Kriegskosten im Flecken Gieboldehausen im Februar 1675

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Kriegskosten im Flecken Gieboldehausen im Februar 1675

Eichsfelder Heimatzeitschrift – Die Monatsschrift für alle Eichsfelder 445

richtenden Wohnhäuser nicht mehr, wie bisher

geschehen, hinter einer Wand, Mauer, einem

Zaun oder Garten versteckt werden dürfen.

Sie seien unmittelbar an die Straße zu setzen,

und zwar mit der langen Frontseite „von einem

Nachbarn zum andern”, jedoch nicht mit der

Giebelseite zur Straße hin (§ 1). Die Schwellen

„unter den Häusern”, da mit „sie nicht in

einigen Jahres verfaulen”, sollten etwa 2 bis

3 Schuh (1 Schuh = 12 Zoll = 30 cm) hoch

über der Erde auf einer Mauer aufliegen (§ 2).

Um einer „allzu großen Feuersgefahr” vorzubeugen,

mussten fort an neu aufgeführte

Schornsteine 1½ bis 2 Schuh über das Dach

hinausragen, alle Strohdächer nach und nach

abgebaut, und Neubauten durften nicht mehr

mit Stroh gedeckt werden(§§ 3 u.4). „Vermögende

Untertanen” wurden nach § 5 sogar

dazu angehalten, die sich auf ihren Gebäuden

befindenden Strohdächer innerhalb eines Jahres

abzubauen und mit Ziegeln zu belegen.

Allen Untertanen war es von nun an nach § 6

untersagt, hochwachsende Obstbäume „unmittelbar

an ein Haus zu pflanzen.” Die noch

an den Wohnhäusern stehenden Bäume

sollten recht bald „abgehauen und hinweggeschafft”

werden.

In Zukunft durfte nach § 7 an den durch die

eichsfeldischen Marktflecken Dingelstedt,

Gieboldehausen und Lindau verlaufenden

Haupt-, Land- und Poststraßen „kein anderes

als ein übersetztes zweistöckiges Haus”

mehr gebaut werden, dessen „unterer Stock”

wenigstens eine Höhe von 11 Schuh aufweisen

durfte, während der „obere Stock” auf 10

Schuh eingegrenzt wurde.

Wer in diesen Marktflecken ein neues Wohnhaus

bauen wollte, der musste nach § 8 vor

Baubeginn „den Riss mit beigezeichnetem

Maßstab” dem ihm vorgesetzten Beamten

vorlegen und dessen Ge nehmigung unentgeltlich

einholen. Zusätzlich erging an die

einzelnen Dorfschulzen und Vorsteher die

Weisung (§ 9), dem Amt oder Gericht den

Bau eines jeden neuen Gebäudes im Dorf

anzuzeigen, und zwar unter der Zusicherung,

dass dies „nach der Vorschrift regelmäßig in

gerader Linie der Straße” zu und unter Beachtung

„der Feuersgefahr” erfolge. Weiterhin

oblag es ihnen nach § 10, strengstens auf die

„Reinlichkeit der Ort schaften“ zu achten, zu

gewährleisten, dass die Straßen von Dung,

Kot und Holzhaufen gesäubert, Dung und

Holz von jedem Einwohner auf dessen Hofreite

gelagert und „die Mistlacken in eine auf

dem Hof anzulegende Grube geleitet werden.”

Angehalten wurden die Ortsschultheißen und

Vorsteher letztend lich nach § 11 noch dazu,

das Pflaster auf den durch die Ort schaften führenden

Landstraßen „in gutem Stand zu erhalten”

und, wenn es dazu an den erforderlichen

finanziellen Mitteln mangele, diese wenigstens

„mit kiesigem Grund oder klein geschla genen

Steinen dauerhaft zu beschütten.”

Diese Verordnung hatten nunmehr alle kurfürstlichen

Beamten, die adeligen, klösterlichen

sowie städtischen Gerichtsvorge setzten

in den ihnen unterstehenden Amts- und

Gerichtsorten be kannt zu machen, für deren

Durchsetzung zu sorgen, die einzelnen

Schultheißen und Vorsteher zur „fleißigen

Befolgung, Aufsicht und schuldigen Anzeige”

aufzufordern. Sollten sich im Ergebnis durchgeführter

Visitationen „Unordnungen“ zeigen,

dann sei man als Landesregierung des Eichsfeldes

dazu gezwungen, „Schuldtragende mit

ernstgemessenen Strafen” zu belegen.

Zur Zwangskollektivierung der Landwirtschaft vor 50 Jahren

Bericht eines Zeitzeugen

In diesem Jahr feiern wir 20 Jahre Deutsche

Einheit. Dabei ist vergessen worden, dass

es im Mai noch einen Grund gab, einer historischen

Entwicklung, die das ganze Leben

im Dorf bei uns verändern sollte, zu geden-

von Bertram Strecker

ken. Als Betroffener fällt es mir auch heute

noch schwer, mich mit der Problematik auseinanderzusetzen.

Aber, ich will keine alten

Narben im Dorf aufreißen und versuchen die

Geschichte locker zu erzählen, als wäre sie

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