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explore:

Februar 2007

Das

Kundenmagazin der TÜV NORD Gruppe

Die vier Elemente

Erde und Luft, Feuer und Wasser


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explore: ENTDECKUNG

explore: ENTDECKUNG

explore: ENTDECKUNG

explore: GLOBAL

explore: TECHNIK

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EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

INHALT

die Vielfalt der irdischen Erscheinungen versuchte vor über 2000 Jahren Aristoteles

durch das Zusammenwirken der Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zu erklären.

Und schon damals wurde ein fünftes Element, die Quintessenz, vermutet. Aus

diesem Element sollten die vier antiken Elemente hervorgehen. Heute beschreiben wir

den Aufbau von Materie mithilfe von sechs Quarks. Um die Vielfalt aller irdischen

Erscheinungen erfassen zu können, bedarf es jedoch noch weiterer Elemente, und die

Suche nach der Quintessenz kann auch noch nicht als abgeschlossen angesehen werden.

Grund genug, sich den antiken Elementen mit dem Wissen von heute noch einmal

zu widmen.

Ihr Dr. Guido Rettig, Vorsitzender des Vorstandes der TÜV NORD AG

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rei-no – Rhenos – Rhein:

Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen

Die Namen der Flüsse sind mehr als Schall und Rauch. Sie künden von Siedlern

in grauer Vorzeit und deren Sprache. Namensforscher tragen Material aus

zahlreichen Sprachen zusammen, um die Abstammung der Flussnamen zu

deuten.

Ideen, die in der Luft liegen

Erfindungen setzen sich nur durch, wenn die Idee sowieso „in der Luft liegt“.

Manchmal musste sich hierfür das komplette Weltbild ändern. Einige

Erfindungen, die anfangs mit Skepsis betrachtet wurden, sind heute kaum

noch wegzudenken.

Vom Leben in der Erde

Eine Handvoll Erde enthält mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde

gibt. Würmer, Bakterien, Pilze, Käfer: Es krabbelt in jedem Gramm unseres

Bodens.

Die Last mit dem Ballast

Im Ballastwasser großer Schiffe tummeln sich viele Organismen, die so mit auf

die Reise um den Erdball gehen. In einem neuen Ökosystem werden sie ausgesetzt

und richten dort unter Umständen erheblichen Schaden an.

Aqua mirabilis

Trinkwasser gilt als das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

Wasser ist lebensnotwendig. Weltweit herrscht jedoch ein Mangel, der oft

sogar als Kriegsgrund gesehen wird. Was macht Wasser als Lebensmittel so

einzigartig?


INHALT

explore:

Die Vernunft ist ein Licht. Davon will und soll die Natur erleuchtet, jedoch

nicht in Brand gesteckt werden.

Netzwerk

Verbindungen, Kommunikation, Strukturen – hier bündeln sich an Knotenpunkten

Kompetenz und Know-how für eine gut funktionierende Partnerschaft.

Es brennt, es brennt

Chemische und physikalische Vorgänge laufen bei Zündung eines Feuers ab.

Doch wann gibt es beim Feuer Flammen, und was ist nötig, um einen Brand

auszulösen?

Dem Feuer auf den Leib rücken

Überall auf der Welt kommt es regelmäßig zu Waldbränden. Der Kampf gegen

derartig schwerwiegende Brände findet auf vielen Ebenen statt und kombiniert

uralte Methoden mit moderner Technik.

Wer nich dieken will, mut wieken!

Infolge des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels sind die europäischen

Küsten von Schwund bedroht.

Impressum

Abgehoben

Die Flugzeuge der Zukunft stellen eine Revolution dar. Sie müssen mehr

Passagiere befördern, weniger Treibstoff verwenden und höhere Auflagen

erfüllen.

Der Traum vom Fliegen

Höher, schneller, weiter: Was heute zum Alltag gehört, war für zahlreiche

Neugierige und Forscher ein lang ersehnter Traum, durch die Lüfte schweben

wie ein Vogel.

explore: TÜV NORD

explore: WISSEN

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explore: FORSCHUNG

explore:

explore: TECHNIK

explore: TECHNIK

Giacomo Leopardi

(1798 bis 1837),

italienischer Dichter

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Von Dr. Doris Marszk

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ENTDECKUNG rei-no – Rhenos – Rhein: Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen

rei-no - Rhenos - Rhein:

Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen

Die Namen der Flüsse sind mehr als Schall und Rauch. Sie künden von

Siedlern in grauer Vorzeit und deren Sprache.

Warum heißt der Rhein „Rhein“? – Weil er ein Fluss ist.

Denn „Rhein“ bedeutet tatsächlich einfach nur „Fluss“

oder „Strom“, allerdings in einem sehr, sehr alten

Sprachzustand. Schon vor Jahrtausenden haben

Menschen in der Nähe des Flusses gesiedelt. Er gab

ihnen Wasser, Nahrung und Orientierung. Man konnte

am Fluss oder im Fluss sein, flussaufwärts oder flussabwärts

gehen. Egal, ob die Hütten abbrannten oder

einstürzten, ob es Heuschreckenplagen gab oder Missernten

– der Fluss blieb und würde immer bleiben.

Kamen neue Siedler in die Gegend, hörten sie von den

alten Anwohnern, das sei der „Rhein“. Die neuen

Siedler verstanden die Sprache der Einheimischen

nicht, aber sie verstanden „Rhein“ – so hieß der Fluss.

Für sie war dies ein Fluss, der eben zufällig „Rhein“

hieß.

Die Erforschung von Namen ist eine Art

Spracharchäologie

Da nicht alle Regionen in Europa und der Welt gleichzeitig

besiedelt wurden, sind nicht alle Flurnamen gleich alt. Es

wurden natürlich auch Berge, Täler, Wälder und Schluchten

benannt, aber keine Flurnamen sind so alt wie die

Gewässernamen, genauer: Flussnamen; denn nichts ist in

einem größeren landschaftlichen Gebiet so prominent wie

ein Fluss, der dort hindurchfließt. Das ist auch heute noch

so: Man bezeichnet etwa Hamburg als „Stadt an der Elbe“

oder als „Elbmetropole“, aber nicht als „Stadt mit der

Reeperbahn“. Und man unterscheidet gleich lautende

Städtenamen durch ihre Flüsse: Frankfurt am Main und

Frankfurt an der Oder.

Wie die Flüsse, Seen, Berge, Täler, Wälder, Dörfer, Städte

und wie auch wir zu unseren Namen gekommen sind,

untersucht die Onomastik (Namensforschung), eine

Teildisziplin der Linguistik. Die Namensforschung versteht

sich dabei als eine Art Spracharchäologie. „Die normale

Archäologie hat uns gegenüber den Vorteil, dass sie irgendwelche

Gegenstände ziemlich genau datieren kann, mittels

der Radiocarbondatierung, der Dendrochronologie

(Datierung anhand der Baumringe) und anderen Verfahren“,

erklärt Professor Dr. Jürgen Udolph, der an der Universität

Leipzig die einzige Professur für Onomastik in Deutschland

inne hat. „So genau können wir in der Namenforschung keinen

Namen datieren. Aber wir haben den Vorteil, dass ein

Name im Mund der Menschen bewahrt wird, auch wenn


ei-no – Rhenos – Rhein: Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen ENTDECKUNG

die Sprache, aus der ein solcher Name stammt, längst verklungen

ist.“ Und das bedeutet: Wenn man weiß, aus welcher

Sprache ein Name stammt, erfährt man etwas über

die Ethnie der früheren Siedler in einem Gebiet.

Flussnamen sind oft Jahrtausende alt

Um aber herauszufinden, aus welcher Sprache ein

Flussname in Europa stammt, müssen Forscher sehr viel

Sprachmaterial aus zahlreichen Sprachen nicht nur

Europas, sondern auch Asiens und Indiens zusammentragen;

denn wenn sich abzeichnet, dass ein Name wirklich alt

ist, gibt es keine weiteren schriftlichen Zeugnisse aus seiner

Entstehungszeit. Hier hilft nur noch der Vergleich zwischen

unterschiedlichen Sprachen. Im 19. Jahrhundert haben

Sprachwissenschaftler entdeckt, dass nicht nur Sprachen

wie Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch miteinander

verwandt sind – sondern eben auch mit dem

Altindischen und dem Persischen. Vor Jahrtausenden gab

es eine Sprache, die, mit unterschiedlichen Dialekten, von

den britischen Inseln bis Indien gesprochen wurde. Das war

das so genannte Indogermanisch oder Indoeuropäisch,

das nur rekonstruiert werden kann. Schriftliche Zeugnisse

gibt es vom Indoeuropäischen nicht.

Mit diesem Wissen ausgestattet, suchen die Namenforscher

nach Querverbindungen zwischen Flussnamen.

So wurde beispielsweise in einem altindischen Text das

Wort „sindhu“ gefunden, das ,‚großer Fluß“, „Strom“,

„Meer“ und „Indus“ bedeutet. Nach Einbeziehung bestimmter

Lautgesetzmäßigkeiten fanden Sprachwissenschaftler

einige Flussnamen, die auf „sindhu“ zurückgehen. In

Deutschland ist dies die Sinn, ein kleiner Fluss, der durch

Gemünden bei Würzburg fließt. Eine abgewandelte Form

von „sindhu“ ist auch in Irland nachzuweisen: Der Shannon,

mit über 300 Kilometern Länge der größte Fluss Irlands,

trägt ebenfalls „sindhu“ in seinem Namen. Das Altindische

wurde schon um 1000 vor Christus gesprochen. Zu dieser

Zeit waren einige Wörter des Altindischen aber noch viel

älter. Sie könnten sich bereits im Indoeuropäischen herausgebildet

haben. Wenn die Sinn und der Shannon auf „sindhu“

zurückgehen, dann bedeutet dies, dass beispielsweise

die Gegend um die heutige Stadt Limerick, durch die der

Shannon fließt, vor etwa 3000 bis 4000 Jahren von

Menschen besiedelt wurde, und zwar von solchen, die

einen indoeuropäischen Dialekt sprachen.

Flussnamen in Europa sind oft untereinander verwandt

Wie für den Shannon fanden die Forscher für die wichtigsten

Flüsse in Europa indoeuropäische Wurzeln. Rhein,

Main, Seine, Maas, Mosel, Elbe, Weichsel – an den Ufern

dieser Flüsse könnten schon 2000 Jahre vor Christus

Menschen gesiedelt haben. Das ist archäologisch gesehen

die ausgehende Jungsteinzeit und beginnende Bronzezeit.

Kein Archäologe könnte sagen, wie die Menschen in jener

Zeit gesprochen haben. Durch die alten Flussnamen aber

können wir ein kleines Stück von jenem alten Sprachzustand

erkennen. Der Main beispielsweise ist verwandt mit

der Menja, die durch Minsk fließt, und mit dem Minho in

Nordportugal. Im Lettischen findet sich ein Wort „maina“,

explore: 1/2007 - 05


Shannon

Der Name des irischen Flusses

Shannon lässt sich zurückführen

auf das altindische Wort „sindhu“,

das großer Fluss, Strom

oder Meer bedeutet. Hier liegt

eine Verwandtschaft mit der

Sinn vor, einem Nebenfluss des

Mains.

Seine

Der indogermanisch-alteuropäische

Name der Seine lautet

„Sequena“ und trägt die Wurzel

„seikw“. Dies bedeutet soviel

wie: ausgießen, seihen, rinnen

oder träufeln. Dies bezeugen

auch folgende Wörter aus anderen

Sprachen: das altindische

„secate“ steht für gießt aus oder

begießt, „sihan“ im Althochdeutschen

für seihen, im

Deutschen für versiegen, und im

Mittelniederdeutschen steht

„Siel“ für Schleuse oder Ablaufkanal.

Das mittelhochdeutsche

„harnen“ bedeutet soviel wie seichen.

06 - explore: 1/2007

ENTDECKUNG rei-no – Rhenos – Rhein: Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen

Themse

Der Name Themse leitet sich

von dem indogermanisch-alteuropäischen

Namen „Tamesis“

ab, dessen Wurzel „tem“ ist und

dunkel bedeutet. Auch das altindische

Wort „tamas“ und das

lateinische Wort „tenebrae“

bedeuten dunkel oder Finsternis.

Die deutschen Wörter „dämmern“

und „Dämmerung“ haben

zudem einen ähnlichen Wortklang

und Sinn.

Main

Aus der indoeuropäischen

Wurzel „moin“, die Sumpf bedeutet,

leitet sich der Name

Main ab. Die Bedeutung wurde

erschlossen durch das litauische

Wort „maiva“ und das lettische

„maina“, die ebenfalls mit Sumpf

gleichzusetzen sind. Eine

Namensverwandtschaft besteht

mit vielen Flüssen in Europa

unter anderem mit der Menja,

die durch Minsk fließt, dem

Minho in Portugal und dem

Maoin in Irland.

das, „Sumpf“ bedeutet. Die baltischen Sprachen Lettisch

und Litauisch gelten unter den heute noch lebenden

Sprachen als diejenigen, die noch recht gut alte Sprachzustände

bewahrt haben. Darum ist der Nachweis einer

alten Wortwurzel im Lettischen oder Litauischen eine Art

Zusatzversicherung bei einer Namensherleitung.

Der Namenforscher Professor Hans Krahe (1898 bis 1965)

hat als einer der ersten Sprachwissenschaftler Namen von

Flüssen in ganz Europa hergeleitet. Ihm ist die Erkenntnis

Rhone

Auch die Rhone trägt einen indogermanisch-alteuropäischen

Namen: „Rhodanus“. Die dazugehörige

Wurzel „redh“ oder

„rodh“ ist gleichzusetzen mit fließen

oder quellen. Dies bezeugen

unter anderem auch die

Gewässernamen Reda in Polen,

Rednitz in Franken und Radau im

Harz. Das griechische „Arethousa“

bedeutet Quellnymphe.

Die altindischen Wörter „ardati“

und „rdati“ heißen soviel wie

fließt, zerstiebt und löst sich auf.

zu verdanken, dass alle Flussnamen etwas mit Wasser zu

tun haben. Es sind immer Bedeutungen wie „nass“, „fließen“,

„Wasser“, „Strom“, „Sumpf“, „klar“, „glänzend“,

„Fluss“, „Quelle“. Krahe spricht daher von den „Wasser-

Wörtern“, die in jedem Flussnamen stecken. „Flussnamen

sind also von ihrer Bedeutung her völlig langweilig“, sagt

Professor Udolph. „Das Interessante sind erst die Schlüsse,

die man aus der Zugehörigkeit eines Namens zu einer

bestimmten Sprachschicht ziehen kann.“


ei-no – Rhenos – Rhein: Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen ENTDECKUNG

Elbe

Der Name Elbe geht zurück auf

die indoeuropäische Wurzel

„albh“ in der Bedeutung weiß.

Hier liegt eine weitläufige Wortverwandtschaft

in Europa vor

unter anderem mit der Aube,

einem Nebenfluss der Seine, der

Albe, einem Nebenfluss der Saar

und der Alb, einem Nebenfluss

des Rheins.

Tiber

Im Italienischen heißt der Tiber

„Tevere“. Es ist ein indogermanisch-alteuropäischer

Name zu

der Wurzel „tibh“. Das ähnlich

klingende griechische Wort

„tiphos“ steht für Sumpf,

Schlamm oder Morast.

Rhein

Der Flussname „Rhein“ erschließt

sich aus dem indoeuropäischen

„rein-no“ mit der

Bedeutung Fluss. Hier gibt es

eine Verwandtschaft mit kleineren

Flüssen in Europa wie etwa

dem Reno bei Bologna oder

zahlreichen Bächen in der

Schweiz, die „Rin“ heißen.

Donau

Der Name Donau ist verwandt

mit dem altindischen „dánu“ und

bedeutet Flüssigkeit oder Tropfen.

Es besteht zudem eine

Verwandtschaft zu dem

Avestischen „danu“ und dem

Ossetischen „don“, die Wasser

oder Fluss bedeuten.

explore: INFOBOX

Oder

Die polnische Bezeichnung für

Oder ist Odra. „Adra“ und

„Odra“ sind indogermanisch-alteuropäische

Namen zur Wurzel

„adu“, deren Bedeutung Wasser

oder Kanal ist. Das altpersische

„adu“ steht für Wasserlauf, Bach

oder Kanal. Die Abstammung

gilt auch für die Gewässer Eder,

Adria und Attersee.

Je älter die Namen, desto früher die Besiedlung

Indoeuropäisch

~ 2. Jahrtausend vor Christus

Beispiel: indoeuropäische Wurzel *ueis- / *uis-Bedeutung „fließen, zerfließen“ Beispiele von Flussnamen, die darauf zurückgehen:

Weichsel (poln. Wisla), Weser = Fluss zur Nordsee, Vézère = Nebenfluss der Dordogne, Wyre = Fluss zur Irischen See

Weichsel

Im Polnischen trägt die Weichsel

den Namen „Wisła“. Es ist ein

indogermanisch-alteuropäischer

Name zur Wurzel „wis“ und

bedeutet zerfließen oder fließen.

Von dieser Wurzel stammen

auch die Flußnamen Weser und

Werra ab, beide entstanden aus

der Vorform „Wisera“. Ähnlich

klingende verwandte Wörter

sind auch das Lateinische

„virus“ für Schleim, Saft und Gift,

„vena“ für Ader, das von „veisna“

abstammt, das Walisische

„gwyar“ für Blut und auch das

deutsche Wort Wiese.

Germanisch

~ 500 vor Christus

Beispiel: germanisches Grundwort aha, Bedeutung „Wasser“, Beispiele von vielen Flussnamen, die darauf zurückgehen: Grone < gron-aha

„grünes Wasser“ = Fluss bei Göttingen, Pleichach


Von Dr. Doris Marszk

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ENTDECKUNG Ideen, die in der Luft liegen

Ideen, die in der Luft liegen

Erfindungen setzen sich offenbar nur durch, wenn die Idee sowieso „in

der Luft liegt“. Aber was liegt da eigentlich in der Luft?

Abbildung von Johann Philipp Reis mit einem

Telefon in der Hand. Reis konstruierte das

erste Gerät zur Tonübertragung mittels elektromagnetischer

Wellen und damit das Telefon. Er

wurde am 7. Januar 1834 geboren und ist am

14. Januar 1874 gestorben.

Fernsprechempfänger, 1861 konstruiert von

Philipp Reis.

Erste Drehstromanlage in Berlin am Schiffbauer

Damm; Nicola Tesla hatte 1887 mit seinen

grundlegenden Patenten die Basis der

Drehstromtechnik und der Drehstromkraftübertragung

geliefert.

Zu den größten Unglücken, die

Menschen in früheren Jahrhunderten

zustoßen konnten, gehörten Brände,

die häufig durch Blitzschlag ausgelöst

wurden. Das Feuerlöschen war reine

Handarbeit, die Feuerversicherung

noch nicht erfunden. So verloren

Menschen, deren Haus vom Blitz getroffen

wurde, oft ihre gesamte Existenz.

Dennoch bestand jahrhundertelang

die Blitzabwehr hauptsächlich in

geweihten Glocken zur Abwehr der

Gewitterdämonen. Die Glocken trugen

Inschriften wie „fulgura frango“ (die

Blitze breche ich) in der berühmten

Schillerglocke in Schaffhausen.

Geweihte Glocken als Blitzabwehr

Solange Blitz und Donner als Werke

von Teufel oder Dämonen betrachtet

wurden, konnte nicht der Gedanke

entstehen, Maßnahmen zur Blitzabwehr

ergreifen zu müssen. Erst im

Zeitalter der Aufklärung, die gleichsam

unter dem Motto stand „Habe den

Mut, dich deines eigenen Verstandes

zu bedienen“, wurde es möglich, Blitz

und Donner einer genaueren Untersuchung

zu unterziehen. Das Buch

Vom Blitze des Hamburger Arztes

Johann Albert Reimarus (1729 bis

1814) zeigt, wie im 18. Jahrhundert

unter den Gebildeten eine Sammelleidenschaft

für Blitz-Erfahrungen ausgebrochen

war. Reimarus hat diese

Berichte gesammelt und sie, modern

gesprochen, ausgewertet. So kommt

er zu naturwissenschaftlichen Schlüssen

wie diesem: „Gleichwie aber die

Anlockung und der Sprung zu oder

von unterbrochenem Metalle in der

Nähe dem Menschen gefährlich seyn

kann, so schützet ihn vielmehr das

Metal welches neben ihm in einer

Strecke herab gehet oder ihn umgibet:

denn der Bliz verläßt das Metal nicht

um auf den Menschen zu springen

wenn er durch jenes eine Leitung zur

Erde haben kann.“ Erst in einem solchen

für Naturbeobachtungen aufgeschlossenen

Klima wurde die Erfindung

des Blitzableiters, die Benjamin

Franklin zu verdanken ist, möglich.

Für andere Erfindungen musste sich

nicht gleich das theologisch-philosophische

Weltbild ändern. Damit sich

eine Erfindung durchsetzte, konnte es

ausreichen, dass bestimmte Rahmenbedingungen

stimmten. Aber Erfinder

konnten auch tragisch scheitern, wenn

diese Bedingungen nicht gegeben

waren.

Neues Weltbild oder

andere Bedingungen

Der Russe Ivan Ivanovič Polzunov

(1728 bis 1766) entwarf 1763 eine

Maschine zum Antrieb von zwei Blasebalgen

für einen Hüttenbetrieb im Altai.

Zwei Zylinder waren nebeneinander

über dem Kessel angeordnet. Der Hub

betrug 1.800 Millimeter und wurde

über Kettenverbindungen auf die

Blasebalge übertragen. Die Zarin

Katharina II. zahlte ihm dafür 400

Rubel und verlieh ihm einen höheren

Rang im Dienstadel. Mehr Aufmerksamkeit

gab es für den Erfinder

nicht, weil Russland zu dieser Zeit

industriell noch zu rückständig war,

und so gab es niemanden, der diese

Erfindung weiterführen konnte. In England

hingegen war die Industrialisierung

schon weiter fortgeschritten,

und an der Konstruktion einer Dampfmaschine

hatten sich ab dem Ende

des 17. Jahrhunderts bereits mehrere

Erfinder versucht. Der Schotte James

Watt baute auf diesen Vorarbeiten auf

und präsentierte 1769 eine Dampfmaschine,

bei der Dampf abwechselnd

auf beide Seiten der Kolben einwirkte.

Seither gilt James Watt (1736

bis 1819) als der Erfinder der

Dampfmaschine.


Ideen, die in der Luft liegen ENTDECKUNG

Polzunov ist nahezu vergessen

Der Wirtschafts- und Technikhistoriker

Professor Dr. Hans-Joachim Braun

von der Bundeswehrhochschule Hamburg

spricht bei Erfindungen wie der

Dampfmaschine von einem Nachfragesog.

In der beginnenden Industrialisierung

Englands gab es bestimmte

technische Herausforderungen, für

die durch neue Erfindungen Abhilfe

geschaffen werden musste.

Es wurde etwa im Bergbau immer tiefer

gebohrt, so dass es nötig wurde,

das nachsickernde Grundwasser

abzupumpen.

Anders liegt der Fall bei Erfindungen,

ohne dass die Welt von sich aus

danach verlangt hat. „Wenn ich einen

Vortrag halte, frage ich die Leute

immer gern: ,Was ist für Sie die

erstaunlichste Erfindung?'“, erzählt

Professor Braun. „Und die Antwort ist

immer: ,Das Telefon'. Die Leute empfinden

es auch heute noch als ein

Wunder, dass man mit jemandem

sprechen kann, der Hunderte von

Kilometern entfernt ist.“

Das Telefon wurde zur etwa gleichen

Zeit (um 1860 bis 1870) diesseits und

jenseits des Atlantiks erfunden: von

dem Deutschen Philipp Reis und dem

Amerikaner Alexander Graham Bell.

Doch obwohl die Welt nicht auf das

Telefon gewartet hatte, verstand es

Bell, daraus einen Erfolg zu machen,

während Reis scheiterte. Der amerikanische

Wissenschaftshistoriker W.

Bernard Carlson von der University of

Virginia erklärt dies mit den ganz unterschiedlichen

Herangehensweisen der

beiden Männer: Reis hatte sich das

Telefon nicht hauptsächlich als

Kommunikationsmittel vorgestellt. Er

sah es als wissenschaftliches Instrument

an, das Aufschluss über das

menschliche Hören geben sollte. Bell

hingegen behielt den Nutzen des Telefons

für das amerikanische Bürgertum

im Blick.

Die Bürger sollten über das Telefon

nicht nur mit ihresgleichen schwatzen

können. Das Telefon wurde auch vermarktet

als Instrument, mit dem der

bürgerliche Hausherr seine Bediensteten

kommandieren oder mit dem der

Unternehmer die Arbeit in seiner Fabrik

kontrollieren konnte.

Professor Braun sieht hier zwei gegensätzliche

Motivationen, die überhaupt

in der Geschichte der Erfindungen

immer wieder eine Rolle spielen: die

intrinsische und die extrinsische. Reis

hatte eine eher intrinsische Motivation.

Er fand seine Erfindung interessant

und dachte, andere sähen das auch

so. Bell hingegen achtete darauf, was

die Menschen mit seiner Erfindung

würden anfangen können. „In der früheren

Geschichte war die intrinsische

Motivation wahrscheinlich sehr viel

häufiger – weshalb dann eben auch

geniale Erfindungen in Vergessenheit

gerieten.“

Im großen Stil wurde die Vulkanisation von Kautschuk durch Dampfkessel möglich. Temperatur

und Druck machen den Kautschuk gegen chemische und mechanische Einflüsse widerstandsfähig,

es entsteht Gummi. Das Verfahren hatte Charles Goodyear 1839 entwickelt. Unser Bild zeigt

eine Anlage bei Continental um 1900.

Der britisch-amerikanische Stimmphysiologe

Alexander Graham Bell verbesserte das von

Johann Philipp Reis erfundene Telefon und

führte es in den USA ein.

Eine nach den Plänen von Johann Philipp Reis

angefertigte Fernsprechkonstruktion. Reis

erlebte den Siegesfeldzug seiner Erfindung

nicht mehr, er verstarb völlig verarmt mit nur 40

Jahren am 14. Januar 1874. Der Amerikaner

Alexander Graham Bell verbesserte kurze Zeit

später die Erfindung und führte das Telefon in

den USA ein.

explore: INFOBOX

LINKS:

Der Hamburger Arzt Johann Albert Heinrich

Reimarus hat einiges zum Thema Blitzeinschlag

publiziert. Ein Werk, „Die Ursache

des Einschlagens vom Blitze“, wird gerade in

Wikisource veröffentlicht. Wer selbst einen

Eindruck gewinnen will, wie man sich im 18.

Jahrhundert dem Thema genähert hat, kann

hier stöbern:

http://de.wikisource.org/wiki/

Die_Ursache_des_Einschlagens_vom_Blitze

explore: 1/2007 - 09


Vom Leben

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ENTDECKUNG Vom Leben in der Erde

in der Erde


Vom Leben in der Erde ENTDECKUNG

Von Dr. Joachim Czichos

Der Boden lebt. Das unterscheidet

ihn vom toten Gestein. Eine Hand

voll Erde enthält mehr Lebewesen,

als es Menschen auf der Welt gibt.

Aber da die meisten Bodenorganismen

sehr klein sind, stellen sie nur

einen Gewichtsanteil von weniger

als einem Prozent der gesamten

Bodenmasse. Der Boden ist gleichzeitig

Lebensraum und Produkt seiner

Bewohner. Diese zersetzen

unentwegt Pflanzenmaterial, Aas

und Exkremente über mehrere

Stufen in Bestandteile, die Pflanzen

wieder zu neuem Wachstum nutzen

können. Und da alles tierische und

menschliche Leben davon abhängt,

dass Pflanzen mithilfe der Sonnenenergie

organische Substanz

aufbauen, bildet die Aktivität der

Bodenorganismen die Grundlage

allen Lebens auf dem Land.

Der Boden ermöglicht das Wachstum

von Pflanzen, indem er den Wurzeln

Halt bietet und in Wasser gelöste

Nährstoffe bereitstellt. Etwa 90

Prozent eines durchschnittlichen europäischen

Bodens bestehen aus mineralischer

Substanz. Der verbleibende

organische Anteil setzt sich zusammen

aus 80 bis 85 Prozent Humus, also

teilweise zersetzten Pflanzenteilen, 10

bis 15 Prozent lebenden Wurzeln und

5 Prozent Bodenorganismen. Davon

wiederum bilden Bakterien und Pilze

mit jeweils 40 Prozent den größten

Gewichts- und ökologisch wichtigsten

Anteil, gefolgt von Regenwürmern mit

12 Prozent. Wirbeltiere wie Mäuse und

Maulwürfe sind von völlig untergeordneter

Bedeutung.

Die überwiegende Zahl der Bodenorganismen

lebt in den mit Luft oder

Wasser ausgefüllten Poren und

Gängen der oberen, etwa 30 Zentimeter

tiefen Bodenschicht. Tief im

Erdreich nimmt die Porengröße und

damit die Größe der dort noch vorkommenden

Lebewesen ab. Außerdem

sinkt der Sauerstoffgehalt, so

dass in größerer Tiefe fast nur noch

Bakterien existieren können – abgesehen

von einigen Regenwurmarten, die

mehrere Meter tiefe Gänge graben. Die

Bodenart beeinflusst zwar die Lebensbedingungen

vieler Organismen: So

haben Lehmböden ein für das Boden-

Bodenorganismen

Zusammensetzung der Bodenorganismen (Gewichtsanteile).

leben besonders günstiges Verhältnis

von Grob- und Feinporen mit guter

Wasser- und Sauerstoffversorgung.

Aber der Anteil einzelner Organismengruppen

an der Gesamtpopulation der

Bodenlebewesen hängt von zahlreichen

Faktoren ab und kann sich auch

innerhalb desselben Bodens je nach

Jahreszeit, Bewuchs, Säuregrad und

menschlichen Eingriffen verändern.

In einem Gramm Boden leben

eine Milliarde Bakterien

Bodenart, Klima, Temperatur und

Feuchtigkeit wirken sich erstaunlich

wenig auf Zahl und Artenvielfalt der

mehreren tausend Arten von Bodenbakterien

aus. Wichtigster Standortfaktor

ist vielmehr der Säuregrad. Vergleichende

Untersuchungen ergaben,

dass in sauren Böden tropischer Wälder

weniger Bakterienarten vorkommen

als in neutralen Wüstenböden.

Bakterien können in Gegenwart von

Sauerstoff sämtliche natürlich vorkommenden

Substanzen abbauen. Aus

Kohlenhydraten und Proteinen entstehen

neben Kohlendioxid und Wasser

Stickstoff- und Schwefelverbindungen

in Form von Ammoniak, Nitrat und

Sulfat – Nährstoffe, die den Pflanzen

dann wieder zur Verfügung stehen.

Insbesondere die Stickstoffversorgung

begrenzt das Wachstum der Pflanzen.

Daher spielen einige spezialisierte

Bakterien eine besondere Rolle: Die

Rhizobien sind in der Lage, den

Luftstickstoff zu nutzen. Das gelingt

aber nur in einer Lebensgemeinschaft

mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen,

40% Bakterien

40% Pilze

12% Regenwürmer

4% Protozoen

(Urtierchen)

4% Sonstige

Bohnen oder Kleegewächsen. Die

Bakterien dringen in die Wurzeln der

Pflanze ein und veranlassen sie zur

Bildung von Wurzelknöllchen, in denen

der energieaufwändige Prozess der

Stickstofffixierung ablaufen kann.

Pflanzen mit Wurzelknöllchen wachsen

deutlich besser als ohne.

Bezogen auf die Biomasse gehört

etwa die Hälfte der Bodenbakterien

zur Gruppe der Aktinomyceten. Diese,

irreführend häufig noch als „Strahlenpilze“

bezeichneten Bakterien, bilden

Zellfäden, die an ein Pilzmyzel erinnern.

Aktinomyceten erzeugen den

typischen Erdgeruch. Sie sind maßgeblich

an der Zersetzung schwer

abbaubarer Stoffe wie Zellulose, Lignin

oder Chitin beteiligt, unterstützt durch

die weniger zahlreich vorhandenen

Myxobakterien. Beide Mikrobengruppen

sind von besonderer Bedeutung

für die Gewinnung medizinisch und

landwirtschaftlich nutzbarer Wirkstoffe.

In sauren Böden

dominieren die Pilze

Wie Bakterien führen auch Pilze ein

weitgehend verborgenes Leben im

Boden. Die meisten wachsen in Form

von dünnen Zellfäden, so genannten

Hyphen. Eine Schaufel Erde enthält so

viele Pilzhyphen, dass sie aneinandergelegt

eine Länge von mehr als hundert

Metern ergeben. Neben ihrer

Bedeutung als Zersetzer von Holz und

Zellulose fördern viele der mehreren

hundert Pilzarten das Wachstum von

etwa 80 Prozent aller Landpflanzen,

indem sie mit ihnen eine Lebens-

explore: 1/2007 - 11


12 - explore: 1/2007

gemeinschaft bilden: Die so genannte

Mykorrhiza entsteht dadurch, dass die

Pilzfäden die Haarwurzeln umhüllen

und in das Pflanzengewebe hineinwachsen.

Im Innern der Wurzel bleiben

die Hyphen je nach Mykorrhizatyp entweder

zwischen den Pflanzenzellen

oder dringen sogar in sie ein. Dadurch

kann der Pilz Zucker und Vitamine aufnehmen,

die er selbst nicht herstellen

kann. Aber auch die Pflanze profitiert

ENTDECKUNG Vom Leben in der Erde

davon: Sie wird über das Pilzgeflecht

besser mit Wasser und Mineralsalzen

versorgt. Außerdem hält der Pilz

Schädlinge ab und wirkt als Filter

gegen giftige Schwermetalle und

andere Schadstoffe. Ohne die Mykorrhizapilze

sinken Wachstum und Ertrag

von Nutzpflanzen, und Waldbäume

werden anfälliger gegenüber Wasserund

Phosphatmangel, Übersäuerung

und Krankheitserregern.

Die Grafik gibt an, wie viele Organismen in einem Bodenblock von einem Quadratmeter Oberfläche und 30 Zentimeter

Tiefe (300 Liter) zu finden sind. Es handelt sich um grobe Durchschnittswerte, die von zahlreichen Standortfaktoren beeinflusst

werden. (Nach www.hypersoil.uni-muenster.de).


Vom Leben in der Erde ENTDECKUNG

Nicht alle Würmer sind nützlich

Die Fadenwürmer oder Älchen sind die

häufigsten mehrzelligen Bodentiere.

Bezogen auf die Biomasse stehen

aber die deutlich größeren Regenwürmer

an erster Stelle. Eine mittlere

Position nehmen die mit den Regenwürmern

verwandten Kleinringelwürmer

ein. Alle diese Wurmarten leisten

einen wichtigen Beitrag beim

Recycling der Nährstoffe. Die Fadenwürmer

sind mit bloßem Auge kaum

sichtbar, meist nicht größer als zwei

Millimeter und fast durchsichtig. Einige

Arten zählen zu den schlimmsten

Erregern von Pflanzenkrankheiten, die

beispielsweise im Kartoffel- und

Rübenanbau große Ernteausfälle verursachen

können.

Ein lockerer und feuchter Boden, reich

an organischem Material, bietet den

Regenwürmern optimale Bedingungen.

Sie fressen sich unermüdlich

durch die Erde, verwerten dabei vorverdautes

Pflanzenmaterial und hinterlassen

ober- und unterirdisch Kothäufchen

mit hohem Nährstoffgehalt

für die Pflanzen. Ihre Lebensweise

sorgt auch dafür, dass die obere

Humusschicht mit dem tieferen

Mineralboden durchmischt und der

Boden gelockert und durchlüftet wird.

In Deutschland gibt es 39 Arten von

Regenwürmern, die in unterschiedlichen

Bodenschichten leben. Ob der

Name Regenwurm von „reger Wurm“

abgeleitet ist oder daher kommt, dass

die Tiere nach starkem Regen aus der

Erde kriechen, ist ungeklärt. Auch

warum sie das tun, weiß man nicht

genau. Möglicherweise nutzen sie einfach

die Gelegenheit, sich auf feuchter

Erdoberfläche schneller fortzubewegen.

Der rotbraune Tauwurm und

der nur blass gefärbte Kleine

Wiesenwurm kommen in Wald-,

Wiesen- und Ackerböden am häufigsten

vor. Im Kompost findet man meist

den ursprünglich im Mittelmeerraum

beheimateten, mit gelben Ringen verzierten

Kompost- oder Mistwurm.

Über die Bedeutung der Regenwürmer

für die Fruchtbarkeit des Bodens

schrieb bereits Charles Darwin 1881:

„Man kann wohl bezweifeln, ob es

noch viele andere Tiere gibt, welche

eine so bedeutungsvolle Rolle in der

Geschichte der Erde gespielt haben

wie diese niedrig organisierten

Geschöpfe“.

explore: INFOBOX

Ein Krebsmittel aus dem Boden

Um sich gegen Konkurrenten besser zu behaupten, setzen Bodenbakterien

aus der Gruppe der Aktinomyceten Hemmstoffe frei, von

denen viele schon seit langem als Antibiotika genutzt werden. Forscher

der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in

Braunschweig, dem jetzigen Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung,

haben eine weitere sehr ergiebige Quelle von Naturstoffen im

Boden entdeckt: Seit den 1970er-Jahren suchen die Professoren

Gerhard Höfle und Hans Reichenbach unter den Myxobakterien nach

Produzenten von Wirkstoffen, die sich für medizinische Zwecke oder für

Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft einsetzen lassen.

Myxobakterien sind weltweit verbreitet und auf verrottendem Holz und

toten Pflanzenteilen zu finden. Sie können sich auf selbst erzeugtem

Schleim als Schwarm fortbewegen und haben eine unter Bakterien einzigartige

Eigenschaft: Bei Nahrungsmangel verständigen sich die

Einzelzellen über chemische Signale und bilden aus mehreren hunderttausend

Zellen Fruchtkörper mit dauerhaften Sporen. Die Gebilde können

bis zu einem Millimeter groß werden und sind meist gelb bis rotbraun

gefärbt. Eine weitere Besonderheit dieser Mikroben: Ihr Genom

ist etwa viermal so groß wie das Erbgut anderer Bakterien. Offenbar

brauchen sie das, da sie eine Vielzahl unterschiedlicher Substanzen

herstellen. Etwa 600 davon haben die Braunschweiger Forscher entdeckt

und näher untersucht. Darunter waren Hemmstoffe, die gegen

Bakterien, Viren, Pilze oder Fadenwürmer wirksam waren.

Am erfolgreichsten hat sich aber das Epothilon aus dem Myxobakterium

Sorangium cellulosum erwiesen. Es war bereits 1986 aufgrund seiner

pilzhemmenden und zelltoxischen Wirkung an der GBF entdeckt worden.

Erst 1995 fanden amerikanische Wissenschaftler heraus, dass

Epothilon das Wachstum von Tumorzellen nach demselben

Wirkmechanismus hemmt wie das Krebsmedikament Paclitaxel,

Handelsname Taxol, ein Naturstoff aus der Eibenrinde. Beide

Substanzen blockieren die Funktion der Spindelfasern, die für die

Zellteilung benötigt werden. Wenn die besonders schnell wachsenden

Krebszellen daran gehindert werden, sich zu teilen, sterben sie ab.

Epothilon zeigte eine vielfach stärkere Wirkung als Taxol und hemmte

auch bereits resistent gewordene Tumoren. Ein weiterer Vorteil besteht

darin, dass der Wirkstoff sowohl in Bakterienkulturen als auch rein chemisch

in großen Mengen hergestellt werden kann. „Zurzeit befinden

sich vier Epothilone, zwei natürliche, ein halbsynthetisches und ein totalsynthetisches,

in der vertieften klinischen Prüfung“, sagt Professor

Höfle. Am weitesten fortgeschritten seien Studien mit dem Präparat

Ixabepilon, das vom Pharmaunternehmen Bristol-Myers-Squibb in

Zusammenarbeit mit der GBF entwickelt worden ist. Mit der Zulassung

als Antitumormittel werde noch in diesem Jahr gerechnet.

explore: INFOBOX

LINKS:

Informationen zum Thema Boden: www.hypersoil.uni-muenster.de

Bodenportal: www.bodenkunde-online.de/bodenkunde/

index.php?option=com_content&task=view&id=20&Itemid=32

Bundesverband Boden: www.bvboden.de

„Bakterien und Pilze machen Kompost“ (als pdf):

www.kompost.ch/beratung/xfachartikel/mikroben.pdf

Über Mykorrhiza: www.ipb-halle.de/myk/start/

explore: 1/2007 - 13


GLOBAL Die Last mit dem Ballast

Die Last mit dem Ballast

Milliarden von Lebewesen schippern Tag für Tag ungesehen über die Ozeane

14 - explore: 1/2007

Von Cornelia Dick-Pfaff

Blinde Passagiere sind auf

Schiffen wenig beliebt. Allerdings

holen sich die Giganten

der Meere täglich Milliarden

von ihnen an Bord – und das

sogar mehr oder weniger freiwillig.

Im Ballastwasser reisen

unzählige Organismen mit um

die Welt. Das allein wäre nicht

großartig bedenklich. Aber im

Zielhafen wird das Wasser wieder

abgelassen – und mit ihm

die blinden Passagiere, die in

der neuen Heimat zur Plage

werden können.


Die Last mit dem Ballast GLOBAL

Ballastwasser ist aus der modernen Schifffahrt nicht mehr

wegzudenken. Es dient der Stabilisierung der Schiffe, wenn

sie leer oder nur zum Teil beladen sind, und sorgt für die

sichere Lage im Wasser. Früher nutzten Seeleute massiven

Ballast wie Sand oder Steine. Heutzutage hat Wasser diese

Rolle übernommen. Es ist weitaus leichter zu handhaben.

An Rumpf und Seiten moderner Frachter sind große Tanks

in die Schiffswand eingebaut, die je nach Bedarf für den

optimalen Gewichtsausgleich befüllt oder entleert werden.

Reise mit Folgen

Gerade das Wasser küstennaher Gewässer ist aber reich

belebt. So gelangen mit dem Ballastwasser viele Organismen,

ja sogar ganze Organismengesellschaften an Bord

und gehen mit auf die Reise um den Erdball. Die Ozeanriesen

kommen derart schnell voran, dass viele der unfreiwilligen

Mitreisenden die stressreiche Fahrt sogar überstehen.

Wird das Ballastwasser im fernen Hafen dann wieder

abgelassen, werden die Überlebenden in einem fremden

Ökosystem wieder ausgesetzt – und richten dort unter

Umständen erheblichen Schaden an.

„Potenziell können alle Arten von Organismen gefährlich

werden“, erklärt Ralf-Norbert Hülsmann von der Freien Universität

Berlin, der sich seit Jahren mit der Ballastwasser-

Problematik beschäftigt. „Das hängt von den Bedingungen

in den Zielgebieten ab.“ Grundsätzlich sind vor allem

Generalisten kritisch; denn sie sind häufig außerordentlich

anpassungsfähig und nicht sonderlich wählerisch, was

ihren Speiseplan angeht. Hat der Einwanderer dann auch

noch keine natürlichen Feinde, kann er sich nahezu unkontrolliert

vermehren.

Von Muscheln und Quallen, Seesternen und Einzellern

So in etwa ist dies geschehen bei der Zebramuschel

Dreissena polymorpha: Die Süßwassermuschel ist

ursprünglich beheimatet im ponto-kaspischen Raum. Auch

in hiesige Gewässer ist die bis zu vier Zentimeter große

Muschel schon vorgedrungen. „Hier bei uns bereitet sie

kaum Probleme“, sagt Hülsmann. In Nordamerika sieht das

dagegen völlig anders aus. Dort gehört sie zu den gefährlichsten

Invasoren überhaupt. Die Muschel überrannte

förmlich beinahe sämtliche Konkurrenten und trat ihren

Siegeszug durch die nordamerikanischen Seen an. „Sie

wandert in Kühlsysteme und in die Wasserversorgung ein“,

schildert der Biologe. „Die Muscheln siedeln aufeinander

und bilden dadurch ganze Cluster, welche die Anlagen verstopfen.“

Dass die Zebramuschel tatsächlich mit

Ballastwasser in die nordamerikanischen Seen gelangte,

muss zwar noch nachgewiesen werden, es ist aber überaus

wahrscheinlich. „Aus eigener Kraft kann sie diese Reise

unmöglich bewerkstelligt haben“, sagt Hülsmann.

Die Zebramuschel ist kein Einzelfall. So gelangte zum

Beispiel umgekehrt die Meerwalnuss Mnemiopsis leidyi von

der nordamerikanischen Küste ins Kaspische Meer – vermutlich

in Ballastwassertanks. Diese Rippenqualle ver-

mehrte sich prächtig unter den neuen Lebensbedingungen

und brachte das dortige ökologische Gleichgewicht völlig

durcheinander. Oder der aus asiatischen Gewässern stammende

Nordpazifische Seestern Asterias amurensis: In

Australien ebenso wie in Nordamerika bedroht er ganze

Muschelpopulationen – nachdem er wahrscheinlich im

Ballastwasser vor Ort gelangte.

Als sehr bedenklich einzustufen sind auch auf den ersten

Blick weit unscheinbarere Lebewesen: Einzeller, die mit bloßem

Auge kaum wahrzunehmen sind. Sie dienen größeren

Mitreisenden als Nahrung und halten sie während der Reise

am Leben. Jedoch können sie auch selbst zur Gefahr werden.

So produzieren einige Dinoflagellaten und Diatomeen

Toxine, welche Muscheln aufnehmen, die wiederum vom

Menschen verzehrt werden.

Was hilft?

Um die Gefahr einzudämmen, die potenziell von mit

Ballastwasser verschleppten Lebewesen ausgeht, gibt es

eine Reihe von Ansätzen, die auch von der International

Maritime Organization (IMO) vorgeschlagen oder vorgeschrieben

werden: zum Beispiel, das Ballastwasser nicht in

der Nacht aufzunehmen, weil viele Organismen dann

besonders aktiv sind, und nicht bei so genannten Roten

Tiden, in denen toxische Einzeller in Massen auftreten.

Dagegen wird die Wasseraufnahme bei Flut empfohlen,

weil dann der Abstand zum Boden wächst und damit die

Wahrscheinlichkeit sinkt, am Meeresgrund lebende

Organismen mit einzutragen.

„Eine weitere Methode ist das Auswechseln des

Ballastwassers auf hoher See“, erklärt Hülsmann. Dies stelle

aber eine starke Belastung für den Schiffsrumpf dar.

Darüber hinaus werden so genannte Hydrozyklonmechanismen

erforscht, die das eingesogene Wasser in

Rotation versetzen, so dass sämtliche Teilchen an den

Rand geschleudert werden und in der Mitte ein sauberer

Wasserstrahl entsteht. „Parallel laufen überall auf der Welt

Versuche, die Organismen gezielt zu töten: Man arbeitet mit

UV-Licht, Ultraschall und Ozonisierung des Wassers und

erzielt damit bereits recht zufriedenstellende Ergebnisse“,

so der Biologe. Gelänge es noch, die Fördermengen des

Wassers entsprechend zu erhöhen, würde das künftig das

Ende für die blinden Passagiere bedeuten.

explore: INFOBOX

BUCHTIPP:

Bernhard Kegel: Die Ameise als Tramp – Von biologischen Invasionen,

München 2001, ISBN 3453184394, (vergriffen)

LINKS:

Seite des Global Ballast Water Management Programme der IMO (englisch):

http://globallast.imo.org/

explore: 1/2007 - 15


Aqua mirabilis

Von Dörte Saße

16 - explore: 1/2007

TECHNIK Aqua mirabilis

In puncto Wasserversorgung ist Deutschland ein Paradies. Das lebenswichtige Nass ist fast

im Überfluss vorhanden und gilt, dank der scharfen Trinkwasserverordnung, als das am besten

kontrollierte Lebensmittel überhaupt. Weltweit jedoch vermelden die UN krassen Wassermangel

und sieht ihn als Kriegsgrund der kommenden Jahrzehnte. Was macht Wasser als

Lebensmittel so einzigartig?

„Sauberes Trinkwasser und bessere

sanitäre Einrichtungen machen

Menschen gesünder, produktiver

und wirtschaftlich erfolgreicher.“

Lee Jong-Wook, Generaldirektor

der Weltgesundheitsorganisation

Der Markt für Mineralwasser ist groß: Neben großen

weltweiten Marken wie Perrier, Vittel oder San

Pellegrino gibt es viele kleine, meist nur regionale

Abfüller. Die Deutschen liegen beim Mineral-

wasserverbrauch in Europas Mittelfeld. Italiener trin-

ken fast doppelt soviel, Griechen nur halb soviel wie

wir, Briten nur ein Viertel und Russen gar

nur ein Zwölftel. Für nationale

Vorlieben ist offenbar weder

das Klima verantwortlich

noch die Qualität der

Wasserleitungen, andern-

orts oft noch Bleirohre.

Sicher ist nur: Wer hierzu-

lande statt der Flasche den

Hahn anzapft, kann sich auf

gute Wasserqualität ver-

lassen. Trinkwasser aus der

Leitung muss hier höhere

Anforderungen erfüllen als

industriell abgepackte

Mineral- und Tafelwässer.


Aqua mirabilis TECHNIK

„Das Prinzip aller

Dinge ist das Wasser, denn

Wasser ist alles und ins Wasser

kehrt alles zurück.“

Thales von Milet (um 625 bis um 547

v. Chr.), griechischer Philosoph

Landtiere und Menschen bestehen zu 60 bis 70

Prozent aus Wasser, zum größten Teil ist es in

Zellen gebunden

„Man kann das Wasser nicht

im Magen aufbewahren

für die Dürre.“

Weisheit aus Ghana

Die verfügbaren Trinkwasserreserven weltweit

betragen 495.000.000.000.000.000 Liter

(495 Billiarden Liter)

„Wasser ist eine

Flüssigkeit, die nicht zum

Trinken da ist, sonst hätte Gott

nicht soviel davon gesalzen.“

Brendan Behan (1923 bis 1964),

irischer Dramatiker

70 Prozent des verbrauchten Süßwassers weltweit

geht in die Landwirtschaft, nur 30 Prozent dient als

Trinkwasser oder zu anderen Zwecken

„Der nächste Krieg im

Nahen Osten wird nicht um

Politik, sondern um Wasser

geführt werden.“

Früherer UN-Generalsekretär Boutros

Boutros Ghali im Jahre 1988

Ein Viertel der Erde ist mit Wasser bedeckt, das

sind etwa 1.650.000.000.000.000.000.000 Liter

(1,65 Trilliarden Liter)

„Für einen klugen Mann

ist Wasser das einzige Getränk.“

Henry David Thoreau (1817 bis 1862),

US-amerikanischer Schriftsteller

Grenzwertig

„Geruch- und farblos“ muss Trinkwasser

sein, darf weder giftige

Substanzen noch krankheitsverursachende

Keime enthalten, außerdem

nicht zu viele Mineralien, aber auch

nicht zu wenig. Es können sich bis zu

1.500 unterschiedliche Substanzen in

einer Wasserprobe finden – von gesunden

Verbindungen bis zu chemischer

sowie biologischer Verschmutzung:

Schwermetalle, Dünger

und Pestizide sowie Bakterien und

Pilze aller Art.

In großen Wasserwerken wachen

eigene Labors über die Einhaltung der

wichtigsten Grenzwerte, bei kleineren

Anlagen kommt ein Prüfer vorbei.

Manche Werte müssen täglich kontrolliert

werden, andere nur wöchentlich

oder einmal im Jahr. Und auch der

selbstversorgende Einsiedlerhof, der

aus dem eigenen Brunnen schöpft,

muss in regelmäßigen Abständen eine

Wasseruntersuchung nachweisen.

Von unten oder oben

Am wenigsten Aufbereitung braucht

Grundwasser, gefolgt von Quellwasser.

Oberflächenwasser stammt

aus Flüssen und Seen, wobei etwa

Rheinwasser schon vorgereinigt ist –

es wird aus dem Boden neben dem

Fluss entnommen, als Uferfiltrat. Doch

im Notfall lässt sich sogar die Brühe

aus dem Abwasserrohr oder dem

Industriekanal wieder zu einwandfreiem

Trinkwasser verarbeiten: Klärwerke

schalten eine ganze Reihe von

mechanischen, chemischen und

mikrobiologischen Prozessen hintereinander,

um Schadstoffe herauszufiltern,

auszufällen und abzutöten. Doch

das so gesäuberte Wasser fließt, aus

Rücksicht auf die Vorbehalte der

Verbraucher, nicht in die Trinkwasserleitungen,

sondern in Flüsse und Seen.

explore: 1/2007 - 17


Manche Algen und Hohltiere bestehen bis zu

98 Prozent aus Wasser

Gefährliche Verkeimung droht ohnehin

nicht in den 400.000 Kilometern

öffentlicher Wasserleitungen, der

Druck ist zu hoch, als dass Bakterien

eindringen könnten. Sie droht direkt

am Wasserhahn: In nur lauwarmem

Wasser können sich lebensbedrohliche

Legionellen vermehren, am Hahn

selbst Bakterien und Pilze ansammeln.

Und besonders gern siedeln Keime,

wenn man nicht aufpasst, auch in den

tragbaren Küchenfiltern, mit denen

manche ihr Trinkwasser noch sauberer

machen wollen.

„Wenn du Wasser trinkst,

denk auch an die Quelle.“

Afrikanische Weisheit

Ganz unten

Über solche Bedenken kann man in

vielen anderen Ländern nur traurig

lachen: In der Dritten Welt ist verunreinigtes

Trinkwasser das Gesundheitsproblem

Nummer eins, täglich

sterben etwa 6.000 Kinder als Folge

von Keimen oder Giftstoffen im

Wasser. Dabei schätzt die Weltgesundheitsorganisation

(WHO), dass

weltweit etwa 1,1 Milliarden Menschen

keine verlässliche Versorgung mit sauberem

Wasser haben. Das heißt, sie

finden im Umkreis von einem Kilometer

nicht genügend Trinkwasser, nämlich

mindestens 20 Liter pro Tag und

Person.

Um dies zu ändern, haben die UN die

Zeit von 2005 bis 2015 zum „Wasser

für das Leben“-Jahrzehnt erklärt.

Mindestens, so das ehrgeizige Ziel,

soll die Zahl der Menschen ohne

Zugriff auf sauberes Trinkwasser dabei

halbiert werden.

Vom gesamten Wasservorrat der Erde sind nur 2,5

Prozent Süßwasser. Davon stehen nur 0,03 Prozent

als Trinkwasser zur Verfügung, der Rest ist im Polarund

Gletschereis gebunden

18 - explore: 1/2007

TECHNIK Aqua mirabilis

„Wer immer die

Wirkungen des Wassers versteht

und in seiner überaus mannigfaltigen

Art anzuwenden weiß,

besitzt ein Heilmittel, welches von

keinem anderen Mittel übertroffen

werden kann.“

Sebastian Kneipp (1821-1897), Pfarrer

und Naturheilkundiger

explore: INFOBOX

Wassergewinnung in anderen Ländern

Meerwasserentsalzung

Arabische Halbinsel

Oberflächen- und Grundwassermengen sind

knapp, Meerwasser kann auf mehrere Arten

vom Salz befreit werden, die Preise für die

Anlagen sinken. Saudi-Arabien gewinnt so

mehr Trinkwasser als jedes andere Land der

Welt. Auch auf Bohrinseln und Schiffen wird

Meerwasserentsalzung praktiziert. Wer das

hochkonzentrierte Salzwasser im Anschluss

wieder ins Meer leitet, gefährdet allerdings

Tiere und Pflanzen. Gleichzeitige Salzgewinnung

ist sinnvoll.

Speicherseen

Indien

Der Monsunregen bringt ausreichend Niederschläge

für das ganze Jahr, wenn er in

Speicherseen aufgefangen wird und langsam

ins Grundwasser versickert. Die uralte

Tradition war schon fast von Hightech-

Methoden abgelöst worden, die jedoch scheiterten;

derzeit besinnt man sich wieder auf

Bewährtes.

Nebelmelken

Chile, Guatemala, Jemen, Nepal, Israel

Wo Wasser fehlt, weil Küstenwolken nicht

abregnen, kann aufsteigender Nebel genutzt

werden. Er entsteht etwa, wenn kalte

Meeresströmungen auf warme Festlandluft

treffen. Netze an den Hügelflanken lassen

feine Nebeltropfen kondensieren und leiten

große Wassermengen ins Reservoir.

Regenwasser sammeln

Weltweit

Auch in Mitteleuropa ist das Sammeln von

Regenwasser gängige Praxis für Gärten, da

Regenwasser weiches, kalkarmes Wasser ist.

Genutzt wird es auch als Brauchwasser für

Haushalte und Landwirtschaft.


Unser Netzwerk

Verbindungen, die Kunden nutzen

19 - explore: 1/2007


TÜV NORD NETZWERK

Mehr zu den mit gekennzeichneten

Themen unter:

www.tuev-nord.de/explore

explore: 1/2007 - 20

Kontakt:

Dr. Guido Rettig

grettig@tuev-nord.de

0511 986-1201

„400 neue Jobs bis 2010 –

Die TÜV NORD Gruppe

entwickelt ständig neue

Produkte und Dienstleistungen,

um wachsende

Kundenwünsche bedienen

zu können.“

Ziele der Unternehmensstrategie von

Vorstand und Aufsichtsrat der TÜV

NORD Gruppe: Bis 2010 sollen 400

neue Arbeitsplätze geschaffen und

250 Millionen Euro für den Ausbau

der Marktanteile investiert werden.

Das Unternehmen peilt für 2010

einen Umsatz von einer Milliarde

Euro an und würde sich somit in der

Spitzengruppe international tätiger

technischer Dienstleister etablieren.

„Vor allem im Industrie- und Lebensmittelbereich

werden wir verstärkt

investieren“, so Dr. Guido Rettig,

Vorstandsvorsitzender der TÜV

NORD Gruppe. „In den internationalen

Märkten verstärken wir unser

Engagement in Südostasien deutlich.

Zudem werden wir außerhalb

unseres Kernmarktgebiets gezielt

Aktivitäten entwickeln.“

„Wir erwarten für den globalen

Inspektions- und Zertifizierungsmarkt

weiterhin ein überdurchschnittliches

Wachstum, daher setzen wir alles

daran, unsere internationale Präsenz

weiter zu stärken“, so Dr. Rettig.

Bereits heute ist das Unternehmen

in 70 Staaten weltweit vertreten,

unter anderem in Korea, wo die TÜV

NORD Gruppe jetzt das Unternehmen

INCOK gekauft hat.

Kontakt:

Markus Bartsch

m.bartsch@tuvit.de

0201 8999-616

„Neue WirelessCabin im

A380 geprüft“

Der neue A380 von Airbus läutet nicht

nur flugtechnisch eine neue Ära der

Luftfahrt ein, sondern auch innerhalb

der Kabine. Die Passagiere finden dort

eine Ausstattung und Technologie vor,

die beispielhaft für künftige Entwicklungen

sein wird. So soll es im

A380 für jeden Passagier während

des Flugs möglich sein, seinen Laptop

oder PDA über drahtlose Kommunikationseinrichtungen

(WLAN) mit dem

Internet (OnAir Connectivity Service)

zu verbinden. Um die IT-Sicherheitsfunktionalitäten

der WirelessCabin

des A380 auf Herz und Nieren zu prüfen,

hat Airbus die Security-Fachleute

von TÜViT beauftragt. In einer virtuell

aufgebauten WirelessCabin-Umgebung

wurden dabei im Rahmen eines

simulierten Acht-Stunden Flugs die

Möglichkeiten eines „Hacker-

Passagiers“ getestet.

Kontakt:

Klaus Bierhoff

kbierhoff@tuev-nord.de

02331 8031-26

„Erster Branchentreff: Die

Zukunft der Logistik“

TÜV NORD Mobilität hat im November

zum ersten TÜV NORD Branchentreff

nach Berlin ins Meilenwerk eingeladen.

Teilnehmer unterschiedlicher

Speditionen und von TÜV NORD

Mobilität nahmen das Forum zum

Anlass, sich über das Thema Logistik

sowie Branchennews auszutauschen.

Drei Referenten regten zur Diskussion

über Trends in der Logistik, Führungsherausforderungen

im Vertrieb und

Anforderungen an die Fuhrpark- und

Logistikbranche an. Die Veranstaltung

soll erneut stattfinden.

Kontakt:

Roger Eggers

reggers@tuev-nord.de

0511 986-2167

„Giga-Trucks können ein

Gewinn für die Transportbranche

sein“

Niedersachsen und NRW bewerten in

Pilotprojekten, ob Fahrzeugkombinationen

bis zu 25,25 Meter per Ausnahmegenehmigung

zugelassen werden

können. Diese Giga-Trucks bestehen

häufig aus einer Sattelzugmaschine

mit einem Sattelanhänger

und einem zusätzlichen Anhänger. Sie

dürfen die Grenze von 40 Tonnen Gesamtgewicht

nicht überschreiten,

können aber dank der größeren

Ladekapazität deutlich mehr leichte

Güter aufnehmen. TÜV NORD Mobilität

würde es begrüßen, wenn durch

weniger Lkw der Verkehr abnähme,

wobei die Auswirkungen im gesamten

Logistiksystem zur Verkehrsinfrastruktur

und gegenüber schwächeren

Verkehrsteilnehmern beachtet werden

müssen.

Kontakt:

Michael Ebsen

mebsen@tuev-nord.de

0511 986-1274

„Handbuch Ladungssicherung

erschienen“

TÜV NORD Mobilität hat das Handbuch

Ladungssicherung herausgegeben.

Aufgrund unzureichender Sicherung

entstehen nicht nur Schäden an

Fahrzeugen und Ladung in Höhe von

etwa 300 Millionen Euro jährlich, es

gibt auch immer wieder Verletzte und

Tote. 25 Prozent der Lkw-Unfälle im

Schwerlastverkehr sind auf mangelhafte

Ladungssicherung zurückzuführen.

Das neue Handbuch für Verlader,

Fuhrparks und Aufbauhersteller, das

bei TÜV NORD Mobilität erhältlich ist,

enthält Wissenswertes von gesetzlichen

Grundlagen bis hin zu Sicherungsmethoden

und zertifizierten

Fahrzeugaufbauten.


Kontakt:

Hans Groothuis

h.groothuis@tuv.nl

0031 (0) 499 339 500

„Wir freuen uns, dass wir mit

Integra einen Partner gefunden

haben, mit dem wir auch

international im Lebensmittelsektor

kompetent und

zuverlässig unsere Dienstleistungen

anbieten können“

Die TÜV NORD Gruppe und Integra

sind eine strategische Partnerschaft

eingegangen. Die TÜV NORD Gruppe

profitiert dabei vom Erfahrungsschatz

Von links nach rechts: Guy Buysse, Geschäftsführer von Integra, Volker Klosowski, Mitglied des

Vorstands der TÜV NORD Gruppe, Frank Williame und Bart Maes, Geschäftsführer von Integra,

besiegeln die strategische Partnerschaft.

Kontakt:

Christine Flöter

cfloeter@tuev-nord.de

0521 786-346

TÜV NORD bietet

Kundenforen zur Zertifizierung

nach IFS“

Der deutsche und französische Einzelhandel

fordert seit 2003 von den

Handelsmarkenlieferanten eine Zertifizierung

nach dem International Food

Standard (IFS). Seit Beginn ist TÜV

NORD CERT hierfür eine zugelassene

Zertifizierungsstelle und bietet zusätz-

von Integra bei Lebens- und Futtermitteln,

und das belgische Unternehmen

erhält Zugang zum Know-how

und den Gesellschaften der TÜV

NORD Gruppe weltweit.

Integra überwacht als unabhängige

Organisation zur Kontrolle und Zertifizierung

von Produkten und Dienstleistungen

unterschiedliche Standards

wie zum Beispiel Eurepgap und IFS

und bescheinigt Unternehmen deren

Einhaltung. Integra arbeitet in 16

Ländern mit unterschiedlichen Zertifizierungsstellen

zusammen, darunter

TÜV Hellas und TÜV NORD Danmark,

beides Unternehmen der TÜV NORD

Gruppe.

lich Kundenforen an, in denen Änderungen

zum IFS, aktuelle Vorkommnisse

sowie Entwicklungen vermittelt

werden.

Auch lädt man zusammen mit externen

Instituten, wie Food Processing in

Bielefeld, zu gern genutzten Kundenforen

ein. TÜV NORD CERT ist ebenso

für den BRC Food, den BRC IOP

und den BRC Consumer Product im

British Retail Consortium (BRC) zugelassen

und als anerkannte Zertifizierstelle

beim britischen Lebensmitteleinzelhandel

ASDA registriert.

Weiterhin erkennt TESCO die IFS-

und BRC-Zertifikate von TÜV NORD

CERT an.

TÜV NORD NETZWERK

Kontakt:

Wilfried Schwampe

wschwampe@

tuev-nord.de

040 8557-2563

„Ringversuch: Geruchsintensitäten

beurteilen“

TÜV NORD Umweltschutz hat sich

neben sechs anderen Instituten an

einem Ringversuch im Auftrag des

Umweltbundesamts beteiligt, mit

dem Ziel, ein Verfahren zur Messung

von Gerüchen aus Materialproben

zu erarbeiten. Vom Ausschuss zur

gesundheitlichen Bewertung von

Bauprodukten (AgBB) liegt ein Bewertungsschema

zur Beurteilung

der Emissionen flüchtiger und

schwerflüchtiger organischer Stoffe

aus Bauprodukten vor. Es ist ein

Instrument, mit dem Bauaufsichtsund

Gesundheitsbehörden die gesundheitliche

Bewertung von Bauprodukten

mit einheitlichen Kriterien

vornehmen können. Die Ergebnisse

des Ringversuchs dienen zur Umsetzung

der vom AgBB vorgesehenen

Geruchsbewertung.

Kontakt:

Jürgen Millhoff

jmillhoff@tuev-nord.de

040 8557-2514

„3. Windenergiesymposium“

Beim 3. Windenergiesymposium der

TÜV NORD Gruppe in Hamburg hat

das Unternehmen seine Stellung als

einer der führenden Zertifizierer von

Windenergieanlagen und Rund-um-

Dienstleister unterstrichen. Themen

waren unter anderem die Besonderheiten

der IEC 61400, Ed. 3 sowie

mesoskalige Modelle für die Bestimmung

des Jahresenergieeintrags

von Windenergieanlagen. Der Branchentreff

befasste sich auch mit Turbulenzen

und ihre Bedeutung für

Windenergieanlagen, welche die

Universität Oldenburg mit einem

neuen mathematischen Verfahren in

wesentlich kürzerer Zeit als bisher

untersuchen kann.

21 - explore: 1/2007


TÜV NORD NETZWERK

explore: 1/2007 - 22

Kontakt:

Jürgen Farsbotter

jfarsbotter@

tuev-nord.de

0201 825-2597

„Gefahr durch Industrieanlagen

thematisiert“

Die Fachtagung „Sichere Industriestandorte

in NRW“ im November

hat das Spannungsfeld der räumlichen

Nähe von gefährlichen Industrieanlagen

zur Bevölkerung als

Schwerpunktthema beleuchtet. Auf

diesem Gebiet ist die Arbeitsgruppe

„Störfallvorsorge“ von TÜV NORD

Systems seit Jahren erfolgreich

tätig. Mitarbeiter von TÜV NORD

Systems sind sowohl kompetente

Ansprechpartner für Bauplanungsund

Umweltbehörden als auch für

Betreiber gefährlicher Anlagen.

Gutachten, die Konflikte identifizieren

und berechnen, setzen dabei

Rahmenbedingungen für künftige

Stadt- und Standortentwicklungen.

Maßnahmen zur Konfliktbewältigung

werden in Abstimmung mit

allen Beteiligten erarbeitet.

Kontakt:

Bodo Hintze

bhintze@

tuev-nord.de

040 42930121

„Psychologische Akut-

Interventionen und

Notfallpsychologie“

Unfälle oder Überfälle haben oft

psychische Folgen und können die

Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit

negativ beeinflussen. Nord-Kurs

entwickelte daher ein Angebot, das

unter anderem über Berufsgenossenschaften

und Unfallkassen

wahrgenommen werden kann. Ziel

ist es, Opfern qualifizierte Unterstützung

anzubieten, um der Entwicklung

chronischer Leidenszustände

vorzubeugen. Oft genügen schon

wenige Gesprächstermine mit

einem der etwa 80 erfahrenen

Fachleute, um Bewältigungsmöglichkeiten

zu aktivieren.

Kontakt:

Tuesday Porter

tporter@tuev-nord.de

0201 825-2118

„Das neue TÜV NORD-Prüfzeichen

kennzeichnet die

Qualität von Dienstleistungen

und Produkten“

Das neue Prüfzeichen-Konzept ist

erfolgreich umgesetzt und in den

Markt eingeführt. Die jetzt einheit-

lichen Prüfzeichen dienen Kunden

der TÜV NORD Gruppe als Qualitätsnachweis

und Endverbrauchern als

neutrale, verlässliche Information bei

der Auswahl von Produkten. Prüfzeichen

der TÜV NORD Gruppe gibt es

nicht nur in Deutschland, sondern

weltweit.

Das neue Prüfzeichen wurde in vielen Bereichen bereits erfolgreich eingeführt. Bei der

Schülerhilfe wird das Zeichen in vielen Werbematerialien, von der Broschüre über Stellwände

bis hin zu Postern, eingebunden.

Kontakt:

Stephan Kuß

skuss@tuev-nord.de

0201 825-2412

„Komprimierte Informationen

zur Gebäudetechnik“

Während des 2. TÜV NORD Gebäudetechniksymposiums

in Hamburg

haben mehr als 150 Teilnehmer

unter anderem über die neue Hamburger

HafenCity, Energieausweise für

Gebäude und Liftmanagement diskutiert.

Energieausweise sollen es

ermöglichen, den Energieverbrauch

eines Gebäudes auf einen Blick zu

ermitteln und die Kosten transparenter

zu gestalten. Sie sind ein wichtiges

Instrument zur Energieeinsparung und

somit für den Klimaschutz.

Der Referentenentwurf zur Novellierung

der neuen Energieeinsparverordnung

ist im November vergangenen

Jahres veröffentlicht worden. Er

regelt zum Beispiel Anforderungen an

den sommerlichen Wärmeschutz.

Die TÜV NORD Gruppe unterstützt

Immobilienbesitzer bei der Umsetzung

der Forderungen.


Kontakt:

Michael Eck

prodcert@tuev-nord.de

0201 825-3467

„Akkreditierung für das CB-

Verfahren“

TÜV NORD CERT hat jetzt als Zertifizierungsstelle

die Akkreditierung für

das Certification Bodies-Verfahren

(CB) erhalten und erwartet dies in diesem

Jahr auch für das Prüflabor. Für

Produktzertifizierung ist es das einzige

internationale Verfahren für die

gegenseitige weltweite Anerkennung

von Prüfergebnissen zur Erlangung

nationaler Prüfzeichen. Hersteller können

bei jedem anderen am CB-Verfahren

teilnehmenden Mitgliedsinstitut

eines anderen Landes die nationalen

Prüfzeichen erlangen. Somit dient das

Verfahren dem Abbau internationaler

Handelshemmnisse und vermeidet

Mehrfachprüfungen nach identischen

Standards. Zurzeit wird das Verfahren

in 45 Mitgliedsländern betrieben, in

denen über 200 Prüflabore für die

Erstellung der CB-Prüfberichte und

58 nationale Zertifizierungsstellen für

die Ausstellung der CB-Zertifikate

verantwortlich sind.

Kontakt:

Holger Adams

hadams@tuev-nord.de

040 8557-2744

„Symposium Tank- und

Druckbehälterfahrzeuge während

der IAA“

Während der 61. IAA Nutzfahrzeuge

im September vergangenen Jahres

hat TÜV NORD Industrieberatung ein

Automotive Symposium veranstaltet,

das sich an Hersteller und Nutzer von

Tank- und Druckbehälterfahrzeugen

gerichtet hatte. Referenten boten die

Themen Schäden, Haftungsrisiken

und Reparaturmaßnahmen an. Insgesamt

beteiligten sich über 30 interessierte

Fachbesucher, darunter Vertreter

aller großer Herstellerfirmen sowie

einiger großer Speditionen.

Kontakt:

Jürgen Mulisch

jmulisch@tuev-nord.de

040 8557-2348

„Risk Based Inspection-

Konzepte eignen sich, um

Anforderungen aus der

Betriebssicherheitsverordnung

unter Berücksichtigung

betrieblicher Rahmenbedingungen

zu erfüllen“

Zum ersten TÜV NORD Raffineriesymposium

im vergangenen September

haben sich etwa 70 Branchenkenner

der Öl- und Gaswirtschaft in Hamburg

getroffen. Auf Einladung des

Geschäftsfelds Industrieberatung referierten

hochkarätige Fachleute von BP,

NWO und Shell zu Themen der

Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit

in Raffinerien. Risk

Based Inspection (RBI)-Konzepte bildeten

dabei den Schwerpunkt. Der

Inspektionsbedarf erschließt sich aus

der Zustandsbewertung von Anlagenteilen

und aus deren Risikobewertung,

die aufgrund der Erfahrungen aus der

Überwachung von Anlagen gut abschätzbar

ist. Der Nutzen für Kunden:

Durch Veränderung der Prüfintervalle

reduzieren sich Stillstandszeiten und

somit Kosten.

Branchenmanager Jürgen Mulisch referierte

beim ersten TÜV NORD Raffineriesymposium

über aktuelle Themen der Branche.

TÜV NORD NETZWERK

Kontakt:

Wolfgang Wielpütz

wwielpuetz@

tuev-nord.de

0201 825-3334

„Änderungen für die zweite

Runde des Emissionshandels

von 2008 bis 2012“

Für den Kohlendioxid-Ausstoß sind

Zertifikate erforderlich. Der Nationale

Allokationsplan enthält Regeln für

deren Zuteilung an teilnehmende

Unternehmen. Die Verteilung erfolgt

nach Erfahrungswerten der ersten

Periode.

In die zweite Emissionshandelsperiode

werden auch neue Anlagentypen,

jedoch nur große Emittenten,

einbezogen. Hierzu zählen zum

Beispiel Anlagen der mineralverarbeitenden

Industrie und Chemiewerke.

Emittiert eine Anlage mehr,

sind Zertifikate zuzukaufen, bei

geringerem Ausstoß können diese

verkauft werden. Notwendige

Emissionsberichte seit 2006 sind

von einem zugelassenen Umweltgutachter

wie TÜV NORD CERT

zu verifizieren.

Das Kyoto-Protokoll schreibt verbindliche

Ziele für die Verringerung

des Ausstoßes von Treibhausgasen

fest. Der davon abgeleitete und

2005 begonnene Handel mit Emissionsrechten

gilt für alle Staaten der

erweiterten Europäischen Union.

Die deutschen Industrieunternehmen

müssen in der ab 2008 beginnenden

zweiten Runde des Emissionshandels

ihren Ausstoß von

Kohlendioxid fast achtmal stärker

reduzieren als in der ersten

Periode.

23 - explore: 1/2007


TÜV NORD NETZWERK

explore: 1/2007 - 24

Kontakt:

Dr. Johann Josef

Hanel

jhanel@tuev-nord.de

0511 986-2600

„Beglaubigte

Nachhaltigkeitsberichte:

Noch keine Pflicht – aber

sinnvoll“

Immer mehr Unternehmen streben

mit der Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts

eine öffentlichkeitswirksame

Darstellung der drei

Dimensionen ihres Wirtschaftens an:

Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Derartige Berichte fordern zunehmend

auch Share- und Stakeholder.

Sie sind aber nur dann sinnvoll,

wenn sie von unabhängiger Stelle

nach internationalen Standards

begutachtet werden, um die Glaubwürdigkeit

zu gewährleisten.

Hinsichtlich der ökonomischen

Aspekte kann dabei auf die wirtschaftsrechlichen

Ergebnisse (testierte

Geschäftsberichte) zurückgegriffen

werden. Für die Darstellung

der ökologischen Aspekte eignen

sich hervorragend die durch Umweltgutachter

nach dem Umweltauditgesetz

für gültig erklärten Umwelterklärungen

nach EMAS, an die

leicht die sozialen Aspekte gemäß

den GRI-Richtlinien angedockt werden

können. Die Global Reporting

Initiative hat 2002 Leitlinien mit ökonomischen,

ökologischen und sozialen

Indikatoren (Sustainability

Reporting Guidelines) zum Managementsystem,

zum Organisationsprofil

und zur Führungsstruktur vorgelegt.

Die Richtlinien sollen nachhaltige

Entwicklung weltweit unterstützen

und gleichzeitig unter anderem

Firmen, Regierungen, Investoren

und Arbeitnehmern eine Entscheidungshilfe

bei Fragen zu nachhaltiger

Entwicklung sein.

Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen

können mit diesen Leitlinien

begutachtet werden. TÜV NORD

CERT Umweltgutachter hat jetzt

erstmalig einen solchen Bericht von

Stryker Trauma in Schleswig-

Holstein geprüft.

Kontakt:

Hendrik Schorcht

hschorcht@

tuev-nord.de

030 201 774-566

„Aviation-Kongress:

Verbesserung der Sicherheit

in der Luftfahrt“

Hendrik Schorcht, Projektkoordinator

bei TÜV NORD Aviation, hat während

eines dreitägigen Kongresses über

Risikobewertung und Sicherheitsmanagementsysteme

in der Luftfahrt

an Flughäfen sowie über die Entwick-

lungen hierzu in Deutschland und der

EU referiert. Dies geschah vor vielen

Luftfahrtfachleuten auf Einladung der

amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA

in New Jersey.

Diese hochrangig besetzte internationale

Konferenz diente den Fachleuten

als zentrales Forum zum Erfahrungsaustausch

und insbesondere auch

dem Aufbau von Know-how zum

Aufbau integrierter Managementsysteme

in der Luftfahrt. 250 Sachverständige

aus unterschiedlichen Luftfahrtunternehmen

und -behörden aus

dem In- und Ausland nahmen teil.

Dreitägige „Konferenz über Risikobewertung und Sicherheitsmanagementsysteme in der

Luftfahrt“ in New Jersey.

Kontakt:

Gerhard M. Rieger

grieger@tuev-nord.de

0821 450954-4280

„Neuer Standard für

elektrische und elektronische

Systeme“

In unterschiedlichen Branchen steuern,

überwachen oder ersetzen elektronische

Komponenten immer mehr

mechanische. Dadurch steigt die

strukturelle Komplexität der Systeme.

Der internationale Standard IEC

61508 (VDE 0803) wurde als „Meta-

Norm“, also als generischer Standard,

für die Entwicklung von sicherheitsrelevanten

elektrischen, elektronischen

und programmierbaren elektronischen

Systemen entwickelt und ist als

Grundlage für die Entwicklung künftiger

sektorspezifischer Normen und

Produktnormen vorgesehen. TÜV

NORD SysTec bietet der Industrie

Hilfe bei der Entwicklung, Prüfung

und Zertifizierung sicherheitsrelevanter

Systeme an.

Kontakt:

Reinhard Bühl

„Brandschutz in der

Bahntechnik“

rbuehl@tuev-nord.de

0511 986-1774

Im vergangenen September hat die

TÜV NORD Gruppe im Rahmen des

zweiten Verkehrstechniktags von

Phoenix Contact das Thema Brandschutz

in der Bahntechnik behandelt.

Phoenix Contact ist ein führender

Spezialist für elektrische und elektronische

Automatisierungstechnik. Etwa

80 internationale Fachleute aus 16

Ländern nahmen teil. Stefan Andree,

Sachverständiger im Geschäftsfeld

Bahntechnik der TÜV NORD Gruppe,

erläuterte während der Veranstaltung

in Blomberg wesentliche Grundsätze,

Aspekte und Normen des Brandschutzes

im Bahnbereich. Im Rahmen

einer Hausmesse informierte die TÜV

NORD Gruppe außerdem über ihr

umfangreiches Dienstleistungsangebot

für die Bahntechnik.


Kontakt:

Stefan Koszewski

skoszewski@

tuev-nord.de

0511 986-2054

„Tuning: Längst keine

Männerdomäne mehr“

Barbara Langenberger aus Lauf bei

Nürnberg hat mit ihrem Audi A4 1.8T

Avant quattro den Tuning-OsCAR

2006 und damit 3.000 Euro gewonnen.

TÜV NORD Mobilität hatte den

Preis in einem Tuning-Wettbewerb für

Frauen ausgelobt. Eine fachkundige

Gerald Mlinski (von links), Roger Eggers und Herbert Tenbrock von TÜV NORD Mobilität waren

als Mitglieder der Fachjury beim Tuning-OsCAR 2006. Barbara Langenberger (rechts) präsentiert

den Siegerwagen vor der Jury.

Kontakt:

Dr. Gerhard Dreier

gdreier@tuev-nord.de

040 8557-2262

„Referate reflektierten das

breite Know-how der TÜV

NORD Gruppe

Über 130 Teilnehmer waren beim 2.

Kraftwerkssymposium NRW in Gelsenkirchen

dabei. Ausrichter waren

TÜV NORD Industrieberatung und das

Kompetenznetzwerk Kraftwerkstechnik

NRW. Den Themenschwerpunkt

bildete der Neu- und Umbau

von Kraftwerken vor dem Hintergrund

Jury traf unter den zehn vorausgewählten

Favoriten ihre Wahl. Insgesamt

meldeten fast 80 Teilnehmerinnen

ihre Autos an. „Sie nahm das

Tuning nicht nur bei der Leistung,

sondern auch beim Fahrwerk, der

Technik und nicht zuletzt optisch vor“,

sagte Roger Eggers, Kfz-Sachverständiger

und Tuning-Fachmann von

TÜV NORD Mobilität. Der Audi war

während der Essen Motor Show im

Dezember zu bewundern. Der Verband

Deutscher Automobil Tuner

VDAT zeichnete TÜV NORD Mobilität

mit dem Innovationspreis aus, der an

besonders innovative Ideenträger im

Bereich Tuning vergeben wird.

künftiger erheblicher Investitionen.

Neben Zulassungserfordernissen für

Neustandorte wurde unter anderem

das Thema Optimierung von Prüffristen

für Kraftwerke erläutert.

Beim 3. brandenburgischen Kraftwerk-Forum

in Schwedt kamen

zudem 120 Teilnehmer aus dem Inund

Ausland zusammen, um sich

unter anderem über die Themen

Energieeffizienz und Klimaschutz auszutauschen.

Sachverständige der TÜV

NORD Gruppe berichteten über neu

entwickelte Inspektionsverfahren und

aktuelle Erfahrungen aus der Emissionsüberwachung.


TÜV NORD NETZWERK

Kontakt:

Helge Schmidt

hschmidt@

tuev-nord.de

0201 825-4126

„Umweltgerechte Mobilität“

Im Auftrag des schwedischen Verkehrsministeriums

untersucht jetzt

das Institut für Mobilität von TÜV

NORD Mobilität in Essen, wie sich

das Abgasverhalten moderner Pkw

und leichter Nutzfahrzeuge im realen

Straßenverkehr darstellt und

welchen Einfluss Fahrleistung, Fahrverhalten

und Fahrzeugalter auf die

Abgasemissionen haben. An Testfahrzeugen

werden dazu Messungen

der Abgasemissionen unter

unterschiedlichen Fahrbedingungen

vorgenommen. Fragen zu Kraftstoffverbrauch,Verdunstungsemissionen

aus dem Kraftstoffsystem,

Partikelmasse und -anzahl

sind unter anderem zu klären.

„Neue Führung in

Tschechien“

Kontakt:

Dr. Miloˇs Kuˇzvart

kuzvart@tuev-nord.cz

+420 296 587 201

Dr. Miloˇs Kuˇzvart, ehemaliger Umweltminister

von Tschechien, ist

neuer Geschäftsführer von TÜV

NORD Czech. Das Unternehmen

besteht 15 Jahre.120 Mitarbeiter in

acht Branchen übernehmen unter

anderem Aufgaben der Inspektion

und Zertifizierung. Der studierte

Geologe und Geochemiker arbeitete

in der Forschung, als Direktor im

EU Phare-Programm der Tschechischen

Republik und als Auditor bei

der damaligen RWTÜV Praha, s.r.o.

Dr. Miloˇs Kuˇzvart setzt sich unter

anderem zum Ziel, das tschechische

Unternehmen noch bekannter

zu machen und mehr Zuschläge für

Großprojekte zu gewinnen.

25 - explore: 1/2007


TÜV NORD NETZWERK

explore: 1/2007 - 26

Kontakt:

Norbert Gerdes

norbert.gerdes@

ere.de.bp.com

0591 611- 2312

„Turnaround in Raffinerie

Lingen abgeschlossen“

Zum ersten Mal in der 50-jährigen

Geschichte der Raffinerie Lingen

wurde eine Gesamtrevision aller

Anlagen vorgenommen. Die Abnahmen

im Rahmen des Turnaround

in der BP Raffinerie Lingen

nahmen 43 Sachverständige der

TÜV NORD Gruppe vor.

Innerhalb der 21-tägigen Stillstandszeit

prüften sie etwa 2.000

Behälter, Wärmetauscher und Kolonnen

sowie 2.500 sicherheitstechnisch

wichtige Armaturen

und ungefähr 6.700 untergeordnete,

aber für den Betrieb wichtige,

andere Bauteile.

Eine besondere Herausforderung

bestand darin, die gesamte Dokumentation

der Revision durch die

Mitarbeiter der TÜV NORD Gruppe

in gleicher Zeit, mit maximal zwei

Tagen Verzögerung, in den Lebenslauf

des Equipments im SAP-Dokumentensystem

einzutragen.

Mit Abschluss der Montagearbeiten

konnte die Genehmigung zum

Weiterbetrieb der Anlage für fünf

Jahre freigegeben werden. In Zusammenarbeit

mit der TÜV NORD

Gruppe wurden alle Ziele erreicht

und alle Anlagen konnten wie geplant

und ohne Verzögerung wieder

in Betrieb genommen werden.

Kontakt:

Volker Thiel

vthiel@tuev-nord.de

040 8557-2323

„Sichere und kostenoptimierte

Brandschutzkonzepte“

Die Bedeutung des Themas Brandschutz

hat spätestens seit dem

Flughafenbrand in Düsseldorf 1996

stark zugenommen. Seitdem hat die

TÜV NORD Gruppe konsequent

umfassende Kompetenz im Brandschutz

aufgebaut.

Bauaufsichtsbehörden fordern für

Sonderbauten, wie zum Beispiel

Industriegebäude, Brandschutzkonzepte.

Für die Erstellung derartiger

Konzepte und die Prüfung von

Brandschutzanlagen hat die TÜV

NORD Gruppe behördlich anerkannte

Brandschutzsachverständige.

Mit modernen Methoden zur Evakuierungsberechnung

und Brandsimulation

sind sie bestens vertraut. Ein

visualisiertes Brandschutzkonzept

erarbeiteten Sachverständige unter

anderem auch für das neue Ozeaneum

in Stralsund.

MESSEN 2007 – Treffpunkt (Auszug aus dem Messekalender)

Auto 2007

23. bis 25. März, Messehallen Rostock, Automobilausstellung

VDA Technischer Kongress 2007

28. und 29. März, BMW München

„Geschäftsfeld Aviation

unter neuer Leitung“

Das Geschäftsfeld Aviation leitet jetzt

Stephan Kösling. In diesem Jahr wird

sich das Geschäftsfeld erstmals auf

den wichtigsten nationalen und internationalen

Events der Branche präsentieren.

Mit innovativen Produkten

und Referenzen soll die Position

gefestigt und ausgebaut werden. Eine

Auszeichnung im Rahmen des Wettbewerbs

„Deutschland – Land der

Ideen“ ist der TÜV NORD Aviation

schon sicher.

Die schwierigen Herausforderungen

der Luftfahrtbranche sind in Form von

Liberalisierung, Harmonisierung und

auch Bedrohung nur in ihrer Komplexität

und Vernetztheit zu betrachten.

TÜV NORD Aviation baut diese

Netzwerkstrukturen auf und fungiert

als Bindeglied zwischen Luftfahrtindustrie,

Wissenschaft und Politik.

Powtech/ExploRisk 2007

27. bis 29. März, Messe Nürnberg, Halle: 7, Stand: 7-131, internationale

Fachmesse für Explosionsschutz und Anlagensicherheit

Hannover Messe 2007

16. bis 20. April, Messe Hannover, Halle: 13, 16 und 27

Bauma 2007

23. bis 29. März, Messe München, Halle: A7, Stand: A7.304

EWEC 2007, Europe wind energy event

7. bis 10. Mai, Mailand

Kontakt:

Stephan Kösling

skoesling@

tuev-nord.de

030 201774-564


Es brennt, es brennt! WISSEN

Es brennt, es brennt!

Von Dörte Saße

Warum eigentlich entstehen

Hitze und Licht, Rauch und

Asche? Feuer ist eine

Kombination aus chemischen

und physikalischen Vor-

gängen. Wissenschaftlich for-

muliert: „Die Oxidation einer

reaktionsfähigen Substanz

unter Bildung von Flammen

und/oder Glut“. Oder: Ein

Brennstoff reagiert chemisch

mit Sauerstoff. Zum Zünden

ist Wärme nötig, dann setzt

die Reaktion selbst Wärme

frei und läuft allein weiter,

während der Brennstoff sich

zersetzt.

explore: 1/2007 - 27


Drei Dinge braucht der Brand

Ob Elektrobrand, Öl-Inferno oder Kaminfeuer – jedes Feuer

braucht drei Zutaten: Brennstoff, Sauerstoff und Wärmeenergie.

Fehlt eine der drei, kann kein Feuer entstehen.

Geht eine zur Neige, erlischt es. Hier liegt das Geheimnis

aller Löscharbeiten.

Der Brennstoff besteht vor allem aus Kohlenstoff und

Wasserstoff und kann viele Formen annehmen: fest, flüssig

oder gasförmig, vom leichten Wasserstoff über Wachs, Öl,

Holz und Kunststoff bis zu Metallen – bei hoher Temperatur.

Der Sauerstoff in passender Menge kommt meist aus der

Umgebungsluft. Er kann aber auch beim Verbrennen aus

Oxiden oder gar aus Wasser frei werden. Die Wärmeenergie

ist nötig, um das Feuer zu starten – ob durch

Reibungshitze, Funkenschlag oder brennenden Zunder.

Zündgefährlich

Jeder Brennstoff hat einen Zündpunkt, eine Temperatur, ab

welcher die Substanz sich selbst entzündet und eigenständig

weiter brennt. Das reicht von 60 Grad bei weißem

Phosphor über 175 Grad bei Zeitungspapier, ab 200 Grad

bei Kunststoff, ab 280 Grad bei Holz, 300 Grad bei Fett,

490 Grad bei Mehl, 500 Grad bei Autobenzin und mehreren

tausend Grad bei Metallen.

Deutlich niedriger liegt der Flammpunkt: Flammen sind

brennende Gase, Dämpfe oder Schwebteilchen. Flüssig-

28 - explore: 1/2007

WISSEN Es brennt, es brennt!

keiten und feste Körper müssen also erst verdampfen oder

fein verstäuben – etwa siedendes Kerzenwachs oder

Mehlstaub. Der Flammpunkt ist jene Temperatur, bei der

genügend Teilchen mit der Luft gemischt sind. Bei

Autobenzin liegt er bei minus 45 Grad, bei Alkohol bei 13

Grad, bei Diesel über 65 Grad. Ein Funken am Benzintank

ist also auch im Winter gefährlich.

Feuer und Flamme

Nicht jedes Feuer hat Flammen. Vor allem Feststoffe verbrennen

ganz ohne Flammen. Anderen Substanzen fehlt

der Sauerstoff für die Flammenbildung, wenn er gerade so

für die chemische Reaktion reicht: Dann entsteht ein

Schwelbrand – der aber bei Sauerstoffzufuhr schnell und

gefährlich aufflammen kann.

Feuer unter Wasser

Taucher nutzen statt wasserfester Taschenlampen auch

mal strahlend helle Unterwasserfackeln. Ihr Magnesium

oder Aluminium brennt bei etwa 2.400 Grad. Wasser kann

dies nicht löschen, es wird vielmehr zersetzt und liefert

dabei zusätzlich etwas Sauerstoff. Doch den Fackeln sind

Oxidationsmittel beigemischt, die viel Sauerstoff direkt freisetzen

und die Flamme heiß und hell halten. Je nach Zusatz

färbt sich die Flamme auch rot oder blau. Statt Löschen der

Fackel empfiehlt sich das Abhacken, damit der Brennstoff

ausgeht.


Dem Feuer auf den Leib rücken WISSEN

Dem Feuer auf den Leib rücken

Von Dörte Saße

Im Weltall, zu Lande und in der Luft – der Kampf gegen Waldbrände

findet auf vielen Ebenen statt und kombiniert uralte Methoden mit

moderner Technik.

explore: 1/2007 - 29


Damals wie heute

„Mosaik-Brandwirtschaft“ betrieben

die Ureinwohner Zentral-Australiens:

An windstillen Tagen umzingelten sie

einzelne Steppenflächen und setzten

sie in Brand. Das Feuer konnte nicht

um sich greifen, doch lieferte es der

Erde Aschedünger und startete neue

Pflanzengenerationen – Pyrophyten

(Feuerpflanzen), öffnen ihre Samenkapseln

überhaupt nur durch

Brandhitze. Vor allem aber: Wenn später

wilde Feuerwalzen über die

Landschaft rollten, durch Blitzschlag

entstanden und von Winden vorangepeitscht,

fanden sie hier keine Nahrung

mehr – fliehende Tiere hingegen eine

sichere Zuflucht.

Auch heute begegnet man in

Australien immer wieder schwarzen

Flächen verkohlter Vegetation, selbst

oder besonders in der Nähe von

Wohngebieten: Australiens einheimische

Pflanzen sind Feuer gewohnt,

schnell bricht wieder Grün hervor. Und

Australiens Feuerschützer werden

regelmäßig zu Brandstiftern, um Waldund

Buschflächen kontrolliert von

Totholz und wucherndem Gestrüpp zu

befreien – und Platz für weniger

wuchernde Arten zu schaffen.

30 - explore: 1/2007

Abbrennen oder nicht?

Nicht immer verhindert das Feuermanagement

Katastrophen: Auch

Australien meldet Tote, wenn zu

Dürrezeiten Blitze einschlagen und

starke Winde das Feuer rasch vorantreiben.

Doch die Vorbeuge-Methode

scheint rundum wirksamer zu sein als

das in den USA praktizierte „Ersticken

im Keim“. Auch dort hatten die Ureinwohner

einst kontrolliertes Abbrennen

betrieben – doch derzeit versucht

man vor allem, auch kleine

Waldbrände schnellstmöglich zu

löschen.

Dabei melden Feuerschützer und

Botaniker erhebliche negative Folgen:

„In den vergangenen Jahrzehnten wurden

Brände systematisch unterdrückt,

mit der Folge, dass jetzt in den

Wäldern überall kleinere Bäume und

Büsche wuchern, die extrem brennbar

sind“, beklagt der Ökologe Mike

Dombeck von der University of

Wisconsin. Behörden trügen damit

eine Mitschuld an den katastrophal

wütenden Großfeuern der vergangenen

Jahre. Die natürliche Reinigung

der Wälder werde gehemmt, kontrolliertes

Abbrennen nur selten praktiziert,

und obendrein fehlten die großen

und feuerbeständigen Bäume, weil sie

Sägen zum Opfer fielen.

WISSEN Dem Feuer auf den Leib rücken

Globale Feuerlandschaft

Auch im Rest der Welt brennt es regelmäßig,

von afrikanischen Savannen

über tropische Regenwälder in Dürrezeiten

bis zur nordischen Taiga. Je

nach Landschaft und Bevölkerungsdichte

müssen Brandschützer die am

besten geeigneten Maßnahmen abwägen.

Während in Nordamerika meist

der ganze Wald bis in die Kronen

Feuer fängt, bleibt es in sibirischen

Nadelwäldern meist bei Bodenbränden.

Im relativ dicht besiedelten

Mittelmeerraum ist akute Brandbekämpfung

häufig dringlich, aber

schwierig: „In diesen Regionen ist es

relativ gebirgig, und die Flammen streben

an Hängen im heißen Aufwind wie

in einem Kaminschlot nach oben“, so

Georg Pless, Brandfachmann vom

Institut der Feuerwehr Sachsen-

Anhalt. Ein kräftiger Mistralwind zur

sommerlichen Dürre macht das

Löschen fast aussichtslos.

Die Kunst des Löschens

Pless kennt sich aus mit den effektivsten

Löschtechniken: Standard sind

heute Löschflugzeuge, die bis zu 30

Tonnen Süßwasser im Minutentakt auf

die Brandränder werfen. Salzwasser

könnte in der Feuerhitze Dioxine bilden.

Als Brandverzögerer werden oft

Phosphate und andere Tenside beige-

Nach einem Waldbrand ist fast die gesamte Vegetation zerstört. Die Asche dient jedoch als nährstoffreicher Dünger und bereitet einen fruchtbaren

Nährboden für neue Pflanzengenerationen.


Dem Feuer auf den Leib rücken WISSEN

Unterschiedliche Techniken, von Sprengschläuchen, das Graben von Schneisen bis hin zu

Löschflugzeugen, werden eingesetzt, um Waldbrände zu löschen.

mischt, welche die Natur nicht dauerhaft

belasten, aber das Holz kurzfristig

weniger brennbar machen. Generell

versuchen Brandbekämpfer, die Flammenfront

auf Hindernisse wie Seen

oder kahle Bergketten hin zu lenken.

Bremsen sollen auch so genannte

Sprengschläuche am Boden, die auf

Knopfdruck explodieren und große

Wassermengen abgeben. Doch nach

wie vor sind zahlreiche Helfer am Boden

gefordert, die den Funkenflug eindämmen,

noch glimmende Glutherde

ersticken oder von Brennmaterial freie

Schneisen graben, die das Feuer nicht

überspringen kann.

Russische Forscher haben zu diesem

Zweck ferngesteuerte Grabe-Roboter

entwickelt. Die Pkw-großen Geräte

sollen in Fallschirm-Containern nahe

der Feuerfront abgeworfen werden

und koordiniert, auch bei großer Hitze

noch, eine breite Schneise parallel zur

Front graben. In unwegsamem Gebirge

dürften die Roboter allerdings

Schwierigkeiten bekommen. Kalifornische

Entwickler haben demgegenüber

eine andere Idee: Sie halten

riesige Zeppeline für denkbar,

deren Tanks bis zu einer Millionen Liter

Wasser halten können. Diese sollen

über dem Feuer in Position bleiben

und flächigen Dauerregen abgeben,

während Helikopter sie ständig nachfüllen.

Eine Flughöhe von etwa 1.200

Metern soll vor Hitze und Luftturbulenzen

schützen.

Hightech im All

Doch ob Löschen oder Brennenlassen

– ein frühzeitiges Erkennen von Waldbränden

ist sinnvoll: Deshalb helfen

seit mehreren Jahren Infrarot-Sensoren

auf immer mehr Satelliten,

Waldbrände dank der abgestrahlten

Hitze zu erkennen und zu melden. Das

Rapid Response System der Nasa

etwa übermittelt den Ort des Brandherds

samt Ausbreitungsrichtung

minutenschnell und auf bis zu 250

Meter genau zur Erde. Die Feuerkämpfer

finden die Daten dann auf

einer aktuellen Internet-Landkarte.

Um die wissenschaftliche Bewertung

und Hintergrundinformation kümmert

sich seit den 1970er-Jahren die

Forschungsdisziplin Feuerökologie.

Forscher der Universität Karlsruhe liefern

jetzt, angesichts steigender

Ölpreise, einen dritten Weg zum

Waldmanagement: Statt das Tot- und

Unterholz liegen zu lassen oder kontrolliert

abzubrennen, müsse man wieder

sein wirtschaftliches Potenzial als

Brenn- und Heizstoff erkennen. Ausräumen

und verkaufen, wie vor hundert

Jahren, senke ebenfalls die

Waldbrandgefahr.

explore: INFOBOX

Für manche Tiere und Pflanzen bedeuten

Waldbrände den sicheren Tod – andere brauchen

sie geradezu zum Weiterleben. So

haben der australische Feuerkäfer wie auch

der deutsche Kiefernprachtkäfer am Hinterleib

einen Infrarotsensor, um gezielt und aus

zig Kilometern Entfernung Waldbrände aufzuspüren.

Sehr nützlich, denn ihre Larven

entwickeln sich nur in frisch verbranntem

Holz. Und Raubvögel nutzen die Gelegenheit,

fliehende Beute zu erwischen.

Auch bestimmte Pflanzenarten brauchen

Feuersbrünste zur Fortpflanzung. Den

Pyrophyten öffnet nur solche Hitze die

Zapfen und Samenkapseln. Die australischen

Banksien und einige Eukalypten oder nordamerikanische

Großkiefern und Riesenzypressen

gehören dazu. Die australischen

Grasbäume treiben nur nach Feuer ihren großen

Blütenkolben, aus dem sich dann

Samen entwickeln. Alle haben nur dann eine

Chance gegen den Konkurrenzdruck schneller

wachsender Pflanzen, wenn ihre Samen

auf freigebrannten Boden fallen. Und die

Asche liefert den Keimlingen frisch aufgeschlossene

Nährstoffe.

explore: 1/2007 - 31


FORSCHUNG „Wer nich dieken will, mut wieken!” – „Wer nicht deichen will, muss weichen“

„Wer nich dieken will,

mut wieken!“ – „Wer nicht

deichen will, muss weichen“

Von Jan Oliver Löfken

Klimawandel und steigende Meeresspiegel fordern den Küstenschutz heraus

Auch in diesem Winter ist Sylt wieder geschrumpft. Reißende Wellen der

Winterstürme rissen tausende Tonnen Sand von den Stränden. Wellenbrecher aus

Beton und befestigende Holz-Buhnen boten den Wasserströmen nur wenig

Widerstand. Ab dem Frühjahr werden Schwimmbagger wieder etwa eine Million

Kubikmeter Sand sammeln und mühsam an die Sylter Gestade anspülen. Dieser

Aufwand verschlingt jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Trotz der alljährlichen Sand-Dusche

droht die Urlaubsinsel bis zum Jahr 2050 durchzubrechen. Schon heute ist Sylt an der schmalsten

Stelle nur 500 Meter breit.

32 - explore: 1/2007


„Wer nich dieken will, mut wieken!” – „Wer nicht deichen will, muss weichen“ FORSCHUNG

explore: 1/2007 - 33


FORSCHUNG „Wer nich dieken will, mut wieken!” – „Wer nicht deichen will, muss weichen“

Der Querschnitt stellt dar, wie ein typischer Deich an den Küstenverläufen aufgebaut ist.

Schenkt man den Vorhersagen von Klimaforschern

Glauben, wird dieser Schwund in den kommenden Jahren

noch zunehmen. Nicht nur Sylt ist bedroht: Entlang der

europäischen Küsten könnte ein infolge des Klimawandels

steigender Meeresspiegel den Kampf gegen die Fluten verschärfen.

Intelligente Vorwarnsysteme, moderne Deiche

und ein integrierter Küstenschutz können diesem Raubbau

an den Ufern verzögern und die Folgen von Sturmfluten

mindern.

„Heute und für die kommenden wenigen Jahrzehnte sind

die deutschen Küsten sicher“, sagt Professor Hans von

Storch vom Institut für Küstenforschung am GKSS

Forschungszentrum in Geesthacht bei Hamburg. Allerdings

sind die Deichverbände in den Küstenländern Niedersachsen,

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

gefordert, ihre Schutzwälle gegen das Wasser

bestens zu pflegen und auszubauen. Genau das geschieht

auch. Allein Niedersachsen gibt jährlich etwa 46 Millionen

Euro für den Küstenschutz aus; denn das Jahrhunderte alte

Motto „Wer nich will dieken, mut wieken!“ („Wer nicht deichen

will, muss weichen“), wird heute ernster denn je

genommen.

So wird bei Harlesiel gegenüber der Nordseeinsel

Wangerooge der alte Seedeich bis 2008 auf 8,10 Meter

über Normalnull erhöht. Wenn er fertig ist, wird er sich über

eine Breite von 120 Metern erstrecken. Diese Größe ist

nötig, damit der Deich flach genug wird, um die einfallenden

Wellen tot laufen zu lassen. Steilere Deiche böten den

Fluten eine zu verwundbare Angriffsfläche. Zuerst pumpen

spezielle Spül-Pipelines Sand an, der den Kern des Deichs

bilden wird. Bagger schütten darauf klebrigen und tonhaltigen

Kleiboden. Diese anderthalb Meter dicke, zähe Schicht

festigt das gesamte Bauwerk. Der lockere Sand allein

würde allzu schnell wieder abgetragen werden.

Abschließend kommt der vertraute Grasbewuchs, der

ebenfalls vor Erosion durch Wind und Wellen schützt.

34 - explore: 1/2007

Deich mit Plastik

Setzen Deichbauer wegen guter Verfügbarkeit und geringer

Kosten früher wie heute auf natürliches Erdreich und Sand,

könnten in Zukunft neue Materialien die Schutzwälle verbessern.

Ulrich Zanke, Professor am Institut für Wasserbau

und Wasserwirtschaft der Universität Siegen, stellt

Geokunststoffe, Verbrennungsschlacken oder Materialien

aus Bauschutt auf die Probe. Besonders für die Sanierung

der Binnendeiche entlang der Flüsse sollen diese

Werkstoffe zu einer höheren Standsicherheit führen und

eine zu schnelle Durchweichung oder Unterspülung der

Wälle verhindern. Spezielle Plastik-Polymere könnten in das

normale Erdreich eingemischt werden. Die langkettigen

Moleküle, die von Forschern des Chemie-Konzerns BASF

entwickelt wurden, führten in ersten Versuchen zu einer

großflächigen Vernetzung. Die Testdeiche ließen nur wenig

Wasser durch, zeigten sich gleichzeitig aber auch fest und

elastisch. Bewährt sich diese Technik, wäre auch ein

Einsatz in den Küstendeichen denkbar.

Mit höheren und festeren Deichbauten allein greift ein zeitgemäßer

Küstenschutz allerdings zu kurz. Um gegen die

kommenden Sturmfluten gefeit zu sein, beachten

Küsteningenieure die gesamte Uferregion. Vorgelagerte

Sandbänke, alte, so genannte Schlafdeiche im Hinterland

oder der Zustand des Dünenwalds tragen ebenfalls zur

Sicherheit der Küstenbewohner bei. Die Analyse von regionalen

Meeresströmungen und der Materialtransport entlang

der Strände liefern wertvolle Daten über das lokale Risiko

der Schutzanlagen. Exakte Wetter-, Tiden- und Seegangsvorhersagen

zeigen den Küstenschützern, auf welche

Stellen ihrer Verteidigungslinie gegen die Fluten sie

besonders Acht geben müssen. „Kurzfristwarnsysteme

sind ganz entscheidend, um der Gefahr der Sturmfluten die

Spitze zu nehmen“, sagt von Storch. „Sie erlauben, erforderliche

Reaktionen zeitnah einzuleiten.“

Sturmfluten werden häufiger und höher

Im Laufe dieses Jahrhunderts werden diese Maßnahmen

noch wichtiger werden. „Wir rechnen mit gefährlicheren


„Wer nich dieken will, mut wieken!” – „Wer nicht deichen will, muss weichen“ FORSCHUNG

Sturmfluten in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts“,

sagt Professor von Storch. Sturmwasserstände bis zu

einem Meter über heutigen Pegelmessungen seien denkbar,

ein Anstieg von 70 Zentimetern plausibel. Die GKSS-

Forscher leiten diese Abschätzungen für die Deutsche

Bucht aus international anerkannten Klimaszenarien ab.

Besonders achten sie dabei auf den Einfluss von Seegang

und Wind bei den kommenden Sturmfluten; denn die Höhe

der Wellen und die parallel herrschenden Windstärken spie-

Schafe auf dem Leybuchtdeich an der Nordwestspitze Niedersachsens.

len für eine Bewertung der Deichsicherheit eine große Rolle.

Während Professor von Storch bewusst in die Zukunft

blickt, analysierten Wissenschaftler vom Deutschen Wetterdienst,

dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie

(BSH) und von der Universität Siegen das

Sturmflutrisiko der Gegenwart. Das Ergebnis dieses Muse-

Projekts („Modellgestützte Untersuchungen zu Sturmfluten

mit sehr geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten an der

Deutschen Nordseeküste“) gibt teilweise Entwarnung. Mit

einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 1 zu 10.000

komme es zu einer Sturmflut, welche die Rekordflut von

1976 um maximal anderthalb Meter übersteige. Für diese

Wasserstände sind die Nordsee-Deiche schon heute ausgelegt.

Ob auch die deutschen Ostsee-Küsten ausreichend

gegen heute mögliche Fluten gewappnet sind, wird bis

2008 eine Folgestudie, Muse Ostsee, beantworten.

Impressum:

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Kundenmagazin der

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Verlag und Herausgeber:

TÜV NORD AG,

Am TÜV 1, 30519 Hannover

www.tuev-nord.de/explore

explore@tuev-nord.de

Erscheinungsweise: viermal jährlich

Redaktion:

TÜV NORD AG

Konzern-Kommunikation

Jochen May (V.i.S.d.P.); Tim Kreitlow

Konzeption und Gestaltung:

TÜV NORD Gruppe, 30519 Hannover

Gestaltung:

MPR Dr. Muth Public Relations GmbH,

20354 Hamburg

Satz, Lithographie & Druck:

diaprint KG, 30952 Ronnenberg-Empelde

Wissenschaftlicher Beirat:

Prof. Dr.-Ing. E.h. Dr. h.c. Eike Lehmann

Prof. Dr. Günter Maaß

Prof. Dr. Friedhelm Noack

„Wir werden auch in Zukunft den Küstenraum bewohnen

können“, ist sich Professor von Storch sicher. Auch auf Sylt

werden Touristen dank der künstlichen Anspülungen noch

jahrelang genug Sand finden, um darauf ihre Strandmatten

auszubreiten. Wer aber natürlich wachsende Strände

bevorzugt, sollte schon heute nach Amrum ausweichen;

denn die Meeresströmung, die an Sylt nagt, lagert ihre körnige

Fracht an dieser südlich gelegenen Nachbarinsel ab.

explore: INFOBOX

LINKS:

Muse-Studie Abschlussbericht (pdf, 16 MB):

www.bsh.de/de/Meeresdaten/Beobachtungen/Projekte/MUSE/

Prof. Dr.-Ing. Richard A. Herrmann, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen

(Hrsg.): Sicherung von Dämmen, Deichen und Stauanlagen:

Handbuch für Theorie und Praxis Vol II – 2006, Siegen, Bezug über

Institut für Geotechnik: http://fwu.fb10.uni-siegen.de/geo/

Kuratorium für Forschung im Küsteningenieurwesen (KFKI):

http://kfki.baw.de/

Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, TU Darmstadt:

http://wabau.kww.bauing.tu-darmstadt.de/

Institut für Küstenforschung, GKSS:

http://www.gkss.de/pages.php?page=k_ueberuns.html&language=d&

version=g

Wasserverbandstag: www.wasserverbandstag.de/

Stiftung Deutscher Küstenschutz:

www.stiftung-deutscher-kuestenschutz.de/

EU-Initiative „Bewertung und Bekämpfung von Hochwasser“:

http://europa.eu/scadplus/leg/de/lvb/l28174.htm

Acqua alta, Fachmesse Hochwasserschutz, Hamburg:

www.hamburg-messe.de/acquaalta/acquaalta_de/start.php

Fotos:

Airbus S.A.S. (S. 3, 36, 37, 39)

Corbis (S. 2, 3, 4, 5, 10, 16, 17, 18, 27, 28, 29, 40)

cunard (S. 14)

98fahrenheit.de (S. 3, 32, 33)

getty images (Titel)

Nicole Heinzel (S. 12)

Jürgen Klemme (S. 12, 13)

Picture Aliance (S. 2, 8, 9, 31)

Dörte Saße (S. 30)

Holger Schüttrumpf (S. 35)

Tobias Thies (S. 3, 6, 7, 11, 34, 38)

TÜV NORD Gruppe (S. 2, 3, 8, 9, 19, 20, 21,

22, 23, 24, 25, 26)

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit

schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.

Leserbriefe sind herzlich willkommen.

explore: 1/2007 - 35


Abgehoben

Von Dörte Saße

36 - explore: 1/2007

TECHNIK Abgehoben

Wachsende Passagierzahlen und steigende Treibstoffpreise, dazu stren-

gere Lärm- und Umweltauflagen – soweit die Rahmenbedingungen für

die Luftfahrt der kommenden Jahrzehnte. Visionäre und Ingenieure

arbeiten an neuen Konzepten für Flugzeuge der Zukunft: Was in den ver-

gangenen 50 Jahren gebaut wurde, so heißt es, war vor allem Evolution.

Jetzt planen sie die Revolution.


Abgehoben TECHNIK

Der Airbus A380 dürfte der Letzte seiner Art sein, die letzte

spektakuläre Entwicklung in der klassischen Flugzeugform,

spektakulär durch seine schiere Größe. Mit bis zu maximal

853 Passagieren auf zwei Stockwerken ist er für große

Luftverkehrsdrehscheiben geeignet, die möglichst moderne

Terminals haben, welche die vielen Passagiere auch schnell

und geordnet ein- und aussteigen lassen können.

Flugzeugtechnisch ist die A380 hingegen ein alter Hut: Ein

röhrenförmiger Rumpf mit angesetzten Flügeln – wie schon

die Boeing 707, die 1958 als erster Düsenjet in den

Linienbetrieb ging. Mit dem Riesen-Airbus stößt das

Konzept jetzt an seine physikalischen Grenzen. Noch größer,

und der Auftrieb der Flügel könnte den Rumpf nicht

mehr tragen. Dabei sind in der A380 bereits große Mengen

leichtgewichtiger Kohlefaser- und Kunststoffteile verbaut.

Und doch werden die meisten Flugzeuge der nahen

Zukunft von außen nicht anders aussehen als heute – die

Luftfahrtindustrie ist träge und setzt auf Bewährtes. Neuentwicklungen

sind extrem teuer, und vorhandene Modelle

lassen sich in Einzelteilen jahrzehntelang optimieren und

modern halten. Während Airbus kostengünstig viele

Menschen zwischen großen Zentren befördern will, setzt

die Konkurrenz Boeing auf sparsame kleine Flieger, die

auch kleinere Flughäfen direkt ansteuern und Anschlussflüge

vermeiden. Am Ende werden die Fluggesellschaften

entscheiden müssen, welche Variante sie für die

wachsende Zahl von Fluggästen in immer fernere

Ferienziele bevorzugen.

Die A380 bietet viel Platz für einen entspannten Flug und eine Vielzahl

an Möglichkeiten für anspruchsvolle Designs.

Traditionsform brechen

An der Revolution jedoch arbeiten Forschungsteams weltweit:

Sie planen die „fliegende Flunder“, den Nurflügler, das

„Blended-Wing-Body“-Prinzip. Der Luftwiderstand sinkt,

der Auftrieb steigt, wenn das Flugzeug ein einziger Flügel

ist. Das spart Sprit und senkt den Lärm.

Nurflügler haben beste aerodynamische Eigenschaften,

und die Passagierkabine kann von Flügelspitze zu

Flügelspitze reichen. Etwa 40 Sitze nebeneinander machen

den Raum eher zum Kinosaal – zumal Fensterplätze nicht

vorhanden sind. Stattdessen sollen große Leinwände den

Außenblick liefern, während innen Spielbereiche,

Gebetsräume oder gar Duschen möglich sind. Allerdings

sind die Sitzplätze in den Flügelspitzen wohl nichts für empfindliche

Mägen. Auch muss die breite, flache Kabine speziell

verstärkt werden, um die Druckkräfte nach außen

abzufangen. Für den niedrigen Außenluftdruck auf Reiseflughöhe

eignet sich die klassische Röhrenform besser.

Ingenieure (siehe explore: INFOBOX auf Seite 39) arbeiten

aber vor allem noch an der Flugtechnik. Zwar brachten die

Bonner Gebrüder Horten schon in den 1930er-Jahren erste

Nurflügler stabil in die Luft, doch große und vor allem

schnell fliegende Varianten werden extrem instabil.

Computersysteme müssen ständig gegensteuern. Dass

dieses funktioniert mit etwa 200 Computersystemen und

zwei Mann Besatzung, beweist seit Jahren der US-amerikanische

Tarnkappenjet B-2.

Mitarbeiter von Airbus simulieren Fluggäste, die während eines virtuellen

Flugs mit ihrem Laptop das bordeigene Multimediaprogramm testen.

explore: 1/2007 - 37


Der Traum vom Fliegen

Von Dr. Doris Marszk

1783 Die Brüder Montgolfier starten einen Heißluftballon.

1794 Mithilfe eines Ballons kommt es in der Schlacht von

Fleurus zur ersten Luft-Fernaufklärung der Geschichte.

1891 Otto Lilienthal gelingen die ersten Gleitflüge. Fünf Jahre

und etwa 2.000 Gleitflüge später kommt er bei einem

seiner Flugversuche um.

1900 Erster Aufstieg eines Zeppelins, eines „Lenkbaren Luftfahrzugs

mit mehreren hintereinander angeordneten Tragkörpern“,

wie es in der Patentschrift von 1898 hieß.

1903 Die Brüder Orville und Wilbur Wright bauten einen wassergekühlten

Viertakt-Vierzylinder-Motor in ihren Flugapparat

ein. Orville gelang mit diesem motorisierten Doppeldecker am

17. Dezember 1903 ein Flug von zwölf Sekunden Dauer und

einer Distanz von 37 Metern.

1907 Louis und Jacques Bréguet konstruieren den ersten

Hubschrauber, ein Drehflügelflugzeug, das auch senkrecht

starten und landen können soll. Es war aber noch nicht richtig

funktionsfähig.

1909 Louis Blériot überfliegt mit einem Eindecker als erster

Pilot den Ärmelkanal.

38 - explore: 1/2007

TECHNIK Abgehoben

1914-1918 Im Ersten Weltkrieg wurden erstmals Kampfflugzeuge

eingesetzt. Die Fokker E.I war das erste serienmäßig

hergestellte Jagdflugzeug der Welt.

Mai 1919 Erster Langstreckenflug von Albert Cushing Read und

Kopiloten mit einer Curtiss NC-4 über den Atlantik, mit

Zwischenlandung auf den Azoren.

Juni 1919 Erster Nonstop-Flug über den Atlantik von John Alcock

und Arthur Witten Brown mit einer Vickers Vimy IV.

1927 Erster Nonstop-Alleinflug von Charles Lindbergh von

New York nach Paris.

1937 Die deutsche Luftwaffe beginnt mit dem Bau von Höhenflugzeugen,

die Höhen von 12.000 bis 15.000 Metern

erreichten und mit Druckkabinen ausgestattet waren.

1938 Die Boeing B-307 war das erste Höhenflugzeug mit

Druckkabinen für die zivile Luftfahrt.

1947 Charles „Chuck“ Yeager durchbricht am 14. Oktober

1947 mit der Bell XS-1 erstmals die Schallmauer.

2004 Space Ship One, das erste Privat-Raumschiff, dringt

am 21. Juni 2004 mit 3,5-facher Schallgeschwindigkeit

an die Grenze zum Weltraum (100 Kilometer Höhe) vor.


Abgehoben TECHNIK

Auf die energiesparende Spitze getrieben wird das

Konzept, wenn Brennstoffzellen den Flieger antreiben. In

Stuttgart arbeiten DLR-Forscher am „HyFish“, mit der aerodynamischen

Form des „Smartfish“, entwickelt vom

Schweizer Erfinder Koni Schafroth. Dies eignet sich nicht

nur als Reiseflugzeug, sondern auch als Aufklärungs- und

Forschungsflieger – oder als Telekommunikations- und

Wetterplattform wie „Helios“, ein unbemannter Nurflügler

mit 62.000 Solarzellen, der Wasser im geschlossenen

Kreislauf in Wasser- und Sauerstoff zerlegt und per

Brennstoffzelle wieder in Flugenergie umsetzt. Landen und

Auftanken ist dann überflüssig.

Hoch, schnell oder bodennah

Pilotenlose, computergesteuerte Passagierflugzeuge werden

zwar auch angedacht, doch dürfte der Mehrzahl aller

Fluggäste hier das Vertrauen in die Technik fehlen. Anders

sieht aus es mit Flügen in hohe Höhen oder Geschwindigkeitsregionen.

Das „Space Ship One“ hat als erstes privates

Fluggerät vor zwei Jahren die Erdatmosphäre verlassen.

Ab 2008 soll sein Nachfolger kommerziell Passagiere in den

erdnahen Weltraum befördern.

Von Punkt zu Punkt hingegen sollen Überschallflieger hüpfen

– leiser und sparsamer als die gescheiterte Concorde.

Boeing und die japanische Luft- und Raumfahrtbehörde

Jaxa testeten ihren Prototyp diesen Sommer erfolgreich,

wenngleich noch unbemannt, über Australien. Wirtschaftlich

ist das Fliegen mit Überschall aber wohl nur für

lange Strecken um die halbe Erde in kurzer Zeit, mit

Geschäftsleuten, die gerne auch mehr bezahlen.

Für die Masse der Passagiere liegt die größte Zeitverzögerung

ohnehin nicht in der Flugzeit, sondern beim Einund

Aussteigen am Boden. Hier setzt das Nurflügler-

Konzept „Aeolus“ an: Der Hamburger Designer Frank Heyl

befördert seine Passagiere in Sitzcontainern, die sie samt

Gepäck in Ruhe besteigen – landet der Flieger, wird der

komplette Container ausgetauscht. Die Zeit am Boden

beschränkt sich dann aufs Auftanken.

Und wer ein ganz privates Flugerlebnis braucht, besteigt für

kurze, bodennahe Strecken den Tragschrauber oder

Gyrokopter. Die Ein-bis-zwei-Personen-Gefährte ähneln

einem Minihubschrauber, brauchen wenig Sprit und liegen

auch langsam oder bei starkem Wind sehr sicher in der

Luft. Der Prototyp stammt zwar von 1923, doch erst seit

etwa zwei Jahren sind die Ultraleichtflieger auch in

Deutschland zugelassen. Sie sind das extreme Gegenkonzept

zum A380 – rein mengenmäßig werden sie aber

wohl keine Rolle spielen im Flugverkehr der Zukunft.

Longdrinks über den Wolken: Dieser Bar sieht man nicht an, dass sie zur

Inneneinrichtung eines Flugzeugs gehört.

Licht und Farben sorgen in der A380 für eine angenehme Atmosphäre.

Die modernen und innovativen Designs laden Gäste ein, sich frei zu

bewegen und die vielen Möglichkeiten an Board zu nutzen.

explore: INFOBOX

Einige Nurflügler-Projekte

Vela – EU-Projekt, Airbus & nationale Hochschul- & Luftfahrtforschungsinstitute

(NLR, DLR, Onera, Inta)

www.dlr.de/as/desktopdefault.aspx/tabid?188/379_read?636/

X-48: Boeing & Nasa

www.dfrc.nasa.gov/Gallery/Photo/X-48B/

Smartfish: www.smartfish.ch

Flaviir: Zusammenschluss britischer Universitäten

www.flaviir.com/

explore: 1/2007 - 39


... ich werd’ Feuerwehrmann,

und du?

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