganz missen.<br />

Ferrini und Roci machen nichts anderes, als die Essenz<br />

alter Sangiovese-Reben in Flaschen zu füllen und<br />

die Frische und Kraft eines Chianti Classico auf den<br />

Punkt zu bringen. Die Sangiovese-Trauben wurden<br />

Ende September bis in den Oktober hinein in mehreren<br />

Durchgängen gelesen, auf Rütteltischen nochmals<br />

selektiert, dann angequetscht und in State-of-the-Art<br />

Nomblot-Fermentern über 15 Tage hinweg vergoren.<br />

Danach erfolgte ein Ausbau über 22 Monate hinweg in<br />

großen Grenier-Fudern.<br />

Das Bouquet verbindet Frucht, Gewürze und erdige<br />

Noten. Im Auftakt dominieren süße Schwarzkirschen,<br />

Holunder, Brombeeren und Himbeeren. Dann fließen<br />

Noten von Marzipan und Kakao mit ein, Unterholz<br />

und Waldboden, zarte Noten Leder und Rosen sowie<br />

Thymian. Ein Offenbraung und eine Riserva wie aus<br />

dem Bilderbuch. Gerade wenn man sie mit dem Chianti<br />

Classico vergleicht, wird deutlich, dass es sich hier um<br />

eine dichtere, voluminösere aber auch noch elegantere<br />

Variante handelt, die nur unwesentlich kräftiger,<br />

dafür umso facettenreicher und komplexer wirkt. Ein<br />

wunderbarer Wein in dessen Finesse, kühle Ader, sein<br />

überaus charmantes Tannin und die noble schwarze<br />

Kirschfrucht nebst Maulbeere mit dem Hauch von<br />

Süße und lebendiger Mineralität wir uns regelrecht<br />

verliebt haben!<br />

Ab sofort (etwas Luft sollte man ihm gönnen) und bis sicherlich<br />

bis 2036 und länger zu genießen.<br />

56 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Riecine<br />

TOSKANA ITALIEN<br />

94 Punkte<br />

FALSTAFF<br />

„LA GIOIA“ IGT TOSCANA, ROSSO 2017<br />

Burgundisch anmutender Super-Toskaner<br />

ITO040317 „La Gioia“ IGT Toscana, rosso 2017 14% Vol. 65,33 €/l 49,00 €<br />

Ganz ohne Zweifel beherrscht Riecine eine nur selten<br />

gesehene Meisterschaft im Umgang mit dem Sangiovese.<br />

Vom Rosé über den Chianti bis hin zu den beiden<br />

Ikonen „Riecine di Riecine“ und „La Gioia“ zeigt das<br />

Team von Alessandro Campatelli (Gutsverwalter), Ilda<br />

Roci (Weinbau und Vinifikation) sowie Carlo Ferrini<br />

(beratender Önologe) die ganze Bandbreite von Italiens<br />

wichtigster roter Rebsorte. „La Gioia“ kommt<br />

dabei ganz eindeutig die Rolle des „Super-Tuscans“ zu,<br />

auch wenn hier keinerlei französische Rebsorten mit<br />

im Spiel sind. Doch die Reife der Trauben und der Ausbau<br />

über 30 Monate in neuen zwei- und dreijährigen<br />

tonneaux gibt dem Sangiovese viel Kraft, Druck und<br />

Expressivität mit auf den Weg.<br />

Und daher tritt der „La Gioia“ ausgesprochen selbstbewusst<br />

auf. Hier geht es schon in den Anfangsjahren<br />

um la gioia, die Freude. So verbindet sich das zweifellos<br />

spürbare Holz bereits im Duft mit reifen dunklen<br />

Früchten wie Schwarzkirschen, Brombeeren und<br />

Pflaumen, Granatapfel und Erdbeer-Konfitüre. Die<br />

Frucht wird begleitet von Tabak und Thymian, Leder<br />

und schwarzem Kardamom, trockenem Holz und zerstoßener<br />

Lavaerde. Am Gaumen zeigt sich die für das<br />

Weingut so typisch gewordene Energie und vibrierende<br />

Mineralität in Verbindung mit einer reifen, aber<br />

frischen und saftigen Frucht. Das Holz ist exzellent<br />

eingebunden und liefert viel Struktur. Der Sangiovese<br />

zeigt sich mit Muskeln, mit lebendiger Säure und feiner<br />

Würze, klar, linear und geschliffen.<br />

Der Sangiovese dürfte seinen Höhepunkt ca. 2026 erreichen<br />

und sich bis 2038 weiterentwickeln.<br />

57


ITALIEN TOSKANA<br />

Riecine<br />

„RIECINE DI RIECINE“ IGT TOSCANA, ROSSO 2018<br />

Einer der elegantesten Sangiovese der Toskana!<br />

ITO040618 „Riecine di Riecine“ IGT Toscana, rosso 2018 14% Vol. 78,66 €/l 59,00 €<br />

ITO040618M „Riecine di Riecine“ IGT Toscana, rosso 2018 MAG 14% Vol. 83,33 €/l 125,00 €<br />

Es ist natürlich kein Zufall, dass der „Riecine di Riecine“<br />

im Gegensatz zum klassischen „Chianti“ oder dem „La<br />

Gioia“ in Burgunderflaschen gefüllt wird. Die Flaschenform<br />

verweist auf den Anspruch, der an diesen Wein gestellt<br />

wird. Die Auswahl der Sangiovesetrauben und die<br />

Art der Vergärung und des Ausbaus machen aus diesem<br />

Toskaner einen burgundischen Toskaner, der für eine<br />

Eleganz und Vielschichtigkeit, für eine Anmut und einen<br />

Charme steht, wie man es von Weinen aus dem Burgund<br />

und unserer Meinung nach vor allem aus Chambolle-Musigny<br />

kennt. Das Dreier-Team, bestehend aus<br />

Alessandro Campatelli als Gutsverwalter, Ilda Roci, der<br />

den kompletten Weinbau und die Vinifikation verantwortet,<br />

sowie Carlo Ferrini, der schon einmal als junger,<br />

noch unbekannter Önologe für Riecine gearbeitet<br />

hat, dann zu einem der Top-Önologen Italiens aufgestiegen<br />

ist, um nun zurückzukehren, schafft hier etwas<br />

ganz Besonderes. Der Sangiovese wurde im Oktober<br />

2018 gelesen, leicht angequetscht, in Nomblot-Beton-<br />

Fermentern langsam über fast 30 Tage hinweg vergoren,<br />

um dann in Nomblot-Betoneiern über sechs Monate<br />

hinweg ausgebaut zu werden. Das Besondere an<br />

diesen Eiern ist einerseits die einzigartige Form der<br />

Mikrooxidation, die der Wein durchläuft, und andererseits,<br />

dass der Wein durch die Eiform immer in Schwingung<br />

bleibt.<br />

Das Ergebnis ist auch 2018 wieder begeisternd. Der<br />

„Riecine di Riecine“ duftet angenehm kräuterwürzig<br />

nach Noten von Preiselbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren<br />

und getrockneten Kirschen. Dazu kommen<br />

Lorbeer, Wacholder und Rosmarin, Tabak und etwas<br />

Leder. Am Gaumen zeigt der Wein seine Kraft und seine<br />

Eleganz. Das ist purer Sangiovese mit viel Anmut und<br />

Charme, vor allem aber mit einer kräftigen und präsenten<br />

Säure, die aber exzellent eingebunden ist und den<br />

Wein jetzt und viele weitere Jahre tragen wird. Auch<br />

hier findet man das Wechselspiel von Wildkräutern<br />

und wilden Beeren, aber trotz der Wildheit der Aromen<br />

wirkt der Wein burgundisch elegant sowie finessenreich<br />

und trotz der Kraft linear sowie präzise, dabei lang und<br />

tief mit einer lebendigen Mineralik im Finale. Ein enorm<br />

eigenständiges Meisterwerk!<br />

Höhepunkt ab etwa 2026, dann sicherlich 2035+.<br />

„TRESETTE“ MERLOT IGT TOSCANA, ROSSO 2017<br />

Zweiter Jahrgang dieses Spitzen-Merlots von einer kleinen alten Parzelle in Höhenlage!<br />

ITO040817 „TreSette“ Merlot IGT Toscana, rosso 2017 14,5% Vol. 105,33 €/l 79,00 €<br />

Die Grande Dame unter den Masters of Wine, Jancis<br />

Robinson, hat einmal über Carlo Ferrini, einen der<br />

bedeutendsten Önologen Italiens geschrieben: „Mr.<br />

Merlot becomes Sr. Eleganza.“ Carlo Ferrini mag diese<br />

Bordelaiser Rebsorte tatsächlich besonders gerne, er<br />

war mit dafür verantwortlich, dass auf Riecine ein wenig<br />

Merlot gepflanzt wurde, als er das erste Mal in jungen<br />

Jahren für das Weingut tätig war, und er ist vor einigen<br />

Jahren nach dem Weggang von Sean O’Callaghan<br />

zurückgekehrt. Der Merlot trägt mittlerweile den Zusatz<br />

„alte Reben“. Er steht in einer 0,7-Hektar-Parzelle<br />

auf 480 Metern Höhe. Früher wurde ein wenig vom<br />

Merlot dem „La Gioia“ wie auch dem „Riecine di<br />

Riecine“ beigegeben, was man heute nicht mehr tut.<br />

Stattdessen ist der „TreSette“ entstanden. Es ist ein<br />

reinsortiger Merlot, dessen Name „777“ auf ein bekanntes<br />

italienischen Kartenspiel verweist, aber noch mehr<br />

auf die drei 700-Liter-Fässer, in denen der Merlot über<br />

20 Monate hinweg ausgebaut wird. Diese Ausbauart<br />

sorgt für einen klaren Holzabdruck im „TreSette“, der<br />

von allen Weinen des Weinguts am modernsten erscheint.<br />

Der tief rubinrote Merlot offenbart Noten von<br />

süß wirkender Vanille und getoastetem Holz in Verbindung<br />

mit einer reifen roten Pflaumenwürze und einem<br />

Hauch von Nelken. Jetzt, am Anfang der Entwicklung,<br />

braucht der „TreSette“ viel Luft, um sich zu öffnen.<br />

Geben Sie ihm mehrere Stunden! Dann bindet sich das<br />

Holz auch am Gaumen zunehmend in die dunkle Frucht<br />

von reifen Pflaumen, Süßkirschen und Brombeeren<br />

sowie die Aromen von Süßholz und Pfeifentabak ein.<br />

Die Frucht wird hier von einer reifen Säure durchzogen<br />

und verbindet sich mit einem sehr eleganten und<br />

feingliedrigen Tannin, das dem Merlot schon jetzt eine<br />

beeindruckende Eleganz beschert und den Wein in ein<br />

langes saftiges und feinwürziges Finale begleitet.<br />

Dürfte seinen Höhepunkt etwa 2026 erreichen und sich<br />

bis 2037+ weiterentwickeln.<br />

58 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Riecine<br />

TOSKANA ITALIEN<br />

94<br />

Punkte<br />

Suckling<br />

59


SPANIEN BIERZO<br />

Verónica Ortega<br />

VERÓNICA<br />

ORTEGA<br />

VILLAFRANCA DEL BIERZO<br />

Magischer Mencía: In der Liste der „Top 100 Wine Discoveries<br />

2020“ des Wine Advocate war Verónica Ortega als eine von<br />

zwölf (!) Entdeckungen aus Spanien mit ihrem „Cobrana“ 2018<br />

gelistet, der jüngste Jahrgang ist nun eingetroffen und wieder<br />

hat sich Parker-Verkoster Luis Gutiérrez nicht lumpen lassen<br />

und satte 95 Punkte vergeben.<br />

Wie auch für den grandiosen Mencía „ROC“ Noch besser hat nur ihr magischer Godello „CAL“<br />

abgeschnitten (der auch für Tim Atkin zu den „allerbesten Weißen Spaniens“ zählt): 96 Punkte für<br />

den vermutlich letzten Jahrgang dieser Weinlegende! Aber was zählt, sind nicht die Punkte,<br />

was zählt, sind die Weine – und die sind zutiefst berührend!<br />

Verónica Ortega studierte zunächst im südspanischen<br />

Cádiz, ihrem Geburtsort, Önologie, nach Stationen in<br />

Neuseeland und Südafrika „verschlug“ es sie ins Priorat,<br />

zu einem Winzer, der einst aus der Rioja auszog, um die Weinwelt<br />

das Fürchten zu lehren: Álvaro Palacios. Über ihn knüpfte<br />

sie den Kontakt zu einem gar nicht so unbekannten Weingut<br />

in Frankreich, das von Vinophilen gemeinhin mit der Buchstabenfolge<br />

„DRC“ abgekürzt wird, die Domaine de la Romanée-<br />

Conti, wo sie ein Jahr lebte und arbeitete. Vom Wunsch beseelt<br />

und befeuert, es ihren großen Vorbildern gleichzutun, emotional<br />

zutiefst berührende Weine mit magischer Ausstrahlung zu<br />

vinifizieren, begann ihre Suche nach einen geeigneten Ort in<br />

ihrem Heimatland. Über den genialen Rául Pérez kommt sie<br />

mit dem Bierzo und seinen Weinen in Berührung, und hier<br />

wird sie fündig.<br />

Das kleine, wildromantische, hügelige Anbaugebiet liegt in der<br />

kühlen Nordwestecke Spaniens – ideale mikroklimatischen Bedingungen.<br />

Diese gesegnete zwischen 400 und 1000 Metern<br />

60 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Verónica Ortega<br />

BIERZO SPANIEN<br />

Und hier beginnt 2010 auch Verónica Ortegas Geschichte mit<br />

einer kleinen, extrem limitierten Produktion. Sie beweist sehr<br />

bald, dass Mencía im Konzert der großen Rotweinreben der Welt<br />

eine erste Geige spielen kann, insbesondere, da sie stilistisch<br />

durchaus an Pinot Noir erinnert – wenn entsprechend vinifiziert!<br />

Ihr Ziel ist es hier feine, elegante Rotweine zu produzieren,<br />

so wie sie es in Burgund (und auch an der nördlichen<br />

Rhône) gelernt hat. Keine massiven, überalkoholisierten mediterranen<br />

Weine, deren südliches Feuer genug sämtliche<br />

Finesse verzehrt. Nein, Burgund ist ihr Ideal. Nicht als bloße<br />

Kopie (was ohnehin nie zur Debatte stand); aber die Vorzüge,<br />

die stilistischen Möglichkeiten beider Anbaugebiete will<br />

sie schon vereinen, Rotweine mit Kraft, innerer Dichte und<br />

Eleganz vinifizieren. Der Einfluss des kühlenden Atlantiks und<br />

das wunderbare Alter ihrer 80- bis hundertjährigen Reben spielen<br />

ihr in die Hände, dazu noch vermag sie den Weinen ihren ureigenen<br />

Stempel aufzudrücken. Und enthusiastisch geht sie<br />

ans Werk. Mit großer Sensibilität verbessert sie die Struktur<br />

der Weinberge, schafft lebende Böden mit einer Vielzahl von<br />

Mikroorganismen und baut die Weine so umsichtig wie<br />

gekonnt aus – als One-Woman-Show!<br />

Das Ergebnis sind phänomenal schöne Rot- und (mittlerweile!)<br />

Weißweine mit einer unglaublichen Balance und Energie! Schon<br />

die Qualität ihrer ersten Weine konnte man nur als spektakulär<br />

bezeichnen – a star was born! Und wir waren so begeistert,<br />

dass wir Veronica sofort exklusiv für den deutschen Markt<br />

verpflichteten – was ein Glück!<br />

Liebe Kunden: kaufen, kaufen, unbedingt kaufen! Die Weine<br />

sind schlichtweg einzigartig, und ihr Preis-Genuss-Verhältnis ist<br />

es auch! Von jetzt an und für immer: Lieblingsweine!<br />

Höhe gelegene Region besitzt ein enormes Potenzial, das noch<br />

lange nicht voll ausgeschöpft ist. Der atlantische Einfluss sorgt<br />

hier für eine lange Vegetationsperiode und eine komplexe Ausreifung<br />

der Trauben, die aufgrund der Höhenlage nicht bei<br />

heißen Temperaturen in der Sonne „braten“, sondern einem in<br />

aromatischer Hinsicht „kühlen“ Ideal entgegenreifen, dessen<br />

Komplexität durch die hohen Unterschiede von Tages- und<br />

Nachttemperaturen noch gesteigert wird. Als wichtigste Rebsorte<br />

wird hier nahezu ausschließlich die heimische Mencía<br />

angebaut, die es wie kaum eine andere Sorte versteht, Kraft<br />

und Energie mit Eleganz zu verbinden. Tiefe, Aroma, Finesse,<br />

Mineralität, Länge und ihre innere Harmonie verdanken die<br />

Weine einerseits den erstklassigen Schieferböden, andererseits<br />

der langsamen Reifung dieser autochthonen Rebsorte.<br />

Mencía (in Portugal heißt die Sorte „Jaen“ oder „Jaen du Dão“)<br />

stammt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus<br />

der Provinz Salamanca bzw. aus dem Bierzo (Provinz León),<br />

obschon die Rebsorte erst Ende des 19. Jahrhunderts nach<br />

der Phylloxera-Katastrophe erwähnt wird. Jüngste genetische<br />

Untersuchungen haben ergeben, dass die als in der zentralportugiesischen<br />

Region Dão heimisch angesehene Sorte Jaen<br />

mit Mencía identisch ist. Die Tatsache, dass Mencía in Spanien<br />

eine deutlich größere genetische Vielfalt als die Jaen-Reben<br />

im Dão aufweist, unterstreicht den spanischen Ursprung, die<br />

origin story dieser Rebsorte.<br />

61


SPANIEN BIERZO<br />

Verónica Ortega<br />

BIERZO – DIE NEUE KLASSIFIKATION<br />

Auch im Bierzo weiß man schon lange, was gut, was notwendig<br />

ist. Daher bedient man sich hier des burgundischen Stufenmodells,<br />

das man den Verhältnissen der noch jungen denominación<br />

de origen (DO-Status seit 1989) angepasst hat. Auf der<br />

untersten Stufe der Qualitätspyramide stehen die Weine, die<br />

„nur“ das DOP-Siegel „Bierzo“ tragen („Vinos de la Región“ – regionale<br />

Qualitätsweine), dann folgen die „Vinos de Villa“ (Dorf-,<br />

Gemeinde- oder Ortsweine, der klassische „Village“), darauf<br />

folgt, und das gibt es im Burgund nicht, der „Vino de Paraje“.<br />

Hierbei handelt es sich um eine spezifische Zone, ein lieu-dit<br />

oder eine Lage innerhalb einer Ortschaft oder Gemeinde. Man<br />

kann sich das als „Nachbarschaft“, quartier oder eine Art „Stadtviertel“<br />

denken, nur dass dieses Viertel eben auch „mitten in<br />

der Landschaft“ liegen kann. Das „Kleingedruckte“ der Lagenklassifikation<br />

schreibt für den „Vino de Paraje“ vor, dass 100 %<br />

der verwendeten Trauben von einem Ort stammen müssen,<br />

der im Register der DO Bierzo namentlich aufgeführt ist. Der<br />

Wein kann aus mehreren Weinbergen innerhalb derselben Zone<br />

stammen. Und: Der Ertrag muss mindestens 25 % unter dem in<br />

der DO für die regionalen Basisweine zulässigen Höchstwert<br />

liegen.<br />

Darüber wird’s dann wieder einfacher, jetzt sind wir bei der<br />

„Viña Clasificada“ (was einem Premier Cru entspräche) bzw. der<br />

„Gran Viña Clasificada“ (dem Grand Cru) angelangt.<br />

62 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Verónica Ortega<br />

BIERZO SPANIEN<br />

GODELLO CALCÁREO „CAL“ DO BIERZO, BLANCO 2020<br />

Kalkmineralisches Spannungswunder, Godello von Weltklasse!<br />

SBI020420 Godello Calcáreo „CAL“ DO Bierzo, blanco 2020 12% Vol. 53,20 €/l 39,90 €<br />

„IT HAS TO BE THE FINEST CAL.“ – LUIS GUTIÉRREZ<br />

Véronica Ortega, die famose Rotweine aus der Rebsorte<br />

Mencía keltert und die wir deshalb zur „Mencía-<br />

Magierin“ kürten, kann uns eigentlich nicht mehr überraschen.<br />

Eigentlich. Aber was sie im Jahrgang 2020 der<br />

weißen Rebsorte Godello entlockt, ist schlicht und<br />

einfach sensationell und macht beinahe sprachlos.<br />

Es ist ein Wein, der mächtig in Bann zieht und jede<br />

Menge Emotionen freisetzt: „CAL“ ist mehr als ein<br />

Wein, er ist eine Anleitung zur sensorischen Selbsterfahrung,<br />

die tief im Inneren berühren kann. Gerade<br />

einmal 4800 Flaschen hat die Winzerin im Bierzo im<br />

kühlen Nordwesten Spaniens im Jahrgang 2020 von<br />

ihrem Godello Calcáreo, der insgesamt 14 Monate in<br />

gebrauchten Barriques und 800-Liter-Amphoren seiner<br />

Vollendung entgegenreift, abgefüllt, jede der raren<br />

Bouteillen ist nummeriert. Die Reben sind rund 40<br />

Jahre alt und stehen in knapp 650 Metern Höhe auf<br />

dem puren Kalk einer aufgelassenen Kalkmine bei San<br />

Juan de la Mata, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde<br />

Arganza. Erste Duftnoten setzen Aromen von Apfel,<br />

Apfelschale, Heublumen, Grapefruit, Salzzitrone und<br />

wilden Kräutern. Es ist eine druckvolle und spannende<br />

Nase, die sich in kein Standardschema pressen lässt.<br />

„CAL“ nimmt am Gaumen sofort Tempo auf, spannungsgetragen<br />

und mit salzigem Timbre, ohne Taktiererei,<br />

da scheint alles energetisch aufgeladen zu<br />

sein. Der Saft von Salzzitronen findet zu reifen Phenolen,<br />

die aufgeweckte Säure ist nahtlos eingebunden,<br />

präsent und doch unauffällig, wie selbstverständlich<br />

zieht sie ihre Bahn. Die Textur ist fein und dicht gewoben,<br />

engmaschig im Extrakt, die kalkige Mineralik<br />

ist grandios und beschäftigt den Gaumen, da drängt<br />

der Kalk aus jedem Molekül, man will mehr davon.<br />

Es ist eine Spannungsebene und eine enorm fein getunte<br />

Balance der Elemente, die nur große Weine<br />

erreichen. Eine einnehmende Natürlichkeit, die den<br />

nächsten Schluck fordert und beinahe süchtig macht.<br />

Nach Tagen noch(!) nimmt die salzige Mineralität zu,<br />

in die Nase drängen nun Noten von Mandelkern, grüner<br />

Haselnuss, Kamille, Schale von Salzzitrone, auch<br />

reife Aprikose, Honigmelone und Quitte am hinteren<br />

Gaumen. Hallt lange nach, kraftvoll, fein und fordernd,<br />

bleibt lange am Gaumen und noch länger im Kopf. Ein<br />

großer Wurf, ein Phänomen der Natürlichkeit, ein mineralisches<br />

Spannungswunder, ein Dampfhammer mit<br />

Feingefühl. Dieser Godello ist mit das Aufregendste,<br />

was man an Weißwein in Spanien bekommen kann. Da<br />

sind sich sogar ausnahmsweise die Spezialisten und<br />

Kritiker einig. Der vino de paraje „CAL“ ist Weltklasse<br />

aus dem Bierzo – ¡enhorabuena, Verónica!<br />

Ein kleines Postscriptum, dass wir Ihnen, werte Kunden<br />

gerne erspart hätten: Der „CAL“ von 2020 ist der<br />

vorerst letzte seiner Art, der Weinberg wurde verkauft,<br />

die Pacht nicht verlängert. Verónica Ortegas<br />

rarster Wein ist noch ein wenig seltener geworden …<br />

Carpe diem, carpe vinum!<br />

Ab sofort im bauchigen Glas. Bis 2030+.<br />

96 Punkte<br />

PARKER<br />

63


SPANIEN BIERZO<br />

Verónica Ortega<br />

„QUITE“ DO BIERZO, TINTO 2020<br />

Verónica Ortegas außerordentliches Gespür für Mencía<br />

SBI020220 „Quite“ DO Bierzo, tinto 2020 13% Vol. 19,93 €/l 14,95 €<br />

93+ Punkte<br />

PARKER<br />

Veroníca Ortega hat in wenigen Jahren etwas geschafft,<br />

was anderen Winzern und Winzerinnen ein<br />

Leben lang verwehrt bleibt: Die „Mencía-Magierin“<br />

hat im Bierzo im kühlen Nordwesten Spaniens ein<br />

außerordentliches Gespür und Verständnis für diese<br />

rote Rebsorte entwickelt, die unter anderen Händen<br />

schnell spröde und unnahbar wirken kann. „Quite“ ist<br />

ihr – und man schämt sich beinahe diesen Begriff zu<br />

verwenden – kleinster Wein aus Mencía. Nein, man<br />

muss es anders formulieren: Es ist der großartige Einstieg<br />

in ihr Spektrum großartiger Weine aus der Rebe,<br />

die auf der iberischen Halbinsel auch als Jaén bekannt<br />

ist. „Quite“ ist ein Begriff aus dem Stierkampf – Verónica<br />

Ortegas Vater Rafael war Torero –, er bezeichnet<br />

ein Ablenkungsmanöver mit dem capote, dem<br />

großen purpurroten Tuch der Stierkämpfer. Die Trauben<br />

stammen aus der Parzelle Valtuille de Abajo, wo<br />

die bis zu 80 Jahre alten Reben auf Lehm- und<br />

Sandböden mit Schiefer- und Quarzgeröll und<br />

hohem Mineraliengehalt stehen. Die Trauben<br />

wurden von Hand gelesen und sanft extrahiert,<br />

der Ausbau erfolgte in gebrauchten Eichenfässern<br />

und auch in Tongefäßen. An diesem Wein wirkt<br />

alles anziehend: Duftet ausdrucksstark nach Schwarzkirsche,<br />

Brombeere, Schlehe, auch ein kleiner Reduktionston<br />

kommt auf, etwas Holzkohle und Asche, getrocknete<br />

Kräuter, Garrigue, etwas Graphit, Tinte und<br />

Rauch. Man meint auch einen Hauch Schiefer zu riechen.<br />

Auch am Gaumen intensiv, würzig und sehr präsent<br />

mit kühler Frucht, Schlehe, Schwarzkirsche und<br />

auch Sauerkirsche, kompakt gebaut mit klar definierter<br />

Muskulatur und griffigem Gerbstoff. Mineralisch,<br />

saftig und mit lebendiger Säure und guter Spannung,<br />

energetisch aufgeladen. Bleibt immer in Bewegung<br />

und im Rhythmus, wirkt sehr natürlich und auch ungebändigt,<br />

„Quite“ ist das Gegenteil eines am Reißbrett<br />

konzipierten und designten Weins, er imponiert mit<br />

einer kultivierten und eleganten Unbändigkeit. Pelzt<br />

noch leicht im Finish, hallt am Gaumen nach. Das ist<br />

die faszinierende Seite der Mencía und des Bierzo! Ein<br />

grandioser Weinwert, mehr kann man zu diesem Tarif<br />

nicht bieten.<br />

Ab sofort bis 2027.<br />

„VO – VERSÍON ORIGINAL“ DO BIERZO, TINTO 2018<br />

Rarer Signature-Mencía aus Bierzo mit atlantischem Flair<br />

SBI020518 „VO – Versión Original“ DO Bierzo, tinto 2018 13,5% Vol. 38,67 €/l 29,00 €<br />

94+ Punkte<br />

PARKER<br />

Lediglich 2400 Flaschen kelterte Veroníca Ortega<br />

im Herbst 2018 von ihrem „VO“, die Initialen<br />

stehen für die Anfangsbuchstaben ihres<br />

Namens, aber auch für „Versíon Original“, einen<br />

ihrer raren, handgefertigten Signature-Weine<br />

aus Mencía. Die knorrigen, alten Reben wachsen<br />

in luftiger Höhe von über 500 Metern Höhe auf<br />

kargen Lehmböden mit Schiefer- und Quarzgeröll, der<br />

Einfluss des nahegelegenen Atlantiks ist spürbar: Die<br />

Trauben können in einem kühlen und dennoch sonnigen<br />

Ambiente lange ausreifen. Der Sandanteil in den<br />

Böden ist geringer als in der Parzelle, aus der „Quite“<br />

stammt, der Ertrag fällt sehr gering aus. Neben Mencía<br />

verwendet Ortega auch ein wenig Alicante Bouschet,<br />

Palomino und Doña Blanca. Die Nase ist etwas<br />

weicher und getragener als beim „Quite“, neben reifen<br />

Schwarzkirschen zeigen sich auch Pflaumen und Schlehen,<br />

auch etwas Schlehenlikör, eine reduktive Note,<br />

Hefe, Rauch, Asche, Garrigue, getrocknete Orangenschale,<br />

Granatapfelsirup, dunkler Tabak, Lorbeerblatt<br />

und ätherische Anklänge. Am Gaumen ist der kräftig<br />

gebaute „VO“ würzig, saftig und intensiv, die Fruchtsäure<br />

ist reif und präsent, Noten von Holunderbeeren<br />

und Schlehe mischen mit. Die Struktur ist vielschichtig<br />

und komplex mit einer Menge Extrakt, das Holz ist<br />

feinfühlig eingebunden, die Gerbstoffe sind kräftig,<br />

saftig und feinkörnig mit gutem grip. Entwickelt ordentlich<br />

Druck und Dynamik in der Gaumenmitte,<br />

wirkt nie marmeladig und schwerfällig, dafür kühl,<br />

konzentriert, dicht und vorwärtsdrängend, mineralisch<br />

und fordernd, aber auch mit viel Raffinesse. Bei aller<br />

Stoffigkeit und Kraft auch atlantische Frische und leicht<br />

salzige Noten, etwas Sauerkirsche im Ausklang. Noch<br />

sehr jugendlich und ungeschliffen, zeigt die typische,<br />

ungezähmte Natürlichkeit von Ortegas Weinen, aber<br />

auch tiefgründige Eleganz. Erinnert an Pinot Noir<br />

aus der Bourgogne, noch mehr aber an Syrah von<br />

der nördlichen Rhône. Aber alle Vergleiche hinken<br />

letztendlich, es ist ein großer Mencía aus Bierzo mit<br />

enormem Potenzial – „Versíon Original“ eben!<br />

Ab sofort (etwas Luft schadet nicht – im Gegenteil! – fast<br />

noch schöner am zweiten Tag) bis leicht 2032+.<br />

64 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Verónica Ortega<br />

BIERZO SPANIEN<br />

93 Punkte<br />

PARKER<br />

„KINKI“ DO BIERZO, TINTO 2020<br />

Federleicht und von Jahr zu Jahr immer noch ein wenig schöner: „Kinki“<br />

– oder die unbeschwerte Leichtigkeit des Weins<br />

SBI020620 „Kinki“ DO Bierzo, tinto 2020 12,2% Vol. 36,00 €/l 27,00 €<br />

Gleich vorweg: „Kinki“ entspricht, entgegen aller anderslautenden<br />

Gerüchte, im Spanischen nicht dem<br />

englischen „kinky“. Der Name von Verónica Ortegas<br />

leichtfüßigem, extrem schlankem Mencía (mit etwa<br />

25%igem Anteil roter und weißer Rebsorten – hauptsächlich<br />

Alicante Bouschet (ca. 15 %), Palomino, Godello<br />

und Valenciana) verweist auf einen aus diversen Gründen<br />

zurückhaltenden Außenseiter mit (sagen wir einmal)<br />

eher anarchisch kanalisierter Energie. Was die<br />

Sachlage durchaus trifft, sogar ganz programmatisch<br />

ist – auf jeden Fall in Sachen Energie und was die Lage<br />

„im wilden Außen“ angeht erst recht! Die Trauben für<br />

den „Kinki“ stammen von stark schieferhaltigen Böden<br />

im 750 Meter Höhe rund um Cobrana (nordöstlich von<br />

Ponferrada), werden für den Wein – grappes entiéres<br />

– in einem offenen Eichenholzbottich mit 5000-Liter<br />

Fassungsvermögen vergoren, der Wein reift dann acht<br />

Monate lang in gebrauchten Barrique- und 800-Liter-<br />

Tonamphoren (in letzteren ähnlich wie im Jura eine<br />

ganze Zeit lang sous voile).<br />

Bei aller jugendlichen, fast „elektrischen“ Spannung,<br />

Nervosität (im absolut positiven Sinn!) und wunderbarer<br />

Wildheit, besitzt der „Kinki“, auf dessen Etikett<br />

eine beeindruckende aromatische und strukturelle<br />

Tiefe bzw. Tiefenschärfe, die gerade einmal 11,5 Vol.-%<br />

Alkohol unterstreichen das sogar: Im Duft strahlend<br />

helle Sauerkirschfrucht, im Kern süße Beeren von fast<br />

ätherisch-frischer Fruchtigkeit, ein Hauch Minze (zartgrün,<br />

dann leicht balsamisch-rauchig), am Gaumen<br />

dann die mehrdimensionale, weit aufgefächerte „Übernahme“<br />

des Spektakels, mehr Frucht (wieder Kirsche,<br />

wieder Beeren), mehr Säure (herrlich präzise), ein<br />

energetischer tannischer grip und eine absolut<br />

inspirierende, extrem trinkanimierende Salzigkeit. Wir<br />

sind komplett überzeugt: „Kinki“ ist das neue sexy!<br />

Und wir wollen mehr davon, 3.600 Flaschen (immerhin<br />

100 mehr als letztes Jahr) für die ganze Welt sind<br />

einfach zu wenig …<br />

Ab sofort und jetzt gleich, am besten gekühlt (von 12–16 °C<br />

ist alles möglich), gerne auch in einem größeren Glas.<br />

Problemlos bis 2026+.<br />

65


SPANIEN BIERZO<br />

Verónica Ortega<br />

95 Punkte<br />

PARKER<br />

„ROC“ DO BIERZO, TINTO 2019<br />

„ROC“ ist das „role model“ für die großen Möglichkeiten von Mencía<br />

SBI020118 „ROC“ DO Bierzo, tinto 2018 13,5% Vol. 39,93 €/l 29,95 €<br />

Es gibt keinen einzigen Wein von Veroníca Ortega,<br />

der nicht berühren würde. „ROC“ aber ist ein ganz<br />

besonderer und der emotionalste Wein für die Winzerin,<br />

sie widmet ihn Jahr für Jahr ihrem tödlich verunglückten<br />

Bruder. Mit „ROC“ treibt Ortega ihre bewundernswerte<br />

Kunst mit der Mencía-Rebe auf die<br />

Spitze, er ist die Quintessenz ihres jährlichen Schaffens.<br />

„ROC“ wird geprägt von der roten Mencía, die<br />

mit ein wenig Alicante Bouschet, Palomino und Doña<br />

Blanca ergänzt wird. Dafür verwendet die Winzerin<br />

nur die besten Trauben von über 100 Jahre alten Reben,<br />

die auf über 530 Metern Höhe stehen und den<br />

Atem des Atlantiks spüren. Die Trauben werden von<br />

Hand gelesen und schonend über zwölf Monate in<br />

228-Liter-Fässern in zweiter und dritter Belegung aus<br />

französischer Eiche vergoren. Im Jahrgang 2019 ergab<br />

die Ernte gerade einmal 5100 Flaschen. „ROC“ duftet<br />

erhaben und würzig nach Kirsche, Sauerkirsche, Schlehe,<br />

wilder Pflaume und Johannisbeere, neben dieser<br />

präzisen Frucht finden sich rauchige. ätherische und<br />

auch balsamische Noten, Süßholz, Zeder, kalte Grillkohle,<br />

Asche, Lorbeerblatt und mineralische Anklänge,<br />

Schieferwürze. Am Gaumen weit gefasst und mit<br />

großem Horizont, stoffig, druckvoll, konzentriert und<br />

engmaschig im Extrakt, hat Tiefgang, die Gerbstoffe<br />

sind dicht, feinkörnig und von großartiger Güte, sie garantieren<br />

ein langes Leben, die Säure ist reif und trägt<br />

einen leicht maritimen Unterton. Kompetenter Holzeinsatz,<br />

mächtiges mineralisches Rückgrat, würzig intensiv,<br />

gelegentlich bis zur Schmerzgrenze fordernd,<br />

hat Format und Volumen, man spürt die Tiefgründigkeit<br />

und Erhabenheit der alten Reben. Pfeffrig im Finale,<br />

enorme Länge, viel Charakter, edel und elaboriert. Ein<br />

großer Wein, der sich nicht nebenbei konsumieren<br />

lässt, der einen auffordert, teilzuhaben und eine eigene<br />

Haltung zu zeigen. „ROC“ ist ein „role model“ für die<br />

Möglichkeiten dieser noch unterschätzten Rebe: Man<br />

schmeckt die Landschaft des Bierzo und die Nähe zum<br />

Atlantik, diese Winzerin ist eins mit ihrem Terroir, das<br />

sie einfühlsam interpretiert. Wer Ortega sagt, meint<br />

auch immer Mencía von internationalem Format!<br />

Ab sofort bis sicherlich 2033+.<br />

66 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Verónica Ortega<br />

BIERZO SPANIEN<br />

„COBRANA“ DO BIERZO, TINTO 2019<br />

Fulminanter Bierzo-Villages aus Höhenlagen:<br />

Verónicas Mencía-field-blend „Cobrana“<br />

SBI020319 „Cobrana“ DO Bierzo, tinto 2019 12,5% Vol. 46,66 €/l 35,00 €<br />

„Nach diesem Erstlingswerk sind wir absolut überzeugt<br />

davon, dass wir noch einiges von Verónica hören<br />

werden. Das hat Weltklasse-Niveau!“ schrieben wir<br />

über den ersten „Cobrana“ bei Pinard de Picard, den<br />

formidablen 2015er. Und wurden in unserer Einschätzung<br />

gleich von Luis Gutiérrez, Parkers Spanien-Verkoster,<br />

bestätigt. Dieser vergab die sehr amtliche von<br />

Auszeichnung von 94 Punkten und lobte den Wein<br />

für seinen „burgundian twist.“ Ein Jahr später, wieder<br />

zückt Don Luis die 94, und wir wissen alle, wie es weiterging<br />

… (96 Punkte wie auch von Tim Atkin für den<br />

– leider, leider ausverkauften – Geniestreich von 2018!)<br />

„Cobrana“, das ist Verónica Ortegas genialer Rotwein<br />

aus über 90-jährigen Mencía-Reben, die mit einem<br />

kleinen Anteil autochthoner Rebsorten wie Palomino,<br />

Doña Blanca und Garnacha Tintorera abgerundet werden.<br />

Sie keltert diesen Wein von Lagen, die auf 750<br />

Metern Höhe zu finden sind und deren Reben sich tief<br />

in den Schieferboden mit rotem Lehm bohren müssen,<br />

um an Nährstoffe zu gelangen. Dieser kräftige kirschrote<br />

Wein duftet bereits in der Nase traumhaft. Johannisbeergelee,<br />

Herzkirschen und rote säuerliche<br />

Waldbeeren verströmt der 2019er-Jahrgang. All das<br />

begleitet von einem Hauch Brennessel-Tee. Wir fühlen<br />

uns, ob dieser kühlen und dezent würzigen Art, an<br />

allerfeinsten Blaufränkisch aus dem Burgenland erinnert,<br />

Und in der Tat handelt es sich auch hier um einen<br />

ganz besonderen Cool-Climate-Vertreter.<br />

Ausgebaut in 228-Liter-Holzfässern und 800 Liter fassende<br />

Amphoren, nur 3.800 Flaschen für alle! Leider<br />

400 weniger als vom wirklich sensationellen Vorgänger,<br />

der weinweltweit für Begeisterung sorgte! Die<br />

Besonderheit dieses Weins (zum ersten Mal mit dem<br />

Zusatz „Vino de la villa de Congosto“ auf dem Etikett ),<br />

bei der sich Verónica einer uralten, traditionellen<br />

Vinifizierungsmethode bedient, liegt auch darin, dass<br />

hier ein kleiner Teil weißer Trauben zugegeben wird.<br />

Das gibt diesem Wein seine Zartheit und Frische, wie<br />

man dies von den allerbesten Weinen der Nordrhône<br />

kennt! Sie dürfen hier keinen mächtigen Wein erwarten,<br />

das ist eher ein tänzelnder spanischer „Burgunder“, der<br />

von den Höhenlagen, dem schiefrigen Boden und den<br />

windigen Meeresbrisen erzählt. Die Tannine sind hier<br />

feinkörnig, so strukturierend und filigran wie bei einem<br />

feinen Volnay (Tim Atkin verglich den 2018er mit einem<br />

Chambolle-Musigny …) – wobei dieser Wein, bei<br />

aller Vorliebe für Burgund-Analogien, vor allem eines<br />

ist: ein großer, ja, ganz großer Bierzo. Die feine Säure<br />

ist bestens im Wein integriert, aufgrund des etwas<br />

kraftvolleren Jahrgangs 2019 ergibt sich ein noch<br />

präsenterer Wein, der unmittelbare Trinkfreude bereitet.<br />

Die Aromatik pendelt zwischen roten<br />

Waldfrüchten, balsamischen Noten und etwas<br />

Tabak.<br />

Der „Cobrana“ lebt vom Trinkfluss, zeigt sich<br />

als 2019er noch etwas „erwachsener“ als im<br />

Vorjahr. Damit meinen wir, dass wir ihm<br />

durchaus noch mehr Potenzial zutrauen als<br />

seinem Vorgänger, der (möglicherweise) etwas eleganter<br />

ausfiel. Wenn Sie, liebe Kunden, auch perfekt<br />

balancierte, kühl anmutende Rotweine lieben, die<br />

den Gaumen erfrischen und einen mineralischen<br />

Kern besitzen, so möchten wir Ihnen von ganzem<br />

Herzen diesen großartigen Wein von Verónica Ortega<br />

nahelegen!<br />

Trinkt sich jetzt schon traumhaft schön (und gerne etwas<br />

gekühlt, 15–16 °C sind sicherlich ideal), wird in den<br />

nächsten Jahren nur noch schöner – bis 2029+.<br />

95 Punkte<br />

PARKER<br />

67


SPANIEN MADRID<br />

Bernabeleva<br />

BODEGAS Y VIÑEDOS<br />

BERNABELEVA<br />

SAN MARTÍN DE VALDEIGLESIAS<br />

DIE RENAISSANCE<br />

DER GARNACHA<br />

68 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Bernabeleva<br />

MADRID SPANIEN<br />

Gredos - Garnacha - Granit sind die Hauptzutaten<br />

für Weine aus fast vergessenen Hochlagen die seit<br />

nunmehr fast 20 Jahren die Weinwelt begeistern.<br />

DIE STUNDE NULL<br />

Sowas wie der Urknall für ein Weingut im Dornröschenschlaf<br />

(Bernabeleva), eine Region (Gredos), eine Rebsorte (Garnacha),<br />

gar für ein ganzes Weinland, welches kein geringeres als das<br />

größte der Welt ist, Spanien! Held (wider Willen) dieser<br />

Geschichte ist Marc Isart, Weinmacher und Mastermind<br />

von Bodegas y Viñedos Bernabeleva.<br />

GREDOS – DIE KEIMZELLE DER „TERROIRISTEN“<br />

UND NEUEN WEINHELDEN DES 21. JAHRHUNDERTS<br />

Dem aufmerksamen Leser unserer <strong>PINwand</strong> kommen die nun<br />

folgenden Zeilen zweifelsohne bekannt vor. Dennoch sind die<br />

nun folgenden Ausführungen Geschichten und Fakten der deutschen<br />

Weinszene fast völlig fremd, daher wiederholen wir uns<br />

gerne, denn über die Weine aus Gredos sollte viel häufiger gesprochen<br />

werden: Die Sierra de Gredos, ein zentraler Abschnitt des<br />

kastilischen Scheidegebirges mit dem Kulminationspunkt Pico<br />

Almanzor (2.592 Meter), steht sinnbildlich für das neue Gesicht<br />

des spanischen Weinriesen. Mehrfach haben wir bereits angemerkt,<br />

dass die alten Vorurteile gegenüber spanischer Weine (zu<br />

konzentriert, zu alkoholisch, zu marmeladig, zu holzig) längst<br />

überholt sind und Ihnen Exemplare des neuen Spaniens an<br />

Herz gelegt (z.B. Envínate, Bimbache, Bhilar, Esmeralda García,<br />

Verónica Ortega, um nur ein paar Namen zu nennen). Die als<br />

Sierra de Gredos bekannte Bergkette westlich der spanischen<br />

Hauptstadt von Madrid hat einen enormen Anteil an diesem<br />

Imagewechsel, der um die Jahrtausendwende eingeläutet wurde.<br />

MARC ISART – CURRICULUM EINES GANZEN GROSSEN<br />

WINZERS UND FEINEN MENSCHEN<br />

Einer der den Imagewechsel aktiv wie kein Zweiter mitinitiiert<br />

hat ist der gebürtige Katalane Marc Isart Pinos (mit vollem Namen),<br />

Jahrgang 1975. Es ist nicht vermessen ihn als den stillen<br />

aber großen Star der Region und seiner Winzergeneration vorzustellen.<br />

Marc ist ein begnadeter Weinmacher, der zu keiner<br />

Zeit Aufhebens um seine Person macht und gerne wortlos im<br />

Hintergrund steht. Er sucht weder das Rampenlicht noch die<br />

Öffentlichkeit. Marc ist seine ganz eigene besondere Marke<br />

und wer ihn einmal getroffen hat stellt dies auch sehr schnell<br />

fest. Im Alter von 14 Jahren kam Marc gemeinsam mit seinen<br />

Eltern nach Madrid. Kaum angekommen in der Fremde ging<br />

der sprichwörtlich junge Marc harter körperlicher Arbeit nach<br />

indem er den Beruf des Landmaschinenschlossers ausübte. In<br />

seiner Freizeit arbeitete er zudem in der Landwirtschaft, somit<br />

auch unweigerlich im Weinbau. In den Abendstunden büffelte<br />

er für seine weiterführenden Schulabschlüsse. Ein Pensum wie<br />

es kaum ein Heranwachsender in unseren Breiten kennt oder<br />

gar hat. Etwas später studierte Marc die Fächer Agrarwirtschaft<br />

(Ingenieur) und Önologie (Master) an der renommierten Universität<br />

Complutense de Madrid. Wie selbstverständlich managte<br />

er sein Studium neben dem Job als Landmaschinenschlosser.<br />

Seine Zeit mit den schweren Maschinen sollte nach seinen erfolgreichen<br />

Universitätsabschlüssen Geschichte sein. Fortan<br />

arbeitete er als Önologe für ein Weingut aus seiner Nachbarschaft,<br />

dem er übrigens bis heute beratend zur Seite steht.<br />

RENAISSANCE DER GARNACHA<br />

Im Jahr 2006 erhielt Marc das Angebot künftig für Bernabeleva<br />

zu arbeiten. Die Anfrage kam von niemand geringerem als Raúl<br />

Pérez, der zu jener Zeit als Consultant für die Bodega beauftragt<br />

war. Schnell fand Marc sich in seiner neuen Rolle als Triebfeder<br />

einer aufstrebenden Bodega zurecht. Früh erkannte er Stärken,<br />

Schwächen und Besonderheiten die das Terroir von San Martín de<br />

Valdeiglesias mit sich bringt. Gerade im Umgang mit den alten Garnacha-Reben<br />

gelang Marc auf Anhieb herausragendes. Garnacha<br />

die einst meistangebaute Rebe Spaniens und der Welt (in Frankreich<br />

als Grenache bekannt) rückt unter Marc bei Bernabeleva<br />

und in der Folge bei anderen Winzer der Region wieder in den<br />

Fokus und gewinnt fortan wieder an Bedeutung. Marc prägt<br />

mit den Weinen von Bernabeleva und denen vom Comando G<br />

(ab 2008), dessen Gründungsmitglied er war einen für Spanien<br />

bis dato unbekannten neuen Weinstil dem die heutigen avantgardistischen<br />

Winzer des Landes nacheifern: transparent, fein,<br />

klar, geprägt von Frische, Spannung, Mineralität und Charakter.<br />

Marcs Vorbilder vermutet man im Burgund, tatsächlich führt er<br />

andere an: Rayas und Rinaldi. Auch Altmeister sind vom Können<br />

eines Marc Isart beeindruckt. Kein geringerer als Telmo Rodríguez<br />

der 1999 als erster außenstehende große Winzerpersönlichkeit<br />

das Potenzial der Gredos entdeckte investierte viel Zeit und Geld<br />

in sein dortiges Projekt Pegaso. Richtig zufrieden war er nie mit<br />

seinen Weinen und so bemühte er sich um den besten Mann für<br />

Pegaso – Marc Isart. Seit 2016 trägt Marc nun also auch dort die<br />

Verantwortung und gibt den Weinen seine Handschrift. Da Marc<br />

von klein auf ein intensives Pensum gewohnt ist verwundert es<br />

auch nicht, dass er neben seinen Aktivitäten bei Bernabeleva und<br />

Pegaso gemeinsam mit seiner Frau Carmen ein weiteres Projekt<br />

vorantreibt. Hierbei handelt es sich um die eigene kleine Bodega<br />

Cinco Leguas in der die Weine unter dem Namen „La Maldición“<br />

(„der Fluch“) im südlichen Teil der Appellation D.O. Vinos de Madrid<br />

gefüllt werden.<br />

69


SPANIEN MADRID<br />

Bernabeleva<br />

ZURÜCK IM TAL DER BÄREN<br />

In der Gegend, die eine Autostunde westlich der<br />

spanischen Metropole und Hauptstadt Madrid<br />

liegt, sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute<br />

Nacht. Gredos war und ist noch immer Jagdrevier<br />

und Erholungsgebiet für viele Städter. Ein Symbol<br />

dieser Geschichte verkörpert auch das Etikett von<br />

Bernabeleva. Die Göttin der Jagd Diana zeigt sich<br />

reitend auf einem Bären. Das Gut oder die finca<br />

wie der Spanier sagt hat eine mittlerweile fast hundertjährige<br />

Geschichte. Im Jahr 1923 erwirbt der bekannte<br />

Madrider Arzt Vicente Álvarez Villamil ein<br />

weitläufiges Grundstück am Fusse des Cerro de<br />

Guisando (1.310 Meter) etwas außerhalb von San<br />

Martín de Valdeiglesias. Vicente lässt Weingärten,<br />

Olivenhaine, Obstbäume und Gemüse pflanzen. Er<br />

träumt von großen Weinen und betreibt Bernabeleva<br />

als Gartenhof, der Besuchern jederzeit Zugang<br />

gewährt. Der spanische Bürgerkrieg und seine gesellschaftspolitischen<br />

Auswirkungen lassen Vicentes<br />

Traum in weite Ferne rücken. Der Wein der<br />

gesamten Region verliert zusehends an Bedeutung, Winzergenossenschaften<br />

bestimmen fortan das Geschehen. Immer weiter<br />

fallende Traubenpreise setzten der Branche zu und deuten<br />

zudem nicht auf Perspektiven hin. Aber totgesagte leben dann<br />

halt hin und wieder dennoch länger!<br />

WACHGEKÜSST AUS DEM DORNRÖSCHENSCHLAF<br />

Im Stillstand und Niedergang finden sich auch immer wieder<br />

positive Aspekte, in Gredos wären da zuallererst die alten Garnacha-Reben<br />

zu nennen. Da die Region in den Jahrzehnten der<br />

Erneuerung nicht zu den hippen und rentablen Spots zählte<br />

wurde hier weder in neue Rebanlagen oder gar neue Rebsorten<br />

(wie vielerorts) investiert, geschweige in Infrastruktur. Die alten<br />

Fincas und ihre ursprünglichen Parzellen blieben, sofern wie<br />

nicht verfielen und verwilderten vielfach erhalten, so auch bei<br />

Bernabeleva. Die Nachkommen von Vicente erhielten die Finca<br />

über lange Jahre ohne Ziel aus Sturheit, ein Glückfall für den Urenkel<br />

des Gründers Juan Diez Bulnes. Juan selbst erfolgreicher<br />

Architekt mit Lebensmittelpunkt Madrid war Anfang der<br />

2000er-Jahre fest entschlossen Vicentes ursprünglichen Traum<br />

Realität werden zu lassen. Auf der Finca entstand ein modernes<br />

Kellereigebäude und man engagierte den profunden Berater<br />

Raúl Pérez (der damals wie heute selbst sehr erfolgreich in der<br />

Region mitmischt u.a. bei Viñedos del Jorco) um den Start zu<br />

begleiten. Neben den heute fast hundertjährigen Parzellen wie<br />

Viña Bonita, Carril del Rey und Arroyo del Tórtolas waren die<br />

Personalentscheidungen der ersten Stunde weitere Glücksfälle.<br />

Marc Isart war vom Start weg eingebunden und ist bis heute dabei,<br />

eine Konstante, wie man sie heute sehr selten bei aufstrebenden<br />

Start-Ups der Branche hat. Vicentes Traum von eigenen<br />

guten Weinen wurde mit dem Jahrgang 2007 nun endlich wahr.<br />

DAS TAGWERK<br />

Zur ursprünglichen Finca gehörten 400 Hektar Land, einiges<br />

davon stand schon immer unter Reben. Heute bewirtschaftet<br />

man bei Bernabeleva 35 Hektar Rebfläche die komplett biodynamisch<br />

bewirtschaftet werden. Star der Region und des Hauses<br />

ist die rote Garnacha, daneben wird mit Morenillo eine weitere<br />

rote und rare autochthone Rebsorte kultiviert. Bei den weißen<br />

Sorten nimmt Albillo Real die Hauptrolle ein. Desweiteren arbeitet<br />

man mit Macabeo, Garnacha Blanca, Garnacha Grís und<br />

Moscatel de Grano Menudo (Gelber Muskateller). Selbstredend<br />

ist hier extrem viel Handarbeit gefragt, die alten Parzellen in<br />

Buscherziehung würden auch keinen großflächigen Einsatz von<br />

Maschinen zulassen. Auch die Bodenbearbeitung erfolgt meist<br />

mit Picke und Hacke und wird unterstützt durch den Einsatz<br />

von Arbeitspferden. Die Begrünung der Flächen wird mühselig<br />

mehrfach im Jahr von Hand zurückgeschnitten. Rebalter,<br />

Pflanzdichte und Klima machen in diesen Breiten viel Arbeit,<br />

der Ertrag ist dennoch vergleichsweise gering, dafür aber<br />

umso spektakulärer.<br />

70 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Bernabeleva<br />

MADRID SPANIEN<br />

DAS VIELZITIERTE NICHTSTUN<br />

Besonders die Ernte der Diva Garnacha ist in diesem kontinentalen<br />

Klima auf den Hochlagen von Bernabeleva (auf 800 bis<br />

1.000 Metern) nicht einfach. Bereits Ende August hat die Rebe<br />

die volle alkoholische Reife und die Moste weisen hohe Alkoholgradation<br />

von bis zu 15,5 Vol.-% auf. Allerdings ist dann die phenolische<br />

Reife (verkürzt die Herausbildung von Tannin, Farbe<br />

und Geschmack) noch nicht ganz abgeschlossen – eine Herausforderung!<br />

Marc hat allerdings recht schnell einen Weg hin zur<br />

Balance gefunden. Er arbeitet dazu mit sehr langen Maischestandzeiten<br />

in offenen Bütten. Diese „Beautybehandlung“ kann<br />

zwischen 30 und 90 Tagen andauern. Dabei verzichtet er auf<br />

remontage und pigeage, die Extraktion geschieht hier so sanft wie<br />

bei einer japanischen Teezeremonie. Für den weiteren Ausbau<br />

zieht der werdende Wein auf gebrauchte, möglichst großformatige<br />

Fässer um keine Dominanz des Holzes aufkommen<br />

zu lassen. Auch hier versucht Marc nach Kräften ohne bâtonnage<br />

auszukommen, seine Weine sollen sich „vertikal-tief“ und<br />

nicht etwa „horizontal-breit“ entwickeln. Fast überflüssig<br />

zu erwähnen, dass die Weine von Bernabeleva fast gänzlich<br />

ohne jegliche Additive auskommen. Zudem bleiben sie unfiltriert<br />

und werden kurz vor Abfüllung nur mit einer minimalen<br />

Schwefelgabe stabilisiert.<br />

EN FÍN ODER ZU GUTER LETZT<br />

Marc hat mit seinen Weinen bei Bernabeleva nicht nur Gredos<br />

zurück ins Jetzt geholt, sondern einen Weinstil miterfunden und<br />

geprägt. Zudem hat er der quasi in Vergessenheit geratenen<br />

Garnacha wieder eine Bühne gegeben, auf der sie heller den je<br />

strahlt. Aktuell kommen die besten Garnachas des Landes definitiv<br />

aus dem Naturparadies Gredos, von denen nicht wenige<br />

Insider behaupten, es seien sogar die besten der Welt.<br />

71


SPANIEN MADRID<br />

Bernabeleva<br />

WEISS<br />

„CAMINO DE NAVAHERREROS“ DO<br />

VINOS DE MADRID, BLANCO 2019<br />

Neues von der Dame und dem weißen Bären<br />

SVM011219<br />

„Camino de Navaherreros“ DO Vinos de Madrid,<br />

blanco 2019 12,5% Vol. 13,20 €/l 9,90 €<br />

Madrider Wein? Und ob! Als Hauptstadt des Landes mit der weltweit<br />

größten Rebfläche (über 1 Million Hektar), kann man sich<br />

natürlich nicht lumpen lassen. Knapp 8600 Hektar stehen um<br />

Madrid herum unter Reben, offiziell existiert die D. O. Vinos de<br />

Madrid seit 1990 (ab 1973 schon projektiert, erste Verwaltungshürden<br />

wurden 1984 genommen) Wein wird hier allerdings schon<br />

seit über 1000 Jahren angebaut. Arganda, Navalcarnero und San<br />

Martín de Valdeiglesias heißen die im Süden der Provinz gelegenen<br />

Subzonen, 2019 neu hinzugekommen ist El Molar im Norden,<br />

auf denen neben der weißen Albillo-Rebe vor allem Garnacha<br />

ganz prächtig gedeiht. Zu den schönsten, ja beeindruckendsten<br />

Weinen der Region zählen sicherlich die von Bernabeleva am<br />

Fuße des Cerro de Guisando bei San Martín de Valdeiglesias. Was<br />

hier, knapp 50 Autominuten von Madrid, gekeltert wird, ist viele<br />

und eingehende Ausflüge wert. Man sagt ja, dass der Weg das<br />

Ziel sei. Zumal wenn es sich um den „Camino“ handelt, den „Weg<br />

aller Wege“ nach Santiago de Compostela. Und natürlich – und<br />

wie könnte es auch anders sein? – führt dieser Weg auch durch<br />

die Sierra de Gredos, die über den besten Weingärten der D. O.<br />

zu wachen scheint.<br />

Von hier, aus unterschiedlichen Parzellen in 700 bis 840 Metern<br />

Höhe, stammt Marc Isarts weißer „Camino de Navaherreros“,<br />

eine Cuvée aus etwa 50 % Albillo Real, 30 % Macabeo, 15 % Moscatel<br />

de Grano Menudo sowie 5 % Garnacha Blanca, Malvar und<br />

anderen Rebsorten, deren Namen vermutlich in Vergessenheit<br />

geraten sind. Der spontanvergorene, neun Monate auf der Hefe<br />

in großen gebrauchten Holzfässern ausgebaute Wein duftet nach<br />

Blüten und weißfleischigem Steinobst, im Hintergrund leicht<br />

pfeffrig-würzig-erdige Noten, zerriebener Stein und Anklänge<br />

von Kräutern und eine Spur von Salz. Herrlich erfrischend, eine<br />

sehr feine, sehr präzise Säure, dabei wunderbar geschmeidig und<br />

quicklebendig am Gaumen – was mehr wollte man verlangen?<br />

Ab sofort bis 2024.<br />

„NAVAHERREROS“ DO VINOS<br />

DE MADRID, BLANCO 2020<br />

Albillo Real + Macabeo = Hauptstadtwein!<br />

SVM010120<br />

„Navaherreros“ DO Vinos de Madrid,<br />

blanco 2020 13% Vol 18,53 €/l 13,90 €<br />

Nur wenigen Menschen ist die Rebsorte Albillo Real ein Begriff.<br />

Sie taucht selten auf Etiketten auf, und man findet sie auch<br />

nur sehr begrenzt in Zentralspanien. Hinzu kommt, dass Spanien<br />

über Generationen hinweg primär als Rotwein-Land wahrgenommen<br />

wurde und die weißen Rebsorten immer noch neu<br />

entdeckt werden müssen. Mittlerweile ist jedoch vielen Kennern<br />

klar, dass die Weißweine Spaniens höchst spannend sind. Und<br />

genau das beweist auch der Navaherreros blanco des Ausnahme-<br />

Winzers Marc Isart. Er bringt bei diesem Ortswein, der das Terroir<br />

von San Martín de Valdeiglesias widerspiegelt, 60 % Albillo aus<br />

verschiedenen Lagen (70 bis 85 Jahre alt) mit 40 % Macabeo aus<br />

einer einzelnen, 25 Jahre alten Lage zusammen. Macabeo ist eine<br />

der wichtigsten weißen Sorten in Spanien. Sie ist Teil einer typischen<br />

Cava-Cuvée und unter dem Namen Viura verantwortlich<br />

für 90 % der weißen Rioja. Beide Rebsorten sind kräftig und neigen,<br />

wenn spät gelesen wird, zu viel Alkohol. Doch wie man auf<br />

dem Etikett sieht, bringt dieser Weißwein aus der Region Madrid<br />

lediglich 13 Vol.-% auf die Waage. Die Reben wurden so gepflegt,<br />

dass sie bei vollständiger physiologischer Reife früh geerntet werden<br />

konnten. Wie bei Bernabeleva üblich, wurden die Weinberge<br />

mit ihren alten Buschreben nach biologisch-organischen und biodynamischen<br />

Grundsätzen gepflegt. Im Keller geht Marc Isart<br />

nahezu noninterventionistisch vor. Selbstverständlich greift er<br />

als Weinmacher ein, aber so wenig wie eben möglich. Das heißt,<br />

dass seine Weine nur gering geschwefelt sind, weder stabilisiert<br />

noch gefiltert werden und dass auch keine bâtonnage (das Aufrühren<br />

der Hefen) zur Anwendung gelangt. Den Trauben gab<br />

Marc Isart 36 (Albillo) bzw. 48 Stunden (Macabeo) Maischestandzeit.<br />

Der Macabeo wurde dann in 500- und 600-Liter-Barriques<br />

spontanvergoren und dort neun Monate ausgebaut, beim Albillo<br />

fanden Spontanvergärung und Ausbau auf der Hefe im 2.500-<br />

Liter-Fuderfässern statt.<br />

Was dabei entsteht, ist ein charaktervoller Weißwein, wie er nur<br />

in Gebieten entstehen kann, die heiß sind und in denen die Rebsorten<br />

an diese Hitze gewöhnt sind. Der goldgelbe, leicht trübe<br />

Navaherreros blanco ist ein kraftvoller Wein, was sich auch im<br />

Duft mitteilt. Anfänglich zurückhaltend (ein leiser Hauch getrockneter<br />

Aprikosen, zart brotige Noten), mit etwas mehr Luft<br />

dann Reinetten bis hin zu reifen Birnen, dazu leicht gerösteten<br />

Salzmandeln (Schale!), getrocknete Kräutern und Heu. Am Gaumen<br />

zunächst zitrisch herb, dann erst ein Schimmer der Frucht,<br />

die sich im Bouquet angekündigt hatte. Ein Struktur-, ein Terroirwein,<br />

der vor allem als Begleiter von Speisen aufblüht, die dessen<br />

präzise Säure zum Leben erwecken. Gleichzeitig sorgt die Salzigkeit,<br />

die sich schon im Duft andeutet, für einen schönen Trinkfluss.<br />

Ein spannender, unglaublich eigenständiger Weißwein, wie<br />

man ihn vermutlich leider nur selten im Glas hat!<br />

Ab sofort und mit Gusto bis über 2024 hinaus.<br />

72 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Bernabeleva<br />

MADRID SPANIEN<br />

„CANTOCUERDAS“ ALBILLO DO<br />

VINOS DE MADRID, BLANCO 2019<br />

100 % Albillo für ein Mehr an Frische!<br />

92 Punkte: „enorm mineralisch“<br />

– L. Gutiérrez (Robert Parker’s Wine Advocate)<br />

SVM010219<br />

„Cantocuerdas“ Albillo DO V. d. Madrid,<br />

blanco 2019 12% Vol. 26,53 €/l 19,90 €<br />

Man wird niemandem zu nahetreten, wenn man feststellt, dass<br />

die nur regional vorkommende Sorte Albillo, die man rund um<br />

Madrid, in Kastilien-Léon und Galicien sowie auf La Palma auf<br />

rund 3.000 Hektar findet, nicht unbedingt für herausragende<br />

Weine bekannt ist. Das hängt vor allem damit zusammen, dass<br />

man sich auch nie darum gekümmert hat, aus dieser Sorte etwas<br />

Besonderes zu zaubern. Und das geht nicht nur dem Albillo so,<br />

dafür gibt es viele Beispiele aus allen Ländern Europas. Es ist Marc<br />

Isart, dem außergewöhnlichen Weinmacher von Bernabeleva zu<br />

verdanken, dass er sich der Rebsorte Albillo angenommen hat,<br />

die in verschiedenen Weinbergen des Weinguts zu finden ist. Er<br />

hat sie studiert und hat experimentiert, wie man am besten mit<br />

ihr umgeht. Meist wurde sie spät gelesen, und das mit hohen Erträgen.<br />

Er aber schneidet sie zurück und erntet früh. So ergibt<br />

sich ein ganz anderes Bild von ihr, die als alkoholreich und träge<br />

gilt. Marc geht aber noch einen Schritt weiter. Für seinen Wein<br />

nutzt er die Trauben, die aus dem von schwarzem Granit geprägten<br />

zwischen 710 und 740 Meter hohen, windigen und von Wäldern<br />

umgebenen Weinberg Cantocuerdas mit 90 Jahre alten Reben<br />

stammen. Sie stammen von drei unterschiedlichen Parzellen<br />

und werden daher auch getrennt vinifiziert. Er stellt sie zunächst<br />

für 36 Stunden in den kühlen Keller, um eine Vorvergärung und<br />

eine leichte Extraktion zu erreichen. Dann vergärt er die Trauben<br />

spontan in gebrauchten 500-Liter-Eichenfässern (eine der Chargen<br />

mit einer Maischestandzeit von fast 60 Tagen), wo sie danach<br />

weitere neun Monate lang auf der Feinhefe reifen. So ergibt sich<br />

ein ganz eigenes Geschmacksbild, das aber hervorragend zu dieser<br />

opulenten und stark glyzerinhaltigen Sorte (Kirchenfenster im<br />

Glas!) passt. Tatsächlich ist hier ein bildschöner Charakterwein<br />

entstanden, der sich im Glas leicht trüb und intensiv strohgelb<br />

zeigt. Er präsentiert zunächst eine etwas verhaltene, dann immer<br />

deutlich konturriertere Melange von Kamille und Gewürzen,<br />

Hopfen, Agrumen, etwas Heu und einer gewissen „Steinigkeit“.<br />

Der Wein wirkt schon in der Nase zugleich frisch, reif, cremig und<br />

animierend straff. Am Gaumen begeistert zunächst die Saftigkeit<br />

des Albillo, die mit der antizipierten Cremigkeit einhergeht, der es<br />

allerdings auch nicht an grip und einer geradezu markanten Textur<br />

und Frische mangelt. Auch am Gaumen enorm anregend, die<br />

vermeintliche „aromatische Kargheit“ mündet in eine Mischung<br />

aus gelber (Stein-)Frucht und einer mineralisch-tonischen Qualität.<br />

Parker-Verkoster Luis Gutiérrez notiert: „it comes through as<br />

pure and delineated, tasty and long.“ Dem ist außer dem Hinweis<br />

„unglaublich nachhaltiger Trinkfluss“ und „Albillo Real erweitert<br />

Horizont und Bewusstsein“ nichts hinzuzufügen – groß!<br />

Ab sofort bis sicherlich 2026+.<br />

„MANCHOMUELAS“ DO VINOS<br />

DE MADRID, BLANCO 2018<br />

„Manchomuelas“ – Garnacha-Flüsterer Marc<br />

Isart zaubert jetzt auch in Weiß!<br />

SVM011118 „Manchomuelas“ DO Vinos de Madrid, blanco 2018<br />

11,5% Vol. 26,53 €/l 19,90 €<br />

Garnacha – aber diesmal in Weiß! Für den „Manchomuelas“<br />

greift Marc Isart auf eine 2008 mit Garnacha Blanca (etwas Garnacha<br />

Gris – die auch als Garnacha Dorada bzw. Garnacha Roja<br />

geführt wird – ist auch dabei) bepflanzte Parzelle 2008 zurück,<br />

deren Granitboden einen hohen Eisenanteil aufweist. Interessanterweise<br />

ist diese Rebsorte im offiziellen Register „autorisierter<br />

Varietäten“ nicht erwähnt, was dann doch etwas seltsam<br />

ist, wenn man bedenkt, dass so „klassisch“ spanische Vertreter<br />

wie Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Sauvignon Blanc innerhalb<br />

der D.O. Vinos de Madrid sehr wohl vorgesehen sind. So<br />

umweht den „Manchomuelas“ eben ein gewisser Ruch von Freigeisterei<br />

bis Illegalität – was der Qualität des Weins natürlich<br />

keinen Abbruch tut, im Gegenteil! Denn wie schon bei seinen<br />

Rotweinen gelingt es Marc Isart diesen Wein wunderbar kühl<br />

leuchten zu lassen. Im Duft anfänglich etwas verhalten, man<br />

wäre fast versucht von „Kargheit“, ja „kastilischer Strenge“ zu<br />

sprechen, wäre da nicht eine erster Hauch von weißen Blüten<br />

(Kamille), etwas Fenchel, Zitronenmelisse und Noten von<br />

kühlem Stein. Sobald sich diese „mineralischen“ Wolken dann<br />

lichten, bricht sich ein fast honigfarbener Ton die Bahn – der<br />

komplexe Unterbau der nach und nach in die Bühnenmitte strömenden<br />

Aromen von Hefe, getrockneten Blüten und einer zart<br />

herben, „verdichteten“ Saftigkeit, die eher an grüne Triebe denn<br />

an Frucht erinnert. Am Gaumen dann tatsächlich kühl, transparent<br />

und gleichzeitig konzentriert, dabei herrlich strukturiert<br />

(ganz großes Fingerspitzengefühl beim Ausbau in 300- und<br />

500-Liter-Fässern!) und mit gerade einmal 11,5 Vol.-% Alkohol<br />

eine geradezu irrwitzig leicht anmutende Interpretation einer<br />

häufig viel zu üppig auf Flaschen gezogenen Rebsorte. Herrlich!<br />

Ab sofort bis sicherlich 2027+.<br />

92<br />

Punkte<br />

Parker<br />

93<br />

Punkte<br />

Parker<br />

73


SPANIEN MADRID<br />

Bernabeleva<br />

„CANTOCUERDAS“ MOSCATEL<br />

DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2017 (0,5L)<br />

Madrider Muskateller? Mmmmh!<br />

SVM010417F „Cantocuerdas“ Moscatel DO V. d. Madrid, blanco 2017 (0,5l) 16,5% Vol. 39,90 €/l 19,95 €<br />

Es kann kein Zufall sein, dass Marc Isart das Projekt<br />

von Telmo Rodríguez in der DOP Cebreros betreut –<br />

die beiden scheinen, was ihre Ideen angeht, ein Herz<br />

und eine Seele zu sein. So wie Telmo den echten Gebirgswein<br />

aus Málaga von uralten Buschreben wiederbeleben<br />

wollte, so war es Marcs Bestreben einen<br />

Moscatel aus den Höhenzügen um Madrid als vino<br />

dulce auf die Flasche zu bringen. Für den „Cantocuerdas“<br />

Moscatel greift er auf Trauben einer vor 45 Jahren<br />

bepflanzten, vergleichsweise kühlen Parzelle zurück,<br />

die auf 770 Metern Höhe liegt. Sie werden ganze 40<br />

Stunden kühl vorvergoren, die eigentliche Vergärung<br />

mit Schalen dauert 30 Stunden, der Wein wird dann<br />

auf der Hefe in 500-Liter-Fässern zehn Monate lang<br />

ausgebaut, wobei keinerlei bâtonnage zum Einsatz<br />

kommt. Das Ergebnis: Ein dichter, ausgesprochen<br />

kraftvoller Wein, der bei 16 Vol.-% Alkohol über 60<br />

Gramm Restzucker verfügt. Im Duft eine leicht „verhangene“,<br />

weil dunkelaromatische, dabei faszinierend<br />

komplexe Moscatel-Frucht, florale Noten neben Stein<br />

und einer Spur Holz, dann auch Orangenblüten- bis<br />

fast Pinienhonig und eine fast balsamisch-würzige<br />

Qualität, die an frischen Lorbeer denken lässt. Am<br />

Gaumen eine nur zarte Muskat-Aromatik, dafür umso<br />

mehr Substanz und Struktur, im Nachhall eine leicht<br />

herbe, nach einiger Zeit fast salzige Note, die sich mit<br />

der Süße und einer sanften Säure im druckvollen Abgang<br />

wunderbar verbindet.<br />

Ab sofort bis sicherlich 2024+.<br />

„NAVAHERREROS SEIS AÑOS EN BARRICA“<br />

DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2013<br />

Die Achse Haro–Madrid – jetzt auch bei Pinard de Picard!<br />

SVM011313 „Navaherreros seis años en barrica“ DO V. d. M., blanco 2013 15,5% Vol. 38,53 €/l 28,90 €<br />

Ein erster Blick aufs Etikett lässt das Herz eines jeden<br />

Rioja-aficionados höherschlagen: „…seis años en<br />

barrica“, ein Anlass zu einem inneren Freudentanz!<br />

Die magische „Sechs“ weckt sofort Erinnerungen an<br />

die einzigartigen, stilbildenden Klassiker der Bodega<br />

R. López de Heredia Viña Tondonia. Schon früh in<br />

ihrer Geschichte hatten diese (und hier stimmt das<br />

Wort einmal ohne jede Übertreibung) visionären bodegueros<br />

entschieden, dass ein Wein sechs Jahre im<br />

Holz reifen könne, bevor er auf die Flasche und in den<br />

Verkauf kommt. Und ganz offensichtlich knüpft Marc<br />

Isart an dieses historische Vorbild an, holt die Rioja<br />

nach Madrid.<br />

Dieser anders als man zunächst hätte denken können<br />

gar nicht so über die Maßen ins Bernsteinfarbene<br />

tendierende Wein macht seinem Namen alle Ehre.<br />

Der mehrjährige Ausbau im Holz ist dann im Bouquet<br />

umso deutlicher bemerkbar. Man riecht den langen<br />

Holzfassausbau und die Tiefe, die der Wein dadurch<br />

erreicht hat. Der Wein liegt dunkelgolden (zwiebelschalenfarbene<br />

Reflexe inklusive) im Glas und duftet<br />

würzig-intensiv (sowie auch oxidativ) nach Walnüssen,<br />

Bienenwachs, Brotkruste, alten Möbeln (bis hin<br />

zu einer Spur Möbelpolitur), Leder und getrockneten<br />

Kräutern. Am Gaumen angenehm druckvoll – die beeindruckenden<br />

15,5 Volumenprozent Alkohol erweisen<br />

sich als perfekt integriert – und von einer erstaunlichen<br />

Frische gesegnet, da eine anregende Säureader<br />

diesen wie aus der Zeit gefallenen Wein leitet, der<br />

hier seine Bahnen zieht. Mit etwas Luft dann deutlich<br />

salzige Noten, Trockenfrüchte, lange gezogener Keemun-Tee<br />

(ohne jegliche Adstringenz), dazu heller Tabak,<br />

ein Hauch Vanille und Agrumen.<br />

Ein gewagtes Experiment für wagemutige Genießer –<br />

als Madrilenen ehrenhalber lieben wir so etwas natürlich<br />

sehr! Ein Wein, den man unbedingt als Speisenbegleiter<br />

einsetzen sollte, da er sich sicherlich großartig<br />

zu anchoas de Santoña (idealerweise das Kaliber „00“),<br />

den in Geschmack und Textur fast an Rindfleisch erinnernden<br />

in Salzlake fermentierten Sardellen macht.<br />

Ab sofort aus großen Gläsern und bis 2028+.<br />

74 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Bernabeleva<br />

MADRID SPANIEN<br />

ROT<br />

„CAMINO DE NAVAHERREROS“<br />

DO VINOS DE MADRID, TINTO 2020<br />

Garnacha auf dem Weg zum zeitlosen Klassiker!<br />

SVM010520 „Camino de Navaherreros“ DO V. de Madrid., tinto 2020 14,5% Vol. 13,26 €/l 9,95 €<br />

Bernabelevas „Camino“ in Rot stammt von 50- bis<br />

über 90-jährigen Reben (heuer sind es 90 % Garnacha,<br />

der Rest Tempranillo) aus unterschiedlichen<br />

Parzellen in 700 bis 840 Metern Höhe. Hier ist alles<br />

Granit. Umso einladender das Bouquet dieses herrlich<br />

zugänglichen Weins! Schließen Sie die Augen und<br />

denken an Waldbeeren, fügen Sie florale Noten, Veilchen<br />

und einen Hauch Orangenschale dazu, und fertig<br />

ist ein Parfum, das nicht lange zögern lässt – der<br />

erste Schluck ist so unvermeidlich wie eh und je! Was<br />

sich dann auch sofort bestätigt! Auch diese Version<br />

des „Camino de Navaherreros“ tinto, ist von einer sagenhaften<br />

Schlankheit, Saftigkeit und Straffheit, die<br />

trotz der Garnacha-dominierten Cuvée an die „Trinkigkeit“,<br />

Eleganz und Verfasstheit bester Pinot Noirs<br />

aus dem Elsass denken lässt. Der etwas über sechs<br />

Monate in großem Holz ausgebaute Wein, erinnert<br />

am Gaumen wieder an Beeren, zudem an<br />

Kirschen, dazu eine Handvoll frischer und getrockneter<br />

Kräuter, etwas Nelken und einen<br />

Hauch Pfeffer. Die Frucht dann immer verführerischer,<br />

die anfangs süßlichen Kirschen bekommen<br />

jetzt ein wenig mehr Säure mit auf den<br />

Weg, was den Trinkfluss nur noch mehr erhöht! Ein<br />

zart kreidiges mineralisches Element durchzieht<br />

das Geschehen wie ein Nebelschleier. Das ist – wie<br />

immer! – auf absolut beglückende Weise elegant!<br />

Wir wiederholen es gerne: Schon dieser kleine<br />

vino de pueblo beweist, warum die Garnachas<br />

von Bernabeleva quasi außer Konkurrenz laufen!<br />

Ab sofort und gerne etwas kühler bis 2026.<br />

75


SPANIEN MADRID<br />

Bernabeleva<br />

„NAVAHERREROS“ GARNACHA DO V. D. MADRID, TINTO 2020<br />

Garnacha „de pueblo“ y „de lujo“!<br />

SVM010620 „Navaherreros Garnacha“ DO V. de M., tinto 2020 14,5% Vol. 21,20 €/l 15,90 €<br />

Dieser geniale Navaherreros besteht zu 100 % aus Garnacha,<br />

der in vielen kleinen, in die Wildnis eingebetteten<br />

Parzellen auf Granitböden steht, die sich am Fuße<br />

des Cerro de Guisando befinden. Die Garnacha-Reben<br />

sind über 80 Jahre alt und liefern einen höchst charaktervollen<br />

(mittlerweile müssten wir das als „typisch<br />

Bernabeleva“, „typisch San Martín de Valdeiglesias“ beschreiben),<br />

ja famosen Stoff. Dieser wird im Keller der<br />

Finca spontan vergoren und, wie alle Weine der Bodega,<br />

äußerst schonend behandelt. Der „Navaherreros“<br />

bringt das durch das spezielle Mikroklima der Höhenlage<br />

geprägte Garnacha-Parfum in Reinform ins Glas. Der<br />

Duft gleicht einem „Tauchgang“ in einem von blühenden<br />

Wildkräutern und Pinien eingerahmten Bergsee von<br />

(Sauer-)Kirschen und roten Johannisbeeren. Am Gaumen<br />

dann wunderbar schlank, straff und wohlproportioniert,<br />

durchzogen von einer lebendigen Säureader, die<br />

gleichsam den roten Faden dieser anregenden Inszenierung<br />

darstellt! Sehr schöne Mischung von Blutorange<br />

nebst Schale, Sauerkirschfrucht und einem Hauch Süßholz.<br />

Wo immer sich die 14,5 Vol.-% verborgen haben<br />

sollten – es ist ein treffliches Versteck! Nach und nach zeigt<br />

sich dieser Garnacha von einer etwas athletischeren<br />

Seite (feinstes Tannin im Beipack), jedoch deutlich<br />

mehr klassisches Ballett als Zehnkampf. Momentelang<br />

tänzelt er geradezu über den Gaumen, um dann unvermittelt<br />

das aromatische Geschehen neu zu „verankern“.<br />

Im Finish wieder die Beerenfrucht, „mediterrane“ Würze<br />

und zitrisch-helle Frische. Ziemlich göttlich, diese<br />

Kombination von kastilischer Eleganz und Kraft, die<br />

so nur aus der Sierra de Gredos stammen kann. Marc<br />

Isarts „Navaherreros“ erfüllt auch mit dem 2020er-<br />

Jahrgang sämtliche Verheißungen seiner Vorgänger!<br />

Ab sofort und gerne etwas kühler bis 2027+.<br />

„ARROYO DEL TÓRTOLAS“ DO VINOS DE MADRID, TINTO 2019<br />

Wenn Wasser zu Wein wird …<br />

SVM010719 „Arroyo del Tórtolas“ DO V. de M., tinto 2019 14,5% Vol. 39,86 €/l 29,90 €<br />

93+ Punkte<br />

PARKER<br />

Marc Isart ist ein bescheidener Mensch. Obwohl<br />

er das Weingut Bernabeleva, das in einem<br />

völlig vergessenen Winkel westlich von Madrid<br />

liegt, zu einem der spannendsten Weingüter<br />

Spaniens gemacht hat, ist er auf der Website<br />

des Weinguts gar nicht namentlich erwähnt.<br />

Möglicherweise liegt es auch daran, dass im Grunde niemals<br />

völlig mit seinen Weinen zufrieden ist (und wohl<br />

sein wird). Er ist Macher und Denker in Personalunion,<br />

hinterfragt jeden Schritt, überdenkt sämtliche Prozesse,<br />

ist sich nicht zu schade liebgewohnte Usancen über den<br />

Haufen zu werfen und von vorne anzufanbgen. Die Ergebnisse<br />

sind entsprechend. Er hat die Weine von Bernabeleva<br />

auf ein Niveau gehoben, das in der seinerzeit nur<br />

echten Garnacha-Fanatikern bekannten Sierra del Gredos<br />

so wohl nie zuvor erreicht wurde. Die Basis dafür liefern<br />

uralte Weinberge wie der „Arroyo del Tórtolas“, eine 2,2<br />

Hektar große Lage in 800 Metern Höhe mit nördlicher<br />

Exposition, die, und das ist durchaus ungewöhnlich, meist<br />

den wärmsten und reifsten der Einzellagen-Garnachas<br />

von Bernabeleva hervorbringt. Die Buschreben (Durchschnittsalter:<br />

67 Jahre) wurzeln tief im Granit, über dem<br />

es eine Auflage von sandigem Granitverwitterungsgestein<br />

gibt. Die recht früh, aber reif gelesenen, nicht entrappten<br />

Trauben wurden 36 Stunden lang kühl vorvergoren,<br />

mit den Füßen angequetscht, dann spontanvergoren.<br />

Die Maischegärung dauert in diesem Jahr ganze 55 Tage,<br />

der Ausbau in gebrauchten Fässern verschiedenster Größe<br />

aus französischer Eiche 14 Monate.<br />

Obwohl der Weinberg also nach Norden ausgerichtet<br />

ist – üblich ist ja Süd bis Südost – und man erwarten<br />

sollte, dass der Wein deutlich kühler wirkt als seine<br />

Pendants aus den beiden Einzellagen „Carril del Rey“<br />

und „Viña Bonita“, doch verhält es sich für gewöhnlich<br />

genau umgekehrt. Für gewöhnlich, denn der 2019er<br />

wirkt wunderbar frisch, ja balsamisch-kühl! Wie Parkers<br />

Mann in Spanien, Luis Gutiérrez, schon schreibt: „Im<br />

Jahr 2019 kehren die drei Einzellagen-Rotweine zu ihrem<br />

wahren Charakter zurück“. Feine Tannine, schon ideal<br />

abgerundet, versprechen verheißungsvoll Trinkreife.<br />

Im Duft erinnert er an Walderdbeeren und -himbeeren,<br />

an rote und schwarze Johannisbeeren und Kirschen. Im<br />

Gegensatz etwa zum„Carril del Rey“ lassen sich hier<br />

auch deutlich „dunklere“ Noten (Luis Gutiérrez beschreibt<br />

es als „tiefe Reife“) wahrnehmen – Beeren an<br />

mit Zimt gewürzter Schokolade, etwas Lakritz sowie<br />

Tabakwürze. Am Gaumen zeigt der Wein eine fantastische<br />

Balance von punktgenau gereifter Frucht, feinkörnigem,<br />

fast seidigem Tannin und (wir wiederholen<br />

uns) balsamischer Würze. Dazu eine seh feine, geradezu<br />

saftig-fruchtige Säure (Garnacha-typisch: Blutorange!)<br />

und einer tiefgründigen dem Granit geschuldeten<br />

Mineralität. Der Wein bleibt, aller konstatierten Reife<br />

zum Trotz, herrlich kühl, verfügt dabei über einen<br />

wunderbar animierenden grip und ein schönes Quantum<br />

Kraft. Eleganz und Finesse? ¡Si señor!<br />

Mit großen Genuss ab sofort und bis 2031+.<br />

76 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Bernabeleva<br />

MADRID SPANIEN<br />

„CARRIL DEL REY“ DO VINOS DE MADRID, TINTO 2019<br />

Königsweg Garnacha – niemand beschreitet ihn so souverän wie Marc Isart!<br />

SVM010819 „Carril del Rey“ DO Vinos de Madrid, tinto 2019 13,5% Vol. 39,86 €/l 29,90 €<br />

Auch der „Carril del Rey“ liegt in vergleichsweise hellem<br />

Rot im Glas – 13,5 Vol.-% die alkoholische Marke<br />

(analytisch sind es wohl 13,25), immerhin mehr ein<br />

halbes „Grad“ weniger als der doch reifere Vorgänger,<br />

was dem Wein, der sonst derjenige ist, der von<br />

den vinos de parcela, den Einzellagen-Garnachas von<br />

Bernabeleva, üblicherweise als letzter gelesen wird,<br />

ganz hervorragend steht. Üblicherweise, denn diesmal<br />

war die frühe Lese beim „Carril del Rey“ der Königsweg<br />

(pun intended!) Die Trauben stammen von etwa 75 Jahre<br />

alten Reben (insgesamt 4,2 Hektar, die schon lange<br />

biologisch-organisch mit biodynamischen Aspekten<br />

bewirtschaftet werden), die sich auf einem südlich<br />

ausgerichteten, sanft geschwungenen, von Granit geprägten<br />

Hügel befinden. Typisch für Marc Isart, den<br />

Weinmacher von Bernabeleva, ist die ganz reduzierte<br />

Art der Vinifikation, bei der auf Schönung, Filtration<br />

und jegliche Zugabe bis auf eine kleine Menge Schwefel<br />

verzichtet wird. Die Trauben wurden über 36 Stunden<br />

kühl vorvergoren und dann samt ihrer Stiele und<br />

Stengel recht kühl spontan vergoren. Die Maischegärung<br />

erfolgte dann über 45 Tage, die malolaktische<br />

Gärung dann in Holzfässern unterschiedlicher Größe<br />

und Provenienz wie auch der sich über elf Monate<br />

erstreckende Ausbau.<br />

Was den Wein prägt, ist die aromatische Frische, die<br />

an Granatapfelsaft und Sauerkirsche erinnert, darüber<br />

hinaus auch an Blaubeeren, Blutorange, und<br />

weiße Johannisbeeren. Im Hintergrund finden sich<br />

kalkig-kreidige und kräuterwürzige Noten (Thymian<br />

und etwas Rauch). Am Gaumen wird dann allerdings<br />

überdeutlich, womit man es beim „Carril<br />

del Rey“ wirklich zu tun hat.<br />

Zwar bleibt die Aromatik rot und frisch (jetzt<br />

auch helle, leicht säuerliche Pflaumen und<br />

Cranberries), aber hier wird die bemerkenswerte<br />

Eleganz, ja Finesse deutlich, die diesem<br />

Garnacha eigen ist. Haben wir beim<br />

2018er den kraftvoll-athletischen Körper<br />

des Weins bestaunt, ist es jetzt die herrlich<br />

straffe Struktur, sind es sein drive<br />

und spin, der uns begeistert. Statt Druck<br />

am Gaumen bewundern wir seinen famosen<br />

Zug, der mit dem Trinfluss Hand<br />

in Hand geht, die wirklich großartige<br />

Frische dieser ätherischen Garnacha.<br />

Dabei macht sich ganz nebenbei auch<br />

ein enorm feines, im wahrsten Sinne des<br />

Wortes feinkörniges (und herrlich strukturierendes),<br />

Tannin bemerkbar. Dieser<br />

von Luis Gutiérrez (Robert Parker’s Wine Advocate)<br />

mit der bisher höchsten Note von 94+ Punkten bewertete<br />

„ Carril del Rey“ („zart, blumig und ätherisch“)<br />

bleibt auf der klaren, transparenten und von brillanter<br />

Säure geprägten Seite, vibrierend, enorm lebendig,<br />

dabei und harmonisch zugleich immer wieder leise<br />

fordernd – eine Forderung, der man liebend gerne<br />

nachkommt, denn sie lautet ganz einfach:<br />

„bebeme“ – „trink mich“!<br />

Ab sofort und bis 2032+.<br />

94+ Punkte<br />

PARKER<br />

77


PORTUGAL VINHO VERDE<br />

Anselmo Mendes<br />

ANSELMO<br />

MENDES<br />

MELGAÇO<br />

Terroirverwurzelt wie seine Alvarinhos,<br />

die Königin der portugiesischen Weißweinreben,<br />

Anselmo Mendes: Seine langlebigen Vinho Verdes<br />

zählen zu den Weißwein-Ikonen Portugals.<br />

Sattgrün und feucht ist Portugals nördlichste, nach dem<br />

gleichnamigen Grenzfluss zu Spanien benannte Region<br />

Minho, eine sanfthügelige Landschaft. Dieser fruchtbare,<br />

geradezu üppige, in weiten Teilen von alten Steinterrassen gegliederte<br />

Garten ist die Heimat des Vinho Verde, dessen oftmals<br />

einfache Qualitäten hierzulande als leichter, prickelnder Sommerwein<br />

- gerne auch mit einer dezenten Süße - bekannt und in<br />

den Regalen vieler Supermärkte verkauft werden. Kenner lassen<br />

sie links liegen. Dass ein Vinho Verde aber viel mehr sein kann,<br />

nämlich ein trockener, körperreicher, intensiv aromatischer und<br />

vielschichtiger Wein, ist in Portugal hinlänglich bekannt. Dafür<br />

haben einige namhafte Erzeuger bereits in den 1980er Jahren<br />

gesorgt. Und Anselmo Mendes zählte damals zu den Ersten,<br />

die das enorme Potenzial der Rebsorte Alvarinho für den<br />

„Wein aus der grünen Region“ erkannt hatten. Mit seiner Lieblingsrebsorte<br />

ist der bodenständige, umtriebige, überall mit<br />

anpackende Mendes ganz und gar verwachsen: „Ich habe sie<br />

bis ins kleinste Detail erforscht und gelernt, sie immer besser<br />

zu verstehen. Damals ahnte ich bereits, dass wir ihre Möglichkeiten<br />

viel besser nutzen können, als wir es ohnehin bereits<br />

taten“, betont er. Heute gilt Anselmo Mendes zwischen Minho<br />

und Algarve als Spitzenerzeuger, seine Weine werden Jahr für<br />

Jahr zu den Besten des Landes gekürt und auch auf internationaler<br />

Ebene hoch bewertet.<br />

78 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Anselmo Mendes<br />

VINHO VERDE PORTUGAL<br />

Trotz eines zusätzlichen Engagements in<br />

Übersee ist Tausendsassa Mendes ganz<br />

Teil seiner portugiesischen Landschaft<br />

geblieben, tief verwurzelt und in seiner<br />

Heimat einer der Vordenker und Vorreiter<br />

des Terroir-Gedankens. Er kennt jeden<br />

Zentimeter seiner Erde, arbeitet die wesentlichen<br />

Elemente, jede Facette jeder<br />

einzelnen Lage heraus und vinifiziert alle<br />

Lagen separat. So kann jede Sorte und<br />

jede Parzelle am Höhepunkt ihrer Reife<br />

gelesen werden, was zur ständigen<br />

Qualitätsverbesserung beiträgt. „Je nach<br />

Rebgut und Stil des Weines entscheiden<br />

wir dann von Fall zu Fall, ob die Gärung<br />

in Holzbottichen oder in Stahltanks ablaufen<br />

soll.“<br />

Anselmo Mendes besitzt eigene Weingärten<br />

in Monção und Melgaço, im Lima-<br />

Tal und am Douro, andere wurden gepachtet<br />

und werden von ihm bewirtschaftet.<br />

Einige Trauben werden auch zugekauft,<br />

was im Norden Portugals allgemein üblich<br />

ist. „In dieser paradiesischen Landschaft<br />

kann man in einem 360-Grad-Panorama<br />

die Bergketten betrachten, die das Tal<br />

schützen und sofort erfassen, welch ungewöhnliche<br />

Gebiete Monção und Melgaço sind“, schwärmt<br />

Mendes. Raupen und Traktoren sind fast unentwegt im Einsatz<br />

und machen die überwucherten und verwilderten Parzellen<br />

rund um das alte Anwesen wieder urbar. Karge Granitböden<br />

mit einer dünnen Humusschicht, ein idealer Boden, um große<br />

Weine zu erzeugen.<br />

Die Weinberge werden mit nachhaltigen, die Umwelt schonenden<br />

Methoden bewirtschaftet, die Trauben von Hand gelesen<br />

und mithilfe von pneumatischen Pressen sanft gekeltert. Traditionelle<br />

Methoden bei der Weinbereitung, wie die Mazeration<br />

und die Gärung von Weißweinen in großen Holzbottichen,<br />

werden neben modernen Techniken, wie z.B. Edelstahltanks,<br />

genutzt. „Wir spielen gerne mit den Temperaturen, probieren<br />

unterschiedliche Fässer aus und nutzen die Möglichkeiten der<br />

modernen Kellertechnik, um aus unseren Mosten die bestmöglichen<br />

Weine zu bereiten“, betont Mendes.<br />

Dabei hilft ihm natürlich sein einzigartiger Schatz, das bestmögliche<br />

Terroir direkt vor seiner Haustür, nahe der Kleinstadt<br />

Melgaço und dem benachbarten Monção. Das Gebiet der DOC<br />

Vinho Verde gleicht einem nach Westen exponierten Amphitheater,<br />

das die regenreichen atlantischen Westwinde einströmen<br />

lässt. Im Jahresdurchschnitt fallen hier 1.200 mm Regen<br />

bei 3.100 Sonnenstunden pro Jahr. Die Meeresbrisen verleihen<br />

den Weinen diese unnachahmliche Frische, die porphyrischen<br />

Granitböden in Melgaço und die vorwiegend von Kalkstein geprägten<br />

Böden in Monção ihren mineralischen Charakter. Die<br />

beiden im Nordosten der DOC Vinho Verde gelegenen Unterregionen<br />

Melgaço und Monção weisen ein ganz besonderes<br />

Mikroklima auf: Sie sind von Bergen umgeben, die sie von den<br />

atlantischen Regenwinden etwas abschirmen. Dieser Schutz<br />

führt zu höheren Reifegraden, die so wichtig sind, damit perfekt<br />

ausbalancierte Alvarinhos entstehen, ideale Voraussetzungen,<br />

um Spitzen-Weißweine zu erzeugen. Dort, im Minho-Tal, an<br />

der Grenze zur spanischen Weinbauregion Rias Baixas, baut Anselmo<br />

Mendes hauptsächlich diese Sorte an, die im spanischen<br />

Galicien „Albariño“ genannt wird. So fruchtig und intensiv die<br />

Albariños aus Spanien sind, so frisch, mineralisch und präzise<br />

strukturiert sind die Alvarinhos von Anselmo Mendes.<br />

Mittlerweile erzeugt Mendes in drei Unterregionen der DOC<br />

Vinho Verde Weine aus drei Rebsorten, die entweder sortenrein<br />

vinifiziert oder miteinander verschnitten werden: Alvarinho<br />

am Minho, Loureiro im Lima-Tal und Avesso in der Unterregion<br />

Baião am Ufer des Douro. Alvarinho verleiht dem Wein Struktur<br />

und Körper, Loureiro intensive Aromen und Avesso Säure und<br />

Mineralität. Mendes schwärmt: „Wie einige meiner Mitstreiter<br />

und Kollegen versuche ich mit meinen Weinen zu zeigen, dass<br />

in unserer großartigen Weinbauregion terroirtypische und langlebige<br />

Weißweine der Spitzenklasse erzeugt werden. Wir versuchen,<br />

die Region als eine der weltbesten Anbaugebiete für<br />

Weißweine zu etablieren“.<br />

Das ist diesem rührigen Winzer bereits voll und ganz gelungen:<br />

In Portugal sind die Weine von Anselmo Mendes legendär, bei<br />

uns in Deutschland sind sie hingegen noch immer eher ein<br />

Geheimtipp. Als Mendes einen fünf Jahre alten Loureiro für uns<br />

öffnete, waren wir erstaunt, wie frisch er noch war und welch<br />

grandiose Struktur er hatte. Allen unseren Kunden, die abseits<br />

der ausgetretenen Pfade neugierig sind auf Entdeckungen, können<br />

wir diese Schätze nur ausdrücklich anempfehlen. Denn wir<br />

sind uns sicher: Anselmo Mendes ist einer der größten Weißweinwinzer<br />

weltweit! Seine Vinho Verdes sind individuelle<br />

Weine von höchster Qualität, die nichts mit den belanglosen<br />

und bonbonartigen Leichtweinen gemein haben, die unter dem<br />

Etikett „Vinho Verde“ den Gaumen von experimentierfreudigen<br />

Vinophiler traktieren. Heute werden seine Weine Jahr für Jahr<br />

zu den Besten des Landes gekürt und auch auf internationaler<br />

Ebene gefeiert. Diese großartigen Alvarinhos, Loureiros und<br />

Avessos begeistern durch ihre individuelle Art und überzeugen,<br />

solo oder als kongeniale Essensbegleiter, mit einem schier unfassbaren<br />

Preis-Genuss-Verhältnis. Auch die Parker-Kritiker<br />

haben’s erkannt: „High-End-Quality!“<br />

79


PORTUGAL VINHO VERDE<br />

Anselmo Mendes<br />

„3 RIOS“ DOC VINHO VERDE, BRANCO 2021<br />

Meisterhafte Mendes-Melange à trois!<br />

PVV010821 „3 Rios“ DOC Vinho Verde, branco 2021 PK 12,5% Vol. 10,60 €/l 7,95 €<br />

Anselmo Mendes gehört zu den großen Vorreitern der<br />

Weißwein-Erzeugung in Portugal. Während „Vinho<br />

Verde“ lange Zeit gerade im Export vor allem für leicht<br />

süße und mit ein wenig Kohlensäure versetzte Sommerweine<br />

stand, die auch noch grün(stichig) zu sein<br />

hatten, damit sie ihrem Namen gerecht wurden, hob<br />

eine kleine Gruppe von Winzern den Stil dieser Weine<br />

auf ein neues Niveau. „Vinho Verde“ steht mitnichten<br />

für grüne Weine im Sinne von Unreife und grüner Aromatik.<br />

Das kann man schon daran erkennen, dass es<br />

auch roten und roséfarbenen „Vinho Verde“ gibt. Der<br />

Name bezeichnet einen Wein, der aus dem grünen und<br />

regenreichen Nord-Portugal stammt, das sich vom<br />

Douro bis zum Grenzfluss Minho erstreckt. Zwischen<br />

diesen beiden Flüssen fließt unter anderem auch der<br />

rio Lima, der den Namen für eine von acht Subregionen<br />

liefert. Der Douro steht für die Vinho-Verde-Sorte<br />

Avessa, Lima für den Loureiro und der Minho mit der<br />

Subregion Monção e Melgaço – die Heimat von Anselmo<br />

Mendes – für den Alvarinho. So sind bei diesem<br />

Wein alle guten Dinge drei – und das zweifach, denn<br />

doppelt hält besser! Anselmo Mendes’ „3 Rios“ ist seine<br />

neue Visitenkarte in Sachen klassischer „Vinho Verde“,<br />

der aus mehreren Rebsorten komponiert wird. Dabei<br />

steht der Alvarinho für intensive Aromen, Tiefe, Struktur<br />

und Körper, der Loureiro für Eleganz, Intensität,<br />

florale Noten und den typischen Hauch von Lorbeer,<br />

während Avesso für Säure, Mineralität, gelbe Noten<br />

und Mandelaromen sorgt. Der 2021er-Jahrgang wird<br />

die Erfolgsgeschichte dieses Weins weiterschreiben,<br />

so viel ist gewiss! Im Duft erinnert er an Pfirsiche und<br />

Orangen (ein Hauch Tropenfrucht ist auch dabei), dazu<br />

florale Noten, ein wenig zerstoßenem Stein, Kräutern<br />

und noch leicht grüne Mandeln. Am Gaumen gibt sich<br />

der „3 Rios“ dann auch als herrlicher frischer und saftiger<br />

Wein zu erkennen, eine anregende Melange von<br />

Zitrusfruchtigkeit (bis hin zur Salzzitrone), weißem<br />

Steinobst, rezenten Äpfeln, Minze und Melisse. Dieser<br />

Vinho Verde liefert ein cremiges zugleich auch druckvolles<br />

Mundgefühl, während die leicht salzigen, zitrischen<br />

Noten den Trinkfluss brillant befördern. Keine Frage,<br />

die esten Sonnentage können, nein müssen kommen!<br />

Ab sofort und bis sicherlich noch 2025 ein Genuss.<br />

80 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Anselmo Mendes<br />

VINHO VERDE PORTUGAL<br />

„MUROS ANTIGOS – ESCOLHA“ DOC VINHO VERDE,<br />

BRANCO 2021<br />

Anselmo Mendes’ Klassiker – ein „Vinho Verde“, wie er sein sollte!<br />

PVV010121 „Muros Antigos – Escolha“ DOC Vinho Verde, branco 2021 DV 12,5% Vol. 9,26 €/l 6,95 €<br />

Im Programm von Anselmo Mendes gibt es vier Weine,<br />

die wie kaum andere für die Identität des „Vinho<br />

Verde“ stehen. Es sind die „Muros Antigos“, benannt<br />

nach den alten Trockensteinmauern, die viele von Anselmos<br />

Weinbergen prägen. Die besitzt er in seiner<br />

Heimat, der Subregion Monção e Melgaço am Fluss<br />

Minho, in der Subregion Lima am Fluss Lima und in<br />

den Subregionen Sousa und Baião am Douro. Jeder der<br />

Flüsse steht für ein eigenes Klima, für eigene Bodenstrukturen<br />

und eine besonders geeignete Rebsorte. In<br />

Monção e Melgaço ist es der Alvarinho, in Lima Loureiro<br />

und in Sousa und Baião der Avesso. Dabei steht<br />

Alvarinho (rund 20 %) für intensive Aromen, Tiefe,<br />

Struktur und Körper, Loureiro (rund 40 %) für Eleganz,<br />

Intensität, florale Noten und den typischen Hauch<br />

von Lorbeer, während Avesso (rund 40 %) für Säure,<br />

Mineralität, gelbe Noten und Mandelaromen sorgt.<br />

Die drei Rebsorten baut Mendes einerseits reinsortig<br />

als „Muros Antigos“ aus, und andererseits verbindet<br />

er sie zu der Cuvée „Muros Antigos – Escolha“. Diese<br />

Cuvée bildet die Quintessenz der drei Sorten und<br />

ist so etwas wie die „Reserva“ des einfacheren und<br />

jünger zu trinkenden „3 Rios“. Der „Muros Antigos –<br />

Escolha“ ist Vinho Verde in nuce, und das heißt bei<br />

Mendes vor allem: auf höchstem Niveau. Lassen Sie<br />

sich um Himmels willen vom Preis nicht in die Irre führen!<br />

Der „Escolha“ verbindet unkomplizierten Trinkspaß,<br />

mit bemerkenswerter Substanz und wirklich hinreissender<br />

Eleganz. Der Wein duftet einladend fruchtig<br />

und intensiv nach Granny Smith und Conference-Birnen,<br />

nach Limetten und Salzzitronen, aber auch weißen<br />

Blüten und nassem Stein. Am Gaumen ein Ausbund<br />

an Frische, Finesse und einer seidig-saftigen<br />

Cremigkeit. Um uns selbst zu zitieren: „Das muss man<br />

so erst einmal hinbekommen!“ Aber Meister Mendes<br />

kann’s halt. Am Gaumen baut der Vinho Verde dann<br />

immer mehr Druck auf, der Wein wirkt salziger, wird<br />

dabei immer saftiger und vereint nun rezent-frische,<br />

„grüne“ („verde“!) Elemente mit fruchtig-intensiven<br />

gelben Noten. Ein Wein, der jeden im Nu zum Anselmo-Mendes-Vinho-Verde-Fan<br />

werden lassen sollte!<br />

Ab sofort und bis 2027.<br />

„MUROS ANTIGOS – LOUREIRO“ DOC VINHO VERDE,<br />

BRANCO 2021<br />

Lasset uns den Loureiro loben: Eleganz mit intensiv zitrischer Volte!<br />

PVV010221 „Muros Antigos – Loureiro“ DOC Vinho Verde, branco 2021 PK 12,5% Vol. 10,26 €/l 7,70 €<br />

Der Loureiro ist eine der sechs typischen Sorten für<br />

weißen (es gibt ihn auch in Rot!) Vinho Verde. Noch bis<br />

vor wenigen Jahren kannte man diese Weine, zumal<br />

mit Resten von Gärkohlensäure, vor allem als einfache<br />

Sommer-Cuvée. Nicht zuletzt durch Anselmo Mendes<br />

hat sich das nachhaltig geändert, denn mittlerweile<br />

ist klar, dass einige der für die Cuvée typischen Rebsorten<br />

auch reinsortig ein exzellentes Bild abgeben.<br />

Als Erstes hat man das beim Alvarinho entdeckt, dann<br />

beim Loureiro, der die am häufigsten angebaute Sorte<br />

der Region ist. Der Name „Loureiro“ bedeutet so<br />

viel wie „kleiner Lorbeer“, und tatsächlich kann man<br />

in sortenreinen Loureiro-Weinen sehr häufig genau<br />

dieses frisch-würzige Aroma ausmachen. Darüber<br />

hinaus erinnert der Loureiro, der vor allem am Fluss<br />

Lima angebaut wird, an den Duft von Rosen und Freesien,<br />

an Zitrusfrüchte, „steinige“ Noten und zeigt sich<br />

dabei im besten Falle (wie hier!) von bemerkenswert<br />

elegantem Zuschnitt. Tatsächlich dominieren die zitrischen<br />

Aspekte bei diesem „Muros Antigos – Loureiro“:<br />

Meyer-, Cedrat- und Salzzitronen (in fast „süßer“<br />

Ausprägung) bestimmen das Aroma, ergänzt durch<br />

Lorbeer und zarte Kräuternoten. Der Wein, dessen<br />

Trauben immer sanft gepresst werden und dem man<br />

ein wenig Maischestandzeit auf der Presse gönnt, wird<br />

recht kurz, über nur vier Monate im Edelstahl auf der<br />

Hefe ausgebaut, was seine wirklich unnachahmliche<br />

Frische garantiert. Gleichzeitig aber besitzt er eine beeindruckende<br />

Substanz und tiefschürfende Mineralik,<br />

die nicht zuletzt von den Granitböden der Region<br />

stammt. Granit sagt man nach, enorm viel elektrisierende<br />

Spannung in den Wein zu bringen – und genau so ist das<br />

hier. Hinzu kommt der starke Einfluss des atlantischen<br />

Klimas auf die Region Lima, die sich von der Mündung<br />

des Flusses Lima in den Atlantik ins Landesinnere<br />

zieht. Diese Spannung und Frische bestimmt den Gaumen.<br />

Dabei schafft es Anselmo, dem „Loureiro“ Saft,<br />

Cremigkeit und Fülle zu verleihen, wobei der Wein<br />

trotzdem bemerkenswert viel Druck und entsprechend<br />

Trinkfluss aufbaut. Das macht einfach immens viel Spaß,<br />

zumal die feine Salzigkeit und die hohe „Volt-Zahl“<br />

dieses spannungsgeladenen Weins einfach famos sind!<br />

Natürlich ab sofort und leicht über 2029 hinaus.<br />

81


PORTUGAL VINHO VERDE<br />

Anselmo Mendes<br />

„MUROS ANTIGOS – AVESSO“ DOC VINHO VERDE,<br />

BRANCO 2021<br />

Hinreißend frische und würzige „beleza“ von Dom Anselmos Gnaden<br />

PVV010321 „Muros Antigos – Avesso“ DOC Vinho Verde, branco 2021 PK 12,5% Vol. 11,93 €/l 8,95 €<br />

Portugals Weine sind (abgesehen von Portwein) nicht<br />

unbedingt jedem ein Begriff – genauso die DOC Vinho<br />

Verde ganz im Norden des Landes, wo immerhin seit<br />

dem 9. Jahrhundert Weinbau beurkundet ist. Wenn<br />

man diese Weine aber doch kennt, dann liegt das an<br />

Winzern wie Anselmo Mendes. Nach dem Studium<br />

hat er sich dem Weinbau in seiner Heimatregion<br />

gewidmet und produziert dort seit 1998 Weine, die<br />

modern und anspruchsvoll sind, ohne sich zu verbiegen.<br />

Terroir und der Charakter der Rebsorten sollen<br />

sich entfalten, anstatt sich einer geschmacklichen<br />

Mode zu unterwerfen. Diese Eigenständigkeit überzeugt<br />

Kritiker seit langem. Und während die Portugiesen<br />

schon seit geraumer Zeit wissen, welche<br />

Qualitäten ihr Wein erreichen kann, finden wir das<br />

– Schritt für Schritt – gerade erst heraus.<br />

Der eher bescheidene Ruf des Vinho Verde rührte vormals<br />

von wenig alkoholischen (unter 10 Vol.-%), deutlich<br />

restgezuckerten Massenweinen, die häufig mit Kohlensäure<br />

aufgespritzt zumindest etwas „belebt“ wurden.<br />

Mendes’ Weine unterscheiden sich davon schon im<br />

Ansatz, zumal keiner seiner hier vorgestellten Weißweine<br />

mehr als 1,2 Gramm Restzucker auf die Waage<br />

bringt. Mit dem „Muros Antigos – Avesso“ vinifiziert<br />

Anselmo eine der traditionellen Traubensorten der<br />

Region. Avesso, was auf Portugiesisch „gegensätzlich“<br />

bedeutet, vielleicht wegen ihrer Fähigkeit, in ihrer Heimat<br />

Vinho Verde im Norden Portugals höhere Alkoholwerte<br />

als andere Sorten zu erreichen, wurde erstmals<br />

1896 erwähnt. Das sowie die geringe genetische<br />

Vielfalt lassen vermuten, dass es sich nicht um eine<br />

sonderliche alte Sorte handelt, wohl aber über eine,<br />

die neben Alvarinho als edelste gilt. Avesso wird in der<br />

Region Minho im Norden Portugals angebaut, vor allem<br />

in Baião (von hier stammen die Trauben für diese<br />

Muros-Antigos-Variante), Cinfães und Resende in der<br />

Nähe des Unterlaufs des Douro, wo er ein wichtiger<br />

Bestandteil der Appellation Vinho Verde ist und oft<br />

einen höheren Alkoholgehalt (12–13 Vol.-%) als die in<br />

den Vorschriften erlaubten 11,5 Vol.-% erreichen kann.<br />

Dieser vollere Körper wird von frischer Säure und<br />

Frucht begleitet, die zu Steinobst und fast tropischen<br />

Aromen neigen kann.<br />

Der „Avesso“ von Mendes, von dem es gerade einmal<br />

10.000 Flaschen gibt (zum Vergleich: der „Muros<br />

Antigos – Alvarinho“ kommt auf 120.000 Flaschen!)<br />

und der 2015 sein Debut gegeben hat – „It’s a super<br />

Vinho Verde“ – Mark Squires (Robert Parker’s Wine<br />

Advocate) – versteckt seine 13 Vol.-% Alkohol mit<br />

geradezu schlafwandlerischer Sicherheit hinter einem<br />

bemerkenswert komplexen Bouquet von Fruchtnoten<br />

einerseits – gelbe Steinfrucht, Nektarine, Apfel und<br />

Zitrusnoten – und andererseits erdig-würzigen Kräuternoten.<br />

Am Gaumen bleibt dieser kraftvolle, aber<br />

balanciert harmonische Eindruck erhalten. Ausdrucksvolle<br />

Säure von Apfel und Limette sind verwoben mit<br />

fein salziger Mineralität. Dieses Zusammenspiel prägt<br />

den intensiven und würzigen Charakter des Avesso.<br />

Im trockenen Abgang bleiben die mineralischen Noten<br />

und es blitzt eine pfeffrige Würze auf.<br />

Das ist ganz groß, was Anselmo Mendes hier an Vinho<br />

Verde liefert. Portugiesen wie diesen sollte man<br />

dringend mehr Aufmerksamkeit schenken – schon<br />

aus reinem Eigennutz.<br />

Ab sofort (ein kurzes Belüften wird belohnt!) und mit Genuss<br />

bis sicherlich 2028+.<br />

82 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Anselmo Mendes<br />

VINHO VERDE PORTUGAL<br />

„MUROS ANTIGOS – ALVARINHO“ DOC VINHO VERDE,<br />

BRANCO 2021<br />

Anselmo Mendes und Alvarinho – „a match made in heaven“!<br />

PVV010421 „Muros Antigos – Alvarinho“ DOC Vinho Verde, branco 2021 PK 12,5% Vol. 15,86 €/l 11,90 €<br />

Wenn es heute zwei Aushängeschilder der grünen portugiesischen<br />

Grenzregion zu Spanien für den „Vinho<br />

Verde“ gibt, dann steht auf dem einen „Anselmo Mendes“<br />

und auf dem anderen „Alvarinho“. Der Alvarinho<br />

hat sich innerhalb dreier Jahrzehnte zur wichtigsten<br />

weißen Rebsorte des Landes gemausert. Früher wurde<br />

er ausschließlich in den klassischen Cuvées des „Vinho<br />

Verde“ verarbeitet. In den 1980er-Jahren gehörte<br />

Anselmo Mendes zu einer kleinen Gruppe von Winzern,<br />

die das Potenzial der Sorte in der Sub-Region<br />

Monção e Melgaço einmal reinsortig ausprobieren<br />

wollten. Schließlich waren die Winzer auf der spanischen<br />

Seite der Grenze in den Rías Baixas damit zum<br />

Teil sehr erfolgreich. Anselmo wurde mit seinem Stil<br />

schnell zu einem nationalen wie internationalen Star<br />

– und mit ihm die Rebsorte, die er heute unterschiedlich<br />

interpretiert. Eine Variante ist der klare, terroirund<br />

rebsortenbetonte Stil des „Muros Antigos – Alvarinho“,<br />

der aus Weinbergen mit Südausrichtung<br />

stammt, die von Granit geprägt sind. Der Alvarinho<br />

wurde von Hand gelesen, die entrappten Trauben<br />

wurden langsam gepresst und nach einem kühlen<br />

Absetzen der Sedimente langsam bei 12 bis 20 °C vergoren.<br />

Danach folgen vier Monate Ausbau auf der<br />

Feinhefe. Das ist nicht lange, aber Anselmo möchte<br />

die Frische unbedingt bewahren, und trotzdem besitzt<br />

der Wein ein Alterungspotenzial von mindestens<br />

zehn Jahren. Und das heißt nicht, dass er dann<br />

vielleicht noch trinkbar ist, nein, er entwickelt sich in<br />

dieser Zeit zu einem immer tiefer werdenden Wein<br />

(einen kleinen Vorgeschmack bietet der jetzt schon<br />

absolut hinreißende 2020er, der nicht von ungefähr<br />

die Bestenliste des Magazins Wine Enthusiast „The<br />

Enthusiast 100“ von 2021 auf Platz 31 ziert. Im Jahr<br />

davor war’s der 2019er auf Platz 34, Sie verstehen …?).<br />

Alvarinho ist ein Rebsorte, die eine besondere Struktur<br />

und einen kraftvollen Körper mit lebendiger Mineralität<br />

und Frische verbinden kann und deren Säuregerüst<br />

und Extrakt für die Langlebigkeit sorgen.<br />

Beim Jahrgang 2021 sorgen Noten von knackig frischen<br />

Äpfeln und Birnen, Melonen und Zitronen und ein<br />

Hauch von Fenchelgrün, unreifen Haselnüssen und<br />

Mandeln für einen fruchtigen Frischekick der besonderen<br />

Art. Am Gaumen liefert der „Muros Antigos –<br />

Alvarinho“ ein beeindruckendes Schauspiel. Er zeigt<br />

sich cremig und sanft mit einer sehr beherzten, dabei<br />

seidigen Säure und hellen Frucht. Je länger der Wein<br />

am Gaumen bleibt, desto mehr Spannung und Druck<br />

baut er auf. Der Granitboden sorgt für eine ganz eigene<br />

Art der Mineralität, die den Wein durchzieht und<br />

im Innersten prägt. Das ist Weißwein auf einem hohen<br />

Niveau, das der Preis nicht im Geringsten widerspiegelt.<br />

Wir sind immer wieder glücklich über diese<br />

Juwelen unseres Programms!<br />

Jetzt und immer und mit Leichtigkeit bis 2031+.<br />

83


PORTUGAL VINHO VERDE<br />

Anselmo Mendes<br />

„CONTACTO“ ALVARINHO DOC VINHO VERDE, BRANCO 2021<br />

Neuer, zeitloser „Vinho Verde“-Archetyp!<br />

Ein wie immer großartiger, ja großer Wein zu einem kleinen Preis.<br />

PVV010521 „Contacto“ Alvarinho DOC Vinho Verde, branco 2021 PK 12,5% Vol. 15,86 €/l 11,90 €<br />

Es dürfte wirklich keine Übertreibung sein, wenn man<br />

Anselmo Mendes’ Alvarinho „Contacto“ als einen<br />

game changer oder als ein role model für die neue<br />

Generation des „Vinho Verde“ bezeichnet, denn dieser<br />

„Vinho Verde“ ist etwas ganz Besonderes. Erstens:<br />

Es ist ein reinsortiger Alvarinho. Zweitens: Er kommt<br />

aus der Subregion Monção e Melgaço aus Weinbergen<br />

der Quinta da Torre direkt am Fluss Minho, die<br />

neben Granit über einen hohen Kiesanteil verfügen.<br />

Und drittens: Die Trauben hatten einen etwas längeren<br />

Schalenkontakt von zwölf Stunden bei 12 °C. Er<br />

ist keineswegs ein Orange-Wein (so lange dauerte die<br />

Standzeit nicht), aber der etwas längere Kontakt sorgt<br />

eben für das genau richtige Maß an Extrakt und Textur.<br />

Das hat ihn zu einem unserer Lieblingsweißweine<br />

aus Portugal gemacht. Und wir wissen, dass es nicht<br />

nur uns so geht, denn mit diesem Wein wurde vielen<br />

Weinliebhabern erstmals bewusst, welches Potenzial<br />

die Rebsorte Alvarinho in sich birgt. Sie ist nicht nur<br />

in der Lage, frische Sommerweine zu produzieren,<br />

sondern eben auch Weine wie diesen, der über Komplexität<br />

und Substanz verfügt, und das nicht nur im<br />

Jahr seiner Füllung, sondern auch noch für die nächsten<br />

zehn bis 15 Jahre! Da kann man den Alvarinho sehr<br />

gut mit ähnlichen ehemaligen Underdogs vergleichen,<br />

die in den richtigen Händen ebenfalls zu komplexen<br />

und alterungswürdigen Weinen heranreifen können.<br />

Wir denken nur an Pieropans Soave „La Rocca“, an so<br />

manchen Muscadet und Aligoté. All das sind Texturund<br />

Strukturweine mit enorm hohem (Genuss- und<br />

Sucht-)Potenzial. Das merkt man auch sehr schnell,<br />

wenn man den 2021er „Contacto“ ins Glas gießt. Der<br />

Wein hat einen einladenden Duft von reifen Birnen<br />

und Äpfeln, Pfirsichen und Orangen. Dazu kommen<br />

Noten von Apfelschalen und Stein, Kräutern und ein<br />

wenig Rauch, und man spürt auch einen Hauch von<br />

Hefe bei dem noch enorm jungen Wein. Entscheidend<br />

aber ist das Mundgefühl, das der „Contacto“ bietet<br />

– und dieser „first contact“ ist schlicht fulminant!<br />

Er zeigt einerseits seidig cremige Noten, andererseits<br />

viel Salz und viel frische Zitrone, hat eine fast schonreife,<br />

aber enorm lebendige Säure und den leichten<br />

Extrakt von der verlängerten Standzeit. In Kombination<br />

sorgt das für enorm viel Trinkfluss, Substanz und<br />

Tiefe. Dieser „Vinho Verde“ ist ein kleines Wunder<br />

und ein großer Weißwein!<br />

Der „Contacto“ ist ein Wein, den man jetzt trinkt – am<br />

besten nach ein, zwei Stunden in der Karaffe – oder über<br />

die nächsten 15 Jahre hinweg. Ja, so viel Potenzial hat dieser<br />

exzellente Alvarinho.<br />

84 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Anselmo Mendes<br />

VINHO VERDE PORTUGAL<br />

ANSELMO-MENDES-<br />

KENNENLERNPAKET 2021<br />

(12 FLASCHEN)<br />

Make Germany green again<br />

–Vinho Verde für alle!<br />

PVV019921P Anselmo-Mendes-Kennenlernpaket 2021<br />

statt 110,70 € nur 99,95 €<br />

Zum Kennenlernen des neuen Jahrgangs:<br />

Je zwei Flaschen der fantastischen Weißen „Tres Rios“,<br />

„Muros Antigos – Escolha“, „Muros Antigos – Loureiro“,<br />

„Muros Antigos – Avesso“ und „Muros Antigos – Alvarinho“<br />

sowie unseres Favoriten Alvarinho „Contacto“!<br />

85


PORTUGAL VINHO VERDE<br />

Anselmo Mendes<br />

„PARCELA ÚNICA“ DOC VINHO VERDE, BRANCO 2019<br />

Die Grenzen des Alvarinho neu definiert! „Superb single-vineyard Parcela Única“<br />

– Hugh Johnson’s Pocket Wine Book 2022<br />

PVV010919 „Parcela Única“ DOC Vinho Verde, branco 2019 13% Vol. 45,33 €/l 34,00 €<br />

„Probieren Sie den Wein blind und Sie werden<br />

nicht zuerst an Vinho Verde denken.“<br />

– Mark Squires (Parker)<br />

So äußerst sich Parker-Verkoster Mark Squires zum<br />

2017er-Jahrgang des „Parcela Única“ (93 Punkte), den<br />

2018er (ebenfalls 93 Punkte) bezeichnet er als Wein,<br />

„den man die ganze Nacht lang trinken kann, ohne<br />

müde zu werden“ – und es gibt keinen Grund anzunehmen,<br />

dass er an diesem jüngste Jahrgang nicht<br />

auch großes Gefallen fände. Wir jedenfalls, are sold!<br />

Anselmo Mendes Vision ist, mit diesem Wein die<br />

Grenzen der Rebsorte Alvarinho neu zu definieren, etwas<br />

Eigenständiges zu erschaffen. Wenn wir an Vinho<br />

Verde denken, haben wir grasig frische Weißweine im<br />

Kopf, die erquickend und unbeschwert über den Gaumen<br />

fließen.<br />

Doch schon sehr früh erkannte Mendes, dass besonders<br />

der Alvarinho eine tiefere Dimension besitzen<br />

kann. Mit der „Parcela Unica“ verwirklicht er seine<br />

lang gehegte Vision. Die Trauben stammen hier von<br />

der besten Lage, von besonders alten Reben. Mendes<br />

baut sie wie einen großen Weißwein aus. 400 Liter<br />

Fässer sind der Geburtskörper dieses vin de garde. Und<br />

tatsächlich verbringt dieser Alvarinho dort neun Monate,<br />

bevor er das Licht der Welt erblickt. Doch zunächst<br />

lässt ihn der Großmeister des Vinho Verde für<br />

ein weiteres Jahr in der Burgunderflasche ruhen und<br />

sich entwickeln, bevor er ihn für den Markt freigibt.<br />

Allein das Bouquet lässt uns diesen Giganten in völlig<br />

anderen Regionen verorten. Ein intensiver Duft von<br />

reifen Honigmelonen, weißen Blüten und frisch entzündetem<br />

Streichholz steigt empor. Mit zunehmender<br />

Belüftung – wir empfehlen dieses Unikat über<br />

zwei Tage zu beobachten – öffnet sich der Wein, wird<br />

fruchtiger. Zitronen, gegrillte Haselnüsse, auch Aloe<br />

Vera, Guaven und Bananenblätter erscheinen hier.<br />

Am Gaumen kreist der Wein mit breiten Schultern,<br />

hat den Fokus aber auf seiner mineralischen Ader, die<br />

mit ihrer zarten Cremigkeit irgendwo zwischen einem<br />

Chassagne-Montrachet und Meursault zu verorten ist.<br />

Ein vitaler und gleichermaßen stoffiger Weißwein, der<br />

bei allem Schwergewicht tänzelt, mit seinen salzigen<br />

Einschlägen und dem Aroma reifer Honigmelone und<br />

Birnen noch Minuten nachhallt. Wir haben eine kleine<br />

Allokation dieses raren Weines erhalten, den jeder<br />

wissbegierige Weinenthusiast kennen sollte!<br />

Ab sofort (dann allerdings gerne 24 Stunden belüften)<br />

und bis sicherlich über 2038 hinaus.<br />

Kandidaten für das UNESCO-Welterbe: der<br />

Nationalpark Peneda-Gerês nebst idyllisch<br />

dahinfließendem Casado – zwei weitere Gründe,<br />

um sich das Vinho-Verde-Paradies einmal<br />

genauer anzuschauen.<br />

86 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Anselmo Mendes<br />

VINHO VERDE PORTUGAL<br />

„PARDUSCO“ DOC VINHO VERDE, TINTO 2019<br />

Unglaublich, wieviel Sinnlichkeit so ein leichter Rotwein mitbringen kann!<br />

PVV010719 „Pardusco“, tinto 2019 PK 12% Vol. 10,53 €/l 7,90 €<br />

Anselmo Mendes, den sie „Mr. Alvarinho“ nennen,<br />

kann natürlich auch Rotwein – das beweist er mit<br />

seinem „Pardusco“ einmal mehr. Auch im vermutlich<br />

meistverkauften Weinführer der Welt, Hugh Johnsons<br />

„Pocket Wine Book“ findet sich in der jüngsten, mittlerweile<br />

45. Auflage von 2022 folgender Eintrag: „Mendes,<br />

Anselmo (...) star winemaker.“ Erwähnt werden<br />

auch „Several benchmark, age-worthy Alvarinhos“, einige<br />

werden mit Namen genannt, andere nicht, dafür<br />

aber ein „silky, modern red Vin (Pardusco)”. Wir sind<br />

also definitiv nicht allein mit unserer Wertschätzung<br />

für die Weine dieses portugiesischen Winzers, der es<br />

geschafft hat, nicht nur die Frische seiner Weißweine,<br />

den berühmten „vinhos verdes“, zu einer Trademark zu<br />

machen. Mit dieser Cuvée aus den Sorten Alvarelhao,<br />

Pedral, Cainho wird das Prinzip eines Weines, der im<br />

Grunde die alte Funktion eines jeden Mittag zu öffnenden<br />

„Tischweins“ wieder aufleben lässt. Das Einzige,<br />

was man zu diesem Wein sagen sollte: Schauen<br />

Sie stets, dass genug „Pardusco“ im Hause ist, er ist ein<br />

sogenannter „selfdrinker“ (auch wenn das jetzt nicht<br />

allzu portugiesisch war...).<br />

Helles Kirschrot im Glas strahlt die kühle Frische dieses<br />

Portugiesen bereits optisch aus. Der 2019er „Pardusco“<br />

duftet auch nach Himbeeren und Hibiskus,<br />

beide mit einer nahezu metallisch klaren Frische. Ein<br />

Schwung gemahlener Gewürze – „hard spice“ wie Fenchelsamen<br />

und Schwarzer Pfeffer – ergänzen die nasalen<br />

Fruchtakkorde noch geheimnisvoll. Dicht und rotbeerig<br />

fällt der Probeschluck aus, hier erinnert dieser<br />

leichte rote „vinho“ an die ersten Erdbeeren im Frühsommer.<br />

Allmählich zeigt er auch erdigere und kühle<br />

Töne: Lorbeere, etwas Farnkraut, aber auch eine Mischung<br />

aus Umami und sehr zartem Rauch – als hätte<br />

man den Champignon-Fund eines Sommertags gerade<br />

frisch auf den Grillrost gelegt. In jedem Fall sollte man<br />

den „Pardusco“ stets leicht ankühlen – dann zeigt er,<br />

wie erfrischend auch Rotwein sein kann!<br />

Ab sofort bis 2025+.<br />

87


PORTUGAL VINHO VERDE<br />

Anselmo Mendes<br />

„DÃO“ QUINTA DE SILVARES DOC DOURO, TINTO 2015<br />

Portugiesisches Rotweinabenteuer abseits des Mainstreams<br />

PDO060115 „Dão“ Quinta de Silvares DOC Douro, tinto 2015 PK 13,5% Vol. 13,26 €/l 9,95 €<br />

Anselmo Mendes kann auch rot. Und zwar richtig<br />

gut. Dunkle, fleischige Erdbeerenfrucht steigt die<br />

Nase hoch, eine feine Röstung liegt über allem drüber,<br />

im Hintergrund der Rauch von Kaffee und Rum.<br />

Betörend! Auf der Zunge etwas völlig Unbekanntes.<br />

Hagebutten, schwarze Johannisbeeren, Kaffee und<br />

eine Säureader, die man in einem Rotwein nicht erwarten<br />

würde. Dermaßen hoch im Puls, dass man nur<br />

bewundernd nicken kann. Am Gaumen feinstes Tannin,<br />

seidig, kühl und elegant. Das Mundgefühl gesamt<br />

betrachtet ist frisch und ungemein lebendig. Kakao<br />

am Gaumen, Bitterschokolade und ein Stück in Rum<br />

getauchte Kirsche. Enorm der Saft, der auf der Zunge<br />

steht, kraftvoll, fleischig, muskulös. Durchzogen von<br />

eben jener Säureader, die es gewaltig in sich hat. Man<br />

hat fast das Gefühl, der Dão prickele auf der Zunge, so<br />

lebendig macht er sich auf ihr zu schaffen. Am Grill unschlagbar,<br />

zu Wild, Fasan und Rebhuhn eine Bank. Zur<br />

Bratwurst mit Bratkartoffeln ein echter Überflieger!<br />

Toller Weingenuss abseits des Mainstreams. Unsere<br />

absolute Empfehlung an alle Weinliebhaber, die auf<br />

der Suche nach neuen, faszinierenden Geschmackseindrücken<br />

sind.<br />

Ein traumhaft köstliches portugiesisches Weinoriginal,<br />

dem man auf jeden Fall eine Stunde in der Karaffe gönnen<br />

und mit frischen 14–16 °C genießen sollte. Bis 2027+.<br />

88 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Anselmo Mendes<br />

VINHO VERDE PORTUGAL<br />

„DÃO PRIVATE“ QUINTA DE SILVARES DOC DOURO, TINTO 2015<br />

Dão-Privatissimum: Anselmo Mendes’ jüngstes Projekt – wie immer spekatakulär!<br />

PDO060215 „Dão Private“ Quinta de Silvares DOC Douro, tinto 2015 PK 13% Vol. 22,53 €/l 16,90 €<br />

Der „winemaker star“ (Hugh Johnson) aus Portugal, Anselmo<br />

„Mr. Alvarinho“ Mendes kann natürlich auch rot – das<br />

hat er mit seinem „Pardusco“ schon lange bewiesen. Und<br />

zwar ziemlich genial! In „Hugh Johnson’s Pocket Wine<br />

Book 2021“ findet sich als letzter Satz des Eintrags zu<br />

Anselmo Mendes „Watch out for new BEI[ra] INT[erior],<br />

DÃO, DOU[ro] wines.“ – und das sei hiermit getan: Die<br />

neuen Weine aus der DOC Dão stammen von der Quinta<br />

de Silvares ganz in der Nähe des Städtchens Santa Comba<br />

Dão (etwa 270 Kilometer nordöstlich von Lissabon gelegen),<br />

wo Mendes einen etwas über 30 Jahre alten, mit<br />

den typischen Rebsorten der Gegend – Touriga Nacional,<br />

Tinta Roriz, Alfrocheiro und Jaen – bepflanzten Weinberg<br />

von gut sechs Hektar reaktiviert hat. Dieses Projekt entstand<br />

aus der leidenschaftlichen Verbundenheit Mendes’<br />

mit der seit 1908 bestehenden Denominação de Origem<br />

Controlada Dão und seinem Bestreben, das „elegante<br />

und reine Profil“ der Weine wiederzubeleben, das sie in<br />

der Vergangenheit auszeichnete.<br />

unbedingt eine Reise wert!) erinnernde Tannine (inklusive<br />

eines Hauchs Vanille), alles sehr seidig, kühl und enorm<br />

elegant, was sich besonders im ungewöhnlich langen,<br />

extrem „wohltemperierten“ bemerkbar macht, den eine<br />

leicht vegetabile, fruchtig-schwebende Säure von Brombeeren<br />

und Blaubeeren geradezu energetisiert. Wie so<br />

oft bei Mendes ist das ein hinreißend schöner, weil so<br />

ganz anderer Weingenuss jenseits von Moden und Mainstream.<br />

Nachdrückliche Empfehlung: Gönnen Sie sich<br />

diese Neuentdeckung. Unser „Weinleben“ wäre ohne<br />

diesen „Private“ deutlich ärmer!<br />

Ab sofort bis leicht 2028+.<br />

Der „Private“ ist die, wenn man so will, etwas anspruchsvollere<br />

Version des regulären Rotwein der Quinta de Silvares.<br />

Während letzterer aus einer Cuvée von Touriga<br />

Nacional, Alfrocheiro und Jaén sowie etwas Tinta Roriz<br />

entsteht (die Frucht liefert Touriga Nacional, für Leichtigkeit<br />

und Frische sorgen Alfrocheiro und Jaen), verwendet<br />

Anslemo Mendes für den „Private“ ausschließlich Touriga<br />

Nacional, die – wie das bei allen „Private“-Weinen des<br />

Winzers der Fall ist – in neuem Holz (in diesem Fall 12<br />

Monate in Barriques aus französischer Eiche) ausgebaut<br />

wird, danach noch mindestens 18 Monate auf der Flasche<br />

reift. Mendes’ sortenreines Dão-Privatissimum rechtfertig<br />

(wenn’s nach uns geht) die Mehrausgabe im Vergleich<br />

zur Cuvée auf jeden Fall: Im Duft deutlich komplexer (etwas<br />

Zeit und ein größeres Glas lohnen durchaus!), sehr<br />

schlanke, dabei dunkel-kühle Beerenfrucht (Brombeere,<br />

Blaubeere, etwas Johannisbeere), dazu balsamisch-florale<br />

Noten (Zistrose, eine Spur Hibiskus), weißer Pfeffer und<br />

nasser, leicht kreidiger Stein. Am Gaumen anfangs fast<br />

straff strukturiert, ausgesprochen feinkörniges in Textur<br />

und Gerbstoffdichte an dunkle, quasi ungesüßte Schokolade<br />

der Antica Dolceria Bonajuto (Modica, Sizilien –<br />

89


ÖSTERREICH BURGENLAND<br />

Uwe Schiefer<br />

UWE SCHIEFER<br />

GROSSPETERSDORF<br />

© ANDREAS DURST<br />

Uwe Schiefer ist ein Grenzgänger, Stilikone<br />

im Burgenland und ehemaliger Provokateur<br />

des österreichischen Weinbaus.<br />

„Schiefers Blaufränkische wurden deswegen so berühmt, weil sie die ersten Blaufränkischen<br />

waren, die auf Schlankheit und Eleganz setzten, anstatt auf fett und Barrique“<br />

– Manfred Klimek (Weinmagazin Schluck)<br />

Liebe Kunden, wenn wir Uwe Schiefers Weine beschreiben<br />

müssten, dann wäre ein Vergleich mit Präzisionsinstrumenten<br />

mehr als angebracht. Sie sind messerscharf, klar<br />

und stets zuverlässig, Jahr für Jahr und Wein für Wein. Man<br />

hat eine ganz genaue Vorstellung davon, was einen bei einem<br />

Uwe-Schiefer-Wein erwartet. Und man weiß auch ganz genau,<br />

was man im Glas vergeblich suchte: Überextraktion, spürbar<br />

neues Holz, starke Reifenoten und schmeckbare Wärme.<br />

Uwe Schiefer hat für die Rebsorte Blaufränkisch einen neuen<br />

Kosmos eröffnet. Er ist einer der Pioniere bei der Vinifizierung<br />

von Spitzenweinen aus dieser Rebsorte, die bis vor einigen<br />

Jahren noch von vielen Winzern in einem internationalen Stil<br />

interpretiert wurde, weil man der Auffassung war, nur so könne<br />

man auch internationalen Erfolg erzielen, ganz frei nach dem<br />

Motto „viel hilft viel“. Doch Uwe Schiefer dachte anders, erkannte,<br />

dass das Ausschöpfen eines großes Terroir auch gerade<br />

davon herrührt, sich auf die Herkunft und Eigenständigkeit<br />

einer Region und Rebsorte zu fokussieren, diese herauszuarbeiten.<br />

Die Blaufränkisch-Rebe ist wie auch Pinot Noir eine kleine Diva,<br />

die zickig sein kann, stets größte Aufmerksamkeit verlangt<br />

und keine Fehler verzeiht. Doch wenn man sich ihr mit aller Kraft<br />

und Aufmerksamkeit widmet, so bedankt sie sich mit Weinen,<br />

die zu den schönsten der Welt gehören.<br />

90 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Uwe Schiefer<br />

BURGENLAND ÖSTERREICH<br />

Uwe Schiefer war ein aufmerksamer Beobachter der Weinszene<br />

im Burgenland. Kein Wunder, denn er arbeitete zuvor als Sommelier<br />

in Wiener Spitzenrestaurants, kannte also die damals<br />

gegenwärtige Situation zur Genüge und musste viele „überholzte“<br />

Blaufränkisch ausschenken, die in ihm damals keine<br />

Begeisterung weckten, letztlich ratlos zurückließen. 1990 wollte<br />

er es dann selbst besser machen und begann, sich dem Weinbau<br />

zu widmen. Er gründete sein eigenes Weingut im Südburgenland,<br />

nachdem er das Studium an der Weinakademie in Rust absolviert<br />

hatte. Dabei wurde ihm schnell klar, welch großartigen<br />

Böden das Burgenland aufzuweisen hatte. Kalkhaltige sowie<br />

eisen- und schieferdominierte, allen voran im Eisenberg. Bei<br />

den Weißweinen bleibt Uwe Schiefer ebenfalls den regionalen<br />

Rebsorten treu, setzt auf Welschriesling, Grünen Veltliner und<br />

Weißburgunder. Im Zentrum seiner Schaffenskraft steht aber<br />

der Blaufränkisch aus der großartigen Lage Eisenberg.<br />

SCHIEFER PUR!<br />

Der Eisenberg zählt zu den genialsten Lagen im Burgenland,<br />

ist so etwas wie der Romanée-Conti im Burgund, also die<br />

Paradelage der Region. Der hohe Eisenanteil und das toniglehmige<br />

Terroir erlauben hier den Anbau hochpräziser und<br />

kühler Rotweine. Die Reben stehen auf uralten Steillagen, wo<br />

sie im pannonischen Klima, geprägt von heißen Tagen und<br />

kühlen Nächten, besonders langsam ausreifen können und dabei<br />

nicht zu viel Säure verlieren. Und dann ist da der Schiefer,<br />

wie wir ihn schon von der Mosel kennen und der wie kaum ein<br />

anderer Boden seine typische Mineralität in den Trauben zum<br />

Ausdruck bringt.<br />

Uwe Schiefer ist ein Grenzgänger, sowohl stilistisch als auch<br />

geographisch. Die Reben wachsen nahe der ungarischen Grenze,<br />

stehen sogar teils auf der ungarischen Seite. Er galt lange<br />

Zeit – seiner hochpräzisen, kühlen Weinen wegen, die keine<br />

kleinen Barriques gesehen hatten und schonend und unfiltriert<br />

auf die Flasche wanderten – als Enfant terrible des Burgenlands.<br />

Per aspera ad astra – der Weg zu den Sternen führt<br />

über raue Pfade – diese lateinische Redewendung fasst dabei<br />

den Weg Schiefers wohl am genausten zusammen. Heute zählt<br />

Schiefer zu den Urvätern der Blaufränkisch-Bewegung, selbst<br />

die Wikipedia widmet ihm eine eigene, sehr ausführliche Seite,<br />

wo es unter anderem heißt: „Uwe Schiefer zählt zu den Vorreitern<br />

einer von Feingliedrigkeit geprägten Blaufränkisch-Stilistik<br />

ohne Holzlastigkeit und ohne merkliche Röstaromatik.“ Als<br />

Enfant terrible kann man ihn daher heutzutage kaum bezeichnen.<br />

Seinen Eigensinn, die Freude zum Grenzen-Ausloten und einen<br />

Hang zur Revolutionsanzettelung, die hat er sich aber bewahrt,<br />

nur findet sich all dies in seinen eigenständigen Weinen wieder,<br />

die mittlerweile echte Klassiker geworden sind.<br />

Schiefers unbedingtes Qualitätsbestreben und sein Beharren<br />

haben sich über die Jahre ausgezahlt, so dass er heute ganz oben<br />

angekommen ist, an der Spitze des Burgenlands, als Stilikone<br />

und Sprachrohr der neuen burgenländischen Bewegung. Oder<br />

wie Uwe Schiefer es beschreibt: „Mutig, ungeschminkt und mit<br />

einer fast schon dogmatischen Puristik: Schiefer pur!“<br />

©Markus Roessle<br />

91


ÖSTERREICH BURGENLAND<br />

Uwe Schiefer<br />

„WEISSER SCHIEFER“ WELSCHRIESLING, 2019<br />

Bei Schiefers Weißweinen lautet das Motto: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“<br />

OBL040119 „Weisser Schiefer“ Welschriesling, 2019 DV 12,0% Vol. 19,46 €/l 14,60 €<br />

Uwe Schiefers rund 22 Hektar umfassender Betrieb<br />

steht für exzellenten Blaufränkisch. Vielleicht möchte<br />

Uwe daher umso mehr beweisen, dass er es auch<br />

vorzüglich versteht Weißwein zu vinifizieren. All<br />

seine Weißweine sind keine Charmeure. Die kleine<br />

Produktion zeigt stets eine bewusst exzentrische<br />

Handschrift. Hier kann Schiefer experimentieren,<br />

möchte gern etwas wagen und sich austoben. Dabei<br />

kommen dann solch geniale Weißweine heraus wie<br />

der „Weisse Schiefer“.<br />

Was macht diesen Wein so besonders? Nun, zunächst<br />

mal ist es die ungewöhnliche Herangehensweise. Dieser<br />

aus dem Eisenberg (Schiefer und Quarzböden)<br />

stammende Welschriesling von bis zu 60-jährigen<br />

Reben, vergor in offenen Holzbottichen und reifte<br />

dann über ein dreiviertel Jahr auf der Vollhefe in<br />

alten gebrauchten Holzfässern, bevor er anschließend<br />

ungeschönt und unfiltriert auf die Flasche wanderte.<br />

Es handelt sich aber hierbei mitnichten um einen sogenannten<br />

orange wine, denn dieser Wein hatte keine<br />

Maischegärung und scheint seinem Äußeren nach,<br />

der hellblassen Farbe, keineswegs ungewöhnlich. Ungewöhnlich<br />

ist aber, was Uwe Schiefer mit schlanken<br />

12,0 Vol.-% ins Glas zaubert.<br />

Dieser feine Weißwein lebt von seiner Textur, den<br />

Verzicht auf primärduftige Frucht und alkoholischer<br />

Schwere. Man sollte ihn wie einen leichten Rotwein<br />

trinken, nämlich zart gekühlt bei 12 bis 16° C und nicht<br />

zu kalt. Dann entfaltet er all seine vielschichtigen Facetten.<br />

Der Jahrgang 2019 duftet rauchig-reduktiv aus<br />

dem Glas. Dazu Birnenspalten, ein Hauch Matcha-Tee<br />

sowie eine leichte Hopfennote. Am Gaumen erweist<br />

sich der Welschriesling dann als puristischer und klarer<br />

Weißwein mit angenehmer Pampelmusenaromatik,<br />

einem Hauch Pfirsich und angenehm salzigem Nachhall.<br />

Das erinnert uns gar ein wenig an eine Kreuzung<br />

aus Tements und Heinz Velichs Welschriesling vom<br />

Neusiedlersee. Eine Mixtur aus strahlender Frucht<br />

aber auch salzigen und herbalen Noten.<br />

Das Mundgefühl ist großartig, verlangt direkt nach<br />

einer Essensbegleitung. Meeresfisch oder pochierte<br />

Austern mit Spinat, im Rockefeller-Stil. Oder ein saftiger<br />

gedämpfter Schweinebauch. Dieser Wein liebt es<br />

exotisch und experimentell, ist ein Grenzöffner, so wie<br />

Uwe Schiefer selbst mit seinen feinen Weinen entlang<br />

der burgenländischen Grenzregion. Kommen wir auf<br />

unsere Ausgangsfrage zurück: Was macht den Wein<br />

so besonders? Nun, seine Machart, viel mehr aber der<br />

Charakter, der daraus entsteht. Unaufgeregt, präzise,<br />

fordern, aufwühlend. Eben 100 % Uwe Schiefer.<br />

PS: Manfred Klimek, der gebürtige Österreicher, Fotograf<br />

und Journalist veröffentlichte in der zweiten Ausgabe<br />

des Schluck-Magazins ein wunderbares Portrait<br />

über Uwe Schiefer. Dort kennzeichnet er Schiefer<br />

einfühlsam und bewegend als Mensch, so wie wir ihn<br />

kennen und bewundern. Und er schreibt auch über<br />

den andersartigen „Weisser Schiefer“: „Schiefer hat<br />

einen Instinkt für die Lücke, dem er bis heute vertrauen<br />

kann. Beweis dafür ist sein schon sehr früher gekelterter<br />

Naturwein-Kommentar Weisser Schiefer, ein<br />

großartiger Wein, weit voran, weit voran modern, weit<br />

vor der Moderne der heutigen Marktschreier.“<br />

Laut Uwe Schiefer profitiert der Wein enorm von 3–4<br />

Jahren Reife. Uns schmeckt er allerdings jetzt schon ganz<br />

außerordentlich gut!<br />

92 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Uwe Schiefer<br />

BURGENLAND ÖSTERREICH<br />

© ANDREAS DURST<br />

„WEISSER SCHIEFER“ »M«, 2015<br />

Wir verlassen die Komfortzone: „M“ für Maische! „M“ für Mehr Geschmack!<br />

OBL040315 „Weisser Schiefer“ »M«, 2015 13,5% Vol. 51,86 €/l 38,90 €<br />

Wenn Uwe Schiefer seinen Werdegang in einem Song<br />

beschreiben müsste, dann würde er dazu die Doors mit<br />

ihrem überlebensgroßen Hit „Break on through to the<br />

other side“ heranziehen. Als Spitzen-Sommelier in den<br />

1990er-Jahren in Wien angekommen, entschloss sich<br />

der Gastronom zur Selbständigkeit als Winzer, denn<br />

er wollte aufräumen und Blaufränkisch vinifizieren,<br />

wie er ihm vor Augen schwebte, im Zeitalter des Barriqueausbaus<br />

und Konzentrationsgeilheit aber selten<br />

vorfand. Uwe Schiefer ist gerne Eigenbrötler und daher<br />

über all die Jahre bewusst zur Marke geworden.<br />

Mit seinem »M« wagt er sich ganz weit aus der Komfortzone<br />

des Weinbaus heraus. Das »M« im weißen<br />

Schiefer steht für Maische! Also ein Wein, der einem<br />

Konzept entsprang, einem Gedanken Uwe Schiefers.<br />

Die Idee dahinter: Einen Weißwein wie einen Rotwein<br />

zu vinifizieren, die Trauben also auf der Maische<br />

belassen und die Gärung einzuleiten. Durch die Mazeration<br />

werden wie beim Rotwein auch Phenole aus<br />

den Schalen extrahiert, was dem Wein seinen orange-bernstein<br />

funkelnden Farbton verleiht und das<br />

satte, kräftige Mundgefühl.<br />

Uwe Schiefer ist ein Meister seines Handwerks und<br />

vinifiziert aus diesem „Projektwein“ einen glasklaren,<br />

sauberen und hochinteressanten Tropfen, der sich<br />

wohltuend von oft fehlerhaften, naturtrüben Orangeweinen,<br />

die in letzter Zeit oft als „Naturwein“ propagiert<br />

werden, abhebt. Das ist vielmehr ein grenzgenialer<br />

Apéritifwein, der in seiner herben und animierenden<br />

Art zum nächsten Schluck einlädt und uns immer wieder<br />

am Glas nippen lässt. Der aktuelle (!) Jahrgang 2015,<br />

eine Cuvée aus Weißburgunder und Welschriesling,<br />

duftet nach Kumquats, Pampelmusen und Orangenabrieb.<br />

Ja erinnert fast etwas an die in Italien in kleinen<br />

Fläschchen gefüllten Bitterorangenlimonaden, die<br />

man gerne bei heißem Sommerwetter als Durstlöscher<br />

trinkt, weil die Chinotto-Orangen nicht süß,<br />

sondern herb sind. Der „M“ hat keine überbordende<br />

Säure, wirkt aber auch nicht breit. Das Aroma ist dabei<br />

glockenklar mit viel Orangenzesten. Doch noch viel<br />

mehr geht es bei diesem Wein um das Mundgefühl,<br />

welches er erzeugt. Er wirkt nämlich kräftig, ja hat<br />

richtig grip am Gaumen und ist dabei knochentrocken.<br />

Es tut sich einfach eine ganz andere Texturen- und<br />

auch Aromenwelt auf als bei konventionellem Weißwein.<br />

Daher ist das eine herausragende Erweiterung<br />

unseres Portfolios von Grenzgänger Uwe Schiefer aus<br />

dem Burgenland. Es lohnt sich, sich auf diesen extrem<br />

spannenden Wein einzulassen, denn er weitet das Verständnis<br />

von Wein und wie wir darüber denken. Dazu<br />

darf man ihn ruhig auch über mehrere Tage verkosten,<br />

der Ausbau erlaubt eine längere Luftzufuhr. So kann<br />

man diesem komplexen Wein immer wieder neue<br />

Facetten entlocken.<br />

Ein feiner Meditationswein, der sich mit Luftkontakt<br />

stetig wandelt und nach großen Gläsern verlangt.<br />

93


ÖSTERREICH BURGENLAND<br />

Uwe Schiefer<br />

BLAUFRÄNKISCH BURGENLAND, 2018<br />

Der Einstieg in die Schieferwelt<br />

OBL040418 Blaufränkisch Burgenland, 2018 DV 12,5% Vol. 18,60 €/l 13,95 €<br />

93 Punkte<br />

WINE ENTHUSIAST<br />

Uwe Schiefers Gutswein, der „Blaufränkisch<br />

Burgenland“, verkörpert in einer Flasche<br />

die ganze Gedankenwelt des ehemaligen<br />

Sommeliers: Die Abkehr vom neuen Holz,<br />

weg von der plakativen Überkonzentration,<br />

hin zur Finesse und Betonung der kühlen<br />

Aromatik der Rebsorte. In den 1990er-Jahren<br />

konnte er sich zu Beginn wenig Rückenwind von der<br />

damaligen Fachpresse erhoffen. Denn genau jene begünstigte<br />

die von Vanille geschwängerten Weine, weil<br />

sie – so die damalige Auffassung – mit der Größe internationaler<br />

Weine mithalten könnten. Mittlerweile<br />

hat man verstanden, dass Eleganz und Finesse nicht<br />

nur deutlich schwieriger zu erzielen sind, sondern<br />

auch erstrebenswerter sind.<br />

Galt er den Feuilletons seinerzeit noch als Provokateur<br />

des österreichischen Weinbaus, so zählen ihn selbige<br />

Blätter heute zur klassischen Avantgarde.<br />

Gemeint sind hiermit diejenigen Winzer, die den Weg<br />

für kühle, herkunftsgeprägte Blaufränkisch bereiteten<br />

und somit das mittlerweile geschliffen klare Profil<br />

Burgenländischer Top-Weine etabliert und damit die<br />

Region in eine der spannendsten weltweit verwandelt<br />

haben.<br />

Uwe Schiefers „Burgenland“, die Visitenkarte seines<br />

Weinguts, zeigt sich auch im warmen Jahrgang 2018<br />

mit 12,5 Vol.-% faszinierend rank und schlank! Er liegt<br />

granatrot im Glas, duftet (fast ein wenig wild) nach<br />

Hagebutte, Brombeeren und asiatischen Gewürzen.<br />

Auch ein Hauch Bohnenkraut taucht hier auf. Das<br />

macht das Bouquet interessant und gliedert es in feine<br />

unterschiedliche Aromenwelten auf.<br />

Am Gaumen zeigt sich ein ungemein saftiger Rotwein,<br />

dessen Frucht Zwetschgen und Waldbeeren beinhaltet.<br />

Eine erfrischende Säure leitet den Wein, dessen<br />

geschliffenen und feinen Tannine zu keiner Zeit im Vordergrund<br />

stehen. Der Blaufränkisch animiert stets zum<br />

nächsten Schluck, zeigt sich geradlinig und elegant.<br />

Das ist präzises Handwerk, pures Terroir und eben<br />

eine Interpretation der Rebsorte, die auf pure Trinkfreude<br />

ausgelegt ist.<br />

Zu genießen sofort bis ca. 2026+.<br />

BLAUFRÄNKISCH „VOM BLAUEN SCHIEFER“, 2017<br />

„Der Eisenberg, das bin ich!“<br />

OBL040517 Blaufränkisch „vom blauen Schiefer“, 2017 13% Vol. 26,60 €/l 19,95 €<br />

Uwe Schiefer mag kein französischer Sonnenkönig<br />

sein, ist aber unser König des Eisenbergs! Denn<br />

wenige haben sich derart nachhaltig engagiert wie<br />

der Mann, der so heißt wie der Boden, auf dem einige<br />

seiner Weine wachsen. Es verlangt ein hohes Maß<br />

an Souveränität, die Integrität und den Charakterkern<br />

einer ganzen Rebsorte zurückzuerobern. Und das<br />

ist ihm zweifellos gelungen!<br />

Um jene eigentümlichen Charakterzüge empfand Uwe<br />

Schiefer den Blaufränkisch beraubt, als in der Zeit der<br />

„Parkerisierung“ österreichische Weine, unter anderem<br />

auch der Blaufränkisch, so schmecken sollten wie<br />

moderne Bordeaux-Weine: spät gelesen, extrahiert,<br />

dicht, opulent und im frisch geflämmten Barrique ausgebaut.<br />

Der Blaufränkisch machte das ohne Probleme<br />

mit, die Sorte ist flexibel und kräftig genug für solche<br />

Experimente. Doch schön – zumindest ist das unsere<br />

Meinung –, sinnlich, extravagant und einzigartig wird<br />

er erst, wenn man so vorgeht wie Uwe Schiefer. Dazu<br />

gehört sehr viel Weinbergarbeit (Verzicht auf Insektizide<br />

und Herbizide), die zu einer frühen, aber reifen<br />

Lese führt, dazu gehört Spontanvergärung und minimal<br />

invasive Kellerarbeit (kein Einsatz von Enzymen, Mostbehandlung),<br />

dazu gehört ferner, dem Wein Freiheit zu<br />

lassen und den Holzeinsatz zurückzufahren. Das heißt<br />

bei Uwe Schiefer: auf der Vollhefe über mindestens 36<br />

Monate Monate in großen 1.200- bis 3.600-Liter-Fässern<br />

ausgebaut.<br />

All das geschieht beim Blaufränkisch „vom blauen<br />

Schiefer“. Er stammt vom Eisenberg, darunter aus mittlerweile<br />

ebenfalls prominenten Parzellen wie Szapary,<br />

Reihburg und dem vom Weingut Weninger bekannten<br />

Saybritz. Der Weinberg der von eisenhaltigem Ton,<br />

Lehm und blauem Schiefer geprägten Lage gebiert<br />

einen Blaufränkisch, dessen Bouquet besonders fein<br />

duftet. Ein Hauch Kirschpastillen, Heidelbeeren und<br />

Dill. Die Nase zeigt sich straff und zurückhaltend, der<br />

Gaumen von Veilchen, Vogelbeeren und Graphit durchzogen.<br />

Auch ein Hauch Wacholder taucht auf, der im<br />

sehr sanften Nachhall noch etwas schwarzen Pfeffer<br />

aufrollt. Die Fruchttransparenz und das geschliffene<br />

Tannin sorgen hier für eine besondere Brillanz des von<br />

bis zu 56-jährigen Reben stammenden Rotweins.<br />

Vorzüglich zu trinken, Potenzial bis 2030. Auch noch<br />

nach vier Tage nach Öffnen der Flasche herrlich frisch!<br />

94 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Uwe Schiefer<br />

BURGENLAND ÖSTERREICH<br />

BLAUFRÄNKISCH PALA „WOLLER“, ROT 2018<br />

Der Eisenberg aus ungarischer Perspektive – immer wieder eine Wonne!<br />

OBL040918 Blaufränkisch Pala „Woller“, 2018 12,5% Vol. 29,20 €/l 21,90 €<br />

Auf dem Kontraetikett von Uwe Schiefers Pala gesellt<br />

sich zum Blaufränkisch ein Kékfrankos dazu, die ungarische<br />

Bezeichnung für die Rebsorte. „Wein gewonnen<br />

in Österreich, aus in Ungarn geernteten Trauben.“<br />

steht da als Ergänzung. Der aus dem bereits auf ungarischer<br />

Seite des Eisenbergs gewonnene Blaufränkisch,<br />

aus der Parzelle „Woller“ ist ein fortwährender<br />

Zeitzeuge der burgenländischen Historie. Uwe Schiefer<br />

ist am Eisernen Vorhang aufgewachsen, kennt die<br />

magyarische Mentalität und schätzt vor allem den<br />

Blaufränkisch, der hier gedeiht. Der Pala (ungarisch für<br />

Schiefer) stammt von Schieferböden von der ungarischen<br />

Seite. Manfred Klimek, Fotograf und Journalist,<br />

umschreibt in einer Ausgabe des Magazins Schluck<br />

die Stärke dieser Weine wie folgt: „Schiefers Blaufränkische<br />

wurden deswegen so berühmt, weil sie die<br />

ersten Blaufränkischen waren, die auf Schlankheit und<br />

Eleganz setzten, anstatt auf fett und Barrique“.<br />

Dieser von bis zu 80-jährigen Rebstöcken stammende<br />

Kékfrankos, ausgebaut über 22 Monate im 1.200-Liter-<br />

Eichenfass ist ein Wunder an Präzision! Überraschend<br />

ist, dass dieser Wein jenseits der österreichischen<br />

Grenze tatsächlich eine andere Aromatik aufweist,<br />

so wie das auch bei Tements Sauvignon Blanc vom<br />

Zieregg und der slowenischen Seite (Ciringa) der Fall<br />

ist. Er duftet etwas erdiger, mehr nach Pinien und<br />

Tabak. Auch die Frucht zeigt andere Nuancen,<br />

hier duftigen Weinbergpfirsich und gar etwas<br />

Brennnessel. Am Gaumen prägen geschmeidige<br />

Tannine das Gesamtbild. Die Frucht ist<br />

präzise, von mineralischen Noten und einer<br />

feinen Würze unterlegt, ein Hauch Holunder<br />

und zerriebener Schiefer machen sich bemerkbar.<br />

Vor allem aber hallt dieser Wein stets feiner werdend<br />

aus und hinterlässt einen schwebenden Eindruck. 2018<br />

scheint hier einer der schönsten und feingliedrigsten<br />

(12,5 Vol.-%!) „Woller“ gelungen zu sein, ein Wein von<br />

dem wir uns einige Flaschen in den Keller legen werden!<br />

Sie wissen schon, Kategorie „Lieblingswein“!<br />

Zu genießen ist der Wein ab sofort. Potenzial für mindestens<br />

eine Dekade.<br />

© ANDREAS DURST<br />

95


ÖSTERREICH BURGENLAND<br />

Uwe Schiefer<br />

BLAUFRÄNKISCH „SZAPARY“ »S«, 2016<br />

96 Punkte: „Besitzt eindeutig die nötige Energie für eine jahrzehntelange Reifung.“<br />

– James Suckling<br />

„Ein wirklich großer, absolut puristischer Blaufränkisch“ – Uwe Schiefer<br />

OBL041116 Blaufränkisch „Szapary“ »S«, 2016 13% Vol. 48,00 €/l 36,00 €<br />

93 Punkte<br />

WINE ENTHUSIAST<br />

„Szapary“ ist eine der besten Parzellen<br />

im Eisenberg. Von hier stammt die<br />

Reserve Uwe Schiefers. Zur Ikonenwerdung<br />

trägt auch der behutsame<br />

und geduldige Ausbau bei: Mindestens<br />

drei Jahre reift er im großen Holzfass<br />

(30 Hektoliter), anschließend weitere sechs bis zehn<br />

Monate auf der Flasche. Für Uwe Schiefer erinnert<br />

dieser Wein, speziell mir Reife, durchaus an Syrah von<br />

der nördlichen Rhône. Das können wir sehr gut nachvollziehen.<br />

Es ist die dufte Note von roten Früchten,<br />

auch etwas Tapenade und Schiefernoten, die wir so<br />

auch von großen Côte-Rôties und Cornas kennen.<br />

Das Bouquet ist eine traumhafte Ansammlung von<br />

roten und dunklen Waldfrüchten, die eben um einen<br />

Hauch Oliven ergänzt werden. Das gibt dem Wein ein<br />

attraktive Strenge. Ein kräftiger Blaufränkisch (von bis<br />

zu 60-jährigen Reben mit 11.000 Stöcken pro Hektar<br />

Pflanzdichte!), allerdings nicht durch konzentrierte<br />

Frucht und Holz, sondern einer Energie, die von präzise<br />

gelesenen Trauben und bedachtem erzählt.<br />

Der „Szapary“ ist ein eiserner, gestählter Blaufränkisch,<br />

markant, expressiv, fast angsteinflößend majestätisch.<br />

Man spürt die Größe des Weins, das Potenzial und die<br />

Präsenz, die er ausstrahlt. Dabei vermag er kaum auszuklingen<br />

in seinem facettenreichen Nachhall, einer<br />

Mischung aus schwarzkirschigen und eisengeprägten<br />

Aromen, der feinen Würze, die alles einfängt wie in<br />

einem dicht geschnürten Korsett. Das ist ein Meisterwerk<br />

von Uwe Schiefer, das dem Vorgänger von 2014<br />

auf Augenhöhe begegnet und nicht von ungefähr<br />

erneut 96 Punkte von James Suckling erhalten hat!<br />

Man darf sich jetzt schon an diesen großen Wein heranwagen.<br />

Reifepotenzial bis 2040+.<br />

BLAUFRÄNKISCH „EISENBERG” RESERVE, ROT 2015<br />

James Suckling vergibt die Traumwertung von 95 Punkten für die Reserve 2015!<br />

… und der Falstaff stimmt mit ein: 95 Punkte!<br />

OBL040815 Blaufränkisch „Eisenberg“ Reserve, 2015 13,5% Vol. 69,33 €/l 52,00 €<br />

95 Punkte<br />

FALSTAFF & SUCKLING<br />

Uwe Schiefers Reserve vom südburgenländischen<br />

Eisenberg ist die Krönung<br />

seines bisherigen Schaffens. Bei James<br />

Suckling schwärmt man von der Ambivalenz<br />

des Weins: „Ein tiefes und kraftvolles<br />

Rot. Dass, obwohl er nur mittelgewichtig<br />

im Körper ist; die Tannine sind wirklich<br />

fein und unterstützen den superlangen Abgang mit<br />

erschütternder Vitalität.“<br />

Die hohen Eisenanteile, das tonig-lehmige Terroir mit<br />

blauem Schiefer und die alten Steillagen erlauben einen<br />

Blaufränkisch von verführerisch frischem Stil. Man spürt<br />

regelrecht, wie langsam die Trauben hier an kühlen<br />

Nächten ausreifen, denn die Tiefe und Komplexität<br />

dieser Réserve-Version ist kaum in Worte zu fassen.<br />

Mitnichten handelt es sich hierbei aber um einen alles<br />

erschlagenden Blockbuster-Wein, auch nicht im kraftvollen<br />

Jahrgang 2015. Finesse, Eleganz und Harmonie<br />

sind vielmehr die Stichworte, die uns bei diesem Wein<br />

einfallen. Der Sauerkirschduft, der von dunklen Früchten<br />

und feinen Kräutern unterlegt ist, zieht uns in seinen<br />

Bann. Das ist pure Eleganz im Glas! Anders als beim<br />

Basis-Blaufränkisch ist hier natürlich das Trinkfenster<br />

auf mehr Potenzial ausgelegt. Daher sind die Tannine<br />

in der Jugend noch etwas präsenter und fester<br />

gepackt. Sie sind allerdings auch extrem fein, sodass<br />

uns dieses Meisterwerk aus großen Gläsern auch jetzt<br />

schon Freude bereitet. Im Herbst vergangenen Jahres<br />

hat Uwe Schiefer diesen Wein freigegeben. Nun können<br />

Sie sich einige Flaschen dieses Meisterstücks sichern<br />

und genießen. Wir haben diesen Wein ganz frisch bei<br />

seiner Ankunft erneut verkostet und freuen uns, einen<br />

der ganz großen Blaufränkisch Österreichs anzubieten.<br />

Weihnachten fällt dieses Jahr eindeutig auf einen<br />

früheren Termin!<br />

Zu genießen ab sofort, Potenzial bis 2035+.<br />

96 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Uwe Schiefer<br />

BURGENLAND ÖSTERREICH<br />

© ANDREAS DURST<br />

97


ÖSTERREICH BURGENLAND<br />

Uwe Schiefer<br />

BLAUFRÄNKISCH<br />

„LUTZMANNSBURG“ V. V., 2017<br />

Ein Blaufränkisch-Traum von fast 60-jährigen Reben!<br />

OBL040617 Blaufränkisch „Lutzmannsburg“ V. V., 2017<br />

13,5% Vol. 75,33 €/l 56,50 €<br />

98 Punkte<br />

A LA CARTE<br />

95 Punkte<br />

FALSTAFF<br />

Lutzmannsburg ist ein ganz besonderes Terroir. Die Reben, in diesem Fall<br />

durchschnittlich 57 Jahre alt, stehen auf sandig-tonigem Lehm und ehemaligem<br />

Vulkanboden. Mit Roland Velichs Lutzmannsburg zählt dieser Wein<br />

zur absoluten Spitze Burgenländischer Blaufränkisch-Kunst! Uwe Schiefer<br />

besitzt hier einen Hektar Reben, den er (für ihn selbstverständlich) frei<br />

von Insektiziden oder Herbiziden bewirtschaftet.<br />

Über 24 Monate in großen Fünf-Hektoliter-Fässern ausgebaut, dann kurz<br />

abgezogen und ohne Schönung oder Filtration auf die Flasche gezogen<br />

– hier ist ein Meisterwerk entstanden, das die klare Schiefer-Handschrift<br />

trägt: Der Jahrgang 2017 funkelt violett aus dem Glas, duftet nach frischem<br />

Fleisch, Oliven und Belem-Pfeffer. Mit Luft wird das Bouquet dann<br />

heller, feine Kopfnoten von Erdbeeren und Waldfrüchten deuten sich an.<br />

Das Bouquet ist ausladend, fast duftig-rauchig, man meint die Vulkanböden<br />

zu riechen. Am Gaumen schiebt sich der Lutzmannsburg dann mit<br />

einem Selbstbewusstsein und einer Selbstverständlichkeit entlang, die<br />

beeindruckend ist. Doch es ist nicht die Kraft, die beeindruckt, sondern<br />

welche innere Ruhe dieser Blaufränkisch ausstrahlt. Er besitzt Spannung,<br />

Frische und Leichtigkeit, eine Aromatik von Pflaumen nebst Süßholz und<br />

Salmiak. Die Tannine sind sehr fein, der ganze Wein äußerst geschmeidig<br />

und doch druckvoll. Ein echtes Monument, immer animierend und extrem<br />

präzise, sowas geht nur mit alten Reben und einer Philosophie, die weder<br />

im Weinberg noch im Keller Kompromisse eingeht.<br />

Zu genießen ab sofort, Höhepunkt wohl ab 2025 bis 2040.<br />

98 PINWAND no <strong>335</strong> | März 2022


Uwe Schiefer<br />

BURGENLAND ÖSTERREICH<br />

BLAUFRÄNKISCH „REIHBURG“, 2017<br />

Burgenlands Kultwein: Ein Wein, der eine Zeitenwende eingeläutet hat!<br />

OBL040717 Blaufränkisch „Reihburg“, 2017 13,5% Vol. 92,00 €/l 69,00 €<br />

Uwe Schiefers „Reihburg“ Reserve ist Burgenland-Kult.<br />

Er hat dank hoher Wertungen, allen voran durch Parker,<br />

internationale Aufmerksamkeit erlangt. Bereits für<br />

den 2006er-Jahrgang gab es 94 Punkte! Und trotzdem<br />

hat er das System ad absurdum geführt. Denn Uwe<br />

Schiefer war die mollig-warmen und überkonzentriert<br />

kräftigen Rotweinen aus dem Burgenland, die effekthascherisch<br />

nach hohen Wertungen schrien leid. Er<br />

wollte Wein produzieren, den er selbst gerne trinken<br />

würde, der Eleganz und Finesse vereinen sollte. Der<br />

„Reihburg“ ist kein zwanghaft konzentrierter Wein<br />

mit viel Holz, er ist ein Finessewunder, dessen Dichte<br />

und Tiefe man erst mit dem zweiten Glas erfassen<br />

kann. Wie soll man so etwas objektiv bewerten? Und<br />

trotzdem, oder gerade deswegen, besetzt er die Spitze<br />

im Blaufränkisch-Bereich, denn kein Holz dieser Welt<br />

könnte diesen Wein komplexer und dadurch größer<br />

erscheinen lassen.<br />

Reihburg ist eine Spitzen-Einzellage am Eisenberg<br />

DAC und direkt an der ungarischen Grenze, die im<br />

kühlen Burgenland dank ihrer Exposition viele Sonnenstunden<br />

bekommt. Die Böden bestehen hier aus<br />

purem Grün- und Blauschiefer mit Lehm. In einem<br />

Paradejahrgang wie 2017 hat Uwe Schiefer dem Berg<br />

wieder einen Weltklasse-Blaufränkisch abgerungen.<br />

Die dicht gebündelte Nase von dunklen Waldbeeren,<br />

Criollo-Schokolade und Süßholz wird hier von einem<br />

feinen Duft ummantelt, der durchaus an großen Pinot<br />

Noir erinnert. Man muss diese Dichte an Aromen erst<br />

einmal fassen! Der Gaumen zeigt sich ungemein komplex<br />

und raffiniert. Eine verspielte Frucht (Schlehe,<br />

Zwetschgen, Hagebutte) haftet am fleischigen Tanninkorsett,<br />

der extrem hohe Extrakt des Weins – bei<br />

ganz feinen, fast polierten Tanninen – verblüfft hier<br />

enorm. Ein massiver Blaufränkisch, aber gleichzeitig<br />

ohne Schwere, ein wuchtiger Wein, aber ohne erstickende<br />

Überkonzentration, er tänzelt, wirkt kühl und<br />

wie aus einem Guss. Man merkt ihm sein Potenzial<br />

an, kann ihn aber auch schon in der Jugend ganz und<br />

gar leicht genießen. Ein Monument! Dass Schiefer mit<br />

Weinen wie diesem nun aktuell 99 Punkte im Falstaff<br />

einfährt und als Stilikone gilt, kann man – angesichts<br />

der Vorgeschichte – nur als Treppenwitz der Burgenländischen<br />

Weinhistorie bezeichnen: Tutto nel mondo<br />

è burla!<br />

Zu genießen sofort, Höhepunkt wohl ab 2025 bis ca.<br />

2040+. Ein echter „vin de garde“.<br />

99 Punkte<br />

FALSTAFF<br />

©Markus Roessle<br />

„PUR“ – UWE-SCHIEFER-<br />

PROBIERPAKET ROT<br />

Purer Schiefer – eine Werkschau<br />

OBL049922P „Pur“ – Uwe-Schiefer-Probierpaket rot<br />

statt 200,30 € nur 189,00 €<br />

Mit dieser Werkschau vom Blaufränkisch werden alle<br />

Facetten der noblen und kühlen Rebsorte, dies- uns<br />

jenseits der österreichischen Grenze ausgelotet.<br />

SIE ERHALTEN JE EINE FLASCHE:<br />

► Blaufränkisch Burgenland, 2018<br />

► Blaufränkisch „Vom Blauen Schiefer“, 2017<br />

► Blaufränkisch „Lutzmannsburg“ V.V., 2017<br />

► Blaufränkisch „Eisenberg“ Reserve, 2015<br />

► Blaufränkisch Pala „Woller“, 2018<br />

► Blaufränkisch „Szapary“ S, 2016<br />

99


Probier-<br />

Paket<br />

© Studio Pilens<br />

© Melanie Hubach<br />

„REBSORTEN“-PROBIERPAKET 2021<br />

Die Vielfalt der Mittelhaardt<br />

DPF069921P<br />

„Rebsorten“-Probierpaket 2021 (12 Flaschen)<br />

statt 107,00 € nur 97,00€<br />

Dieses Rebsortenpaket bietet die volle Bandbreite der diesjährigen Kollektion<br />

von Sabine und Philipp Wöhrwag. Die beiden beweisen, dass die Mittelhaardt<br />

nicht nur vorzügliche Rieslinge gebiert, sondern auch eine Oase für exzellente<br />

Alltagsweine und Speisenbegleiter ist. Das attraktive Probierpaket zum Kennenlernen<br />

beinhaltet:<br />

JE ZWEI FLASCHEN:<br />

► Weißburgunder trocken, 2021<br />

► Grauburgunder trocken, 2021<br />

► „Pink Lady“ Rosé, trocken 2021<br />

► Scheurebe trocken, 2021<br />

► Kallstadter Annaberg Riesling trocken, 2021<br />

► Kallstadter Saumagen Riesling trocken, 2021


<strong>PINwand</strong> N° <strong>335</strong> Saarwellingen, im März 2022<br />

Liefern Sie mir bitte folgende Weine:<br />

Bestellung per Fax: 06838 / 97950-30, Telefon: 06838 / 97950-0 oder auch per Post:<br />

PINARD de PICARD • Alfred-Nobel-Allee 28 • 66793 Saarwellingen oder www.pinard.de<br />

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis<br />

DEUTSCHLAND | Müller-Ruprecht – Pfalz<br />

DPF060121 Weißburgunder trocken, 2021 7,80 €<br />

DPF060421 Kallstadter Annaberg Riesling trocken, 2021 7,80 €<br />

DPF061521 Scheurebe Kabinett, 2021 Coup de Cœur 7,80 €<br />

DPF060221 Grauburgunder trocken, 2021 8,95 €<br />

DPF061321 Scheurebe trocken, 2021 8,95 €<br />

DPF060821 „Pink Lady“ Rosé, trocken 2021 9,50 €<br />

DPF060921 Kallstadter Saumagen Riesling trocken, 2021 10,50 €<br />

DPF061120 Kallstadter Saumagen „H“ Riesling trocken, 2020 15,80 €<br />

DPF060720 Kallstadter Saumagen „N“ Riesling trocken, 2020 19,50 €<br />

DPF069921P „Rebsorten“-Probierpaket 2021 (12 Flaschen)<br />

statt 107,00 € nur<br />

FRANKREICH | Joblot – Burgund<br />

FBU040220 Givry 1er Cru „En Veau“, blanc 2020<br />

max. 3 Fl./Kunde<br />

FBU040320 Givry 1er Cru „Clos Marole“, rouge 2020<br />

max. 2 Fl./Kunde<br />

FBU040420 Givry 1er Cru „Servoisine“, rouge 2020<br />

max. 2 Fl./Kunde Parker: 91–93P<br />

FBU040620<br />

Givry 1er Cru „Clos du Cellier Aux Moines“,<br />

rouge 2020 Parker: 92–94P<br />

97,00 €<br />

39,00 €<br />

39,00 €<br />

39,00 €<br />

39,00 €<br />

FBU040720 Givry 1er Cru „Les Bois Chevaux“, rouge 2020 39,00 €<br />

FBU041020 Givry 1er Cru „Mademoiselle“, blanc 2020<br />

max. 3 Fl./Kunde<br />

FBU041220 Givry 1er Cru „L’Empreinte“, rouge 2020<br />

Top Tipp!<br />

FRANKREICH | Pégau – Châteauneuf-du-Pape<br />

41,00 €<br />

41,00 €<br />

FRS060318 „Plan Pégau“ Vin de France, rouge (16/17/18) 10,90 €<br />

FRS060620 „Cuvée Réservée“ CdP, blanc 2020 39,90 €<br />

FRS060219 „Cuvée Réservée“ CdP, rouge 2019<br />

Dunnuck: 91–94P<br />

45,00 €<br />

FRS060219M „Cuvée Réservée“ CdP, rouge 2019 MAGNUM 98,00 €<br />

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis<br />

FRANKREICH | Saint Sylvestre – Languedoc<br />

FLA250119 „Saint Sylvestre – Rouge“ Languedoc, rouge 2019<br />

Coup de Cœur<br />

FLA250220 „Saint Sylvestre – Blanc“ Languedoc, blanc 2020<br />

max. 3 Fl./Kunde<br />

29,95 €<br />

32,00 €<br />

FRANKREICH | Famille Perrin/ Beaucastel – Südliche Rhône<br />

* in SUB: Auslieferung dieses Weins ist vorgesehen ab Herbst 2022<br />

FRS010221 Perrin, „Le Grand Prébois – Rosé“ Luberon, 2021 6,95 €<br />

FRS011121 Perrin, „Le Grand Prébois – Blanc“ Luberon, 2021 6,95 €<br />

FRS012019<br />

Perrin, „Réserve“ Côtes-du-Rhône,<br />

rouge 2019 2. Platz Bester Rotwein Frankreichs<br />

8,95 €<br />

FRS010419 Perrin, „Les Cornuds“ Vinsobres, rouge 2019 11,90 €<br />

FRS011019 Perrin, „Peyre Blanche“ Cairanne, rouge 2019 11,90 €<br />

FRS011419 Perrin, „Les Christins“ Vacqueyras, rouge 2019<br />

1. Platz Bester Rotwein Frankreichs für 2018<br />

FRS010620<br />

„Coudoulet de Beaucastel“ Côtes-du-Rhône,<br />

rouge 2020 *<br />

FRS010620M „Coudoulet de Beaucastel“ Côtes-du-Rhône,<br />

rouge 2020 MAGNUM *<br />

FRS010720H Châteauneuf-du-Pape, rouge 2020 (0,375l) *<br />

Suckling: 97P, Decanter: 96P<br />

16,95 €<br />

19,50 €<br />

39,00 €<br />

36,00 €<br />

FRS010720 Châteauneuf-du-Pape, rouge 2020 * 72,00 €<br />

FRS010720M Châteauneuf-du-Pape, rouge 2020 MAGNUM * 144,00 €<br />

SPANIEN | Verónica Ortega – Bierzo<br />

SBI020220 „Quite“ DO Bierzo, tinto 2020 Parker: 93+P 14,95 €<br />

SBI020518 „VO – Versión Original“ DO Bierzo, tinto 2018<br />

Parker: 94+P<br />

SBI020620 „Kinki“ DO Bierzo, tinto 2020<br />

Coup de Cœur, Parker: 93P<br />

29,00 €<br />

27,00 €<br />

SBI020118 „ROC“ DO Bierzo, tinto 2018 Parker: 95P 29,95 €<br />

SBI020319 „Cobrana“ DO Bierzo, tinto 2019 Parker: 95P 35,00 €<br />

SBI020420 Godello Calcáreo „CAL“ DO Bierzo, blanco 2020<br />

Parker: 96P<br />

39,90 €


<strong>PINwand</strong> N° <strong>335</strong><br />

Liefern Sie mir bitte folgende Weine:<br />

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis<br />

SPANIEN | Bernabeleva – Madrid<br />

Name / Firma<br />

Kunden-Nr. (falls zur Hand)<br />

Straße, Nr.<br />

PLZ, Ort<br />

SVM011219<br />

SVM010520<br />

SVM010120<br />

SVM010620<br />

SVM010219<br />

SVM011118<br />

„Camino de Navaherreros“<br />

DO Vinos de Madrid, blanco 2019<br />

„Camino de Navaherreros“<br />

DO Vinos de Madrid, tinto 2020<br />

„Navaherreros“<br />

DO Vinos de Madrid, blanco 2020<br />

„Navaherreros“ Garnacha<br />

DO Vinos de Madrid, tinto 2020<br />

„Cantocuerdas“ Albillo DO Vinos de Madrid,<br />

blanco 2019<br />

Parker: 92 P<br />

„Manchomuelas“ DO Vinos de Madrid,<br />

blanco 2018<br />

Parker: 93P<br />

SVM010417F „Cantocuerdas“ Moscatel<br />

DO Vinos de Madrid, blanco 2017 (0,5l)<br />

SVM011313<br />

SVM010719<br />

SVM010819<br />

„Navaherreros seis años en barrica“<br />

DO Vindos de Madrid, blanco 2013<br />

PORTUGAL | Anselmo Mendes – Alvarino<br />

PVV010121<br />

PVV010221<br />

„Arroyo del Tórtolas“ DO Vinos de Madrid,<br />

tinto 2019 Parker: 93+P<br />

„Carril del Rey“ DO Vinos de Madrid,<br />

tinto 2019 Parker: 94+P<br />

„Muros Antigos – Escolha“<br />

DOC Vinho Verde, branco 2021<br />

„Muros Antigos – Loureiro“<br />

DOC Vinho Verde, branco 2021<br />

Bestellung per Fax: 06838 / 97950-30, Telefon: 06838 / 97950-0 oder auch per Post:<br />

PINARD de PICARD • Alfred-Nobel-Allee 28 • 66793 Saarwellingen oder www.pinard.de<br />

9,90 €<br />

9,95 €<br />

13,90 €<br />

15,90 €<br />

19,90 €<br />

19,90 €<br />

19,95 €<br />

28,90 €<br />

29,90 €<br />

29,90 €<br />

6,95 €<br />

7,70 €<br />

PVV010719 „Pardusco“ DOC Vinho Verde, tinto 2019 7,90 €<br />

PVV010821 „3 Rios“ DOC Vinho Verde, branco 2021 7,95 €<br />

PVV010321<br />

„Muros Antigos – Avesso“<br />

DOC Vinho Verde, branco 2021<br />

8,95 €<br />

PDO060115 „Dão“ Quinta de Silvares DOC Douro, tinto 2015 9,95 €<br />

PVV010421<br />

PVV010521<br />

PDO060215<br />

„Muros Antigos – Alvarinho“<br />

DOC Vinho Verde, branco 2021<br />

Alvarinho „Contacto“ DOC Vinho Verde,<br />

branco 2021<br />

Coup de Cœur<br />

„Dão Private“ Quinta de Silvares DOC Douro,<br />

tinto 2015<br />

11,90 €<br />

11,90 €<br />

16,90 €<br />

PVV010919 „Parcela Única“ DOC Vinho Verde, branco 2019 34,00 €<br />

PVV019921P Anselmo-Mendes-Kennenlernpaket 2021<br />

(12 Flaschen) statt 110,70 € nur<br />

99,95 €<br />

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis<br />

ITALIEN | Due Palme – Apulien<br />

IPU010120 „Costa“ Negroamaro IGP Salento, rosso 2020 6,95 €<br />

IPU010120P 12 x „Costa“ Negroamaro, 2020 (11+1 Fl. gratis) 76,45 €<br />

IPU010220 „Costa“ Primitivo IGP Salento, rosso 2020 7,95 €<br />

IPU010220P 12 x „Costa” Primitivo, rosso 2019 (11+1 Fl. gratis) 87,45 €<br />

IPU010320 „Serre“ Susumaniello IGP Salento, rosso 2020 8,95 €<br />

IPU010320P 12 x „Serre” Susumaniello, 2020 (11+1 Fl. gratis) 98,45 €<br />

IPU010417 „Selvarossa“ DOP Salice Salentino Ris., rosso 2017 15,90 €<br />

IPU010719 „Ettamiano“ Primitivo IGP Salento, rosso 2019 14,90 €<br />

IPU010819 „Angelini“ DOP Squinzano, rosso 2019 7,50 €<br />

IPU011020 „Corerosa“ IGP Salento, rosato 2020 9,90 €<br />

IPU011020P 12 x „Corerosa“ IGP Salento, 2020 (10+2 Fl. gratis) 99,00 €<br />

IPU011120<br />

„Pietro del Mito“ Appassimento<br />

IGP Salento, rosso 2020<br />

8,50 €<br />

ITALIEN | Riecine – Toskana * zur Reservierung. Auslieferung ab 10. März 2022<br />

ITO040120 Chianti Classico DOCG, rosso 2020 19,90 €<br />

ITO040120M Chianti Classico DOCG, rosso 2020 MAGNUM 48,00 €<br />

ITO040219 Chianti Classico Riserva DOCG, rosso 2019 * 29,90 €<br />

ITO040219M Chianti Classico Riserva DOCG, 2019 MAGNUM * 65,00 €<br />

ITO040317 „La Gioia“ IGT Toscana, rosso 2017 Falstaff: 94P 49,00 €<br />

ITO040421 „Palmina Rosé“ IGT Toscana, rosato 2021 (BIO) 15,95 €<br />

ITO040618 „Riecine di Riecine“ IGT Toscana, rosso 2018 59,00 €<br />

ITO040618M „Riecine di Riecine“ IGT Toscana, 2018 MAGNUM 125,00 €<br />

ITO040817 „TreSette“ Merlot IGT Tosc., 2017 Suckling: 94P 79,00 €<br />

ITO040920 „Bianco di Riecine“ IGT Toscana, 2020 NEU! 39,00 €<br />

ITALIEN | Adami – Prosecco<br />

IVE010400 „Garbèl“ Brut DOC Prosecco di Treviso 11,95 €<br />

IVE010300<br />

IVE010200<br />

IVE010520<br />

IVE010720<br />

IVE010600<br />

„Dei Casel“ Extra Dry DOCG<br />

Prosecco di Valdobbiadene Superiore<br />

„Bosco di Gica“ Brut DOCG Prosecco di<br />

Valdobbiadene Superiore Merum: 1 Herz<br />

„Vigneto Giardino“ Dry DOCG Prosecco di<br />

Valdobbiadene Superiore, 2020 Falstaff: 93P<br />

„Col Credas“ Extra Brut DOCG Prosecco di<br />

Valdobbiadene Superiore, 2020 Falstaff: 93P<br />

„Cartizze“ Dry DOCG Prosecco di<br />

Valdobbiadene Superiore di Cartizze<br />

ÖSTERREICH | Uwe Schiefer – Burgenland<br />

13,50 €<br />

13,90 €<br />

15,50 €<br />

15,90 €<br />

23,00 €<br />

OBL040418 Blaufränkisch Burgenland, 2018 Wine Enth.: 93P 13,95 €<br />

OBL040119 „Weisser Schiefer“ Welschriesling, weiss 2019 14,60 €<br />

OBL040517 Blaufränkisch „vom blauen Schiefer“, 2017 19,95 €<br />

OBL040918 Blaufränkisch Pala „Woller“, 2018 Coup de Cœur 21,90 €<br />

OBL041116 Blaufränkisch „Szapary“ S, 2016 Wine Enth.: 93P 36,00 €<br />

OBL040315 „Weisser Schiefer“ »M«, 2015 38,90 €<br />

OBL040815 Blaufr. „Eisenberg“ Reserve, 2015 Suckling: 95P 52,00 €<br />

OBL040617 Blaufr.„Lutzmannsburg“ V. V., 2017 A la Carte: 98P 56,50 €<br />

OBL040717 Blaufränkisch „Reihburg“, 2017 Falstaff: 99P 69,00 €<br />

OBL049922P „Pur“ –Probierpaket rot (6 Fl.) statt 200,30 € nur 189,00 €<br />

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Beförderer ist, die letzte Ware einer einheitlichen Bestellung in Besitz genommen haben bzw. hat. Um Ihr Widerrufsrecht auszuüben, müssen Sie uns (Pinard de Picard GmbH & Co.KG, Alfred-Nobel-Allee 28, 66793 Saarwellingen,<br />

Tel.: 06838/97950-0, Fax:-30, E-Mail: info@pinard.de) mittels einer eindeutigen Erklärung (z.B. ein mit der Post versandter Brief, Telefax oder E-Mail) über Ihren Entschluss, diesen Vertrag zu widerrufen, informieren.<br />

Zur Wahrung der Widerrufsfrist reicht es aus, dass Sie die Mitteilung über die Ausübung des Widerrufsrechts vor Ablauf der Widerrufsfrist absenden. Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen können Sie unter<br />

https://www.pinard-de-picard.de/geschaeftsbedingungen.html einsehen. Unsere Datenschutzerklärung finden Sie unter https://www.pinard-de-picard.de/kontakt/datenschutz.html. Gerne können Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen<br />

sowie die Datenschutzerklärung auch in schriftlicher Form bei uns anfordern. Allgemeine Informationen über den Umfang der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten und über Ihre Datenschutzrechte<br />

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