HIV-AIDS - Erzdiözese Salzburg

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HIV-AIDS - Erzdiözese Salzburg

DKWE

Diözesankommission für Weltkirche

und Entwicklungszusammenarbeit

Info

2010/3

HIV/AIDS

HIV/Aids in Entwicklungsländern

• Kirchliche Positionen zu HIV/AIDS

• Romero Preisträgerin 2010

• Interview mit Sr. Friederika Kühnel


Seite 2 HIV/AIDS

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser!

Anlässlich der 18. Welt-AIDS-

Konferenz, Mitte Juli in Wien,

beschäftigt sich die DKWE-Info

in der vorliegenden Ausgabe

mit dem Thema HIV/AIDS. Seit

dem Ausbruch der Krankheit

(1981) haben sich ca. 70 Mio.

Menschen mit dem HI-Virus

infiziert und fast 26 Mio. Menschen

sind seither daran gestorben.

Ende September wurden

auf der UN-Vollversammlung

in New York die acht so

genannten Millenniumsziele

evaluiert, die im Sep. 2000 beschlossen

wurden. Das Ziel 6

heißt: Bekämpfung von HIV/

Aids, Malaria und anderen

Krankheiten. Die Zielvorgabe

ist, bis 2015 die Ausbreitung

von HIV/Aids zum Stillstand zu

bringen. Außerdem soll bis

2010 ein allgemeiner Zugang

zu HIV/ Aids-Behandlung für

alle, die sie benötigen, sichergestellt

werden. Die AIDS

Epidemie hat sich in vielen

Regionen stabilisiert und die

Zahl der Menschen in Afrika

südlich der Sahara, die antiretrovirale

Medikamente erhalten

ist um 39% auf 2,9 Mio.

gestiegen. Dennoch bleibt viel

zu tun, um die Epidemie einzudämmen

und den AIDS-

Kranken zu helfen.

Im Grundsatzartikel „Positiv leben.

HIV Aids in Entwicklungsländern“

werden die Hintergründe

von HIV/AIDS aufgezeigt

und dazu die traurigen

Fakten. Auf der Seite 4 wird

ein kleiner Einblick in kirchliche

Positionen bezüglich HIV/-AIDS

gegeben. Und schließlich erfahren

wir im Interview mit Sr.

Friederika Kühnel Konkretes

aus der praktischen Arbeit mit

AIDS-Kranken in der D.R. Kongo.

Ich wünsche Euch/Ihnen, dass

die Lektüre dieser Artikel dazu

beiträgt, sich des weltweiten Problems

von AIDS und dessen

konkreten Folgen bewusst zu

werden, um diese Herausforderungen

für Kirche und Gesellschaft

annehmen zu können.

Markus Roßkopf, Geschäftsführer

Positiv Leben

HIV Aids in Entwicklungsländern

HIV ist der Virus, Aids ist die

Krankheit. HIV steht für „Humaner

Immundefizienz Virus“, Aids

für „akquiriertes (erworbenes)

Immundeffekt Syndrom“. Beide

Abkürzungen stehen jenseits der

medizinischen Definition in erster

Linie für Menschen und deren

Schicksal. Sie stehen für zerstörte

Hoffnungen, Verzweiflung,

Schmerz. Aber auch für Träume,

Wünsche und unbändigen

Lebenswillen.

Foto: SEI SO FREI

Menschen, die sich mit dem HI-

Virus angesteckt haben, merken

oft über Jahre hinweg nichts von

der Ansteckung. Besonders wenn

der allgemeine Gesundheitszustand

gut und die Ernährung

ausreichend und abwechslungsreich

ist. Erst mit dem Ausbruch

der Krankheit spricht man von

Aids. Die Übertragung erfolgt

durch die Körperflüssigkeiten

Blut, Sperma, Vaginalsekret, Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit

und

Muttermilch.

Menschen mit HIV/Aids werden

im Unterschied zu anderen

Krankheiten stigmatisiert und

ausgegrenzt. Besonders stark in

Afrika. Die Betroffenen leiden

unter dieser Ausgrenzung ebenso

wie unter den psychischen

Symptomen der Krankheit.

„Wenn Aids-Kranke von ihrer

Familie und Dorfgemeinschaft

verstoßen werden und auch

sonst keine Bezugsperson haben,

werden sie sterben. Das

können wir selbst mit den besten

Medikamenten nicht verhindern,“

bringt es die Barmherzige

Schwester Friederike Kühnel, die

mit Hilfe von SEI SO FREI ein

Präventions- und Aufklärungsarbeit in Tansania: Saria Anderson(li.),

selbst HIV positiv, informiert in Einzelgesprächen und Kursen über HIV Aids.

Aidszentrum in der Demokratischen

Republik Kongo leitet auf

den Punkt.

Menschen mit HIV/Aids brauchen

unsere Barmherzigkeit, unser

Mitgefühl, unsere Hilfe. Besonders

in Afrika. Menschen mit

HIV/Aids wollen leben. Wollen ihr

Leben leben, so gut wie nur

irgend möglich. In diesem fundamentalen

Wunsch nach Leben,

brauchen sie unsere Unterstützung

und Bestärkung. Und

zwar im Leben, nicht in der

Krankheit.

Die Hilfsorganisationen der

Katholischen Kirche geben diese

Unterstützung und Bestärkung:


HIV/AIDS Seite 3

Ein Viertel aller Aids-Kranken

wird weltweit von katholischen

Einrichtungen betreut. In Entwicklungsländern

ist dieser

Anteil noch weit höher. In manchen

Regionen sind katholische

Einrichtungen überhaupt die

einzigen, die sich um Aids-

Kranke kümmern.

HIV/Aids hat eine Antwort: Die

Therapie. Antiretrovirale Medikamente

ermöglichen ein Leben in

Würde. Diese Medikamente in

ausreichender Zahl in die Entwicklungsländer

zu den Betroffenen

zu bringen, ist eine Herausforderung.

Aber noch nicht ausreichend.

Es bedarf eines ganzheitlichen

Ansatzes: Das

Gesundheitssystem muss verbessert

werden, medizinische

Labors für Blutuntersuchungen

aufgebaut werden, Gesundheitserziehung

und Aufklärung

ausgebaut werden, Kranke

müssen von qualifiziertem

Personal begleitet werden,

Betroffene Zeugnis ablegen und

über ihre Erfahrungen reden,

damit das große Schweigen

gebrochen werden kann. Aids

muss kein Todesurteil sein. Auch

nicht in Afrika. Neues Leben ist

möglich. Ohne Aids.

Werdende aidskranke Mütter

können gesunde, HIV-negative

Babys zur Welt bringen.

Infizierten kann Hoffnung und ein

besseres Leben ermöglicht

werden. Es bedarf dazu jedoch

eines breiten Ansatzes zur Aids-

Bekämpfung. Denn besonders in

den am stärksten betroffenen

Regionen in Afrika geht Aids

Hand in Hand mit Armut,

Unterernährung, Malaria, Tuberkulose

oder Durchfallserkrankungen.

Aids kann nicht aus

diesem Kontext herausgelöst

und isoliert betrachtet werden.

„80% der kranken Kinder die zu

uns kommen sind unterernährt“,

berichtet Sr. Friederike Kühnel

von ihrer Arbeit vor Ort. Die

Folgen sind dramatisch: Alle 12

Sekunden infiziert sich ein

Mensch mit HIV. Alle 16 Sekunden

stirbt ein Mensch an Aids.

Pro Jahr sind das weltweit 2,7

Kinder in der Demokratischen Republik Kongo: Aids macht viele zu Waisen.

Millionen Neuinfektionen und 2

Millionen Aids-Tote. Das entspricht

der Bevölkerung des

Großraums Wien. Jährlich.

Nun hat Aids aber gerade in

Österreich und Europa in den

letzten Jahren viel an Schrecken

verloren: Hochwertige Medikamente,

neue Therapien und eine

mit 95% aller HIV-Positiven

nahezu flächendeckende Behandlung

haben den Charakter

von Aids nachhaltig gewandelt –

weg von einer tödlichen Erkrankung

hin zu einer chronischen

Krankheit.

Eine Wandlung die auf den

Großteil der Welt nicht zutrifft

und von der die am stärksten

betroffenen Länder der Welt nur

träumen können. Denn 90% aller

HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern.

Zwei Drittel davon

in Afrika südlich der Sahara.

Nicht einmal 10% der HIVpositiven

Bevölkerung werden in

diesen Ländern behandelt. Mit

dramatischen Folgen: Drei

Viertel der jährlichen Aids-Toten

betreffen Afrika. In den südlichen

afrikanischen Ländern sind bis

zu 27 Prozent der Gesamt-

Bevölkerung HIV-positiv. Von

den weltweit ca. 33 Millionen

HIV-positiven Menschen sind 2

Millionen Kinder unter 15 Jahren.

90% davon wieder in Afrika

südlich der Sahara. Besonders

Foto: SEI SO FREI

von Aids betroffen sind Frauen

und Männer zwischen 20 und 40

Jahren. Ihr Sterben hat in Afrika

geschätzte 12 Millionen Waisenkinder

hinterlassen. Aber auch

die Auswirkungen auf Landwirtschaft,

Handel, Gewerbe und

Industrie sind negativ, weil die

Wirtschaft ihre Arbeitskräfte in

den produktivsten Lebensjahren

verliert. Die Lebenserwartung

sinkt und Länder werden um

Jahre in ihrer Entwicklung

zurückgeworfen.

Aids ist somit auch ein Indikator

dafür, wie es um Gleichheit und

Gerechtigkeit in unserer Welt

bestellt ist: Während in Europa

die Lebenserwartung Jahr für

Jahr steigt, raubt Aids im

Durchschnitt jedem Menschen in

Afrika ein Drittel seines Lebens.

Die DKWE Mitgliedsorganisationen

unterstützen HIV/AIDS

Programme. Besonders in

Afrika: Die Dreikönigsaktion ist in

der Beratungs- und Präventionsarbeit

von Frauen in Kamerun

tätig. SEI SO FREI hat in

Mosambik ein Aids-Krankenhaus

und eine Geburtenstation aufgebaut,

in Malawi werden Aids-

Waisen betreut und in der Demokratischen

Republik Kongo

gemeinsam mit Missio das

Dream-Programm von Sr. Friederika

Kühnel gefördert:

Wolfgang K. Heindl


Seite 4

AIDS geht uns alle an

Kirchliche Positionen zu HIV/AIDS

HIV/AIDS

Du bist Gott

Du bist der Schutz im reißenden

Sturm

Du bist die Hoffnung, wo keine

Hoffnung wohnt

Du bist der Retter inmitten des

Leids

Du bist der Arm, der mich hält in

dunkelster Nacht

Du bist die Tür, die niemals sich

schließt

Du bist die Liebe der Ungeliebten

Du bist das Licht in der Nacht des

Todes

Du bist die Kerze, die brennt für

den Geliebten

Du bist die Krankenschwester, die

den Kranken bettet

Du bist der Körper mit AIDS, der

das Stigma trägt

Du bist der Sterbende, der den

Trost bringt

Du bist der leidende Freund bis

zum Ende 1

Foto: DKA

„Nichts hat in den letzten Jahren

die Kirche vor so großen

Herausforderungen gestellt wie

die tödliche Immunkrankheit

AIDS. Sie hat uns vor Augen

geführt, wie häufig wir das

Gebot, Gott und unsere

Schwestern und Brüder zu

lieben, missachten. Wir Christen

sind herausgefordert, aufzustehen

und vor allen laut und

vernehmlich zu sagen, dass

AIDS keine Strafe Gottes ist.“,

sagt Bischof Frank Nubuasah

SVD (Francistown / Botswana).

Gerade AIDS-Kranke sind

Menschen, die stigmatisiert und

diskriminiert werden. Daher ist

es ihm wichtig, dass diese

Kranke geheilt werden. Im Informationsdossier

der KOO heißt

es: „Heilen hat eine dreifache

Bedeutung: Heilung als Wiederherstellung

der körperlichen

Gesundheit, Heilung als Befreiung

von Sünde und Schuld

sowie Heilung als Wiedereingliederung

in die Gemeinschaft.“,

(KOO, S. 26) 2 . Und die

österreichischen Bischöfe unterstreichen:

„Als Christen sind wir

aufgefordert, Menschen, die von

solchem Leiden betroffen sind.

beizustehen. Niemals werden wir

als Christen jemanden, der an

AIDS erkrankt ist, verurteilen.

Unsere Reaktion ist helfen.“

HIV/AIDS ist eine Krankheit, die

alle Bereiche des Lebens

durchdringt: Persönlich, gesellschaftlich

und ebenso kirchlich.

Bischof Kevin Dowling (Rustenburg

/ Südafrika) sieht die Kirche

als Leib Christi mit AIDS: „Wir als

eine Gemeinschaft der Gläubigen

haben AIDS. Es ist nicht

so als wäre die Kirche irgendwo

`da draußen´ involviert in

Apostolaten mit Menschen, die

mit HIV infiziert sind, während

wir selber nicht betroffen sind.

Nein, wir als Gemeinschaft sind

unmittelbar betroffen. […] Die

Kirche hat AIDS. Unsere Leute

leben, leiden und sterben auf

Grund dieser Erkrankung.“ Im

Kampf gegen AIDS spielt die

ABC-Methode eine wichtige

Rolle. Dabei wird auf drei

Verhaltensweisen im Sexualbereich

zur Prävention einer HIV-

Infektion hingewiesen. „A =

Abstinence/Enthaltsamkeit, B =

Be faithful/Treue, C = Condoms

oder katholisch für Conscience/

Gewissen bzw. Choice/Wahl. In

katholischen Institutionen wird

heute (in der Regel) über alle

Infektionsmöglichkeit und den

möglichen Schutz informiert. Ob

der Einzelne zum Kondom greift,

ist seine Entscheidung (C =

choise/conscience).“ (KOO, S.

21). Das KOO-Papier betont

außerdem im Zusammenhang

mit der Kondomfrage: „Die

Moralverkündigung der katholische

Kirche darf nicht als eine

gesundheitspolitische Strategie

Foto: DKA

gedeutet werden. Wenn die

Kirche aus guten Gründen

darauf besteht, dass der einzige

Ort, der dem tiefen Sinn der

geschlechtlichen Beziehung

entspricht, die Ehe ist, macht sie

eine allgemeine moralische

Aussage, stellt damit jedoch kein

gesundheitspolitisches Programm

auf.“ (KOO, S. 20)

Vor allem im südlichen Afrika

sind die Kirchen sehr engagiert

im Kampf gegen AIDS; 50 %

aller AIDS-Einrichtungen werden

von ihnen getragen. „Was die

Antwort der Kirche von den

anderen Organisationen unterscheidet,

ist die Dimension des

Glaubens, die sie beseelt. […]

Wir dürfen uns unserer Verantwortung

nicht entziehen. Die

Pandemie HIV/AIDS ist zudem

ein weltweites Problem, das von

der Frage der Verteilung der

Reichtümer und Ressourcen dieser

Erde und der Suche nach

tragfähiger weltweiter Solidarität

nicht abzukoppeln ist.“, so

Bischof Nubuasah.

Karin Weissensteiner und

Markus Roßkopf, DKWE

1

Betty Govinden, ist Theologin, anglikanische Laienmissionarin und Schriftstellerin in Durban/Südafrika.

2 HIV/AIDS. Eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft. Informationsdossier der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für

internationale Entwicklung und Mission (KOO)


HIV/AIDS Seite 5

Allianz – im Namen der Armen

DKWE-Info: In diesem Jahr

fand der weltgrößte HIV/Aids-

Kongress in Wien statt. Auch die

DKWE greift die HIV/AIDS Problematik

auf. Wolfgang Heindl

erwähnt in seinem Artikel das

Aidszentrum „Dream“ von Sr.

Friederika Kühnel in der Dem.

Rep. Kongo.

Sr. Friederika, Ihr Projekt, in dem

Sie arbeiten, nennt sich Dream.

Warum?

Sr. Kühnel: Dream bedeutet

Traum. Für uns aber auch DRUG

RESOURCE ENHANCEMENT

against AIDS and MALNUTRION.

Das heißt, Dream verbindet in

einem ganzheitlichen Ansatz

medizinische, soziale und wissensvermittelnde

Maßnahmen

wie Einrichtung von Labors zur

HIV/Aids-Diagnostik, Gesundheitsaufklärung,

HAART-Therapie,

Ernährungszuschuss, u.a.

DKWE-Info: Wann haben Sie

mit dem Dream-Zenturm begonnen?

Sr. Kühnel: Das Dream-Zentrum

ist durch eine Allianz im

Namen der Armen von den

Barmherzigen Schwestern und

der Gemeinschaft St. Egidios

entstanden. Inzwischen gibt es

31 Dream-Zentren und 18 Mikrobiologische

Laboratorien in 10

afrikanischen Ländern.

Bei uns in Mbandaka war am 4.

Feb. 2009 die Eröffnungsfeier.

Seit dieser Zeit wurden 3.682

Menschen getestet, davon 1.219

Jugendliche. Inzwischen sind

490 Personen (davon 10% unter

20 Jahre und 50 % junge Mütter)

in das ganzheitliche Programm

aufgenommen, monatlich kommen

25-30 Menschen dazu.

DKWE-Info: Sind ihre Patienten

hauptsächlich Männer oder

Frauen, da doch im Kongo wie in

vielen afrikanischen Staaten

Frauen in der Gesellschaft

benachteiligt sind?

Sr. Kühnel: Nein, es kommen

ca. 70% Mädchen und Frauen

und nur 30% Männer. Davon

15% Kinder. Besonders freut es

mich, dass im Dream-Zentrum in

kämpfen so gegen die Stigmatisierung

von Menschen mit HIV.

Mbandaka bereits 10 HIV-infizierte

Mütter gesunde Babys zur Salzburg tun, um Sie und Ihr

DKWE-Info: Was können wir in

Welt gebracht haben. Wir bemühen

uns besonders um die

Projekt zu unterstützen?

Frauen. Sie haben kaum schulische

Ausbildungen und leben in wir sehr dringend Medikamente,

Sr. Kühnel: Natürlich brauchen

großer Abhängigkeit von ihrem Zusatzernährung, Gelder für

Mann und dem ganzen Klan. Sie medizinische Einrichtungen etc.

können sich vorstellen, dass So können wir den Menschen im

dadurch viele Frauen familiärer Kongo Hoffnung wider alle

Gewalt und Missbrauch ausgesetzt

sind.

soziale Leben zurückzukehren

Hoffnung, die Möglichkeit ins

DKWE-Info: Was

sind die Schwerpunkte

der täglichen

Arbeit im Dream-

Projekt?

Sr. Kühnel: Neben

der ärztlichen Versorgung,

medizinischer

Behandlung

und Ernährungszuschuss

bemühen wir

uns Aufklärungs- und

Sanitätsprogramme

und Schulungen für

Betroffene durchzuführen.

Natürlich

helfen wir auch bei

vielen sozialen Problemen

wie z.B. Transportkosten,

Schulkosten

etc. Und wir

versuchen die HIV-

Infizierten zu Kleinprojekten

anzuregen,

damit sie ihr Leben

gut meistern und

Sr. Friederika (re.) bei der Beratung im Aidszentrum

dadurch ihrem Leben

neuen Sinn geben können - frei geben und ihnen dadurch die

von Pessimismus und Resignation.

Die an AIDS erkrankten fahrbar machen. Die Unter-

Güte Gottes spürbar und er-

Menschen sollen das Gefühl stützung aus der Heimat ist für

ihrer Wertschätzung zurückgewinnen,

sich wieder in die der Gottes- und Nächstenliebe.

uns ein Zeichen der Universalität

Gemeinschaft eingliedern können

sowie eine gläubige und Gespräch.

DKWE-Info: Vielen Dank für das

geistliche Begleitung erhalten.

Das Interview führte

Wir bauen sehr auf die Mitarbeit

Sabine Schimpfößl

von HIV-positiven Patienten, den

Daten zur Person:

AktivistInnen. Sie erklären den Waltraud Kühnel/Sr. Friederika

Patienten im Rahmen von Geb. 1947

Hausbesuchen, dass AIDS nicht Heimatpfarre: Sbg.-Gneis

zwangsläufig das Todesurteil Seit 1967 Barmh. Schwester

bedeutet, geben Hoffnung und Seit 1975 im Kongo

Foto: Missio


Seite 6 HIV/AIDS

Romero-Preis 2010 geht an

Saria Amillen Anderson

Foto: SEI SO FREI

Saria Amillen Anderson aus

Tansania kämpft seit Jahren

beharrlich und mutig um bessere

Lebensbedingungen für die

Menschen im Mara-Distrikt, einer

der ärmsten Regionen im Norden

ihres afrikanischen Heimatlandes.

Sie ist Mutter zweier

Töchter und Expertin für Landwirtschaft

und ländliche Entwicklung.

Seit Anfang der 1990er

Jahre arbeitet SEI SO FREI mit

Saria Anderson zusammen. In

den letzten 10 Jahren in Ihrer

Funktion als Projektleiterin der

Victoria Farming and Fishing

Group. Im Rahmen dieser

Tätigkeit ist sie verantwortlich für

die Umsetzung nachhaltiger

Dorfentwicklungs- und Landwirtschaftsprogramme.

350 Familien

in 13 Dörfern der Mara-Region

sind in diese, von SEI SO FREI

geförderten Projekte eingebunden.

Verbesserung der Ernährungs-

und Lebenssituation

Die Arbeit von Saria Anderson

trägt sichtbare Früchte: Die

Ernährungs- und Lebenssituation

hunderter Familien hat sich

deutlich verbessert. Der Bau von

Regenwassertanks hilft Trockenzeiten

zu überbrücken und

erspart Frauen und Kindern den

oft stundenlangen Weg zu

Wasserstellen. Hand in Hand

dam it gehen W iederaufforstungsprojekte,

die die Wasserspeicherfähigkeit

der Erde

erhöhen, Bodenerosion entgegenwirken

und das Kleinklima in

der Umgebung verbessern.

Weitere Schwerpunkte sind die

landwirtschaftliche Aus- und

Weiterbildung sowie die Unterstützung

bei der Planung und

Umsetzung von Initiativen, die

von DorfbewohnerInnen selbst

angeregt und durchgeführt

werden.

Kampf gegen Hunger

Die Arbeit von Saria Anderson

scheint unspektakulär: Sie legt

mit ihrer Landwirtschaftsorganisation

Gemeinschaftsfelder an,

zeigt den Anbau von Gemüse

vor, erinnert an die Betreuung

der Felder und gibt Tipps zur

Vermarktung. Dabei kämpft sie

gegen die weit verbreitete

Überzeugung an, dass der

Anbau von Mais und Kasawa-

Wurzeln sowie die Rinderhaltung

genügen würden. Diese Auffassung

ist fest in den Köpfen

der Menschen verankert. Obwohl

sie regelmäßig zu Hungersnöten

geführt hat. Die traditionelle

Wirtschaftsweise zu

verlassen und unter den argwöhnischen

Augen von Nachbarn

Neues auszuprobieren,

dazu gehört Mut. Diesen Mut

vermittelt Saria Anderson den

Menschen in vielen Gesprächen.

Und vor allem braucht sie ihn

selbst, denn „Eisen zu biegen ist

leichter, als Menschen zum

Umdenken zu bewegen“, erklärt

die engagierte SEI SO FREI-

Projektpartnerin.

Kampf gegen HIV/Aids &

Genitalverstümmelung

Ein zweites großes Anliegen ist

Saria Amillen Anderson der

Kampf gegen HIV/AIDS sowie

weibliche Genitalverstümmelung.

Behutsam wird ein Vertrauensverhältnis

zu Frauen aufgebaut,

die bereit sind, in der Dorfgemeinschaft

gegen den entwürdigenden

und schmerzhaften

E i n g r i f f d e r G e n i t a l v e r -

stümmelung anzureden. Die

Immunschwächekrankheit Aids

ist in vielen Dörfern schon längst

angekommen, nicht aber das

Wissen um sie. Ein Schicksal,

dass die selbst HIV infizierte

Saria teilt. Bei der Hochzeit hatte

ihr inzwischen verstorbener

Mann seine Erkrankung verschwiegen.

Dank ständiger

medizinischer Betreuung ist bei

ihr die Krankheit jedoch nicht

zum Ausbruch gekommen.

Beharrlich bringen Saria und ihre

MitarbeiterInnen diese Tabu-

Themen in den Dörfern immer

wieder zur Sprache und betreiben

entsprechende Aufklärungsarbeit.

Würdigung

Um all das umzusetzen und sich

Respekt in einer männerdominierten

Gesellschaft zu

verschaffen, braucht es großes

Engagement, Fachwissen und

Mut. Dafür erhält Saria Amillen

Anderson den Romero-Preis

2010. Der Preis ist österreichweit

die bedeutendste Auszeichnung

für herausragende Leistungen in

der Entwicklungszusammenarbeit.

Wolfgang K. Heindl

Veranstaltungstipp:

Romero-Preis: 19. Nov. 2010,

19:30 Uhr

Stadthalle Wels

Eintritt: EUR 18,00 inkl. Buffet

Kartenreservierung: 0732/7610

3463 oder

seisofrei@dioezese-linz.at

weitere Infos unter:

www.seisofrei.at


Aktuelles Seite 7

Alternativer Nobelpreis

für Bischof Erwin Kräutler

Der austro-brasilianische Bischof

Erwin Kräutler erhält für seinen

lebenslangen Einsatz für die

Rechte der indigenen Völker und

für sein unermüdliches Engagement

gegen die Zerstörung des

Amazonas-Gebiets den Alternativen

Nobelpreis 2010 (Verleihung:

6.12. im Schwed. Reichstag).

Kräutler (71) führte in den vergangenen

Monaten den Widerstand

gegen das Mega-Wasserkraftwerk

Belo Monte im Amazonasgebiet

an. Er steht seit vier

Jahren unter Polizeischutz.

Foto: Buch Rot wie Blut die Blumen, Otto Müller Verlag

Diesen Preis erhalten Personen,

die auf die dringlichsten Herausforderungen

der Menschheit antworten.

Er ist mit umgerechnet

rund 220.000 Euro dotiert und

wird seit 1980 verliehen.

Kräutler wurde am 12. Juli 1939

in Vorarlberg geboren; nach der

Matura trat er in die Kongregation

der Missionare vom Kostbaren

Blut ein und studierte in Salzburg

Theologe und Philosophie. 1965

wurde er zum Priester geweiht.

Noch im selben Jahr ging er als

Missionar ins brasilianische Amazonasgebiet

(Pará). 1981 wurde

er zum Bischof der Prälatur

Xingu geweiht. Die Prälatur ist

mit 350.000 m² und 400.000

Einwohnern (davon nur 3.500

Indianer) die flächenmäßig

größte Diözese Brasiliens.

Sein Einsatz galt und gilt der

"Option für die Armen". Die

Sorge des Bischofs besteht

sowohl den Indios als auch den

Hunderttausenden marginalisierten

Kleinbauern und Landarbeitern

seiner Diözese, deren Rechte er

gegen die großen agro-industriellen

Konzerne verteidigt. Bischof

Kräutler ist Träger zahlreicher

österreichischer und internationaler

Auszeichnungen.

In seinen 840 Gemeinden ist der

Bischof überaus beliebt. Wenn

bei Pfarrvisitationen und sonstigen

Gemeindebesuchen Plakate

hochgehalten werden mit

Botschaften wie "Dein Leid ist

auch unser Leid, Bischof Erwin,

wir lieben Dich", dann sei er sich

sicher, dass das Reich Gottes

hier und jetzt beginne. Mit diesem

Rückhalt hält er es auch

aus, rund um die Uhr von Sicherheitsleuten

beschützt zu werden:

"Allein bin ich nur in meinem

Zimmer und in meinem Büro".

Die brasilianische Bischofskonferenz

unterstützt auch die

Kandidatur von Dom Erwin für

den Friedensnobelpreis.

EDS

VORGESTELLT

Foto: privat

Meine Erfahrungen mit der

Weltkirche machte ich in verschiedenen

Etappen. In meinen

ersten zehn Berufsjahren war ich

als Gemeindesekretärin in meiner

Heimatgemeinde Fiss in

Tirol tätig. Während dieser Zeit

hatte ich mehrmals die Gelegenheit,

bei Hilfstransporten in das

damals von Kriegswirren schwer

betroffene Exjugoslawien zu

helfen. Dabei wurde mir der

Blick über den Tellerrand gewährt.

Das gemeinsame Leben

und Arbeiten in einer Gemeinschaft

mit Menschen aus vielen

verschiedenen Nationen bildeten

meine nächsten Stationen in

Medjugorje, Frankreich und

Deutschland. Durch die Nähe zu

Menschen aus der Slowakei,

Polen, Libanon, Korea, Peru u.a.

wurde mir stückweise das Verständnis

für verschiedene

Kulturkreise eröffnet. Seit nunmehr

fünf Jahren bin ich bei

Missio Salzburg tätig. Besondere

Höhepunkte sind dabei immer

die Begegnungen mit Missionarinnen

und Missionaren

aus der ED Salzburg sowie mit

Gästen aus den Ländern des

Südens. Bei deren Besuchen in

Schulen und Pfarren findet stets

ein interessanter Austausch

statt. Es ist für mich eine große

Bereicherung, dass ich immer

wieder Gemeinschaft mit

Menschen aus aller Welt erleben

darf.

Sabine Schimpfößl, Missio


Termine/Aktuelles

DKWE

Mitgliedsorganisationen

RückkehrerInnentreffen

13. Nov. 2010, 15:00 Uhr

Ehemalige ProjektmitarbeiterInnen vom ÖED, Horizont 3000 und

VoluntärInnen aus verschiedenen Organisationen sind dazu eingeladen!

Ort: ABZ (Arbeiterbegegnungszentrum), Kirchenstr. 34, Salzburg

Nähere Infos und Anmeldung: DKWE - Karin Weissensteiner 0662-8047-

7611 oder ABZ - Maria Wimmer 0662/451290/13

Schulworkshops am 15. und 16. Dez. 2010

mit Romero-Preisträgerin 2010 Saria Anderson aus Tansania

Dauer: 2 Unterrichtseinheiten in Englisch mit Übersetzung

Terminvereinbarungen: DKWE/Welthaus 0662/8047/7611 oder

E-Mail: karin.weissensteiner@welthaus.at

Gespächsabend mit der Romero-Preisträgerin 2010 Saria Anderson

24.11.2010 - 19.30 Uhr

Clubraum Kath. Hochschulgemeinde, Salzburg

Sternsingersendungsfeier

28. Dez. 2010, 14:00 Uhr

mit Erzbischof Dr. Alois Kothgasser

Salzburger Dom

Tag der Partnerdiözesen

Bokungu-Ikela (DR Kongo), Daegu (Südkorea), San Ignacio de Velasco

(Bolivien)

6. Jän. 2011 - 10:00 Uhr Festgottesdienst

Salzburger Dom

Gesprächsabend im Bondeko

17. Jän. 2011 , 19:00 Uhr

Mission unter dem Kreuz des Südens.

25 Jahre Union der Herz-Jesu-Missionare im französisch-sprechenden

Afrika

Referent: P. Bruno Kuen MSC

Sung won (Johannes) Shin

Seit dem Ruperti-Tag ist Herr Shin in Salzburg. Er ist Diözesanpriester der

Erzdiözese Daegu/Südkorea und übernimmt bei uns die Aufgaben der

Kontaktperson in der Diözesanpartnerschaft zwischen den beiden

Erzdiözesen Salzburg und Daegu. Nach dem Studium der deutschen

Sprache wird er ein Doktoratsstudium aufnehmen. Wir wünschen ihm alles

Gute und eine gute Zeit in unserer Erzdiözese!

Impressum: DKWE-Info

Informationsunterlage für die Bildungsarbeit im Bereich Weltkirche

und Entwicklungszusammenarbeit der ED Salzburg.

Spendenkonto: Sbg. Sparkasse Kto: 810 BLZ: 20404

Redaktionsteam: Friederike Fletsch, Sr. Mechtildis Fuchs, Geli

Hechl, Wolfgang Heindl, Elisabeth Moser, Markus Roßkopf,

Sabine Schimpfößl, Margareta Walder

Layout: Petra Gasser

Medieninhaber: Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit;

Kapitelplatz 6, 5020 Salzburg;

Tel.: 0662/8047-7610; E-mail: salzburg@welthaus.at

Internet: http://dkwe.kirchen.net

Druck: Druckerei der ED Salzburg

Titelfoto: Missio

Österreichische Post AG/Sponsoring.Post . GZ 02Z030268 S . VPA 5010 Salzburg

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