und Leseprobe (PDF) - Vandenhoeck & Ruprecht

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und Leseprobe (PDF) - Vandenhoeck & Ruprecht

Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

V

© 2012, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525401750


Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

© 2012, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525401750


Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm

Die Metaphern-Schatzkiste

Systemisch arbeiten mit Sprachbildern

Mit 25 Abbildungen und 6 Tabellen

Vandenhoeck & Ruprecht

© 2012, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525401750


Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie, detaillierte bibliografische

Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-525-40175-0

Umschlagabbildung: Holger Lindemann und Leon Weiher

© 2012, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen /

Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.

www.v-r.de

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung

in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung

des Verlages.

Printed in Germany.

Gestaltung, Satz und Litho: SchwabScantechnik, Göttingen

Druck und Bindung: e Hubert & Co, Göttingen

© 2012, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

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Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

■ Inhalt

1 Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

2 Metaphern in der Beratung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

2.1 Metaphern, Phraseologismen und Sprichwörter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

2.2 Verwendung von Metaphern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

2.3 Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

3 Methoden der Arbeit mit Metaphern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

3.1 Problembild und Lösungsbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

3.2 Nutzung vorgefertigter Bilder und Skizzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

3.3 Energie- und Ruhepole: Tankstellen und Erholungsinseln . . . . . . . . . . . . . . 34

3.4 Metaphern in der Figurenaufstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

3.5 Die Heldenreise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

3.6 SCOREPELZ+ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

3.7 Ich schaffs! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74

3.8 Reteaming . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

3.9 Points of you − das Coaching Game . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

3.10 Nervennahrung: Das Bonbon- und Sprichwortorakel . . . . . . . . . . . . . . . . 87

3.11 Bilderorakel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89

3.12 Bilder und Cartoons als Analogie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

3.13 Verwendung von Geschichten, Fabeln, Allegorien, Gleichnissen,

Märchen, Witzen und Filmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

3.14 Entwerfen eigener Geschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

3.15 Verschiedene Rollen in der Beratung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96

3.16 Übungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97

4 Die Systematik der Metaphern-Datenbank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101

5 Übersicht über die Themenbereiche der Metaphern-Datenbank . . . . . . . . . . 109

5.1 Räumliche, materielle und zeitliche Orientierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109

5.2 Wahrnehmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

5.3 Handlung und Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113

5.4 Physiologische und organische Zustände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114

5.5 Tätigkeiten und Berufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116

5.6 Literarische und cineastische Themen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122

5.7 Menschen und ihre Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125

5.8 Materielle und immaterielle Werte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126

5.9 Natur und Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128

6 Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133

7 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134

8 Inhalt und Nutzung der DVD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137

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ISBN Print: 9783525401750


Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

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Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

■ 1 Vorwort

In meinen Beratungen arbeite ich gern mit Sprachbildern und Metaphern.

Kaum machen eine Klientin oder ein Klient, ein Team oder ein Vorstand eine

Äußerung, die auch nur den Anschein des Bildhaften hat, bin ich versucht,

diese aufzugreifen und mit den darin enthaltenen Bilderwelten weiterzuarbeiten.

Diese Arbeit mit bildhafter Sprache reicht vom Aufgreifen der verwendeten

Sprachbilder und ihrer Ausweitung über das Malen von Bildern, Formen

der Aufstellungsarbeit, das Nutzen von Trance-Induktion oder Abschlussmetaphern

bis hin zum Erzählen von Geschichten, Gleichnissen oder dem Entwerfen

von Fantasie- und Heldenreisen. Um Sprachbilder gezielt nutzen zu können

und nicht nur wahllos aufzugreifen, lohnt sich ein Blick auf die Strukturen bildhafter

Sprache und auf Methoden, die sich besonders für die Arbeit mit Sprachbildern

eignen.

Neben dem spontanen Aufgreifen bildlicher Sprache setzte ich mich daher

immer wieder intensiv mit den Sprachbildern meiner Klientinnen und Klienten

auseinander. So lernte ich etwa genauer, wie ein Automotor funktioniert, was

Superhelden so treiben und was in der Schifffahrt vor sich geht. Neben Einblicken

in Gärtnerei, Boxsport, Märchen und Sagen schaute ich auch Filme und

Fernsehsendungen, um an die Bilderwelten von Klientinnen und Klienten anknüpfen

und diese erweitern zu können. Hierdurch wurden die in der Beratung

gemeinsam erzeugten Übertragungen und Visualisierungen reichhaltiger, tiefgreifender

und auch hilfreicher. Zudem durchforstete ich meinen Methodenkoffer

nach Beratungsformaten, die einen besonders guten Zugang zur Arbeit

mit Metaphern bieten. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung mit bildlicher

Sprache in Beratung und Therapie sind in diesem Buch zusammengefasst.

Warum sollte man in der systemischen Beratung und Therapie aber überhaupt

mit Metaphern arbeiten? Zum einen, weil unsere Sprache ohnehin voll

von Metaphern und Sprachbildern ist und wir daher implizit immer damit arbeiten.

Zum anderen, weil das Aufgreifen von Metaphern einer der wichtigsten

Zielrichtung systemischen Arbeitens dient: dem Perspektivenwechsel. Redet

man in Metaphern, erscheinen Probleme und Lösungen »in einem anderen

Licht«, es tun sich »neue Türen auf« und alles scheint wie verwandelt. Das Nutzen

von Metaphern wird in allen Bereichen systemischer Beratung als zentrale

Technik beschrieben: in der Organisations- und Teamentwicklung, in Supervision,

Coaching und Paarberatung, in der Therapie und nicht zuletzt in der hypnotherapeutischen

Arbeit.

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Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

8 Vorwort

Was brauchen Praktikerinnen und Praktiker, um mit Metaphern arbeiten zu

können? Sie benötigen:

– ein Grundverständnis für den Aufbau und die Funktion von Metaphern,

– Methoden zur Arbeit mit Metaphern und

– einen großen Metaphern-Wortschatz.

All dies finden die Leserinnen und Leser in diesem Buch und auf der beiliegenden

DVD. Für die sichere Verwendung von Metaphern in der Beratungsarbeit

habe ich Grundprinzipien der Arbeit mit Metaphern formuliert (Kapitel

2), zahlreiche Methoden zusammengetragen, in denen Metaphern eine zentrale

Rolle spielen (Kapitel 3), eine Systematik für die praktische Verwendung von

Metaphern entworfen (Kapitel 4) und zusammen mit Christiane Rosenbohm

eine umfangreiche Sammlung von Begriffen, Redewendungen und Sprichwörtern

erstellt, die zu bestimmten Themenbereichen gehören, wie Körper, Landwirtschaft,

Schifffahrt, Schule, Wetter oder Tiere. Diese im hinteren Teil dieses

Buches vorgestellten Begriffsräume (Kapitel 5) finden sich auf der beiliegenden

DVD als Software, die Personen, Orte, Gegenständliches und Abstraktes, Tätigkeiten,

Eigenschaften, Redewendungen und Sprichwörter systematisch zusammenfasst.

Die über 18.000 Einträge lassen sich über eine Suchfunktion einfach

handhaben und können jederzeit durch eigene Einträge, den Austausch selbst

erstellter Datensätze mit Kollegen und durch Updates erweitert werden.

Um das Arbeiten mit Metaphern noch weiter zu erleichtern und anzuregen,

befinden sich auf der DVD ergänzende Arbeitshilfen und zwei Beratungsvideos

zu der im Buch vorgestellten Methode der Heldenreise.

Beim Eintauchen in die Welt der Sprachbilder und Metaphern wünsche ich

den Leserinnen und Lesern viel Spaß und gute Ideen für tief gehende Gespräche

und sprachliche Höhenflüge.

Und nun: Viel Spaß! Glück auf! Gut Holz! Petri und Waidmanns heil! Mastund

Schot-, Hals- und Beinbruch!

Holger Lindemann

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Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

■ 2 Metaphern in der Beratung

Metaphern werden alltäglich verwendet, oft ohne dass dies bewusst geschieht.

Diese implizite Verwendung von Metaphern geht sogar soweit, dass man Personengruppen

unterscheiden kann, die zu bestimmten Formen von Sprachbildern

neigen, beispielsweise zu visuellen (»bei Licht besehen«, »den Durchblick

haben«), zu olfaktorischen (»den richtigen Riecher für etwas haben«, »etwas

liegt in der Luft«), zu militärischen Sprachbildern (»einen Warnschuss abgeben«,

»etwas schlägt ein wie eine Bombe«) oder zu Sprachbildern aus dem Bereich

Kochen und Essen (»jemandem die Suppe versalzen«, »da liegt der Hase

im Pfeffer«).

2.1 Metaphern, Phraseologismen und Sprichwörter

Metaphern bestehen prinzipiell aus Begriffen, die einem anderen Bezugsrahmen

entnommen sind als dem, in dem sie angewendet werden – zum Beispiel

»losschießen« für »anfangen zu erzählen« oder »Galgenfrist« für einen »verlängerten

Termin«, »Kotzbrocken« für »eine unbeliebte Person« oder »Kaderschmiede«

für eine »eliteorientierte Bildungseinrichtung«. Neben solchen

einzelnen bildhaften Begriffen gibt es sogenannte Phraseologismen, also feste

Wortverbindungen, die aus zwei Wörter bestehen – zum Beispiel eine »blumige

Sprache«, ein »rotes Tuch«, der »lachende Dritte« oder eine »gezielte Bemerkung«

–, aus mehreren Wörtern gebildet werden, wie feststehende Redewendungen

– zum Beispiel »jemandem auf der Nase herumtanzen«, »mehrere

Eisen im Feuer haben«, »wie Katz und Maus« oder »jemandem reinen Wein

einschenken« –, oder aus ganzen Sätzen bestehen, wie Sprichwörter – zum Beispiel

»Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein«, »Unrecht Gut gedeihet

nicht« oder »Ein gebranntes Kind scheut das Feuer« (vgl. Palm, 1997, S. 1 ff.;

Röhrich, 2003, S. 13).

Bildhaft bzw. metaphorisch sind diese einzelnen Begriffe, Begriffsgruppen

und Sätze, weil sie sich in ihrem Wortsinn auf andere Bereiche beziehen und

sie dadurch in ihrem Verwendungszusammenhang »für etwas anderes« stehen.

Diese Funktion der Metapher erklärt sich auch aus der griechischen Herkunft

des Wortes: metà phérein = anderswohin tragen und metaphora = Übertragung.

Metaphern stehen immer implizit oder explizit als bildhafte Übertragung für

die Bezeichnung und Bedeutung von Gegenständen, Personen, abstrakten Begriffen

und Situationen.

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10 Metaphern in der Beratung

Der große Bereich bildhafter Sprache lässt sich jedoch nicht nur lexikalisch

oder etymologisch erfassen, sondern kann für die praktische Verwendung zu

Themenbereichen zusammengefasst werden (siehe Kapitel 5). Eine Sammlung

solcher Themenbereiche mit einzelnen Begriffen, Aussprüchen und Redewendungen

wird mit der beiliegenden Metaphern-Software zur Verfügung gestellt.

In der hierbei verwendeten Systematik steht der praktische Nutzen in Beratung

und Therapie im Vordergrund und keine sprachwissenschaftliche Ordnung.

Mögliche Themenbereiche (diese finden sich zum Teil auch in der Metaphern-

Software) sind: Ameisen- oder Bienenstaat, archäologische Ausgrabung, Bauernhof,

Biotop, Boxring, Burg, Dorf, Dschungel, Elektrizität, Fäden und Tücher,

Fabrik, Fantasy, Film, Fußball, Garten, Gebirge (Seilschaft), Geheimdienst,

Handwerk, Haus, Hausbau, Irrenhaus, Karawane, Kindergarten, Kirche, Kleidung,

Körper, Krankenhaus, Krieg, Krimi, Märchen, Meer, Militär, Motorsport

(Autorennen, Motocross), Orchester, Polizei, Raumstation, Schiff, Schule, Science

Fiction, Seefahrt, Sklavenschiff, Sportmannschaft, Superhelden, Tierherde,

Tierrudel, Tierwelt, Wald, Western, Zirkus, Zoo, Zugvögel.

Wird ein solcher Begriffsraum durch einen Gesprächspartner »angeschnitten«,

kann man diesen aufgreifen, ausbauen und verstärken – bis hin zum Malen

von Bilder oder dem Erzählen von Geschichten.

Beispiele: »Das ist hier wie im Zoo!« oder »Wir spielen mit unserer Firma in der Champions

League!« oder »Das ist hier doch kein Kindergarten!« oder »Das Leben ist kein

Ponyhof!« oder »Was ist denn das für ein Affenzirkus!«

Anstatt diese bildhafte Sprache »am Rande des Gesprächs liegen zu lassen«,

kann sie aufgegriffen werden und man redet dann über den Zoo anstatt über

das Team, über Fußball anstatt über die Firma und deren Konkurrenten, über

Kindergärten anstatt über die Familie, über einen Ponyhof anstatt über das Leben,

über einen Affenzirkus anstatt über einen Ehestreit. Nach diesem Ebenenwechsel

folgt dann in der Regel eine Ausweitung der Metapher und Verbindung

mit der Situation und dem Anliegen des Klienten (»Wer wäre denn in Ihrem

Team der Löwe und wer der Zoowärter?«, »Wer sind die Besucher Ihres Zoos?«

oder »Welchen Pokal gäbe es denn für Ihre Firma zu gewinnen und wo würden

Sie ihn hinstellen?«, »Wer in Ihrer Firma würde den Pokal bewundern und sich

als Sieger fühlen? Wer wären die Verlierer?«). Die (implizite) Metaphorik wird

bewusst verwendet, um in einem weiteren Schritt wieder zurück in den Alltag

übertragen zu werden.

Hierzu kann gezielt nach Personen, Gegenständen, Orten, Räumen oder Situationen

gefragt werden, die zu diesem Begriffsraum gehören und dadurch

eine Funktion im Gespräch erhalten können. Neben dem Nachfragen durch

den Berater kann dieser aber auch von sich aus die im Gespräch verwendeten

Metaphern aufgreifen und erweitern. Die beiliegende Metaphern-Software

bietet hierfür im wahrsten Sinne des Wortes einen Sprachschatz für die praktische

Verwendung. Die in der Software zur Verfügung gestellten Themenberei-

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Verwendung von Metaphern 11

che können durch den Leser durch eigene Kategorien und Einträge ergänzt werden.

Auch können über die Suchfunktion eigene Listen erstellt und Datensätze

für einzelne Klienten angelegt werden.

Das hieraus entstehende Spiel mit der impliziten und expliziten Bedeutung

bildhafter Sprache ist vielfältig. Dieses Buch soll hierfür in zweierlei Hinsicht

hilfreich sein: Zum einen werden die Spielregeln erläutert, nach denen dieses

Metaphern-Spiel gespielt werden kann, und zum anderen wird auf der DVD

umfangreiches Material hierfür zur Verfügung gestellt.

2.2 Verwendung von Metaphern

In der vielfältigen Arbeit mit Sprachbildern und Metaphern habe ich zahlreiche

Erfahrungen gesammelt, die für meine Beratungsarbeit entscheidend geworden

sind. Als Grundsätze gelten hierbei für mich:

1. Greife Sprachbilder nur gezielt auf. Nicht jedes Thema und nicht jeder Beratungskontext

eignet sich für eine Arbeit mit Sprachbildern.

2. Entscheide dich bezogen auf dein Gegenüber immer gezielt und bewusst dafür,

ob du die gleichen, ähnliche oder auch gegenläufige Bilder und Sprachmuster

verwendest.

3. Wenn du ein »Bilderwelten-Fass« aufmachst, solltest du sicher sein, dass dieses

auch gut gefüllt ist. Oder anders gesagt: Mach dich kundig über die Vielfalt

der Bilderwelten, um bei der Verwendung von Sprachbildern »aus dem

Vollen schöpfen« zu können.

4. Rege deine Klienten zum Malen und Visualisieren an, male selber oder nutze

Vorlagen. Es ist immer hilfreich, eine Bildervorlage zu der angesprochenen

Bilderwelt »aus dem Ärmel schütteln« zu können.

Der Sinn einer aktiven Beratungsarbeit mit Sprachbildern und Metaphern

liegt darin, dass hierdurch eine andere Sprach- und damit auch Sichtweise auf

Probleme und Lösungen eingeführt wird. Etwas wird anders beschrieben, betrachtet

und auch erlebt als vorher. Diese Erweiterung des Horizonts oder der

Wechsel auf eine andere Betrachtungsebene lässt sich auch neurobiologisch begründen,

da das Sprachverständnis in anderen Hirnarealen lokalisiert ist als das

räumliche und bildliche Vorstellungsvermögen (hierzu mehr in Kapitel 2.3).

Die aktive Verwendung von Sprachbildern und Metaphern ist so gesehen eine

Form »zirkulären Fragens«, da sie zwar nicht die Sichtweisen anderer Personen

auf Probleme und Lösungen einbezieht, wohl aber die Interpretationsbereiche

verschiedener Hirnareale miteinander in Beziehung setzt.

In der Arbeit mit bildhafter Sprache und Metaphern geht es oft darum, ihre

(in der Regel eher unbewusste) Verwendung gezielt dazu zu nutzen, weitere

Blickwinkel auf ein Thema einnehmen zu können. Metaphern werden dann oft

wörtlich genommen und auf dieser wörtlichen bzw. explizit metaphorischen

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12 Metaphern in der Beratung

Ebene weitergeführt (»Wenn Sie für Ihren Freund die Hand ins Feuer legen,

wen wollen Sie durch diese Feuerprobe überzeugen und wie lange halten Sie die

Hitze aus?« oder »Wie fühlt sich das Wasser an, das Ihnen bis zum Hals steht?«).

Eine Rückführung dieser wörtlich genommenen Bildsprache erfolgt dann, indem

herausgearbeitet wird, wofür das entworfene Bild in der tatsächlichen Erfahrung

stehen soll oder welche Ziele und Handlungsstrategien sich daraus ergeben

können (»Was könnten Sie dafür tun, dass Ihr Freund wahrnimmt, dass

Sie für ihn die Hand ins Feuer legen und die Hitze nicht mehr lange ertragen?«

oder »Was würde es in Ihrem Alltag bedeuten, wenn Sie eine gute Rückenlage

auf dem Wasser finden, so dass Sie darauf treiben und nicht mehr Wasser schluckend

darin herumpaddeln?«).

In der Praxis der Arbeit mit Metaphern gibt es vielfältige Möglichkeiten der

Nutzung von Sprachbildern.

Der Berater kann die implizit vom Gegenüber verwendeten Sprachbilder und

Metaphern aufgreifen und ausweiten und somit auf dieser metaphorischen Ebene

über die Aspekte des Beratungsthemas sprechen, für die das Sprachbild steht.

»Wenn Sie sagen, dass Sie ›auch ein Stück vom Kuchen abhaben möchten‹, wer darf

denn dann auch noch etwas von dem Kuchen bekommen?« oder »Was ist das für

ein Kuchen? Wie sieht er aus? Wie schmeckt er?« (Ausweitung des Redens über Kuchen

anstatt über die dadurch repräsentierten Gewinne und Vorteile).

»Ich bin in der Firma doch nicht der Pausenclown!« – »Wenn Ihre Firma ein Zirkus ist,

welche Rolle hätten Sie denn dann gern?«, »Wer ist der Zirkusdirektor?«, »Was ist das

genau für ein Zirkus?«, »Welche Nummern stehen auf dem Programm?« (Ausweitung

des Redens über Zirkus anstatt über die dahinter stehenden Rollen und Beziehungsmuster).

Der Berater kann die gleichen Sprachbilder und Metaphern verwenden wie das

Gegenüber, damit man »die gleiche Sprache« spricht und das Gespräch besser

an die Denk- und Sprachmuster des anderen anknüpft. Ziel dieses Vorgehens ist

es, an die Sprache des Gegenübers anzudocken, damit ein gutes Pacing gelingt

und das Gegenüber in den ihm vertrauten Sprachbildern über Lösungen und

Probleme sprechen kann (siehe Kapitel 2.3.3).

»Das Verhalten Ihres Kollegen stinkt Ihnen also. Gibt es denn etwas an ihm, das Sie

gut riechen können?«, »Gab es eine Zeit oder einzelne Tage, an denen er für Sie

nicht so schlimm gerochen hat?« (Anknüpfen an das verwendete Sprachbild »Riechen«).

»Ich habe diese Grabenkämpfe mit der Verwaltung satt!« – »Was müsste denn passieren,

damit es mal so richtig knallt zwischen Ihnen?« Oder: »Sie können Ihren Ärger

also nicht mehr herunterschlucken?« (Anknüpfen an eines der verwendeten

Sprachbilder »Militär« oder »Essen«).

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Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

Verwendung von Metaphern 13

Der Berater kann gegenläufige Sprachbilder und Metaphern verwenden, damit

dem Gegenüber eine andere Möglichkeit der Beschreibung aufgezeigt wird

und seine Denk- und Sprachmuster »verstört« werden. Durch ein Kreuzen der

Sprachmuster des Gegenübers, kann man durch ein gezieltes Leading zu anderen

Wirklichkeitskonstruktionen anregen und so den Raum möglicher Beschreibungen

und Sichtweisen ausweiten, indem das gewohnte Sprachspiel

durch andere Sprachbilder ersetzt wird (siehe Kapitel 2.3.3).

»Ich habe diese Grabenkämpfe mit der Verwaltung satt!« – »Was ist denn genau

der Sand in dem Getriebe?« Oder: »Wie könnten Sie denn das Ruder herumreißen,

damit Sie wieder auf einen gemeinsamen Kurs kommen?« Oder: »Wenn Sie diese

›Grabenkämpfe‹ führen und das alle Beteiligten belastet, gibt es dann nicht auch

irgendwo ein Licht am Ende des Tunnels?« (von einer kriegerischen Problemsprache

»Grabenkämpfe« zu einer Lösungssprache überleiten, die aus den Bereichen

Mechanik, Schifffahrt oder Züge kommt).

Man kann den Klienten Sprachbilder und Metaphern anbieten und sie dazu anregen,

in ihrem Denken und Erzählen einmal anders auf eine geschilderte Situation

zu schauen.

»Wenn das Gefühl, das Sie in dieser Situation haben, ein Tier wäre, welches Tier

wäre es dann?«, »Welches Tier hätten Sie gern anstatt diesem Tier?« oder »Stellen

Sie sich vor, Ihr Team wäre die Besatzung eines Schiffes. Wer hätte dort welche Aufgabe

und Funktion?«, »Was wäre das für ein Schiff?« (Anbieten eines Begriffsraums

»Tiere« bzw. »Seefahrt«, um auf einer metaphorischen Ebene über das Anliegen

des Klienten zu sprechen).

Warnhinweis

Metaphern sollten gezielt und sparsam in der Beratung aufgegriffen werden,

da sich die Bilderwelten vor allem im Kontext von Teams und Organisationen

recht schnell abnutzen. Ein zu häufiger Wechsel der Metaphern

ist hier eher kontraproduktiv (»Vorletzte Woche war das hier ein ›Zirkus‹,

letzte Woche ein ›Schiff‹, mal schauen, was wir diese Woche sind …!«).

Eine einmal eingeführte Metapher kann man hingegen gut beibehalten

und immer wieder aktualisieren.

Es gilt vor allem auch, sehr wertschätzend und einfühlsam auf die

Sprachebene der Metaphern zu wechseln, damit sich die Klienten mit ihrem

Anliegen ernst genommen und nicht veralbert fühlen. Als gezielte

Provokation eignen sich Metaphern hingegen auch. Am besten ist es, ein

gutes eigenes Gespür für die Verwendung von Metaphern zu entwickeln,

damit ihr Einsatz zum eigenen Beratungsstil und zu den Klienten passt.

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Holger Lindemann / Christiane Rosenbohm, Die Metaphern-Schatzkiste

14 Metaphern in der Beratung

2.3 Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern

Metaphern kann man auf der beschriebenen Grundlage in verschiedenster

Weise für die beraterische und therapeutische Praxis nutzen. Bildhafte Formulierungen

können von einer impliziten auf eine explizite Reflexionsebene

gebracht werden, der Sprachgebrauch des Gegenübers kann verstärkt, abgeschwächt

oder verstört werden. Bildhafte Sprache bietet sich ebenso dazu an,

zwischen assoziierten und dissoziierten Schilderungen zu wechseln, um an die

Sprache des Gegenübers anzuknüpfen, ihn gezielt zu anderen Bilderwelten zu

führen oder um Trance- oder Hypnosezuständen herbeizuführen. Bilderwelten

und Metaphern bilden auch den Hintergrund für zeichnerische Beratungsformen,

das Erstellen von Collagen oder verschiedenen Formen der Figurenaufstellung.

In der praktischen Arbeit mit Metaphern spielen einige Prinzipien und

Techniken eine zentrale Rolle, die nachfolgend kurz vorgestellt werden. 1

2.3.1 Perspektivenwechsel

Ein entscheidendes Grundprinzip der Beratung und auch der Arbeit mit Metaphern

ist der Perspektivenwechsel. Dieser wird in Regel dadurch erzeugt, dass

man die Perspektive einer anderen Person, einer anderen Rolle oder eine andere

zeitliche Perspektive einnimmt, aus denen heraus man eine Situation betrachtet.

Die Verwendung von Sprachbildern und Metaphern stellt hierbei eine besondere

Form des Perspektivwechsels dar, da von einer eher rational-analytischen

Beschreibung eine Verbindung zu einer bildlich-intuitiven Beschreibung hergestellt

wird (Tabelle 1).

1 In diesem Abschnitt und im folgenden Kapitel über Methoden der Arbeit mit Metaphern greife

ich auch auf Konzepte und Methoden des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) zurück.

Zwar halte ich den Begriff des Programmierens in der Beratung für äußerst irreführend, zumal

er eine, aus systemischer Sicht, fragwürdige Machbarkeit und damit auch Macht auf Seiten des

Beraters suggeriert. Dennoch entspringen die beraterischen Ideen des NLP den gleichen Wurzeln

wie die systemische Therapie und Beratung (beispielsweise den Arbeiten von Virginia Satir,

Milton H. Erickson, Gregory Bateson und der Palo-Alto-Schule, der Kybernetik, dem radikalen

Konstruktivismus und Humberto Maturanas biologischer Erkenntnistheorie; vgl. Mohl, 2006,

S. 32–64). Der große Unterschied liegt meines Erachtens eher in einer anderen Grundhaltung.

Wie und mit welcher Haltung die dargestellten beraterischen Werkzeuge eingesetzt werden, liegt

in der Verantwortung des Beraters und nicht in der theoretischen Herkunft oder beraterischtherapeutischen

Schule begründet. Nicht das Werkzeug entscheidet über seine Verwendung,

sondern der Handwerker, der es benutzt. Methoden der systemischen Beratung und des NLP

werden hier daher ohne (ideologische) Vorbehalte und ohne strikte Trennung dargestellt.

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Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern 15

Tabelle 1: Rational-analytische und bildlich-intuitive Beschreibung

rational-analytisch

Sprache, Lesen und Rechnen

Rationalität und Kalkül

Analyse und Berechnung

Planen

Regelhaftigkeit und Gesetze

Berechnung und Sicherheit

Detailorientierung

bildlich-intuitiv

Bild- und Körpersprache

Bilder, Symbole und Melodien

Gerüche, Geschmack und Gefühle

Intuition und Empathie

Synthese und Zufall

Träumen und Fantasieren

Ausprobieren und Experimentieren

Spiel und Risiko

Ganzheitlichkeit und Empfinden

Gern wird dieser Wechsel als Nutzung von Gehirnarealen der linken ( rationalanalytischen)

Hirnhälfte einerseits und der rechten (bildlich-intuitiven) Hirnhälfte

andererseits beschrieben. Diese Unterscheidung stellt aus neurobiologischer

Sicht eine starke Verkürzung dar, da die Zuordnung funktionaler Hirnareale

zu der einen oder anderen Seite nicht so eindeutig ist. Auch Emotionen

werden oft fälschlicherweise der rechten Hirnhälfte zugeordnet, obwohl das für

Gefühle maßgeblich zuständige limbische System in der Hirnmitte liegt. Relevant

ist jedoch die Feststellung, dass durch die verschiedenen Repräsentationssysteme

unterschiedliche Hirnareale stimuliert werden. Zumindest in unserem

westlichen Kulturkreis, in dem eine rational-analytische Betrachtung vorherrscht,

stellt es im besonderen Maße einen Perspektivenwechsel dar, wenn

eine bildlich-intuitive und auch sinnliche-emotionale Ebene angesprochen

wird, ganz unabhängig davon, in welchen Hirnarealen diese nun lokalisiert sind.

2.3.2 Implizieren und Explizieren

Grundsätzlich gibt es bei der Arbeit mit Metaphern die Möglichkeit, sie implizit

zu verwenden, also ohne auf den bildlichen und metaphorischen Sprachgebrauch

oder auf den Wechsel zu einer bildlichen und metaphorischen Ebene

explizit hinzuweisen.

Beispiele für die implizite Verwendung von Metaphern: »Ich glaube, da liegt bei uns

der Hund begraben.« – »Wer hat den Hund denn dort begraben? Wie lange ist der

schon tot? Und welche Inschrift steht auf dem Grabstein?«

Beispiele für die explizite Verwendung von Metaphern: »Ich schlage Ihnen vor, die Situation

mal von einer bildlichen Seite aus zu betrachten, und möchte Sie dazu zu

einem Gedankenexperiment einladen: Wenn die Situation in Ihrem Team ein Film

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16 Metaphern in der Beratung

wäre, wie würde der Titel lauten und zu welchem Genre würde er gehören? Wer

aus Ihrem Team würde welche Rolle spielen? Wofür könnte dieser Film einen Oscar

erhalten?«

2.3.3 Pacing und Leading

Der englische Begriff »to pace« bedeutet so viel wie »im gleichen Schritt« gehen.

Er wird in der Beratung und Therapie verwendet, um das Verhalten des Beraters

zu beschreiben, wenn er Rapport herstellt, dem Klienten zustimmt, nickt, eine

gleiche oder ähnliche Körperhaltung einnimmt, die gleichen oder ähnlichen

Sprachbilder und Metaphern verwendet. Das Herstellen von Rapport – auch

Joining genannt – dient dem Andocken an die Geschwindigkeit, aber auch die

Gangart des Klienten, an seine Denk- und Sprachmuster. Dieses »Mitschwingen«

mit der Sprache und Körperhaltung ist eine wichtige Technik, um an das

Klientensystem anzuschließen, Verständnis zu signalisieren und die »gleiche

Wellenlänge« herzustellen (vgl. Andreas u. Faulkner, 2005, S. 163 ff.; Schwing u.

Fryzer, 2006, S. 33 f.).

»Leading«, also Führung, bedeutet im Gegensatz zum Pacing, etwas anders

zu machen als der Klient. Unterscheidungen einzuführen, andere Sichtweisen

anzubieten, ihn aufzufordern, eine andere Körperhaltung auszuprobieren oder

selbst eine gegenläufige Körperhaltung einzunehmen, andere Sprachbilder und

Metaphern zu verwenden oder auf eine metaphorische Sprachebene zu wechseln.

Dieses »Führen« ist auf eine Verstörung und Bewegung des Klientensystems

ausgerichtet, indem bewusst Unterschiede zu den für Klienten üblichen

Erzähl-, Erlebens- und Handlungsweisen eingeführt werden (vgl. Mohl, 2006,

S. 154 u. 204).

Diese beiden Prinzipien sind für die Arbeit mit Metaphern wichtig, da der

Berater entscheiden muss, wann es sinnvoll sein kann, die vom Klienten angebotenen

Sprachbilder zu verwenden und zu explizieren oder aber gegenläufige

und neue Bilder anzubieten.

2.3.4 Reframing

Durch jede Form der Arbeit mit Metaphern findet ein Wechsel des Gesprächsrahmens

statt (Re-frame). Anstatt über die »Probleme im Team« wird über die

»Leichen im Keller« gesprochen, darüber, wie sie heißen, wie sie gestorben sind,

wer ein Interesse daran hat, dass sie ausgegraben werden, und dergleichen mehr.

Ein solches Reframing kann ganz offen und explizit durchgeführt werden oder

verdeckt und implizit. Dieser Rahmenwechsel bezieht sich zunächst nur auf einen

sprachlichen Perspektivenwechsel, beinhaltet aber viele Möglichkeiten, vergangene,

gegenwärtige und zukünftige Geschehnisse »umzuschreiben«.

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Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern 17

Die weitergehende Form des Reframing besteht darin, eine als belastend

empfundene Erfahrung so umzudeuten, dass sie positiv gesehen werden kann

oder einen anderen Sinn ergibt: Der aufmüpfige Sohn wird zum Sohn, der seinem

Vater in dessen Unabhängigkeit und Selbständigkeit nacheifert, die belastende

Situation der Kindheit wird zu einem Erleben, dass die Persönlichkeit

gestärkt hat, die Magersucht der Tochter wird zur Übernahme der Verantwortung

für die Konflikte in der Familie (Furman, 2005a; Schwing u. Fryzer, 2006,

S. 220 f.; von Schlippe u. Schweitzer, 2000, S. 177 ff.). Solche Umdeutungen verkehren

eine Belastung oder ein Problem in das Gegenteil und lassen aus Verlierern

Gewinner und aus Feinden Freunde werden. Zentral ist hierbei die Frage,

welche Ressourcen in der Situation vorhanden sind und welche Vorteile man

selbst oder andere Beteiligte aus der Situation ziehen können.

2.3.5 Dissoziation und Assoziation

Dissoziation beschreibt den persönlich und emotional eher unbeteiligten Blick

auf eine Situation (Beschreibung »von außen«) im Gegensatz zu einer assoziierten

persönlich und emotional beteiligten Sicht (Beschreibung »als wäre man

mittendrin«). Diese Unterschied lässt sich gut nachvollziehen, wenn man sich

die Fahrt mit einer Achterbahn auf zwei unterschiedliche Weisen vorstellt: Einmal

aus dem dissoziierten Blickwinkel einer Person, die außerhalb der Achterbahn

steht und beschreibt, was sie sieht (Leute steigen ein, die Wagen setzen

sich in Bewegung, ein Luftballon fliegt vorbei, der Wagen fährt bergauf und

dann wieder bergab), und einmal aus einem assoziierten Blickwinkel einer Person,

die mitfährt (du steigst ein und setzt dich, es riecht nach Zuckerwatte, du

spürst, wie sich der Wagen ruckelnd in Bewegung setzt, ein flaues Gefühl macht

sich in deinem Magen breit, als der Wagen die erste Steigung nimmt).

Dissoziierte Beschreibungen beschränken sich in der Regel auf das, was man

aus der Distanz von außen beobachtet, assoziierte Beschreibungen beinhalten

hingegen in der Regel alles, was man aus einer Innerperspektive heraus erlebt,

was man spürt, riecht, schmeckt, hört und sieht. Dissoziation findet sich methodisch

zum Beispiel in Figurenaufstellungen oder durch das Einnehmen einer

Metaposition, Assoziation in der Stellvertreteraufstellung oder in Skulpturen,

dem Einnehmen einer Position in einer Timeline oder im Tetralemma (vgl.

Natho, 2010; Varga von Kibéd u. Sparrer, 2005).

Die Verwendung von Metaphern nutzt zunächst eher Dissoziationen, die

eine größere Distanz zum tatsächlichen Erleben erzeugen. Bei der Rekontextualisierung

und Internalisierung werden diese »von außen« betrachteten Aspekte

dann auf die Lebenswelt des Klienten übertragen bzw. als neu interpretierter Bestandteil

der Person angenommen (siehe 2. 3. 12 in diesem Kapitel).

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18 Metaphern in der Beratung

2.3.6 Externalisierung als Objektivierung und Personifizierung

Eine Externalisierung (»nach außen bringen«) besteht in der Objektivierung (im

Sinne einer Verdinglichung) oder Personifizierung (im Sinne einer Vermenschlichung)

von Bedürfnissen, Gefühlen, Wahrnehmungen, Einstellungen, Rollen,

Problemen, abstrakten Begriffen und Zusammenhängen (z. B. die Bulimie

als eine Schlange, die Kundenorientierung der Firma als Gummiball, das Todschlagargument

des Chefs als eine Keule, das Einkoten des Kindes als Stinkemonster,

die Angst als eigenständige Schattenperson, die einen begleitet). Es

können auch Gefühle oder Glaubenssätze externalisiert werden (z. B. »meine

Unzufriedenheit« oder der Glaubenssatz »Wenn es mir schlecht geht, darf ich

mir nichts anmerken lassen!«). Diese in einer Person liegenden oder immateriellen

Aspekte können so mit einem Gegenstand, einer Person oder einer Rolle

verbunden visualisiert werden (vgl. von Schlippe u. Schweitzer, 2000, S. 169 ff.;

Schwing u. Fryzer, 2006, S. 283 ff.).

Durch Externalisierung gibt man sonst eher immateriellen, abstrakten oder

in der Person liegenden Aspekten eine eigenständige Form bzw. eine eigenes

Gesicht (wie dies etwa in dem Buchtitel »Meine Psychose, mein Fahrrad und

ich« von Fritz B. Simon zum Ausdruck kommt; Simon, 2000). Diese externalisierte

Form ist immer eine Metapher für den dahinterliegenden Aspekt und

kann aus jedem bildlichen und metaphorischen Themenbereich stammen.

Beispiele für externalisierbare Probleme: die grausame Krankheit, die alles bestimmende

Krise, der wachsende Schuldenberg, die Psychose, die Depression, die Inflation,

die Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit.

Beispiele für externalisierbare Ressourcen: die helfende Hand, das Wohlwollen der

Mutter, die Fähigkeit abzuschalten, die eigene Zuversicht, das Glücksgefühl, das innere

Kind, der aufrechte Gang, der Sommerurlaub.

Eine hilfreiche Form der Externalisierung berichtete mir eine Kollegin, die in

der telefonischen Beratung arbeitet.

Eine Frau rief an und sagte, sie müsse dringend einkaufen gehen, habe aber zu viel

Angst, die Wohnung zu verlassen. Die Kollegin fragte, ob sich die Frau vorstellen

könne, dass sich ihre Angst in ihr Wohnzimmer setzt und dort auf sie wartet, bis sie

vom Einkaufen zurück ist. Auf diese Weise gelang es der Frau, einkaufen zu gehen

und auch in späteren Situationen ihre Angst auf dem Sofa sitzend warten zu lassen,

um selbst andere Dinge tun zu können.

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Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern 19

2.3.7 Bodenanker

Das Arbeiten mit Bodenankern findet sich in vielen Beratungstechniken: bei

der systemischen Strukturaufstellung, dem Tetralemma, bei ausgelegten Timelines

oder dem sogenannten Meta-Mirror (Sparrer, 2006; Varga von Kibéd u.

Sparrer, 2005, S. 75 ff.; Mohl, 2006, S. 740 u. 763; Dilts, 2006, S. 200 ff.). Als Bodenanker

kann beispielsweise eine Moderationskarte dienen, die stellvertretend

für ein bestimmtes Element der Beratung auf dem Boden ausgelegt wird. Zu

diesen Elementen der Beratung können Personen, Rollen, Gegenstände, Glaubenssätze,

Bedürfnisse, Eigenschaften, Störungen (z. B. »meine Psychose«), ein

bestimmter Zeitpunkt, ein Erlebnis und dergleichen mehr gehören. Auch in der

Arbeit mit Metaphern bieten sich Bodenanker zur Visualisierung an, etwa zur

Verortung »des inneren Schweinehundes«, »des schlechten Gewissens« oder

von »Engelchen« und »Teufelchen«. Die so ausgelegten Elemente dienen zunächst

der Externalisierung und dissoziierten Betrachtung (Abbildung 1).

Abbildung 1: Beispiel für Bodenanker aus Moderationskarten (Holger Lindemann)

Bodenanker können auch durch Stühle repräsentiert werden, die als Stellvertreter

fungieren (etwa beim Meta-Mirror; vgl. Dilts, 2006, S. 200 ff.). Ein Bodenanker

kann aber auch ohne das Auslegen einer Karte oder das Aufstellen eines

Stuhls als Position im Raum festgelegt werden. So kann etwa die Ecke eines

Raums zum »Ort des Zweifels« werden, der Platz vor dem Fenster zum »Ort der

Zuversicht« oder der Durchgang zum Nebenraum zum »Ort des Erfolgs« (vgl.

Dilts, 2008, S. 139 ff.).

Alle relevanten Aspekte eines Problems bzw. einer Lösung können so visualisiert

und über ihre Positionierung im Raum zueinander in Beziehung gesetzt

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20 Metaphern in der Beratung

werden. Ein entscheidender Schritt hierbei ist es, zunächst Elemente des Problems

oder der Lösung zu externalisieren und ihnen eine eigenständige Form –

ein eigenes Gesicht – zu geben. Durch die Verortung im Raum werden die

Boden anker zueinander in Relation gebracht und bilden so die Beziehungen der

Elemente untereinander ab. Der Klient kann sich dann, durch das Einnehmen

der Position eines der Bodenanker, mit diesem Aspekt des ausgelegten Systems

assoziieren, also sich in diese Position hineindenken und hineinfühlen. Das ausgelegte

System kann so aus verschiedenen Blickwinkeln assoziiert erfahren und

betrachtet werden. Von einer außerhalb des Systems gelegenen »Metaposition«

kann das System zudem dissoziiert von außen angeschaut und analysiert werden.

Die »Metaposition« kann ebenfalls durch einen Bodenanker repräsentiert

werden oder auch aus zwei Stühlen bestehen, auf die sich Berater und Klient

stellen, um das ausgelegte System aus einer Vogelperspektive zu betrachten.

In der Arbeit mit Bodenankern kann somit zwischen verschiedenen assoziierten

Innenperspektiven und dissoziierten Außenperspektiven gewechselt

werden. Die grundlegende Dynamik der Arbeit mit Bodenankern besteht im

Wechsel zwischen dissoziierten und assoziierten Betrachtungs- und Erlebensweisen

und den damit verbundenen Perspektivwechseln. Man begibt sich von

einer dissoziierten Position außerhalb des ausgelegten Systems auf eine assoziierte

Position innerhalb des Systems, wechselt zu einer anderen Position, schaut

wieder von außen, verändert die ausgelegten Bodenanker in ihrer Lage, entfernt

Bodenanker oder fügt neue hinzu. Die prinzipielle Vorgehensweise beginnt mit

einer Aufstellung des Problems bzw. des Ist-Zustandes und einer schrittweisen

Veränderung zur Lösung bzw. zum Wunschzustand (siehe Kapitel 3.1).

2.3.8 Stellvertreteraufstellung

Stellvertreteraufstellungen nutzen gezielt die Prinzipien von Dissoziation und

Assoziation. Der Klient stellt andere Personen als Stellvertreter für Personen

und Elemente seines Themas. Ähnlich der Arbeit mit Bodenankern werden zunächst

die relevanten Elemente benannt. Hierbei muss es sich nicht nur um Personen

handeln, sondern es können – entsprechend der Arbeit mit Bodenankern

– auch Glaubenssätze, Bedürfnisse, Eigenschaften etc. aufgestellt werden.

Gegenstände, Barrieren, Höhenunterschiede und dergleichen können in Stellvertreteraufstellungen

auch durch Tische, Stühle, Tücher und andere zur Verfügung

stehende Gegenstände dargestellt werden.

Während der Klient dissoziiert außerhalb des Systems steht, befinden sich

die Stellvertreter assoziiert in den Positionen und Relationen, in die sie gestellt

wurden. Diese können auch verbunden sein mit einer bestimmte Körperhaltung

und einem Kernsatz. Dieses Stellvertretersystem kann nun von außen beobachtet

und befragt werden. Die assoziierten Erfahrungen der Stellvertreter

bilden hierbei eine wichtige Ressource für den Klienten, die in einem weiteren

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Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern 21

Schritt – ebenfalls analog zur Arbeit mit Bodenankern – dazu genutzt werden

können, Veränderungen des Systems zu erproben und sich zu diesen Veränderungen

weitere Hinweise aus den assoziierten Positionen der Stellvertreter geben

zu lassen.

2.3.9 Figurenaufstellung und Bilder

Bei Figurenaufstellungen und dem Malen von Bildern werden ebenfalls gezielt

die Prinzipien der Externalisierung und Dissoziation genutzt. Im Gegensatz zu

der Arbeit mit Bodenankern oder der Stellvertreteraufstellung ist es hierbei zunächst

nicht vorgesehen, eine Position assoziiert zu erfahren (siehe Kapitel 3.2

und Kapitel 3.4). Eine assoziierte Bearbeitung des Themas kann in ergänzenden

oder nachfolgenden Beratungsschritten – beispielsweise durch die Nutzung von

Rollenspiel oder Psychodrama – anschließen, gehört aber nicht direkt zu diesen

Techniken (zum Psychodrama siehe Ameln, Gerstmann u. Kramer, 2009; Stadler

u. Kern, 2010).

Durch Figurenaufstellung oder das Malen von Bildern wird eine Externalisierung

und Dissoziation von Aspekten des Anliegens des Klienten erreicht, indem

diese (auch hier wieder Personen, Bedürfnisse, innere Aspekte, Gefühle und dergleichen)

mit Figuren aufgestellt oder in Form eines Bildes dargestellt werden.

Zwar gibt es auch hier die Möglichkeit, ohne Sprachbilder und Metaphern zu

arbeiten – etwa bei der Verwendung des Familienbretts –, bei der Verwendung

anderer Figuren, etwa Tierfiguren, oder gerade auch beim Malen begibt sich der

Klient jedoch oft sehr schnell in eine bildhafte Darstellung. Es wird dann beispielsweise

nicht über »die schwierige Situation in der Familie« geredet, sondern

darüber, wie der Skorpion und das Walross miteinander kommunizieren könnten,

wie der Hase seine Erstarrung angesichts der Schlange überwinden kann,

oder wie man die Situation beschreiben und verändern könnte, wenn man sich

vorstellt, dass die Familie die Mannschaft des gezeichneten Schiffes wäre.

2.3.10 Humor und Leichtigkeit

Das Arbeiten mit Metaphern bringt oft auch humorvolle Aspekte und eine gewisse

Leichtigkeit in den Beratungskontext. Es wird nicht mehr direkt über

die schwierigen und belastenden Themen und Probleme gesprochen (möglicherweise

auf die gleiche Art und in der gleichen »Problem«-Sprache, wie die

Klienten schon häufig darüber gesprochen und nachgedacht haben), sondern

man redet über »Hopfen und Malz«, die verloren gegangen sind (»Da ist Hopfen

und Malz verloren«), wie man sie wiederfindet und daraus Bier braut, über

eine »verhagelte Stimmung« und die Frage, ob es eine Versicherung gegen die

Hagelschäden gibt und wie ein Schirm aussehen müsste, um den Hagel abzu-

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22 Metaphern in der Beratung

halten, oder über einen »schief hängenden Haussegen«, wie der Text dieses

Haussegens lautet und wo eine Wasserwaage aufzutreiben ist, um ihn wieder

zu richten.

2.3.11 Geschichten erzählen

Viele Geschichten, Märchen, Gleichnisse, Fabeln, Witze und auch Filme eignen

sich als Metaphern für vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Situationen

von Klienten. Dies können Geschichten sein, die Berater den Klienten erzählen

oder die gemeinsam erfunden werden. Auch die Form des Erzählens über

»vergleichbare Fälle« gehört hierzu, etwa: »Ich hatte da mal eine Familie in der

Beratung, bei der das ähnlich war …« Diese Geschichten können einen gesamten

Beratungsprozess begleiten und auch immer wieder verändert und erweitert

werden.

2.3.12 Rekontextualisierung und Internalisierung

Bei jeder Beratung, die auf Bilder, Figuren und Metaphern zurückgreift, stellen

sich die Fragen: »Was hat das mit meinem Leben zu tun? Mit meinem Alltag?

Welche greifbaren Veränderungen ergeben sich daraus?« Der »Steuermann«,

der, um das »Schiff« in den »sicheren Hafen« zu bringen, einen guten »Navigator«

braucht und eine Möglichkeit, den »Anheizern« mitzuteilen, wie viele

Kohlen sie nachlegen sollen, muss irgendwann konkretisieren, wo und was der

sichere Hafen ist, wer oder was der Navigator sein könnte, wer oder was die Anheizer

sind und was ihre Kohlen. Auch »der Nebel« und »die Sandbänke« müssen

rekontextualisiert werden, ebenso wie »das Nebelhorn« und »das Radar«.

Diese Rekontextualisierung kann explizit erfolgen, indem der Klient die Bilder

und Metaphern im Rahmen der Beratung oder in Form einer Hausaufgabe deutet

und hinsichtlich seiner Lebenswelt überträgt. Es kann aber auch entschieden

werden, Bilder und Metaphern ohne Rückübertragung zu verwenden, so dass

sie eher unausgesprochen oder sogar unbewusst wirken.

Ebenso verhält es sich mit externalisierten Aspekten wie »der Bulimie«, »der

Angst«, dem »inneren Schweinehund«, der »Mutterliebe« oder dem »inneren

Kind«. Diese können durchaus als externalisierte Entitäten bestehen bleiben

und beispielsweise auch durch Gegenstände symbolisiert werden, besonders

wenn es sich um eher negative und abgelehnte Aspekte handelt. Vor allem positive

und wünschenswerte Aspekte, die externalisiert wurden, um sie von außen

zu betrachten, können wieder internalisiert, also in den Klienten hineingeholt,

werden. Dies kann die »neu definierte Mutterliebe« sein, aber auch die »unliebsame

Wut«, mit der sich der Klient im externalisierten Zustand versöhnt und

ein Abkommen geschlossen hat.

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Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern 23

Für eine Internalisierung muss sich der Klient mit dem externalisierten Aspekt

assoziieren, was beispielsweise über Rituale oder eine VAKOG-Hypnose

unterstützt werden kann. Die unter dem Namen VAKOG-Hypnose bekannte

Technik ist keine Hypnose im klassischen Sinne. Vielmehr geht es darum,

die verschiedenen Wahrnehmungsebenen (visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch,

gustatorisch) dazu zu nutzen, vergangene oder zukünftige Erlebnisse

durch Assoziationen reichhaltiger erfahrbar zu machen (vgl. Mohl, 2006,

S. 241 ff.).

Die VAKOG-Hypnose besteht maßgeblich darin, eine vergangene oder zukünftige

Situation, eine erarbeitete Rolle, Ressource oder Eigenschaft durch

wahrnehmungsbezogene Fragen erfahrbar zu machen und somit eine gute Assoziation

zu erreichen. So können beispielsweise Erfolgsfaktoren und Ressourcen

mit dem Klienten erarbeitet und als Bodenanker ausgelegt werden. Mit

wahrnehmungsbezogenen Fragen wird es dem Klienten dann erleichtert, mit

diesen Aspekten zu assoziieren und diese gegebenenfalls zu internalisieren:

»Wie fühlt es sich an, nun diesen Glaubenssatz zu haben? Wo genau in Ihrem Körper

spüren Sie ihn? Was sehen Sie dabei? Welche Kleidung tragen Sie? Was riechen

Sie? Was hören Sie? Gibt es eine Musik, die Sie damit in Verbindung bringen?«

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■ 3 Methoden der Arbeit mit Metaphern

Der Anwendungsbereich der Arbeit mit Sprachbildern reicht von alltäglichen Gesprächen

über Beratung, Supervision, Therapie und Konfliktklärung bis zum

Durchführen von Traumreisen, dem Verfassen von Geschichten oder auch

von Werbe- und Ankündigungstexten. Wie und wozu auch immer Sprachbilder

verwendet werden, es bedarf eines umfangreichen Sprachrepertoires, um

zu den verschiedenen Bilderwelten »aus dem Vollen schöpfen« zu können. Dieses

Repertoire liefert die Methoden-Software auf der beiliegenden DVD, mit

der Begriff und Redewendungen zu unterschiedlichen Themenbereichen zur

Verfügung stehen. Wichtig ist es für jede Arbeit mit bildlicher Sprache, die

Sprachbilder der Klienten wahrzunehmen, sie in der eigenen Kommunikation

aufzugreifen, zu erweitern und zu kontrastieren.

Neben dem Aufgreifen von Sprachbildern und Metaphern in der Beratung,

wie es anhand der geschilderten Prinzipien und Techniken möglich ist, werden

nachfolgend Methoden vorgestellt, die sich besonders für die Arbeit mit Metaphern

in der Beratung und Therapie eignen.

3.1 Problembild und Lösungsbild

Eine Grundform, die sich in der systemischen Beratung – sei es im Gespräch, in

Aufstellungen, bei der Wunderfrage 1 oder bei verschiedenen Zeichen- und Maltechniken

– immer wieder findet, ist der Wechsel von einer Problembeschreibung,

einer Problemaufstellung oder einem Problembild zu einer Lösungsbeschreibung,

einer Lösungsaufstellung oder einem Lösungsbild.

In dieser Struktur kann von Anfang an unter der Verwendung von Metaphern

gearbeitet werden (vgl. Morgan, 1998; Morgan, 2002, S. 473 ff.; Natho,

2010). Mögliche Schritte für einen Beratungsverlauf unter der Verwendung von

Metaphern könnten wie folgt aussehen:

– Einstieg: Themenbereich für die aktuelle Situation finden oder aus den Er-

1 »Ich möchte Ihnen jetzt eine ungewöhnliche Frage stellen. Stellen Sie sich vor, während Sie heute

Nacht schlafen und das ganze Haus ruhig ist, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin,

dass das Problem, das Sie hierher geführt hat, gelöst ist. Allerdings wissen Sie nicht, dass das

Wunder geschehen ist, weil Sie ja schlafen. Wenn Sie also morgen früh aufwachen, was wird dann

anders sein, das Ihnen sagt, dass ein Wunder geschehen ist, und das Problem, das Sie hierher

geführt hat, gelöst ist?« (de Shazer, 1989, zit. nach De Jong u. Berg, 1998, S. 139).

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