Nationales Konzept Bildung und Support zur Freiwil- ligenarbeit in ...

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Nationales Konzept Bildung und Support zur Freiwil- ligenarbeit in ...

Nationale Strategie Palliative Care 2010-2012

Nationales Konzept Bildung und Support zur Freiwilligenarbeit

in der Palliative Care

Caritas Schweiz und Schweizerisches Rotes Kreuz im Auftrag des Bundesamtes für

Gesundheit

7. Juni 2011


Zusammenfassung

Eine Massnahme der Nationalen Strategie Palliative Care 2010–2012, die im Rahmen

des Handlungsfelds Aus-, Weiter- und Fortbildung umgesetzt wird, betrifft den

Einsatz von Freiwilligen in der Palliative Care. Der ermittelte Handlungsbedarf zeigte,

dass die Rolle der Freiwilligen zum Teil nicht klar ist und dass die Verankerung in der

Palliative-Care-Versorgung in der Schweiz sehr unterschiedlich ist. Vor diesem Hintergrund

erteilt das BAG Caritas Schweiz und dem Schweizerischen Roten Kreuz

(SRK) gemeinsam den Auftrag zur Erarbeitung von Massnahmenpaketen für die Bildung

und den Support der Freiwilligen in der Palliative Care. Grundlage des vorliegenden

Berichts sind eine Literatur- und Dokumentenrecherche sowie die Ergebnisse

von 17 Expertinnen- und Experteninterviews.

Freiwillige in der Palliative Care gelten bis heute als eigenständige Akteurinnen und

Akteure im Betreuungsnetz von schwerkranken und sterbenden Menschen. In der

Freiwilligenarbeit wird unter formeller und informeller Arbeit unterschieden. Während

die informelle Freiwilligenarbeit persönliche Hilfen für Freunde, Bekannte und in der

Nachbarschaft beinhaltet, spielt sich die formelle Freiwilligenarbeit im institutionellen

organisierten Rahmen ab. Das vorliegende Konzept befasst sich in erster Linie mit

den formellen Freiwilligen in der Palliative Care, regt jedoch auch Massnahmen für

die informelle Freiwilligenarbeit an.

Formelle Freiwillige in der Palliative Care organisieren sich in Vereinen oder Gruppen

und kommen sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich zum Einsatz. Ihre

Aufgaben bestehen in der Begleitung der Betroffenen und in der Unterstützung oder

Entlastung nahestehender Bezugspersonen (z.B. Angehörige). Teilweise sind sie

auch in der Trauerbegleitung tätig. In Hospizen oder Palliativstationen werden weitere

vielseitige Aufgaben im Bereich der Infrastruktur und Administration wahrgenommen

(Empfang, Mitarbeit in der Cafeteria, Dekoration der öffentlichen Räume, Transporte

oder Öffentlichkeitsarbeit).

Die Einsatzleitung wählt die Freiwilligen in der Palliative Care nach bestimmten Kriterien

aus. Freiwillige erhalten einen vorbereitenden Ausbildungskurs und kontinuierlichen

Support in Form von Austauschtreffen, Supervision und Weiterbildung.

Innerhalb ihres Einsatzbereiches und Tätigkeitsprofils leisten Freiwillige in der Palliative

Care eine anspruchsvolle Arbeit. In den Organisationen besteht ein hohes Verantwortungsbewusstsein

für eine gute Einführung der Freiwilligen. Freiwillige werden

in ihrer Arbeit begleitet und im laufenden Lernprozess unterstützt. Hohe Sozial- und

Persönlichkeitskompetenzen sind Bestandteil des Freiwilligenprofils und werden in

der Bildung gezielt gestärkt. Lernen in der Praxis und über die gemachten Erfahrungen

zu reflektieren haben einen zentralen Stellenwert in der Freiwilligenbildung.

Um das Potential der Freiwilligen in der Palliative Care mittel- und langfristig zur Entfaltung

zu bringen und ihr Engagement wirkungsvoll zu gestalten, werden Massnahmen

im vorliegenden Bericht auf regionaler, kantonaler und nationaler Ebene vorgeschlagen.

Die Autoren des vorliegenden Berichts sehen auf nationaler Ebene folgen-

2


de Massnahmen als zentral: ein Rahmenkonzept für die Bildung der Freiwilligen, die

Bündelung der Angebote für Freiwillige auf einem nationalen Webportal, die Festlegung

von Standards für den Einsatz der Freiwilligen sowie die Einführung eines Qualitätslabels.

Die Sicherung der Finanzierung von qualifizierten Einsatzleitungen für

Freiwilligengruppen und die Einrichtung einer Stelle für die Organisation der Freiwilligen

in der Palliative Care sind kantonale oder regionale Aufgabenfelder. Auf kommunaler

Ebene schliesslich soll der Zugang zur Bildung für alle Interessierten sichergestellt

werden.

Freiwillige in der Palliative Care tragen die Grundwerte von Palliative Care in die Gesellschaft

hinein: Respekt vor Selbstbestimmung und Schutz der Menschenwürde

jedes Einzelnen und Akzeptanz von Krankheit, Sterben und Tod als Teil des Lebens.

Ihr Engagement zu fördern ist eine Investition mit grosser Wirkung und grossem Gewinn

für die Gesellschaft, wenn dadurch immer mehr Menschen am Ort ihrer Wahl –

wenn immer möglich zu Hause – leben und sterben können.

3


Inhalt

1 Einleitung ............................................................................................................. 6

1.1 Auftrag ........................................................................................................... 6

1.2 Ziel ................................................................................................................. 6

1.3 Vorgehen ....................................................................................................... 7

2 Analyse ................................................................................................................ 8

2.1 Definition und Beschreibung der Freiwilligenarbeit in der Palliative Care ...... 8

2.1.1 Freiwilligenarbeit im Allgemeinen ............................................................ 8

2.1.2 Freiwilligenarbeit in der Palliative Care ................................................... 9

2.1.3 Formen und Strukturen der formellen Freiwilligenarbeit in der

Palliative Care ...................................................................................................... 9

2.1.4 Anzahl und Herkunft der Freiwilligen in der Palliative Care ................... 11

2.1.5 Rolle, Tätigkeitsbereiche und Einbettung der Freiwilligengruppen ........ 12

2.1.6 Aufgaben der Freiwilligen ...................................................................... 13

2.1.7 Schnittstellen zur bezahlten Arbeit in Institutionen und im

ambulanten Bereich ........................................................................................... 14

2.2 Kompetenzen ............................................................................................... 16

2.2.1 Beschreibung der Kompetenzen ........................................................... 16

2.2.2 Ausbildungsniveaus palliative ch ........................................................... 17

2.3 Übersicht und Vergleich bestehender Bildungsangebote ............................ 18

2.3.1 Bildungsangebote für Freiwillige in der Palliative Care .......................... 18

2.3.2 Chancen und Gefahren eines Labels .................................................... 20

2.3.3 Bildung für Freiwillige in der Palliative Care in Bezug auf die

Schweizerische Bildungssystematik .................................................................. 21

2.4 Übersicht und Vergleich bestehender Supportangebote .............................. 22

2.5 Schnittstelle zwischen Bildung und Praxis ................................................... 24

3 Grundsätze ........................................................................................................ 25

3.1 Grundsätze und ethische Prinzipien für die Bildung und den Support der

Freiwilligen in der Palliative Care .......................................................................... 25

3.2 Prinzipien Gesundheitsförderung, Gender und Transkulturalität.................. 26

4 Schlussfolgerungen und empfohlene Massnahmen .......................................... 26

4.1 Mehrwert eines Rahmenkonzepts für Freiwillige in der Palliative Care ........ 26

4.2 Handlungsbedarf für ein flächendeckendes Angebot ................................... 28

4.3 Rahmenbedingungen für den Support der Freiwilligengruppen ................... 29

4


4.4 Mittel- und langfristige Finanzierung von Bildung und Support der

Freiwilligen in der Palliative Care .......................................................................... 30

4.5 Qualitätssicherung und gemeinsames Label ............................................... 32

4.6 Zukünftige Bedürfnisse der Betroffenen ....................................................... 33

5 Literatur .............................................................................................................. 35

6 Weiterführende Links ......................................................................................... 36

7 Anhang .............................................................................................................. 38

Anhang 1: Liste der interviewten Fachpersonen ................................................... 39

Anhang 2: Leitfaden für Telefoninterviews mit den Expertinnen und Experten ..... 40

Anhang 3: Caritas-Standards für Freiwilligengruppen in der Palliative Care ......... 45

Anhang 4: Pflichtenheft/Vereinbarung für Freiwillige ............................................. 46

Anhang 5: Ausbildungsniveaus in Palliative Care von palliative ch ....................... 48

Anhang 6: Übersicht über die wichtigsten Bildungsanbietenden für Freiwillige

in der Palliative Care ............................................................................................. 49

Anhang 7: Organisationen und Vereine, die Bildungsangebote und Freiwilligen-

Einsätze anbieten .................................................................................................. 52

Anhang 8: Caritas Schweiz: Begleitung in der letzten Lebensphase -

Rahmenkonzept für die Ausbildung von Freiwilligen ............................................. 56

Anhang 9: PASSAGE SRK – Lehrgang in Palliative Care ..................................... 57

Anhang 10: Bildungsangebote für Freiwillige im Vergleich mit Ausbildungen im

Rahmen der Schweizerischen Bildungssystematik ............................................... 58

Anhang 11: Grundsätze und ethische Prinzipien für die Bildung und den Support

der Freiwilligen in der Palliative Care .................................................................... 61

5


1 Einleitung

1.1 Auftrag

Eine Massnahme der Nationalen Strategie Palliative Care 2010–2012, die im Rahmen

des Handlungsfelds Aus-, Weiter- und Fortbildung 1 umgesetzt wird, betrifft den

Einsatz von Freiwilligen in der Palliative Care. Der ermittelte Handlungsbedarf zeigte,

dass die Rolle der Freiwilligen zum Teil nicht klar ist und dass die Verankerung der

Freiwilligenarbeit in der Palliative-Care-Versorgung in der Schweiz sehr unterschiedlich

ist. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erteilt Caritas Schweiz und dem

Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) gemeinsam den Auftrag zur Erarbeitung eines

nationalen Konzepts für die Bildung und den Support von Freiwilligen mit konkreten

Massnahmenpaketen, unter Einbezug massgeblicher Organisationen wie z.B. der

Krebsliga, Pro Senectute und palliative ch.

Dieses Konzept steht im Zusammenhang mit dem zeitlich parallel erarbeiteten Nationalen

Bildungskonzept „Palliative Care und Bildung: Strategisches Grundlagenpapier

(Empfehlungen)“, welches auf die Aus- und Weiterbildung (innerhalb der schweizerischen

Bildungssystematik) fokussiert.

1.2 Ziel

Die Nationale Strategie Palliative Care 2010-2012 formuliert das folgende Ziel in Bezug

auf die Freiwilligen: „Freiwillige verfügen über Kompetenzen in Palliative Care

und erhalten zur Erfüllung ihrer Aufgabe die nötige Unterstützung“ (BAG und GDK,

2009, S. 57). 2

Folgende Teilziele sind Gegenstand des vorliegenden Konzepts:

Eine Definition von Freiwilligen in der Palliative Care ist formuliert.

1 Das geplante Bundesgesetz über die Weiterbildung (WeBiG) unterscheidet zwischen formaler und

nicht-formaler Bildung (Weiterbildung).

2 Das Oberziel der Nationalen Strategie Palliative Care 2010-2012 im Handlungsfeld Aus-, Weiter- und

Fortbildung lautet: „Die in der Palliative Care tätigen Fachpersonen und Freiwilligen verfügen über die

erforderlichen stufengerechten Kompetenzen in der Palliative Care“ (BAG und GDK, 2009, S. 57).

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Aufgaben und Kompetenzen der Freiwilligen mit Schnittstellen zum Gesundheitsfachpersonal

sind beschrieben, die Rolle und Einbettung der Freiwilligengruppen

sind dargestellt.

Eine gesamtschweizerische vergleichende und umfassende Übersicht über

Bildungs- und Supportangebote für Freiwillige in der Palliative Care ist erstellt.

Bezüge dieser Bildungs- und Supportangebote zur Schweizerischen Bildungssystematik

sind hergestellt.

Ein erster Konsens über grundsätzliche Elemente zu Bildung und Support sowie

Qualitätssicherung für Freiwillige in der Palliative Care ist erreicht.

Empfohlene Massnahmenpakete zur Umsetzung der grundsätzlichen Elemente

zu Bildung und Support sowie Qualitätssicherung für Freiwillige in der Palliative

Care sind formuliert.

1.3 Vorgehen

Um einen Überblick über die Situation der Freiwilligen in Bezug auf die Bildung und

den Support zu erhalten, wurde eine Literatur- und Dokumentenrecherche durchgeführt.

Zusätzlich wurde die Situation und der Handlungsbedarf im Freiwilligenbereich

mit 17 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Funktions- und Tätigkeitsgebieten

3 diskutiert (Anhang 1). Die Interviews wurden mit Hilfe eins standardisierten

Leitfadens (Anhang 2) in den drei Sprachregionen Deutschschweiz, Westschweiz

und Tessin telefonisch durchgeführt.

Die Interviewpartnerinnen und -partner sind in ihrem beruflichen Kontext unterschiedlich

mit den Freiwilligen in der Palliative Care konfrontiert. Mit dieser Auswahl konnten

differenzierte Meinungen und Perspektiven eingefangen werden, um das Feld

möglichst repräsentativ abzubilden. Insbesondere wurde bei der Auswahl der Interviewpersonen

darauf geachtet,

alle Regionen in der Schweiz zu berücksichtigen,

verschiedene Perspektiven zu beleuchten unter Berücksichtigung des unterschiedlichen

institutionellen Rahmens (wie Kursanbietende und Einsatzgruppen

von Freiwilligen sowohl in institutionsgebundenen als auch in freien Gruppen),

die relevanten, wichtigsten und grossen Organisationen sowie Einzelne zu befragen,

die besondere Situationen aufweisen oder einer Vereinheitlichung gegenüber

besonders kritisch eingestellt sind.

Mit den nationalen Dachverbänden der in der Palliative Care aktiven Stakeholder und

der Organisationen der Arbeitswelt (OdASanté, SAVOIRSOCIAL etc.) wurden bewusst

keine Interviews durchgeführt. Sie sollen vielmehr mit der anschliessend vom

3 z.B. Geschäftsführende, Leitungsverantwortliche in der Bildung, Einsatzleitungen, Forschende

7


BAG durchgeführten Vernehmlassung des vorliegenden Konzepts angesprochen

werden.

2 Analyse

Die folgende Analyse basiert auf bestehenden Dokumenten und Studien, die an den

entsprechenden Stellen ausdrücklich erwähnt werden. Den grösseren Raum nehmen

die Erkenntnisse aus den geführten Interviews ein. Verweise auf Interviews oder

Aussagen von Expertinnen und Experten beziehen sich im Folgenden immer auf die

von den Autorinnen und Autoren dieses Berichts durchgeführten Befragungen.

2.1 Definition und Beschreibung der Freiwilligenarbeit in der Palliative Care

Freiwilligenarbeit in der Palliative Care ist ihrem Ursprung eine Bürgerbewegung.

Sowohl in England wie auch in anderen europäischen Ländern haben Freiwillige mit

ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement in der Hospizbewegung die Entwicklung

der professionellen Palliative Care-Angebote hervorgebracht (Dörner 2010). Freiwillige

sind demnach als eigenständige Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens

zu verstehen: „Freiwilliges Engagement ist nicht als Ergänzung zur professionellen

Arbeit zu betrachten, sondern die professionelle Arbeit muss als Ergänzung

zum familiären und nachbarschaftlichen Engagement verstanden werden“ (Jenny,

2009, S. 67). Die demographische Entwicklung lässt vermuten, dass die Verantwortung

für schwerkranke und sterbende Menschen in Zukunft nicht von nahestehenden

Bezugspersonen (z.B. Angehörige, Freunde) und Fachpersonen allein getragen werden

kann. Wenn sich der Trend „ambulant vor stationär“ durchsetzen soll, ist mehr

gegenseitige Hilfe nötig. Das bürgerschaftliche Engagement, die Freiwilligenarbeit

also, hält nach Dörner (2010) durchaus kreative Alternativen bereit. Der Einsatz für

Mitmenschen kann eine „Möglichkeit des Ausgleichs und der Sinnfindung in der heute

angespannten und hektischen Arbeitswelt“ (Raymann, 2010, S. 52) sein.

In der Westschweiz engagierte sich Rosette Poletti ab 1970 für die würdevolle Begleitung

von schwerkranken und sterbenden Menschen. Angeregt durch Vorträge

von Elisabeth Kübler-Ross, die eine zentrale Rolle in der Hospizbewegung einnimmt,

entstanden seither in der ganzen Schweiz über hundert Freiwilligengruppen. Viele

von ihnen wurden im Aufbau und in der Ausbildung durch Caritas-Programme unterstützt.

2.1.1 Freiwilligenarbeit im Allgemeinen

Die Definition von Freiwilligenarbeit lautet nach Benevol Schweiz, der Dachorganisation

der Fach- und Vermittlungsstellen für Freiwilligenarbeit wie folgt: „Freiwilligenar-

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eit ist ein gesellschaftlicher Beitrag an Mitmenschen und Umwelt. Sie schliesst freiwilliges

und ehrenamtliches Engagement ein und umfasst jegliche Formen unentgeltlich

geleisteter selbstbestimmter Einsätze ausserhalb der eigenen Kernfamilie“ (Benevol,

2010, S. 1). Es wird betont, Freiwilligenarbeit könne die bezahlte Arbeit ergänzen

und unterstützen, solle sie aber nicht konkurrenzieren. Freiwilliges Engagement

ermöglicht einen Einblick in andere Lebensbereiche, erweitert die Sozialkompetenz,

bietet neue Kontakte und kann Ausgleich zum Alltag oder zur Berufsarbeit sein.

Der Freiwilligenmonitor Schweiz unterscheidet zwischen formeller und informeller

Freiwilligenarbeit (Stadelmann-Steffen et al., 2010). Diese Begriffe werden auch in

den Nationalen Leitlinien Palliative Care angewendet (BAG und GDK, 2010):

Die formelle Freiwilligenarbeit wird innerhalb von Vereins- oder Organisationsstrukturen

erbracht, entweder durch Praxiseinsätze (z.B. Besuchsdienst) oder als

Ehrenamt (z.B. in einem Vorstand). Sie wird auch als institutionalisierte Freiwilligenarbeit

bezeichnet. Die informelle Freiwilligenarbeit bezeichnet persönliche Hilfeleistungen

für Freundinnen, Freunde und Bekannte (z.B. Nachbarschaftshilfe).

2.1.2 Freiwilligenarbeit in der Palliative Care

Die Nationale Strategie Palliative Care 2010 - 2012 nennt Freiwillige in der Palliative

Care als Teil eines „verlässlichen Unterstützungsnetzes“ und als „tragendes Element“

seit Beginn der Palliative Care-Bewegung (BAG und GDK, 2009, S. 22). Freiwillige

stehen Schwerkranken und Sterbenden und ihren nahestehenden Bezugspersonen

als „mitmenschliche Begleitung und Beratung in der Zeit der Krankheit, des Schmerzes,

des Abschieds und der Trauer“ zur Seite. Ihnen wird das Potenzial zugesprochen,

ein „Beispiel für gelebte Solidarität in der Gesellschaft“ (BAG und GDK, 2010,

S. 22) zu sein.

Die Nationalen Leitlinien Palliative Care zielen auf ein gemeinsames Verständnis von

Palliative Care (BAG und GDK, 2010). Erbringer der Palliative Care sollen gemäss

diesen Leitlinien in einem interprofessionellen Team arbeiten. Freiwillige können Teil

dieses Teams sein. Eine gute Vorbereitung und kontinuierliche Begleitung sind zentral

für den Freiwilligeneinsatz. Dies kann am ehesten in einer geführten Gruppe von

Freiwilligen erreicht werden. (BAG und GDK, 2010, S. 22)

Der Fokus wird im Folgenden auf die formelle Freiwilligenarbeit in der Palliative Care

gelegt, regt jedoch auch Massnahmen für die informelle Freiwilligenarbeit an.

2.1.3 Formen und Strukturen der formellen Freiwilligenarbeit in der Palliative Care

Freiwillige sind in unterschiedliche Strukturen und Organisationen eingebunden:

a) In Freiwilligen-Organisationen und –Gruppen sind keine oder nur vereinzelt

bezahlte Mitarbeitende tätig. Es werden Freiwilligeneinsätze im stationären

oder ambulanten Bereich geleistet. Die Aktivitäten können sich auch oder nur

auf die Vermittlung von Einsätzen beziehen. Freiwilligen-Organisationen und -

Gruppen sind meist als Verein, Stiftung oder Trägerschaft (z.B. in Zusammen-

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arbeit zwischen politischer und kirchlicher Gemeinde) organisiert. Sie leisten

lokal oder regional Einsätze in geografisch unterschiedlich grossen Gebieten.

Ihre Bezeichnung ist unterschiedlich, oftmals nennen sie sich „Hospiz-Gruppe“

mit Berufung auf die Hospizbewegung. Die meisten Freiwilligenorganisationen

haben Gruppen von Freiwilligen, die mehr oder weniger eigenständig funktionieren

und durch eine Einsatzleitung geführt werden.

b) In Institutionen des Gesundheitswesens in der Grundversorgung wie in der

spezialisierten Versorgung (z.B. Alters- und Pflegeheime, Akutspitäler, Spezialabteilungen

für Palliative Care, Hospize, Ambulatorien für onkologische Behandlungen,

Spitex) können Freiwillige integraler Bestandteil sein oder sie

werden für Teilbereiche einbezogen (z.B. für Nachtwache).

c) In Betroffenen- oder Sozialorganisationen sind Begleitgruppen aus Freiwilligen

angegliedert (z.B. Krebsliga).

d) Kantonale oder regionale Palliativnetzwerke und Koordinationsstellen bieten

für verschiedene Freiwilligen-Organisationen in der Palliative Care Öffentlichkeitsarbeit,

Koordination, Beratung oder Bildung an.

Die Einsätze der Freiwilligen können im stationären oder ambulanten Bereich stattfinden.

Die Einsatzbereiche unterteilen sich folgendermassen:

Einsätze in stationären Einrichtungen werden

a) im Akutbereich (Krankenhäuser inklusive Rehabilitation),

b) im Langzeitbereich (Alters- und Pflegeheime) oder

c) in spezialisierten Palliative Care-Einrichtungen (Palliativstationen, Hospize,

Ambulatorien) geleistet.

Ambulante Einsätze werden zu Hause geleistet (im Netzwerk mit Ärztinnen

und Ärzten, der Spitex, Pflegefachpersonen, weiteren Fachpersonen und nahestehenden

Bezugspersonen).

Es existieren verschiedene Kombinationen von Organisationsformen und Einsatzbereichen.

Während die einen Freiwilligenorganisationen ausschliesslich zu Hause Einsätze

leisten, gehen andere nach Bedarf in alle Einsatzbereiche.

Allen gemeinsam ist, dass die formell eingebundenen Freiwilligen auf ihre Tätigkeit

vorbereitet und eng begleitet werden.

Gemäss Näf und Neuenschwander (2010) hatten zum Erhebungszeitpunkt im Jahr

2007 die meisten Organisationen 10 bis 20 Freiwillige, einzelne über 40 Freiwillige.

Ein einzelner Einsatz kann von 2 bis 9 Stunden variieren. Längere Einsätze sind vor

allem in der Sterbephase in Form von Sitznachwachen gefragt. Näf und Neuenschwander

unterscheiden professionelle Palliative Care-Organisationen (im stationären

oder ambulanten Bereich) von Freiwilligenorganisationen. In den professionellen

Organisationen werden die Freiwilligeneinsätze eingeplant. Es werden im Schnitt

pro Freiwillige längere und häufigere Einsätze geleistet als in Freiwilligenorganisationen.

10


Aus den Interviews mit Freiwilligenorganisationen im ambulanten Bereich geht hervor,

dass die grösste Herausforderung in der Bekanntmachung des Angebotes und

in der Planung und Organisation der Einsätze liegt: Je nach Situation wäre ein Einsatz

sofort nötig (auch nachts), was von den Freiwilligen höchste Flexibilität verlangt

und nicht immer möglich ist. Der Bedarf nach Freiwillige kann sich situativ stark verändern:

Bei einem Sterbenden beispielsweise werden mehrere Freiwillige über längere

Zeit intensiv eingesetzt und nach seinem Tod folgen grössere Einsatzpausen.

So haben Freiwillige zeitweise eher zu wenig Einsatzmöglichkeiten. Einzelne Organisationen,

die um eine gewisse Einsatzkontinuität bemüht sind, vermitteln die Freiwilligen

in solchen „stillen Phasen“ auch für andere Einsätze (z.B. Besuchsdienst im

Alters- und Pflegeheim).

Nahestehende Bezugspersonen 4 , wie zum Beispiel Lebenspartner und Lebenspartnerinnen

oder sehr enge Freunde, spielen in der Palliative Care eine ganz besondere

Rolle. Sie leisten nicht nur selbst oft einen zentralen Teil der Begleitung,

Betreuung und Pflege, sie sind in der Palliative Care auch als Begünstigte in die

Betreuung eingeschlossen. Laut WHO entspricht Palliative Care einer Haltung und

Behandlung, welche sowohl die Lebensqualität der Schwerkranken und Sterbenden

als auch diejenige der nahestehenden Bezugspersonen verbessern soll. Palliative

Care unterstützt jene auch in der Trauer (www.who.int/cancer/palliative/definition/en/).

Eine sehr wichtige Rolle in der Betreuung zu Hause spielen die informellen Freiwilligen

in der Palliative Care. Sie gehören nicht zum Haushalt, aber zum weiteren

Betreuungsumfeld einer schwerkranken oder sterbenden Person (BAG und GDK,

2010) und sind nicht in formelle Strukturen eingebunden. Dazu zählen beispielsweise

Nachbarinnen und Nachbarn. Informelle Freiwillige übernehmen Mitverantwortung in

der Begleitung und Betreuung und entlasten die nahestehenden Bezugspersonen.

Diese Gruppe ist von grosser gesundheits- und sozialpolitischer Bedeutung. Die Frage,

ob sie Zugang findet zu Bildungsangeboten und notfalls zu beratender Unterstützung,

spielt eine wichtige Rolle.

2.1.4 Anzahl und Herkunft der Freiwilligen in der Palliative Care

Eine vollständige Erfassung aller Freiwilligen in der Palliative Care ist aufgrund der

Vielfalt an Organisationsformen, in denen Freiwilligenarbeitet geleistet wird, kaum

möglich. Näf und Neuenschwander (2010) haben in ihrer Untersuchung im Jahr 2007

72 Organisationen identifiziert, die mit Freiwilligen arbeiten, davon 31 selbständige

Freiwilligenorganisationen. Gemäss neuen Recherchen von Caritas Schweiz sind

heute gesamtschweizerisch 122 Gruppen mit gegen 2000 Freiwilligen aktiv.

4 „Zu den nahestehenden Bezugspersonen werden diejenigen Personen gezählt, die der kranke

Mensch als solche bezeichnet. Es können dies nächste Verwandte wie Eltern, Kinder und Geschwister

sein, Ehe- oder Lebenspartner/-partnerin und weitere Personen, mit der die kranke Person in einem

Vertrauensverhältnis steht (auch ausserhalb der Verwandtschaft)“ (BAG und GDK, 2010, S. 26).

11


Beim SRK arbeiteten 2010 gesamtschweizerisch 1‘070 Freiwillige in den so genannten

Entlastungsdiensten für Pflegende Angehörige (246) und in Besuchsdiensten für

kranke und hilfsbedürftige Menschen (824), die auch die Begleitung von schwer

kranken und sterbenden Menschen einschliessen.

Etwa 90 Prozent aller Freiwilligen in diesem Bereich sind Frauen. Die von Näf und

Neuenschwander (2010) befragten Expertinnen und Experten vermuten, dass die

hauptsächlichen Gründe in den Sozialisationsunterschieden zwischen den Geschlechtern

liegen. Männer könnten insbesondere grössere Berührungsängste mit

emotional intimen Situationen haben. Die Befragten wünschen sich durchaus auch

mehr männliche Freiwillige; jedoch bemühen sie sich nicht aktiv darum, weil nicht das

Geschlecht, sondern die Frage der Eignung für diese Tätigkeit im Vordergrund steht.

Personen die sich in der formellen Freiwilligenarbeit in der Palliative Care engagieren,

sind meist im Alter von 40 bis 70 Jahren. Dies ist damit zu erklären, dass Frauen

dieses Alterssegments viel freie zeitliche und finanzielle Ressourcen haben. Eine

Tätigkeit, die sich mit Sterben und Tod befasst, zieht wohl auch ganz grundsätzlich

eher Menschen mit längerer Lebenserfahrung an. Marketing, Bildung und Supportleistungen

sind auf dieses Alterssegment zugeschnitten und sprechen so diese Altersgruppen

stärker an. Je nach Organisationsform, in denen Freiwillige tätig sind,

variiert auch das Alter der Freiwilligen: In spezialisierten Palliative Care-

Einrichtungen arbeiteten mehr jüngere Freiwillige (40 – 50 Jahre) als in Freiwilligenorganisationen

(50 - 60 Jahre oder älter).

Motive für eine Freiwilligentätigkeit in der Palliative Care sind nach Näf und Neuenschwander

(2010):

der Wunsch nach einer sinnvollen Aufgabe und Anerkennung,

der Wunsch, anderen zu helfen,

der Wunsch nach einer vertieften Auseinandersetzung mit Sterben und Tod,

der Wunsch nach persönlichen Begegnungen und Erfahrungen.

2.1.5 Rolle, Tätigkeitsbereiche und Einbettung der Freiwilligengruppen

Die Beschreibung der Freiwilligenarbeit lässt eine Vielfalt von Zielgruppen und

Einsatzarten von Freiwilligen in der Palliative Care erkennen.

Freiwillige in der Palliative Care begleiten Menschen durch verschiedene Phasen

oder Stadien, von der Diagnose bis zum Tod. Die Tätigkeiten sind entsprechend vielfältig.

Die ambulante Begleitung besteht vorwiegend in der menschlichen Präsenz

und der Entlastung von nahestehenden Bezugspersonen, während die Tätigkeiten im

stationären Bereich oft auch auf die Schaffung von Klima und Kultur ausgerichtet

sind. 5 Im traditionellen Hospiz nach angelsächsischem Vorbild sind Freiwillige in fast

allen Bereichen tätig und bilden nicht selten den Kern der Institution. Eine Organisa-

5 Freiwillige gestalten zum Beispiel mit Blumen eine gute Atmosphäre oder bedienen Besucherinnen

und Besucher in der Cafeteria.

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tion, deren Vertreterin befragt wurde, führt neben ambulanter Begleitung auch ein

stationäres Hospiz mit sechs Betten: „Die Freiwilligen können ihren Einsatzort wählen

in einem der drei Angebote: stationäres Hospiz, ambulante Begleitung, offener Trauertreff.“

Freiwillige engagieren sich nach Erfahrung der Autoren und Autorinnen hauptsächlich

in folgenden Einsatzgebieten:

Alltagsbegleitung für ältere Menschen mit chronischen Krankheiten und Entlastung

ihrer Angehörigen bzw. nahestehenden Bezugspersonen,

Begleitung im Sterben (oder in einer lebensbedrohlichen Krankheits-Krise),

Begleitung bei/zu Therapien (in onkologischen Ambulatorien im Tessin),

Begleitung von schwerkranken und sterbenden Kindern und ihren Eltern,

Trauerbegleitung für Hinterbliebene.

Während in der Gründerzeit (ab 1975) die Sterbebegleitung oder Sitzwache im Vordergrund

stand, entwickelten sich in den letzten 15 Jahren zunehmend auf spezifische

Krankheitsbilder (z.B. Krebs oder Demenz), Altersgruppen (z.B. Palliative Care

für Kinder) oder Phasen des Sterbeprozesses ausgerichtete Angebote (z.B. Begleitung

bei Abschieds- und Trauerprozess). Im nahen Ausland spiegelt sich die zunehmende

Vielfalt an Angeboten besonders eindrücklich bei der Hospizbewegung Vorarlberg,

die in den Interviews als Modell genannt wurde. Die heute vielfältigen Aufgaben

der Freiwilligen dokumentieren deren Bedeutung in der Palliative Care.

2.1.6 Aufgaben der Freiwilligen

Eine Beschreibung der Aufgaben der Freiwilligen in der Palliative Care ist für das

Verständnis ihrer Rolle und ihrer Kompetenzen wichtig. Näf und Neuenschwander

(2010) beschreiben diese Aufgaben

a) in Bezug auf Patientinnen und Patienten,

b) in Bezug auf nahestehende Bezugspersonen (Angehörige und Freunde),

c) in Bezug auf die Palliative Care-Einrichtung.

Bezogen auf die Patientinnen und Patienten (a) nennen die Expertinnen und Experten

in den von uns geführten Interviews Da-Sein (auch Wachen), Zuhören und Zeit

haben als häufigste Aufgaben der Freiwilligen in der Palliative Care. Weiter wurde

das Erkennen und Erfüllen von Wünschen und Bedürfnissen der Kranken oder Sterbenden

oder die Begleitung/Unterstützung bei Bewegung/Lagerung genannt (z.B.

Begleiten bei einem kurzen Spaziergang).

Im ambulanten Bereich nimmt die Unterstützung der Angehörigen bzw. nahestehenden

Bezugspersonen (b) neben der Betreuung der Schwerkranken und Sterbenden

einen wichtigen Platz ein. Nahestehende Bezugspersonen erhalten dank der Freiwil-

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ligenarbeit Freiräume und Ruhepausen. Diese Hilfe wird oft sehr spät in Anspruch

genommen, was in einem Interview als problematisch bezeichnet wird: „C’est comme

si les proches ils allaient presque jusqu’à ce qu’ils n’en peuvent plus.“

In der stationären Palliative Care erfüllen Freiwillige auch vielseitige Aufgaben, die

nicht am Krankenbett stattfinden (c). Die befragten Expertinnen und Experten nannten

die Mithilfe bei Transporten, Dekorationsarbeiten, Tätigkeiten am Empfang, Öffentlichkeitsarbeit

oder die Mitarbeit in der Cafeteria.

Freiwillige in der Palliative Care übernehmen in Bezug auf die Patientinnen und Patienten

teilweise „einfache pflegerische Handreichungen“. In der Frage, wie weit sie

gehen sollen, gibt es keine einheitliche Praxis. In den Interviews kommen folgende

unterschiedliche Haltungen zum Ausdruck:

Es werden grundsätzlich keine pflegerischen Tätigkeiten übernommen.

Es werden Tätigkeiten übernommen, welche „normalerweise die Angehörigen

auch machen“. Welche Aufgabe die Expertinnen und Experten darunter verstehen,

ist sehr unterschiedlich (z.B. Mundpflege, Mithilfe bei Umlagerung).

Wichtig und rechtlich relevant ist, dass die konkreten Aufgaben definiert und

meist schriftlich vereinbart werden.

Mit Freiwilligen, die eine Fachausbildung im Gesundheitsbereich mitbringen,

werden in Ausnahmen und in Absprache mit der kranken Person, der Pflegeverantwortlichen

und den Angehörigen bzw. nahestehenden Bezugspersonen

individuelle schriftliche Vereinbarungen getroffen, welche pflegerischen Aufgaben

von den Freiwilligen übernommen werden können.

In der Frage der Abgrenzung zu Pflegetätigkeiten haben wir in den Interviews eine

gewisse Übereinstimmung gefunden: Verschiedene Organisationen halten sich an

die Caritas-Standards (Anhang 3) und beschränken sich auf „einfache pflegerische

Handreichungen“. Freiwillige helfen in Absprache mit den nahestehenden Bezugspersonen

und den Pflegeverantwortlichen beim Aufstehen, Aufsitzen und Gehen sowie

beim Waschen von Gesicht und Händen. Auch die Befeuchtung von Lippen und

Mund ist möglich. Voraussetzung ist dafür stets eine vorausgehende Anleitung der

Freiwilligen.

Unter Einbezug von Freiwilligen wurden im Auftrag der Gesundheitsbehörden des

Kantons Waadt die Aufgaben der Freiwilligen in der Palliative Care in einem standardisierten

Prozess systematisch erhoben. Das Ergebnis steht uns nicht zur Verfügung.

2.1.7 Schnittstellen zur bezahlten Arbeit in Institutionen und im ambulanten Bereich

Nahestehende Bezugspersonen, Fachpersonen, informelle und formelle Freiwillige

arbeiten in der Palliative Care eng zusammen. Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit

werden laut Näf und Neuenschwander (2010) vorwiegend in Kompetenzüberschreitungen

oder fehlenden Fachkenntnissen geortet. Gerade deshalb erachten wir

es als wichtig, dass die Aufgaben der beiden Gruppen klar geregelt werden.

14


In unseren Interviews wurde deutlich, dass die Abgrenzung der Freiwilligenaufgaben

zu Aufgaben der Professionellen in der ambulanten Betreuungsarbeit schwieriger ist

als im stationären Bereich. Dies, weil zu Hause oft keine Fachperson anwesend ist

und die Freiwilligen manchmal rasch alleine entscheiden müssen (z.B. in der Nachtwache).

Die Notwendigkeit von schriftlichen Vereinbarungen in Form von Pflichtenheften oder

Delegationsvereinbarungen (Anhang 4) wurde in den Interviews als zentrales Element

für ein gutes Zusammenspiel zwischen Freiwilligen und Fachpersonen betont.

Bewährt hat sich weiter, dass die Einsatzleitung der Freiwilligengruppe in einem

Erstgespräch mit den Kranken und ihren nahestehenden Bezugspersonen die Bedürfnisse

und Erwartungen vor Ort erfasst und Abmachungen zu den gewünschten

Tätigkeiten trifft.

Als wichtigste Ansprechpartnerin der Berufsfachleute gilt im ambulanten Bereich die

Spitex. Einzelne Organisationen setzen nur Freiwillige ein, wenn diese die Möglichkeit

haben, die Spitex rund um die Uhr telefonisch kontaktieren zu können. Oft fragen

nahestehende Bezugspersonen sehr kurzfristig für Freiwilligeneinsätze an, manchmal

bereits für die bevorstehende Nacht. In diesem Fall, betonen einige Expertinnen

und Experten, muss die Zusammenarbeit mit der Spitex auch kurzfristig geregelt

werden können. Diese wird geschätzt und funktioniert gut.

In stationären Einrichtungen ist die 24 Stunden-Präsenz einer Fachperson meist gegeben

(nachts zum Teil in Form eines Pikettdienstes). Besonders in spezialisierten

stationären Palliative Care-Einrichtungen, wo die Freiwillige Teil des Betreuungsteams

sind, haben Freiwillige rund um die Uhr eine Ansprechperson. Es bestehen

auch häufiger Gelegenheiten zum Austausch.

Für ein gutes Zusammenspiel zwischen bezahlten Fachpersonen und Freiwilligen ist

der gegenseitige Kontakt gezielt zu fördern. In den Interviews wurde dies so formuliert:

„Man sollte nicht Feste für die Freiwilligen alleine machen, sondern sie müssen

für alle Feste und Feiern der Institution selbstverständlich eingeladen sein“.

Der Einsatz von Freiwilligen, die einen gesundheits- oder sozialberuflichen Hintergrund

haben, wird von den befragten Expertinnen und Experten unterschiedlich beurteilt:

Eine Organisation setzt bewusst keine Freiwilligen aus solchen Berufen ein,

um der Gefahr der Kompetenzüberschneidungen vorzubeugen.

Einzelne Organisationen treffen bei Freiwilligen mit entsprechender Vorbildung

spezifische vertragliche Regelungen für besondere Situationen, dies in Absprache

mit den Angehörigen bzw. nahestehenden Bezugspersonen und den

Fachpersonen.

In einer Organisation wird betont, dass gerade solche Freiwillige sich besonders

gut und klar abgrenzen den Aufgaben der bezahlten Fachperson, weil sie

zum Beispiel nach einer pflegerischen Berufstätigkeit bewusst die Andersartigkeit

der Freiwilligenarbeit suchen („einmal Zeit haben, nicht immer Ziele verfolgen

müssen“).

15


Die Abgrenzung der Freiwilligenarbeit zur bezahlten Tätigkeit ist möglich, wenn Freiwillige

sich am folgenden Grundsatz orientieren. Freiwillige sind keine Lückenbüsser

für professionelle Arbeit, sondern haben ihr eigenständiges Tätigkeitsfeld und Kompetenzprofil.

Sie sollen deshalb auch nicht wie bezahlte Personen behandelt werden.

Denn Freiwillige haben eine andere Motivation, wie dies eine Expertin folgendermassen

formuliert: „Die Rolle ist kein beruflicher Auftrag und findet ausserhalb der beruflichen

Strukturen statt“.

2.2 Kompetenzen

In der Schweiz wie im Ausland existieren diverse Kompetenzbeschreibungen für

Freiwillige in der Palliative Care. Keine dieser Beschreibungen geniesst bei den Akteurinnen

und Akteuren eine so breite Anerkennung, dass sie als Modell übernommen

werden könnte.

Der Sozialzeitausweis vom „Forum Freiwilligenarbeit“ beinhaltet einen ausführlichen

allgemeinen Katalog von Kompetenzen, gegliedert nach fachlichen, methodischen,

personalen und sozialen Fähigkeiten (Spahr, 2004). Der Katalog dient als Grundlage

der Freiwilligenbildung allgemein und kann für spezifische Tätigkeitsgebiete ergänzt

und verändert werden.

Im Kanton Waadt wurde mit Hilfe einer standardisierten Methode eine genaue Aufgabenerhebung

durchgeführt (sogenannter DACUM-Prozess: Develop A CUrriculuM;

Hoenger et al., 2008).

Die „Caritas-Standards für Freiwilligengruppen in der Palliative Care“ verzichten auf

einen detaillierten Kompetenzkatalog, nennen aber sieben Schlüsselkompetenzen

(Anhang 3).

2.2.1 Beschreibung der Kompetenzen

In Bezug auf die Kompetenzen der Freiwilligen in der Palliative Care orientieren sich

die befragten Expertinnen und Experten unterschiedlichen Vorgaben:

eigene Grundsätze, Richtlinien und Ziele

Standards von Benevol

Leitlinien Freiwilligenarbeit des Schweizerischen Roten Kreuzes

Lernziele der Kursangebote

Caritas Schlüsselkompetenzen

Rückmeldungen von Kunden, Spitex etc.

Reflexion mit kontinuierlichem gemeinsamem Lernen in der Gruppe

16


Die von den Interviewpartnerinnen und -partnern genannten Kompetenzen lassen

sich thematisch gliedern:

Am häufigsten werden soziale Kompetenzen genannt, durch welche eine Beziehung

gestaltet werden kann. Insbesondere Da-Sein, zuhören und sich einfühlen können,

Vertrauenswürdigkeit, Toleranz und Abgrenzungsfähigkeit werden in diesem

Zusammenhang genannt.

Persönliche Ressourcen wie Gesundheit und Belastbarkeit werden ebenfalls in den

Interviews sehr häufig angesprochen. Beispiele sind hier die die physische und psychische

Stabilität und die Fähigkeit, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Als situative Voraussetzungen werden oft Flexibilität und Disponibilität erwähnt, die

regelmässige wie auch kurzfristige Einsätze ermöglichen.

Verlangt wird auch ein Verständnis der Grundlagen von Palliative Care sowie die

Fähigkeit und Bereitschaft zur Reflexion beim Besuch von Weiterbildung und Supervision.

Ebenfalls genannt wird die Notwendigkeit, sich an Vereinbarungen zu halten (z.B.

bei pflegerischen Handreichungen), Situationen adäquat wahrzunehmen, in einem

Team zu arbeiten und die eigene Rolle zu kennen.

2.2.2 Ausbildungsniveaus palliative ch

„SwissEduc“, die für Fort- und Weiterbildung zuständige Arbeitsgruppe von palliative

ch, hat verschiedene Ausbildungsniveaus für Fachpersonen in der Palliative Care

definiert (palliative ch, 2002) (Anhang 5). Für den Freiwilligenbereich wurde bisher

von „SwissEduc“ keine Kompetenzbeschreibung erstellt, die Arbeitsgruppe von palliative

ch wäre jedoch daran interessiert, an einer solchen mitzuwirken.

Bei den interviewten Expertinnen und Experten sind die Arbeiten von palliative ch zu

den Ausbildungsniveaus noch wenig bekannt. Es gibt jedoch auch einige befragte

Personen, die sich daran orientieren, obwohl die Beschreibungen nicht explizit auf

die Freiwilligenarbeit zugeschnitten sind (Niveau A1/A2). Im Hinblick auf mehr Durchlässigkeit

zwischen der Freiwilligen- und der Berufsbildung sind die Expertinnen und

Experten der Meinung, es brauche eine spezifische Kompetenzbeschreibung für

Freiwillige, sozusagen „als Hilfe, aber nicht analog zu Berufskompetenzen. Es ist ja

gerade der Reichtum der Freiwilligen, dass sie nicht in beruflichen Strukturen integriert

sind, sondern ‚natürlich‘ auf die Situation eingehen“. Die befragten Expertinnen

und Experten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Tätigkeitsbereiche

der Freiwilligen eine grosse Spannbreite aufweisen. Deshalb bezweifeln sie, ob

es möglich und sinnvoll ist, für alle Freiwilligen in der Palliative Care dieselben Kompetenzen

zu definieren. Sie befürchten, dass „gewisse Leute dann ausgeschlossen

würden“. In diesem Sinne werden Empfehlungen dann begrüsst, wenn sie nicht zu

17


detailliert und rigide sind und damit in der Umsetzung 6 genügend Gestaltungsspielraum

lassen.

2.3 Übersicht und Vergleich bestehender Bildungsangebote

Bei der Auseinandersetzung mit den Bildungsangeboten für Freiwillige in der Palliative

Care sind wir einer grossen Vielfalt an Angeboten begegnet. In der Schweiz existieren

fünf Organisationen, die national, überregional oder kantonal Bildung für Freiwillige

in der Palliative Care anbieten (Anhänge 6 und 7). Daneben gibt es eine Vielzahl

an Organisationen (teilweise auch kirchliche Kreise mit Fokus auf religiösem

und/oder spirituellem Beistand) oder Personen mit unterschiedlichen Angeboten und

spezifischen Profilen (z.B. Gabriel Looser oder Rosette Poletti).

2.3.1 Bildungsangebote für Freiwillige in der Palliative Care

Die Schweiz ist mehr oder weniger flächendeckend mit Bildungsangeboten für Freiwillige

abgedeckt. In den Kantonen ohne Angebote 7 hat die Bevölkerung innerhalb

einer zumutbaren Reisezeit Zugang zu regional ausgeschriebenen Kursangeboten.

Im Gegensatz zu anderen Regionen der Schweiz haben wir in den Kantonen Wallis

und Freiburg nur wenige und eher kürzer dauernde Angebote gefunden.

Meist wird die Freiwilligenbildung von grossen Organisationen mit viel Erfahrung in

diesem Sektor angeboten. Einige Organisationen bilden Freiwillige aus, setzen sie

ein und unterstützen sie, andere bieten nur Bildung an. Bei letzeren dauern die Kurse

in der Regel länger. Palliative ch, die Schweizerische Gesellschaft für Palliative Medizin,

Pflege und Begleitung, bietet direkt keine Bildung an, schreibt aber auf seiner

Homepage einige Kurse von Mitgliederorganisationen (mit Label „standards & stars“)

aus, die auch an Freiwillige gerichtet sind.

Je nach Einsatzbereich oder Lebensphase der Betroffenen haben Freiwillige unterschiedliche

Bildungsbedürfnisse. Neben den Kursen der Basisbildung, gibt es deshalb

auch weitere spezifische Bildungsangebote für Freiwillige. Beispielsweise gibt

es Angebote für Freiwillige, die auf eine einzige Zielgruppe abgestimmt sind (z.B.

Kurse für die Begleitung von Krebskranken oder von Alzheimerbetroffenen, etc.).

Einige Organisationen bieten die Bildung gemeinsam an, vernetzen sich und nutzen

Synergien. Im Kanton Graubünden z.B. arbeitet Caritas zusammen mit dem Kloster

6 Mit Blick auf eine mögliche Umsetzung von Kompetenzvorgaben für die Freiwilligenarbeit sollten die

Arbeiten nach Ansicht der Auftraggebenden dieses Konzepts in Abstimmung mit dem Grundlagenpapier

für ein nationales Bildungskonzept in der Palliative Care geschehen. Dieses befindet sich noch in

Arbeit („Nationales Bildungskonzept: Palliative Care und Bildung: Strategisches Grundlagenpapier

(Empfehlungen)“, Massnahme im Bereich der formalen Bildung, vgl. „Nationale Strategie Palliative

Care 2010-2012“ (BAG und GDK, 2009, S. 43-44 und S. 57)).

7 Solothurn, Glarus, Uri, Unterwalden, Zug, Appenzell, Schaffhausen und Freiburg (deutschsprachiger

Teil)

18


Ilanz, im Kanton Basel Stadt das SRK und GGG Voluntas. Zwischen Organisationen,

die nur Einsätze vermitteln und solchen, die Bildung anbieten, haben sich ebenfalls

partnerschaftliche Beziehungen entwickelt: Der Verein „Schwerkranke begleiten“ der

Region Thun beispielsweise, nutzt konsequent das Bildungsangebot des SRK; einige

Hospizgruppen verweisen in ihren Internetauftritten auf die Kurse von Caritas; die

Krebsliga des Kantons Waadt macht auf das Bildungsangebot der Fondation „Rive

Neuve“ aufmerksam.

Die Kursangebote der grossen Anbieter in der Schweiz werden ausgeschrieben und

stehen allen an der Freiwilligenarbeit interessierten Personen (formelle und informelle

Freiwillige) offen.

In den Inhalten und der didaktischen Ausrichtung der Kurse besteht eine gewisse

Übereinstimmung. Im Umfang variieren die Kurse hingegen zwischen zwei Tagen

und bis zu 120 Stunden („Entrelacs“ in Genf; die Reformierte Landeskirche Aargau:

60 Stunden). Als Abschlussbescheinigung werden Kursbestätigungen oder Zertifikate

erteilt, die an unterschiedliche Bedingungen geknüpft sind (z.B. Praktikum, Selbstreflexionsarbeit

etc.). Die grösste inhaltliche und methodisch-didaktische Übereinstimmung

findet sich in den Kursen von Caritas und SRK (Anhänge 8 und 9). Sie

zeigen eine ähnliche Dauer (ab 50 Std.) und vermitteln ähnliche Themen.

Organisationen, die keine Bildung anbieten, wissen in der Regel, welche Kurse sie

ihren Freiwilligen empfehlen wollen. Die Bildungsangebote „Passage“ (SRK) und

„Begleitung in der letzten Lebensphase“ (Caritas) haben bei vielen der befragten Expertinnen

und Experten eine hohe Bekanntheit sowie Akzeptanz: Die Inhalte der Bildungsangebote

werden positiv beurteilt, dem Praxisbezug und der Selbstreflexion

könnte aber gemäss den Befragten ein höherer Stellenwert eingeräumt werden.

In einigen Kantonen sind im Bereich von Palliative Care breitangelegte, kürzere Informations-

und Sensibilisierungsanlässe für die interessierte Bevölkerung in Planung.

Diese dienen auch der Werbung für die Freiwilligenarbeit in der Palliative Care.

Einige Expertinnen und Experten erklären die vorbereitende Bildung als Pflicht für die

Freiwilligenarbeit in der Palliative Care. Andere lassen es den Freiwilligen offen,

wann sie einen Kurs besuchen und welche Bildung sie wollen. Es gibt auch einzelne

Stimmen, die einer praxisbezogenen Bildung – mehrere Module auf einem längeren

Zeitraum verteilt – den Vorzug geben. Eine Expertin lehnt Bildung vor dem Freiwilligeneinsatz

sogar ausdrücklich ab und macht damit sehr gute Erfahrungen: „So werden

sie quasi on the job geschult.“

Ein Vorbereitungskurs auf eine Freiwilligentätigkeit soll nach Meinung der Expertinnen

und Experten durchaus verschiedenen interessierten Personen offen stehen, die

Gruppe soll jedoch nicht zu heterogen zusammengesetzt sein: Denn in einer gemischten

Gruppe bestehend aus Freiwilligen, Angehörigen oder anderen nahestehende

Bezugspersonen, Pflegefachpersonen und weiteren „einfach Interessierten“

können Rollenfragen oft zu wenig genau behandelt werden.

Für Freiwillige, die in besonders herausfordernden Bereichen und Situationen tätig

sind (z.B. Betreuung von Krebskranken in der letzten Phase, Begleitung von sterbenden

Kindern etc.) braucht es nach einem Vorbereitungskurs auch weitere speziel-

19


le Bildungsangebote. Regelmässigen, oft ganztägigen Treffen zu einem bestimmten

Thema oder externen Kursen wird viel Gewicht eingeräumt.

Vor dem Hintergrund der grossen Vielfalt an Bildungsangeboten für Freiwillige befürworteten

fast alle Expertinnen und Experten ein nationales Rahmenkonzept für die

Freiwilligenbildung.

2.3.2 Chancen und Gefahren eines Labels

In der Zertifizierung von Erwachsenenbildungsorganisationen ist „eduQua“ richtungsgebend.

Der Aufwand für den Erwerb eines solchen Zertifikates ist sehr gross.

Deshalb eignet sich diese Zertifizierung nur für grössere Bildungsanbietende (z.B.

sind die Kantonalverbände des SRK eduQua-zertifiziert; Caritas-Verbände sind ISOzertifiziert).

Für kleinere Freiwilligenorganisationen, die eigene Bildungsangebote haben,

ist der Aufwand für eine solche Zertifizierung zu aufwändig. Für jene kann ein

Label für Bildung und Support spannend sein. Die Vergabe von Labels, im Sinne des

verbindlichen Einhaltens gewisser Standards und Qualitätsrichtlinien, hat im Bereich

der Freiwilligenarbeit bereits Tradition:

BENEVOL Schweiz definiert für Weiterbildungsangebote in der Freiwilligenarbeit

Minimalanforderungen und vergibt das Label „BENEVOL Schweiz zertifizierte

Bildung“.

Die Arbeitsgruppe „SwissEduc“ von palliative ch hat ein Selbstevaluationsverfahren

entwickelt und vergibt die so genannten „standards & stars“ im Sinne

eines Labels. Zwar ist das Verfahren bis jetzt auf die formale Bildung ausgerichtet

(d.h. für Berufsfachpersonen), einzelne Freiwilligenorganisationen orientieren

sich dennoch an die niedrigste dort beschriebene Stufe.

Im Hinblick auf eine nationale Koordination und Qualitätssicherung der Bildungs- und

Supportangebote für Freiwillige in der Palliative Care befürworten die befragten Expertinnen

und Experten die Idee eines Labels grundsätzlich. Es würde verschiedene

Support- und Bildungsanbietende dazu veranlassen, ihr Angebot qualitativ zu überprüfen

und zu verbessern. Dadurch wird auch die Zusammenarbeit und Koordination

gefördert. Für Freiwillige, die eine Organisation oder ein Bildungsangebot auswählen

wollen, bietet ein Label eine Orientierung.

Mit der Einführung eines Labels befürchten einige der befragten Expertinnen und

Experten eine Einschränkung der Eigeninitiative in der Gestaltung der Freiwilligenarbeit

und warnen vor einer zu starken,mit grossem Aufwand verbundenen Reglementierung.

Das Verfahren sollte nach ihren Aussagen sehr deshalb einfach und effizient

sein. Es sollte sich zum Beispiel auf Schlüsselkompetenzen der Freiwilligen konzentrieren

und nicht zu detaillierte Anforderungen stellen an die Struktur und Rahmenbedingungen.

Nach Aussagen der befragten Expertinnen und Experten darf die Bedeutung eines

Labels nicht überschätzt werden; zentral für die Freiwilligenbildung sei vielmehr eine

der Philosophie der Freiwilligenarbeit entsprechende Methodik.

20


Insgesamt haben die Expertinnen und Experten interessiert auf die Idee eines Labels

reagiert, es dürfte aber auf keinen Fall eine Verpflichtung dazu bestehen.

2.3.3 Bildung für Freiwillige in der Palliative Care in Bezug auf die Schweizerische

Bildungssystematik

Haben Bildungsangebote für Freiwillige einen Bezug zur Schweizerischen Bildungssystematik?

Dieser Frage sind wir nachgegangen, indem wir

mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) Kontakt aufgenommen,

die Bildungspläne der beruflichen Grundbildungen des Gesundheits- und Sozialwesens

in Bezug auf Palliative Care konsultiert und

die Aussagen der interviewten Expertinnen und Experten ausgewertet haben.

Im Bericht des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes über eine neue Weiterbildungspolitik

des Bundes wird darauf hingewiesen, dass „nicht-formale Zertifikate

transparent zu gestalten und die vermittelten Kompetenzen aufzuzeigen“ sind (Absatz

3.4, Anschluss an das Bildungssystem). „Dadurch wird es möglich, Bezüge zum

formalen System herzustellen und die Anrechnung von Bildungsleistungen zu erleichtern.“

(EVD, 2009)

Eine Umsetzung dieser Empfehlung würde bedeuten, dass Kurskonzepte für Freiwillige

sich in Begrifflichkeiten und im Aufbau ihrer Rahmenkonzepte so weit als möglich

an die Bildungsgänge der Sekundarstufe II der Bereiche Gesundheit und Soziales

anlehnen sollten. Für Kursteilnehmende, die später eine „Validation des acquis“

oder einen verkürzten Berufsbildungsgang wählen, spielt dies unseres Erachtens

eine wichtige Rolle. Dies vor allem deshalb, weil im Freiwilligeneinsatz in der Palliative

Care besonders ausgeprägt Kommunikations-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen

erworben werden.

Gemäss Einschätzungen der Expertinnen und Experten, welche Freiwillige in der

Palliative Care bilden, beeinflusste der Kursbesuch im Freiwilligenbereich den Schritt

zum Abschluss einer Berufsbildung positiv. Das Wissen, dass die in der Freiwilligenarbeit

erworbenen Kompetenzen in einer „Validation des acquis“ angerechnet werden

können, steigert die Motivation, einen Beruf zu lernen. Da heute vorwiegend

Menschen gegen Ende des Erwerbsalters oder später Freiwilligenarbeit in der Palliative

Care leisten, beurteilen die Expertinnen und Experten den Handlungsbedarf in

diesen Fragen nicht als dringlich. Unserer Meinung nach könnte es in Zukunft dennoch

ein Argument für die Motivation jüngerer Menschen sein, dass die Freiwilligenbildung

und Arbeitserfahrung als Freiwillige auch beruflich relevant werden können.

Für Freiwillige und Freiwilligenorganisationen ist es auf jeden Fall empfehlenswert,

absolvierte Kurse und Einsatzleistungen der Freiwilligen konsequent schriftlich zu

bestätigen und für eine allfällige „Validation des acquis“ zu dokumentieren.

21


In diesem Zusammenhang haben wir untersucht, inwieweit sich zwischen den Kompetenzen

der Kurse der Freiwilligenarbeit und den Kompetenzen der Berufsausbildungen

der Sekundarstufe II in den Bereichen Gesundheit und Soziales (Fa-

Ge/FaBe/Attest G+S) Verbindungen oder Überschneidungen ergeben (Anhang 10).

Wir haben den Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK ebenfalls in diesen Vergleich einbezogen,

weil er erfahrungsgemäss oft von Interessierten absolviert wird, die eine Tätigkeit

in der Pflege suchen. Der Vergleich konnte leider nur grob gemacht werden, weil

die Grundlagen von Seiten der Berufsbildung unvollständig oder unterschiedlich waren.

Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Bildungsplänen zeigte, dass in den

Berufsbildungsgängen wie auch im Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK wenig Kompetenzen

genannt werden, die sich explizit auf den Bereich der Palliative Care beziehen

(FaGe: 30 Lektionen von 1040 Fachlektionen). Allerdings enthalten die Rahmenlehrpläne

viele Kompetenzen, Fähigkeiten und Haltungen, die indirekt in der Palliative

Care zum Tragen kommen.

Die beruflichen Kompetenzen in der Palliative Care in den Bildungsverordnungen

und Bildungsplänen auf nicht universitärer Ebene sind noch im Aufbau (z.B. Assistent/-in

Gesundheit und Soziales EBA, die zweijährige Grundbildung mit Attest wird

2012 schweizweit eingeführt). Deshalb muss der hier präsentierte Vergleich zwischen

den Angeboten der Berufs- und der Freiwilligenbildung zu einem späteren

Zeitpunkt 8 mit den zuständigen Organisationen der Arbeitswelt (OdASanté, SA-

VOIRSOCIAL) wiederholt werden. Dennoch macht die Gegenüberstellung bereits

deutlich, dass die Schlüsselkompetenzen der Kurse für Freiwillige im Vergleich zu

denjenigen der Berufsbildungen vor allem in den Feldern Kommunikation, Ethik und

Haltungen liegen ( z.B. „Ruhig da sein und Gefühl der Hilflosigkeit aushalten“). Dies

sind klare Stärken der Freiwilligen in der Palliative Care.

Die im Feld tätigen Expertinnen und Experten äussern im Allgemeinen eine gewisse

Skepsis gegenüber einer zu starken Orientierung der Freiwilligenbildung an der (formalen)

Berufsbildung. Es gelte vielmehr, die Kultur und die Strukturen der Freiwilligenarbeit

zu berücksichtigen. Die Motivation der Freiwilligen sei nicht berufsbezogen,

sondern als zivilgesellschaftliches Engagement zu verstehen.

2.4 Übersicht und Vergleich bestehender Supportangebote

Unter Support werden alle Rahmenbedingungen verstanden, durch welche die Freiwilligen

in der Palliative Care ihre Aufgabe wirkungsvoll erfüllen können. Aufgrund

Auswertung der Interviews sind die folgenden sechs Punkte in diesem Zusammenhang

zentral:

1. Gestaltung der Einsatzbedingungen: Den Freiwilligen steht eine Einsatzleitung

zur Verfügung, welche für sie im vereinbarten Rahmen erreichbar ist. Die Einsatzlei-

8 d.h. nach der Umsetzung des Nationalen Bildungskonzepts: „Palliative Care und Bildung: Strategi-

sches Grundlagenpapier (Empfehlungen)“.

22


tung begleitet die Freiwilligen eng und unterstützt sie auf deren Wunsch hin in problematischen

Situationen. Sie trifft mit ihnen Vereinbarungen zu den Rechten und

Pflichten der Freiwilligenarbeit und führt auch Standortgespräche durch. Dadurch

schafft die Einsatzleitung für die Freiwilligen einen Rahmen von Sicherheit und Zugehörigkeit.

Sie plant und vermittelt die Einsätze in Institutionen oder zu Hause, generiert

neue Einsatzfelder oder vermittelt die Freiwilligen unter Umständen auch an

Partnerorganisationen.

2. Auswahl der Freiwilligen: Die Freiwilligen werden nach festgelegten Kriterien

(Anforderungsprofil, Bereitschaft für Vereinbarung) und nach einem bestimmten Prozedere

(Fragebogen, Gespräch) ausgewählt. Dies geschieht manchmal erst nach

einem abgeschlossenen Basiskurs oder nach einem Praktikum. Nur eine der befragten

Personen gibt an, dass ihre Organisation auf ein Aufnahmeverfahren verzichtet.

Sie stützt sich dabei auf die Selbstverantwortung der Interessierten und achtet nach

Beginn der Einsätze auf die Reaktionen von Angehörigen und anderen nahestehenden

Bezugspersonen oder auf die Rückmeldungen der Spitex.

3. Austausch, Intervision, Gespräche, Fallbesprechungen: Dem Kontakt innerhalb

der Gruppe kommt eine grosse Bedeutung zu. Der regelmässige Austausch

(z.B. monatlich, unterschiedlich strukturiert) dient der Besprechung wichtiger Themen

und schwieriger Situationen, aus denen gelernt werden kann.

4. Supervision, Fallbesprechungen und Weiterbildungen: Die Supervision oder

die Fallbesprechung unter fachlicher Leitung werden entweder regelmässig oder

nach Bedarf angeboten und dienen dem vertieften Lernen aus der Erfahrung. Dabei

kommen Themen wie Abgrenzung, Aushalten können oder die Angst vor Sterben

und Tod zur Sprache.

5. Zusammenhalt: Der gute Kontakt untereinander, Wertschätzung und Anerkennung

für die Tätigkeit (auch in Form eines schriftlichen Nachweises) und gemeinsame

Anlässe (z.B. Feier) sind zentrale Aspekte für den Zusammenhalt in der Gruppe(„le

développement d’une convivialité“). Freiwillige in der Palliative Care sollten

nicht alleine agieren: „Es ist unbedingt wichtig, die Freiwilligen nicht allein zu lassen,

sonst sind sie schnell erschöpft und ausgelaugt“.

6. Organisation der Freiwilligenarbeit in der Region: Es stehen regionale oder

kantonale Stellen zur Verfügung, welche die Ausbildung für Freiwillige in der Palliative

Care kantonal oder regional organisieren. Sie fördern den Auf- und Ausbau von

Freiwilligeninitiativen und sensibilisieren die Öffentlichkeit (z.B. gemeinsam mit regionalen

Palliative Care-Netzwerken).

Die Caritas-Standards nennen erstmals für die ganze Schweiz (ohne Tessin) die Bedingungen

für den Support von Freiwilligengruppen in der Palliative Care. Caritas

(2010) stellt online acht Dokumenten-Vorlagen für die individuelle Verwendung zur

Verfügung (Vereinbarungen, Statistik etc.). 9 Diese wurden in einer breiten Vernehmlassung

von vielen Organisationen begrüsst. Für die Caritas-Gruppen sind sie verbindlich.

Die befragten Expertinnen und Experten bezogen sich mehrfach ausdrück-

9 Der Link zu den Dokumenten findet sich im Kapitel 6.

23


lich auf diese Caritas-Standards (Caritas, 2010, Anhang 3). Damit steht in diesem

Bereich bereits eine breit anerkannte Grundlage zur Verfügung.

2.5 Schnittstelle zwischen Bildung und Praxis

Das Lernen in der Praxis ist für Freiwillige in der Palliative Care entscheidend, denn

die vorbereitende Bildung umfasst in der Regel nur einige Tage. Deshalb ist die Zusammenarbeit

zwischen Bildungsanbietenden und Freiwilligen-Organisationen zentral.

Wir haben die Expertinnen und Experten gefragt, wie sie den Übergang zu den

Einsätzen gestalten und ob ein Praktikum Teil der Bildung sein soll.

In einigen Organisationen werden sowohl Bildung als auch Einsatz angeboten. Oft

sind dort die Einsatzleitungen auch als Unterrichtende in den Kursen tätig. Diese

Doppelrolle bewährt sich in mehrfacher Hinsicht. Die Einsatzleitungen lernen die

Teilnehmenden im Unterricht gut kennen und können ihre Eignung für einen Einsatz

bereits zu einem frühen Zeitpunkt beurteilen. Ungeeignete Personen werden früh

entdeckt (z.B. Personen, die auffallend rasch und viel urteilen, dominant sind in der

Gruppe oder schlecht zuhören können). Zudem profitiert die Bildung auch von den

Praxiskenntnissen der Einsatzleiterin. „Da Schulung und Einsatzort am gleichen Ort

sind, ist man nahe an den Freiwilligen und ihrem Praxisfeld und kann die Bildungsthemen

beeinflussen.“

Ein Praktikum für Freiwillige nach der Basisbildung wird mehrheitlich begrüsst. Bildung

und Praxiserfahrungen überschneiden sich oft und in diversen Formen und Abfolgen:

Praktikum gegen Ende der Bildung

Kein Praktikum, aber Begleitung der Freiwilligen bei ihren ersten Einsätzen

oder Einführung durch die Spitex

Auswahl der Freiwilligen, dann praktischer Einsatz in einem institutionellen

Kontext (z.B. onkologisches Ambulatorium, Hospiz), erst dann folgt Bildung

Weder vorbereitende Bildung noch ein Praktikum, sondern monatliche Treffen

während des Einsatzes

Die Praktika werden mehrheitlich in stationären Einrichtungen, aber teilweise auch

bei Freiwilligengruppen des ambulanten Bereichs absolviert. Damit genügend Praktikumsplätze

zur Verfügung stehen, pflegen die Bildungsanbietenden die Beziehungen

zu den Institutionen im Praxisfeld mit viel Aufwand. Die Praktika sind in der Regel

begleitet durch eine Fachperson der Institution (Pflegefachperson, Seelsorgerin oder

Seelsorger) oder durch die Einsatzleitung. Die Freiwilligen erhalten eine Einführung

und eine Beurteilung am Schluss des Praktikums (mündliche Auswertung der Erfahrungen

oder schriftlicher Praktikumsbericht).

24


3 Grundsätze

3.1 Grundsätze und ethische Prinzipien für die Bildung und den Support der

Freiwilligen in der Palliative Care

Auf Basis der gesichteten Materialien und der durchgeführten Interviews leiten wir

Grundsätze und ethische Prinzipien ab (detaillierter siehe Anhang 11):

Bildungsgrundsätze

Der Zugang steht allen Interessierten offen.

Die Bildung orientiert sich an den Aufgaben in der Praxis.

Lern- und Veränderungsbereitschaft sind Bildungsmotivation und –ziel.

Formale Grundsätze

Die Bildungsangebote orientieren sich an den Kriterien des Schweizer Qualitätszertifikats

für Weiterbildungsinstitutionen eduQua, ohne ein solches Zertifikat konkret anzustreben.

Fachliche Qualifikation und Praxiserfahrung (mindestens SVEB 1) sind die Voraussetzungen

für Unterrichtende der Bildungsanbietenden.

Grundsätze für den Support

Es werden die Caritas-Standards (Caritas, 2010) mit ihren online zur Verfügung stehenden

Hilfsmitteln für die Gestaltung des Supports empfohlen (Anhänge 3 und 4).

Im Weiteren sind die Prinzipien in den Bereichen Gesundheitsförderung, Gender und

Transkulturalität zu berücksichtigen, die allesamt relevant sind für die Bildung und

den Support Freiwilliger in der Palliative Care (Anhang 11).

25


3.2 Prinzipien Gesundheitsförderung, Gender und Transkulturalität

Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung basieren auf grundlegenden Prinzipien,

welche Freiwillige in der Palliative Care aufgrund ihrer Lebenserfahrung mitbringen,

in der Bildung vertiefen und festigen sowie durch Support bestätigen und stärken.

Diese Prinzipien sind auch bei Freiwilligen in der Palliative Care nicht einfach selbstverständlich

vorhanden, sondern müssen immer wieder explizit in Erinnerung gerufen

und neu erarbeitet werden. Jenny (2009) weist auf die Gefahr hin, dass Kranke,

Sterbende oder Trauernde ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Neben der Art der

Krankheit nennt sie das Lebensalter, die ethnische Herkunft, Religion, die Weltanschauung,

die sexuelle Identität und das Geschlecht wie auch der finanzielle und soziale

Status als mögliche Diskriminierungsgründe. Die Bedürfnisse verschiedener

Gruppen, etwa nach Geschlecht oder Migrationshintergrund sind heute noch zu wenig

bekannt (BAG und GDK, 2010). Dies ist nicht unerheblich in einem Feld, in welchem

Frauen in allen Bereichen übervertreten sind, sei es als Bewohnerinnen von

Pflegeheimen, als Pflegende und pflegende Angehörige wie auch als Freiwillige in

der Palliative Care.

Insgesamt sind Gesundheitsförderung, Gender und Transkulturalität Querschnittthemen,

welche besondere Beachtung verdienen (Anhang 11). Alle drei genannten ethischen

Prinzipien münden gemeinsam in eine ganzheitliche Betrachtungsweise:

Freiwillige begegnen den kranken Menschen wie auch den familiären und professionellen

Beteiligten als Individuen, respektvoll und menschlich wertschätzend, unabhängig

von äusseren Merkmalen oder persönlichen Gegebenheiten.

4 Schlussfolgerungen und empfohlene Massnahmen

Im folgenden Kapitel fassen wir den Kern der Ergebnisse kurz zusammen und formulieren

auf dieser Basis Massnahmen. Wir sind uns bewusst, dass nicht alle empfohlenen

Massnahmen im Einflussbereich des Bundes liegt, möchten sie aber dennoch

als Anregung zur Diskussion stellen.

4.1 Mehrwert eines Rahmenkonzepts für Freiwillige in der Palliative Care

Die Umsetzung eines Rahmenkonzepts im Sinne von allgemein gefassten Richtlinien

stösst bei den interviewten Anbietenden auf Konsens; eine zu starke Reglementierung

wird von ihnen aber deutlich abgelehnt. Die befragten Expertinnen und Experten

legen Wert darauf, dass regional unterschiedliche Bedürfnisse und Spezialisierungen

weiterhin Platz haben. Freiwillige mit unterschiedlichen Tätigkeiten brauchen

unterschiedliche Bildung. Eine zu strikte Orientierung der Bildung von Freiwilligen in

26


der Palliative Care an Berufsbildungsvorgaben lässt sich somit nicht mit dem eigendynamischen

zivilgesellschaftlichen Engagement der Freiwilligenarbeit vereinbaren.

Die heutigen Bildungsangebote für Freiwillige in der Palliative Care unterscheiden

sich nach unseren Recherchen nicht wesentlich. Eine noch bessere Übereinstimmung

bezüglich inhaltlicher Konzeption, Beschreibung der Kompetenzen und Dauer

der Angebote könnte aber die Wahrnehmung der Freiwilligen in der Gesundheitsversorgung

und in der Öffentlichkeit stärken. Ein nationales Rahmenkonzept kann die

Bildungsangebote vergleichbar machen und ihre Spezifität im Verhältnis zur beruflichen

Aus- und Weiterbildung aufzeigen. Ausserdem würde damit die Validierung von

Bildungsleistungen erleichtert.

In Bezug auf die Methodik sollte vor allem das Praxislernen definiert werden. Da die

Basisausbildung für diese Zielgruppen nur etwa 30 bis 60 Stunden umfasst, haben

das „learning on the job“ und das Reflektieren der Erfahrungen einen zentralen Stellenwert.

Ein Praktikum erleichtert die Entscheidung für oder gegen den Eintritt in eine

Freiwilligengruppe. Aber auch in diesem Bereich sollten gemäss Interviews verschiede

Varianten Platz haben.

Massnahme 1

Wir empfehlen dem BAG zusammen mit den Bildungsanbietenden im Freiwilligenbereich

und den Organisationen der Arbeitswelt unter Einbezug weiterer zuständiger

Akteure, auf nationaler Ebene ein für die Palliative Care gemeinsam getragenes

Rahmenkonzept für die Basisbildung zu erarbeiten. Dieses darf nicht zu detailliert

sein, sollte aber klare Richtlinien bezüglich den Themen, der Dauer, den Schlüsselkompetenzen

sowie der Methodik enthalten und auf bestehenden Konzepten aufbauen.

Wirkungsziel: Die Bildungsanbietenden für Freiwillige in der Palliative Care orientieren

sich an gemeinsamen Richtlinien und schaffen damit eine Orientierung für die

Zielgruppen.

Informelle Freiwillige leisten aus persönlicher Initiative heraus wertvolle Hilfen für

Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben. Sie sind selten organisiert und haben

damit kaum Zugang zu Bildung, Support oder Beratung. In ländlichen Gebieten

bilden sie gemeinsam mit den Angehörigen und weiteren nahestehenden Bezugspersonen

sowie Fachpersonen oft das Betreuungsnetz, welches die Pflege zu Hause

überhaupt erst ermöglicht. Informelle Freiwillige können einen unverzichtbaren Beitrag

leisten für das Sterben zu Hause und gewinnen mit dem Trend zu „ambulant vor

stationär“ in Zukunft noch an Bedeutung.

Das soziale Umfeld ändert sich durch die grössere berufliche Mobilität. Gleichzeitig

bestehen Anzeichen dafür, dass Menschen kleinräumig mehr soziale Verantwortung

übernehmen. Die Sensibilisierung und Information für informelle Freiwillige kann das

27


soziale Netz stärken und die ambulante Pflege ermöglichen. Es ist deshalb sinnvoll,

diese Zielgruppe speziell anzusprechen.

Massnahme 2

Wir empfehlen den Kantonen und den Bildungsanbietenden, die Bildung für Freiwillige

in der Palliative Care auch auf die informellen Freiwilligen auszurichten oder spezifische

Angebote für diese Zielgruppe zu realisieren.

Wirkungsziel: Informelle Freiwillige engagieren sich unterstützend für schwerkranke

und sterbende Menschen in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft

und motivieren ihr Umfeld dafür.

4.2 Handlungsbedarf für ein flächendeckendes Angebot

Unsere Recherchen und Befragungen haben gezeigt, dass sich die Angebote der

grossen Organisationen (z.B. Krebsliga, regionale Netzwerke von palliative ch, GGG

Voluntas, Kanton Waadt, Caritas und SRK) bewähren und dass sie von den Freiwilligen

in der Palliative Care geschätzt werden. Die Wahl des Angebotes scheint uns

aber durch die vorhandene Vielfalt schwierig. Das Internetportal von palliative ch wäre

ein möglicher Kanal zur Information der Zielgruppen in der ganzen Schweiz über

Inhalt, Dauer und Kosten von Bildung für Freiwillige in der Palliative Care. Freiwilligengruppen,

die heute ihre Bildung noch selber durchführen, könnten externe Bildungsangebote

in Anspruch nehmen und sich damit entlasten.

Massnahme 3

Wir empfehlen dem BAG abzuklären, auf welchem Internetportal sinnvollerweise eine

Rubrik „Freiwillige in der Palliative Care“ eröffnet wird, damit die Bildungsangebote

dort publiziert werden können.

Wirkungsziel: Die Zielgruppen finden das ihnen entsprechende Bildungsangebot in

ihrer Region und die Freiwilligen werden in der Öffentlichkeit als Teil von Palliative

Care wahrgenommen.

Mit der demographischen Entwicklung steigt der Bedarf an Pflege und die Betreuung

zu Hause nimmt zu. Dieses Szenario ist nicht nur Folge des Kostendrucks, sondern

auch Ausdruck sich verändernder Bedürfnisse. Dafür spielt das Angebot an Freiwilli-

28


gen – formell und informell – eine grosse Rolle. Es ist anzunehmen, dass für die Bedürfnisse

der kommenden Generationen neue Formen und Modelle der gegenseitigen

Unterstützung nötig sind. Lokale Gruppen schätzen es gemäss Interviews, wenn

sie sich auf regionale Fachstellen abstützen können.

In einigen Kantonen oder Regionen organisieren und fördern bereits heute Fachstellen

das Engagement der Freiwilligen in der Palliative Care (Ostschweiz, Zentralschweiz,

Aargau, Basel-Stadt, Waadt, Jura, Neuenburg).

Massnahme 4

Wir empfehlen den Kantonen unter Einbezug der Organisationen des Freiwilligenbereichs

und der Arbeitswelt, Stellen zu benennen, welche die Ausbildung für Freiwillige

in der Palliative Care kantonal oder regional organisieren, den Auf- und Ausbau

von Freiwilligeninitiativen fördern und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren.

Wirkungsziel: Die Anzahl der in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden

Menschen engagierten Personen nimmt zu und die Bevölkerung nimmt ihre Dienstleistungen

in Anspruch.

4.3 Rahmenbedingungen für den Support der Freiwilligengruppen

Die durchgeführten Interviews machten die Aufgaben der Einsatzleitenden und ihren

entscheidenden Einfluss auf das Gelingen der Freiwilligenarbeit in der Palliative Care

deutlich: Die sorgfältige Auswahl der Freiwilligen und ihre gezielte Einführung; die

Gestaltung der Einsatzbedingungen, damit Begleitende und Begleitete zusammen

passen; die Organisation der regelmässigen Reflexion in Form von Austausch oder

Supervision; das Training „on the job“ durch Fallbesprechungen und Weiterbildung.

Die Einsatzleitung gestaltet den optimalen Zusammenhalt der Gruppe sowie den

Kontakt zu den Betroffenen (ambulant oder stationär). Die Erfahrung zeigt, dass diese

Aufgaben im Rahmen einer bezahlten Anstellung effizienter und wirkungsvoller

wahrgenommen werden können als im Ehrenamt.

29


Massnahme 5

Wir empfehlen den Freiwilligenorganisationen in der Palliative Care, für ihre Freiwilligengruppen

eine qualifizierte Einsatzleitung anzustellen.

Wirkungsziel: Freiwillige in der Palliative Care erbringen eine von Betroffenen und

nahestehenden Bezugspersonen geschätzte Begleitung, wirken als Teil des Betreuungsteams

und bauen ihre Kompetenzen kontinuierlich auf.

Gemeinsame Standards für den Support werden von den Expertinnen und Experten

befürwortet. Sie können aufzeigen, in welchem Kontext Freiwilligengruppen in der

Palliative Care ihre Dienstleistung erbringen, zeigen den Wert dieses Engagements

auf und verleihen ihm damit mehr Bedeutung. Ausformulierte Vereinbarungen über

Rechte und Pflichten schaffen Klarheit in der Zusammenarbeit von nahestehenden

Bezugspersonen, Fachpersonen und Freiwilligen und führen zu einer übereinstimmenden

Praxis.

Die Caritas-Standards für Freiwilligengruppen in der Palliative Care wurden 2010 als

erste nationale Richtlinien für diesen Bereich publiziert. Sie sind in der Deutsch- und

Westschweiz verbreitet bekannt, geniessen eine hohe Akzeptanz und können zur

Anwendung empfohlen werden.

Massnahme 6

Wir empfehlen dem BAG unter Einbezug der Organisationen des Freiwilligenbereichs,

der Arbeitswelt und weiterer zuständiger Akteure, nationale Standards für

Freiwilligengruppen in der Palliative Care auszuarbeiten und gezielt zu verbreiten.

Wirkungsziel: Die Freiwilligen in der Palliative Care geniessen hohe gesellschaftliche

Wertschätzung und erbringen die Begleitung in einem geschützten Rahmen.

4.4 Mittel- und langfristige Finanzierung von Bildung und Support der Freiwilligen

in der Palliative Care

Auch Freiwilligenarbeit kostet. Bezahlte Fachpersonen für die Koordination von Freiwilligen

in der Palliative Care sind nötig, weil es sich um die Gestaltung der Rahmenbedingungen

in einem hochsensiblen Feld handelt. Die Auswahl, der Einsatz und die

Führung der Freiwilligen als Gruppe verlangt Kompetenzen und Kontinuität, was ehrenamtlich

kaum zu leisten ist. Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn zum Beispiel

30


Fachpersonen aus verwandten Berufen sich als ehrenamtliche Gruppenleitende engagieren.

Dies zeigen die Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener

Organisationen in der ganzen Schweiz.

Die Fixkosten der Freiwilligenarbeit werden heute in den meisten Fällen durch die

Einsatzorganisationen selber getragen. Bei den reinen Freiwilligenorganisationen ist

dies problematisch, weil sie sich oft ausschliesslich durch Spenden finanzieren. Stationäre

Einrichtungen können eher Stellenprozente zur Verfügung stellen. Nur einzelne

Organisationen oder Netzwerke in der Schweiz erhalten gemäss unseren Recherchen

für diesen Aufwand kantonale oder kommunale Beiträge. Bei der Umsetzung

der Massnahmen der Nationalen Strategie Palliative Care 2010-2012 in die

kantonalen Gesundheitsstrukturen sollte diese Lücke geschlossen werden. Freiwilligenorganisationen

werden damit Teil der Palliative Care-Versorgung und lassen sich

in diese Strategie einbinden.

Massnahme 7

Wir empfehlen dem BAG, die Kantone zu sensibilisieren und zu motivieren, die Finanzierung

einer qualifizierten Einsatzleitung für jede Freiwilligengruppe in der Palliative

Care mit Leistungsaufträgen mittelfristig sicherzustellen.

Wirkungsziel: Die Freiwilligengruppen in der Palliative Care erbringen eine qualitativ

hochstehende Dienstleistung als Teil der Palliative Care-Versorgung in den Kantonen.

In den Interviews haben alle befragten Expertinnen und Experten die Hoffnung, dass

die Nationale Strategie Palliative Care 2010-2012 verbindlichere kantonale finanzielle

Unterstützungen auslösen wird. Sie wünschen sich Beiträge an die Kosten mittels

Leistungsaufträgen im Sinn der Stärkung, des Ausbaus und der Qualitätssicherung

der Freiwilligenarbeit im Bereich Palliative Care. Diese finanzielle Unterstützung würde

als Wertschätzung für das soziale Engagement am Lebensende betrachtet.

Die heute bestehenden kantonalen oder regionalen Fachstellen organisieren und

fördern das zivilgesellschaftliche Engagement für schwerkranke und sterbende Menschen.

Sie gestalten den Wissenstransfer und die Kooperation unter den Freiwilligengruppen

durch die Organisation von Bildungsangeboten. Sie sensibilisieren die

Öffentlichkeit und fördern den Aufbau neuer Initiativen oder den Ausbau bestehender

Dienstleistungen. Damit sind sie ernstzunehmende Akteurinnen und Akteure in den

Kantonen bei der Umsetzung der Nationalen Strategie Palliative Care 2010-2012.

Werden Freiwillige nicht als Teil der Versorgung betrachtet, fehlt in den kantonalen

Palliative Care-Konzepten in Bezug auf das Sterben zu Hause ein tragendes Element.

Freiwillige begleiten nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern unterstützen

auch die pflegenden Angehörigen und weitere nahestehende Bezugspersonen.

Freiwillige machen damit die ambulante Betreuung oft erst möglich.

31


Der Mehrwert für die öffentliche Hand besteht in einer Kostensenkung, weil Spital-

und Heimaufenthalte vermieden oder verkürzt werden können. Zudem erfahren betroffene

Menschen und ihre nahestehenden Bezugspersonen eine würdige Betreuung.

In der sinnvollen Gestaltung der letzten Lebensphase liegt trotz Abschied und

Trauer viel Potential für ein volles Leben. Damit ist jeder hier eingesetzte Franken

eine Investition für ein besseres Leben.

Massnahme 8

Wir empfehlen dem BAG den Kantonen nahe zu legen, die Finanzierung einer Stelle

für die Organisation der Freiwilligenarbeit in der Palliative Care pro Kanton oder Region

langfristig mit Leistungsaufträgen sicherzustellen. 10

Wirkungsziel: Das Potenzial der Freiwilligen in der Palliative Care ist für die Begleitung

zu Hause verfügbar und langfristig können immer mehr Menschen am Ort ihrer

Wahl sterben.

4.5 Qualitätssicherung und gemeinsames Label

Ein Label für Freiwilligengruppen, das im Sinne eines Markenzeichen die Qualität

garantiert, wird von den befragten Expertinnen und Experten befürwortet. Sie bekunden

grundsätzlich Interesse daran, äussern aber Bedenken über den damit verbundenen

finanziellen und zeitlichen Aufwand. Das Label müsste dem Charakter und der

Philosophie der Freiwilligenarbeit entsprechen und genügend Handlungsspielraum

lassen.

Eine mögliche Variante der Qualitätssicherung ist die Zertifizierung mit Audits, analog

zu den etablierten Verfahren für die spezialisierte Palliative Care. Eine andere Option

ist die gegenseitige Qualitätsprüfung durch Freiwilligengruppen. Dabei sind die Anforderungen

an die „Prüfenden“ zu definieren. Eine sehr einfache Variante besteht in

der Vergabe eines Labels, sobald die Freiwilligengruppe eine qualifizierte Einsatzleitung

angestellt hat. Dies auf dem Hintergrund, dass die Kompetenz der Einsatzleitung

für die Qualität der Freiwilligeneinsätze in der Palliative Care der wichtigste Faktor

ist. Eine weitere Möglichkeit der Qualitätskontrolle bietet eine externe „groupe de

référence“, um Erfahrungen zu diskutieren und Entwicklungen zu fördern.

10 Die bestehenden Gefässe sollten hier überprüft und dementsprechend optimiert werden, um zusätzliche Schnittstellen zu

verhindern.

32


Für die Bildungsangebote kann auf die Labels von Benevol und eduQua verwiesen

werden.

Massnahme 9

Wir schlagen dem BAG unter Einbezug der massgeblichen Akteure (Krebsliga,

Fachgesellschaft palliative ch, SRK und Caritas) vor, zu klären wie ein Label für

Freiwilligengruppen in der Palliative Care mit vertretbarem Aufwand vergeben werden

kann.

Wirkungsziel: Die Qualität der Begleitung in der letzten Lebensphase wird durch ein

einfaches Verfahren kontinuierlich verbessert und aufgezeigt.

4.6 Zukünftige Bedürfnisse der Betroffenen

Pflegebedürftige Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause bleiben. Die

ambulante Behandlung und Pflege werden – auch aufgrund des Kostendrucks – umgestaltet

und ausgebaut. Die Betreuung wird deshalb in Zukunft mehr in der Lebenswelt

der Betroffenen stattfinden: Pflegende Angehörige bzw. nahestehende Bezugspersonen,

informelle und formelle Freiwillige gewinnen an Bedeutung.

Praktikable und wirksame Modelle für dieses Zukunftsszenario müssen erst noch

entstehen. Deshalb empfehlen wir dem BAG, einzelne Modellprojekte zu initiieren

oder zu fördern. Dies mit dem Ziel, eine effiziente und an den Bedürfnissen der Betroffenen

ausgerichtete Versorgung zu Hause zu ermöglichen, bei welcher das soziale

Umfeld mit Unterstützung der Fachpersonen seine Verantwortung wahrnehmen

kann.

Dabei kann aufgezeigt werden, welche Leistungen die pflegenden Angehörigen bzw.

nahestehenden Bezugspersonen erbringen und wie sie gesund bleiben können, wer

die informellen Freiwilligen sind und wie sie Teil der Betreuung werden oder welcher

Bedarf an formellen Freiwilligen besteht. Und es ist praxisnah zu klären, wer die Akteure

sinnvoll zusammenbringt und organisiert.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist in der Schweiz der Freiwilligen-Aspekt In der

Palliative Care noch wenig verankert (ausser in den Institutionen der spezialisierten

Palliative Care). Und im Vergleich zu anderen Bereichen der Freiwilligenarbeit (z.B.

Sport) ist der Umfang gering. Dafür sind Freiwillige in der Palliative Care hoch spezialisiert.

Das Potential ist sehr gross, in erster Linie in der Gruppe der Menschen im

dritten Lebensalter. Die gegenseitige Hilfe im sozialen Umfeld ist vermutlich nicht

geringer und möglicherweise erhält sie sogar Auftrieb. Solidarität könnte als Wert in

unserer Gesellschaft wieder an Bedeutung gewinnen.

33


Massnahme 10

Wir empfehlen dem BAG zusammen mit den massgeblichen Akteuren, ein Modellprojekt

zu initiieren für die Optimierung der Zusammenarbeit zwischen nahestehenden

Bezugspersonen, informellen Freiwilligen, formellen Freiwilligen und Fachpersonen

für die Betreuung zu Hause unter Beachtung von Gender, Transkulturalität und

den sprachregionalen Unterschieden.

Wirkungsziel: Die Zusammenarbeit aller an der Betreuung zu Hause Beteiligten ist

an innovativen Modellen erprobt, evaluiert und multipliziert.

34


5 Literatur

Benevol (2010), Standards der Freiwilligenarbeit.

http://www.benevol.ch/index.php?id=262 (Zugriff 16.8.2011)

Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Schweizerische Konferenz der kantonalen

Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) (2010), Nationale Leitlinien Palliative

Care.

http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/06082/index.html?lang=de (Zugriff

16.8.2011)

Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Schweizerische Konferenz der kantonalen

Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) (2009), Nationale Strategie Palliative

Care 2010-2012.

http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/06082/10907/index.html?lang=de (Zugriff

16.8.2011)

Caritas Schweiz (2010), Caritas-Standards für Freiwilligengruppen in der Palliative

Care, Luzern: Caritas.

Dörner, Klaus (2010), Leben und sterben, wo ich hingehöre, Neumünster: Paranus-

Verlag.

Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement (EVD) (2009), Bericht des EVD über

eine neue Weiterbildungspolitik des Bundes, in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen

Departement des Innern (EDI).

http://www.bbt.admin.ch/themen/berufsbildung/00105/index.html?lang=de (Zugriff

16.8.2011)

Forum Freiwilligenarbeit (2001), Standards Freiwilligenarbeit.

http://www.sozialzeitausweis.ch/files/Standards_Freiwilligenarbeit.pdf (Zugriff

9.3.2011)

Hoenger, Catherine; Porchet, Françoise; Currat Thierry (2008), Dacum bénévoles,

Lausanne: Programme cantonal de soins palliatifs, Centre de diffusion CHUV.

Jenny, Andrea (2009), Lebenswelt- und Alltagsgestaltung – die Bedeutung der Sozialen

Arbeit in Palliative Care am Beispiel der Caritas Luzern, Masterarbeit; Klagenfurt/Wien:

Alpen-Adria Universität.

Knipping, Cornelia, Hrsg. (2007), Lehrbuch Palliative Care, 2. durchgesehene und

korrigierte Auflage, Bern: Huber.

Näf, Flurina; Neuenschwander, Peter (2010), Freiwillige in der Palliative Care:

Verbreitung, Formen, Motivationen, Schlussbericht, Bern: Berner Fachhochschule

Soziale Arbeit.

Palliative ch (2002), Ausbildungsniveaus in Palliative Care.

http://www.palliative.ch/fileadmin/user_upload/palliative/fachwelt/E_Standards/E_2_2

_dt_Ausbildungsniveaus_Palliative_Care.pdf (Zugriff 9.3.2011)

35


Raymann, Priska (2010), Freiwillige in der Hospizarbeit und Palliative Care – Wunsch

oder Notwendigkeit? Masterarbeit, St. Gallen: FHSG Hochschule für Angewandte

Wissenschaften.

Spahr, Stefan (2004), Kompetenzenkatalog, Bern: Forum Freiwilligenarbeit.

http://www.sozialzeitausweis.ch/files/Kompetenzenkatalog.pdf (Zugriff 7.3.2011)

Stadelmann-Steffen, Isabelle; Traunmüller, Richard; Gundelach, Birte; Freitag, Markus

(2010), Freiwilligen-Monitor Schweiz 2010, Zürich: Seismo-Verlag.

6 Weiterführende Links

www.benevol.ch

Richtlinien für das Bildungslabel BENEVOL Schweiz, Weiterbildungsangebote im

Bereich Freiwilligenarbeit, August 2009.

http://www.benevol.ch/index.php?id=259 (Zugriff 4.3.2011)

www.palliative.ch

„Die Geschichte der Palliative Care“

http://www.palliative.ch/index.php?id=79 (Zugriff 2.3.2011)

Fachbegriffe „Freiwillige (Ehrenamtliche)“

http://www.palliative.ch/index.php?id=77 (Zugriff 2.3.2011)

Standards „Grundsätze und Richtlinien für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung

in der Schweiz“, 2001.

http://www.palliative.ch/index.php?id=128&0 (Zugriff 2.3.2011)

„Was bedeutet Palliative Care?“

http://www.palliative.ch/index.php?id=70 (Zugriff 27.1.2011)

Reglement für die Vergabe der Label „Qualität in Palliative Care“ des Schweizerischen

Vereins für Qualität in der Palliative Care, Juni 2010

http://www.palliative.ch/index.php?id=127 (Zugriff 4.3.2011)

www.caritas.ch

Dokumente stehen zur Verfügung unter: Schweiz > Begleitung in der letzten Lebensphase

> Standards für Freiwilligengruppen Palliative Care

oder

http://web.caritas.ch/page2.php?pid=2100&fv_100_feature_id=780&fv_100_freecont

entcategory_id=765&fv_100_freecontententry_id=14981 (Zugriff 25.5.2011)

36


www.transkulturellekompetenz.ch

Transkulturelle Kompetenz

oder

http://www.transkulturellekompetenz.ch/index2.php?m=7&tc=18 (Zugriff 21.3.2011)

37


7 Anhang

Die Anhänge erscheinen in der Reihenfolge der Verweise im Text.

38


Anhang 1: Liste der interviewten Fachpersonen

17 Expertinnen / Experten und Akteurinnen / Akteuren aus dem Feld waren bereit zu

einem Interview. Im Einzelnen sind dies:

Anbietende nur mit Bildungsangebot:

ZH: mit PASSAGE SRK Kurs, Susanna Lichtensteiger, Leiterin Bildung

VD: Fondation Rive-Neuve, Christine Burki, Verantwortliche des kantonalen Programms

VD

Anbietende mit Bildungsangebot und Einsatz/Support:

BE: Bern-Oberland beocare, Ursula Imboden Einsatzleiterin, Fachverantwortliche

BE: Bern-Mittelland zapp, Brigitte Thomer, Leiterin zapp

AG: Hospiz Aargau, Irmgard Staub, Vorstandsmitglied Ambulante Hospiz Begleitung

Schwerkranker, Aargau

BL: Lehrgang PASSAGE SRK, Regina Sutter, Leiterin Bildung

BS: GGG Voluntas, Basel, Beate Wölfle, Leiterin Begleitdienst

LU und Urkantone: Caritas Luzern, ganze Zentralschweiz, Andrea Jenny, Bildung

FW, Koordination FW-Gruppen

SG/AP: Hospiznetz St. Gallen/Appenzell, Agnes Schumacher, Gruppenleiterin

GE: Cours Accompagnement en fin de vie, Catherine Pictet, PFP in PC, Kursleiterin

GE: Caritas Genf: Bildung FW, Führung FW-Gruppen, Isabelle Nielsen, responsable

secteur accompagnement

JU: Caritas Jura: Bildung FW, Führung FW-Gruppen, Christine Donzé, Leiterin

Fachstelle Begleitung in der letzten Lebensphase

TI: Krebsliga Tessin, Bildung und Einsatz flächendeckend, Alba Masullo, Geschäftsführerin

Anbieter nur mit Einsatz/Support:

TG: Hospizverein: Einsatz FW, Brigitte Stahel, Gruppenleiterin

Expertin / Experte / Zusammenarbeitspartner:

Cornelia Knipping, Herausgeberin Lehrbuch Palliative Care

Peter Neuenschwander, FHS Soziale Arbeit Bern, Studie FW-Arbeit in PC

SEOP, Spitex Bern, Frau Brunner, Leitung Spitex Bern, Betreuung Freiwillige

39


Anhang 2: Leitfaden für Telefoninterviews mit den Expertinnen und Experten

1. Begrüssung

Sie haben unsere Themenübersicht zu Bildung und Support von Freiwilligen im Bereich

Palliative Care erhalten, nun möchten wir Ihre Meinungen als Experte / Expertin

in diesem Bereich dazu einholen.

Zur Erinnerung: Caritas Schweiz und das Schweizerische Rote Kreuz arbeiten gemeinsam

an diesem Auftrag des BAG.

Wenn Sie nichts dagegen haben, möchten wir dieses Gespräch aufnehmen, das erleichtert

uns die Zusammenfassung, nur dafür wird die Aufnahme verwendet.

Haben Sie noch Fragen, die wir klären sollten, bevor wir das Interview beginnen?

(Für allfällige Nachfragen: Support=Moderation Austauschtreffen, Organisation und Durchführung

von Weiterbildung, Supervision, kantonale oder regionale Treffen der Gruppenleitungen,

Beratung bei Aufbau, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung)

Zu nachfolgender Frage: Der Bezug der Expertin/ des Experten zum Thema ist vermutlich

mehr oder weniger bekannt, deswegen vor allem zur Absicherung und zum Einstieg aufgreifen:

2. Hintergrund der Interviewten

Wir haben Sie für dieses Gespräch angefragt in Ihrer Funktion als .……………… - ist

das so richtig? Haben Sie einen weiteren Bezug zum Thema?

(Anbietende Bildung, Kursleitung, Erfahrung mit dem Einsatz und dem Support von

Freiwilligen, Fachperson Palliative Care…)

3. Ihre Erfahrungen mit Freiwilligen in Palliative Care

Wie arbeiten Sie mit Freiwilligen? In welcher Form bieten Sie Bildung und Vorbereitung

an? Welche Formen an Unterstützung oder Support stellen Sie zur Verfügung?

Welche Erfahrungen machen Sie in der Bildung einerseits, in Einsatz und Support

andererseits? Wie arbeiten beide Bereiche ineinander?

Wenn nur Bildung: Erhalten Sie Feedbacks aus der nachfolgenden Praxis/dem

Einsatzfeld?

Wenn nur Freiwilligeneinsatz: Wie gut sind Freiwillige vorbereitet?

Was bewährt sich in der Bildung, im Support gut, was weniger?

Haben Sie unterschiedliche Gruppen von Freiwilligen? Wenn ja, wie beschreiben Sie

diese?

40


Welche Tätigkeiten und Rollen übernehmen die Freiwilligen? Welches ist ihr Einsatzfeld?

Wie sehen Sie den Bedarf für ein flächendeckendes Angebot für die Bildung von

Freiwilligen in Palliative Care?

Was braucht es, dass die Freiwilligen in diesem Bereich aktiv bleiben und Einsätze

übernehmen?

Welches ist die Definition Ihrer Organisation von „Freiwilligen in Palliative Care“?

Was ist Ihnen wichtig beim Einsatz der Freiwilligen?

Kennen Sie die „Caritas-Standards für Freiwilligengruppen in der Palliative Care“?

Können Sie uns Ihre Konzepte und Richtlinien zur Verfügung stellen? Per e-Mail, per

Post?

Welche (weiteren) Kursanbieter kennen Sie? In Ihrer Region, aber auch darüber hinaus?

Können Sie uns konkrete Angaben dazu machen?

4. Grundsätzliche Einschätzung eines nationalen Konzeptes zu Bildung und

Support von Freiwilligen in Palliative Care

Ist ein nationales Konzept für Freiwillige in Palliative Care grundsätzlich sinnvoll?

Warum, was könnte ein nationaler Rahmen bringen?

Warum nicht, wo sind mögliche Stolpersteine?

Was wäre Ihnen an einem solchen Konzept besonders wichtig? Zu Bildung, zu Support?

5. Wofür soll der gleiche Rahmen geschaffen werden?

Welche Aspekte oder Elemente sollen national und für alle Anbietenden einheitlich

gestaltet werden?

Was soll anbieterspezifisch geregelt werden können?

Für uns: Folgende Liste nicht vorlesen, allenfalls Beispiele nennen, nur zu unserer Unterstützung

gedacht: Zielgruppe, Aufnahmekriterien, formaler Aufbau, Inhalt, Kompetenzen,

Dauer, Qualifikation der Kursleitenden und DozentInnen, Qualifikation und Anerkennung der

Bildung, Form der Evaluation und Qualitätssicherung, Organisation und Dauer des Praktikums,

Einsatz, Rolle der Freiwilligen

Was wären Vorteile für ein gemeinsames Label/Marke/Bezeichnung? Wie gross wäre

aus Ihrer Sicht der Aufwand?

Wie sehen Sie die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, gemeinsame Standards

(=Richtlinien) zum Einsatz und Support von Freiwilligen zu vereinbaren?

Und wenn ein Punkt geregelt werden soll, dann wie?

41


6. Zielgruppe und Aufnahmekriterien

Soll es zu Beginn der Bildung bereits eine Zugangsbeschränkung geben oder erst

beim Übergang in die praktische Tätigkeit? Vor- und Nachteile?

Sollen die Kurse auch jenen offen stehen, welche danach nicht in eine Freiwilligengruppe

gehen möchten, sondern ihn aus eigenem Interesse machen? Als Angehörige?

Als Berufstätige im Sozial- und Gesundheitsbereich (z.B. PflegehelferInnen

SRK)?

Welches sind / wären Aufnahmekriterien für die Tätigkeit als Freiwillige in Palliative

Care?

7. Dauer und Inhalt

Wie lange muss / müsste der Kurs mindestens dauern, dass die Freiwilligen genügend

vorbereitet sind?

Wie lange darf / dürfte der Kurs höchstens dauern?

Haben Sie gute Erfahrungen gemacht mit Lehrmitteln oder Büchern, die empfohlen

werden können?

8. Kompetenzen der Freiwilligen in der Palliative Care

(ev. nur auf Nachfrage: Kompetenzen im Sinn von Fähigkeiten, nicht von Entscheidungsbefugnis)

Die Arbeitsgruppe Swisseduc von Palliative-ch schlägt verschiedene Bildungsniveaus

vor. Kennen Sie diese?

Swisseduc hat Kompetenzkataloge für die Aus- und Weiterbildung erarbeitet. Sollte

dies auch für Freiwillige in der Palliative Care gemacht werden und auf welche Art?

Woran orientiert sich Ihre Organisation (Einzelperson: Woran orientieren Sie sich) in

Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen der Freiwilligen?

Haben Sie einen entsprechenden Katalog/eine Liste?

Können Sie uns diese Unterlagen zur Verfügung stellen?

Wenn nicht (oder falls nicht vorhanden): welches sind für Sie die Kernkompetenzen

für Freiwillige in der Palliative Care?

9. Zertifikat

Wenn es ein Zertifikat geben sollte: finden Sie das grundsätzlich gut? Chancen und

Risiken?

Was sind/wären Kriterien für die Erteilung des Zertifikats? Gehört dazu ein Reflexionsbericht

oder ein abschliessendes Gespräch?

Wann soll das Zertifikat erteilt werden, nach dem Kurs allein oder nach einem zusätzlichen

Praktikum?

42


10. Praktikum

Soll die Bildung von Freiwilligen in der Palliative Care auch ein Praktikum beinhalten?

Wenn ja, soll das Praktikum noch vom Kursanbieter begleitet werden oder in der

Verantwortung der Freiwilligen-Gruppe liegen?

Wie lange sollte das Praktikum dauern (h)?

11. Abgrenzung

Wo ist die Abgrenzung / Schnittstelle zur bezahlten Arbeit?

Welche Probleme ergeben sich möglicherweise damit?

Wie sehen Sie die Durchlässigkeit zu einer späteren beruflichen Ausbildung?

Halten Sie diese für möglich? Ist das überhaupt ein Thema?

Sollten innerhalb der Freiwilligen verschiedene Gruppen unterschieden werden?

Sollten diese unterschiedlich gebildet, eingesetzt und unterstützt werden?

12. Finanzierung und Qualitätssicherung

Haben Sie einen Vorschlag für die mittel- und langfristige Finanzierung von Bildung

und Support von Freiwilligen in der Palliative Care?

Was braucht es für die Qualitätssicherung?

13. Abschluss des Interviews

Hätten Sie zum Abschluss Vorschläge für (weitere) Massnahmen, welche für die Bildung,

den Einsatz und den Support von Freiwilligen in Palliative Care umgesetzt

werden müssten?

Haben Sie sonst noch etwas anzufügen?

Wir werden nun die Interviews auswerten und zusammenfassen. Die Ergebnisse

fliessen in einen Entwurf für ein nationales Konzept zu Bildung und Support für Freiwillige

in der Palliative Care ein.

Dieser Entwurf wird durch das BAG in einer Kerngruppe und in einem schriftlichen

Stellungnahmeverfahren bei den wichtigsten Akteuren im Bereich der Palliative Care

konsultativ vernehmlasst (allenfalls auf Nachfrage: das BAG bestimmt den Vernehmlassungskreis).

Wären Sie im weiteren Erarbeitungsprozess allenfalls interessiert, sich in einer Gruppe

zu engagieren, die Kompetenzen für Freiwillige in Palliative Care erarbeitet?

Sind Sie einverstanden damit, dass wir Sie als InterviewpartnerIn im Bericht mit Namen

und Organisation nennen?

43


Wenn Sie noch ergänzende Informationen haben, können Sie uns diese gerne per

Mail mitteilen. Informationen, die wir bis Ende Jahr erhalten, können wir noch in unseren

Entwurf einbeziehen.

Danke für die Unterstützung!

44


Anhang 3: Caritas-Standards für Freiwilligengruppen in der Palliative Care

45


Anhang 4: Pflichtenheft/Vereinbarung für Freiwillige

Vorlage der Caritas (www.caritas.ch > Schweiz > Begleitung in der letzten Lebensphase

> Standards für Freiwilligengruppen Palliative Care)

Pflichtenheft/Vereinbarung für Freiwillige

Name/Vorname:

Vorgesetzte

Person:

Ziel

Das Ziel der Begleitung ist das Zuhören und das Da-Sein, um die Wünsche und

Bedürfnisse der Betroffenen wahrzunehmen. Die Begleitung durch Freiwillige trägt

dazu bei, dass Menschen in Würde leben und sterben können. Begleitung bedeutet

nicht, die Probleme des Anderen zu lösen und seine Last für ihn zu tragen, sondern

ihn zu unterstützen. Die Begleitung strebt an, dass schwerkranke und sterbende

Menschen jeden Alters in dieser schweren Situation nicht allein sind, falls sie das

wünschen.

Aufgaben

Organisation und Begleitung

Entscheid, ob und in welchem Umfang der Einsatz geleistet wird.

Selbständige Gestaltung der Begleitung in Zusammenarbeit mit Kolleginnen

und Kollegen, den Angehörigen und den involvierten Fachpersonen, im

Rahmen des Leitbildes und den Regeln der Institution und den Standards für

Freiwilligengruppen in der Palliative Care

Erfüllung der Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen

(physisch, psychisch, sozial, spirituell)

Nachbetreuung der Angehörigen nach Wunsch und Möglichkeit

46


Information und Kommunikation

Ort /Datum:

Einholen der relevanten Informationen vor dem Einsatz

Rückmeldung an die Einsatzleitung nach dem ersten Besuch und bei

Änderungen

Rückmeldungen an die Angehörigen (zu Hause) und/oder die verantwortlichen

Pflegenden

Kontaktnahme mit Einsatzleitung bei Unklarheiten

Abschlussbericht an die Einsatzleitung

Führen von Einsatzblatt und Spesenabrechnung

Teilnahme an obligatorischen Weiterbildungen, Austauschtreffen und

Supervision

Einhalten der Schweigepflicht

Unterschriften:

Freiwillige, Freiwilliger: Einsatzleitung Freiwilligengruppe:

Schlüsselkompetenzen

Die freiwilligen Begleiterinnen und Begleiter verfügen über folgende Schlüsselkompetenzen.

Sie können:

taktvoll das Gespräch aufnehmen, zuhören ohne zu werten, tolerant sein

ruhig da sein und das Gefühl der Hilflosigkeit aushalten

Bedürfnisse von Betroffenen und Angehörigen sensibel erkennen

den eigenen Wirkungsbereich erkennen, sich abgrenzen, eigenes Tun und

Verhalten reflektieren und sich in Frage stellen lassen

sich in die Freiwilligengruppe integrieren und ihren Platz einnehmen

47


Anhang 5: Ausbildungsniveaus in Palliative Care von palliative ch

48


Anhang 6: Übersicht über die wichtigsten Bildungsanbietenden für Freiwillige

in der Palliative Care

Die folgenden Organisationen spielen als Bildungsanbietende eine dominante Rolle

(tabellarischer Überblick folgende Seiten):

Caritas ist seit 1983 mit dem Programm „Begleitung in der letzten Lebensphase“

in der Bildung für Freiwillige in der Palliative Care tätig (Anhang 8).

2008 wurde das Rahmenkonzept für die Ausbildung von Freiwilligen in der

Palliative Care in Kraft gesetzt.

Das SRK hat das Thema „Begleitung und Unterstützung von Sterbenden“ seit

1950 im Kurs „Krankenpflege zu Hause“ integriert – seit 1990 sind auch Kurse

ausschliesslich zu Palliative Care ausgeschrieben. Der „Passage-Lehrgang in

Palliative Care“ (Anhang 9) wurde von der Nationalen Konferenz der Rotkreuz-Kantonalverbände

(KVK) und der Nationalen Konferenz der Geschäftsleiterinnen

und Geschäftsleiter (KGL) der Rotkreuz-Kantonalverbände zur national

bedeutsamen Dienstleistung und das Konzept für gesamtschweizerisch

verbindlich erklärt.

Die Krebsliga ist federführend für die Bildung der Freiwilligen im Tessin und

ist in zwei weiteren Kantonen in der Bildung ihrer eigenen Freiwilligengruppen

aktiv.

Die Fondation „Rive Neuve“ führt seit 2008 im Auftrag des Kantons Waadt

das kantonale Bildungsprogramm „Accompagner des personnes gravement

malades – Formation pour personnes bénévoles, programme cantonal vaudois

de soins palliatifs“.

GGG Voluntas ist seit 1997 im Kanton Basel Stadt aktiv mit einem Bildungsangebot,

das heute unter dem Namen „Menschen begleiten bei Krankheit,

Trauer und Sterben“ durchgeführt wird. GGG Voluntas pflegt eine Zusammenarbeit

mit dem SRK für den Lehrgang „Passage“, der öffentlich ausgeschrieben

ist.

49


Anbieter Name Kurs / Lehrgang

Caritas Bildungsangebot „Begleitung

in der letzten

Lebensphase“ (BILL)

und weitere thematische

Kurse

SRK „PASSAGE SRK –

Lehrgang in Palliative

Care“ (Passage) und

weitere kürzere Kurse

Krebsliga Corso di formazione

(Ausbildungskurs)

Zielgruppe Dauer Bestätigung /

Zertifikat

Personen, die sich

in einer Freiwilligengruppe

engagieren

möchten

Personen mit persönlichem

Interesse

Berufstätige, zur

Vertiefung spezifischer

Kompetenzen

Freiwillige, die in PC-

Projekten, FW-

Gruppen, Nachbarschaft

eingesetzt sind

oder sich darauf vorbereiten

möchten

Für bereits von der

Krebsliga ausgewählte

FW

(keine Fachpersonen

und keine in den letzten

zehn Jahren an

Krebs erkrankte Personen)

56 Std. in 3

Modulen

48 Std. in 8

Modulen

40 Std. an

Abenden

und Samstagen

Besonderes Verbreitung

Zertifikat Aufnahme in FW-Gruppen

Caritas erst nach Praktikum

Zertifikat Die Absolvierung des Praktikums

ist ein Kriterium für

das Zertifikat

Der RK-KV BS arbeitet mit

GGG-Voluntas zusammen

Angebot durch 7

Regionale Caritas-Stellen

in 14

Kantonen

Passage: in 7

Kantonen (weitere

im Aufbau)

Andere Angebote:

in 6 Kantonen

Kurs im Kanton

TI

Andere Angebote:

in 2 Kantonen


Anbieter Name Kurs / Lehrgang

Fondation

Rive

Neuve

GGG

Voluntas

« Accompagnement

des personnes gravement

malades – Formation

pour personnes

bénévoles,

programme cantonal

vaudois de soins palliatifs

»

„Passage – Lehrgang

in Palliative Care –

Menschen begleiten

bei Krankheit, Trauer

und Sterben“

Zielgruppe Dauer Bestätigung /

Zertifikat

Für Freiwillige, die

bereits in einer FW-

Organisation (Gruppe)

engagiert sind

Interessierte für FW-

Arbeit

56 Std. in 8

Modulen

56 Std. in 7

Modulen

plus Praxismodul

à

12.5 Stunden

51

Besonderes Verbreitung

Bestätigung VD

Bestätigung Spezifisches Praxismodul

à 12. 5 Std. (eng an

Kurs gebunden)

Führen Bildung nur dort

durch, wo sie eigene FW-

Gruppen haben

arbeiten mit dem RK-KV

BS zusammen

BS


Anhang 7: Organisationen und Vereine, die Bildungsangebote und Freiwilligen-

Einsätze anbieten

Aufgelistet sind Bildungsangebote für Freiwillige nach Kantonen, ohne Auflistung interner

Angebote z.B. von Spitälern oder Heimen mit Palliativstationen mit eigenen

Freiwilligen-Gruppen und eigenen Einführungen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

AG:

AP:

Rotkreuz-Kantonalverband

Reformierte Landeskirche Aargau: Kurs A2 (60 Std.) auch für FW

Kantonsspital Baden: Da sein bis zuletzt – oekumenische Sterbebegleitung (2

Tage)

Caritas St. Gallen in Zusammenarbeit mit PalliativNetzwerkOstschweiz

BL:

BS:

BE:

Rotkreuz-Kantonalverband

Arbeitsgemeinschaft Sterbekultur (anthroposophisch in Arlesheim)

GGG Voluntas (56 Std., 12.5 Std. Praxismodul mit Supervision) in Zusammenarbeit

mit RK-KV

Seminar am Bethesda, Basel: Darf ich Sie ein Stück auf Ihrem Weg begleiten?:

36 Stunden

Rotkreuz-Kantonalverband BE (Passage)

Sektion Bern-Oberland (separater Kurs – Angleich an Passage auf 2012)

Freiwilligendienst zur Begleitung Kranker (FBK/SVAM), Biel: Grundkurs (je 2 ½

Std. während 6 Monaten wö)

Verein zur Begleitung Schwerkranker, Region Konolfingen: Kurs ca. 49 Std.

Institut Dr. Gabriel Looser, spirituelle Sterbebegleitung, Bern (verschiedene Kursorte)


FR:

GE:

GL:

Wachen und Begleiten Deutschfreiburg, Giffers (Sensebezirk, Seebezirk): Grundkurs

Vivre avec la mort (www.valm.ch), Marly: Grundkurs (PS FR verweist auf dieses

FW-Angebot) 15 Monate à 2 Std. pro Monat)

Caritas Genf

Entre lacs (120 Stunden)

Domilys - Krebsliga

(arbeitet mit PalliativNetzwerkOstschweiz zusammen)

GR:

JU:

Caritas Graubünden mit Kloster Illanz

Freiwillige Begleiter im Kinderhospiz-Dienst Schweiz, Klosters: Kurs 56 Std.,

Selbststudium 60 Std.

Caritas Jura (Krebsliga JU arbeitet für die Bildung mit Caritas zusammen)

LU: (deckt die Innerschweiz ab: ZG, OW/NW, SZ, UR)

NE:

SG:

SH:

Caritas Luzern

Caritas Neuenburg

Caritas St. Gallen

Freiwilligendienst Palliativnetzwerk Linth (Spitalregion Linth): EF-Kurs (Angebot

der Krebsliga)

Rotkreuz-Kantonalverband

53


SZ:

SO:

TG:

TI:

UW:

UR:

VD:

VS:

ZG:

Caritas Luzern

Rotkreuz-Kantonalverband

Ambulanter Hospizdienst Thurgau

Krebsliga Tessin

Caritas Luzern

Caritas Luzern

Fondation Rive Neuve für den ganzen Kanton Waadt

Institut de Recherche et de Formation à l’Accompagnement des personnes en fin

de vie et des personnes en deuil, Orbe de Rosette Poletti

Rotkreuz-Kantonalverband: cours accompagnement en fin de vie (nicht vergleichbar

mit Passage)

Oberwalliser Verein für Sterbe- und Trauerbegleitung: kein Kurs, da ausgebildete

Sterbebegleiterin zur Verfügung stehen.

Amie Martigny (Association martingneraine d’invitation à l’entreaide): hat eigene-

FW-Gruppe Accompagnement en fin de vie und ein internes Bildungsangebot für

diese FW.

Weitere eher lokal/regionale Gruppen mit möglichen internen Bildungsangeboten

für FW

Caritas Luzern

54


ZH:

Schulungszentrum Gesundheit: 9 Std.

Caritas Zürich

Rotkreuz-Kantonalverband

Zürcher Vereinigung zur Begleitung Schwerkranker (ZVBS): Kurs

Wachen und Begleiten, Limmatal: Kurs 12 Tage

Verein zur Begleitung von Schwerkranken Zürich Oberland (VBSZO): Kurs

55


Anhang 8: Caritas Schweiz: Begleitung in der letzten Lebensphase - Rahmenkonzept

für die Ausbildung von Freiwilligen

56


Anhang 9: PASSAGE SRK – Lehrgang in Palliative Care

57


Anhang 10: Bildungsangebote für Freiwillige im Vergleich mit Ausbildungen im

Rahmen der Schweizerischen Bildungssystematik

Um die Rolle der Bildungsangebote für Freiwillige in der Palliative Care in Bezug auf

die Bildungssystematik zu klären, haben wir

die Bildungspläne bzw. soweit vorhanden Modelllehrgänge der Grundbildungen

FaGe / FaBe / Attest Gesundheit und Soziales sowie den im Sektor Weiterbildung

liegenden Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK (PH SRK) und

auf der Seite der Freiwilligenarbeit die beiden 50 Stunden-Kurse der Caritas

und des SRK analysiert und sie anschliessend miteinander verglichen.

Folgendes sind die Rahmenbedingungen für die berufliche Grundbildung Fachfraumann)

Gesundheit mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (FaGe EFZ), Betreuung

(FaBe EFZ), Assistent/-in Gesundheit und Soziales mit eidgenössischem Berufsattest

(EBA) und andere bezogen auf Palliative Care:

Fachmann/Fachfrau Gesundheit (FaGe):

Im Rahmen dieser Grundbildung erwirbt der/die FaGe EFZ im Kompetenzbereich 5.2

„Krise und Notfall“ die Kompetenz bei der Begleitung in Krisensituationen und während

des Sterbens mitzuwirken. Dafür sind im Modelllehrgang je 15 Lektionen im 4.

und 5. Semester vorgesehen als situationsspezifische Inhalte. Der Schwerpunkt der

Begleitung während des Sterbens ist für das 5. Semester vorgesehen. Nicht ersichtlich

ist, ob in überbetrieblichen Kursen (ÜK) dieser Kompetenzbereich ein Them

Fachmann/Fachfrau Betreuung EFZ (FaBe):

Im Rahmen dieser Grundbildung sind im Zielbereich „Entwicklungspsychologie“ und

besonders in der spezifischen Berufskunde Betagtenbetreuung, im Zielbereich „Körperpflege,

Gesundheit, Krankheit“ Ziele wie „kann die Grundsätze der Palliation nennen“,

„kann Grundsätze der Palliation auf die Situation Betagter anwenden“, „kann

Sterbende im Rahmen der Kompetenzen einfühlsam und professionell betreuen und

pflegen“ aufgeführt. Angaben zu Anzahl Stunden lassen sich nicht finden.

Assistent/Assistentin Gesundheit und Soziales:

Im Rahmen dieser Grundbildung erwirbt der Assistent, die Assistentin Gesundheit

und Soziales EBA im Handlungskompetenzbereich 2.8 „Begleiten und Unterstützen

von Klienten im Alltag“ die Handlungskompetenz bei der Begleitung von Sterben mitzuwirken.

Da noch kein Modelllehrgang existiert, kann die Lektionenzahl, die für diesen

Handlungskompetenzbereich aufgewendet wird, nicht eruiert werden. Auch ist

unklar, wie weit dieser Handlungskompetenzbereich in einem ÜK behandelt wird.

Anmerkungen:

Es ist möglich, dass z.B. auch in der Grundbildung Fachmann/Fachfrau Hauswirtschaft

EFZ bei den Grundlagen „Gesundheit und Sozialwesen“ das Thema Palliative

Care behandelt wird; aus dem Bildungsplan ist dies nicht ersichtlich.

In allen drei beruflichen Grundbildungen FaGe, Attest Gesundheit und Soziales

und Hauswirtschaft wird der Begriff Palliative Care nicht verwendet.

58


In den Grundbildungen sowie im Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK wird das Thema Palliative

Care explizit, aber auch indirekt behandelt, allerdings z.T. unter anderen Namen

(Sterben, Schmerz, Trauer, Abschied etc.). Die genauen Stundenangaben sind

nur teilweise möglich. Wir fanden Palliative Care-Themen in verschiedenen Kompetenzbereichen

wie in „Umgang mit Krise und Notfall“, „Wahrnehmung der Berufsrolle“,

„Zusammenarbeit“, „Begleiten und Unterstützen von Klienten im Alltag“. Gemeinsamer

Nenner ist, dass die Lernenden bei der Begleitung in Krisensituationen und

während des Sterbens mitwirken im Rahmen ihrer Kompetenzen.

Beispiele:

Im Modelllehrgang FaGe werden im 4. und 5. Semester 30 Fachlektionen (von

Total 1040) für Palliative Care aufgeführt. Indirekt ist das Thema in verschiedenen

Kompetenzbereichen zu finden (nicht erkennbar wie viel Stunden).

In der Lektionentafel FaBe ist nicht ersichtlich, wie viele Lektionen für das

Thema aufgewendet werden, da die Leistungsziele übergeordneten Themen

zugewiesen sind. Für die Fachrichtung Behindertenbetreuung wird aber ein

überbetrieblicher Kurs zum Thema „Tod, Trauer, Abschied“ angeboten.

Im Bildungsplan Assistent/-in Gesundheit und Soziales EBA sind im Handlungskompetenzbereich

„Begleiten und Unterstützen von Klienten im Alltag“

im 1./2. Semester 50 Lektionen zu „wirkt bei der Begleitung von Sterbenden

mit“ vorgesehen.

Im Rahmenlehrplan des 120 Stunden-Lehrgangs PH SRK sind nur 9 Stunden

explizit für das Thema reserviert – allerdings liegen alle Kompetenzen in Bereichen,

die in der Palliative Care eine Rolle spielen.

In den Konzepten „Passage SRK - Lehrgang in der Palliative Care“ und „Begleiten in

der letzten Lebensphase von Caritas“ werden den Freiwilligen und interessierten

Personen während 50 Stunden Wissen und grundlegende Fähigkeiten für die Begleitung

von älteren, schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren nahestehenden

Bezugspersonen vermittelt. Die Schlüsselkompetenzen liegen im Bereich der

Kommunikation und des Sozialverhaltens:

taktvoll das Gespräch aufnehmen, zuhören ohne zu werten, tolerant sein,

ruhig da sein und das Gefühl der Hilflosigkeit aushalten,

Bedürfnisse von Betroffenen und Angehörigen sensibel erkennen,

den eigenen Wirkungsbereich erkennen und sich abgrenzen,

eigenes Tun und Verhalten reflektieren und Bereitschaft zeigen für Gespräch

und Austausch,

bei der Begleitung mit verschiedenen Diensten zusammenarbeiten,

sich in die Freiwilligengruppe integrieren und im vorgegebenen Rahmen handeln.

59


Schlussfolgerungen:

In allen analysierten Unterlagen der Grundbildungen kommt Palliative Care als

Thema direkt und indirekt vor. Die Lektionenzahl für direkte Themen der Palliative

Care konnten wir nur für die Grundbildung FaGe und den Lehrgang PH

SRK finden; für FaBe und Assistent/-in Gesundheit und Soziales fehlt diese.

Die Lektionenzahl für Themen, die indirekt Palliative Care tangieren, konnten

wir nicht ausfindig machen.

Im Vergleich zum Total der Fachunterrichtsstunden sind in den Grundbildungen

wenige Stunden dem Thema Palliative Care gewidmet – im Zusammenhang

mit andern Kompetenzbereichen werden aber Fähigkeiten erworben, die

in der Palliative Care wichtig sind. Solche indirekten Palliative Care Kompetenzen

fanden wir z.B. in den Feldern Kommunikation, Berufsrolle und Zusammenarbeit,

Pathologie, pflegerische Grundlagen und Ethik.

Die Kurse für Freiwillige und allgemein Interessierte in Palliative Care sind enger

auf dieses Setting zugeschnitten und in sich abgeschlossen. Sie behandeln

ausschliesslich psycho-soziale Themen und Fragen der Rolle und Zusammenarbeit

und bieten Raum für persönliche Auseinandersetzung mit dem

Thema und der Philosophie, die hinter der Freiwilligenarbeit steht.

Die Kurse für Freiwillige in der Palliative Care sind mit den Bildungsplänen der

analysierten Grundbildungen und dem Lehrgang PH SRK nicht vergleichbar.

Wir haben nirgendwo einen Block zu Palliative Care gefunden, der dem

Kurs/Lehrgang in etwa entsprechen würde.

Für Freiwillige, die einen Prozess der „Validation des aquis“ beschreiten, wird

die Anerkennung von Kompetenzen vermutlich erschwert, weil die Begrifflichkeiten

in den Bildungsplänen mit denjenigen der Bildungsangeboten für Freiwillige

in der Palliative Care nicht vergleichbar sind.

Umgekehrt dienen die Kompetenzen aus einem EFZ/EBA selbst dann, wenn

sie aus dem Gesundheits- oder Sozialbereich sind, nicht ohne weiteres für eine

Freiwilligentätigkeit in der Palliative Care, denn Auftrag/ Grundhaltungen

und Rolle sind verschieden.

60


Anhang 11: Grundsätze und ethische Prinzipien für die Bildung und den Support

der Freiwilligen in der Palliative Care

Für die Gestaltung des Bildungsangebotes für Freiwillige in der Palliative Care halten

wir folgende Grundsätze für sinnvoll:

Bildungsangebote stehen in der Regel allen Interessierten offen. Der Besuch

des Bildungsangebotes ermöglicht den Einstieg in eine Freiwilligentätigkeit in

der Palliative Care.

Bildung orientiert sich an der zu erbringenden Tätigkeit und bereitet darauf

vor, diese aufgrund des erworbenen Wissens, der Fähigkeiten und der erarbeiteten

Haltung zu erfüllen.

Bildungsangebote für Freiwillige in der Palliative Care ermöglichen praxisorientiertes

und selbstreflektierendes Arbeiten durch die Teilnehmenden und einen

persönlichen Lernprozess im Austausch und in der toleranten und wertschätzenden

Begegnung mit anderen Teilnehmenden.

Bildungsangebote in der Palliative Care setzen eine Lern- und Veränderungsbereitschaft

aller Beteiligter voraus.

Als formale Grundsätze schlagen wir Folgendes vor:

Bildungsangebote orientieren sich idealerweise an den sechs allgemeinen Kriterien

des Schweizerischen Qualitätszertifikates für Weiterbildungsinstitutionen

eduQua (www.eduqua.ch > http://www.eduqua.ch/002alc_07_de.htm

eduQua-Checkliste für KonsumentInnen). Eine Zertifizierung ist aber nur für

grössere Anbieter realistisch.

Bildungsangebote in der Palliative Care werden durch Fachpersonen erteilt,

die im Bereich über eine entsprechende Qualifikation und praktische Erfahrungen

verfügen. Die Stufe SVEB 1 ist als minimale Voraussetzung für Unterrichtende

zu empfehlen.

Grundsätze für den Support

Das Engagement von Freiwilligen in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden

Menschen jeden Alters und in der Unterstützung der nahestehenden Bezugspersonen

ist sehr anspruchsvoll. Die Einsätze werden durch Frauen und Männer geleistet,

die nach definierten Kriterien ausgewählt und auf ihre Aufgabe vorbereitet

wurden.

Während ihrer Tätigkeit brauchen die Freiwilligen kontinuierliche Praxisbegleitung,

um diese sozial kompetent, wertschätzend, respektvoll und für sich selber nicht zu

61


elastend ausüben zu können. Dieser Support wird in den Interviews auch immer

wieder als wichtiges Element der Motivation, Wertschätzung und Honorierung für die

freiwilligen Einsätze in diesem Bereich genannt. Andere Formen der Anerkennung

von Freiwilligenarbeit (vgl. Sozialzeitausweis des Forums Freiwilligenarbeit, 2001)

sind für Freiwillige in der Palliative Care ebenfalls wichtig, aber weniger zentral.

Folgende Grundsätze für eine qualitativ hochstehende Unterstützung von Freiwilligen

in Palliative Care sind zentral:

Eine Einsatzleitung gestaltet die Rahmenbedingungen der Einsätze, begleitet

die Freiwilligen eng, ist in vereinbartem Rahmen erreichbar und unterstützt bei

problematischen Situationen.

Für Notfälle steht eine Ansprechperson jederzeit zur Verfügung.

EinsatzleiterInnen sind von ihrem Hintergrund und ihrer Erfahrung her vorbereitet

auf ihre Tätigkeit. Allenfalls wird ihnen spezifische Bildung ermöglicht.

Der Support wird von gut ausgebildeten Freiwilligen oder Fachpersonen

durchgeführt (EinsatzleiterInnen oder weitere Personen). Sie bieten regelmässige

Austauschmöglichkeiten (Intervision, Fallbesprechungen, thematische

Auseinandersetzung) in der Gruppe an.

Prinzipien Gesundheitsförderung, Gender und Transkulturalität

Gesundheitsförderung

Freiwillige in der Palliative Care verstehen Gesundheit im weiten Sinn als subjektiv

empfundene Lebensqualität. Die Bedürfnisse der betroffenen Menschen und ihrer

nahestehenden Bezugspersonen werden ins Zentrum gestellt und ihre Situation als

Teil ihres Lebens begriffen.

Freiwillige nehmen Ressourcen der Schwerkranken und Sterbenden wahr, besonders

im psychischen, sozialen und spirituellen Bereich. Sie richten ihre Unterstützung

darauf aus, die Lebensqualität des betroffenen Menschen innerhalb der gegebenen

Situation zu fördern und zu erhalten. Diese Sichtweise hilft, einen Menschen als Individuum

wahrzunehmen.

Mit der Unterstützung der nahestehenden Bezugspersonen tragen die Freiwilligen

vor allem in einer längerdauernden Begleitung entscheidend zur Erhaltung von deren

Gesundheit bei.

Die Organisationen und Gruppen haben schliesslich gegenüber ihren Freiwilligen die

Aufgabe, sie bei ihrer anspruchsvollen Tätigkeit so zu unterstützen, dass ihre psychische

und physische Gesundheit nicht beeinträchtigt wird. Es ist den Organisationen

und Gruppen bewusst, dass sie bei der Auswahl auf eine stabile physische

und psychische Gesundheit der Freiwilligen achten müssen. Dies befreit sie aber

nicht vor der gebotenen Achtsamkeit gegenüber drohenden allzu grossen Belastungen.

62


Gender

Den Einsatzleitungen und Koordinatorinnen und Koordinatoren wie den Freiwilligen

sollte bewusst sein, dass sie selber, die beteiligten Pflegenden und die nahestehenden

Bezugspersonen sowie die kranken Personen in grösserem oder kleinerem

Ausmass typische soziale Geschlechterrollen übernehmen.

Sowohl in der Bildung wie in Supportgefässen sollte dieses Thema integriert sein.

Freiwillige sollen sich darin üben, Situationen zu erkennen, in denen Geschlechterrollen

zu Hindernissen führen. So sind sie fähig, den beteiligten Menschen situationsgemäss

zu begegnen und Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht Respekt

entgegen zu bringen. Andererseits sollen sie ermutigt werden, allfällige Schwierigkeiten

im Zusammenhang mit Geschlechterrollen in ihrer Organisation oder Gruppe anzusprechen.

Es ist klar, dass gegenüber verbalen wie physischen Grenzüberschreitungen oder

gar sexuellen Übergriffen absolut keine Toleranz angebracht ist. Dieses Thema ist

uns nicht als Problem entgegen getreten. Sollten aber Freiwillige in irgend einer

Form mit einem solchen Übergriff konfrontiert werden oder entsprechende Beobachtungen

machen, sollen sie jederzeit ihre Koordinatorin / ihren Koordinator oder

ihre Einsatzleiterin / ihren Einsatzleiter darauf ansprechen können. Diese nimmt die

Wahrnehmung der Freiwilligen ernst und handelt situationsgerecht, zieht allenfalls

auch eine externe Fachperson hinzu.

Freiwillige in der Palliative Care sind grösstenteils Frauen. Sie begleiten schwerkranke

und sterbende Menschen und deren nahestehenden Bezugspersonen beiden Geschlechts.

Offenbar wird diese Geschlechterkonstellation von den Organisationen

und Gruppen in der Regel sowohl als unproblematisch (Näf und Neuenschwander,

2010) wie auch als wenig veränderbar betrachtet. Grundsätzlich wäre es aber zu begrüssen,

wenn sich mehr Männer für diese Form von Freiwilligenarbeit engagieren

würden.

Transkulturalität

Migration und Transkulturalität ist im Zusammenhang mit Freiwilligen in der Palliative

Care noch kaum ein Thema. Aber natürlich können auch Migrantinnen und Migranten

schwer krank werden, sind sie doch bekanntermassen verstärkt Gesundheitsrisiken

ausgesetzt. Die Generation der Arbeitsmigrantinnen und -migranten der Nachkriegszeit

wird alt und, so zeigt sich in den letzten Jahren, bleibt zu einem grossen

Teil in der Schweiz. Auch Jenny (2009, S. 60) sieht die Notwendigkeit

„…Migrantinnen und Migranten den Zugang zu den Angeboten der Palliative Care

[zu] erleichtern…“.

Weiter ist zu berücksichtigen, dass ein grosser und noch zunehmender Anteil der

Pflegenden einen Migrationshintergrund hat. Auch die Freiwilligentätigkeit steht Menschen

aus allen Bevölkerungsgruppen offen, sofern sie die sachlich begründeten Kriterien

für den Bereich Palliative Care erfüllen.

Freiwillige in der Palliative Care müssen sich aus diesen Gründen bewusst sein,

dass Menschen, sie selber wie Kranke und alle Beteiligten, mit ihren Werten, Einstel-

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lungen und Verhaltensweisen von ihrer Lebenswelt geprägt sind. Sie sollen die Gefahr

kennen, Menschen aufgrund von Äusserlichkeiten in Kategorien einzuordnen,

welche ihre Individualität überdecken. In der Bildung wie im Support ist immer wieder

die Fähigkeit zu üben, Menschen als Individuen wahrzunehmen jenseits von Herkunft,

Religion, Hautfarbe, Sprache, alltäglichen Gewohnheiten, usw.

Freiwillige sollen zunehmend transkulturell kompetent sein im Umgang mit Kranken,

nahestehenden Bezugspersonen und Pflegenden mit Migrationshintergrund. „Transkulturelle

Kompetenz basiert auf Hintergrundwissen, Selbstreflexion und Empathie.

Sie trägt dazu bei, migrationsspezifische Problemlagen zu erkennen und adäquat zu

handeln.“ (www.transkulturellekompetenz.ch > Transkulturelle Kompetenz).

Auch in diesem Bereich sind klare Grenzen festzulegen – gegenüber Diskriminierung

jeglicher Art darf keine Toleranz gelten. Werden entsprechende Erfahrungen oder

Beobachtungen gemacht, müssen diese einerseits angesprochen, andererseits ernst

genommen und weiter verfolgt werden. Es kann nötig sein, sich von einer Fachperson

beraten zu lassen.

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