la gueule - Junior Chamber Biel-Bienne

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la gueule - Junior Chamber Biel-Bienne

la gueule

das Magazin der Junior Chamber Biel-Bienne

4/2008

Die Welt in Biel – Auswandern

Bienne dans le monde – Émigrer

Sponsored by:


Inserat Ediprim

Andreas Renfer

Auslandschweizer, Japan

Editorial Extern

Jedes Geschäft – sei es global oder lokal – beginnt mit Vertrauen

Es spielt keine Rolle wie gut ihr Produkt oder Service ist, sie werden

nicht erfolgreich sein bevor sie eine Vertrauensbasis zum Geschäftspartner

geschaffen haben. Die Grundlage dieser Vertrauensbasis baut auf

gegenseitigem Respekt, auch dann wenn sie ihr Gegenüber nicht verstehen.

Dies gilt speziell im internationalen Geschäft, wo Missverständnisse

durch kulturelle Unterschiede viel häufiger auftreten. Das Ganze wird

noch schwieriger, da jeder Mensch auch seine individuellen Ecken und

Kanten hat. Es reicht also nicht, jemanden einfach als zugehöriger einer

kulturellen Gruppe anzusprechen, sie müssen immer auch das Individuum

dahinter berücksichtigen. Eine gute Strategie dies zu erreichen gründet

auf der vorsichtigen Analyse der Reaktionen des Gegenübers, danach können

sie ihr Verhalten entsprechend anpassen. Beachten sie den Tonfall

und die Körpersprache, hören sie aktiv zu anstatt mit ihren eigenen Interessen

vorzupreschen. Wenn sie diese Regel beachten, haben sie bereits

sehr viel gewonnen - speziell in Japan.

Es gibt unzählige Dinge, die ich an Japan schätze und liebe, zu viele

um sie hier alle aufzuzählen! Ein Beispiel aus der Geschäftswelt ist

der einzigartig hohe Standard beim Kundenservice. Bis heute bin ich

immer wieder überrascht, was hier diesbezüglich geboten wird. In diesem

Bereich können wir sicher noch viel von Japan lernen. Die Märkte werden

globaler und die Kunden haben dadurch eine grössere Auswahl an potentiellen

Geschäftspartnern, weshalb ein guter Kundenservice für Firmen immer

wichtiger wird. Wenn Mitarbeiter die Kundenerwartungen positiv übertreffen,

schlägt sich dies auch auf die Zufriedenheit jedes einzelnen

Mitarbeiters nieder. Herausragender Kundenservice ist aber immer auch

eine grosse Herausforderung. Rückblickend würde ich sogar sagen, eine

meiner schwierigsten Aufgaben war es, unseren internationalen Liefe-

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anten den Wert und die Erwartungen der japanischen Kunden diesbezüglich

klarzumachen. Für jemanden der hier lebt, wird dieser Service alltäglich

und zum eigenen Standard, wer aber noch nie mit der japanischen Servicekultur

in Berührung gekommen ist, kann diese nur schwerlich erfassen.

Mein Interesse für Japan wurde durch einen Studienaufenthalt in den USA

geweckt. Ich begab mich im Jahre 1994 für ein Jahr nach Kalifornien, um

mein Englisch zu verbessern. An der Schule haben sich unter den internationalen

Studenten rasch zwei Gruppen gebildet. Die Asiaten, dominiert

von den Japanern; und die Europäer, dominiert von den Deutschen. In

den ersten zwei Wochen wandte ich mich fast nur den Europäern zu. Es

war eine kulturelle Insel in der neuen Welt. Mir wurde aber rasch klar,

dass sich mein Englisch so nicht im gewünschten Masse verbessern wird.

Deshalb hatte ich mich bewusst in die asiatische Gruppe begeben und

bin dadurch vor allem mit der japanischen Kultur in Kontakt gekommen.

Vieles war mir fremd, aber von Beginn weg war ich von der Achtung und

dem Respekt der Japaner gegenüber anderen und anderem tief beeindruckt.

Nach meiner Rückkehr ins Seeland war mir klar, dass ich mich beruflich

international ausrichten werde. Als kurz darauf im Bieler Tagblatt eine

Stelle für Tokio ausgeschrieben wurde, stand für mich ausser Frage: hier

bewerbe ich mich. Ich erhielt die Stelle und plante für zwei bis drei

Jahre in Japan zu leben. Unterdessen sind daraus 13 Jahre geworden. Ich

habe eine permanente Niederlassungsbewilligung und gerade diesen Juni

an der International University of Japan mein MBA abgeschlossen. Mit der

Schweiz bin ich nach wie vor stark verbunden, beruflich besuchte ich die

Schweiz in der Regel vier Mal pro Jahr. Und als ich die letzten zwei Jahre

wieder Student war, habe ich ein Semester als „MBA Austauschstudent“

an der Universität St. Gallen verbracht. Es hat riesig Spass gemacht,

wieder einmal in der Schweiz zu leben. Die Lebensqualität in meiner

alten Heimat ist wirklich gross, aber auch Japan ist mir stark ans Herz

gewachsen. Ich geniesse das Spannungsfeld zwischen den beiden Kulturen

und werde mich weiterhin mit Interesse und Freude darin bewegen.

Andreas Renfer, Japan

Tatjana Greber-Probst

Editorial Intern

Durch die neuen Kommunikationsmittel und die weltweite (elektronische)

Vernetzung gibt es kaum mehr Grenzen für länderübergreifende

Zusammenarbeiten: Produktionsstätten werden nach Asien oder Osteuropa

verlagert, die Buchhaltung nach Indien, der Verkauf nach Deutschland

und Telekommunikation nach Ireland oder Kanada. So werden

Mitarbeitende, heute mehr denn je, in andere Länder entsendet und

verbringen dort ein paar Jahre ihres Leben – und manchmal, wenn sich

die Wurzeln besonders tief graben, kehren sie auch nicht mehr zurück

in ihre Heimat.

Durch die Globalisierung treffen aber unterschiedliche Kulturen,

Religionen, Sprachen, hierarchische Gefüge und bürokratische Gegebenheiten

aufeinander – eine Herausforderung mit welcher nicht alle

gleich umzugehen wissen und woran viele scheitern. Es gilt mit den

neuen Rahmenbedingungen umgehen und sich anpassen zu lernen und sich

durch den Aufbau und die Vertiefung zwischenmenschlicher Beziehungen

in das Kollektiv der neuen Heimat einfügen zu können. Mit dem Erlernen

einer neuen Sprache ist zwar die Möglichkeit zur Kommunikation

gegeben, hingegen ist dies kein Garant dafür, dass man auch verstanden

wird und sein Umfeld sowie Handlungsweisen und Motive versteht.

Ein „Ja“ in Asien ist zum Beispiel nicht gleich zu setzen mit einem

„Ja“, wie wir es hier in der Schweiz kennen. Man muss sich mit der

Kultur und den jeweiligen Werten, die in der neuen Heimat zählen,

auseinandersetzen, um zu verstehen, dass die Wahrheit im Nichtgesagten

liegt, dass es nicht darum geht, ob man angelogen wird oder

nicht, sondern dass die kulturelle Prägung, das Hierarchiedenken in

einem Land und die Wichtigkeit des Gesichtwahrens vielleicht einfach

kein „Nein“ erlauben.

2 la gueule 4/2008 3


Wenn man sich mit einer fremden Kultur auseinander setzt, kommt man

aber nie darum herum, sich Gedanken um die eigene Herkunft, die eigenen

Werte und Massstäbe, ja die eigene Kultur zu machen. Denn die

eigene Kultur ist der Boden des Rucksacks, den man bei all seinen

Reisen auf dem Rücken trägt, egal ob draussen in der Welt oder hier

in Biel

Tatjana Greber-Probst

Geschäftsführerin GLOBAL TRANSLATIONS GmbH

& Com-Unic Global Training Switzerland

Denys‘08

Inhalt

Sommaire

Editorial extern 1

Editorial intern 3

Inhalt / Sommaire 5

Auf nach Australien 7

Le monde à Bienne, Biel in der Welt 10

Interview mit Yannick Pelletier 13

The four seasons in New York City 19

Globalisierung in der Textil-Industrie 21

Geburtstage / Anniversaires 26

Anlässe / Événements 27

Impressum 28

la gueule 4/2008 5


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Werner und

Pauline Etter

Auf nach Australien!

Die Geschichte von Werner Etter aus Madretsch

Die Lebensgeschichte eines Menschen, der seine Heimat verlassen

und sich zu neuen Ufern aufgemacht hat, ist immer spannend! Sie ist

durchwoben von Abenteuerlust und Wagemut.

Herr Werner Etter, den ich mit seiner Frau Pauline zum Interview auf

der Terrasse des Restaurants Räblus im späten Sommer getroffen habe,

erzählte freimütig eine gute Stunde lang, ohne dass ich viele Fragen

stellen musste. Somit lässt sich das Interview leichter als Geschichte

erzählen.

Werner Etter, am 2. August 1944 geboren und in Madretsch aufgewachsen,

hatte sich das erste Mal mit dem Gedanken der Auswanderung auf

der Sekundarstufe befasst. Es war ein Bleistiftspitzer mit kleiner

Weltkugel, wie es sie heute immer noch gibt, der seine Aufmerksamkeit

auf sich zog. Welches ist von der Schweiz aus gesehen, der am weitest

gelegene Punkt der Erde, fragte er sich und sein Finger landete zwischen

Australien und Neuseeland. So fasste er den Entschluss, dass

wenn er einmal Biel verlassen sollte, er dort hingehen würde.

Er war 22 Jahre alt, hatte seine Ausbildung zum Hochbauzeichner abgeschlossen

und bereits etwas Berufserfahrung gesammelt, als er sich

im Jahre 1967 entschloss, sich nach Australien aufzumachen. Damals

versuchte die australische Regierung Arbeitskräfte anzuwerben und so

kam es, dass deren Botschaft in Bern, 2/3 seiner Reisekosten übernahm.

Voraussetzung war, dass er sich verpflichtete, mindestens zwei

Jahre lang in Australien zu bleiben. Das letzte Drittel, welches er

selber aufbringen musste, entsprach seinem damaligen Monatslohn. Er

la gueule 4/2008 7


ging nicht alleine. Zwei seiner Kollegen, die ihn ursprünglich begleiten

wollten, hatten zwar im letzten Augenblick kalte Füsse bekommen,

seine damalige Freundin allerdings kam mit. Sie wählten nicht

den schnellen, direkten Weg. Wenn sie schon Biel verliessen, dann

wollten sie auch etwas von der Welt sehen! So nahmen sie den Zug nach

Marseille und gingen auf eines der Auswanderungsschiffe in Italien

an Bord. Acht Wochen dauerte die Reise auf dem Passagierschiff. Sie

fuhren durch den Panamakanal und später an Tahiti und anderen Inseln

des südlichen Pazifik vorbei, bevor sie nach Sydney gelangten. Dort

wäre er am liebsten postwendend wieder nach Hause gefahren, hätte er

nur das Geld dazu gehabt und wäre ihm da sein Stolz nicht im Wege

gestanden. Lediglich 1000 CHF trug er noch bei sich. Er sprach kein

englisch. Seine Beziehung hatte die Überfahrt nicht überstanden. Und

alles in Australien war ihm fremd: das Essen wie die englische Fahrweise.

Er hatte allerdings das Glück, in der Hauptstadt Canberra recht

bald eine Stelle bei einem Architekten, einem gebürtigen Holländer,

zu finden. Er musste zwar wieder die Schulbank drücken, um sich in

„fuss und inches“ einzuarbeiten. Aber das metrische System wurde in

der Zeit gerade in Australien eingeführt und das war seine Chance.

Das Architektenbüro bewarb sich für die Ausführung des Townhalls in

Amsterdam und er war derjenige, der die Planung nach metrischem System

zeichnen konnte. Von da an wurde es allmählich schön und er fing

an, Australien zu mögen.

Er befreundete sich mit Bernard, einem französischen Koch und zusammen

beschlossen sie ein Auto zu kaufen und damit Australien zu

erobern. Ein Jahr lang dauerte diese Entdeckungsreise, von Süden

nach Norden der westlichen Küste entlang, Bernards Hund immer mit im

Gepäck. Mit Gelegenheitsjobs hielten sie sich über Wasser. In Darwin

lernte er dann seine heutige Frau kennen. Und dies ausgerechnet kurz

nachdem er beschlossen hatte, Australien zu verlassen und wieder in

die Schweiz zurückzukehren.

Bernard und Werner machten sich also auf, nach Europa zurückzukehren.

Aber wieder nicht auf direktem Wege! Hund und Auto nahmen sie mit

nach Singapur. Von dort aus erkundeten sie Malaysia. Anschliessend

wurde der Hund nach Madras (Indien) eingeschifft. Sie selber folgten

mit dem Flugzeug. Vier Monate lang reisten sie durch Indien, Pakistan

und den Iran bevor Bernard nach Frankreich und Werner nach Biel zurückkehrten.

Wir schreiben das Jahr 1970.

Bald packte Werner aber wieder das Fernweh nach Asien und er folgte

dem Ruf der inneren Stimme.

Erst 1972 kam er nach Biel zurück, hielt es hier allerdings nicht

länger als vier Jahre aus. In dieser Zeit besuchten seine Frau, d.h.

damalige Freundin, und er sich immer wieder gegenseitig. Glücklicherweise

verbrachte sie 1974 Weihnachten in Biel als in Darwin der

Wirbelsturm Tracy wütete. 1977 war nach 4 Jahren die Scheidung seiner

Frau von ihrem damaligen Ehepartner endgültig vollzogen. Die Bieler

Bauunternehmen steckten in der Krise. Der viele Nebel drückte ihm

auf das Gemüt. Und so beschloss er nach Darwin zurückzukehren. Dort,

so befand er, liess es sich leichter leben. Man stand sich nicht auf

den Füssen. Zum einem bestand dort weniger Leistungsdruck. Zum anderen

war (und ist immer noch) die Bevölkerungsdichte viel geringer als

im Seeland. In der Umgebung von Darwin kann man stundenlang spazieren

gehen, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen.

Seitdem leben Werner und seine Frau Pauline in Darwin. Den Kontakt

zur alten Heimat hat er jedoch immer aufrecht gehalten. Alle 2 bis

3 Jahre kehrt er für rund 2 Monate zurück und besucht Verwandte und

Bekannte. Als er in den 80er Jahre über einen Schweizer Honorarkonsul

erfuhr, dass die Ingenieurschule Biel eine Teilnahme am World

Solar Challenge plante, nahm er mit der Schule Kontakt auf. Seitdem

begleitet er die Schweizer Teams auf ihrer rund 3‘000 Km langen

Durchquerung von Australien von Darwin nach Adelaide und fährt im

Küchenwagen mit.

Auf die Frage hin, wie er die Schweiz nun nach so vielen Jahren in

der Fremde sieht, antwortet Werner Etter, dass die Schweiz ein sehr

schönes Land ist. Er liebe die Landschaften, das Essen und die Blumenkästen,

die die Häuser schmücken.

Doch schon müssen Werner Etter und seine Frau aufbrechen, um die

letzten Bekannten vor ihrer Rückreise zu besuchen. Dabei hätte

ich gerne noch länger zugehört. Von seiner Frau habe ich nur wenig

während des Interviews erfahren. Ich wusste von seiner Nichte,

die mir zum Interview verholfen hatte, dass sie aus Griechenland

stammt und dass ihre Familie im Perlengeschäft tätig ist. Auch ihre

Geschichte wäre sicherlich nicht langweilig gewesen. Aber diese Erzählung

war nicht abgemacht. Schade! Das Leben schreibt wirklich die

spannendsten Geschichten. Und die Geschichte von Werner Etter aus

Madretsch, der sich aufmachte, Australien zu entdeckten, werde ich

nicht vergessen.

Nathalie Wittig

8 la gueule 4/2008 9


Ueli Knuchel und Vreni Loder

Le monde à Bienne, Biel in der Welt

Ueli Knuchel, Senater NO 45489, Weltenbummler

„Marco Polos Koffer steht noch immer verlassen auf dem Bahnsteig no 4

in Venedig…“

So fängt ein kleines Büchlein an welches ich in den wilden 68 Jahren

gelesen habe. Seitdem habe ich oft darüber nachgedacht was all die

kleinen Marco Polos zu denen wir Weltenbummler gehören, bewogen hat

von dem geborgenen zuhause auszuziehen, der Vergangenheit den Rücken

zu kehren, um irgendwo der Sonne entgegen neue Horizonte zu entdecken.

Am Anfang ist es sicher Abenteuerlust, aber auch natürliche

Neugier etwas Neues zu entdecken oder ganz einfach ein Ausbrechen aus

dem Alltag oder ein Abrechnen mit der Vergangenheit.

Wenn ich heute zurück blicke auf die 25 Jahre welche ich in fremden

Ländern auf 4 Kontinenten verbracht habe, und mich dazu äussern soll,

welches meine Beweggründe sind, in die Ferne zu ziehen, so fällt es

mir schwer eine genaue Antwort zu geben.

Am besten kann ich unser Leben mit einer Zugsreise vergleichen. Irgendwann

steigen wir ein. Wir reisen, wir steigen aus. Wir steigen

wieder ein, und ziehen weiter.

Es gibt manchmal Verspätungen oder sogar Entgleisungen. An manchen

Halten erleben wir Überraschungen. Manche dieser Überraschungen

werden uns Momente von Freude bringen, andere werden uns traurig und

sorgenvoll stimmen. Aber stets fährt der Zug vorwärts. Es gibt kein

Retourticket. Leute steigen zu uns in den Zug welche vielleicht später

für uns wichtig sein werden. Manche dieser Menschen werden einen

dauerhaften Einfluss auf uns haben, andere steigen ein und steigen

aus ohne dass wir uns bewusst sind, dass sie mit uns mitgefahren

sind.

Auf unsere Zugreise werden wir die unterschiedlichsten Menschen ein-

steigen und aussteigen sehen.

Ich bin glücklich zu wissen, dass ich dazu beigetragen habe deren

Gepäck zu erweitern und ihr Leben bereichert zu haben ebenso wie ich

es schätze, was diese Leute zu meinem Gepäck und meinem Leben beigetragen

haben.

Das Abschied nehmen und die Trennung von diesen Freunden und Bekannten,

ist manchmal schwer.. Aber sie haben einen eigenen Fahrplan

und machen ihre eigene Zugsreise. Die Reise geht weiter mit der Erinnerung

an deren Freundschaft, Zuneigung und Grosszügigkeit.

Manchmal sind wir traurig, dass einige Passagiere, welche wir schätzen,

bevorzugen in einem anderen Abteil zu reisen. Das geht in Ordnung

so, jedermanns Reise soll ausgefüllt sein mit Hoffnung, Träumen,

Herausforderungen, Rückschlägen und Goodbyes. Wir müssen ständig

bestrebt sein, unsere Mitreisenden zu verstehen und Ihre Werte zu

erkennen: Wir sitzen alle im selben Zug.

Letztenendes müssen wir alles daran setzten die Reise so fröhlich und

angenehm als möglich zu gestalten und nie zu vergessen, dass jede

Zugsreise an der Endstation fertig ist.

Ueli Knuchel Senator NO 45483. Seit 33 Jahren glücklich verheiratet

mit Vreni Loder. Beide sind wir geboren und aufgewachsen in Biel.

Unsere Reisestationen bis anhin: Düsseldorf, Paris, Dakar, Biel,

Porros Griechenland, Muiden Holland, Essarois Burgund, Fitch Bay

Quebec, Jekyll Island Georgia. Unsere Winter verbringen wir im Süden

der USA. Wir haben unzählige Freunde in Biel und auf der ganzen Welt

zu welchen wir einen regen Kontakt haben. Wir sind seit einem Jahr

Kanadische Staatsbürger. Es gibt keine Jaycees in Quebec. Deshalb bin

ich seit 3 Jahren Mitglied im lokalen Rotary Club.

Zurzeit arbeite ich für Senator Beat Schori an einem Projekt in China.

Unser Haus ist zum Kauf ausgeschrieben. www.grandcharme.ca .Wir werden

also demnächst an den Hauptbahnhof gehen, den Zug besteigen und

bis zum nächsten Halt weiterreisen.

Wohin der Zug fährt wissen wir beide nicht, das Geheimnis ist in

Marco Polo’s Koffer.

Ueli Knuchel

10 la gueule 4/2008 11


Raumnutzung ist Ausdruck persönlicher Kultur.

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Erscheinungen: La Gueule

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Yannick Pelletier

Interview mit Yannick Pelletier

Schachgrossmeister aus Biel mit Wohnsitz in Frankreich

1. Wann sind Sie ausgewandert und was war Ihre Motivation, um nach

Frankreich zu ziehen?

Nach Montpellier umgezogen bin ich im Oktober letzten Jahres. Mit meiner

Freundin haben wir eine Wohnung gekauft, und leben dort glücklich

zusammen. Sie wohnt in Montpellier, seitdem sie 10 ist. Als wir uns

dafür entschieden haben, zusammenzuziehen, kam die natürliche Frage,

ob wir in Biel oder Montpellier leben sollten. Nun, Familie und Freunde

leben wohl in der eigenen Stadt, sodass die Entscheidung sowieso schwer

fallen würde. Als ausschlaggebend erwiesen sich berufliche Gründe. In

Biel ist das Schachleben wohl ziemlich traurig, ausser während des

sommerlichen Festivals. In Montpellier leben hingegen fast 10 Grossmeister,

wobei diese Stadt nach Paris im schachlichen Sinne wohl die

zweitstärkste Frankreichs ist.

2. Wie unterscheidet sich Ihr tägliches Leben in Frankreich vom Leben

in Biel?

Der Hauptunterschied liegt nämlich darin, dass ich nicht mehr selbstständig

lebe! Aber die Anpassung fiel natürlich nicht besonders schwer!

3. Was ist besser und was ist weniger gut in Frankreich im Vergleich

zum Leben in der Schweiz, was machen die Franzosen besser?

Es ist schwer, sich vorzustellen, wie durcheinander die französische

Burokratie funktioniert. Als Beispiel, die folgende Geschichte. Offiziell

lebe ich in Montpellier seit dem 1. November 2007. Eine Woche

zuvor melde ich mich beim Amt an, welches für alle sozialen Fragen

verantwortlich ist. Wie lange denken Sie, dass ich warten musste, bis

ich eine Bestätigung erhielt? Über zwei Monate habe ich zuerst mal

la gueule 4/2008 13


keine Nachrichten erhalten! Und nach weiteren drei bis vier Monaten

erhielt ich einen Brief, der mir bestätigte, dass ich gesundheitlich

versichert war! Es hat lange gedauert, dafür bin ich aber gar zweimal

gedeckt worden… nämlich mal als Yannick Pelletier, und mal als Yannick

Pellettier … ! Glauben Sie mir, es braucht wirklich Nerven, um nicht

durchzudrehen.

Es gäbe noch einige Details, die das Leben in Frankreich weniger

leicht machen als in der Schweiz. Aber insgesamt, kann man sich in

unseren westeuropäischen Ländern natürlich nicht beklagen. Ich bin

schon zu Orten gereist, wo es wirklich nicht schön war.

Geographisch und kulturell ist Frankreich wirklich ein wunderschönes

vielseitiges Land. Ich habe es nicht erst jetzt kennengelernt, da ja

ein Teil meiner Familie in der Bretagne wohnt. Und selbstverständlich

habe ich auch Wettkämpfe in allen Ecken dieses Landes bestritten. Aber

es fehlt (ja sogar Touristen) oft die Zeit, um all seine Facetten wirklich

zu entdecken.

Was die Mentalität betrifft, gibt es schon einige Unterschiede. Zwar

würde ich im Gegensatz zu vielen Leuten nicht behaupten, dass Schweizer

weniger offen sind (verglichen mit Frankreich oder sonst anderen

Nachbarländern). Es scheint mir aber eindeutig, dass Schweizer konservativer

sind. Und ich muss zugeben, dass mir das generell wenig

gefällt.

4. Was sind Ihre Ziele punkto Schach und wie charakterisiert sich Ihre

Arbeit als Schachprofi?

Mit fast 32 muss man auch im Schach ein bisschen bescheidener zur

Sache gehen! Meine Ziele setze ich mir deshalb etwas kurzfristiger

als vorher. Bis zum Ende des Jahres bestreite ich noch drei wichtige

Turniere. Im November findet die Schacholympiade in Dresden statt. Die

Schweizer Mannschaft wird wohl kaum um die vorderen Plätze kämpfen

können. Trotzdem wird uns die ganze Schweizer Schachgemeinschaft beobachten,

und ein gutes Abschneiden erwarten. Die Verantwortung ist

deshalb grösser.

Im Dezember habe ich dann die Gelegenheit, am FIDE Grand Prix in Doha

teilzunehmen. Da sich dort ein wichtiger Teil der Weltelite trifft,

werde ich einer der schlechtest eingestuften Spieler sein. Aber solche

Herausforderungen gefallen mir!

Im Moment bereite ich mich auf diese Turniere vor. Ich verbessere und

erweitere mein Eröffnungsrepertoire (also Spielbeginne), und studiere

auch wieder mehr Endspiele. Durchschnittlich bedeutet das 6 bis 7

Stunden Arbeit pro Tag.

5. Spielen Sie heute mehrheitlich in Frankreich oder in der Schweiz

oder weltweit Turniere?

Obwohl ich nun mehr Möglichkeiten habe, in Frankreich zu spielen,

nehme ich mehrheitlich an Schweizer Wettkämpfen teil. Sonst spiele ich

nach wie vor oft in den Nachbarländern; Und weltweit nur, wenn sich

eine Gelegenheit bietet.

6. Was sind Ihre Hobbies? Sind in Frankreich neue dazugekommen?

Eigentlich habe ich wenige. Schach nimmt mir nämlich den grössten

Teil meiner Zeit in Anspruch. Zu meinen früheren Hobbies (ein bisschen

lesen, DVD schauen) dazu gekommen ist eigentlich nur Eines…: kochen!

Vorher habe ich das auch gemocht, aber als Eigenständiger war ich natürlich

wenig motiviert. Aber besonders viel Zeit und Energie verbrauche

ich dafür nicht. Ich mag’s einfach.

7. Wie gross ist der Bekanntheitsgrad des Bieler Schachfestivals in

Frankreich?

Unter Schachspielern natürlich sehr gross, zumal die Organisatoren oft

einen Franzosen zum Grossmeisterturnier einladen. Aber Schach bleibt

in Frankreich nur eine Randsportart. Deshalb erscheint es fast nie in

den Medien.

8. Hat sich Ihr Bild von Biel gewandelt, seit Sie in Frankreich leben?

Es ist ja noch nicht so lange her! Es ist sicher noch zu früh, damit

ich mir ein objektives Bild machen kann.

9. Haben Sie vor, wieder einmal zurück nach Biel zu kommen und wenn ja

weshalb?

Wenn Sie meinen, zurück nach Biel, um dort wieder zu leben… meine Antwort

zur ersten Frage sollte wohl genügen! Aber sonst komme ich natürlich

regelmässig nach Biel. Wie vorher gesagt, spiele ich weiterhin oft

in der Schweiz. Ich nutze diese Gelegenheiten, um einige Tage in Biel

zu verbleiben, und meine Familie zu besuchen.

10. Haben Sie vor, Ihr Leben lang als Schachprofi zu arbeiten oder planen

Sie auf mittlere oder längere Sicht einen Berufswechsel?

Wahrscheinlich ist es nun schon zu spät, um zu wechseln…! Spass beiseite,

es gibt mehrere Grossmeister, die stärker waren als ich, und in

einem höheren Alter ihre Lebensrichtung völlig geändert haben. Daher

wäre es auch für mich theoretisch vorstellbar. Diese Spieler waren

aber ehrgeiziger als ich, und hatten sich im Schach von Anfang an

höhere Ziele gesetzt. Ausser in Kinderträumen habe ich natürlich nie

gehofft, Weltmeister zu werden!

Als bester gebürtiger Schweizer und einer der einzigen Schachprofis

des Landes fühle ich aber eine zusätzliche Verantwortung gegenüber

den nächsten Generationen. Würde ich nun oder in einigen Jahren aussteigen,

könnte es für die Schweizer Schachjugend heissen, es sei

wirklich unmöglich, als Schachprofi in der Schweiz zu leben. Nebenbei

wurde meine Auswanderung von einigen Leuten in diesem Sinne falsch

interpretiert. Aber nein! Auch in der teuren Schweiz ist ein Leben als

Schachprofi möglich. Diese Lebensart gefällt mir und ich habe deshalb

nicht vor zu wechseln. Falls ich damit auch junge Schweizer Talente

inspirieren kann, bin ich natürlich umso froher.

Yannick Pelletier

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Cédric Huguenin

ist seit 2003 Mitglied der

Jungen Wirtschaftskammer in

Biel und der Arbeitskommission

la Gueule“. Im Herbst

2007 hat er die Schweiz

für mindestens zwei Jahre

verlassen und arbeitet in

New York für eine Schweizer

Grossbank.

The four seasons in New York City

Sommer-Herbst

Gerade eben habe ich Handschuhe, Echarpe und Wintermantel abgelegt

und soll nun einen Bericht über den Sommer und den Herbst in New York

schreiben? Leider halten mittlerweile auch hier wieder winterliche

Temperaturen einzug! Die gemütlichen Oktober-Abende auf der Dachterrasse

liegen eine Weile (viel zu lange) zurück – und bereits haben

wir uns das erste Fondue gegönnt und die kitschige Weihnachts-show in

der Radio City Hall besucht (Nb – völlig identisch mit der letztjährigen)…

Apropos Oktober: Nun lebe ich schon seit über einem Jahr hier in

New York und habe mich bestens eingelebt. Abgesehen von Thomy Senf,

Aromat, Schoggi und Nivea Haarlack komme ich bestens ohne Schweizer

Produkte aus. In den nächsten Tagen werde ich – ganz nach dem Vorbild

vieler Amerikaner - einen Thanksgiving Truthahn verzehren und viel

zu oft schleichen sich Anglizismen in Gespräche mit Freunden und Familie

aus der Schweiz - „if you know what I mean?“

Nachfolgend eine Definition von Anglizismus, über welche ich zufälligerweise

gestolpert bin: „Anglizismus ist something von den blödesten

things, die es in der german language gibt. Ein Anglizismus comes

from dem Englischen. Anglizismen killen unsere coole Sprache. Auf

jedem Loser-Event trifft man sie an, und jeder Lamer und jeder Noob

benutzt sie, again and again.“ In diesem Sinne bin ich bemüht, möglichst

die Sprache Goethes zu pflegen.

Die im Januar-Artikel aufgeworfene Frage, ob der in Honolulu geborene

afroamerikanische Barack Hussein Obama nächster Präsident wird, ist

mittlerweile beantwortet. Nebst feurigen Präsidentschaftskampagnen

la gueule 4/2008 19


war der Sommer und Herbst in den USA äusserst ereignisreich: Die

Finanzmärkte kollabierten weiter und namhafte Firmen berichteten Liquiditätsprobleme

oder gar Insolvenz. Ironischerweise wird die Krise

in den USA insgesamt weniger dramatisch aufgenommen und die Debatten

sind weniger emotionsgeladen. Gründe dafür mögen einerseits kulturell

bedingt sein (die Hoffnung stirbt zuletzt) und andererseits ist

die Amerikanische Wirtschaft im Vergleich zur Schweizerischen auch

deutlich weniger von der Finanzindustrie abhängig.

Abgesehen von den Gewitterwolken an den Finanzmärkten waren die

Sommer- und Herbstmonate äusserst sonnenreich (NYC liegt ungefähr

auf dem gleichen Breitengrad wie Neapel). Selbstverständlich habe ich

etliche Stunden im Central Park verbracht (siehe Artikel Frühling)

und habe die Stadt per Fahrrad erkundet. Mit der notwendigen Portion

Vorsicht ist Manhattan überaus velofreundlich. Bisher waren alle

Besucher positiv von diesem Abenteuer überrascht. Mit dem Drahtesel

über die Brooklyn Bridge oder den Times Square zu radeln ist ein

einmaliges Erlebnis.

Mein nächster Aufenthalt in der Schweiz ist für Weihnachten/Neujahr

geplant. Besinnliche Weihnachtsabende verbringe ich dann doch am

liebsten im Kreise meiner Familie.

Herzliche Grüsse aus New York – häbet’s guet!

Cédric Huguenin

Ein Insider-Bericht von

Adrian Ruhstaller, Gründer

und Inhaber der Outdoor-

Bekleidungsmarke R’ADYS mit

Sitz in Nidau am Bielersee

Globalisierung in der Textil-Industrie

R’ADYS AG, Hersteller hochwertiger Outdoor-Bekleidung

Wenige Jahrzehnte ist es her, dass die Schweiz eine weltweit führende

Rolle in der Textil-Industrie spielte. Ganze Talschaften wie z.B. Glarus

oder die Surselva waren mehrheitlich in der Textil-Industrie tätig.

So war zum Beispiel die Tuchfabrik Trun mit rund 400 Mitarbeitern

der grösste Arbeitgeber in der Surselva. Auf allen Stufen der textilen

Herstellungskette wurde in der Schweiz gefertigt. Durch die Industrialisierung

wurden im 18. und 19. Jahrhundert möglichst viele arbeitsintensive

Prozesse durch den Einsatz von Maschinen beschleunigt, was in

den besagten Textil-Hochburgen zu grossen Umwälzungen und Notständen

führte.

Im zweiten Teil des 20. Jahrundert wurde die Textilindustrie nochmals

komplett umgebaut. Herstellende Betriebe gingen fast vollständig ein.

Überlebt haben einzig hochspezialisierte zuliefernde Firmen, die z.B.

Spezial-Stoffe herstellen (Schoeller Textil in Sevelen SG, Eschler

Swissknit in Bühler AR) oder hochtechnische Maschinen wie Webstühle,

Stickerei-Automaten und Hochfrequenz-Schweissapparate für den Export

fertigen (Rieter, Saurer, Schips). Einzig im Hochpreis-Segment konnten

sich herstellende Betriebe behaupten wie die aufwändigen Stickereien

aus dem Raum St. Gallen beweisen, die erst neulich wieder für Furore

in der Haute Couture gesorgt haben.

Vor allem die grossen Mode-Ketten wie C&A und Vögele haben sehr früh

eine Verlagerung der Produktion in Tieflohn-Länder forciert und den

tiefen Preis als wichtiges Kaufkriterium positioniert. In Europa waren

Portugal, Rumänien und die Türkei wichtige Länder für Näharbeiten bevor

sich die Verlagerung unaufhaltsam Richtung Osten fortsetzte. Dank

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der britischen Kron-Kolonie Hong Kong entstand ein textiler Cluster im

Süden von China. Millionen von Wanderarbeitern haben sich Jahr für Jahr

aus den weit abgelegenen Provinzen nach Südchina begeben, um dort als

Näher 7 Tage in der Woche in drei 4-Stunden-Blöcken pro Tag für einen

bescheidenen Lohn zu arbeiten. Nur einmal im Jahr über Chinese New

Year Ende Januar reisen die Wanderarbeiter für 3 Wochen zurück zu ihren

Familien.

In den letzten 8 Jahren hat sich die Situation in Südchina jedoch rasant

verändert. Im Jahr 2000 verdiente ein gut angelernter Näharbeiter

neben Kost+Logis ca. 200 CHF im Monat und es herrschte ein Angebots-

Überschuss an Arbeitswilligen. Heute ist das monatliche Einkommen eines

Nähers mit etwas Erfahrung auf ca. 800 CHF angestiegen und es ist sehr

schwierig, genügend ausgebildetes Personal zu finden. Der stark monetär

motivierte Chinese wechselt von Arbeitgeber zu Arbeitgeber, sobald er

am anderen Ort etwas mehr Lohn erhält. Oft schliessen sich die Näher zu

20 – 30 Mann starken Gruppen zusammen, um mehr Verhandlungspower gegenüber

dem Arbeitgeber zu erhalten. Dies führt zu der paradox erscheinenden

Situation, dass ein Hochschulabgänger im Dienstleistungssektor

in China weniger verdient, als ein gleichaltriger angelernter Näharbeiter.

Der Grund: Die Chinesen im stark entwickelten Süden Chinas möchten

heute nicht mehr in die Fabrik arbeiten gehen und die noch weniger

entwickelten Gebiete im Norden und Westen Chinas haben nun ihre eigenen

Fabriken, weshalb der Strom an Wanderarbeitern langsam versiegt.

Als Person mit einem hohen Gerechtigkeits-Sinn kann ich diese Tendenzen

wohlwollend akzeptieren, auch wenn dies in den vergangenen Jahren zu

deutlich höheren Einkaufspreisen für meine Firma geführt hat. Ich sehe

viel mehr die Chance, dass die zum Teil gegeisselte Globalisierung

mittelfristig zu einer Angleichung der Lohnniveaus führt und somit auch

der Druck nach einer Beschaffung vom anderen Ende der Welt abnimmt.

Wieso soll es in Zukunft nicht wieder möglich sein, dass wir in der

Schweiz wieder selbst Textilien vollstufig und nachhaltig herstellen

können?

Mit dem Projekt „MyShell – swiss custom made“ haben wir uns vor 2 Jahren

auf den Weg gemacht, diese Vision umzusetzen. Dieser Weg war bis

jetzt um einiges steiniger, als ich es mir zu Beginn vorgestellt hatte.

Einfache Dinge, die von meinen Fernost-Lieferanten in wenigen Wochen

oder sogar Tagen umgesetzt werden, mussten in monatelanger Arbeit

entwickelt werden. Es ist für die Schweiz fast etwas beschämend, wie

man die einstige Textil-Führerschaft abgegeben hat. Zum Glück konnten

wir die wenigen verbleibenden Schweizer Nischen-Player motivieren, uns

bei diesem Vorhaben zu unterstützen und so verarbeiten wir ab 2009 in

den ehemaligen Tuchfabrik-Hallen in Trun GR hochfunktionelle Schweizer

Schoeller-Stretch-Stoffe und Schweizer Riri-Reissverschlüsse zu massgeschneiderten

und nach Kundenwunsch ausgestatteten Wetterschutz-Jacken

und -Hosen – 100% swiss made! Dies ist unser Beitrag zu einer nachhaltigeren

globalisierten Welt.

Adrian Ruhstaller www.radys.com


Enten legen ihre Eier in aller Stille.

Hühner gackern dabei wie verrückt.

Was ist die Folge?

Alle Welt isst Hühnereier. Henry Ford

Wir gackern nicht, sondern kreieren durchdachte Kommunikationskonzepte und

Werbemittel, die denselben Zweck erfüllen. Unser Leistungsspektrum spannt sich

vom Corporate Design über klassische Werbekampagnen bis zu den neuen Medien

in allen Variationen.

werbeagentur asw | ländtestrasse 5 | 2501 biel | tel 032 322 05 74 | www.wcd.ch


Geburtstage

Anniversaires

Dezember / Décembre

Weyrich Hansruedi 01.12.1964

Wittig Markus 02.12.1969

Knuchel Ulrich 17.12.1950

Januar / janvier

Bühler Dominque 03.01.1975

Esseiva Michel 17.01.1951

Flückiger Hans 31.01.1950

Stampfli-Hitz 18.01.1966

Februar / février

Junod Etienne 12.02.1964

Züger Stefan 14.02.1963

Alioth Stephan 21.02.1972

März / mars

Ranft Cyrill 16.03.1974

Manigley Dominique 17.03.1950

Grossenbacher Ruedi 24.03.1957

Anlässe

Événements

Januar / janvier

Afterwork hören 14.

JCI-Skimeisterschaften Wengen 23-25.

Skinacht Frutigen 30.

Februar / février

Afterwork riechen 11.

Skiweekend Twinning in Engelberg mit JC Mikkeli 27/28/01.

März / mars

Anlass mit Lions: Sexarbeiterinnen 4.

Curlingturnier JCI SwitzerlandAfterwork 14/15.

Generalversammlung 21.

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Impressum

«la gueule»

«la gueule» erscheint vier Mal pro Jahr in einer Auflage von 1200

Exemplaren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Vervielfältigung

von Artikeln auch auszugsweise nur mit Zustimmung der Redaktion.

Sollten Sie den Erhalt des Heftes nicht wünschen, bitte abmelden

unter: la.gueule@jcbb.ch

«la gueule» paraît quatre fois par an. Tirage 1200 exemplaires.

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