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Digitale Fotografie - Update Natur & Outdoor-Fotografie (Vorschau)

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www.digitale-fotografi e-magazin.de<br />

<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE<br />

<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE<br />

WAS SIE FÜR PERFEKTE NAHAUFNAHMEN WISSEN MÜSSEN<br />

<strong>Natur</strong>- & <strong>Outdoor</strong>-<strong>Fotografie</strong><br />

Neue Aufnahmetechniken und kreative<br />

Ideen der Experten<br />

Nr. 8/2013 Sep-Nov 2013<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,90<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

Wildlife-Ratgeber: Auf<br />

11 Seiten erfahren Sie alles<br />

über bessere Tierfotos<br />

Porträt Guide: Perfekte<br />

Porträts – mithilfe vieler<br />

Tipps von unseren Profi s<br />

Schritt für Schritt: So<br />

verbessern Sie Ihre Bilder<br />

in der Nachbearbeitung<br />

Wie Sie ganz einfach<br />

noch bessere Aufnahmen<br />

erzielen


<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE


IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer,<br />

Sarah Plater, Pete Davis, Terry Hope,<br />

Damien Lovegrove, Philip Nash, Pip, Ian<br />

Wood<br />

ART DIRECTOR: Dean Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und<br />

mit der Erlaubnis von © Bright Publishing<br />

Limited herausgegeben. Alle Rechte an<br />

Material, Titel und Marke dieses Magazins<br />

sind Eigentum von Bright Publishing Limited<br />

und dürfen weder im Ganzen noch teilweise<br />

ohne vorherige schriftliche Genehmigung<br />

reproduziert werden.<br />

Willkommen...<br />

Liebe Leser und Fotografen!<br />

Wir begrüßen Sie zur Ausgabe 8 von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> - <strong>Update</strong>“! Auch in diesem Heft zeigen<br />

wir allen <strong>Fotografie</strong>-Begeisterten neue Ideen, Motive & Tricks, erklären bewährte Techniken und<br />

stellen passende Produkte vor. Für Preisbewusste haben wir einige sogar getestet und geben unter<br />

„Preiswerte Ausrüstung“ Empfehlungen zum Kauf.<br />

Den glanzvollen Auftakt bildet jedoch unser großer „Leserschaukasten“: Auf über 20 Seiten<br />

stellen wir die besten Einsendungen aus der Welt der <strong>Fotografie</strong> & besondere Aufnahmen unserer<br />

Leser vor (mit Infos zum Einsenden!); ausgewählte Beiträge werden unter „Expertenkritik“ im<br />

Detail analysiert.<br />

Unsere „Fotoideen I & II“ regen Ihre Fantasie an und führen in einfachen Schritten zu kreativen<br />

Fotos – sei es von Architektur oder Tieren – und zeigen neue Techniktrends in „5 Minuten<br />

Photoshop“. Wer sich besonders für die belebte <strong>Natur</strong> und Wildtiere interessiert, dem zeigen wir<br />

unter „Erste Schritte“ den perfekten Einstieg in die „Wildlife“-<strong>Fotografie</strong>, einschließlich Tipps zu<br />

Ausrüstung, Aufnahmetechnik und geeigneten Reisezielen.<br />

Da die <strong>Fotografie</strong> aber ein Kunst ist, wollen wir vor allem Ihren „kreativen Blick“ schärfen<br />

und neue Perspektiven aufzeigen – wie immer ergänzt durch praktische Anleitungen im<br />

„Expertenratgeber“ sowie fantastische Fotos und Berichte echter Profifotografen unter „Spitzen-<br />

<strong>Fotografie</strong>“!<br />

Versäumen Sie auch diesmal nicht die „<strong>Digitale</strong> Dunkelkammer“ mit Schritt-für-Schritt-<br />

Anleitungen für die digitale Nachbearbeitung Ihrer Bilder in Photoshop. Entdecken Sie Ihre<br />

Möglichkeiten!<br />

Viel Spaß & Erfolg dabei wünscht das Team von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“!<br />

Haftung<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt<br />

produziert. Der Verlag kann jedoch keine<br />

Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder<br />

Dienstleistungen übernehmen, die in<br />

dieser Ausgabe veröffentlicht wurden.<br />

Der Herausgeber übernimmt keine<br />

Verantwortung für Inhalte von externen<br />

Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />

werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media<br />

Landsberger Straße 302<br />

80687 München<br />

Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />

Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

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Postfach 1331<br />

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E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />

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Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />

Drukarnia Wyszków<br />

ul. Pułtuska 120<br />

07-200 Wyszków, Polska<br />

www.quadgraphics.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht<br />

aus umweltverträglichen Fasern.


055<br />

PORTRAIT AN EINEM<br />

REGENTAG


Inhalt<br />

008 Der große Leserschaukasten<br />

Die besten Bilder aus der Welt der<br />

<strong>Fotografie</strong> & besondere Aufnahmen<br />

unserer Leser auf über 20 Seiten<br />

033 Fotoideen I –<br />

Einfache Schritte zu kreativen Fotos:<br />

034 Abstrakte Bilder<br />

037 Architektur: Wolkenkratzer<br />

041 Tierporträts: Hunde<br />

045 Kreativ mit „Freelensing“<br />

048 5 Minuten Photoshop –<br />

<strong>Digitale</strong>r „Zoom-Burst“<br />

050 Fotoideen II –<br />

Erwecken Sie Fantasien zum Leben:<br />

055 Portrait an einem Regentag<br />

060 Spaßfoto ‚Natürliche Energie’<br />

062 Strandschönheiten & Gezeiten<br />

066 Sommerfruchtiges Makro<br />

070 „Neigungsillusion“<br />

08<br />

DER GROSSE<br />

LESERSCHAUKASTEN<br />

41<br />

TIERPORTRÄTS<br />

66<br />

SOMMERFRUCHTIGES MAKRO<br />

072 Leserfotos 2 –<br />

Ausgewählte Bilder & Expertenkritik<br />

unsere Redaktion<br />

077 Erste Schritte –<br />

„Wildlife“-<strong>Fotografie</strong>:<br />

078 Ausrüstung für den Wildlife-<br />

Fotografen<br />

080 Wildlife – Aufnahmetechnik<br />

082 Parks und Wälder<br />

084 Wasserlandschaften &<br />

Reisetipps<br />

086 Ein Tag im Zoo<br />

089 Preiswerte Ausrüstung –<br />

Großer Produktratgeber, von ‚Kabelloses<br />

Blitzsystem’ bis ‚Zubehör für<br />

Nahaufnahmen’<br />

86<br />

EIN TAG IM ZOO<br />

89<br />

PREISWERTE AUSRÜSTUNG<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 005


Inhalt<br />

101 Der „kreative Blick“<br />

Gewöhnliche Objekte & außergewöhnliche<br />

Bilder zum Thema „Kaffee“:<br />

102 Kaffeeklatsch<br />

104 Porträt aus Kaffeebohnen<br />

106 „Tasse Kaffee?“<br />

108 Leserwettbewerb „Kaffee“<br />

110 Expertenratgeber für<br />

Porträtaufnahmen – Schärfe &<br />

Belichtung:<br />

114 Möglichkeiten der<br />

Belichtungskontrolle<br />

116 Tiefenschärfe bei<br />

Porträtaufnahmen<br />

118 So setzen Sie Ihr Fotowissen in<br />

die Praxis um<br />

120 Bildkomposition – Grundlagen:<br />

124 Bildaufbau & Führungslinien<br />

126 Hintergründe & Farben<br />

128 Mit geneigter Kamera<br />

130 „Negativer Raum“<br />

133 So gründen Sie ein lukratives<br />

Geschäft – Innovative Fotoprodukte und<br />

ihre Erfinder<br />

139 Kapitalbeschaffung: So starten<br />

Sie durch<br />

140 Spitzen-<strong>Fotografie</strong> –<br />

Jon Hicks: „Das goldene Land“<br />

146 Dom Romney: „Leben auf der<br />

Überholspur“<br />

150 Adrian Dennis: „Eine Frage des<br />

Sports“<br />

156 <strong>Digitale</strong> Dunkelkammer –<br />

Experten-Tutorials zu Photoshop<br />

Elements & CS:<br />

158 Elements: Porträtaufnahmen mit<br />

Texturen versehen<br />

160 CS: <strong>Digitale</strong>s Wet-Plate-Bild<br />

102<br />

KAFFEEKLATSCH<br />

108<br />

LESERWETTBEWERB<br />

„KAFFEE“<br />

150<br />

„EINE FRAGE DES<br />

SPORTS“<br />

120<br />

BILDKOMPOSITION<br />

006 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


160<br />

CS: DIGITALES WET-<br />

PLATE-BILD<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 007


IHRE BESTEN BILDER<br />

Tommy Eliassen<br />

Alter: 35 / Beruf: Lachszüchter<br />

Høgtuva: „Im Oktober 2012 kam es auf der Sonne zu starken<br />

koronalen Massenauswürfen, auch bekannt als Sonnen-<br />

Eruptionen oder „Protuberanzen“. Für die Erde waren deshalb<br />

starke Sonnenwinde vorhergesagt worden, die zahlreiche<br />

Polarlichter hervorrufen würden. Um sie zu fotografieren, fuhr<br />

ich nach Melfjellet, eine meiner bevorzugten Gegenden in der<br />

Nähe meiner Heimatstadt Mo i Rana in Norwegen.<br />

Die Herausforderung beim <strong>Fotografie</strong>ren von Polarlichtern<br />

besteht darin, dass die Lichtverhältnisse ständig wechseln.<br />

Ich wollte die Verschlusszeit so kurz wie möglich halten, aber<br />

auch lang genug, damit auch der Vordergrund gut<br />

ausgeleuchtet war. Den Himmel belichtete ich mit etwa 10<br />

Sekunden; dann hielt ich meine Mütze vor die obere Hälfte der<br />

Frontlinse des Objektivs und nahm dadurch den Himmel für<br />

die restlichen 12 Sekunden der Verschlusszeit aus dem Bild.<br />

Mit den Ergebnissen war ich sehr zufrieden.“<br />

www.tommyeliassen.com<br />

Nikon D700 mit NIKKOR AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 22 Sekunden bei Blende f/2.8 (ISO 1600).


Leserschaukasten<br />

Tommy Eliassen (Fortsetzung)<br />

Seite an Seite: „Die Siedlung Ifjord hat nur zehn Einwohner und befindet sich 130 km<br />

von der nächsten Stadt entfernt. Lichtverschmutzung ist hier also kein Problem: Dort<br />

wollte ich meine neue D700 ausprobieren. Der Himmel war tagelang bedeckt<br />

gewesen, doch laut Wettervorhersage gab es in dieser Nacht ein Zeitfenster mit klarem<br />

Himmel. Gerade als die Wolken über den Berg heran zogen, sah ich ein schwaches<br />

Polarlicht die Milchstraße entlang ziehen. Normalerweise sind Polarlichter viel heller,<br />

was es schwierig macht, die Galaxie sowie das Polarlicht richtig zu belichten, aber<br />

diese Nacht war alles ideal. Ich erhöhte den ISO-Wert, um die Verschlusszeit kurz zu<br />

halten; wenn Sie nämlich über 30 Sekunden gehen, werden die Sterne nur aufgrund<br />

der Erdrotation zu Streifen.“<br />

Nikon D700 mit NIKKOR 14-24mm f/2.8G ED AF-S Objektiv.<br />

Belichtung: 26 Sekunden bei Blende f/2.8 (ISO 8000).<br />

Magische Nacht: „Im vergangenen Oktober verbrachte ich eine Nacht im Freien bei<br />

Korgfjellet und konnte dort einen extrem starken Meteorschauer beobachten. Die<br />

Temperaturen lagen deutlich unter 0°, und ich hatte ein Zelt aufgeschlagen. In diesem<br />

Bild wollte ich die Stimmung des Alleinseins unter dem Nachthimmel einfangen. Ich<br />

benutzte eine einzelne Kerze, um das Zelt zu beleuchten und stellte den<br />

Selbstauslöser und Intervallzeitgeber der Kamera ein. Dann setzte ich mich mit meiner<br />

Backup-Kamera als Requisite neben das Zelt und wartete darauf, dass der Verschluss<br />

auslösen würde, um während der Belichtung vollkommen still sitzen zu bleiben.<br />

Natürlich hatte ich gehofft, auch einen Meteor mit im Bild zu haben, aber es ist auch<br />

ohne ihn ganz gut geworden.“<br />

Nikon D700 mit NIKKOR 14-24mm f/2.8G ED AF-S Objektiv.<br />

Belichtung: 30 Sekunden bei Blende f/2.8 (ISO 3200).<br />

Phil Whittaker<br />

Alter: 37 / Beruf: Fabrikant<br />

Sonnenstrahl: „Nachdem das Wetter über Weihnachten ziemlich eintönig gewesen<br />

war, hatten ich Glück mit einem spektakulären Sonnenaufgang in Tynemouth Haven:<br />

Wir konnten den Tyne genau an der Stelle überblicken, an der er in die Nordsee fließt.<br />

Die Aufnahme entstand mit einem 4-stufigen Graufilter, um die Verschlusszeit zu<br />

verlängern, und einem weichen 0.9 ND Verlaufsfilter, um den Himmel nicht zu<br />

dominant werden zu lassen.<br />

In Adobe Camera Raw nahm ich nur wenige kleine Anpassungen vor. Ich korrigierte<br />

die Belichtung um +1 EV am oberen Teil des Himmels, bevor ich das Bild dann in<br />

Photoshop öffnete und die Verzerrung der Leuchttürme korrigierte.“<br />

www.500px.com/GIZTO29<br />

Nikon D5000 mit Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM Objektiv.<br />

Belichtung: 8 Sekunden bei Blende f/22 (ISO 200).<br />

010 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Peters Küstenlandschaft fesselt<br />

die Aufmerksamkeit des Betrachters<br />

sowohl im Vorder- und Hintergrund.<br />

Der Blick wird von den Steinen über<br />

das Wasser geführt, bis in den<br />

farbigen Himmel.<br />

Daniel Lezano


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Ich mag diese Aufnahmen der<br />

Papageientaucher. Es sind wunderbare<br />

Kreaturen, äußerst charaktervoll. Oscar<br />

gelang ein hervorragendes Bild, indem<br />

er sie vor diesem hellen, leuchtenden<br />

Hintergrund fotografierte.<br />

Daniel Lezano


Leserschaukasten<br />

Marit Aasen<br />

Alter: 44 / Beruf: Buchhalterin<br />

Chanok von Eden: „Dieses Bild des Models Chanok Sayoungkul entstand während<br />

eines <strong>Fotografie</strong>-Workshops in Bangkok. Das Styling soll die dritte Jahreszeit<br />

symbolisieren: den Herbst. An diesem Tag war der Himmel bedeckt; da wir aber mit<br />

natürlichem Tageslicht arbeiteten, war die Belichtung keine einfache Sache. Ich benutzte<br />

einen Reflektor, um zusätzliches Licht auf das Gesicht des Models zu lenken, während<br />

die Wolken für eine weiche, gleichmäßige Beleuchtung der Umgebung sorgten. In der<br />

Nachbearbeitung verstärkte ich den Kontrast, bevor ich die Haut mit der Nik Software<br />

sowie mit Imagenomic einer „kosmetischen“ Behandlung unterzog, um sie weicher<br />

aussehen zu lassen.“ www.500px.com/maritkaasen<br />

Canon EOS 5D mit Canon EF 70-200mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/2.8 (ISO 200)<br />

Oscar Dewhurst<br />

Alter: 18 / Beruf: Student<br />

Neugieriger atlantischer Papageientaucher: „Die Insel Skomer vor der Küste von Wales<br />

ist berühmt für ihre große Population von Papageientauchern, über 6000 Paare leben<br />

dort. Als ich dort war, wollte ich ein Bild, das einen Papageientaucher vor dem<br />

Hintergrund der leuchtend blauen See zeigte. Mir war aufgefallen, dass die<br />

algenbedeckten Felsen eine hervorragende „Bühne“ für meine Hauptdarsteller abgaben.<br />

Ich ging also in der Nähe mit meiner Kamera in Position und wartete, bis ein<br />

Papageientaucher landete. Von den Aufnahmen, die dabei entstanden, ist diese die<br />

schönste.“<br />

Nikon D300s mit NIKKOR 200-400mm f/4 G ED VR Objektiv.<br />

Belichtung: 1/1600 Sekunde bei Blende f/5.6 (ISO 500).<br />

Atlantischer Papageientaucher mit Sand-Aal: „Ein weiteres Bild, das mir vorschwebte,<br />

als ich Skomer besuchte, war ein Papageientaucher mit dem Schnabel voller Sand-Aale.<br />

Es war gar nicht so schwierig, das Foto zu schießen, weil die Vögel in Massen auf der<br />

Insel vorkommen – und sie sind kein bisschen scheu. Ich baute mein Stativ vor einer<br />

Stelle mit grünem Hintergrund auf, und wartete, bis ein Vogel dort landete. Es kamen<br />

auch etliche, nur hatten die meisten leider keinen Sand-Aal im Schnabel. Irgendwann<br />

landete einer, der gerade seinen Fang gemacht hatte, sodass ich dieses Foto schießen<br />

konnte.<br />

www.oscardewhurstphotography.co.uk<br />

Nikon D300s mit NIKKOR 200-400mm f/4 G ED VR Objektiv.<br />

Belichtung: 1/1000 Sekunde bei Blende f/5.6 (ISO 320).<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 013


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Laubfrösche sind fotogene<br />

Kreaturen, besonders wenn ihre<br />

farbigen Augen mit ihrer grünen<br />

Umgebung kontrastieren. Durch die<br />

bewusst gering gehaltene<br />

Schärfentiefe hat Alex das Beste<br />

aus dem Motiv gemacht.<br />

Daniel Lezano


Leserschaukasten<br />

Thomas Sebourn<br />

Alter: 30 / Beruf: Rechtsanwalt und Fotograf<br />

Manhattan Beach Pier, HDR Sunburst: „Digital <strong>Fotografie</strong> und die High-Dynamic-Range-Technik ermöglichen mir Aufnahmen, die mittels alter Analogtechnik<br />

niemals gelungen wären. Es war 2008, als die HDR-<strong>Fotografie</strong> sich durchsetzte und eine Fülle von Möglichkeiten eröffnete, ganz ungewöhnliche Fotos zu<br />

schießen. Diese Szene, bei der die Sonne zwischen den Pfählen des Piers untergeht, hatte einen extremen Tonwertumfang und verlangte geradezu nach der<br />

HDR-Aufnahmetechnik.“<br />

Sony Alpha 850 mit Minolta AF 24mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde, 1/60 Sekunde und 1/15 Sekunde bei Blende f/11 (ISO 200).<br />

Manhattan Beach Pier, rosa Sonnenuntergang: „Ich wohne 10 Minuten von dem Pier entfernt, kann also sofort hinuntergehen, wenn ich sehe, dass die<br />

Lichtverhältnisse gut sind. Dieses Bild entstand nach einem Sommergewitter, ungefähr 10 Minuten nach Sonnenuntergang – die beste Zeit also, um das magische<br />

Licht auszunutzen. Ich verwendete einen 0.9 ND Verlaufsfilter, um den Himmel abzuschwächen. Das Problem bei der Aufnahme war, dass das Stativ immer<br />

weiter in den nassen Sand einsank. Schließlich drückte ich die Beine stark nach unten und wartete, bis es sich nicht mehr weiter bewegte, bevor ich die Aufnahme<br />

machte.“<br />

www.thomasjsebourn.zenfolio.com<br />

Sony Alpha 850 mit Carl Zeiss 16-35mm f/2.8 ZA SSM Objektiv.<br />

Belichtung: 1,3 Sekunden bei Blende f/11 (ISO 200).<br />

Alex Royal<br />

Alter: 39 / Beruf: Fotograf<br />

Die Schönheit von Costa Rica: „Dieses Bild entstand im Januar vergangenen<br />

Jahres in einem der Nationalparks von Costa Rica. Die Laubfrösche waren<br />

einer der Gründe für meinen Besuch in Costa Rica, und genau dieses Bild hatte<br />

ich bei der Planung meines Trips im Sinn gehabt. Es entstand direkt nach<br />

Sonnenuntergang. Das Licht war weich, und ich brauchte weder Blitzgerät<br />

noch irgendwelche zusätzliche Beleuchtung. Es dauerte eine Weile, die<br />

Frösche zu finden, doch unser einheimischer Führer hatte Glück. Während ich<br />

mit der Bildkomposition beschäftigt war, wäre der Frosch beinahe davon<br />

gehüpft. Ich wollte aus der Hand schießen und hatte gerade noch genug Zeit<br />

für ein paar Aufnahmen, bevor er verschwand.“<br />

www.500px.com/virako4a<br />

Canon EOS 5D Mk III mit EF 28-300mm f/3.5-5.6L IS USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/9 (ISO 800).<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 015


DIE BESTEN BILDER AUS DER WELT DER FOTOGRAFIE


Renato Lourenço<br />

Alter: 33 / Beruf: Flughafen-Sicherheitskontrolleur<br />

PDS: „Dieses Foto wurde auf Madeira aufgenommen, bei Câmara de<br />

Lobos. Diese Stelle ist nicht einfach zu erreichen, doch nach<br />

ausgiebiger Kletterei war ich an diesem Aussichtspunkt angekommen.<br />

Ich hatte es so geplant, dass der Sonnenuntergang bei Ebbe stattfand<br />

– in der Hoffnung, das Licht würde den grünen Algenbewuchs auf den<br />

Felsen besonders hervorheben. Die Aufnahme entstand unmittelbar<br />

nachdem die Sonne am Horizont verschwunden war. Ich benutzte<br />

einen Polfilter, um die Farben der Felsen herauszuarbeiten, und einen<br />

harten 0.9 ND Verlaufsfilter, damit der Himmel nicht zu dominant<br />

wurde.“<br />

Canon EOS 450D mit Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM Objektiv.<br />

Belichtung: 13 Sekunden bei Blende f/22 und ISO 100.


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Geoffs Porträts sind wunderschön<br />

inspirierend. Man merkt, dass er ein<br />

Experte für Studioblitz ist: Seine durch<br />

Folien erzeugte Farbmischung sorgt<br />

für zusätzliche Attraktivität der<br />

Bilder.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Geoff Jones<br />

Alter: 34 / Beruf: Fotograf<br />

Visit: www.threevisual.com.au<br />

Zoe (Oben): „Dieses Bild war für eine Portfolio-Mappe gedacht. Es waren vier<br />

Leuchten im Einsatz: Eine kleine mit Reflektor und roter Folie zur Beleuchtung der<br />

Haare, eine große mit blauer Folie und Beauty-Dish im Winkel von 45° von oben,<br />

auf dem Boden stand eine 30 cm Softbox mit gelber Folie und eine einzelne<br />

Leuchte ohne Folie war gegen die Decke gerichtet, um das Ganze aufzuhellen und<br />

die Sättigung der anderen Lampenfarben etwas zurückzunehmen.<br />

Bei der Nachbearbeitung vergrößerte ich das Volumen der Frisur mit dem<br />

Verflüssigen-Werkzeug, säuberte die Haut und verstärkte die Sommersprossen<br />

durch Nachbelichten und Abwedeln.<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 70-200mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/125 Sekunde bei Blende f/7.1 (ISO 100).<br />

Pearl: „Dieses Foto war Teil einer Aktserie. Ich wollte einen futuristischen,<br />

fremdartigen Eindruck erzeugen. Dazu beleuchtete ich die Szene mit drei<br />

Lichtquellen: einer kleinen Softbox mit pinkfarbener Folie, einem kleinen Reflektor<br />

und einem großen Beauty-Dish mit blauer Folie als Hauptlicht. Meine Frau brachte<br />

das Haar mit einem Föhn in Bewegung.<br />

In der Nachbearbeitung änderte ich das Pink in einen orangenen Farbton sowie das<br />

Blau in Türkis. Um den Kontrast zu verstärken, nutzte ich eine<br />

Verlaufsumsetzungsebene mit der Einstellung „Weiches Licht“.”<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 70-200mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100.<br />

Integra Photonature<br />

Alter: 35 / Beruf: Autoschlosser<br />

Visit: www.integraphotonature.net<br />

Blades San Martino di Castrozza at Sunset: “Sonnenuntergang bei San<br />

Martino di Castrozza in den italienischen Dolomiten: „Ich machte meine<br />

Bildkomposition und wartete auf das richtige Licht, doch mit dem Sonnenuntergang<br />

zogen Wolken herauf. Die Kamera war auf dem Stativ montiert; ich machte zwei<br />

Aufnahmen, eine für den Vordergrund und eine für die Berge und die Wolken.<br />

In der Nachbearbeitung fügte ich beide Aufnahmen zusammen und betonte die<br />

Farben des Bildes durch Erhöhen der Farbsättigung.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/30 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 50.<br />

018 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Stefan ist ein hervorragender<br />

Landschaftsfotograf. Er schafft<br />

fantastische Bildkompositionen<br />

mit wunderschönen Farben und<br />

erstaunlich vielen Details.<br />

Daniel Lezano<br />

Stefan Hefele<br />

Alter: 27 / Beruf: Landschaftsfotograf<br />

Visit: www.stefan-hefele.de<br />

Goldene Stadt: „Zwei Tage zuvor hatte man mich verscheucht, weil ich ein<br />

Stativ benutzte. Also kam ich zurück und versuchte mein Glück erneut. Als die<br />

Sonne durch den frühen Morgennebel drang, war das römische Forum in<br />

weiches, goldenes Licht getaucht. Die Kamera war mit einem Bohnensack auf<br />

ein Geländer aufgestützt, und ich benutzte einen Verlaufsfilter, um die Szene<br />

gleichmäßig zu belichten.“<br />

Nikon D800E mit Nikkor AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 1/60 Sekunde bei Blende f/9 und ISO 100.<br />

Regenbogenstrand: „Bei Ebbe entsteht in den schroffen Felsen bei Utakleiv,<br />

Nord-Norwegen, eine Vielzahl unterschiedlicher Tümpel. Das Licht gibt diesem<br />

Motiv eine wunderschöne Atmosphäre. Wegen der Lage im hohen Norden<br />

Europas sind die Tage zu dieser Jahreszeit sehr kurz. Ich benutzte einen 1.8<br />

ND Verlaufsfilter, um die Bewegung des Wassers abzuschwächen.“<br />

Nikon D800E mit Nikkor AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 25 Sekunden bei Blende f/14 und ISO 100.<br />

Lightshow: „Diese Aufnahme entstand in einer Bucht nahe Unstadvika in<br />

Norwegen. Bei der Bildkomposition dienten mir die Felsen im Vordergrund als<br />

Führungslinie. Wenn irgend möglich, zeige ich einen Vordergrund, einen<br />

zentralen Motivbereich und einen Hintergrund, um meinen Bildern Tiefe zu<br />

verleihen. Hier war eine zweite Aufnahme nötig, um die helleren Teile des<br />

Himmels aufzunehmen, die ich später in Photoshop einfügte.“<br />

Nikon D800E mit Nikkor AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 8 Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100.<br />

Jeroen van den Broek<br />

Alter: 25 / Beruf: Selbstständiger Fotograf<br />

Visit: www.vandenbroekfotografie.nl<br />

Porträt einer Reiterin: „Dieses Bild entstand aus einem Experiment, bei dem<br />

ich mehrere Aufnahmen zusammenfügte: Zuerst fotografierte ich den<br />

Hintergrund, wobei ich für das Gras richtig belichtete. Den Himmel wollte ich<br />

ohnehin auswechseln, deswegen kam es auf ihn nicht an. Danach fotografierte<br />

ich das Modell im Studio und achtete darauf, es genau so wie den Hintergrund<br />

zu belichten. Das fertige Bild besteht aus vier Einzelaufnahmen – Hintergrund,<br />

Himmel, Modell und Pferd.“<br />

Nikon D2x mit NIKKOR AF-S 17-55mm f/2.8G IF-ED Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100. Hintergrund: 1/50<br />

Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100.<br />

020 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 021


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Guennadis Studioporträts sind<br />

wirklich erstaunlich! Ich mag<br />

seinen Beleuchtungsstil. Ich bin<br />

gespannt darauf, dieses<br />

Licht-Setup selbst<br />

auszuprobieren.<br />

Jordan Butters<br />

Guennadi Ivanov-Kuhn<br />

Alter: 26 / Beruf: Systemingenieur / Fotograf<br />

Visit: www.ivanov-kuhn.fr<br />

Lou: Ich verwende ein sehr spezielles Setup für die Beleuchtung im<br />

Studio. Es besteht aus 2 Elinchrom D-Lite-it 4 Studioleuchten in<br />

60cm-Softboxen, die über dem Modell angeordnet und direkt nach unten<br />

gerichtet sind. Dann positioniere ich einen Refl ektor unten vor das Modell.<br />

So entsteht ein Licht, das aus drei unterschiedlichen Richtungen kommt.“<br />

Nikon D700 mit NIKKOR AF-S 85mm f/1.8D Objektiv.<br />

Belichtung: 1/125 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Audray: „Ich arbeite regelmäßig mit regionalen Modellagenturen<br />

zusammen – oft haben die Modelle nicht genügend Studio-Porträts in<br />

ihrem Portfolio, deswegen habe ich eine umfangreiche Kollektion von<br />

Aufnahmen desselben Stils mit immer gleichem Licht angelegt.“<br />

Nikon D700 mit NIKKOR AF-S 85mm f/1.8D Objektiv.<br />

Belichtung: 1/125 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Tara: „Meine Porträts werden zuerst in Lightroom 4 bearbeitet, bevor ich<br />

sie nach Photoshop exportiere. Ich verwende eine „Frequenzseparation“<br />

genannte Retuschiertechnik, um Farbtöne und Oberfl ächen unabhängig<br />

voneinander zu bearbeiten.“<br />

Nikon D700 mit NIKKOR AF-S 85mm f/1.8D Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 100.<br />

022 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIE BESTEN BILDER AUS DER WELT DER FOTOGRAFIE<br />

Rudy Denoyette<br />

Alter: 59 / Beruf: Rentner<br />

Homepage: 500px.com/rudyd<br />

Mont Saint-Michel: „Ich übernachtete in einer kleinen Pension in der<br />

Nähe des Klosters in der Normandie. Das Foto entstand eines Morgens<br />

gegen 5:30 Uhr. Zu dieser Tageszeit gibt es dort noch keine Touristen,<br />

aber das beste Licht. Ich hatte großes Glück, dass ein Schäfer mit seiner<br />

Herde auftauchte und mir diese Bildkomposition ermöglichte. Die<br />

Kamera war auf dem Stativ montiert; ich musste jedoch in Bewegung<br />

bleiben, weil die Herde weiterzog. So schoss ich dieses Foto aus der<br />

Hand, während die Kamera noch auf dem Stativ saß. Ich bearbeitete<br />

das Bild mit Lightroom, wobei ich einen Verlaufsfilter verwendete und<br />

die Farbtöne etwas wärmer einstellte.“<br />

Nikon D90 mit AF-S 18-135mm f/3.5-5.6G IF ED Objektiv.<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 100.


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Fotos vom Sternenhimmel interessieren<br />

mich ganz besonders, und so blieb mir<br />

fast die Luft weg, als ich Antons<br />

Aufnahmen aus dem Himalaya sah. Es<br />

gibt dort keinerlei Lichtverschmutzung.<br />

Hervorragende Fotos, sehr gut<br />

gemacht.<br />

Jordan Butters<br />

Anton Jankovoy<br />

Alter: 25 / Beruf: Fotograf<br />

Homepage: www.jankovoy.com<br />

Der Dhaulagiri im Licht des aufgehenden Vollmonds: „Dieser Blick zeigt<br />

den Gipfel des Dhaulagiri, aufgenommen im Dorf Ghorepani in Nepal. Es war<br />

eine ruhige Nacht mit wenigen Wolken, die sich unterhalb des Gipfels gebildet<br />

hatten. Ich hatte die Blende weit offen, um so viel Licht wie möglich einzufangen;<br />

die Verschlusszeit betrug 30 Sekunden, damit ich auch kurze Sternenspuren ins<br />

Bild bekam, während der aufgehende Mond den Gipfel erhellte.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 70-200mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 30 Sekunden bei Blende f/2.8 und ISO 400.<br />

Milchstraße über dem Himalaya I: „Dieses Foto entstand im Annapurna<br />

<strong>Natur</strong>schutzgebiet des Himalayas. In einer klaren Nacht ist die Milchstraße auch<br />

für das nackte Auge deutlich zu sehen, weil es hier überhaupt keine<br />

Lichtverschmutzung gibt. Der Standort lag 4800 Meter über dem Meeresspiegel<br />

im Thorung High Camp – ein Basislager, das den Touristen zur Akklimatisierung<br />

dient, bevor Sie den Gipfelpass in Angriff nehmen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 15mm f/2.8 Fisheye Objektiv.<br />

Belichtung: 53 Sekunden bei Blende f/2.8 und ISO 2500.<br />

Milchstraße über dem Himalaya II: „Eine andere Bildkomposition. Das Foto<br />

entstand im Modi Khola Tal in 3700 m Höhe.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 15mm f/2.8 Fisheye Objektiv.<br />

Belichtung: 53 Sekunden bei Blende f/2.8 und ISO 2500).<br />

Carl Smorenburg<br />

Alter: 42 / Beruf: Personal-Trainer<br />

Homepage: www.500px.com/carlsmorenburg<br />

Mnweni Pass: „Das Bild entstand während einer Wanderung im nördlichen<br />

Drakensberg in Südafrika. Weil die starken Kontraste in der Szene den<br />

Dynamikumfang meiner Kamera überstiegen, nahm ich eine 2er-Serie mit<br />

unterschiedlichen Belichtungen auf. Ich wartete, bis das Licht auf die entfernten<br />

Gipfel fiel und bat meinen Freund, Modell zu stehen. Die beiden Aufnahmen<br />

montierte ich in Photoshop zusammen und fügte noch ein wenig Kontrast,<br />

Farbsättigung und Schärfe hinzu.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 16-35mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/80 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 100.<br />

026 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


028 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Wir stellen immer wieder fest, wie<br />

wichtig das Licht für gute<br />

Landschaftsaufnahmen ist – dieses<br />

Bild ist der beste Beweis. Man<br />

glaubt, man schaut in eine andere<br />

Welt: Ein ganz hervorragendes<br />

Foto.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Claudia Wycisk<br />

Alter: 28 / Beruf: Sachbearbeiterin<br />

Homepage: www.cwphoto.de<br />

„Mit diesem Modell, Maren, ist die Arbeit eine Freude, sie ist eine natürliche<br />

Schönheit mit vielen Sommersprossen. Dieses Bild entstand vor einem weißen<br />

Hintergrund mit einer 95cm Phottix Octagon Softbox und einem einzelnen<br />

Yongnuo Blitzgerät. Ich bearbeitete das Bild in Photoshop mit Nik Color Efex<br />

Pro 4, um die Sommersprossen noch zu betonen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/16 Sekunde bei Blende f/5 und ISO 200).<br />

„Dieses Bild entstand ist Teil meines aktuellen persönlichen Projekts ‚Die<br />

schwarze Serie‘ (www.the-black-series.de). Darin bilde ich Menschen aus<br />

unterschiedlichen sozialen Schichten ab. Sie stehen vor einem schwarzen<br />

Hintergrund und sind in der Mode des ausgehenden 19. Jahrhunderts<br />

gekleidet. Auch die Posen der Modelle sind dem damaligen <strong>Fotografie</strong>stil<br />

nachempfunden.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 50mm f/1.4 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 200.<br />

„Auch dieses Foto gehört zur schwarzen Serie, es zeigt meinen Großvater Horst.<br />

Ein einzelnes Yongnuo-Blitzgerät befand sich in einer 60cm großen,<br />

quadratischen Proxistar-Softbox: Eine einfache und kostengünstige<br />

Kombination, die sehr gut zu dieser Serie passt. Das Foto beweist, dass man<br />

auch mit einfachem Setup effizient arbeiten kann.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 200.<br />

Felix Röser<br />

Alter: 22 / Beruf: Freiberuflicher Fotograf<br />

Homepage: www.photography-roeser.de<br />

Wunderland: „Am ersten Tag meiner Rucksackwanderung in Island war ich<br />

an der Küste unterwegs, als ich an die geheimnisumwitterten Seljalandsfoss<br />

Wasserfälle kam. Dort schlug ich mein Nachtlager auf. Bei Sonnenuntergang<br />

färbte die Sonne den Wasserfall und die Felsen stark Rot und Orange. Bei<br />

dieser Aufnahme stand ich hinter dem Wasserfall.“<br />

Canon EOS 7D mit Walimex Pro 8mm f/3.5 Fisheye-Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 160.<br />

Eisflut: „Diesen Ort habe ich zufällig bei Skjelfjorden auf den Lofoten Inseln<br />

Norwegens entdeckt. Ich stieg auf einen Hügel, um die Aussicht über den Fjord<br />

zu haben. Von dort oben sah ich diese kleine Bucht, in der sich das Eis mit den<br />

Gezeiten bewegte. Ich machte eine Serie von drei Aufnahmen, zwei für den<br />

Himmel und eine für den Vordergrund, die ich später in Photoshop<br />

zusammenmontierte.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 50mm f/1.4 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 200.<br />

Reines Blau: „Nach einem eindrucksvollen Sonnenuntergang über dem Dorf<br />

Reine auf den Lofoten sorgte die blaue Stunde für zarte Pastelltöne über der<br />

Szene. Ich benutzte einen Verlaufsfilter, um die Lichtniveaus anzugleichen. Die<br />

Lichter des Dorfes kontrastieren sehr schön mit den blau gefärbten Gipfeln im<br />

Hintergrund.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit CANON EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 30 Sekunden bei Blende f/7.1 und ISO 200.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 029


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Wir erhalten viele Bilder, die an Küsten<br />

aufgenommen wurden; ein Foto, dass es<br />

in unseren Schaukasten schafft, muss<br />

daher außergewöhnlich gut sein. Johans<br />

und Garys Aufnahmen demonstrieren<br />

exzellente Aufnahmetechnik und<br />

Bildkomposition.<br />

Daniel Lezano<br />

Johan Eickmeyer<br />

Alter: 33 / Beruf: Fotograf<br />

Homepage: www.johaneickmeyer.com<br />

Blaue Lagune: „Diese Szene war nicht einfach. Die Wolken bewegten sich<br />

schnell im starken Wind, und das ständig sich verändernde Licht machte es fast<br />

unmöglich vorherzusehen, wie die Farben auf dem Foto wirken würden. Ich sah<br />

eine kleine Wolke über den Himmel heranziehen und wartete, bis sie ihren Weg<br />

in die linke Seite des Bildausschnitts fand. Schnell machte ich eine Aufnahme,<br />

bei der die Belichtung auf den Himmel eingestellt war, und sofort danach eine<br />

andere mit der Belichtung für den beweglichen Vordergrund.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 16-35mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 2 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100.<br />

Cannon Beach: „Ich wollte am Cannon Beach in Oregon die Farben des frühen<br />

Morgens einfangen, als die Sonnenstrahlen durch die Sturmwolken fielen. Mit<br />

der Sonne im Rücken konnte ich auf gleichmäßiges Licht vertrauen, und so<br />

brauchte ich nur eine einzige Aufnahme mit einem Graufilter, der die<br />

Verschlusszeit etwas verlängerte. In Photoshop waren nur minimale Korrekturen<br />

notwendig, um die Farben und Kontraste zu verbessern.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 16-35mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 0,6 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100.<br />

Gary King<br />

Alter: 33 / Beruf: Lehrer, Fotograf<br />

Homepage: www.garykingphotography.com<br />

Sharrow Point: „Ich war nach langen und schweren Regenschauern an dem Strand angekommen, in der Hoffnung, das Wetter würde sich verbessern –<br />

entsprechend der Vorhersage. Kurz vor Sonnenuntergang hörte es auf zu regnen und die Wolkendecke riss auf. Das größte Problem war nun, das Glühen der<br />

untergehenden Sonne in den Griff zu bekommen. Dazu benutzte ich einen weichen 0.9 ND Verlaufsfilter, der die hellsten Stellen des Bildausschnitts abdunkelte.<br />

Die Nachbearbeitung bestand lediglich aus kleinen Korrekturen der Tonwerte und etwas Abwedeln des Vordergrunds.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit CANON EF 17-40mm f/4L Objektiv.<br />

Belichtung: 0,5 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

030 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


So meistern Sie<br />

Ihre Digitalkamera<br />

Fotoidee<br />

Einfache Schritte zu kreativen Fotos<br />

Kreative Bewegung<br />

Durch gezieltes Verwackeln produzieren sie<br />

ungewöhnliche und abstrakte Bilder<br />

Moderne Architektur<br />

Durch Langzeitbelichtung gewinnen<br />

Bilder von Wolkenkratzern an<br />

Bewegung<br />

Spaß mit „Freelensing“<br />

Schrauben Sie das Objektiv von der<br />

Kamera und setzen Sie die Schärfentiefe<br />

kreativ ein<br />

PLUS! LIFESTYLE-TIERPORTRÄTS, GLOCKENBLUMEN & DIGITALE ZOOM BURSTS<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 033


Fotoidee<br />

Abstrakte Bilder<br />

Gezielte Bewegungen der Kamera bei geöffnetem Verschluss können zu<br />

verblüffenden Ergebnissen führen – wenn Sie die Technik beherrschen<br />

ROSS HODDINOTT: Bei<br />

Landschaftsaufnahmen sollte man<br />

möglichst immer ein stabiles Stativ und<br />

einen Fernauslöser benutzen, und falls<br />

vorhanden, die Spiegelverriegelung der<br />

Kamera aktivieren. Wozu das alles? Klar, um möglichst<br />

scharfe Fotos zu erhalten. So weit, so gut. Doch für alle<br />

fotografischen Regeln gibt es Ausnahmen. Bei der<br />

nachfolgend beschriebenen Aufnahmetechnik kann<br />

man kaum noch von Ausnahme sprechen, denn es<br />

werden praktisch alle Grundregeln der <strong>Fotografie</strong> über<br />

Bord geworfen. Die Rede ist von einer Technik, die auf<br />

Englisch „Intentional Camera Movement“ genannt wird<br />

– kurz und bündig abgekürzt „ICM“. Das könnte man<br />

auf Deutsch etwa mit „beabsichtigte Bewegung der<br />

Kamera bei der Aufnahme“ übersetzen. Da man diesen<br />

langen Satz aber nicht immer wiederholen will,<br />

sprechen wir hier ebenfalls von „ICM“.<br />

Von dieser Aufnahmetechnik wird entweder in den<br />

höchsten Tönen geschwärmt, oder sie wird zutiefst<br />

gehasst – dazwischen scheint es nichts zu geben. Die<br />

Bewegung der Kamera während des Auslösens<br />

erscheint zunächst als sicherer Weg, um ein Foto zu<br />

ruinieren; es ist jedoch erstaunlich, welche kreativen<br />

und sogar kunstvollen Ergebnisse man mit etwas<br />

Übung erzielen kann. Die Bilder vermitteln den<br />

Eindruck, als seien sie gemalt, und erzeugen eine ganz<br />

eigentümliche Bewegungsillusion. Das geht prinzipiell<br />

mit jeder Brennweite; Standard- oder mittlere<br />

Teleobjektive im Bereich zwischen 50 bis 135 mm<br />

Brennweite haben sich aber am besten bewährt.<br />

Um den Effekt zu erzeugen, brauchen Sie eine lange<br />

Verschlusszeit, etwa zwischen einer ¼ und 1 Sekunde.<br />

Er hängt natürlich auch davon ab, wie schnell Sie die<br />

Kamera bewegen, und welchen Effekt Sie erreichen<br />

wollen. Solche Verschlusszeiten können Sie mit<br />

unterschiedlichen Mitteln erzeugen: Sie können einen<br />

geringen ISO-Wert-Wert und eine kleine Blende von<br />

f/22 oder f/32 einstellen – über Verzerrungen brauchen<br />

Sie sich keine Sorgen zu machen, denn scharf wird das<br />

Ganze ohnehin nicht; oder Sie fotografieren bei stark<br />

bedecktem Himmel oder sonstigen schlechten<br />

Lichtverhältnissen. Wenn das nicht hilft, benutzen Sie<br />

einen Graufilter, gegebenenfalls zusammen mit einem<br />

Polfilter. Der Polfilter verschafft Ihnen den zusätzlichen<br />

Vorteil, dass er die Farbsättigung verstärkt und<br />

Reflexionen unterdrückt.<br />

Für die ICM-Aufnahmetechnik ist prinzipiell jedes Motiv<br />

geeignet, doch Szenen im Wald und am Strand haben<br />

sich als besonders dankbar erwiesen. Arbeiten Sie mit<br />

Objekten, die gut erkennbare Umrisse haben und<br />

deswegen auch dann noch als Formen erkennbar<br />

bleiben, wenn Sie kreativ verwischt werden. Starke<br />

Farben, Linien und Kontraste kommen dieser<br />

Aufnahmetechnik ebenfalls entgegen. Das fertige Bild<br />

wird dem ursprünglichen Motiv nicht besonders ähnlich<br />

sehen, doch es ist dessen abstrakte Repräsentation.<br />

Soviel zur Theorie. Kommen wir nun zur Praxis. Sie<br />

lösen aus und bewegen die Kamera während der<br />

Belichtung. Dies kann aus der Hand geschehen oder<br />

auf einem Stativ, wobei Sie einen schnellen Schwenk<br />

vollführen, um das Motiv zu verwischen. Damit die<br />

Bilder weich aussehen, beginnen Sie mit dem<br />

Schwenk, bevor sich der Verschluss öffnet und<br />

schwenken noch weiter, nachdem er sich geschlossen<br />

hat. Die Bewegung selbst braucht nicht besonders<br />

ausgeprägt zu sein. Ist sie zu stark, ist auf der Aufnahme<br />

nichts Konkretes mehr zu erkennen, so dass das Motiv<br />

verloren gegangen ist. Unterschiedliche Bewegungen<br />

liefern unterschiedliche Ergebnisse. Horizontale und<br />

senkrechte Bewegungen sind am einfachsten. Doch<br />

auch, wenn Sie die Kamera vor und zurück bewegen,<br />

diagonal schwenken oder drehen, können Sie attraktive<br />

ICM-Fotos bekommen. Wenn Sie die Kamera parallel zu<br />

den Linien und Kanten bewegen, die in der<br />

Bildkomposition vorhanden sind, werden diese<br />

verstärkt. Bei hoch aufragenden Bäumen werden Sie<br />

deshalb sinnvollerweise senkrecht schwenken.<br />

Bei der ICM-Technik ist nur eines sicher: Kein Foto sieht<br />

jemals aus wie das andere. Vielleicht erzielen Sie den<br />

gewünschten Effekt gleich beim ersten Mal, vielleicht<br />

sind Sie aber auch nach 40 oder 50 Versuchen noch<br />

unzufrieden. Sie können nie sicher sein, was Sie mit<br />

einer ICM-Aufnahme letztlich einfangen – und genau<br />

das ist einer der Gründe, warum es so viel Spaß macht.<br />

Probieren Sie es aus!<br />

SETUP<br />

Wenn die Aufnahmetechnik neu für sie ist, machen<br />

Sie ihre ersten Gehversuche am besten im Wald. Die<br />

starken vertikalen Linien und die sich<br />

wiederholenden Muster der Baumstämme sind ein<br />

Erfolg versprechendes Motiv. Vermeiden Sie starkes<br />

Sonnenlicht. Bedeckter Himmel mit diffusem Licht<br />

oder das Licht des frühen Morgens oder frühen<br />

Abends sind am besten geeignet. Diese Bilder<br />

entstanden frühmorgens direkt nach Sonnenaufgang.<br />

Lange Verschlusszeit Der Schlüssel zu<br />

1solchen Bildern heißt: Langzeitbelichtung.<br />

Probieren Sie es mit Zeiten zwischen ¼ und<br />

1 Sekunde, und stellen Sie zu Beginn<br />

100 ISO und eine kleine Blende ein. Reicht<br />

das nicht aus, benutzen Sie einen Filter. Ein<br />

solider Graufilter absorbiert genügend Licht.<br />

Bei diesem Beispiel habe ich zusätzlich einen<br />

Polfilter verwendet, mit einen Faktor von 2<br />

Blendenstufen. So erhielt ich eine<br />

Verschlusszeit von 1 Sek. bei Blende f/22.<br />

034 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Gezielte Kamerabewegung<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800 mit<br />

NIKKOR 70-200mm<br />

f/2.8 Objektiv<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 0,6<br />

Sekunden bei Blende f/22<br />

und ISO 50<br />

Das fertige Bild<br />

Richtig oder falsch,<br />

gelungen oder misslungen<br />

– solche Kategorien gibt<br />

es bei dieser<br />

Aufnahmetechnik nicht.<br />

Entweder sie mögen das<br />

Ergebnis, oder nicht.<br />

Kameraschwenk Legen Sie Ihre ungefähre<br />

2Bildkomposition fest und stellen Sie scharf.<br />

Beginnen Sie Ihren Schwenk vor dem Auslösen und<br />

schwenken Sie weiter, nachdem der Verschluss<br />

geschlossen ist. Der Schwenk kann aus der Hand<br />

erfolgen, gleichmäßiger wird er jedoch mit Stativ,<br />

wobei für einen senkrechten Schwenk natürlich ein<br />

entsprechender Stativkopf benötigt wird.<br />

Experimentieren Sie mit verschiedenen<br />

Verschlusszeiten und Schwenkgeschwindigkeiten.<br />

Unterschiedliche Kamerabewegung<br />

3Unterschiedliche Bewegungen der Kamera<br />

liefern unterschiedliche Ergebnisse. Bewegen Sie die<br />

Kamera vor und zurück oder diagonal. Wenn Sie ein<br />

Objektiv mit Stativhalterung haben, können Sie auch<br />

durch Drehen der Kamera um die Objektivachse ein<br />

radiales Verwischen herbeiführen. Im allgemeinen<br />

sollten Sie es vermeiden, zu viel Himmel im<br />

Bildausschnitt zu haben, denn dann besteht die<br />

Gefahr des Überbelichtens.<br />

Einstellungen und Bewegungen variieren Der<br />

4Erfolg der ICM-Aufnahmetechnik beruht stark auf<br />

Versuch und Irrtum. Jedes Bild unterscheidet sich<br />

vom vorherigen. Sie brauchen eine gewisse<br />

Beharrlichkeit, bevor Sie die richtige Kombination aus<br />

Verschlusszeit und Kamerabewegung gefunden<br />

haben. Bei diesen Baumstämmen bot sich der<br />

vertikale Schwenk an, den ich mit einer<br />

Verschlusszeit von 0,6 Sekunden in einer weichen<br />

Bewegung von oben nach unten ausführte. Das<br />

ergab genau das richtige Maß an Unschärfe und<br />

künstlerischem Effekt, das ich mir gewünscht hatte.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 035


Fotoidee<br />

Wolkenkratzer<br />

Abstrakte Architektur<br />

Vergessen Sie mal für einen Moment alle Fotoregeln und richten Sie Ihren<br />

Blick nach oben: Sie finden dort zahlreiche Motive für Langzeitaufnahmen<br />

– die Elemente der Skyline einer Stadt<br />

JORDAN BUTTERS: Moderne Städte sind voller außergewöhnlicher, beeindruckender<br />

Architektur. Wenn man in einer Stadt umherwandert und deren Sehenswürdigkeiten<br />

entdecken will, verfällt man leicht in den Tunnelblick und sieht nur die üblichen<br />

Touristenattraktionen. Die sind natürlich sehr fotogen; doch wenn Sie einmal vom üblichen<br />

Sightseeing-Programm abweichen, werden Ihnen eindrucksvollere Bildkompositionen<br />

gelingen – Sie müssen nur nach oben schauen.<br />

Diese Aufnahmetechnik erfordert den Einsatz von Graufiltern. Diese Filter vermindern die Menge des<br />

auf den Kamerasensor fallenden Lichts, sodass Sie die Belichtung je nach Stärke des Filters auf<br />

mehrere Sekunden oder gar Minuten ausdehnen können – auch bei hellem Tageslicht! Der Effekt hat<br />

seine ganz eigene Ästhetik; vorausgesetzt, Ihre Bildkomposition enthält sowohl statische Objekte, in<br />

diesem Fall Gebäude, oder bewegliche Objekte wie z. B. Wolken. Natürlich brauchen Sie ein Stativ und<br />

einen verriegelbaren Fernauslöser. Bei diesen Bildern habe ich einen extremen Graufilter benutzt, der<br />

zehn Blendenstufen abblendet. Je nach Lichtverhältnissen und der Geschwindigkeit der Wolken<br />

können Sie auch einen weniger starken Graufilter von etwa fünf bis sechs Blendenstufen einsetzen, um<br />

ähnliche Effekte zu erzielen.<br />

Sie können den Effekt übrigens auch in Photoshop simulieren, indem Sie ein scharfes Bild mit<br />

‚normaler‘ Verschlusszeit aufnehmen, dann die Gebäude in Photoshop maskieren und den<br />

Bewegungsunschärfefilter verwenden; die Ergebnisse sind durchaus überzeugend.<br />

Wenn Sie in der Stadt fotografieren, sollten Sie zudem Ihre Rechte kennen. Auf öffentlichem Boden<br />

haben Sie grundsätzlich das Recht zu fotografieren; es gibt jedoch einige Ausnahmen: Befinden Sie<br />

sich auf privatem Grund, unterliegen Sie dem Hausrecht des Besitzers. In der Praxis bedeutet das oft,<br />

dass Sie nicht fotografieren dürfen. Verweist man Sie des Ortes, fragen Sie nach, wo das Privatgelände<br />

endet und öffentlicher Grund beginnt, das sind manchmal nur wenige Schritte. Auch für Privatbesitz<br />

können Sie eine Fotoerlaubnis erhalten, wenn Sie sie vorher beantragen; eine Zusage schließt generell<br />

die Verwendung eines Stativs ein.


Fotoidee<br />

Wolkenkratzer<br />

Worauf Sie achten sollten<br />

Richtigen Winkel finden Bevor Sie die Kamera<br />

1auf das Stativ montieren, schauen Sie sich das<br />

Gebäude durch den Sucher an, um interessante<br />

Winkel und Bildkompositionen zu identifizieren.<br />

Scheuen Sie sich dabei nicht vor ungewöhnlichen<br />

Perspektiven. Gehen Sie nach der Drittelregel vor und<br />

benutzen sie Führungslinien, um die Ausdruckskraft<br />

des Motivs zu verstärken. Haben Sie eine<br />

Bildkomposition gefunden, die Ihnen zusagt, bauen<br />

Sie die Kamera auf und schließen den Fernauslöser<br />

an.<br />

Belichtung bestimmen Schalten Sie die Kamera<br />

2auf Zeitautomatik, stellen die geringste<br />

ISO-Empfindlichkeit ein und wählen eine kleine<br />

Blende, etwa zwischen f/13 und f/22, je nach der<br />

Qualität der vorhandenen Lichtverhältnisse. Das Ziel<br />

muss sein, eine so lange Verschlusszeit wie möglich<br />

zu bekommen, damit die Bewegung der Wolken gut<br />

dargestellt wird. Stellen Sie mit dem Autofokus auf<br />

etwa die halbe Höhe des Gebäudes scharf, danach<br />

schalten Sie ihn aus.<br />

SICH ÄNDERNDE LICHTVERHÄLTNISSE<br />

Wenn die Sonne nach der Hälfte der Verschlusszeit<br />

hervorkommt, kann es passieren, dass Teile des<br />

Bildes oder das gesamte Bild überbelichtet<br />

werden. Haben Sie darum ein Auge auf das Licht<br />

und falls es sich signifikant ändert, verlängern oder<br />

verkürzen Sie die Verschlusszeit entsprechend.<br />

Das ist reine Erfahrungssache und je mehr Übung<br />

Sie haben, desto besser werden ihre Fotos.<br />

SCHWACHE WOLKENBILDUNG Ein starker<br />

Kontrast am Himmel ist sehr wichtig für diese<br />

Aufnahmetechnik – idealerweise ist der Himmel<br />

blau, und es sind ein paar weiße Wolken zu sehen.<br />

Falls Sie bei völlig klarem oder völlig bedecktem<br />

Himmel fotografieren, wird diese<br />

Aufnahmetechnik ihre Wirkung nicht optimal<br />

entfalten können, weil in beiden Situationen keine<br />

Wolken unterscheidbar sind. Auch wenn es völlig<br />

windstill ist, werden einzelne Wolken sich während<br />

der Verschlusszeit kaum bewegen.<br />

BEWEGUNG Menschen, die Ihnen während<br />

der Aufnahme ins Bild laufen, werden wegen der<br />

langen Belichtungszeit meist nicht sichtbar sein.<br />

Befindet sich jedoch jemand länger im Bild oder<br />

wird beispielsweise ein Fenster des Gebäudes<br />

geöffnet, so werden sie das als geisterhaften<br />

Schatten im Bild sehen können. Dagegen können<br />

Sie nichts tun, außer die Aufnahme zu<br />

wiederholen.<br />

Testfoto Je länger die Verschlusszeit, desto<br />

3besser. Wünschenswert sind 1/40 Sekunde oder<br />

noch länger; arbeiten Sie deshalb mit der Blende, um<br />

solche Verschlusszeiten zu erreichen. Machen Sie ein<br />

Testfoto, dann schalten Sie die Kamera in den<br />

„B“-Modus und stellen den Blenden- und ISO-Wert<br />

dem Testfoto entsprechend ein.<br />

Finish in Photoshop<br />

Verschlusszeit ausrechnen Um die Belichtung<br />

4auszurechnen, ziehen Sie von der Verschlusszeit,<br />

mit der das Testfoto geschossen wurde, zehn<br />

Blendenstufen ab: aus 1/30 Sekunde beispielsweise<br />

werden dann 30 Sekunden, aus 1/15 Sekunde wird 1<br />

Minute etc. Nun Schrauben Sie den zehnstufigen<br />

Graufilter („Big Stopper“) auf und warten, bis sich eine<br />

schöne Wolkenformation präsentiert. Stoppen Sie die<br />

Belichtungszeit, und denken Sie daran, auch das Okular<br />

Ihrer Kamera abzudecken, damit auf diesem Weg kein<br />

Licht auf den Sensor fallen kann.<br />

Ergebnisse überprüfen Graufilter mit nominal<br />

5zehn Blendenstufen dunkeln in der Praxis<br />

zwischen 9 und 11 Blendenstufen ab, weil die<br />

Fertigungstoleranz in der Herstellung der Filter bei<br />

rund 10% liegt. Überprüfen Sie deswegen jedes Foto<br />

anhand des Histogramms, um festzustellen, ob Sie<br />

es behalten wollen oder nicht. Sehr wahrscheinlich<br />

wird ihr Bild einen Farbstich haben, doch wenn Sie<br />

im Raw-Format speichern, nehmen Sie den in der<br />

Nachbearbeitung einfach wieder heraus.<br />

Weißabgleich korrigieren Laden Sie die Datei in<br />

1das Programm, das Sie zur Raw- Umwandlung<br />

verwenden, und benutzen Sie die Pipette für den<br />

Weißabgleich, um irgendwo im Bild ein neutrales<br />

Grau aufzunehmen. Dann schneiden Sie das Bild<br />

zu, korrigieren Spitzlichter und Schatten und öffnen<br />

die Datei danach in Photoshop.<br />

Voreinstellung auswählen Diese<br />

2Aufnahmetechnik eignet sich sehr gut für ein<br />

kontraststarkes Schwarzweißbild. Ich habe die Nik<br />

Software Silver Efex Pro 2 verwendet, wobei ich<br />

den vollen Dynamikumfang eingestellt ließ und mit<br />

einem Rotfilter kombinierte. Das passte zu diesem<br />

Bild<br />

Aufräumen Eventuell finden Sie ein paar<br />

3Staubpartikel auf Ihrem Bild, die wegen der<br />

benutzten kleine Blende sichtbar geworden sind.<br />

Die bekommen Sie mit dem Spot-Reparaturpinsel<br />

wieder weg, bevor Sie mit der Unschärfemaske die<br />

endgültige Bildschärfe einstellen.<br />

038 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800 mit<br />

NIKKOR AF-S<br />

16-35mm f/4G & Lee<br />

„Big Stopper“<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: Sekunden<br />

bei Blende f/22 und<br />

ISO 100


Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

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Fotoidee<br />

Hundeporträts<br />

Hundeporträts<br />

Wollen sie den besten Freund des Menschen einmal in Aktion fotografieren? Alles was Sie dazu brauchen ist<br />

dieser Artikel, ein Hund mit Herrchen oder Frauchen, Ihre Kamera und eine Stunde Zeit.<br />

CAROLINE WILKINSON: Für viele Menschen gehört ihr<br />

Hund genauso zur Familie wie die Kinder und Enkelkinder,<br />

und er wird auch genauso behandelt. Man schätzt seine<br />

menschenähnlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen.<br />

Hier geht es darum diese Verbindung zwischen Mensch und<br />

Tier im Bild darzustellen, ob spielend in einer natürlichen Umgebung, als<br />

Porträt mit der Familie oder als Schnappschuss in einer<br />

charakteristischen Situation. Es gibt zahllose Möglichkeiten. Ich<br />

verbrachte eine Stunde mit Max und seinem Besitzer, wobei ich nur die<br />

Kamera mit dem 50mm-Standardobjektiv und das Blitzgerät dabei hatte.<br />

Ein bedeckter Himmel ist für Porträts am besten geeignet, denn dann<br />

brauchen Sie sich um harte Schatten nicht zu sorgen, weil das Licht<br />

gleichmäßig von allen Seiten kommt. Die Lichtverhältnisse können<br />

jedoch insgesamt unzureichend sein, selbst am frühen Nachmittag, Sie<br />

müssen deshalb die Verschlusszeit im Auge behalten.<br />

Max, ein Bordercollie, ist sehr aktiv, deswegen bot es sich an, ihn bei<br />

seiner Lieblingsbeschäftigung zu fotografi eren, beim Spielen mit<br />

Herrchen. Solche Action-Schnappschüsse können zu einer<br />

wunderschönen Serie zusammengebaut werden. Versuchen Sie, vor<br />

einem fotogenen Hintergrund zu fotografi eren, grünes Buschwerk oder<br />

Bäume etwa oder versuchen Sie, durch Einsatz des Weitwinkels den<br />

Hintergrund verschwimmen zu lassen und nur das eigentliche Motiv<br />

scharf abzubilden. Mit ein bisschen Übung werden Sie die wesentlichen<br />

Schritte schnell beherrschen. Nehmen Sie sich auch die Zeit, ein paar<br />

Porträts und ruhigere Spielsituationen zu schießen. Berücksichtigen Sie<br />

dabei, dass die wenigsten Hunde Blitzgeräte mögen. Nehmen Sie viele<br />

kleine Leckereien mit, die den Hund dazu bringen, in die Kamera zu<br />

schauen oder ein kleines Kunststück vorzuführen. Falls das Tier<br />

kamerascheu ist, benutzen Sie ein Zoomobjektiv aus größerer<br />

Entfernung. Machen Sie möglichst viele Aufnahmen, und vergessen Sie<br />

dabei das Herrchen nicht. Sorgen Sie vor allem für gute Stimmung und<br />

gute Lichtverhältnisse, denn sonst ist die schönste Hunde-Akrobatik ‚für<br />

die Katz‘.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 041


Fotoidee<br />

Hundeporträts<br />

BELICHTUNG<br />

Die Bewegungen sollen eingefroren werden, das ist<br />

erste Priorität. Stellen Sie daher eine Verschlusszeit<br />

von wenigstens 1/250 Sekunde ein, besser eine noch<br />

kürzere Verschlusszeit. Achten Sie auch auf die<br />

Blende, besonders wenn Sie bei weniger guten<br />

Lichtverhältnissen arbeiten – Sie brauchen wenigstens<br />

Blende f/5.6 oder kleiner, je nachdem, wie weit der<br />

Hund von der Kamera entfernt ist, sonst bekommen<br />

Sie Probleme mit der Schärfentiefe. In diesem Beispiel<br />

war der Himmel völlig bedeckt, deswegen musste ich<br />

die ISO-Empfindlichkeit auf 800 heraufsetzen, und<br />

ich ließ viel Distanz zwischen Kamera und Motiv, um<br />

genug Schärfentiefe bei einer Blende von f/3.5 zu<br />

erhalten. Ich schoss Serien, denn das erhöht die<br />

Chance auf ein gutes Bild erheblich. Sie müssen<br />

allerdings genügend Speicherkarten dabei haben.<br />

SCHARFSTELLEN<br />

Um die Bewegung des Hundes verfolgen zu können,<br />

benutzen Sie den Einzelpunkt AF, der auf „Schärfe<br />

nachführen“ eingestellt sein muss. Dann verfolgt das<br />

Autofokussystem der Kamera den Hund, wenn er aus<br />

dem Schärfebereich auswandert und stellt erneut<br />

scharf. Wenn Sie eine Nikon mit der „3D Focus<br />

Tracking“ – Funktion verwenden, aktivieren Sie diese,<br />

denn das verbessert die Genauigkeit des AF-Systems<br />

erheblich..<br />

Weitere Ideen zum Ausprobieren...<br />

1) Lifestyle-Serie (r.): Machen Sie einen Spaziergang<br />

mit Hund und schießen Sie dabei möglichst viele<br />

Bilder, wenn beide interagieren. Es kommt nicht auf<br />

ein besonders herausragendes Foto an: Aus einer<br />

Bildserie, die eine Szene in verschiedenen Stadien<br />

zeigt, kann eine ausdrucksstarke Lifestyle-Montage<br />

werden. Benutzen Sie eine möglichst weite Blende<br />

und den Einzelpunkt AF, um den Schärfepunkt zu<br />

verändern, oder variieren Sie die Brennweite, um die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters bei jedem einzelnen<br />

Bild aufrechtzuerhalten.<br />

2) Standardporträt (u.): Action-Schnappschüsse sind<br />

gut, wenn Sie natürlich wirken, doch auch eine<br />

traditionelle Pose wie ein Porträt von Herrchen mit<br />

Hund kann interessant sein. Beide müssen im Bild so<br />

nah wie möglich beieinander sein, vorzugsweise mit<br />

den Köpfen in gleicher Höhe. Am besten wirkt es bei<br />

diffusem Licht und einem homogenen Hintergrund.<br />

Vermeidbare Fehler...<br />

BELICHTUNG Falls die Schärfe<br />

akkurat eingestellt ist, Sie aber<br />

immer noch zu viel<br />

Bewegungsunschärfe im Bild<br />

haben, ist vermutlich die<br />

Verschlusszeit zu lang. Verkürzen<br />

Sie sie auf mindestens 1/400<br />

Sekunde. Gegebenenfalls müssen<br />

Sie auch die ISO-Empfindlichkeit<br />

heraufsetzen, damit die<br />

Schärfentiefe nicht leidet.<br />

BILDKOMPOSITION Versuchen<br />

Sie Ihr Motiv entsprechend der<br />

besten Bildkomposition und dem<br />

besten Kamerastandpunkt zu<br />

positionieren. Achten Sie darauf,<br />

dass Hund und Herrchen denselben<br />

Abstand zur Kamera haben, parallel<br />

zur Ebene des Kamerasensors. Dies<br />

maximiert die Schärfentiefe, wenn<br />

Sie eine weit geöffnete Blende<br />

benutzen.<br />

SCHARFSTELLEN Wenn ihr<br />

Motiv sich aus dem Schärfebereich<br />

heraus bewegen sollte, achten Sie<br />

darauf, dass der Schärfepunkt<br />

weiterhin auf einem der Köpfe liegt<br />

und dass Sie die Schärfe fixiert<br />

halten, indem Sie den Auslöser halb<br />

durchdrücken. Die Kamera muss<br />

natürlich – wie oben beschrieben<br />

– auf kontinuierlichen Autofokus<br />

eingestellt sein, nicht Einzelbild-AF.<br />

LIFESTYLE-SERIE Ein Zoomobjektiv gibt Ihnen die Flexibilität, die Bildkomposition schnell zu verändern.<br />

Benutzen Sie eine weit offene Blende und verändern Sie den Schärfepunkt, um die Serie attraktiver zu machen.<br />

OHNE BLITZ Schalten Sie die Kamera auf<br />

Zeitautomatik, stellen Sie Blende f/5.6 oder größer ein<br />

und stellen Sie auf die Augen von Hund oder Herrchen<br />

scharf. Überprüfen Sie das Ergebnis auf dem<br />

LCD-Monitor der Kamera, um sicher zu sein, dass die<br />

Schärfentiefe für beide ausreicht. Falls notwendig,<br />

ändern Sie die Blende entsprechend.<br />

MIT BLITZ Wenn die Lichtverhältnisse zu schlecht<br />

sind, um einen Reflektor zum Aufhellen der<br />

Augenschatten zu nutzen, verwenden Sie einen<br />

Aufhellblitz und richten Sie den Blitzkopf im Winkel<br />

von 45° auf das Motiv. Stellen Sie eine negative<br />

Belichtungskorrektur von einer Stufe ein, um den<br />

Hintergrund leicht unterzubelichten.<br />

SCHWARZWEISS Falls es ihrer Szene an Farbe fehlt<br />

und der Hintergrund zu unruhig ist, können Sie das<br />

Foto in Schwarzweiß konvertieren. Wählen Sie dafür in<br />

Photoshop „Ebene > Neue Einstellungsebene ><br />

Schwarzweiß“ und stellen Sie die Schieberegler<br />

entsprechend ein.<br />

042 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800 mit<br />

Nikkor 50mm f/1.8<br />

Betriebsart:<br />

Blendenautomatik<br />

Belichtung: 1/400<br />

Sekunde bei Blende f/3.5<br />

und ISO 800


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RETREATS


Fotoidee<br />

Freelensing<br />

Kreativ mit „Freelensing“<br />

Wenn Sie sich für ein weiches Bokeh, den Effekt rapide abfallender Schärfentiefe und kreatives Scharfstellen<br />

begeistern, sollten Sie die hier beschriebene Aufnahmetechnik ausprobieren.<br />

JORDAN BUTTERS: Ein Vorteil<br />

digitaler Spiegelrefl exkameras und<br />

schneller Objektive liegt in der<br />

Möglichkeit, einen sehr fl achen<br />

Schärfentiefebereich zu erzeugen.<br />

Dadurch können Sie auf ein beliebiges,<br />

interessantes Element Ihres Motivs selektiv<br />

scharfstellen und damit attraktive Effekte<br />

erzielen. Der Blick des Betrachters kann so<br />

genau auf den Teil des Motivs gelenkt werden,<br />

den Sie besonders beachtet haben wollen.<br />

„Freelensing“ führt dieses Konzept noch einen<br />

Schritt weiter: Es erlaubt Ihnen, die<br />

Schärfeebene einer Aufnahme zu neigen und<br />

zu verschieben. Dadurch erreichen Sie Effekte<br />

mit der Schärfentiefe, die ansonsten nicht<br />

möglich wären – es sei denn, Sie besitzen ein<br />

extrem teures Tilt-und-Shift-Objektiv. Das<br />

Schöne beim Freelensing ist, dass Sie jedes<br />

beliebige Objektiv und fast jede Kamera<br />

benutzen können. Es funktioniert sogar mit<br />

älteren manuellen Objektiven, die nicht<br />

speziell für Ihre Kamera entwickelt wurden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 045


Fotoidee<br />

Freelensing<br />

Nikon Objektive<br />

Und so funktioniert es: Wenn Sie ein Objektiv<br />

auf das Kameragehäuse montieren, befi nden<br />

sich Objektivlinsen und Kamerasensor parallel<br />

zueinander. Befestigen Sie aber das Objektiv<br />

nicht an der Kamera, sondern halten es<br />

lediglich vor die Öffnung im Kameragehäuse,<br />

können Sie es neigen und damit die<br />

Schärfeebene so verschieben, dass sie nicht<br />

mehr parallel zum Kamerasensor ausgerichtet<br />

ist. Das Ergebnis sind hochinteressante und<br />

ungewöhnliche Fotos.<br />

Am besten funktioniert es mit Brennweiten ab<br />

50 mm; Festobjektive sind Zoomobjektiven<br />

vorzuziehen, weil sie eine schnelle maximale<br />

Blende haben und durch ihr geringeres Gewicht<br />

leichter zu handhaben sind als Zoomobjektive.<br />

Ein 50mm f/1.8 Standardobjektiv ist die<br />

perfekte Wahl: leicht, klein und schnell genug,<br />

um ein attraktives Bokeh zu erzeugen.<br />

Auch die Wahl des Kamerasystems spielt eine<br />

Rolle. Wer eine Canon benutzt, hat es einfach,<br />

weil dieses System das Auslösen ohne Objektiv<br />

gestattet und weil Canon-Objektive automatisch<br />

voll aufblenden, wenn Sie nicht an die Kamera<br />

montiert sind. Andere Systeme wie die Sony<br />

DSLT und die spiegellosen Panasonic-Kameras<br />

bieten eine Menüoption, mit der Sie einstellen<br />

können, dass sie ohne montiertes Objektiv<br />

auslösen. Bei einem Nikon-System ist es nicht<br />

ganz so einfach – siehe dazu den Kasten oben<br />

rechts.<br />

Es gibt jedoch einige Dinge, die Sie beachten<br />

sollten, bevor Sie diese Aufnahmetechnik<br />

ausprobieren. Staub kann zum Problem<br />

werden; da die Objektivöffnung der Kamera frei<br />

liegt, ist die Verschmutzungsgefahr größer als<br />

sonst. Vermeiden Sie daher im Freien windiges<br />

Wetter und eine staubige Umgebung. Das<br />

zweite Problem betrifft das Handling. Da<br />

Kamera und Objektiv keine feste Einheit mehr<br />

bilden, ist die Gefahr, dass sie ihnen aus der<br />

Hand fallen, ebenfalls höher. Außerdem ist<br />

Streulicht vorhanden, dass zwar die Kamera<br />

nicht beschädigen kann, auf jeden Fall aber den<br />

Kontrast vermindern und außerdem Farbstiche<br />

hervorrufen kann.<br />

Aus diesen drei Gründen ist es empfehlenswert,<br />

das Objektiv so lange wie möglich vor der<br />

beabsichtigten Aufnahme an der Kamera<br />

montiert zu lassen.<br />

Falls Sie ein älteres NIKKOR D-Objektiv<br />

benutzen, können Sie den Blendenring voll<br />

aufblenden. Verwenden Sie hingegen eines der<br />

neueren NIKKOR G-Objektive, müssen Sie<br />

manuell mit dem kleinen Schalter am hinteren<br />

Objektivelement die Blende in der weitesten<br />

Stellung geöffnet halten. Das können Sie mit<br />

dem Finger tun oder sie klemmen den Schalter<br />

mit einem kleinen Stückchen Pappe fest.<br />

Die Belichtung bestimmen Beim Freelensing<br />

1besteht keinerlei Verbindung zwischen<br />

Objektiv und Kamera; dennoch misst die<br />

Kamera die Belichtung. Bei an der Kamera<br />

montiertem Objektiv stellen Sie in der Betriebsart<br />

„Zeitautomatik“ die größte Blende ein und<br />

machen ein Testfoto. Prüfen Sie, ob die<br />

Verschlusszeit für Ihr Motiv passt und setzen<br />

gegebenenfalls die ISO-Empfindlichkeit herauf.<br />

Objektiv abmontieren Stellen Sie die<br />

2Entfernung auf „unendlich“ und lösen Sie<br />

das Objektiv vom Kameragehäuse. Halten Sie es<br />

vor die Öffnung des Gehäuses und neigen Sie es<br />

nach oben, unten, links oder rechts, um die<br />

Schärfeebene zu verschieben. Durch Vorwärtsoder<br />

Rückwärtsbewegung ändern Sie die<br />

Schärfe. Je größer der Abstand zwischen<br />

Objektiv und Kameragehäuse, desto mehr Licht<br />

fällt auf den Kamerasensor; bei Bedarf nutzen<br />

Sie die Belichtungskorrektur.<br />

Übung macht den Meister Die LiveView-<br />

3Funktion der Kamera erleichtert die<br />

Beurteilung des Schärfebereichs. Freelensing<br />

erfordert einige Übung, denn schon kleinste<br />

Bewegungen können den Winkel der<br />

Schärfeebene und den Schärfepunkt drastisch<br />

verändern. Die Faustregel lautet: Die Seite, zu<br />

der Sie das Objektiv neigen, wird schärfer<br />

abgebildet.<br />

Schärfe prüfen Prüfen Sie nach einer<br />

4Probeaufnahme die Schärfe, indem Sie das<br />

Foto mit dem LCD-Monitor der Kamera<br />

einzoomen. Normalerweise sollten bei Porträts<br />

beide Augen scharf sein; beim Freelensing gilt<br />

diese eherne Regel jedoch nicht mehr.<br />

Experimentieren Sie also mit der Schärfeebene,<br />

um das Auge des Betrachters auf das<br />

gewünschte Bilddetail zu führen.<br />

046 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

Durch Freelensing erreichen<br />

Sie einen extrem flachen<br />

Schärfentiefebereich, mit<br />

dem Sie kreativ<br />

experimentieren können.<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 550D mit<br />

Objektiv Canon EF 50mm<br />

f/1.8 II<br />

Betriebsart: Zeitautomatik<br />

Belichtung: 1/180 Sekunde<br />

bei ISO 200<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 047


Fotoidee<br />

<strong>Digitale</strong>r „Zoom-Burst“<br />

Mit einem einfachen digitalen Zoom-Burst-Effekt verleihen Sie Ihren<br />

Bildern kreative Bewegungsdynamik.<br />

JORDAN BUTTERS:<br />

Normalerweise würden Sie den<br />

Zoom-Burst Effekt schon bei der<br />

Aufnahme direkt mit der Kamera<br />

herbeiführen wollen. Dazu drehen<br />

Sie den Zoomring des Objektivs, während der<br />

Verschluss offen ist, was logischerweise eine<br />

lange Verschlusszeit voraussetzt. Das Ergebnis<br />

ist das Bild einer verschwommenen Bewegung,<br />

die um einen statischen Mittelpunkt herum<br />

stattfi ndet.<br />

Diese Aufnahmetechnik ist nicht immer leicht<br />

zu beherrschen, insbesondere wenn<br />

bewegliche Objekte im Bild sind. Diese<br />

verstärken jedoch den Eindruck von Bewegung<br />

und damit den gewünschten Effekt für die<br />

Szene. Falls Sie Schwierigkeiten haben, den<br />

Effekt mit der Kamera zu erzeugen, können Sie<br />

ihn auch mit Photoshop simulieren: Das<br />

entsprechende Werkzeug heißt „Radialer<br />

Weichzeichner“.<br />

Normalerweise nehmen Sie die<br />

Bildkomposition entsprechend der Drittelregel<br />

vor. Der Zoom-Burst Effekt wirkt jedoch am<br />

besten, wenn sich das Objekt in der Mitte vom<br />

Bildausschnitt befi ndet – ganz einfach, weil die<br />

Abbildungsqualität in der Objektivmitte am<br />

besten ist. Trotzdem sollten Sie mit der Position<br />

des Burst-Zentrums experimentieren, denn<br />

jedes Motiv ist anders.<br />

5 Minuten Photoshop<br />

Original<br />

Ebene duplizieren Öffnen Sie das Bild in<br />

1Photoshop. Gehen Sie auf „Ebene > Ebene<br />

duplizieren“. Das stellt sicher, dass ihr Originalbild<br />

unversehrt bleibt, falls Sie einen Fehler machen, der<br />

nicht rückgängig gemacht werden kann. Nennen Sie<br />

die neue Ebene „Zoom-Burst“.<br />

hinzufügen Wählen Sie „Filter ><br />

2Weichzeichnungsfilter > Radialer Weichzeichner“.<br />

Ändern Sie die Weichzeichnungsmethode auf<br />

„Kreisförmig“ und die Qualität auf „Sehr gut“. Stellen Sie<br />

die Stärke der Weichzeichnung zwischen 25 und 30<br />

ein. Das Zentrum der Weichzeichnung kann festgelegt<br />

werden, indem Sie an der gewünschten Stelle auf das<br />

Raster klicken. Wir empfehlen, es in der Mitte zu lassen.<br />

Maske hinzufügen Klicken Sie auf „OK“ und der<br />

3Effekt wird angewendet. Das kann ein wenig<br />

dauern, je nachdem wie schnell ihr Computer ist.<br />

Nun fügen Sie eine Ebenenmaske hinzu, um einen<br />

Teil des Bereichs wieder zu schärfen. Dazu klicken<br />

Sie in der Ebenenpalette auf die Schaltfläche<br />

„Ebenenmaske hinzufügen“.<br />

Erneut schärfen Benutzen Sie das Werkzeug<br />

4„Auswahlellipse“ und wählen Sie einen Bereich<br />

im Zentrum, der wieder scharf abgebildet werden<br />

soll. Nun klicken Sie auf „Auswahl>Kante<br />

verbessern“. Ziehen Sie den Regler nun ganz nach<br />

rechts und den Regler „Kante verschieben“ auf<br />

-50%, dann klicken Sie auf „OK“.<br />

Den Bereich maskieren Wählen Sie das<br />

5Pinselwerkzeug und stellen Sie „Schwarz“ als<br />

Vordergrundfarbe ein. In der Werkzeugleiste ganz oben<br />

wählen Sie einen großen Pinsel und bestreichen damit<br />

den ausgewählten Bereich, um die Details wieder<br />

hervorzubringen. Entfernen Sie die Auswahl über<br />

„Auswahl > Auswahl aufheben“ und wählen Sie<br />

„Weiß“ als Vordergrundfarbe.<br />

Selektive Weichzeichnung Bei immer noch<br />

6aktivem Pinselwerkzeug reduzieren Sie die<br />

Pinselgröße und stellen die Pinselhärte auf 0%.<br />

Bestreichen Sie nun die Kanten Ihres Objekts, damit<br />

der Zoom-Burst weniger gleichmäßig wirkt. Das<br />

verstärkt den Effekt und schafft die Illusion, das<br />

Objekt würde sich auf den Betrachter zu bewegen.<br />

048 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

Volle Kraft voraus!<br />

So wird aus einem<br />

statischen Bild eine<br />

Szene voll dynamischer<br />

Action.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 049


FOTOIDEE<br />

Erwecken Sie<br />

Fantasien zum Leben<br />

Bringen Sie Geduld, Ideen und ein<br />

paar Süßigkeiten mit – so sind Sie<br />

gut vorbereitet für eine schöne<br />

Fotosession mit Kindern.<br />

Wahre Geschichten<br />

RICH JOHNSON: Es gibt<br />

Fotografen, und es gibt<br />

Kinderfotografen. Sie fürchten kein<br />

schokoladenverschmiertes Objektiv<br />

und keinen kaputten Reflektor; ihre<br />

Fototaschen sind gefüllt mit Quietschentchen,<br />

Stofftieren und Kleenex-Tüchern. Können Sie<br />

sich das vorstellen? Nun, probieren Sie es aus:<br />

Sie werden Ihren Spaß haben!<br />

Kinderporträts verlangen unkonventionelle<br />

Kulissen, um die Gesichter und Persönlichkeiten<br />

der Kleinen besser zur Geltung zu bringen. Das<br />

Kinderzimmer ist dem Studio vorzuziehen, da<br />

sich Kinder in der gewohnten Umgebung wohler<br />

fühlen und die nötigen Requisiten für die<br />

Interaktionen schon zur Hand sind. Halten Sie<br />

die Beleuchtung einfach: Ein Blitzgerät als<br />

Hauptlicht und ein weiteres zum Aufhellen<br />

sollten ausreichen. Gehen Sie<br />

unvoreingenommen und mit ein paar<br />

Süßigkeiten im Gepäck an die Sache heran und<br />

seien Sie bereit, Ihr Setup jederzeit anzupassen<br />

– sei es wegen eines großen Fensters, mit dem<br />

Sie nicht gerechnet hatten, oder weil ein Kind bei<br />

Blitzlicht Angst bekommt.<br />

Das Wichtigste aber: Lassen Sie ihrer<br />

Vorstellungskraft freien Lauf. Ideen sind gefragt,<br />

um herauszufinden, womit Sie ein Kind<br />

faszinieren können, sodass Sie wunderschöne,<br />

natürlich wirkende Porträts entstehen.


FOTOIDEE<br />

TIPP<br />

Benutzen Sie ein<br />

Objektiv mit einer<br />

Brennweite von 18<br />

mm oder weniger,<br />

um mehr von der<br />

Szene einzufangen.<br />

1<br />

Setup Als Hauptlicht sollte sich ein drahtloses<br />

Blitzgerät unterhalb des Gesichts Ihres Modells<br />

befinden; im großen Bild rechts wurde der Blitzkopf<br />

in einem Buch versteckt, um das gut sichtbare<br />

Glühen zu erzeugen (s. Schritt 2). Damit keine<br />

Schlagschatten oder Reflexionen auf dem Gesicht<br />

des Kindes entstehen, positionieren Sie den<br />

Aufhellblitz mit einer Softbox direkt über seinem<br />

Kopf; so wird zugleich die übrige Szene aufgehellt.<br />

2<br />

Requisiten vorbereiten Um das Versteck für den<br />

Hauptblitz zu schaffen, schneiden Sie mit<br />

einem Teppichmesser ein rechteckiges Loch in einen<br />

Buchdeckel sowie ca. die Hälfte der Buchseiten; das<br />

Loch muss der Länge und Breite Ihres Blitzkopfs<br />

entsprechen. Nun kleben Sie die präparierten Seiten<br />

zusammen, damit die neugierigen Kinderhände<br />

nicht darin blättern können, während Sie<br />

<strong>Fotografie</strong>ren.<br />

3<br />

Softbox aus einem Buch Stecken Sie nun das<br />

mit einem drahtlosen Auslöser versehene<br />

Blitzgerät in das Loch, das Sie in das Buch<br />

geschnitten haben. Blättern Sie zwei oder drei der<br />

noch intakten Seiten auf, sodass Sie über dem<br />

Blitzkopf liegen und ein diffuses Leuchten für das<br />

Gesicht des Kindes erzeugen. Vielleicht müssen sie<br />

Klebeband benutzen, um das Blitzgerät im Buch zu<br />

fixieren.<br />

4<br />

Belichtung festlegen Schalten Sie das Blitzgerät<br />

auf manuellen Betrieb, die Leistung auf 1/8 der<br />

vollen Leistung und stellen Sie den Zoom auf 24mm ein;<br />

gegebenenfalls müssen Sie die Leistung noch weiter<br />

reduzieren, falls ausgebrannte Spitzlichter auftreten oder<br />

das Kind sich vor dem Blitz erschreckt. Auch die Kamera<br />

schalten Sie in die manuelle Betriebsart und stellen<br />

Blende f/11 ein, um das Wesentliche der Szene in den<br />

Schärfentiefebereich zu bekommen. In diesem Beispiel<br />

lag die Blitzsynchronisation bei 1/125 Sekunde. Der<br />

ISO-Wert sollte möglichst niedrig eingestellt sein, um<br />

Bildrauschen zu vermeiden.<br />

5<br />

Aufhellblitz Beim Aufhellblitz beginnen Sie mit<br />

1/4 der maximalen Leistung. Falls zu viel Licht<br />

abgegeben wird, positionieren Sie den Blitz entweder<br />

höher oder setzen die Leistung herab. Denken Sie<br />

daran, dass der Aufhellblitz die gesamte Szene zwar<br />

ausleuchten, den Hauptblitz jedoch nicht<br />

neutralisieren soll. Falls das Blitzlicht zu schwach ist,<br />

erhöhen Sie nicht die Leistung, sondern setzen Sie<br />

Reflektoren ein, um mehr Licht auf das Motiv zu<br />

lenken.<br />

6<br />

Bringen Sie das Kind zum Lachen! Bevor Sie<br />

nun zu fotografieren beginnen, sollten Sie das<br />

Kind, so gut sie können, von ihrer Absicht ablenken.<br />

Ein Spiel der Art „Ich sehe was, das du nicht siehst“,<br />

kann hier Wunder wirken. Sollte das nicht<br />

funktionieren, holen Sie die – von den Eltern zuvor<br />

genehmigten – Süßigkeiten hervor. Den „richtigen“<br />

Gesichtsausdruck einzufangen, ist von größter<br />

Bedeutung, denn der Gesichtsausdruck bestimmt<br />

die Art der Szene, die Sie im nächsten Schritt<br />

erzeugen werden.<br />

7<br />

Zauberei in der Nachbearbeitung Das Quentchen<br />

„Extra-Magie“, das aus dem guten ein sehr gutes<br />

Foto macht, erzeugen Sie mit Photoshop. Zunächst<br />

entfernen Sie ablenkende Elemente, insbesondere<br />

Spuren von Süßigkeiten wie Schokolade. Es ist immer<br />

wieder beeindruckend, in welch kurzer Zeit kleine<br />

Kinder ein Stück Schokolade überall verteilen! Solche<br />

Spuren entfernen Sie mit dem Kopierstempelwerkzeug<br />

und dem Reparaturpinsel, während Sie bei Bedarf auch<br />

Farb- und Belichtungskorrekturen vornehmen können.<br />

Abschließend denken Sie sich eine Geschichte aus, die<br />

zur aufgenommenen Szene passt.<br />

052 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Wahre Geschichten<br />

Das fertige Bild<br />

Bringen Sie eine Spur von<br />

Magie in ihre Kinderporträts,<br />

indem Sie das Blitzgerät<br />

kreativ einsetzen. Das ist auch<br />

für die Kinder interessanter.<br />

Finish in Photoshop<br />

1<br />

Hintergrund abdunkeln Treffen Sie Ihre Auswahl<br />

mit dem Schnellauswahlwerkzeug, klicken Sie auf<br />

„Konturen verfeinern“, wobei „Smart Radius“<br />

ausgewählt sein muss. Wählen Sie „Ausgabe > Neue<br />

Ebene mit Ebenenmaske“ und klicken Sie auf „OK“.<br />

Klicken Sie nun auf die Hintergrundebene, wählen Sie<br />

„Ebene > Neue Einstellungsebene ><br />

Gradationskurven“ und dunkeln Sie den Hintergrund<br />

ab. Fügen Sie eine Farbbalance-Einstellungsebene<br />

hinzu, um die Blautöne zu verstärken, und wählen Sie<br />

„Filter > Tiefenschärfe abmildern“, um die Umgebung<br />

unscharf zu machen.<br />

2<br />

Elemente hinzufügen Wenn Sie Sterne, Kometen<br />

oder Fantasieobjekte in das Bild bringen wollen, so<br />

sollten diese vor einem schwarzen oder weißen<br />

Hintergrund aufgenommen worden sein. Ziehen Sie die<br />

entsprechenden Bilder in ihr Foto und benutzen Sie das<br />

Verschieben-Werkzeug, um deren Größe, Winkel und<br />

Position anzupassen. Ändern Sie die Füllmethode dieser<br />

Ebene auf „Negativ multiplizieren“, um einen<br />

schwarzen Hintergrund oder auf „Multiplizieren“, um<br />

einen weißen Hintergrund zu verbergen.<br />

3<br />

Aufräumen Gehen Sie auf „Ebene > Sichtbare auf<br />

eine Ebene reduzieren“, duplizieren Sie die Ebene<br />

und gehen auf „Bild > Korrekturen > Umkehren“, dann<br />

ändern Sie die Füllmethode der Ebene auf „Strahlendes<br />

Licht“. Nun gehen Sie auf „Filter > Weichzeichnen ><br />

Matter machen“ und wählen eine Einstellung aus, die<br />

Details betont, ohne einen Schein zu erzeugen. Klicken<br />

Sie auf „OK“, wählen Sie beide Ebenen aus und führen<br />

diese zusammen. Dann nehmen Sie die Farbsättigung<br />

zurück und ändern die Füllmethode auf „Weiches Licht“.<br />

Nun löschen Sie die Ebene mit der Einstellung<br />

„Strahlendes Licht“.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 053


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FOTOIDEE<br />

Portrait an einem Regentag<br />

Portrait an einem Regentag<br />

An regnerischen Tagen können Sie zu Hause mit einfachen Mitteln stimmungsvolle Porträts fotografieren. Wir zeigen wir es Ihnen.<br />

JORDAN BUTTERS: Auf eines können wir uns in unseren<br />

Breiten heutzutage verlassen: extreme Wetterereignisse.<br />

Überschwemmungen ganzer Städte und Dörfer im Frühling<br />

und Frühsommer aufgrund von Dauerregen, Tage mit<br />

Temperaturen von fast 40° im Sommer, unterbrochen von<br />

Hagelschauern mit 5 Zentimeter dicken Hagelkörnern, ganz zu<br />

schweigen von den üblichen Regenperioden.<br />

Das ist sehr unbefriedigend für uns Fotografen, hängen doch so viele<br />

unserer Ideen vom Wetter ab! In gewissen Grenzen können wir der <strong>Natur</strong><br />

natürlich auf die Sprünge helfen, insbesondere durch künstliches Licht.<br />

Leider kann man aber nichts tun, um einen regnerischen in einen<br />

sonnigen Tag zu verwandeln. Also machen wir aus der Not eine Tugend<br />

und nutzen die düstere Stimmung bei Regenwetter für<br />

Porträtaufnahmen. Doch keine Angst, Sie brauchen sich nicht den<br />

Elementen auszusetzen, denn das Ganze fi ndet im warmen<br />

Wohnzimmer statt – und den Regen machen wir sogar selbst.<br />

Um ein solch atmosphärisches Porträt aufzunehmen, brauchen Sie:<br />

natürlich Ihre Kamera, ein möglichst großes Fenster und ein wenig<br />

Leitungswasser. Das sind schon alle Requisiten. Etwas kniffl ig ist das<br />

Motiv dennoch, da Sie durch eine Glasscheibe fotografi eren. Dies schafft<br />

ganz spezielle Probleme, die Einstellung der Schärfe beispielsweise.<br />

Autofokussysteme beruhen technisch darauf, dass sie Kontrastbereiche<br />

identifi zieren. Wenn Sie nun durch eine Glasscheibe fotografi eren,<br />

passiert es oft, dass die Glasoberfl äche oder die darauf sichtbaren<br />

Refl exionen vom Autofokussystem Ihrer Kamera zur Scharfeinstellung<br />

genutzt werden, anstelle des beabsichtigten Motivs hinter der<br />

Glasscheibe. Sie können die Refl exionen in Grenzen halten, indem Sie<br />

einen Bogen schwarzen Kartons, ein schwarzes Tuch oder die dunkle<br />

Seite eines Refl ektors verwenden, doch hier hatte ich mich entschlossen,<br />

sie als Bildelemente zu nutzen, um das Motiv ausdrucksstärker zu<br />

machen. Die Refl exionen in den Wassertropfen sollten das Motiv<br />

realistischer aussehen lassen und die beabsichtigte Stimmung<br />

verstärken. Das Gesicht des Modells musste dazu jedoch einen Bereich<br />

des Bildausschnitts ausfüllen, der frei von Refl exionen war.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 055


FOTOIDEE<br />

Um die Regentropfen auf das Fenster zu bringen, versuchte ich es<br />

zuerst mit einer Sprühfl asche, doch die entstehenden Tropfen waren<br />

zu fein und verliefen sofort – sie sahen einfach nicht wie Regen aus.<br />

Nach weiteren Experimenten erwies es sich als beste Methode, eine<br />

kleine Schüssel mit Wasser zu füllen, die Hand einzutauchen und mit<br />

der nassen Hand die Scheibe zu besprenkeln. Tun Sie nicht zu viel des<br />

Guten, denn zu viele Tropfen lenken ab. Schließlich wollen Sie, dass<br />

das Gesicht Ihres Models das Zentrum des Motivs darstellt. Ich habe<br />

hier die Kinder eines Freundes fotografi ert; die Bilder sollten die kleine<br />

Geschichte erzählen, dass der Regen die Kinder daran hindert,<br />

draußen zu spielen. Da kleine Kinder eine kurze<br />

Aufmerksamkeitsspanne haben, ist es eine große Erleichterung, wenn<br />

jemand ihr Interesse an der Sache aufrecht halten und dirigieren<br />

kann.<br />

Ein einfacher Trick besteht darin, einen älteren Helfer als „Double“ die<br />

Position des Kindes einzunehmen zu lassen, während Sie mit Setup<br />

und Bildkomposition beschäftigt sind. Das Kind bringen Sie erst dann<br />

auf die Szene, wenn Sie zur Aufnahme bereit sind.<br />

1<br />

Fenster auswählen Als erstes<br />

Wählen Sie ein Fenster, durch<br />

das Sie fotografieren wollen – je größer,<br />

desto besser. Natürlich muss es ein<br />

Fenster sein, durch das ein Kind<br />

stehend hindurch blicken kann. Es<br />

kann sich natürlich auch auf einen<br />

Stuhl stellen, wobei zur Sicherheit ein<br />

Elternteil dabei sein sollte.<br />

2<br />

Die richtige Position Bevor Sie<br />

das Wasser auf das Fenster<br />

bringen, finden Sie einen passenden<br />

Winkel und eine gute Kameraposition,<br />

wobei Sie bereits darauf achten,<br />

welche Richtung die Reflexionen<br />

wahrscheinlich nehmen werden.<br />

Probieren Sie im Hinblick darauf auch<br />

höhere und niedrigere<br />

Kamerastandpunkte.<br />

3<br />

Kameraeinstellungen Ich hatte eine<br />

weit offene Blende von f/2.8 gewählt,<br />

die einen schmalen Schärfentiefenbereich<br />

erzeugt, innerhalb dessen ich auf die<br />

Augen des Kindes scharfstellen wollte. Das<br />

würde außerdem jedes andere Objekt aus<br />

dem Schärfebereich herausnehmen und<br />

die Wassertropfen auf dem Glas zusätzlich<br />

weichzeichnen, so dass sie zwar noch<br />

erkennbar sein, aber nicht ablenken<br />

würden.<br />

4<br />

Wasser hinzufügen Als letztes<br />

kam das Wasser ins Spiel.<br />

Beginnen Sie mit einigen wenigen<br />

Tropfen und steigern Sie deren Menge<br />

langsam. Ab einer bestimmten Dichte<br />

lenken Sie zu sehr vom Gesicht Ihres<br />

Models ab. Gegebenenfalls werden<br />

Sie mehrere Anläufe machen müssen,<br />

wobei Sie das Glas vor jedem neuen<br />

Versuch trocken wischen.<br />

Zu vermeidende Fehler<br />

Unpassende Reflexionen Wenn Sie<br />

Reflexionen in der Bildkomposition<br />

verwenden, sollten diese auf jeden Fall nur<br />

ergänzend wirken und keinesfalls vom<br />

eigentlichen Motiv ablenken. Natürliche Objekte<br />

wie Bäume geben in der Regel attraktive<br />

Reflexionen ab, während vom Menschen<br />

gemachte Strukturen wie Häuser meist zu<br />

einheitlich aussehen, wodurch der beabsichtigte<br />

Effekt verloren geht. Stellen Sie sich so, dass die<br />

Reflexion ihr Modell möglichst einrahmt und auf<br />

keinen Fall das Gesicht durchschneidet.<br />

Falsche Schärfeebene Wenn Sie den<br />

Autofokus verwenden, kann es vorkommen,<br />

dass die Kamera auf die Tropfen oder die<br />

Reflexionen auf der Scheibe scharfstellt, anstatt<br />

auf ihr Modell. Benutzen Sie den Einzelpunkt-AF<br />

und legen Sie den Schärfepunkt auf die Augen<br />

fest. Falls das nicht hilft, müssen Sie manuell<br />

scharfstellen. Bei kurzer Tiefenschärfe müssen Sie<br />

auch darauf achten, ob das Kind sich bewegt,<br />

sodass sich die Augen bereits in einem anderen<br />

Schärfebereich befinden.<br />

Falsche Pose Die Arbeit mit kleinen Kindern<br />

ist nicht immer einfach; insbesondere den<br />

richtigen Gesichtsausdruck hervorzurufen, ist oft<br />

langwieriger als man sich vorgestellt hat. Sie<br />

müssen Geduld haben und ständig bereit sein, die<br />

Aufnahme auszulösen, denn die gewünschte Pose<br />

und der schönste Gesichtsausdruck dauern<br />

vielleicht nur für Sekunden an. Deswegen ist es so<br />

hilfreich, wenn ein zweiter Erwachsener, am<br />

besten Vater oder Mutter, die Aufmerksamkeit des<br />

Kindes während der Fotosession überwacht.<br />

056 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

In einer Variation des Fotos bat ich die Mutter,<br />

ein blaues Tuch hinter ihren Sohn zu halten.<br />

Dies gab dem Ganzen mehr Farbe und passte<br />

zu dem kalten Regentag, den das Bild<br />

simulieren soll.<br />

Kit: Nikon D800 mit NIKKOR AF-S 70-200mm<br />

f/2.8G VR II<br />

Betriebsart: Zeitautomatik<br />

Belichtung: 1/400 Sekunde bei Blende<br />

f/2.8 und ISO 200)<br />

Portrait an einem Regentag


<strong>Digitale</strong><br />

Abonnement<br />

4 Ausgaben für<br />

25,-€!<br />

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Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

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FOTOIDEE<br />

Natürliche Energie<br />

Verbinden Sie menschengemachte Energie mit der Energie der <strong>Natur</strong> zu einem ökologisch-kreativen Spaßbild<br />

JORDAN BUTTERS: Es<br />

braucht keine komplizierten<br />

Requisiten, um kreativ zu<br />

Fotografi eren – einfache, in<br />

jedem Haushalt vorhandene<br />

Gegenstände kombiniert liefern oft<br />

perfekte Motive. Verlassen Sie gewohnte<br />

Denkmuster, dann können Fotos wie<br />

dieses entstehen.<br />

Der Glühfaden kann in der Birne<br />

verbleiben; die Nachbearbeitung wird<br />

dann jedoch etwas aufwändiger. Wenn<br />

Sie vor einem sauberen, homogenen<br />

Hintergrund fotografi eren, ist die<br />

Retusche allerdings schnell getan. Bei<br />

anderen Hintergründen empfi ehlt es<br />

sich, den Glühfaden zuvor aus der Birne<br />

zu entfernen. Dazu zerbrechen Sie den<br />

schwarzen Isolator unten am Gewinde<br />

der Glühlampe vorsichtig mit den<br />

Backen einer Kombizange. Danach<br />

können Sie ihn mit einem kleinen<br />

Schraubendreher herausholen.<br />

1<br />

Die Glühbirne <strong>Fotografie</strong>ren Sie die Glühbirne,<br />

wobei auch der sichtbare Teil der Hand korrekt<br />

belichtet sein muss. Vermeiden Sie Reflexionen auf dem<br />

Glas, denn die erschweren später die Nachbearbeitung.<br />

Wenn Sie vor einem hellen Hintergrund fotografieren,<br />

achten Sie darauf, nicht überzubelichten, denn sonst<br />

könnte sich der Umriss der Glühbirne vor dem<br />

Hintergrund verlieren.<br />

2<br />

Der Baum Suchen Sie einen passenden Baum –<br />

seine Form muss später in die Glühbirne passen<br />

– ich habe hier eine Bonsai-Pflanze genommen, die ich<br />

im Studio fotografierte. Ein ausgewachsener Baum im<br />

Freien tut es aber auch, sofern er die richtige Form hat.<br />

Schießen Sie vor einem unbedeckten Himmel aus<br />

niedrigem Blickwinkel, damit nichts im Bildausschnitt<br />

verbleibt, das später die Auswahl des Baums in<br />

Photoshop erschwert.<br />

Montage mit Photoshop<br />

1<br />

Aufräumen Importieren Sie das Bild der<br />

Glühbirne in Photoshop und nehmen Sie die<br />

notwendigen Einstellungen vor, um das Bild<br />

aufzuräumen. Mit dem Kopierstempelwerkzeug<br />

entfernen Sie Staubflecken und andere störende<br />

Objekte auf dem Glas. Mit dem Nachbelichter<br />

heben Sie die Umrisse des Glaskörpers hervor, um<br />

die Birne besser vom Hintergrund zu isolieren.<br />

2<br />

Baum bearbeiten Öffnen Sie das Bild des<br />

Baums in einem neuen Fenster und gehen<br />

Sie auf „Auswahl > Farbbereich“. Stellen Sie die<br />

Toleranz auf 200% und den Bereich auf 100%,<br />

aber ohne das Kontrollkästchen „Umkehren“ zu<br />

aktivieren. Halten Sie die Umschalt-Taste gedrückt<br />

und benutzen Sie die Pipette, um den Hintergrund<br />

um den Baum herum auszuwählen. Behalten Sie<br />

dabei das Farbbereichsfenster im Auge.<br />

3<br />

Baum auswählen Ziehen Sie den Toleranzregler<br />

zurück, bis der Baum vollständig weiß ist, und<br />

klicken Sie auf „OK“. Dann wählen Sie „Auswahl ><br />

Kante verbessern“ und erhöhen im Dialogfenster die<br />

„Weiche Kante“ auf 4 Pixel, den Wert für „Kante<br />

verschieben“ auf 5 Pixel und klicken auf „OK“. Nun<br />

gehen Sie auf „Bearbeiten > Kopieren“, wählen das<br />

Fenster mit dem Baum aus und kopieren es über<br />

„Bearbeiten > Einfügen“ in das Bild der Glühbirne.<br />

4<br />

Form des Baums anpassen Der Baum<br />

erscheint nun als neue Ebene, muss aber<br />

noch ein wenig angepasst werden. Das erreichen<br />

Sie mit „Bearbeiten > Frei transformieren“.<br />

Manipulieren Sie die Form des Baums so, dass er<br />

in die Glühbirne passt. Wenn Sie fertig sind,<br />

klicken Sie auf „Ebene > Ebenenmaske > Alles<br />

einblenden“.<br />

5<br />

Baum beschneiden Wählen Sie das<br />

Pinselwerkzeug mit „Schwarz“ als<br />

Vordergrundfarbe. Reduzieren Sie die Pinselhärte<br />

auf 20% und die Deckkraft auf 25%. Bearbeiten<br />

Sie nun das Bild des Baums, um die Bereiche, die<br />

sich außerhalb der Glühbirne befinden, zu<br />

entfernen. Ich habe die Deckkraft noch etwas<br />

weiter reduziert und ein paar Pinselstriche<br />

innerhalb der Birne angebracht, um Lichtreflexe<br />

im Glas zu simulieren.<br />

6<br />

Feinarbeit zum Schluss Die Baumebene<br />

muss nun noch ein wenig angepasst werden,<br />

damit sie realistischer aussieht. Dazu gehen Sie<br />

auf „Ebene > Neue Einstellungsebene ><br />

Gradationskurven“, um den Kontrast zu reduzieren<br />

und auf „Ebene > Neue Einstellungsebene ><br />

Farbton/Sättigung“, um die Farbsättigung zu<br />

reduzieren. Achten Sie jedoch darauf, dass diese<br />

Einstellungen nur die Baumebene betreffen.<br />

060 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

Die Kraft der <strong>Natur</strong> – ein ökologisches<br />

Statement, einfach und schnell gemacht.<br />

Ausrüstung: Nikon D800<br />

NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8G ED<br />

Objektiv:<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/8<br />

und ISO 100<br />

Kreatives Spaßfoto


FOTOIDEE<br />

Strandschönheiten<br />

Wer das Glück hat, im Norden zu wohnen, kann in ein paar Stunden die<br />

Küste erreichen. Rollen wir also die Hosenbeine hoch und machen uns die<br />

Füße nass, um die bei Ebbe immer neu entstehenden unterschiedlichen<br />

Priele und Tümpel einzufangen.


Gezeiten-Landschaften


FOTOIDEE<br />

HELEN DIXON<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk II<br />

Objektiv: Canon EF 16-35mm<br />

f/2.8L II USM<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Küstenlandschaften stellen uns Fotografen oft vor<br />

besondere Herausforderungen. Manchmal stehen<br />

wir vor einer Szenerie, die nicht einen einzigen<br />

Fixpunkt aufweist, um das Auge des Betrachters<br />

anzuziehen. Gelegentlich findet man einen<br />

Leuchtturm oder eine andere interessante Struktur<br />

am Horizont, auf die man den Blick lenken könnte,<br />

doch normalerweise ist es nicht ganz einfach, einen<br />

attraktiven Vordergrund für eine ausgewogene<br />

Bildkomposition zu finden.<br />

Doch genau das macht den Unterschied zwischen<br />

einem einfachen Schnappschuss an der See und<br />

einem schönen Strandpanorama aus. Bei Ebbe in<br />

Felsformationen entstehende Tümpel sind ein<br />

hervorragender Vordergrund, der dem Rest der<br />

Szene Attraktivität und Tiefe verleiht. Ideal für dieses<br />

Motiv ist ein ruhiger Tag, an dem ein paar Wolken<br />

am Himmel zu sehen sind. Sie müssen also etwas<br />

vorausplanen, um Erfolg zu haben. Das beste Licht<br />

haben Sie – wie immer – in den Stunden kurz nach<br />

Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang. Um den<br />

richtigen Zeitpunkt abzupassen, können Sie eine<br />

Gezeitentabelle zu Rate ziehen (zu finden unter<br />

http://www.bsh.de/de/Meeresdaten/Vorhersagen/<br />

Gezeiten). Suchen Sie sich einen Tag aus, an dem<br />

der Sonnenaufgang oder der Sonnenuntergang beim<br />

tiefsten Wasserstand stattfindet. Nun muss nur noch<br />

das Wetter mitspielen…<br />

Seien Sie rechtzeitig vor Ort, um nach einem<br />

Kamerastandpunkt zu suchen, der Ihnen eine<br />

ausdrucksstarke Bildkomposition ermöglicht, aber<br />

ohne zu viele ablenkende Elemente im Bild. Halten<br />

Sie die Bildkomposition einfach und ausgeglichen,<br />

das hat sich am besten bewährt. Der Felstümpel<br />

lenkt das Auge des Betrachters in das Bild. Achten<br />

Sie genau darauf, wo sie herumlaufen, denn im<br />

Sand sichtbare Fußabdrücke sind das beste Mittel,<br />

um vom eigentlichen Motiv abzulenken. Um<br />

Fußabdrücke zu vermeiden, ziehen Sie ein paar<br />

möglichst hohe Gummistiefel an und laufen Sie<br />

durch die Tempel anstatt darum herum. Natürlich<br />

können Sie Fußabdrücke in der Nachbearbeitung<br />

entfernen, doch das ist mit relativ viel Zeit verbunden<br />

– Zeit, die Sie besser hier vor Ort verbringen. Wenn<br />

Sie einen passenden Felstümpel gefunden haben,<br />

entscheiden Sie, ob Sie im Hoch- oder Querformat<br />

fotografieren wollen, wovon auch die Höhe der<br />

Kamera über dem Wasser abhängen dürfte. Die<br />

wiederum spielt eine große Rolle dabei, wie gut<br />

Spiegelungen im Wasser abgebildet werden. Die<br />

Kamera zwischen Hüft- und Brusthöhe fixiert, hat<br />

sich bei mir als guter Ausgangspunkt erwiesen. Da<br />

der Felstümpel das Hauptelement des Bildes<br />

darstellt, versuchen Sie die Bildkomposition anhand<br />

der Drittelregel. Dabei markiert der Horizont dem<br />

Beginn des oberen Drittels. Sie brauchen nicht den<br />

gesamten Vordergrund mit dem Felstümpel zu füllen.<br />

Ränder des Tümpels, die aus dem Bild hinaus<br />

führen, dienen ebenso gut als Führungslinien in das<br />

Bild hinein.<br />

Ganz gleich was Sie tun, achten Sie auf die Zeit,<br />

denn sie wären nicht der erste, der von der<br />

hereinkommenden Flut unangenehm überrascht<br />

würde. Es ist bestimmt kein Spaß, sich urplötzlich<br />

von der Küste abgeschnitten auf einer Sandbank<br />

wiederzufinden mit der Alternative, bis zur nächsten<br />

Ebbe auszuharren oder mitsamt der<br />

Kameraausrüstung an Land zu schwimmen.<br />

064 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Gezeiten-Landschaften<br />

Zu vermeidende Fehler<br />

Ohne Filter<br />

Mit Filter<br />

Überbelichteter Himmel Ein bekanntes Problem beim <strong>Fotografie</strong>ren in grellem Sonnenlicht<br />

besteht darin, dass die vorhandenen Kontraste den Dynamikumfang der Kamera übersteigen<br />

können. Beim Versuch, eine ausgeglichene Belichtung zu erhalten, wird meistens der Himmel<br />

überbelichtet. Sie können eine oder zwei Stufen negative Belichtungskorrektur einstellen, doch das<br />

unterbelichtet den Vordergrund. Die ideale Lösung des Problems ist ein Graufilter, der den hellen<br />

Himmel neutralisiert.<br />

Sie können natürlich bis nach Sonnenuntergang warten, dann ist das natürliche Licht ausgewogener.<br />

Das fertige Bild<br />

Jeder dieser Felsentümpel erlaubt<br />

Bildkompositionen aus unterschiedlichen<br />

Winkeln. Bei diesem Bild gefielen mir<br />

besonders die Spiegelungen an der<br />

Wasseroberfläche<br />

Belichtung: 1/6 Sekunde bei Blende f/13<br />

und ISO 100)<br />

Streulicht<br />

Gestreutes Licht kann zum<br />

echten Problem werden, wenn Sie bei<br />

Gegenlicht fotografieren. Es entsteht durch Licht,<br />

das innerhalb des Objektivs an den einzelnen<br />

Linsenoberflächen reflektiert wird. Bei<br />

bestimmten Schusswinkeln ist es schlicht<br />

unvermeidbar, doch es gibt Maßnahmen, die Sie<br />

treffen können, es zu reduzieren. Eine<br />

Gegenlichtblende ist auf jeden Fall zu empfehlen,<br />

auch sollte die Frontlinse des Objektivs frei sein<br />

von Staub und Wassertröpfchen, denn die<br />

vergrößern das Problem. Wenn all das nichts<br />

hilft, müssen Sie ihre Position ändern, damit ihre<br />

Szene von der Seite angeleuchtet wird.<br />

Konturlose Spiegelungen Da der<br />

Felstümpel den Vordergrund der<br />

Bildkomposition dominieren soll, ist die Qualität<br />

der Spiegelungen an der Wasseroberfläche<br />

entscheidend. Kleine Wellen im Wasser können<br />

das Bild dynamischer wirken lassen, doch bei<br />

ruhigem Wasser werden sie schönere<br />

Wolkenspiegelungen vorfinden. Vielleicht stellen<br />

Sie auch fest, dass die Spiegelungen der Wolken<br />

im Wasser kaum Konturen haben. Korrigieren Sie<br />

dann die Höhe der Kamera über dem<br />

Wasserspiegel und benutzen Sie einen Polfilter.<br />

Mit ihm können Sie die Reflexionen ihren<br />

Wünschen genau anpassen.<br />

1<br />

Setup Wenn Sie einen passenden Felstümpel<br />

gefunden haben, montieren Sie die Kamera auf<br />

das Stativ und machen ihre Bildkomposition. Das<br />

Stativ wird zunächst in den nassen Sand einsinken;<br />

drücken Sie es kräftig herunter und warten Sie ab,<br />

bis es sich nicht mehr bewegt. Eine auf den<br />

Zubehörschuh aufgesteckte Wasserwaage leistet<br />

gute Dienste, um die Kamera auszurichten.<br />

2<br />

Einstellungen Stellen Sie die Kamera auf<br />

Zeitautomatik und wählen Sie eine mittlere<br />

Blende, damit Sie eine komfortable Schärfentiefe<br />

erreichen – ein Wert zwischen f/8 und f/13 sollte dies<br />

gewährleisten. Stellen Sie manuell scharf oder<br />

benutzen Sie den Einzelpunkt-AF, wobei Sie den<br />

Schärfepunkt auf das Ende des ersten Drittels der<br />

Szene legen, um alles von vorn bis hinten scharf zu<br />

bekommen. Verwenden Sie einen Fernauslöser oder<br />

den Selbstauslöser der Kamera, um das<br />

Verwacklungsrisiko zu minimieren.<br />

3<br />

Filter benutzen Machen Sie eine Testaufnahme<br />

und bewerten Sie die Belichtung anhand des<br />

Histogramms. Ich stellte fest, dass zwar mein<br />

Vordergrund gut belichtet, der Himmel aber<br />

hoffnungslos überbelichtet war. Um das Problem zu<br />

lösen, können Sie entweder eine Bildserie mit<br />

unterschiedlichen Belichtungen schießen und diese<br />

später in Photoshop Zusammenmontieren oder Sie<br />

benutzen einen Grauverlaufsfilter, um die Helligkeit<br />

des Himmels zu unterdrücken. Dieses Foto entstand<br />

mit Grauverlaufsfilter.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 065


FOTOIDEE<br />

Sommerfrucht<br />

Fruchtiges Makro<br />

Manchmal hat man ihn einfach: den akuten Inspirationsstau. Lassen Sie sich für diesen Fall von uns anregen:<br />

Die folgenden einfache Schritte führen Sie zu einem quicklebendigen, farbenfrohen Stillleben.<br />

JORDAN BUTTERS<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 105mm f/2.8G IF-ED VR<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Software: Photoshop CS5<br />

ES IST LEICHT nachzuvollziehen, warum sich so viele Menschen für die<br />

Makrofotografie begeistern: Ein alltägliches Objekt, vielfach vergrößert aus<br />

einem persönlichen Blickwinkel aufgenommen, erscheint in ganz neuem<br />

Licht und enthüllt Details, die dem Blick sonst verborgen bleiben. Und mit<br />

ein paar kleinen Tricks kann man die Attraktivität solcher Motive noch weiter<br />

verstärken.<br />

Kirschen etwa sind leicht erkennbare, farblich unmittelbar ansprechende<br />

Objekte. Wenn Sie näher herangehen, stellen Sie aber fest, dass ihren<br />

Oberflächen jegliche charakteristische Eigenschaft fehlt – was wiederum<br />

bedeutet, dass eine Makroaufnahme wahrscheinlich ziemlich langweilig<br />

aussehen wird. Mit einem farbigen Hintergrund und einem Schuss<br />

Tonic Water können Sie trotzdem ein einfaches, höchst attraktives Stillleben<br />

erzeugen.<br />

Was die Ausrüstung angeht, benötigen Sie dazu einige Dinge, um die<br />

Aufgabe zu erleichtern. Da ist zunächst einmal das Stativ, außerdem<br />

brauchen Sie ein Objektiv mit Makro-Fähigkeiten. Ein Abbildungsfaktor von<br />

1:1 wäre perfekt, denn damit bekommen Sie Ihr Motiv formatfüllend in den<br />

Sucher. Offensichtlich brauchen Sie außerdem ein paar Kirschen und als<br />

wichtigste Requisite eine transparente Vase oder ein transparentes<br />

Trinkglas, möglichst in rechteckiger Form, denn dadurch werden die durch<br />

das Glas unvermeidlichen optischen Verzerrungen auf ein Minimum<br />

reduziert.<br />

Nun könnten Sie die Kirschen einfach in normales Leitungswasser<br />

versenken, doch dann würden die kleinen Gasbläschen fehlen, und gerade<br />

die sind es, die dieses Motiv erst lebendig machen. Sie könnten auch<br />

Limonade verwenden, doch ich empfehle ein farbloses Sprudelwasser,<br />

Selters oder Tonic. Die sind nicht so klebrig wie Limonade und aus<br />

irgendeinem Grund halten die Gasbläschen länger. Wenn die Flüssigkeit für<br />

Ihr Empfinden nicht genug sprudelt, blasen Sie vorsichtig mit einem<br />

Strohhalm Luft hinein, das bringt das Sprudeln wieder in Gang. Sie können<br />

auch unmittelbar vor der Aufnahme leicht auf den Tisch klopfen, auf dem<br />

die Vase steht, dadurch lösen sich die am Grund des Gefäßes befindlichen<br />

066 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


FOTOIDEE<br />

Sommerfrucht<br />

Gasbläschen und steigen in die Höhe.<br />

Irgendwie müssen die Kirschen in Position gehalten werden, sonst steigen Sie an<br />

die Oberfläche. Eine Wimberley Plamp ist das perfekte Hilfsmittel für diesen<br />

Zweck, doch jede andere Konstruktion, die das Aufsteigen hindert, erfüllt ebenso<br />

ihren Zweck. Außerdem sollten Sie einige Bogen farbigen Karton bereithalten, die<br />

Sie als Hintergründe verwenden. Wechselnde Hintergrundfarben werden die<br />

Stimmung dieses Bildes stark verändern.<br />

Als Lichtquelle können Sie natürliches Tageslicht nutzen, an windstillen Tagen<br />

sogar im Freien, obgleich Sie das Licht dann weniger gut kontrollieren können.<br />

Wenn Sie bei schwächeren Lichtverhältnissen arbeiten, kann es passieren, dass<br />

die Verschlusszeit zu lang ist, um die aufsteigenden Blasen scharf abzubilden.<br />

Benutzen Sie in diesem Fall ein Blitzgerät, dazu ist ein Reflektor oder kleine<br />

Softbox empfehlenswert, um diffuses Licht zu erzeugen.<br />

Die hier beschriebenen Aufnahmetechnik braucht sich selbstverständlich nicht<br />

auf Kirschen zu beschränken, sie funktioniert genauso gut mit anderen Früchten.<br />

Aufgeschnittene Früchte können zu fantastischen Bildern führen; versuchen Sie<br />

einmal eine halbe Orange, eine Kiwi oder eine Zitrone. Gehen Sie grundsätzlich<br />

sehr nah heran, um die Blasen hervorzuheben. Das Bild wirkt dadurch abstrakter.<br />

Setup<br />

1<br />

Vorbereitung Füllen Sie die Vase mit Tonic und wählen Sie ein paar Kirschen<br />

aus. Für Makrofotos sollten Sie generell versuchen, möglichst perfekte<br />

Exemplare für Ihr Motiv zu finden, denn durch die starke Vergrößerung tritt auch<br />

jeder Makel deutlich zu Tage und lenkt das Auge des Betrachters ab. Die Kirschen<br />

werden zunächst in der Flüssigkeit versinken, steigen dann jedoch wieder hoch<br />

und bewegen sich an der Oberfläche, was das Scharfstellen erschwert. Sie<br />

brauchen deshalb die Wimberley Plamp, um sie in Position zu halten.<br />

2<br />

Aufbau Montieren Sie die Kamera auf ein Stativ und machen Sie Ihre<br />

Bildkomposition. Bewegen Sie entweder die Vase, oder die Kamera, um die<br />

Größe der Kirschen im Sucherbild anzupassen. Bringen Sie die Stängel der<br />

Kirschen in eine solche Position, dass Sie in einem Winkel in den Bildausschnitt<br />

hineinragen, das wirkt dynamischer. Ein Bogen farbiges DIN A4 Papier ergibt<br />

einen perfekten Hintergrund. Ich habe eine Farbe gewählt, die gut zur Farbe der<br />

Kirsche passt.<br />

3<br />

Einstellungen Stellen Sie manuell auf die Gasbläschen scharf, die sich dem<br />

Objektiv am nächsten befinden. Der LiveView der Kamera erleichtert dies.<br />

Schalten Sie die Kamera auf „Zeitautomatik“ und experimentieren Sie mit der<br />

Blende, um den Tiefenschärfebereich zu verändern. Ich hatte Blende f/8<br />

eingestellt. Bei ausschließlich natürlichem Licht kann es sein, dass die<br />

Verschlusszeit zu lang ist, die aufsteigenden Bläschen einzufrieren. Weiteres<br />

Aufblenden würde die Schärfentiefe beeinträchtigen; nehmen Sie lieber das<br />

Blitzgerät zu Hilfe.<br />

4<br />

Aufhellblitz Den Blitz direkt auf die Vase zu richten, ist keine gute Idee, denn<br />

das würde unkontrollierbare Reflexionen und Blendungen erzeugen, die Sie<br />

später in Photoshop mühsam wieder beseitigen müssten. Ich ließ das Blitzlicht<br />

von einer weißen Styroporplatte zurückwerfen, die ich rechts von der Vase<br />

positioniert hatte. Arrangieren Sie das Ganze so, dass der Aufhellblitz seitlich auf<br />

die Kirschen trifft. Machen Sie ein Testfoto und passen Sie die Blitzleistung<br />

gegebenenfalls an.<br />

068 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

Eine geringe Verstärkung des Kontrasts und der<br />

Leuchtkraft der Farben in der Nachbearbeitung machen<br />

die Kirsche schön knackig.<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100)


FOTOIDEE<br />

Achtung, es kippt …!<br />

Mit dieser verblüffend einfachen Aufnahmetechnik werden Sie größtes<br />

Erstaunen auslösen. Wir zeigen Ihnen, wie der Trick funktioniert.<br />

PAUL WARD<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR 24-70mm f/2.8G<br />

Betriebsart: Manual<br />

Software: Photoshop<br />

Bewusst herbeigeführte Illusionen üben eine<br />

besondere Faszination auf den Betrachter aus – Sie<br />

schauen hin, stellen fest, dass irgendetwas nicht<br />

stimmt mit dem, was Sie sehen; Sie schauen noch<br />

einmal hin und versuchen herauszubekommen, woran<br />

es liegt. Am besten ist der Trick anhand der folgenden<br />

Beschreibung nachzuvollziehen:<br />

Zunächst brauchen Sie die richtige Kulisse. Starke<br />

senkrechte Linien funktionieren am besten, da sie die<br />

Perspektive für den Betrachter schaffen – hier ein<br />

langer Säulengang, es geht aber mit jedem anderen<br />

hoch aufragenden Gebäude.<br />

Es werden zwei Einzelbilder aufgenommen und später<br />

zusammenmontiert, eines mit und eines ohne Modell:<br />

Für Bild 1 (nur Hintergrund) wird die Kamera um ca.<br />

30 – 45 Grad zur Seite geneigt. Für Bild 2 (mit Modell)<br />

nimmt das Modell eine „Seitenlage“ im selben<br />

Neigungswinkel ein. Damit es dabei nicht umfällt,<br />

muss es von Ihnen oder einem Assistenten gestützt<br />

werden (s. unten, Schritt 3).<br />

Für die Einzelaufnahmen müssen Sie sehr präzise<br />

arbeiten, damit die Bildausschnitte des Hintergrunds<br />

und des Modells genau gleich sind. Dafür muss auch<br />

die Beleuchtung exakt steuerbar sein, und<br />

selbstverständlich dürfen die Position des Stativs, die<br />

Perspektive und die Kameraeinstellungen anschließend<br />

nicht mehr verändert werden. Andernfalls haben Sie<br />

später in Photoshop große Probleme, die beiden Fotos<br />

so zusammenzufügen, dass die erwünschte Illusion<br />

erzeugt wird.<br />

Sie werden mehrere Versuche benötigen, bevor die<br />

Aufnahme natürlich wirkt. Für das Modell kostet es<br />

etwas Übung, das Gleichgewicht zu halten, während<br />

es gehalten wird.<br />

Setup<br />

Natürliches Licht<br />

Kamera<br />

Neigungsillusion<br />

Säulen<br />

Studioblitz<br />

Modell<br />

Wand<br />

1<br />

Testfotos Montieren Sie die Kamera auf das<br />

Stativ, nehmen Sie die erforderlichen<br />

Einstellungen vor und machen Sie eine Reihe von<br />

Testaufnahmen, wobei sich das Modell bereits an der<br />

richtigen Position befinden sollte. Wenn Sie mit der<br />

Bildkomposition und der Bildschärfe zufrieden sind,<br />

schalten Sie den Autofokus aus, damit die<br />

Einstellung nicht mehr verändert wird.<br />

Finish in Photoshop<br />

2<br />

Das richtige Licht Ändert sich das Sonnenlicht<br />

ständig durch vorüberziehende Wolken,<br />

machen Sie möglichst viele Aufnahmen vom<br />

Hintergrund, damit Sie später wenigstens eine<br />

haben, bei denen die Lichtverhältnisse mit der<br />

Aufnahme des Modells übereinstimmen. Richten Sie<br />

nun den Blitz ein. In diesem Fall befand er sich links<br />

oberhalb vom Modell, im Winkel von 45° nach<br />

unten.<br />

3<br />

Das Modell Das Modell muss sich an der<br />

vorher markierten Position befinden. Und nun<br />

kommt der eigentliche Trick:<br />

Das Modell lehnt es sich locker zur Seite, wobei es<br />

vom Assistenten abgestützt wird. Die Seitenlage<br />

muss genau dem Neigungswinkel Ihrer Kamera<br />

entsprechen. Dadurch entsteht die Illusion, als stehe<br />

das Modell senkrecht, während die übrige Szene<br />

umzukippen scheint!<br />

DER ASSISTENT VERSCHWINDET<br />

Öffnen Sie beide Bilder in Photoshop, wählen Sie das<br />

Bild mit dem Modell aus und kopieren Sie es in den<br />

Hintergrund. Mit dem Radiergummi oder einer<br />

Ebenenmaske und dem Pinselwerkzeug entfernen<br />

Sie nun die Person, die das Model abstützt.<br />

Arbeiten Sie sehr sorgfältig mit einem möglichst<br />

kleinen Pinsel, um ein gutes Finish zu erzeugen.<br />

Achten Sie auf etwaige Schatten, die von dem<br />

Assistenten geworfen wurden, denn die müssen<br />

ebenfalls entfernt werden.<br />

070 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

Eine natürliche Pose ist entscheidend für den Erfolg dieser Illusion.<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/4.5 und ISO 100


Leserfotos<br />

UND DIE MEINUNGEN UNSERER REDAKTION<br />

DAS<br />

EXPERTEN-<br />

TEAM<br />

REDAKTEUR<br />

DANIEL LEZANO<br />

Daniel ist seit vielen<br />

Jahren Jurymitglied<br />

bei renommierten<br />

Fotowettbewerben.<br />

NATURFOTOGRAF<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Ross ist erfahrener<br />

Fotograf und Autor,<br />

spezialisiert auf<br />

Wildlife-, Makro- und<br />

Landschaftsfotografie.<br />

LANDSCHAFTS<br />

LEE FROST<br />

Lee ist seit vielen<br />

Jahren<br />

Berufsfotograf<br />

und der Autor<br />

mehrerer<br />

Fachbücher.<br />

PHOTOSHOP<br />

CAROLINE<br />

WILKINSON<br />

Caroline ist eine<br />

erfahrene Fotografin<br />

und Photoshop-<br />

Expertin.<br />

ERDBEER-SPRITZER<br />

Von Darlene Young<br />

Kamera: Nikon D300<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 105mm f/2.8 Micro<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/11<br />

und ISO 250<br />

DARLENE SAGT: „Ich mag es<br />

wenn es ordentlich spritzt. Für<br />

dieses Foto hatte ich die Erdbeere<br />

an einer Angelschnur aufgehängt.<br />

Ein wenig Wasser wurde seitlich<br />

auf die Erdbeere gespritzer. Um die Bewegung<br />

einzufrieren, habe ich zwei Blitzgeräte benutzt.“<br />

LEE FROST: Ich bin immer wieder verblüfft<br />

von der Kreativität der Leser dieses Magazins,<br />

die in den eingesandten Bilder zum Ausdruck<br />

kommt! Es ist unbestreitbar, dass die Qualität<br />

der Fotografi e generell enorm gestiegen ist,<br />

seitdem der Wechsel vom Film zu den Pixeln<br />

statt gefunden hat. Darlenes Foto ist ein<br />

perfektes Beispiel dafür – ein solches Foto mit<br />

der fi lmbasierten Technik zu produzieren,<br />

wäre eine Sissyphus-Aufgabe gewesen, doch<br />

digital ist es vergleichsweise ein Klacks, denn<br />

man kann einfach so lange weitermachen,<br />

bis das Ergebnis perfekt ist. Und genau das<br />

hat Darlene hier gemacht. Mir gefällt dieses<br />

Foto sehr. Es ist richtig belichtet, gestochen<br />

scharf und die Farben sind brillant. Der<br />

subtile blauer Hintergrund passt perfekt zu<br />

dem leuchtenden Rot der Erdbeeren. Auch<br />

das Timing ist gut, das spritzende Wasser ist<br />

durch seinen ausgeprägten Umriss bestens<br />

zu erkennen, passt genau in den<br />

Bildausschnitt und behindert trotzdem nicht<br />

den Blick auf die Erdbeere. Der einzige<br />

mögliche Kritikpunkt ist der, dass das Wasser<br />

die Blätter an der Oberseite der Erdbeeren<br />

fl achgedrückt, so dass deren ursprüngliche<br />

Form nicht mehr erkennbar ist. Doch ich bin<br />

mir nicht sicher, was man dagegen hätte tun<br />

sollen. Vielleicht hätte man mit dem Wasser<br />

etwas tiefer zielen können, aber bei solchen<br />

Aufnahmen lässt sich nun einmal nicht alles<br />

bis ins letzte Detail steuern. Doch bis auf<br />

dieses kleine Manko ist das Bild hervorragend<br />

gelungen<br />

Urteil: Ein cleveres, sehr gut ausgeführtes<br />

Foto, das fast perfekt geworden ist.<br />

DANIEL LEZANO: Darlene hat es wirklich<br />

drauf mit dieser Technik. Üblicherweise sieht<br />

man Bilder, bei denen die Früchte ins Wasser<br />

fallen; das Interessante hier ist, dass Darlene<br />

es umgekehrt macht und das Wasser auf die<br />

Frucht fallen lässt. Und es funktioniert. Das<br />

„Ich bin immer wieder verblüfft von der<br />

Kreativität der Leser dieses Magazins,<br />

die in den eingesandten Bildern zum<br />

Ausdruck kommt!“ LEE FROST<br />

Timing ist perfekt genauso wie die Form die<br />

das Wasser um die Erdbeeren herum<br />

angenommen hat. Das Rote Erdbeeren<br />

kontrastiert sehr schön mit dem leichten<br />

graublauen Hintergrund, der gerade genug<br />

Farbintensität hat dass das Wasser sich klar<br />

von ihm abheben kann. Es gibt eigentlich<br />

nichts was ich hier kritisieren sollte, denn es<br />

ist ein hervorragendes Foto, das ganz<br />

bestimmt nicht einfach in den Kasten zu<br />

bekommen war. Doch wenn Darlene dieses<br />

Motiv je wiederholen sollte, würde ich<br />

anregen, ein wenige Licht zurück auf den<br />

Vordergrund refl ektieren zu lassen, weil die<br />

Erdbeere einen leichten dunklen Schatten in<br />

der Mitte ihrer oberen Hälfte aufweist. Aber<br />

da ist natürlich sehr viel persönlicher<br />

Geschmack im Spiel.<br />

Urteil: Ein großartiges Bild, dass jede<br />

professionelle Bilddatenbank bereichern<br />

würde.<br />

Pro und Kontra...<br />

Pro: Darlenes Wahl der Farben und das<br />

präzise Timing ergab ein frisch-fruchtiges<br />

Bild mit viel Dynamik<br />

Kontra: eine unwesentliche<br />

Beeinträchtigung stellen die zusammen<br />

gedrückten Blätter oberhalb der Erdbeeren dar<br />

und vielleicht der Schatten in der oberen Hälfte<br />

der Frucht.<br />

072 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


ALTES HAUS<br />

Von Ruairidh Macdonald<br />

Kamera: Canon EOS 40D<br />

Objektiv: Canon EF-S 17-85mm f/4-5.6 IS USM<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f/7 und<br />

ISO 100<br />

RUAIRIDH SAGT: „Auf dem Rückweg<br />

von einem anderen Fototermin kam ich<br />

an diesem Haus vorbei. Die Sonne brach<br />

gerade durch die Wolken und füllte den<br />

Himmel mit Farbe. Ich baute schnell<br />

mein Stativ auf und machte viele Aufnahmen, um das<br />

hervorragende Licht so oft wie möglich einzufangen.<br />

Dann montierte ich die Aufnahmen in der<br />

Nachbearbeitung zusammen.“<br />

LEE FROST: Ich kann es kaum erwarten, selbst auf<br />

die Äußeren Hebriden zukommen – unter anderem<br />

auch deswegen, weil ich ein solches Foto zustande<br />

bringen will. Ruairidhs Bild ist fantastisch, voller<br />

Dramatik und Atmosphäre. Das Licht ist einfach<br />

wundervoll – sehr subtil und doch bringt es den<br />

düsteren Charakter der Szene zur Geltung, indem es<br />

für etwas Wärme und Kontrast sorgt, ohne dass das<br />

Gefühl der Kälte und Verlassenheit verloren ginge.<br />

Besonders gefällt mir auch, dass Ruairidh sehr viel<br />

Himmel in den Bildausschnitt einbezogen hat – die<br />

Anwendung der Drittelregel ist klar erkennbar – was<br />

die Kargheit und Einsamkeit des Ortes noch betont.<br />

Der schmale Weg im Vordergrund ist eine perfekte<br />

Führungslinie, das den Blick des Betrachters auf die<br />

Hütte lenkt. Der auf dem Weg liegende Pulverschnee<br />

hebt ihn besonders hervor. Das Bild hat einen<br />

leichten HDR-Touch, wodurch es fast etwas<br />

unnatürlich wirkt, doch der Effekt ist nicht so akut,<br />

dass er das Bild verderben würde. Wäre es mein Bild<br />

gewesen, hätte ich die Telefonleitung herausgeklont,<br />

denn sie durchschneidet die Szene und wirkt<br />

ablenkend. Abgesehen davon hat Ruairidh ein<br />

fantastisches Landschaftsfoto geschossen dass ich<br />

liebend gerne selbst in meinem Portfolio haben<br />

würde.<br />

Urteil: Ein dramatisches, atmosphärisches und<br />

charaktervolles Bild. Großartig!<br />

ROSS HODDINOTT: Fotografen mögen Verfall und<br />

Verlorenheit, deswegen kann ich genau<br />

nachvollziehen, warum Ruairidh diesem Motiv nicht<br />

widerstehen konnte. Der Winterhimmel passt perfekt<br />

zu dieser Szene, die eine Spur von HDR-Effekt hat,<br />

doch der ist genau dosiert, keineswegs übertrieben<br />

und das Ergebnis sieht immer noch natürlich aus.<br />

Ich habe lediglich eine Kleinigkeit an der<br />

Bildkomposition selbst auszusetzen. Der Himmel ist<br />

sehr schön, für mich allerdings nicht ausdrucksstark<br />

genug, als dass ich ihm so viel Platz im<br />

Bildausschnitt eingeräumt hätte. Für meinen<br />

Geschmack hätte Ruairidh den schneebedeckten,<br />

zum Haus führenden Weg mehr betonen sollen. Die<br />

vereisten Pfützen sind sehr fotogen und mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv und kleiner Blende – um einen<br />

großzügigen Schärfentiefenbereich zu erzeugen –<br />

hätte er einen fantastischen Vordergrund gehabt mit<br />

einer natürlichen Führungslinie. Wäre mehr von der<br />

unmittelbaren Umgebung des Hauses im Bild – der<br />

Weg, der Fluss und das Moor – hätte das zu einer<br />

besseren Perspektive geführt.<br />

Urteil: Ein schönes Bild, doch ich glaube ein<br />

weiteres Gesichtsfeld hätte eine dem Motiv<br />

angemessenere Bildkomposition ergeben.<br />

„Das Licht ist einfach wundervoll – sehr subtil und doch bringt es den<br />

düsteren Charakter der Szene zur Geltung“. LEE FROST<br />

Kurzkritik<br />

1) Himmel: Unsere Experten sind hier<br />

geteilter Meinung. Ross hätte gerne<br />

weniger Himmel und mehr von der<br />

Umgebung, während Lee der<br />

Auffassung ist, dass der überwältigend<br />

große Himmel erst dieses Gefühl der<br />

Trostlosigkeit erzeugt.<br />

2) Haus: Ruairidh hat ein Auge für eine<br />

großartige Szene. Das Gefühl der<br />

Abgeschiedenheit und Einsamkeit<br />

drängt sich bei diesem Motiv geradezu<br />

auf.<br />

3) HDR-Effekt: Der HDR-Effekt bringt<br />

die Details der Schatten hervor, ohne<br />

jedoch den Himmel überzubelichten.<br />

HDR ist eine sehr subjektive<br />

Angelegenheit und es ist geradezu<br />

unmöglich, es jedem recht zu machen.<br />

4) Schneebedeckter Weg: Mit einem<br />

weiteren Gesichtsfeld oder einer anderen<br />

Bildkomposition, den Weg stärker<br />

berücksichtigt hätte, hätte Ruairidh die<br />

Führungslinie und die gefrorene Pfützen<br />

betont. Alternativ dazu hätte ein<br />

vertikales Panorama sowohl den Weg<br />

als auch den Himmel in das Bild<br />

einbezogen.<br />

1<br />

2<br />

4<br />

3<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 073


Expertenkritik<br />

Damit Sie noch bessere Bilder machen<br />

SPINNEREI<br />

Von John Chorley<br />

Kamera: Nikon D90<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 105mm f/2.8 Micro<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/4.5<br />

und ISO 200<br />

JOHN SAGT: „Dies ist ein aus<br />

sieben Einzelbildern mit<br />

unterschiedlicher Schärfe<br />

bestehendes Bild. Sie wurden aus<br />

der Hand und mit einem auf einer<br />

Schiene montierten Blitzgerät aufgenommen.<br />

Die erste Aufnahme ließ die Spinne in ihrer<br />

Bewegung regungslos verharren und so schoss<br />

ich noch ein paar mehr, jeweils mit einem<br />

anderen Schärfepunkt.<br />

LEE FROST: Das größte Problem bei<br />

Nahaufnahmen ist die fehlende Schärfentiefe. Je<br />

näher Sie herangehen desto kleiner wird der<br />

Schärfebereich, selbst bei kleinsten blenden.<br />

Doch John hat uns hier gezeigt, wie man dieses<br />

Problem durch geschicktes Aufeinanderstapeln<br />

von Schärfeebenen – wozu selbstverständlich<br />

eine besondere Software erforderlich ist – sehr<br />

kreativ lösen kann. Was man dazu braucht ist<br />

eine Serie von Einzelbildern, bei denen die<br />

Schärfeebene jeweils etwas verschoben ist, die<br />

dann miteinander kombiniert werden. Das<br />

Ergebnis? Eine erheblich verbesserte<br />

Schärfentiefe so dass Sie im Prinzip soviel Sie<br />

wollen von Ihrem Motiv scharf abbilden können.<br />

Das funktioniert natürlich nur bei statischen<br />

Motiven. Es braucht auch Übung, die Technik zu<br />

beherrschen, doch dann sind erstaunliche<br />

Ergebnisse möglich. Nicht nur Kopf und Beine<br />

der Spinne sind scharf, sondern auch ihr Opfer.<br />

Das Beste aber: der Hintergrund ist so unscharf,<br />

dass die Elemente des Hauptmotivs sehr gut<br />

hervorgehoben werden. Mit einer einzelnen<br />

Aufnahme können Sie diesen Effekt niemals<br />

erreichen, bei der Hintergrund nicht so unscharf<br />

abgebildet werden könnte. Angesichts der<br />

Tatsache, dass John aus der Hand fotografiert<br />

hat, mit einem Makroobjektiv und<br />

Erweiterungsringen und Blende f/4.5, ist das ein<br />

bemerkenswertes Foto. Es zeigt was alles<br />

möglich ist, wenn man moderne Technologie<br />

gekonnt einsetzt.<br />

Urteil: Eine brillante Nahaufnahme, die erst<br />

durch die spezielle Software möglich wurde.<br />

ROSS HODDINOTT: Das ist mal ein exzellentes<br />

Makrofoto! Es ist nicht nur ungewöhnlich, eine<br />

Libelle in einem Spinnennetz gefangen zu sehen,<br />

sondern der unscharfe Hintergrund, der<br />

Kamerawinkel, die Beleuchtung und die<br />

Bildkomposition – all das ergibt ein umwerfendes<br />

<strong>Natur</strong>foto, das eine Geschichte erzählt. Es könnte<br />

ohne weiteres in einem Top-<strong>Natur</strong>fotomagazin<br />

erscheinen. Es macht überhaupt nichts dass das<br />

ganze linke Bein der Spinne nicht vollständig im<br />

Bildausschnitt zu sehen ist und mir gefällt die<br />

Bildkomposition ganz besonders, beispielsweise<br />

wie der Flügel der Libelle aus der Ecke in das Bild<br />

führt. Bei näherer Betrachtung bemerkt man<br />

allerdings ein oder zwei kleine Probleme. Man<br />

kann sehen, das Teile der Spinnenbeine in<br />

verschiedenen Schärfeebene liegen, wobei Sie in<br />

den Zwischenräumen teilweise unscharf werden.<br />

Zwischen den Flügeln, die von einem bei der<br />

Spinne teilweise überdeckt werden, gibt es einen<br />

Bereich, in dem etwas Klonen erforderlich sein<br />

wird. Aber bitte: das Foto ist mit extremer<br />

Vergrößerung aus der Hand geschossen – das<br />

muss man erst einmal nachmachen – und<br />

insofern mag diese Kritik wie Erbsenzählerei<br />

wirken. Im übrigen fallen diese kleine Markus erst<br />

bei sehr genauem Hinsehen auf. Alles in allem:<br />

Hervorragend gemacht.<br />

Urteil: Dieses Bild ist hervorragend konstruiert,<br />

berücksichtigt man die komplizierte Technik.<br />

1) Schärfentiefe: John hat eine sehr<br />

komplexe Aufnahmetechnik benutzt, um<br />

dieses umwerfende Foto mit seiner<br />

hervorragenden Schärfentiefe zu kreieren.<br />

Durch das aufeinanderstapeln mehrerer<br />

Einzelbilder sind sowohl die Spinne als<br />

auch ihr Opfer im Schärfebereich während<br />

der Hintergrund sehr schön unscharf ist.<br />

2) Technik: „Schärfe stapeln“ ist eine<br />

komplizierte Technik, die nicht einfach zu<br />

beherrschen ist, schon gar nicht bei im<br />

Freien aus der Hand geschossenen<br />

Aufnahmen. John hat ein hervorragendes<br />

Bild gemacht doch es gibt einen oder zwei<br />

Bereiche, die man der Nachbearbeitung<br />

verbessern könnte.<br />

3) Bildkomposition: die Bildkomposition<br />

ist gut geworden, sehr schön ausgewogen.<br />

Obwohl Teile der beiden Kreaturen<br />

abgeschnitten sind, tut das dem Eindruck,<br />

den das Bild auf dem Betrachter hervorruft,<br />

keinen Abbruch.<br />

1<br />

2<br />

Kurzkritik<br />

„Ein <strong>Natur</strong>foto, das eine Geschichte<br />

erzählt. Es könnte ohne weiteres in<br />

einem Top-<strong>Natur</strong>fotomagazin<br />

erscheinen“.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

3<br />

074 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


STAHLWOLLE<br />

Von Shaun Amey<br />

Kamera: Nikon D80<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 18-135mm f/3.5-5.6G<br />

Belichtung: 10 Sekunden bei Blende f/11 und<br />

ISO 100<br />

SHAUN SAGT: „Dieses Foto<br />

entstand auf einer stillgelegten<br />

Eisenbahnstrecke in einem Tunnel.<br />

Mein Stiefsohn Ian und ich<br />

benutzten Stahlwolle, die in einen<br />

an einer Hundeleine befestigten Schneebesen<br />

gestopft war. Die Wolle wurde angezündet und<br />

während der 10 Sekunden dauernden<br />

Langzeitaufnahme über Kopf<br />

herumgeschwenkt. Die davonfliegenden<br />

Funken prallten von den Tunnelwänden zurück<br />

und erzeugten die Lichtspuren.“<br />

LEE FROST: Falls Sie diese<br />

Aufnahmetechnik noch nicht kennen, haben<br />

Sie etwas versäumt, das Sie nachholen<br />

sollten. Es ist ein Riesenspaß, wenig<br />

Aufwand, und liefert sensationelle Fotos!<br />

Zugegeben: einen mit Stahlwolle gefüllten<br />

brennenden Schneebesen an einer<br />

Hundeleine um den Kopf kreisen zu lassen,<br />

klingt ziemlich verrückt und das ist es wohl<br />

auch, aber schauen Sie sich Shauns Bild an!<br />

Es ist ein sehr schönes Beispiel für den<br />

erreichbaren Effekt – Myriaden grell<br />

leuchtender Lichtspuren, von den in alle<br />

Richtungen fl iegenden brennenden<br />

Stahlwollefragmenten erzeugt werden. Die<br />

Tatsache dass das ganze in einem<br />

geschlossenen Raum stattfand, half<br />

natürlich, die umher fl iegenden Funken um<br />

die Person herum zu konzentrieren, welche<br />

die Drahtwolle kreisen ließ. Besonders schön<br />

an diesem Bild ist, dass Ian bei seiner<br />

Akrobatik inmitten all der Funken klar als<br />

Silhouette erkennbar ist. Er hat bewusst<br />

einen „Licht-Orbit“ um seinen Kopf herum<br />

erzeugt. Ich fi nde, Shauns Bild ist extrem<br />

dunkel, doch ein wenig Finetuning an den<br />

Tonwerten in Photoshop sorgte umgehend für<br />

Abhilfe und machte mehr Details Tunnel<br />

sichtbar. Auch glaube ich, dass ein Zuschnitt<br />

im Hochformat bei diesem Motiv besser<br />

wirkt, wie es rechts im Bild zu sehen ist.<br />

Urteil: Ein großartiges Beispiel für eine<br />

kreative, sensationelle Aufnahmetechnik,<br />

die auch noch viel Spaß macht.<br />

DANIEL LEZANO: Ich kann mir nicht helfen,<br />

doch mir fällt bei diesem Bild sofort die Szene<br />

in „Der Herr der Ringe“ ein, in der Gandalf tief<br />

unten in den Minen von Moria mit dem<br />

Balrog kämpft. Die fl ammende Peitsche des<br />

Ungeheuers sieht ganz ähnlich aus wie diese<br />

Leuchtspuren, die, ausgehend von der<br />

brennenden Stahlwolle in alle Richtungen<br />

weisen. Es ist ein eindrucksvoller Effekt, der<br />

durch die Auswahl der Örtlichkeit noch<br />

verstärkt wird. Durch den relativ beengten<br />

Raum wird das Licht der Funken konzentriert<br />

und von den Tunnelwänden refl ektiert. Nicht<br />

nur die Leuchtspuren sind hervorragend<br />

eingefangen, das besondere an dem Motiv ist<br />

die Silhouette dessen, der sie erzeugt. Die<br />

klar erkennbare Silhouette ist eindeutig der<br />

Schlüssel zu der hervorragenden Qualität<br />

dieses Fotos, denn der Betrachter bekommt<br />

zusätzlich zu dem sensationellen Effekt noch<br />

einen Maßstab geliefert anhand dessen er die<br />

feurige Erscheinung größenmäßig einordnen<br />

kann. Ohne die eindeutig identifi zierbare<br />

Person im Bildausschnitt ginge dem Motiv<br />

deshalb viel von seiner Dramatik verloren.<br />

Urteil: Dies ist eines der besten Beispiele<br />

für diese Aufnahmetechnik, die ich je<br />

gesehen habe. Hervorragend ausgeführt, in<br />

ebenso hervorragender Kulisse.<br />

<strong>Digitale</strong> Dunkelkammer<br />

TONWERTE UND ZUSCHNITT<br />

Um die Tonwerte zu justieren, fügen<br />

Sie eine neue Füllebene hinzu und<br />

stellen mit den Reglern die Tonwerte für<br />

Schwarzpunkt, Graupunkt und Weißpunkt<br />

ein, bis ihnen das Ergebnis gefällt.<br />

Anschließend schneiden Sie das Bild auf<br />

Hochformat zu.<br />

„Besonders schön an diesem Bild<br />

ist, dass Ian bei seiner Akrobatik<br />

inmitten all der Funken klar als<br />

Silhouette erkennbar ist.“<br />

DANIEL LEZANO<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 075


Text Joel Snape<br />

JETZT IM HANDEL<br />

Bei allen guten<br />

Zeitschriftenhändlern<br />

AUFTANKEN<br />

Rot statt tot<br />

Schütz dein Herz mit Tomaten<br />

Du hast vermutlich schon einmal gehört, dass roter Wein gut fürs Herz ist. Was du aber vielleicht nicht weißt: Auch<br />

Tomaten halten das Herz gesund. Bei einer Studie der britischen Cambridge University hat sich gezeigt: Das in<br />

Tomaten vorkommende Karotinoid Lykopin kann das Herzinfarktrisiko senken. In der Studie sorgte ein<br />

Ergänzungsmittel mit hohem Lykopingehalt bei Patienten mit Herzerkrankungen für einen flüssigeren<br />

Bluttransport. Gleichzeitig verbesserte sich der Zustand der Gefäßwände.<br />

Ein weiterer positiver Effekt: Die Flexibilität der Arterien<br />

stieg um 50 Prozent. Lykopin verleiht den Tomaten ihre rote Farbe und zersetzt Fettablagerungen in den Arterien.<br />

Tomaten sind eine tolle<br />

Quelle für die<br />

Vitaminsorten A und C.<br />

Diese arbeiten im Körper<br />

zusammen,<br />

um schädliche freie<br />

Radikale zu<br />

neutralisieren.<br />

Text Ben Ince I lustrationen KineticMesh<br />

mensfitness.de/OKTOBER 2013/85<br />

PROMI­FITNESS<br />

Spartacus in Person<br />

Liam McIntyre schlüpfte in<br />

die Rolle des berühmtesten<br />

Gladiators der Geschichte.<br />

Dazu musste er sich zum<br />

schlanken Muskelpaket<br />

und dazu noch zum fähigen<br />

Kämpfer verwandeln. So hat<br />

er es geschafft.<br />

STAR DES MONATS<br />

Liam McIntyre<br />

c Bisherige Ro len Als Ersatz des<br />

verstorbenen Andy Whitfield<br />

in den letzten beiden Staffeln<br />

von „Spartacus“ sowie in der<br />

australischen Seifenoper<br />

„Nachbarn“. Hierdurch ste lte er<br />

seine Vielseitigkeit unter Beweis.<br />

c Geplante Ro len In einem „streng<br />

geheimen“ US-Drama, das<br />

demnächst erscheinen so l.<br />

c Wissenswertes Für eine Hauptro le<br />

im Film „Frozen Moments“ nahm er<br />

acht Kilo ab. Danach stieg er aus den<br />

laufenden Dreharbeiten aus und legte<br />

dieselbe Masse wieder zu, als er für<br />

„Spartacus“ ausgewählt wurde.<br />

Im brutalen „Spartacus“-<br />

Trainingslager kam McIntyre so<br />

richtig in Form.<br />

mensfitness.de/OKTOBER 2013/39<br />

BOOK8-Pack<br />

BODY<br />

Pack<br />

10 Schritte zum<br />

Es gibt einen Unterschied zwischen „gut in Form“ und „topfit“. Wenn<br />

du einfach nur in Form kommen willst, kannst du diesen Beitrag<br />

überspringen. Möchtest du jedoch die Muskeldefinition eines<br />

Bodybuilders … dann lies weiter. Von Vince Del Monte<br />

Vince Del Monte<br />

ist zertifizierter<br />

Ernährungsberater und<br />

Autor eines Buches zum<br />

konsequenten<br />

Muskelaufbau.<br />

1 Fristen setzen<br />

Unterteil dein großes Ziel<br />

(ein flacher, knackiger<br />

Waschbre tbauch), wie<br />

etwa ein halbes Kilo weniger<br />

Gewicht pro Woche oder<br />

einen zusätzlichen<br />

Durchlauf des unten<br />

beschriebenen<br />

Sixpack-Zyklus. Setzt dir<br />

dann eine Frist für die<br />

Etappenziele. Es kann dir<br />

wie eine Mammutaufgabe<br />

vorkommen, viel abnehmen<br />

zu müssen, um die<br />

Bauchmuskeln zum<br />

Vorschein zu bringen. Die<br />

Vorgabe ist weit weniger<br />

einschüchternd, wenn du sie<br />

in kleinere und<br />

übersichtlichere Etappen<br />

unterteilst. Die Einhaltung<br />

der Fristen erhöht das<br />

Gefühl der<br />

Eigenverantwortung. Du<br />

hast damit einen eindeutigen<br />

Plan an der Hand, der dir den<br />

nötigen Druck gibt.<br />

Geh noch einen Schri t<br />

weiter und erzähl deinen<br />

Freunden von deinen Plänen.<br />

Die öffentliche Bekanntgabe<br />

von Fristen ist eine mächtige<br />

Motivationsquele.<br />

Schließlich steht damit<br />

der eigene Ruf auf dem<br />

Spiel, wie uns Dan Ariely<br />

erklärt. Der Bestse lerautor<br />

ist Professor für<br />

Psychologie und<br />

Verhaltensökonomie an der<br />

amerikanischen Duke<br />

University. Je stärker du<br />

dich auf ein Ziel<br />

konzentrierst, umso<br />

geringer ist die<br />

Wahrscheinlichkeit, dass du<br />

frühzeitig abbrichst. Gib<br />

deine Absichten auf<br />

Facebook bekannt oder<br />

schick E-Mails an deine<br />

Freunde. So wird es<br />

schwerer für dich,<br />

aufzugeben. Du hast dann<br />

eine ganze Gruppe von<br />

Leuten im Rücken, die<br />

möchten, dass du Erfolg<br />

hast.<br />

3 Die Proteinzufuhr<br />

nicht<br />

abreißen lassen<br />

■<br />

Du brauchst mehr<br />

Muskeln, um deinen<br />

Stoffwechsel in Schwung<br />

zu bringen und das Fett zu<br />

verbrennen, das deinen<br />

Sixpack verdeckt. Für die<br />

Ernährung heißt das, du<br />

musst regelmäßig Eiweiß<br />

essen. Der Körper hat<br />

keine Möglichkeit, Eiweiß<br />

zu speichern. Daher<br />

braucht er einen<br />

regelmäßigen Nachschub<br />

Eigentlich brauchst du gar keine sichtbaren<br />

Bauchmuskeln.<br />

Viele Männer haben außer vie leicht im zarten Alter<br />

von 12 Jahren ihr ganzes Leben lang ihre<br />

Bauchmuskeln noch nicht zu Gesicht bekommen.<br />

Auch viele Profiathleten haben keine<br />

Bauchmuskeln, auf denen ihre Freundinnen Speck<br />

braten könnten.<br />

Aber wenn du richtig fit bist, warum so lst es dann<br />

nicht auch zeigen? Wenn du schon ganz gut in Form<br />

bist, ist der Weg zum Sixpack nicht mehr weit. Das<br />

ist etwa so, als wo lte ein Student aus einer Eins<br />

minus eine Eins mit Sternchen machen –<br />

anspruchsvol, aber absolut machbar.<br />

Beim Waschbrettbauch spielt die Ernährung eine<br />

große Ro le. Dazu kommen noch ein paar geeignete<br />

Übungen und vor a lem die richtige Einste lung. Ich<br />

bin Fitnessmodel, Trainer und ehemaliger <strong>Natur</strong>al<br />

Bodybuilder. Eine gut ausdefinierte<br />

Bauchmuskulatur war in den letzten zehn Jahren<br />

fester Bestandteil meines Anforderungsprofils.<br />

Daher habe ich gelernt, meine Ernährung, mein<br />

Training und meine Einste lung so anzupassen, dass<br />

der Sixpack schön knackig bleibt. Unten gebe ich<br />

euch zehn Tipps, die euch beim Sprung in die<br />

Premiumklasse helfen.<br />

für die Muskulatur. Ich<br />

nutze seit jeher kleine und<br />

häufige Mahlzeiten, um<br />

meine Muskeln gut zu<br />

„füttern“. Der Plan, der bei<br />

90 Prozent meiner Klienten<br />

am besten funktioniert:<br />

fünf Mahlzeiten aus<br />

Vo lwertkost und ein<br />

Eiweißshake pro Tag.<br />

Benötigst du 200 Gramm<br />

Eiweiß pro Tag (ein gutes<br />

Ziel für einen gut 90 Kilo<br />

schweren Mann), empfehle<br />

ich fünf bis sechs<br />

Mahlzeiten mit jeweils<br />

30 bis 50 Gramm<br />

Eiweiß.<br />

Lebensmittelallergien vorbauen<br />

Es möglich, einen niedrigen Körperfe tanteil und dennoch einen<br />

aufgeblähten Bauch zu haben. Der Grund können Entzündungen<br />

im Verdauungstrakt als Folge einer Lebensmi tela lergie sein.<br />

Diese führt zu Schwe lungen. Das Gluten im Weizen sowie Sojaund<br />

Milchprodukte sind weitverbreitete A lergene. Doch selbst,<br />

wenn du mit diesen Lebensmi telgruppen kein Problem hast,<br />

können sie sich bereits schon in geringen Mengen ungünstig<br />

auswirken.<br />

Geh diesen Lebensmi teln so gut es geht aus dem Weg und mach<br />

einen Termin beim A lergologen. Er wird dich auf<br />

Lebensmi telunverträglichkeiten testen, damit du dir sicher sein<br />

kannst. Versuch zumindest, diese Nahrungsmi tel ein paar<br />

Wochen lang wegzulassen, um zu sehen, wie du dich dann fühlst.<br />

Wenn eine Unverträglichkeit vorliegt, entwickelst du nach ein<br />

paar Tagen normalerweise nicht mehr so schne l Körpergase.<br />

Gleichzeitig fühlst du dich weniger aufgedunsen und müde.<br />

4 Nicht hungern<br />

Wenn du weniger isst, löst<br />

du eine Stressreaktion im<br />

Körper aus. Dies lässt die<br />

Kortisolwerte nach oben<br />

schne len. Das Hormon<br />

fördert den Hunger und<br />

bringt den Körper dazu, Fe t<br />

einzulagern. In einer 2010<br />

veröffentlichten Studie im<br />

Fachmagazin<br />

Psychosomatic Medicine<br />

wurde von einer weiblichen<br />

Testgruppe berichtet, die bei<br />

heruntergefahrener<br />

Kalorienzufuhr einen Anstieg<br />

des Kortisolspiegels erlebte.<br />

Die Werte waren sogar<br />

höher als in einer<br />

Kontro lgruppe, in der die<br />

Testpersonen lediglich ihre<br />

Kalorien zählten, ohne die<br />

Zufuhr zu senken. Doch wie<br />

ist es möglich, abzunehmen?<br />

Wichtig ist, bei ungesunden<br />

Kalorien vorsichtig zu sein.<br />

Konzentrier dich darauf,<br />

dich besser zu ernähren,<br />

ohne die Gesamtzufuhr<br />

einzuschränken. Zehr deinen<br />

Körper nicht aus!<br />

Manche Lebensmi tel<br />

brauchen außerdem zur<br />

Verdauung mehr Energie als<br />

andere. Die Verdauung von<br />

Eiweiß verbrennt mehr<br />

Kalorien als die von<br />

Kohlenhydraten.<br />

S t y l i n g : M i c a h J o h n s o n / S e e M a n a g e m e n t; G r o o m i n g : J e s s i B u t te r f i e l d / a l e P r o d u k te: S e p h o r a PRO C o l e c t i o n<br />

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Beinheben an der<br />

Stange<br />

Heb deine Beine<br />

explosiv an und lass<br />

sie langsam wieder<br />

absinken<br />

110/OKTOBER 2013/mensfitness.de mensfitness.de/OKTOBER 2013/111<br />

DAS BESTE HERAUSHOLEN<br />

Teste deine Fitness<br />

mit diesen drei<br />

Klassikern S. 116<br />

Die Kraft des Geistes:<br />

Denk dir deine Muskeln<br />

größer S. 122<br />

Hol dir Krafttipps vom<br />

Profi-Strongman S. 129<br />

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Sweatpants:<br />

LACOSTE<br />

Shoes: ASICS<br />

Want it?<br />

See page 158.<br />

Text Joe Warner Model Oliver Jedrej@WAthletic<br />

Fotos Duncan Nicho ls<br />

AUF<br />

DRAHT<br />

Nutze Seilzüge fürs Training, um<br />

große Fortschritte zu machen.<br />

H<br />

ältst du dich hauptsächlich an<br />

freie Gewichte, um größere<br />

Muskeln aufzubauen? Schau<br />

auch immer mal wieder bei<br />

der Kabelmaschine vorbei, um die Muckis<br />

wachsen zu lassen.<br />

Das langsame und kontro lierte<br />

Absenken einer Lang- oder Kurzhantel<br />

gegen die Schwerkraft kann sehr<br />

anspruchsvo l sein, weil die Muskeln in<br />

bestimmten Teilen der Absenkphase<br />

oft Schwächen aufweisen, was die<br />

Übung erschwert. Der anhaltende<br />

Widerstand am Seilzug jedoch sorgt<br />

dafür, dass du das Gewicht auch beim<br />

Anheben effektiv kontro lieren musst.<br />

„In der exzentrischen<br />

Kontraktionsphase der Übung sind die<br />

Muskeln stärker. Mit anderen Worten:<br />

Du kannst größere Lasten absenken als<br />

anheben“, meint der Krafttraining-Guru<br />

Charles Poliquin, der als Muskelexperte<br />

für MF schreibt. „Bei der exzentrischen<br />

Bewegung werden die Muskelfasern<br />

beschädigt, während mehr schne le<br />

Muskelze len beansprucht werden.<br />

Je stärker du also die Muskeln beim<br />

Absenken unter Spannung gesetzt,<br />

umso größer sind deine Zuwächse.“<br />

Trainier wie ein<br />

olympischer Profi-<br />

Hürdenläufer S. 137<br />

Nutze unser 4-wöchiges<br />

Workout, um riesige<br />

Muckis zu kriegen S. 145<br />

MF-Tipp<br />

Wenn du die<br />

Schwerkraft in der<br />

exzentrischen Phase als<br />

Faktor ausklammerst,<br />

beanspruchst du mehr<br />

Stützmuskeln. Dies hilft<br />

dir dabei, dich gegen<br />

Verletzungen zu<br />

wappnen.<br />

mensfitness.de/OKTOBER 2013/95<br />

Words John doe Photography Jane doe


ERSTE<br />

SCHRITTE<br />

WILDLIFE<br />

NATURFOTOGRAFIE IST EXTREM POPULÄR GEWORDEN – WAS NICHT ÜBERRASCHT,<br />

DENN WIR WACHSEN UNTER DEM EINFLUSS VON MEDIEN AUF, DIE UNS AUFREGENDE<br />

BILDER GROSSARTIGER TIERWELTEN AUS ALLEN WINKELN DER ERDE DIREKT INS<br />

WOHNZIMMER LIEFERN.<br />

DIE ANFORDERUNGEN AN WILDLIFE-FOTOGRAFEN SIND ZWAR RELATIV HOCH; WER<br />

SICH IHNEN STELLT, WIRD ABER MIT SPEKTAKULÄREN AUFNAHMEN BELOHNT!<br />

DIESER RATGEBER VERMITTELT IHNEN DAS UNERLÄSSLICHE WISSEN FÜR DEN EINSTIEG<br />

IN DIE WILDLIFE-FOTOGRAFIE – ALLES WEITERE LIEGT BEI IHNEN.<br />

BILD: ROSS HODDINOTT


ERSTE<br />

SCHRITTE<br />

Ausrüstung für den<br />

Wildlife-Fotografen<br />

DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG KANN DEN<br />

UNTERSCHIED ZWISCHEN EINEM<br />

DURCHSCHNITTLICHEN FOTO UND EINEM<br />

HERVORRAGENDEN FOTO BEDEUTEN. HIER ZEIGEN<br />

WIR, WELCHE AUSRÜSTUNG SIE BRAUCHEN.<br />

WAHL DES OBJEKTIVS: Viele Tiere sind scheu und suchen<br />

schnell das Weite, wenn Sie sich nähern. Deswegen ist ein<br />

Teleobjektiv mit einer Brennweite von mehr als 300 mm generell<br />

die beste Wahl; so bekommen Sie Ihr Motiv auch aus großer<br />

Entfernung formatfüllend ins Bild. Kaufen Sie sich das schnellste<br />

Objektiv, also das mit der größten maximalen Blendenöffnung, das<br />

Sie sich leisten können. Ein schnelles Objektiv erlaubt Ihnen kurze<br />

Verschlusszeiten, die Sie brauchen, wenn Sie schnelle<br />

Bewegungen einfangen oder bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

arbeiten wollen.<br />

Leider kosten lange, schnelle Teleobjektive ein kleines Vermögen<br />

und kommen daher für Amateurfotografen kaum in Frage. Die gute<br />

Nachricht ist aber: Dank der exzellenten Abbildungsqualität<br />

moderner Kameras können Sie die ISO-Empfindlichkeit getrost auf<br />

800 oder gar 1600 heraufsetzen und so die erforderlichen kurzen<br />

Verschlusszeiten erzwingen, wenn sie ein preiswertes, weniger<br />

lichtstarkes Teleobjektiv verwenden. Das heißt, auch<br />

Amateurfotografen mit schmalem Budget können sich ernsthaft mit<br />

der Wildlife-<strong>Fotografie</strong> befassen.<br />

Lange Brennweiten vergrößern nicht nur das Motiv, sondern<br />

verkürzen zugleich die Perspektive. Diese „Kompression“ kann<br />

nützlich sein, um zusätzlich zu ihrem Hauptmotiv ein bestimmtes<br />

Hintergrundelement zur Geltung zu bringen. Außerdem bedingen<br />

lange Brennweiten physikalisch einen kurzen Schärfentiefebereich,<br />

auch bei kleinster Blendenöffnung, das Scharfstellen muss also mit<br />

höchster Präzision erfolgen. Natürlich kann eine kurze<br />

Tiefenschärfe auch als kreatives Stilmittel genutzt werden, um das<br />

Hauptmotiv von der Umgebung zu isolieren.<br />

Das Teleobjektiv mit möglichst langer Brennweite ist zwar das<br />

Haupthandwerkszeug des Wildlife-Fotografen, doch in der Praxis<br />

sind auch die anderen Brennweiten sinnvoll. Ein<br />

Brennweitenbereich zwischen 70 und 200mm eignet sich gut für<br />

die Darstellung von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung. Selbst<br />

sehr kurze Brennweiten haben ihre Berechtigung, vorausgesetzt Sie<br />

sind in der Lage, nahe genug an ihr Motiv heranzukommen. Das<br />

Weitwinkelobjektiv erzeugt eine ganz neue Perspektive. Damit<br />

können Sie ein Tier nicht nur in seiner Umgebung abbilden,<br />

sondern auch ungewöhnliche Porträts erzielen. Es zeigt seine<br />

Stärken, wenn Sie Tiere fotografieren, die nicht menschenscheu<br />

sind, denn ihnen können Sie sich auf kurze Entfernung nähern –<br />

Eichhörnchen und Wildenten beispielsweise.<br />

€120<br />

MITTLERE TELEZOOM-<br />

OBJEKTIVE: Sie sind<br />

bemerkenswert preiswert. Sie haben<br />

zwar oft keinen Bildstabilisator und<br />

keine weiten maximalen<br />

Blendenöffnungen, doch sie erfüllen<br />

ihren Zweck. Alle bekannten<br />

Hersteller bieten Telezooms im<br />

Bereich zwischen 70-200mm an –<br />

für unter 120 Euro.<br />

€200<br />

LANGES TELEZOOM: Die extra<br />

Reichweite eines 70-300mm Objektivs<br />

bietet Möglichkeiten, die Ihnen sonst<br />

versagt bleiben. Kombinieren Sie es mit<br />

einem APS-C Sensor, und Sie erhalten<br />

das Äquivalent von 450 Millimeter<br />

Brennweite, bezogen auf das<br />

Kleinbildformat. Viele Objektive dieses<br />

Formats haben einen Bildstabilisator.<br />

€450<br />

SUPER-TELEZOOMS: Sie liegen im<br />

Bereich zwischen 120-400 mm und<br />

sind nicht billig, doch Sie eröffnen<br />

Ihnen alle Möglichkeiten der<br />

Wildlife-<strong>Fotografie</strong>. Damit können Sie<br />

auch sehr scheue Tiere aus<br />

komfortabler Distanz formatfüllend<br />

aufnehmen.<br />

Tarnung<br />

Frei lebende Tiere lassen Menschen<br />

meist nicht nah an sich heran.<br />

Deswegen müssen Sie sich tarnen<br />

und verkleiden. Deswegen<br />

brauchen Sie nicht in Rambo-<br />

Montur im Stadtpark herumlaufen,<br />

doch eine leichte Tarnung erhöht<br />

ihre Chancen, unentdeckt zu<br />

bleiben, erheblich.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Zoom-Power: Näher ran mit dem Telezoom …<br />

€80<br />

TELEKONVERTER: Ein 1,4-facher<br />

bis 2-facher Telekonverter erhöht die<br />

„Reichweite“ eines Objektivs um den<br />

entsprechenden Faktor, sodass Sie<br />

aus großer Distanz fotografieren<br />

können.<br />

BEKLEIDUNG: Wenn Sie ein Tier<br />

verfolgen, ist es entscheidend, die<br />

passende Kleidung zu tragen.<br />

Dunkles Grün, Braun oder Schwarz<br />

sind die besten Farben; optimal ist<br />

jedoch eine Flecktarnung aus<br />

dunklen Farben. Auch eine<br />

Kopfhaube aus Baumwolle, wie sie<br />

von Motorradfahrern unter dem<br />

Helm getragen wird, hat sich als<br />

Tarnmittel bewährt (lassen Sie sich<br />

damit aber nicht in der Nähe einer<br />

Bank sehen...).<br />

078 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


WILDLIFE-FOTOGRAFIE<br />

Ebenso wichtig wie die Farben ist das<br />

Geräuschverhalten ihrer Kleidung. Wenn Sie<br />

sich bewegen, sollte man nicht das Geringste<br />

hören können. Große Außentaschen sind gut,<br />

um Speicherkarten und Batterien schnell zur<br />

Hand zu haben. Wenn Sie Tiere fotografi eren<br />

wollen, werden sie oft längere Zeit in ein und<br />

derselben Position bleiben müssen.<br />

Deswegen sollte ihre Kleidung auch warm<br />

genug sein. In den Wintermonaten ist es<br />

sinnvoll, mehrere Schichten dünner<br />

Unterbekleidung tragen – denn wenn Sie<br />

frieren, werden Sie nicht auf Ihre Motive<br />

konzentrieren können.<br />

VERSTECK: Tiere in freier <strong>Natur</strong> sind<br />

scheu. Die meisten der guten Tierbilder, die<br />

Sie in den Magazinen und als Ergebnis von<br />

Fotowettbewerben sehen, waren nur<br />

möglich, weil ein Versteck benutzt wurde.<br />

Wenn Sie sich ernsthaft mit der Tierfotografi e<br />

befassen wollen, kommen Sie um ein solches<br />

Zubehör nicht herum. Sie können zwar<br />

manchmal vor Ort ein Versteck aus<br />

natürlichen Materialien herstellen, doch<br />

auf lange Sicht ist ein tragbares Versteck<br />

die bessere Wahl. Es besteht im<br />

wesentlichen aus einer Plane in<br />

Tarnfarben, die wie ein leichtes Zelt<br />

schnell aufgebaut bzw. verpackt werden<br />

kann. Ein solches Versteck bietet genug<br />

Raum für eine Person mit Ausrüstung und<br />

eignet sich sehr gut zum Gebrauch auf der<br />

Pirsch im freien Gelände oder im Wald.<br />

Bewirtschaftete Felder sind für eine<br />

Vielzahl von Tieren attraktiv: Kaninchen,<br />

Hasen, Füchse, Dachse, Kiebitze und<br />

etliche andere Vogelarten. Es kann sich<br />

durchaus lohnen, einen Bauern um die<br />

Erlaubnis zu fragen, Ihr Versteck auf<br />

einem Acker in Sichtweite seines Hauses<br />

aufzubauen. Ggf. können Sie es auch<br />

einige Tage stehen lassen, damit die Tiere<br />

Zeit haben, sich daran zu gewöhnen.<br />

Wesentliches Zubehör<br />

Stativ: In der Wildlife-<br />

Fotografi e ist es nicht<br />

immer möglich, mit<br />

Stativ zu arbeiten, doch<br />

wenn möglich, sollten<br />

Sie es tun – wenn sie aus dem Versteck<br />

heraus fotografi eren zum Beispiel.<br />

Lange Teleobjektive sind schwer. Sie<br />

mitsamt Kamera über längere Zeit in<br />

der Hand zu halten, artet schnell in<br />

wirkliche Arbeit aus, ganz abgesehen<br />

davon, dass das Verwacklungsrisiko<br />

sehr hoch ist.<br />

Stativkopf: Auch die<br />

Wahl des Stativkopfs ist<br />

wichtig. Konventionelle<br />

Drei-Wege-Köpfe sind<br />

mit dem Gewicht und der<br />

Hebelwirkung langer Teleobjektive<br />

schnell überfordert. Praktisch ist eine<br />

Objektiv-Ringhalterung, die am<br />

Objektiv befestigt wird und über ein<br />

Stativgewinde verfügt. Eine solche<br />

Halterung sorgt für eine viel bessere<br />

Balance beim Schwenken und Neigen<br />

der Kamera. Am besten ist jedoch eine<br />

kardanische Aufhängung der Kamera<br />

auf dem Stativ, wobei der zentrale<br />

Dreh- und Schwenkpunkt mit dem<br />

Schwerpunkt des Gesamtsystems von<br />

Kamera und Objektiv zusammenfällt<br />

– eine perfekte Kombination, um<br />

schnelle Bewegungen zu verfolgen.<br />

Ein kardanischer Stativkopf ist nicht<br />

billig, aber langfristig eine gute<br />

Investition, wenn sie sich der<br />

Wildlife-Fotografi e verschrieben<br />

haben.<br />

Bohnensack: Ein<br />

Bohnensack bietet eine<br />

überraschend<br />

komfortable Basis für<br />

Ihre Kamera, wenn er auf<br />

einer stabilen Oberfl äche aufl iegt.<br />

Power Grip: Ein<br />

zusätzlicher Griff erhöht<br />

die Stabilität Ihrer<br />

Kamera und erlaubt<br />

zudem schnellere<br />

Serienbildaufnahmen. Dies ist sehr<br />

nützlich, wenn Sie Actionfotos<br />

machen, beispielsweise Vögel im Flug.<br />

Ein solcher Griff enthält zusätzliche<br />

Batterien und verbessert das Handling<br />

der Kamera. Außerdem verfügt er über<br />

einen extra Auslöseknopf für<br />

Aufnahmen im Hochformat.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 079


ERSTE<br />

SCHRITTE<br />

Wildlife – Aufnahmetechnik<br />

WENN SIE GUTE Wildlife-Fotos bekommen wollen,<br />

muss Ihre Aufnahmetechnik ebenso gut sein. Sie<br />

müssen sehr schnell arbeiten und reagieren können.<br />

Außerdem müssen Sie das Verhalten der Tiere kennen,<br />

die Sie fotografieren, und mit welchen Tricks Sie sie<br />

näher an die Kamera locken können. Am wichtigsten<br />

ist aber Ihre Geduld, denn diese wird auf harte Proben<br />

gestellt.<br />

IM GELÄNDE: Die meisten frei lebenden Tiere<br />

halten verständlicherweise nicht viel von uns<br />

Menschen. Das größte Problem für uns besteht<br />

deswegen darin, überhaupt auf Fotodistanz an sie<br />

heranzukommen. Verfolgen und anschleichen ist<br />

oftmals die einzige praktikable Methode, besonders<br />

bei größeren Säugetieren, bei Hirschen<br />

beispielsweise. Die Morgendämmerung ist die beste<br />

Zeit des Tages, die Pirsch zu beginnen, wenn viele<br />

Tiere mit der Nahrungssuche beschäftigt sind. Auch<br />

das Licht ist morgens am besten. Reduzieren Sie die<br />

Ausrüstung, die Sie tragen müssen, auf ein Minimum.<br />

Die Kamera und ein einziges Objektiv werden<br />

normalerweise ausreichen. Ein Bohnensack und ein<br />

Einbeinstativ dienen der Fixierung der Kamera, denn<br />

ein Dreibeinstativ ist fast immer zu unhandlich.<br />

Wenn Sie Ihr Motiv gefunden haben, schauen Sie sich<br />

ihre Umgebung genau an und stellen Sie die<br />

Windrichtung fest. Säugetiere haben einen<br />

bemerkenswert gut ausgeprägten Geruchssinn,<br />

deswegen müssen Sie sich gegen den Wind<br />

anschleichen. Tragen Sie einen Tarnanzug,<br />

wenigstens aber Kleidung in gedeckten, dunklen<br />

Farben. Sie sollten übrigens vermeiden, Ihren<br />

„Jagdanzug“ zu reinigen. Je „natürlicher“ Sie darin<br />

riechen, umso besser.<br />

Nähern sie sich in geduckter Haltung, wobei ihr<br />

Körper unterhalb der für das Tier sichtbaren<br />

Horizontlinie bleiben muss. Nutzen Sie die<br />

vorhandene natürliche Deckung: Bäume, Büsche und<br />

Hecken. Bewegen Sie sich äußerst langsam und<br />

beobachten Sie das Tier dabei auf Anzeichen von<br />

Nervosität. Sieht es Sie direkt an, verharren sie<br />

regungslos – bewegen Sie sich erst wieder, wenn es<br />

wieder wegschaut. Wenn Sie das Tier verscheuchen,<br />

müssen Sie komplett von vorn anfangen. Es wird eine<br />

ganze Weile dauern, bevor Sie in die richtige Position<br />

kommen, um fotografieren zu können. Doch später,<br />

wenn Sie auf ein gelungenes Foto schauen können,<br />

werden Sie überzeugt sein, dass sich die Anstrengung<br />

gelohnt hat.<br />

DIE KAMERA: In der <strong>Natur</strong>fotografie kommen und<br />

gehen die Chancen auf ein gutes Foto blitzschnell<br />

vorbei. Falls Sie zu langsam reagieren oder für die<br />

Kameraeinstellungen zu lange brauchen, haben Sie es<br />

vermasselt. Sie müssen Ihre Kamera in und<br />

auswendig kennen, damit Sie die Einstellungen<br />

reflexartig vornehmen und ändern können. Üben Sie<br />

also die schnelle Bedienung Ihrer Kamera: Ändern der<br />

ISO-Empfindlichkeit, Ändern des AF-Modus, der<br />

Verschlusszeit und des Schärfepunkts. All das muss<br />

blitzschnell erfolgen, wobei Sie die Kamera nicht vom<br />

Auge nehmen sollten. Sie müssen an den Punkt<br />

kommen, an dem Sie die wichtigsten Einstellungen<br />

ändern können, ohne darüber nachdenken zu<br />

müssen, ähnlich wie Sie beim Autofahren die Gänge<br />

automatisch wechseln, ohne dass ihnen dies bewusst<br />

ist.<br />

DAS MOTIV: Wildlife-<strong>Fotografie</strong> unterscheidet<br />

sich sehr von anderen Genres der <strong>Fotografie</strong>. Sie<br />

erfordert wirkliches Engagement und ein umfassendes<br />

Wissen über die Tiere, hinter denen Sie her sind.<br />

Informieren Sie sich online und besorgen Sie sich<br />

Literatur über das Verhalten der Tiere. Am wichtigsten<br />

dabei sind das Wissen um deren bevorzugten Habitate<br />

und um das Essverhalten. Gibt es typische<br />

Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die Sie sich zu<br />

Nutze machen könnten.? Welche Jahreszeit eignet<br />

sich am besten, um dieses spezielle Tier zu<br />

fotografieren? Steht es unter Artenschutz? Machen Sie<br />

also Ihre Hausaufgaben bevor Sie losziehen. Diese<br />

Kenntnisse sind eine unschätzbare Hilfe und sparen<br />

langfristig viel Zeit.<br />

KÖDERN: Verfolgen und Anschleichen kann zum<br />

gewünschten Erfolg führen, doch es bleibt immer ein<br />

Unsicherheitsfaktor von wenigstens 50%. Eine<br />

WILDLIFE-FOTOGRAFIE<br />

Erfolgsgarantie gibt es nicht, denn selbst wenn Sie ein<br />

Tier aufgespürt haben, ist noch lange keine Fotos im<br />

Kasten. Eine andere, zuverlässigere Methode ist das<br />

Benutzen von Ködern, um die Tiere nahe an Ihr<br />

Versteck zu locken. In der Praxis benutzen Sie eine<br />

vorhandene Futterstelle, in der Nähe Sie Ihr Versteck<br />

aufgebaut haben. Das hat auch den Vorteil, dass Sie<br />

eine viel bessere Kontrolle über die Lichtverhältnisse<br />

haben und den Hintergrund bestimmen können, je<br />

nachdem wo Sie Ihr Versteck positionieren.<br />

Vögel sind am einfachsten zu ködern, und der eigene<br />

Hintergarten oder der eines Freundes sind so gut wie<br />

jeder andere Ort für dieses Vorhaben. Die Futterstation<br />

braucht nur aus einem Pfahl mit einem oder zwei<br />

Fettfutter-Klumpen zu bestehen. Damit Ihre Bilder<br />

natürlich wirken, befestigen Sie entsprechende<br />

Requisiten zusätzlich an dem Pfahl – einen bemoosten<br />

Zweig zum Beispiel oder einen, der mit Beeren<br />

bewachsen ist oder noch Blüten trägt. Das eröffnet<br />

Ihnen eine ganze Reihe von Möglichkeiten<br />

unterschiedlicher Bildkompositionen und fügt ihren<br />

Bildern attraktive Farbtupfer hinzu. Auch hier führt eine<br />

Perspektive auf Augenhöhe zu den natürlichsten<br />

Ergebnissen. Denken Sie auch an die Einfallsrichtung<br />

des Lichts, wenn Sie die Futterstelle einrichten.<br />

Idealerweise gibt es an der Stelle, an der sich ein Vogel<br />

niederlassen soll, sehr viel Licht. Dahinter befindet sich<br />

idealerweise auf den nächsten zehn Metern gar nichts.<br />

So bekommen Sie einen wunderschönen, diffusen<br />

Hintergrund, der keinerlei störende Elemente aufweist.<br />

Ihr Versteck sollte etwa drei Meter entfernt stehen.<br />

Wenn sich die Vögel daran gewöhnt haben und ihre<br />

Futterstation regelmäßig besuchen, können Sie das<br />

Versteck benutzen und Ihre Fotos schießen.<br />

Den Trick mit dem Köder können Sie natürlich auch bei<br />

anderen Tierarten anwenden – Sie können zum<br />

Beispiel Aas in einem Feld auslegen, um einen Fuchs<br />

und vielleicht sogar einen Raubvogel anzulocken.<br />

Raubtiere gewöhnen sich sehr schnell an solche<br />

kostenlosen Mahlzeiten. Wenn Sie die gewünschten<br />

Fotos im Kasten haben, sollten Sie daher weiterhin an<br />

der betreffenden Stelle Köder auszulegen, deren Menge<br />

aber stetig reduzieren, bis der Ort für die Tiere wieder so<br />

uninteressant geworden ist, wie er vorher war.<br />

Wildlife-Setup<br />

BELICHTUNGSPROGRAMM: Die<br />

Verschlusszeit ist entscheidend, wenn Sie Vögel<br />

und Säugetiere fotografieren wollen. Benutzen<br />

Sie also die Blendenautomatik und stellen Sie<br />

mindestens 1/250 Sekunde ein. Unterschreiten<br />

Sie diese Zeit nicht.<br />

ISO-EMPFINDLICHKEIT: Halten Sie den<br />

ISO-Wert so niedrig wie möglich, um<br />

Bildrauschen zu vermeiden. Angesichts der<br />

Leistungsfähigkeit moderner Kameras erhalten<br />

Sie zwar auch mit ISO 1600 bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen noch akzeptable<br />

Bildqualität, aber denken Sie daran:<br />

Die Verschlusszeit hat absolute Priorität!<br />

SCHARFSTELLEN: Benutzen Sie den<br />

Autofokus. Heutige AF-Systeme sind extrem<br />

leistungsfähig und schnell. Der Einzelbild-AF ist<br />

angebracht für unbewegliche Motive oder sehr<br />

langsame Objekte. Bei sich schnell<br />

bewegenden Motiven schalten Sie dem<br />

Autofokus die Funktion „Verfolgen“ oder<br />

„Nachführen“ zu. Dann wird die Kamera das<br />

Objekt verfolgen und unabhängig von dessen<br />

Position kontinuierlich darauf scharfstellen.<br />

080 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Checkliste: Wildlife<br />

Oben: Mit Geduld und<br />

Können werden Sie bald<br />

eindrucksvolle Tierfotos in<br />

freier Wildbahn schießen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

❏ Kurze Verschlusszeiten sind<br />

ganz wesentlich, idealerweise<br />

unter 1/500 Sekunde, damit<br />

das Motiv eingefroren wird und<br />

kein Verwackeln möglich ist.<br />

❏ Tempo ist entscheidend.<br />

Tiere stehen selten für lange<br />

Zeit still, daher müssen<br />

Bildkomposition und<br />

Scharfstellen schnell und<br />

effizient erfolgen.<br />

❏ Stellen Sie per Autofokus auf<br />

die Augen scharf. Sind diese<br />

nicht voll im Fokus, ist das Foto<br />

verdorben.<br />

❏ Seien Sie früh vor Ort und<br />

fotografieren Sie in den Abend<br />

hinein. Zu Anfang und Ende des<br />

Tages sind die Lichtverhältnisse<br />

am besten, und die tief<br />

stehende Sonne erlaubt Fotos<br />

im Gegenlicht oder Silhouetten<br />

als Motive.<br />

❏ Wichtig ist auch der<br />

Kamerawinkel: Oft ist ein<br />

Kamerastandpunkt auf<br />

Augenhöhe am besten, denn so<br />

entsteht eine natürlich wirkende<br />

Perspektive.<br />

BILDMODUS: Für Tiere in schneller Bewegung – beispielsweise<br />

Vögel im Flug – sollten Sie schnelle Bildserien schießen. Die meisten<br />

Kameras schaffen mehr als vier Aufnahmen pro Sekunde. Das erhöht<br />

Ihre Chancen auf mindestens ein gutes Foto pro Serie.<br />

SPEICHER: In der Wildlife-<strong>Fotografie</strong> ist die Erfolgsquote,<br />

ausgedrückt im Verhältnis gelunger Fotos zur Gesamtzahl der<br />

Aufnahmen, ziemlich schlecht. Es kann durchaus sein, dass Sie ein paar<br />

Dutzend Bilder machen und nur eines oder zwei davon verwenden<br />

können. Ihre Speicherkarten werden schnell voll sein, benutzen Sie<br />

deshalb Karten mit Kapazitäten von 16 bis 32GB, damit Sie während<br />

der Arbeit nicht dauernd wechseln müssen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 081


ERSTE<br />

SCHRITTE<br />

Parks und<br />

Wälder<br />

AUF DER PIRSCH NACH frei lebenden Tieren?<br />

Es gibt kaum bessere Orte, sie anzutreffen als in<br />

Parks und Wäldern. Es gibt eine Vielzahl von<br />

<strong>Natur</strong>parks und Waldgebieten, die bewirtschaftet<br />

werden, um die natürliche Artenvielfalt zu<br />

erhalten. Dort finden Sie Hirsche, Rehe,<br />

Eichhörnchen und eine ganze Reihe<br />

unterschiedlicher Vogelarten.<br />

Ganz gleich, ob Sie in der Stadt oder auf dem<br />

Land wohnen, ein <strong>Natur</strong>park oder größeres<br />

Waldgebiet befindet sich immer in der Nähe.<br />

Besonders in Parks können Sie Ihre<br />

fotografischen Fähigkeiten verbessern; viele<br />

bieten auch große Teiche und Seen mit Enten<br />

und Schwänen. Die Tiere sind in der Regel<br />

an menschliches Treiben gewöhnt, denn<br />

Sie sehen uns jeden Tag als<br />

Spaziergänger, Jogger und Radfahrer.<br />

Für Fotografen ist das ein<br />

unschätzbarer Vorteil, denn die<br />

Toleranzzone der Tiere, bevor der<br />

Fluchtreflex ausgelöst wird, ist<br />

wesentlich größer als bei Tieren, denen<br />

Menschen fremd sind. Deswegen können<br />

wir uns Ihnen auf sehr kurze Entfernung<br />

nähern. Ein 70–300mm Zoomobjektiv ist allen<br />

denkbaren Situationen eines <strong>Natur</strong>parks<br />

gewachsen, auch bei größeren Tieren wie<br />

Hirschen.<br />

Hirsche sind großartige Tiere; sie sind äußerst<br />

eindrucksvoll, besonders im Spätsommer und<br />

im Herbst, wenn das Geweih vollständig<br />

entwickelt ist. Manche Wildparks sind so groß,<br />

dass die Tiere eigentlich wie in freier Wildbahn<br />

leben, ohne jedoch deren Gefahren ausgesetzt<br />

zu sein. Wenn Sie einen Park regelmäßig<br />

besuchen, werden Sie schnell feststellen, dass es<br />

bestimmte Orte gibt, an denen Hirsche oft<br />

anzutreffen sind. Kehren Sie regelmäßig unter<br />

den richtigen Lichtverhältnissen an diese Orte<br />

zurück, und folgen Sie dem von Ihnen als Motiv<br />

auserkorenen Tier vorsichtig. Stellen Sie eine<br />

weit offene Blende ein, etwa f/4. So erhalten Sie<br />

nicht nur eine kurze Verschlusszeit, sondern<br />

auch einen flachen Schärfentiefebereich,<br />

wodurch sich ihr Motiv gut von seiner<br />

Umgebung abhebt. Vielleicht haben Sie die<br />

Möglichkeit, das Tier morgens oder abends als<br />

Silhouette gegen einen farbenprächtigen<br />

Himmel zu fotografieren, vorzugsweise etwas<br />

erhöht auf einem Hügel. Solche Fotos sehen sehr<br />

eindrucksvoll aus.<br />

In <strong>Natur</strong>parks können Sie auch kleinere<br />

Säugetiere wie Eichhörnchen und Hasen<br />

fotografieren. Hasen sitzen oft genug mitten auf<br />

einer Lichtung oder am Rand einer Wiese. Bei<br />

einem solchen Motiv haben sich niedrige<br />

Kamerastandpunkte bewährt; dazu müssen Sie<br />

sich im Gras auf den Bauch legen, wenn Sie<br />

interessante, natürlich aussehende Fotos<br />

bekommen wollen. Ein Bohnensack bietet in<br />

dieser Situation die beste Möglichkeit, die<br />

Kamera zu fixieren. Frühes Morgen- oder<br />

Abendlicht sind ideal für Hasenporträts, denn<br />

dann haben die Bilder einen attraktiven warmen<br />

HINWEIS<br />

Wenn Ihre Wildlife-Fotos sich<br />

von der Masse abheben sollen,<br />

schießen Sie nicht immer die<br />

gleichen Porträts, sondern<br />

versuchen Sie ein typisches<br />

Verhalten der Tiere einzufangen<br />

– beispielsweise ihren Gang oder<br />

ihr Fressverhalten.<br />

„Ganz gleich, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen, ein<br />

<strong>Natur</strong>park oder größeres Waldgebiet befindet sich immer in der<br />

Nähe. Besonders in Parks können Sie Ihre fotografischen<br />

Fähigkeiten verbessern.“<br />

Grundton. Tatsächlich ist Gegenlicht fast bei allen<br />

ein Fell tragenden Tieren ideal, denn es erzeugt<br />

einen feinen Glanz um deren Konturen herum.<br />

Leider erhöht Gegenlicht auch das Risiko von<br />

Streulicht, verwenden Sie deswegen immer eine<br />

Gegenlichtblende.<br />

Wenn Sie Eichhörnchen fotografieren wollen,<br />

finden Sie sie wahrscheinlich im nächst<br />

gelegenen Wald. Wälder sind ein großartiges<br />

Stück <strong>Natur</strong>. Sie bieten vielen Kreaturen Heimat<br />

und Schutz. Doch viele von ihnen sind sehr<br />

scheu, nachtaktiv und tagsüber gut versteckt,<br />

wie Dachse und Eulen beispielsweise. Im<br />

Gegensatz dazu sind Eichhörnchen geradezu<br />

vertrauensselige Tiere. Im Spätsommer und im<br />

Herbst sind sie oft so beschäftigt mit dem<br />

Anlegen Ihres Wintervorrats, dass Sie sich Ihnen<br />

relativ problemlos auf eine komfortable<br />

Foto-Distanz nähern können. Sie verharren<br />

WILDLIFE-FOTOGRAFIE<br />

jedoch selten lange an einer Stelle. Sie müssen<br />

also schnell sein und sofort auf ihr Verhalten<br />

reagieren – Bildkomposition, scharfstellen und<br />

abdrücken müssen ohne weiteres Nachdenken<br />

reflexartig ablaufen. Auch hier ist ein Telezoom<br />

das passende Objektiv, das Ihnen die meiste<br />

Flexibilität bietet. Aufnahmen von Eichhörnchen,<br />

die am Boden nach einer Nuss suchen, sollten<br />

von einem niedrigen Standpunkt aufgenommen<br />

werden. Die schönsten Motive bieten<br />

Eichhörnchen, wenn sie gerade hinter einem<br />

Baumstamm hervorschauen oder eine Eichel<br />

blitzschnell in den kleinen Pfoten drehen. Der<br />

Nachteil solcher Fotos in Bodennähe besteht<br />

darin, dass die Lichtverhältnisse oft nicht allzu<br />

gut sind. Wählen Sie daher eine etwas höhere<br />

ISO-Empfindlichkeit, die Ihnen eine<br />

Verschlusszeit beschert, die den schnellen<br />

Bewegungen der kleinen Tiere angemessen ist.<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO<br />

082 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Wildlife im Park<br />

Verbringen Sie einen oder zwei Tage in<br />

einem <strong>Natur</strong>park oder einem größeren<br />

Waldgebiet – Sie werden überrascht<br />

sein über die Artenvielfalt, die Sie dort<br />

antreffen.<br />

Immer einen Versuch wert...<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

HIRSCH: Viele Wildparks<br />

bieten dem Damwild eine Heimat,<br />

wobei der Herbst die schönste Zeit<br />

zum <strong>Fotografie</strong>ren ist. Während der<br />

Brunftzeit konkurrieren die Hirsche<br />

miteinander. Sie röhren<br />

eindrucksvoll und kämpfen um die<br />

Weibchen, ein Verhalten, das sehr<br />

schön fotografiert werden kann.<br />

Bleiben sie jedoch in größerer<br />

Entfernung; das bedeutet eine<br />

Brennweite von wenigstens<br />

300mm. Ein nebliger<br />

Herbstmorgen gibt einem solchen<br />

Bild Atmosphäre und macht ihre<br />

Fotos authentisch.<br />

SPECHT:<br />

Die einfachste Möglichkeit, einen<br />

Specht anzulocken, besteht darin,<br />

eine Futterstelle einzurichten.<br />

Suchen Sie sich einen bemoosten<br />

Ast und bringen Sie ihn nah bei<br />

einem Futterhäuschen an. Bohren<br />

Sie Löcher in die Seite des Astes,<br />

die der Kamera abgewandt ist, und<br />

stecken sie Erdnüsse hinein. Diese<br />

sollten Spechte anlocken, sodass<br />

Sie Gelegenheit für natürlich<br />

wirkende Motive haben.<br />

WILDKANINCHEN: Kaninchen<br />

gehören zu den am leichtesten zu<br />

findenden Tieren. Es gibt sie<br />

praktisch überall in freier <strong>Natur</strong>, und<br />

selbstverständlich auch in gehegten<br />

Parks und Waldgebieten. Legen Sie<br />

sich flach auf den Boden, etwa zehn<br />

Meter vor dem Eingang eines<br />

Kaninchenbaus, und tarnen Sie sich<br />

mit Zweigen oder einem Tarnnetz.<br />

Gehen Sie kurz vor Tagesanbruch in<br />

Stellung, dann können Sie die Tiere<br />

fotografieren, wenn sie beim ersten<br />

Tageslicht aus dem Bau kommen.<br />

Benutzen Sie eine Brennweite von<br />

wenigstens 300mm, um den<br />

Bildausschnitt zu füllen.<br />

WALDKAUZ: Obwohl<br />

nachtaktiv, können Sie den<br />

Waldkauz auch tagsüber zu<br />

Gesicht bekommen, besonders im<br />

späten Frühling und Frühsommer,<br />

wenn sein Nachwuchs kommt.<br />

Wenn dieser flügge wird, können<br />

Sie die kleinen Vögel auf höher am<br />

Baum wachsenden Zweigen<br />

ausmachen, wo sie oft längere Zeit<br />

bewegungslos sitzen. Hier sind<br />

Brennweiten ab 400 mm gefragt.<br />

Als Stativ ist ein ‚Einbein‘ zu<br />

empfehlen, weil es Ihre<br />

Bewegungsfähigkeit nicht<br />

einschränkt.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 083


ERSTE<br />

SCHRITTE<br />

Wasserlandschaften<br />

WO WASSER IST, da ist Leben. Teiche, Seen,<br />

Flüsse, Kanäle, Flussmündungen und<br />

Sumpfgebiete sind Lebensraum für eine<br />

Vielzahl von Kreaturen – kleine und große.<br />

Schon ein bescheidener Gartenteich wird<br />

schnell zum Habitat für Frösche, Libellen und<br />

vieles andere, was da kreucht und fl eucht. Es<br />

gibt nur wenige bessere Orte zum Fotografi eren<br />

der <strong>Natur</strong> als an einem Ufer, dem Übergang<br />

vom Wasser zum Land.<br />

Sümpfe und Moore sind Heimat für Myriaden<br />

von Insekten, für Reptilien, Vögel, und<br />

Säugetiere, Otter, Wühlmäuse, Watvögel,<br />

Amphibien, Ringelnattern und Biber, um nur<br />

wahllos einige aufzuzählen. In größeren<br />

Moorreservaten sind getarnte<br />

Aussichtsplattformen für die Besucher<br />

eingerichtet, von denen aus sie fotografi eren<br />

können, doch meistens befi nden sich diese<br />

Verstecke in einer erhöhten Position. Das führt<br />

leider dazu, dass die von dort geschossenen<br />

Fotos eine unnatürliche Perspektive haben.<br />

Doch viele Vögel sind inzwischen so sehr an<br />

Menschen gewöhnt, dass sie sie relativ nah<br />

heran lassen. Zu ihnen gehören Moorhühner,<br />

Gänse und Wasserhühner, sogar manche<br />

Reiher-Arten. Falls die freie Sicht nicht durch<br />

Vegetation behindert wird, erhalten Sie einen<br />

sehr guten Blickwinkel auf Vögel, wenn Sie sich<br />

in der Nähe eines Ufers auf den Boden legen.<br />

Benutzen Sie die Ellbogen oder einen<br />

Bohnensack, um die Kamera zu stabilisieren<br />

und liegen sie so ruhig wie möglich. Eine<br />

Brennweite von 300-400 Millimetern sollte<br />

ausreichen, trotzdem kann sich noch ein<br />

Telekonverter als nützlich erweisen. Die<br />

Verschlusszeiten sollten jenseits von 1/500<br />

Sekunde liegen. Setzen Sie die ISO-<br />

Empfi ndlichkeit herauf, um solche<br />

Verschlusszeiten zu erreichen, wenn die<br />

Lichtverhältnisse es erfordern. Im Wasser auf<br />

und ab dümpelnde Vögel ergeben besonders<br />

schöne Motive, wobei das Wasser einen<br />

farbigen Hintergrund abgibt, wenn sich<br />

beispielsweise das Abendrot<br />

darin spiegelt. Nach einer<br />

klaren, stillen Nacht bildet sich<br />

vielleicht sogar etwas<br />

Morgennebel, der über dem<br />

Wasser treibt. Um den einzufangen,<br />

müssen Sie allerdings sehr früh in<br />

Position sein, schon vor dem ersten<br />

Tageslicht.<br />

Doch nicht nur Vögel können im Moor<br />

fotografi ert werden, auch Otter und Wühlmäuse<br />

sind an Tümpeln und Wasserwegen<br />

anzutreffen. Leider sind sie sehr scheu, und Sie<br />

müssen viel Zeit aufwenden, um sie zu fi nden<br />

und zu fotografi eren. Amphibien und Libellen<br />

sind wesentlich zugänglichere Kreaturen und<br />

insofern bessere Motive für <strong>Natur</strong>fotografen mit<br />

weniger Zeit und weniger optimierter<br />

Ausrüstung. Frösche sind großartige Motive,<br />

und Sie sind oft in Gärten unter langem,<br />

feuchtem Gras anzutreffen. Am einfachsten<br />

fi nden Sie sie im Frühling, wenn Sie zu den<br />

Teichen zurückkehren, um zu brüten. Die beste<br />

Taktik ist dann, sich ans Ufer zu knien und auf<br />

einzelne Exemplare zu warten, bis sie den Kopf<br />

aus dem Wasser strecken, um zu atmen. Mit<br />

einem Makroobjektiv oder einer Nahlinse<br />

bekommen Sie sie formatfüllend ins Bild. Falls<br />

die Lichtverhältnisse schlecht sind, benutzen<br />

Sie einen Makroblitz, um eine gute Belichtung<br />

zu erzielen. Der Blitz hilft außerdem, einen<br />

größeren Schärfentiefebereich zu erzielen, und<br />

erzeugt attraktive Refl exe im Auge und auf der<br />

feuchten Haut des Frosches.<br />

In Feuchtgebieten gibt es auch interessante,<br />

farbenfrohe Insekten zu entdecken. Die Libelle<br />

ist nur eine der vorkommenden Arten, die<br />

großartige Motive abgeben. Bei Tagesanbruch<br />

sind ihre Flügel vielleicht noch mit Tau bedeckt<br />

und glänzen. Auch für eine solche Aufnahme<br />

müssen Sie Ihren Wecker sehr früh stellen.<br />

Durchsuchen Sie die Vegetation und das lange<br />

Gras in der Nähe eines Ufers. Für das Foto ist<br />

ein Makroobjektiv eindeutig die beste Wahl.<br />

Moore und Sumpfgebiete in Deutschland<br />

SEIEN SIE<br />

KREATIV!<br />

Sobald Sie etwas mehr Erfahrung<br />

haben, ist es an der Zeit, kreative<br />

Ideen auszuprobieren. Sie können<br />

Vögel im Flug erwischen, ebenso<br />

Watvögel an einem Strand, die sich vor<br />

der Flut davon machen. Für<br />

Bewegungs- und Unschärfeeffekte<br />

benutzen sie eine längere<br />

Verschlusszeit.<br />

Tiere im Wasser ergeben<br />

großartige Motive – sofern die<br />

Wasseroberfläche ruhig ist und<br />

eine farbige Umgebung spiegelt.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ISTOCK PHOTO<br />

OTTER: Im moorreichen Schleswig-Holstein<br />

liegt die Eider-Treene-Sorge-Niederung, und dort<br />

befindet sich beim Dorf Schwabstedt das Wilde<br />

Moor, das nunmehr seit den 1980er-Jahren<br />

renaturiert wird. Hier gibt es viele Wiesenvögel<br />

wie den Brachvogel, aber auch versteckt<br />

lebende Sumpfbewohner. Durch das Gebiet<br />

führt ein Moorlehrpfad.<br />

www.eider-treene-sorge.de<br />

PEENETAL: Nahe den Inseln Rügen und Usedom<br />

liegt der so genannte Amazonas des Nordens: Um die<br />

Peene herum erstreckt sich eines der besterhaltenen<br />

Niedermoorgebiete in Mitteleuropa. Hier leben unter<br />

anderem Otter, Biber und sogar drei Arten von Adlern.<br />

Der ehemalige Polder Menzlin ist ein guter<br />

Ausgangspunkt; dort können Sie auch ein Paddelboot<br />

leihen, um das Gebiet zu erkunden. Der <strong>Natur</strong>schutz-<br />

Förderverein bietet auch Exkursionen an.<br />

www.naturschutz-peenetal.de, www.abenteuerflusslandschaft.de<br />

TEUFELSMOOR: Dieses legendäre Moor wurde<br />

durch zahllose Landschaftsmaler des<br />

Künstlerdorfes Worpswede in ganz Deutschland<br />

bekannt. Heute sind nur noch Reste des<br />

Moorgebietes übrig, unter anderem in Form des<br />

Huvenhoopsmoors bei Gnarrenburg. Zu empfehlen<br />

sind außerdem die geführten Wanderungen,<br />

Radtouren und Moorkahn-Fahrten der Biologischen<br />

Station Osterholz. Unter www.kulturlandteufelsmoor.de<br />

können Sie aus dem Pressebereich<br />

umfangreiches Informationsmaterial herunterladen.<br />

084 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


WILDLIFE-FOTOGRAFIE<br />

ROTES UND SCHWARZES MOOR:<br />

Auch in den Mittelgebirgen gibt es Moore,<br />

beispielsweise in der Rhön. Das Rote Moor<br />

wurde zwar größtenteils durch Torfstecherei<br />

trockengelegt, in den Randbereichen ist es aber<br />

unberührt und steht heute unter <strong>Natur</strong>schutz.<br />

Der Rundweg, auf weiten Strecken mit<br />

Holzbohlen befestigt, ist ein beliebtes<br />

Ausflugsziel.<br />

www.rhoentourist.de/rotes-moor-rhoen.html<br />

ISTOCK PHOTO<br />

DONAUMOOS: Früher war es das größte<br />

Niedermoor Süddeutschlands. Das bayerische<br />

Donaumoos hat zwar seitdem es trockengelegt<br />

wurde seinen Moorcharakter weitgehend<br />

verloren, doch ein Besuch lohnt sich dennoch.<br />

Beim „Haus im Moos“ in Karlshuld gibt es<br />

<strong>Natur</strong>erlebnispfade, ein Freilichtmuseum und<br />

eine Biberauffangstation. Kaum sonst wo<br />

kommen Sie so nah an die Tiere heran.<br />

www.haus-im-moos.de<br />

ROSS HODDINOTT ROSS HODDINOTT<br />

Seevögel<br />

UNSERE KÜSTEN bilden ein<br />

hervorragendes Habitat für zahlreiche<br />

Seevögel. Wenn Sie eine Tagestour nach<br />

Helgoland machen, werden Sie<br />

Papageientaucher, Tölpel und<br />

ausgewachsene Seemöwen vor die Linse<br />

bekommen; mit etwas Glück gelingen<br />

sogar Bilder, wenn sie einen Fisch im<br />

Schnabel halten. Inselvögel sind<br />

normalerweise recht tolerant für die Nähe<br />

des Menschen. Mit einer Brennweite von<br />

300 mm sollten schöne Portraits möglich<br />

sein, wobei Sie aber nicht von den<br />

markierten Fußwegen abweichen dürfen.<br />

Schalten Sie den Autofokus auf<br />

„Nachführen“ und schießen Sie lange<br />

Bildserien, wodurch sich die Chance für<br />

ein gutes Foto erhöht. Halten Sie sie<br />

Verschlusszeiten so kurz wie möglich, um<br />

die Bewegungen der Vögelscharf<br />

abzubilden.<br />

In den Wintermonaten bieten auch das<br />

Watt, Flussmündungen und<br />

Küstenregionen gute Kulissen für<br />

staunenswerte <strong>Natur</strong>fotos. Überall dort,<br />

wo Nahrung im Überfluss vorhanden ist,<br />

werden Sie große Schwärme von<br />

Watvögeln und Zugvögeln finden. Die<br />

Watvögel werden unablässig nach einem<br />

leckeren Bissen im Watt herumstochern.<br />

Nähern sie sich ihnen vorsichtig und<br />

benutzen Sie wenn möglich eine<br />

natürliche Deckung. Wenn Sie einen<br />

Vogel aufgeschreckt haben und er<br />

Anstalten macht, davonzufliegen, bleiben<br />

sie regungslos stehen und warten Sie ab.<br />

Vielleicht überlegt er es sich noch einmal<br />

und widmet sich wieder seinem<br />

Festessen.<br />

Stative sind für solche Motive eher<br />

unpraktisch, die bessere Lösung sind ein<br />

Bohnensack oder ein Einbeinstativ.<br />

Wenn Sie nah an der Küste arbeiten,<br />

beachten Sie auch stets den Wasserstand!<br />

Falls die Flut hereinkommt, sollten Sie<br />

sich am besten einen Standort suchen,<br />

wo Sie bequem abwarten können, bis die<br />

Vögel sich auf dem Rückzug vor dem<br />

steigenden Wassers Ihrer Position nähern<br />

– eine sehr effektive Strategie, um Ihr<br />

Motiv auf sich zukommen zu lassen,<br />

anstatt ihm hinterher zu jagen.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 085


ERSTE<br />

SCHRITTE<br />

WILDLIFE-FOTOGRAFIE<br />

Ein Tag im Zoo<br />

DA EINE FOTOSAFARI IN AFRIKA FÜR DIE MEISTEN VON UNS ZU<br />

KOSTSPIELIG IST, MÜSSEN WIR AUF ZOOS ODER WILDPARKS<br />

AUSWEICHEN, UM EXOTEN WIE TIGER, AFFEN, ELEFANTEN UND<br />

GIRAFFEN ZU FOTOGRAFIEREN.<br />

Zum Glück gibt es bei uns reichlich davon – vom<br />

kleinen Privatzoo mit nur wenigen, speziellen<br />

Tierarten, bis zu Hagenbecks Tierpark. In solchen<br />

Anlagen haben Sie die Möglichkeit, hunderte<br />

Tierarten formatfüllend ins Bild zu bekommen: die<br />

größten Landsäuger – Elefanten und Nilpferde –<br />

ebenso wie Menschenaffen und Großkatzen.<br />

Größere Zoos haben auch Spezialgehege wie das<br />

Affenhaus, Aquarien für Robben und Seelöwen und<br />

Terrarien für eine Vielzahl von Reptilien und<br />

Amphibien. Kleineren Zoos fehlt diese Vielfalt, doch<br />

die meisten beherbergen ein paar Großkatzen, Affen<br />

und eine Vielzahl exotischer Vögel.<br />

Die Tierarten mögen variieren; die fotografischen<br />

Herausforderungen, denen Sie sich für Aufnahmen<br />

im Zoo stellen müssen, sind jedoch überall praktisch<br />

gleich.<br />

Als störende Hindernisse zwischen Ihnen und Ihrem<br />

Motiv verhindern Eisengitter, Metallzäune oder dicke<br />

Glasscheiben die freie Sicht auf die Tiere. Wie Sie<br />

diese Hindernisse umgehen – wohlgemerkt: nur<br />

optisch mit der Kamera –, hängt davon ab, wie weit<br />

Sie auf der einen und das Tier auf der anderen Seite<br />

vom trennenden Hindernis entfernt sind.<br />

Idealerweise stehen Sie selbst möglichst nah davor,<br />

das Tier selbst jedoch ist einige Meter von ihm<br />

entfernt. Durch Einstellen einer weit offenen Blende<br />

können Sie einen Zaun aus dem Schärfebereich<br />

herausnehmen, so dass er auf dem Bild kaum noch<br />

wahrgenommen wird. Falls das Tier sich jedoch zu<br />

nah am Zaun befindet, können Sie diesen nicht aus<br />

dem Bild heraushalten. In diesem Fall müssen Sie<br />

später noch einmal wiederkommen oder warten, bis<br />

das Tier die Position gewechselt hat. In seltenen<br />

Fällen kann der Zaun aber auch bewusst zu einem<br />

Bildelement gemacht werden.<br />

Wenn Sie das Objektiv bei der Aufnahme gegen<br />

einen Maschendrahtzaun drücken, können Sie in<br />

den meisten Fällen den Autofokus angeschaltet<br />

lassen, denn er wird normal funktionieren. Falls Sie<br />

jedoch nur eine kurze Distanz vom Zaun entfernt<br />

stehen, wird der Autofokus darauf scharfstellen,<br />

nicht auf Ihr Motiv. In diesem Fall müssen Sie den Af<br />

ausschalten. Das gilt auch wenn Sie durch eine<br />

Glasscheibe fotografieren – falls Sie ganz nah dran<br />

sind, dürfte der Autofokus funktionieren, doch schon<br />

bei nur wenigen Zentimetern Abstand stellt er auf die<br />

durch die Glasscheibe verursachten Reflexionen<br />

oder auf ihr vorhandene Kratzer scharf, weswegen<br />

Sie auch hier manuell scharfstellen müssen.<br />

Bei schlechten Lichtverhältnissen in einem<br />

Terrarium kommen das Problem langer<br />

Verschlusszeiten und möglicherweise von<br />

Farbstichen durch die künstliche Beleuchtung<br />

hinzu. Diese Problemen können Sie jedoch mithilfe<br />

eines Stativs und Einstellen einer höheren<br />

ISO-Empfindlichkeit vermeiden. Nehmen Sie den<br />

Weißabgleich entsprechend der vorhandenen<br />

Kunstlichtquellen vor, die meistens aus Neonröhren<br />

bestehen. Wenn Sie sich nicht sicher sind,<br />

fotografieren Sie im Raw-Format und nehmen den<br />

Weißabgleich in der Nachbearbeitung vor. Das ist<br />

auch der einfachste Weg, Farbstiche wieder<br />

loszuwerden.<br />

Ein weiteres Problem, mit dem Sie sich besonders in<br />

kleinen Zoos auseinandersetzen müssen, sind<br />

andere Besucher. An Wochenenden und in den<br />

Schulferien wird es schwer sein, Ihr Setup vor den<br />

meistbesuchten Käfigen einzurichten, besonders<br />

wenn Sie dort mit einem Stativ hantieren müssen. In<br />

der Regel sind sie von einer dichten<br />

Menschenmenge umgeben und werden vermutlich<br />

mehr als einmal angerempelt. Um dies zu<br />

vermeiden, nehmen Sie sich einen Tag frei und<br />

besuchen Sie den Zoo Ihrer Wahl außerhalb der<br />

Stoßzeiten.<br />

Ausrüstung<br />

Was Sie an<br />

Ausrüstung<br />

brauchen,<br />

unterscheidet sich<br />

nicht sehr von dem,<br />

was sie ohnehin bei<br />

<strong>Natur</strong>aufnahmen<br />

bei sich haben: Ein<br />

55–200mm Objektiv erfüllt zwar seinen<br />

Zweck, doch je länger die Brennweite,<br />

desto besser. Nehmen Sie ein 70–300mm<br />

oder idealerweise ein 80–400mm<br />

Telezoom mit. Diese Bilder entstanden mit<br />

einem Sigma 120–400mm Objektiv auf<br />

einer Canon EOS 700D. Makroobjektive<br />

oder Nahfilter haben sich für Insektenfotos<br />

bewährt; im Aquarium ist man mit einem<br />

Standard-Zoom gut beraten.<br />

@350mm<br />

Tiere in Käfigen fotografieren<br />

BARRIEREN: Wenn ein Tier sich nah an der<br />

Barriere befindet, können Sie nichts dagegen tun,<br />

dass Gitterstäbe oder Zaunmaschen auf dem Bild<br />

zu sehen sind (s. oben). Finden Sie sich entweder<br />

damit ab oder warten Sie, bis das Tier seine<br />

Position ändert. Wenn Sie das Objektiv direkt<br />

gegen das Hindernis drücken (s. rechts) und eine<br />

große Blende benutzen, ist es im Bild nicht zu<br />

sehen.<br />

086 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Guten Morgen!<br />

Dieses Erdmännchen<br />

begrüßt einen neuen Tag.<br />

Bei Nahporträts fällt kaum<br />

auf, dass die Aufnahme<br />

nicht in freier Wildbahn<br />

entstand.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 087


Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de/shop


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Kabelloses Blitzsystem<br />

NEUE AUSRÜSTUNG – GERADE JETZT?<br />

Mal wieder Ebbe auf dem Konto? Die Begeisterung für die <strong>Fotografie</strong> ist ungebrochen, das Budget zur Anschaffung<br />

neuer Ausrüstung jedoch eher schmal? Dann stehen wohl kaum neue Objektive oder das neuste DSLR-Modell mit<br />

traumhafter Auflösung auf der Einkaufsliste.<br />

Gleichwohl gibt es viele Hersteller, die uns versprechen, sie würden unsere kreativen Möglichkeiten mit ihren<br />

Produkten zu fairen Preisen verbessern. Diese Behauptung erscheint angesichts der extrem niedrigen Preisen, zu<br />

denen solches Zubehör angeboten wird, zumindest fragwürdig. Kann das überhaupt etwas taugen? Wir haben<br />

einige der Produkte für Sie ausprobiert, um herauszufinden, was von den großen Versprechungen zu halten ist.<br />

DANIEL LEZANO<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 089


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Daniel Lezano<br />

Budget: 75 Euro<br />

Kabelloses Blitzsystem<br />

FÜR VIELE IST DAS Fotografi eren<br />

mit Blitzlicht immer noch<br />

unerforschtes Terrain. Obwohl<br />

heute die weit fortgeschrittene<br />

Kommunikation zwischen Kamera<br />

und Blitzgerät es leichter macht als je zuvor,<br />

mit Blitzgeräten gut belichtete Aufnahmen zu<br />

erhalten, tun sich viele immer noch sehr<br />

schwer. Deswegen scheuen sie auch die<br />

beträchtlichen Ausgaben für Blitzgeräte und<br />

das entsprechende Zubehör, das notwendig ist,<br />

wenn man mehr als nur einfachste<br />

Blitzlichtaufnahmen machen will.<br />

Schwierig wird es meist dann, wenn der Blitz<br />

von der Kamera entkoppelt, also extern genutzt<br />

werden soll. Die erste Hürde besteht darin zu<br />

entscheiden, wie man den Blitz auslösen soll.<br />

Folgende drei Methoden stehen zur Wahl:<br />

Die erste besteht darin, das Blitzgerät mit<br />

einem speziellen Blitzsynchronisationskabel<br />

mit der Kamera zu verbinden. Ein solches<br />

Kabel unterstützt sowohl ein manuelles<br />

Blitz-Setup als auch die TTL-Blitzmessung –<br />

falls ihr Blitzgerät dafür eingerichtet ist. Der<br />

größte Nachteil dieser Methode besteht darin,<br />

dass die Länge des Blitzsynchronisationskabels<br />

begrenzt ist.<br />

Die zweite Möglichkeit des Auslösens eines<br />

Blitzgeräts funktioniert optisch. Dabei wird das<br />

Blitzgerät in den „Slave-Modus“ geschaltet und<br />

durch den in der Kamera eingebauten Blitz<br />

oder ein aufgestecktes Blitzgerät ausgelöst. Ein<br />

großer Vorteil dabei ist, dass kein Kabel<br />

benötigt wird, was zu einer größeren Freiheit<br />

bei der Positionierung des Blitzgeräts führt.<br />

Doch es ist Sichtkontakt zwischen Kamera und<br />

Blitz erforderlich, und bei sehr hellem Licht<br />

kann es passieren, dass nicht mehr zuverlässig<br />

ausgelöst wird.<br />

Die dritte Möglichkeit besteht im Einsatz von<br />

Funkfernauslösern. Auch dabei gibt es<br />

selbstverständlich keine Kabel, die Entfernung<br />

zwischen Kamera und Blitzgerät ist nahezu<br />

beliebig – bis zu 100 Metern und mehr – und<br />

es ist kein Sichtkontakt zwischen Kamera und<br />

Blitzgerät erforderlich. Ein solches<br />

Fernauslöser-System besteht üblicherweise<br />

aus zwei Einheiten, einem Sender, der auf den<br />

Zubehörschuh der Kamera gesteckt wird und<br />

einer Empfängereinheit, auf der das Blitzgerät<br />

montiert wird. Inzwischen gibt es sogar<br />

Systeme, die aus zwei Transceivern bestehen.<br />

Das bedeutet, jede Einheit kann sowohl als<br />

Sender als auch als Empfänger agieren. Ganz<br />

gleich welchen Typ Sie bevorzugen, es können<br />

zusätzliche Auslöser hinzu gekauft werden,<br />

falls Sie mehrere von der Kamera entkoppelte<br />

Blitzgeräte steuern wollen. Theoretisch<br />

könnten sie damit dutzende Blitzgeräte<br />

zusammenschalten. In der Praxis dürften sich<br />

jedoch dabei die Kosten für Auslöser und<br />

Blitzgeräte als limitierender Faktor erweisen.<br />

Was aber, wenn Sie für die bescheidene<br />

Anatomie: Yongnuo Auslöser<br />

1) LED-Indikatoren: Eine einzeln grün leuchtende<br />

LED bedeutet, dass das Gerät bereit ist, zwei grüne<br />

LED bedeuten, dass die Einheiten miteinander<br />

kommunizieren, eine rot leuchtende LED bedeutet,<br />

dass der Auslöser aktiviert ist.<br />

2) Auslöseknopf: Mit ihm benutzen Sie die Einheit<br />

als drahtlosen Fernauslöser der Kamera.<br />

3) Zubehörschuh für das Blitzgerät: Über ihn wird<br />

das Blitzgerät ausgelöst, ob auf die Kamera<br />

aufgesteckt oder von der Kamera entkoppelt.<br />

4) PC-Buchse: Sie dient der Kabelverbindung<br />

zwischen Auslöser und Studioblitz.<br />

5) Ein- / Ausschalter<br />

6 Batteriefach: für zwei 2 AAA-Batterien oder 2<br />

AAA-Akkus<br />

7) Kanalwähler: Mit ihm werden alle Auslöser auf<br />

denselben Funkkanal eingestellt, damit sie<br />

miteinander kommunizieren können.<br />

8) Base-Zubehörschuh: Er wird auf den<br />

Zubehörschuh der Kamera gesteckt, wenn die<br />

Einheit als Sender benutzt wird. Wird sie als<br />

Empfänger benutzt, stecken Sie sie auf den<br />

Standfuß eines Blitzgeräts und das Blitzgerät auf<br />

die Einheit.<br />

Nicht abgebildet Fernauslösekabel: Das Kabel<br />

wird in die Fernauslöserbuchse der Kamera<br />

gesteckt, wenn eine Einheit als Fernauslöser<br />

verwendet werden soll. Für das entkoppelte Blitzen<br />

ist das Kabel nicht erforderlich.<br />

3<br />

1 1<br />

5<br />

2<br />

4<br />

6<br />

8<br />

7<br />

Oben: Ein Blitzgerät ist direkt hinter der Kapuze des<br />

Modells für die Kamera unsichtbar auf ein Stativ montiert,<br />

das andere befindet sich im Winkel von 45° davor.<br />

Beide Blitzgeräte werden durch den Fernauslöser an einer<br />

Canon EOS 550D synchron ausgelöst.<br />

Rechts: Das kleine Bild (Original) entstand zum Vergleich<br />

nur mit Tageslicht.<br />

Preiswerter Fernauslöser<br />

Yongnuo Digital<br />

RF-603C drahtloser<br />

Blitzauslöser<br />

Straßenpreis<br />

(2 Stück): 33 Euro<br />

€33<br />

Kamera-Kompatibilität: Es gibt zwei<br />

Versionen, deren einziger Unterschied in der<br />

Ausführung des Fernauslösekabels besteht.<br />

∞ RF-603C mit C1-Kabel:<br />

Kabel mit Ministecker, kompatibel mit:<br />

EOS: 60D; 450D; 500D; 550D; 600D;<br />

650D, 1000D; 1100D<br />

Pentax: K20D; K10D; K100D; K-7<br />

Samsung: GX-20; GX-10<br />

∞ RF-603C mit C3-Kabel:<br />

Kabel mit Universalstecker, kompatibel mit:<br />

EOS: 1D/Ds-Serie;, 5D-Serie; 7D; 10D; 20D;<br />

30D; 40D; 50D<br />

Hinweis: Beide RF-603C Sets können<br />

zusammen mit Kameras anderer Hersteller<br />

verwendet werden, wie im Artikel<br />

beschrieben. Nikon-Besitzer sollten die<br />

Version RF-603N wählen. Fast alle auf<br />

dem Markt befi ndlichen Blitzgeräte können<br />

benutzt werden.<br />

Reichweite: Bis zu 100 Meter<br />

Funkkanäle: Vier<br />

Mitgeliefertes Zubehör: 2 AAA-Batterien,<br />

Bedienungsanleitung<br />

Abmessungen: 155 x 40 x 18 mm<br />

090 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Kabelloses Blitzsystem<br />

DANIEL LEZANO<br />

HINWEIS<br />

Sie können den für Nikon<br />

entwickelten Yongnuo-<br />

Auslöser auch mit<br />

Canon-Kameramodellen<br />

verwenden. Dazu stecken Sie<br />

ihn in den Zubehörschuh,<br />

dann ziehen sie ihn etwas<br />

zurück, bis die grüne LED am<br />

Auslöser aufleuchtet. Das<br />

Gerät ist jetzt bereit.<br />

Original<br />

Stimmung erzeugen mit Blitzlicht<br />

Stellen Sie manuell die Blitzsynchronisationszeit<br />

und eine kleine Blende ein, um die Szene<br />

unterzubelichten. Nun stellen Sie beide<br />

Blitzgeräte auf höchste Blitzleistung. Das<br />

Ergebnis ist ein Bild mit sehr hohem Kontrast,<br />

das viel ausdrucksvoller aussieht, als wäre es<br />

lediglich mit vorhandenem Umgebungslicht<br />

aufgenommen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 091


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

1 2<br />

EIN EINFACHES SETUP FÜR ENTKOPPELTES BLITZEN<br />

MIT YONGNUO-GERÄTEN<br />

1) Stecken Sie einen der Transceiver auf den Zubehörschuh<br />

der Kamera – dieser wird automatisch als Sender konfiguriert.<br />

2) Stecken Sie das Blitzgerät in den Zubehörschuh der anderen<br />

Auslöseeinheit. Montieren Sie das Ganze auf den mitgelieferten<br />

Standfuß – die Einheit wird automatisch als Empfänger<br />

konfiguriert. Stellen Sie das Ganze auf eine ebene Oberfläche<br />

oder montieren Sie es auf ein Stativ.<br />

3) Schalten Sie die Kamera, das Blitzgerät, und beide<br />

Transceiver ein. Schalten Sie die Kamera auf manuelle<br />

Betriebsart und drücken Sie den Auslöser, um das Setup zu<br />

testen. Falls es nicht funktioniert, überprüfen Sie die Kontakte.<br />

An jedem Transceiver sollten zwei grüne LED leuchten.<br />

4) Stellen Sie die Blitzleistung manuell ein und machen sie<br />

Testaufnahmen, bis Blitzleistung und Blitzrichtung stimmen.<br />

3 4<br />

Andere preiswerte Blitzgeräte<br />

Welche weiteren mit dem Yongnuo Digital<br />

Speedlite YN560-II vergleichbaren Blitzgeräte<br />

gibt es? Wir haben weitere populäre Blitzgeräte<br />

unter 100 Euro für Sie aufgelistet.<br />

Metz Mecablitz 20 C-2<br />

Straßenpreis: 40 Euro<br />

www.intro2020.com<br />

Kompaktes Gerät mit einer<br />

Leitzahl von 20 (ISO 100) und<br />

bis zu 90° neigbarem Reflektor.<br />

Keine TTL-Messung, doch zwei<br />

Automatik-Betriebsarten und<br />

eine manuelle Betriebsart.<br />

Metz Mecablitz 36 C-2<br />

Straßenpreis: 70 Euro<br />

www.intro2020.com<br />

Ähnlich dem Metz 20 C-2, doch<br />

mit mehr Leistung durch eine<br />

Leitzahl von 36 (ISO 100). Ein<br />

manuelles Zoom gestattet die<br />

Abdeckung eines Brennweitenbereichs von<br />

28–85mm.<br />

Nissin Di466<br />

Straßenpreis: 80 Euro<br />

www.kenro.co.uk<br />

TTL Messung, Leitzahl 33 (ISO<br />

100). Manuelle Einstellung der<br />

Blitzleistung in sechs Schritten<br />

von 1/32 der vollen Leistung bis zu voller<br />

Leistung. Verfügbar für Canon und Nikon<br />

DSLR sowie für Olympus- und Panasonic-<br />

Systemkameras.<br />

Sunpak PF30X<br />

Straßenpreis: 70 Euro<br />

www.intro2020.com<br />

Angesichts der Leitzahl von 30<br />

(ISO 100) ein sehr kompaktes<br />

Blitzgerät. TTL-Steuerung für Canon und<br />

Nikon, Belichtungskorrekturfunktion, doch<br />

keine manuelle Steuerung.<br />

Metz Mecablitz 36 AF-5<br />

Straßenpreis: 65 Euro<br />

www.intro2020.com<br />

Eine sehr gute Wahl, denn das<br />

Gerät verfügt über die<br />

TTL-Messfunktion. Leitzahl 36<br />

(ISO 100) und Zoom-Blitz für<br />

Brennweiten von 18–85mm, jedoch keine<br />

manuelle Betriebsart.<br />

Summe von 75 Euro nicht nur das<br />

Elektronenblitzgerät, sondern auch die<br />

Ausrüstung, die zum entkoppelten Blitzen nötig<br />

ist, bekommen würden? Damit könnten Sie<br />

nicht nur die Grundlagen der manuellen<br />

Blitzfotografi e erlernen, sondern sie hätten<br />

auch die Basis-Hardware, um mit<br />

unterschiedlichen Aufnahmetechniken des<br />

entkoppelten Blitzens zu experimentieren.<br />

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, wie Sie<br />

mit diesem Mini-Budget in die kreative<br />

Blitzfotografi e einsteigen.<br />

Beginnen wir mit dem Blitzgerät. Auf den<br />

ersten Blick sieht das Yongnuo Digital Speedlite<br />

YN560-II ziemlich genauso aus wie ähnliche<br />

Modelle von Canon oder Nikon. Es ist aus<br />

robustem Material, gut verarbeitet, hat einen<br />

leichtgängigen neig- und schwenkbaren<br />

Blitzkopf und eine große LCD-Anzeige an der<br />

Rückseite, die von einem übersichtlich<br />

beschrifteten Arrangement von Steuerknöpfen<br />

und Schaltern umgeben ist. Es wird in einer<br />

hochwertigen Tasche geliefert, zusammen mit<br />

einem passenden Standfuß. Wäre da nicht der<br />

exotische Name, könnte man es für ein<br />

Markengerät des oberen Preissegments halten.<br />

Optionales Zubehör für externes Blitzen<br />

BELEUCHTUNGSSTATIV<br />

Der mit dem Blitzgerät<br />

gelieferte Standfuß hat ein<br />

Standardstativgewinde, passt<br />

also auf die meisten Stative<br />

und erlaubt so, das Blitzgerät<br />

in variablen Höhen zu<br />

positionieren.<br />

LICHTFORMER<br />

Variieren Sie den Blitzausstoß<br />

mit einem Lichtformer auf dem<br />

Blitzkopf. Mit einen Diffusor,<br />

einem Reflektor oder einer<br />

Softbox können Sie Richtung,<br />

Ausbreitung und Intensität des<br />

Blitzes steuern.<br />

“Wer gerade 200 Euro oder<br />

mehr für ein Canon Speedlite<br />

oder Nikon Speedlight<br />

hingeblättert hat, dürfte nun<br />

ein wenig schockiert sein.”<br />

Doch es ist ab 40 Euro im Handel zu fi nden.<br />

Wer gerade 200 Euro oder mehr für ein Canon<br />

Speedlite oder Nikon Speedlight hingeblättert<br />

hat, dürfte nun ein wenig schockiert sein.<br />

Doch es gibt einen signifi kanten Unterschied<br />

zwischen dem Yongnuo und den teuren<br />

Geräten – es ist ein vollständig manuelles<br />

Blitzgerät, TTL-Blitzmessung ist nicht möglich.<br />

Das bedeutet in der Praxis, Sie können es nicht<br />

einfach auf den Zubehörschuh der Kamera<br />

stecken, eins der Automatikprogramme wählen<br />

und loslegen. Sie müssen stattdessen die<br />

Blitzleistung selbst steuern, was bedeutet, dass<br />

Sie sie manuell einstellen müssen. Doch das ist<br />

keineswegs schwierig. Bevor Sie sich um den<br />

Blitz kümmern, stellen Sie die Kamera ein. In<br />

BLITZFOLIEN<br />

Mit farbigen Folien über dem<br />

Blitzkopf eines Blitzgeräts<br />

können Sie auch Hintergründe<br />

attraktiv machen, die<br />

normalerweise langweilig<br />

aussehen.<br />

092 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Kabelloses Blitzsystem<br />

der manuellen Betriebsart (M) stellen Sie den<br />

Verschluss auf die Blitzsynchronisationszeit<br />

ein. Wenn Sie diesen Wert nicht kennen,<br />

benutzen Sie 1/125 Sekunde. Nun stellen Sie<br />

die Blende ein, für den Anfang auf f/5.6. Den<br />

Wert können Sie später ändern, wobei Sie<br />

allerdings auch die Blitzleistung erneut<br />

anpassen müssen.<br />

Der wenden wir uns jetzt zu. Wie Sie sehen,<br />

hat das Blitzgerät eine Reihe von Output-<br />

Einstellungen, die von 1/1 – volle Leistung – bis<br />

1/128 der vollen Leistung reichen. Sie<br />

brauchen nichts weiter zu tun, als mit<br />

dem rechten und linken Knopf des<br />

Vier Wege Schalters die<br />

Blitzleistung einzustellen. Ein<br />

Knopfdruck bedeutet eine<br />

volle Blendenstufe nach<br />

oben oder unten. Mit den<br />

Köpfen „Up“ und „Down“<br />

können Sie ein Finetuning in<br />

Intervallen von einer 1/3<br />

Blendenstufe vornehmen. Ist<br />

das geschehen, machen Sie<br />

eine Aufnahme und überprüfen<br />

sie und deren Histogramm anhand<br />

des LCD-Monitors der Kamera. Bei Bedarf<br />

ändern Sie wie oben beschrieben die<br />

Blitzleistung, bis die Belichtung korrekt ist. Sie<br />

können außerdem die Zoomfunktion des<br />

Blitzgeräts benutzen, um die Blitzleistung zu<br />

erhöhen oder zu reduzieren. Das wär’s. Sie<br />

werden zugeben, das Ganze funktioniert<br />

einfacher, als sie erwartet haben, oder?<br />

Das jedenfalls ist das grundsätzliche<br />

Procedere, wenn Sie ein auf die Kamera<br />

aufgestecktes Blitzgerät manuell betreiben.<br />

Wenn Sie es von der Kamera entkoppelt<br />

WUSSTEN SIE SCHON?<br />

Manche etwas anspruchsvolleren<br />

Blitzgeräte bieten eine Master/<br />

Slave Funktion, bei der das<br />

„Master“-Blitzgerät die<br />

nachgeordneten „Slave“-<br />

Blitzgeräte auslöst. Das ist eine<br />

sehr nützliche Funktion, wenn Sie<br />

über mehrere Blitzgeräte<br />

derselben Marke verfügen. Das<br />

Yongnuo Blitzgerät verfügt über<br />

diese Funktion.<br />

benutzen wollen, wird es nicht komplizierter.<br />

Alles was Sie dazu brauchen, ist eine<br />

Möglichkeit, den Blitz in demselben Moment<br />

auszulösen, indem Sie den Auslöser der<br />

Kamera drücken. Genau diese Möglichkeit<br />

wird vom Hersteller in Form eines passenden<br />

drahtlosen Blitzauslösers angeboten. Er heißt<br />

„Yongnuo Digital RF-603C Wireless Flash<br />

Trigger“ und besteht aus zwei Transceivern, die<br />

für 20 Euro zu haben sind. Der eine wird auf<br />

den Zubehörschuh der Kamera gesteckt, auf<br />

den anderen wird der Blitz montiert. Wenn Sie<br />

die Geräte einschalten, erkennen beide<br />

jeweils automatisch, welche Rolle<br />

ihnen zugedacht ist. Ein<br />

weiteres Setup ist nicht<br />

erforderlich. Jede Einheit ist<br />

mit einem Zubehörschuh<br />

ausgestattet, auf den ein<br />

Blitzgerät montiert werden<br />

kann. Um also ein<br />

rudimentäres System zum<br />

entkoppelten Blitzen<br />

aufzubauen, stecken Sie<br />

lediglich eins der Geräte auf die<br />

Kamera, das andere auf den<br />

Standfuß des zu entkoppelnden Blitzgeräts<br />

und das Blitzgerät selbst obendrauf. Der<br />

Standfuß des Blitzgeräts kann auch auf ein<br />

Stativ montiert werden, so das Sie die Höhe<br />

des Blitzgeräts über dem Boden Ihrem Motiv<br />

entsprechend einstellen können.<br />

Wenn beide Geräte eingeschaltet sind, sollten<br />

zwei grün leuchtende LED sichtbar sein, die<br />

anzeigen dass das Setup korrekt ist und die<br />

Kommunikation zwischen Kamera und<br />

Blitzgerät funktioniert. Sie können übrigens ein<br />

weiteres Blitzgerät in den Zubehörschuh des<br />

Preiswertes Blitzgerät<br />

Yongnuo Digital<br />

Speedlite YN560-II<br />

Flashgun<br />

Straßenpreis: 48 Euro<br />

Kamerakompatibilität:<br />

Kamera mit Standard-<br />

Zubehörschuh Leitzahl 58 (ISO 100<br />

TTL-Blitz: nein<br />

Powerzoom: 24–105mm<br />

Neig- und schwenkbarer Kopf: ja.<br />

Vertikale Drehung von 7°bis 90°; horizontale<br />

Drehung von 0° bis 270°<br />

Einstellbare Blitzleistung: volle Leistung, 1/2, 1/4,<br />

/1/8, 1/16, 1/32, 1/64, 1/128 der vollen Leistung.<br />

Multiblitz: Bis zu 100 Blitze per Burst; bis zu 100<br />

Blitze pro Sekunde<br />

Kontrollton: ja, kann abgeschaltet werden<br />

Drahtloser Slave-Modus: ja (S1 und S2)<br />

Reichweite: 15m im Freien, 25m in<br />

geschlossenen Räumen<br />

Farbtemperatur: 5600K<br />

Pilot/Test Knopf: ja<br />

LCD-Anzeige an der Rückseite: ja<br />

PC-Synchronisationsbuchse: ja<br />

Anschluss für externe Stromversorgung: ja<br />

Zeit zum Wiederaufladen zwischen zwei Blitzen:<br />

ca. 3 Sekunden<br />

Stromsparmodus: ja<br />

Weitwinkel-Diffusor: eingebaut<br />

Reflektor: eingebaut<br />

Schutz gegen Überhitzung: ja<br />

Stromversorgung: 4 AA-Batterien 4 oder<br />

AA-Akkus<br />

Abmessungen: 60x190x78mm<br />

Gewicht: 350 g<br />

Mitgeliefertes Zubehör: Standfuß, Hülle,<br />

Bedienungsanleitung<br />

€50<br />

Anatomie: Yongnuo YN-560-II Blitzgerät<br />

1) Blitzkopf: Neigbar, schwenkbar,<br />

anpassbarer Reflektor und Weitwinkel-<br />

Diffusor<br />

2) Optischer Kontrollsensor<br />

zum Auslösen anderer Blitzgeräte in<br />

unterschiedlichen Setups<br />

3) PC-Buchse: verbindet den Auslöser<br />

mit einem Studioblitz<br />

4) Standfuß: Halterung für Blitzgerät<br />

mit Standard-Stativgewinde<br />

5) LCD-Anzeige: Beleuchtet, wenn ein<br />

Knopf gedrückt wird, zur besseren<br />

Handhabung bei schlechtem Licht<br />

6) Batteriefach:<br />

4 AA-Batterien oder 4 AA-Akkus<br />

7) Kontrollton: an- und ausschalten.<br />

8) Betriebsartenschalter für die<br />

Betriebsarten „Manuell“, „S1-“ oder<br />

„S2-Slave-Modus“, Multiblitz<br />

9) Zoom-Knopf: Manuell einstellbarer<br />

Zoom zur Anpassung an die<br />

Brennweite des Objektivs<br />

10) Pilot- /Testknopf: Grün = „wird<br />

geladen“, Rot = „voll aufgeladen“;<br />

dient auch zum Auslösen eines<br />

Testblitzes<br />

11) Vier-Wege-Schalter zum Wechsel<br />

der Blitzeinstellungen<br />

12) Ein- /Ausschalter<br />

1<br />

2<br />

4<br />

3<br />

5<br />

7 8 9<br />

10 11<br />

12<br />

6<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 093


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Transportables Studio!<br />

Wir benutzten ein<br />

entkoppeltes Yongnuo<br />

Blitzgerät in einem Winkel<br />

von 45° vor dem Motiv, ein<br />

weiteres wurde auf die<br />

Wand im Hintergrund<br />

gerichtet und beide drahtlos<br />

ausgelöst.<br />

„Das Gerät fungiert nicht nur als drahtloser Blitzauslöser,<br />

sondern außerdem als Fernauslöser für die Kamera.“<br />

auf der Kamera montierten Auslösers stecken,<br />

da dieser die Kontakte für das Blitzgerät<br />

durchschleift. Es kann eine beliebige Anzahl<br />

von RF-603C Auslöseeinheiten verwendet<br />

werden. Sie können also durchaus mit vier<br />

Auslösern und vier Blitzgeräten arbeiten,<br />

wobei eins auf der Kamera sitzt und drei von<br />

der Kamera entkoppelt ausgelöst werden.<br />

Dieses Setup würde weniger als 240 Euro<br />

kosten, also in etwa den Preis eines einzigen<br />

Markenblitzgeräts.<br />

Doch der Yongnuo Auslöser hat noch eine<br />

weitere Funktion: Er wird mit einem Kabel<br />

geliefert, das in die Fernauslöserbuchse der<br />

Kamera gesteckt werden kann. Wenn Sie das<br />

tun, und einen anderen Fernauslöser in der<br />

Hand halten, können Sie die Kamera mit dem<br />

großen Knopf an dessen Vorderseite auslösen.<br />

Das Gerät fungiert also nicht nur als drahtloser<br />

Blitzauslöser, sondern außerdem als<br />

drahtloser Fernauslöser für die Kamera.<br />

Doch das ist noch nicht alles, denn auch das<br />

Blitzgerät selbst hat noch weitere Funktionen.<br />

Drücken Sie den „Mode“-Knopf und es<br />

werden die Optionen „S1“, „S2“ und „Multi“<br />

angezeigt. Letztere löst nacheinander mehrere<br />

Blitze für Spezialeffekte aus, die jedoch die<br />

wenigsten von uns je versuchen werden. Die<br />

Einstellungen „S1“ und „S2“ hingegen sind<br />

wesentlich interessanter. Es handelt sich um<br />

„Slave“-Einstellungen mit deren Hilfe Sie<br />

mehrere von der Kamera entkoppelte<br />

Blitzgeräte ohne extra Blitzauslöser<br />

verwenden können. Wenn Sie also mehrere<br />

Yongnuo-Blitzgeräte benutzen wollen, stecken<br />

Sie eins als „Master“-Blitzgerät auf den<br />

Zubehörschuh der Kamera und eine beliebige<br />

Anzahl weiterer Blitzgeräte auf deren<br />

mitgelieferte Standfüße. Nun benutzen Sie die<br />

Einstellung „S1 oder „S2“, um die von der<br />

Kamera entkoppelten Blitzgeräte automatisch<br />

zusammen durch den „Master“-Blitz<br />

auszulösen. Sehr eindrucksvoll!<br />

Wir empfehlen, mit einem Paar Transceivern<br />

und einem Blitzgerät zu beginnen. Damit<br />

können Sie die Grundlagen des manuellen<br />

entkoppelten Blitzens erlernen. Wenn Sie<br />

danach kreativere Beleuchtungsszenarien<br />

verwirklichen wollen, können Sie weitere<br />

Auslöser und Blitzgeräte hinzukaufen. Für die<br />

Bilder dieses Artikels haben wir drei<br />

Transceiver und zwei Blitzgeräte verwendet.<br />

Wir werden wohl noch mehr davon<br />

anschaffen, und wir sind überzeugt, Sie auch,<br />

wenn Sie erst einmal Ihre Begeisterung für<br />

das entkoppelte Blitzen entdeckt haben.<br />

Kabelloses Blitzsystem<br />

Weitere Blitzauslöser:<br />

Es wurden keine Modelle aufgelistet, die<br />

über der Preisgrenze von 150 Euro liegen,<br />

deswegen ist beispielsweise die Pocket<br />

Wizard Reihe nicht vertreten. Die Preise<br />

beziehen sich jeweils auf ein Set,<br />

bestehend aus Sender und Empfänger.<br />

Hahnel Combi TF<br />

Fern- und Blitzauslöser<br />

Straßenpreis: 50 Euro<br />

www.hahnel.ie<br />

Dieses Modell dient sowohl<br />

als Fernauslöser als auch<br />

als nicht-TTL fähiger Blitz- und Studioblitz-<br />

Auslöser. Reichweite 100 m. Verfügbar für<br />

alle gängigen Marken.<br />

Interfit Strobies i Sync 4<br />

Funk- und optischer<br />

Fernauslöser mit Sender<br />

und Empfänger<br />

Straßenpreis: 74 Euro<br />

www.interfi tphotographic.<br />

com<br />

Das Set kann mit Blitz- und<br />

Studioblitzgeräten verwendet werden und<br />

bietet vier Funkkanäle, die eine Reichweite<br />

von 30 m ermöglichen. Bei optischer<br />

Auslösung verlängert sich die Reichweite.<br />

Calumet Pro Series 4<br />

Drahtloses Fernauslöser-<br />

Set<br />

Straßenpreis: 70 Euro<br />

www.calumetphoto.co.uk<br />

4-Kanal Funkauslöser mit<br />

100 m Reichweite. Verfügbar für Nikon<br />

und Canon , wobei die Canon-Version<br />

auch für Olympus und Sony passt,<br />

allerdings ist dazu ein optionales Kabel<br />

erforderlich. Keine<br />

TTL-Funktion.<br />

Hahnel Tuff TTL<br />

Drahtloser Blitzauslöser<br />

Straßenpreis: 113 Euro<br />

www.hahnel.ie<br />

Dieses Modell ist sehr robust verarbeitet<br />

und verträgt auch eine raue Behandlung.<br />

Reichweite bis zu 200 m, TTL-Funktion,<br />

Highspeed-Synchronisation und<br />

Synchronisation auf zweiten<br />

Verschlussvorhang.<br />

Phottix Strato II 5-in-1<br />

Drahtloser Fernauslöser<br />

Straßenpreis: 92 Euro<br />

www.intro2020.com<br />

Geeignet für Blitz oder<br />

Studioblitz, Reichweite 150<br />

m. Das Set verfügt über 4 Kanäle und<br />

TTL-Funktion.<br />

Pixel Knight TR-332<br />

LCD E-TTL Wireless<br />

Auslöser-Set<br />

Straßenpreis: 150 Euro<br />

www.thefl ashcentre.com<br />

Hochwertiger, Canonkompatibler<br />

Auslöser mit TTL-Blitz.<br />

Funktionalität und Synchronisationszeit<br />

bis zu 1/8000 Sekunde. Kann in der<br />

manuellen Betriebsart auch mit Kameras<br />

anderer Hersteller benutzt werden.<br />

094 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Zubehör für Nahaufnahmen<br />

Auch wenn Ihre Begeisterung noch so groß ist – das Budget für die Anschaffung neuer<br />

Ausrüstung ist nicht immer vorhanden. Auch erstklassiges Zubehör kann nämlich sehr teuer sein.<br />

Wir haben kostengünstigere Produkte aus dem Bereich des Makrofotografie-Zubehörs für Sie<br />

getestet und stellen im folgenden Abschnitt einige Alternativen vor, die wir für Einsteiger<br />

besonders empfehlen können.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 095


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Daniel Lezano<br />

Budget: 50 Euro<br />

DIE MAKROFOTOGRAFIE ist<br />

populärer als je zuvor. Das hat<br />

nicht zuletzt damit zu tun, dass<br />

immer mehr qualitativ hochwertige<br />

Produkte zu erschwinglichen<br />

Preisen auf den Markt kommen. Sie öffnen<br />

auch für Einsteiger, die bisher wegen der<br />

Kosten der benötigten Ausrüstung davor<br />

zurückgeschreckt sind, den Zugang zur<br />

Makrofotografi e.<br />

Wir haben uns näher mit dem Raynox<br />

DCR-250 Makro-Vorsatz befasst, um<br />

festzustellen, ob er die Mehrkosten gegenüber<br />

einfachen Nahlinsen rechtfertigt. Also<br />

bestellten wir einen, und gleich noch ein paar<br />

Nahlinsen dazu, um im direkten Vergleich zu<br />

sehen, welche Alternative die bessere<br />

Kaufentscheidung ist.<br />

Der Raynox ist schon auf den ersten Blick ein<br />

interessantes Zubehör. Es handelt sich um<br />

eine Nahlinse mit einer Klemm-Befestigung,<br />

die mit unterschiedlichen Objektiven<br />

verwendbar ist. Er ist in zwei Versionen<br />

lieferbar und zwar als DCR-150 mit 4,8<br />

Dioptrien und als DCR-250 mit 8 Dioptrien.<br />

Wir haben uns das Modell mit acht Dioptrien<br />

kommen lassen.<br />

Das Design des Raynox bietet eine Reihe<br />

erkennbarer Vorteile gegenüber Standard-<br />

Nahlinsen. Erstens ist seine Optik wesentlich<br />

hochwertiger, denn sie besteht aus drei Linsen<br />

mit Antirefl exionsbeschichtung auf den nach<br />

außen weisenden Oberfl ächen. Preiswerte<br />

Standard-Nahlinsen haben in der Regel nur<br />

eine Linse, nicht beschichtet ist. Deswegen<br />

sollte man erwarten dürfen, dass der Raynox<br />

von der Mitte des Bildbereichs bis zu den<br />

Ecken schärferer abbildet. Außerdem sollte die<br />

Beschichtung zu besseren<br />

Kontrastverhältnissen führen und störende<br />

Farbsäume unterdrücken. Ein weiterer Vorteil<br />

besteht darin, dass man den Raynox mit seiner<br />

Klemm-Befestigung an Objektiven mit<br />

Filtergewinde von 52mm bis 67mm<br />

verwenden kann, im Gegensatz zu einer<br />

Standard-Nahlinse, die nur zu einem<br />

bestimmten Objektivdurchmesser passt. All<br />

diese Vorteile haben allerdings ihren Preis. Der<br />

Raynox Makro-Vorsatz kostet knapp über 50 ,<br />

ein Set normaler Nahlinsen ist jedoch bereits<br />

für etwa 20 zu haben. Außerdem sind Sie mit<br />

dem Raynox auf eine einzige Vergrößerung<br />

festgelegt – 8 Dioptrien in diesem Fall –<br />

während Sie bei einem Nahlinsen-Set mehrere<br />

Vergrößerungsfaktoren kombinieren können.<br />

Wir haben uns zum Vergleich für ein Set von<br />

Polaroid entschieden, das 20 gekostet hat. Es<br />

besteht aus vier Nahlinsen mit jeweils +1,<br />

+2, +4 und +8 Dioptrien die in einer<br />

schützenden Nylonhülle geliefert werden. Wir<br />

haben uns für die Version mit 58mm<br />

Durchmesser entschieden, es sind jedoch alle<br />

Größen von 37mm bis 77mm verfügbar.<br />

Wenn Sie mit einer Nahlinse – gleich welcher<br />

Bauart – arbeiten, können Sie den Autofokus<br />

eingeschaltet lassen und wie sonst auch<br />

fotografi eren. Da sie wesentlich näher an Ihr<br />

Oben: Der Raynox lässt sich sowohl bei<br />

eingeschaltetem Autofokus als auch beim manuellen<br />

Scharfstellen benutzen; beide Methoden<br />

funktionieren gut.<br />

Rechts: Um die Abbildungsqualitäten des Raynox zu<br />

demonstrieren, wurde diese Aufnahme mit einem<br />

Canon 28-80mm Zoomobjektiv bei einer Brennweite<br />

von 80mm und der kürzestmöglichen<br />

Aufnahmedistanz gemacht.<br />

Unten: Verbringen Sie mit dem Raynox Makro-Vorsatz<br />

einen Nachmittag im Garten, und Sie werden schnell<br />

die Faszination der Makrofotografie für sich<br />

entdecken.<br />

Motiv herangehen können als sonst, erhalten<br />

Sie eine stärkere Vergrößerung als durch<br />

Standardobjektive. Es gibt jedoch ein paar<br />

Restriktionen, auf die Sie achten müssen. Die<br />

erste beim Raynox Makro-Vorsatz ist, dass Sie<br />

nicht mehr auf größere Distanzen scharfstellen<br />

können, Sie sind auf den Makrobereich<br />

festgelegt. Die zweite Einschränkung ist, dass<br />

Sie Weitwinkel-Brennweiten tunlichst<br />

vermeiden sollten, denn die können in<br />

Verbindung mit dem Raynox Makro-Vorsatz zu<br />

starker Vignettierung führen. Das liegt daran,<br />

dass dessen Linsen gegebenenfalls kleiner<br />

sind, als die Frontlinsen des Objektivs, an dem<br />

er befestigt ist. Diese Einschränkung gilt jedoch<br />

096 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Zubehör für Nahaufnahmen<br />

„Da sie wesentlich näher an Ihr Motiv herangehen<br />

können als sonst, erhalten Sie eine stärkere<br />

Vergrößerung als durch Standardobjektive.“<br />

Raynox DCR-250<br />

nur bei Objektiven mit Weitwinkel-<br />

Brennweiten, einschließlich Zoomobjektiven.<br />

Unser Vergleich auf der nächsten Seite zeigt<br />

ein extremes Beispiel dieses Effekts. Raynox<br />

empfi ehlt, man solle bei einem Vollformat-<br />

Sensor keine kürzeren Brennweiten als 50mm<br />

und beim APS-C Sensor mindestens75mm<br />

verwenden, um dunkle Ecken auf den Fotos zu<br />

vermeiden; unsere Erfahrungen bestätigen<br />

das.<br />

Da der Raynox über die erwähnte Klemm-<br />

Befestigung verfügt, können Sie mit<br />

unterschiedlichen Objektiven und Brennweiten<br />

experimentieren, solange die<br />

Filtergewindedurchmesser zwischen 52mm<br />

und 67mm liegen. Die besten Ergebnisse<br />

erzielen Sie mit Objektiven mit fester<br />

Brennweite, weil deren Abbildungsqualität<br />

physikalisch bedingt besser ist, was nicht<br />

heißen soll, dass Sie nicht mit Zoomobjektiven<br />

arbeiten sollten. Es kommt auf den konkreten<br />

Einzelfall an, insbesondere auf die<br />

herrschenden Lichtverhältnisse.<br />

Ich habe für die Bildbeispiele dieses Artikels<br />

zwei preiswerte Zoomobjektive verwendet, das<br />

neuste Canon EF-S 18-55mm IS STM<br />

Kit-Zoomobjektiv und ein 15 Jahre altes<br />

Canon EF 28-80mm Objektiv, beide an der<br />

Canon EOS 700D.<br />

Normalerweise ist der Autofokus beim<br />

fotografi eren eine feine Sache, doch bei kurzen<br />

Distanzen liegen die Dinge etwas anders. Ich<br />

empfehle deswegen ausdrücklich, manuell<br />

scharfzustellen, denn nur dann haben Sie die<br />

genaue Kontrolle über die Schärfeebene. Bei<br />

bestimmten Objekten, Blumen beispielsweise,<br />

können Sie dann präzise auswählen, worauf<br />

Sie scharfstellen, während der Autofokus fast<br />

immer auf den Bereich der Blumen<br />

scharfstellt, der dem Objektiv am nächsten ist;<br />

und das ist in den seltensten Fällen der von<br />

Ihnen gewünschte Schärfebereich. Auch beim<br />

manuellen Scharfstellen zeigt Ihnen die<br />

Kamera im Sucher das Bestätigungssymbol,<br />

wenn die Schärfe präzise eingestellt ist,<br />

außerdem ertönt der vertraute AF-Piepton.<br />

Um die Schärfe optimal einzustellen, fi nde ich<br />

folgende Vorgehensweise am einfachsten:<br />

stellen Sie das Objektiv manuell auf die<br />

geringstmögliche Entfernung scharf und<br />

bewegen Sie dann nur noch die Kamera vor<br />

und zurück, bis Ihr Motiv scharf im Sucher<br />

erscheint. Das funktioniert sehr schön, wenn<br />

Sie aus der Hand fotografi eren; wenn Sie ein<br />

Stativ verwenden, wird es etwas aufwändiger,<br />

denn Sie müssen dessen Position verändern.<br />

Bei einem Stativ, dessen Mittelsäule in die<br />

Horizontale gedreht werden kann, haben Sie<br />

es etwas einfacher, denn Sie können die<br />

Kamera so auf dem Stativkopf befestigen,<br />

Raynox DCR-250 Makro-Vorsatz<br />

Preis: 52,30 Euro bei Amazon<br />

Optische Konstruktion: 3 Linsen in 2<br />

Gruppen mit Antirefl exbeschichtung von<br />

deren Außenoberfl ächen<br />

Vergrößerung: 8 Dioptrien<br />

Design: Linsenelement mit 49mm Front-<br />

Filtergewinde und 43mm Gewinde an der<br />

Rückseite, an die ein Universal-Adapter mit<br />

Klemmbefestigung für Objektivdurchmesser<br />

von 52mm bis 67mm geschraubt ist.<br />

Mitgeliefertes Zubehör: Aufbewahrungsbox,<br />

zwei Schutzkappen<br />

Abmessungen: 53 x 18 mm<br />

Gewicht: 60g<br />

Website: www.raynox.com<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 097


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Objektiv ohne Nahlinse<br />

+2<br />

Nahaufnahmen in der Praxis<br />

Nehmen Sie sich die Zeit, perfekt scharfzustellen,<br />

denn die Schärfentiefe ist bei Nahaufnahmen sehr<br />

begrenzt.<br />

Behalten Sie die Verschlusszeit im Auge,<br />

um Verwackeln zu vermeiden. Erhöhen Sie<br />

gegebenenfalls die ISO-Empfindlichkeit und stellen<br />

Sie die Blende entsprechend ein.<br />

In der Mitte des Suchers ist die Abbildungsleistung<br />

am besten, machen Sie deshalb ihre Bildkomposition<br />

so, dass ihr Motiv im Schärfepunkt in der Mitte des<br />

Bildausschnitts liegt<br />

Wenn Sie Insekten fotografieren wollen,<br />

ziehen Sie frühmorgens los, denn dann sind die<br />

wechselwarmen Kreaturen noch ziemlich träge.<br />

Zoomobjektive vereinfachen die Bildkomposition,<br />

gleichwohl sollten Sie bei Nahaufnahmen ein<br />

Festobjektiv bevorzugen, denn es liefert eine bessere<br />

Bildqualität.<br />

Probieren Sie so viele Objektive wie möglich aus,<br />

denn jedes bietet einen anderen Vergrößerungsfaktor<br />

und eine andere minimale Arbeitsentfernung.<br />

Halten Sie einen silbernen oder weißen Reflektor<br />

bereit, um die Lichtverhältnisse für Ihr Motiv<br />

verbessern zu können.<br />

Versuchen Sie nicht, immer die maximale<br />

Vergrößerung zu erreichen – weniger ist manchmal<br />

mehr, was den visuellen Eindruck angeht.<br />

Nahlinsen können zwar kombiniert werden, doch<br />

das geht stark auf Kosten der Bildqualität.<br />

Experimentieren Sie mit unterschiedlichen<br />

Methoden, um Ihr Motiv scharfzustellen. Manuelle<br />

Scharfeinstellung auf die minimale Arbeitsdistanz<br />

und Vor- und Zurückbewegen der Kamera haben<br />

sich als gut praktikabel erwiesen, auch mit Stativ.<br />

+4<br />

+10<br />

18mm<br />

45mm<br />

Oben: Wird das Canon EF-S 18-55mm Objektiv auf die<br />

kürzeste Brennweite von 18 mm eingestellt, ist der<br />

Raynox im Bild sichtbar. Ab 45mm tritt dieses Problem<br />

nicht mehr auf.<br />

Oben rechts: Aufgenommen aus derselben Position<br />

heraus, zeigen die Bilder den Unterschied zwischen dem<br />

Raynox Makro-Vorsatz und den Polaroid Nahlinsen in<br />

Verbindung mit dem Canon 18-55mm Objektiv.<br />

dass die Objektiv-Achse parallel zur Mittelsäule<br />

des Stativs verläuft. Nun können Sie die<br />

Scharfeinstellung ganz einfach mit der Kurbel<br />

an der Mittelsäule des Stativs vornehmen.<br />

Bei beiden Methoden wird davon<br />

ausgegangen, dass Sie die Schärfe maximieren<br />

wollen, doch Sie werden feststellen, dass Sie<br />

mit dem Raynox so nah an ihr Motiv<br />

herangehen können, dass es mehrere optimale<br />

Schärfebereiche gibt, die eine jeweils völlig<br />

andere Bildkomposition erzeugen. An den<br />

Schmetterlingsbildern wird beispielsweise<br />

sichtbar, wie Sie einerseits das Auge des<br />

Insekts detailliert abbilden und andererseits<br />

durch Vergrößerung der Entfernung das Tier<br />

wunderschön vor dem farbigen<br />

Hintergrund hervorheben können.<br />

Ein weiteres Problem, das<br />

auftauchen kann, besteht in<br />

den extrem kurzen<br />

Entfernungen, mit denen Sie<br />

arbeiten. Sie können bis auf<br />

wenige Zentimeter an ihr<br />

Motiv heran und das bedeutet<br />

ein hohes Risiko, die<br />

Lichtverhältnisse negativ zu<br />

beeinfl ussen, weil der Schatten der<br />

Kamera – ganz abgesehen von Ihrem<br />

eigenen Schatten – zum Problem werden<br />

kann, sei es, dass die Szene zu dunkel wird<br />

oder dass sich ein Schmetterling davon macht,<br />

weil er sich bedroht fühlt.<br />

HINWEIS<br />

Anstatt den Scharfeinstellring<br />

zu benutzen, stellen Sie das<br />

Objektiv auf die kürzeste<br />

Arbeitsentfernung ein und<br />

bewegen die Kamera vor und<br />

zurück, bis Ihr Motiv scharf im<br />

Sucher erscheint.<br />

Ich habe nun viel über die Restriktionen und<br />

wenig über die Vorteile des Raynox Makro-<br />

Vorsatzes gesprochen, doch diese<br />

Restriktionen beziehen sich durchweg auf alle<br />

Makrovorsätze einschließlich einfacher<br />

Nahlinsen. Ich wollte erst deren<br />

praktischen Einsatz schildern,<br />

bevor ich nun im einzelnen auf<br />

den Raynox Makro-Vorsatz<br />

eingehe. Was dessen<br />

Leistungsfähigkeit angeht, gibt<br />

es eigentlich nur Positives zu<br />

vermelden. Die Bildqualität in<br />

Verbindung mit dem Raynox<br />

DCR-250 ist exzellent. An der<br />

Aufl ösung gibt es im gesamten<br />

Bildbereich nichts auszusetzen, denn<br />

eine Verminderung der Bildschärfe ist selbst<br />

an den Ecken kaum wahrnehmbar. Während<br />

einfache Nahlinsen im Bereich von +2 bis +4<br />

Dioptrien noch eine gute Schärfe bieten, fällt<br />

098 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Zubehör für Nahaufnahmen<br />

Raynox<br />

Anderes preiswertes<br />

Makrozubehör<br />

Manuelle Zwischenringe von<br />

Gump<br />

Preis: 10 Euro<br />

www.amazon.de/foto<br />

Lieferbar für die meisten Objektiv-<br />

Anschlüsse, verfügen diese manuellen<br />

Zwischenringe über keinerlei Elektronik;<br />

Sie können die Kamera deswegen nur in<br />

der manuellen Betriebsart benutzen und<br />

auch scharfstellen müssen sie von Hand.<br />

Das ist ein wenig umständlich, doch diese<br />

Zwischenringe ermöglichen aufgrund<br />

ihres Preises jedem den Einstieg in die<br />

Makrofotografi e.<br />

Polaroid Nahlinsen<br />

Preis: Sets von 18 Euro (37mm) bis 25 Euro<br />

(77mm)<br />

www.amazon.de/foto<br />

Das Polaroid-Set wird in einer gefütterten<br />

Nylonhülle geliefert und besteht aus vier<br />

Nahlinsen mit den Vergrößerungsfaktoren<br />

+1, +2, +4 und +10 Dioptrien.<br />

„Die Bildqualität in Verbindung mit dem Raynox DCR-<br />

250 ist exzellent. An der Auflösung gibt es im gesamten<br />

Bildbereich nichts auszusetzen, eine Verminderung der<br />

Bildschärfe ist selbst an den Ecken kaum wahrnehmbar.“<br />

die Schärfe bei stärkeren Vergrößerungen<br />

signifi kant ab und sorgt für eine wesentlich<br />

schlechtere Bildqualität. Demgegenüber ist die<br />

Abbildungsleistung des Raynox Makro-<br />

Vorsatzes angesichts seiner Vergrößerung von<br />

+8 Dioptrien außergewöhnlich gut.<br />

Auch die Klemmbefestigung hat sich als<br />

äußerst praktisch erwiesen, denn damit ist der<br />

Makro-Vorsatz mit einem einzigen Handgriff<br />

an- oder abmontiert. Das ist sehr nützlich,<br />

wenn Sie schnell einen Objektivwechsel<br />

vornehmen müssen, aber auch, wenn Sie<br />

einfach einen Perspektivwechsel vom<br />

Makrobereich zu einem normalen Gesichtsfeld<br />

vornehmen wollen, um beispielsweise Ihr<br />

Motiv in seiner unmittelbaren Umgebung zu<br />

zeigen.<br />

Der Preis von 50 für einen Makro Vorsatz mit<br />

+8 Dioptrien scheint recht hoch zu sein, wenn<br />

ein Nahlinsen-Set mit vier unterschiedlichen<br />

Vergrößerungsstärken schon für unter 20 zu<br />

haben ist. Doch der Mehrpreis lohnt sich.<br />

Erstens ist die Bildqualität wesentlich besser,<br />

zweitens passt der Raynox Makro-Vorsatz auf<br />

alle gängigen Filtergewinde, was ihn<br />

wesentlich vielseitiger macht, als ein auf eine<br />

Gewindegröße beschränktes Set.<br />

Aus diesen Gründen ist er sein Geld defi nitiv<br />

wert. Was Flexibilität und Qualität angeht ist er<br />

kaum zu übertreffen.<br />

Kenko DG Auto Extension Tubes<br />

Preis: 179,95 Euro<br />

www.amazon.de/foto<br />

Diese automatischen Zwischenringe<br />

verfügen über die entsprechende<br />

Elektronik, die alle automatischen<br />

Kamerafunktionen aufrecht erhält, selbst<br />

die Autofokusfunktionen. Das Set besteht<br />

aus Zwischenringen der Längen 12mm,<br />

20mm und 36mm, lieferbar für Canon,<br />

Nikon und Sony Objektivanschlüsse.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 099


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

Abonnement<br />

4 Ausgaben für<br />

25,-€!<br />

8 Ausgaben für<br />

45,-€!<br />

Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de/shop<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


Der kreative<br />

Blick<br />

GEWÖHNLICHE OBJEKTE – AUSSERGEWÖHNLICHE BILDER<br />

Kaffeeklatsch<br />

ZU WENIG INSPIRATION IM ALLTAG? LASSEN SIE SICH VON UNSEREN FOTOGRAFEN<br />

ANREGEN. UNSERE AUFGABE LAUTETE: GESTALTET EIN BILD, DAS EIN GEWÖHNLICHES<br />

OBJEKT AUS DEM HAUSHALT DARSTELLT!<br />

SEHEN SIE HIER, WIE PAUL WARD, JORDAN BUTTERS UND CAROLINE WILKINSON MIT<br />

KAFFEE KREATIV GEWORDEN SIND…<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 101


Der Creative kreative Eye Blick<br />

TAUCHEN SIE EIN!<br />

Von Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 70-200mm f/2.8G ED<br />

Software: Photoshop CS5<br />

DAS THEMA KAFFEE kam mir gerade<br />

recht. Ich hatte mir soeben ein Paar<br />

nagelneue Strobeam D4 HSS<br />

Studio-Blitzgeräte zugelegt, die bis zu<br />

einer Verschlusszeit von 1/8000<br />

Sekunde synchronisieren können, dazu ein<br />

TriggerSmart Motion Capture System. Dieses System<br />

löst den Kameraverschluss aus, sobald ein Objekt eine<br />

Infrarot-Lichtschranke passiert. Die ideale Gelegenheit<br />

also, um meine neuen Geräte auszuprobieren. Mir<br />

schwebte ein Bild vor, in dem etwas in eine Kaffeetasse<br />

fällt, natürlich als Hochgeschwindigkeitsaufnahme.<br />

Ich hatte schon immer ein Faible für die erstklassigen<br />

Anzeigenkampagnen und dazugehörigen Fotos für<br />

italienischen Kaffee: Lavazza produziert einen<br />

jährlichen Kalender, dessen Bilder in den vergangenen<br />

Jahren von namhaften Fotokünstlern wie Annie<br />

Leibovitz, Steve McCurry und David LaChapelle<br />

geliefert wurden.<br />

Als Hommage an diese großartigen Fotografen<br />

entschloss ich mich zu einer eigenen Aufnahme, die<br />

von Lavazza inspiriert war.<br />

Der erste Schritt bestand darin, eine Kaffeetasse mit<br />

dem unverkennbaren Lavazza-Logo zu besorgen. Ich<br />

ging in ein nahe gelegenes Café und fragte, ob ich eine<br />

solche Tasse kaufen könne. Sie seien unverkäuflich,<br />

antwortete man mir, doch im Gegenzug für eine<br />

Spende für eine der wohltätigen Organisationen, deren<br />

Sammelbüchsen an der Kasse aufgestellt waren,<br />

durfte ich eine Tasse mit Untertasse mitnehmen –<br />

perfekt.<br />

Zurück im Studio begann ich mit dem Setup: Die Tasse<br />

stellte ich auf eine schwarze Plexiglasscheibe, um die<br />

Reflexionen zu erzeugen, die ich als Bildelemente<br />

einsetzen wollte. Da ich Zuckerwürfel in den Kaffee<br />

fallen lassen wollte, fixierte ich eine Metallröhre mit der<br />

Öffnung nach unten direkt über der Kaffeetasse. Der<br />

Zucker sollte durch das Rohr fallen. Das sollte dafür<br />

sorgen, dass jeder Würfel an genau derselben Stelle<br />

auf die Flüssigkeitsoberfläche traf.<br />

Nun baute ich das TriggerSmart-System auf und<br />

richtete die Lichtschranke so aus, dass ein fallender<br />

Zuckerwürfel den Infrarotstrahl unterbrach und somit<br />

über das TriggerSmart System die Kamera auslöste.<br />

Meine Nikon D800 kam auf ein Stativ, und als<br />

Objektiv montierte ich das NIKKOR AF-S 70-200mm<br />

f/2.8G ED VR II. Dann machte ich die Bildkomposition.<br />

Vor die Blitzgeräte wurden Brollies montiert, und ich<br />

stellte ein Blitzgerät etwas nach links hinter der<br />

Kaffeetasse auf, das andere etwas nach rechts über der<br />

Kamera. Die Synchronisationszeit stellte ich auf den<br />

Maximalwert von 1/8000 Sekunde, um jegliche<br />

Bewegung in der Aufnahme einzufrieren.<br />

In der Betriebsart „Highspeed-Synchronisation"<br />

arbeiten die Strobeam–Studioblitzgeräte mit voller<br />

Leistung. Ich stellte also die Belichtung anhand einiger<br />

Testaufnahmen ein, wobei ich die Blitzgeräte jeweils<br />

etwas näher oder weiter weg von der Kaffeetasse<br />

aufstellte. Als ich mit der Belichtung zufrieden war,<br />

testete ich das TriggerSmart-System, indem ich die<br />

Tasse mit Wasser füllte und einen Spielwürfel als<br />

Zucker-Ersatz durch das Rohr in die Tasse fallen ließ.<br />

Ich musste die Auslöseverzögerung des TriggerSmart-<br />

Systems etwas nachregeln, bis das Timing stimmte,<br />

doch dann war alles bereit.<br />

Ich füllte die Tasse mit Kaffee. Bevor ich den<br />

Testaufnahme<br />

Hintergrund<br />

Zuckerwürfel fallen ließ, machte ich eine Aufnahme,<br />

die später als Hintergrund des fertigen Bildes dienen<br />

sollte. Dann ließ ich nacheinander mehrere<br />

Zuckerwürfel durch das Rohr fallen, wobei das<br />

TriggerSmart-System mit schöner Präzision die Kamera<br />

auslöste. Nach einigen Aufnahmen sah das ganze<br />

recht chaotisch aus, und der Kaffee war über das<br />

gesamte Set verteilt. Mittlerweile hatte ich aber genug<br />

Bilder von den in den Kaffee fallenden Zuckerwürfeln,<br />

um weiterzumachen.<br />

In der Nachbearbeitung nahm ich das gelungenste<br />

Foto, benutzte das Lasso-Werkzeug, um den<br />

spritzenden Kaffee auszuwählen und kopierte die<br />

Auswahl in das Bild, das ausschließlich die saubere,<br />

gefüllte Kaffeetasse zeigte. Bis zu diesem Punkt war<br />

ich mit dem Resultat zufrieden. Es war meine Frau, die<br />

mich auf den Boden der Tatsachen zurück holte, und<br />

mich darauf hinwies, dass das Ganze ziemlich<br />

gewöhnlich und nicht besonders kreativ aussah. Nach<br />

kurzer Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass sie<br />

recht hatte. Doch dann kam mir die rettende Idee: Ich<br />

würde ein paar Beine hinein kopieren, so als würde<br />

gerade jemand mit einem Kopfsprung in den Kaffee<br />

eintauchen!<br />

Zurück im Studio arrangierte ich die Beleuchtung so,<br />

Oben und links: Highspeed-<br />

<strong>Fotografie</strong> ist eine „exakte<br />

Wissenschaft“, also ging ich<br />

keine Risiken ein. Ich benutzte<br />

ein TriggerSmart-System und<br />

das Rohr sorgte dafür, dass der<br />

Zuckerwürfel jedes Mal an<br />

derselben Stelle auftraf.<br />

Unten: Da ich wusste, dass es<br />

eine ziemliche Sauerei geben<br />

würde, fotografierte ich zuerst<br />

die gefüllte Kaffeetasse und<br />

verwendete dieses Bild als<br />

Hintergrund. Für die Testfotos<br />

benutzte ich einfaches Wasser.<br />

Ganz unten: Nachdem ich die<br />

Beine fotografiert hatte, schnitt<br />

ich sie aus dem Hintergrund aus<br />

und kopierte sie in mein<br />

Kaffeebild, bevor ich deren<br />

Farbton veränderte, um sie dem<br />

des Kaffees anzupassen.<br />

Der richtige Klatsch<br />

dass sie in etwa meiner Fotosession mit der<br />

Kaffeetasse entsprach, nur dass diesmal meine Frau<br />

auf dem Rücken lag, die Beine nach oben streckte und<br />

mit ihnen so posierte, als würde sie gerade in ein<br />

Schwimmbecken eintauchen. In Photoshop schnitt ich<br />

die Beine aus und kopierte Sie als neue Ebene in mein<br />

Kaffeebild. Mit nur wenigen Korrekturen an den<br />

Gradationskurven, ein wenig Nachbelichtung und<br />

Abwedeln stellte ich das Bild fertig.<br />

Jetzt gefällt uns das Ergebnis beiden sehr gut und ist<br />

wirklich vorzeigbar. Eine zweite Meinung zur<br />

Umsetzung einer Idee gibt oft für den entscheidenden<br />

Anstoß für die Kreativität, um die Qualität eines Bildes<br />

über das Standardmaß hinaus zu heben.<br />

102 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 103


Der Creative kreative Eye Blick<br />

PORTRÄT AUS<br />

KAFFEEBOHNEN<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8G ED<br />

Software: Adobe Lightroom 4 und Photoshop<br />

ES KOMMT NICHT OFT VOR, dass<br />

man auf die Frage, was man<br />

gestern getan hat, antworten kann:<br />

„Ich habe eine Reproduktion von da<br />

Vincis Mona Lisa aus Kaffeebohnen<br />

hergestellt.“ Ich bin jedenfalls überzeugt, dass<br />

ich das nie wieder sagen werde!<br />

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich<br />

gehöre zu den Leuten, die morgens einen<br />

Koffein-Kick brauchen, um in Gang zu<br />

kommen. Dabei bin ich sehr wählerisch mit<br />

meinem Kaffee. Er muss gut schmecken und<br />

riechen, damit er seine Wirkung tut. Kaffee ist<br />

auch in fast allen seinen Erscheinungsformen<br />

ein sehr fotogenes Objekt. Daher war mir die<br />

Aufgabe sehr angenehm, aus Kaffee ein<br />

kreatives Foto zu schaffen. Ich setzte mich hin,<br />

dachte nach, hatte ein paar Ideen und verwarf<br />

sie wieder. Eines wurde mir aber klar: Der<br />

Kaffee sollte in seiner ursprünglichen Form<br />

fotografi ert werden: als Bohne. Kaffeebohnen,<br />

obwohl eine interessante Erscheinung mit<br />

fotogener Oberfl äche, sind leider nicht<br />

besonders aufregend oder kreativ. Ich musste<br />

also hunderte oder tausende von Kaffeebohnen<br />

irgendwie arrangieren. Aber wie? Mir kam eine<br />

Weltkarte in den Sinn, doch eine kurze Prüfung<br />

im Internet ergab, dass das schon mehrfach<br />

gemacht worden war. Dann überlegte ich<br />

welche direkt mit Kaffee in Verbindung<br />

stehenden Bilder es geben könnte, aber mir fi el<br />

keins ein. Also weg mit der bildhaften, direkten<br />

Verbindung zum Kaffee. Dann hatte ich es: ich<br />

würde eines der bekanntesten und sofort<br />

erkennbaren Porträts der Geschichte nachbilden<br />

– die Mona Lisa von Leonardo Da Vinci.<br />

Ein Kilo gerösteter Kaffeebohnen war schnell<br />

beschafft, dann lud ich das berühmte Bild auf<br />

meinen Computer und öffnete es in Photoshop.<br />

Mit der Funktion „Schwellenwert“ erzeugte ich<br />

ein einfarbiges Bild, ähnlich einer Zeichnung,<br />

das ich im A3 Format ausdruckte. Ich merkte<br />

schnell, dass ich ein wesentlich größeres Bild<br />

brauchen würde, wenn die Idee mit den<br />

Kaffeebohnen funktionieren sollte, denn die<br />

Bohnen waren zu groß, um die feineren Details<br />

der Mona Lisa damit darstellen zu können. Ich<br />

vergrößerte also das einfarbige Bild<br />

entsprechend und druckte je ein Viertel des<br />

Bildes im A3 Format aus. Dann setzte ich die<br />

Teile zusammen. Das sah jetzt schon viel besser<br />

aus. Der Hintergrund meines Meisterwerks<br />

würde aus Sackleinen bestehen, denn das ist<br />

das Material, aus dem Kaffeesäcke gefertigt<br />

sind. Außerdem ließ es das darunter befi ndliche,<br />

aus vier DIN A3 Bögen bestehende Bild<br />

durchscheinen, so dass ich es mit einem Marker<br />

direkt auf den rauen Stoff übertragen konnte.<br />

Nachdem das geschehen war, entfernte ich die<br />

Papierbögen und legte das Sackleinen doppelt,<br />

damit der weiße Studiofußboden nicht<br />

hindurchschien.<br />

Nun platzierte und arrangierte ich die<br />

Kaffeebohnen. Ohne zu sehr ins Detail zu<br />

gehen: Es dauerte wesentlich länger, als ich<br />

erwartet hatte, und erforderte einen weiteren<br />

Gang zum Supermarkt, da ich ein zweites Kilo<br />

Kaffee brauchte. Endlich hatte ich das Porträt<br />

zurechtgepuzzelt, und das berühmte Gemälde<br />

war tatsächlich erkennbar.<br />

Jetzt konnte das Fotografi eren beginnen. Ich<br />

benutzte ein einzelnes Studioblitzgerät mit einer<br />

kleinen Softbox seitlich des Kaffee-Mosaiks und<br />

meine auf dem Stativ montierte Nikon D800,<br />

die mittig darüber platziert wurde. Die<br />

Verschlusszeit stellte ich auf 1/250 Sekunde ein<br />

und wählte Blende f/8 – ein großer<br />

Schärfentiefebereich war zwar nicht notwendig,<br />

doch ich wollte optimale Schärfe und der<br />

Studioblitz hatte mehr als genug Leistung für<br />

diese Blende. Ich probierte eine Reihe<br />

verschiedener Schusswinkel, doch keiner sorgte<br />

für ein wirklich gutes Bild. Die Kamera musste<br />

mittig direkt nach unten gerichtet sein, was<br />

wegen der Größe des Motivs bedeutete, dass ich<br />

nicht durch den Sucher schauen konnte. Ich<br />

hielt also die Kamera auf Armlänge direkt über<br />

Oben: Mit der ausgedruckten<br />

Mona Lisa unter dem<br />

Sackleinen kopierte ich die<br />

Umrisse mit einem Marker<br />

direkt auf das Tuch.<br />

Links: Das Beleuchtungssetup<br />

war einfach. Nur die<br />

Bildkomposition mit Stativ<br />

funktionierte nicht, weil die<br />

Beine in den Bildausschnitt<br />

ragten. Also machte ich die<br />

Fotos mit ausgestrecktem<br />

Arm aus der Hand.<br />

Unten: Das Hinzufügen der<br />

Espressotasse war eine Idee<br />

in letzter Minute. Es erwies<br />

sich als guter Entschluss,<br />

denn die Tasse stellt eine<br />

symbolische Verbindung zum<br />

Thema her.<br />

das Sackleinen und machte mehrere<br />

Aufnahmen. Die Bildkomposition entstand<br />

durch Versuch und Irrtum und ich zoomte ein<br />

wenig aus, um die gesamte Fläche des<br />

Sackleinens ins Bild zu bekommen, falls ich es<br />

später zuschneiden wollte, um die<br />

Bildkomposition zu variieren. Zum Schluss<br />

stellte ich eine kleine Tasse Espresso ins Bild,<br />

um den Eindruck zu erzeugen, die Bohnen<br />

hätten sich daraus auf dem Sackleinen verteilt.<br />

In Lightroom schnitt ich das Bild zu und machte<br />

eine Weißabgleichsmessung an der weißen<br />

Espresso-Untertasse. Ich justierte die<br />

Gradationskurven und legte eine Vignette über<br />

das Bild, um die Ecken abzudunkeln, bevor ich<br />

die Datei nach Photoshop exportierte. Dann<br />

entfernte ich ein paar störende Bohnen – fertig<br />

war das Meisterwerk. In Zukunft werde ich den<br />

Kaffee lieber wieder trinken; Porträts vom<br />

lebenden Original sind doch etwas einfacher,<br />

und dauern auch nicht so lange!<br />

104 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 105


Der Creative kreative Eye Blick<br />

TASSE KAFFEE?<br />

Von Caroline Wilkinson<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 50mm f/1.4G<br />

Software: Adobe Photoshop CS5<br />

KAFFEEBOHNEN, eine dampfende<br />

Tasse, ein Kaffeehaus und eine<br />

Hochgeschwindigkeitsaufnahme<br />

kamen mir als erstes in den Sinn, als<br />

ich das Thema „Kaffee“ zur Aufgabe<br />

erhielt. Doch ich hatte keine Vorstellung, wie das<br />

konkret aussehen sollte. Meine spontanen Ideen<br />

würden eher ein grandioses Chaos verschütteten<br />

Kaffees ergeben als ein dem Thema würdiges<br />

Werbefoto.<br />

Doch nach einigem Nachdenken hatte ich es:<br />

eine Espressotasse mit Untertasse, etwas<br />

Holzleim, ein Nudelholz und ein Glas Instant-<br />

Kaffee waren die Utensilien, aus denen ein<br />

interessantes Kaffee-Stillleben entstehen würde.<br />

Das Setup sollte so einfach möglich sein,<br />

deswegen sollte das durch ein Fenster<br />

einfallende Licht genügen; ein weißes Blatt<br />

Papier sorgte für einen Highkey-Hintergrund. Es<br />

gibt vieles, das auch bei einem so kleinen Projekt<br />

schiefgehen kann, warum also die Dinge durch<br />

ein unnötig umfangreiches Setup<br />

verkomplizieren? Wenn die Kaffeetassen-<br />

Skulptur erst einmal in Position stand, würde ich<br />

sie nicht mehr bewegen können, deswegen<br />

mussten Bildkomposition und Beleuchtung auf<br />

Anhieb passen. Ein heller Tag bei bedecktem<br />

Himmel sorgte dafür, dass möglicherweise<br />

auftretende harte Schatten minimiert wurden.<br />

Nun aber zu der Kaffeeskulptur.<br />

Nachdem ich mir im Supermarkt verschiedene<br />

Sorten Instant-Kaffee angeschaut hatte, kam ich<br />

zu dem Schluss, dass ich das Granulat so fein<br />

wie möglich mahlen musste, wenn ich die<br />

Kaffeetasse samt Untertasse gleichmäßig damit<br />

bedecken wollte. Also kam der Instant-Kaffee in<br />

einen Gefrierbeutel, aus dem ich die Luft<br />

herausließ, bevor ich ihn verschloss. Mit dem<br />

Nudelholz zerkleinerte ich nun das Granulat in<br />

dem Beutel so weit wie möglich. Dann gab ich<br />

jeweils die Tasse und die Untertasse, die zuvor<br />

beide leicht mit Leim bestrichen worden waren,<br />

getrennt in den Beutel, und schüttelte den Inhalt<br />

vorsichtig solange, bis das Porzellan gleichmäßig<br />

mit Kaffeepulver bedeckt war. Entscheidend war<br />

dabei, dass nicht zu viel Leim aufgetragen<br />

worden war. Eine sehr dünne Schicht reichte<br />

aus, um das Kaffee-Granulat festzuhalten,<br />

andernfalls wäre der Kaffee mit dem Leim<br />

verschmolzen und hätte nur eine klebrige<br />

Emulsion ergeben. Es gab zwar einige Lücken<br />

und Bereiche mit dunklerem, feuchtem<br />

Kaffeepulver, doch solange eine relativ<br />

gleichmäßige Bedeckung vorhanden war,<br />

konnte man den Rest mit ein<br />

paar Retuschen in Photoshop<br />

ausgleichen.<br />

Ich trug Tasse und<br />

Untertasse vorsichtig zur<br />

Fensterbank und stellte die<br />

Kamera auf Zeitautomatik und<br />

Punktmessung ein, damit der<br />

Hintergrund überbelichtet wurde und<br />

das dunkle Kaffeegedeck noch besser zur<br />

Geltung kam. Dann experimentierte ich ein<br />

bisschen mit der Blende und dem Kamerawinkel<br />

um den richtigen Standpunkt und die richtige<br />

Bildkomposition zu bekommen, bevor ich mich<br />

für Blende f/2.8 entschied. Die geringe<br />

Schärfentiefe lieferte die besten Ergebnisse, weil<br />

die Schärfe abrupt abfi el. Blenden größer als f/4<br />

nahmen dem Bild diese Wirkung, weil zu viel<br />

des Kaffees scharf abgebildet wurde. Je kleiner<br />

die Blende, desto größer war auch die Gefahr,<br />

dass man Schatten auf dem papiernen<br />

Hintergrund sehen würde.<br />

Den richtigen Schärfepunkt zu fi nden, war nicht<br />

einfach: sollte es der Griff der Tasse sein oder der<br />

Rand? Ich entschied mich für einen Punkt<br />

dazwischen. Nachdem die Kameraeinstellungen<br />

nun geklärt waren, fügte ich ein paar Tropfen<br />

Leim hinzu und brachte mit Hilfe einer Pinzette<br />

vorsichtig einige Stücke größeren Granulats auf<br />

Tasse und Untertasse auf, um deren Oberfl ächen<br />

ein interessanteres Aussehen zu verleihen. Dann<br />

schüttete ich den Rest des Instant-Kaffees über<br />

Tasse und Untertasse und auf das Papier, um<br />

dem Auge des Betrachters etwas zu bieten, dem<br />

es von links nach rechts folgen konnte.<br />

In Photoshop öffnete ich die Raw-Dateien und<br />

nahm kleinere Korrekturen an der Belichtung<br />

vor, um sicherzustellen, dass der Hintergrund<br />

rein weiß war. Da die Belichtung korrekt war, gab<br />

106 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Links: Eine dünne<br />

Schicht Leim und ein<br />

Beutel fein gemahlenes<br />

Kaffeepulver genügten,<br />

um Tasse und<br />

Untertasse zu bedecken.<br />

Unten links: Zwei Bogen<br />

weißes Papier – einer<br />

vor dem Fenster, der<br />

andere auf der<br />

Fensterbank – erzeugten<br />

den nahtlos weißen<br />

Hintergrund. Es waren<br />

einige Testfotos nötig,<br />

bevor ich den Rest des<br />

Pulvers über mein<br />

Objekt streuen konnte;<br />

denn einmal in Position,<br />

konnte ich nichts mehr<br />

verändern.<br />

Unten: Das fertige Bild,<br />

nach ein paar<br />

Korrekturen in<br />

Photoshop.<br />

Oben rechts:<br />

Mehrfeldmessung und<br />

Blende f/5.6 ergaben<br />

eine durchschnittliche<br />

Belichtung, ohne den<br />

Hintergrund oder die<br />

Kaffeetasse zu stark zu<br />

betonen.<br />

Rechts: Mit dem<br />

Kopierstempelwerkzeug<br />

füllte ich lückenhafte<br />

Bereiche aus, an denen<br />

nicht genügend Kaffee<br />

hängen geblieben war.<br />

es außer einer geringen Kontrastverstärkung<br />

nichts weiter zu tun. Die eigentliche Arbeit<br />

bestand darin, mit dem Kopierstempelwerkzeug<br />

die verbliebenen freien Flächen der Tasse zu<br />

füllen. Dies geschah mit einem kleinen Pinsel<br />

und 100% Deckkraft, wobei ich auf den<br />

betroffenen Bereich eingezoomt hatte. Dann<br />

füllte ich die betroffenen Areale mit ähnlichen<br />

Farbtönen von benachbarten Stellen, wobei ich<br />

darauf achtete, keine wiederholenden Muster zu<br />

erzeugen.<br />

Um die Klarheit und auch den Kontrast weiter zu<br />

verbessern, duplizierte ich die Bildebene und<br />

änderte die Füllmethode der neuen Ebene auf<br />

„Weiches Licht“, wobei ich den Deckkraft-Regler<br />

zurücknahm, bis mir das Ergebnis gefi el.<br />

Die Tasse sollte nicht zu scharf abgebildet sein,<br />

trotzdem benötigte das Bild etwas Schärfung,<br />

weil ich im Raw-Format fotografi ert hatte. Ich<br />

wählte in der Ebenenpalette alle Ebenen aus und<br />

führte sie zu einer neuen Ebene zusammen, auf<br />

die ich über das Filtermenü eine sehr leichte<br />

Unschärfmaske legte. Da die Farbe des Kaffees<br />

eher fad und ausdruckslos war, fügte ich noch<br />

eine selektive Farbkorrekturebene hinzu und<br />

verstärkte die Rottöne, damit das Bild einen<br />

rotbraunen Grundton bekam, was sehr gut<br />

funktionierte, da der Weißabgleich auf Tageslicht<br />

eingestellt war. Was noch zu tun blieb, war<br />

Zuschneiden, Ausdrucken und Einrahmen –<br />

fertig.<br />

Da Holzleim wasserlöslich ist, konnte ich Tasse<br />

und Untertasse einweichen und in die<br />

Spülmaschine stellen – endlich Zeit für eine<br />

richtige Tasse Kaffee!<br />

Unterbelichtet<br />

Klonen<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 107


Der kreative Blick<br />

Sebestyén Tamás<br />

Sam Burton


LESER-WETTBEWERB: KAFFEE<br />

HIER EINIGE UNSERER LIEBLINGSBILDER AUS DER RUBRIK „DER KREATIVE BLICK“, ERSTELLT VON<br />

LESERN & FACEBOOK-FANS. BESUCHEN SIE WWW.FACEBOOK.COM/DIGITALSLRPHOTO, UM ZU<br />

ERFAHREN, WIE SIE SELBER MITMACHEN KÖNNEN!<br />

Hannah Smith<br />

Fiona Campbell<br />

Simon J Boucher-Harris<br />

Darlene Young<br />

Lee Myatt-Bennett<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE<br />

109


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

SCHÄRFE &<br />

BELICHTUNG<br />

SIE MÖCHTEN WISSEN, WIE SIE IHRE PORTRÄTS NOCH BESSER MACHEN KÖNNEN?<br />

WIR HABEN EINIGE FÜHRENDE EXPERTEN BEFRAGT, UM IHNEN DIE TECHNIKEN UND IDEEN<br />

VORZUSTELLEN, DIE IHRE FÄHIGKEITEN VERBESSERN. IN DIESEM MONAT ERKLÄRT IHNEN<br />

PROFIFOTOGRAF BRETT HARKNESS DIE GRUNDLAGEN<br />

TOLLE BILDER VON MENSCHEN aufzunehmen ist eine der<br />

beliebtesten und vielseitigsten Formen der <strong>Fotografie</strong>. Von<br />

Lifestyle bis förmlich, von der Modefotografie bis zum<br />

Schnappschuss und von Hochzeiten bis hin zu Kindern,<br />

Porträtaufnahmen erfordern eine große Vielfalt an Techniken,<br />

Ideen und Fähigkeiten, die es zu beherrschen gilt. In den<br />

nächsten Monaten möchte unser Expertenleitfaden alle<br />

wesentlichen Bereiche behandeln, die Sie brauchen, und Ihnen<br />

so dabei helfen, ihre bisher besten Porträts zu schießen. Wir<br />

werden dabei alles abdecken, was Sie wissen müssen –<br />

Kameraeinstellungen, Ideen für Aufnahmeorte, Auswahl des<br />

Objektivs und die Positionierung Ihres Motivs sind nur ein paar<br />

der Themen, die wir uns im Detail vornehmen werden. In den<br />

ersten paar Monaten vermitteln wir Ihnen die grundlegenden<br />

Kenntnisse, die Sie im Griff haben müssen. So können Sie<br />

sicher sein, dass Sie bei Anwendung dieser fundamentalen<br />

Kenntnisse tolle Ergebnisse erzielen – egal, welche Art von<br />

Porträt Sie schießen möchten. Wir garantieren Ihnen: Wenn Sie<br />

den Ratschlägen unseres Expertenratgeber für<br />

Porträtaufnahmen folgen, werden Sie bessere Bilder machen.<br />

Bei den besten Fotografen sieht es so täuschend einfach aus,<br />

tolle Bilder zu machen. Wie wir aber alle wissen, kostet es<br />

Mühe, Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit, ein wirklich<br />

herausragendes Bild zu machen.<br />

Bei den meisten Arten der Porträtfotografie steht man vor der<br />

zusätzlichen Herausforderung, neben den besten<br />

Kameraeinstellungen, der Beleuchtung und der<br />

Bildkomposition auch noch das Motiv in den Griff bekommen<br />

zu müssen. Wenn Sie sich die Grundlagen verinnerlichen, so<br />

dass sie Ihnen fast selbstverständlich werden, können Sie sich<br />

darauf konzentrieren, dass Ihr Motiv entspannt ist und genauso<br />

in Ihrem Suchfeld erscheint, wie Sie das möchten. Wenn Sie<br />

dann abdrücken, können Sie sicher sein, dass Sie tolle Bilder<br />

machen.<br />

Bevor wir uns im Detail mit Kameraeinstellungen befassen,<br />

sollten wir noch die grundlegenden Faktoren nennen, die<br />

bestimmen, ob Ihre Porträts ein Erfolg werden oder nicht. In<br />

den meisten Fällen haben die besten Porträts eine begrenzte<br />

Tiefenschärfe, bei denen die Augen perfekt scharf erscheinen<br />

und der Hintergrund schön außerhalb des Fokus liegt. Diesen<br />

Monat kümmern wir uns hauptsächlich darum, wie Sie Ihr<br />

Motiv in den Fokus setzen und die Tiefenschärfe steuern, damit<br />

Sie sicher sein können, dass Ihre Tageslichtporträts perfekt<br />

ausgeleuchtet sind. Wir schauen uns dabei die wesentlichen<br />

Kernbereiche der Fokussierung, der Belichtung und der<br />

Tiefenschärfe an. Danach beherrschen Sie mit Sicherheit die<br />

grundlegenden Fähigkeiten, um perfekte Porträtaufnahmen zu<br />

machen.<br />

TEXT: DANIEL LEZANO<br />

BILD: BRETT HARKNESS


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

GRUNDLAGEN DER PORTRÄTFOTOGRAFIE: SCHÄRFE & BELICHTUNG<br />

Bildeinstellung für perfekte Porträts<br />

DIE AUGEN SIND das wichtigste Element eines<br />

Porträts; Sie sollten also immer auf die Augen<br />

fokussieren, damit sie perfekt scharf sind.<br />

Natürlich kann das AF-System Ihrer Kamera<br />

ebenfalls auf die Augen fokussieren, muss aber<br />

richtig eingestellt sein. Zwar sind Multi-Point-AF-<br />

Systeme für die meisten Motive gut geeignet, bei<br />

Porträtaufnahmen sind sie jedoch nicht ideal.<br />

Das liegt daran, dass das AF-System bei<br />

aktiviertem Multi-Point-AF darauf programmiert<br />

ist, das nächstgelegene Motiv zu fokussieren. Bei<br />

Porträts kann das dazu führen, dass die Nase<br />

scharf erscheint, die Augen aber leicht unscharf.<br />

Wenn ihr Motiv eine Kappe trägt, kann sogar das<br />

ganze Gesicht aus dem Fokus geraten.<br />

Dieses Problem ist sehr leicht zu umgehen: Sie<br />

stellen einfach die Kamera so ein, dass nur ein<br />

AF-Sensor aktiv ist, indem Sie auf Single-Point-<br />

AF umschalten. Dabei haben Sie die Möglichkeit,<br />

den zentralen AF-Sensor oder jeden anderen<br />

AF-Sensor auszuwählen. Beide Möglichkeiten<br />

haben Ihre Vorzüge. Bei den meisten Kameras ist<br />

der zentrale AF-Sensor empfindlicher und zeigt<br />

oft ein Fadenkreuz (im Gegensatz zu den<br />

Liniensensoren), was bei kontrastarmen Motiven<br />

die AF-Genauigkeit verbessert. Wenn Sie also bei<br />

schwacher Beleuchtung fotografieren,<br />

1<br />

verwenden Sie den zentralen AF-Sensor. Wenn<br />

Sie Single-Point AF verwenden, sollten Sie<br />

sicherstellen, dass der Autofokus auf AF.S (single<br />

shot) eingestellt ist und nicht auf AF.C<br />

(continuous). Wenn Sie fokussieren, nehmen Sie<br />

das Auge in die Mitte des Fokusfeldes. Wenn Sie<br />

mit halb gedrücktem Auslöser den Fokus sperren<br />

und vor der Auslösung die Kamera bewegen, um<br />

die Bildkomposition zu verändern, wird im<br />

AF.S-Modus der Fokus nicht verändert. Im<br />

AF.C-Modus dagegen ändert das Objektiv den<br />

Fokus mit jeder Bewegung, was zu unscharfen<br />

Ergebnissen führt.<br />

Da die Kamera zwischen Fokussieren und<br />

Auslösen bewegt wird, ist der zentrale AF-Sensor<br />

auch bei der Arbeit mit Stativ nicht die beste<br />

Wahl. In diesem Fall ist es besser, im AF.S-Modus<br />

das Sensorfeld über dem Auge des Motivs zu<br />

platzieren und vor jeder Aufnahme neu zu<br />

fokussieren.<br />

Das nicht zentrale AF-Feld ist auch dann zu<br />

empfehlen, wenn Sie mehrere Aufnahmen in<br />

schneller Folge machen möchten, ohne auf die<br />

Autofokussperre des zentralen AF-Feldes<br />

angewiesen zu sein. So zum Beispiel, wenn Sie<br />

Gruppen fotografieren, wo das Motiv nicht in der<br />

Mitte ist, oder wenn Sie mit vertikaler Kamera<br />

Einstellung des AF<br />

Im Autofokus-Einstellungsmenü können Sie<br />

zwischen Multi-Point- und Single-Point-AF<br />

umschalten. Abhängig von Ihrer Kamera,<br />

kommen Sie in dieses Auswahlfenster,<br />

indem Sie den Menübutton oder den<br />

AF-Modus-Button drücken; einige ältere<br />

Modelle haben noch Schalter zur Auswahl<br />

des AF-Modus. Wenn Sie sich für<br />

Single-Point-AF entscheiden, verwenden<br />

Sie den Vier-Wege-Schalter oder das<br />

Einstellrad, um einen bestimmen AF-Punkt<br />

auszuwählen. Der zentrale AF-Punkt ist der<br />

empfindlichste und daher oft die beste<br />

Wahl.<br />

Bildfolgen eines beweglichen Motivs schießen<br />

bzw. Ihre Position selbst verändern.<br />

Letztlich liegt die Wahl bei Ihnen; manche<br />

bevorzugen die Autofokussperre, andere die<br />

Verwendung des nichtzentralen AF-Sensors.<br />

Testen Sie beide Methoden und nutzen Sie jene,<br />

die für Sie am besten funktioniert.<br />

Die folgenden beiden Bildserien zeigen Beispiele<br />

dafür, wann das Umschalten von einer<br />

AF-Einstellung zur einer anderen bessere<br />

Ergebnissen liefern kann.<br />

An Hindernissen vorbei fokussieren<br />

2<br />

1) Auf Multi-Point-AF eingestellt, hat die Kamera<br />

den Fokus auf den Baum im Vordergrund<br />

gesperrt, was dazu führt, dass unser Motiv<br />

wegen der geringen Tiefenschärfe sehr unscharf<br />

erscheint.<br />

2) Durch Auswahl des Single-Point-AF, ist eher<br />

das Motiv als der Baum im scharfen Fokus. Das<br />

Ergebnis ist ein Porträt, bei dem das Motiv schön<br />

von den beiden Bäumen eingerahmt ist.<br />

3 4 5<br />

Auf die Augen fokussieren<br />

3) Auf Multi-Point-AF eingestellt, wird der Hut als das am<br />

nächsten liegende Motiv erkannt, und darauf stellt sich<br />

der Autofokus ein. Durch die geringe Tiefenschärfe<br />

erscheint das Gesicht unscharf.<br />

4) Die Lösung ist die Einstellung Ihrer Kamera auf einen<br />

einzelnen AF-Punkt. Achten Sie darauf, entweder den<br />

Fokuspunkt zu wählen, der über dem Auge liegt oder<br />

verwenden Sie den zentralen AF-Sensor und sperren Sie<br />

ihn auf das Auge. Bei diesem Bild ist der AF-Punkt auf die<br />

Nasenspitze eingestellt und gesperrt.<br />

5) Unter Verwendung des zentralen AF-Sensors wurde<br />

der Fokus auf das Auge gesperrt und das Bild dann neu<br />

aufgebaut. Zusätzlich wurde ein Reflektor verwendet, um<br />

die Tiefen zu füllen und die Hauttöne aufzuhellen.<br />

112 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Der Baum als<br />

Menschenmenge...<br />

Verwenden Sie Bäume als<br />

natürliche Umrahmung Ihres<br />

Motivs, aber achten Sie auf die<br />

richtige Steuerung des Fokus.<br />

Belichtung: 1/1250 Sek. bei<br />

f/3.2 (ISO 320).<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 113


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

GRUNDLAGEN DER PORTRÄTFOTOGRAFIE: SCHÄRFE UND BELICHTUNG<br />

Die beliebtesten Möglichkeiten der Belichtungskontrolle<br />

ES GIBT UNTERSCHIEDLICHE Methoden, um<br />

perfekt belichtete Ergebnisse zu erzielen. Fragen Sie<br />

zehn verschiedene Hobby- und Profifotografen, wie<br />

sie ihre Porträtaufnahmen belichten – insbesondere<br />

bei schwierigen Lichtverhältnissen – und Sie<br />

werden zehn verschiedene Antworten erhalten. An<br />

dieser Stelle möchten wir Ihnen drei beliebte<br />

Methoden vorstellen. Bei zwei davon kommt eine<br />

Belichtungshilfe zum Einsatz, bei der dritten handelt<br />

es sich um den allseits beliebten Einsatz von<br />

Erfahrung und dem LCD-Display, um ein korrektes<br />

Ergebnis zu erzielen. Wie bereits erwähnt, kann<br />

theoretisch jede Belichtungsmethode angewendet<br />

werden. Die beliebtesten darunter sind<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl, Programmmodi<br />

oder der manuelle Modus. Benutzen Sie einfach die<br />

Methode, mit der Sie am besten vertraut sind. Für<br />

unser Beispiel haben wir unser Objekt außerhalb<br />

eines breiten, geöffneten Türdurchganges platziert,<br />

der einen fast schwarzen Hintergrund liefert; ein<br />

Szenario, das die große Mehrheit der Multizonen-<br />

Messsysteme zu einer schlechten Belichtung der<br />

Szene führen würde. Es gibt nur wenige<br />

Möglichkeiten, um eine korrekte Belichtung zu<br />

erreichen und wir wollen Ihnen zunächst zeigen,<br />

wie Sie eine Graukarte und einen<br />

Belichtungsmesser verwenden können, um die<br />

Belichtung zu berechnen. Anschließend folgt die<br />

beliebteste Methode: Die Verwendung des<br />

LCD-Displays.<br />

MULTIZONEN-MESSUNG<br />

Die Verwendung des Multizonen-Messsystems<br />

der Kamera ist normalerweise eine zuverlässige<br />

Methode, um gut belichtete Aufnahmen zu<br />

erzielen. Hier jedoch führt das Multizonen-<br />

Muster dazu, dass das Objekt aufgrund des<br />

dunklen Hintergrundes überbelichtet wird. Die<br />

Lösung ist die Verwendung einer der drei im<br />

Folgenden dargestellten Methoden.<br />

1) VERWENDUNG EINER GRAUKARTE<br />

Stellen Sie an Ihrer Kamera den manuellen<br />

Belichtungsmodus und das Punktmesssystem<br />

ein. Bitten Sie Ihr Modell, eine Graukarte vor sein<br />

Gesicht zu halten.<br />

Der Bereich der Punktmessung wird nun von der<br />

Graukarte ausgefüllt. Passen Sie die Belichtung so<br />

an, dass die Anzeige über der Null steht. Machen<br />

Sie eine Probeaufnahme und kontrollieren Sie<br />

diese. Sie sollte korrekt belichtet sein.<br />

2) EXTERNE BELICHTUNGSMESSER<br />

Stellen Sie sicher, dass die ISO-Einstellungen an<br />

der Kamera und an dem Belichtungsmessgerät<br />

übereinstimmen. Halten Sie das Messgerät mit<br />

der weißen Kappe über dem Messsensor vor das<br />

Gesicht Ihres Modells und nehmen Sie eine<br />

Messung vor. Schalten Sie Ihre Kamera auf<br />

manuellen Belichtungsmodus um, stellen Sie die<br />

gemessene Belichtung ein, machen Sie eine<br />

Probeaufnahme und kontrollieren Sie diese.<br />

Belichtungsskalen bei Aufnahmen in manuellem Modus<br />

Bei der Benutzung einer Graukarte oder eines<br />

Belichtungsmessers kann es passieren, dass die<br />

Markierung an der Anzeigeskala nicht genau<br />

über der Null sitzt, wenn die gemessene<br />

Belichtung im manuellen Modus an der Kamera<br />

eingestellt wird. Aber keine Sorge, das<br />

Messsystem Ihrer Kamera funktioniert trotzdem<br />

noch, sodass die Anzeigeskalen im Sucher und<br />

auf dem LCD-Display die von der Kamera<br />

empfohlenen Werte anzeigen. Wenn Sie die<br />

Graukarte und das Belichtungsmessgerät korrekt<br />

verwendet haben, ist die Belichtung nun korrekt<br />

eingestellt. Die Markierung zeigt ggf. an, wie weit<br />

das Messsystem der Kamera von der korrekten<br />

Belichtung abweicht. In unserem Fall dieser<br />

speziellen Szene sitzt die Markierung auf der<br />

Belichtungsanzeigeskala über der -1.3<br />

EV-Marke. Das zeigt, dass die Kamera das Motiv<br />

um 1,3 Stufen überbelichtet hätte. Das mag<br />

kompliziert klingen, aber Sie werden dieses<br />

System schnell verstehen und anwenden<br />

können.<br />

114 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


3) KONTROLLE AUF DEM LCD-DISPLAY<br />

Die dritte Möglichkeit, die von der Mehrheit aller<br />

Fotografen regelmäßig angewendet wird,, so auch vom<br />

Profi Brett Harkness, ist eine Probeaufnahme zu<br />

machen, entweder in Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl oder in einem Programmmodus,<br />

diese auf dem LCD-Monitor zu kontrollieren und bei<br />

Bedarf eine Belichtungskorrektur hinzuzufügen, um<br />

die richtige Belichtung zu erzielen. Diese Methode<br />

funktioniert ebenfalls gut, Sie müssen sich aber<br />

bewusst sein, wie das Bild auf dem LCD im Verhältnis<br />

zur tatsächlichen Aufnahme angezeigt wird, denn<br />

manche LCDs zeigen das <strong>Vorschau</strong>bild etwas heller<br />

oder dunkler an. Um ganz sicher zu gehen, sollten Sie<br />

deshalb auch das Histogramm des Bildes anschauen.<br />

Sie werden feststellen, dass die Kameras neuerer<br />

Generationen über viel bessere LCDs verfügen als<br />

solche, die schon ein paar Jahre älter sind.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Ich kann verstehen, warum manche Fotografen<br />

Graukarten und Belichtungsmessgeräte verwenden.<br />

Ich hingegen vertraue lieber meiner eigenen<br />

Erfahrung. Ich schätze die Belichtung ab und<br />

kontrolliere das Ergebnis auf dem LCD. Gewöhnlich<br />

schaue ich mir das Bild kurz an und kontrolliere<br />

Fokus und Belichtung, bevor ich fortfahre.<br />

Wenn Sie diese Methode anwenden, sollten Sie<br />

wissen, ob die Helligkeit des LCDs Ihrer Kamera der<br />

Ihres Computermonitors entspricht, um die<br />

Ergebnisse richtig zu bewerten. Passen Sie beide<br />

möglichst aneinander an und schalten Sie den<br />

automatischen Helligkeitsmodus am Kamera-<br />

Display ab, sofern diese Einstellung verfügbar ist.<br />

Histogramme können ebenfalls hilfreich sein, wenn<br />

Sie wissen, wie das Diagramm gelesen wird.<br />

Bedenken Sie auch, dass Sie zum Beispiel bei<br />

Mode- und Hochzeitsaufnahmen wenig Zeit zum<br />

Kontrollieren haben.“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 115


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

GRUNDLAGEN DER PORTRÄTFOTOGRAFIE: SCHÄRFE UND BELICHTUNG<br />

Tiefenschärfe bei Porträtaufnahmen<br />

PORTRÄTS PROFITIEREN MEHR als jede<br />

andere Motiv von kurzer Tiefenschärfe. Für<br />

Brustbilder ist dies eine klassische Methode, um<br />

die Augen scharf abzubilden, während Gesicht<br />

und Schultern graduell aus dem Fokus gleiten.<br />

Bei Ganzkörper-Porträts wird der Hintergrund<br />

entsprechend unscharf, sodass er nicht mehr<br />

vom Modell ablenken kann. Auch bei Aktfotos<br />

oder Porträts, zum Beispiel im Gegenlicht eines<br />

Fensters, lässt sich diese Technik wunderbar<br />

nutzen, um Spitzlichter zu einem<br />

geheimnisvollen Leuchten abzudämpfen.<br />

Dabei ist sie erstaunlich einfach anzuwenden:<br />

Sie brauchen nur eine große Blende zu wählen<br />

und darauf zu achten, dass die Augen Ihres<br />

Modells fokussiert sind. Objektive mit weiter<br />

Maximalblende bieten natürlich den Vorteil,<br />

eine flachere Tiefenschärfe produzieren zu<br />

können als solche mit kleineren Blenden. Aus<br />

diesem Grund verwenden die meisten<br />

Profifotografen für diese Technik f/2.8-Optiken.<br />

Diese sind jedoch sehr teuer in der Anschaffung;<br />

wenn Sie also über ein eingeschränktes Budget<br />

verfügen, sollten Sie in ein 50 mm f/1.8<br />

Objektiv investieren. Dies ist eines der<br />

erschwinglichsten Objektive mit<br />

Festbrennweite, die auf dem Markt erhältlich<br />

sind, und eines der schnellsten. Bei Blende<br />

f/1.8 ist der Abfall der Tiefenschärfe erstaunlich<br />

kurz. Alternativ können Sie ein Telezoom mit<br />

längerer Brennweite verwenden, das bei weit<br />

geöffneter Blende ebenfalls eine sehr kurze<br />

Tiefenschärfe bietet.<br />

Wenn Sie oft große Blenden verwenden,<br />

müssen Sie jedoch sehr sorgfältig arbeiten,<br />

denn wenn Sie ungenau fokussieren, riskieren<br />

Sie unscharfe Ergebnisse aufgrund der kurzen<br />

Schärfezone. Darüber hinaus ist eine sehr<br />

flache Tiefenschärfe nicht in jedem Fall<br />

wünschenswert. Oftmals werden Sie auch<br />

Details scharf abbilden wollen, die sich hinter<br />

dem Gesicht Ihres Modells befinden; in dem Fall<br />

ist eine kleinere Blende die bessere Wahl.<br />

Das Tolle an der Tiefenschärfe ist, dass man sie<br />

leicht kontrollieren kann. Wenn Sie schnell die<br />

Blendeneinstellungen wechseln und<br />

Probeaufnahmen machen, können Sie leicht<br />

den Effekt finden, der am besten dazu passt,<br />

was Sie mit Ihrem Porträt erreichen möchten.<br />

Wir behandeln die Tiefenschärfe noch<br />

eingehender in einem späteren Beitrag; das<br />

Wissen, wie Blenden die Szene im Fokus<br />

beeinflussen, ist jedoch der Schlüssel zu<br />

großartigen Fotos und unerlässlich, wenn Sie<br />

Ihre Porträtaufnahmen verbessern möchten.<br />

Machen Sie Probeaufnahmen bei<br />

unterschiedlichen Blendeneinstellungen und<br />

schauen Sie sich genau die Ergebnisse an.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Allgemein funktionieren Porträtaufnahmen<br />

am besten, wenn die Tiefenschärfe flach ist.<br />

Dies ist aber keine unumstößliche Regel.<br />

Wenn ich Gruppen oder Kinder in Bewegung<br />

fotografiere, verwende ich eine kleinere Blende<br />

wie f/11, um sicherzugehen, dass ein<br />

möglichst großer Bereich scharf abgebildet ist.<br />

Ich verwende das 70–200 mm Objektiv mit<br />

Blende f/8, wenn die Kleidung betont werden<br />

soll, weil dies den Körper scharf abbildet, aber<br />

den Hintergrund verschwimmen lässt.<br />

Meist fotografiere ich mit einer größeren<br />

Blende, um dem Bild mehr Dramatik zu<br />

verleihen und das Modell vom Hintergrund zu<br />

lösen. Für die ultimativ flache Tiefenschärfe<br />

verwende ich eine f/1.2 Optik und halte beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren den Atem an, um den perfekten<br />

Fokus zu erzielen!“<br />

Unten: Diese Bilder illustrieren die Effekte der<br />

Blendenwahl auf die Tiefenschärfe und wie diese die<br />

ästhetische Qualität eines Fotos beeinflusst. Große<br />

Blenden sind am besten geeignet, um das Objekt aus<br />

dem Hintergrund herauszulösen. Kleinere Blenden<br />

hingegen passen zu Bildern, bei denen die gesamte<br />

Szene wichtig ist.<br />

f/2.8 f/4 f/5.6 f/8<br />

f/11 f/16 f/22 f/32<br />

116 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Am Pier<br />

Ein Pier kann recht unansehnlich<br />

wirken; wenn Sie aber eine relativ<br />

kurze Tiefenschärfe einstellen, wird<br />

er so verschwommen abgebildet,<br />

dass er als interessanter<br />

Hintergrund dient, ohne vom Motiv<br />

abzulenken.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 117


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

GRUNDLAGEN DER PORTRÄTFOTOGRAFIE: SCHÄRFE UND BELICHTUNG<br />

So setzen Sie Ihr<br />

Fotowissen in die<br />

Praxis um<br />

WIE WIR BEREITS erklärt haben, können Sie<br />

sich in der Mehrheit aller Aufnahmesituationen<br />

darauf verlassen, dass Ihnen Ihre Kamera<br />

korrekte Belichtungswerte liefert. Nichtsdestotrotz<br />

gibt es immer wieder Situationen, in denen Sie<br />

selbst die Kontrolle übernehmen müssen, um<br />

gute Ergebnisse zu erzielen. Aber was ist in<br />

wirklich schwierigen Szenen, die nicht nur helle<br />

Spitzlichter, sondern auch dunkle Schatten<br />

enthalten? Wir fanden ein solches Szenario in<br />

einer alten Wollfabrik, wo der sehr dunkle<br />

Innnenraum von einzelnen Lichtstrahlen durch<br />

Fenster und Löcher im Dach durchbrochen<br />

wurde. Solche starken Kontraste verlangen es,<br />

dass der Fotograf selbst die Kontrolle für die<br />

Belichtung übernimmt. Schauen Sie sich die<br />

Bilder an und überlegen Sie, wie Sie mit der<br />

Situation umgegangen wären; vergleichen Sie<br />

dann Ihre Methode mit der unten erklärten<br />

Vorgehensweise von Brett.<br />

Oben & rechts: Durch eine Reihe von Dachluken fällt<br />

das Sonnenlicht in diesen Bereich der Fabrik. Brett hat<br />

Emma in der Nähe des Rollos platziert und somit die<br />

starken, horizontalen und vertikalen Linien für seinen<br />

Bildaufbau ausgenutzt.<br />

Bretts Einstellungen<br />

„Die Belichtungskorrektur ist der Schlüssel zur<br />

Behandlung schwieriger Lichtsituationen wie<br />

dieser. Wenn ich die Kamera im Programm-<br />

Modus belasse und die Belichtungskorrektur<br />

anpasse, kann ich schnell Veränderungen<br />

vornehmen. Da ich weiß, dass das Modell<br />

überbelichtet wird, mache ich eine<br />

Probeaufnahme mit einer<br />

Belichtungskorrektur von -1 EV und<br />

kontrolliere das Ergebnis auf dem LCD. Weil es<br />

so dunkel ist, muss ich die Verschlusszeit im<br />

Auge behalten, um Verwacklungsunschärfen<br />

zu vermeiden. Falls notwendig, muss ich noch<br />

den ISO-Wert erhöhen.<br />

Bei diesen beiden Aufnahmen habe ich für ein<br />

perfektes Ergebnis die Belichtungskorrektur<br />

auf -1,33 EV eingestellt.“<br />

Oben: Brett stellt fest, dass eine Belichtungskorrektur<br />

von -1,33 EV die besten Ergebnisse liefert.<br />

Links & rechts: Dieser dunkle Flur wird von<br />

Lichtstrahlen durchbrochen, die durch Löcher im<br />

Dach hereinfallen.<br />

118 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Interessante<br />

Hintergrundsetails<br />

Es hat keinen Sinn, interessante<br />

Locations zu nutzen, wenn man<br />

nichts davon sieht! Dieses Fenster<br />

enthüllt interessante Details im<br />

Hintergrund und stellt somit ein<br />

eigenes Bildelement dar.<br />

Perfekte Belichtung<br />

Egal, welche Messmethode Sie<br />

verwenden: Achten Sie<br />

unbedingt darauf, dass das<br />

Gesicht ausreichend belichtet<br />

wird. Dieses Bild wurde mit einer<br />

Belichtungszeit von 1/100 Sek.<br />

bei Blende f/3.5 (ISO 400)<br />

aufgenommen.<br />

Positionierung des<br />

Motivs<br />

Damit dieses Bild funktioniert,<br />

muss das Hauptmotiv perfekt<br />

ausgeleuchtet sein. Die<br />

Positionierung unseres Modells<br />

Emma in den Strahlen des<br />

Sonnenlichts sorgt dafür.<br />

Verwackeln vermeiden!<br />

In Low-Light-Situationen besteht beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren aus der Hand immer das<br />

Risiko von Verwacklungsunschärfe.<br />

Setzen Sie den ISO-Wert herauf und<br />

fotografieren Sie mit großer Blende,<br />

um das Risiko so gering wie möglich<br />

zu halten.


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

BILDKOMPOSITION<br />

SIE MÖCHTEN DIE BESTEN PORTRÄTAUFNAHMEN IHRES LEBENS MACHEN? WIR HABEN<br />

EINIGE FÜHRENDE EXPERTEN BEFRAGT, UM SIE BEI DER VERBESSERUNG IHRER<br />

FÄHIGKEITEN ZU UNTERSTÜTZEN.<br />

IN DIESEM MONAT HILFT UNS PROFIFOTOGRAF BRETT HARKNESS, DIE GRUNDREGELN DER<br />

BILDKOMPOSITION FÜR PORTRÄTFOTOS ZU ERLÄUTERN.<br />

DAS FOTOGRAFIEREN GROSSARTIGER PORTRÄTS<br />

erfordert einige Fähigkeiten. Unser monatlicher Ratgeber ist<br />

darauf ausgelegt, diese komplett abzudecken, sodass Sie auf<br />

jede Herausforderung vorbereitet sind. In den folgenden<br />

Monaten werden wir verschiedene artverwandte Themen<br />

tiefergehend betrachten – von den Formen der Ausleuchtung<br />

bis hin zu fortgeschrittenen Techniken.<br />

In diesem zweiten Teil dieses umfassenden Ratgebers wollen<br />

wir eine wichtige Grundkenntnis genauer erläutern. Im<br />

letzten Monat haben wir die Fokussierung und die<br />

Belichtungsmessung behandelt und Ihnen gezeigt, wie Sie<br />

Ihre Kamera so einstellen, dass Ihre Fotos<br />

rasiermesserscharf und immer gut belichtet sind. In diesem<br />

Monat setzen wir unsere Grundlagen für Porträtaufnahmen<br />

mit Expertenratschlägen zu einem Thema fort, das eine<br />

zentrale Rolle für den Erfolg Ihrer Bilder spielt: die<br />

Bildkomposition.<br />

Wenn es um Bildkomposition geht, stehen normalerweise<br />

Dinge wie die Drittelregel und Führungslinien im<br />

Vordergrund. In diesem Ratgeber wollen wir uns aber darauf<br />

konzentrieren, wie Ihr Motiv mit anderen Objekten im<br />

Bildausschnitt interagiert, und wie Sie über die<br />

Ausgewogenheit oder Unausgewogenheit der Komposition<br />

visuelle Effekte realisieren können.<br />

Unser Expertenratgeber für Porträtaufnahmen wird über<br />

mehrere Monate erscheinen und eine große Bandbreite an<br />

Objekten, Techniken und Schauplätzen abdecken. Jeder<br />

Ratgeber enthält fantastische Fotos und inspirierende Ideen,<br />

die Sie selbst ausprobieren können.<br />

Wir garantieren: Wenn Sie die Ratschläge unserer<br />

Expertenratgeber befolgen, erzielen Sie schon bald viel<br />

bessere Porträtaufnahmen!<br />

TEXT: DANIEL LEZANO<br />

BILDER: BRETT HARKNESS


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

PORTRÄTS: BILDKOMPOSITION<br />

Die Grundlagen einer guten Porträtkomposition<br />

DIE KUNST DER BILDKOMPOSIITION hat für den<br />

Porträtfotografen viele Faktoren gemeinsam mit<br />

anderen Bereichen der <strong>Fotografie</strong>, zum Beispiel<br />

Landschaftsaufnahmen. Es gibt allerdings auch<br />

Unterschiede. Grundregeln wie die Drittelregel und<br />

Führungslinien spielen auch bei einer<br />

Porträtaufnahme eine große Rolle für den Erfolg. Aber<br />

auch andere, spezifischere Überlegungen finden ihre<br />

Anwendung. Anders als bei Landschaften, haben Sie<br />

die Kontrolle über das Objekt und darüber, in welche<br />

Beziehung es mit seiner Umgebung tritt. Beide dazu<br />

zu bringen, miteinander zu interagieren, ist für die<br />

meisten Arten der Porträtfotografie der Schlüssel zu<br />

großartigen Ergebnissen.<br />

Jedes Szenario bietet dem Fotografen andere<br />

Möglichkeiten und Herausforderungen, deswegen<br />

bieten wir diesen Monat in unserem<br />

Expertenratgeber für Porträtaufnahmen einen<br />

breitgefächerten Überblick über die Überlegungen,<br />

die Sie anstellen müssen, wenn Sie<br />

Porträtaufnahmen fotografieren möchten. Sie werden<br />

feststellen, dass Sie sich bei Ausschnitten von Kopf<br />

und Schultern lediglich auf die Position des Objekts<br />

im Bildausschnitt konzentrieren müssen, bei<br />

weiteren Ausblicken jedoch dessen Position in und<br />

seine Beziehung zu der Umgebung bestimmen<br />

müssen.<br />

Neulinge stellen professionellen Porträtfotografen<br />

häufig die Frage: „Wo im Bildausschnitt sollte ich das<br />

Objekt positionieren und wie sollte ich es darin<br />

beschneiden?“<br />

Auf diese Frage gibt es keine einzig richtige Antwort,<br />

da es keine Grundregel bezüglich richtig oder falsch<br />

gibt, die angewendet werden könnte, sondern<br />

lediglich lockere Richtlinien. Letztlich wird die beste<br />

Position von einer ganzen Reihe von Variablen<br />

DIE DRITTELREGEL BEI DER<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE<br />

DER WICHTIGSTE ASPEKT des Bildaufbaus für die<br />

Porträtfotografie ist die Drittelregel. Bei dieser geht es<br />

darum, den wichtigsten Fokuspunkt an der am<br />

besten passenden Stelle im Bildausschnitt zu<br />

platzieren, um das am besten ausbalancierte und<br />

kraftvollste Ergebnis zu erzielen. Das ist ein ganz<br />

einfaches und leicht verständliches Konzept: Stellen<br />

Sie sich einfach vor, der Bildausschnitt sei durch<br />

zwei horizontale und zwei vertikale Linien in neun<br />

gleich große Bereiche aufgeteilt. Die Stellen, an<br />

denen die Linien einander kreuzen, werden im<br />

Allgemeinen als die kraftvollsten Positionen<br />

betrachtet, an denen die wichtigsten Details des<br />

Motivs platziert werden sollten.<br />

Wenn Sie Nahaufnahmen des Gesichts oder<br />

Ausschnitte von Kopf und Schultern fotografieren,<br />

gilt es als der richtige Weg, auf ein Auge des Modells<br />

zu fokussieren und dann sicherzustellen, dass das<br />

Bild so aufgebaut ist, dass dieses Auge sich an einer<br />

der beiden Stellen im oberen Bereich befindet, an<br />

der sich die Linien kreuzen. Wenn Sie Ganzkörperund<br />

Dreiviertelporträts schießen, wird das Gesicht<br />

Rechts oben: Das Sofa lenkt das Auge des<br />

Betrachters durch den Bildausschnitt hindurch und<br />

zu dem Modell hin, welches sich im unteren linken<br />

Drittel des Bildausschnitts befindet.<br />

beeinflusst, von dem Schauplatz über die Pose bis<br />

hin zu dem Zweck des Bildes. Die einfachste<br />

Antwort, die wir Ihnen geben können, ist: Machen<br />

Sie sich vor dem Shooting Gedanken darüber, welche<br />

Art von Foto Sie einfangen möchten, sodass Sie diese<br />

Ideen in die Tat umsetzen können, sobald Sie sich<br />

am Schauplatz befinden und Ihr Modell bereit ist.<br />

Nichtsdestotrotz sollten Sie sich aber auch die Zeit<br />

nehmen, Brennweiten und Blickwinkel zu<br />

verändern, mit einem größeren Bildausschnitt zu<br />

experimentieren, der einen großen Teil der Szene<br />

beinhaltet, sowie einem enger beschnittenen<br />

Ausschnitt, bei dem nur Kopf und Schultern oder<br />

sogar nur das Gesicht den Bildrahmen füllen.<br />

Probieren Sie unterschiedliche Ansätze aus und<br />

betrachten Sie Ihre Bilder in regelmäßigen<br />

Abständen. Arbeiten Sie dann weiter an Ihren<br />

Lieblingsfotos. Ihre Priorität liegt zwar bei Ihrem<br />

Modell, aber seien Sie sich trotzdem der Elemente<br />

am Schauplatz bewusst, die eingesetzt werden<br />

können, um den generellen Aufbau des Bildes zu<br />

verbessern.<br />

Modefotografen nehmen oftmals das gesamte<br />

Modell in den Bildausschnitt auf, um die Kleidung zu<br />

zeigen. Das Gesicht ist dabei zumeist recht klein im<br />

Bild, sodass für allgemeine Porträtaufnahmen ein<br />

engerer Bildausschnitt bevorzugt wird. Achten Sie<br />

darauf, an welcher Stelle Sie das Motiv beschneiden.<br />

Wenn Sie es am Bauch oder am Knie abschneiden,<br />

sehen die Ergebnisse merkwürdig und<br />

unausgewogen aus. Normalerweise funktionieren<br />

engere Bildausschnitte auf Höhe der Hüften recht<br />

gut, ebenso wie Ausschnitte über die Brust bei<br />

aussagekräftigen Porträts von Kopf und Schultern.<br />

Wenn Sie mutig sind, können Sie auch den oberen<br />

Teil des Kopfes beschneiden. Das mag drastisch<br />

für gewöhnlich auf oder in der Nähe von einer der<br />

Kreuze platziert. Das ist die grundsätzliche Regel,<br />

die für die Mehrheit der Fälle auch gut funktioniert,<br />

aber denken Sie daran: Es ist ein Ratschlag und<br />

nicht in Stein gemeißelt, und Sie werden feststellen,<br />

dass das Brechen dieser Grundregel für die<br />

Bildkomposition oftmals ebenfalls zu<br />

hervorragenden Ergebnissen führen kann. Wenden<br />

Sie sie also an, aber halten Sie auch immer<br />

Ausschau nach Möglichkeiten, alternative<br />

Bildkompositionen auszuprobieren.<br />

Oben: Wenn Sie Ihr Modell mittig im Bildausschnitt<br />

positionieren, kann dies zu einer kraftvollen,<br />

energiegeladenen Bildkomposition führen.<br />

klingen, ist aber eine häufig angewendete Technik,<br />

die sowohl bei Brustbildern mit engem<br />

Bildausschnitt als auch bei weiteren Kompositionen<br />

gut geeignet ist, um die Betonung auf das Gesicht<br />

des Objekts zu legen.<br />

Wie bei anderen Formen der <strong>Fotografie</strong> gilt auch hier:<br />

Wenn Sie die Grundregeln der Bildkomposition<br />

anwenden, erhalten Sie für gewöhnlich bessere<br />

Porträts. Befolgen Sie unsere Ratschläge und<br />

Techniken und Sie werden schon sehr bald die<br />

Fähigkeiten entwickeln, die Sie für perfekt<br />

aufgebaute Porträtaufnahmen benötigen.<br />

Der offensichtliche Weg, die traditionellen Regeln<br />

des Bildaufbaus zu brechen, ist, Ihr Objekt frech in<br />

der Mitte des Bildausschnitts zu platzieren.<br />

Vergessen Sie Drittel und einander kreuzende Linien<br />

– in manchen Situationen kann es hervorragend<br />

funktionieren, wenn Sie Ihr Objekt so platzieren,<br />

dass es die Mitte Ihres Bildes dominiert.<br />

Experimentieren Sie bei Porträtaufnahmen mit der<br />

Position Ihres Objekts innerhalb des Bildausschnitts.<br />

Machen Sie eine Serie von Aufnahmen, die Sie sich<br />

später anschauen, und aus der Sie lernen können.<br />

122 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Seien Sie mutig bei<br />

der Bildkomposition!<br />

Regeln sind dazu da, um<br />

gebrochen zu werden. Haben<br />

Sie also keine Angst, radikale<br />

Ideen auszuprobieren, wie<br />

zum Beispiel einen Teil Ihres<br />

Objekts abzuschneiden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 123


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

PORTRÄTS: BILDAUFBAU<br />

FÜHRUNGSLINIEN<br />

DAS VERWENDEN VON LINIEN, die das Auge des<br />

Betrachters in die Szene führen, ist bei<br />

Landschafts- und Architekturfotografi en sehr<br />

beliebt, erfüllt aber auch in der Porträtfotografi e<br />

seinen Zweck. Die Form des Objekts sowie die<br />

Elemente in der Umgebung können individuell<br />

oder gemeinsam eingesetzt werden, um als<br />

Führungslinien zu dienen.<br />

Wenn der Körper des Modells den Bildausschnitt<br />

füllt, ist es allgemein üblich, Arme und Beine so<br />

zu positionieren, dass ihre Form und Winkel den<br />

Blick des Betrachters in das Bild hinein ziehen.<br />

Aus diesem Grund sollten Sie nicht nur darauf<br />

achten, dass Ihr Modells natürlich und entspannt<br />

posiert, sondern auch darauf, dass die Positionen<br />

der Gliedmaßen als Führungslinien dienen<br />

können. Diese Technik ist besonders beliebt bei<br />

Aktfotos, weil die vertraute Form des<br />

menschlichen Körpers besonders dazu geeignet<br />

ist, unsere Blicke anzuziehen.<br />

Wenn das Objekt einen großen Teil des<br />

Bildausschnitts mit dem Schauplatz teilt, sollten<br />

Sie nach Elementen Ausschau halten, die dazu<br />

beitragen können, das Auge zum ausgewählten<br />

Fokuspunkt zu führen. Geländer, Wände und<br />

Muster auf der Straße sind sehr offensichtlich,<br />

andere können viel subtiler sein, etwa Schatten,<br />

Treppenstufen oder Strukturen im Hintergrund.<br />

Auch der gezielte Einsatz kurzer Tiefenschärfe<br />

kann den Blick des Betrachters manipulieren und<br />

seine Aufmerksamkeit auf den hauptsächlichen<br />

Fokuspunkt lenken.<br />

2<br />

1<br />

FÜHRUNGSLINIEN IN EINER<br />

STÄDTISCHEN SZENE<br />

Führungslinien funktionieren oft am besten, wenn sie<br />

subtil sind und das Auge unbewusst durch das Bild<br />

führen. Es lohnt sich also auf jeden Fall, eine Szene nach<br />

möglichen Führungslinien abzusuchen. Diese beiden<br />

am gleichen Schauplatz aufgenommenen Bilder zeigen,<br />

wie die Verwendung von Führungslinien einem Bild<br />

mehr Tiefe und ein visuell interessantes Zusatzdetail<br />

verleiht.<br />

1) Dieses Porträt ist völlig in Ordnung. Es ist hell und<br />

farbenfroh und verfügt über einen interessanten<br />

Hintergrund. Nichtsdestotrotz wirkt es ein wenig<br />

zweidimensional.<br />

2) Hier wurde das Modell gebeten, sich gegen die Wand<br />

zu lehnen und einen etwas niedrigeren Blickwinkel<br />

einzunehmen. Die Geländer über und hinter dem<br />

Modell sowie die Wand, an die es sich lehnt, tragen nun<br />

beide dazu bei, das Auge zu dem Objekt hin zu lenken<br />

und verleihen dem Bild gleichzeitig mehr Tiefe.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Wenn Sie das Auge des Betrachters zum<br />

Objekt hin lenken möchten, sind<br />

Führungslinien ein großartiges Werkzeug<br />

für die Bildkomposition. Sie sind<br />

hervorragend geeignet für Porträts mit<br />

Umgebung, bei denen das Modell relativ<br />

klein im Bild ist.<br />

Für querformatige Aufnahmen nutze ich<br />

gern diagonale Führungslinien –<br />

besonders dann, wenn ich die Regeln<br />

breche und mein Objekt mitten im<br />

Bildausschnitt platziere. Führungslinien<br />

sind überall zu finden; ich persönlich mag<br />

am liebsten Treppenstufen, Autos, und<br />

Bodendielen.“<br />

124 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

Die Stufen zum Erfolg:<br />

Die kraftvollen Linien jeder dieser<br />

Stufen lenken den Blick des<br />

Betrachters direkt auf das Modell.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 125


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

PORTRÄTS: BILDKOMPOSITION<br />

HINTERGRÜNDE<br />

LOCATION SHOOTINGS FUNKTIONIEREN so gut,<br />

weil fast jeder Hintergrund für Porträtaufnahmen<br />

genutzt werden kann. Manche Hintergründe sind<br />

zwar besser geeignet als andere, aber die simple<br />

Wahrheit ist, dass praktsich jede Umgebung<br />

möglich ist. Die besten Fotografen können überall<br />

arbeiten. Sie machen die tollsten Fotos auf<br />

Schrottplätzen oder in verfallenen Gebäuden, wo<br />

man nicht im Traum an ein Fotoshooting denken<br />

würde. Ihr einzigartige Charakter bildet aber einen<br />

Gegenpol zum Porträt und trägt so wesentlich zum<br />

Erfolg bei.<br />

Wenn Sie Beleuchtung, Komposition, Blickwinkel,<br />

Kameraeinstellung und speziell die Blende sinnvoll<br />

einsetzen, können Sie bestimmen, wie stark der<br />

Hintergrund sich im Bild abhebt bzw. wie subtil er<br />

sich einfügt. Deshalb sollten Sie sich bei der Wahl<br />

des Hintergrunds immer die Frage stellen: Wie<br />

kann er genutzt werden, um zum Ergebnis<br />

beizutragen? Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen<br />

darüber, ob er geeigent ist oder nicht.<br />

3<br />

1<br />

2<br />

VERWENDEN SIE EINEN<br />

INTERESSANTEN HINTERGRUND<br />

Fast jede Location bietet das Potenzial für einen<br />

interessanten Hintergrund. Mit ein wenig Fantasie<br />

können Sie aus interessanten Strukturen und<br />

Mustern das Beste herausholen und Ihren<br />

Porträts das gewisse Etwas verleihen.<br />

1) Unsere erste Probeaufnahme zeigt Emma vor<br />

einer alten Wand mit bröckelndem Putz, unter<br />

dem das Mauerwerk zum Vorschein kommt.<br />

2) Wir haben Emma gebeten, eine Hand in die<br />

Hüfte zu stemmen, sodass die Form ihres Arms<br />

mit dem zerstörten Putz dahinter harmoniert,<br />

dessen Abrisskante durch den Bildausschnitt<br />

verläuft und somit eine Führungslinie bildet.<br />

3) Alternativ haben wir einen engeren<br />

Bildausschnitt gewählt. So wird die Struktur<br />

nicht so sehr betont, dafür aber die Zahl „4“ auf<br />

Emmas Augenhöhe.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Ich habe schon vor langer Zeit gelernt,<br />

dass wirklich alles als Hintergrund<br />

dienen kann. Deshalb nehme ich auch<br />

niemals Hintergründe mit. Container,<br />

rostige Türen, Treppenstufen... ich habe<br />

schon alles als Hintergrund genutzt. Es<br />

kommt nur darauf an, zwischen Objekt<br />

und Hintergrund eine Beziehung<br />

herzustellen:<br />

Je näher sich das Objekt am<br />

Hintergrund befi ndet, umso mehr wird<br />

dieser zum Teil des Bildes; je weiter sie<br />

voneinander entfernt sind, umso mehr<br />

verliert der Hintergrund an Interesse<br />

und wird zur bloßen Struktur!“<br />

126 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

FARBE IN DER<br />

BILDKOMPOSITION<br />

DIE VERWENDUNG VON FARBE im Bildausschnitt<br />

spielt für den Erfolg Ihrer Porträtfotografie eine wichtige<br />

Rolle. Sie ist also ein Element Ihres Bildaufbaus, das<br />

besonderer Beachtung bedarf. Primärfarben,<br />

insbesondere Rot, dominieren das Bild und dürfen nur<br />

mit besonderer Sorgfalt verwendet werden. Selbst<br />

wenn die rote Fläche nur sehr klein ist, wird sie die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen.<br />

Wenn Sie diese Farbe also in Ihr Porträt aufnehmen<br />

möchten, sorgen Sie dafür, dass Sie das meiste aus<br />

ihrer Kraft herausholen.<br />

Unterschiedliche Farben können miteinander<br />

kontrastieren oder sich ergänzen; deshalb sind ihre<br />

Beziehungen und Positionen im Bild wichtig und<br />

sollten nicht dem Zufall überlassen werden. Es ist<br />

meist sinnvoll, die Anzahl der Farben im Bildausschnitt<br />

zu beschränken. Bitten Sie Ihre Modelle, statt wild<br />

gemusterter Kleidung lieber Unifarben zu tragen, und<br />

wählen Sie Schauplätze, die nicht vom Motiv<br />

ablenken.<br />

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen der Regel:<br />

fröhlich bunte Kleidungsstücke mit Blümchen, Streifen<br />

und Punkten sind gut für Kinderporträts, weil sie dem<br />

Foto zusätzliche Dynamik verleihen. Am schnellsten<br />

lernt man auch hier, indem man verschiedene Szenen<br />

und Kombinationen ausprobiert und sich dann die<br />

Bilder anschaut, um zu sehen, was am besten<br />

funktioniert, und um zu verstehen warum. Beginnen<br />

Sie mit monotonen Hintergründen und fügen Sie dann<br />

schrittweise Farben hinzu, z. B. mithilfe der Kleidung.<br />

Dann testen Sie farbenfrohere Hintergründe und<br />

experimentieren erneut mit verschiedenen<br />

Kleidungsstücken. Sie werden schnell verstehen,<br />

welchen Einfluss die Farben auf Ihre Bilder haben, und<br />

wie Sie ihre Wirkung optimal nutzen können.<br />

Daumen hoch für die Farben: Jedes dieser Bilder beruht<br />

auf der Nutzung von Farben für die Bildkomposition. Rot<br />

zieht die Aufmerksamkeit auf sich und ist dominant, so<br />

wie das warme Leuchten des Sonnenuntergangs. Farbe<br />

funktioniert auch sehr gut, um zwei oder mehr Objekte<br />

mit ähnlichen Farbtönen innerhalb eines Bildausschnitts<br />

miteinander in Beziehung zu setzen.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Früher habe ich sehr viel in Schwarzweiß<br />

fotografiert. Als ich nur mit monochromen Bildern<br />

aus Indien zurückkam, wurde ich gefragt, warum<br />

ich nicht in Farbe fotografiert hatte. Bei meiner<br />

nächsten Reise betrachtete ich alles aus dem<br />

Blickwinkel der Farben, und das öffnete meine<br />

Augen für die Möglichkeiten. Farbe kann einem<br />

Bild zwar Aussagekraft verleihen, sie kann aber<br />

manchmal auch zu stark wirken. Wählen Sie sie<br />

also sorgfältig aus!<br />

Ich achte immer darauf, dass die Farben einer<br />

Szene entweder in Kontrast zum Hauptmotiv<br />

stehen oder dieses ergänzen. Meistens halte ich<br />

zunächst Ausschau nach einem geeigneten<br />

Hintergrund. Dann bitte ich mein Modell, dazu<br />

passende Kleidung zu tragen. Manchmal ist es<br />

aber auch genau umgekehrt, dann wähle ich für<br />

ein rothaariges Modell einen grünen Hintergrund.<br />

Die beste Art zu Lernen ist, Farbkombinationen<br />

selbst auszuprobieren!“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 127


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

PORTRÄTS: BILDAUFBAU<br />

FOTOGRAFIEREN MIT<br />

GENEIGTER KAMERA<br />

EINE TECHNIK, die insbesondere in der Hochzeits-, Lifestyleund<br />

Modefotografie in den letzten Jahren extrem an Popularität<br />

gewonnen hat, sind Porträtaufnahmen mit geneigter Kamera.<br />

Diese Beschreibung klingt etwas unbeholfen: In der Tat haben<br />

Porträtaufnahmen, bei denen die Kamera zur Seite geneigt wird,<br />

anstatt sie waagerecht oder senkrecht zu halten, über eine<br />

besondere Energie und einen visuelle Reiz.<br />

Das Prinzip hinter dieser Technik ist so simpel wie es klingt:<br />

Planen Sie die Aufnahme zunächst genau so, wie Sie es<br />

normalerweise tun würden. Nun neigen Sie die Kamera<br />

entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn, sodass der<br />

Bildausschnitt schräg dargestellt wird. Wie weit Sie die Kamera<br />

neigen, hängt von Ihrem persönlichen Geschmack ab; nur<br />

wenn Sie zu stark neigen, sieht das Ergebnis nicht mehr gut<br />

aus. Sie werden feststellen, dass ein Winkel zwischen 15 und<br />

25 Grad am besten funktioniert. Da es keine feste Regel gibt,<br />

können Sie einfach selbst experimentieren und herausfinden,<br />

welche Neigung am besten geeignet ist.<br />

Sie können diese Technik eigentlich immer anwenden, wenn es<br />

Ihnen gefällt. Sie wirkt jedoch besonders gut, wenn im<br />

Hintergrund kraftvolle Linien verlaufen, da diese als Diagonale<br />

dem Bild mehr Dynamik geben. Dies ist auch ein Grund,<br />

warum viele Lifestyle-Fotografen Ihre Modelle für<br />

Porträtaufnahmen gern vor Rollladentore aus Metall<br />

positionieren; der zusätzliche optische Reiz wirkt besonders<br />

anziehend.<br />

Aber Achtung: Nutzen Sie die Technik in Maßen; wenn Sie zu<br />

stark ausreizen, reduziert das die Aussagekraft des Effekts.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS „Das Neigen der Kamera ist eine beliebte Technik, um<br />

Bildern mehr Energie zu verleihen. Sie ist außerdem ideal, um horizontale<br />

Linien, die durch das Gesicht eines Modells verlaufen, weicher zu gestalten. Von<br />

vielen Fotografen wird sie jedoch verwendet, um den schlechten Aufbau eines<br />

Bildes zu vertuschen. Wenn Sie sich eine Uhr vorstellen, neige ich die Kamera<br />

gerne auf zehn vor, zehn nach, zwanzig vor oder zwanzig nach. Der Auslöser<br />

befindet sich dann auf zwölf Uhr. Früher habe ich regelmäßig mit geneigter<br />

Kamera fotografiert, aber heute verwende ich diese Technik wesentlich seltener.“<br />

1 2 3<br />

SO VERWENDEN SIE HORIZONTALE LINIEN<br />

1) Sogar diese einfache Bildkomposition ist effektiv. Das<br />

Muster aus geraden Linien verläuft absolut waagerecht<br />

und Emma befindet sich in den rechten Dritteln.<br />

2) Hier wurde die Bildkomposition so verändert, dass<br />

Emma sich mitten im Bildausschnitt befindet. Außerdem<br />

wurde die Kamera für einen engeren Bildausschnitt näher<br />

an das Modell heran gebracht. Das Ergebnis stellt eine<br />

deutliche Verbesserung zum Originalfoto dar und ist ein<br />

Beispiel dafür, wie das Brechen der Drittelregel zu einer<br />

dramatischeren Bildkomposition führen kann.<br />

3) Nichtsdestotrotz schreien all diese horizontalen Linien<br />

förmlich danach, verwendet zu werden, um dem Bild<br />

mehr Dynamik und Energie zu verleihen. Das Bild wurde<br />

neu aufgebaut, Emma wurde links positioniert und die<br />

Kamera wurde geneigt. Das Ergebnis weist plötzlich viel<br />

mehr Energie und optische Wirkung auf. Die Neigung um<br />

45 Grad ist jedoch zu stark.<br />

4) Die Kamera wurde um nur 20 Grad geneigt. Das führt<br />

zu einem besseren Effekt. Die Linien leiten das Auge<br />

kraftvoll zum Motiv und die Neigung wirkt nicht so<br />

übermächtig.<br />

4<br />

128 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


VERTIKALE LINIEN<br />

Vertikal verlaufende Linien wirken im<br />

Querformat weniger gut, hier sollte das<br />

Hochformat verwendet werden. Es wurde<br />

eine ähnliche Technik genutzt wie im<br />

vorherigen Beispiel. Eine Neigung von ca.<br />

20 Grad gibt dem Ergebnisbild zusätzliche<br />

Energie. Probieren Sie diese simple Technik<br />

einfach selbst aus!<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 129


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

PORTRÄTS: BILDKOMPOSITION<br />

NEGATIVER RAUM<br />

Häufi g wird wie selbstverständlich angenommen,<br />

ein Bild erhalte mehr Wirkung, wenn das Motiv<br />

den Bildausschnitt füllt. Normalerweise ist das<br />

auch der Fall, trotzdem muss man es aber nicht<br />

immer so machen. Eine ebenso beliebte<br />

Alternative ist, einen großen Teil des<br />

Bildausschnitts leer zu lassen oder, wie es gerne<br />

genannt wird, mit „negativem Raum“ zu füllen.<br />

Obwohl man leicht das Gegenteil vermutet, kann<br />

ein Bild mit viel Negativraum das Hauptmotiv<br />

durchaus noch stärker betonen:<br />

Gerade weil es einem Großteil der Szene an<br />

jeglichen optischen Reizen fehlt, wird das Auge<br />

des Betrachters automatisch zum Hauptmotiv<br />

gelenkt. Sie können negativen Raum auf simple<br />

Weise erzeugen, indem Sie den Hintergrund aus<br />

dem Fokus fallen lassen; in jedem Fall ist die<br />

Wirkung besser vor unifarbenem Hintergrund.<br />

Die Technik funktioniert besonders gut im<br />

Querformat, wenn das Modell sich auf einer Seite<br />

des Bildausschnitts befi ndet. Am effektivsten ist<br />

sie, wenn der negative Raum ungefähr zweimal<br />

so viel Platz einnimmt wie das Modell. Anders<br />

gesagt: Das Motiv belegt ein Drittel des Raums,<br />

der negative Raum zwei Drittel. Als wichtiger<br />

Faktor ist zu beachten, das Modell entweder<br />

direkt in die Kamera oder in Richtung des<br />

Negativraums blicken zu lassen; wenn es aus<br />

dem Bildausschnitt hinaus blickt, wird der Effekt<br />

beeinträchtigt.<br />

Wie die Drittelregel, lässt sich auch diese Technik<br />

abwandeln. Sie können dem negativen Raum<br />

weitere Elemente hinzufügen, um optische<br />

Spannung zu erzeugen. Das zusätzliche Element<br />

sollte aber nur einen kleinen Bereich des Bildes<br />

füllen, damit es den Betrachter nicht ablenkt,<br />

sondern unbewusst aus dem Hintergrund wirkt.<br />

Diese Technik muss sehr fein abgestimmt<br />

werden, aber wenn Sie verstanden haben,<br />

werden Sie bald überall alltägliche Motive<br />

entdecken, etwa Blumentöpfe, Autos und<br />

anderes mehr, die im Negativraum platziert<br />

werden können.<br />

DIE NUTZUNG VON NEGATIVRAUM<br />

In der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung sehen<br />

Sie, wie die Nutzung von negativem Raum eine<br />

Alternative zum herkömmlichen Porträt bietet:<br />

1) Dieses stimmungsvolle Porträt, in der Nähe<br />

eines breiten Türdurchgangs aufgenommen, ist<br />

an sich schon recht dynamisch.<br />

2) Die Kamera wurde geneigt, wie oben erklärt,<br />

um dem Bild mehr Energie zu verleihen. Doch<br />

hier funktioniert diese Technik nicht.<br />

3) Ein weiterer Blickwinkel nimmt negativen<br />

Raum in den Bildausschnitt auf und legt mehr<br />

Betonung auf die fantastische Struktur der<br />

blätternden Farbe.<br />

4) Im Querformat ist das Bild deutlich besser<br />

ausbalanciert. Wir könnten es dabei belassen,<br />

beschließen aber, noch etwas weiter zu<br />

experimentieren.<br />

5) Wir haben auf der rechten Seite ein Objekt in<br />

den Bildausschnitt aufgenommen und damit<br />

einen zusätzlichen optischen Reiz geschaffen.<br />

Die vertikalen Latten der hölzernen Palette stehen<br />

in einem guten Kontrast zum Mauerwerk.<br />

Einblicke eines Profis<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Wenn ich negativen Raum verwende,<br />

fotografiere ich immer im Querformat.<br />

Bilder im Hochformat sind nicht<br />

annähernd so effektiv.<br />

In der Praxis nutze ich negativen Raum<br />

mit Blick darauf, wie meine Bilder für<br />

den Kunden reproduziert werden. Sollen<br />

sie zum Beispiel in ein Album<br />

aufgenommen werden, ermöglicht<br />

negativer Raum, dass die Bindung<br />

durch das Bild verläuft, ohne das Objekt<br />

zu beeinträchtigen.<br />

Die Technik ist ideal für Magazine, die<br />

seitenfüllende Bilder mit eingefügtem<br />

Text enthalten. Verwitterte Wände, wie<br />

auf diesem Bild, sind ideal für negativen<br />

Raum, am liebsten verwende ich aber<br />

stürmischen Himmel.“<br />

1 2 3<br />

130 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


EXPERTENRATGEBER<br />

FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

PORTRÄTS: BILDKOMPOSITION<br />

4<br />

5<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 131


JETZT IM HANDEL<br />

FÜR > ANFÄNGER > MITTELSTUFE > FORTGESCHRITTENE<br />

RUNNING<br />

DER ULTIMATIVE<br />

GUIDE<br />

FÜR MARATHON<br />

& LAUFTRAINING<br />

ALLGEMEIN<br />

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EXPERTEN<br />

PLÄNE<br />

FÜR JEDES<br />

LEVEL<br />

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9. Dehnung des Gesäßmuskels<br />

8. Hüftbeuger<br />

Das wichtigste an dieser Übung<br />

ist, die Hüften nach vorne zu<br />

schieben und dabei darauf<br />

zu achten, dass das vordere<br />

Knie nicht um mehr als 90<br />

Grad gebeugt wird. Halten Sie<br />

Ihren Körper aufrecht und Ihre<br />

Gesäßmuskeln angespannt.<br />

Eventuell ist es notwendig, dass<br />

Sie sich auf ein Kissen oder eine<br />

Matte knien, insbesondere, wenn<br />

Sie die knubbeligen Knie eines<br />

echten Läufers haben!<br />

Der Gluteus Maximus ist einer der größten Muskeln in unserem Körper und muss beim<br />

Laufen hart arbeiten, insbesondere, um das Becken zu stabilisieren. Wenn Sie sich auf den<br />

Rücken legen und Ihr Knie an Ihre Brust ziehen, sollte dies eine Dehnung verursachen. Halten<br />

Sie Ihren Rücken auf den Boden gedrückt und den Nacken und die Schultern entspannt.<br />

10. Dehnung von Gluteus / Piriformis / Rücken<br />

Dies ist eine großartige Kombinations-Dehnungsübung. Danach werden Sie sich wunderbar<br />

fühlen. Wenn Sie Ihre Brust aufrecht halten und über Ihre Schulter blicken, wird die Drehung<br />

noch verstärkt. Benutzen Sie den gegenüberliegenden Arm, um Ihr Knie für eine stärkere<br />

Dehnung vor Ihrem Körper zur anderen Seite zu ziehen.<br />

11. Dehnung von Brust /<br />

Schulter<br />

Verschränken Sie Ihre Hände hinter Ihrem Körper<br />

und ziehen Sie Ihre gestreckten Arme nach oben,<br />

bis Sie die Dehnung in Ihrer Brust und in Ihren<br />

Schultern spüren. Halten Sie Ihr Becken aufrecht<br />

und versuchen Sie, nicht in ein Hohlkreuz zu gehen.<br />

12. Dehnung des oberen<br />

Rückenbereichs<br />

Als Läufer haben wir oftmals unter Verspannungen in den<br />

Schultern und im Rücken zu leiden. Lassen Sie Ihren Kopf<br />

zwischen Ihre Arme fa len und schieben Sie Ihre Hände nach<br />

vorne. Lassen Sie zu, dass sich Ihr Becken entspannt und seine<br />

natürliche, gewölbte Form einnimmt, und beugen Sie Ihre Knie.<br />

Der Ultimative Marathon-Guide<br />

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FUNKTIONSWÄSCHE<br />

In Kooperation: Karrimor<br />

EXTRAS<br />

67<br />

● The North<br />

Face Women’s<br />

Merino Crew<br />

Neck 89,95 Euro<br />

● Berghaus<br />

Vapour Short<br />

69,95 Euro<br />

164<br />

SEITEN<br />

MARATHON<br />

WISSEN<br />

✔ TRAININGS-<br />

RATSCHLÄGE<br />

✔ ERNÄHRUNGS-<br />

TIPPS<br />

✔ NOTWENDIGE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

VORWORT<br />

VON DER ZWEIFACHEN OLYMPIONIKIN LIZ YELLING<br />

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DER NERVENKITZEL<br />

DES GELÄNDELAUFS<br />

PLUS<br />

PROFI-TIPPS<br />

TECHNIK VERBESSERN<br />

DIE TOP-RENNEN<br />

VERLETZUNGEN VERMEIDEN<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,90<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

140<br />

LAUFHOSEN<br />

● Berghaus Women’s<br />

Vapour Capri 50,-Euro<br />

PLÄNE<br />

● Gore Mythos So<br />

Tights 129,95 Euro<br />

● He ly Hansen<br />

Ice Crew (M/W)<br />

69,95 Euro<br />

● Berghaus<br />

Men’s Technical<br />

LS Zip<br />

60,- Euro<br />

● Berghaus<br />

Men’s<br />

Technical LS<br />

Zip 44,90 Euro<br />

● He ly Hansen<br />

Pace Tight 59,95 Euro<br />

● Montane Fury Capri<br />

Tights 59,95 Euro<br />

● The<br />

North Face<br />

Runners’<br />

Gloves 25,- €<br />

● North<br />

Face Winter<br />

Seamless<br />

Neck Gaiter<br />

24,95 Euro<br />

● Salomon Exo Motion<br />

Tight 84,90 Euro<br />

TRAININGSPLÄNE<br />

● Montane Sonic<br />

T-shirt (Electric blue)<br />

39,90 Euro<br />

Der Ultimative Marathon-Guide<br />

Wenn Sie mit diesen Plänen beginnen, sollten Sie bereits<br />

eine wertvolle Trainingsgrundlage für Ihren Marathon gelegt<br />

haben, ganz gleich welche Zeit Sie für den Lauf erwarten<br />

● TNF Winter Warm<br />

Tight 90,- Euro<br />

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www.ultimateguide.de<br />

Es sind noch etwa 12 Wochen bis zum großen Tag. Diese Pläne sind so gestaltet, dass Sie Qualität<br />

und Enthusiasmus in Ihr Training bringen. Auch wenn wir die Pläne auf die unterschiedlichen<br />

Zielzeiten aufgeteilt haben, erwarten wir von jedem, der sich daran versuchen möchte, vorher bereits<br />

mindestens einen Monat lang gleichmäßig gelaufen zu haben. Hoffentlich können wir mit diesen<br />

Plänen etwas Abwechslung und Qualität in Ihr Training bringen und Ihre vorhersehbare Zeit um ein<br />

paar Minuten verkürzen.<br />

Der Ultimative Marathon-Guide<br />

140-150 SchedulesNEW.indd 140 09/08/2013 09:35


SO GRÜNDEN SIE<br />

EIN LUKRATIVES<br />

GESCHÄFT<br />

DIE IDEE FÜR EIN NEUES FOTOPRODUKT IST EINE SACHE – DARAUS KAPITAL ZU<br />

SCHLAGEN, EINE GANZ ANDERE.<br />

CAROLINE WILKINSON SPRICHT MIT BESONDERS EINFALLSREICHEN FOTOGRAFEN,<br />

UM HERAUSZUFINDEN, WIE ES IHNEN GELUNGEN IST – UND VOR ALLEM, WIE SIE<br />

ES IHNEN NACHTUN KÖNNEN...<br />

BILDER: KEVIN KUBOTA


So gründen Sie ein<br />

lukratives Geschäft<br />

G<br />

ING ES IHNEN AUCH SCHON<br />

MAL SO, dass Sie nicht die<br />

richtigen Werkzeuge für einen<br />

Job hatten und sich eine<br />

Notlösung zusammenbasteln<br />

mussten? Haben Sie schon mal<br />

mit ungewöhnlichen<br />

Gegenständen für kreative<br />

Effekte experimentiert, oder hatten ein Problem, für<br />

dessen Lösung Ihnen nur das passende Produkt<br />

fehlte?<br />

Solche Marktlücken zu finden, kann der erste Schritt<br />

sein, um viel Geld zu verdienen. Wenn Sie eine<br />

erschwingliche Lösung vermissen, stehen die<br />

Chancen gut, dass es anderen ebenso geht.<br />

Angesichts der vielen Fotoprodukte auf dem Markt<br />

glaubt man kaum, dass es ein gesuchtes Produkt<br />

nicht schon irgendwo gibt, oder dass man ein<br />

bestehendes Produkt mit Ihrer Idee verbessern kann.<br />

Dennoch haben viele Fotografen ein Vermögen damit<br />

gemacht, ihre Erfindungen an uns zu verkaufen,<br />

indem sie sich einfach den Hut von Edison aufsetzen<br />

und darunter kreative Lösungen ausbrüten – und<br />

viele sind sogar denkbar einfach.<br />

Es ist ein Wagnis; doch wenn Sie einen Blitzerfolg<br />

landen, kann sich das bezahlt machen. Und dank<br />

sozialer Medien wie Blogs, Twitter und Foto-<br />

Websites, die gerne das Neueste und Tollste<br />

anpreisen, ist es heutzutage einfacher als je zuvor.<br />

Falls Ihre ambitionierte Idee mit gewaltigen<br />

Honl Photo<br />

Eine Kamera, Speedlights, ballistisches Nylon und… eine Nähmaschine: Das waren die Zutaten<br />

der erfolgreichen Blitzzubehörserie des Fotojournalisten David Honl. Alles begann vor sieben<br />

Jahren, damals im Irak-Krieg. Neugierig geworden? Lesen Sie selbst:<br />

„Als ich für die Dauer von fünf Jahren nach Istanbul zog, um den Irak-Krieg zu dokumentieren,<br />

nahm ich mein Speedotron Studiosystem mit, für den Fall, dass ich einige Firmenportraits<br />

machen könnte. Aber da es so schwierig war, die gesamte Ausrüstung in und aus einem Taxi zu<br />

befördern, musste ich schnell umdenken. Ich begann, für meine Speedlights Snoots aus Pappe<br />

zu formen, um mobiler bei meiner Belichtung zu sein und es funktionierte viel besser. Ich hatte<br />

weniger zu schleppen und es gab mir die kreative Flexibilität für die Porträtaufnahmen. Überall im<br />

Irak gab es ballistisches Nylon und die Haltbarkeit war perfekt für kleine Blitzmodifizierer wie<br />

Snoots und Gobo Cards, die ich an die Speedlights mit Klettverschlüssen anbrachte. Die meisten<br />

meiner Designs entstanden, wenn ich in Bagdad wenig zu tun hatte. Und dann habe ich sie<br />

zusammengenäht, wenn ich wieder in Istanbul war“, erinnert sich David. Viele der<br />

amerikanischen Fotojournalisten in der Türkei interessierten sich für seine Ausrüstung und<br />

fragten ihn, ob er ihnen auch so ein Set basteln könne. So führte eins zum anderen und es<br />

verbreitete sich schnell in der professionellen Community in den USA. Innerhalb weniger Monate<br />

fand er eine Näherei, und sein Vater kümmerte sich um die Auslieferung der Produkte. Es war fast<br />

ein Blitzerfolg, und als Websites wie Strobist.com die Produkte anboten, eskalierte die Nachfrage.<br />

Er musste schnell in die USA zurückkehren, um sein aufkeimendes Unternehmen zu managen.<br />

„Ein großer Teil meines Erfolgs kommt vermutlich daher, dass ich die Produkte an Fotografen<br />

getestet habe, bevor ich etwas investierte“, fügt David hinzu. „Ich würde niemals empfehlen,<br />

allein im Glauben an eine gute Idee 1.000 Stück herzustellen und zu hoffen, dass sie sich<br />

verkaufen. Man muss den Markt testen; mit dem Internet ist es heutzutage ganz einfach, Ideen<br />

bekannt zu machen. Geben Sie auch professionellen Fotografen einen Prototyp. Als David Hobby<br />

(Strobist.com) mein Produkt vom Verband nationaler Pressefotografen erhielt, schnellte die<br />

Nachfrage über Nacht empor. Wenn Sie etwas haben, was die Leute wollen, merken Sie es sofort.<br />

Das ist nicht mehr wie früher, wo man eine<br />

Zeitschrift darum bitten musste, das Produkt zu<br />

testen oder vor dem Verkaufsstart eine ganze<br />

Reihe entwickeln musste. Ein einziges Produkt<br />

kann heute über Nacht zu einem Riesenerfolg<br />

werden.“<br />

Da das Geschäft nun auf mehr als ein Dutzend<br />

Produkte ausgeweitet wurde und rund läuft,<br />

genießt David seinen finanziellen Erfolg, indem<br />

er seine Zeit mit den Dingen verbringt, die er<br />

liebt: Workshops und Fotoprojekte. Ich glaube,<br />

das nennt man „seinen Traum leben“!<br />

www.honlphoto.com<br />

David Honl und sein beliebtes Speed Grids<br />

DAVID’S TOP TIPP<br />

„Geben Sie Ihr Produkt in die Hand<br />

von Profifotografen, um zu sehen,<br />

ob es sich für den Markt eignet.<br />

Wenn weitere Fotografen danach<br />

fragen, wissen Sie, dass Sie auf der<br />

richtigen Spur sind, und wenn der<br />

Amateurmarkt danach verlagt,<br />

halten Sie einen echten Hit in<br />

Händen. Testen Sie, bevor Sie Geld<br />

ausgeben.“<br />

Foto-Erfindungen<br />

Produktionskosten einhergeht, kann es natürlich<br />

zunächst schwierig sein, die Finanzierung für einen<br />

Prototypen aufzubringen. Aber auch dafür gibt es<br />

Lösungen, wie Sie später noch sehen werden.<br />

Nehmen Sie dann noch eine webbasierte<br />

Verkaufsstrategie, deren Vertrieb nicht in erster Linie<br />

über den Einzelhandel läuft. Bald werden Sie<br />

begreifen, warum es einfacher ist als Sie denken, in<br />

die Fußstapfen von Fotografen wie Gary Fong, David<br />

Honl (Honl Photo), Jim Domke (Domke Bags),<br />

Deanne Fitzmaurice (Think Tank Photo) und Dalibor<br />

Zyka (RayFlash) zu treten.<br />

Hier sind ihre Geschichten und einige zukünftige<br />

Erfindungen, die Ihre Glühbirnen zum Flackern<br />

bringen…<br />

BlackRapid<br />

Kameragurt<br />

(R-Strap)<br />

Die Tage, an denen es für<br />

Fotografen nur Standard-<br />

Gurte gab, sind längst<br />

vorbei. Heute gibt es<br />

Körpergeschirr, Hüft- und<br />

Hand-Clips und Überkreuzschonenden<br />

Zubehörs kann allein<br />

Schlingen – aber das<br />

Aufkommen dieses Nacken<br />

einem entschlossenen Mann<br />

zugeschrieben werden: der professionelle<br />

Gesellschaftsfotograf Ron Henry. Nachdem er von<br />

den vorhandenen Gurten ziemlich frustriert war,<br />

erinnert sich Ron an seinen Eureka Moment: „Es<br />

war 2006 und ich spielte mit einem Standard-<br />

Kameragurt und dachte: ‚Wäre es nicht toll, eine<br />

Schlinge zu haben, mit der die Kamera am Gurt<br />

hoch und runter gleiten kann, damit sie einfacher<br />

und bequemer zu bedienen ist?’“ Auch wenn der<br />

Erfolg seines Unternehmens, das sich BlackRapid<br />

nennt, suggeriert, dass es sich um einen<br />

durchschlagenden Erfolg handelte, so dauerte es<br />

doch zwei Jahre von der Gründung bis zur<br />

Markteinführung seiner ersten Erfindung – dem<br />

R-Gurt. „Ich wusste, dass es viel Geld kosten<br />

würde, ein Unternehmen zu gründen und ich<br />

hatte keine Ahnung, wie das geht, daher trat ich<br />

mit meiner Idee an eine Gurtfirma heran. Diese<br />

hatten allerdings kein Interesse, da sie bereits<br />

eigene Designer beschäftigten. Ich behielt die Idee<br />

eine Zeitlang für mich, bis ich den Patent-<br />

Designer Tyler Kope traf, der mir dabei half, das<br />

Design weiter zu entwickeln und ein Patent<br />

anzumelden – das war das erste, was ich tun<br />

wollte, da es etwas Zeit verschafft, bevor die<br />

ersten Billigkopien auf den Markt drängen. Wir<br />

gründeten das Unternehmen mit einem<br />

Startkapital von 5.000 US $. Damit finanzierte<br />

ich einen Fabrikanten vor Ort, um etwa 80 Gurte<br />

herzustellen, die ich online und bei Glazer's<br />

Cameras verkaufen konnte. Einige verschenkte<br />

ich an Blogger, um etwas Aufmerksamkeit online<br />

zu erzeugen. Zu dem Zeitpunkt kostete mich die<br />

Produktion vor Ort 27 US $, daher musste ich die<br />

Produktion nach Taiwan verlagern, um die Kosten<br />

zu senken, bevor ich sie in dem Ausmaß in die<br />

Läden bringen konnte, in dem sie jetzt sind.“,<br />

erklärt Ron.<br />

Vier Jahre später hat Ron eine umfangreiche Serie<br />

von Haltern entwickelt, die alle auf der<br />

ursprünglichen Kameraschlinge, der SnapR<br />

Taschenserie und der LensBling Abdeckung<br />

basieren. www.blackrapid.com


Lensbaby<br />

2004 kam ein neues Einzelelement-Objektiv für kreative Effekte auf den<br />

Markt und hat die Herzen der Fotografen im Sturm erobert. Von einer Kodak<br />

Speed Graphic Pressekamera und einem Stück Staubsaugerschlauch<br />

getragen, ermöglichte das Original Lensbaby dem Anwender, die Fokusebene<br />

und den optimalen Punkt, durch Kippen und Zusammendrücken des<br />

Objektivs zu verändern. Das ursprüngliche Konzept wurde vom<br />

Fotojournalisten Craig Strong entwickelt und hat sich inzwischen, mit der<br />

Hilfe des kreativen Kopfs des Unternehmens, Sam Pardue, zu einer sehr<br />

erfolgreichen Serie aus optischen Geräten entwickelt. „Lensbaby Objektive<br />

fanden ihren Ursprung als ich zum ersten Mal eine Kamera<br />

auseinandergenommen habe, aus reiner Neugierde, wie dieser magische<br />

Apparat funktionierte. Das meiste davon konnte ich wieder<br />

zusammenbauen!“, sagt Craig. Nachdem er verblüfften Fotografen zeigte,<br />

welche Effekte sein selbstgebasteltes Lensbaby in der Kamera produzierte,<br />

war schnell klar, dass diese Erfindung enormes<br />

Potenzial hatte. „Ich habe so ungefähr jedes<br />

optische Gerät gekauft, das ich auf eBay<br />

finden konnte, das sich auf meine<br />

Canon EOS D30 konzentrierte, daher<br />

wusste ich sofort, dass es viele<br />

Möglichkeiten für verschiedene<br />

kreative Effekte in der Kamera gibt. Es<br />

dauerte 18 Monate und kostete mich<br />

5.000 US $, um aus meinem<br />

hässlichen – mit viel Klebeband und<br />

einer großzügigen Anwendung des<br />

Dremels gebastelten – Prototypen ein<br />

Original Lensbaby zu machen. Die<br />

Markteinführung begann auf der internationalen<br />

Messe für Hochzeits- und Porträtfotografen. Eine Deadline für die<br />

Markteinführung, wie eine solche Veranstaltung zu haben, war entscheidend<br />

für unseren Erfolg und stellte in den frühen Jahren unseres Unternehmens die<br />

größte Herausforderung dar. Mit der Veranstaltung hatten wir ein Ziel vor<br />

Augen, für das wir fotografieren konnten, aber ein Produkt zu haben, das noch<br />

nicht komplett fertig war, sorgte für eine Lieferverzögerung von vielen<br />

Monaten und einen geringen Geldeingang, da unsere neuesten Produkte<br />

noch nicht verkauft werden konnten“, erinnert sich Craig. „Was ich jedoch<br />

empfehle ist, vorausgesetzt Sie sind von Ihrem Produkt überzeugt,<br />

herauszufinden, was andere Fotografen denken. Gehen Sie raus und<br />

beobachten Sie die Reaktionen. Ich hatte ein halbes Dutzend Produkte, die<br />

ich nur für mich selbst gemacht habe, aber niemals geteilt habe, weil ich mich<br />

in meiner <strong>Fotografie</strong> von anderen abgrenzen wollte. Die meisten dieser Ideen<br />

werden jetzt von erfolgreichen Fabrikanten für fotografische Produkte genutzt.<br />

Ich bin nur froh, dass ich das Lensbaby nicht auch für mich behalten habe.<br />

Ich habe ihm viel zu verdanken.“ www.intro2020.com<br />

LJ HOLLOWAY PHOTOGRAPHY<br />

Lensbaby fand den optimalen Punkt des Markts<br />

Cotton Carrier<br />

Nordamerika ist ein Paradies für <strong>Outdoor</strong>-Fotografen. Keiner weiß das<br />

besser als der in Vancouver lebende Landschaftsfotograf Andy Cotton.<br />

Bis 2006 war eine Wanderung durch die Rocky Mountains, Ski fahren in<br />

Whistler oder eine Mountainbike-Tour mit schwerer, teurer Spiegelreflex-<br />

Ausrüstung am gewöhnlichen Halsgurt eine riskante Angelegenheit. Und<br />

hier liegt er Ursprung seiner Erfindung, dem „Cotton Carrier“. Das System<br />

verwendet eine anpassbare Weste, die mit nach vorne zeigender<br />

Anschlussvorrichtung mit der Kamera verbunden wird, sodass der<br />

Fotograf die Hände für andere Aktivitäten frei hat und die Kamera über die<br />

Schnellauslöse-Vorrichtung bedient. „Egal wie schwer die Ausrüstung, es<br />

ist sicher. Die meisten Tragevorrichtungen reichen für leichte Aktivitäten<br />

aus, aber wenn Sie ernsthaft wandern oder laufen möchten, ist unser<br />

System das beste“, behauptet Andy.<br />

Die Entwicklung dauerte 18 Monate, bis Andy so zufrieden war, dass er<br />

den Carrier in China produzieren ließ – hier war der einzige Ort, den er<br />

fand, an dem Produzenten ihn im geeigneten Standard produzieren konnten. Aber das war noch nicht<br />

alles. „Es ist eine realistische Annahme, ein Produkt in den ersten fünf Jahren an den Markt anzupassen.<br />

Sie wissen niemals, ob es funktioniert, bevor Sie es veröffentlichen. Während der ersten beiden Jahre haben<br />

wir das Design ca. 15 Mal angepasst, um auf Feedbacks zu reagieren: Wir haben den Stabilisationsgurt<br />

zugefügt, das Halfter verkleinert und eine universelle Stativplatte zugefügt“, sagt Andy. Obwohl sein<br />

Familienunternehmen schon mehr als 500 Cotton Carriers verkauft hatte, waren die ersten Kunden seiner<br />

ANDY’S TOP TIPP<br />

„Manche glauben, sie brauchen ihr Produkt nur<br />

ins Internet zu stellen und schon werden<br />

Fotografen es kaufen und sie werden finanziellen<br />

Erfolg haben. Aber es ist ganz egal, wie beliebt<br />

es ist. Wenn Sie Ihre Liquidität oder Ihr Geschäft<br />

nicht vernünftig managen, werden Sie pleite<br />

gehen – und zwar schnell. Es ist eine Sache, ein<br />

Produkt mit Wiedererkennungswert zu erfinden.<br />

Aber es ist eine ganz andere Sache, daraus Profit<br />

zu schlagen.“<br />

Serienproduktion nicht die erwarteten. „Wir hatten geplant, die meisten Geräte an Sportfotografen zu verkaufen.<br />

Es sind aber hauptsächlich Frauen und ältere Fotografen, die ohne das Gewicht einer Kamera um den Hals aktiv<br />

sein möchten: Hier liegt unser größter Markt.“ Wir erwarten aber, dass es nicht mehr lange dauert, bevor auch<br />

andere Fotografen uns entdecken. www.cottoncarrier.com<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE<br />

135


So gründen Sie ein<br />

lukratives Geschäft<br />

Dalibor Zyka sieht mit seinem RayFlash ziemlich schrill aus<br />

Lowel-Light<br />

Man kann sich kaum eine bessere Anerkennung für seine Erfindung vorstellen als einen Brief von Regisseur<br />

Stanley Kubrick an die Academy Awards, der von Ihrem Belichtungssystem schwärmt. Kameramann und<br />

Standfotograf Ross Lowell hatte sich dies redlich verdient. Schließlich hatte er die Branche seit mehr als<br />

20 Jahren revolutioniert. 1959 designte Ross das Lowel-Light System: Ein kompaktes Belichtungs-Kit,<br />

das aus fünf Lichtern und faltbaren Scheunentoren bestand. Im Gegensatz zu den heißen, schweren<br />

und sperrigen Belichtungsoptionen, die es damals gab, konnten Lowel Lights an Ständer und Rohre<br />

geklemmt werden oder mit dem Lowel-Light Klebeband an Wände und Fenster gehängt werden.<br />

Dadurch erhielt man vor Ort eine größere Flexibilität und Kontrolle über die Ausleuchtung.<br />

„Ich bin weder Ingenieur noch ein Fan von Marktforschung.“, sagt Ross. „Ich entwarf eine<br />

Ausrüstung, die Kontrolle über die Qualität der Belichtung bot und meine Vor- und<br />

Nachbereitung beschleunigte.“ Das System zu entwerfen war ein zwei- bis dreijähriger Prozess.<br />

In der Zwischenzeit fotografierte und drehte Ross und setzte ganz auf die Hilfe seines<br />

Geschäftspartners Marvin Seligman. „Ich habe unsere Prototyp-Lichter, Sonnenreflektoren und<br />

Montage-Ausrüstung fast immer bei meinen Jobs getestet, bevor diese in die Produktion gingen.<br />

Außerdem bat ich andere Elektriker, Kameramänner und Standfotografen unsere Prototypen zu<br />

testen.“ Seit sie das Patent für das Original Lowel-Light System 1959 angemeldet haben, haben<br />

Ross und Marvin eine ausgedehnte Reihe von tragbarer Belichtungsausrüstung auf den Markt<br />

gebracht, einschließlich Omni, Tota-Lights und D.P Lights, die auch heute noch zu den beliebtesten<br />

Ausrüstungsgegenständen der Branche gehören.<br />

Auch wenn die Erfindung von revolutionären Produkten heutzutage eher ein schwer zu erreichendes<br />

Ziel ist, ist Ross ein gutes Beispiel dafür, wie ein umfangreiches Wissen des Handwerks Sie dazu befähigt,<br />

bessere Werkzeuge für sich selbst und für andere Fotografen auszudenken. In den Worten von Stanley<br />

Kubrick: „Nur ein Kameramann könnte so erfindungsreich sein, um eine große Bandbreite an Montage und<br />

Zubehör zu entwickeln, das genauso wichtig ist wie die Lichtquelle.“ www.tiffen.com<br />

136 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Foto-Erfindungen<br />

RayFlash<br />

Der tschechiche Fotograf Dalibor Zyka, der wie so viele<br />

andere Fotografen von der Modefotografie inspiriert<br />

wurde, aber kein Budget für eine hochwertige Ausrüstung<br />

hatte, wollte den knackigen, schattenlosen Effekt eines<br />

unbezahlbaren Ringblitzes reproduzieren. Im Jahr 2005,<br />

als sein Blick auf einen Stapel Pappe fiel, entschied er<br />

sich, seinen eigenen zu bauen, indem er Folie<br />

verwendete, um das Licht zu reflektieren – es funktionierte<br />

nicht. Nach Hunderten von Experimenten entwickelte er<br />

einen Apparat, der aus Plexiglas Prismen bestand, die das<br />

Licht eines Blitzgerätes auf das Motiv warfen. Auch wenn<br />

das Produkt eher fragwürdig aussah, zogen die so<br />

entstandenen Bilder aus den richtigen Gründen die<br />

Aufmerksamkeit auf sich. Ein Geschäftsmann bot ihm an,<br />

einen Prototyp für 20.000 US $ zu entwickeln. Ein Jahr<br />

später kam der erste Ringblitz-Adapter auf den Markt und<br />

hatte sensationellen Erfolg. Es gingen Bestellungen im<br />

Wert von mehr als 100.000 US $ ein – aber das war<br />

immer noch nicht der RayFlash, den viele von uns heute<br />

benutzen. 2007 kam ein verbessertes Design auf den<br />

Markt, das das Licht aus einem Blitzlichtgerät in einem<br />

vollen Kreis um das Objektiv leitete und wurde sofort<br />

geliebt. Neben dem RayFlash Ringadapter gibt es nun<br />

auch den RayFlash Rotator, eine Platte, die eine<br />

Blitzeinheit kontinuierlich um 360° dreht.<br />

Wie in jedem Märchen, bei dem ein Fotograf Erfolg hat,<br />

gab es auch hier zwischenzeitlich Probleme. „Von Anfang<br />

an kämpfte ich gegen die Gleichgültigkeit und das<br />

Misstrauen von Menschen in das neue Produkt.“, sagt<br />

Dalibor. „Man nannte mich einen Narr, aber ich habe es<br />

allen gezeigt, da das Produkt sich wunderbar verkaufen<br />

ließ – wir hatten das Zehnfache an Bestellungen<br />

gegenüber dem, was wir produzieren konnten. Und wir<br />

gewannen den Preis Produkt des Jahres in den Jahren<br />

2008 und 2009. Der Haken des Erfolgs ist jedoch, dass<br />

das Patent gestohlen wurde und Nachahmerprodukte aus<br />

China auf den Markt kamen, die den Verkauf von<br />

RayFlash stark beeinträchtigten. Aber das ist heutzutage<br />

eine globale Realität. Wenn ein Produkt wirklich gut ist,<br />

muss man auf Fälschungen vorbereitet sein.“ Weise<br />

Worte der Warnung für jeden Möchtegern-<strong>Fotografie</strong>-<br />

Jungunternehmer! www.ray-flash.com<br />

Gary Fong<br />

BSchnell auf verändernde Technologien zu reagieren und<br />

potenzielle Marktlücken zu erkennen, das ist es, was der<br />

wohlhabende Gesellschaftsfotograf seinen ständig<br />

wachsenden Erfolg zuschreibt. In diesem Fall war es der<br />

Übergang von Film auf digital und die Erkenntnis, dass sich<br />

im Ergebnis auch die Blitzfotografie würde ändern müssen.<br />

„Ich betrieb zu diesem Zeitpunkt ein digitales Online-Labor<br />

und es gab so viele Bilder, auf dem die Motive wie Rotwild<br />

im Scheinwerferlicht aussahen – ich wusste, dass es daran<br />

lag, dass digitale Kameras zu effizient waren, um mit den<br />

konventionellen, parabelförmigen Blitzreflektoren verwendet<br />

zu werden. Die Nutzung eines Lampenschirm-förmigen<br />

Diffuser machte viel mehr Sinn.“ Innerhalb eines Monats<br />

entstand das Lightsphere, das vorne auf Gary's Canon<br />

Speedlite 580EX aufgesteckt wurde und ein viel weicheres<br />

und schmeichelhafteres Licht produzierte als der direkte<br />

Blitz. Nachdem das Interesse von Nutzern anderer Marken<br />

groß war, wurden verschiedene Größen und Adapter<br />

hergestellt. Innerhalb der nächsten drei Jahre kam eine<br />

universelle Passform und viele Prototypen später eine<br />

zusammenklappbare Version, die leichter zu transportieren<br />

ist. „Die größte Herausforderung war es, die Entwicklung des<br />

Original Lightspheres zu finanzieren.“, sagt Gary. „Ich wollte<br />

den wirklich haben, also habe ich 300 weitere herstellen<br />

lassen, um sie an Freunde zu verkaufen, in der Hoffnung,<br />

dass damit genug Geld reinkommt, um die Produktion zu<br />

bezahlen. Wie sich dann herausstellte, erzielten wir mehr als<br />

das Tausendfache. Ich glaube, es war äußerst hilfreich, dass<br />

ich ein professioneller Fotograf mit einem guten Ruf war, als<br />

ich 2004 das Lightsphere auf den Markt brachte. Wenn es<br />

von einer großen Firma gekommen wäre, wäre es vielleicht nicht so schnell so erfolgreich<br />

geworden und hätte für eine ähnliche Auslastung ein größeres Werbebudget erfordert.“<br />

GARY’S TOP TIP<br />

„Haben Sie Geduld. Starten Sie<br />

aus einer bequemen, finanziellen<br />

Situation heraus, am besten mit<br />

einem Vollzeit-Job und arbeiten<br />

Sie daran, Ihre Präsentation, Ihr<br />

Produkt und Ihr Marketing zu<br />

verfeinern. Wenn Sie verzweifelt<br />

Geld brauchen, schreckt das<br />

Kunden ab wie Körpergeruch: Sie<br />

riechen förmlich Ihre<br />

Verzweiflung. Wenn Sie die Dinge<br />

zu schnell angehen, werden Sie<br />

aufdringlich: Lassen Sie Ihr Ziel<br />

nicht aus den Augen, aber gehen<br />

Sie behutsam vor.“<br />

Auch wenn das Lightsphere Gary's erstes Fotoprodukt war, war es nicht neu für ihn, etwas zu<br />

erfinden, was er brauchte. Vor dem Lightsphere entwickelte er für sein Studio eine<br />

Management-Software, die Montage hieß, nach dem gleichen Prinzip: Eine für sich selbst und<br />

ein paar Dutzend Extra, um sie an Freunde zu verkaufen und die Kosten wieder einzufahren. Ein<br />

paar Millionen Dollar an Verkäufen und zahlreiche erfolgreiche Foto-Erfindungen später würde<br />

man erwarten, dass sein Geheimnis nicht so einfach ist, wie es sich anhört: „Das sind<br />

Referenzen von zufriedenen Kunden. Man muss zwar einen Vertriebskanal finden, aber<br />

Einzelhändler sind niemals daran interessiert, wenn man sie direkt anspricht. Wenn Sie aber<br />

schon eine Reihe von Kunden haben, kommen sie plötzlich angelaufen.“, fügt Gary hinzu.<br />

Wenn es Sie interessiert, wie Gary seine Erfindungen entwickelt, schauen Sie sich seine<br />

YouTube Videos an. www.garyfongestore.com<br />

Domke: Die Original Kameratasche<br />

Es ist mehr als 40 Jahre her, seit Fotojournalist Jim Domke einen speziellen Armeeladen betrat, um nach einer Tasche für seine<br />

Kameraausrüstung zu suchen, aber die Marke des Profis (Domke) ist heute noch genauso stark wie damals. Bis Mitte der 70er<br />

Jahre verwendeten Fotojournalisten keine Kamerataschen. Sie arbeiteten aus den Kofferräumen Ihrer Autos und stopften Blitz und<br />

Filme in ihre Manteltaschen – aber Jim war damals schon seiner Zeit voraus und verwendete eine Angeltasche für seine Kamera.<br />

Als Mitarbeiter des Phildadelphia Inquirers hatte er das Gefühl, dass er eine Tasche brauchte, mit der er schnell und im Notfall auch<br />

beim Laufen arbeiten konnte. Als Änderungen der Gewerkschaft Fotografen dazu zwangen, ihre Ausrüstung zu tragen, erkannte<br />

Jim, dass dies der perfekte Zeitpunkt war, seinen Prototyp zu einem Teilzeit-Unternehmen zu entwickeln. Er zeigte seine Tasche<br />

anderen Pressefotografen, um von ihnen eine Rückmeldung zu erhalten. Jim fand ein Hochleistungs-Segeltuch und einen<br />

Produzenten, der die Taschen nach seinen Vorgaben mit weichen Seiten produzierte. Ihm gefiel die Idee, direkt an den<br />

Endverbraucher zu verkaufen, daher startete Jim Domke den Vertrieb als Versandhaus-Unternehmen. Ein paar Jahre später<br />

wandte er sich an den Großhandel und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. „Wenn ich zurückschaue, hätte ich<br />

vielleicht mehr Erfolg gehabt, wenn ich mich an die Bedürfnisse von Amateurfotografen anstelle von Profis angepasst hätte, aber<br />

ich konnte mich mit meinen Kunden besser identifizieren. Jeder professionelle Fotograf hat seine eigene Art zu arbeiten. Ich wusste<br />

also, dass meine Designs flexibel sein mussten. Ich habe viel Zeit auf Messen verbracht und dort mit Fotografen gesprochen, um zu<br />

erfahren, was sie brauchten und wie sie meine Tasche für ihre eigenen Zwecke anpassten. So fand zum Beispiel die NY Times<br />

Fotografin Sara Krulwich die ursprünglichen F2-Tasche zu groß und schlug einen Rucksack vor.<br />

Das motivierte mich, einen Aufsteckgurt herzustellen, mit dem die Tasche in einen Rucksack<br />

verwandelt werden konnte. Zu viele Produkte sind zu verspielt und es fehlt ihnen an Vielseitigkeit.<br />

Ich habe hart daran gearbeitet, eine Tasche zu entwickeln, die sowohl funktionell als auch<br />

anpassbar ist und die es Fotografen ermöglicht, ihre Ausrüstung mit einer Hand herauszuholen,<br />

während sie mit der anderen die Kamera halten. Meine erste Tasche sollte lediglich ein Problem<br />

lösen. Damals habe ich noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass das Ganze mit einem<br />

Fototaschen-Business enden würde. Was als Küchentisch-Experiment begann, ist heute eine<br />

Serie von intelligent gestalteten und verarbeiteten Taschen und Zubehör, die auf der ganzen Welt<br />

als erste Wahl des Fotojournalisten bekannt sind.“ www.tiffen.com<br />

JIM’S TOP TIPP<br />

„Halten Sie es einfach. Es ist<br />

wichtig, dass Sie der erste bei<br />

der Markteinführung sind<br />

und dass Sie keine Zeit damit<br />

verschwenden müssen,<br />

Konkurrenz zu verklagen –<br />

bringen Sie das Produkt auf<br />

den Markt.“<br />

Die Original Kameratasche und ihr Erfinder<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 137


So gründen Sie ein<br />

lukratives Geschäft<br />

Rogue Photographic Design<br />

Was Erfolgsgeschichten für <strong>Fotografie</strong>-Jungunternehmer betrifft,<br />

kann es kaum besser laufen als für Erik Sowder und John Baker.<br />

Sie sind nicht nur die Erfinder der Rogue FlashBender, formbarer<br />

Reflektoren für am Blitzschuh montierte Blitzgeräte, sondern<br />

auch Geschäftsführer von ExpoImaging – ein Unternehmen, dass<br />

Produkte entwickelt, produziert und vertreibt: Etwa die ExpoDisc,<br />

ursprünglich entwickelt von Eriks verstorbenem Großvater George<br />

Wallace. Nach einer gründlichen Entwicklung wurde FlashBender<br />

2010 trotz begrenzten Markttests sehr erfolgreich auf der<br />

Photokina eingeführt.<br />

„Das Konzept für den FlashBender fand seinen Ursprung, als wir bemerkten, wie<br />

Fotografen<br />

versuchten, ihre statischen Reflektoren für eine bessere Beleuchtung zu manipulieren. Uns war klar,<br />

dass Fotografen einen kleinen, tragbaren und formbaren Reflektor für Speedlights brauchen, und haben<br />

voll darauf vertraut, dass sie das Konzept lieben“, sagt Erik. Der erste FlashBender bestand aus Papier,<br />

Schere, Büroklammern und Tesafilm, um die Form und Größe festzulegen. Dann begann die Suche<br />

nach geeigneten Materialien, und ein erfolgreicher Prototyp wurde hergestellt. „Sich ein Konzept zu<br />

erträumen ist erst der Anfang und garantiert noch keinen Erfolg. Man muss es produzieren, verpacken,<br />

vertreiben, vermarkten und verkaufen. Und das in einem sehr umkämpften, globalen Markt. Aber die<br />

Anstrengung lohnt sich“, meint Erik. www.expoimaging.com<br />

Think Tank Photo: Großartige Taschen<br />

Einige bereits verstorbene<br />

Fotografen und ihre Produkte<br />

für die Nachwelt…:<br />

LINO MANFROTTO<br />

In den 60er Jahren des vergangenen<br />

Jahrhunderts begann der italienische<br />

Fotojournalist und Werbefotograf Lino<br />

Manfrotto damit, Studiozubehör zu designen,<br />

um minderwertige Profiprodukte vom Markt<br />

zu verdrängen. Ein paar Jahre später erhielt er<br />

seine erste signifikante Bestellung eines<br />

Großhändlers aus der Schweiz. Und als er<br />

sich mit Gilberto Battocchio, einem Techniker,<br />

zusammenschloss, gelangten der<br />

Superboom, Autopole, Superclamp und das<br />

erste Manfrotto Stativ zu internationalem<br />

Ruhm. Es ist vermutlich eine der größten<br />

Erfolgsgeschichten eines Fotografen, der zu<br />

einem Erfinder wurde, und viele wollten in<br />

seine Fußstapfen treten: Im Jahr 1986 hatte<br />

Manfrotto bereits sechs Fabriken in Bassano<br />

und fünf weitere in Vorbereitung, ein<br />

Vertriebsnetzwerk von 140 Ländern und<br />

verkaufte sein Unternehmen schließlich an<br />

die britische Vitec Group plc, die weiterhin<br />

den Manfrotto Ethos pflegt und nur innovative<br />

Produkte produziert. www.manfrotto.co.uk<br />

Think Tank Photo<br />

Die Taschendesigner Doug Murdoch und Mike<br />

Sturm schlossen sich im Jahr 2005 mit den<br />

Fotojournalisten Kurt Rogers und seiner Ehefrau<br />

und Pulitzer-Preisträgerin Deanne Fitzmaurice<br />

zusammen, um die Funktionsmängel von<br />

Kamerataschen zu beheben. Dies war der Anfang<br />

von Think Tank Photo – heute eine der weltweit<br />

führenden Marken für Zubehör.<br />

Im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten<br />

Fotografen / Erfindern sind Deanne und Kurt zwar<br />

die fotografischen Köpfe hinter dem Design, aber<br />

sie werden von ihren Co-Gründern Doug und Mike<br />

DEANNE’S TOP TIPP<br />

„Wann immer es möglich ist, suchen Sie<br />

nach einer Zusammenarbeit. Sie müssen<br />

schon sehr viel Leidenschaft für ein Produkt<br />

aufbringen, um es ganz alleine<br />

durchzuziehen. Indem Sie so oft wie<br />

möglich mit Designern, Fotografen und<br />

Produzenten zusammen arbeiten, kommen<br />

immer neue Erkenntnisse und Ideen auf<br />

den Tisch.“<br />

unterstützt, die sich bereits zuvor um das Design und die Produktion gekümmert haben – um den<br />

Rest mussten sie sich im Laufe der Zeit kümmern. „Wir haben das Unternehmen ohne<br />

irgendwelches externes Kapital gegründet. Das war eine ziemliche Herausforderung, aber es<br />

bedeutete auch, dass uns niemand aufgrund von irgendwelchen Marketing-Entscheidungen<br />

vorschrieb, was wir zu designen hätten. Wir gestalten genau die Taschen, an die wir auch<br />

glauben“, sagt Deanne. „Zum Zeitpunkt der Markteinführung arbeiteten Kurt und ich als<br />

Fotografen und nahmen die unterschiedlichsten Motive auf. Wir waren oft frustriert, weil wir nicht<br />

wussten wie wir unsere Ausrüstung tragen und gleichzeitig arbeiten sollten, wenn wir zum Beispiel<br />

entlang der Seitenlinie bei einem NFL Footballmatch liefen oder in Flugzeugen reisten. Doug war<br />

ein langjähriger Freund von uns. Er hat uns oft gefragt, was Fotojournalisten für Taschen<br />

benötigten. Als er im Jahr 2005 Think Tank Photo gründete, fragte er Kurt und mich, ob wir<br />

mitmachen wollten.“ Ihr erstes Produkt war ein modulares Gurtsystem für schnellen Zugriff, das es<br />

ihnen ermöglichte, zu laufen aber dennoch auf Objektive und anderes Zubehör zuzugreifen. Aber<br />

es waren die Roller Taschen, die zu einem durchschlagenden Erfolg wurden. „Es war unsere<br />

Lösung für Handgepäck. Andere Marken hatten zu diesem Zeitpunkt Dimensionen, die etwas<br />

kleiner oder größer als die Flugzeuggrößen waren. Wir verwendeten die exakten Dimensionen für<br />

Handgepäck und suchten dann nach Wegen, den Platz zu maximieren. Der gesamte Prozess der<br />

Entwicklung der Produkte ist ziemlich respekteinflößend, von den ersten Überlegungen zum<br />

Marketing bis zur eigentlichen Produktion: Kurt und ich hätten das niemals alleine geschafft. Wir<br />

wollten weiterhin als Fotografen arbeiten. Aber das hilft auch dem Geschäft, denn so sind wir<br />

immer noch an der Front und stehen Problemen gegenüber, für die wir eine Lösung finden<br />

können.“ Bei mehr als 130 Produkten, die es in der Think Tank Photo Serie mittlerweile gibt, kann<br />

man dieser Logik nur zustimmen. www.thinktankphoto.com<br />

JEAN COQUIN<br />

Auch wenn Sie Lee oder HiTech<br />

verwenden, haben Sie sicherlich schon<br />

von Cokin Filtern gehört. Aber wussten Sie<br />

auch, dass die Filtermarke 1978 das<br />

geistige Produkt des verstorbenen<br />

französischen Profifotografen Jean Coquin<br />

war? Das Designprinzip des Cokin-<br />

Systems ist einfach, aber es ist so populär,<br />

dass fast jeder andere Filterhersteller sich<br />

daran orientiert. Vor dem quadratischen<br />

Filtersystem brauchte man einen<br />

aufschraubbaren Filter um daran das<br />

Gewinde der Objektivfilter anzubringen.<br />

Das einzige Element, das sich ändern<br />

muss, ist der Adapterring, je nach<br />

Gewinde des Objektivfilters. Da der Halter<br />

auf seiner eigenen Achse rotiert, haben<br />

Sie fast unbegrenzte Möglichkeiten, Filter<br />

für kreative Effekte zu kombinieren.<br />

Danke, Jean! www.intro2020.com<br />

GEORGE WALLACE<br />

Seit Jahrzehnten haben Fotografen<br />

<strong>Fotografie</strong>produkte erfunden und George<br />

Wallace ist ein Paradebeispiel für<br />

jemanden, der über die Schwelle getreten<br />

ist, um die <strong>Fotografie</strong> für andere zu<br />

verbessern. Nachdem er zusammen mit<br />

Ansel Adams, Minor White und Edward<br />

Weston studiert hatte, lehrte George<br />

<strong>Fotografie</strong> und erfand den ExpoDisc Filter,<br />

um seinen Studenten zu helfen, bei ihren<br />

Diafilmen die perfekte Belichtung zu<br />

bekommen. Er änderte das Instrument in<br />

ein Instrument für einfallendes Licht, indem<br />

es exakt 18 % des Lichts erlaubte auf die<br />

Filmebene zu fallen (das entspricht der<br />

Lichtmenge, die ein durchschnittliches<br />

Motiv reflektiert). Aber er bietet nicht nur<br />

akkurate TTL Messungen für Film, sondern<br />

der ExpoDisc ist auch ideal, um einen<br />

akkuraten Weißabgleich zu erhalten.<br />

Dieses Pionierprodukt wurde im Jahr 2001<br />

für digitale <strong>Fotografie</strong> weiterentwickelt und<br />

wird nun durch ExpoImaging vertrieben.<br />

www.expoimaging.com


Foto-Erfindungen<br />

Kapitalbeschaffung: So starten Sie mit Ihrem Produkt richtig durch<br />

ES HEISST, MAN SEI NUR „so gut wie seine<br />

neueste Idee“. In der Realität aber ist eine Idee<br />

allein noch kein Erfolg – es ein denn, man macht<br />

etwas daraus. Sie haben schon einige der<br />

Erfolgsgeschichten fotografischer Erfindungen<br />

gelesen und denken vielleicht, „Das ist ja alles<br />

schön und gut, aber mir fehlt das Geld, um das<br />

Konzept voranzutreiben“. Vielleicht stimmt das<br />

sogar – es muss allerdings nicht Ihr eigenes Geld<br />

sein. Wir schlagen auch nicht vor, dass Sie die<br />

Höhle des Löwen betreten und sogenannte<br />

„Risikoinvestoren“ zu überreden versuchen.<br />

Warum sollten Sie auch, wenn Sie es bequem<br />

vom Sofa aus tun können?<br />

Kickstarter.com ist eine Website, bei der es um<br />

Kapitalbeschaffung geht. Es ist die perfekte<br />

Plattform für aufstrebende Erfinder, um Kapital zu<br />

beschaffen und die Erfindungen schnell und<br />

einfach zu verkaufen. Sie laden einfach Ihre Idee<br />

hoch, setzen ein finanzielles Ziel, das Sie<br />

erreichen möchten und erlauben Besuchern, das<br />

Produkt als Vorbestellung zu erwerben. Wenn<br />

genug Vorbestellungen eingegangen sind und das<br />

finanzielle Ziel erreicht ist, kann Ihre Erfindung in<br />

die Prototyp-Produktion gehen. Zumindest finden<br />

Sie hier einen Ort, wo Sie die Anziehungskraft<br />

Ihres Produktes testen können und<br />

Konkurrenzideen unter die Lupe nehmen können.<br />

Hier sind unsere Top Kickstarter-Projekte zum<br />

Thema <strong>Fotografie</strong>, die wir gerne sehen würden,<br />

oder die bereits ihr Kapitalziel erreicht haben,<br />

sodass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie in<br />

den Verkauf gehen…<br />

1) Lomography<br />

Smartphone Film Scanner<br />

Wenn Sie sehr viele Rollen 35 mm<br />

Film haben, die Sie digitalisieren<br />

möchten, kann es ziemlich<br />

aufwändig sein, diese alle über<br />

Ihren Computer einzuscannen.<br />

Dieses clevere Gerät wird an Ihr<br />

Smartphone angebracht und<br />

ermöglicht es, Negative mit der<br />

eingebauten Kamera direkt in das<br />

Phone zu scannen. Mit 3.534<br />

Unterstützern und einem Kapital<br />

von 268.702 US $ (mehr als das<br />

Fünffache des Zielkapitals von<br />

50.000 US $), sieht es so aus, als<br />

ob dieses Gerät bald in den Läden<br />

zu haben sein wird!<br />

www.microsites.lomography.com/<br />

smartphone-scanner/<br />

2) Halter für<br />

Objektivabdeckungen<br />

Objektivabdeckungen gehören zu<br />

dem wichtigen Kamerazubehör, das<br />

wir immer dabei haben sollten, aber<br />

ständig suchen wir am Boden<br />

unserer Kamerataschen danach oder<br />

drehen unsere Hosentaschen um,<br />

um sie zu finden. Der Stow-Away löst<br />

dieses Problem, indem er einfach an<br />

die Stativbefestigung der digitalen<br />

Spiegelreflexkamera angebracht wird<br />

und Abdeckungen von 52 bis 72<br />

mm unter der Kamera festhält.<br />

Außerdem gibt es den Kamera-<br />

Objektivabdeckungs-Halter, mit dem<br />

Sie die Abdeckungen am Halsgurt<br />

oder an der Kameratasche anbringen<br />

können.<br />

www.cameracapholder.com<br />

3) Astro: Zeitraffer und<br />

Bewegungskontrolle<br />

Dieses clevere Gerät wird an das<br />

Stativ montiert und ermöglicht es,<br />

eine Schwenkbewegung in die<br />

Zeitraffersequenzen<br />

einzuprogrammieren. Es beinhaltet<br />

außerdem ein eingebautes<br />

Intervalometer und wird so zu einer<br />

erschwinglichen Lösung für<br />

Zeitraffer. Das Projekt hat bereits<br />

413.000 US $ erreicht, weit mehr<br />

als das ursprüngliche Ziel von<br />

50.000 US $. Die erste<br />

Produktionseinheit von Astro war<br />

quasi sofort ausverkauft. Eine<br />

zweite Produktion wird dieses Jahr<br />

noch fertig gestellt. Außerdem wird<br />

eine ergänzende Smartphone App<br />

entwickelt.<br />

4) Swivl: Spiegelreflexkamera-<br />

Halter für<br />

Bewegungsverfolgung<br />

Wenn Sie in Ihre Zeitraffer oder Videos<br />

Bewegung einbauen möchten,<br />

erfordert das in der Regel kostspielige<br />

Apparate zur Bewegungskontrolle. Der<br />

Swivl rotiert und verfolgt einen<br />

separaten Sensor. Dadurch ist er ideal<br />

für bewegende Kamerapräsentationen.<br />

Außerdem bietet die Software den<br />

Entwicklern die Möglichkeit,<br />

Zeitraffer-Bewegungen<br />

vorzuprogrammieren. Es kann sogar<br />

das iPad oder iPhone für Videochats<br />

mit Bewegungsverfolgung halten! Das<br />

Swivl erreichte 160.000 US $ von<br />

seinem 120.000 US $ Ziel.<br />

www.newswivl.com<br />

5) Luxi<br />

Machen Sie aus Ihrem iPhone ein<br />

Messgerät für einfallendes Licht,<br />

indem Sie diese kleine<br />

Diffusionskuppe über die<br />

vorderseitige Kamera Ihres iPhone<br />

4, 4S oder 5 stülpen. Verwenden<br />

Sie sie mit der zugehörigen<br />

Lichtmessungs-App, Luxi, um die<br />

besten Einstellungen für Ihre DSLR<br />

festzulegen, sodass Ihre Bilder<br />

perfekt belichtet werden. Dieses<br />

raffinierte Produkt wurde von<br />

Extrasensory Devices entwickelt<br />

und hat eine aussichtsreiche<br />

Zukunft mit mehr als 5.000<br />

Unterstützern, nachdem es sein<br />

Ziel von 10.000 US $ um fast das<br />

Zehnfache überschritten hat.<br />

www.luximeter.com<br />

6) iCandy<br />

Wenn Sie jemals Kinder fotografiert<br />

haben, wissen Sie, dass es eine der<br />

größten Herausforderungen<br />

darstellt, ihre Aufmerksamkeit zu<br />

halten. Die Lösung: iCandy. Damit<br />

können Sie ein Smartphone über<br />

die Stativhalterung Ihrer Kamera<br />

an Ihre Spiegelreflexkamera<br />

montieren, sodass Sie Videos,<br />

Spiele oder Bilder abspielen<br />

können, um die Aufmerksamkeit<br />

des Kindes zu erregen. Auch wenn<br />

es das Kickstarter-Kapitalziel nicht<br />

erreicht hat, geht es dennoch in<br />

Produktion. Es ist eine einfache<br />

Lösung für ein weit verbreitetes<br />

Problem, daher wird es sicherlich<br />

bei Porträtfotografen beliebt sein.<br />

www.needicandy.com<br />

7) Memoto Lifelogging<br />

Camera<br />

Wow! Diese winzige Kamera und App<br />

mit durchsuch- und teilbarem<br />

Speicher stürmte weit über das Ziel<br />

von 50.000 US $ hinaus – und<br />

erreichte atemberaubende 550.189<br />

US $. Sie befestigen diese kleine<br />

Kamera an Ihrer Kleidung und sie<br />

macht automatisch zwei mit Geo-Tags<br />

versehene Fotos pro Minute. So nimmt<br />

sie das Leben so auf, wie Sie es<br />

erleben und Sie werden nie mehr<br />

einen überraschenden oder<br />

besonderen Moment verpassen.<br />

Neben der Organisation der Fotos<br />

bietet Memoto auch ein Jahr<br />

kostenlosen Speicherplatz mit einer<br />

anschließenden, pauschalen Gebühr<br />

www.memoto.com<br />

8) Langly Kameratasche<br />

Es passiert nicht oft, dass Mode<br />

und Funktion sich<br />

zusammenschließen um eine<br />

Unisex-Kameratasche zu bilden,<br />

aber der Fotograf Evan Lane hat<br />

zwei 566 g leichte wasserdichte<br />

Leinen- und Leder-Rucksäcke<br />

entwickelt, die Potenzial haben,<br />

genau dies zu tun. Darein passen<br />

eine digitale Spiegelreflexkamera,<br />

zwei Objektive, ein Laptop, sowie<br />

verschiedenes Zubehör in die vier<br />

Taschen und Beutel im oberen<br />

Fach. Diese Produkte – Alpha und<br />

Delta – basieren auf Rucksäcken<br />

aus dem zweiten Weltkrieg und<br />

haben das Potenzial bei<br />

modebewussten Fotografen sehr<br />

populär zu werden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 139


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

DAS<br />

GOLDENE<br />

LAND<br />

DER REISEFOTOGRAF JON HICKS HAT SICH KÜRZLICH EINEN LEBENSTRAUM ERFÜLLT:<br />

EINE REISE NACH BIRMA – DIESES ALTE LAND WAR IN DER VERGANGENHEIT<br />

VERSUNKEN UND WURDE ERST VOR KURZEM WIEDER FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT<br />

ZUGÄNGLICH. MIT JORDAN BUTTERS SPRICHT ER ÜBER DIE FOLGEN DIESER NEU<br />

GEWONNENEN POPULARITÄT AUF DAS LAND UND SEINE BEWOHNER<br />

„Dieses Panorama der alten Tempel in Bagan in<br />

der Dämmerung habe ich mit meinem 70 - 200<br />

mm f/2.8L Objektiv gemacht. Der Nebel besteht<br />

aus dem Rauch, der von den Feuern rund um<br />

die Tempel aufsteigt.“


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

1<br />

2 3<br />

1) „Eine sechsteilige<br />

Panoramaaufnahme der<br />

Tempel in Bagan, mit<br />

dem 45 mm Tilt-Shift-<br />

Objektiv fotografiert.”<br />

2) „Dieses Bild habe ich<br />

mit dem 70 - 200 mm<br />

f/2.8 Objektiv mit einem<br />

1,4-fach-Telekonverter<br />

aufgenommen. Teile der<br />

U-Bein-Brücke werden<br />

gerade wieder aufgebaut,<br />

so dass es schwierig war,<br />

einen nicht von diesen<br />

Bauarbeiten betroffenen<br />

Bereich zu finden. Dieses<br />

Bild besteht aus drei<br />

Aufnahmen, aus denen<br />

jeweils die Menschen<br />

entnommen wurden, um<br />

eine bessere<br />

Bildkomposition zu<br />

erzielen”<br />

3) „Diese Frau hat vor<br />

einem der Tempel in<br />

Bagan Wasser verkauft.<br />

Die meisten Leute freuen<br />

sich, wenn sie fotografiert<br />

werden. Dieses Bild habe<br />

ich mit der OM-D und<br />

einem 45 mm Objektiv<br />

gemacht.<br />

”SEIT ICH MIT DEM REISEN BEGONNEN<br />

HABE, wollte ich nach Birma reisen, aber ich<br />

hätte nie gedacht, dass dies einmal möglich<br />

sein würde. Meine Karriere als Fotograf<br />

begann Ende der Achtziger Jahre, und<br />

während der ganzen Zeit befand sich das<br />

Land unter einer Militärdiktatur. Es gab Zeiten, da war der<br />

Grenzübergang möglich, aber es gab nur begrenzte Visa, und<br />

zu anderen Zeiten konnte man nur als Teil einer offiziellen<br />

Reisegruppe einreisen. Vor kurzem jedoch hat die Regierung<br />

die Grenzen für Touristen geöffnet, und Birma, oder Myanmar,<br />

wie es heute genannt wird, begann, die Reisenden zu<br />

Tausenden anzuziehen. Auch wenn ich ursprünglich in erster<br />

Linie wegen meines eigenen Wunsches nach Birma gereist<br />

bin, das Land zu sehen und zu fotografieren, ist diese Reise<br />

auch kommerziell sinnvoll. Durch den Zustrom von Touristen<br />

in das Land wird die Nachfrage nach Fotos hoffentlich steigen.<br />

Bevor ich in ein unbekanntes Land reise, mache ich immer<br />

umfangreiche Recherchen. Ich durchforste das Internet und<br />

Bücher nach Informationen – die Reiseführer von Lonely<br />

Planet sind mir dabei über die Jahre zur unschätzbaren<br />

Informationsquelle geworden. Für mich war bei der Planung<br />

dieser Reise das größte Problem, dass ich nicht wusste, wie<br />

ich im Land herumkommen sollte. Birma ist ein riesiges Land,<br />

es grenzt an China, Indien, Laos, Thailand und Bangladesch,<br />

und wenn man die wichtigsten Orte besichtigen möchte,<br />

bedeutet das oft eine ganztägige Reise oder eine Nachtfahrt<br />

mit Bus oder Zug und häufigem Umsteigen. Außerdem stellte<br />

ich fest, dass wegen des touristischen Booms viele Hotels auf<br />

Monate im Voraus ausgebucht sind – es gibt einfach noch<br />

keine Infrastruktur für diesen Ansturm. Letztlich habe ich mich<br />

dafür entschieden, mir für die komplette Reisedauer einen<br />

Fahrer und einen Führer zu nehmen. Das hat mir den<br />

Reisestress genommen, denn der Führer konnte im Voraus<br />

telefonieren und Hotelzimmer für mich buchen, während wir<br />

noch unterwegs waren, das war eine große Hilfe. Außerdem<br />

konnte ich so komfortabel reisen – wenn man 24 Stunden in<br />

einem vollgestopften Bus oder Zug verbracht hat, hat man<br />

am nächsten Tag wenig Lust, rauszugehen und zu<br />

fotografi eren!<br />

Während meiner Reise habe ich viele der beliebten<br />

Attraktionen besucht, wie zum Beispiel den Inle-See, die<br />

Stadt Yangon, die Tempel in Bagan und die U-Bein-Brücke<br />

bei Mandalay. Einer der denkwürdigsten Augenblicke war<br />

der Morgen, den ich während eines Vollmond-Festes in<br />

Bagan verbracht habe. Dabei hatte der Tag nicht gut<br />

begonnen – mein Hotel war ekelerregend! Ich wollte so viel<br />

wie möglich Zeit außerhalb des Hotels verbringen, also<br />

beschloss ich, einen Tempel weiter unten an der Straße zu<br />

besichtigen, in dem die ganze Nacht Musik gespielt worden<br />

war. Ich schleppte mich bereits vor dem Morgengrauen dort<br />

hin und verbrachte einige Stunden damit, den Tempel zu<br />

erkunden und die Menschen dort zu fotografi eren. Es<br />

gelang mir, ein paar fantastische Aufnahmen der jungen<br />

Mönche zu machen, wie sie ihrer Tätigkeit nachgehen, und<br />

jeder war sehr gerne bereit, für ein Foto kurz innezuhalten.<br />

142 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Jon Hicks<br />

4<br />

Wenn ich ein neues Land besuche, bin ich immer etwas<br />

zögerlich, mir zu große Hoffnungen zu machen,<br />

insbesondere wenn ich schon immer dorthin reisen wollte,<br />

denn die Realität wird den Erwartungen oft nicht gerecht.<br />

Aber ich kann mit Fug und Recht sagen, dass Bagan mich<br />

nicht enttäuscht hat.<br />

Man erzählte mir von einem Ort, von dem aus man einen<br />

fantastischen Blick auf die Tempel gegen die untergehende<br />

Sonne haben soll, also mietete ich mir eines Abends ein<br />

Fahrrad und fuhr rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang<br />

dorthin. Bei meiner Ankunft war der Platz vollgestopft mit<br />

Menschen – und sie kamen immer noch mit Bussen an,<br />

alle wollten den Sonnenuntergang sehen. Nachdem die<br />

5 6<br />

Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, wurde der<br />

Platz langsam leerer. Kurze Zeit danach war ich so gut wie<br />

alleine, und ich hatte das wundervolle Abendrot und den<br />

aufgehenden Vollmond ganz für mich. Ich habe insgesamt<br />

vier Abende an diesem Ort verbracht, aber es hätten auch<br />

leicht zwei Wochen sein können – ich war begeistert!<br />

Ich hatte die Canon EOS 5D Mk III und die Olympus OM-D<br />

dabei, außerdem eine Reihe von Brennweiten für die<br />

Canon, darunter mein 70 - 200 mm f/2.8L und die 17<br />

mm, 24 mm und 45 mm Tilt-Shift-Objektive. Für die<br />

OM-D hatte ich die 7 - 14 mm, 20 mm und 4 5mm<br />

Micro-Four-Thirds-Objektive dabei – eine tolle Kamera,<br />

wenn Sie mit leichtem Gepäck reisen müssen.<br />

4) „Diese vorwitzigen<br />

Burschen habe ich mit<br />

der OM-D und dem 7 -14<br />

mm Objektiv<br />

aufgenommen. Ich habe<br />

die Kamera<br />

hochgehalten und sie<br />

gebeten,<br />

hochzuschauen. Ich<br />

habe gleich mehrere<br />

Aufnahmen gemacht -<br />

sie liebten es, fotografiert<br />

zu werden!”<br />

5) „Diese Aufnahme<br />

wurde am Inle-See<br />

gemacht – ein<br />

wunderschöner Ort. Ich<br />

habe einen ringförmigen<br />

Polarisationsfilter<br />

verwendet, um aus dem<br />

leuchtenden Himmel das<br />

Beste herauszuholen.”<br />

6) „Dieses Bild war ein<br />

Glückstreffer von einer<br />

Brücke über eine<br />

Hauptstraße in Yangon.<br />

Es wurde mit der OM-D<br />

aufgenommen, mit dem<br />

eingebauten Stabilisator<br />

kann man auch aus der<br />

Hand mit langen<br />

Verschlusszeiten<br />

fotografieren.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 143


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

7) „Sonnenaufgang über<br />

Bagan, aufgenommen<br />

mit der EOS 5D Mk III,<br />

einem 70 - 200 mm<br />

f/2.8L Objektiv und dem<br />

1,4-fach-Telekonverter.<br />

8) „Detailaufnahmen<br />

sind wichtig – diese<br />

wurde in der<br />

Shwedagon-Pagode in<br />

Yangon gemacht.<br />

9) „Die Kinder haben<br />

eine Paste im Gesicht,<br />

die Thanaka genannt<br />

wird – sie wird aus<br />

Baumrinde hergestellt<br />

und schützt vor<br />

Sonnenbrand.<br />

10) „Mit der Kamera auf<br />

dem Stativ habe ich in<br />

einem Tempel geduldig<br />

darauf gewartet, dass<br />

jemand vorbeigeht.<br />

11) „Dieses Motiv fand<br />

ich zwischen zwei<br />

Tempeln in Bagan, mit<br />

einem dritten Tempel als<br />

Hintergrund.<br />

12) „Diese Aufnahme<br />

habe ich mit dem 20 mm<br />

Pancake-Objektiv auf der<br />

OM-D gemacht. Die<br />

Hunde sind wild und<br />

streunen auf der Suche<br />

nach Futter um die<br />

Tempel.<br />

Ich war 23 Tage in Birma, und obwohl an den beliebten<br />

Orte reges touristisches Treiben herrschte, hat sich das<br />

Land noch immer eine Unschuld und einen Charme<br />

bewahrt, der von einem Mangel an äußeren Einfl üssen<br />

herrührt. Die Einwohner von Myanmar sind zugänglich<br />

und freundlich, sie lächeln und sprechen mit Ihnen. Alle,<br />

die ich getroffen habe, waren kooperativ – manche<br />

haben mir sogar ihre Kinder in den Weg geschubst,<br />

damit ich ein Foto von ihnen machen konnte! Mit dem<br />

steigenden Tourismus in dieser Region wird es wohl<br />

unvermeidbar sein, dass diese Einstellung sich ändert.<br />

In manchen der Touristenregionen war das schon jetzt<br />

spürbar, wobei die Einheimischen dort etwas schlauer<br />

waren. Ich hoffe, dass die Touristen und Fotografen gut<br />

mit den Einwohnern von Myanmar umgehen und sie mit<br />

Respekt – ich nehme mir immer die Zeit zur Interaktion,<br />

8 9<br />

ich spreche gerne mit den Menschen und zeige ihnen<br />

meine Bilder, und wenn sie dafür bezahlt werden<br />

möchten, dass ich sie fotografi ere, dann gebe ich ihnen<br />

fast immer mehr, als sie verlangen. Ich kann es nicht<br />

ausstehen, wenn Fotografen die Menschen wie<br />

Ausstellungsstücke behandeln, und ich hoffe, dass das<br />

dort nie passieren wird.<br />

Während meiner Reise habe ich etwa 11.000 Bilder<br />

gemacht – wenn ich reise, bin ich ständig am Schauen,<br />

am Fotografi eren; da gibt es keine Ruhepausen. Zu<br />

Hause ist man lange genug, also möchte ich aus jeder<br />

Sekunde, die ich unterwegs bin, das Beste herausholen<br />

– schließlich weiß man nie, wann einem diese eine<br />

Aufnahme gelingt, die die ganze Reise wert ist.<br />

Weitere Informationen zu Jons Arbeiten auf www.<br />

jonhicksphoto.co.uk<br />

144 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Jon Hicks<br />

7<br />

NACHDEM DIE SONNE AM HORIZONT VERSCHWUNDEN WAR, LEERTE SICH DER PLATZ IMMER MEHR. SO HATTE ICH<br />

DIESES WUNDERVOLLE ABENDROT UND DEN AUFGEHENDEN VOLLMOND GANZ FÜR MICH ALLEIN.<br />

10 11 12<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 145


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

LEBEN AUF DER<br />

ÜBERHOLSPUR<br />

ER HAT BENZIN IM BLUT UND EINE LEIDENSCHAFT FÜR DIE FOTOGRAFIE:<br />

FÜR DEN MEHRFACH AUSGEZEICHNETEN FOTOGRAFEN DOM ROMNEY GAB<br />

ES VON ANFANG AN NUR EINEN EINZIGEN WEG.<br />

JORDAN BUTTERS HAT IHN GETROFFEN UND ÜBER SEINE LEBENSLANGE<br />

JAGD NACH GESCHWINDIGKEIT BEFRAGT.<br />

© SUTTON IMAGES


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

Dom Romney<br />

JENSON BUTTONS McLaren-Mercedes bricht mit<br />

275 km/h aus der Dunkelheit des Virage Du Portier<br />

Tunnels hervor und beschleunigt vor der<br />

gefährlichsten Kurve der Rennstrecke von Monaco.<br />

Sekunden später schießt er mit 225<br />

Stundenkilometern am Schwimmbadkomplex<br />

vorbei. Aus einem Loch im Zaun, nur 15 bis 17 Zentimeter oberhalb<br />

seines hinteren Kotflügels schaut der 22 Jahre alte<br />

Motorsportfotograf Dom Romney heraus und lässt seinen<br />

Kameraverschluss klicken. Einen Moment später ist Jenson außer<br />

Sichtweite, nur das Geräusch seines Auspuffs hallt noch über den<br />

Yachthafen nach, und Dom ist schon wieder bereit für das nächste<br />

Auto, das vorbeiziehen wird.<br />

„Ich habe im Jahr 2011 den Renault MSA Preis für junge<br />

Motorsportfotografen zum zweiten Male gewonnen und kurz darauf<br />

habe ich mit einem Freund bei Getty Images gesprochen. Er<br />

erwähnte, dass man bei Sutton Images einen F1-Fotografen suche,<br />

also habe ich meinen Unterlagen eingereicht und nicht weiter<br />

darüber nachgedacht. Erst an dem Donnerstag vor dem Rennen in<br />

Monaco habe ich einen Anruf bekommen. Ich brauche wohl nicht zu<br />

erwähnen, dass ich noch am Donnerstagabend gepackt habe, am<br />

Freitag gelandet und sofort zur Rennstrecke gefahren bin. Es gibt<br />

keinen anderen Ort wie Monaco – das ist wirklich verrückt – die<br />

Menschen, der Schauplatz und die Rennstrecke sind absolut<br />

einzigartig.“<br />

Trotz seines noch sehr jugendlichen Alters verfügt Dom bereits über<br />

1<br />

2 3<br />

4 5<br />

© SUTTON IMAGES<br />

© SUTTON IMAGES<br />

© SUTTON IMAGES<br />

einen großen Erfahrungsschatz, was das <strong>Fotografie</strong>ren von Autos<br />

und Motorsport anbelangt. „Mein Vater war Hobbyfotograf, und ich<br />

nahm seine Canon EOS 3, wann immer ich die Gelegenheit fand, bis<br />

er mir eine eigene Kamera kaufte. Meine ganze Familie hat Benzin<br />

im Blut und war aktiv im Motorsport. Wenn Sie ein Rennen fuhren,<br />

war ich immer mit der Kamera dabei und machte Fotos – ich liebte<br />

Autos und <strong>Fotografie</strong> und ich habe das große Glück gehabt, dass ich<br />

beides miteinander kombinieren konnte.“<br />

Ich blättere durch Doms Portfolio und bin beeindruckt von der<br />

großen Vielfalt der Bilder. Dom hat sich einen Kundenstamm<br />

geschaffen, der sowohl redaktionelle, als auch kommerzielle Kunden<br />

umfasst und sich über das gesamte Fachgebiet Automobil erstreckt.<br />

„Ich habe einen vielseitigen Querschnitt an Kunden. Das macht die<br />

Sache interessant. In einer Woche fotografiere ich vielleicht ein<br />

Rennen für einen redaktionellen Kunden und in der nächsten mache<br />

ich womöglich ein kommerzielles Shooting für ein Produkt. Das<br />

bietet mir die Möglichkeit, eine Mischung unterschiedlicher<br />

Fähigkeiten, Herangehensweisen und Prozesse einzubringen.“<br />

Was aber wirklich die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist Doms<br />

Ansatz bei der Motorsportfotografie. Es ist nicht einfach, sich von der<br />

Menge abzuheben, wenn die Bereiche, aus denen man fotografieren<br />

kann, stark eingeschränkt sind und die Konkurrenz durch andere<br />

Fotografen, die ebenfalls auf den perfekten Schuss warten, so stark<br />

ausgeprägt ist.<br />

„Zunächst stelle ich ein paar Nachforschungen an. Ich schaue mir<br />

an, was ich fotografiert habe oder was andere Leute an der Strecke<br />

fotografiert haben. Ich achte darauf, was funktioniert, welche Fotos<br />

den Leuten gefallen und ich halte Ausschau nach kultigen<br />

Orientierungspunkten, wie zum Beispiel dem Casino in Monaco oder<br />

den Kränen im Hintergrund der Internationalen Rennstrecke in<br />

Korea, die ich mit in den Bildausschnitt aufnehmen kann. Wenn ich<br />

diese gefunden habe, sehe ich mich nach neuen Blickwinkeln und<br />

Herangehensweisen um.“<br />

Kühne Bildkompositionen, der kreative Einsatz von Verschlusszeiten<br />

und starke, optische Elemente sind die Markenzeichen von Doms<br />

Bildern und er achtet sehr darauf, neben seinen beruflichen<br />

Aufnahmen auch kreative Experimente zu machen, wann immer er<br />

die Möglichkeit hat. „Ein typisches F1-Event erstreckt sich über drei<br />

Tage: freitags ist Training, samstags ist Qualifying und sonntags ist<br />

Renntag. Der Freitag gibt mir die Zeit, einige neue Blickwinkel<br />

auszuprobieren. Ich experimentiere gerne, insbesondere mit<br />

© SUTTON IMAGES<br />

© SUTTON IMAGES<br />

6<br />

1) „Paul diResta fährt<br />

unter dem Yas Hotel in<br />

Abu Dhabi durch. Ich<br />

habe dies mit 16<br />

Millimetern<br />

fotografiert, um die<br />

ungewöhnliche<br />

Architektur mit<br />

einzubeziehen.“<br />

2) „Wenn Sie frontal<br />

fotografieren, können<br />

Sie eine kurze<br />

Verschlusszeit<br />

verwenden, um die<br />

Bewegung<br />

einzufrieren, da man<br />

das Rotieren der Räder<br />

nicht sieht.“<br />

3) „Ich fotografiere<br />

Fotos vom Podium<br />

gerne von der Seite und<br />

bemühe mich um<br />

einen sauberen<br />

Hintergrund.“<br />

4) „Mark Webber trifft<br />

Fans in Valencia. Die<br />

Sonne steht beim<br />

Großen Preis von<br />

Europa tief am Himmel<br />

und sorgt für dieses<br />

fantastische Licht.“<br />

5) „Dies ist ein toller<br />

Winkel beim Großen<br />

Preis von Kanada. Es<br />

gibt nur ein sehr kurzes<br />

Zeitfenster für die beste<br />

Ausleuchtung.<br />

Deswegen drängeln<br />

sich die Fotografen um<br />

die beste<br />

Kameraposition.“<br />

148 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


© SUTTON IMAGES<br />

„ICH LIEBTE AUTOS UND<br />

FOTOGRAFIE – UND HATTE DAS<br />

GROSSE GLÜCK, BEIDES<br />

KOMBINIEREN ZU KÖNNEN.“<br />

lockeren Bildkompositionen. Auch wenn hinter jedem Auto ein Team<br />

aus Hunderten von Leuten steht, geht es im Motorsport doch<br />

letztlich darum, dass eine Person versucht, so schnell wie möglich<br />

zu fahren. Die Verwendung von negativem Raum in meinen Bildern<br />

spielt mit diesem Gefühl von Isolation. Wenn ich ein Bild plane,<br />

insbesondere eins mit einer langen Verschlusszeit, versuche ich,<br />

Platz zu lassen, in den das Auto hineinfahren kann. Das verstärkt<br />

das Gefühl der Geschwindigkeit. Die Verschlusszeit, die ich<br />

verwende, hängt davon ab, was ich fotografiere. Bei der Formel 1 ist<br />

man oftmals ziemlich weit vom Geschehen entfernt, also kann man<br />

auch mit einfacheren Verschlusszeiten wie1/200 Sekunde oder<br />

1/125 Sekunde ein scharfes Bild fotografieren. Wenn ich kreativer<br />

arbeiten möchte, spiele ich mit 1/60 Sekunde, 1/20 Sekunde oder<br />

einer noch langsameren Verschlusszeit. Die langsameren<br />

Kameraschwenks dauern länger, aber man muss sich an seinen<br />

Zeitplan halten. Man kann leicht 45 Minuten darauf verwenden,<br />

einen perfekten Schuss zu bekommen, aber wenn man noch fünf<br />

weitere Fotos geplant hat und die nächste Kurve einen<br />

zwanzigminütigen Fußmarsch weit entfernt ist, muss man wissen,<br />

wann man gehen muss.“<br />

Auch wenn die Formel Eins das Ruhmesblatt in Doms Portfolio ist,<br />

bleibt er trotzdem seinen Wurzeln treu und fotografiert auch<br />

7 8<br />

Drag-Rennen. „Beim Drag-Rennen hat für mich alles angefangen.<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von Drag-Rennen hat niemand irgendeinen<br />

künstlerischen Anspruch. Alle Fotografen standen an der<br />

Rennstrecke und nahmen immer und immer wieder das gleiche Foto<br />

auf. Ich beschloss, das <strong>Fotografie</strong>ren bei der Formel 1 ähnlich<br />

anzugehen: mit einem Grauverlaufsfilter oder mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv auf einer Hebebühne oberhalb der Rennstrecke.“<br />

Für viele Fotografen ist die Gelegenheit, ein Motorsport-Event von<br />

Weltklasse zu fotografieren, die Erfüllung eines Traumes. Dom<br />

erklärt, dass alles möglich ist, wenn man seinen Weg Schritt für<br />

Schritt geht. „Wenn Sie es mit der Motorsportfotografie ernst meinen,<br />

beginnen Sie mit Events auf kleinen Strecken, zu denen jedermann<br />

Zutritt hat. Stellen Sie Ihr Portfolio zusammen. Damit können Sie<br />

anschließend an Rennteams vor Ort oder an Zeitungen herantreten<br />

und anfragen, ob man Sie die Events dokumentieren lässt. Wenn Sie<br />

erst einmal einen Fuß in der Tür haben, können Sie sich weiter<br />

hocharbeiten. Machen Sie Ihre Hausaufgaben, planen Sie und<br />

bereiten Sie sich vor. Die wichtigsten Momente im Motorsport<br />

passieren im Bruchteil einer Sekunde, aber was zählt, ist das, was<br />

Sie in den Minuten und Stunden tun, die diesen Momenten<br />

vorausgehen.“<br />

Sehen Sie mehr von Doms Bildern auf www.domromney.com<br />

6) „Dieses Foto ist wie<br />

Lakritz: Entweder<br />

man liebt es, oder<br />

man hasst es. Es zeigt<br />

Jenson Button auf der<br />

Rennstrecke von Yas<br />

Marina in Abu Dhabi<br />

und wurde mit 1/4<br />

Sekunde<br />

aufgenommen. Mir<br />

gefällt es wirklich gut,<br />

ich finde, die Linien<br />

funktionieren sehr gut<br />

und es ist einfach mal<br />

etwas Anderes.“<br />

7) „Ein witziges,<br />

nostalgisches Auto<br />

verbrennt bei einer<br />

Show auf der<br />

Rennstrecke von<br />

Stratfort Nitromethan.<br />

Wenn das Auto<br />

startet, schießt es<br />

dicke Wolken aus<br />

unverbranntem<br />

Kraftstoff in die Luft.“<br />

8) „Ich wollte schon<br />

lange eine Aufnahme<br />

während eines<br />

Drag-Rennens<br />

machen. Auf der<br />

Rennstrecke von<br />

Stratford ergab sich<br />

die Gelegenheit. Ich<br />

montierte die Kamera<br />

an dem Auto und<br />

verwendete eine<br />

lange Verschlusszeit.<br />

Dann schoben wir das<br />

Auto die Strecke<br />

entlang.“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 149


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

EINE FRAGE<br />

DES SPORTS<br />

DER AFP-FOTOGRAF ADRIAN DENNIS STEHT AUF DEM HÖHEPUNKT<br />

SEINER KARRIERE, SOEBEN WURDE ER ZUM SPORTFOTOGRAFEN DES<br />

JAHRES GEKÜRT. JORDAN BUTTERS UNTERHÄLT SICH MIT IHM ÜBER EIN<br />

AUFREGENDES SPORTJAHR UND DEN DRUCK, UNTER DEM MAN STEHT,<br />

WENN MAN ACTIONSZENEN EINFANGEN WILL.


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

Adrian Dennis<br />

1<br />

2<br />

„ÄHNLICH WIE DER SPORT SELBST ist auch<br />

die Sportfotografie extrem<br />

wettbewerbsorientiert und erbittert: wir sind<br />

davon abhängig, dass unsere Bilder<br />

veröffentlicht werden, damit wir davon leben<br />

können. Außerdem geht es darum, was uns<br />

von der Masse abhebt.“<br />

Der Pressefotograf Adrian Dennis von Agence France muss<br />

irgendetwas richtig gemacht haben. Gerade wurde er vom<br />

internationalen Verband der Sportjournalisten zum<br />

Sportfotografen des Jahres ernannt. „Ich bin so unglaublich<br />

stolz, dass ich gewonnen habe. Die Liste der vorherigen<br />

Gewinner reicht 35 Jahre zurück und es gibt eine Menge<br />

Namen darauf, bei denen es mir eine Ehre ist, mit ihnen in<br />

Verbindung gebracht zu werden. Das letzte Jahr war ein großes<br />

Jahr für den britischen Sport. Das lag zu einem großen Teil an<br />

den Olympischen Spielen in London, aber auch an den großen<br />

Erfolgen, die britische Athleten auf der ganzen Welt gefeiert<br />

haben. Auf gewisse Weise hat mir das einen Freifahrtschein<br />

beschert, weil ich eine große Vielfalt von Sportwettkämpfen aus<br />

hervorragenden Blickwinkeln aufnehmen konnte.“<br />

Adrians Langzeitaffäre mit dem Sport begann, als er an der<br />

Universität von Florida Fotojournalismus studierte. Dank der<br />

engen Verbindung der Universität mit dem Sport führte eins<br />

zum anderen und Adrian war in der Lage, ein aussagekräftiges<br />

Portfolio zusammenzustellen, mit dem er nach seiner Rückkehr<br />

nach Großbritannien seinen Durchbruch erzielen konnte. „Ich<br />

3<br />

begann, mein Portfolio herumzureichen. Durch eine glückliche<br />

Fügung wurde ich dem Bildredakteur des Independent und<br />

Independent on Sunday genau zu dem Zeitpunkt vorgestellt,<br />

als er gerade einen Fotografen für den nächsten Tag benötigte.<br />

Die nächsten vier Jahre arbeitete ich freiberuflich für ihn, bevor<br />

ich begann, bei Nachrichtenagenturen anzuklopfen. Das war<br />

der Zeitpunkt, an dem ich bei AFP anfing.“<br />

Wenn es darum geht, erstaunliche Fotos eines<br />

hochkarätigen Sportevents abzuliefern, steigt der Druck für<br />

Adrian. Er muss den anderen einen Schritt voraus sein. „Das<br />

Highlight im letzten Jahr waren für mich die Olympischen<br />

Spiele in London: Ich habe mich auf die Leichtathletik<br />

spezialisiert und die Atmosphäre war überwältigend.<br />

Gleichzeitig war es aber auch eine unglaublich stressige und<br />

mit immensem Druck behaftete Erfahrung – ich wollte einfach<br />

nichts verpassen. Einer meiner Freunde sah mir am<br />

Supersamstag von der Tribüne aus bei der Arbeit zu und am<br />

Ende des Events schickte er mir eine SMS mit dem Text: ‚Du<br />

bist überall. Du bist eine Maschine!‘<br />

Man muss sein Timing ganz genau berechnen: in der einen<br />

Minute ist man beim Stabhochsprung und in der nächsten<br />

fotografiert man den Weitsprung. Man muss immer ein Auge<br />

darauf haben, was in den anderen Disziplinen gerade vor sich<br />

geht, vorausahnen, wer den Siegsprung hinlegt oder eine neue<br />

Rekordzeit oder -distanz aufstellt. Vieles davon ist abhängig von<br />

einer guten Vorbereitung. Man muss wissen, wer<br />

wahrscheinlich punkten oder siegen wird, wo die interessanten<br />

„Usain Bolt ist schwer<br />

einzuschätzen. Dieses<br />

Bild zeigt ihn nach der<br />

4 x 100 Meter Staffel<br />

bei den Olympischen<br />

Spielen in London. Er<br />

lief in die Menge und<br />

machte eine<br />

Aufnahme mit dem<br />

Handy eines Fans. Ich<br />

war zur richtigen Zeit<br />

am richtigen Ort.“<br />

2) „Eines meiner<br />

Lieblingsfotos von den<br />

Olympischen Spielen.<br />

Ich war oben auf der<br />

Pressetribüne und<br />

fotografierte ein Bild<br />

von Greenwich, als<br />

ich mich umdrehte<br />

und hinter der Tribüne<br />

diese großartigen<br />

Schatten erblickte.“<br />

3) „Dieses Bild ist eine<br />

großartige Lektion<br />

dafür, dass man seine<br />

Kamera immer zur<br />

Hand haben sollte.<br />

Ich habe inzwischen<br />

den Ruf, dass ich<br />

gerne in<br />

Herrentoiletten<br />

fotografiere, aber ich<br />

möchte das eigentlich<br />

nicht zur Gewohnheit<br />

werden lassen.“<br />

4) „Wenn in<br />

Wimbledon die Sonne<br />

scheint, fällt ein<br />

erstaunlicher<br />

Lichtstrahl auf den<br />

Centre Court. Ich<br />

habe für die Lichter<br />

belichtet und den<br />

Hintergrund<br />

unterbelichtet<br />

gelassen.“<br />

152 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


„AUF GEWISSE WEISE HAT MIR DAS EINEN<br />

FREIFAHRTSCHEIN BESCHERT, WEIL ICH EINE GROSSE<br />

VIELFALT VON SPORTWETTKÄMPFEN AUS DEN BESTEN<br />

BLICKWINKELN AUFNEHMEN KONNTE.“<br />

4


Spitzen-<strong>Fotografie</strong><br />

1<br />

3<br />

2<br />

Geschichten zu finden sind und man muss sicherstellen, dass<br />

man sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort befindet.“<br />

Adrians erstaunlich breit gefächerte Auswahl an Bildern von<br />

den Spielen in London brachte ihm außerdem den Titel des<br />

Paralympics Fotografen des Jahres 2012 des Berufsverbandes<br />

der Bildredakteure ein. „Ich habe zum ersten Mal bei den<br />

Paralympics fotografiert und es hat mich wirklich umgehauen.<br />

Da ging es so viel mehr um die Teilnahme, als um den Sieg. Es<br />

war ein reines Vergnügen, zu sehen, wie die Athleten einfach<br />

Teil eines Ganzen waren und es gab Gelegenheiten für so viel<br />

mehr Bilder, als einfach nur die Sieger einzufangen. Ein Foto<br />

fängt den Bruchteil einer Sekunde ein. Wenn also Ihre Bilder<br />

menschliche Gefühle übermitteln, dann haben Sie Ihre Sache<br />

gut gemacht. Die Paralympics steckten voller Emotionen,<br />

Erleichterung, Jubel und Kameradschaft, und das hat sie zu<br />

etwas wirklich Besonderem gemacht.“<br />

„Einer der erinnerungswürdigsten Augenblicke war für mich<br />

der, als Richard Whitehead, Mitglied des Britischen<br />

Ritterordens, bei den Paralympics die Goldmedaille über 200<br />

Meter gewann. Ich hatte beschlossen, die Ziellinie frontal zu<br />

fotografieren, eine andere Position als die, aus der ich<br />

normalerweise arbeite. Ich hatte ein Auge auf den Bildschirm<br />

im Stadion gerichtet, als die Athleten um die Kurve kamen, also<br />

wusste ich, wer wahrscheinlich gewinnen würde. Whitehead<br />

war auf dem letzten Platz, aber plötzlich schoss er auf den<br />

letzten 100 Metern an allen anderen vorbei als erster ins Ziel.<br />

Ich passte schnell meinen Bildaufbau an und konnte seine<br />

Freude einfangen, als er die Ziellinie überquerte. Das war ein<br />

1) „Dieses Bild<br />

wurde mit einer<br />

ferngesteuerten<br />

Kamera<br />

aufgenommen. Aus<br />

Erfahrung weiß ich,<br />

wo ich die Kamera<br />

aufstellen muss, um<br />

den Athleten auf<br />

dem Höhepunkt<br />

seines Sprunges<br />

einzufangen. Mir<br />

gefällt, wie das runde<br />

Stadion in Berlin den<br />

Springer einrahmt.“<br />

2) „Richard<br />

Whitehead, Mitglied<br />

des Britischen<br />

Ritterordens,<br />

gewinnt die<br />

Goldmedaille über<br />

200 m bei den<br />

Paralympics. Eine<br />

tolle Leistung – als<br />

ich dem Rennen<br />

zuschaute, bekam<br />

ich Gänsehaut!“<br />

154 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Adrian Dennis<br />

„EIN FOTO FÄNGT NUR BRUCHTEILE EINER SEKUNDE EIN. WENN IHRE BILDER<br />

MENSCHLICHE GEFÜHLE ÜBERMITTELN, HABEN SIE IHRE SACHE GUT GEMACHT.“<br />

elektrisierender Moment im Stadion.“<br />

In einer Zeit, in der die Verbraucher schon in der Sekunde, in<br />

der eine Geschichte passiert, Informationen haben möchten,<br />

müssen die Fotografen einer Presseagentur die Konkurrenz um<br />

Längen schlagen. Die Zeiten, als ein Bote in der Halbzeitpause<br />

eines Fußballspiels im Büro eintraf und zwei Rollen Film<br />

ablieferte, sind schon lange vorbei. „Ich habe meine<br />

Bildunterschriften schon bei meiner Ankunft im Stadion<br />

vorformuliert, bis auf die Details. Wenn ich von statischen<br />

Schauplätzen aus fotografiere, wie bei einem Kricket- oder<br />

einem Fußballspiel, steht mein Laptop neben mir. Wir<br />

verwenden ein System namens Collect, das es mir ermöglicht,<br />

meine <strong>Vorschau</strong>bilder schnell anzuschauen. Von dort aus geht<br />

es in Photoshop zum Beschneiden. Eine schnelle<br />

Tonwertkorrektur, ein wenig Unscharf Maskieren und ab auf<br />

den FTP-Server. Von dort kann der Bildredakteur sie sich dann<br />

herunterladen. Wir haben zu jeder Stunde eine Deadline. Es<br />

mag in London sieben Uhr abends sein, aber es ist Mitternacht<br />

in Neu Delhi und die Journalisten dort müssen sich an die<br />

Deadline für den Druck halten. Ich arbeite für eine<br />

Presseagentur, unser Kundenstamm ist international.“<br />

Es mag so aussehen, als habe Adrian den perfekten Job: Er<br />

tut jeden Tag das, was er liebt und hat bei jedem wichtigen<br />

Sportevent einen Platz in der ersten Reihe. Aber es ist nicht<br />

immer nur Spaß und Spiel. „Es passiert vieles, was die Leute<br />

nicht sehen. Mein Arbeitstag umfasst oftmals zwölf Stunden<br />

und mehr. Da sind die Bearbeitung, die endlosen Stunden<br />

Fahrtzeit und das Herumstehen im Freien bei jedem Wetter. Es<br />

ist auch körperlich anstrengend, bei Dauerregen mit drei oder<br />

vier Nikon D4s, einem schweren 400 mm f/2.8 Objektiv und<br />

der ganzen restlichen Ausrüstung im Gepäck einen Golfplatz<br />

abzulaufen. Nichtsdestotrotz liebe ich meine Arbeit und ich<br />

weiß, dass es viele Leute gibt, die sofort mit mir tauschen<br />

würden. Aber ich würde um nichts in der Welt tauschen.“<br />

Um mehr über Adrians Arbeit herauszufinden, besuchen Sie<br />

ihn auf: www.adriandennis.com<br />

3) „Alle vier Jahre<br />

fahre ich zu den<br />

Olympischen<br />

Winterspielen.<br />

Freestyle-Skiing ist<br />

unglaublich<br />

beeindruckend.<br />

Dieses Bild wurde<br />

von unterhalb der<br />

Startrampe<br />

aufgenommen und<br />

bietet eine<br />

erstaunliche<br />

Perspektive. Es hatte<br />

gerade angefangen,<br />

zu schneien, und die<br />

Flocken passten zu<br />

dem<br />

sternenübersäten<br />

Outfit des<br />

US-amerikanischen<br />

Athleten.“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 155


EXPERTEN-<br />

TUTORIALS<br />

DIGITALE<br />

DUNKELKAMMER<br />

BEHERRSCHEN SIE DIE BILDSOFTWARE VON ADOBE, BESSERN SIE IHRE FOTOS AUF!<br />

Photoshop Elements<br />

TEXTUREBENEN EINFÜGEN<br />

Photoshop CS<br />

EINE „WET PLATE“ ERZEUGEN<br />

JETZT WIRD BEARBEITET!<br />

Egal, auf welchem Niveau sich Ihre Fähigkeiten oder Ihre<br />

Bildbearbeitungssoftware bewegen: In dieser monatlichen Serie ist<br />

für jeden etwas dabei. Wir führen Sie durch sämtliche<br />

Bearbeitungspakete von Adobe und zeigen Ihnen, wie Sie aus<br />

Bildern das Beste herausholen. In diesem Monat erklären wir, wie Sie<br />

in Elements 10 Texturebenen einfügen, oder wie das alte „Wet Plate“-<br />

Verfahren in CS5 digital nachgebildet wird.


Photoshop CS<br />

Photoshop Elements


Elements<br />

Porträtaufnahmen mit Texturen versehen<br />

Mithilfe dieses Tutorials verleihen Sie einer normalen Aufnahme künstlerischen Reiz<br />

CAROLINE WILKINSON: Diese<br />

Technik gibt es schon seit längerer<br />

Zeit, sie ist aber sehr effektiv und<br />

entwickelt sich mit den jeweils<br />

herrschenden Trends, Texturen und<br />

Bearbeitungen ständig weiter. Wenn Sie<br />

sorgfältig eine Textur auswählen, um ein Bild zu<br />

überlagern, können Sie es zum Beispiel wie<br />

gemalt oder schmutzig aussehen lassen, oder<br />

einen Retro-Look erzielen. Es gibt viele<br />

Permutationen, da Texturen je nach<br />

Schattierungen, Farben und Mustern eines<br />

Bildes unterschiedlich interagieren. Wenn Sie<br />

dann noch hinzuziehen, wie Sie die Interaktion<br />

über Füllmethoden, Stärke und Reihenfolge der<br />

Ebenen regulieren können, sehen Sie schnell,<br />

dass die vor Ihnen liegenden Optionen zahllos<br />

sind. Das Bild, das ich hier ausgewählt habe,<br />

ist ziemlich weich und sommerlich. Ich wusste,<br />

dass farbverstärkende und neutrale Texturen<br />

mit dezenten Mustern wie altmodisches Papier<br />

besser funktionieren als kräftige Texturen wie<br />

Beton, Baumrinde oder rauer Stoff. Je nach<br />

Motiv und Aufbau könnte der langsame Aufbau<br />

von Texturen mit Ebenen mit niedriger<br />

Deckkraft und Ebenenmasken zu besseren<br />

Ergebnissen führt als eine oder zwei Texturen<br />

mit einer hohen Deckkraft.<br />

Woher erhält man seine Texturen? Nun, Sie<br />

können sie natürlich selbst fotografi eren, altes<br />

Pergamentpapier einscannen, Handschrift oder<br />

Notenblätter verwenden. Oft fi nden Sie eine<br />

Vielzahl von kostenlosen Downloads von<br />

Websites wie textureking.com,<br />

Original<br />

amazingtextures.com oder diejenige, die ich<br />

hier verwendet habe: lostandtaken.com. Wenn<br />

es darum geht, ein Foto für die Behandlung<br />

auszuwählen, rate ich dazu, ein Bild zu<br />

wählen, das viel Platz um das Motiv lässt, da es<br />

hauptsächlich der Hintergrund ist, der den<br />

Effekt darstellt. Wenn Sie das Bild ausgewählt<br />

haben, suchen Sie eine Reihe von Texturen aus,<br />

sodass Sie mit den Optionen in Elements nicht<br />

überfordert werden.<br />

Arten von Füllmethoden<br />

Normal und Sprenkeln: Im normalen<br />

Modus wird die obere Ebene nicht durch die<br />

Ebene darunter beeinflusst, außer die<br />

Deckkraft ist geringer als 100 %. Der<br />

Sprenkeln-Modus macht einige Pixel der<br />

oberen Ebene transparent.<br />

Abdunkeln-Modi: Abdunkeln,<br />

Multiplizieren, Farbig nachbelichten, Linear<br />

nachbelichten, Dunklere Farbe. Diese Modi<br />

betonen dunkelfarbige Pixel in<br />

unterschiedlichem Ausmaß.<br />

Aufhellen-Modi: Aufhellen, Negativ<br />

multiplizieren, Farbig abwedeln (Hinzufügen),<br />

Hellere Farbe. Diese Modi betonen Pixel in<br />

hellen Farben für unterschiedliche Effekte.<br />

Kontrast-Modi: Ineinanderkopieren,<br />

Weiches Licht, Hartes Licht, Strahlendes<br />

Licht, Lineares Licht, Lichtpunkte und Hart<br />

Mischen. Diese Modi unterscheiden sich in<br />

dem Ausmaß, mit dem sie den Kontrast des<br />

Bildes verstärken. Weiches Licht,<br />

Ineinanderkopieren und Hartes Licht sind am<br />

gebräuchlichsten.<br />

Vergleichende Modi: Differenz und<br />

Ausschluss erzeugen Farben, die auf dem<br />

Unterschied zwischen der oberen und unteren<br />

Ebene basieren.<br />

HSL-Modi: Farbton, Sättigung, Farbe,<br />

Luminanz. Diese Modi ersetzen die Pixel der<br />

unteren Ebene mit den Pixeln der oberen<br />

Ebene, je nachdem welches dieser Modi Sie<br />

auswählen.<br />

Die Dateien vorbereiten Öffnen Sie Ihr Foto („Datei ><br />

1Öffnen“) und anschließend die ausgewählten Texturen,<br />

sodass Sie alle Elemente, mit denen Sie arbeiten möchten,<br />

im Projektbereich sehen können. Doppelklicken Sie auf die<br />

Bildebene und verwenden Sie anschließend das<br />

Verschieben-Werkzeug, um die erste Textur auf das Bild zu<br />

ziehen. Sie erscheint in der Ebenenpalette über dem Bild.<br />

Die erste Textur ausrichten Um die Größe der Textur zu<br />

2 verändern, sodass Sie zum Bild passt, wählen Sie das<br />

Verschieben-Werkzeug und ziehen Sie die abgrenzenden<br />

Ecken des abgrenzenden Kästchen mit gedrückter<br />

Umschalt-Taste, um die Textur proportional zu vergrößern.<br />

Sie können die Größe des abgrenzenden Kastens verändern<br />

und diesen im Frei-Transformieren-Modus rotieren oder auf<br />

diese Funktionen über den Menüpunkt Bild zugreifen.<br />

Die Textur überblenden Nehmen Sie sich nun die Zeit<br />

3mit aktivierter Textur-Ebene die Optionen der<br />

Füllmethoden oben an der Ebenenpalette durchzuklicken.<br />

Ich entschied mich hier für Linear Nachbelichten, um die<br />

dunklen Pixel zu verstärken und die Sättigung zu erhöhen.<br />

Wenn der Effekt zu stark ist, reduzieren Sie den<br />

Schieberegler Deckkraft und wenden auf einzelne Bereiche<br />

eine Ebenenmaske an, wie in Schritt 4 gezeigt wird.<br />

Eine Ebenenmaske einsetzen Um den Effekt in<br />

4 einzelnen Bereichen wie dem Gesicht zu reduzieren,<br />

klicken Sie auf die Texturebene und dann auf den Maske<br />

hinzufügen Icon unten auf der Ebenenpalette. Wählen Sie<br />

das Pinsel-Werkzeug, einen Pinsel in einer für den Bereich<br />

passenden Größe und stellen Sie die Deckkraft auf<br />

ungefähr 20% und die Vordergrundfarbe auf Schwarz ein.<br />

Nun malen Sie über das Gesicht.<br />

Den Effekt aufbauen Es ist ganz Ihnen überlassen, wie<br />

5 viele Texturen Sie anwenden. Für jede Textur<br />

wiederholen Sie Schritt 2 bis 4, probieren unterschiedliche<br />

Füllmethoden aus, variieren die Deckkraft und passen die<br />

Transparenz der Texturebenen über Ebenenmasken an. Um<br />

die Bearbeitungen über die Ebenenmasken<br />

wiederherzustellen, ändern Sie die Vordergrundfarbe zu<br />

Weiß.<br />

Das Gesicht säubern Hier wurden fünf Texturen<br />

6eingesetzt, die letzte heißt „Kalligrafie“. Text<br />

hinzuzufügen ist sehr populär, aber achten Sie darauf, dass<br />

er nicht das Gesicht überlagert. Um den Effekt der Texturen<br />

auf dem gesamten Bild zu sehen, blenden Sie diese über<br />

das Symbol Sichtbarkeit (Auge) neben der jeweiligen<br />

Ebene ein und aus.<br />

158 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


<strong>Digitale</strong> Dunkelkammer<br />

Fertiges Bild<br />

Fünf Texturen und eine<br />

sorgfältige Bearbeitung<br />

haben dieses Porträt<br />

komplett verändert.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE<br />

159


Photoshop CS<br />

Kreieren Sie ein digitales Wet-Plate-Bild<br />

Machen Sie eine Zeitreise und bilden Sie diese uralte Technik nach<br />

JORDAN BUTTERS: Wet Plate ist<br />

ein früher fotografischer Prozess, bei<br />

dem ein Bild mit der Chemikalie<br />

Kollodium auf eine solide Oberfläche<br />

exponiert wird. Wet Plate Bilder sind<br />

durch bestimmte Eigenschaften erkennbar –<br />

Schärfe und Klarheit in ausgewählten Bereichen,<br />

ein plötzlicher Abfall des Fokus, die Ausführung<br />

entweder in Schwarzweiß oder mit einem<br />

Sepia-Farbstich und grobe Störstellen rund um die<br />

Kanten der Platte. Die Ergebnisse sehen<br />

fantastisch aus und sind absolut einzigartig!<br />

Auch wenn diese Technik keinesfalls den<br />

ursprünglichen Prozess ersetzt, der Platz, Wissen<br />

sowie Ausrüstung und Chemikalien erfordert,<br />

macht es doch Spaß, den digitalen Bildern diese<br />

altertümliche Wet-Plate-Atmosphäre zu verleihen.<br />

Die Technik passt besonders zu Porträts und<br />

Stillleben. Suchen Sie ein gut belichtetes Bild mit<br />

flacher Tiefenschärfe aus; alternativ könnten Sie<br />

mit einem Lensbaby-Objektiv fotografieren oder<br />

die Kamera kippen / drehen, um den für<br />

Wet-Plate-Bilder typischen Fokusabfall zu<br />

simulieren.<br />

Original<br />

Das Bild duplizieren Gehen Sie zu „Ebene > Ebene<br />

1 duplizieren“. Wiederholen Sie diesen Vorgang und<br />

benennen Sie diese Ebene als „Abdunkeln“. Sie sollten nun<br />

drei Ebenen in Ihrer Ebenenpalette haben. Anschließend<br />

gehen Sie zu „Ebene > Neu > Gruppe“ und erstellen eine<br />

neue Gruppe und benennen diese als „Ferrotypie“. In der<br />

Ebenenpalette klicken und ziehen Sie beide duplizierten<br />

Ebenen in die Gruppe.<br />

Das Bild abdunkeln Ändern Sie die Füllmethode der<br />

2Ebene Abdunkeln zu Hartes Licht. Reduzieren Sie die<br />

Deckkraft dieser Ebene, bis Sie eine angenehme<br />

Bandbreite an Farbtönen mit dunklen Schatten haben – ich<br />

entschied mich für 50%. Anschließend klicken Sie auf den<br />

Button Neue Füll- oder Einstellungsebene erstellen in der<br />

Ebenenpalette und wählen Farbbalance.<br />

Texturen finden:<br />

Bei einer Onlinesuche<br />

können Sie schnell<br />

geeignete Wet-Plate-<br />

Texturen für Ihre Zwecke<br />

finden. Diese Textur wurde<br />

von Clifford Sax zur<br />

Verfügung gestellt und<br />

kann kostenlos<br />

heruntergeladen werden:<br />

http://bit.ly/Wjy2R3<br />

Die Tonwerte anpassen Achten Sie darauf, dass in der<br />

3 Eigenschaften-Palette Mitteltöne ausgewählt sind.<br />

Stellen Sie den Cyan/Rot-Schieberegler auf -67 und den<br />

Gelb/Blau-Schieberegler auf -62 ein, dann wählen Sie<br />

Lichter und stellen den Gelb/Blau-Schieberegler auf +16.<br />

Zum Schluss wählen Sie Tiefen und stellen den Gelb/<br />

Blau-Schieberegler auf +100.<br />

Die Farbe anpassen Fügen Sie eine weitere<br />

4Einstellungsebene hinzu und wählen Sie dieses Mal<br />

Farbton / Sättigung. In der Eigenschaften-Palette setzen Sie<br />

ein Häkchen bei Färben, stellen den Farbton auf 36 und<br />

die Sättigung auf ungefähr 12 ein. Passen Sie die Helligkeit<br />

so an, dass Sie zum Bild passt; bei mir funktionierte -5 am<br />

besten. In der Ebenenpalette wählen Sie Ferrotypie und<br />

dann „Ebene > Ebenen gruppieren“.<br />

Etwas Unschärfe zufügen Gehen Sie erneut zu „Ebene<br />

5> Ebene duplizieren“ und benennen Sie diese Ebene in<br />

„Unschärfe“ um. Bei ausgewählter Ebene gehen Sie zu<br />

„Filter > Weichzeichnungsfilter > Gaußscher<br />

Weichzeichner“, wählen einen Radius von ca. 20 Pixeln und<br />

klicken auf OK, um die Unschärfe anzuwenden. Nun klicken<br />

Sie in der Ebenenpalette auf „Ebenenmaske zufügen“ und<br />

wählen als Pinsel-Werkzeug einen weichen Pinsel mit 70%<br />

Deckkraft.<br />

Den Fokus zurückholen Mit Schwarz als<br />

6Vordergrundfarbe malen Sie über das Gesicht Ihres<br />

Modells. Erhöhen Sie die Deckkraft auf 100 % und malen<br />

Sie über die Augen. Klicken Sie auf die Ebene Ferrotypie in<br />

der Ebenenpalette und wählen das Abwedler-Werkzeug.<br />

Stellen Sie Bereich auf Mitteltöne und Belichtung auf 15 %<br />

ein und malen Sie über die Augen Ihres Motivs, um sie<br />

hervorzuheben.<br />

Die Textur einfügen Klicken Sie auf die Ebene<br />

7„Unschärfe“ und gehen Sie zu „Datei > Platzieren“.<br />

Dann passen Sie die Größe der Textur so an, dass sie passt<br />

und drücken die Eingabetaste. Gehen Sie zu „Ebene ><br />

Rastern > Ebene“ und anschließend zu „Bild ><br />

Korrekturen > Sättigung verringern“. Ändern Sie die<br />

Füllmethode dieser Ebene zu Weiches Licht. Ich habe<br />

außerdem eine Ebenenmaske zugefügt, um die Textur über<br />

dem Gesicht zu verbergen.<br />

Das Bild schärfen Gehen Sie zu „Ebene > Sichtbare<br />

8auf eine Ebene reduzieren“ und klicken Sie auf OK.<br />

Gehen Sie zu „Filter > Sonstige Filter > Hochpass“ und<br />

wenden Sie einen Radius von ungefähr 14 Pixeln an und<br />

klicken auf OK. Anschließend ändern Sie die Füllmethode<br />

dieser Ebene zu Weiches Licht und reduzieren die<br />

Deckkraft, um die Stärke anzupassen.<br />

160 DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Fertiges Bild<br />

Die moderne Variante eines<br />

klassischen fotografischen<br />

Verfahrens – aber ohne<br />

Chemikalien!<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE 161


BJORN THOMASSEN<br />

Belichtungsreihe<br />

So gewährleisten Sie eine korrekte Belichtung<br />

bei schwierigen Lichtverhältnissen:<br />

Nehmen Sie eine Belichtungsreihe von drei<br />

Bildern auf, wobei Sie jeweils für die erste und<br />

letzte Aufnahme eine positive bzw. negative<br />

Belichtungskorrektur von 1 Stufe hinzufügen.<br />

Gebrauch der Karten zur Belichtungsmessung<br />

und zum Weißabgleich<br />

Die 18%-Graukarte wird benutzt, um schwierige Lichtverhältnisse zu meistern. Referenzkarten können außerdem<br />

verwendet werden, um einen situationsabhängigen Weißabgleich vorzunehmen. Wie das im Einzelnen geht, hängt<br />

von Ihrer Kamera ab – Näheres dazu finden Sie in Ihrem Kamerahandbuch. Nachfolgend einige generelle Hinweise:<br />

DIGITALKAMERAS VERFÜGEN über komplizierte Belichtungssysteme, die<br />

Ihnen eine Auswahl mehrerer Belichtungsprogramme bieten, um<br />

unterschiedlichen Lichtverhältnissen gerecht werden zu können. Alle<br />

Systeme haben eins gemeinsam: Sie gehen von der Annahme aus, dass die<br />

durchschnittliche Farbe der zu messende Szene ein mittlerer Farbton von<br />

18 % Grau ist. Mit „durchschnittliche Farbe“ ist der Farbton gemeint, der<br />

herauskäme, wenn man alle im Bildausschnitt vorhandenen Farbtöne<br />

miteinander mischen würde. Diese Annahme ist die Basis eines jeden<br />

Belichtungsmesssystems, ganz gleich von welchem Hersteller. Das<br />

Verfahren arbeitet normalerweise erstaunlich gut, doch wenn eine Szene<br />

erheblich heller oder dunkler als 18 % Grau ist, kommt es zu<br />

Fehlbelichtungen. Sehr dunkle Bildbereiche verleiten die Kamera zum<br />

Überbelichten, während sehr helle Bereiche zum Unterbelichten führen.<br />

In einem solchen Fall müssen Sie die Fehlmessung kompensieren, damit<br />

die Farben des Fotos der Realität entsprechen. Dies können Sie entweder<br />

Perfekt gemessen<br />

Szenen mit starkem Gegenlicht<br />

führen leicht zu Belichtungsfehlern.<br />

Kalibrieren Sie das Messsystem Ihrer<br />

Kamera mit einer Graukarte, um<br />

diese Probleme zu vermeiden.<br />

mit der Belichtungskorrekturfunktion der Kamera tun, oder indem Sie einen<br />

einzelnen Bereich der Szene messen, der den vom Messsystem<br />

vorausgesetzten durchschnittlichen Grauton aufweist. Genau hierzu dient<br />

die Graukarte. Die Vorgehensweise ist ganz einfach. Entscheidend dabei<br />

ist, dass die Karte möglichst denselben Lichtverhältnissen ausgesetzt ist,<br />

wie das Motiv Ihres Fotos. Platzieren Sie sie also nicht in einem schattigen<br />

Bereich, wenn Ihr Motiv vom Sonnenlicht angestrahlt wird. Außerdem<br />

muss die Karte den Messbereich komplett ausfüllen, deswegen sollten Sie&