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Digitale Fotografie - Update Technik verbessern (Vorschau)

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Entdecken Sie mit unserem Kursguide spannende Fotokurse- und Reisen auf einen Blick<br />

<strong>Digitale</strong><br />

Nr. 7/2013 Jun-Aug 2013<br />

UPDATE<br />

<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE<br />

EXPERTEN-<br />

TIPPS<br />

TECHNIK UND<br />

INSPIRATION<br />

<strong>Technik</strong> Verbessern<br />

SCHRITT-FÜR-SCHRITT-ANLEITUNGEN FÜR PORTRÄTS, STILLLEBEN, LANDSCHAFTEN UND MEHR<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,90<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

KLASSISCHE<br />

KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

Mit unseren Expertentipps machen Sie<br />

Meeresaufnahmen wie ein Profi<br />

LEBENSMITTEL<br />

Mit unserer detaillierten<br />

<strong>Technik</strong>anleitung fotografieren Sie<br />

Essen wie ein Profi<br />

PHOTOSHOP<br />

So <strong>verbessern</strong> Sie Ihre Fotos, damit sie<br />

wie echte Profiaufnahmen aussehen


<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE


Willkommen<br />

Liebe Leser und Fotografen,<br />

wir begrüßen Sie herzlich<br />

zur Ausgabe 7 von<br />

„<strong>Digitale</strong> Fotografi e -<br />

<strong>Update</strong>“! Die folgenden<br />

Inhalte warten auf Sie:<br />

Allen Liebhabern von<br />

Natur und Tieren zeigen<br />

wir neue <strong>Technik</strong>en, Tricks<br />

und Motive – wer Mut hat<br />

und gut vorbereitet ist,<br />

kann im nächsten Winter<br />

ein blaues Wunder<br />

erleben!<br />

Im Mittelpunkt dieses<br />

Hefts steht unser großer<br />

„Leserschaukasten“ (mit<br />

näheren Infos zum<br />

Einsenden!) – auf über 20<br />

Seiten stellen wir die<br />

besten Einsendungen<br />

unserer Leser vor,<br />

fachkundig von uns kommentiert. Unter „Expertenkritik“ besprechen wir<br />

ausgewählte Beiträge sogar im Detail und geben gezielte Verbesserungsvorschläge.<br />

Unsere „Fotoideen“ stellen Ihnen wieder neue Tipps für Stillleben und Porträts vor<br />

und regen zu Spielen mit Schatten und Farben an – wie immer ergänzt durch<br />

detaillierte technische Anleitungen in „5 Minuten Photoshop“. Anschließend<br />

beschäftigt sich die Rubrik „Vollständig im Bilde“ auf über 10 Seiten mit Food-<br />

<strong>Fotografie</strong> – die künstlerische und professionelle Aufnahme von Lebensmitteln und<br />

Getränken, die garantiert nicht dick macht. Eine appetitliche Kunst für Genießer, mit<br />

einem fruchtigen Thema als Nachtisch!<br />

Zurück zur Natur geht es beim Fotografi eren in Küstenlandschaften, wo Sie alles<br />

Wissenswerte über die speziellen Motive und Anforderungen dieses Themas<br />

erfahren.<br />

Dann stellen sich Ihnen zwei echte „Spitzen-Profis“ ihres Fachs persönlich vor,<br />

erzählen von ihrem Werdegang und geben bildgewaltige Kostproben ihrer Kunst.<br />

Zum Abschluss vermittelt unsere „<strong>Digitale</strong> Dunkelkammer“ wie immer jede Menge<br />

praktisches Wissen in Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die digitale<br />

Nachbearbeitung Ihrer Fotos. Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten!<br />

Viel Spaß & Erfolg dabei wünscht das Team von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“!<br />

IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Daniel Lezano, Caroline<br />

Wilkinson, Ross Hoddinott, Lee Frost<br />

ART DIRECTOR: Dean Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOKwird unter der Lizenz und mit<br />

der Erlaubnis von © Dennis Publishing Limited<br />

herausgegeben. Alle Rechte an Material, Titel und Marke<br />

dieses Magazins sind Eigentum von Dennis Publishing<br />

Limited und dürfen weder im Ganzen noch teilweise ohne<br />

vorherige schriftliche Genehmigung reproduziert werden.<br />

Die in diesem Magazin artikulierten Meinungen, sind<br />

die Meinungen der jeweiligen Autoren und stimmen<br />

nicht zwingend mit der Meinung des Herausgebers, der<br />

Redaktion oder den Vertreibern dieses Magazins überein.<br />

HAFTUNG<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt produziert. Der<br />

Verlag kann jedoch keine Haftung, Gewährleistung,<br />

Garantie oder Versicherung für Meinungen, Waren oder<br />

Dienstleistungen übernehmen, die in dieser Ausgabe<br />

veröffentlicht wurden. Der Herausgeber übernimmt keine<br />

Verantwortung für Inhalte von externen Webseiten, deren<br />

Adressen veröffentlicht werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

VERLAG<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media Ltd.<br />

Chilehaus A, Fischertwiete 2<br />

20095 Hamburg<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

Ultimate Guide Abo-Service<br />

Postfach 1331<br />

53340 Meckenheim<br />

E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />

Telefon: 022 25/70 85-362<br />

Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

QuadWinkowski Sp. z o.o.<br />

ul. Okrzei 5, 64-920 Piła, Polen<br />

www.Quadwinkowski.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht aus<br />

umweltverträglichen Fasern.


052<br />

FARBEXPLOSIONEN, ABSTRAKT<br />

FOTOGRAFIERT


Inhalt<br />

008 <strong>Technik</strong> 1<br />

Professionelle Vogelaufnahmen<br />

012 <strong>Technik</strong> 2<br />

Winterwunder für Frühaufsteher<br />

016 <strong>Technik</strong> 3<br />

Unvergessliche Tierporträts<br />

020 Leserschaukasten<br />

Die besten Ihrer eingesandten Bilder auf<br />

über 20 Seiten, von unseren Experten<br />

bewertet und kommentiert<br />

044 Fotoidee 1<br />

Stillleben mit falschen Schatten<br />

046 Fotoidee 2<br />

Fotospaß auf dem Jahrmarkt<br />

049 Fotoidee 3<br />

Kinderporträts, der kostbare Moment<br />

052 Fotoidee 4<br />

Farbexplosionen, abstrakt fotografiert<br />

054 Fotoidee 5<br />

Landschaft als Silhouette<br />

056 5 Minuten Photoshop<br />

Materie-loser Monitor<br />

058 Fotoidee 6<br />

Porträts im Regen<br />

062 Fotoidee 7<br />

Magischer Nebel<br />

065 Fotoidee 8<br />

Badezimmer-Porträts wie im Studio<br />

068 Tipps und Tricks für<br />

Winterlandschaften<br />

070 Fotoidee 9<br />

Abstrakte Eismuster<br />

08<br />

PROFESSIONELLE<br />

VOGELAUFNAHMEN<br />

44<br />

STILLEBEN MIT FALSCHEN SCHATTEN<br />

072 5 Minuten Photoshop<br />

Farbverlaufsfilter<br />

075 Fotoidee 10<br />

Kreative Porträts mit Blitzfolien<br />

078 Fotoidee 11<br />

Retro-Refraktionen mit Weinglas<br />

080 Fotoidee 12<br />

Regen, erfrischend simuliert<br />

082 Expertenkritik<br />

zur Verbesserung Ihrer Fotos<br />

087 Vollständig im Bilde<br />

Appetitliche Kunst - Intro<br />

088 Food-<strong>Fotografie</strong> 1<br />

Erste Schritte & Design<br />

094 Food-<strong>Fotografie</strong> 2<br />

Kuchen & Torten<br />

096 Food-<strong>Fotografie</strong> 3<br />

Grundlagen für Getränkefotos<br />

20<br />

LESERSCHAUKASTEN<br />

94<br />

KUCHEN & TORETEN<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 005


Inhalt<br />

099 <strong>Fotografie</strong>ren bei Zwielicht &<br />

Dämmerung<br />

Ohne das richtige Licht geht gar nichts!<br />

110 <strong>Fotografie</strong>ren in<br />

Küstenlandschaften<br />

Intro<br />

112 Nah am Wasser<br />

Die richtige Ausrüstung<br />

122 Ein kreativer Blick 1<br />

Apfelsinenfabrik<br />

124 Ein kreativer Blick 2<br />

Fruchtiges in Scheiben<br />

126 Ein kreativer Blick 3<br />

Früchteschießen<br />

128 Ein kreativer Blick 4<br />

Buntstifte - Intro<br />

130 Buntstifte 2<br />

Wer zeichnet wen?<br />

132 Buntstifte 3<br />

Wer ist hier bunt?<br />

134 Ein kreativer Blick 5<br />

Kerzen & Strichmännchen<br />

136 Ein kreativer Blick 6<br />

Kerzen & Rauchsignale<br />

138 Ein kreativer Blick 7<br />

Kerzen & die flambierte Frau<br />

140 Spitzenprofis 1<br />

Shooting Stars<br />

144 Spitzenprofis 2<br />

Liebesgrüße aus Moskau<br />

148 <strong>Digitale</strong> Dunkelkammer 1<br />

Schnellauswahlwerkzeuge<br />

150 <strong>Digitale</strong> Dunkelkammer 2<br />

Manuell auswählen<br />

152 <strong>Digitale</strong> Dunkelkammer 3<br />

Cross-Entwickeln in Lightroom<br />

99<br />

OHEN DAS RICHTIGE<br />

LICHT GEHT GAR<br />

NICHTS<br />

128<br />

BUNSTIFTE<br />

152<br />

LIGHTROOM<br />

122<br />

APFELSINENFABRIK<br />

132<br />

WER IST HIER BURNT?<br />

006 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


ARBEITSTECHNIK<br />

VÖGEL<br />

RICHTEN SIE IHR OBJEKTIV NACH OBEN UND NUTZEN SIE UNSERE VORSCHLÄGE<br />

ZUR AUFNAHMETECHNIK – SIE WERDEN ÜBERRASCHT SEIN, WIE PROFESSIONELL<br />

IHRE VOGELAUFNAHMEN AUSSEHEN.<br />

O<br />

B ES EIN MÄCHTIGER, lautlos am Himmel<br />

dahinsegelnder Adler ist, der nach Beute<br />

Ausschau hält, oder ein schüchternes<br />

Rotkehlchen auf einem schneebedeckten<br />

Gartenzaun; Vögel gehören zu den attraktivsten<br />

Motiven überhaupt. Einer der Vorteile der<br />

Vogelfotografie ist, dass Sie nicht weit fahren<br />

müssen, um Ihr Motiv zu finden. Obgleich viele der<br />

exotischeren Arten, insbesondere der Raubvögel, in<br />

Deutschland nicht freilebend vorkommen, sind auch<br />

sie zu finden, nämlich in Zoos, Vogelparks oder<br />

Falknereien. Im Übrigen gibt es eine Fülle<br />

einheimischer Arten, wobei wir die Zugvögel mit<br />

einschließen. Draußen in der Natur finden Sie Eulen,<br />

rote und schwarze Milane, Falken, Finken, Reiher,<br />

Bussarde und viele mehr – vorausgesetzt, Sie<br />

suchen am passenden Ort und zur rechten<br />

Jahreszeit. Doch keine Sorge, Sie müssen kein<br />

Ornithologe sein. Wissenswertes darüber, wo und<br />

wann man die Vogelarten antreffen kann, erfahren<br />

Sie etwa auf www.lietzow-naturfotografie.de.<br />

Vergessen Sie aber auch nicht das Naheliegendste,<br />

nämlich den eigenen Garten! Mit ein wenig Planung<br />

und Vorbereitung machen Sie daraus ein Freiluft-<br />

Studio für die Vogelfotografie – und haben zugleich<br />

den Vorteil, im Warmen zu sitzen und aus dem<br />

Fenster fotografieren zu können.<br />

Was die Fotoausrüstung betrifft, ist ein Tele-<br />

MARINA CANO<br />

Zoomobjektiv unverzichtbar. Bei einer 34×36 mm<br />

Kleinbildkamera mit APS-C Sensor liefert ein<br />

70-200 mm Objektiv eine maximale Brennweite<br />

von 300 mm. Das reicht allemal aus, um Vögel im<br />

Garten formatfüllend ins Bild zu bekommen. Wenn<br />

Sie in der freien Natur fotografieren, sind<br />

Brennweiten von 300 mm bis 400 mm ideal.<br />

Allerdings sind gute Objektive dieser Größenordnung<br />

sehr teuer, deshalb sollten Sie gegebenenfalls einen<br />

Telekonverter in Betracht ziehen, um die Reichweite<br />

Ihrer vorhandenen Objektive zu erhöhen. Ein<br />

Telekonverter mit Vergrößerungsfaktor 1,4 an einem<br />

APS-C Gehäuse mit 200 mm Objektiv liefert etwa<br />

eine Brennweite von 448 mm.<br />

Nicht direkt dem Kamerazubehör zuzurechnen, für<br />

den Erfolg jedoch ebenso wichtig, ist eine gute<br />

Tarnung. Diese kann einfach darin bestehen, dass<br />

sie blasse, erdfarbene Kleidung tragen, um im<br />

Gelände möglichst wenig aufzufallen. Wenn Sie<br />

länger an einem Ort verweilen, leistet ein Tarnzelt<br />

sehr gute Dienste, da es von Vögeln als Teil der<br />

Landschaft wahrgenommen wird. Andernfalls kann<br />

es sehr lange dauern, bis die Tiere sich davon<br />

überzeugt haben, dass Sie in der gewohnten<br />

Umgebung keinen gefährlichen Fremdkörper<br />

darstellen.<br />

EXOTISCHE VÖGEL<br />

2 Wenn Sie exotische Vögel oder seltene Arten<br />

aufnehmen wollen, werden Sie um einen Besuch im<br />

Zoo oder Vogelpark nicht herumkommen. Der Trick,<br />

wenn Sie dort fotografieren, besteht darin, den<br />

Betrachter des Fotos nicht merken zu lassen, dass der<br />

Vogel nicht in freier Wildbahn aufgenommen wurde.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie also mit geringer Schärfentiefe, damit<br />

vorhandene Netze, Maschendraht oder Gitter nicht<br />

erkennbar sind; überhaupt sollte sich kein von<br />

Menschen gemachtes Objekt im Bildausschnitt<br />

befinden, dann sind Sie immer auf der sicheren Seite.<br />

Benutzen Sie wenn möglich grünes Blattwerk oder<br />

den Himmel als Hintergrund.<br />

VÖGEL IM FLUG<br />

3 Kaum etwas sieht so majestätisch aus, wie ein<br />

großer Vogel, der lautlos über die Landschaft gleitet.<br />

Fast immer werden Sie für eine solche Aufnahme die<br />

größtmögliche Brennweite einstellen müssen. Einen<br />

Vogel im Flug mit der Kamera formatfüllend<br />

einzufangen, beruht zu 90% auf guter<br />

Aufnahmetechnik und richtigem Timing. Schalten Sie<br />

den Autofokus in den Modus „Nachführen“ und<br />

benutzen Sie nur einen einzigen Scharfstellpunkt, um<br />

das Tier am Himmel mit der Kamera zu verfolgen.<br />

Stellen Sie eine Verschlusszeit von 1/500 Sekunde<br />

oder kürzer ein, um die Bewegung einzufrieren und<br />

achten Sie besonders darauf, bei der Wahl des<br />

Bildausschnitts nicht die Spitzen der Flügelfedern<br />

abzuschneiden.<br />

CESAR AIDAN RODRIGUEZ BAUTISTA<br />

AUSTIN THOMAS<br />

STEFANO RONCHI<br />

KÜNSTLERISCHE FOTOS Aufgrund ihrer natürlichen Ästhetik und Eleganz eignen sich Vogelmotive<br />

1 sehr gut, um künstlerische Bilder aus deren Fotos zu erzeugen. <strong>Fotografie</strong>ren Sie beispielsweise gegen den<br />

Himmel oder einen homogenen Hintergrund, damit sie ein aufgeräumtes Bild erhalten, dann konvertieren Sie es<br />

am Computer in Schwarzweiß. Verwenden Sie dabei eine Kurvenkorrekturebene, um den Kontrast zu <strong>verbessern</strong><br />

oder benutzen Sie die Werkzeuge zum Abwedeln und Nachbelichten, um den Kontrast selektiv zu verstärken.<br />

Pfauen sind ausgezeichnete Motive – wählen Sie den Bildausschnitt so, dass der Vogel sich in der Mitte befindet.<br />

So können Sie die prachtvollen Farben und Muster des Pfauenschweifs einfangen.<br />

BEWEGUNG EINFANGEN<br />

4 Bestimmte Kolibri-Arten schlagen im<br />

Schwebeflug – wenn Sie also in der Luft zu stehen<br />

scheinen – bis zu 80 Mal in der Sekunde mit ihren<br />

Flügeln. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, diese extrem<br />

schnelle Bewegung ohne Stativ oder lange<br />

Verschlusszeit einzufangen; Zeiten zwischen 1/200<br />

Sekunde und 1/500 Sekunde sind kurz genug, den<br />

winzigen Körper scharf abzubilden während die Flügel<br />

verschwimmen. Wenn Ihre Kamera die Highspeed-<br />

Synchronisation Ihres Blitzgeräts unterstützt, können<br />

Sie auch einen extrem kurzen Blitz hinzunehmen. Der<br />

Blitz friert ein scharfes Bild der Flügel ein, während die<br />

im Vergleich zum Blitz lange Verschlusszeit die<br />

Bewegung der Flügel gleichzeitig verschwimmen lässt.<br />

008 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


5 SERIENAUFNAHMEN<br />

Der blitzschnelle Sturzflug mit Eintauchen eines<br />

jagenden Eisvogels ins Wasser ist ein spektakulärer<br />

Anblick. Mit kurzer Verschlusszeit können Sie zwar einen<br />

Teil der Aktion als Einzelbild aus der Hand fotografieren;<br />

wenn Sie jedoch eine ganze Bildserie schießen, können<br />

Sie diese in der Nachbearbeitung zusammen montieren.<br />

Beobachten Sie, wo die Vögel tauchen, und richten Sie<br />

das Objektiv Ihrer auf Stativ montierten Kamera in diese<br />

Richtung. Der Bildausschnitt sollte so gewählt werden,<br />

dass die Wasseroberfläche sich möglichst nah am<br />

unteren Bildrand befindet. Stellen Sie die<br />

Blendenautomatik und eine Verschlusszeit von 1/2000<br />

Sekunde oder kürzer ein. Wenn Sie den Eisvogel zum<br />

Sturzflug ansetzen sehen, lösen Sie die Bildserie aus;<br />

achten Sie aber unbedingt darauf, die Kamera nicht mehr<br />

zu bewegen! Bei der Nachbearbeitung können Sie in<br />

Photoshop mithilfe von Ebenenmasken alle Bilder so<br />

übereinander legen, dass der ganze Bewegungsablauf in<br />

einem Bild dargestellt wird.<br />

BILDER: TONY HOUSE


ARBEITSTECHNIK<br />

BILDAUSSCHNITT FÜLLEN Die bei Porträts verwendete Aufnahmetechnik ist nicht nur für<br />

6 Menschen reserviert. Auch in der Tierfotografie gilt: oft entstehen die besten Ergebnisse durch direkten<br />

Blickkontakt. Mit einer langen Brennweite können Sie das „Gesicht“ des Vogels formatfüllend ins Bild bekommen.<br />

Dem Vogel können Sie im Gegensatz zum menschlichen Model allerdings nicht sagen, er solle sie direkt ansehen,<br />

doch wenn Sie ein für das Tier interessantes, nicht zu lautes Geräusch verursachen, wird es einen kurzen<br />

Moment in dessen Richtung schauen – lang genug für Sie, um die Aufnahme in den Kasten zu bekommen. Wie<br />

bei allen Porträts stellen Sie auch hier auf die Augen scharf und benutzen eine mittlere Blende von etwa f/8, damit<br />

Sie eine optimale Schärfe und eine komfortable Schärfentiefe bekommen.<br />

JIM CUMMING ANDREW KELLEY<br />

7 SILHOUETTEN<br />

Vogelschwärme in Bewegung sind ein<br />

eindrucksvoller Anblick: Die synchronen Bewegungen<br />

vermitteln oft den Eindruck eines einzigen, gigantischen<br />

und zugleich eleganten Lebewesens. <strong>Fotografie</strong>ren Sie<br />

mal einen Vogelschwarm im Gegenlicht, sodass die Tiere<br />

als Silhouetten erscheinen. Versuchen Sie dabei auch<br />

etwas Horizont und nähere Umgebung ins Bild zu<br />

bekommen, damit der Betrachter sich am Maßstab<br />

orientieren kann.<br />

Damit die Vögel als Silhouetten erscheinen, müssen Sie<br />

wahrscheinlich die Belichtung negativ kompensieren,<br />

oder Sie nehmen eine Punktmessung am Himmel vor.<br />

Ein im Nebel liegender See bei Sonnenaufgang bildet<br />

den perfekten Hintergrund für diese eindrucksvolle<br />

Aufnahmetechnik.<br />

MICHAEL PACHIS<br />

STRUKTUREN UND MUSTER<br />

8 Gehen Sie nah heran und kreieren Sie ein abstraktes<br />

Bild, indem Sie einen Detailbereich des farbenprächtigen<br />

Vogelgefieders fotografieren. Vogelfedern sind unglaublich<br />

kompliziert aufgebaut und offenbaren sehr viele Details,<br />

wenn man sie aus großer Nähe betrachten kann.<br />

Benutzen Sie also Ihr Makroobjektiv, gehen Sie so nah wie<br />

möglich heran und Sie werden diese Details im Bild<br />

haben. Wenn Sie Glück haben und das Tier sich nicht<br />

bewegt, können Sie die Federn fotografieren, wie sie sich<br />

überlappend eng am Körperanliegen. Sie können natürlich<br />

auch einfach Federn sammeln und diese später zuhause<br />

fotografieren. Versuchen Sie möglichst interessante Farben<br />

und Muster in den Bildausschnitt zu bekommen oder<br />

verwenden Sie die Aufnahmetechnik des selektiven<br />

Scharfstellens kombiniert mit einer weit offenen Blende,<br />

um einen farbigen, weichen Rahmen zu erzeugen.<br />

010 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Vögel<br />

ROSS HODDINOTT<br />

MARK BRIDGER<br />

WUNDERLICHE PAPAGEITAUCHER<br />

9 Papageitaucher sind sonderbare Tiere. Sie tragen<br />

ihren Namen wegen ihres bunt gefärbten Schnabels,<br />

der an die Gefiederfarben von Papageien erinnert.<br />

Leider kommen sie in Deutschland nicht vor, Sie sind<br />

lediglich sehr selten einmal als „Gäste“ auf Helgoland<br />

zu finden. Um sie zu fotografieren, müssen Sie sich<br />

nach Skandinavien, England, Irland oder Island<br />

bemühen, wobei der Trip auf die Farne Islands, direkt<br />

nördlich der Küste von Northumberland in England die<br />

am wenigsten aufwändige Alternative darstellt. Dort<br />

leben mehr als 35000 Papageientaucher. Zwischen<br />

Anfang April und Anfang Juli können Sie sie<br />

fotografieren, wie Sie mit Fisch im Schnabel vom Meer<br />

zurückkehren, um ihre Jungen zu füttern.<br />

Grasbewachsene Klippen und blauer Himmel sorgen<br />

für einen fantastischen Hintergrund.<br />

10 GARTENVÖGEL<br />

Um einheimische Vögel in den Kasten zu<br />

bekommen, brauchen Sie überhaupt nicht zu reisen,<br />

denn auch Ihr Garten kam zum Lebensraum für Vögel<br />

werden. Locken Sie sie mit Futterhäuschen und<br />

regelmäßigem Ausstreuen von Vogelfutter an. Platzieren<br />

Sie die Futterhäuschen so, dass Sie sie vor einem<br />

homogenen Hintergrund im Blick haben. Sobald Sie eine<br />

Zahl regelmäßig wiederkehrender gefiederter Besucher<br />

haben, statten Sie die Futterplätze mit Requisiten aus, auf<br />

denen sich die Vögel niederlassen können, beispielsweise<br />

mit moosbewachsenen Ästen. Nun können Sie hinter<br />

einem Fenster warten und aus der Gartenlaube oder<br />

einem anderen Versteck heraus fotografieren, während<br />

sich die kleinen Kerle die von Ihnen spendierten<br />

Mahlzeiten einverleiben. Im Verlauf der Jahreszeiten<br />

werden Sie die meisten heimischen Arten vor die Linse<br />

bekommen, von Goldfinken bis Rotkehlchen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 011


ARBEITSTECHNIK<br />

WINTERWUNDER<br />

FOTOGRAFISCH HAT DER WINTER SEHR VIEL ZU BIETEN. WENN SIE BEREIT SIND, AUCH MAL AM WOCHENENDE<br />

FRÜH AUFZUSTEHEN, SICH WARM ANZUZIEHEN UND DER DUNKELHEIT UND KÄLTE ZU TROTZEN, WERDEN<br />

SIE MIT DEN FOLGENDEN ZEHN TIPPS GANZ BESONDERE FOTOS NACH HAUSE BRINGEN.<br />

F<br />

RAGE: WARUM EIGENTLICH sollte man<br />

sich als vernünftiges Wesen in aller<br />

Herrgottsfrühe bei Dunkelheit und<br />

Eiseskälte aufmachen, um Wetterbedingungen<br />

zu fotografieren, die schon vor rund 2000 Jahren<br />

Völkerwanderungen in den Süden ausgelöst<br />

haben? Antwort: Weil es in dieser Jahreszeit<br />

nichts Schöneres gibt!<br />

Wenn Sie noch nie im Licht der Dämmerung an<br />

einem eisigen Morgen einen verschneiten Weg<br />

ins Tal hinuntergestapft sind, über dessen<br />

weißer, im Nebel liegender Landschaft langsam<br />

die Sonne aufgeht, dann haben Sie einfach<br />

etwas verpasst. Allerdings spielt es eine<br />

entscheidende Rolle, wo Sie leben. Wer in einem<br />

industrialisierten Ballungsgebiet wohnt, wo auch<br />

das Winterwetter nur feucht und matschig ist,<br />

muss in den Harz, den Taunus, die Eifel, den<br />

Schwarzwald oder in die Alpen fahren. Wer<br />

weiter im Norden wohnt, findet weiße<br />

Winterlandschaften im Münsterland, der<br />

Lüneburger Heide, der Holsteinischen Schweiz,<br />

im Erzgebirge oder in Deutschlands Nordosten<br />

nahe der polnischen Grenze. Diese nur als<br />

Beispiele, für die Sie ggf. etwas fahren müssen.<br />

Der angenehme Teil der Aktion besteht jedoch<br />

darin, dass die Sonne erst gegen 8:00 Uhr<br />

aufgeht und gegen 16:00 Uhr schon wieder<br />

verschwunden ist. Das bedeutet, dass sie nicht<br />

mitten in der Nacht aufstehen müssen, um in<br />

der Morgendämmerung zu fotografieren – und<br />

zum späten Abendessen sind Sie wieder zu<br />

Hause.<br />

Da die Sonne im Winter nie hoch am Himmel<br />

steht, ist das Licht den ganzen Tag zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren geeignet. Tatsächlich können Sie<br />

im Winter mehr Stunden pro Tag fotografieren als<br />

im Sommer.<br />

Noch ein Tipp: Da Sie sich für längere Zeit in der<br />

Kälte aufhalten werden, sollten Sie mitgeführte<br />

Ersatzbatterien so nah wie möglich am Körper<br />

tragen. Kälte reduziert die Funktionszeit von<br />

Batterien ganz erheblich, und das Allerletzte,<br />

dass Sie sich wünschen werden ist, dass Ihrer<br />

Kamera irgendwo in der eiskalten Pampa an<br />

einem frühen Sonntagmorgen, wenn sogar noch<br />

die Tankstellen geschlossen sind, der Strom<br />

ausgeht. Also alles warm einpacken, besonders<br />

sich selbst, Thermoskanne füllen – und los<br />

geht’s.<br />

1 SCHNEE<br />

Es gibt nichts Besseres als frisch gefallenen<br />

Schnee, um Landschaften in ein Winterwunderland<br />

zu verwandeln. Dieses ist sehr einfach zu<br />

fotografieren, idealerweise bei sonnigem Wetter. Die<br />

Sonne sollte sich seitlich der Kamera befinden,<br />

sodass der Schnee seitlich beleuchtet und seine<br />

Oberflächenstruktur erkennbar wird. Fußspuren,<br />

Zäune und Mauern können den Vordergrund<br />

auflockern.<br />

Achten Sie auf die Belichtung, denn bei viel Weiß<br />

neigt die Kamera zum Unterbelichten; in dem Fall<br />

stellen Sie bis zu zwei Blendenstufen positive<br />

Belichtungskorrektur ein!<br />

LEE FROST<br />

ISTOCK PHOTO<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

2 POLFILTER<br />

An einem sonnigen Wintertag ist ein Polfilter auf<br />

dem Objektiv zu empfehlen. Er verstärkt nicht nur<br />

das Blau des Himmels und die kühlen Farbtöne am<br />

Boden, sondern hebt auch Wolkenformationen<br />

plastischer hervor, verbessert Klarheit und Kontraste,<br />

verstärkt insgesamt die Farben und absorbiert<br />

Lichtreflexe von Eis und Schnee.<br />

Drehen Sie den Polfilter, bis Sie mit seiner Wirkung<br />

zufrieden sind. Achten Sie besonders auf den<br />

Himmel, denn bei voller Polarisation kann der<br />

ohnehin tiefblaue Winterhimmel an den Ecken des<br />

Bildausschnitts fast Schwarz werden, was weniger<br />

schön aussieht.<br />

3 EISMUSTER<br />

Bei Dauerfrost bildet sich Eis auf Seen, Teichen<br />

und Pfützen. Das eröffnet Ihnen ungeahnte<br />

Möglichkeiten für Detailaufnahmen, die teils sehr<br />

abstrakt wirken können. Die eingeschlossene Luft<br />

bildet Blasen im Eis, und das sich während der<br />

Vereisung immer noch bewegende Wasser formt<br />

Buckel und Wirbel, an der Eisoberfläche, die deutlich<br />

zu sehen sind. Ein Fluss- oder Seeufer kann zur<br />

Quelle sehr vieler Motive werden. Idealerweise steht<br />

Ihnen ein Makroobjektiv zur Verfügung, doch ein<br />

Standardzoom- oder ein 50 mm Festobjektiv tun es<br />

auch.<br />

4 EISZAPFEN<br />

Überall dort, wo kleine Mengen Wasser<br />

kontinuierlich abtropfen, werden sich bei frostigem<br />

Wetter Eiszapfen bilden. Das kann an einer Dachrinne<br />

oder an einer Autostoßstange genauso gut sein, wie an<br />

einem überhängenden Felsen. Eiszapfen können ein<br />

paar Millimeter oder ein paar Meter lang sein. Bei kleinen<br />

Eiszapfen gehen Sie so nah wie möglich heran, so dass<br />

der Bildausschnitt gut ausgefüllt wird und fangen die<br />

Lichtreflexe ein. Bei größeren Eiszapfen benutzen Sie ein<br />

Weitwinkelobjektiv, was die Gebilde auf dem Foto noch<br />

größer erscheinen lässt. Die eindrucksvollsten Eiszapfen<br />

finden Sie an überhängenden Felsen. Wenn es möglich<br />

ist, sich dahinter aufzustellen, können Sie einen solchen<br />

Eiszapfen als dominierendes Vordergrundelement für<br />

eine Landschaftsaufnahme benutzen..<br />

012 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DER FRÜHE VOGEL …<br />

5 Nebel, Raureif, Schnee und Eis sind am<br />

fotogensten, wenn sie frisch sind und die<br />

Außentemperatur niedrig bleibt. Sobald die<br />

Temperatur ansteigt, schmilzt alles weg oder<br />

verblasst. Der frühe Morgen ist zu jeder<br />

Jahreszeit die kälteste Tageszeit, seien Sie<br />

also beim ersten Tageslicht vor Ort. Das Licht<br />

vor Sonnenaufgang hat einen<br />

stimmungsvollen blauen Farbstich, und<br />

gerade im Winter gibt es überwältigende<br />

Sonnenaufgänge. Im Übrigen ist ein früher<br />

Morgen auch die ruhigste Tageszeit von allen.<br />

IMAGE: HELEN DIXON


ARBEITSTECHNIK<br />

Winterwunder<br />

HELEN DIXON<br />

6 SCHWARZWEISS<br />

Eine Winterlandschaft ist starr und karg. Schnee<br />

bedeckt Vieles, das sonst sichtbar wäre, Skelette von<br />

Bäumen recken sich gen Himmel, und das Wetter ist<br />

düster und abweisend. Solche Faktoren machen ein<br />

Foto zum idealen Kandidaten für eine Konvertierung<br />

in Schwarzweiß. Oft genug enthält schon das<br />

Originalbild so wenig Farben, dass es fast wie ein<br />

Schwarzweißfoto wirkt. Bei der Konvertierung<br />

brauchen Sie sich mit der Dosierung der Effekte nicht<br />

zurückzuhalten. Erhöhen Sie kräftig die Kontraste,<br />

um die Kombinationen aus Hell und Dunkel einer<br />

Winterlandschaft zur Geltung zu bringen.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

LEE FROST<br />

ADAM BURTON<br />

7 LICHT<br />

Mit der Qualität des Lichts steht und fällt das<br />

Foto einer Winterlandschaft. Zum Glück ist das Licht<br />

im Winter oft sehr gut. Die Farbtemperatur bleibt<br />

während des ganzen Tages relativ niedrig und somit<br />

warm, weil die Sonnenbahn nah am Horizont<br />

verläuft. Das bedeutet allerdings auch, dass Schatten<br />

länger und schwächer sind als im Sommer, denn das<br />

Sonnenlicht ist weniger intensiv.<br />

Achten Sie auf die Wettervorhersage: Wird ein<br />

trockener, sonniger Tag angesagt, machen Sie sich<br />

früh auf und fotografieren bis zum Dunkelwerden. An<br />

einem guten Wintertag können Unmengen guter<br />

Fotos schießen, obwohl die Sonne nur acht Stunden<br />

zu sehen ist.<br />

8 WASSERFALL<br />

Temperaturen, bei denen sogar fließendes Wasser<br />

gefriert, sind selten, aber nicht ausgeschlossen, und<br />

solche Aufnahmen versetzen Betrachter garantiert in<br />

Erstaunen. Ein Wasserfall gefriert nur sehr langsam,<br />

zwischen und hinter den Eiszapfen fließt fast immer noch<br />

etwas Wasser. Es ist jedoch schon vorgekommen, dass<br />

auch ein Wasserfall zufriert und nur noch aus einer<br />

Eiswand oder gigantischen Eiszapfen besteht. Wenn<br />

noch etwas Wasser fließt, versuchen Sie, es mit aufs Bild<br />

zu bekommen und lassen Sie es mit dem Eis<br />

kontrastieren. Verschlusszeiten von einer halben bis einer<br />

Sekunde sollten die Bewegung des Wassers durch<br />

Verschwimmen erkennen lassen. Ist der Wasserfall<br />

komplett eingefroren, können Sie vielleicht hinter die<br />

Eiswand gelangen, um sie gegen das Sonnenlicht zu<br />

fotografieren: Ein solches Foto gelingt Ihnen vielleicht nur<br />

einmal im Leben!<br />

9 VORDERGRUND<br />

Nichts stellt die Schönheit einer<br />

Winterlandschaft besser dar, als eine<br />

panoramaähnliche Weitwinkelaufnahme. Das sollten<br />

Sie auf ihrer winterlichen Motivsuche im Hinterkopf<br />

behalten. Ein attraktiver Vordergrund ist dabei<br />

besonders wichtig. Schneebedeckte Felsbrocken,<br />

Fußstapfen im Schnee, Muster im Eis oder um Felsen<br />

herum fließendes Wasser sind ideale<br />

Vordergrundelemente. Gehen Sie in die Hocke, um<br />

den Effekt der Perspektive zu verstärken. Wenn Sie<br />

auf Blende f/11 oder f/16 abblenden, sollten Sie die<br />

gesamte Szene scharf bekommen. Schießen Sie<br />

ruhig auch mal mit senkrecht ausgerichteter Kamera,<br />

statt horizontal, denn so bekommen Sie mehr Details<br />

vom Vordergrund mit ins Bild<br />

014 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


10 RAUREIF<br />

Reif bildet sich durch den raschen<br />

Temperaturabfall in klaren Winternächten: Die Objekte<br />

werden kälter als die Luft, sodass die Feuchtigkeit auf<br />

ihrer Oberfläche gefriert. Dies ermöglicht spektakuläre<br />

Fotos, weil selbst die feinsten Details der Landschaft<br />

– Zweige, Gras, Zaundraht und sogar Spinnweben – mit<br />

winzigen Eiskristallen überzogen werden.<br />

Der Effekt geschieht über Nacht und auch nur bei klarem<br />

Wetter, daher ist der frühe Morgen die beste Tageszeit, um<br />

ihn einzufangen. Nach Sonnenaufgang, ist die<br />

einzigartige Naturerscheinung bald verschwunden.<br />

BILD: ADAM BURTON


ARBEITSTECHNIK<br />

TIERPORTRAITS<br />

OB SIE EINE KATZE, EINEN HUND ODER EINEN HAMSTER HABEN<br />

UND OB SIE PFERDE, VÖGEL ODER MEERSCHWEINCHEN MÖGEN,<br />

HIER FINDEN SIE ANREGUNGEN FÜR UNVERGESSLICHE TIERFOTOS.<br />

IE WERDEN ZU unseren besten<br />

Freunden – manchmal sogar zum<br />

SKindersatz – sehr oft jedenfalls zu unseren<br />

gefragtesten „Models“, wenn es ums <strong>Fotografie</strong>ren<br />

geht. Sie kommen in den sonderbarsten<br />

Variationen vor, jede mit eigener Persönlichkeit<br />

und sie sorgen – nicht immer ganz freiwillig – für<br />

die liebenswertesten Bilder. Haustiere, egal ob mit<br />

Fell oder Federn, sorgen für jede Menge<br />

Fotomotive. Dazu brauchen Sie kein Studio, noch<br />

nicht einmal ein Blitzgerät. Halten Sie es so<br />

einfach wie möglich: mit natürlichem Licht, der<br />

richtigen Aufnahmetechnik und dem richtigen<br />

Hintergrund werden Ihnen die besten Bilder<br />

gelingen. Je weniger Ausrüstung Sie verwenden,<br />

desto weniger kamerascheu sind Tiere. Das<br />

macht es relativ einfach, sie im Moment des<br />

direkten Blickkontakts zu fotografieren. Eine<br />

Kamera mit Weitwinkel- oder 50 mm<br />

Normalobjektiv ist alles, was Sie brauchen.<br />

Vermeiden Sie, ein Telezoom zu verwenden, es sei<br />

denn, Sie müssen aus größerer Entfernung<br />

fotografieren. Wir haben uns hier auf zehn<br />

Anregungen beschränkt, doch Sie werden selbst<br />

auf eine Fülle weiterer, inspirierender Ideen<br />

kommen, wenn Sie erst einmal mit einer<br />

tierischen Fotosession begonnen haben. Ein<br />

Großteil des Erfolgs ist dabei von der richtigen<br />

Umgebung abhängig. Sie können beispielsweise<br />

versuchen, ein Tier mit schussbereiter Kamera in<br />

den kleinen Bereich des optimalen Lichts zu<br />

locken, doch meistens entstehen die besten<br />

Tierfotos, wenn Sie in einem zufälligen Moment<br />

aufgenommen werden, besonders dann, wenn es<br />

sich um junge Tiere mit noch sehr ausgeprägtem<br />

Spieltrieb handelt – denken Sie nur an die<br />

berühmte Katze mit dem Wollknäuel. Es gibt<br />

einige Standardregeln, die für Bildideen mit Tieren<br />

gelten, ganz gleich ob es sich bei Ihrem „Model“<br />

um einen exotischen Papagei oder eine heimische<br />

Hunderasse handelt. <strong>Fotografie</strong>ren Sie mit weit<br />

offener Blende, f/5.6 oder größer. Um störenden<br />

Hintergrund zu verwischen, stellen Sie auf die<br />

Augen scharf und fotografieren im Raw-Format.<br />

Mit diesen Parametern haben Sie zwar meistens<br />

keine optimalen Einstellungen, doch Sie können<br />

auf sich schnell verändernde Situationen schnell<br />

reagieren.<br />

JAVI INCHUSTA GONZALEZ<br />

MATT DRAPER<br />

LOW KEY Wenn Sie gegen einen schwarzen Hintergrund fotografieren, erhalten Sie ein<br />

2 sogenanntes Low-Key-Porträt mit viel Schatten und dunklen Farbtönen. Ein Tier, das aus einem<br />

schwarzen Nichts auftaucht, ergibt ein sehr künstlerisches Bild. Das natürliche Licht eines bewölkten<br />

Tages ist perfekt geeignet, denn es ist weich und diffus. Stellen Sie sich zwischen Tier und Lichtquelle und<br />

machen Sie die Belichtungsmessung auf einer Graukarte, damit die Kamera nicht überbelichtet. Sie<br />

können auch eine bis zwei Blendenstufen negativ korrigieren oder, falls Sie im Raw-Format fotografieren,<br />

automatisch belichten und alle Korrekturen in der Nachbearbeitung vornehmen.<br />

Verwenden Sie aber auf keinen Fall Blitzlicht, Tiere mögen das nicht! Falls das Tier selbst eine eher dunkle<br />

Farbe hat, müssen Sie eventuell manuell scharfstellen, wenn der Autofokus wegen des geringen<br />

Kontrastumfangs Probleme hat.<br />

DURCH DAS GLAS<br />

3 Tiere im Terrain oder Aquarium zu fotografieren, ist<br />

nicht so einfach, wie es scheint. Ein Vorteil besteht darin,<br />

dass Ihr „Modell“ an Ort und Stelle bleibt und nicht<br />

entfliehen kann. Zudem sind Licht und Umgebung Ihres<br />

Arbeitsbereichs gut überschaubar und damit beeinflussbar.<br />

Positionieren Sie einen farbigen Hintergrund an der<br />

hinteren Glaswand und setzen Sie ein Makroobjektiv ein,<br />

um den Bildausschnitt auszufüllen.<br />

Idealerweise beleuchten Sie die Szene von oben, damit die<br />

Glaswände keine Reflexionen verursachen; im Zweifelsfall<br />

setzen Sie zusätzlich einen Polfilter ein. Sie werden Tiere,<br />

die in einer solchen Umgebung leben, nicht dazu bringen<br />

können, zu tun, was Sie wollen, damit Ihnen ihr Bild<br />

gelingt. Richten Sie sich also darauf ein, lange Zeit mit<br />

Warten zu verbringen, bis ein zufälliger Augenkontakt<br />

hergestellt wird.<br />

016 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


ACTION Hunde rennen gerne, und im Wind<br />

1 flatternde Lefzen und Ohren können hübsche<br />

Bilder ergeben. Bitten Sie einen Freund, Ihren Hund<br />

festzuhalten, während Sie sich in etwa 100 m<br />

Entfernung aufstellen. So kann Ihr Hund seine<br />

Höchstgeschwindigkeit erreichen, bevor er bei Ihnen<br />

ist. Verwenden Sie ein Telezoom im Bereich von<br />

50-200 mm und gehen Sie möglichst in die Hocke,<br />

um auf Augenhöhe mit dem Tier zu sein.<br />

Nutzen Sie die Blendenautomatik und den<br />

kontinuierlichen Autofokus, damit die Schärfe<br />

konstant bleibt, wenn Ihr Hund auf sie zuläuft, und<br />

wählen Sie eine kurze Verschlusszeit von mindestens<br />

1/500 Sekunde oder kürzer, je nach<br />

Lichtverhältnissen.<br />

Nun geben Sie das Signal, den Hund loszulassen.<br />

Sobald er unterwegs ist, machen Sie im<br />

Serienbildmodus beliebig viele Aufnahmen. Bringen<br />

Sie aber die Kamera in Sicherheit, bevor er bei Ihnen<br />

ist, denn Hunde können viel besser beschleunigen<br />

als bremsen!<br />

IMAGE: JORDAN BUTTERS<br />

IRENE MEI<br />

2013 BEN HEINE<br />

4 FENSTER<br />

Katzen sind aufgrund ihres eigensinnigen<br />

Charakters schwer zu fotografieren. Gute Chancen<br />

haben Sie, wenn die Katze faul auf der Fensterbank<br />

im Sonnenlicht liegt. Stellen Sie an der Kamera die<br />

Zeitautomatik, eine große Blende und den<br />

höchstmöglichen ISO-Wert ein, bei dem das<br />

Bildrauschen gerade noch vermieden wird. Diese<br />

Einstellungen sollten den Hintergrund ausreichend<br />

verwischen und dennoch eine Verschlusszeit<br />

garantieren, die kurz genug ist, selbst bei schlechtem<br />

Licht jede Bewegung einzufrieren. Holen Sie die<br />

Katze formatfüllend ins Bild, um das durch das<br />

Fenster hereinfallende natürliche Licht am besten zu<br />

nutzen.<br />

Hunde sind einfacher, sitzen eher still und schauen<br />

sogar zum Fenster, wenn sie gut gehorchen.<br />

KREATIVES Kreative Ideen für die Tierfotografie gibt es viele. Uns gefällt besonders die Serie „Kamera und<br />

5 Zeichenstift“ (Pencil vs Camera) von Ben Heine (http://www.benheine.com). Verschroben und humorvoll<br />

vermischt er Tierzeichnungen mit Tierfotos. Dieses Bild zeigt das Foto eines im Freien aufgenommenen sitzenden<br />

Hundes, während Ben seine maßstabgerechte Zeichnung davor hält. Kontraste und Farben wurden mit<br />

Photoshop verstärkt.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 017


ARBEITSTECHNIK<br />

Tierportraits<br />

FARBE UND RAUM<br />

6 Hunde und Katzen dürften als Haustiere am<br />

weitesten verbreitet sein; manchmal aber sorgen<br />

gerade ungewöhnliche Spezies für interessante,<br />

inspirierende Bilder.<br />

Ein bunter Papagei beispielsweise wirkt sehr schön<br />

vor farbenfrohem Hintergrund aus Komplementäroder<br />

Kontrastfarben. Wenn möglich, heben Sie den<br />

Hintergrund mit einem Spotlight hervor, um ihn<br />

noch attraktiver zu machen. Normalerweise versucht<br />

man den Papagei formatfüllend aufzunehmen; doch<br />

sofern der Hintergrund keine störenden Elemente<br />

enthält und das Foto farblich ausbalanciert, kann<br />

diese Bildkomposition die Motivwirkung sogar<br />

verstärken.<br />

DELIA GALHOTRA<br />

IRENE MEI<br />

OLKA KRYVOSHEI<br />

ISTOCKPHOTO<br />

NAH UND NÄHER<br />

7 Bei Katzen und Hunden, die kein bisschen<br />

kamerascheu sind und den Blickkontakt zum<br />

Objektiv halten, können Sie die Symmetrie des<br />

Gesichts durch ungewöhnlichen Bildausschnitt<br />

unterstreichen. So entstehen besonders attraktive<br />

Katzenportraits, wobei Sie sich um den Hintergrund<br />

nicht kümmern müssen, weil es keinen gibt.<br />

Allerdings muss das Licht gleichmäßig verteilt sein.<br />

Sie sollten ein solches Porträt nicht etwa auf kurze<br />

Entfernung zu fotografieren versuchen, sondern aus<br />

zwei bis drei Metern mit einem Zoomobjektiv, wobei<br />

Sie Blende f/5.6 benutzen und auf die Augen<br />

scharfstellen. Bei Hunden mit langer Schnauze ist<br />

jedoch wegen der notwendigen größeren<br />

Schärfentiefe eine kleinere Blende notwendig.<br />

8 KULISSE<br />

Kleidungsstücke, Spielzeug und<br />

Haushaltsgegenstände als Requisiten können<br />

besonders bei Kleintieren zu lustigen Motiven führen,<br />

wie hier bei Tobi, einem unternehmungslustigen<br />

Hamster. Dieses Bild ist ein sehr gutes Beispiel dafür,<br />

wie ein alltäglicher Haushaltsgegenstand dafür sorgt,<br />

dass das Tier lange genug für ein schönes Foto am<br />

Ort des besten Lichts bleibt. Hundewelpen und<br />

Kätzchen sehen neben im Vergleich zu deren Körpern<br />

überdimensionierten Requisiten besonders niedlich<br />

aus.<br />

GOLDENE STUNDEN<br />

9 Ob früh oder spät, ein Spaziergang mit dem<br />

Hund ist entspannend, besonders wenn Sie im<br />

schönsten Licht des Tages unterwegs sind. Wenn die<br />

Sonne niedrig steht, bekommen Gras und Bäume<br />

einen attraktiven, warmen Glanz. <strong>Fotografie</strong>ren Sie<br />

aus einiger Entfernung mit Teleobjektiv und weit<br />

offener Blende. So erzeugen Sie ein schönes Bokeh,<br />

der Hund bemerkt nicht die Kamera und bleibt<br />

entspannt. Falls er von hinten beleuchtet wird, nutzen<br />

Sie die Punktmessung, um das Foto nicht<br />

unterzubelichten. Sie brauchen auch keine<br />

Gegenlichtblende, denn ohne wird das Licht noch<br />

wärmer.<br />

018 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


10 SICHTWECHSEL<br />

Experimentieren Sie mit verschiedenen<br />

Standpunkten und Brennweiten. Ein Weitwinkeloder<br />

besser ein Ultraweitwinkel-Zoomobjektiv<br />

sorgt für außergewöhnliche Bilder mit verzerrter<br />

Perspektive, wenn Sie von einem erhöhten oder<br />

sehr niedrigen Kamerastandpunkt aus arbeiten.<br />

Gehen Sie so nah auf den Boden wie möglich,<br />

und richten Sie die Kamera nach oben.<br />

Vergessen Sie aber nicht: Je dichter am Motiv,<br />

umso kleiner muss die Blende eingestellt<br />

werden, sonst erhalten Sie nicht genug<br />

Schärfentiefe.<br />

IMAGE: ISTOCK PHOTO


IHRE BESTEN BILDER<br />

Vincent Bourrut<br />

Alter: 39 / Beruf: Fotograf<br />

Étretat: Diese Klippen in Nordfrankreich habe ich nachmittags bei<br />

Ebbe fotografiert. Ich wollte das auf den Felsen im Hintergrund<br />

auftreffende, warme Licht mit dem natürlichen Bogengewölbe<br />

einrahmen. Ich setzte einen zehnstufigen Graufilter ein, um die<br />

Bewegung der ziehenden Wolken abzubilden und die<br />

Meereswellen zu verwischen.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv<br />

Belichtung: 30 Sekunden bei Blende f/6.3 und ISO 100


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Die Bilder sind so knackig scharf, dass<br />

man die herrschenden Minusgrade fast<br />

schon körperlich spüren kann. Dank ihrer<br />

Farben und der perfekten Beleuchtung<br />

zählen diese Aufnahmen zu den<br />

ausgezeichneten Naturfotos.<br />

Vincent Bourrut (fortgesetzt)<br />

Lac Léman: Diese Bilder entstanden im Frühling am Genfer See in der<br />

Schweiz. Es war immer noch so kalt, dass die auf der anderen Seite des Sees<br />

liegenden französischen Alpen von Schnee bedeckt waren. Ich habe einen<br />

zehnstufigen Graufilter verwendet, um die Bewegung der Wolken einzufangen.<br />

Der Himmel war stark bedeckt, deshalb musste ich auf den richtigen Moment<br />

warten, bis genug Licht vorhanden war, um das Sprungbrett zu beleuchten und<br />

dem Bild genug Tiefe zu geben.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv<br />

Belichtung: 101 Sekunden bei Blende f/18 und ISO 100<br />

Tête de Ran: Dieses Foto habe ich eines sehr frühen Morgens gemacht, als ich<br />

das wundervolle erste Sonnenlicht einfangen wollte. Ich war gerade rechtzeitig<br />

vor Sonnenaufgang auf 1200 Meter über dem Meeresspiegel angekommen<br />

und brauchte nur kurz zu warten, bis das Licht auf die gefrorenen Bäume fiel.<br />

Es war mit minus 12 Grad extrem kalt, doch ein sehr friedlicher Moment, als<br />

die Sonne über den Horizont stieg. Ich hatte nicht weit entfernt geparkt, und als<br />

ich die Aufnahme im Kasten hatte und wieder im warmen Auto saß, kehrte das<br />

Gefühl in Händen und Füßen schnell zurück.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/50 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 400<br />

Lorenzo Mancini<br />

Alter: 25 / Beruf: Student<br />

Gedankenverloren: An einem späten Frühlingsmorgen wurde mein Modell von<br />

weichem, natürlichem Licht angestrahlt. Ich benutzte einen Reflektor, um ein<br />

paar Schatten aufzuhellen und ein subtiles Funkeln in den Augen zu erzeugen.<br />

Die Kameraeinstellungen hatte ich manuell vorgenommen, um die volle<br />

Kontrolle über das Motiv zu behalten. Ich hatte auf die Augen scharfgestellt und<br />

benutzte eine große Blende, damit nichts von ihnen ablenken konnte. Ich<br />

konvertierte das Bild in Schwarzweiß, wobei ich darauf achtete, dunkle<br />

Farbtöne und hohe Kontraste zu bekommen; Gesichtsausdruck und Pose des<br />

Modells vermitteln eine nachdenklich-melancholische Stimmung.<br />

Nikon D700 mit Nikkor AF-S 50mm f/1.4 Objektiv<br />

Belichtung: 1/640s Sekunde bei Blende 1.4 und ISO 100).<br />

022 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Diese Aufnahmen zeigen Tiere in freier<br />

Wildbahn. Die Bildkomposition und das<br />

Timing der Tierszenen sind so perfekt,<br />

dass es so scheint, als seien sie eigens für<br />

die Aufnahme inszeniert worden.<br />

Hervorragend.<br />

024 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

Steve Langton<br />

Alter: 54 / Beruf: Chirurg<br />

Dieses Foto entstand in Amboseli, Kenia. Man könnte glauben, der Elefant<br />

würde den Vogel duschen. Ich habe aus dem Geländewagen heraus fotografiert<br />

wobei die Kamera auf einen Bohnensack aufgelegt war. Ich wollte das aus dem<br />

Rüssel spritzende Wasser einfangen, deswegen hatte ich eine kurze<br />

Verschlusszeit gewählt. In der Nachbearbeitung waren nur geringe Korrekturen<br />

von Kontrasten und Farben nötig, wobei ich auch den Himmel etwas<br />

abdunkelte. Dann musste ich das Bild nur noch passend zuschneiden.<br />

Canon EOS-1D Mk IV mit Canon EF 400mm f/4 DO IS USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/2000 Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 400<br />

Auch dieses Foto stammt aus Kenia. Es war früher Abend – eine Zeit, in der<br />

Löwen aktiv werden, nachdem sie den heißen Nachmittag über nur geschlafen<br />

haben. Trotz der verwendeten großen Blende lässt diese Bildkomposition die<br />

enorme Weite des Landes erahnen. Die weite Blende war notwendig, um den<br />

Löwen besser von der ähnlich gefärbten Umgebung abzuheben.<br />

Canon EOS-1D Mk IV mit Canon EF 400mm f/4 DO IS USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/320 Sekunden bei Blende f/5.6 und ISO 640<br />

Steve Wilson<br />

Alter: 42 / Beruf: Facharbeiter<br />

Elephant Cove ist in den Sommermonaten ein populäres Ziel für Touristen in<br />

Australien. Ich fotografierte sie im Winter, um nur die Natur im Bild zu haben<br />

und verschiedene Bildkomposition auszuprobieren. Ich verwendete einen<br />

zehnstufigen Graufilter, um die Bewegung der Wolken darzustellen, und schnitt<br />

das Foto auf Panoramaformat zu. Ich denke, das passt sehr gut zu der<br />

natürlichen Schönheit des Ortes.<br />

Canon EOS 7D mit Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM Objektiv<br />

Belichtung: 113 Sekunden bei Blende f/22 und ISO 100<br />

Lights Beach befindet sich nahe der Kleinstadt Denmark in Südwestaustralien,<br />

wo dieses Foto entstand. Ich setzte einen sechsstufigen Graufilter ein und<br />

wartete, bis die Sonne an den Punkt gesunken war, wo sie die lebendigsten<br />

Farben erzeugt. Mir gefallen besonders die blauen und violetten Farbtöne.<br />

Canon EOS 40D mit Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM Objektiv<br />

Belichtung: 20 Sekunden bei Blende f/19 und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 025


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Die optimal genutzten Formen und<br />

Führungslinien machen dieses Foto zu<br />

einer hervorragenden Darstellung von<br />

Architektur. Die HDR-Aufnahmetechnik in<br />

Schwarzweiß trägt durch ausgewogene<br />

Graustufen besonders zur<br />

Gesamtwirkung bei.


Leserschaukasten<br />

Moreno Geremetta<br />

Alter: 40 / Beruf: Kraftfahrer<br />

Morgenröte: Dies ist der Limedes-See in Italien, 2000 m über dem<br />

Meeresspiegel. Die Aufnahme entstand im Winter zu einem Zeitpunkt, als<br />

bereits eine dünne Eisschicht vorhanden, aber noch kein Schnee darauf<br />

gefallen war. Der Tag war sehr nebelig und die Berggipfel durch Wolken<br />

verdeckt. Ich fotografierte zuerst in Richtung Süden, doch als die ersten<br />

Sonnenstrahlen über den Horizont drangen, ging ich zum gegenüberliegenden<br />

Ufer, wobei ich darauf achtete, nicht zu viele Fußspuren zu hinterlassen. Der<br />

Nebel sorgte für ausgewogene Beleuchtung, daher nutzte ich keinerlei Filter<br />

und musste auch nicht viel nachbearbeiten.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/2 Sekunde bei Blende f/9 und ISO 200.<br />

An diesem frühen Morgen war ich der erste Besucher am Colbricon-See in<br />

Italien. Da der Himmel völlig wolkenlos war, verwarf ich mein ursprünglich<br />

geplantes Motiv und suchte stattdessen nach interessanten Objekten für den<br />

Vordergrund. Schließlich fand ich diese Bildkomposition mit der<br />

moosbedeckten Felsformation. Ich hatte keine Graufilter dabei, also machte ich<br />

zwei Aufnahmen, von denen ich die eine für den Himmel und die andere für<br />

den Vordergrund belichtete. In Photoshop führte ich beide zusammen.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv.<br />

Belichtung: 13 Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100<br />

Michael Woloszynowicz<br />

Alter: 29 / Beruf: Software Produktmanager<br />

Dies ist die Detailansicht einer berühmten und oft fotografierten Konzerthalle. Sie entstand, weil ich abseits der üblichen Motive etwas Neues ausprobieren wollte.<br />

Ich suchte zuerst einen ungewöhnlichen Blickwinkel. Das Geländer ergab eine wundervolle Führungslinie. Ich stützte die Kamera direkt darauf und machte eine<br />

Serie von drei Aufnahmen mit jeweils unterschiedlicher Belichtung. Stative waren verboten, und mein 14-24 mm Objektiv hat kein Filtergewinde, also<br />

fotografierte ich den Himmel vom nahen Parkplatz aus, wobei ich ein 24-70 mm Objektiv mit zehnstufigem Graufilter verwendete. Alles wurde in Photoshop<br />

zusammengeführt und mit Nik Color Efex Pro 4 weiterverarbeitet.<br />

Nikon D800 mit Nikkor AF-S 14-24mm f/2.8 G ED Objektiv<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/10 und ISO 200<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 027


IHRE BESTEN BILDER<br />

Wojciech Dziadosz<br />

Alter: 30 / Beruf: Landvermesser<br />

Diese Aufnahme entstand in der Nähe meines Wohnorts<br />

Wroclaw in Polen. Als ich aufwachte, sah ich nur dichten Nebel,<br />

doch schon bald nach Sonnenaufgang kamen die ersten<br />

Sonnenstrahlen durch. Ich machte zwei Aufnahmen, eine mit<br />

der Belichtung für den Himmel, die andere für den Vordergrund,<br />

und montierte beide zusammen, wobei ich auch Farben,<br />

Tonwerte und Kontrast noch ein bisschen justierte.<br />

Nikon D200 mit Tokina 12-24mm f/4 PRO DX II Objektiv<br />

Belichtung: 1/90 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100


Leserschaukasten<br />

Wojciech Dziadosz (fortgesetzt)<br />

Auf dem steinigen Weg hinab ins Tal stand ich plötzlich vor einer<br />

überwältigenden Aussicht. Ich setzte mich auf einen der Felsen nahe dem<br />

Wasserfall. Der Felsen war glitschig, und es war nicht ganz ungefährlich, aber<br />

diese Aufnahme wollte ich nicht verpassen. Die Berggipfel lagen im Schatten<br />

der Wolken, nur das Tal wurde von der Sonne beschienen. Ich benutzte einen<br />

0.6- und einen 0.9ND-Verlaufsfilter, um das fließende Wasser sichtbar zu<br />

machen und den Himmel abzudunkeln, während das lichtdurchflutete Tal<br />

richtig belichtet wurde.<br />

Nikon D200 mit Tokina 12-24mm f/4 PRO DX II Objektiv<br />

Belichtung: 1 Sekunde bei Blende f/20 und ISO 100<br />

Dieses Foto stammt aus einer Serie, die ich im vergangenen Herbst am<br />

Rudawy Janowickie geschossen habe, einem Berg in den polnischen Sudeten.<br />

Ich hatte die Nacht auf dem höchsten Gipfel der Gegend verbracht, und als ich<br />

aufwachte, diesen fantastischen Blick. Das Wetter an jenem Morgen war<br />

perfekt: Es lag dichter Nebel über dem Tal und das frühe, durch die<br />

Baumwipfel fallende Sonnenlicht erzeugte fantastische Muster. Ich fotografierte<br />

mit einem 0.6ND-Verlaufsfilter. Bei der Nachbearbeitung habe ich nur noch<br />

Farbtöne, Tonwerte und Gradationskurven korrigiert.<br />

Nikon D700 mit Nikkor AF-S 70-300mm f/4.5-5.6D VR Objektiv<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/10 und ISO 200<br />

Hussain Tarouti<br />

Alter: 30 / Beruf: Bankangestellter<br />

Dieses Bild entstand vor ein paar Monaten im Burj Khalifa in Dubai, dem<br />

höchsten Gebäude der Welt. Es war Mittag, und das durch riesige Fenster<br />

einfallende Sonnenlicht war so hell, dass ich meine Kamera schon vorbereitet<br />

hatte. Ich wusste, dass es bald ein attraktives Motiv geben würde. Die dunklen<br />

Stufen der Rolltreppe kontrastierten mit dem von den weißen Wänden<br />

reflektierten Licht, und ich wartete ab, bis keine Schatten mehr auf die Wände<br />

fielen. Mit Lightroom korrigierte ich die Spitzlichter, Schatten und Kontraste.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Sigma 15mm f/2.8 EX Fisheye-Objektiv<br />

Belichtung: 1/15 Sekunde bei Blende f/3.5 und ISO 800<br />

030 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Dieses Bild ragt heraus durch seine<br />

lebendigen Farben und das fantastische<br />

Licht. Die durch die Baumwipfel fallenden<br />

Lichtstrahlen und der Nebel erzeugen<br />

eine wunderbare Atmosphäre.


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Diese Porträts sind absolut professionell.<br />

Die richtige Location, ein schönes Modell,<br />

perfekt aufgetragenes Make-up und eine<br />

hervorragende Aufnahmetechnik<br />

addieren sich zu fantastischen Bildern.<br />

032 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

Alex Filatov<br />

Alter: 30 / Beruf: Fotograf<br />

Dieses Bild entstand am Monument Cove, einem unwegsamen Gelände im<br />

Acadia National Park in Maine, USA. Ich schoss eine Serie von mehrere<br />

Aufnahmen bei Blende f/22, wobei ich die längste mögliche Verschlusszeit<br />

nutzte. Nach der Montage in Photoshop verlieh das nebelähnliche Wasser<br />

zwischen den Felsen dem Bild eine surreal anmutende Atmosphäre.<br />

Nikon D700 mit NIKKOR AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv<br />

Belichtung: Mehrere Aufnahmen mit Blende f/22 und ISO 200<br />

Der Bass-Harbor-Head Leuchtturm gehört zu den meistfotografierten Motiven<br />

im Acadia National Park. Ich war sehr früh vor Ort und machte meine<br />

Bildkomposition so, dass der Leuchtturm sich bei ablaufendem Wasser in einer<br />

Pfütze zwischen den Felsen spiegelte. Der Horizont war unmöglich mit der<br />

Übergangszone eines Verlaufsfilters zur Deckung zu bringen, also schoss ich<br />

eine Serie von Aufnahmen mit jeweils unterschiedlicher Belichtung und führte<br />

sie in Photoshop zu einem Bild zusammen.<br />

Nikon D700 mit NIKKOR AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv<br />

Belichtung: Mehrere Aufnahmen mit Blende f/13 und ISO 200<br />

Markus Oskarsson<br />

Alter: 26 / Beruf: <strong>Fotografie</strong>student<br />

Ich hatte diese Location schon vorher gesehen und wusste, dass ich dort<br />

unbedingt fotografieren musste. Ich buchte noch ein Modell, und ein Freund<br />

– Visagist von Beruf – beriet mich bei der Auswahl des passenden Outfits im<br />

Boheme-Stil, dass wir schließlich aus zweiter Hand in einem Oxfam-Laden<br />

besorgten. Am Tag der Fotosession herrschte klarer Himmel, deswegen warteten<br />

wir, bis die Sonne so niedrig am Himmel stand, dass wir das beste Tageslicht<br />

hatten. Um eine träumerische Stimmung zu erzeugen, nutzte ich einen kurzen<br />

Schärfentiefebereich und einen Reflektor, um die Schatten aufzuhellen.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/350 Sekunde bei Blende f/4 und ISO 100<br />

Nachdem ich die Bilder der Fotosession ausgewählt hatte, mit denen ich weiter<br />

arbeiten wollte, begann ich mit der Nachbearbeitung. Die Farbtöne sollten<br />

wärmer werden und die Schatten einen leichten Blaustich erhalten. Durch<br />

leichtes Nachbelichten und Abwedeln retuschierte ich das Licht und fügte<br />

anschließend mit dem Alien-Skin Photoshop-Plug-In etwas Körnung hinzu.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/4 und ISO 100).<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 033


034 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Gelungene Reisebilder erzeugen beim<br />

Betrachter den Wunsch, die Koffer zu<br />

packen und ein Taxi zum Flughafen zu<br />

nehmen. Genau das tun diese<br />

wundervollen Landschaften voller<br />

Atmosphäre mit ihren<br />

stimmungsvollen Farben.<br />

Alan Chan<br />

Alter: 31 / Beruf: Bauingenieur<br />

Die Golden Gate Bridge gehört zu den meistfotografierten Bauwerken der Welt.<br />

Doch die Bucht von San Francisco, von tief liegendem Nebel ausfüllt, diesen<br />

Anblick muss man gesehen haben. Ich wollte ein Panorama fotografieren, bei<br />

dem die Stadt zwischen die beiden Pylone der Brücke passen sollte. Ich<br />

richtete das Stativ mit einer Wasserwaage aus und ließ die Aufnahmen um<br />

etwa 25 % überlappen. Diese Aufnahmetechnik erleichtert später das<br />

Zusammenfügen der Bilder. Vor dem selektiven Nachbelichten und Abwedeln<br />

nahm ich kleinere Belichtungskorrekturen vor.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon 70-200mm f/2.8L IS USM Objektiv<br />

Belichtung: 15 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100<br />

Der Bonsai Rock ist ein sehr populäres Motiv an dem in Nevada gelegenen Teil<br />

von Lake Tahoe. Hier machte ich die Bildkomposition so, dass die durch<br />

Sonnenstrahlen erzeugten Farben von den Felsen auszugehen scheinen. Ich<br />

stellte die kleinstmögliche Blende ein, um die Verschlusszeit zu verlängern und<br />

eine Weichzeichnung des Wassers zu erreichen. Außerdem verwendete ich<br />

einen 0.9ND-Verlaufsfilter, um den Horizont abzudunkeln. In der<br />

Nachbearbeitung korrigierte ich die Belichtung des Felsens und der<br />

schneebedeckten Berggipfel.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM Objektiv<br />

Belichtung: 25 Sekunden bei Blende f/22 und ISO 50<br />

Stefano Granata<br />

Alter: 32 / Beruf: Mediendesigner<br />

Diese Aufnahme war Teil einer Testsession in einem alten, verlassenen Bahnhof. Es war eine großartige Location, und auf den Gleisen standen sogar noch ein paar<br />

stillgelegte Züge. Ich hatte gerade ein Nikon 80-200mm f/2.8 Zoomobjektiv aus zweiter Hand erstanden und wollte ausprobieren, wie es sich bei<br />

Porträtaufnahmen machen würde. Ich konvertierte das Bild nach Schwarzweiß und korrigierte die Tonwerte in Lightroom. Dann importierte ich das Bild in<br />

Photoshop CS6 für die erforderlichen Feinarbeiten.<br />

Nikon D700 mit Nikon AF-D 80-200mm f/2.8 Objektiv<br />

Belichtung: 1/320 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 250<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 035


IHRE BESTEN BILDER<br />

Peter Mahler<br />

Alter: 71 / Beruf: Rentner<br />

Dieses Bild entstand eines sehr frühen Herbstmorgens am<br />

Ammersee. Wir fuhren dort entlang, als plötzlich eine<br />

Nebelwand auftauchte – die Chance für ein schönes Motiv –,<br />

also hielten wir an und gingen ein Stück in den Wald. Ich<br />

benutzte eine 10 mm Brennweite, um so viel Farbe wie<br />

möglich einzufangen. Hier sehen Sie das Ergebnis.<br />

Sigma SD14 mit Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC Objektiv<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 200


Leserschaukasten<br />

Evgenia Galan<br />

Alter: 25 / Beruf: Fotografin<br />

Blackbird: Diese Aufnahme gelang genau so, wie ich sie geplant hatte. Das<br />

Modell trägt ein maßgeschneidertes schwarzes Kleid mit überdimensionierter<br />

Schleppe, die sich im Wind aufbauscht und eine Verbindung zu den flatternden<br />

Tauben suggeriert. Ich kannte in der Stadt einen größeren Platz, der sich gut für<br />

das Vorhaben eignete. Wir streuten Sonnenblumenkerne und Brotkrumen, um<br />

die Vögel anzulocken. Es brauchte einige Versuche, um die Aufnahme in den<br />

Kasten zu bekommen. Wie Sie sich vorstellen können, ist es nicht ganz einfach,<br />

auf ein Modell scharfzustellen, das auf Sie zu geht, während zugleich die Vögel<br />

um uns herum schwirren. Sie sehen das Bild so, wie es aus der Kamera kam,<br />

die Beleuchtung war völlig natürlich und es wurde nichts in Photoshop<br />

hinzugefügt.<br />

Canon EOS 60D mit Sigma 18-250mm f/3.5-6.3 DC OS HSM Objektiv<br />

Belichtung: 1/500 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 100<br />

Auch das rote Kleid für diese Aufnahme war maßgefertigt. Ich fotografierte von<br />

einem niedrigen Standpunkt aus, Location und Bildkomposition betonen die<br />

große, schlanke Gestalt. Die Säulen rahmen Sie zusätzlich ein, und ihre weiße<br />

Farbe erzeugt einen schönen Kontrast zum roten Kleid. Hier war allerdings<br />

etwas Nachbearbeitung erforderlich, weil ich das Bild nicht überladen wollte.<br />

Canon EOS 60D mit Sigma 50mm f/1.4 EX DG HSM Objektiv Belichtung:<br />

1/160 Sekunde bei Blende f/3.5 und ISO 100<br />

Deb Harder<br />

Alter: 51 / Beruf: Fotograf<br />

Ich machte dieses Bild eines Spätnachmittags im Columbia Hills State Park vor<br />

Sonnenuntergang. Um sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund<br />

gestochen scharf zu bekommen, legte ich zwei Aufnahmen übereinander und<br />

erhielt dieses Ergebnis. Da sich die Kamera sehr nah am Vordergrund befand,<br />

stellte ich direkt auf die Lupinen scharf und nutzte eine kleine Blende, um<br />

sicherzustellen, dass auch die Ecken scharf abgebildet werden. Dann machte<br />

ich die zweite Aufnahme, mit Fokus auf dem Baum im Hintergrund, und<br />

öffnete die Blende etwas weiter.<br />

Nikon D3 mit Nikkor AF-S 14-24mm f/2.8G ED Objektiv<br />

Belichtung: 1/13 Sekunde bei Blende f/18 und ISO 400 und 1/80 Sekunde bei<br />

Blende f/11 und ISO 400<br />

038 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Das magische Licht der „goldenen<br />

Stunde“ war entscheidend für diese<br />

wunderschöne Landschaftsaufnahme.<br />

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die<br />

warmen Strahlen der untergehenden<br />

Sonne eine Szene transformieren<br />

können. Ein herrliches Bild.


Kilian Schönberger<br />

Alter: 27 / Beruf: Fotograf<br />

Dieser Felsenturm steht in den Dolomiten in Norditalien. Ich hatte bereits<br />

schöne Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge im Kasten, wollte aber auch<br />

am Tag noch einige Bilder schießen, um das gute Wetter auszunutzen. Ich<br />

benutzte einen Polfilter, um die Kontraste am Himmel zu intensivieren, und<br />

machte drei Einzelaufnahmen, die ich mit Photoshop zu diesem Panorama<br />

zusammensetzte.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon TS-E 24mm f/3.5 L II Objektiv<br />

Belichtung: 1/20 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 200).<br />

Dieses Motiv entdeckte ich in Schottland. Als ich die Gegend<br />

auskundschaftete, war das Licht denkbar schlecht. Ich hoffte auf besseres<br />

Wetter für den kommenden Tag, aber am nächsten Morgen regnete es. Um<br />

die Situation zu retten, verwendete ich einen 1.8ND Graufilter, damit ich<br />

Wasser und Himmel weichzeichnen konnte. Im Nachhinein betrachtet, gibt<br />

der Regen dem Bild sogar eine besondere Atmosphäre; bei einem<br />

farbenprächtigen Sonnenaufgang wäre eine solch geradlinige<br />

Bildkomposition kaum möglich gewesen.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon TS-E 24mm f/3.5 L II Objektiv<br />

Belichtung: 13 Sekunden bei Blende f/8 und ISO 100<br />

Dieses Foto stammt aus Norwegen. Ich war früh morgens aufgebrochen, und<br />

als ich das Plateau erreichte, lag der noch vom Nebel bedeckte Fjord unter<br />

mir. Wenige Minuten später brach die Sonne durch, und ihre Strahlen<br />

schufen eine magische Stimmung. Die beiden auf dem Felsen gerade noch<br />

erkennbaren Personen geben eine Vorstellung von den Dimensionen dieser<br />

Szene.<br />

Canon EOS 400D mit Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv Belichtung: 1/160<br />

Sekunde bei Blende f/13 und ISO 100<br />

Manchmal findet man fabelhafte Landschaftsmotive direkt vor der Haustür.<br />

Dieses Kiefernwäldchen ist nur ein paar Minuten von meinem Zuhause<br />

entfernt. Hier fällt das Licht der frühen Morgensonne zwischen den Stämmen<br />

hindurch. Die Nachbearbeitung dieses Fotos sollte die Pastellfarbtöne und<br />

heitere Stimmung der Szene herausarbeiten.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon TS-E 24mm f/3.5 L II Objektiv<br />

Belichtung: 1/30 Sekunde bei Blende f/10 und ISO 100<br />

040 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

<strong>Fotografie</strong> bedeutet die Kunst, das Licht<br />

einzufangen, was in diesen Bildern ideal<br />

gelungen ist. Hervorragende<br />

Bildkompositionen, kreative Belichtung<br />

und gekonnte Nachbearbeitung<br />

ergeben einmalig stimmungsvolle<br />

Fotos.<br />

Andrey Narchuk<br />

Alter: 34 / Beruf: IT Spezialist<br />

Das <strong>Fotografie</strong>ren von Porzellankrabben gehört nicht zu den leichtesten<br />

Übungen. Beim geringsten Anzeichen von Gefahr sind die Tiere verschwunden<br />

– manchmal für Stunden. Für dieses Foto benutzte ich ein Nexus-<br />

Unterwassergehäuse und zwei Inon Z-240 Unterwasserblitzgeräte. Der<br />

komplizierteste Teil der Aufgabe bestand darin, Richtung und Stärke der<br />

Blitzgeräte so einzustellen, dass die Anemone richtig belichtet wurde, ohne die<br />

sehr helle Schale der Krabbe überzubelichten.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 100mm f/2.8 Macro USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 200<br />

Der Clownfisch gehört zu den am meisten fotografierten Fischen. Er besitzt ein<br />

solches Charisma, dass man es nicht lassen kann. Er ist extrem schnell, und oft<br />

besteht die einzige Chance, ein Foto von ihm zu bekommen, wenn er seine<br />

Anemone verteidigt, so wie hier.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 100mm f/2.8 Macro USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 200<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 041


Francesco Riccardo Iacomino<br />

Alter: 26 Beruf: Jurist<br />

Dies ist eine erstaunliche Felsformation in den Coyote Buttes, die zur Paria<br />

Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness nahe der Staatsgrenze zwischen Arizona<br />

und Utah gehören. Sie ist berühmt für ihre farbigen, außergewöhnlichen Formen<br />

– und berüchtigt für die beschwerliche Route, über die man sie zu Fuß auf<br />

unmarkierten Wegen erreicht. Pro Tag dürfen nur 20 Personen diesen<br />

atemberaubenden Ort besuchen. Zehn der Genehmigungen werden vier<br />

Monate vor dem geplanten Besuchstermin verlost, die übrigen einen Tag vorher.<br />

Die beste Tageszeit zum <strong>Fotografie</strong>ren dieser Wellenformation ist mittags. Sie<br />

müssen sehr früh von Page, der nächst gelegenen Stadt, auf den etwa 13,5<br />

Kilometer langen Weg zum Wire Pass Trailhead aufbrechen und dann noch<br />

weitere fast 10 Kilometer zurücklegen, wobei Sie einen Höhenunterschied von<br />

110 Metern überwinden. Im Sommer erreichen die Temperaturen dort fast 40<br />

Grad, deswegen sollten Sie die Hauptsaison vermeiden. Wenn Sie es geschafft<br />

haben, können Sie Ihrer Kreativität an den wundervollen Linien und Schatten<br />

dieser einmaligen, abgelegenen Felsformation freien Lauf lassen.<br />

Canon EOS 550D mit Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/500 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100<br />

Dieses Bild stammt aus dem Upper Antelope Canyon bei Page in Arizona.<br />

Gegen Mittag fallen die Sonnenstrahlen von oben in die schmale Klamm hinein<br />

und beleuchten die Wände mit einem warmen Licht, das sich über die<br />

erodierten Felsen ausbreitet. Der Staub in der Luft macht die einfallenden<br />

Lichtstrahlen für das Auge sichtbar und verstärkt die magische Stimmung.<br />

Ich hatte die Zeitautomatik und Blende f/8 eingestellt, um genug Schärfentiefe<br />

zu erhalten und sicher zu sein, dass das Foto scharf wird. Da der Canyon nach<br />

oben sehr schmal zuläuft, fotografierte ich im Hochformat mit 17 mm<br />

Brennweite. Es war nicht einfach, die richtige Belichtung zu finden, denn vom<br />

grellsten Sonnenlicht bis zum dunkelsten Schatten gab es große Helligkeitsund<br />

Kontrastunterschiede. Ich nahm eine Punktmessung an einem der<br />

einfallenden Lichtbündel vor und fügte etwas negative Belichtungskorrektur<br />

hinzu, um die Schatten zu verstärken.<br />

Canon EOS 550D mit Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/15 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 200<br />

042 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Dieses Bild ist zu schön, um wahr zu<br />

sein, aber schließlich sehen wir es hier.<br />

Eine hervorragende Aufnahme, die<br />

zugleich künstlerisch und realistisch ist.<br />

Teuni Stevense<br />

Alter: 54 Beruf: Hausfrau<br />

Dieses Rotkehlchen kommt regelmäßig in meinen Garten. Eines Morgens saß es wieder mal auf seinem Lieblingsplatz, und ich konnte mich langsam mit der<br />

Kamera nähern. Es gelang mir tatsächlich, ein Foto zu schießen, bevor ich ihm wohl doch suspekt wurde und es die Flucht ergriff. Ein paar Monate später war<br />

mein roter Ahorn in voller Blüte, und ich fotografierte ihn mit dem Makroobjektiv. Es war ein gelungenes Foto, und ich beschloss, aus der Szene noch mehr zu<br />

machen. Dazu erschien mir das Bild des Rotkehlchens am besten geeignet. Ich stellte also den Vogel in Photoshop frei, montierte ihn in das Bild mit den<br />

Ahornzweigen und fügte noch ein paar Blätter ein, um die Bildkomposition zu <strong>verbessern</strong>. Wenn man bedenkt, dass keines der Ausgangsbilder in der Absicht<br />

geschossen wurde, später für eine Montage verwendet zu werden, ist das Ergebnis ganz ansehnlich.<br />

Canon EOS 450D mit EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS Objektiv (für das Rotkehlchen)<br />

Canon EOS 60D mit EF 100mm f/2.8 Macro USM Objektiv (für den Ahorn)<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 200 und<br />

1/250 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 043


Fotoidee<br />

Stillleben mit falschen Schatten<br />

Probieren Sie einmal diese Aufnahmetechnik, bei der die geworfenen Schatten nicht dem realen Objekt<br />

entsprechen. Der Effekt haucht den Figuren neues Leben ein.<br />

VICTORIA IVANOVA: In vielen<br />

Fällen sind Schatten unerwünscht;<br />

wenn man sie aber bewusst in das<br />

Motiv einbezieht, lassen sich<br />

erstaunliche Effekte erzielen. Die<br />

Nachbearbeitung von Schatten ist viel zu<br />

aufwendig und kann durch geschickte<br />

Aufnahmetechnik vermieden werden.<br />

Normalerweise machen Sie eine Aufnahme<br />

Ihres Motivs, eine weitere Aufnahme des<br />

Schattens und montieren dann beide Bilder<br />

zusammen. Der Teufel steckt aber im Detail,<br />

denn alles muss nahtlos zusammen passen.<br />

Deshalb gibt es folgende Alternative, um<br />

solche Bilder ohne Nachbearbeitung<br />

ausschließlich mit der Kamera zu<br />

produzieren. Sie brauchen dafür nur ein<br />

unbewegliches Motiv, eine lange<br />

Verschlusszeit und einige Beleuchtungstricks.<br />

Verschlusszeiten von mindestens 10<br />

Sekunden in einem dunklen Raum erzeugen<br />

die eindrucksvolle Illusion mit nur einem<br />

einzigen Foto, wobei die unterschiedlichen<br />

Bildelemente von einer Taschenlampe<br />

angestrahlt werden. Entscheidend ist, dass<br />

der größte Teil der Verschlusszeit darauf<br />

verwendet wird, den „falschen“ Schatten an<br />

die Wand zu projizieren, damit er zum<br />

dominierenden Teil des Bildes wird und der<br />

Originalschatten des Objekts nicht zu<br />

erkennen ist.<br />

Zur Vorbereitung der Aufnahme brauchen Sie<br />

eine Taschenlampe, einen Fernauslöser, das<br />

Originalobjekt und das Objekt, dessen<br />

Schattenspiele<br />

Schatten sichtbar werden soll. Scharf<br />

abgegrenzte Schatten wirken hier am besten,<br />

benutzen Sie deswegen eine kleine LED-<br />

Taschenlampe mit nur einer einzigen Diode<br />

und positionieren Sie die Objekte so nah<br />

beieinander wie möglich. Je größer die<br />

Lichtquelle und je weiter diese entfernt ist,<br />

desto weicher wird der Schatten.<br />

Schachfi guren eignen sich sehr gut für diese<br />

Aufnahmetechnik, denn Sie haben scharf<br />

umrissene, charakteristische Formen. Für das<br />

Bild rechts habe ich einen Springer als<br />

Originalobjekt benutzt und ein Spielzeugpferd<br />

für den falschen Schatten. Sie werden einige<br />

Versuche brauchen, um es richtig<br />

hinzubekommen, doch wie Sie sehen, ist das<br />

Ergebnis verblüffend.<br />

SETUP Positionieren Sie die Schachfigur auf dem Schachbrett oder einem<br />

Tisch, der sich nah an einer Wand befindet. Die Kamera wird auf ein Stativ montiert<br />

und davor aufgebaut. Machen Sie die Bildkomposition so, dass die Schachfigur<br />

relativ klein im Vordergrund erscheint; es muss viel Hintergrund für den Schatten<br />

vorhanden sein. Das Objekt, das den falschen Schatten werfen soll, stellen rechts<br />

von der Schachfigur auf. Rücken Sie beide Objekte so nah wie möglich zusammen.<br />

Schalten Sie die Kamera auf Zeitautomatik und wählen Sie eine mittlere Blende –<br />

bei mir war es Blende f/14. Stellen Sie die Schachfigur scharf und schalten<br />

anschließend den Autofokus aus, damit dieser nicht versucht, die Schärfe zu<br />

korrigieren, nachdem Sie die Zimmerbeleuchtung ausgeschaltet haben.<br />

BELEUCHTUNG Schalten Sie alle Lampen aus und stellen Sie sich etwas<br />

rechts des Objekts auf, das den falschen Schatten werfen soll. Beleuchten Sie es<br />

nun mit der Taschenlampe so, dass dessen Schatten auf den Bildhintergrund<br />

geworfen wird. Zwei Drittel der gesamten Verschlusszeit sollten darauf verwendet<br />

werden. Halten Sie dabei die Taschenlampe so ruhig wie möglich. Nun leuchten<br />

Sie die Schachfigur an und zwar so, dass deren Schatten im unteren Teil des an<br />

der Wand befindlichen falschen Schattens untergeht. In den beiden letzten<br />

Sekunden leuchten Sie das gesamte Schachbrett aus, um das Bild aufzuhellen.<br />

Weitere Ideen<br />

Läufer wird zum Ritter<br />

Dame wird zur Ballerina<br />

Schachmatt<br />

Die Zeit ist um<br />

044 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Das fertige Bild<br />

Voraussichtlich müssen Sie<br />

die Aufnahme mehrmals<br />

wiederholen, bevor Sie mit<br />

dem Ergebnis zufrieden sind.<br />

Wenn es geschafft ist,<br />

bearbeiten Sie die Raw-<br />

Dateien, verstärken etwas<br />

den Kontrast und<br />

konvertieren das Bild nach<br />

Schwarzweiß.<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II<br />

mit Canon EF 50mm f/1.4<br />

Betriebsart: Zeitautomatik<br />

Belichtung: 13 Sekunden<br />

bei Blende f/14<br />

und ISO 250


Fotoidee<br />

Fotospaß auf dem Jahrmarkt<br />

Rummel, Jahrmarkt, Kirmes, oder wie die Volksfeste mit Schießbuden, Karussels und Autoscooter in Ihrer Gegend<br />

heißen: Sie sind nicht nur für Kinder die Attraktion des Jahres, denn sie bieten dem Fotografen dynamische Bilder<br />

voller Bewegung und Lichteffekte.<br />

JORDAN BUTTERS: Erinnern Sie sich noch an<br />

Ihre Aufregung als Kind, wenn Sie erfuhren, dass<br />

am Wochenende ein Jahrmarkt stattfi ndet?<br />

Zuckerwatte, Lebkuchenstände, Karussels,<br />

vielleicht sogar ein Spiegelkabinett oder<br />

Achterbahn direkt vor der Haustür! Solche Volksfeste sind<br />

ein magischer Anziehungspunkt nicht nur für Kinder, denn<br />

sie liefern fantastische Möglichkeiten zum Fotografi eren. Um<br />

die bunten, wirbelnden und drehenden Lichter als farbige<br />

Leuchtspuren einzufangen, brauchen Sie vor Allem lange<br />

Verschlusszeiten. Greifen Sie sich Kamera und Stativ und<br />

tauchen Sie in diese charakteristische Atmosphäre ein.<br />

Für Aufnahmen mit Leuchtspuren ist der frühe Abend die<br />

beste Zeit. Dann ist es auch nicht zu voll, und Sie müssen<br />

nicht ständig darauf achten, dass niemand versehentlich ihr<br />

Stativ mit der Kamera umwirft. Die Veranstaltungen dauern<br />

meist bis in die Nacht, die besten Motive bieten sich aber<br />

schon kurz nach Sonnenuntergang, wenn Sie gegen das<br />

verblassende Tageslicht fotografi eren, statt gegen schwarzen<br />

Nachthimmel.<br />

Ein Weitwinkel-Zoomobjektiv ist für solche Anlässe die beste<br />

Wahl, denn die Attraktionen sind meist auf geringem Raum<br />

zusammengedrängt. Ein weiter Blickwinkel führt außerdem<br />

Ansicht aus der Ferne: 8 Sekunden bei Blende f/14 und ISO 100<br />

automatisch zu dynamischeren Bildern.<br />

Was Sie sonst noch brauchen: ein gutes Stativ und einen<br />

Fernauslöser, um Verwacklungen zu vermeiden – doch das<br />

bewerkstelligen Sie zur Not auch mit dem Selbstauslöser.<br />

Sie werden öfter warten müssen, bis eine Karussellfahrt<br />

beginnt, ziehen Sie sich also warm an und bringen Sie<br />

Geduld mit.<br />

SETUP: Montieren Sie die Kamera auf das Stativ und<br />

schließen Sie den Fernauslöser an, dann machen Sie ihre<br />

Bildkomposition. Denken Sie auch daran, dass<br />

Kettenkarussells in Bewegung infolge der Fliehkraft mehr<br />

Raum erfordert als im Ruhezustand. <strong>Fotografie</strong>ren Sie<br />

möglichst Richtung in Westen um das verblassende Tageslicht<br />

am Himmel einzufangen und dem Bild mehr Tiefe zu<br />

verleihen. Nutzen Sie den Einzelpunkt-AF oder stellen Sie<br />

manuell auf einen Punkt des Karussells scharf, dessen<br />

Entfernung zur Kamera sich nicht verändert.<br />

KAMERAEINSTELLUNGEN: Wählen Sie einen niedrigen<br />

ISO-Wert, Mehrfeldmessung und eine lange Verschlusszeit,<br />

beginnend mit 1 Sekunde. Machen Sie eine Testaufnahme,<br />

wenn das Karussell stillsteht, um die Belichtung des Himmels<br />

und der Umgebung zu prüfen, und stellen sie falls nötig eine<br />

Belichtungskorrektur ein. Nachdem das Karussell die Fahrt<br />

begonnen hat, probieren Sie verschiedene Verschlusszeiten<br />

– die Geschwindigkeit des Karussells entscheidet darüber,<br />

welche Belichtungszeit das beste Foto liefert.<br />

MEHR BEWEGUNG: Bei 1/8 Sekunde sind die Fahrgäste noch gut<br />

erkennbar, doch der Eindruck von Dynamik fehlt, und die Leuchtspuren<br />

sind sehr kurz. Die Automatik der Kamera hatte hier außerdem eine weit<br />

offene Blende von f/4 gewählt.<br />

DIE RICHTIGE BALANCE: Bei einer Verschlusszeit von1,6 Sekunden<br />

und Blende f/9 wird die Bewegung des Karussells sehr deutlich, doch die<br />

Fahrgäste sind nun bis zu Unkenntlichkeit verschwommen und heben sich<br />

nicht genug gegen den Himmel ab.<br />

046 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Volksfeste<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II mit<br />

Canon EF 17-40mm f/4L<br />

Betriebsart:<br />

Blendenautomatik<br />

Verschlusszeit: 0,6<br />

Sekunden bei Blende f/5.6<br />

und ISO 100<br />

Das fertige Bild<br />

Mithilfe eines Verlaufsfilters<br />

wurde in Lightroom 4 die<br />

Belichtung des Vordergrunds<br />

etwas erhöht.<br />

FALSCHE FORM: Die Verschlusszeit von 6 Sekunden bei Blende f/18<br />

hat sowohl die Drehbewegung des Karussells als auch dessen Änderung<br />

der Rotationsachse aufgenommen, wodurch die reale Form des Karussells<br />

verloren gegangen ist.<br />

ZU LANGE BELICHTET : Bei 13 Sekunden Verschlusszeit wird die<br />

Drehbewegung um verschiedene Achsen aufgenommen, doch die<br />

Leuchtspuren sind weicher geworden und die Fahrgäste sind praktisch<br />

unsichtbar.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 047


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Fotoidee<br />

Kinderportraits<br />

Halten Sie einen kostbaren Moment fest<br />

Mit Kindern zu arbeiten, kann anstrengend sein. Mit der nachfolgend beschriebenen Arbeitstechnik<br />

binden Sie sie aktiv in das Projekt ein und erschaffen ein ganz besonderes Portrait – das funktioniert<br />

übrigens auch mit großen Kindern…<br />

CAROLINE WILKINSON: Zwei Sechsjährige,<br />

und noch dazu Zwillinge, das bedeutet<br />

normalerweise Probleme. Mein Shooting mit<br />

Gracie und Mia war jedoch ein Kinderspiel,<br />

obwohl ich sie noch nie zuvor getroffen hatte. Sie<br />

hatten einfach Spaß, und das erzeugte automatisch eine<br />

tolle Ausstrahlung. Sie durften zeichnen und sich in Pose<br />

werfen, während ich im Auftrag der Mutter versuchte, die<br />

Kinderträume dieses schnell vergänglichen Alters in<br />

Erinnerungsfotos zu bannen. Bei einer persönlichen<br />

Nachricht an die Mama wurden wir alle ganz sentimental,<br />

und in weniger als zwei Stunden entstanden Zeichnungen,<br />

die als richtige Kunstwerke bezeichnet werden können. Es<br />

war alles ganz einfach.<br />

Da ich nicht allzu viel über Gracie und Mia wusste, machte<br />

ich mir schon vorher Gedanken darüber, was sie zeichnen<br />

sollten, und sie haben dann ihre eigenen Ideen einfl ießen<br />

lassen. So lernten wir uns mittels Buntstiften und<br />

Textmarkern kennen, bevor ich sie unter der Aufsicht ihrer<br />

Mutter allein ließ, um im Kinderzimmer die Aufnahmen<br />

vorzubereiten. Wenn Sie die Kinder kennen, können Sie sie<br />

evtl. damit locken, nach dem Shooting zeichnen zu dürfen<br />

– lassen Sie sich einfach etwas einfallen, um die<br />

bestmöglichen Bilder zu bekommen.<br />

Ihr pinkfarbenes Mädchenzimmer war ideal, aber wie die<br />

meisten Kinderzimmer von Sechsjährigen war es voll mit<br />

Spielzeug, sodass nur sehr wenig Platz zum Arbeiten blieb.<br />

Ich fand ein Stück leere Wand, das ich als Hintergrund<br />

verwenden konnte und probierte ein paar Testaufnahmen,<br />

um die Belichtungs- und Kamera-Einstellungen so genau<br />

wie möglich vorzunehmen. Meine Nikon D800 und mein<br />

Blitzlichtgerät stellte ich jeweils auf Single-Point-Autofokus<br />

und den manuellen Modus ein, um sowohl Raw als auch<br />

JPEG aufzunehmen, während ich mit der Belichtung<br />

experimentierte. Die Einstellungen schon im Vorhinein so<br />

perfekt wie möglich vorzunehmen, war sehr wichtig, da ich<br />

auf jeden Fall verhindern wollte, dass es den Mädchen<br />

langweilig wird. Kommunikation ist bei der Arbeit mit jedem<br />

Modell entscheidend, aber für Kinder gilt das in einem ganz<br />

besonderen Maß. Also sollten Sie viel Unterstützung bieten,<br />

die lustigen Posen erst selbst vormachen und überhaupt so<br />

viel Spaß wie möglich aufkommen lassen, damit die Bilder<br />

voller lachender Gesichter sind und ganz natürlich wirken.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 049


Fotoidee<br />

Textfarbe<br />

Vorher<br />

Um die Schrift weiß statt schwarz zu machen,<br />

klicken Sie auf die Schriftebene und gehen zu<br />

„Neue Einstellungsebene > Umkehren“, und<br />

ändern dann die Füllmethode zu Negativ<br />

multiplizieren. Verwenden Sie eine<br />

Einstellungsebene Helligkeit/Kontrast, um<br />

alles, was noch das Papier erkennen lässt,<br />

loszuwerden.<br />

Testaufnahme Wenn Sie mit Kindern arbeiten,<br />

1müssen Sie schnell und energiegeladen sein. Jede<br />

Verzögerung durch Einstellungen von Kamera und<br />

Blitz macht es schwieriger, das Interesse aufrecht zu<br />

erhalten. Bevor die Kinder hereinkommen, sollten Sie<br />

den Hintergrund ausgewählt, die Posen grob geplant<br />

und mit der Belichtung experimentiert haben. Ich<br />

verwendete einen Teddybär als Ersatzmodell und<br />

entschied mich, für den Anfang das Blitzgerät auf<br />

1/16 Leistung und meine Kamera auf 1/160 Sekunde<br />

bei f/5.6 einzustellen.<br />

Aufbau Der Raum war so klein, dass es nur Platz<br />

2für ein Licht von vorne gab. Das bedeutete, dass<br />

ich den Schatten auf der gegenüberliegenden Seite<br />

mit einem Reflektor abdämpfen musste. Wenn wie<br />

hier ein Verlauf von Ton und Farbe des Hintergrundes<br />

unvermeidbar ist, muss man alles tun, was möglich<br />

ist, um die Veränderung zu minimieren. Ich hatte das<br />

Blitzgerät und die Honl Traveller16 Softbox in einem<br />

45 Grad Winkel nach unten und zur Seite gerichtet<br />

und meine kleine Helferin hielt den Reflektor auf der<br />

anderen Seite ihrer Schwester.<br />

Der letzte Schliff in Photoshop<br />

Mehrere Posen Um die Modelle für das Shooting<br />

3aufzuwärmen, bat ich sie, ihr Lieblingsspielzeug<br />

auszuwählen, damit ich sie damit fotografiere und<br />

den Rahmen feststecke. Wichtig ist, dass die Kinder<br />

Spaß haben, während Sie das Setup verfeinern. Bei<br />

den eigentlichen Aufnahmen ist es besser, wenn sie<br />

nichts mehr festhalten und auch keine Posen<br />

wählen, die von der Handschrift ablenken, die später<br />

hinzugefügt wird. Falls möglich, wählen Sie eine<br />

Pose oder lassen Sie die Kinder entsprechende<br />

Kleidung anziehen, die dazu passt, was sie für die<br />

Aufnahme geschrieben oder gezeichnet haben.<br />

Der künstlerische Touch Dieser Schritt sollte<br />

4entweder vor oder nach dem Shooting erfolgen,<br />

je nachdem wie gut Sie die Kinder kennen.<br />

Überlegen Sie sich ein Konzept und schreiben Sie<br />

den Anfang jedes Satzes auf, den die Kinder dann<br />

abschreiben – z. B. „Ich liebe Mama“, „Wenn ich<br />

groß bin, will ich... werden“, „Ich bin ... Jahre alt“<br />

oder „Mein Hobby ist ...“ usw. Wenn den Kindern das<br />

Schreiben noch schwer fällt, macht es ihnen mehr<br />

Spaß, etwas zu zeichnen – etwa die Familie, mit dem<br />

Text „Das ist meine Familie“.<br />

Worte hinzufügen Öffnen Sie die Fotos und bearbeiten Sie sie nach Bedarf.<br />

5Anschließend scannen oder fotografieren Sie die Zeichnungen und öffnen<br />

die Dateien erneut in Photoshop. Gehen Sie zu „Ebene > Neue<br />

Einstellungsebene > Tonwertkorrektur“ und klicken Sie auf Auto. Nehmen Sie<br />

die Pipette für den Mittelton und klicken Sie auf das weiße Papier, damit der<br />

Weißabgleich akkurat ist. Nun gehen Sie zu „Ebene > Auf Hintergrundebene<br />

reduzieren“ und verwenden das Verschieben-Werkzeug, dann klicken Sie auf<br />

„Bearbeiten > Kopieren“. Klicken Sie auf Ihr Porträt-Bild und wählen Sie<br />

„Bearbeiten > Einfügen“.<br />

Worte hinzufügen Ändern Sie die Füllmethode für die Schreibebene auf<br />

6Multiplizieren und fügen Sie eine Helligkeit/Kontrast-Einstellungsebene<br />

hinzu. Klicken Sie in der Ebenenpalette auf die gemeinsame Linie zwischen<br />

diesen neuen Ebenen und halten Sie die Alt-Taste gedrückt, um sie zu<br />

verbinden, sodass sämtliche Anpassungen sich nur auf die Schrift auswirken.<br />

Verwenden Sie die Schieberegler Helligkeit und Kontrast, um die Schrift zu<br />

verstärken und das sichtbare Papier zu entfernen. Anschließend wählen Sie<br />

„Filter > Sonstige Filter > Dunkle Bereiche vergrößern“ und stellen den<br />

Schieberegler auf ca. 1 bis 3 ein, um die Schrift nach Bedarf zu verstärken.<br />

050 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Kinderportraits<br />

BILDDETAILS<br />

Ausrüstung: Nikon D800<br />

mit NIKKOR 50 mm f/1.8<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde<br />

bei Blende f/5.6<br />

und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 051


Fotoidee<br />

Farbexplosionen<br />

Lebensmittelfarben produzieren außergewöhnliche, abstrakte Bilder.<br />

JORDAN BUTTERS: Hier stellen<br />

wir Ihnen eine geradezu süchtig<br />

machende Aufnahmetechnik vor.<br />

Hat man einmal begonnen, fällt es<br />

sehr schwer, wieder aufzuhören; es<br />

ist eines jener Projekte, mit denen Sie trotz<br />

schlechten Wetters außergewöhnliche Fotos<br />

machen und dabei auch noch viel Spaß haben<br />

können. Mithilfe eines Aquariums, zwei<br />

Blitzgeräten und Lebensmittelfarben werden<br />

Ihnen Aufnahmen gelingen, auf denen im<br />

Wasser wabernde Farben zu sehen sind, die<br />

den Eindruck spontaner Explosionen erzeugen.<br />

Die entstehenden Formen können wundervoll<br />

abstrakt sein, oft lassen sich jedoch auch<br />

bekannte Formen identifi zieren. Jedes Foto ist<br />

einzigartig, denn die entstehenden Farbgebilde<br />

lassen sich nicht wiederholen. Fotografi eren Sie<br />

einfach immer weiter, und schauen Sie, was als<br />

nächstes passiert. Sie benötigen ein Objektiv<br />

mit kurzer Arbeitsdistanz – am besten also ein<br />

Makroobjektiv – ein Stativ, einen Fernauslöser<br />

und wenigstens ein Blitzgerät; mit zwei oder<br />

drei Blitzgeräten eröffnen sich Ihnen mehr<br />

Finish in Photoshop<br />

Möglichkeiten. Die Blitzgeräte können drahtlos<br />

oder per Kabel ausgelöst werden.<br />

SETUP Stellen Sie das Stativ mit der Kamera<br />

vor der Längsseite des Aquariums auf. Auf der<br />

gegenüberliegenden Außenseite angebrachter<br />

schwarzer Karton sorgt für schwarzen<br />

Hintergrund. Füllen Sie das Aquarium mit<br />

Wasser. Ein Blitzgerät sollte seitlich in das<br />

Aquarium gerichtet sein, während ein zweiter<br />

Blitz von oben die Wasseroberfl äche dort<br />

beleuchtet, wo der Farbtropfen auftreffen soll.<br />

Wenn Sie über ein drittes Blitzgerät verfügen,<br />

stellen Sie es gegenüber dem ersten Seitenblitz<br />

an der anderen Schmalseite des Aquariums<br />

auf. Andernfalls benutzen Sie einen Refl ektor<br />

oder weißen Karton.<br />

Stellen Sie nun die gewünschten Farben her,<br />

indem Sie verschiedene Lebensmittelfarben in<br />

kleinen Gefäßen mit Vollmilch mischen. Zum<br />

Eintropfen der Farben verwenden Sie Pipetten<br />

oder kleine Injektionsspritzen, die Sie in jeder<br />

Apotheke bekommen, ohne die Nadeln.<br />

BELICHTUNG Verwenden Sie die manuelle<br />

Betriebsart der Kamera mit ISO 100, stellen<br />

Sie die maximale Blitzsynchronisationszeit ein<br />

und wählen Sie eine Blende zwischen f/16 und<br />

f/22 für maximale Schärfentiefe. Die<br />

Blitzgeräte sollten auf 1/64 der Höchstleistung<br />

eingestellt sein. Schalten Sie den Autofokus der<br />

Kamera ein. Tauchen Sie die Spitze eines<br />

Bleistifts dort ins Wasser, wo der Farbtropfen<br />

auftreffen wird, und warten Sie, bis die Kamera<br />

die Stelle fokussiert hat. Dann schalten Sie den<br />

Autofokus aus. Machen Sie ein Testfoto und<br />

erhöhen sie die Blitzleistung, falls erforderlich,<br />

bis Ihnen das Ergebnis gefällt.<br />

Tonwertkorrektur Öffnen Sie das Bild in<br />

1Photoshop und fügen Sie eine<br />

Tonwertkorrekturebene hinzu. Wählen Sie die<br />

schwarze Pipette aus der Korrekturpalette und<br />

klicken Sie auf den hellsten Teil des Hintergrunds,<br />

damit dieser gleichmäßig schwarz wird.<br />

Farben anpassen Fügen Sie eine Farbton/<br />

2Sättigung-Korrekturebene hinzu und stellen<br />

Sie die Farbton- und Sättigungsschieberegler der<br />

einzelnen Farbkanäle Ihren Wünschen gemäß ein.<br />

Mit dem Farbtonregler können Sie die Farbe der<br />

Tropfen ändern, um solche Farben nachzubessern,<br />

die beim Mischen nicht gelungen sind.<br />

Drehen Aufräumen Wählen Sie die<br />

3Hintergrundebene in der Ebenenpalette und<br />

benutzen Sie den Spot-Reparaturpinsel, um<br />

unerwünschte Elemente wie Blasen und Wirbel zu<br />

entfernen, die die Ästhetik des Bildes stören. Wenn<br />

Sie das Bild auf den Kopf drehen, wirken die Tropfen<br />

wie Farbexplosionen, die vom Boden ausgehen.<br />

Klicken Sie dazu auf Bild > Bilddrehung > 180°.<br />

Weitere Anregungen<br />

EXPLOSION Versuchen Sie, einen<br />

aggressiven Farbausbruch zu<br />

erzeugen, indem Sie zwei oder drei<br />

Farbtropfen nah beieinander ins<br />

Wasser fallen lassen.<br />

UFO Lassen Sie einen Tropfen aus<br />

großer Höhe auf das Wasser fallen<br />

– um 180° gedreht sieht das wie das<br />

Foto eines Ufos aus.<br />

WIRBEL Lassen Sie die Tropfen<br />

aus einer seitlichen Handbewegung<br />

heraus fallen, das erzeugt lange<br />

Wirbel.<br />

AUFSETZEN Setzen Sie den<br />

Tropfen sanft auf das Wasser auf,<br />

sodass er lange dünne Fäden zieht.<br />

052 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Farbexplosionen<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II / EF<br />

24-70mm f/2.8L USM<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde<br />

bei Blende f/20<br />

und ISO 100)<br />

Das fertige Bild<br />

Mit Blitzlicht und Farbtropfen<br />

entstehen interessante,<br />

abstrakte Motive.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 053


Fotoidee<br />

Silhouette<br />

Landschaft als Silhouette<br />

Silhouetten gehören zu den besonders lohnenden Projekten der <strong>Fotografie</strong>.<br />

Mit den folgenden Tipps machen Sie Landschaftsfotos mal ganz anders.<br />

ROBERT BIRKBY: Zu den Objekten, die sich gut für Silhouettenaufnahmen eignen,<br />

zählen Bäume, Boote, Bauwerke und natürlich Personen. Entscheidend für diese<br />

Aufnahmetechnik ist, dass allein der Umriss sofort das Objekt erkennen lässt.<br />

Tatsächlich werden manche Objekte, die sonst als unattraktiv gelten, durch die<br />

Darstellung als Silhouette erst fotogen. In diesem Beispiel sind es die Starkstrommasten<br />

und -kabel einer Überlandleitung. Die Struktur liefert mehrere eindrucksvolle Silhouetten, die<br />

zugleich als Führungslinien dienen. Auch weniger dominante Objekte können im Gegenlicht der<br />

Sonne fotografiert werden. Beachten Sie die folgenden Tipps, und Sie werden faszinierende Fotos<br />

nach Hause bringen.<br />

1. FOTOGRAFIEREN SIE INS GEGENLICHT: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind die<br />

besten Tageszeiten für diese Aufnahmetechnik, denn die Sonne steht tief über dem Horizont und<br />

sorgt für eine besondere Farbenpracht am Himmel, die zu keiner anderen Tageszeit vorhanden ist.<br />

Ihr Objekt muss sich zwischen Kamera und Sonne befinden, denn nur dieses extreme Gegenlicht<br />

macht aus ihm eine dunkle Silhouette.<br />

2. MESSUNG UND BELICHTUNG: Die Silhouette muss wesentlich dunkler sein als der Rest der<br />

Szene, doch das ist einfach zu erreichen. Schalten Sie Ihre Kamera auf Zeitautomatik. Bei<br />

Gegenlichtsszenen mit viel Himmel im Bild sollten Sie als Belichtungsmessmethode die<br />

Mehrfeldmessung einstellen. Das allein schon sorgt in der Regel dafür, dass das Foto das richtige<br />

Maß an Unterbelichtung erhält. Füllt ihr Objekt jedoch einen Großteil des Bildausschnitts aus,<br />

müssen Sie gegebenenfalls zusätzlich eine oder zwei Stufen negative Belichtungskorrektur<br />

einstellen. Sie können jedoch auch die Punktmessung verwenden und einen hellen Bereich der<br />

Szene messen; auch das sorgt für eine Unterbelichtung des Fotos.<br />

3. SPITZLICHTWARNUNG: Je nach Helligkeit des Sonnenlichts kann es passieren, dass der<br />

Dynamikumfang Ihrer Kamera zu klein ist, alle im Bild vorhandenen Helligkeitsunterschiede<br />

korrekt darstellen zu können. In diesem Fall werden die Spitzlichter „abgeschnitten“, was sich als<br />

weiße Bildbereiche ohne jedes Detail bemerkbar macht. Ziehen Sie also das Histogramm zu Rate<br />

und prüfen Sie, ob die Spitzlichtwarnung angezeigt wird. Gegebenenfalls müssen Sie ihren<br />

Standort ändern, damit ihr Objekt die Sonne blockiert, oder Sie warten, bis die Sonne unter dem<br />

Horizont verschwunden ist, bevor sie ihr Foto schießen. Benutzen Sie auf jeden Fall die<br />

Gegenlichtblende, um störendes Streulicht zu vermeiden.<br />

4. SCHÄRFE UND BILDKOMPOSITION: Arbeiten Sie mit dem Einzelpunkt Autofokus und<br />

stellen Sie auf die Silhouette scharf. Vermeiden Sie es, ihr Objekt oder den Horizont in der Mitte des<br />

Bildausschnitts zu platzieren; treffen Sie vielmehr die Entscheidung, ob Sie den Himmel oder die<br />

Silhouette betonen wollen.<br />

ROBERT BIRKBY<br />

2<br />

Die Szene sollte belichtet werden, damit<br />

unterdie<br />

Details hervortreten.<br />

1<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie gegen die<br />

Sonne, damit Ihr Motiv von<br />

hinten beleuchtet wird.<br />

3<br />

Achten Sie darauf,<br />

die Spitzlichter nicht<br />

abzuschneiden.<br />

4<br />

Betonen Sie mit der<br />

Bildkomposition<br />

entweder den Himmel<br />

oder Ihr Objekt.<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II<br />

mit EF 70-200mm f/4<br />

Objektiv<br />

Betriebsart: Zeitautomatik<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde<br />

bei Blende f/11<br />

und ISO 100


Fotoidee<br />

Materie-loser Monitor<br />

Modifizieren Sie Ihren Computermonitor so, dass man durch ihn hindurch<br />

sehen kann. Wenn Sie davor sitzen, werden Sie tatsächlich sehen, was<br />

sich dahinter befindet. Für den Effekt genügt Photoshop.<br />

JORDAN BUTTERS: Sie kennen<br />

das aus den Science-Fiction-<br />

Klassikern wie „Raumschiff<br />

Enterprise“ oder „Minority Report“:<br />

halbtransparente Bildschirme, mit<br />

denen man während der Arbeit am Computer<br />

die reale Welt dahinter im Auge behalten kann.<br />

Nun ist Photoshop zwar sehr leistungsstark,<br />

doch auch damit können Sie Ihr Büro nicht in<br />

den Kommandostand von Raumschiff Enterprise<br />

verwandeln. Einen scheinbar transparenten<br />

Bildschirm für den eigenen Computer können<br />

Sie aber durchaus erzeugen.<br />

Die hier vorgestellte <strong>Technik</strong> funktioniert<br />

übrigens einfacher mit Notebooks. Bei einem<br />

Desktopmonitor müssen Sie zusätzlich die<br />

exakte Position und den Winkel markieren, um<br />

ihn vom Schreibtisch nehmen und für den<br />

gewünschten Effekt später wieder in exakt<br />

derselben Position aufstellen zu können. Sie<br />

können den Trick sogar mit einem Smartphone<br />

oder Tablet-Computer ausprobieren.<br />

Realitätsnähe<br />

Diese <strong>Technik</strong> kann so einfach oder so<br />

kompliziert ausgestaltet werden, wie Sie es<br />

möchten. Bewegliche Objekte einzubinden ist<br />

etwas schwieriger, weil diese unbeweglich<br />

bleiben müssen, während Sie die letzten<br />

Handgriffe in Photoshop durchführen. Sie<br />

können auch mehr als einen Bildschirm<br />

einbinden, oder einen transparenten<br />

Bildschirm innerhalb eines anderen, es gibt<br />

zahllose Möglichkeiten.<br />

Position auswählen Der hier erwünschte Effekt<br />

1sieht natürlich am interessantesten aus, wenn<br />

für den Betrachter sofort offensichtlich wird, dass der<br />

Bildschirm „transparent“ ist. Wenn sich eine weiße<br />

Wand hinter dem Bildschirm befindet, geht der Effekt<br />

natürlich verloren; stellen Sie den Computer also so<br />

auf, dass sich dahinter etwas befindet, das den Blick<br />

auf sich lenkt.<br />

Die Szene fotografieren Montieren Sie die Kamera<br />

2auf ein Stativ, stellen Sie die Zeitautomatik ein und<br />

wählen Sie Blende f/8. nun stellen Sie auf den Monitor<br />

scharf und machen eine Aufnahme mit dem Monitor<br />

im Bild und eine zweite Aufnahme, bei der der Monitor<br />

ausgeschaltet oder entfernt wurde. Lassen Sie die<br />

Kamera nun in exakt in derselben Position, denn so<br />

werden Sie sie später erneut brauchen.<br />

Bildschirm auswählen Laden Sie beide Bilder in Photoshop. Bei dem Bild<br />

3mit eingeschaltetem Monitor an Ort und Stelle klicken Sie auf Auswahl ><br />

Alles auswählen, bei dem Bild mit ausgeschaltetem Monitor klicken Sie auf<br />

Bearbeiten > Einfügen. Wählen Sie das Polygon-Lasso-Werkzeug und wählen<br />

Sie in dem Bild, das den eingeschalteten Monitor zeigt, den Bildschirmbereich<br />

aus.<br />

Neues Dokument erzeugen Nun klicken Sie auf das Augesymbol in der<br />

4Ebenenpalette, um die Bildschirmebene zu verbergen. Wählen Sie das Bild<br />

mit dem ausgeschalteten Monitor und klicken auf Bearbeiten > Kopieren, dann<br />

auf Datei > Neu und anschließend auf OK, ohne einen der Parameter zu<br />

verändern. In diesem neuen Dokument klicken Sie auf Bearbeiten > Einfügen.<br />

056 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


5 Minuten Photoshop<br />

Das fertige Bild<br />

Erzeugen Sie das endgültige Bild mit<br />

dem neuen Desktop-Hintergrund –<br />

fertig ist Ihr futuristisch<br />

„transparenter“ Hightech-Bildschirm.<br />

Bild verzerren Ihre Bildschirmauswahl wird kaum exakt rechteckig sein.<br />

5Deswegen klicken Sie jetzt auf Bearbeiten > Transformieren > Verzerren<br />

und mit den Ankerpunkten formen Sie das Bild so, dass es genau in das<br />

Dokument passt. Wenn Sie fertig sind, klicken Sie auf Datei > Speichern unter,<br />

wählen als Speicherformat JPEG und speichern das Bild.<br />

Neuen Hintergrund einsetzen Nun machen Sie das soeben gespeicherte<br />

6Bild zu Ihrem Desktophintergrund. Wenn Sie Windows 8 verwenden,<br />

rechtsklicken Sie auf den Desktop, wählen Anpassen und klicken auf Desktop-<br />

Hintergrund, anschließend auf Durchsuchen, dann auf Desktop und danach auf<br />

OK. Nun setzen Sie einen Haken links oben neben das Bild und klicken auf<br />

Änderungen speichern. Fertig. Auf einem Mac klicken Sie auf die Bilddatei und<br />

wählen Als Desktop-Hintergrund festlegen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 057


Fotoidee<br />

Porträts im Regen<br />

Porträts<br />

im Regen<br />

Ein plötzlicher Regenschauer während einer Portrait-<br />

Session unter freiem Himmel kann ein Glücksfall sein,<br />

denn er bietet Ihnen die Chance für eine ganz besondere<br />

Aufnahmetechnik – ein Blitzgerät sollten Sie allerdings<br />

dabei haben.<br />

Jordan Butters: Portraitfotografie ist für viele Kollegen ein Thema, mit<br />

dem Sie sich nur bei gutem Wetter oder im Studio befassen. Angesichts<br />

der Tatsache, dass das Klima in diesem Land so ist, wie es ist, entstehen<br />

deshalb die meisten Porträts als Innenaufnahmen. Wenn Sie jedoch<br />

lernen, bei der Portraitfotografie auch mit Regen und Schnee umzugehen,<br />

können Sie unter nahezu allen Wetterbedingungen fotografieren und die funkelnden<br />

Regentropfen oder Schneeflocken als natürlichen Hintergrund einsetzen.<br />

Wenn Sie großes Glück haben und kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor<br />

Sonnenuntergang ein Regenschauer genau dort niedergeht, wo Sie sich gerade<br />

befinden, liefert Ihnen die Sonne natürliches Hintergrundlicht. Die Chancen dafür<br />

sind jedoch gering, also werden Sie auf ein Blitzgerät zurückgreifen müssen.<br />

Aufgrund ihrer Transparenz wirken Regentropfen und Schneeflocken am besten,<br />

wenn sie seitlich oder von hinten angestrahlt werden; dann kann das Licht sich darin<br />

brechen und schafft zusätzliche, besondere Beleuchtungseffekte. <strong>Fotografie</strong>ren Sie<br />

also im Regen mit Blitzgerät, versuchen Sie diese <strong>Technik</strong> aber möglichst im Schutz<br />

eines Regenschirms oder eines Vordachs, der teuren Ausrüstung zuliebe – außerdem<br />

sind vom Regen durchnässte Modelle nicht unbedingt in bester Fotolaune. Sie<br />

können diese Aufnahmetechnik aber auch nutzen, wenn es nicht regnet: Ein<br />

Gartenschlauch mit genügend Wasserdruck in der richtigen Position tut es auch.


Fotoidee<br />

Porträts im Regen<br />

Setup der Beleuchtung<br />

Indirekte Beleuchtung<br />

(Elektronenblitzgerät 2,5 m<br />

entfernt, volle Leistung)<br />

1<br />

Regen<br />

Modell im Hauseingang<br />

Durch den<br />

Schirm<br />

fotografieren<br />

Hauptlicht<br />

(Elektronenblitzgerät<br />

60-90 cm entfernt bei 1/32<br />

Leistung)<br />

Kamera: 1/60 Sekunde<br />

bei Blende f/8 und<br />

ISO 100<br />

SETUP: Da sich jeweils ein Blitzgerät hinter und vor dem Modell befindet,<br />

sollten sich beide nicht gegenseitig beeinflussen. Ich habe einen Hauseingang<br />

gewählt, um Modell und Kameraausrüstung vor Nässe zu schützen, trotzdem<br />

führte der Regen zum gewünschten Effekt. Natürlich können Sie dieses Setup<br />

auch im Regen vornehmen, sofern ein anderer Regenschutz vorhanden ist.<br />

2 3<br />

1 Spritzwasserschutz<br />

Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme<br />

ist der Schutz Ihrer Kameraausrüstung.<br />

Wickeln Sie die Blitzgeräte und<br />

Zubehör wie Fernauslöser und<br />

Belichtungsmesser, die dem Regen<br />

ausgesetzt werden, in wasserdichten<br />

Klarsichtbeuteln unter. Wenn Sie selbst<br />

im Regen stehen, brauchen Sie einen<br />

speziellen Regenschutz für Kamera und<br />

Objektiv, oder bitten einen Assistenten,<br />

einen Regenschirm für Sie zu halten.<br />

Auswahl des Hauptlichts Das<br />

2Hauptlicht ist das Blitzgerät, mit<br />

dem Sie Ihr Modell anleuchten. Sie<br />

können dazu den in der Kamera<br />

eingebauten Blitz verwenden.<br />

Besseres Licht bekommen Sie jedoch<br />

mit einem separaten Blitzgerät, das Sie<br />

auch abseits der Kamera positionieren<br />

können. Ich wählte in diesem Fall ein<br />

unabhängiges Blitzgerät und blitzte<br />

durch einen weißen Leuchtschirm, der<br />

links von der Kamera stand.<br />

Einstellen der Belichtung<br />

3Wählen Sie den manuellen<br />

Modus, die maximale<br />

Blitzsynchronisationszeit der Kamera<br />

und eine mittlere Blende von etwa f/8,<br />

um optimale Schärfe zu erhalten und<br />

im Hintergrund ein attraktives Bokeh<br />

zu erzeugen. Messen Sie mit einem<br />

Belichtungsmesser das Licht auf dem<br />

Modell und stellen Sie die Blitzleistung<br />

entsprechend ein. Natürlich können<br />

Sie sich auch an einer Probeaufnahme<br />

orientieren.<br />

Setup der indirekten<br />

4Beleuchtung Stellen Sie ein<br />

wassergeschütztes Blitzgerät 3–5 m<br />

hinter Ihrem Modell auf. Stellen Sie es<br />

auf halbe Leistung und die weiteste<br />

Zoomeinstellung. Machen Sie ein<br />

Testfoto und schauen Sie nach, wie<br />

hoch der Anteil des angestrahlten<br />

Regens ist. Falls notwendig erhöhen<br />

Sie die Blitzleistung. Nun positionieren<br />

Sie das Modell zwischen dem<br />

Hintergrundlicht und der Kamera.<br />

Die richtige Blende<br />

Die Blende hat entscheidenden Einfluss<br />

auf das vom Regen erzeugte Bokeh. Falls<br />

Sie die Blende erst nach der ersten<br />

Belichtungsmessung einstellen, nehmen<br />

Sie eine weitere Messung vor und stellen<br />

dann die Leistung des Hauptlichts<br />

entsprechend ein.<br />

• Blende f/2.8: Bei weit offener Blende<br />

ist das Bokeh zu ausgeprägt und die<br />

Regentropfen verschwimmen ineinander.<br />

• Blende f/5.6: Wenn Sie etwas<br />

abblenden, werden die einzelnen<br />

Regentropfen unterscheidbar.<br />

Blende f/8: Bei mittlerer Blende sind die<br />

Regentropfen immer noch gut zu<br />

erkennen, befinden sich aber trotzdem<br />

nicht im Schärfebereich.<br />

Blende f/2.8<br />

Blende f/5.6<br />

Blende f/8<br />

060 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II mit<br />

EF 24-70mm f/2.8L<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde<br />

bei f/8 und ISO 100


Fotoidee<br />

Magischer Nebel<br />

Warum ist nebliges Wetter für Fotografen so unwiderstehlich? Die Antwort ist einfach:<br />

Nebel gibt unseren Bildern etwas Rätselhaftes, Unheimliches. Bei manchen Motiven<br />

erwartet der Betrachter geradezu eine solche Stimmung.<br />

ROSS HODDINOTT: Nebel schwächt<br />

Farben und Kontraste ab, er<br />

simplifiziert die Erscheinung der<br />

Landschaft und reduziert Objekte auf<br />

Formen und Umrisse. Kein<br />

Landschaftsfotograf kann der Faszination von<br />

nebligem Wetter widerstehen – doch wie stellt<br />

man es an, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen<br />

Ort zu sein?<br />

Im Herbst und Winter ist die Wahrscheinlichkeit<br />

für Nebelbildung sicher am größten. Das bedeutet<br />

aber nicht, dass Sie während des Frühlings und<br />

Sommers kein Glück haben können. Achten Sie<br />

auf die Wettervorhersage. Es gibt unterschiedliche<br />

Arten von Dunst und Nebel; am fotogensten ist er,<br />

wenn der Boden nach klaren, ruhigen Nächten die<br />

tagsüber von der Sonne aufgenommene Wärme<br />

wieder abstrahlt. Dadurch kühlt die Luft in<br />

Bodennähe bis unter den Taupunkt ab, sodass<br />

Nebel entsteht. Dieser bleibt am Boden, wo er eine<br />

dünne weiße Schicht in Tälern und über Weiden<br />

und Feldern bildet. Beachten Sie die regionalen<br />

Wettervorhersagen auf klare, kühle Nächte, dann<br />

haben Sie gute Chancen, dort am Morgen Nebel<br />

vorzufinden, wenn Sie zeitig genug dort sind.<br />

Manche Vorhersagen erwähnen Nebelbildung<br />

ausdrücklich. Ein guter Indikator, den Sie selbst<br />

nutzen können, ist die Sichtweite. Fällt sie über<br />

Nacht von „sehr gut“ auf „gut“ oder auf nur noch<br />

„durchschnittlich“, bedeutet das gute Chancen für<br />

Nebel am nächsten Morgen.<br />

Stehen Sie früh auf und planen Sie viel Zeit ein,<br />

um die gewünschte Örtlichkeit zu erreichen. Die<br />

richtige Position zu finden ist nicht ganz leicht, da<br />

man niemals sicher sein kann, wo sich Nebel<br />

bildet oder wie dicht er wird. Grundsätzlich von<br />

Vorteil sind erhöhte Standpunkte, beispielsweise<br />

mit Blick von einem Hügel ins Tal, sodass Sie sich<br />

ggf. über den Nebelbänken befinden. Es ist auch<br />

sinnvoll, den Ort vorab zu besichtigen, um sein<br />

fotografisches Potenzial besser einzuschätzen.<br />

In der gewählten Szene sollte mindestens ein<br />

starker Fixpunkt vorhanden sein, vielleicht eine<br />

einsame Baumgruppe, ein Kirchturm oder ein<br />

anderes herausragendes Objekt. Die<br />

eindrucksvollste Nebelatmosphäre entsteht kurz<br />

vor bzw. kurz nach Sonnenuntergang. Dann ist<br />

das Licht nur schwach und die Verschlusszeiten<br />

werden entsprechend lang – ein Stativ ist also<br />

selbstverständlich erforderlich. Bringen Sie<br />

möglichst auch Objektive mit verschiedenen<br />

Brennweiten mit. Mit einem Weitwinkel sind Sie<br />

bei Nebelwetter auf der sicheren Seite, doch auch<br />

längere Brennweiten sind nützlich. Mit einem<br />

Telezoom im Bereich von 70-200 mm verkürzen<br />

Sie die Perspektive und verstärken so die<br />

Ausdruckskraft des Bildes. Außerdem können Sie<br />

mit langer Brennweite attraktive Bildelemente<br />

herauspicken – einen Baum, eine Scheune oder<br />

auch Starkstrommasten, denn selbst dieser wirkt<br />

bei dichtem Nebel attraktiv.<br />

Als Nebelmotive lohnen aber nicht nur offene<br />

Landschaften – auch in Waldgebieten werden Sie<br />

auf Ihre Kosten kommen, denn der Nebel reduziert<br />

diese Umgebungen auf einfachste Formen. So<br />

entstehen ausdrucksstarke, stimmungsvolle<br />

Aufnahmen von Bäumen, die sich im Dunst<br />

verlieren.<br />

Ziehen Sie sich frühmorgens warm genug an,<br />

auch wenn sie im Frühling oder Sommer<br />

losziehen, und versuchen Sie effizient zu arbeiten,<br />

denn Nebel löst sich oft so rasch auf, dass Sie<br />

vielleicht nur wenige Minuten optimale<br />

Bedingungen haben. Ganz wichtig ist auch ein<br />

Reinigungstuch für die Frontlinse des Objektivs,<br />

denn mit Sicherheit bildet sich Kondenswasser<br />

darauf. Zwar kann auch das interessante Effekte<br />

auf Ihre Fotos haben, aber die Feinmechanik<br />

verträgt es weniger gut.<br />

Vorausplanen Planen Sie Ihre Expedition<br />

1sorgfältig. Bevor dieses Foto entstand, hatte ich<br />

über mehrere Tage regelmäßig die lokale<br />

Wettervorhersage beobachtet, bis eine kalte, klare<br />

Nacht angekündigt wurde – bei geringer<br />

Windgeschwindigkeit die optimale Bedingung für<br />

Nebel. Auch die Sichweite sollte sich laut<br />

Wettervorhersage verschlechtern, ein weiterer<br />

positiver Indikator. Ich packte am Abend zuvor die<br />

Ausrüstung ein und legte warme Kleidung zurecht,<br />

damit es am Morgen schnell losgehen konnte.<br />

Früh aufstehen Ich entschied mich für eine<br />

2Stelle, wo eine Gruppe Nadelbäume auf einer<br />

Hügelkuppe steht, die ich vom gegenüberliegenden<br />

Hügel aus fotografieren konnte. Ich hoffte darauf, dass<br />

der Nebel das Tal dazwischen ausfüllt.<br />

Sonnenaufgang war an diesem Tag um kurz nach<br />

Sieben, also hatte ich den Wecker früh genug gestellt,<br />

um 45 Minuten vorher vor Ort zu sein: Genug Zeit,<br />

um einen guten Kamerastandpunkt zu finden, alles<br />

aufzubauen und vor den ersten Strahlen der<br />

Morgendämmerung bereit zu sein.<br />

Action Als ich ankam, hatte der erhoffte dichte<br />

3Nebel das Tal bereits gefüllt. Ich benutzte ein<br />

70-200mm Zoomobjektiv. Die lange Brennweite<br />

sollte nicht nur den Effekt des Nebels verstärken,<br />

sondern mir außerdem verschiedene Bildausschnitte<br />

ermöglichen. Mit der Kamera auf dem Stativ stellte<br />

ich per Live-View manuell auf die Baumgruppe<br />

scharf. Ich fotografierte mit Zeitautomatik und<br />

Blende f/11. Diese Einstellung führte zu<br />

15 Sekunden Verschlusszeit, doch das Bild war<br />

trotzdem zu dunkel.<br />

062 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Magischer Nebel<br />

Das fertige Bild<br />

Der Lohn des frühen Aufstehens:<br />

Diese Aufnahme einer<br />

Nebellandschaft scheint aus<br />

einer anderen Welt zu stammen.<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800 mit<br />

70-200mm f/2.8 Objektiv<br />

Belichtungsprogramm:<br />

Zeitautomatik<br />

Verschlusszeit: 30<br />

Sekunden bei Blende f/11<br />

und ISO 200<br />

Achten Sie auf die Belichtung Nebel hat die<br />

4Eigenschaft, auch ausgeklügelte<br />

Belichtungsmesssysteme auszutricksen. Das liegt<br />

daran, dass diese Systeme „annehmen“, alle Objekte<br />

seien von mittelgrauer Farbe, ausgehend von18 %<br />

Grau. Das führt dazu, dass helle Objekte wie Nebel<br />

und Schnee unterbelichtet werden.<br />

Prüfen Sie nach jeder Aufnahme das Histogramm: Ist<br />

die Grafik nach links verlagert, geben Sie positive<br />

Belichtungskorrektur hinzu. In diesem Beispiel war<br />

es eine Blendenstufe, um das Bild insgesamt<br />

aufzuhellen.<br />

Bildkomposition Mit der Bildkomposition steht<br />

5und fällt Ihr Foto. Ich versuchte eine ganze Reihe<br />

unterschiedlicher Bildkompositionen, auch mit<br />

verschiedenen Brennweiten.<br />

Mal hatte ich die Bäume rechts von der Bildmitte,<br />

manchmal zentral im Bildausschnitt. Unsere Augen<br />

sehen die Welt jedoch üblicherweise von links nach<br />

rechts. Daher beließ ich die Bäume schließlich links<br />

im Bild; dies erwies sich als die beste<br />

Bildkomposition.<br />

Wetter beobachten Nebelschwaden unterliegen<br />

6ständiger Veränderung, sie driften ins Bild hinein<br />

und hinaus und verändern ihre Dichte. Die selbe Szene<br />

kann also im Laufe einer Stunde völlig anders<br />

aussehen. Machen Sie so viele Aufnahmen wie<br />

möglich, von denen Sie später zu Hause die besten<br />

aussortieren. Sobald das Tageslicht Oberhand gewinnt,<br />

dauert es nicht mehr lange, bis der Nebel sich auflöst.<br />

Dann können Sie gemütlich Heim fahren und sich ein<br />

wohlverdientes Frühstück genehmigen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 063


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Fotoidee<br />

Badezimmer-Porträts wie im Studio<br />

Badewannenporträts<br />

Benutzen Sie Ihre Badewanne als gigantische<br />

Softbox und schießen Sie ganz besondere<br />

Porträts in natürlichem Licht.<br />

CAROLINE WILKINSON: Sie haben<br />

zu wenig Platz im Studio, um die<br />

lieben Kleinen zu fotografieren, oder<br />

sie bleiben nicht lange genug still<br />

sitzen, um eine vernünftige<br />

Aufnahme zu machen? Die Lösung dieser<br />

Probleme wird Sie überraschen. Wenn es zur<br />

Badezeit in Ihrem Haushalt feuchtfröhlich<br />

zugeht, können Sie dies zu Ihrem Vorteil<br />

ausnutzen:<br />

Die Badewanne ist ein hervorragender<br />

Schauplatz für Porträtaufnahmen, fast wie im<br />

Studio – allerdings nur, wenn Ihr Bad weiß ist,<br />

nicht pfirsichfarben oder olivgrün. Zuhause einen<br />

Ort mit sauberem, natürlichem Licht zu finden,<br />

wo harte Schatten, Farbstiche und unruhige<br />

Hintergründe nicht zum Problem werden, kann<br />

schwierig sein. Und ein Kind zu überreden, lange<br />

genug still zu sitzen, um ein engelhaftes Porträt<br />

zu fotografieren, macht die Herausforderung<br />

noch größer. Wenn die Kinder alt genug sind, um<br />

alleine sitzen zu können, hält eine weiße<br />

Badewanne sie an Ort und Stelle und fungiert<br />

zugleich als große Softbox und Reflektor. Das<br />

Licht prallt von der weißen Oberfläche ab und<br />

erzeugt eine helle, gleichmäßige Ausleuchtung<br />

mit einem sauberen, studioähnlichen<br />

Hintergrund. Wenn es in Ihrem Badezimmer<br />

wegen mattierter oder kleiner Fenster nur<br />

schwaches Tageslicht gibt, können Sie die<br />

Wände des Badezimmers nutzen, um mit<br />

reflektiertem Blitzlicht ähnliche Ergebnisse zu<br />

erzielen.<br />

Der schwierigste Teil dieser <strong>Technik</strong> ist es, dass<br />

das Kind mit der Kamera interagiert und Sie ein<br />

gutes Porträt gestalten können. Badewannen in<br />

Standardgrößen bieten wenig Spielraum; zudem<br />

kann es in einer leeren Wanne ungemütlich kalt<br />

sein. Achten Sie also darauf, dass die Heizung<br />

aufgedreht bzw. Ihr Kind angezogen ist. Die<br />

Kinder finden es wahrscheinlich komisch, dass<br />

kein Wasser im Bad ist. Wenn sie anfangen, sich<br />

darüber zu beschweren, lassen Sie etwas Wasser<br />

hineinlaufen, mit dem sie spielen können.<br />

Achten Sie jedoch darauf, dass ein zweiter<br />

Erwachsener in der Nähe ist, um Unfällen<br />

vorzubeugen, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit der<br />

Kamera zuwenden. Unternehmen Sie etwas, um<br />

die Kleinen zum Lachen zu bringen; die meisten<br />

Kinder lassen sich auch mit Schokolade locken.<br />

Auch Grimassen schneiden oder mit Spielzeug<br />

hantieren kann funktionieren, um Augenkontakt<br />

herzustellen. Vor allem müssen Sie aber darauf<br />

achten, dass die Aktion den Kindern Spaß<br />

macht, sonst werden Sie nur wenige Aufnahmen<br />

erhalten, bevor die Badezeit vorbei ist.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 065


Fotoidee<br />

Aufbau Für diese <strong>Technik</strong> brauchen Sie nur sehr wenig: Ihre Kamera, Ihr<br />

1Modell und, wenn die Lichtverhältnisse eher schwach sind, vielleicht ein<br />

Blitzgerät mit Bounce-Funktion und Schwenkkopf. Wenn der Platz sehr beengt ist,<br />

benötigen Sie ein Porträt- oder sogar Makro-Objektiv, um Elemente wie Handgriffe<br />

und Badewannenkante auszublenden. Bei dieser Aufnahme funktionierte ein 50<br />

mm f/1.8 befriedigend; mit einem längeren Objektiv, etwa einem 100 mm Makro,<br />

wäre es jedoch einfacher gewesen.<br />

Belichtung einschätzen Viel Weiß im Bild kann dazu führen, dass die<br />

2 Kamera das Bild unterbelichtet. Stellen Sie die Kamera für ein besseres<br />

Ergebnis auf Punktmessung anstatt auf Multizonen-Messung ein, denn die<br />

Belichtung berechnet sich aus dem Fokuspunkt: dem Gesicht. Verwenden Sie den<br />

Belichtungsprioritäts-Modus und wählen Sie eine große Blende von f/2.8 bis<br />

f/5.6, um das Licht zu maximieren und den Hintergrund verschwimmen zu<br />

lassen. Mit dem Single-Point-Autofokus lokalisieren Sie die Augen am nächsten<br />

zur Kamera.<br />

Winkel verändern Je nach Größe Ihres Kindes und der verwendeten<br />

3Brennweite müssen Sie Ihren Blickwinkel verändern, um unerwünschte<br />

Elemente wie Fliesen, Spielzeug oder Handgriffe auszublenden. Auch wenn dies<br />

nicht nötig ist, sollten Sie einmal ausprobieren, ganz tief zu gehen, sodass die<br />

Augen über den Badewannenrand schauen, oder ganz hoch für eine vorteilhaftere<br />

Perspektive. Wechseln Sie auch zwischen Hoch- und Querformat, um die<br />

unterschiedliche Dramatik zu testen.<br />

Aufnahmen bearbeiten Wenn das Bild gut belichtet ist, sollte außer etwas<br />

4einfacher Nachbearbeitung nicht mehr viel zu tun sein. Um den Kontrast zu<br />

<strong>verbessern</strong>, habe ich die Bildebene dupliziert („Ebene > Ebene duplizieren“) und<br />

die Füllmethode in Weiches Licht geändert. Eine kleine Anpassung der<br />

Tonwertkorrektur („Ebene > Neue Einstellungsebene > Tonwertkorrektur“), das<br />

Hinzufügen eines Hochpassfilters („Filter > Sonstige Filter > Hochpass“) mit<br />

einer Einstellung von höchstens 4 px, dann noch passend zugeschnitten – fertig.<br />

Bekannte Fehler, die Sie vermeiden können...<br />

UNGENAUE MESSUNG Wenn Ihr Hintergrund<br />

nicht strahlend Weiß sondern Grau dargestellt<br />

wird, überprüfen Sie, ob Punktmessung eingestellt<br />

ist. Wenn dies nicht ausreicht, fügen Sie eine oder<br />

zwei Stufen positive Belichtungskorrektur hinzu.<br />

Überprüfen Sie das Histogramm der Kamera, um<br />

festzustellen, ob das Bild unterbelichtet ist:<br />

Die Spitzen sollten ihren Schwerpunkt rechts im<br />

Histogramm haben.<br />

UNEXAKTES SCHARFSTELLEN Eine flache<br />

Tiefenschärfe zu verwenden, bedeutet, dass Ihr<br />

Fokus punktgenau sitzen muss. Da ein Multipunkt-<br />

Fokus sich immer an dem Objekt orientiert, das der<br />

Kamera am nächsten ist, was bei<br />

Porträtaufnahmen meist die Nase ist, sollten Sie<br />

einen einzelnen Autofokuspunkt auf das der<br />

Kamera am nächsten gelegene Auge legen, um<br />

beste Ergebnisse zu erzielen. Wenn beide Augen<br />

fokussiert sein sollen, brauchen Sie wenigstens<br />

f/5.6 für eine ausreichende Tiefenschärfe.<br />

ZU WENIG LICHT Wenn Sie mit weit geöffneter<br />

Blende fotografieren und Ihren ISO-Wert so hoch<br />

einstellen, wie die Rauschkontrolle der Kamera es<br />

Ihnen erlaubt, wird Ihre Verschlusszeit nicht<br />

schnell genug sein, um Bewegung einzufrieren<br />

oder die Badewanne ausreichend auszuleuchten.<br />

In dem Fall brauchen Sie ein Blitzlichtgerät.<br />

Verwenden Sie ganz einfach die TTL-Messung für<br />

einen Füllblitz und drehen Sie den Kopf, sodass<br />

das Licht von der weißen Decke oder den Seiten<br />

des Badezimmers zurückgeworfen wird.<br />

066 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Badezimmer-Porträts wie im Studio<br />

BILDDETAILS<br />

Ausrüstung: Nikon D800<br />

mit 50mm f/1.8 Objektiv<br />

Betriebsart:<br />

Blendenautomatik<br />

Belichtung: 1/60 Sekunde<br />

bei Blende f/4.5<br />

und ISO 200<br />

Das fertige Bild<br />

Hätten Sie gedacht, dass Ihre<br />

Badewanne zum „Baby-Studio“<br />

umfunktioniert werden kann?<br />

Das Bad ist ein guter Ort, um<br />

natürliches Softbox-Licht für<br />

Porträts zu erzeugen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 067


WINTERLANDSCHAFTEN<br />

Der Winter gehört zu den schönsten Zeiten des Jahres, was die Reichhaltigkeit der<br />

jahreszeitlichen Motive betrifft. Landschaftsfotograf Marc Adamus verrät uns seine besten<br />

Tipps und Tricks für faszinierende Fotos, die nur möglich sind, wenn es richtig kalt ist …<br />

Himmel<br />

Wenn Sie gegen einen<br />

teilweise bewölkten Himmel<br />

fotografieren, sollten Sie<br />

einen Graufilter in Betracht<br />

ziehen. Hier wurde ein 1.8<br />

ND-Filter verwendet und die<br />

Verschlusszeit auf<br />

74 Sekunden verlängert,<br />

um die Bewegung der<br />

Wolken einzufangen.<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800E mit<br />

NIKKOR 14-24mm<br />

Betriebsart: B<br />

Belichtung: 74 Sekunden<br />

bei Blende f/14<br />

und ISO 320<br />

Scharfstellen<br />

Berechnen Sie die hyperfokale<br />

Entfernung, um maximale<br />

Schärfentiefe zu erreichen,<br />

oder machen Sie zwei<br />

Aufnahmen, eine mit Fokus auf<br />

dem Berg, eine andere mit<br />

Fokus auf dem Vordergrund.<br />

Später montieren Sie beide<br />

Bilder zusammen.<br />

Bildkomposition<br />

Eis gibt immer einen<br />

interessanten Vordergrund<br />

ab, weil es das Licht<br />

gebrochen reflektiert und<br />

einen natürlichen Glanz<br />

ausstrahlt. Die Gruppen der<br />

Eisstücke dienen als<br />

Führungslinie zum<br />

Hintergrund.


Nachbearbeitung<br />

Winterszenen sind aus<br />

offensichtlichen Gründen<br />

eher arm an Farben. Ein<br />

leichter Blaustich kann den<br />

Eindruck der Kälte einer<br />

Szene unterstreichen.<br />

Bildausschnitt<br />

Wählen Sie den Ausschnitt<br />

möglichst so, dass auch an<br />

den Rändern interessante<br />

Objekte im Bild sind. Hier sind<br />

es die gebrochenen, sich<br />

überlagernden Eisplatten,<br />

welche den Berg mit dem<br />

Himmel im oberen Bildteil<br />

einrahmen.


Fotoidee<br />

Abstrakte Eismuster<br />

Gefrorene Pfützen weisen oft interessante Eismuster auf, die sich als Fotomotive eignen. Nehmen Sie Ihre<br />

Kamera – und ziehen Sie sich warm an!<br />

ROSS HODDINOTT: Kaltes<br />

Winterwetter kann sich besonders<br />

produktiv auswirken, wenn Sie in der<br />

Natur nach fotogenen Mustern<br />

suchen. Wasser gefriert zu dicken<br />

Eisschichten in bizarren Formen. Von November<br />

bis Dezember können wir mit Frostperioden<br />

rechnen. Überall in der Natur gibt es abstrakt<br />

aussehende Eismuster voller Details mit<br />

strukturierten Oberflächen – Sie müssen Sie nur<br />

erkennen.<br />

Bei Frost verwandeln sich die Oberflächen von<br />

Pfützen, Teichen, Seen und Kanälen in Eisflächen,<br />

während sich an den Sturzkanten von<br />

Wasserfällen fotogene Eiszapfen bilden. Nach ein<br />

paar Tagen mit schwerem Frost werden die sich<br />

überlappenden Schichten dicken Eises<br />

außergewöhnliche Muster kreieren. Suchen Sie<br />

nach eingeschlossenen Luftblasen, nach Linien<br />

und Wirbeln an der Oberfläche, die sie optisch<br />

isolieren können, um starke, engagierte<br />

Bildkompositionen zu erzeugen. Kieselsteine,<br />

Laub oder eine im Eis eingeschlossene Feder<br />

machen solche Motive noch attraktiver und geben<br />

ihnen einen Fixpunkt. Es lohnt sich, nach solchen<br />

Details zu suchen.<br />

Die meisten im Eis verborgenen Motive sind nur<br />

bei genauem Hinsehen aus kurzer Entfernung<br />

erkennbar, und sie wirken abstrakt. Sie zu finden<br />

ist oft die größte Herausforderung.<br />

Was die Wahl des Objektivs angeht, sind Sie mit<br />

einem Makroobjektiv am besten bedient,<br />

idealerweise eins im Bereich von 100 mm, denn<br />

das bietet Ihnen eine komfortable<br />

Arbeitsentfernung. Falls Ihnen ein solches<br />

Makroobjektiv nicht zur Verfügung steht, tut es<br />

auch ein Telezoom, denn Sie brauchen nicht<br />

immer eine starke Vergrößerung, wenn Sie<br />

Eismuster fotografieren. Ein Kamerastandpunkt<br />

senkrecht über dem identifizierten Motiv ergibt die<br />

besten Ergebnisse, wenn die Bildebene exakt<br />

parallel zu Eisoberfläche ausgerichtet ist. Dadurch<br />

erhalten Sie maximale Schärfentiefe. Helles,<br />

direktes Sonnenlicht kann die feinen Details<br />

verschlucken, warten Sie also auf bedeckten<br />

Himmel, an dem das Licht weniger kontraststark<br />

ist oder benutzen Sie einen Diffusor. Auf jeden Fall<br />

ist ein Stativ unentbehrlich. Seien Sie allerdings<br />

vorsichtig bei dessen Aufbau und auch, wohin Sie<br />

treten, denn wenn Sie das Eis durchbrechen, ist<br />

ihr Motiv verdorben. Sollte es einmal nicht kalt<br />

genug zur Eisbildung im Freien sein, schaffen Sie<br />

sich einfach ihre eigene Eisfläche, indem Sie eine<br />

flache Schüssel 6-8 cm tief mit Wasser füllen und<br />

diese ins Eisfach stellen.<br />

0 EV<br />

Setup Suchen Sie nach Eismustern in gefrorenen<br />

1 Teichen und Pfützen. Benutzen Sie ein Stativ und<br />

positionieren Sie die Kamera senkrecht über einem<br />

Motiv, wobei Sie darauf achten, das Eis nicht zu<br />

zerbrechen. Ein bedeckter Himmel liefert das beste<br />

Licht. Bei sonnigem Wetter können Sie ihren eigenen<br />

Schatten auf das Motiv fallen lassen, um kälteres,<br />

kontrastärmeres Licht zu erzeugen. Bei größeren<br />

Eisflächen bleiben Sie zur Sicherheit am Rand, es sei<br />

denn, die Eisfläche ist offiziell zum Betreten<br />

freigegeben.<br />

Einstellungen Da die Eisoberfläche flach ist,<br />

2 brauchen Sie keine große Schärfentiefe, solange<br />

Sie die Bildebene der Kamera parallel zur Oberfläche<br />

ausrichten. Schalten Sie deswegen auf Zeitautomatik<br />

und stellen Blende f/8 oder f/11 ein. In diesem Bereich<br />

ist jedes Objektiv am leistungsfähigsten und liefert<br />

gestochen scharfe Fotos ohne Verzerrungen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie mit geringer ISO Empfindlichkeit und<br />

lassen Sie die Kamera die korrespondierende<br />

Verschlusszeit wählen. Der Autofokus sollte<br />

funktionieren, doch ich persönlich ziehe es vor, mithilfe<br />

von Live-View manuell scharfzustellen.<br />

+1 EV<br />

Belichtung überprüfen Wenn Sie Eis, Schnee<br />

3oder andere sehr helle Objekte fotografieren,<br />

müssen Sie darauf achten, dass das<br />

Belichtungsprogramm der Kamera ihr Motiv nicht<br />

unterbelichtet. Wegen der überdurchschnittlich<br />

starken Helligkeit der Motive tendiert jede Kamera<br />

dazu. Überprüfen Sie deswegen regelmäßig das<br />

Histogramm auf Lücken an der rechten Seite der<br />

Grafik. Falls erforderlich, kompensieren Sie die<br />

Fehlbelichtung mit der Belichtungskorrekturtaste. In<br />

diesem Fall musste ich +1EV zu geben, nicht<br />

ungewöhnlich bei dieser Art Motiv.<br />

Bildkomposition Da Eismuster sehr abstrakt<br />

4 sind, gibt es kaum eine generelle Empfehlung,<br />

wie man sie richtig oder falsch fotografiert. Suchen<br />

Sie nach interessanten Details, eingeschlossenen<br />

Luftblasen, sich überschneidenden Linien, Umrissen<br />

und Kurven. Versuchen Sie diese zu isolieren, gezielt<br />

hervorzuheben und so zu arrangieren, dass sie eine<br />

ästhetisch ansprechende Bildkomposition ergeben.<br />

Kreativität und ein Auge für Details sind die Schlüssel<br />

zu diesen Motiven.<br />

Sie werden merken, dass sich die Bildkomposition<br />

im Laufe mehrerer Aufnahmen entwickelt, da Sie<br />

ständig kleine Verbesserungen finden.<br />

Nachbearbeitung Solche Fotos profitieren oft von<br />

5minimalen Korrekturen in der Nachbearbeitung.<br />

Ein winziger Blaustich kann den Eindruck der Kälte<br />

verstärken. Anstatt eine technisch „korrekte“<br />

Farbtemperatur zu wählen, ist es oft besser, eine<br />

Kältevoreinstellung zu anzuwenden, etwa im Bereich<br />

von 4500-5000 Kelvin. Das können Sie schon vor der<br />

Aufnahme mit dem Weißabgleich der Kamera<br />

einstellen. Noch mehr Möglichkeiten haben Sie, wenn<br />

Sie im Raw-Format aufnehmen und den Weißabgleich<br />

erst in der Nachbearbeitung einstellen. Dabei können<br />

Sie auch die Kontraste verstärken, indem Sie die<br />

Tonwerte oder Gradationskurven ändern, damit Muster<br />

und Oberflächen detailreicher werden.<br />

072 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Abstrakte Eismuster<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800 mit<br />

150mm Makroobjektiv<br />

Betriebsart: Zeitautomatik<br />

Belichtung: 5 Sekunden bei<br />

Blende f/11<br />

und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 073


Fotoidee<br />

Farbverlaufsfilter<br />

Steuern Sie die Farbverläufe in Photoshop, indem Sie einen<br />

Farbverlaufsfilter nutzen, der langweilige Himmel stimmungsvoll einfärbt.<br />

JORDAN BUTTERS: Eigentlich<br />

sollten Landschaftsfotografen ein<br />

ganzes Sortiment von Verlaufsfiltern<br />

dabei haben, um in jeder Lage einen<br />

gewünschten Effekt erzeugen zu<br />

können. Die Realität sieht anders aus, doch zum<br />

Glück gibt es einige Photoshop-Effekte, um die<br />

unterschiedlichen Filter zu simulieren.<br />

Farbverläufe eignen sich gut, um die Farben am<br />

Himmel zu betonen, den Charakter und die<br />

Stimmung eines Bildes vollständig zu verändern,<br />

oder um ganz andere Tageszeiten zu simulieren.<br />

Original<br />

Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Filtern<br />

Sie könnten zum Beispiel versuchen, Ihrem Bild mehr als einen Farbfilter hinzuzufügen. Dazu Duplizieren<br />

Sie die Verlaufsebene, indem Sie sie in der Ebenenpalette auswählen. Anschließend gehen Sie auf „Ebene<br />

> Ebene duplizieren“ und ändern die Verlaufsfarbe, wie in Schritt 3 bis 5 beschrieben. Bringen Sie die<br />

Verläufe in verschiedenen Winkeln an, um unterschiedliche Effekte zu bekommen. Dazu benutzen Sie die<br />

Winkeldrehscheibe im Verlaufsflächen-Menü.<br />

Filter für wärmeren Farbton<br />

Filter für kälteren Farbton<br />

Grünfilter<br />

Multiple Filter<br />

Verlauf hinzufügen Bevor Sie beginnen, drücken<br />

1Sie die Taste D auf Ihrer Tastatur, um die<br />

Farbpalette auf ihre Standardwerte zurückzusetzen.<br />

Klicken Sie danach auf Ebene > Neue Füllebene ><br />

Verlauf > OK.<br />

Verlauf anpassen Setzen Sie in dem Dialogfeld<br />

2ein Häkchen in das Kontrollfeld Umkehren und<br />

klicken Sie auf OK. In der Ebenenpalette ändern Sie<br />

die Füllmethode der Verlaufsebene auf<br />

Multiplizieren.<br />

Verlaufseditor öffnen Doppelklicken Sie auf das<br />

3Miniaturbild in der Ebenenpalette, um erneut<br />

das Verlaufsfilter-Menü zu öffnen. Dann klicken Sie<br />

auf die Miniatur um die Verlaufseditor-Palette zu<br />

öffnen.<br />

072 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Fünf Minuten Photoshop<br />

Das fertige Bild<br />

Filter zuhause vergessen? Keine<br />

Sorge: Mit Photoshop Filtern<br />

können Sie trotzdem einen<br />

solchen Sonnenuntergang<br />

gestalten.<br />

Farbe ändern Klicken Sie in die untere linke<br />

4Ecke des Verlaufs. Dann klicken Sie auf die<br />

Farb-Miniatur um das Farbauswahl-Fenster zu<br />

öffnen. Wählen Sie eine Farbe – ich nahm Pink, um<br />

Dämmerung zu simulieren – und klicken Sie OK.<br />

Deckkraft ändern Die beiden Farbstufen über<br />

5der Verlaufsskala steuern die Deckkraft des<br />

Verlaufs. Bringen Sie die Weiß-Verlaufsstufe in die<br />

obere rechte Ecke, um Tiefe und Stärke des Verlaufs<br />

anzupassen. Klicken Sie auf OK.<br />

Fotofilter hinzufügen Fügen Sie nun eine<br />

6weitere Korrekturebene hinzu und wählen Sie<br />

Foto Filter. Wählen Sie einen der wärmeren Filter<br />

und klicken Sie auf OK – das verleiht dem gesamten<br />

Bild einen wärmeren Ton, der zu den Farben der<br />

Dämmerung passt.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 073


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

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Fotoidee<br />

Kreative Porträts mit Blitzfolien<br />

Kreative Porträts mit Blitzfolien<br />

Mit Blitzfolien gestalten Sie Hintergründe und positionieren einzelne Farbtupfer, mit denen Sie Porträts<br />

attraktiver gestalten.<br />

JORDAN BUTTERS: Bei Tageslicht wirken<br />

Porträtfotos heiter, freundlich und natürlich.<br />

Sobald die Sonne untergegangen ist, kommt<br />

Blitzlicht ins Spiel, um dieselbe Stimmung zu<br />

erzeugen. Nun sind Sie auch unabhängig von<br />

natürlichen Lichtverhältnissen, können die Richtung und<br />

Intensität des Lichts besser steuern und den geringsten<br />

ISO-Wert und mittlere Blenden verwenden, um optimale<br />

Bildqualität zu garantieren. Doch der Blitz dient nicht nur zur<br />

Beleuchtung eines Modells. Sie können mit ihm auch sehr<br />

kreative Effekte erzeugen, indem Sie ihn auf die Umgebung<br />

richten.<br />

Mithilfe von Blitzfolien können Sie zudem Beleuchtungen<br />

erzielen, die mit natürlichem Tageslicht nicht möglich ist. Für<br />

den Fall, dass Blitzfolien neu für Sie sind: es handelt sich um<br />

halbtransparente Plastikfolien, die vor dem Blitzkopf<br />

angebracht werden, wodurch der Blitz die Farbe der Folie<br />

annimmt und die angeleuchteten Objekte entsprechend<br />

einfärbt. Diese Folien kosten kein Vermögen, Sie können<br />

sogar stattdessen buntes Bonbon-Papier verwenden, das Sie<br />

mit Gummiringen am Blitzkopf befestigen. Sie brauchen aber<br />

wenigstens ein von der Kamera entkoppeltes Blitzgerät –<br />

besser sind zwei oder drei – das Sie per Fernsteuerung<br />

auslösen. Das kann per Kabel, durch einen Master-Blitz oder<br />

über Funk geschehen. Zwei oder drei Blitzgeräte gleichzeitig<br />

einzusetzen ist nicht besonders kompliziert; Ihr eigentliches<br />

Motiv wird nur von einem Blitz beleuchtet.<br />

Natürlich können Sie mehrere Blitzgeräte mit den<br />

verrücktesten Farben im Hintergrund verwenden, doch wenn<br />

die Beleuchtung Ihres Modells nicht stimmt, erreichen Sie<br />

damit wenig. Erst wenn die korrekte Beleuchtung für das<br />

Modell eingestellt ist, gehen Sie daran, die verschiedenen<br />

Blitzfarben anzuwenden, eine nach der anderen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 075


Fotoidee<br />

Setup des Hauptlichts Das Hauptlicht beleuchtet ihr Modell, dazu können<br />

1Sie den in der Kamera eingebauten Blitz verwenden. Bessere Ergebnisse<br />

erzielen Sie fast immer durch ein entkoppeltes Blitzgerät mit einer kleinen Softbox<br />

rechts von der Kamera.<br />

Belichtung Wählen Sie die manuelle Betriebsart, einen kleinen ISO Wert, die<br />

2maximale Blitzsynchronisationszeit der Kamera und eine mittlere Blende wie<br />

f/8. Machen Sie ein Testfoto, um die angemessene Blitzleistung zu finden. In<br />

diesem Beispiel war es ¼ der vollen Blitzleistung. Das Foto ist nicht schlecht,<br />

doch der Hintergrund ist dunkel und langweilig.<br />

076 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Kreative Porträts mit Blitzfolien<br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Nikon D800 mit 85mm<br />

f/1.4 Objektiv<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde<br />

bei Blende f/8<br />

und ISO 100<br />

Das fertige Bild<br />

Weil die Blitzgeräte nacheinander<br />

hinzugefügt werden, ist der Aufbau<br />

unkompliziert. Hier haben wir ein<br />

sehr schönes Portrait mit kreativer<br />

Beleuchtung durch farbige<br />

Blitzfolien.<br />

W and<br />

W and<br />

Blitzgerät mit<br />

roter F olie<br />

(10 m entfernt mit<br />

voller Leistung)<br />

Blitzgerät mit<br />

grü ner F olie<br />

(5 m entfernt mit<br />

halber Leistung)<br />

Kleine<br />

Softbox<br />

Kamera: 1/160<br />

Sekunde bei Blende<br />

f/8 und ISO 100<br />

Säule<br />

Säule<br />

Hauptlicht<br />

(Blitzgerät<br />

90 cm entfernt<br />

mit 1/4<br />

Leistung)<br />

TTL oder Manuell?<br />

Je nach verwendeten Blitzgeräten und deren<br />

Auslösemechanismus haben Sie die Möglichkeit, die<br />

Belichtung mit einer Messung durch das Objektiv<br />

festzulegen (TTL = engl. Through The Lens). Das<br />

bedeutet, dass Kamera und Blitzgeräte die Szene<br />

messen und die beste Blitzleistung für eine<br />

gleichmäßige Belichtung festlegen.<br />

Der Vorteil ist, dass diese Messmethode schnell und<br />

einfach durchzuführen ist. Der Nachteil ist, dass das<br />

System die Lichtverhältnisse vielleicht anders<br />

interpretiert als gewünscht. So mag zwar die richtige<br />

Lichtmenge erzeugt werden, das Ergebnis kann<br />

jedoch Ihrer Gestaltung zuwiderlaufen.<br />

Manuelle Belichtungsmessung hingegen erfordert<br />

auch die separate Einstellung der Blitzleistung jedes<br />

einzelnen Blitzgeräts. So dauert es wesentlich länger,<br />

bis die gewünschte Beleuchtung erzeugt wird;<br />

machen Sie daher besser nach jeder Änderung ein<br />

Testfoto. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass<br />

Sie schneller lernen, welche Änderungen welche<br />

Effekte erzeugen.<br />

Farbe ins Spiel Nun beleuchtet ein zweites Blitzgerät den Hintergrund. Es ist<br />

3mit einer grünen Folie versehen und leuchtet die Säule auf der rechten Seite<br />

an. Da das Blitzgerät gut fünf Meter hinter dem Modell steht, ist es auf halbe<br />

Blitzleistung eingestellt. Machen Sie ein zweites Testfoto.<br />

Zweite Farbe Das zweite Blitzgerät mit roter Blitzfolie ist auf die etwa zehn<br />

4Meter entfernt liegende Wand gerichtet. Diese Entfernung erfordert die volle<br />

Blitzleistung. Sollte die Farbe zu intensiv werden, positionieren Sie das Blitzgerät<br />

in noch größerer Entfernung.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 077


Fotoidee<br />

Retro-Refraktionen<br />

Haben Sie 15 Minuten Zeit? Dann nehmen Sie ein Glas Wasser, zwei Bögen Karton<br />

und Ihr Blitzgerät – mehr braucht es nicht für dieses attraktive Stillleben.<br />

CAROLINE WILKINSON:<br />

Suchen Sie nach einem einfachen<br />

Stillleben für einen Regennachmittag,<br />

das Sie als Teil Ihres 365-Fotos-Projekts<br />

bearbeiten möchten? Wir haben genau<br />

das Richtige für Sie. Es gibt Dutzende von<br />

Möglichkeiten, Lichtbrechung in Ihrem Bild zu<br />

nutzen – von Wassertröpfchen auf Blumen bis hin zu<br />

Landschaften, die durch ein Glas fotografiert werden.<br />

Die folgende dürfte eine der plakativsten und<br />

zugleich einfachsten sein.<br />

Die Ausleuchtung von Gläsern bedarf einer gewissen<br />

Sorgfalt und <strong>Technik</strong>, um Reflektionen aus der<br />

Umgebung so gering wie möglich zu halten – dann<br />

entsteht eine einfache Aufnahme, die viel Spielraum<br />

für Kreativität bietet. Anstelle einer<br />

Schwarzweißaufnahme können Sie den Hintergrund<br />

mit lebhaften Farben aufpeppen – oder Sie gehen<br />

einen Schritt weiter und verwenden mehrere gefüllte<br />

Gläser. Ein besonders eindrucksvolles Stillleben<br />

entsteht, wenn Sie drei Weingläser anstelle von<br />

einem verwenden. Füllen Sie die beiden Gläser im<br />

Hintergrund mit Rotwein und Weißwein und stellen<br />

Sie das wassergefüllte Glas in die Mitte davor. Wenn<br />

Sie keinen Wein verschwenden möchten (mancher<br />

würde das als Alkoholmissbrauch empfinden),<br />

erzielen Sie den gleichen Effekt mit Fruchtsaft und<br />

Pflanzenöl. Oder Sie füllen drei Gläser mit Wasser,<br />

das Sie mit Lebensmittelfarbe färben, und gestalten<br />

damit Ihren Hintergrund. Wählen Sie stets eine<br />

ungerade Anzahl an Gläsern – zum Beispiel drei im<br />

Hintergrund und zwei wassergefüllte vorne –, das<br />

ergibt eine ästhetischere Bildkomposition. Außerdem<br />

sollten Sie darauf achten, klare Gläser mit glatten<br />

Oberflächen zu verwenden, damit das Licht<br />

ungehindert durchscheinen kann. Strukturierte oder<br />

getönte Gläser stören die Lichtbrechung und<br />

verursachen unkontrollierbare Reflexe.<br />

Und wie funktioniert nun das Ganze? Wenn Sie ein<br />

Glas mit Wasser füllen, werden Lichtwellen, die in<br />

einem anderen Winkel als 90 Grad oder 0 Grad auf<br />

das Glas treffen, abgelenkt. Diese Lichtstrahlen<br />

brechen (beugen) und erzeugen dadurch den<br />

Lichteffekt. Sie müssen die physikalischen<br />

Hintergründe aber nicht völlig verstehen, um gute<br />

Fotos zu machen…<br />

AUFBAU<br />

Stellen Sie Ihre Kamera in den manuellen Modus – ich<br />

habe hier eine Nikon D800 mit NIKKOR 50 mm f/1.8<br />

verwendet, ein Kit-Objektiv tut es aber auch. Wenn Sie<br />

einen Studioblitz verwenden, stellen Sie die<br />

Verschlussgeschwindigkeit auf die Blitzsynchronzeit der<br />

Kamera (hier bei 1/250 Sekunden) und eine niedrige<br />

ISO-Zahl ein. Achten Sie darauf, dass die Gläser ganz<br />

sauber sind, um den Nachbearbeitungsaufwand zu<br />

reduzieren: Die Kamera nimmt jeden Fleck und<br />

Wassertropfen auf, der möglicherweise das Bild ruiniert,<br />

wenn er nicht sorgfältig in Photoshop entfernt wird.<br />

Wenn Sie die Belichtung eingestellt haben, wählen<br />

Sie eine Blende, die genügend Tiefenschärfe schafft.<br />

Der Hintergrund sollte nicht im Fokus sein, der Rand<br />

des Glases und die Trennlinie aber gestochen scharf.<br />

Passen Sie die Lichtstärke an, um eine korrekte<br />

Belichtung zu erhalten. Möglicherweise fällt es Ihnen<br />

leichter, manuell auf das Glas zu fokussieren oder<br />

den Single-Point Autofokus auf die Linie zu richten,<br />

die durch das Glas verläuft.<br />

Fertigstellung in Photoshop<br />

Flecken entfernen Auch bei sorgfältig<br />

1polierten Gläsern kann es sein, dass Sie das<br />

Bild nachbearbeiten müssen. Zoomen Sie mit den<br />

Tasten „Strg+=“ („Cmd+=“ auf Mac) auf 100 bis<br />

200 % in das Bild und verwenden Sie ggf. das<br />

Reparatur-Pinsel- oder Kopierstempel-Werkzeug,<br />

um Staubflecken, Schmutz oder Wassertropfen zu<br />

entfernen. Klicken Sie auf „Alt“, um einen<br />

Bildbereich als Muster auszuwählen und klicken<br />

oder pinseln Sie dann auf den Fleck, den Sie<br />

entfernen möchten.<br />

BELEUCHTUNG EINRICHTEN<br />

Der schwierigste Teil dieser <strong>Technik</strong> besteht<br />

darin, das Glas so zu beleuchten, dass es keine<br />

Reflexionen gibt und nichts von dem<br />

gebrochenen Element ablenkt.<br />

Hintergrundbeleuchtung ist oft der einfachste<br />

Weg, und ein Lichtzelt sorgt für gleichmäßige<br />

Streuung. Wenn Sie ein Lichtzelt verwenden,<br />

genügt ein Studioblitz aus 45 Grad von hinten,<br />

möglichst nah am hellsten Teil der Karte<br />

platziert. Wenn die hellste Farbe – in diesem Fall<br />

Weiß – am weitesten vom Licht entfernt ist,<br />

besteht die Gefahr, dass es abfällt und die Ecken<br />

verdunkelt. Bei einem dunklen Hintergrund fällt<br />

das aber nicht so auf.<br />

Kontrast einstellen Um die Wirkung des<br />

2Bildes zu erhöhen, versuchen Sie, die<br />

Farbbrillanz und die Kontraste zu verstärken. Dazu<br />

gehen Sie auf „Ebene > neue Einstellungsebene<br />

> Tonwerte“. In der Tonwertkorrektur können Sie<br />

die Schieberegler manuell anpassen oder das<br />

weiße Pipette-Werkzeug verwenden und damit in<br />

den hellsten Teil Ihres Bildes klicken. Alternativ<br />

können Sie auch die Bildebene in der<br />

Ebenenpalette duplizieren und die Füllmethode in<br />

Weiches Licht ändern.<br />

Bekannte Fehler, die vermeidbar sind...<br />

Alternativer Aufbau<br />

UNTERBROCHENE LINIEN<br />

Ein Teil des Erfolgs dieser<br />

Aufnahme hängt von der Linie im<br />

Hintergrund ab, die mit der<br />

Trennlinie durch das Glas<br />

abschließt. Experimentieren Sie mit<br />

den Positionen von Glas und<br />

Kamera, um die Linien exakt<br />

auszurichten.<br />

FEHLENDE TIEFENSCHÄRFE<br />

Um zu verhindern, dass die<br />

Papierstruktur sichtbar wird und<br />

stattdessen den Rand und die Linie<br />

des Glases im Fokus zu haben, ist<br />

die Tiefenschärfe der Schlüssel zum<br />

Erfolg. Je kürzer die Entfernungen<br />

zwischen Hintergrund und Glas und<br />

zwischen Glas und Kamera sind,<br />

umso kleiner muss Ihre Blende sein.<br />

REFLEXIONEN IM GLAS<br />

Nur zu leicht erscheinen<br />

unansehnliche Reflexionen, wenn<br />

die Lichtquelle nicht diffus genug ist<br />

oder sich zu weit vor dem Motiv<br />

befindet. Versuchen Sie das Licht<br />

weiter hinter das Glas zu setzen,<br />

nutzen Sie eine Softbox und schalten<br />

Sie alle anderen Lichtquellen aus.<br />

Wenn Sie kein Lichtzelt haben,<br />

können Sie diese <strong>Technik</strong> mit einem<br />

Tisch und zwei Studioblitzen oder<br />

Blitzgeräten mit Softboxen<br />

versuchen. Positionieren Sie diese auf<br />

jeder Seite in einem 45 Grad Winkel<br />

hinter dem Glas; so reduzieren Sie<br />

störende Reflexionen. Entfernen Sie<br />

alle reflektierenden Gegenstände aus<br />

der Umgebung, schließen Sie die<br />

Vorhänge und schalten Sie unnötige<br />

Lichtquellen aus, um Spiegelungen<br />

zu vermeiden; auch schwarze Tücher<br />

können hilfreich sein.<br />

078 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Glas-Refraktionen<br />

Das fertige Bild<br />

Ein passender Zuschnitt<br />

schneidet den Fuß des<br />

Glases ab, und Sie<br />

erhalten ein attraktives<br />

Monochrom-Stillleben.<br />

BILDDETAILS<br />

Ausrüstung: Nikon D800<br />

mit 50 mm f/1.8 Objektiv<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde<br />

bei Blende f/14<br />

und ISO 200200<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 079


Fotoidee<br />

Blumen gießen …<br />

Erfrischende Regentropfen, warme indirekte Beleuchtung und ein bunter<br />

Blumenstrauß ergeben ein interessantes Stillleben.<br />

DANIEL LEZANO: Für attraktive<br />

Blumenarrangements.müssen Sie nicht<br />

unbedingt weit fahren Mit dem Frühling<br />

erwachen die Gärten der Nachbarschaft<br />

zu neuem Leben und füllen sich mit<br />

Blüten, die nur darauf warten, fotografiert zu werden.<br />

Sie können es aber auch so machen wie ich und<br />

fahren schnell zum örtlichen Blumenladen, um einen<br />

oder zwei frische Sträuße zu erstehen.<br />

Es gibt viele Möglichkeiten, Blumen im Bild<br />

festzuhalten; für unsere Methode müssen Sie noch<br />

ein wenig selbstgemachten Regen hinzufügen. Sie<br />

denken wahrscheinlich: „Warum eigenen Regen<br />

machen, wenn es sowieso ständig regnet?“ Doch<br />

ironischerweise ist die beste Zeit für diese regnerische<br />

Stilllebenaufnahme, wenn es trocken ist, sodass Sie<br />

den „Regeneffekt“ kontrollieren können, ohne nass zu<br />

werden.<br />

Damit die <strong>Technik</strong> funktioniert, müssen Sie den Regen<br />

von hinten ausleuchten. Das <strong>Fotografie</strong>ren bei niedrig<br />

stehender Sonne bietet eine gute Möglichkeit, das<br />

Wasser in der Luft abzulichten. Da Ihre Blumen von<br />

hinten beleuchtet werden, müssen Sie mögliche<br />

Schatten entweder mithilfe eines Reflektors oder eines<br />

Aufhellblitzes außerhalb der Kamera aufhellen. Als<br />

ideale Alternative für bewölkte Tage können schattige<br />

Bereiche oder unser Kunstregen mithilfe separater<br />

Blitzgeräte beleuchtet werden. Dies simuliert<br />

natürlichen Frühlingsregen im Gegenlicht, aber bei<br />

voller Kontrolle über die Stärke und Richtung von<br />

Regen und Licht.<br />

Den Regen können Sie auf unterschiedliche Arten<br />

erzeugen. Mit einer Blumendusche für Pflanzen<br />

können Sie die Richtung des Wassers bestimmen,<br />

aber die Tröpfchen sind sehr fein und die Streifen<br />

somit äußerst subtil. Aus einer Gießkanne mit einer<br />

Tülle mit feinen Löchern hingegen ergießt sich eher<br />

ein konstanter Strahl als einzelne Tropfen, was<br />

schwierig werden kann, da das Gewicht des Wassers<br />

die Blumen möglicherweise bewegt. Ich habe mich<br />

für einen Gartenschlauch mit einem Gießaufsatz<br />

entschieden, der mir ermöglichte, zu wählen, wie viel<br />

Wasser austreten und wie groß die Tropfen sein<br />

sollten. Damit der Regen so natürlich wie möglich<br />

aussieht, habe ich den Strahl zum Himmel gerichtet,<br />

sodass die Tropfen von oben auf die Blumen fallen.<br />

Probieren Sie außerdem den Schlauch etwas<br />

abzusenken, sodass der Regen in einem leichten<br />

Winkel auf die Blumen fällt. Das ergibt ebenfalls einen<br />

hübschen Effekt.<br />

Bekannte Probleme bei zu starker Blitzleistung<br />

AUFBAU Wenn Sie die Kamera auf das Stativ<br />

gestellt und die Blumen in die richtige Position gebracht<br />

haben, bauen Sie Ihr Bild auf und fokussieren Sie auf<br />

Ihr Motiv. Sobald das Objektiv fokussiert hat, schalten<br />

Sie auf MF (manueller Fokus). So fokussiert das<br />

Objektiv zwischen den einzelnen Aufnahmen nicht<br />

erneut. Es bleibt Ihnen überlassen, welche<br />

Belichtungsart Sie wählen. Ich habe mich für die<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl entschieden. Dazu<br />

habe ich eine große Blende ausgewählt und den<br />

ISO-Wert so eingestellt, dass die Belichtungszeit<br />

verlängert oder verkürzt wurde, um so unterschiedliche<br />

Stufen der Verschwommenheit für den Regen zu<br />

erzielen. Wie sich herausstellte, funktioniert eine<br />

Belichtungszeit zwischen 1/15 und 1/60 Sekunden<br />

sehr gut, weil so die Bewegung mit einer angenehmen<br />

Menge an Verschwommenheit eingefangen wird. Diese<br />

Werte variieren natürlich in Abhängigkeit von der<br />

Geschwindigkeit, mit der das Wasser fällt und den<br />

Lichtverhältnissen beim <strong>Fotografie</strong>ren. Probieren Sie<br />

also ein wenig herum und schauen Sie sich die<br />

Ergebnisse auf dem LCD-Display an.<br />

Die Position Ihres Blitzgerätes ist wichtig, da es den<br />

fallenden Regen ausleuchten soll. Machen Sie eine<br />

Reihe von Probeaufnahmen, bei denen Sie die Position<br />

des Blitzgerätes immer wieder verändern, bis Sie den<br />

idealen Standort gefunden haben. Achten Sie darauf,<br />

dass der Blitzkopf geneigt ist, damit er den Regen<br />

ausleuchten kann. Denken Sie außerdem daran, dass<br />

der Blitz nicht zu nah an den Blumen positioniert sein<br />

sollte, da er ansonsten die Blüten ausleuchtet. Halten<br />

Sie einen Schild (wie zum Beispiel ein Stück Kunststoff)<br />

zwischen den Blitz und die Blumen, um das Licht von<br />

diesen fernzuhalten.<br />

Stellen Sie Ihren Blitz auf manuellen Modus und halbe<br />

Kraft ein, machen Sie eine Probeaufnahme und<br />

kontrollieren Sie diese auf Ihrem LCD-Display.<br />

Verstärken Sie die Blitzkraft oder schwächen Sie sie ab,<br />

bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.<br />

Denken Sie immer daran, Ihre Ausrüstung vor Wasser<br />

zu schützen, um Beschädigungen zu vermeiden.<br />

Simulieren Sie Regen auf Blumen<br />

Vorschläge zur Ausrüstung<br />

OBJEKTIV: Um bei Nässe<br />

Objektivwechsel zu<br />

vermeiden, verwenden Sie<br />

ein Tele-Zoomobjektiv, z. B.<br />

ein 55–200 mm oder ein<br />

70–300 mm.<br />

BLITZGERÄT: Verwenden<br />

Sie ein Modell mit<br />

manueller Einstellung. Die<br />

meisten Geräte verfügen<br />

über diese Funktion. Da Sie<br />

das Gerät kameraunabhängig einsetzen<br />

wollen, müssen Sie es mit einem<br />

kabelgebundenen oder einem kabellosen<br />

Auslöser an die Kamera anschließen. Wir<br />

haben ein Blitz- und Auslöser-Set von<br />

Yongnuo verwendet, das für unter 120 Euro<br />

erhältlich ist. Wir werden nächsten Monat in<br />

<strong>Fotografie</strong> für das kleine Budget mehr darüber<br />

berichten.<br />

STATIV MIT STATIVKOPF:<br />

Lange Verschlusszeiten<br />

erfordern einen stabilen<br />

Untergrund. Für ein<br />

anständiges Stativ mit<br />

Stativkopf sollten Sie schon mindestens 120<br />

Euro anlegen. Das Giotto MTL 9261B<br />

zusammen mit dem MH 5001, ebenfalls von<br />

Giotto, ist eine gute Kombination.<br />

REINIGUNGSTUCH: Mit<br />

einem Mikrofasertuch zur<br />

Objektivreinigung können<br />

Sie eventuell auftretenden<br />

Tröpfchen abwischen. Sie<br />

sollten es immer griffbereit haben.<br />

REGENSCHUTZ: Riskieren<br />

Sie nicht, dass Ihre<br />

Ausrüstung nass wird.<br />

Investieren Sie lieber in einen<br />

Regenschutz für Ihre Kamera<br />

und Ihr Objektiv. Der Regenschutz Op Tech<br />

Rainsleeve ist ideal und kostet nur 7,49 Euro!<br />

GRAUFILTER: Bei<br />

sonnigem Wetter sollten Sie<br />

einen Graufilter verwenden,<br />

um die Belichtungszeiten zu<br />

verlängern. Die Firmen Hoya,<br />

Cokin, Kood und Tiffen bieten alle eine gute<br />

Auswahl an Filtern.<br />

Wenn die Blitzleistung zu stark ist<br />

oder wenn der Blitz sich zu nah an<br />

den Blumen befindet, kann er die<br />

Blüten ausbleichen. In diesem Falle<br />

sollten Sie die Position und / oder die<br />

Leistung des Blitzgerätes verändern.<br />

ZU KURZE VERSCHLUSSZEIT<br />

Wenn der Regen mitten in der Luft<br />

eingefroren wird oder die Streifen zu<br />

kurz sind, haben Sie eine zu kurze<br />

Verschlusszeit eingestellt und<br />

müssen diese verlängern.<br />

WASSERDRUCK ZU STARK<br />

Wenn der Wasserdruck zu stark<br />

eingestellt ist, kann das dazu führen,<br />

dass sich die Blumen bewegen oder<br />

dass das Wasser von den Blüten<br />

spritzt. Drehen Sie den Wasserhahn<br />

etwas zu!<br />

WO IST DAS WASSER?<br />

Wenn der Hahn nicht weit genug<br />

aufgedreht oder der Blitz nicht<br />

korrekt positioniert ist, kann es sein,<br />

dass man das Wasser auf dem Foto<br />

nicht sieht. Passen Sie einen oder<br />

beide Parameter an und versuchen<br />

Sie es nochmal!<br />

080 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


BILDDETAILS<br />

Ausrüstung: Canon EOS<br />

550D mit EF 70 – 200<br />

mm f/4L USM<br />

Betriebsart: Zeitautomatik<br />

Belichtung: 1/15 Sekunde<br />

bei Blende f/6.7<br />

und ISO 100<br />

Das fertige Bild<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie Blumen<br />

keinesfalls bei starkem Regen.<br />

Erzeugen Sie lieber künstliche<br />

Schauer, wenn es trocken ist.<br />

Damit behalten Sie volle<br />

Kontrolle, das Risiko für Ihre<br />

Ausrüstung ist wesentlich<br />

geringer, und Sie erhalten<br />

trotzdem großartige Bilder!<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 081


Expertenkritik<br />

DIE MEINUNG UNSERER EXPERTEN HILFT, IHRE BILDER ZU VERBESSERN MACHEN<br />

TREFFEN SIE<br />

UNSER<br />

EXPERTEN-<br />

TEAM<br />

REDAKTEUR<br />

DANIEL LEZANO<br />

Daniel ist seit vielen<br />

Jahren regelmäßig<br />

Jurymitglied bei<br />

nationalen Foto-<br />

Wettbewerben<br />

NATUR &<br />

LANDSCHAFTEN<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Ross hat sich als<br />

Profifotograf und Autor<br />

auf Nahaufnahmen,<br />

und Landschaften<br />

und Tiere spezialisiert<br />

LANDSCHAFTEN<br />

LEE FROST<br />

Lee ist seit<br />

vielen Jahren<br />

professioneller<br />

Fotograf &<br />

Journalist für<br />

Fotozeitschriften<br />

PHOTOSHOP<br />

CAROLINE<br />

WILKINSON<br />

Caroline ist eine<br />

erfahrene Fotografin<br />

und Photoshop-<br />

Expertin<br />

Wenn Sie eine ehrliche und konstruktive Meinung zu Ihren Bildern hören möchten, schicken Sie eine Auswahl<br />

an unsere Expertenkritik. Sie sollten bis zu 25 Bildern auf einer CD/DVD einsenden und einen A4 Kontaktabzug<br />

mit <strong>Vorschau</strong>bildern hinzufügen. Legen Sie einen frankierten und adressierten Rückumschlag bei, wenn Sie Ihre<br />

Einsendung gerne zurück haben möchten. Jeder Leser, dessen Bild wir veröffentlichen, erhält ein fantastisches<br />

Paket im Wert von 75 Euro, bestehend aus einer Kameratasche Union Photo Messenger von Acme Made und<br />

einem Joby 3 Way Kameragurt. Weitere Informationen finden Sie unter www.acmemade.de und www.joby.com<br />

CRUMMOCK WATER<br />

Von Peter Wilson<br />

Kamera: Nikon D300s<br />

Objektiv: NIKKOR 17-55mm f/2.8<br />

Belichtung: 1/40 Sekunde bei f/22 (ISO 100)<br />

PETER SAGT: „Diese Aufnahme<br />

entstand nach einem heftigen<br />

Regenguss. Ich sah, wie die Sonne<br />

begann, die Wolken aufzubrechen,<br />

und hatte nicht viel Zeit für dieses<br />

Foto, während die Wolken vor der Sonne<br />

waren. Für die Bearbeitung des Bildes<br />

verwendete ich Photomatrix Pro und<br />

Photoshop CS4.“<br />

LEE FROST: Als ich dieses Bild gesehen habe,<br />

wusste ich sofort, dass es sich um Englands<br />

Lake District handelt. Die Gegend hat einfach<br />

einen unverwechselbaren Charakter – die<br />

moosbewachsenen Mauern aus trockenen<br />

Steinen und die steinigen Felsen – man erkennt<br />

es einfach sofort.<br />

Ich mag die Atmosphäre dieser Aufnahme – die<br />

weichen Farben, der windgekämmte Himmel<br />

und der Sonnenstrahl, der hindurchbricht. Von<br />

der Komposition her keine schlechte<br />

Aufnahme. Die Mauer führt das Auge in das<br />

Bild hinein bis zu dem Lichtfl eck am Himmel.<br />

Im Großen und Ganzen sehr ausgewogen.<br />

Nicht so gut gefällt mir die Straße auf der linken<br />

Seite, da die Landschaft dadurch weniger<br />

natürlich erscheint (natürlich wurde auch die<br />

Mauer von Menschenhand gebaut, aber sie<br />

fügt sich einfach besser in die Landschaft). Ich<br />

frage mich, warum Peter es notwendig fand,<br />

das Bild mit HDR zu bearbeiten, es erhält<br />

dadurch eine etwas unrealistische Stimmung.<br />

Ich kann nicht nachvollziehen, warum er das<br />

Bild nicht normal bearbeiten und dabei Farben<br />

und dramatische Stimmung beibehalten<br />

konnte. <strong>Technik</strong>en wie HDR sollten sehr<br />

sorgfältig und nur bei den richtigen Motiven<br />

eingesetzt werden. Ich fi nde nicht, dass die<br />

klassische Landschaftsfotografi e das nötig hat.<br />

Ein paar Reinigungsarbeiten wären ebenfalls<br />

erforderlich gewesen – sogar ohne<br />

Vergrößerung sehe ich zahlreiche Flecken auf<br />

den Bildern, die auf Sensorstaub<br />

zurückzuführen sind. Mit dem Kopierstempeloder<br />

Reparaturpinsel-Werkzeug sind diese<br />

ganz einfach zu entfernen. Gleiches gilt für die<br />

hellen Flecken auf dem Hügel über dem Punkt,<br />

wo sich Mauer und Straße kreuzen.<br />

Urteil: Eine tolle Landschaft, aber die<br />

Anwendung von HDR war vielleicht unnötig.<br />

ROSS HODDINOTT: Nichts ist schlimmer als<br />

sich an der falschen Position zu befi nden,<br />

wenn die Sonne plötzlich durch die Wolken<br />

bricht und perfekte Bedingungen schafft. Ich<br />

bin mir sicher, dass Peter gerne näher am<br />

Wasser gewesen wäre, aber manchmal muss<br />

man einfach mit dem zurecht kommen, was<br />

man hat. Leider funktioniert diese Aufnahme<br />

für mich nicht wirklich. Die Mauer ist mir etwas<br />

zu dominant und anstatt wie beabsichtigt das<br />

Auge in die Aufnahme hineinzuführen, werde<br />

ich ständig zum Vordergrund zurückgeleitet.<br />

Der Himmel ist fantastisch, aber um die Sonne<br />

herum ist es etwas fransig. Außerdem sieht<br />

man ein paar störende Flecken. Das Auftreten<br />

von Feuchtigkeit und Schmutz auf dem<br />

Objektiv wird durch die kleine Blende noch<br />

überspitzt. Und schließlich gefällt mir der<br />

erweiterte dynamische Bereich nicht<br />

besonders – zu künstlich für meinen<br />

Geschmack. Ich mag, wie das Licht auf die<br />

Hügel fällt und ich frage mich, ob es sich<br />

hierbei um eine der Situationen handelt, wo ein<br />

Teleobjektiv besser geeignet wäre als ein<br />

Weitwinkel?<br />

Urteil: Tolles Licht und Verhältnisse, aber<br />

das Gleichgewicht stimmt nicht ganz, und mir<br />

persönlich gefällt der HDR-Effekt nicht so<br />

sehr.<br />

Kurzkritik<br />

1) Dramatischer Himmel<br />

Peter hat gute Arbeit geleistet, indem er die<br />

fantastischen Verhältnisse vor seinen Augen<br />

erkannte. Der Anblick der Sonne, die durch<br />

die düsteren Regenwolken bricht, ist der Stoff,<br />

aus dem traumhafte Landschaftsaufnahmen<br />

gemacht sind!<br />

2) Staub und Schmutz<br />

Man kann eine ganze Reihe von Flecken aus<br />

Sensorstaub und Schmutz oder Feuchtigkeit<br />

auf dem Objektiv erkennen. Hätte Peter die<br />

Oberfläche seines Objektivs vor der Aufnahme<br />

überprüft und etwas mehr Zeit zur<br />

Bildbearbeitung geopfert, hätte das Bild viel<br />

sauberer werden können.<br />

3) High Dynamic Range<br />

Beide Experten stimmen darin überein, dass<br />

HDR, auch wenn es dafür sinnvolle<br />

Einsatzgebiete gibt, nur mit Zurückhaltung<br />

und bei der richtigen Art von Bildern<br />

verwendet werden sollte. Der Effekt hätte<br />

realistischer gewirkt, wenn die Einstellungen<br />

etwas sanfter dosiert wären.<br />

1<br />

3<br />

2<br />

082 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


LISCANNOR COAST<br />

Von Derek O' Brien<br />

Kamera: Nikon D3000<br />

Objektiv: Nikkor DX 18-55mm f/3.5-5.6G VR<br />

Belichtung: 26,8 Sekunden bei f/10 (ISO 100)<br />

DEREK SAGT: „Diese lange Belichtung<br />

entstand in der Dämmerstunde, kurz vor<br />

Einbruch der Dunkelheit an der Küste<br />

von Liscannor, in der Nähe von Lehinch<br />

in Clare. Die Flut kam gerade herein und<br />

arbeitete sich die Schlucht hinauf.“<br />

LEE FROST: Da ich am Meer wohne, bin ich schon<br />

von Natur aus ein großer Fan der Küstenfotografi e.<br />

Diese Aufnahmen mit langer Belichtungszeit bei<br />

Dämmerlicht sind ganz mein Geschmack.<br />

Derek wählte für seine Aufnahme genau den<br />

richtigen Zeitpunkt – die Sonne war gerade<br />

untergegangen und das Licht sehr indirekt. Die<br />

Kühle des fehlenden Lichts, noch verstärkt durch<br />

die Wolken, gibt dem Bild einen geheimnisvollen<br />

Blaustich. Die Milchigkeit des Wassers, die durch<br />

eine Belichtungszeit von fast einer halben Minute<br />

entstand, steht in gutem Kontrast zur Festigkeit und<br />

Dunkelheit der Felsen. Vom gestalterischen<br />

Gesichtspunkt aus passt das Hochformat perfekt<br />

zur Szene, da es die enge Schlucht betont. Die<br />

Kante der größeren Felsenplatte auf der linken Seite<br />

erzeugt eine perfekte Führungslinie, die das Auge<br />

auf einem Zickzack-Kurs durch die Szene führt.<br />

Das einzige, was dieser Aufnahme wirklich fehlt, ist<br />

ein Fixpunkt. Ein Leuchtturm am Horizont wäre das<br />

perfekte i-Tüpfelchen gewesen. Natürlich<br />

akzeptiere ich, wenn es keinen Leuchtturm oder<br />

etwas anderes am Horizont gab, aber so bleibt man<br />

etwas in der Schwebe – das Auge folgt der Kante<br />

des Felsens, aber es gibt keinen Zielpunkt, um die<br />

Gestaltung befriedigend abzuschließen. Der<br />

Ordnung halber hätte ich auch den Zuschnitt etwas<br />

enger gewählt, um die Felskante in der linken<br />

unteren Ecke loszuwerden.<br />

Urteil: Stimmungsvoll, gut gestaltet und gut<br />

belichtet – aber es fehlt ein Fixpunkt.<br />

ROSS HODDINOTT: Ich liebe lange<br />

Belichtungszeiten und milchiges Wasser! Es mag<br />

ein Klischee sein, ja, aber ich mag einfach den<br />

Effekt. Ich fi nde das Bild sehr schön. Der<br />

Blickwinkel ist toll, die senkrechte Gestaltung passt<br />

perfekt zur Landschaft, und die Felsspalte führt das<br />

Auge gut durch das Bild. Ich fi nde auch, dass Derek<br />

die Proportionen von Himmel zu Vordergrund<br />

genau richtig gewählt hat. Mein einziger Vorschlag<br />

wäre, das Bild etwas aufzuhellen und ihm ein<br />

wenig mehr Kontrast zu geben – im Moment ist es<br />

für mein Auge etwas zu dunkel und fl ach.<br />

Außerdem hätte ich die Komposition ganz leicht<br />

nach rechts verschoben, um der Kurve des Felsens<br />

in der rechten unteren Ecke mehr Platz<br />

einzuräumen. So wie es jetzt aussieht hat Derek<br />

den Felsen ein wenig zu abrupt für meinen<br />

Geschmack beschnitten. Aber ansonsten ist diese<br />

Aufnahme sehr stark – ich mag den kühlen blauen<br />

Farbton und das atmosphärische Gefühl dieses<br />

Bildes.<br />

Urteil: Ein schönes Bild voller Atmosphäre.<br />

Persönlich hätte ich das Bild jedoch etwas<br />

aufgehellt und ihm etwas mehr Kontrast gegeben.<br />

„Ich liebe lange Belichtungszeiten und milchiges Wasser!<br />

Es mag ein Klischee sein, ja, aber ich mag einfach den<br />

Effekt.“ ROSS HODDINOTT<br />

<strong>Digitale</strong> Dunkelkammer<br />

NEUGESTALTUNG DURCH ZUSCHNEIDEN<br />

Es ist erstaunlich, welchen Unterschied eine schnelle Änderung<br />

der Bildkomposition machen kann. Die Schlucht fungiert als<br />

fantastische Führungslinie, aber sie wird durch den krummen<br />

Felsen in der unteren Ecke beeinträchtigt. Wir können zwar in der<br />

Nachbearbeitung nicht auszoomen, um die Kurve der Felsen, wie<br />

von Ross vorgeschlagen, einzubeziehen, aber wir können mit dem<br />

Freistellungswerkzeug zuschneiden und den kurvigen Felsen aus<br />

dem Bild verbannen. Um das Freistellungswerkzeug in Photoshop<br />

zu verwenden, wählen Sie es einfach in der Werkzeugleiste, klicken<br />

und ziehen, um das gesamte Bild auszuwählen. Lassen Sie die<br />

Maus los und klicken Sie auf den Ankerpunkt in einer Ecke. Um<br />

das Seitenverhältnis beizubehalten, halten Sie die Umschalttaste<br />

gedrückt, während Sie den Ankerpunkt bewegen. Sobald der<br />

neue Ausschnitt ausgewählt ist, drücken Sie die Eingabetaste oder<br />

klicken auf das Häkchen in der oberen Menüleiste, um den neuen<br />

Ausschnitt zu bestätigen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 083


Expertenkritik<br />

So machen Sie bessere Bilder<br />

FLUGSHOW<br />

Von Mike Phillips<br />

Kamera: Sony Alpha 65<br />

Objektiv: Sony 70-300mm f/4.5-5.6 G SSM<br />

Belichtungszeit: 1/400 Sekunde bei f/10 (ISO 100)<br />

MIKE SAGT: „Dieses Foto habe ich<br />

während der Flugshow in Old<br />

Buckingham aufgenommen, als ich<br />

zum ersten Mal mit meiner Sony<br />

A65 unterwegs war. Ich habe einen<br />

Kameraschwenk gemacht, als die Flugzeuge in<br />

der Luft waren und eine ganze Reihe<br />

unterschiedlicher Belichtungszeiten ausprobiert,<br />

um die Bewegung der Motive einzufangen, aber<br />

gleichzeitig das Bild scharf zu halten.“<br />

LEE FROST: Bei tollen Actionfotos sieht es<br />

immer aus, als wären sie ganz einfach<br />

aufzunehmen. Dank Autofokus ist es<br />

heutzutage einfacher als früher. Akkurate<br />

Fokussierung ist aber nur ein Aspekt der<br />

erfolgreichen Sport- und Actionfotografi e<br />

– auch das Timing ist von großer Bedeutung.<br />

Wenn man bedenkt, dass dies Mikes erster<br />

großer Ausfl ug mit seiner neuen Kamera war,<br />

muss man sagen, dass er seine Sache<br />

hervorragend gemacht hat. Das vordere<br />

Flugzeug ist rasiermesserscharf und das Bild<br />

von solcher Klarheit, dass man sogar die<br />

Piloten in den Cockpits erkennen kann, die<br />

beide in die Kamera schauen. Der<br />

wolkenlose, blaue Himmel bietet natürlich<br />

den perfekten Hintergrund, und Mike hat<br />

genau die richtige Belichtungszeit gewählt,<br />

um die Propellerbewegung dynamisch<br />

abzubilden – ohne die leichte Unschärfe<br />

würden die Flugzeuge scheinbar still stehen.<br />

Schade nur, dass sich die beiden nicht<br />

stärker voneinander abheben. Wären beide<br />

komplett zu sehen, wäre dies nicht nur ein<br />

gutes, sondern ein fantastisches Foto. Doch<br />

wenn Piloten so dicht nebeneinander fl iegen,<br />

kann man nicht viel mehr tun als<br />

zuzuschauen und zu hoffen, dass sie sich<br />

während des Vorbeifl ugs voneinander<br />

trennen. Mike hat ganz zwar gut aufgepasst,<br />

aber diese Möglichkeit hat sich nicht<br />

ergeben. Wenn er eine größere Blende<br />

gewählt hätte, um die Tiefenschärfe zu<br />

reduzieren, wäre das hintere Flugzeug etwas<br />

weniger scharf zu erkennen gewesen – doch<br />

bei der Brennweite, mit der Mike fotografi ert<br />

hat, wäre dieser Unterschied wohl kaum zu<br />

erkennen.<br />

Urteil: Schade, dass die Flugzeuge<br />

einander überlappen, ansonsten ein gut<br />

eingefangenes Action-Foto.<br />

DANIEL LEZANO: Ich habe keine große<br />

Erfahrung mit dem Fotografi eren von<br />

Flugzeugen, aber wann immer ich<br />

Flugshows besuche, bemühe ich mich, diese<br />

schwierige Kunst zu meistern. Das fällt mir<br />

nicht leicht und deswegen kann ich<br />

nachvollziehen, welchen technischen<br />

Herausforderungen Mike sich gestellt hat.<br />

Die Belichtung hat er perfekt hinbekommen.<br />

Bei einem solch weiten, blauen Himmel<br />

besteht durchaus das Risiko einer<br />

Unterbelichtung. Auch die Belichtungszeit<br />

hat er hervorragend gewählt, sodass die<br />

Propeller verschwommen aber erkennbar<br />

abgebildet wurden. Bei einer zu kurzen<br />

Belichtungszeit würden die Propeller<br />

eingefroren und bei einer zu langen wären sie<br />

so verschwommen, dass man sie nicht mehr<br />

erkennen könnte. Auch die Fokussierung ist<br />

exzellent. Die Flugzeuge sind beide scharf<br />

abgebildet. Nicht so gut bei diesem Foto ist<br />

das Timing, da die Spitfi re zum Teil vom<br />

vorderen Flugzeug verdeckt wird. Wenn die<br />

Flugzeuge in enger Formation fl iegen, ist<br />

dieses Risiko natürlich immer vorhanden.<br />

Hätte Mike ein wenig gewartet, hätte sich der<br />

Winkel vielleicht so geändert, dass beide<br />

Flugzeuge ganz im Bild sind, doch das kann<br />

man nicht genau wissen.<br />

Urteil: Exzellente <strong>Technik</strong>. Leider ruiniert<br />

die Tatsache, dass die Flugzeuge einander<br />

überlappen, das Potenzial zu einem<br />

großartigen Bild.<br />

Kurzkritik<br />

1) Verschlusszeit<br />

Mikes Wahl der Verschlusszeit hat<br />

genau ins Schwarze getroffen. Lange<br />

genug, um die verschwommene<br />

Bewegung der Propeller einzufangen,<br />

aber trotzdem kurz genug, um die<br />

Flugzeuge scharf abzubilden und eine<br />

Trennung der einzelnen Propellerblätter<br />

zu erhalten. Toll gemacht!<br />

2) Bildausschnitt<br />

Mike hat die Flugzeuge gemäß der<br />

Drittelregel positioniert und den<br />

Flugzeugen negativen Raum gelassen,<br />

in den sie fl iegen können.<br />

3) Alternativer Blickwinkel<br />

Das Bild hätte durch eine stärkere<br />

Trennung der beiden Flugzeuge<br />

verbessert werden können. Tatsächlich<br />

aber lag dies ganz offensichtlich<br />

außerhalb von Mikes Kontrolle. In<br />

solchen Fällen kann man nur immer<br />

weiter fotografi eren und das Beste<br />

hoffen.<br />

3<br />

1<br />

„Man kann die Piloten in den<br />

Cockpits ganz deutlich<br />

erkennen. Beide blicken in die<br />

Kamera.“ LEE FROST<br />

2<br />

084 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


HARLOW CARR<br />

Von Stefan Schiefer<br />

Kamera: Nikon D3100<br />

Objektiv: NIKKOR DX 18-55mm f/3.5-5.6G<br />

Belichtungszeit: 1/1250 Sek bei f/4.5 (ISO 200)<br />

STEFAN SAGT: „Dieses Foto habe<br />

ich in Harlow Carr aufgenommen.<br />

Mir gefielen die Farben so gut und<br />

ich liebe es, wie der rote<br />

Orchesterpavillon die Hecke<br />

überragt.“<br />

LEE FROST: Kreative Experimente machen einen<br />

wichtigen Teil der Entwicklung eines Fotografen<br />

aus – etwas Neues ausprobieren, die Regeln<br />

brechen, bekannte Objekte und Szenen aus einem<br />

neuen Blickwinkel betrachten. Wenn das zu<br />

einem erfolgreichen Foto führt, ist das eine tolle<br />

Sache, und wenn nicht, braucht es niemand zu<br />

wissen! Stefan hat ganz offensichtlich ein wenig<br />

experimentiert, als er dieses Foto gemacht und<br />

sich dafür entschieden hat, so tief nach unten zu<br />

gehen, dass er die Blumen vor dem Abhang<br />

fotografieren konnte und dabei eine so große<br />

Blende verwendet hat, dass alles, außer den<br />

nächstgelegenen Blüten aus dem Fokus ist.<br />

Funktioniert es? Da bin ich mir nicht so ganz<br />

sicher. Auch wenn er den roten Orchesterpavillon<br />

absichtlich mit in den Bildausschnitt genommen<br />

hat, empfinde ich ihn doch als störend, weil er das<br />

Auge von den Blumen ablenkt. Auch nehmen die<br />

Blüten nicht genügend Raum im Bild ein. Sie sind<br />

ins untere Drittel gedrängt, und die Blüten im<br />

Fokus befinden sich in einer Ecke. Aber was noch<br />

wichtiger ist, die nicht fokussierten Blüten sind<br />

nicht unscharf genug. Das macht die grüne Hecke<br />

zu einem Störfaktor, und es ist nicht offensichtlich,<br />

welche Blumen scharf sind und welche nicht.<br />

Alles in allem herrscht ein gewisses<br />

Durcheinander. Das Foto ist weder eine<br />

Weitwinkelaufnahme eines Gartens, noch ein<br />

kreatives Porträt von ein paar Blumen. Da die<br />

Blumen das interessanteste Element in diesem<br />

Bild darstellen, hätte ich mich wahrscheinlich auf<br />

sie konzentriert, wäre näher herangegangen und<br />

hätte von tiefer unten fotografiert, sodass ich sie<br />

vor dem blauen Himmel abgebildet hätte, und<br />

nicht vor der Hecke.<br />

Urteil: Viel Farbe und ein interessanter<br />

Blickwinkel, aber insgesamt eine verwirrende<br />

Bildkomposition.<br />

ROSS HODDINOTT: Welcher Fotograf kann<br />

schon solch bunten Blumen widerstehen? Es<br />

überrascht mich nicht, dass Stefan nach seiner<br />

Kamera gegriffen hat. Mir gefällt auch die Idee, die<br />

hinter diesem Foto steckt: Ein niedriger<br />

Blickwinkel, flache Tiefenschärfe und jede Menge<br />

Farben. Das könnte eine tolle Kombination sein,<br />

aber für meinen Geschmack finden sich in diesem<br />

Foto zu viel Hecke und Hintergrund und nicht<br />

genug Farben und Blumen. Die Blumen füllen nur<br />

ein Drittel des Raumes im Bildausschnitt. Eine<br />

solch gewagte Bildkomposition kann in der<br />

richtigen Situation einen tollen Effekt hervorrufen,<br />

aber für meine Begriffe funktioniert dies hier nicht.<br />

Wenn der Hintergrund der Blüten einfacher<br />

gewählt oder stärker verschwommen wäre, so wie<br />

zum Beispiel einfach nur ein blauer Himmel, hätte<br />

Stefans Ansatz möglicherweise gut funktioniert.<br />

So jedoch wirkt die Hecke zu dominant, und der<br />

rote Orchesterpavillon, der darüber hinausragt, ist<br />

für meinen Geschmack einfach nur störend. Ich<br />

glaube, dass ein noch niedrigerer Blickwinkel<br />

möglicherweise besser gewirkt hätte und mehr<br />

Betonung auf die Blumen gelegt hätte, als auf das,<br />

was sich hinter ihnen befindet.<br />

Urteil: Ein tolles Motiv, aber für meinen<br />

Geschmack liegt zu viel Betonung auf dem<br />

Hintergrund und zu wenig auf dem Motiv selbst.<br />

Was gefällt und was nicht...<br />

Was gefällt: Stefan hat sich hier für einen<br />

ungewöhnlichen Ansatz entschieden. Er<br />

ist tief hinunter gegangen und hat mit dem<br />

weiten Bereich seines Objektivs nach oben<br />

fotografiert und so eine einzigartige<br />

Froschperspektive erzielt. Das Bild ist<br />

ausdrucksstark, lebhaft und farbenfroh und<br />

die niedrige Tiefenschärfe stellt sicher, dass<br />

die Blumen im Zentrum der Aufmerksamkeit<br />

stehen.<br />

Was nicht gefällt: Obwohl die Position<br />

des Orchesterpavillons absichtlich<br />

gewählt wurde, lenkt er von dem Hauptmotiv<br />

des Bildes ab. Hätte Stefan einen anderen<br />

Bildaufbau gewählt und die Blumen vor dem<br />

blauen Himmel fotografiert, hätte er ein<br />

reineres Bild geschaffen. Ein noch tieferer<br />

Blickwinkel hätte auch mehr aus den Blumen<br />

herausgeholt.<br />

„Welcher Fotograf kann schon<br />

solch bunten Blumen<br />

widerstehen? Es überrascht<br />

mich nicht, dass Stefan nach<br />

seiner Kamera gegriffen hat.“<br />

ROSS HODDINOTT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 085


Yoga Deutschland<br />

Magazin ab dem<br />

4. Juni im Handel<br />

In Form mit YOGA<br />

+GRATIS<br />

(Wert 9.90€)<br />

www.yoga-deutschland.de<br />

www.facebook.com/YogaDeutschlandmagazin


V LLSTÄNDIG<br />

IM BILDE<br />

APPETITLICHE KUNST<br />

WENN SIE AUSSER FÜR DIE FOTOGRAFIE AUCH ETWAS FÜR GUTES ESSEN ÜBRIG HABEN, SIND<br />

SIE HIER RICHTIG. FREUEN SIE SICH AUF EINE DEN APPETIT ANREGENDE EXKURSION MIT DER<br />

KAMERA IN DIE WELT DER KULINARISCHEN GENÜSSE, SOWOHL IN DER KÜCHE ALS AUCH AM<br />

GEDECKTEN TISCH. CHEFKOCH BRAUCHEN SIE DAZU NICHT ZU SEIN.<br />

Ein hervorragendes Beispiel für gute Fotos angerichteter Speisen ist, man glaubt es kaum: McDonald’s. Wenn Sie unterwegs hungrig<br />

sind und es schnell gehen muss, gibt es kaum ein verführerischeres Bild als das Poster eines dicken Big-Mac – selbst wenn Sie genau<br />

wissen, dass sein Geschmack nicht halten wird, was das Bild verspricht. Gute <strong>Fotografie</strong>n von Lebensmitteln und Mahlzeiten lösen<br />

beim Betrachter eine Reaktion aus – idealerweise die, dass er sich das abgebildete Objekt des Genusses augenblicklich einverleiben<br />

will. Doch das ist komplizierter als man vermuten mag. Oft sind es die „einfachsten“ Motive, die sehr viel Vorbereitung, Können und<br />

Erfahrung erfordern.<br />

Wie bei einem guten Portrait, kommt es auch bei der Lebensmittelfotografie auf die Präsentation an. Konzept und Details müssen auf<br />

das Motiv abgestimmt sein, damit der Lustreflex ausgelöst wird. Ob Sie nun selbst kochen und Ihre gelungensten Gerichte fotografieren<br />

oder nur an der Kunst der Lebensmittelfotografie interessiert sind, die folgenden Seiten bringen Sie auf den Weg.<br />

TEXT: CAROLINE WILKINSON


VOLLSTÄNDIG<br />

IM BILDE<br />

E<br />

INER DER ERSTEN Schritte zu einem<br />

guten Lebensmittelfoto ist das Design.<br />

Dieses muss geplant sein, bevor<br />

irgendwelche Zutaten aus dem Kühlschrank<br />

genommen werden. Der Designprozess<br />

umfasst die Entwicklung eines Konzepts, die<br />

sorgfältige Wahl der Bildelemente und des<br />

Fotostils. Dann folgt die Platzierung der<br />

einzelnen Elemente in einer geeigneten<br />

Bildkomposition, die das Interesse des<br />

Betrachters fesselt. Sie müssen seinen Blick im<br />

Bild herumführen und die Interaktion zwischen<br />

den unterschiedlichen Formen, Linien und<br />

Farben der verschiedenen Objekte steuern, um<br />

größtmöglichen Eindruck zu erzielen. Zuerst<br />

legen Sie das Hauptthema fest, das zentrale<br />

Bildelement. Dann überlegen Sie sich die<br />

Position akzentuierender Bildelemente wie<br />

Beilagen, Besteck und Accessoires, die das<br />

Motiv appetitlicher machen werden.<br />

Für professionelle Werbefotografen, die sich auf<br />

Lebensmittel und Speisen spezialisiert haben,<br />

ist das Ganze ein Kinderspiel, doch wir<br />

Hobbyfotografen brauchen hier ein paar<br />

Leitlinien, an denen wir uns orientieren<br />

können; die gelten allerdings genauso für die<br />

Profi s. Wie bei jedem Motiv gelten auch hier die<br />

Drittelregel und die Regel der ungeraden Zahl<br />

von Objekten. Wie immer können Regeln auch<br />

gebrochen werden, doch zu Beginn sollten Sie<br />

sich an diesen beiden Grundregeln der<br />

Bildkomposition orientieren. Wenn Sie später<br />

nach kreativeren Lösungen suchen werden,<br />

denken Sie immer daran, das Bild visuell<br />

auszubalancieren. Wenn Sie das Gefühl haben,<br />

es fehle etwas im Bild, dann liegt es in aller<br />

Regel an mangelnder visueller Balance der<br />

Bildkomposition. Sich wiederholende Muster<br />

mit denselben Formen und Oberfl ächen im<br />

Vorder- und Hintergrund sorgen für<br />

ausgewogene Bildkompositionen. Wenn Sie<br />

beispielsweise ein Cupcake auf einer großen<br />

Servierplatte anrichten, sind Balance und<br />

visueller Eindruck viel schwächer, als bei<br />

demselben Cupcake auf einer kleinen Platte,<br />

denn auf Ihr ist der Cupcake sofort als zentrales<br />

Bildelement zu erkennen. Grundsätzlich ist es<br />

besser, wesentlich kleinere Portionen zu<br />

fotografi eren, als Sie tatsächlich essen würden.<br />

Speisen wirken auf Fotografi en immer größer<br />

als in der Realität, deswegen dürfen Sie das<br />

Bild nicht überladen.<br />

Wenn Sie überprüfen wollen, ob Sie eine starke<br />

Bildkomposition haben oder nicht, folgen Sie<br />

der Blickrichtung des Betrachters in das Bild,<br />

wobei Sie darauf achten müssen, dass der<br />

Blick von unten nach oben führt, ohne dass er<br />

von diesem Weg abgelenkt wird oder sich zu<br />

schnell wieder abwendet. Schließlich wollen<br />

Sie den Blick des Betrachters und damit auch<br />

sein Interesse solange wie möglich festhalten.<br />

Genau hier kommen die Requisiten ins Spiel,<br />

die Akzente setzen, denn Sie machen das<br />

Motiv nicht nur visuell attraktiver, sie füllen<br />

auch Leerräume aus und fügen Farbe und<br />

Oberfl ächenstruktur hinzu, wo nötig.<br />

Auch der Hintergrund ist sehr wichtig, denn in<br />

vielerlei Hinsicht verbindet er die gesamte<br />

Bildkomposition. Ein rustikaler Hintergrund wie<br />

Holzpaneele, Schieferplatten oder Tuche mit<br />

strukturierten Oberfl ächen eignen sich sehr<br />

gut, solange Sie in das Konzept passen und mit<br />

den Farbtönen und Texturen des Motivs<br />

harmonieren. So werden Sie beispielsweise für<br />

Bilder, die einen rustikalen Komfort ausstrahlen<br />

sollen, eine raue, stark strukturierte Oberfl äche<br />

wählen, während Sie eine Speise die eher nach<br />

Michelin Sternen aussieht, besser vor einem<br />

einfachen, in einer Komplementärfarbe<br />

gehaltenen Hintergrund fotografi eren, wenn Sie<br />

in diesem Fall nicht ohnehin eine<br />

Nahaufnahme auf einem weißen Teller<br />

machen.<br />

Die meisten Profi fotografen arbeiten mit<br />

Unterstützung eines Gastronomiefachmanns,<br />

um sicherzustellen, dass der Teller perfekt<br />

angerichtet ist. Doch unbedingt notwendig ist<br />

das nicht. Wenn Sie mit Ihren Requisiten<br />

umgehen können und für visuelle Ästhetik<br />

nicht völlig blind sind, werden Sie auch mit den<br />

ihnen zur Verfügung stehenden, begrenzten<br />

Mitteln zu präsentablen Fotos kommen.<br />

Apropos Requisiten: sie gehören einfach dazu.<br />

Gehen Sie deshalb auf Flohmärkte und in<br />

Antiquitätenläden und suchen Sie nach<br />

ungewöhnlichen Utensilien, mit denen Sie<br />

Ihren Bildern das gewisse Etwas verleihen.<br />

Tipp: sehen Sie sich auch einmal in einem<br />

Steinmetzbetrieb um. Eine Fülle der dort<br />

verwendeten Materialien passt aufgrund ihrer<br />

natürlichen Herkunft sehr gut zur<br />

Lebensmittelfotografi e, z. B. Schiefer als<br />

Hintergrund! Die ästhetische Kombination von<br />

Requisiten unterschiedlicher Materialien macht<br />

Ihre Fotos attraktiv. Auf diese Weise kreieren<br />

Sie Ihr Stillleben, wobei die Speisen als<br />

Fixpunkt dienen und den Wunsch erwecken<br />

sollen, sich am besten gleich zu Tisch zu<br />

setzen. Je nachdem, welche Eindrücke und<br />

welche Stimmung Sie erzeugen wollen, können<br />

Sie die Perfektion eines solchen Ensembles<br />

auch bewusst ein wenig stören: ein schön<br />

garnierter Pudding, von dem erkennbar bereits<br />

mit einem Dessertlöffel genascht wurde, wobei<br />

der Löffel noch neben dem Teller liegt, ist ein<br />

schönes Beispiel dafür. Der Pudding wirkt auf<br />

diese Weise noch verführerischer, als eine<br />

Abbildung in unberührtem Zustand, denn das<br />

Bild suggeriert, dass selbst der Fotograf sich<br />

nicht zurückhalten konnte. In der Regel jedoch<br />

sollten Sie Objekte benutzen, die so perfekt wie<br />

möglich aussehen. Vermeiden Sie also<br />

beispielsweise Früchte, die Druckstellen<br />

Oben: Diese Bilder steuern das Auge des Betrachters<br />

innerhalb des Bildausschnitts.<br />

Unten: Sich wiederholende Objekte wirken gut bei<br />

einfachen, ausdrucksstarken Bildkompositionen.<br />

Ausrüstung für die Lebensmittelfotografie<br />

Objektiv: Makroobjektive sind am besten<br />

geeignet, denn damit füllen Sie den<br />

Bildausschnitt, komprimieren die Perspektive<br />

und haben gleichzeitig einen flachen<br />

Schärfentiefebereich. Eine preiswertere<br />

Alternative ist das 50mm f/1.8 Standardobjektiv,<br />

doch bei kleineren Objekten werden Sie sich eine<br />

stärkere Vergrößerung wünschen.<br />

Filter: Benutzen Sie einen Polfilter, um die<br />

Reflexionen glänzender Oberflächen zu<br />

neutralisieren.<br />

Stativ: Mit dem Stativ sichern Sie eine einmal<br />

eingestellte Bildkomposition und vermeiden das<br />

Verwackeln der Kamera bei dunklem<br />

Umgebungslicht.<br />

Zubehör: Pinzette und Holzspieße, um die<br />

Beilagen zu fixieren; Wattebäusche, um Fett- Ölund<br />

Wasserspritzer zu entfernen; Multifix- oder<br />

Patafix-Knetkleber, um Objekte an einer<br />

Oberfläche zu befestigen und Reflektoren in<br />

Position zu halten.<br />

ISTOCKPHOTO ISTOCKPHOTO<br />

088 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Car Food-<strong>Fotografie</strong> photography<br />

Zum Reinbeißen!<br />

Die richtigen Requisiten, ein<br />

flacher Schärfentiefebereich und<br />

die Regel der ungeraden Zahl<br />

gleichartiger Objekte sorgen für<br />

eine starke Bildkomposition.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 089


VOLLSTÄNDIG<br />

IM BILDE<br />

KATIA TITOVA<br />

Geld verdienen mit der<br />

Speisenfotografie<br />

„WAS AUCH IMMER SIE<br />

FOTOGRAFIEREN, UND WIE<br />

SIE ES AUCH ANRICHTEN,<br />

DENKEN SIE STETS DARAN:<br />

IN DER FOOD-FOTOGRAFIE<br />

IST WENIGER MEHR!“<br />

haben, angeschnitten sind oder sonst wie von<br />

der Idealvorstellung abweichen, es sei denn,<br />

der Makel wird bewusst als Teil des Motivs<br />

eingesetzt. Wenn Sie jedoch nichts anderes<br />

wollen als schöne Bilder von den Gerichten, die<br />

sie selbst kochen, müssen Sie lediglich den<br />

richtigen Umgang mit natürlichem Licht<br />

beherrschen, dazu die Grundregeln der<br />

Präsentation bedenken und mit großer Blende<br />

arbeiten, um einen kurzen Schärfentiefebereich<br />

zu bekommen.<br />

Wenn Sie jedoch für einen Blog fotografi eren,<br />

müssen Sie die Speisen unter der Prämisse<br />

zubereiten und anrichten, dass sie fotografi ert<br />

und nicht aufgegessen werden sollen. Das ist<br />

keineswegs dasselbe, denn eine für das<br />

Fotografi eren zubereitete Speise ist oft für den<br />

Verzehr nicht geeignet. Damit das Aussehen<br />

der Mahlzeit perfekt wird, dürfen Sie die<br />

Zutaten beispielsweise nicht gar kochen, auch<br />

wenn das bedeutet, dass sie innen noch roh<br />

sind. So sollten Sie Gefl ügel mit<br />

Geschirrspülmittel einreiben, bevor Sie es<br />

kochen, damit die Haut nicht platzt. Es versteht<br />

sich von selbst dass Sie es danach nicht mehr<br />

essen können. Für manche Lebensmittel gibt<br />

es Ersatz aus Kunststoff, der genauso aussieht,<br />

jedoch das Fotografi eren wesentlich erleichtert.<br />

NATALIA LISOVSKAYA<br />

Oben: Die Kombination einer Nahaufnahme mit<br />

einem Porträt ergibt ein interessantes Diptychon.<br />

Oben: Bei der Präsentation der Speisen gehen Sie<br />

behutsam vor; drehen Sie die Spaghetti<br />

beispielsweise zu kleinen Wirbeln.<br />

Oben links: Die meisten Speisen werden in einem<br />

Winkel zwischen 20° und 35° geschossen, je nach<br />

Motiv auch senkrecht von oben.<br />

Dazu gehört zum Beispiel künstliches<br />

Scherbeneis, mit dem sich Bilder von<br />

gekühlten Bier- oder Sodafl aschen schießen<br />

lassen, denn es schmilzt nicht. Selbst<br />

Eiswürfel, Eiscreme und Obst aus Kunststoff<br />

können benutzt werden, solange sie sich im<br />

Hintergrund befi nden und dieser unscharf ist.<br />

Saucen werden dicker angesetzt als üblich,<br />

damit sie nicht so schnell verlaufen und<br />

Pfannkuchen werden mit wasserabweisendem<br />

Imprägniermittel für Textilien eingesprüht,<br />

damit Sie den Sirup nicht aufsaugen. Früchte<br />

werden mit Wasser besprüht, um sie frischer<br />

aussehen zu lassen. Apfel- und Birnenscheiben<br />

werden mit Zitronensaft eingetrieben, damit sie<br />

nicht braun werden. Spaghetti werden nicht zu<br />

einem Haufen auf den Teller getürmt, sondern<br />

in kleinen Wirbeln angerichtet, damit Sie<br />

appetitlicher aussehen.<br />

Was auch immer Sie fotografi eren, und wie Sie<br />

ISTOCKPHOTO<br />

Gastronomie: Wenn sie ihren Stil gefunden<br />

haben und Sie sich ihrer Fähigkeiten sicher<br />

sind, wenden Sie sich an Restaurants,<br />

Bäckereien, Cafés und Eisdielen und<br />

präsentieren Sie Ihr Portfolio. Vielleicht<br />

erlaubt man Ihnen, Ihre Fotos aufzuhängen<br />

oder beauftragt Sie, deren Gerichte für die<br />

eigenen Speisekarten und andere Formen der<br />

Werbung zu fotografi eren.<br />

Blogging: Ein eigener Block ist sehr gut<br />

geeignet, Ihre Arbeiten zu verbreiten und<br />

Eigenwerbung zu betreiben. Ein Block ist<br />

kinderleicht einzurichten und zu pfl egen,<br />

solange Sie einen stetigen Fluss neuer Motive<br />

produzieren und veröffentlichen. Verlinken<br />

Sie auf Websites wie www.1x.com oder<br />

www.500px.com um mit Kollegen in<br />

Kontakt zu kommen – Sie werden überrascht<br />

sein, welches Feedback Sie bekommen und<br />

wessen Aufmerksamkeit auf sich lenken.<br />

Bildagenturen: Der vielleicht einfachste<br />

Weg, Ihre Bilder für sich arbeiten zu lassen,<br />

besteht darin, sie über eine spezialisierte<br />

Bildagentur wie www.foodanddrinkphotos.<br />

com oder www.stockfood.co.uk anzubieten.<br />

Doch selbst große Bildagenturen wie Getty<br />

Images und Corbis Images werden bei<br />

qualitativ hochwertigen Aufnahmen Interesse<br />

zeigen. Sie müssen jedoch bei Agenturen<br />

generell Ihre Kosten im Blick behalten, weil<br />

der Erlöse für das einzelne Foto eher gering<br />

ausfällt. Doch gute Fotos werden sich<br />

verkaufen, und die Zeit arbeitet für Sie.<br />

Konzeptuelle Speisefotografi e verkauft sich<br />

im Allgemeinen sehr gut über Bildagenturen.<br />

es auch anrichten, denken Sie stets daran:<br />

weniger ist mehr! Alles muss genug Platz<br />

haben, der Zweck jedes Objekts muss<br />

innerhalb der Szene erkennbar sein und Sie<br />

müssen, was Bildkomposition, Textur und<br />

Farben angeht, zusammenwirken.<br />

Komplizieren Sie ein Bild nicht mit zu vielen<br />

Requisiten oder zu vielen Beilagen; das<br />

zentrale Bildelement muss klar erkennbar<br />

bleiben.<br />

Aufnahmetechnisch stellen Lebensmittel keine<br />

hohen Ansprüche. Was Sie beherrschen<br />

müssen, sind selektives Scharfstellen und das<br />

Kurzhalten der Schärfentiefe. Natürlich<br />

experimentieren Sie auch mit verschiedenen<br />

Blickwinkeln und Kamerastandpunkten, um<br />

unterschiedliche Eindrücke zu erzeugen. Die<br />

meisten Speisenfotos werden, je nach Motiv,<br />

im Winkeln von 20° bis 35° oder senkrecht von<br />

oben aufgenommen.<br />

090 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Panoramic Food-<strong>Fotografie</strong> photography<br />

Dem Motiv angepasste<br />

Beleuchtung<br />

Der Studioblitz ist besonders<br />

nützlich bei Motiven wie<br />

diesem, bei dem die<br />

Beleuchtung der Ränder die<br />

Silhouette des Objekts betont.<br />

Beleuchtung<br />

Alles, was wir bisher erörtert haben, tritt<br />

gegenüber einer einzigen simplen Tatsache in<br />

den Hintergrund: Beleuchtung ist alles, und<br />

ohne Beleuchtung ist alles nichts. Ihr Stil, ihre<br />

Bildkomposition ihre Requisiten, all das braucht<br />

nicht perfekt zu sein, um trotzdem zu einem<br />

guten Foto zu kommen; das Licht hingegen<br />

muss perfekt sein, sonst sind sie auf dem besten<br />

Weg, das Motiv zu ruinieren. Doch gute<br />

Beleuchtung lässt sich problemlos erzeugen,<br />

wobei schon die einfachsten Arrangements für<br />

großartige Bilder sorgen können. Es gibt nichts<br />

Besseres als durch ein Fenster einfallendes<br />

weiches, natürliches Licht in Verbindung mit<br />

einem Reflektor. Das ist alles was Sie für die<br />

Speisenfotografie brauchen. Ein Teller, in die<br />

Nähe eines Fensters gestellt, wird sehr gut<br />

ausgeleuchtet und die Oberflächen werden<br />

akzentuiert. Wenn Sie ins Gegenlicht<br />

fotografieren, haben Sie mit einfachsten Mitteln<br />

eine High-Key-Beleuchtung. Wenn Sie wissen,<br />

wie Sie das Licht steuern können, brauchen Sie<br />

kein kompliziertes Setup, jedenfalls nicht,<br />

solange Sie noch an ihren Fähigkeiten arbeiten<br />

und Erfahrungen sammeln. Einfaches Licht,<br />

einfache Bildkomposition und gut präparierte<br />

Speisen sorgen für höchst attraktive Fotos, die<br />

lukullische Träumereien auslösen können.<br />

Es gibt nur wenige Grundregeln bei der Arbeit mit<br />

durchs Fenster hereinfallendem Tageslicht:<br />

benutzen Sie einen Reflektor, um die Schatten<br />

an der gegenüberliegenden Seite des Motivs<br />

aufzuhellen und vermeiden Sie direkte<br />

Sonnenlichteinstrahlung. Das wäre für unsere<br />

Zwecke zu viel des Guten, denn es würde sehr<br />

starke Kontraste produzieren. Vorzuziehen sind<br />

Fenster, die nach Süden oder Westen<br />

hinausgehen. Wählen Sie eine Tageszeit, in der<br />

das Licht möglichst weich ist oder ziehen Sie<br />

einen Vorhang vor, zur Not tut es auch ein<br />

weißes Bettlaken, mit dem das Fenster verhängt<br />

wird. Je größer das Fenster, desto weicher ist das<br />

IISTOCKPHOTO<br />

Beleuchtungsausrüstung<br />

Reflektoren/Diffusoren: Idealerweise<br />

verwenden Sie einen 5-in-1 Refl ektor, mit<br />

dessen unterschiedlich refl ektierenden<br />

Oberfl ächen Sie Licht hinzufügen,<br />

zurückwerfen und modifi zieren können. Bei<br />

Fotos von Speisen sind die Bereiche, die Sie<br />

beeinfl ussen wollen, eher klein, deswegen<br />

brauchen Sie keine große Zahl von<br />

Refl ektoren verschiedener Größe, sondern Sie<br />

verwenden stattdessen besser weißen Karton,<br />

Styropor oder auch – wenn Sie eine stärkere<br />

Refl exion benötigen – Aluminiumfolie.<br />

Schwarzer Karton: Schwarzen Karton<br />

benötigen Sie, um die Ausbreitung des Lichts<br />

zu steuern und um absichtlich Schatten<br />

erzeugen. Außerdem können Sie damit<br />

Refl exionen blockieren. Benutzen Sie Karton<br />

in mehreren kleinen Größen, denn wie<br />

erwähnt, können die zu beeinfl ussenden<br />

Bereiche recht klein sein.<br />

Studioblitz: Ein Studioblitzgerät sollte<br />

wenigstens zwei, besser drei Blitzköpfe<br />

mitbringen. Sie können auch normale<br />

Elektronenblitzgeräte verwenden, doch dann<br />

brauchen Sie zusätzliche Softboxen und<br />

Snoots, um das Licht steuern und<br />

kontrollieren zu können.<br />

Wabendiffusor: Es gibt sie in<br />

verschiedenen Formen und Größen. Sie<br />

dienen der punktgenauen Steuerung und der<br />

genauen Abgrenzung des Lichtkegels.<br />

Softboxen: Softboxen verschiedener Größe<br />

zahlen sich dann aus, wenn sie weiches Licht<br />

benötigen, dass jedoch nicht rundum verteilt<br />

werden soll. Je kleiner die Softbox, desto<br />

kleiner der ausgeleuchtete Bereich und umso<br />

stärker das Licht. So können Sie<br />

unterschiedliche Bereiche kleiner Setups<br />

gezielt ausleuchten.<br />

Blitzauslöser: Sowohl beim Studioblitz als<br />

auch bei einzelnen Elektronenblitzgeräten<br />

brauchen Sie einen Fernauslöser, um die<br />

Lichtquellen zu synchronisieren. Einfache<br />

Fernauslöser gibt es bereits für etwa 50 Euro;<br />

wenn die TTL-Messfunktion der Kamera<br />

erhalten bleiben soll, wird es wesentlich<br />

teurer: ab 150Euro.<br />

Farbige Folien: Improvisieren können Sie<br />

mit Bonbonpapier, doch speziell für diesen<br />

Zweck hergestellte Folien sind größer und<br />

haltbarer. Entsprechende Folien gibt es auch<br />

für Studioblitzgeräte, achten Sie jedoch beim<br />

Kauf darauf, dass diese hitzebeständig sind.<br />

Licht und umso gleichmäßiger wird es verteilt.<br />

Das Umgekehrte gilt, je kleiner das Fenster ist.<br />

Wenn die gewünschten Lichtverhältnisse<br />

vorhanden sind, müssen Sie das Licht<br />

entsprechend den Anforderungen Ihres Motivs<br />

formen und lenken, indem Sie einerseits<br />

bestimmte Bereiche aufhellen und womöglich<br />

anderswo Schatten erzeugen.<br />

Arbeiten Sie mit der Zeitautomatik und einer weit<br />

offenen Blende. Machen Sie ihre<br />

Bildkomposition, und achten Sie dabei auf die<br />

optimale Schärfentiefe. Die Kamera gehört<br />

selbstverständlich auf das Stativ, damit Sie sich<br />

keine Gedanken über womöglich zu langsame<br />

Verschlusszeiten machen müssen. Schießen Sie<br />

in Raw und JPEG gleichzeitig, wobei der<br />

Weißabgleich auf „Tageslicht“ oder „Automatik“<br />

eingestellt sein sollte. Im Allgemeinen sollte die<br />

Mehrfeldmessung dieser Art Motiv gerecht<br />

werden, denn sie erzeugt einen gleichmäßigen<br />

Farbtonumfang. Soll es jedoch ein stärker<br />

akzentuiertes, sehr frisch aussehendes Foto<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 091


VOLLSTÄNDIG<br />

IM BILDE<br />

„AUF DIE BEDEUTUNG NATÜRLICHEN LICHTS KANN NICHT<br />

OFT GENUG HINGEWIESEN WERDEN, DOCH AN DUNKLEN<br />

WINTERTAGEN IST ES NICHT IMMER MÖGLICH, UNTER<br />

IDEALEN LICHTVERHÄLTNISSEN ZU ARBEITEN – HIER IST<br />

KREATIVITÄT GEFRAGT.“<br />

werden, in dem die Spitzlichter betont werden,<br />

sollten Sie auf Punktmessung schalten oder ein<br />

oder zwei Stufen positive Belichtungskorrektur<br />

einstellen.<br />

Auf die Bedeutung natürlichen Lichts kann nicht<br />

oft genug hingewiesen werden, doch an dunklen<br />

Wintertagen ist es nicht immer möglich, unter<br />

idealen Lichtverhältnissen zu arbeiten – hier ist<br />

Kreativität gefragt. In diesem Fall kommt<br />

Kunstlicht in Form des Elektronenblitzes ins<br />

Spiel. Dann ist die Beleuchtung des Motivs<br />

jedoch nicht mehr ganz so einfach. Der Blitz<br />

sollte so weich wie möglich sein, damit<br />

Schlagschatten vermieden werden und die<br />

Spitzlichter nicht jegliches Detail verlieren. Diese<br />

Gefahren sind beim Blitzen viel höher als bei<br />

natürlichem Licht. Deswegen werden Sie kaum<br />

ein unmodifiziertes Blitzgerät benutzen, sondern<br />

zusätzlich weiße Blitzschirme, Softboxen und<br />

vielleicht sogar einen Wabendiffusor verwenden.<br />

Diese Hilfsmittel dienen dazu, das Licht zu<br />

formen und weicher zu machen.<br />

Ein Blitz kann das Licht vom Fenster durchaus<br />

ersetzen, wenn Sie ihn mit einer Softbox<br />

ausstatten und auf der gegenüberliegenden Seite<br />

eine große weiße Styroporplatte als Reflektor<br />

anbringen, der das Licht auf Ihr Motiv<br />

zurückwirft. Eine andere Möglichkeit besteht<br />

darin, permanente Lichtquellen zu verwenden;<br />

der Umgang damit ist wesentlich einfacher, denn<br />

Sie können sehen, woher und wie das Licht auf<br />

Ihr Motiv fällt. Achten Sie jedoch auf den<br />

Weißabgleich, denn Kunstlicht kann schlimme<br />

Farbstiche produzieren. Der automatische<br />

Weißabgleich funktioniert dabei nicht. Benutzen<br />

Sie stattdessen eine Graukarte, um einen der<br />

Situation angepassten Weißabgleich<br />

vorzunehmen und fotografieren Sie im<br />

Raw-Format; dann können Sie Farbfehler später<br />

korrigieren.<br />

Wenn Sie mit Studioblitz oder kabellosen<br />

Blitzgeräten arbeiten, müssen Sie Ihre Kamera<br />

auf manuelle Betriebsart einstellen und die<br />

Belichtung komplett selbst steuern. Stellen Sie<br />

einen kleinen ISO-Wert und danach die<br />

Blitzsynchronisationszeit der Kamera ein, die<br />

normalerweise je nach Modell 1/160 bis 1/250<br />

Sekunde beträgt. Wie auch beim Tageslicht gibt<br />

ISTOCKPHOTO<br />

Häufig gestellte Fragen<br />

Meine Bilder haben einen hässlichen,<br />

F Farbstich. Wie kann ich den vermeiden?<br />

A Sie haben den Weißabgleich für die<br />

herrschenden Lichtverhältnisse falsch<br />

eingestellt. Überprüfen Sie, ob der eingestellte<br />

Weißabgleich zur Farbtemperatur des Lichts<br />

passt, oder benutzen Sie eine Graukarte, um<br />

einen der Situation angemessenen<br />

Weißabgleich einzustellen. Sie können jedoch<br />

auch im Raw-Format fotografieren und<br />

auftretende Weißabgleichsfehler mit dem<br />

Weißabgleichwerkzeug in Adobe Camera Raw<br />

korrigieren, indem Sie auf einen neutralen,<br />

grauen Bereich klicken.<br />

Ich benutze Blende f/5.6, doch der<br />

F Bildteil, der scharf abgebildet wird, ist zu<br />

klein. Warum?<br />

A Ist die Arbeitsentfernung vom Objektiv zum<br />

Motiv sehr gering, ist der Schärfentiefebereich<br />

extrem klein. Wenn Sie ein Zoomobjektiv<br />

verwenden, vergrößern Sie den Abstand zum<br />

Motiv. Sie können das Bild später zuschneiden.<br />

Wenn Sie jedoch hohe Vergrößerungen des<br />

Motivs erreichen wollen, bleibt Ihnen nichts<br />

anderes übrig, als eine größere Blende zu<br />

benutzen.<br />

Meine Küche ist sehr klein, und ich habe<br />

F nicht genügend Platz für meine<br />

Bildkompositionen. Was kann ich tun?<br />

A Sie brauchen nicht viel Platz, um Speisen zu<br />

fotografieren – nur ein gut beleuchtetes Areal,<br />

einen kleinen Schärfentiefebereich und ein<br />

kreatives Auge. Gedrängte Bildkompositionen<br />

und Aufnahmen senkrecht von oben gelingen<br />

auch in sehr beengten Räumlichkeiten.<br />

Meine Kamera stellt immer auf das am<br />

F nächsten befindliche Objekt scharf oder<br />

ich habe Probleme, mehr als einmal auf<br />

dasselbe Objekt scharfzustellen. Was kann ich<br />

dagegen tun?<br />

A Offenbar benutzen Sie den Autofokus.<br />

Schalten Sie auf Einzelpunkt-AF um und<br />

wählen Sie Ihren Scharfstellpunkt manuell aus.<br />

Oder Sie schalten den Autofokus ganz ab, die<br />

Live-View-Funktion ein und stellen manuell<br />

scharf.<br />

Oben: Bier ist nicht einfach zu fotografieren, doch<br />

mit etwas Übung wird es Ihnen gelingen. Das<br />

Anstrahlen des Hintergrunds mit einem Spotlight<br />

macht Studioaufnahmen sehr dynamisch.<br />

Ganz links unten: Verwenden Sie Kerzenlicht, um<br />

ihren Fotos eine besondere Atmosphäre zu verleihen.<br />

Unten Links: Ein einfaches Fenster liefert bei<br />

bedecktem Himmel wunderschönes, weiches Licht.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Ihnen eine große Blende von f/2.8 bis f/5.6 die<br />

richtige Schärfentiefe mit verschwommenen<br />

Hintergrund, damit das Auge des Betrachters auf<br />

dem Motiv bleibt. Nachdem Sie diese<br />

Basiseinstellungen vorgenommen haben,<br />

müssen Sie nun die passende Blitzleistung<br />

herausfinden, indem Sie einen Hand-<br />

Belichtungsmesser benutzen. Halten Sie ihn so<br />

nah wie möglich an das Motiv und richten Sie<br />

ihn nacheinander auf jede einzelne Lichtquelle.<br />

Stellen Sie die Blitzleistung entsprechend ein, bis<br />

Sie die richtige Blende gefunden haben. Wenn<br />

nötig, können Sie die Strahlungsrichtung der<br />

Lichtquellen noch verändern oder auch mit<br />

Stücken von schwarzer Pappe entsprechender<br />

Größe das Licht formen, indem sie Schatten<br />

erzeugen und Reflexionen blockieren.<br />

Positionieren Sie die Hauptleuchte seitlich oder<br />

seitlich etwas hinter dem Motiv. Das gibt dem<br />

Bild Tiefe und betont die Oberflächen.<br />

092 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Car Food-<strong>Fotografie</strong> photography<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie bei<br />

natürlichem Licht<br />

Lernen Sie das Tageslicht zu steuern,<br />

dann Sie werden Bilder erzielen, bei<br />

denen dem Betrachter das Wasser im<br />

Mund zusammen läuft.<br />

JORDAN BUTTERS: Selbst eine von<br />

einem Sternekoch zubereitete Mahlzeit<br />

wird optisch auf dem Foto keinerlei<br />

Wirkung entfalten, wenn die<br />

Lichtverhältnisse schlecht waren, der<br />

Hintergrund nicht berücksichtigt und Requisiten<br />

nicht adäquat eingesetzt wurden. Ich habe in diesem<br />

Beispiel eine rustikale Schieferplatte benutzt, sowie<br />

das Glas Rotwein, die Pilze und den Thymian, um<br />

das Foto dieser Mahlzeit zu komplettieren. Um die<br />

warmen Farbtöne zu erhalten, die das Ganze so<br />

herzhaft aussehen lassen, wählte ich einen Teller in<br />

gebrochenem Weiß und eine leuchtend rote<br />

Servierunterlage. Die Objektivbrennweite von<br />

50 mm bedeutete, dass ich nah herangehen<br />

musste, um den Bildausschnitt zu füllen. Unter<br />

diesen Gegebenheiten ergaben Zeitautomatik und<br />

Blende f/8 einen guten Kompromiss zwischen<br />

Schärfe und geringem Schärfentiefebereich. Die<br />

Grundlagen dieser Aufnahmetechnik können Sie mit<br />

allen Lebensmitteln ausprobieren, sei es eine Schale<br />

mit Früchten, ein Dessert oder eine simple Zutat wie<br />

Spargel oder Kräuter; alles was Sie benötigen, sind<br />

ein Fenster, ein Reflektor und schwarzer Karton.<br />

Bevor Sie das Essen zubereiten, machen Sie ihre<br />

1 Bildkomposition und finden Sie den besten<br />

Kamerawinkel. Positionieren Sie den Teller, wobei Sie<br />

einen Platzhalter für die später zu platzierende Mahlzeit<br />

verwenden und arrangieren Sie die Requisiten so, dass<br />

deren Elemente den Betrachter durch das Bild führen.<br />

Requisiten, die sich überlappen, geben dem Motiv<br />

räumliche Tiefe und vermeiden, dass das Bild<br />

unnatürlich gestellt wirkt. Das Essen soll das Hauptmotiv<br />

darstellen, deswegen sollte nichts davon ablenken.<br />

Richten Sie das Essen auf einem zweiten,<br />

2 identischen Teller an. Arbeiten Sie schnell,<br />

positionieren Sie die größeren Zutaten, dann benutzen<br />

Sie eine Pinzette um die feineren Details auszurichten.<br />

Damit das Fleisch saftig aussieht, bepinseln Sie es mit<br />

etwas Olivenöl und für ein frisches Aussehen des<br />

Gemüses besprühen Sie dieses mit Wasser. Ein paar<br />

Tropfen Sauce hinzugeben, und es entsteht ein Motiv,<br />

bei dem jedem das Wasser im Mund zusammen läuft.<br />

Sie arbeiten vor dem Fenster, verwenden Sie<br />

3 also einen Diffusor um das Licht weicher zu<br />

machen, den vielleicht ohnehin vorhandenen<br />

Vorhang oder ein weißes Bettlaken, das Sie ins<br />

Fenster hängen. Mit kleinen Stücken weißen<br />

Kartons oder Styropors lenken Sie das Licht auf Ihr<br />

Motiv und mit kleinen Stücken schwarzen Kartons<br />

vertiefen Sie die Schatten. Gegebenenfalls muss<br />

dieses Setup jedoch später noch korrigiert werden.<br />

Achten Sie auf die Details: Reflexionen können<br />

4 vom Hauptelement des Motivs ablenken. In<br />

diesem Beispiel war eine Reflexion im Weinglas nicht<br />

zu vermeiden, denn wäre Sie blockiert worden, wäre<br />

auch die auf den Teller fallende Lichtmenge reduziert<br />

worden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 093


VOLLSTÄNDIG<br />

IM BILDE<br />

Kuchen &<br />

Torten…<br />

Hier zeigt uns ein Profi, wie er es anstellt,<br />

die Verlockungen von delikaten Desserts<br />

einzufangen – in diesem Fall eines<br />

leckeren Schokotörtchens.<br />

ROSS DURANT: Das Foto eines<br />

Desserts soll – wie das Foto jeder<br />

Mahlzeit – den Betrachter durch<br />

gute Präsentation, passende<br />

Beleuchtung und attraktive<br />

Farben verführen. Für dieses Setup war der<br />

Schokoladenkuchen mit weißer Sahne,<br />

roten Himbeeren, schwarzen Trauben und<br />

grünen Blättern angerichtet. Der<br />

Hintergrund war neutral gehalten, um nicht<br />

abzulenken. Man sollte jedoch nicht zu<br />

viele Farben verwenden. Normalerweise<br />

reichen zwei Komplementärfarben aus. Mit<br />

solchen kleinen Kuchen lassen sich relativ<br />

einfach sehr schöne Dessert-Fotos<br />

produzieren, denn Sie können Sie fertig<br />

kaufen und selbst vielfältig garnieren und<br />

anrichten. Cupcakes, Kekse, Makronen,<br />

Törtchen und Pasteten sind gleichermaßen<br />

geeignet. Sie verlieren ihr frisches<br />

Aussehen nicht schon nach wenigen<br />

Stunden, so dass Sie als Einsteiger in<br />

dieses Genre beim Fotografi eren zumindest<br />

nicht unter Zeitdruck stehen. Sie sollten<br />

jedoch einen ausreichenden Vorrat frischer<br />

Garnierung zur Hand haben für den Fall,<br />

dass einige davon in der intensiven,<br />

warmen Studiobeleuchtung welken oder<br />

schmelzen; ich musste beispielsweise die<br />

hier verwendeten Pfefferminzblätter etwa<br />

alle 20 Minuten ersetzen. Was die<br />

Beleuchtung angeht, werden Sie etwas<br />

experimentieren müssen, bevor Sie sie<br />

Ihren Vorstellungen entsprechend<br />

eingerichtet haben. Hier wurden drei<br />

Lichtquellen benutzt, zwei davon, um den<br />

Rand des Törtchens von hinten und seitlich<br />

zu beleuchten. Außerdem wurde schwarzer<br />

und weißer Karton benutzt, um Teile des<br />

Blitzlichts zu blockieren und andererseits<br />

bestimmte Bereiche des Motivs<br />

aufzuhellen. Außerdem wurde für jeden<br />

Studioblitz mit einem<br />

Handbelichtungsmesser eine gesonderte<br />

Messung des Umgebungslichts<br />

vorgenommen.<br />

Problematische Leckerbissen<br />

Speiseeis ist schwierig zu fotografieren, weil es<br />

schnell schmilzt. Stellen Sie bei Bedarf besser<br />

künstliches „Speiseeis“ her, Rezepte dazu<br />

finden Sie auch im Internet. Als Zutaten<br />

benötigen Sie Maissirup, Puderzucker und<br />

Schmalz. Auch Pizza erfordert Vorbereitung: Sie<br />

müssen das zu fotografierende Stück vorher<br />

anschneiden und mehr Käse zugeben. Danach<br />

bleibt Ihnen nur kurze Zeit, während der Käse<br />

eine Konsistenz hat, dass er Fäden zieht, wenn<br />

das angeschnittene Stück aus der Pizza<br />

herausgezogen wird.<br />

Bei Cornflakes und Müsli sollten Sie anstatt<br />

Milch Sahne verwenden, die nicht so schnell<br />

aufgesogen wird; außerdem sieht Milch auf<br />

Fotos gelb aus. Auch Schokolade ist<br />

problematisch, denn sie beginnt bei Wärme zu<br />

schwitzen, und jeder Fingerabdruck ist deutlich<br />

zu sehen.<br />

Setup der Beleuchtung<br />

Licht zum Beleuchten der F laschen<br />

(1,8 m entfernt, gemessene Blende f/8. 4 )<br />

Klare<br />

F laschen und<br />

G läser<br />

Orange F olie<br />

A<br />

B<br />

Hauptlicht<br />

(2,5 m entfernt,<br />

gemessene Blende f/16. 2)<br />

Schokoladenkuchen<br />

W eiß e Karten<br />

zum A ufhellen<br />

Kamera mit 1/160<br />

Sekunde bei Blende<br />

f/4 und ISO 100<br />

Z w ei schw arze Karten<br />

als Lichtabsorbierer<br />

Kleine Softbox fü r<br />

A ufhelllicht<br />

(1,8 , entfernt,<br />

gemessene Blende f/8. 4 )<br />

Diese Bilder zeigen den Effekt der beiden Lichtquellen, die das Törtchen<br />

1 beleuchten. Das Hauptlicht (A) befindet sich auf der linken Seite, während<br />

eine kleine Neonröhre dazu benutzt wird, den Rand des Kuchens an der rechten<br />

Seite hervorzuheben. Schwarzer Karton vermeidet, dass die Flaschen im<br />

Hintergrund, die das Bokeh erzeugen, überbelichtet werden.<br />

C<br />

D<br />

Ein mit orangefarbener Blitzfolie versehener Studioblitzkopf, gemessen mit<br />

2 Blende f/8.4, wirft ein warmes Licht auf die im Hintergrund stehenden<br />

Flaschen, wodurch die gewünschten Lichtreflexe erzeugt werden. Der schwarze<br />

Karton dient auch dazu, dieses vom Hintergrund induzierte Licht nicht auf den<br />

Kuchen fallen zu lassen.<br />

Je eine weiße Karte befindet sich vor und seitlich der Kamera, um Licht auf<br />

3 die Vorderseite des Kuchens zu reflektieren (C). Ein Testfoto zeigt, wie all die<br />

Lichter und Lichtformer Zusammenwirken (D). Nach letzten Feinarbeiten am<br />

Setup entstand das Foto auf der gegenüberliegenden Seite.<br />

094 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Food-<strong>Fotografie</strong><br />

BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II<br />

mit 100mm f/2.8 macro<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/160<br />

Sekunde bei Blende f/4 und<br />

ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 095


VOLLSTÄNDIG<br />

IM BILDE<br />

Grundlagen der Getränkefotografie<br />

Nachdem die Food-<strong>Fotografie</strong> Sie hoffentlich auf den Geschmack gebracht hat, möchten wir Ihnen nun das verwandte<br />

Genre der Getränkefotografie nicht vorenthalten. Einige Aspekte sind dabei besonders zu beachten.<br />

VOM KÖSTLICH dampfenden Kaffee bis zu<br />

Cocktails in gekühlten Gläsern und edlem,<br />

20 Jahre alten Scotch on the Rocks: Die<br />

Getränkefotografie ist eine Kunst für sich. Die<br />

anspruchsvolle, sehr vom Detail abhängige<br />

Beleuchtung, Bildkomposition und die<br />

Aufnahmetechnik – all das erfordert mindestens<br />

ebenso viel Kreativität wie das <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Speisen. Man könnte ein ganzes Buch darüber<br />

schreiben; wir beschäftigen uns aber zunächst<br />

mit den Grundlagen.<br />

Wie Sie sich denken können, ist auch in der<br />

Getränkefotografie die Beleuchtung von<br />

entscheidender Bedeutung. Ob künstliches<br />

Gegenlicht, natürliches Licht oder eine Studioblitz<br />

Anlage mit mehreren Köpfen, die Kunst besteht<br />

darin, Reflexionen im Glas zu eliminieren oder<br />

wenigstens zu minimieren. So entsteht ein<br />

elegantes, harmonisches Foto, das keine<br />

Elemente enthält, die von dem Eindruck<br />

ablenken, den Sie transportieren wollen. In<br />

seltenen Fällen verstärken Reflexionen den<br />

gewünschten Effekt und die Atmosphäre des<br />

Bildes, doch das ist die Ausnahme. Üblicherweise<br />

brauchen Sie schwarzen Karton, um das Licht<br />

von bestimmten Bildbereichen fernzuhalten und<br />

Position und Größe des Lichtkegels zu steuern.<br />

Bei der Auswahl der Farben und des Fotostils<br />

sollten Sie sich an der emotionalen Reaktion<br />

orientieren, die Sie erzeugen wollen. Sie brauchen<br />

ein Konzept, das zur Natur des Getränks passt.<br />

Ein rustikales Ambiente mit Kaffeebohnen und<br />

warmer Beleuchtung ist ideal für eine Aufnahme<br />

dampfenden Kaffees, während bei einem Glas<br />

mit edlem Whisky dessen Wärme ausstrahlende<br />

Bernsteinfarbe durch weiches Licht verstärkt<br />

werden kann.<br />

Requisiten, Bildkomposition und Arrangement<br />

sind genauso wichtig wie in der Speisefotografie;<br />

denken Sie also auch ans Garnieren. Eiswürfel,<br />

Obstscheiben, Pfefferminzblätter, verdrehte<br />

Zitronenschalen, nur die Papierschirmchen<br />

lassen Sie besser weg, sie sind nur für Eiscreme.<br />

Achten Sie auch auf den Grad der Transparenz<br />

der Getränke. Bier und Milchshakes<br />

beispielsweise verhalten sich im Gegenlicht<br />

anders als ein klarer Martini oder Wodka.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

Oben: Wie diese Bilder verdeutlichen, ist das<br />

Anrichten bei Getränken ebenso wichtig wie bei<br />

Speisen – vergessen Sie also nicht die Garnitur und<br />

die Requisiten.<br />

Durchstöbern Sie einige Bilddatenbanken im<br />

Internet und schauen Sie sich entsprechende<br />

Fotos an. Das verhilft Ihnen zu neuen Ideen und<br />

unterschiedlichen Ansätzen, bis Sie ihren eigenen<br />

Stil gefunden haben.<br />

Probieren Sie unterschiedliche Winkel und<br />

Standpunkte bei der Bildkomposition. Früher oder<br />

später werden Sie feststellen, dass bei den besten<br />

Aufnahmen die Kamerawinkel flacher sind, als<br />

bei der Speisenfotografie. Das liegt daran, dass<br />

Gläser, in denen Getränke serviert werden, eine<br />

vertikale Grundform haben im Gegensatz zum<br />

Teller, auf denen Speisen serviert werden. Was die<br />

Belichtungsmessung und die Aufnahmetechnik<br />

angeht, gelten jedoch dieselben Regeln.<br />

Verwenden Sie eine weit offene Blende, um einen<br />

flachen Schärfentiefebereich zu erzeugen,<br />

messen Sie das Umgebungslicht mit einem<br />

Handbelichtungsmesser für jede einzelne Leuchte<br />

und halten Sie das Setup so einfach wie möglich.<br />

Besonders am Anfang sollten Sie eher auf die<br />

Lichtqualität achten, anstatt sich an<br />

komplizierteren Bildkompositionen zu versuchen.<br />

Beginnen Sie beispielsweise mit Kirschsaft,<br />

Martinis oder Wein, denn die sehen garniert sehr<br />

gut aus und sind vergleichsweise einfach zu<br />

fotografieren. Versuchen Sie es auch mit Eistee<br />

und Orangensaft; dabei können Sie<br />

korkenzieherartig verdrehte Zitronenschalen und<br />

Pfefferminzblätter als Garnierung verwenden.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ISTOCKPHOTO<br />

Problematische Getränke<br />

Sprudelnde Getränke: Die Herausforderung von<br />

Bier und anderen schäumenden Getränken besteht<br />

darin, dass sie nicht statisch sind. Wenn Sie Bier<br />

einschenken, bildet sich die Schaumkrone, die für ein<br />

gutes Foto unerlässlich ist. Unter Umständen<br />

brauchen Sie viele Versuche, um das richtige<br />

Aussehen zu erzeugen und die Dynamik des Getränks<br />

im Bild festzuhalten. Die Gläser sollten mit Tropfen<br />

besprüht werden, am besten mit einem Spray, das zu<br />

50 % aus Wasser und 50 % Glycerin besteht. Auf<br />

gewachsten Gläsern haften die Tropfen noch besser.<br />

Halten Sie möglichst mehrere präparierte Gläser als<br />

Reserve bereit.<br />

Kaffee: Wenn wir das gelungene Foto einer<br />

dampfenden Tasse Kaffee sehen, werden Erinnerungen<br />

an das wohlriechende Aroma und den köstlichen<br />

Geschmack wach. Diese Assoziationen im Bild zu<br />

erzeugen ist nicht einfach. Kaffee hat eine ölige<br />

Oberfläche; dies darf nicht im Bild zu sehen sein. Es<br />

gibt aber Lebensmittelfarbe, die Wasser in der Farbe<br />

von Kaffee einfärbt. Wenn Sie frischen Kaffee<br />

verwenden, sollte die Oberfläche zu etwa 40 % mit<br />

Blasen bedeckt sein; dies ist das typische Aussehen<br />

von Kaffee, der in eine Tasse gegossen wird. Damit die<br />

Blasen länger halten, vermischen Sie Wasser mit Kodak<br />

Photo-Flo Entwicklerlösung und bringen die Blasen mit<br />

einem Löffel auf die Flüssigkeitsoberfläche auf. Sie<br />

können auch Geschirrspülmittel verwenden, doch<br />

dabei besteht die Gefahr, dass Regenbogenfarben in<br />

den Blasen sichtbar werden.<br />

Tipps und Tricks der Profis<br />

Stellen Sie manuell scharf und nutzen Sie<br />

Live-View, um gestochen scharfe Motive zu erhalten.<br />

Positionieren Sie ein Stück weißen Kartons hinter<br />

ein Bierglas, um Licht durch das Glas zurückzuleiten<br />

und die goldene Farbe des Getränks zu betonen.<br />

Denselben Effekt können Sie bei Whisky, Cola und<br />

Fruchtsäften erzielen.<br />

Verwenden Sie während des Setups und der<br />

Bildkomposition identische leere Gläser als<br />

Platzhalter.<br />

Besorgen Sie sich eine kleine Flasche Glycerin aus<br />

der Apotheke und mischen Sie es im Verhältnis von<br />

50:50 mit Wasser in einer Sprühflasche. Damit<br />

besprühen Sie die Gläser mit Eistee, Bier und anderen<br />

gekühlt servierten Getränken, um den Eindruck von<br />

Kälte optisch zu verstärken.<br />

Pfefferminzblätter, Zitronenschalen und<br />

Zitronenstückchen zum Garnieren sollten immer<br />

frisch bereit liegen. Für bestimmte Getränke sind<br />

auch Beeren, Stücke von Honigmelone und Ananas<br />

sowie bunte Trinkhalme für Cocktails geeignet. Auch<br />

hier gilt jedoch die alte Weisheit: weniger ist mehr.<br />

Beschränken Sie Requisiten und Farben auf ein<br />

Minimum.<br />

Kühlen Sie Ihre Gläser und Getränke bis<br />

unmittelbar vor der Aufnahme. Arbeiten Sie schnell,<br />

besonders wenn Eiswürfel im Spiel sind, die eine<br />

natürliche Wirkung von Erfrischung und Kühle liefern,<br />

aber schnell wegschmelzen.<br />

Benutzen Sie lange Pinzetten, Cocktailspieße oder<br />

Essstäbchen, um das Eis, die Garnitur und<br />

Fruchtstücke zu positionieren, damit Sie das Glas<br />

nicht anfassen müssen und Fingerabdrücke<br />

zurücklassen. Baumwoll-Pads eignen sich gut, um<br />

unerwünschte Tropfen abzuwischen.<br />

096 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


BILDDETAILS<br />

Kit: Canon EOS 5D Mk II<br />

mit 100mm f/2.8<br />

Makroobjektiv<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Belichtung: 1/5 Sekunde<br />

bei Blende f/2.8<br />

und ISO 50<br />

Geschüttelt, nicht gerührt<br />

Hier erfahren Sie, wie Sie den klassischen James-Bond-Drink<br />

richtig in Szene setzen.<br />

ROSS DURANT: Der Martini ist wegen seiner Transparenz perfekt<br />

dazu geeignet, von hinten beleuchtet zu werden. Dasselbe gilt für<br />

Limonade, Eistee und Sodawasser, Sie können diese<br />

Aufnahmetechnik also an einer Reihe verschiedener Getränke<br />

anwenden. Fügen Sie eine Zitronenscheibe hinzu, eine Garnitur<br />

aus Pfefferminzblättern und ein weiteres Element nach eigenem Geschmack<br />

– nun sind Sie bereit für ein appetitliches Foto.<br />

Bei der Beleuchtung müssen Sie peinlich darauf achten, dass keine Reflexionen<br />

entstehen und auch die Bildkomposition sollte genauestens durchdacht sein,<br />

besonders der Hintergrund. Achten Sie darauf, dass die Farben des<br />

Hintergrunds mit der des Getränks korrespondieren, und dass auch der<br />

Hintergrund ein attraktives Element aufweist, entweder durch die Beleuchtung<br />

oder ein reales Objekt. Ich habe hier einfach ein zweites, identisches Glas<br />

benutzt. Der konzeptionelle Grundgedanke war die Umgebung eines<br />

Nachtclubs, deshalb die zur Dunkelheit tendierenden, dennoch energetischen<br />

Farben. Farbige Blitzfolien schaffen die nötige Atmosphäre, wobei die Farben<br />

umso satter werden, je mehr Lagen derselben Folie Sie übereinanderlegen. Die<br />

Folien müssen die hohen Temperaturen von Studioleuchten aushalten können.<br />

Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Farbkombinationen, um den<br />

Eindruck des Bildes zu verändern. Ich habe hier die Farben Orange und Violett<br />

verwendet, die zu einer vibrierenden energetischen Stimmung passen, doch sie<br />

könnten genauso gut Grün und Blau für einen unterkühlten, ruhigen Eindruck<br />

einsetzen.<br />

Für meine Aufnahme kamen zwei 750-Watt Wolfram Lampen mit Fresnel-<br />

Linsen zum Einsatz, die im Hintergrund aufgebaut waren, etwa 2,5 m von den<br />

Gläsern entfernt. Sie waren in einem Winkel von 30 Grad auf einen Hintergrund<br />

aus Aluminiumfolie gerichtet, die sich über dem Tisch befand. Ein zweistufiger<br />

Graufilter glich den Kontrastunterschied zwischen dem orangefarbenen und<br />

dem violetten Licht aus. Sie müssen gegebenenfalls dasselbe tun, falls sie<br />

Dauerlicht verwenden und eine der Leuchten intensiver strahlt als die andere.<br />

Ich habe Dauerlicht anstelle von Blitz benutzt, um die Folie während der<br />

Belichtung bewegen zu können; die Dauer eines Blitzes wäre dafür zu kurz<br />

gewesen. Dazu habe ich einen Polfilter eigesetzt, um die Verschlusszeit um zwei<br />

Blendenstufen zu verlängern. Durch diese Maßnahmen kam ich auf 1/13<br />

Sekunde – lang genug, um die Bewegung der Folie einzufangen.<br />

Natürlich können Sie das Ganze auch vereinfachen, indem Sie zwei Blitzgeräte<br />

verwenden, um einen ebenso farbenfrohen Hintergrund zu erzeugen. Bei<br />

meinem Setup habe ich zusätzlich noch eine kleinere 250-Watt Wolfram Lampe<br />

mit Snoot benutzt, die in einem Abstand von 1,30 m von den Gläsern aufgebaut<br />

und in einem Winkel von 20 Grad auf den Tisch gerichtet war, um die Oliven<br />

anzuleuchten.<br />

Setup der Beleuchtung<br />

Z w ei 7 50-W att Leuchten<br />

(2,5 m entfernt, gemessen mit<br />

Blende f/5. 6(links) und Blende<br />

f/8 (rechts)<br />

F arbige F olie<br />

F arbige<br />

F olie<br />

etfiger<br />

rafiter<br />

Z erknitterte<br />

A lufolie<br />

250-W att Spotlight<br />

(1,4 m entfernt,<br />

gemessen mit Blende f/4 )<br />

W eiß e P lattform,<br />

er e fiert<br />

Martini-G läser<br />

Kamera: 1/50 Sekunde<br />

bei Blende f/2. 8 und<br />

ISO 50<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 097


Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de/shop


BILD: ADAM BURTON<br />

Zwielicht<br />

und<br />

Dämmerung<br />

In der <strong>Fotografie</strong> geht ohne das richtige Licht gar nichts , besonders beim Tageslicht spielt die Lichtqualität eine<br />

entscheidende Rolle. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, die besten Lichtverhältnisse des Tages abzupassen.<br />

Landschafts- und Reisefotografen finden das beste Licht am Anfang oder Ende des Tages. Natürlich kann es, je nach<br />

Wetterbedingungen, auch dazwischen fantastisches Licht geben, doch nichts reicht an das Licht nach Sonnenaufgang<br />

und vor Sonnenuntergang heran. Wenn Sie sich die Landschaftsfotos anschauen, die Sie persönlich am schönsten<br />

finden, können Sie praktisch sicher sein, dass sie jeweils in den „goldenen Stunden“ des Tages fotografiert wurden.<br />

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, warum…


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

ADAM BURTON<br />

DIE SONNE<br />

Wir gehen davon aus, dass die Sonne immer im<br />

Osten aufgeht und im Westen untergeht. Doch<br />

genau genommen trifft dies nur auf zwei Tage<br />

des Jahres zu, den 21. März und den 21.<br />

September, wenn Tag und Nacht genau gleich<br />

lang sind. An allen anderen Tagen variieren die<br />

Positionen von Sonnenaufgang und<br />

Sonnenuntergang. Ab dem 21. März verschiebt<br />

sich der Sonnenaufgang nach Nordosten und der<br />

Sonnenuntergang nach Nordwesten, ab dem<br />

21. September geht es umgekehrt. Wie stark die<br />

Abweichung nach Norden oder Süden ist, hängt<br />

vom Datum und Ihrem Standort ab doch sie<br />

ändert sich jeden Tag ein wenig. Die stärksten<br />

Abweichungen treten zur Sommersonnenwende<br />

am 20. und 21. Juni auf der Nordhalbkugel<br />

innerhalb des Polarkreises auf, wenn die Sonne<br />

im Norden sowohl auf- und untergeht, zur<br />

Wintersonnenwende am 21. und 22. Dezember<br />

geht sie im Süden auf und unter. Innerhalb des<br />

Südpolarkreises verhält es sich genau<br />

umgekehrt. Zwischen diesen Extremwerten<br />

bewegen sich im Jahresverlauf die<br />

Sonnenaufgangs- und Untergangszeiten mit<br />

entsprechenden Himmelsrichtungen für alle<br />

anderen Standorte. In Deutschland<br />

beispielsweise geht die Sonne im Dezember/<br />

Januar ziemlich genau im Südwesten auf und im<br />

Juni/Juli im Nordwesten unter. Die Richtung<br />

variiert also um etwa 90°. Das bedeutet im<br />

Verlauf des Jahres einen großen Unterschied der<br />

100 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE<br />

Lichtverhältnisse, der berücksichtigt werden<br />

muss, weil er beeinflusst, wie eine Szene<br />

beleuchtet wird. So ist es durchaus möglich,<br />

dass ein Gebäude im Frühling von der<br />

aufgehenden Sonne seitlich angestrahlt wird,<br />

dass aber im Winter die Sonne hinter dem<br />

Gebäude aufgeht und daher nur eine Silhouette<br />

des Gebäudes zu sehen ist. An diesem Beispiel<br />

wird deutlich, wie groß der Einfluss der<br />

Jahreszeit auf die mögliche Auswahl ihrer Motive<br />

ist. Außer der geografischen Position von<br />

Sonnenauf- und Untergang sollten Sie auch die<br />

Zeiten wissen, wann die Sonne über dem<br />

Horizont erscheint und wieder hinter ihm<br />

versinkt. Es ist wenig sinnvoll, um 8:00 Uhr<br />

morgens vor Ort zu erscheinen, wenn die Sonne<br />

um 8:05 Uhr aufgeht, denn dann haben Sie die<br />

gesamte Dämmerung verpasst und Sie werden<br />

noch nicht einmal dazu kommen, ihre<br />

Ausrüstung auszupacken und aufzubauen,<br />

bevor die Sonne aufgeht. Um solche Probleme<br />

zu vermeiden, halten Sie ein Auge auf diese<br />

Zeiten, die im Jahresverlauf ebenfalls stark<br />

variieren. Im Winter geht die Sonne in<br />

Mitteleuropa erst nach 8:00 Uhr auf und schon<br />

kurz nach 16:00 Uhr wieder unter, doch Ende<br />

Juni geht sie zwischen 4:00 und 5:00 Uhr auf<br />

und erst nach 22:00 Uhr unter.<br />

Die Website www.sonnenverlauf.de zeigt Ihnen<br />

den Lauf der Sonne und die Sonnenlicht-Phasen<br />

für einen beliebigen Tag an einem beliebigen Ort<br />

an. Hier ein Auszug aus der Beschreibung der<br />

Website (© 2013 Torsten Hoffmann): „Sie<br />

können die Sonnen-Positionen für<br />

Sonnenaufgang, ausgewählte Zeit und<br />

Sonnenuntergang sehen. Die dünne,<br />

orangefarbene Kurve zeigt die Flugbahn der<br />

Sonne, die gelbe Hinterlegung zeigt die Variation<br />

der Sonnenbahn im Jahresverlauf. Je näher ein<br />

Punkt in der Mitte ist, desto höher steht die<br />

Sonne über dem Horizont. Die Farben auf dem<br />

Zeit-Schieberegler am oberen Rand der Webseite<br />

zeigen die Sonnenlichteinstrahlung im<br />

Tagesverlauf.“<br />

Ein anderes, sehr nützliches Hilfsmittel ist das<br />

kleine Programm „The Photographers<br />

Ephemeris“, das sie von www.photoephemeris.<br />

com sowohl für den Mac als auch für den<br />

Windows-PC kostenlos herunterladen können.<br />

Die Android-Version kostet 3,74 , die Version<br />

fürs iPhone oder das iPad gibt es für 8,99 $ – es<br />

war schon immer etwas teurer, einen besonderen<br />

Geschmack zu haben. Die App gibt Ihnen die<br />

genauen Auf- und Untergangszeiten und<br />

Positionen von Sonne und Mond für einen<br />

beliebigen Standort auf der Erde. Außerdem<br />

liefert sie zusätzliche Daten zur Outdoor-<br />

<strong>Fotografie</strong> wie Lichteinfallswinkel und<br />

Informationen darüber, ob die Sonne an einem<br />

bestimmten Ort beispielsweise durch einen Berg<br />

verdeckt wird.


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

ZWIELICHT<br />

Zwielicht entsteht, wenn das Streulicht aus<br />

der oberen Atmosphäre den unteren Teil der<br />

Atmosphäre beleuchtet. Die Zeit dafür liegt<br />

zwischen Morgendämmerung und<br />

Sonnenaufgang, und dementsprechend<br />

zwischen Abenddämmerung und<br />

Sonnenuntergang. Sobald die Sonne mehr<br />

als 12° unter dem Horizont verschwunden<br />

ist, beginnt die Nacht.<br />

Wenn Sie einen Sonnenaufgang<br />

fotografieren wollen, seien sie 40 bis 60<br />

Minuten vorher vor Ort. Das in der<br />

Landschaft vorhandene Licht wird am<br />

Himmel reflektiert, der wie eine gigantische<br />

Softbox wirkt und das Licht gleichmäßig<br />

bzw. diffus verteilt. Diffuses Licht tendiert<br />

zu Blau, weil es die blaue Farbe des<br />

Himmels aufnimmt. Dadurch wird die<br />

Landschaft kühl, und Aufnahmen zu dieser<br />

Tageszeit können einen leichten Blaustich<br />

aufweisen.<br />

Bei klarem Wetter wird schon lange vor<br />

Sonnenaufgang ein warmes Glühen am<br />

mehr oder weniger östlichen Horizont<br />

auftauchen, das sehr schön mit dem kalten<br />

Licht des darüber befindlichen Himmels<br />

kontrastiert. Dieses kurze Zeitfenster eignet<br />

sich sehr gut dazu, Strandszenen bei Ebbe<br />

zu fotografieren, wobei die Farbe des<br />

Himmels im nassen Sand und in<br />

zurückgebliebenen Pfützen und in den<br />

Prielen reflektiert. Auch eine<br />

Stadtlandschaft wirkt großartig in diesem<br />

Licht, wenn der Himmel durch die<br />

Glasflächen moderner Architektur<br />

gespiegelt wird. Traditionelle Landschaften<br />

sind im Zwielicht weniger einfach<br />

einzufangen, denn der Kontrast zwischen<br />

Himmel und der Landmasse ist sehr stark,<br />

so stark, dass selbst ein 0.9ND<br />

Grauverlaufsfilter ihn nicht ausreichend<br />

reduzieren kann. Die eindrucksvollsten<br />

Farbenspiele entstehen bei<br />

Sonnenuntergang, wenn eine<br />

durchbrochene Wolkendecke von unten<br />

durch die Sonne angestrahlt wird. Dabei<br />

reicht die Farbskala von Rot und Orange bis<br />

zu Pink und Violett und der Himmel sieht<br />

aus, als stehe er in Flammen. In der<br />

Morgendämmerung tritt dieser Effekt nicht<br />

auf. Die Farben sind 20 bis 30 Minuten vor<br />

Sonnenaufgang am intensivsten, bei<br />

Sonnenaufgang verblassen sie schnell.<br />

Mit dem Zwielicht am Ende des Tages ist<br />

leichter umzugehen, denn es beginnt in<br />

dem Moment, in dem die Sonne vollständig<br />

unter dem Horizont verschwunden ist und<br />

es endet, wenn alle Farben am Himmel<br />

verschwunden sind. Bei durchbrochener<br />

Wolkendecke werden Sie eindrucksvolle<br />

Farben sehen, die von ein paar Minuten bis<br />

zu einer halben Stunde vorhanden sein<br />

können, bevor Sie zu Blau oder Grau<br />

verblassen. Bei klarem Wetter wird es keine<br />

Wolken geben, die Sonnenstrahlen<br />

reflektieren könnten, doch über dem<br />

Horizont kann ein warmes Glühen zu sehen<br />

sein. Die beste Zeit für die „Nachtfotografie“<br />

ist dieses Zeitfenster des Zwielichts, wenn<br />

noch Farben am Himmel zu sehen sind,<br />

doch das Tageslicht schon so weit<br />

verschwunden ist, dass in bewohnten<br />

Gebieten bereits die Außen- und<br />

Innenbeleuchtungen eingeschaltet sind. In<br />

der Stadt kann die Kamera immer noch<br />

Farben am Himmel aufnehmen, die durch<br />

die „Lichtverschmutzung“ der elektrischen<br />

Beleuchtung verursacht werden.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ERFORDERLICHE AUSRÜSTUNG<br />

Kamera: Jede DSLR ist geeignet für Fotos in der<br />

Dämmerung, besondere Eigenschaften braucht eine<br />

Kamera dafür nicht. Natürlich ist ein gutes<br />

Belichtungsmesssystem erforderlich, doch das hat<br />

heute jede Kamera.<br />

Objektive: Eine Reihe von Brennweiten zwischen<br />

10 mm und 200 mm reicht für alle Anforderungen aus.<br />

Mit den kleineren Brennweiten können Sie den<br />

Vordergrund betonen und viel Himmel ins Bild bringen,<br />

die mittleren Brennweiten sind für Porträts, Architekturund<br />

Detailaufnahmen und die langen Brennweiten<br />

dienen dazu, die Sonne beim Auf- oder Untergang<br />

formatfüllend ins Bild zu bekommen.<br />

Stativ: Benutzen Sie grundsätzlich ein Stativ, dann<br />

brauchen Sie sich um ein Verwackeln der Kamera keine<br />

Gedanken zu machen; bei den herrschenden<br />

Lichtverhältnissen und gegebenenfalls langen<br />

Brennweiten kommen Sie ohnehin nicht darum herum.<br />

Fernauslöser: Bei der auf dem Stativ montierten<br />

Kamera ist es sinnvoll, den Auslöser per Fernsteuerung<br />

zu bedienen, denn auch das Auslösen direkt von Hand<br />

kann zum Verwackeln führen.<br />

Filter: Grauverlaufsfilter sind unabdingbar, um den<br />

Dynamikumfang und die Dramatik eines<br />

farbenprächtigen Himmels abbilden zu können,<br />

während der normale Graufilter benutzt werden kann,<br />

um die Bewegung des Wassers einzufangen, wenn Sie<br />

beispielsweise den Sonnenuntergang über dem Meer<br />

fotografieren.<br />

Gegenlichtblende: Reduzieren Sie das Risiko von<br />

Streulicht mit der Gegenlichtblende, das funktioniert<br />

besonders gut, wenn die Sonne nur knapp außerhalb<br />

des Bildausschnitts steht. Unter Umständen müssen<br />

Sie zusätzlich ein Stück Karton oder ganz einfach Ihre<br />

Hand zu Hilfe nehmen, um einen größeren Bereich vor<br />

und seitlich des Objektivs abzuschirmen.<br />

Reflektor: Falls Sie Porträts im Freien schießen<br />

wollen, verwenden Sie einen kleinen, faltbaren Reflektor<br />

von 40-80 cm Größe, um das Licht auf das Gesicht<br />

Ihres Models zurück zu werfen, wobei ein goldfarbener<br />

Reflektor ein wärmeres Licht ergibt.<br />

Kompass: Ein Kompass hilft Ihnen, die<br />

Himmelsrichtung festzustellen, wenn Sie schon<br />

tagsüber vor Ort eintreffen oder wenn der Himmel<br />

bedeckt ist.<br />

Reinigungsutensilien: In der Dämmerung besteht<br />

ein wesentlich höheres Risiko von Streulicht als unter<br />

normalen Lichtverhältnissen. Um dies zu minimieren,<br />

müssen Ihre Objektive und Filter von Staub, Schmutz,<br />

Feuchtigkeit und Fingerabdrücken völlig frei sein.<br />

Warme, wetterfeste Kleidung: Im Morgengrauen ist<br />

es oft auch im Sommer kühl und auch wenn abends<br />

die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist fällt<br />

die Temperatur schnell ab. Kleiden Sie sich also<br />

entsprechend und denken Sie dabei auch an<br />

Handschuhe, um die Finger warmzuhalten. In<br />

Feuchtgebieten und an der Küste sind auch<br />

Gummistiefel keine schlechte Idee, denn damit können<br />

Sie sich auch im flachen Wasser bewegen und<br />

erweitern somit die Möglichkeiten für ihren<br />

Kamerastandort.<br />

Starke Taschenlampe: Wenn Sie einen<br />

Sonnenaufgang fotografieren wollen, treffen Sie in aller<br />

Regel noch bei völliger Dunkelheit vor Ort ein. Damit Sie<br />

in unwegsamem Gelände nicht auf die Nase fallen und<br />

womöglich ihre Ausrüstung beschädigen, brauchen Sie<br />

die Taschenlampe. Sie ist ebenso unverzichtbar, wenn<br />

Sie nach einem Sonnenuntergang eine größere<br />

Entfernung zum Auto zurück laufen müssen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 101


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

HELEN DIXON<br />

SONNE AM HORIZONT<br />

Ganz gleich, wie oft wir den Anblick schon<br />

gesehen haben mögen, es hat jedes Mal aufs<br />

Neue etwas Faszinierendes, wenn die Sonne wie<br />

ein goldener Ball über dem Horizont hängt – fast<br />

unwiderstehlich greift man zur Kamera. Am<br />

eindrucksvollsten ist es, wenn die Sonne den<br />

Bildausschnitt ausfüllt. Dazu brauchen Sie ein<br />

Teleobjektiv, je länger desto besser, idealerweise<br />

mit einer Brennweite ab 400 mm. Andernfalls<br />

schneiden Sie das Bild später zu. Heutige<br />

Kameras liefern eine so hochwertige Bildqualität,<br />

dass sie durch das Zuschneiden den Effekt eines<br />

Teleobjektivs imitieren können. Sie können das<br />

Foto dann allerdings nicht mehr sehr stark<br />

vergrößern.<br />

Die besten Ergebnisse bekommen Sie, wenn es<br />

ein wenig dunstig oder sogar staubig ist. Das<br />

vermindert die Intensität der Strahlung und<br />

damit das Risiko von Streulicht, außerdem sieht<br />

die Sonne dann durch die stärkere Lichtbrechung<br />

in der Atmosphäre noch größer aus. Wenn die<br />

Sonne dicht über dem Horizont steht, sind die<br />

Chancen für diesen Effekt am größten. Ist die<br />

Sonne jedoch sehr hell und Sie können nicht in<br />

deren Richtung schauen, ohne die Augen<br />

zusammenkneifen zu müssen, fotografieren Sie<br />

auf keinen Fall, denn die Helligkeit wird durch<br />

die Optik der Kamera verstärkt und sie könnten<br />

Augenschäden davon tragen. Um die<br />

Bildkomposition interessanter zu machen,<br />

suchen Sie nach einzelnen Objekten wie einem<br />

Baum oder einem Boot im Wasser, um dem Bild<br />

einen Maßstab zu geben und gleichzeitig einen<br />

Fixpunkt zu erzeugen. Falls das Sonnenlicht<br />

durch Dunst ausreichend geschwächt ist, wird<br />

die Kamera korrekt belichtete Fotos liefern, ohne<br />

dass Sie die Belichtung korrigieren müssen.<br />

Meistens ist dies jedoch nicht der Fall, dann<br />

müssen Sie mit bis zu einer Blendenstufe positiv<br />

korrigieren.<br />

STADTANSICHTEN<br />

Großstädte mögen schmutzig und die meiste Zeit<br />

des Tages laut und hektisch sein. In der Dämmerung<br />

erleben Sie jedoch einen wundersamen Wandel und<br />

entfalten eine inspirierende Atmosphäre voller<br />

Gelegenheiten für eindrucksvolle Fotos.<br />

Frühmorgens finden Sie verlassene Straßen vor, in<br />

denen Sie einzelne Objekte im Gegenlicht der Sonne<br />

als Silhouetten fotografieren können. <strong>Fotografie</strong>ren<br />

Sie den Verkehr, während dessen Auspuffgase von<br />

der aufgehenden Sonne indirekt angestrahlt werden,<br />

oder den aus Kraftwerkskühltürmen aufsteigenden<br />

weißen Wasserdampf in der kalten Morgenluft.<br />

Finden Sie einen hoch gelegenen Standpunkt und<br />

benutzen Sie ein Teleobjektiv, um die Perspektive zu<br />

komprimieren, damit soweit das Auge reicht,<br />

Gebäude unter einem pastellfarbenen Himmel zu<br />

sehen sind, wobei die Sonne langsam aufgeht.<br />

Es lohnt sich, auch die historischen Altstädte in der<br />

Dämmerung zu erforschen, denn dort gibt es<br />

wesentlich weniger Zeichen der Moderne und Sie<br />

können beispielsweise jahrhundertealte<br />

Fachwerkhäuser im ersten Tageslicht fotografieren.<br />

Doch auch Industriegebiete sind in der Dämmerung<br />

unerwartet fotogen, deswegen kommt es gar nicht<br />

so sehr darauf an, wo sie zuhause sind.<br />

Gegen Abend beginnen Sie zu fotografieren, sobald<br />

die Sonne untergeht und hören nicht auf, bis es<br />

dunkel ist. Es sieht fantastisch aus, wenn die Sonne<br />

untergegangen ist und der Himmel in den Glas- und<br />

Stahlstrukturen moderner Hochhäuser gespiegelt<br />

wird. Mit einsetzender Dämmerung schalten sich<br />

automatisch die Außenbeleuchtung vieler Gebäude<br />

und die Straßenbeleuchtung ein. Nun ist es an der<br />

Zeit, in Flutlicht getauchte Bauten und Denkmäler<br />

gegen den sich verdunkelnden Himmel zu<br />

fotografieren, die Spuren der Verkehrslichter des<br />

Feierabendverkehrs in den Straßen und die Massen<br />

der hastenden Berufspendler auf dem Weg zur<br />

Straßenbahn, zum Bus oder zur U-Bahn, wobei die<br />

menschlichen Körper in der Bewegung<br />

verschwimmen, was die Stimmung der Szene noch<br />

verstärkt.<br />

Suchen Sie sich einen erhöhten Standpunkt, von<br />

dem aus Sie die Skyline der Stadt zuerst mit einem<br />

Weitwinkel- und dann mit dem Telezoomobjektiv<br />

fotografieren können. Die in jeder Stadt vorhandene<br />

Lichtverschmutzung wird dem Himmel auf den<br />

Fotos auch dann noch faszinierende Farben<br />

verleihen, wenn er für das menschliche Auge längst<br />

dunkel geworden ist.<br />

LEE FROST<br />

DAS WETTER<br />

Es gibt einen Faktor, der mehr als alles andere<br />

entscheidet, ob ein Foto in der Dämmerung<br />

gelingt oder nicht: das Wetter, oder genauer<br />

gesagt: die Bewölkung. Nutzen Sie für den Tag,<br />

an dem Sie Ihre Foto-Session planen,<br />

möglichst Wettervorhersagen aus<br />

verschiedenen Quellen.<br />

Wenn die Wettervorhersage von einer<br />

Bewölkung von mehr als 50 % ausgeht,<br />

besteht eben diese Wahrscheinlichkeit von 50<br />

%, dass weder Sonnenaufgang noch<br />

irgendwelche Farben am Himmel zu sehen<br />

sein werden. Beträgt die Wahrscheinlichkeit<br />

mehr als 75 %, sollten Sie sich genau<br />

überlegen, ob sie ein Risiko eingehen wollen,<br />

dass 3:1 gegen sie steht. Andererseits sind<br />

Wettervorhersagen oft falsch und zumindest im<br />

Herbst und Winter brauchen Sie nicht zu einer<br />

102 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

ROSS HODDINOTT<br />

völlig unchristlichen Zeit aufzustehen, um<br />

einen Sonnenaufgang zu sehen. Das<br />

Schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist,<br />

dass sie aufstehen, losfahren und nach ein<br />

paar Kilometern feststellen, dass eine dichte<br />

Wolkendecke über ihrem Ziel hängt; also<br />

fahren Sie wieder zurück und genießen Ihr<br />

Frühstück.<br />

Doch selbst bei geringer Bewölkung ist es nicht<br />

ungewöhnlich, dass diese sich genau an der<br />

Stelle befi ndet, wo der Sonnenaufgang zu<br />

erwarten ist. In diesem Fall werden Sie<br />

wahrscheinlich nicht die erwünschten Bilder<br />

bekommen, doch Wolken bewegen sich am<br />

Himmel, und wenn Sie nicht zu dicht sind,<br />

können höher stehende Wolkenfelder trotzdem<br />

von der aufgehenden Sonne angestrahlt<br />

werden. Die besten Bilder werden Sie<br />

bekommen, wenn es mehrfach durchbrochene<br />

Wolken gibt, doch das lässt sich auch mit der<br />

genausten Wettervorhersage nicht ermitteln.<br />

In der Abenddämmerung haben Sie es<br />

einfacher, denn Sie kennen den Wetterverlauf<br />

des ganzen Tages und können fundierter<br />

entscheiden, ob es sich lohnt, das Projekt<br />

anzugehen oder nicht.<br />

Dichte Bewölkung im Westen ist ein nahezu<br />

untrügliches Zeichen, dass an diesem Tag der<br />

Sonnenuntergang für Sie jedenfalls nicht<br />

stattfi nden wird, doch wenn es sich um eine<br />

durchbrochene Wolkendecke handelt, sieht die<br />

Sache anders aus. Es kann Ihnen passieren,<br />

dass sie an Ort und Stelle ankommen und alles<br />

dermaßen hoffnungslos aussieht, dass sie<br />

sofort wieder umdrehen und zurück fahren, nur<br />

um nach ein paar Kilometern einen<br />

spektakulären Sonnenuntergang zu sehen – im<br />

Rückspiegel Ihres Autos.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 103


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

LEE FROST<br />

DER GOLDENE SCHUSS …<br />

Konzentrieren Sie sich nicht ausschließlich auf<br />

den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, den<br />

Sie fotografieren, sodass Sie alles andere um Sie<br />

herum vergessen. Wenn die Sonne gerade über<br />

den Horizont gestiegen ist, oder kurz bevor Sie<br />

dahinter verschwindet, drehen Sie sich einmal<br />

langsam im Kreis und achten genau darauf, ob<br />

das Sonnenlicht nicht irgendwo anders einen<br />

guten Effekt erzeugt. Oftmals entdecken Sie so<br />

eine Landschaft in wahrhaft goldenem Licht<br />

erstrahlen. Dies ist aber nur möglich, wenn Sie<br />

aufmerksam schauen und nicht nur damit<br />

beschäftigt sind, den Himmel in die geplante<br />

Bildkomposition einzubauen, ohne zu bemerken,<br />

was hinter Ihnen vorgeht.<br />

Besonders schön werden Aufnahmen der niedrig<br />

stehenden Sonne, wenn Oberflächenstrukturen<br />

im Vordergrund erkennbar sind, beispielsweise ein<br />

gewellter Sandstrand bei Ebbe oder Sanddünen in<br />

einer Wüste. Um solche Oberflächenstrukturen<br />

detailliert ins Bild zu bekommen, fotografieren Sie<br />

mit der Sonne rechts oder links der Kamera, damit<br />

Schatten über den Himmel fallen. Oft haben sie<br />

ohnehin gar keine andere Möglichkeit, denn wenn<br />

Sie mit dem Rücken zur Sonne stünden, würde ihr<br />

eigener Schatten ins Bild fallen. Szenen, die frontal<br />

von vorn beleuchtet werden, haben mehr<br />

goldenes Glühen; doch da die Schatten von der<br />

Kamera weg fallen, können solche Fotos auch<br />

sehr flach aussehen.<br />

Falls Sie einen Polfilter verwenden, werden Sie<br />

feststellen, dass es viel effizienter ist, wenn die<br />

Sonne im rechten Winkel zur Kamera scheint als<br />

direkt von hinten. Das Licht ist am Ende des Tages<br />

intensiver als zu Beginn. Eine dichtere<br />

Atmosphäre und verstärkter Dunst – auch durch<br />

Abgase – bewirken eine größere Lichtbrechung<br />

der Sonnenstrahlen. Nicht umsonst wird die<br />

Stunde vor Sonnenuntergang die goldene Stunde<br />

genannt. An einem klaren Spätnachmittag lohnt<br />

es sich, schon lange vor Sonnenuntergang zur<br />

Stelle zu sein, um dieses magische Licht<br />

einzufangen, solange die Sonne noch am Himmel<br />

steht. Und wenn sie auch ganz unspektakulär<br />

hinter dem Horizont verschwindet, können Sie<br />

vorher noch großartige Aufnahmen machen.<br />

OUTDOOR-PORTRÄTS<br />

Bei Dämmerung lassen sich nicht nur wunderbare<br />

Landschaftsfotos schießen, auch für stimmungsvolle<br />

Porträts ist das Licht hervorragend geeignet. In den ersten<br />

Minuten nach Sonnenaufgang und den letzten Minuten<br />

vor Sonnenuntergang ist das Licht so warm, dass alles<br />

einen goldenen Schein erhält. Ihr Modell braucht sich nur<br />

mit dem Gesicht zur Sonne zu drehen, und das Licht<br />

bringt die Augen durch die Reflexionen zum Funkeln. Ist<br />

das Sonnenlicht noch zu hell, fotografieren Sie mit<br />

seitlichem Licht, wobei auf der gegenüberliegenden Seite<br />

ein Reflektor zum Einsatz kommt, um das Sonnenlicht auf<br />

die Schattenseite des Gesichts zurück zu werfen. Befindet<br />

sich die Sonne bereits unter dem Horizont und ist ein<br />

farbenprächtiger Himmel zu sehen, benutzen Sie den<br />

Himmel als Hintergrund und beleuchten das Modell mit<br />

einem Aufhellblitz. Die Blitzleistung darf nur schwach<br />

sein, damit man auf dem Foto nicht erkennt, dass geblitzt<br />

wurde. Ein Verhältnis von 1:4 zwischen Blitz und<br />

Umgebungslicht sollte diesen Effekt erzielen.<br />

Probieren Sie auch ein Porträt als Silhouette. Das Glühen<br />

des Himmels projiziert Licht und Farbe auf ihr Modell,<br />

und wenn Sie schrittweise die Belichtung korrigieren,<br />

können Sie diesen Effekt einfangen, ohne die Wärme des<br />

Himmels zu verlieren.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

VERLAUFSFILTER<br />

Ein weiterer wichtiger Faktor beim Fotografi eren<br />

in der Dämmerung besteht darin, dass der<br />

Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und<br />

Landschaft oft größer ist tagsüber. Das gilt<br />

besonders für die Zeit vor Sonnenaufgang und<br />

nach Sonnenuntergang, wenn kein direktes<br />

Licht auf die Landschaft scheint, der Himmel<br />

aber noch sehr hell ist. Das gilt auch, wenn die<br />

Sonne sich nah am Horizont befi ndet, doch von<br />

einer Wolke verdeckt wird. Wenn Sie in dieser<br />

Situation „normal“ fotografi eren, bekommen<br />

Sie entweder einen korrekt belichteten Himmel<br />

und einen stark unterbelichteten Vordergrund<br />

oder einen korrekt belichteten Vordergrund und<br />

einen überbelichteten Himmel. Wenn Sie<br />

Objekte des Vordergrunds als Silhouetten<br />

gegen den Himmel abbilden wollen, ist das<br />

kein Problem, doch wenn Sie<br />

Vordergrunddetails und gleichzeitig das<br />

dramatische Farbenspiel des Himmels im Bild<br />

haben wollen, müssen sie dem<br />

Belichtungsmess-System der Kamera ein<br />

wenig unter die Arme greifen.<br />

104 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

LEE FROST<br />

Eine Möglichkeit besteht darin, zwei identische<br />

Aufnahmen vom Stativ aus zu machen – eine<br />

mit korrekter Belichtung für den Himmel, die<br />

andere mit korrekter Belichtung für den<br />

Vordergrund – und beide Bilder später zu<br />

kombinieren. Die zweite Möglichkeit ist, eine<br />

Serie mit Belichtungskorrektur der Einzelbilder<br />

von etwa -2 Blendenstufen bis +2<br />

Blendenstufen in Schritten von einer halben<br />

Blendenstufe zu schießen und die Einzelbilder<br />

ebenfalls später zu kombinieren. In diesem Fall<br />

benötigten Sie dazu ein Programm wie<br />

Photomatix Pro, das die korrekt belichteten<br />

Teile der Einzelbilder benutzt und diese zu<br />

einem neuen, nun insgesamt korrekt<br />

belichteten Foto kombiniert. Beide Methoden<br />

kommen in etwa zu demselben Ergebnis, doch<br />

beide benötigen auch relativ viel Zeit am<br />

Computer.<br />

Viel schneller und einfacher geht es mit einem<br />

Grauverlaufsfilter, mit dem sie den Himmel<br />

abdunkeln, damit er mit denselben<br />

Einstellungen belichtet werden kann, wie der<br />

Vordergrund. So bekommen Sie bereits ein<br />

perfektes Ergebnis direkt aus der Kamera und<br />

brauchen später nur wenig nachzubearbeiten.<br />

Grauverlaufsfilter gibt es in unterschiedlichen<br />

Stärken, üblicherweise mit den Werten 0.3,<br />

0.6 und 0.9, welche die Helligkeit des<br />

Himmels jeweils um eine, zwei und drei<br />

Blendenstufen reduzieren. In der Dämmerung,<br />

wenn der Himmel besonders hell ist –<br />

verglichen mit dem Vordergrund – werden Sie<br />

generell den 0.9ND Verlaufsfilter brauchen, um<br />

ausgewogene Helligkeitsverhältnisse zu<br />

bekommen. Falls der Vordergrund jedoch aus<br />

Wasser oder nassem Sand besteht, wird sehr<br />

viel der Helligkeit des Himmels reflektiert<br />

werden und der ein 0.6ND Filter dürfte<br />

ausreichen. Wenn Sie sich nicht sicher sind,<br />

benutzen Sie den 0.6ND Filter zuerst und<br />

schauen sich das Bild in der <strong>Vorschau</strong> auf dem<br />

Kameramonitor an. Himmel und Vordergrund<br />

müssen „richtig“ aussehen. Die Spitzlicht-<br />

Warnung der Kamera sollte eingeschaltet sein,<br />

damit sie erkennen können, ob etwa Teile des<br />

Himmels überbelichtet sind. Ist dies der Fall,<br />

verwenden Sie den stärkeren 0.9ND<br />

Grauverlaufsfilter.<br />

Es gibt harte und weiche Verlaufsfilter. In der<br />

Dämmerung eignen sich harte Verlaufsfilter<br />

besser, denn sie haben einen abrupten<br />

Übergang vom dunklen zum neutralen Bereich<br />

– und genau das brauchen Sie, denn an der<br />

Horizontlinie ist der Himmel am hellsten. Bei<br />

weichen Verlaufsfiltern ist der Übergang zur<br />

neutralen Zone des Filters weicher, daher<br />

haben weiche Filter nicht den gewünschten<br />

Effekt auf einen grellen Horizont.<br />

Der Einsatz von Verlaufsfiltern ist ganz einfach:<br />

Sie montieren die Kamera auf das Stativ und<br />

schieben, während Sie durch den Sucher oder<br />

auf den LCD-Monitor schauen, den<br />

Verlaufsfilter in seinem Halter nach unten, bis<br />

der Verlaufsbereich den Himmel bis zum<br />

Horizont abdeckt. Die Belichtung können Sie<br />

getrost der Kamera überlassen; benutzen Sie<br />

dazu die Mehrfeldmessung und<br />

Blendenautomatik. Das Bild sollte auf Anhieb<br />

gelingen, denn der Verlaufsfilter senkt den<br />

Kontrast der Szene und ermöglicht dem<br />

Belichtungsmesssystem, die passenden<br />

Einstellungen zu finden. Falls das Bild zu<br />

dunkel wird, stellen Sie einfach 1/3 oder 2/3<br />

Stufen Korrektur ein.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 105


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

LANGE BELICHTEN<br />

Während der Dämmerung sind die<br />

Lichtverhältnisse logischerweise nicht<br />

überragend, außerdem verschlechtern sie<br />

sich zunehmend bis zum Einbruch der<br />

Nacht. Wenn Sie also mit mittleren bis<br />

kleinen Blenden und/oder geringen<br />

ISO-Werten fotografi eren, wird die<br />

Verschlusszeit etliche Sekunden, oft sogar<br />

mehrere Minuten lang. Bei Motiven wie<br />

bewegtem Wasser oder im Wind<br />

wiegenden Bäumen bilden lange<br />

Verschlusszeiten diese Bewegung ab. Sie<br />

werden jedoch oft feststellen, dass Ihre<br />

Verschlusszeiten nicht lang genug sind,<br />

besonders bei ruhigem Wetter, also<br />

müssen Sie noch länger belichten.<br />

Hier kommen Verlaufsfi lter ins Spiel. Sie<br />

sorgen dafür, dass das in das Objektiv<br />

einfallende Licht so reduziert wird, dass<br />

Sie den Verschluss länger öffnen müssen.<br />

Wie lange genau, hängt von der Stärke des<br />

Filters ab: Ein Filter der Stärke 0.3ND<br />

dunkelt das Objektiv um eine Blendenstufe<br />

ab, bewirkt also eine Verlängerung der<br />

Verschlusszeit um das Doppelte. Ein<br />

0.6ND Filter dunkelt zwei Blendenstufen<br />

ab, vervierfacht also die Verschlusszeit und<br />

ein 0.9ND Filter schließlich verdunkelt das<br />

Bild um drei Blendenstufen. Sie können<br />

zwei Graufi lter aufeinander schrauben, um<br />

noch höhere Werte zu erreichen. Die<br />

Farben werden durch die Filter bis zu<br />

einem gewissen Schwellenwert nicht<br />

beeinfl usst, deswegen werden Graufi lter<br />

auch Neutraldichtefi lter genannt (ND), ein<br />

Ausdruck, der jedoch wenig gebräuchlich<br />

ist. Ab einer Filterstärke von vier<br />

Blendenstufen können jedoch<br />

Farbverschiebungen auftreten. Das macht<br />

aber nichts, denn in der Dämmerung<br />

sorgen solche Verschiebungen sogar für<br />

eine Verbesserung des Bildes. Außerdem<br />

lassen Sie sich, wenn Sie wollen, in der<br />

Nachbearbeitung leicht korrigieren.<br />

Extreme Graufi lter mit einer Dichte von<br />

zehn Blendenstufen dienen dazu, die<br />

Verschlusszeit auf mehrere Minuten zu<br />

verlängern, wobei sich bewegende Wolken<br />

und Gewässer nur noch als watteähnliche<br />

Struktur dargestellt werden. Das kann dem<br />

Bild etwas Träumerisches, Übernatürliches<br />

verleihen, doch da die Lichtverhältnisse<br />

ohnehin schon ziemlich schlecht sind,<br />

können solch extreme Graufi lter zu<br />

Verschlusszeiten von 15 Minuten und<br />

länger führen, was nicht jedermanns<br />

Sache ist. Normalerweise sollten jedoch<br />

2–3 Minuten ausreichen; das hat den<br />

angenehmen Nebeneffekt, dass Sie in der<br />

ohnehin nur kurzen Zeit, die Ihnen zur<br />

Verfügung steht, mehr Fotos machen<br />

können.<br />

ADAM BURTON<br />

Belichtungstabelle für Verlaufsfilter<br />

Ungefilterte<br />

Belichtung<br />

Einstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Zweistufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Dreistufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Vierstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Fünfstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Sechsstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Siebenstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Achtstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Neunstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

Zehnstufiger<br />

Verlaufsfilter<br />

1/15 Sekunde 1/8 Sekunde 1/4 Sekunde 1/2 Sekunde 1 Sekunde 2 Sekunden 4 Sekunden 8 Sekunden 16 Sekunden 32 Sekunden 1 Minute<br />

1/8 Sekunde 1/4 Sekunde 1/2 Sekunde 1 Sekunde 2 Sekunden 4 Sekunden 8 Sekunden 16 Sekunden 32 Sekunden 1 Minute 2 Minuten<br />

1/4 Sekunde ½ Sekunde 1 Sekunde 2 Sekunden 4 Sekunden 8 Sekunden 16 Sekunden 32 Sekunden 1 Minute 2 Minuten 4 Minuten<br />

½ Sekunde 1 Sekunde 2 Sekunden 4 Sekunden 8 Sekunden 16 Sekunden 32 Sekunden 1 Minute 2 Minuten 4 Minuten 8 Minuten<br />

1 Sekunde 2 Sekunden 4 Sekunden 8 Sekunden 16 Sekunden 32 Sekunden 1 Minute 2 Minuten 4 Minuten 8 Minuten 16 Minuten<br />

106 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

LEE FROST<br />

WASSER MACHT DEN<br />

UNTERSCHIED<br />

Die Hauptattraktion des <strong>Fotografie</strong>rens in der<br />

Dämmerung sind die Farben – je mehr davon,<br />

desto besser. Zu einem traumhaften<br />

Sonnenuntergang gehört ein Himmel, bedeckt mit<br />

einer durchbrochenen Wolkendecke, die durch<br />

die Sonne von unten angestrahlt wird und eine<br />

Farbenpracht entstehen lässt, die von Gelb über<br />

Orange bis hin zu Blutrot und Violett reicht. Doch<br />

gekrönt wird eine solche Szene, wenn ein<br />

Gewässer im Bild ist. Die Spiegelung der<br />

Farbenpracht des Himmels in einem See oder im<br />

ruhigen Meer erhöht die Atmosphäre eines<br />

solchen Fotos ungemein, und Sie haben ohne<br />

weiteres Zutun einen attraktiven Vordergrund. Bei<br />

einem anderen, nicht reflektierenden Vordergrund<br />

erfordert es viel fotografisches Geschick, dafür zu<br />

sorgen, dass dieser gegenüber der Farbenpracht<br />

des Himmels nicht langweilig wirkt. Doch schon<br />

ein Bach, ein Kanal oder besser noch ein Fluss<br />

vermeiden dieses Problem und können außerdem<br />

noch als Führungslinien dienen. Auch ein noch<br />

nasser Sandstrand bei Ebbe macht sich sehr gut<br />

als Vordergrund; er wird den Himmel nicht<br />

spiegeln, doch er wird dessen Farbe annehmen.<br />

Besondere Aufnahmetechniken im<br />

Zusammenhang mit Gewässern in der<br />

Dämmerung gibt es nicht. Sie müssen lediglich<br />

darauf achten, dass Sie nicht aufgrund der<br />

Gesamthelligkeit der Szene das Foto<br />

unterbelichten. Um das zu vermeiden, können Sie<br />

einen 0.3ND Grauverlaufsfilter benutzen, mit<br />

dem Sie nicht nur den Himmel, sondern die<br />

gesamte Szene bis hinunter zum Horizont<br />

abdecken – das gibt Ihnen den Spielraum für ein<br />

wenig Extrabelichtung der Reflexionen, damit<br />

diese nicht zu dunkel erscheinen.<br />

SILHOUETTEN<br />

Zu den eindrucksvollsten und doch am einfachsten zu<br />

fotografierenden Motiven gehören Silhouetten in der<br />

Dämmerung. Jedes solide Objekt, das sich zwischen Ihnen<br />

und der Sonne oder dem Himmel befindet, wird als<br />

Silhouette abgebildet, weil es sich vor einem sehr hellen<br />

Hintergrund befindet, während aus Ihrer Blickrichtung kein<br />

Licht kommt. Menschen, Boote im Wasser, ein Leuchtturm,<br />

eine Windmühle, Bäume, Tiere – alles mit einem<br />

charakteristischen Umriss eignet sich dazu, als Silhouette<br />

aufgenommen zu werden, weiter entfernte Objekte<br />

vergrößern Sie mit einem Telezoom. Halten Sie die<br />

Bildkomposition einfach und achten Sie darauf, dass<br />

genügend Abstand zwischen den Objekten bleibt, denn<br />

überlappende Formen verschmelzen zu einer Silhouette und<br />

sind dann nicht mehr identifizierbar. Wenn Sie Ihre Kamera<br />

auf Zeitautomatik eingestellt haben, können Sie getrost alles<br />

der Kamera überlassen und gute Ergebnisse erwarten.<br />

Allerdings mit einer Ausnahme: Falls die Sonne im Bild ist,<br />

besteht das Risiko des Unterbelichtens. Das können Sie<br />

aber mit etwas positiver Belichtungskorrektur leicht<br />

kompensieren.<br />

LEE FROST<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 107


FOTOGRAFIEREN IN DER DÄMMERUNG<br />

EFFIZIENTE VORBEREITUNG<br />

Die Zeit der Dämmerung ist kurz, und die<br />

Lichtverhältnisse ändern sich von Minute zu<br />

Minute. Doch gerade darin liegt der Reiz, denn<br />

jede Minute bietet neue fotografische<br />

Möglichkeiten. Die Farben werden intensiver,<br />

ändern sich und verblassen schließlich; die<br />

Sonne kann sich in Sekunden hinter einer Wolke<br />

verbergen und wieder hervorkommen.<br />

Seien Sie also rechtzeitig vor Ort – wenigstens 40<br />

Minuten vorher. In der Morgendämmerung zeigt<br />

der Himmel oft schon seine schönsten Farben,<br />

noch bevor die Sonne aufgegangen ist. In der<br />

Abenddämmerung beginnen die schönsten<br />

Farbspiele etwa 1 Stunde vor Sonnenuntergang.<br />

Ein großer Vorteil der Digitalkameras besteht<br />

darin, dass Sie gleich an Ort und Stelle wissen<br />

können, wenn Ihnen eine großartige Aufnahme<br />

gelungen ist. So können Sie sofort das Objektiv<br />

wechseln oder Ihren Standpunkt und auch die<br />

Bildkomposition ändern, um sich auf eine neue<br />

Variation des Motivs zu konzentrieren.<br />

Verwenden Sie eine kürzere oder längere<br />

Brennweite als zuvor, variieren Sie den<br />

Vordergrund, neigen Sie die Kamera nach oben,<br />

um den Himmel zu betonen, fotografieren Sie im<br />

Hoch- anstatt im Querformat, schießen Sie eine<br />

Serie oder ein Panorama – kurz: lassen Sie<br />

Fantasie und Kreativität freien Lauf. Denken Sie<br />

dabei auch an die hinter Ihnen liegende<br />

Landschaft…<br />

Es ist ohne Weiteres möglich, in der zur<br />

Verfügung stehenden Zeit ein Dutzend oder<br />

mehr gute Fotos zu machen, Sie dürfen nur nicht<br />

trödeln. Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung<br />

von Lee Frost. Er machte sich an einem<br />

vielversprechenden Tag auf, um ein paar<br />

Dämmerungsbilder zu schießen, und hatte sich<br />

eine Stelle bei Alnmouth an der Nordseeküste<br />

von Northumberland ausgesucht.<br />

4<br />

1) In dieser Bildkomposition ist der Himmel sehr stark<br />

betont, ein altes Fischerboot dominiert den Vordergrund,<br />

und im Hintergrund dient Church Hill als Fixpunkt. Ein<br />

harter 0.6ND Grauverlaufsfilter sorgt für eine ausgewogene<br />

Belichtung sowohl des Himmels sowie des Vordergrunds.<br />

2) Da die Kamera leicht nach links gedreht ist, befinden<br />

sich auch einige Häuser des Dorfes im Bild und das am<br />

Bug des Bootes befestigte Tau dient als subtile<br />

Führungslinie.<br />

3) Diese Aufnahme von der Seite des Bootes ändert dessen<br />

Beziehung zu den restlichen Bildelementen und ist dank<br />

des verwendeten Weitwinkelobjektivs, das den Himmel mit<br />

seinen Wolkenformationen dominieren lässt, gut<br />

ausgewogen.<br />

4) Der Himmel verändert sich permanent, und Lee kehrt zu<br />

seinem ursprünglichen Kamerastandpunkt zurück, um das<br />

Boot zwischen dem Berg und den Häusern zu fotografieren.<br />

5) Mit der hereinkommenden Flut werden die Spiegelungen<br />

in der ruhigen Wasseroberfläche deutlicher. Die 40:60<br />

Aufteilung zwischen Himmel und Vordergrund ergibt eine<br />

einfache Bildkomposition. Die Position des Verlaufsfilters<br />

vor dem Objektiv wurde natürlich entsprechend angepasst.<br />

6) Die nach oben geneigte Kamera lenkt die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters vom Vordergrund zum<br />

Himmel. Das in mittlerer Entfernung befindliche Boot sorgt<br />

für einen Maßstab, während der auf einer Drittellinie<br />

liegende Horizont für eine ausgewogene Bildkomposition<br />

sorgt.<br />

7) Mit dem Boot hinter der Kamera ergibt sich ein besserer<br />

Eindruck der Dämmerung, wobei der Kanal in der Mitte des<br />

Bildes die Horizontlinie unterbricht und Vorder- und<br />

Hintergrund zusammenführt.<br />

1<br />

2<br />

3<br />

5<br />

6<br />

7<br />

108 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


8 Hier erscheint das Boot<br />

prominenter im Bildausschnitt, und<br />

das Hochformat lässt genug Raum<br />

nach oben, um den Himmel zu<br />

betonen. Das vom Bug des Bootes<br />

hängende Tau dient als subtile<br />

Führungslinie, die den Blick in die<br />

Szene führt.


IMAGE: HELEN DIXON<br />

KÜSTEN-<br />

LANDSCHAFTEN<br />

DIE DEUTSCHEN KÜSTEN SIND ZWISCHEN 1200 UND 1600 KILOMETER LANG – JE NACH SICHT DER DINGE.<br />

MIT INSELN UND MEERESARMEN KOMMT DAS „CIA WORLD FACTBOOK“ GAR AUF ERSTAUNLICHE 2389<br />

KILOMETER, AMERIKA HAT ES EBEN GERNE ETWAS GRÖSSER. IN JEDEM FALL SIND DEUTSCHLANDS KÜSTEN<br />

LANG GENUG FÜR ÄUSSERST ABWECHSLUNGSREICHE LANDSCHAFTEN, DIE SICH FÜR FOTOGRAFEN ZU<br />

ALLEN JAHRESZEITEN, WETTERLAGEN UND TAGESZEITEN LOHNEN…


FOTOGRAFIEREN IN KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

Nah am Wasser:<br />

Die richtige<br />

Ausrüstung<br />

FÜR GUTE FOTOS VON LANDSCHAFTEN AN<br />

KÜSTEN BRAUCHEN SIE ZUERST DAS PASSENDE<br />

EQUIPMENT.<br />

WAHL DES OBJEKTIVS<br />

Die Brennweite ihres Objektivs beeinfl usst sehr stark die<br />

Wirkung der Küstenlandschaften auf Ihren Fotos,<br />

deswegen sollten Sie das Objektiv mit Bedacht<br />

auswählen. Ein Telezoom im Bereich von 70–200 mm<br />

ist handlich, vielseitig und daher gut geeignet. Mit der<br />

langen Brennweite fangen Sie sich an Felsen brechende<br />

Wellen oder weit entfernte Fixpunkte ein: eine Hallig,<br />

einen einsamen Spaziergänger oder einen Leuchtturm.<br />

Längere Brennweiten eignen sich auch gut, um die<br />

Perspektive zu komprimieren, wenn<br />

Hintergrundelemente stärker dominieren sollen.<br />

100 mm Brennweite sind gut für Details am Strand, wie<br />

Muster im Sand und interessant strukturierte<br />

Felsformationen. Natürlich deckt das Telezoom die<br />

100 mm ab, doch in diesem Fall ist ein Makroobjektiv<br />

die bessere Wahl, erstens wegen der höheren<br />

Lichtstärke, zweitens weil Sie damit auch Details wie<br />

Seetang, Muscheln usw. formatfüllend abbilden<br />

können.<br />

Abgesehen von den bisher erwähnten Brennweiten geht<br />

es nicht ohne ein Weitwinkelobjektiv, am fl exibelsten<br />

sind Sie im Bereich von 17–35 mm. Kurze Brennweiten<br />

haben immer einen sehr großen Schärfentiefebereich<br />

und eignen sich deshalb besonders gut für Motive mit<br />

viel räumlicher Tiefe, die sowohl im Vordergrund als<br />

auch im Hintergrund attraktive Bildelemente bieten. Der<br />

einzige Nachteil von Weitwinkelobjektiven am Strand<br />

besteht darin, dass Sie sehr nah an Ihr Motiv<br />

herangehen müssen, was manchmal schwer machbar<br />

ist, beispielsweise wenn die Flut kommt. In solchen<br />

Fällen ist ein 24–70 mm Zoomobjektiv die bessere<br />

Wahl; sein Bildfeld ist immer noch weit genug für<br />

großfl ächige Szenen und vergrößert zugleich stark<br />

genug, um aus sicherer Entfernung arbeiten zu können.<br />

FILTER<br />

Um allen Situationen gerecht zu werden,<br />

benötigen Sie drei verschiedene Sorten Filter: einen<br />

Polfilter, einen Grauverlaufsfilter und wenigstens<br />

zwei Graufilter. Mit dem Polfilter können Sie<br />

Reflexionen reduzieren und die Farbsättigung<br />

erhöhen. Der Grauverlaufsfilter ist ein<br />

Korrekturfilter, der den Kontrastunterschied<br />

zwischen Himmel und Vordergrund so weit<br />

reduziert, dass der Dynamikbereich der Kamera<br />

nicht überschritten wird. Erst dadurch wird es<br />

möglich, auch bei kontraststarken Motiven Details<br />

abzubilden. Graufilter zählen zu den Filtern,<br />

welche die kreativen Möglichkeiten des Fotografen<br />

erweitern. Sie reduzieren die ins Objektiv fallende<br />

Lichtmenge und verlängern so die benötigte<br />

Verschlusszeit. Damit können Sie Wasser in<br />

Bewegung bewusst unscharf abbilden, und das<br />

Bild wirkt weniger statisch.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

112 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


ROSS HODDINOTT<br />

WEITERES NÜTZLICHES ZUBEHÖR<br />

Fernauslöser: Das Auslösen des Verschlusses<br />

mit dem Zeigefinger kann zu – wenn auch<br />

minimaler – Verwacklung der Kamera führen,<br />

deshalb ist es sinnvoll, einen Fernauslöser zu<br />

verwenden, ganz gleich ob mit Kabel oder<br />

drahtlos. Er ist auch im B-Modus sehr nützlich,<br />

wenn Sie Verschlusszeiten von mehr als 30<br />

Sekunden benutzen.<br />

UV-Filter: UV-Filter absorbieren ultraviolettes<br />

Licht und haben gleichzeitig den an der Küste<br />

vielleicht noch wichtigeren Effekt, dass sie die<br />

Frontlinse des Objektivs vor Salzwasser und Sand<br />

schützen.<br />

Reinigungstuch: Haben Sie immer ein<br />

spezielles Reinigungstuch für die Frontlinse – oder<br />

den UV-Filter – zur Hand, damit Sie Feuchtigkeit<br />

auf der Kameraoptik sofort entfernen können.<br />

LEE FROST<br />

STATIV<br />

Vergessen Sie ihr Stativ nicht, denn sonst schränken Sie<br />

Ihre kreativen Möglichkeiten stark ein. Lange<br />

Verschlusszeiten sind nur mit Stativ möglich. Es sollte sehr<br />

stabil sein, denn filigrane Leichtgewichte können durch<br />

eine stärkere Welle oder einen Windstoß schnell<br />

umgeworfen werden. Wenn Sie am Strand fotografieren,<br />

drücken Sie die Stativbeine tief in den Sand, um die<br />

Stabilität zu erhöhen. Andernfalls könnte das Stativ<br />

während der Aufnahme durch sein Eigengewicht in den<br />

Sand einsinken, was das Foto verderben würde.<br />

Vergessen Sie nicht, das Stativ von Salz und Sand zu<br />

reinigen, wenn Sie wieder zuhause sind. Das gilt<br />

besonders für die Federn und Verriegelungen. Auch ein<br />

Tropfen Öl von Zeit zu Zeit schadet nicht.<br />

WETTERFESTE KLEIDUNG<br />

Wenn sie nass geworden sind und zu frieren beginnen, wird sich Ihre Kreativität<br />

in engen Grenzen halten. Warme, wetterfeste Kleidung ist deshalb nicht nur im<br />

Winter besonders wichtig. Greifen Sie deshalb auch dann, wenn es nicht<br />

besonders kalt zu sein scheint, zu langer Unterwäsche und Wollsocken. Eine<br />

gute, wind- und wasserdichte Jacke ist nicht ganz billig, erweist sich jedoch<br />

langfristig als gute Investition in Ihre Gesundheit. Es gibt spezielle Modelle mit<br />

mehreren übergroßen Außentaschen für Fotografen, in denen Ersatzbatterien,<br />

Gegenlichtblende, Filter etc. geschützt untergebracht werden können, aber<br />

trotzdem schnell zur Hand sind. Tragen Sie bei kaltem Wetter einen Hut, denn<br />

die meiste Körperwärme verliert man durch den Kopf. Auch Handschuhe sollten<br />

nicht fehlen, die aber dünn genug sind, um die Kamera bedienen bzw. Objektive<br />

und Filter wechseln zu können.<br />

Passendes Schuhwerk sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Wanderstiefel<br />

sind zu empfehlen, wenn Sie den Wellen fernbleiben – sie sind bequem, warm<br />

und stützen die Fußgelenke, wenn Sie über Felsen klettern. Leider sind jedoch<br />

die besten Kamerastandpunkte oft nah an der Wasserlinie und das bedeutet, Sie<br />

brauchen Gummistiefel. Die sind zwar weniger bequem, aber Ihre Füße bleiben<br />

trocken.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 113


FOTOGRAFIEREN IN KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

BELICHTUNG UND VERSCHLUSSZEITEN<br />

In der Landschaftsfotografie bevorzugen wir<br />

normalerweise die Zeitautomatik, damit die<br />

Schärfentiefe sowohl Vorder- als auch Hintergrund<br />

erfasst. Beim <strong>Fotografie</strong>ren an Küsten sieht es<br />

etwas anders aus, denn Sie müssen die<br />

Verschlusszeit stärker berücksichtigen: Sie<br />

beeinflusst, wie die bewegte Meeresoberfläche<br />

abgebildet wird, und damit die Stimmung des<br />

Bildes.<br />

Die Verschlusszeit hängt von der Szene ab, die Sie<br />

fotografieren und von dem Effekt, den Sie erreichen<br />

wollen. Wollen Sie beispielsweise starke Wellen<br />

einfangen, die sich an einer Felsenküste brechen,<br />

brauchen Sie eine schnelle Verschlusszeit, um die<br />

emporschießende Gischt einzufrieren. Das bedeutet<br />

Verschlusszeiten zwischen 1/500 und einer<br />

1/2000 Sekunde, je nachdem, wie aufgewühlt das<br />

Meer ist und wie die Wellen im Sucherbild<br />

erscheinen. Je höher sie sind und je kürzer die<br />

Entfernung, desto kürzer die erforderliche<br />

Verschlusszeit.<br />

Am anderen Ende der Verschlusszeitskala befindet<br />

sich die Langzeitbelichtung, eine adäquate<br />

Aufnahmetechnik, wenn sie Aufnahmen an der<br />

Küste bei schlechten Lichtverhältnissen machen<br />

wollen – besonders in der Dämmerung. In diesem<br />

Fall stellen Sie eine Verschlusszeit zwischen einigen<br />

Sekunden bis zu ein paar Minuten ein. Dann wird<br />

die Wasserbewegung weich und dynamisch<br />

dargestellt, was schön zu statischen Bildelementen<br />

wie Felsen, einem Bootssteg im Hintergrund oder<br />

einem Gebäude kontrastiert.<br />

Selbstverständlich gibt es zwischen extremer<br />

Kurzzeit- und extremer Langzeitbelichtung zahllose<br />

Variationen. Es lohnt sich, mit unterschiedlichen<br />

Verschlusszeiten bei unterschiedlichen Tageszeiten<br />

und Wetterverhältnissen zu experimentieren, damit<br />

Sie sehen können, wie die Abbildung des Meeres<br />

dadurch beeinflusst wird. Dank der Digitaltechnik<br />

können Sie jedes Bild sofort überprüfen und<br />

gegebenenfalls mit kürzerer oder langsamerer<br />

Verschlusszeit neu schießen. Der „milchige“ Effekt<br />

des Meeres sieht großartig aus, doch widerstehen<br />

Sie der Versuchung, ausschließlich lange<br />

Verschlusszeiten zu benutzen. Manche Details der<br />

Wasseroberfläche wirken noch besser und um die<br />

ins Bild zu bekommen, brauchen Sie mit<br />

Weitwinkelobjektiv nur eine Verschlusszeit von<br />

1/4 oder einer 1/2 Sekunde. In der Dämmerung<br />

bekommen Sie den milchigen Effekt mit<br />

Verschlusszeiten zwischen 30 und 60 Sekunden.<br />

Schauen Sie, was passiert, wenn Sie dieselbe<br />

Szene nur fünf oder 10 Sekunden lang belichten.<br />

Auch der Zeitpunkt, wann Sie abdrücken, ist sehr<br />

wichtig, jedenfalls bei kurzen Verschlusszeiten.<br />

Wenn sich beispielsweise weißer Schaum auf dem<br />

Meer gebildet hat wirkt ein Bild besser, wenn bei<br />

einer abfließenden anstatt einer heranrollenden<br />

Welle ausgelöst wird.<br />

Die Zeitautomatik ist nach wie vor die praktischste<br />

Betriebsart, denn damit können Sie über die Blende<br />

den Schärfentiefebereich steuern. Bei den meisten<br />

Weitwinkeln benutzen Sie einen Blendenwert<br />

zwischen f/11 und f/16. Ist die sich daraus<br />

ergebende Verschlusszeit zu lang, wählen Sie<br />

entweder eine größere Blende – vorausgesetzt, der<br />

Schärfentiefebereich leidet nicht zu sehr darunter<br />

– oder Sie erhöhen die ISO-Empfindlichkeit der<br />

Kamera. Diese Möglichkeit ist oft die einzige, die<br />

Ihnen zur Verfügung steht. Versuchen Sie jedoch<br />

einen ISO-Wert von 400 nicht zu überschreiten,<br />

denn sonst leidet die Bildqualität. Wenn Sie jedoch<br />

eine besonders dramatische Szenerie vorfinden,<br />

können Sie das vernachlässigen und den<br />

benötigten hohen ISO-Wert einstellen. Oftmals<br />

unterstreicht das im Bild als Körnung sichtbar<br />

werdende Bildrauschen die natürliche Dramatik<br />

des Motivs.<br />

Falls Sie einen gewünschten Effekt auch mit einer<br />

besonders langen Verschlusszeit, mit kleinster<br />

Blende und niedrigster ISO Empfindlichkeit nicht<br />

erreichen können, wird es Zeit, einen Filter<br />

aufzuschrauben – einen Graufilter in diesem Fall. Je<br />

höher dessen Dichte, desto länger wird die<br />

resultierende Verschlusszeit. Zwei Graufilter, einer<br />

mit 0.6ND (zwei Blendenstufen) und einer mit<br />

0.9ND (drei Blendenstufen) sollten ausreichen,<br />

denn Sie können Sie einzeln oder gleichzeitig<br />

benutzen. Nicht vergessen werden sollte der<br />

zehnstufige Graufilter, der sich bei vielen kreativen<br />

Fotografen inzwischen einen geradezu legendären<br />

Status erworben hat. Mit ihm können Sie den<br />

Verschluss minutenlang offen halten und ihre<br />

Küstenszenen in regelrechte Meisterwerke<br />

verwandeln.<br />

AUSWIRKUNGEN UNTERSCHIEDLICHER<br />

VERSCHLUSSZEITEN: Diese Bildreihe zeigt die<br />

Auswirkungen unterschiedlicher Verschlusszeiten auf die<br />

Abbildung sich bewegenden Wassers. Die ersten<br />

Aufnahmen sehen eher langweilig aus, weil das Meer<br />

fast eingefroren scheint und die Oberfläche von<br />

störenden Mustern bedeckt ist. Ab 1 Sekunde jedoch<br />

beginnt es zu verschwimmen und bei 8 Sekunden sieht<br />

es sehr weich aus. Die längeren Belichtungen zwischen<br />

30 und 120 Sekunden lassen das Meer übernatürlich<br />

aussehen und die alte Buhne sorgt fast schon für einen<br />

3-D Effekt - heutzutage sehr populär, doch nicht<br />

jedermanns Sache. Welche Aufnahme bevorzugen Sie?<br />

1/60 Sek<br />

1/15 Sek<br />

2 Sekunden 8 Sekunden 15 Sekunden<br />

114 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


ROSS HODDINOTT<br />

1/8 Sek 1/2 Sek 1 Sekunde<br />

ALL IMAGES: LEE FROST<br />

30 Sekunden 60 Sekunden<br />

120 Sekunden<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 115


FOTOGRAFIEREN IN KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

BILDKOMPOSITION<br />

In Küstenlandschaften sind folgende Faktoren<br />

für die Bildkomposition zu berücksichtigen:<br />

Welche Vordergrundelemente und Fixpunkte<br />

sind vorhanden? Fotografi eren Sie bei<br />

auslaufendem oder ablaufendem Wasser, und<br />

wie viel Wasser soll überhaupt im Bild zu sehen<br />

sein? Wie sind die Lichtverhältnisse und die<br />

Position der Sonne? Welche Stimmung wollen<br />

Sie mit dem Bild erzeugen? Wenn Sie an einem<br />

Ihnen bereits bekannten Ort sind, haben Sie<br />

vielleicht eine genaue Vorstellung dessen, was<br />

Sie fotografi eren wollen: das Panorama eines<br />

Sonnenaufgangs mit welligem Sand im<br />

Vordergrund, ein Bild, auf dem die See einen<br />

Felsen umspült usw. Legen Sie sich jedoch<br />

nicht zu genau fest, denn bei Ihrer Ankunft sind<br />

die Wetterverhältnisse nicht unbedingt so, wie<br />

Sie es sich vorgestellt haben, oder vielleicht<br />

entdecken Sie das Potenzial für ein ganz neues<br />

Szenario.<br />

Falls alles wunschgemäß verläuft, haben Sie<br />

Zeit, nach weiteren Motiven zu suchen, denn<br />

ihren Panorama-Sonnenaufgang haben Sie ja<br />

bereits im Kasten. Bleiben Sie also noch ein<br />

wenig länger. Ganz gleich, an welcher Küste Sie<br />

sich befi nden, diese Art Landschaft bietet eine<br />

Fülle von Möglichkeiten für interessante Bilder,<br />

wenn Sie gewohnte Vorstellungen und<br />

Erwartungen verdrängen und sich<br />

unvoreingenommen umschauen. Lassen Sie<br />

sich Zeit dazu, und benutzen Sie verschiedene<br />

Objektive, Blickwinkel und Perspektiven.<br />

Schauen Sie sich dieselbe Szene von niedrigen<br />

und erhöhten Standpunkten an. Bringen Sie<br />

Abwechslung in den Vordergrund – gewellten<br />

Sand, Felsenkanten, Kies, den Himmel<br />

refl ektierende Pfützen. Warten Sie, bis Ebbe<br />

oder Flut beginnen, und beobachten Sie deren<br />

Einfl uss auf Ihr Motiv.<br />

Als Anregung mag mein Trip zum Bamburgh<br />

Beach an der englischen Nordseeküste dienen.<br />

Das Licht war alles andere als großartig, und es<br />

herrschte Ebbe. Trotzdem sind ein paar<br />

interessante Aufnahmen entstanden.<br />

1 2<br />

1) Hier wurde ein 17–40mm Zoomobjektiv bei 17 mm<br />

Brennweite benutzt. Ein Polfilter verbessert die<br />

Erscheinung des Himmels, und das Schloss ist ungefähr<br />

entsprechend der Drittelregel positioniert.<br />

2) Hier ist die Kamera etwas nach oben angewinkelt, die<br />

Brennweite beträgt nach wie vor 17 mm. Hier ist nun viel<br />

mehr vom Himmel im Bild und der Polfilter lässt die<br />

Wolken schön hervortreten.<br />

3) Die Konvertierung in Schwarzweiß erhöht die Dramatik<br />

des Motivs, wobei das Schloss fast nur noch als Silhouette<br />

zu erkennen ist.<br />

4) Ein paar Meter zurückgetreten und mit 40 mm<br />

Brennweite aufgenommen, ergibt sich im Querformat aus<br />

einem niedrigeren Blickwinkel eine völlig andere<br />

Stimmung des Bildes.<br />

5) Experimente mit unterschiedlichen Verschlusszeiten<br />

bei hereinkommender Flut zeigen, dass sich sogar bei<br />

5 Sekunden Verschlusszeit noch Merkmale der<br />

Meeresoberfläche erkennen lassen.<br />

6) Diese Kameraposition befindet sich unten am Strand<br />

im Gegenlicht. Die Sonne ist hell, doch da sie sehr klein<br />

abgebildet wird, gibt es keine Streulichtprobleme. Die<br />

Oberflächenstruktur des Sandes sorgt für räumliche Tiefe.<br />

7) Nicht der geringste Windhauch ist vorhanden, was liegt<br />

also näher, als sich mit den Spiegelungen des Himmels in<br />

den Pfützen zu befassen. Das ruhige, klare Wasser macht<br />

sich sehr gut als Vordergrund, und das Schloss dient als<br />

Fixpunkt unter einem fotogen bewölkten Himmel.<br />

8) Dieses Panorama entstand aus vier sich seitlich<br />

überlappenden Fotos, die vom Stativ aus geschossen und<br />

mit der Photomerge-Funktion von Photoshop<br />

zusammengeführt wurden.<br />

4 5<br />

6 7<br />

116 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


3<br />

ALL IMAGES: LEE FROST<br />

8<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 117


FOTOGRAFIEREN IN KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

GEBÄUDE AN DER KÜSTE<br />

Gebäude geben Bildern einen Maßstab und<br />

können als zentrale Fixpunkte dienen.<br />

Leuchttürme, Hafenmauern, Landungsstege,<br />

Buhnen und sogar Strandkörbe können<br />

attraktive Bildelemente sein und einem Foto<br />

seinen einzigartigen Charakter geben. Das<br />

wohl markanteste Küstenbauwerk ist der<br />

Leuchtturm, und trotz Radar- und GPS-<br />

Technologie fi nden sich an deutschen Küsten<br />

immer noch etwa 300 dieser alten<br />

Navigationshilfen.<br />

Wenn Sie ein solches Gebäude in ihr Motiv<br />

einbauen, darf es ruhig einen zentralen Platz<br />

einnehmen. Oft ist es aber vorteilhafter,<br />

Gebäude nur relativ klein im Bild zu zeigen.<br />

Das erzeugt ein Gefühl der Isolation und<br />

Abgeschiedenheit, gleichzeitig hat der<br />

Betrachter es einfacher, Örtlichkeit und<br />

Perspektive wahrzunehmen. Für eine<br />

harmonische Bildkomposition positionieren<br />

Sie ein Gebäude am besten ganz konservativ<br />

auf einer der Drittellinien.<br />

HELEN DIXON<br />

HELEN DIXON HELEN DIXON<br />

HELEN DIXON<br />

Nicht ganz so attraktiv, aber trotzdem fotogen,<br />

sind Hafenmauern, Hafenmolen und<br />

Landungsstege. Ihre gestreckten<br />

Konstruktionen eignen sich gut für<br />

Langzeitbelichtungen im Minutenbereich.<br />

Die Umrisse und Formen der Konstruktion<br />

eignen sich gut für die Konvertierung nach<br />

Schwarzweiß.<br />

Auch Reihen aus bunten Strandhütten,<br />

besonders häufi g an der Ostsee, sollten Sie<br />

nicht übergehen. Je nachdem, wie sie in die<br />

Dünenlandschaft eingebettet sind, wirken sie<br />

sehr fotogen. Aufnahmen mit Weitwinkel oder<br />

gar Fisheye ergeben attraktive, farbenfrohe<br />

Fotos, besonders, wenn sie von einem<br />

niedrigen Kamerastandpunkt gegen den<br />

blauen Himmel geschossen werden – mit<br />

Polfi lter, versteht sich.<br />

118 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


FILTER<br />

Vergessen Sie auf dem Weg zum Strand bloß nicht Ihre<br />

Filter! Ein Polfilter verstärkt die Farben und Sättigung des<br />

blauen Himmels, und durch Drehen in seiner Halterung<br />

können Sie Reflexionen reduzieren oder verstärken –<br />

besonders hilfreich, um Details von reflektierenden<br />

Flächen herauszuarbeiten, beispielsweise von bei Ebbe<br />

sichtbaren Prielen, nassen Felsen und nassem Sand.<br />

Aufgrund seines Lichtabsorptionsfaktors von zwei<br />

Blendenstufen kann der Polfilter auch als improvisierter<br />

Graufilter dienen, wenn Sie die Verschlusszeit bewusst<br />

verlängern wollen.<br />

Auch Verlaufsfilter sind an der Küste praktisch<br />

unentbehrlich. Ihre eine Hälfte ist transparent, die andere<br />

mit einer Übergangszone von klar nach farbig oder Grau<br />

beschichtet. Die Beschichtung absorbiert das Licht mehr<br />

oder weniger stark, wodurch der Fotograf den<br />

Kontrastunterschied zwischen hellem Himmel und<br />

dunklem Vordergrund ausgleichen kann. Verlaufsfilter<br />

haben entweder einen harten oder einen weichen<br />

Übergang und es gibt sie in verschiedenen Stärken. Üblich<br />

sind Stärken von einer, zwei und drei Blendenstufen.<br />

Verlaufsfilter sind die einzige Möglichkeit, bei Szenen mit<br />

hohem Kontrast – beispielsweise bei Sonnenauf- und<br />

Untergang – zu korrekter Belichtung zu kommen, es sei<br />

denn, Sie machen mehrere Aufnahmen mit jeweils<br />

unterschiedlicher Belichtung und führen diese in<br />

Photoshop zusammen. Dass dies wesentlich komplizierter<br />

ist, liegt auf der Hand.<br />

Der homogen beschichtete Graufilter wird benutzt, um die<br />

Verschlusszeit künstlich zu verlängern und so<br />

Bewegungen kreativ abzubilden – in der Regel dadurch,<br />

dass die Objekte verschwimmen. An der Küste sind das<br />

vorwiegend schnell fließendes Wasser und dessen Wellen.<br />

Mit einem dreistufigen Graufilter können Sie solche<br />

Bewegung gut einfangen. Ein Sonderfall sind extrem<br />

starke Graufilter. Damit können Sie sogar im hellsten<br />

Sonnenlicht Verschlusszeiten von mehreren Sekunden<br />

erzeugen. Während der Verschluss offen ist, werden<br />

schnell ziehende Wolken verwischen und selbst eine<br />

stürmische, raue See wird weich und gleichmäßig<br />

abgebildet. Graufilter gehören damit zur obligatorischen<br />

Grundausrüstung für die Küstenfotografie.<br />

Ohne Filter<br />

Mit Filter<br />

IMAGES: ROSS HODDINOTT<br />

IMAGES: ROSS HODDINOTT<br />

DETAILS AN DER KÜSTE<br />

Übersehen Sie nicht die an jedem<br />

Küstenstreifen vorhandenen kleinen Details.<br />

Dazu zählen Wellenmuster im Sand, Kies,<br />

Seetang, Muscheln und sogar Treibholz. Mit nur<br />

wenig Fantasie und einem Standard-Zoom oder<br />

Makroobjektiv sind abstrakte Naturaufnahmen<br />

möglich. Suchen Sie nach Formen, sich<br />

wiederholenden Mustern, dominierenden<br />

diagonalen Linien und Farbtupfern. Wenig<br />

Kontrast bei bedecktem Himmel passt am<br />

besten zu dieser Art Fotos, denn dadurch<br />

werden die feinen Details sehr schön<br />

hervorgehoben.<br />

Eine kurze Schärfentiefe, wie bei Blende f/2.8<br />

oder f/4, ist ein kreativer Ansatz – je größer das<br />

Objekt im Sucher erscheint, desto<br />

ausdrucksstärker das Foto. Wenn Ihr Objekt<br />

insgesamt scharf sein soll, wählen Sie eine<br />

kleine Blende und richten die Kamera parallel<br />

zum Objekt aus, damit so viel möglich im<br />

verfügbaren Schärfentiefebereich liegt. Dabei<br />

sollte ein Stativ die Kamera fixieren und Ihnen<br />

zugleich die Feinabstimmung Ihrer<br />

Bildkomposition ermöglichen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 119


FOTOGRAFIEREN IN KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

HELEN DIXON<br />

HELEN DIXON<br />

TAGES- UND JAHRESZEITEN<br />

Theoretisch können Sie in jeder Tageszeit und zu<br />

jeder Jahreszeit großartige Landschaftsaufnahmen<br />

machen. Doch die eherne Regel, dass die besten<br />

Lichtverhältnisse in der goldenen Stunde der<br />

Dämmerung herrschen, gilt natürlich auch hier.<br />

Jeweils eine halbe Stunde vor und nach<br />

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang herrschen<br />

manchmal geradezu magische Lichtverhältnisse.<br />

Seien Sie also lange vor Sonnenaufgang vor Ort.<br />

Nachdem Sie Fotos eines Sonnenuntergangs im<br />

Kasten haben, sollten Sie nicht zu früh<br />

zusammenpacken, denn danach können sich die<br />

Farben am Himmel noch intensivieren und zu den<br />

schönsten Motiven des Abends führen.<br />

Unterschiedliche Örtlichkeiten haben nicht selten<br />

unterschiedliche Tageszeiten, an denen Sie auf<br />

Fotos am besten zur Geltung kommen. Die<br />

Westküste der Nordseeinsel Sylt ist beispielsweise<br />

prädestiniert für Sonnenuntergänge. Es erleichtert<br />

Ihre Planung, wenn Sie die Position der Sonne<br />

schon vorher wissen. So arbeiten Sie effizient und<br />

vermeiden Enttäuschungen. Wir empfehlen, einen<br />

HELEN DIXON<br />

Sonne/Mond-Rechner zu benutzen, wie<br />

beispielsweise „The Photographer’s Ephemeris“,<br />

den Sie für PC und Mac gratis von photoephemeris.<br />

com herunterladen können. Für Smartphones kostet<br />

er ein paar Euro.<br />

Jede Jahreszeit bietet unterschiedliche<br />

Fotochancen: Im Frühling finden Sie in Form<br />

lokaltypischer Pflanzen bunte Farbtupfer in der<br />

Dünenlandschaft. Im Winter kann die See rau,<br />

abweisend und einschüchternd sein. In den<br />

Sommerferien werden sie hektisches Treiben an<br />

überfüllten Stränden vorfinden. Falls Sie nicht nach<br />

Motiven suchen, die sich ausschließlich durch diese<br />

Situation ergeben, sollten Sie also die Ferienzeit<br />

besser meiden.<br />

Denken Sie auch an die Gezeiten, wenn Sie ihre<br />

Expedition planen. Bestimmte Örtlichkeiten sind bei<br />

Ebbe attraktiver, andere bei Flut. Doch allein schon<br />

aus Sicherheitsgründen sollten Sie die Zeit der<br />

einsetzenden Flut kennen. Die Daten für die<br />

Nordsee finden Sie unter www.bsh.de/de/<br />

Meeresdaten/Vorhersagen/Gezeiten.<br />

Jene für die Ostsee sind vernachlässigbar, da der<br />

Pegelunterschied hier maximal 15 cm beträgt.<br />

120 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


EIN KREATIVER BLICK<br />

APFELSINENFABRIK<br />

APFELSINENFABRIK<br />

Von Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv : NIKON D800: NIKKOR AF-S<br />

24-70MM F/2.8G ED<br />

Software: Adobe Photoshop CS2<br />

ICH HATTE DAS THEMA<br />

„Früchte“ zu bearbeiten und hätte<br />

eigentlich lieber ein<br />

künstlerisches Stillleben mit einer<br />

verfaulenden Frucht produziert.<br />

Doch die zur Verfügung stehende Zeit reichte<br />

für den gewünschten Verfallsprozess nicht<br />

aus.<br />

Dann fi elen mir die Arbeiten des<br />

französischen Retuscheurs Christophe Huet<br />

ein, der Kampagnen für Ray-Ban, Nike und<br />

Cartier realisiert hat. Ich dachte mir, etwas<br />

Ähnliches könnte ich auch machen. Ich hatte<br />

noch keine genaue Idee, wie ich Früchte<br />

einbinden könnte und spielte ein wenig mit<br />

Photoshop. Ich fand heraus, dass man die<br />

Sättigung einer beliebigen Farbe per Filter<br />

komplett entfernen kann, so dass diese Weiß<br />

erscheint. Mit dem Kunst-Protokoll Pinsel<br />

kann man sie danach wieder aufbringen. So<br />

kam ich auf die Idee mit dem Fließband, an<br />

dem Industriearbeiter orangene Farbe auf die<br />

Apfelsinen spritzen.<br />

Ich fotografi erte also meine Modelle Charlotte<br />

Atkinson und Simon Andrews als Arbeiter in<br />

orangenen Overalls vor grünem Hintergrund.<br />

Das war der einfache Teil. Ich hatte keine<br />

Ahnung wie kompliziert die anderen Stadien<br />

werden würden und wie lange es dauern<br />

würde. Ein grüner Stoffhintergrund muss sehr<br />

gleichmäßig beleuchtet werden, deswegen<br />

verwendete ich auf jeder Seite 2 Softboxen.<br />

Berücksichtigend, wie der Lichteinfallwinkel<br />

in der Fabrik aussehen sollte, war eine<br />

Octobox als Hauptlichtquelle aufgestellt, die<br />

in einem Winkel von 45° nach unten strahlte,<br />

um Schatten zu erzeugen.<br />

Die Montagehalle habe ich in der Max<br />

Software von 3d erzeugt. Es sollten eine<br />

Menge Rohre, Schläuche und Zylinder zu<br />

sehen sein, damit das Ganze realistisch wird.<br />

Alles musste von Hand generiert werden, und<br />

sobald ein Element fertig war, konnte ich es<br />

kopieren und einfügen, bis endlich eine<br />

komplette Montagehalle entstand. Es dauerte<br />

eine ganze Woche, einschließlich Texturen<br />

und Beleuchtung. Jetzt brauchte ich eine<br />

fl ießbandartige Vorrichtung, die den Arbeitern<br />

die Apfelsinen zuführen sollte. Die entstand<br />

aus einer Unistrut-Schiene mit eingesetzter<br />

Laufkatze, an deren Haltebolzen die Apfelsine<br />

vermittels eines U-förmigen Schäkels und<br />

eines Schraubhakens befestigt war. Ein<br />

entsprechend gebogenes Stück Klingeldraht<br />

simulierte ein Steuerkabel. Die ganze<br />

Konstruktion balancierte auf zwei Stühlen. Im<br />

richtigen Licht und im richtigen Winkel<br />

betrachtet wirkte das Ganze richtig schön<br />

industriell.<br />

Drei Leuchten illuminierten die Szene in der<br />

Montagehalle mit weichem Licht, damit es<br />

realistisch aussah. In der endgültigen Version<br />

kam noch Streulicht hinzu, um den Eindruck<br />

von Refl ektoren an den Lampen zu erzeugen.<br />

Die Arbeiter und das Apfelsinenförderband<br />

wurden mit dem Zauberstab Werkzeug in die<br />

Szene hinein montiert. Was das fertige Bild<br />

besonders realistisch erscheinen lässt, sind<br />

die Schatten. Dafür benutzte ich in Photoshop<br />

eine leere Ebene, die mit schwarz gefüllt und<br />

unscharf gestellt wurde. Dann benutzte ich<br />

einen weichen Pinsel und eine Ebenenmaske,<br />

Links: Das grüne Tuch war<br />

mit Wäscheklammern<br />

befestigt und von jeder Seite<br />

mit zwei Softboxen<br />

gleichmäßig beleuchtet.<br />

Unten links: Die Modelle<br />

wurden gegen den grünen<br />

Hintergrund fotografiert, wobei<br />

sie Arbeitsanzüge trugen,<br />

sodass ich sie später in das<br />

Bild einmontieren konnte.<br />

Unten: Ich verwendete eine<br />

Unistrut-Schiene für die<br />

Förderkonstruktion und<br />

fotografierte sie separat, doch<br />

zusammen mit der Apfelsine,<br />

um den Lichteinfallswinkel in<br />

der Montagehalle zu<br />

bestimmen.<br />

Links: Die fertige<br />

Montagehalle mit Texturen<br />

und Beleuchtung.<br />

Großes Bild: Die richtige<br />

Position der Schatten auf den<br />

Models und auf dem<br />

Hallenboden ist entscheidend,<br />

damit das Ganze realistisch<br />

aussieht.<br />

Rechts: Die Rohre,<br />

Schläuche und Zylinder<br />

musste ich manuell erzeugen,<br />

um sie authentisch aussehen<br />

zu lassen.<br />

Ganz rechts: Das war eines<br />

der ersten Renderings, dass<br />

mir eine Vorstellung davon<br />

gab, in welchem Winkel ich<br />

die Unistrut-Schiene mit der<br />

Apfelsine fotografieren musste.<br />

um die Schatten zu verbergen, die ich nicht<br />

im Bild haben wollte. Das war sehr<br />

zeitaufwändig, doch das Endergebnis war es<br />

wert. Um den Umgang mit den Schatten<br />

genauer steuern zu können, verwendete ich<br />

jeweils eine einzelne Schattenebene für die<br />

unterschiedlichen Objekte.<br />

Ich würde jederzeit erneut ein solches Projekt<br />

angehen, obwohl der Aufwand enorm ist.<br />

122 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 123


EIN KREATIVER BLICK<br />

FRUCHTIGES<br />

Links: Zitrusfrüchte<br />

wie Zitronen, Orangen,<br />

Granatäpfel und Kiwis<br />

lassen sich sehr schön<br />

auf dem Lichtkasten<br />

fotografi eren, weil sie<br />

halb transparent sind<br />

– natürlich in Scheiben<br />

geschnitten. Dann aber<br />

werden durch die<br />

Beleuchtung von<br />

hinten die kleinsten<br />

Details der Kerne und<br />

Verästelungen sichtbar.<br />

Unten links: Ein<br />

ästhetisches<br />

Arrangement auf dem<br />

Lichtkasten war der<br />

schwierigste Teil dieses<br />

kleinen Projekts.<br />

Nachdem ich eine<br />

Weile herumprobiert<br />

hatte, gefi el mir die<br />

Anordnung mit dem<br />

Herz aus<br />

Granatapfelkernen am<br />

besten.<br />

Rechts: Das fertige<br />

Bild zeigt eine<br />

großformatige<br />

Aufnahme der<br />

restlichen Früchte, die<br />

um das Herz herum<br />

drapiert sind. Da einige<br />

Fruchtscheiben so<br />

liegen, dass sie<br />

„abgeschnitten“<br />

werden, wird das Auge<br />

des Betrachters in das<br />

Zentrum des Bildes,<br />

auf das Herz gelenkt.<br />

Unten rechts: Ich<br />

probierte etliche<br />

unterschiedliche<br />

Bildkompositionen und<br />

Setups mit dem<br />

Lichtkasten aus, die<br />

zwar alle schön hell<br />

und bunt waren, aber<br />

wenig originell – bis<br />

ich auf die Sache mit<br />

dem Herz kam.<br />

FRUCHTIGES<br />

Von Ross Hoddinott<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 105MM<br />

F/2.8 VR IF ED<br />

Software: Adobe Lightroom<br />

EIN BISSCHEN VERRÜCKT<br />

MUSS man als Fotograf wohl<br />

sein. Wie käme man sonst auf<br />

die Idee, einen ganzen<br />

Nachmittag lang in Scheiben<br />

geschnittene Früchte zu fotografi eren?<br />

Doch man kann es sich nicht immer<br />

aussuchen, und je mehr ich mich in die<br />

Aufgabe vertiefte, umso interessanter<br />

wurde es. Ich halte nichts davon, auf<br />

Photoshop zurückzugreifen, wenn es nicht<br />

nötig ist. Deswegen versuche ich immer,<br />

meine Motive schon mit der Kamera<br />

bestmöglich in Szene zu setzen. Als<br />

eingefl eischter Fan der Makrofotografi e<br />

kam für mich nur der Einsatz meines<br />

105 mm Makroobjektivs in Frage.<br />

Zitrusfrüchte offenbaren eine ganz<br />

eigenartige Schönheit, wenn sie<br />

aufgeschnitten werden, die Scheiben zu<br />

interessanten symmetrischen Mustern<br />

arrangiert, entweder einzeln oder mit<br />

anderen Sorten kombiniert. Sie können<br />

jede Zitrusfrucht in so dünne Scheiben<br />

schneiden, dass sie transparent sind und<br />

indirekt von hinten beleuchtet werden<br />

können.<br />

Ich bin schon etwas länger im Geschäft,<br />

deswegen habe ich noch einen großen<br />

Lichtkasten, wie er in den Tagen des<br />

Analogfi lms zum täglichen Handwerkszeug<br />

gehörte. Heute dient er nur noch dazu,<br />

kleine Objekte darauf zu legen und im<br />

Gegenlicht aufzunehmen. Das Setup<br />

könnte nicht einfacher sein: den<br />

Lichtkasten auf den Fußboden gestellt, das<br />

Stativ mit der senkrecht nach unten<br />

weisenden Kamera darüber, fertig. Auch<br />

die Einstellung der Kamera ist einfach und<br />

geradlinig; eine Empfi ndlichkeit von ISO<br />

100 sorgt für maximale Bildqualität und<br />

die Blendenautomatik mit Blende f/11<br />

erzeugt eine mehr als ausreichende<br />

Schärfentiefe. Das Mehrfeld-<br />

Belichtungssystem der Kamera erledigt den<br />

Rest. Soweit so gut.<br />

Eine ansprechende, ästhetische<br />

Bildkomposition zu gestalten, erwies sich<br />

als weit weniger einfach. Ich hatte mir eine<br />

Auswahl Zitrusfrüchte auf dem lokalen<br />

Wochenmarkt besorgt. Nachdem ich sie<br />

vorbereitet hatte, indem ich jeweils aus der<br />

Mitte die dicksten Scheiben herausschnitt,<br />

begann ich, sie auf dem Lichtkasten zu<br />

drapieren, zunächst einzelne Scheiben von<br />

Kiwi, Zitrone und Orange. Dann begann<br />

ich, die Zwischenräume mit roten<br />

Granatapfelkernen auszufüllen, weil ich<br />

mir dachte, durch den Farbkontrast ein<br />

attraktives Motiv zu bekommen. Doch es<br />

wirkte nicht. Welchen Winkel und<br />

Bildausschnitt und welchen Zoomfaktor<br />

ich auch wählte, das Ganze sah<br />

124 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


sterbenslangweilig aus. Schließlich begann<br />

ich die Granatapfelkerne, die sich in<br />

unmittelbarer Nähe der Fruchtscheiben<br />

befanden, wieder einzusammeln. Daraus<br />

ergab sich irgendwann, mehr zufällig als<br />

beabsichtigt, der grobe Umriss eines<br />

Herzens in der Mitte des Lichtkastens. Jetzt<br />

zündete die Idee. Aus den leuchtend roten<br />

Granatapfelkernen formte ich ein schön<br />

symmetrisches Herz, um das ich nun die<br />

Fruchtscheiben erneut anordnete. Nach<br />

langem Gefummel, um einigermaßen<br />

ausgewogene Abstände zu erzeugen und<br />

nach ein paar Testfotos kam ich schließlich<br />

zu einem Arrangement, das mir gefi el. Ich<br />

importierte die Bilder in Adobe Lightroom,<br />

und es waren nur wenige Einstellungen an<br />

Kontrast und Farben erforderlich, bevor ich<br />

das fertige Bild in einem vorzeigbaren<br />

Zustand hatte.<br />

Nun blieb nur noch eins zu tun: aus den<br />

immerhin schon halb verarbeiteten<br />

Früchten einen schönen Obstsalat zu<br />

machen…<br />

Alternative Bildkomposition<br />

Detailausschnitt<br />

Zu dicht<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 125


EIN KREATIVER BLICK<br />

FRUCHTIGES<br />

FRÜCHTE SCHIESSEN<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 24-70MM F/2.8G ED<br />

Software: Adobe Lightroom und Photoshop<br />

WORAN LIEGT ES wohl, dass ein<br />

Fotograf, der Früchte fotografieren<br />

soll, das unüberwindliche<br />

Bedürfnis hat, sie ins Wasser zu<br />

werfen oder nasszuspritzen? Sei’s<br />

drum, ich entschloss mich diesmal weder für<br />

das eine noch das andere, sondern für eine<br />

Kollision der Objekte in der Luft. Es sollte so<br />

aussehen, als sei die Frucht so saftig, dass der<br />

Saft aus ihr spritzt. Mit dieser Vorstellung<br />

machte ich mich an die Arbeit.<br />

Zuerst glaubte ich, die Aktion in einer einzigen<br />

Aufnahme einfangen zu können, um die Arbeit<br />

mit Photoshop auf ein Minimum zu<br />

beschränken. Doch das erwies sich als Irrtum.<br />

Alle Versuche, Fruchtstücke in die Luft zu<br />

werfen, und gleichzeitig aus einem anderen<br />

Winkel Wasser darauf zu spritzen, bevor sie zu<br />

Boden fielen, führten zu nichts als einer großen<br />

Wasserpfütze mit Fruchtstücken am Boden.<br />

Also zerlegte ich mein Vorhaben in<br />

verschiedene Phasen, aus deren Einzelfotos ich<br />

später ein Komposit-Bild erzeugen konnte.<br />

Die Beleuchtung bestand aus drei Blitzgeräten.<br />

Das erste war auf die Kamera gerichtet und<br />

blitzte durch einen runden Diffusor. Das sollte<br />

für einen absolut weißen Hintergrund sorgen.<br />

Dann fixierte ich an zwei Lampenstativen einen<br />

Besenstiel, von dem der Apfel herabhing. Als<br />

der Apfel in Position war, baute ich das zweite<br />

Blitzgerät mit einer kleinen Softbox rechts der<br />

Kamera auf. Es folgten einige Testaufnahmen<br />

mit der maximalen Blitzsynchronisationszeit<br />

von 1/250 Sekunde, aus der sich ein<br />

Blendenwert von f/19 bei 1/4 der maximalen<br />

Blitzleistung ergab. Nun folgte der Aufbau des<br />

dritten Blitzgeräts, das links hinter den Apfel<br />

positioniert und auf 1/16 der Maximalleistung<br />

eingestellt wurde. Dieser Blitz sollte die Kanten<br />

des Apfels betonen.<br />

Zuerst fotografierte ich das Wasser. Ich breitete<br />

eine Plastikplane aus und stellte zusätzlich eine<br />

große Schale auf, um möglichst viel Wasser<br />

aufzufangen, und stellte die Stativkamera<br />

manuell auf den Apfel scharf. Mit einer Tasse<br />

schüttete ich Wasser nach oben an den Apfel<br />

und löste die Kamera im Moment des<br />

Auftreffens aus. Nach einigen Versuchen hatte<br />

ich das richtige Timing, und so fotografierte ich<br />

eine ganze Reihe von Wassergüssen. Als ich<br />

genügend Aufnahmen davon beisammen hatte,<br />

war es an der Zeit, den aufgeschnittenen Apfel<br />

zu fotografieren. Die einzelnen Apfelstücke<br />

steckte ich mit Cocktailspießen zu der<br />

gewünschten Anordnung zusammen. Es ist<br />

erstaunlich, wie schnell Apfelscheiben braun<br />

werden, deswegen musste es von jetzt an<br />

schnell gehen. Ich legte den von den Spießchen<br />

zusammengehaltenen Apfel auf einen Teller, der<br />

in ähnlicher Höhe fixiert war, wie zuvor der<br />

hängende Apfel. Als Reflektor, der die Schatten<br />

an der Unterseite des Apfels neutralisierte, kam<br />

ein kleines Stück weißen Styropors zum<br />

Einsatz.<br />

Nachdem alle Bilder in Lightroom geladen<br />

worden waren, suchte ich mir die mit den am<br />

besten gelungenen Wasserspritzern heraus,<br />

dann öffnete ich das Bild des aufgeschnittenen<br />

Apfels in Photoshop. Nach Entfernung des<br />

Tellers benutzte ich das<br />

Unten links: Nach dem<br />

Aufschneiden des Apfels<br />

steckte ich die einzelnen<br />

Stücke mit Cocktailspießen<br />

zusammen.<br />

Links: Glücklicherweise hatte<br />

ich mehrere Lampenstative im<br />

Studio zur Verfügung.<br />

Natürlich können Sie die<br />

Lichtquellen auch anders<br />

fixieren.<br />

Rechts: Es dauerte eine<br />

Weile, bis alles zu meiner<br />

Zufriedenheit in Photoshop<br />

zusammengefügt war, doch<br />

im Großen und Ganzen bin ich<br />

mit dem Ergebnis zufrieden.<br />

Links: Das Entfernen der<br />

Cocktailspieße war mit dem<br />

Kopierstempelwerkzeug ein<br />

Kinderspiel.<br />

Unten links: Die Serie der<br />

Aufnahmen des Spritzwassers<br />

sorgte für genügend<br />

Variationsmöglichkeiten beim<br />

Zusammenführen der<br />

einzelnen Bildelemente für<br />

dieses Komposit-Foto.<br />

Unten: Die Wasserwurf-<br />

Aktion erforderte mehrere<br />

Versuche.<br />

Kopierstempelwerkzeug, um auch die<br />

Cocktailspieße zu entfernen. So blieben nur die<br />

Apfelstücke vor einem sauberen Hintergrund<br />

zurück. Ich öffnete die Fotos der Wasserspritzer<br />

eins nach dem anderen und verwendete das<br />

Lassowerkzeug, um einzelne Wasserelemente<br />

auszuwählen, bevor ich sie jeweils als neue<br />

Ebene in das Bild kopierte. Mit den<br />

Transformationswerkzeugen positionierte und<br />

drehte ich die Wasserspritzer. Dann fügte ich<br />

eine Ebenenmaske hinzu, und benutzte das<br />

Pinselwerkzeug, um unerwünschte Elemente<br />

zu verbergen. Nun fügte ich jeder Ebene eine<br />

Tonwertkorrekturebene hinzu, um die<br />

Beleuchtung dem Bild des Apfels anzupassen.<br />

Anschließend führte ich alle Ebenen zu einem<br />

einzigen Bild zusammen und duplizierte dieses.<br />

Ich nahm die Farbsättigung in dem gesamten<br />

Bild etwas zurück und wendete einen<br />

Hochpassfilter an. Zum Schluss sorgte ich<br />

durch Änderung der Füllmethode noch für<br />

weiches Licht und reduzierte die Deckkraft, um<br />

das Bild zu schärfen. Das Ergebnis: ein<br />

„saftiges“, frisches Fruchtfoto.<br />

126 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 127


EIN KREATIVER BLICK<br />

BUNTSTIFTE<br />

UNGEWÖHNLICHER<br />

REISSVERSCHLUSS<br />

Von Ross Hoddinott<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 105mm f/2.8G Micro<br />

Software: Adobe Lightroom 4<br />

ICH BIN ES DURCHAUS GEWOHNT an einem<br />

verregneten Nachmittag mit Buntstiften zu<br />

spielen; allerdings normalerweise zusammen mit<br />

meinen beiden kleinen Töchtern und diversen<br />

Malbüchern. Ans <strong>Fotografie</strong>ren hatte ich dabei<br />

bisher nicht gedacht, denn Buntstifte sind wirklich nicht die<br />

aufregendsten Motive.<br />

Doch dann hatte ich eine Idee: Ich mag Nahaufnahmen, und<br />

bei formatfüllender Größe werden alltägliche Objekte zu<br />

abstrakten Motiven voller Farben und Details. Die Farben sind<br />

dabei besonders wichtig, deswegen muss deren Eindruck<br />

besonders berücksichtigt werden. Ich kramte im<br />

Kinderzimmer nach Malutensilien, fand eine Reihe schöner<br />

Buntstifte in leuchtenden Farben und begann zunächst damit,<br />

sie gut anzuspitzen. Bei Motiven, die aus spontanen Ideen<br />

entstehen, entscheidet allein die Kreativität des Fotografen<br />

über Erfolg oder Misserfolg. In diesem Fall hing alles vom<br />

Arrangement der Buntstifte ab. Das schöne an Stillleben ist,<br />

dass Sie die vollständige Kontrolle jedes einzelnen Aspekts<br />

Ihres Motivs haben. Gewissermaßen haben Sie das Bild schon<br />

fertig im Kopf, bevor Sie die Kamera überhaupt anfassen. Zwar<br />

hatte ich eine recht genaue Vorstellung von dem, was ich<br />

machen wollte, trotzdem holte ich mir im Internet noch ein<br />

paar Anregungen.<br />

Ich versuche grundsätzlich, meine Setups so<br />

einfach wie möglich zu halten. In diesem Fall sollte<br />

das durch ein Fenster hereinfallende Tageslicht für<br />

die Aufnahme genügen. Deshalb baute ich das<br />

Arrangement auf dem Fußboden direkt vor der<br />

Terrassentür des Wohnzimmers auf. Ich benutzte<br />

dazu ein weißes Tablett und ein Stück schwarzen<br />

Kartons als kontrastierenden Hintergrund.<br />

Draußen war es bewölkt, deswegen war das Licht<br />

angenehm diffus.<br />

Doch die hochglanzlackierten Buntstifte<br />

reflektieren das Licht sehr stark, deswegen<br />

verhängte ich die Terrassentür zusätzlich mit<br />

einem Musselin-Tuch, um das Licht noch<br />

gleichmäßiger zu verteilen. Außerdem schraubte<br />

ich einen Polfilter auf das Objektiv, mit dem ich<br />

etwaige noch auftretende Reflexe ausblenden und<br />

gleichzeitig die Farbsättigung maximieren konnte.<br />

Jetzt begann ich mit dem Arrangement. Zunächst<br />

legte ich einige Stifte seitlich nebeneinander,<br />

wodurch ein farbenfrohes Linienmuster entstand.<br />

Um einen Fixpunkt zu erzeugen, bestand eine der<br />

Linien aus zwei roten Buntstiften, von denen die<br />

Spitze des einen auf dem Ende des anderen Stifts<br />

aufsetzte. Ich hatte Rot als Farbe gewählt, weil sie<br />

zu den am stärksten ins Auge fallenden Farben<br />

Links: Stillleben stehen<br />

und fallen mit guter<br />

Vorbereitung und<br />

ansprechendem<br />

Arrangement. Es dauerte<br />

eine Weile, bis alle Stifte<br />

gespitzt und richtig<br />

ausgelegt waren.<br />

Ganz links: Ohne Tuch<br />

vor dem Fenster und<br />

ohne Polfilter hätte es zu<br />

viele ablenkende<br />

Lichtreflexe an den<br />

hochglanzlackierten<br />

Stiften gegeben.<br />

Unten links und<br />

Mitte: Da die Stifte das<br />

gesamte Sucherbild<br />

ausfüllten, entstand ein<br />

abstraktes Bild und weil<br />

Stifte und Bildebene<br />

exakt parallel ausgerichtet<br />

waren, ergab sich eine<br />

gute Schärfentiefe.<br />

Unten rechts: Zuerst<br />

probierte ich einen<br />

niedrigeren<br />

Kamerastandpunkt und<br />

einen flachen<br />

Schärfentiefebereich,<br />

doch nur mit Mühe ließ<br />

sich so ein Reißverschluss<br />

assoziieren.<br />

Gegenüber: Dank<br />

seiner Symmetrie ist<br />

dieses endgültige Foto<br />

sehr ausdrucksstark<br />

geworden.<br />

gehört. Ich positionierte das Stativ mit der Kamera<br />

und senkrecht nach unten gerichtetem Objektiv<br />

über dem Motiv. Blende f/11 sollte sicherstellen,<br />

dass der gesamten Bildausschnitt scharf<br />

abgebildet werden würde. Ich probierte<br />

unterschiedliche Bildkompositionen mit der roten<br />

Buntstiftspitze an verschiedenen Positionen und<br />

mit unterschiedlichen Kamerawinkeln,<br />

einschließlich der Horizontalen und Diagonalen.<br />

Die Fotos waren zwar hell und farbenfroh, doch<br />

besonders kreativ sah das Ganze nicht aus. Also<br />

versuchte ich etwas Neues.<br />

Irgendwo hatte ich schon einmal Stifte gesehen,<br />

die in Form eines Reißverschlusses arrangiert<br />

waren. Ich machte mich also daran, sie so zu<br />

platzieren, dass die Buntstiftspitzen sich<br />

ineinander „verzahnten“. Ein mit der Klinge nach<br />

unten auf das Tablett gelegter Bleistiftanspitzer<br />

imitierte das Reißverschlusselement. Die Form<br />

eines Reißverschlusses verlangt zwingend das<br />

Hochformat. Ich brachte mein Arrangement also<br />

wieder formatfüllend in den Sucher und probierte<br />

erneut ein paar unterschiedliche Aufnahmewinkel,<br />

doch senkrecht von oben sah es am besten aus.<br />

Voilà: ein schnell improvisiertes, abstraktes<br />

Stillleben!<br />

128 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 129


EIN KREATIVER BLICK<br />

BUNTSTIFTE<br />

WER ZEICHNET WEN?<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D7000<br />

Objektiv: NIKKOR 18-105mm f/3.5-5.6G<br />

Software: Adobe Photoshop CS5<br />

FÜR MICH BEDEUTET<br />

KREATIVITÄT, etwas Alltägliches in<br />

einen neuen Zusammenhang zu<br />

bringen und diesen im Bild auf<br />

interessante Art auszudrücken.<br />

Also überlegte ich mir, wie man nach dieser<br />

Definition Bleistifte kreativ einsetzen konnte.<br />

Mir haben die Arbeiten von Ben Heine immer<br />

gut gefallen; falls Sie sie nicht kennen, schauen<br />

Sie unter www.benheine.com nach. Er<br />

kombiniert in seinen Bildern gerne<br />

Zeichnungen und Fotos, wobei die<br />

Zeichnungen als Fenster zu einer alternativen<br />

Realität dienen. Ich lasse mich also von seinen<br />

Werken anregen und versuche, die Grundidee<br />

noch ein Stück weiter zu führen. In diesem<br />

Beispiel sollte es so aussehen, als erwache die<br />

Zeichnung zum Leben und interagiere mit der<br />

realen Welt. Doch wie mit den meisten genialen<br />

Ideen, stieß ich sofort auf ein Problem: es war<br />

schon eine Weile her, dass ich mehr als<br />

Strichmännchen gezeichnet hatte. An einem<br />

Zeichenkurs vor vielen Jahren hatte ich nur<br />

teilgenommen, weil dem Klassenraum eine<br />

eigene Dunkelkammer angeschlossen war, die<br />

ich bei der Gelegnheit nutzen konnte.<br />

Nichtsdestotrotz schärfte ich meinen Bleistift<br />

und begann, meine Idee zu skizzieren: eine<br />

gezeichnete Hand, die aus dem flach auf dem<br />

Tisch liegenden Zeichenpapier hervorbricht und<br />

nun ihrerseits die reale Welt zeichnet. Nachdem<br />

diese Grundidee zu Papier gebracht war auch<br />

– wobei ich ein Agenturbild als Referenz benutzt<br />

hatte – scannte ich das ganze ein und öffnete<br />

die Datei in Photoshop. Ich war zwar<br />

überrascht, wie gut mein Versuch einer<br />

Bleistiftzeichnung tatsächlich an eine<br />

menschliche Hand erinnerte, doch die dünnen<br />

Bleistiftlinien würden nicht stark genug zu<br />

sehen sein, wenn ich sie in mein eigenes Bild<br />

montieren würde. So benutzte ich einen<br />

Tablet-Computer mit Stylus um meine<br />

Bleistiftzeichnung zu <strong>verbessern</strong>, wozu ich<br />

einen etwas dickeren, angewinkelten Pinsel<br />

benutzte. Auch das zerrissene Papier musste<br />

gezeichnet werden, doch ich schaffte es nicht,<br />

es realistisch aussehen zu lassen. Also lud ich<br />

ein Agenturbild herunter, zeichnete es auf den<br />

Tablet-Computer nach und fügte diese neue<br />

Zeichnung meiner ersten hinzu. Damit war der<br />

zeichnerische Teil erledigt, und ich wandte mich<br />

dem Bild zu, mit dem er kombiniert werden<br />

sollte.<br />

Ich positionierte ein Blatt DIN A4 Papier auf den<br />

Tisch sodass ich den korrekten Winkel, aus dem<br />

ich fotografieren würde, ermitteln konnte. Mit<br />

der Kamera auf dem Stativ nutzte ich Live-View,<br />

um den Bildausschnitt korrekt einzustellen.<br />

130 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Links: Mein einfaches<br />

Setup: ein Blitzgerät in<br />

einer kleinen Softbox<br />

diente als Hauptlicht,<br />

während die kleine<br />

Strip-Box rechts zum<br />

Aufhellen diente.<br />

Unten links: Meine<br />

ursprüngliche Skizze<br />

machte ich nach<br />

althergebrachter Weise mit<br />

Bleistift auf Papier. Dabei<br />

benutzte ich ein<br />

Agenturbild als Referenz.<br />

Doch nachdem die<br />

Zeichnung eingescannt<br />

war, erwiesen sich die<br />

Bleistiftstriche als zu<br />

dünn, um später im Bild<br />

als Konturen klar genug<br />

erkannt werden zu<br />

können.<br />

Ganz unten links: bei<br />

laufendem Selbstauslöser<br />

brachte ich mich in die<br />

richtige Position, bevor die<br />

erste Aufnahme ausgelöst<br />

wurde. Die Kamera schoss<br />

eine Serie von fünf<br />

Bildern, zwischen denen<br />

ich Höhe und Winkel des<br />

Bleistifts leicht verändern<br />

konnte, so dass eins<br />

davon zu meiner<br />

Zeichnung passen würde.<br />

Ganz unten rechts:<br />

Das ist das Foto, so wie es<br />

aus der Kamera kam. Es<br />

war schon eine ziemliche<br />

Fummelei, bis der Stift in<br />

der richtigen Position mit<br />

der Zeichnung<br />

interagierte.<br />

Nachdem ich mit der Perspektive zufrieden war,<br />

baute ich die Beleuchtung auf. Sie bestand aus<br />

einem einfachen Setup mit zwei Lampen; das<br />

Hauptlicht bestand aus einem auf halbe<br />

Leistung eingestellten Blitzgerät, dass links<br />

oben von der Kamera stand und durch eine<br />

kleine Softbox blitzte. Dann fügte ich ein zweites<br />

Blitzgerät hinzu das ebenfalls mit halber<br />

Leistung durch eine kleine Strip-Box blitzen<br />

würde. Diese zweite Leuchte war rechts hinter<br />

dem Tisch aufgebaut. Dieser Aufbau sollte, so<br />

einfach er war, das Motiv korrekt ausleuchten.<br />

Nun musste noch ein Modell her. Nichts<br />

einfacher als das, diese Rolle übernahm ich<br />

gern selbst. Ich begann mit der Kamera in<br />

manueller Betriebsart, die Verschlusszeit auf die<br />

maximale Blitzsynchronisation von 1/250<br />

Sekunde eingestellt. Doch aufgrund der<br />

Eigenart des verwendeten drahtlosen<br />

Blitzauslösers musste ich die Verschlusszeit auf<br />

1/200 Sekunde senken, damit der gesamte<br />

Bildausschnitt korrekt belichtet wurde. Ich<br />

fotografierte mit ISO 100 und einer Blende von<br />

f/8 um sowohl die optimale Schärfe als auch<br />

eine gute Schärfentiefe zu erreichen. Ich stellte<br />

die Kamera so ein, dass sie fünf Aufnahmen<br />

jeweils im Abstand von 3 Sekunden<br />

hintereinander schießen würde, ausgelöst per<br />

Selbstauslöser. So hatte ich genug Zeit, mich in<br />

Position zu setzen und diese zwischen den<br />

Einzelaufnahmen etwas zu verändern. Ich<br />

platzierte dem Bleistift in die Mitte des Papiers,<br />

stellte auf ihn scharf und schaltete den<br />

Autofokus aus. Dann setzte ich den<br />

Selbstauslöser in Gang und ging schnell in<br />

Position.<br />

Die fünf Aufnahmen waren gut genug, und ich<br />

konnte mich daran machen, das endgültige Bild<br />

zu produzieren. Ich blätterte durch die<br />

Raw-Dateien, bis ich das Bild fand, mit dem ich<br />

arbeiten wollte. Nach Import der Datei in Adobe<br />

Camera Raw justierte ich den Weißabgleich ein<br />

wenig und richtete das Bild gerade aus, dann<br />

öffnete ich die Datei in Photoshop. Nachdem<br />

ich meine Zeichnung in eine neue Ebene des<br />

Bildes kopiert hatte, benutzte ich die<br />

Transformieren-Werkzeuge zum Skalieren und<br />

Drehen der Zeichnung, so dass sie<br />

maßstabsgerecht ins Bild passte. Dann fügte ich<br />

eine Tonwertkorrekturebene hinzu und passte<br />

mit der Pipette das Weiß des Papiers an, damit<br />

beide Weißtöne übereinstimmten. Das würde<br />

das Zusammenführen von Zeichnung und Bild<br />

erheblich erleichtern. Als nächstes erzeugte ich<br />

eine schwach ausgeprägte Vignette, fügte eine<br />

Gradationskurvenkorrekturebene hinzu und<br />

stellte den Kontrast etwas nach. Zum Schluss<br />

schärfte ich das Bild mithilfe einer<br />

Unschärfemaske – und fertig war mein<br />

epochemachendes Kunstwerk.<br />

Ältere Kollegen, die es sahen, vermuteten, ich<br />

sei wohl durch das Musikvideo „Take On Me“<br />

von A-HA inspiriert worden – doch das stammt<br />

aus dem Jahr 1986, also noch vor meiner<br />

MTV-Zeit!<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 131


EIN KREATIVER BLICK<br />

BUNTSTIFTE<br />

WER IST HIER BUNT?<br />

Von Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 70-200mm f/2.8G ED<br />

Software: Adobe Photoshop<br />

ICH BIN SICHER, Sie alle haben<br />

solche Bilder schon gesehen:<br />

Eine Reihe von Buntstiften,<br />

aufgereiht zu einem farbenfrohen<br />

Stillleben. Das ist eine nette Idee,<br />

doch besonders kreativ erschien sie mir nicht<br />

für mein Vorhaben, das darin bestand, ein<br />

Stillleben mit besonderen Farbspielen zu<br />

kreieren. Als ich wenig auf der Straße an einer<br />

Tierhandlung vorbeikam, hatte ich die<br />

zündende Idee: Welche Kreatur ist besser für<br />

Farbenspiele geeignet als eine, die ihre eigene<br />

Farbe ändern kann? Also erkundigte ich mich<br />

im Geschäft nach Chamäleons. Man zeigte<br />

mir drei Exemplare, und ich suchte eines aus.<br />

Das Tier war zwar viel kleiner als ich erwartet<br />

hatte, doch es würde seinen Zweck perfekt<br />

erfüllen. Ich vereinbarte, am nächsten Tag<br />

wieder zu kommen, um die Fotos zu machen.<br />

Ich plante, das Reptil vor einer Reihe<br />

Buntstifte aufzunehmen und entschied mich<br />

für einen schlichten weißen Hintergrund –<br />

das würde später die Nachbearbeitung<br />

erleichtern. Bei meiner Ankunft am nächsten<br />

Tag hatte ich alles Notwendige dabei. Ich<br />

brachte ein Blatt weißes Papier an der Wand<br />

über einem kleinen Tischchen an und baute<br />

ein einzelnes, batteriebetriebenes<br />

Studioblitzgerät auf. Ich hatte mich für ein<br />

Setup mit nur einer Leuchte entschieden, weil<br />

das später im Studio, wenn ich die anderen<br />

Buntstifte fotografi eren würde, einfach zu<br />

reproduzieren war. Mithilfe eines<br />

Aluminiumsstreifens, den ich in die richtige<br />

Form bog, fi xierte ich den Buntstift und legte<br />

mit auf dem Stativ montierter der Kamera den<br />

Bildausschnitt fest. Ich verwendete ein<br />

NIKKOR 70-200mm f/2.8G Objektiv. Doch<br />

das Chamäleon war so winzig, dass es auch<br />

bei der minimalen Arbeitsdistanz des<br />

Objektivs nicht groß genug im Bild erschien.<br />

Dieses Problem löste ich mit einem 12 mm<br />

Zwischenring, wodurch das Reptil vergrößert<br />

wurde und sich die Arbeitsdistanz auf etwa<br />

30 cm reduzierte. Ein paar Testaufnahmen<br />

später hatte ich die Beleuchtung so, wie ich<br />

sie haben wollte, und ich brachte das Tier in<br />

Position. Es verhielt sich bemerkenswert still,<br />

so dass ich eine ganze Reihe Fotos machen<br />

konnte, bevor es sich bewegte und in die<br />

Ganz rechts: Das<br />

Chamäleon benahm<br />

sich als Modell sehr<br />

gut: Es blieb<br />

minutenlang in genau<br />

der richtigen Position,<br />

Rechts: …bevor es<br />

den Kopf drehte und in<br />

die Kamera sah.<br />

Kamera guckte – für seinen ersten Job als<br />

Modell hatte es sich jedenfalls perfekt<br />

angestellt.<br />

Später im Studio erzeugte ich dieselben<br />

Lichtverhältnisse und brachte die Reihe<br />

Buntstifte in Position. Doch der Effekt, den<br />

Sie hatten, gefi el mir nicht, das Ganze sah zu<br />

gezwungen aus. Also änderte ich das Motiv<br />

dahingehend ab, dass ich mich von der<br />

Reihenanordnung der Buntstifte<br />

verabschiedete und diese stattdessen in<br />

einen Becher steckte, was auf Anhieb viel<br />

natürlicher aussah. Ich benutzte einen<br />

einzelnen Stift als Platzhalter an der Stelle,<br />

an der sich die Eidechse befi nden würde,<br />

stellte manuell darauf scharf und machte<br />

mein Hintergrundbild. Jetzt brauchte ich die<br />

beiden Bilder nur noch zusammen zu<br />

montieren.<br />

Ich suchte mir das am besten gelungene Foto<br />

des Chamäleons aus und benutzte den<br />

Zauberstab, um den weißen Hintergrund und<br />

Links: Ich fotografi erte das<br />

Chamäleon mit nur einer<br />

einzigen Leuchte und einem<br />

Blatt DIN A4 Papier als<br />

Hintergrund. Das Reptil ist so<br />

klein, dass ich einen 12 mm<br />

Zwischenring benutzen<br />

musste, damit mein Objektiv<br />

es formatfüllend abbilden<br />

konnte.<br />

Ganz links: Das war mein<br />

zweites Bild – ich hatte etwas<br />

grüne Farbe auf einen Stift<br />

aufgebracht, ließ sie<br />

abtropfen und führte diese<br />

Aufnahme in Photoshop mit<br />

dem Bild des Chamäleons<br />

zusammen.<br />

Links: Ich benutzte ein<br />

einzelnes batteriebetriebenes<br />

Studioblitzgerät, um das<br />

Chamäleon und die<br />

Buntstifte auszuleuchten.<br />

Dieses einfache Setup<br />

erleichterte es, beide<br />

Aufnahmen<br />

zusammenzuführen, weil<br />

praktisch dieselben<br />

Lichtverhältnisse herrschten.<br />

Großes Bild rechts: Ein<br />

paar Minuten des<br />

Auswählens und Justierens<br />

in Photoshop, und ich hatte<br />

mein fertiges Bild, ein<br />

verblüffendes, buntes<br />

Stillleben – wobei der Begriff<br />

hier ausnahmsweise sogar<br />

zutrifft, denn schließlich war<br />

eine lebendige Kreatur im<br />

Bild.<br />

den Stift auszuschneiden. Ich positionierte<br />

anschließend den einzelnen Stift in eine neue<br />

Ebene vor den Becher mit den anderen<br />

Buntstiften. Dann nutzte ich das<br />

magnetische Lassowerkzeug und wählte die<br />

Teile des Tieres aus, welche die Farbe des<br />

jeweils dahinter platzierten Buntstifts<br />

annehmen sollten. Dann änderte ich die<br />

Farbe des ersten betroffenen Körperteils<br />

durch Änderungen der Farbbalance und der<br />

Einstellungen für Farbton und Farbsättigung.<br />

Diesen Prozess wiederholte ich nun für jeden<br />

einzelnen Buntstift, bevor ich beide Ebenen<br />

zusammen führte und den Kontrast<br />

verstärkte, was in einer duplizierten Ebene<br />

mit der Füllmethode „Überlagern“ geschah.<br />

Ich machte noch ein weiteres Bild, auf dem<br />

es so aussah, als würde alle Farbe aus dem<br />

Chamäleon herauslaufen und nach unten<br />

abtropfen. Es ist erstaunlich, wie viel<br />

Kreativität mit ein wenig Vorstellungskraft<br />

und nur sehr wenigen Requisiten möglich<br />

ist.!<br />

132 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 133


EIN KREATIVER BLICK<br />

KERZEN<br />

STRICHMÄNNCHEN<br />

Von Caroline Wilkinson<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR 50mm f/1.8<br />

Software: Adobe Photoshop CS5<br />

DIE VERWIRKLICHUNG dieser<br />

Idee, wenngleich etwas morbid, hat<br />

viel Spaß gemacht. Ich wollte schon<br />

lange mal eine Szene mit<br />

Strichmännchen gestalten. Ich habe<br />

wohl ein Faible für sie, nur bisher nie die Zeit<br />

gehabt, eine passende Szene zu entwickeln – es<br />

gab wohl immer etwas Besseres oder<br />

Wichtigeres zu tun. Der Auslöser, das Vorhaben<br />

endlich umzusetzen, war eine Unterhaltung mit<br />

meinem Mann. Er besitzt eine lebhafte<br />

künstlerische Fantasie und sprach über ein<br />

Projekt mit seinen Schülern, bei dem diese zu<br />

einem vorhandenen Bild eine detaillierte<br />

Hintergrundgeschichte erfinden und<br />

aufschreiben sollten. So kam mir die Idee für die<br />

Szene mit der Kerze und den Strichmännchen.<br />

Doch warum gerade die Kerze? Nun, es stand<br />

just eine Kerze auf dem Wohnzimmertisch vor<br />

meiner Nase. Nach einigem hin und her<br />

Überlegen wurde dann aus der Kerze ein Feuer<br />

– welche Art Feuer, bleibt ganz dem Betrachter<br />

überlassen: ein Osterfeuer, ein<br />

Sonnenwendfeuer, ein schauriges Opferfeuer,<br />

wer weiß?<br />

Als erstes machte ich mir dann eine Zeichnung,<br />

wie die Szene aussehen sollte: eine Lichtung im<br />

Wald mit Bäumen im Hintergrund und mit Moos<br />

und Kieselsteinen als Vordergrund, um die Szene<br />

zu komplettieren. Doch die Beleuchtung, der<br />

Maßstab und die Perspektive würden bei einem<br />

solchen Setup nur sehr schwer<br />

zusammenzubringen sein, doch das ganze<br />

Projekt sollte höchstens ein paar Stunden in<br />

Anspruch nehmen, nicht länger. Deswegen<br />

machte ich mich zum nächstgelegenen<br />

Baumarkt auf und besorgte mir ein paar<br />

Tapetenreste mit unterschiedlichen Mustern, aus<br />

denen ich einen passenden Hintergrund<br />

auswählen wollte. Wieder zuhause, fand ich<br />

dann auch eine Tapete, deren Farbtönung und<br />

Oberflächenbeschaffenheit perfekt mit dem<br />

warmen Licht der Kerze harmonieren würde. Ich<br />

wollte nur eine einzige Kerze verwenden und die<br />

Belichtung des Fotos solange anpassen, bis sie<br />

den Effekt erzeugen würde, der mir vorschwebte.<br />

Um die Strichmännchen herzustellen, wollte ich<br />

Oben links: Die <strong>Vorschau</strong><br />

der Szene auf dem<br />

Kameramonitor half mir, zu<br />

beurteilen, ob Beleuchtung<br />

und Maßstab richtig gewählt<br />

waren.<br />

Oben: Ich verbrauchte eine<br />

ganze Schachtel<br />

Streichhölzer bevor ich eine<br />

„Produktionsmethode“ für<br />

meine Strichmännchen fand.<br />

Links: Ein paar ganz<br />

alltägliche Dinge waren es<br />

nur, die ich brauchte, um die<br />

Aufnahme in den Kasten zu<br />

bekommen.<br />

Unten links und ganz<br />

unten: Ich probierte<br />

unterschiedliche Setups der<br />

Szene, bevor ich mich<br />

endgültig für eins entschied.<br />

Rechts: In meinem<br />

endgültigen Foto dominiert<br />

das „tote“ Männchen im<br />

Vordergrund. Das ganze war<br />

eine einfache Idee, die an<br />

einem freien Nachmittag<br />

auszuprobieren viel Spaß<br />

machte.<br />

eigentlich deren Arme und Beine aus besonders<br />

langen Streichhölzern anfertigen und sie zu<br />

diesem Zweck mit einem Taschenmesser<br />

spalten. Eine Streichholzschachtel und ein<br />

Haufen Streichholzfragmente später hatte ich die<br />

Erkenntnis, dass dies unmöglich war. Mit<br />

kleineren Streichhölzern und etwas Bastelleim<br />

funktionierte es schließlich. Dann stellte ich aus<br />

Wollfäden, wie man sie normalerweise für<br />

Stickereien verwendet, die „Kleidung“ für die<br />

Strichmännchen her. Nachdem das geschehen<br />

war und die Herrschaften eingekleidet waren,<br />

steckte ich sie einfach um ein Teelicht herum in<br />

die Tapete. Die Teile des im Vordergrund<br />

liegenden Strichmännchens wurden zuerst<br />

angesengt und danach zusammengeleimt.<br />

Nachdem sich das Arrangement an Ort und<br />

Stelle befand, griff ich zur Kamera und<br />

experimentierte mit unterschiedlichen<br />

Bildkompositionen und Kamerastandpunkten,<br />

bevor ich das Teelicht anzündete und ein Testfoto<br />

machte. Ich nahm alle Einstellungen manuell vor<br />

und begann mit Blende f/8, die ich später in f/9<br />

änderte. Die Einstellung der Verschlusszeit war<br />

weniger einfach. In diesem Fall war eine<br />

„richtige“ Belichtung nicht die beste Belichtung,<br />

denn zu viel Licht bedeutete das Fehlen der<br />

gewünschten Atmosphäre. Ich begann mit einer<br />

Verschlusszeit von 4 Sekunden und endete bei 2<br />

Sekunden, was wesentlich mehr Details der<br />

Flamme hervorbrachte und ein Glühen, das<br />

zuvor nicht zu sehen war. Trotzdem war das Licht<br />

ausreichend, das „tote“ Strichmännchen auf<br />

dem Boden gut auszuleuchten.<br />

Bleibt nur noch die Frage, was hier geschah. War<br />

nur jemand unvorsichtig, oder fand irgendein<br />

Ritual statt?<br />

134 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 135


EIN KREATIVER BLICK<br />

KERZEN<br />

RAUCHSIGNALE<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D5200<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S DX 18-55mm f/3.5-5.6<br />

Software: Adobe Lightroom 4 und CS5<br />

EINE KURZE SUCHE auf 500px<br />

oder Flickr zeigt, dass Kerzen<br />

besonders beliebte Requisiten für<br />

Stillleben sind. Warum, ist<br />

unschwer zu nachzuvollziehen:<br />

Sie sind ästhetisch und erzeugen einen<br />

angenehm warmen Glanz.<br />

Doch ein kreatives, vor allem neues Motiv zu<br />

gestalten, war schwieriger als angenommen.<br />

Nach langem Überlegen und intensiver<br />

Suche nach Anregungen dämmerte es mir<br />

plötzlich: die Kerze selbst musste gar nicht<br />

das Motiv sein, sie musste lediglich eine<br />

Rolle zur Schaffung des Motivs spielen. So<br />

entschloss ich mich, die Rauchspur vom<br />

Docht einer erlöschenden Kerze für ein<br />

abstraktes Foto zu nutzen. Die<br />

entsprechenden Aufnahmen waren der<br />

leichtere Teil des Vorhabens. Ich stellte ein<br />

Stück schwarzen Styropors als Hintergrund<br />

auf die Arbeitsfl äche der Küchenzeile und<br />

einen Kerzenhalter mit Kerze davor. Dann<br />

montierte ich die Kamera im Hochformat auf<br />

das Stativ, richtete sie aus, und stellte per<br />

Einzelpunkt-AF auf den Docht der Kerze<br />

scharf. Dann schaltete ich den Autofokus ab,<br />

damit sich die Einstellung nicht mehr<br />

verändern konnte. Alle anderen<br />

Einstellungen nahm ich manuell vor: ISO<br />

100, die maximale Blitz<br />

Blitzsynchronisationszeit von 1/200<br />

Sekunde und Blende f/8 für eine komfortable<br />

Schärfentiefe. Dann schloss ich einen<br />

drahtlosen Fernauslöser an die Kamera und<br />

den dazugehörigen Empfänger an das<br />

Blitzgerät an, dass ich rechts von der Kerze<br />

auf der Arbeitsfl äche aufbaute, so dass es in<br />

einem Winkel nach oben blitzen und den<br />

aufsteigenden Rauch beleuchten würde.<br />

Auch den Blitz stellte ich manuell ein und<br />

versuchte es mit 1/32 der maximalen<br />

Leistung, die sich nach einem Testfoto als<br />

ausreichend herausstellte. Allerdings fi el<br />

auch etwas Licht auf den Hintergrund. Um<br />

das abzustellen, benutzte ich rechts vom<br />

Objektiv ein kleines Stück schwarzer Pappe<br />

und links einen schwarzen Aktenordner, und<br />

das Problem war gelöst.<br />

Bevor ich die Kerze anzündete, öffnete ich<br />

Küchentür und Küchenfenster, damit der<br />

Raum auskühlte, denn in kühleren<br />

Umgebungen ist Rauch besser erkennbar,<br />

und er hält sich länger. Nach einer halben<br />

Stunde schloss ich Tür und Fenster wieder<br />

und dunkelte den Raum ab. Nach dem<br />

Anzünden der Kerze ließ ich sie etwa eine<br />

Minute brennen, bevor ich sie ausblies und<br />

eine Bildserie schoss. Dies wiederholte ich<br />

mehrere Male, wobei ich herausfand, dass<br />

der Rauch, wenn er sich in Richtung<br />

Blitzgerät zog, unterbelichtet wurde. Um<br />

dieses Problem zu lösen, stellte ich ein<br />

zweites Blitzgerät an der anderen Seite der<br />

Kerze auf und stellte beide Blitzgeräte auf<br />

1/64 der vollen Leistung ein. Das bewirkte,<br />

dass der Rauch von derselben Lichtmenge<br />

Oben links:<br />

Zuerst erfolgte die<br />

Bildkomposition, dann<br />

wurde die Kamera auf<br />

dem Stativ fixiert. So<br />

hatte ich die Hände frei,<br />

um die Kerze zu<br />

bedienen und<br />

zwischendurch zu<br />

fotografieren.<br />

Oben: Nachdem die<br />

Kerze angezündet war,<br />

ließ ich sie so lange<br />

brennen, bis der Docht<br />

heiß genug war, um<br />

nach dem Auslöschen<br />

Rauch zu erzeugen.<br />

Links: Nach jedem<br />

Ausblasen der Kerze<br />

hatte ich Zeit genug, 3-4<br />

Aufnahmen in den<br />

Kasten zu bekommen,<br />

bevor sich der Rauch<br />

auflöste.<br />

Unten links: Ich<br />

wählte die gelungensten<br />

Rauchmuster in<br />

Lightroom, um sie in<br />

Photoshop mithilfe des<br />

Lassowerkzeugs<br />

zusammenzufügen.<br />

wie zuvor beleuchtet wurde, es aber keine<br />

Rolle mehr spielte, in welche Richtung er zog.<br />

Ein positiver Nebeneffekt war, dass die<br />

Blitzgeräte wegen der geringeren Blitzleistung<br />

schneller aufgeladen wurden als zuvor das<br />

einzelne Gerät. So konnte ich mehr Fotos<br />

schießen, bevor der Rauch sich aufl öste.<br />

Die Nachbearbeitung erfolgte zunächst mit<br />

Lightroom, wo ich die besten Rauchmuster<br />

aussuchte und nach Photoshop exportierte.<br />

Mit dem Lassowerkzeug wählte ich die<br />

einzelnen Rauchfahnen aus und kopierte sie<br />

in ein Bild der rauchfrei brennenden Kerze.<br />

Dann änderte ich die Füllmethode aller<br />

Ebenen zu „Aufhellen“, damit der Rauch<br />

durchscheinen konnte.<br />

Um das Ganze attraktiver zu machen, fügte<br />

ich jeder Rauchspur eine bunte Verlaufsebene<br />

hinzu und änderte die Füllmethode jedes<br />

Verlaufs in „Farbe“. Zum Schluss fügte ich<br />

alle Ebenen zusammen und duplizierte und<br />

spiegelte sie. Es folgten noch eine kleine<br />

Korrektur der Gradationskurven und etwas<br />

Bildschärfen, und fertig war das Endergebnis.<br />

Ich hatte mich entschieden, die Kerze nicht<br />

im Bild zu lassen, weil sie im Widerspruch<br />

zu der abstrakten Erscheinung des<br />

Bildes stand.<br />

136 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 137


EIN KREATIVER BLICK<br />

KERZEN<br />

DIE FLAMBIERTE FRAU<br />

Von Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR 24-70mm f/2.8<br />

Software: Adobe Photoshop CS2<br />

MEINE URSPRÜNGLICHE Idee für<br />

dieses Projekt war, Kerzenwachs<br />

über einem Perückenkopf aus<br />

Styropor zu schmelzen, so dass<br />

nach dem Erkalten des Wachses<br />

eine Art Helm entstehen würde, den das Model<br />

tragen sollte. Ich wollte es so aussehen lassen,<br />

als sei ihr Kopf eine große Kerze, wobei das<br />

geschmolzene Wachs das Gesicht hinunter<br />

laufen würde. Doch als ich die Sache genauer<br />

durchdachte, wurde klar, dass es so nicht<br />

funktionieren würde. Es würde viel zu lange<br />

dauern, das Wachs zu schmelzen, außerdem<br />

hätte ich so viele Kerzen gebraucht, dass die<br />

Aktion ziemlich teuer geworden wäre.<br />

Als ich mich nach einem passenden Model und<br />

Visagisten umsah, kam ich mit Sabina<br />

Yunusova in Kontakt, mit der ich schon zuvor<br />

zusammengearbeitet hatte. Sie ist sehr kreativ,<br />

und ich wusste, wenn ich sie dabei haben<br />

würde, könnte ich es ihr überlassen, Kopf und<br />

Haare des Models in einen Kerzenhalter zu<br />

verwandeln. Nun mussten wir einen Weg<br />

finden, die Kerzen am Kopf zu befestigen. Ich<br />

besorgte vom Flohmarkt ein paar einfache<br />

Kerzenhalter, deren Fuß abgeschraubt werden<br />

konnte. Aus einem langen Streifen<br />

Aluminiumblech formte ich eine Art Stirnband<br />

und bohrte drei Löcher hinein, die als Aufnahme<br />

für die von ihren Standfüßen abgeschraubten<br />

Kerzenhalter dienten. Diese wurden mit<br />

passenden Muttern befestigt. Auf dem Foto<br />

sollte viel Rauch vor dem Hintergrund zu sehen<br />

sein. Ich benutzte dazu drei Lichtquellen und<br />

eine Rauchmaschine. Die Hauptleuchte<br />

bestand aus einer großen Octobox mit einem<br />

Wabendiffusor, der aus einer Eierverpackung<br />

improvisiert worden war. Diese Konstruktion<br />

verhinderte, dass Licht direkt auf den<br />

Hintergrund fiel. Ein Blitzgerät diente dazu, den<br />

Rauch hinter dem Modell zu beleuchten, ein<br />

weiteres befand sich links hinter der Visagistin,<br />

welche die Rauchmaschine bediente. Das Foto<br />

wurde mit 1/60 Sekunde bei Blende f/7.1 und<br />

ISO 200 geschossen.<br />

Die brennenden Kerzen wurden zur Sicherheit<br />

separat aufgenommen, denn wir wollten nicht<br />

die Haare des Modells entzünden – Haarspray<br />

ist extrem brennbar! Ich schoss mehrere<br />

Aufnahmen der Kerzen, damit sie auf dem Foto<br />

nicht identisch aussahen. Dabei verwendete ich<br />

keinen Blitz, sondern schaltete die<br />

Raumbeleuchtung aus, fotografierte vom Stativ<br />

und nahm die Belichtungsmessung an der<br />

Flamme vor. Der schwarze Hintergrund sorgte<br />

dafür, dass ich die Kerzen später problemlos als<br />

einzelne Ebenen in Photoshop einarbeiten<br />

konnte.<br />

Nachdem wir alles im Kasten hatten, gingen wir<br />

zurück in den Lifestyle-Bereich des Studios, wo<br />

auch vor der Session das Make-up des Models<br />

aufgelegt worden war. Dort war das durch die<br />

großen Fenster hereinfallende Tageslicht gerade<br />

so schön, dass ich noch eine Reihe weiterer<br />

Aufnahmen machte. Dazu änderte ich die<br />

Kameraeinstellungen auf ISO 800 und Blende<br />

f/3.2, denn das Licht war natürlich weniger<br />

intensiv als das der zuvor verwendeten<br />

Blitzgeräte. Ich stand zwischen dem Model und<br />

dem Fenster, damit das Gesicht gleichmäßig<br />

ausgeleuchtet war. So entstand die letzte<br />

Aufnahme des Tages, und wie sich<br />

herausstellte, auch die beste.<br />

Oft ist weniger eben doch mehr.<br />

Alternativszene<br />

Im Uhrzeigersinn<br />

von oben links: Ich<br />

bohrte drei Löcher in das<br />

Aluminiumblech, durch<br />

die die Gewinde der<br />

Kerzenhalter gesteckt<br />

und mit Muttern<br />

gesichert wurden.<br />

Sabina drapierte<br />

währenddessen das<br />

Haar des Models so,<br />

dass die Konstruktion der<br />

Kerzenhalter darunter<br />

verborgen sein würde.<br />

Unten links: Die dritte<br />

Leuchte ist hier nicht zu<br />

sehen; sie befindet sich<br />

links von der<br />

Rauchmaschine und<br />

sorgt für Glanz auf dem<br />

Haar und dem Nacken<br />

des Models.<br />

Unten: Dies war das<br />

eigentlich beabsichtigte<br />

Foto, dem der gesamte<br />

Aufwand einschließlich<br />

Rauch und den drei<br />

Leuchten gegolten hatte.<br />

Ganz unten: Ich<br />

fotografierte die Kerzen<br />

getrennt im dunklen<br />

Raum und montierte sie<br />

später per Bildfüllmodus<br />

mit Photoshop in das<br />

Bild hinein.<br />

Rechts: Die Fenster in meinem<br />

Lifestyle-Studio befinden sich in<br />

einer Höhe von etwa 1,80 m und<br />

reichen bis unter die<br />

Zimmerdecke. Das sorgt für viel<br />

natürliches Tageslicht; der Effekt<br />

ist etwa derselbe wie der einer<br />

großen Softbox, die in einem<br />

Winkel von 45 Grad nach unten<br />

gerichtet ist.<br />

Mitte: Ich fotografierte im<br />

Raw-Format und dunkelte das<br />

Bild in der Nachbearbeitung leicht<br />

ab, bevor ich die Farbsättigung<br />

verminderte und eine Vignette<br />

hinzufügte.<br />

138 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 139


Spitzen<br />

-Profis<br />

1<br />

SHOOTING<br />

VON<br />

STARS<br />

DER HAARPOMADE „BRYLCREEM“ BIS ZU CADBURY CREME<br />

EGGS, OB OLYMPIONIKEN, SCHAUSPIELER ODER KOMIKER: ADAM<br />

LAWRENCE HAT SIE ALLE PORTRÄTIERT. MIT CAROLINE WILKINSON<br />

SPRICHT ER DARÜBER, WARUM PERSÖNLICHKEIT SO WICHTIG IST<br />

– FÜR FOTOGRAFEN UND PORTRÄTIERTE.<br />

„MEIN ONKEL ADAM ist Mamas Bruder. Er ist<br />

verrückt, aber er ist wirklich nett zu mir. Mein<br />

Onkel Adam gibt mir für fünf Minuten sein<br />

iPhone, wenn Mama das will. Mein Onkel<br />

Adam hat Haare, so struppig wie ein Vogelnest.<br />

Er hat immer T-Shirts an wo so Sachen wie<br />

„Punk“ drauf stehen und er redet so lustig. Mein Onkel Adam<br />

benimmt sich, als ob er erst fünf wäre, und er kitzelt mich<br />

immer. Mein Onkel Adam macht dauernd Fotos von mir und<br />

von meinem Bruder, weil er Fotograf ist.“ Das war mein erster<br />

Eindruck von dem in London arbeitenden Porträtfotografen<br />

Adam Lawrence, gesehen durch die Augen seiner<br />

siebenjährigen Nichte. Ein starker Kontrast zu den üblichen<br />

Biografien, doch angesichts der hochkarätigen Marken- und<br />

Medien-Giganten wie Hovis, N-Power, Doritos, Channel 4,<br />

Radio One, LoveFilm, BBC, Nestle, Morrisons – die Liste ließe<br />

sich fortsetzen – wird klar, dass er es mit Humor und<br />

Ungewöhnlichkeit weit gebracht hat.<br />

„Ich möchte, dass die Leute meine Bilder anschauen und<br />

etwas Eigenartiges in ihnen sehen, das sie zum Lächeln<br />

bringt.“<br />

Wenn er eine Verbindung zu den Porträtierten herstellt, bedeutet<br />

das, dass er ihre Persönlichkeit durch seine Porträts ausstrahlen<br />

kann und zugleich eine Beziehung aufbaut, die weitere Aufträge<br />

sichert. Das war so bei Gok Wan und Channel 4, bei Victoria<br />

Pendleton und den vielen Kampagnen, die auf sportlichem<br />

Erfolg beruhten. Persönlichkeit und Talent haben Adams<br />

Karriere viele Türen geöffnet, sodass er sich weiter entwickeln<br />

und in neuen Bereichen versuchen konnte. Wenn man sein<br />

vielseitiges Portfolio anschaut, stellt man erstaunt fest, dass<br />

man ihn keinem bestimmten Genre zuordnen kann.<br />

„Im vergangenen Sommer habe ich die Standfotos für zwei<br />

Spielfilme gemacht, und zwischendurch immer wieder meine<br />

Werbeaufnahmen. Es ist eine andere Herausforderung – man<br />

muss mit dem vorhandenen Licht arbeiten und ist ständig von<br />

der Film-Crew umgeben; die Arbeit hat dokumentarischen<br />

Charakter und unterscheidet sich sehr von meinem normalen,<br />

perfektionierten Stil. Ich genieße diese Vielfalt, doch ganz oft<br />

überschneiden sich solch unterschiedliche Bereiche der<br />

<strong>Fotografie</strong>. Die Schauspieler wissen zum Beispiel, dass ich<br />

auch Werbefotograf bin, also muss ich sie gar nicht lange<br />

überreden, sich vor einen weißen Hintergrund zu stellen,<br />

wenn sich die Gelegenheit ergibt. Diese Bilder können dann<br />

ohne weiteres auf Werbeflächen an den Seiten der<br />

Straßenbahnen und Stadtbusse enden, als Teil der<br />

Werbekampagne für den Film.“<br />

Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung mit Film und<br />

Fernsehen hat er seine inzwischen 20 Jahre dauernden Karriere<br />

aufgebaut; es war nicht die <strong>Fotografie</strong>, mit der sie anfing. Er war<br />

immer sehr vielseitig, und das ist bis heute so geblieben.<br />

„Mein Durchbruch kam mithilfe eines Freundes, der 1992 in<br />

der Presseabteilung für Capital Radio arbeitete: ich<br />

1) Der fünfjährige<br />

Darryl Olorunfem,<br />

verkleidet als kleiner<br />

Tinie Tempah wurde<br />

für eine Vision-Express<br />

Kampagne fotografiert,<br />

die Kindern ihre Scheu<br />

vor dem Tragen einer<br />

Brille nehmen sollte.<br />

Es sollte Teil einer Serie<br />

von Mini-Musik- und<br />

Hollywood-Stars<br />

werden, aber das<br />

Projekt wurde nicht<br />

weiter verfolgt.<br />

2) Paloma Faith – Tia<br />

Marias<br />

Markenbotschafterin<br />

– wurde mit einer<br />

Phase One P30+ back<br />

mit einer Verschlusszeit<br />

von 1/250 Sekunde<br />

bei Blende f/16<br />

aufgenommen.<br />

140 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


2<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 141


Spitzen -Profis<br />

3) Weltmeisterin und<br />

Olympiasiegerin Victoria<br />

Pendleton wurde für eine<br />

Hovis-Kampagne als Audrey<br />

Hepburn in Frühstück bei<br />

Tiffany abgelichtet.<br />

4) Gok Wan wurde für „How<br />

to Look Good Naked“ mit<br />

einer Hasselblad P30+ und<br />

Phase One Rückwand in<br />

einer einzigen Aufnahme<br />

fotografiert, mit 1/8 Sekunde<br />

bei Blende f/16.<br />

5) Diese Aufnahme von<br />

Heston Blumenthal gehörte<br />

zu einer dreiteiligen<br />

Komposition: Heston, einen<br />

Eimer Deckel haltend, die<br />

Tortenschachtel und die aus<br />

einem Kasten aufflatternden<br />

Tauben. Geschossen wurde<br />

mit einer Verschlusszeit von<br />

1/5000 Sekunde bei Blende<br />

f/19.<br />

6) Ein Teil der Besetzung von<br />

„Made in Chelsea“,<br />

fotografiert mit einer Phase<br />

One IQ140. Das Bild besteht<br />

aus einer einzigen<br />

Aufnahme, bei der zwölf<br />

Leuchten benutzt wurden.<br />

Sie wurde mit einer<br />

Verschlusszeit von 1/125<br />

Sekunde bei Blende f/13<br />

gemacht.<br />

3<br />

4 5<br />

fotografierte einige Radio-Berühmtheiten, das war für mich<br />

der Einstieg. Doch die redaktionelle <strong>Fotografie</strong> mit festem<br />

Einkommen stirbt langsam aus, und seit die Musikindustrie<br />

Konkurrenz durch das Internet bekam, geht es nur noch<br />

darum, halbnackten Glamour zu fotografieren – in all den<br />

Strapsen und Strümpfen war nicht mehr viel Raum für<br />

Persönlichkeit. Meine heutige Arbeit besteht meist aus<br />

High-End PR: TV-Publicity und charakterbetonte Anzeigen.<br />

Mir gefällt alles, was auf einer guten Idee beruht und im<br />

Studio eine Herausforderung darstellt. Eine meiner<br />

kürzlichen Aufnahmen, an die ich mich gerne erinnere, war<br />

für Cadbury: die Fortsetzung einer bereits gelaufenen<br />

Creme-Egg-Kampagne. Dafür haben wir das Coverfoto neu<br />

erfunden, auf dem Nigela Lawson mit Honig überzogen war<br />

– nur diesmal haben wir mit Wasser verdünnte Schmiere<br />

benutzt. Es war eine famose Schweinerei.“<br />

Wie alle erfolgreichen Fotografen wird Adam wegen seines Stils<br />

angeheuert, der Art und Weise, wie er denkt und fotografiert.<br />

Abgesehen von seinem Auftreten hat das eine Menge zu tun<br />

mit seinen Fähigkeiten der Beleuchtung, die normalerweise<br />

ausgewogen ist zwischen hartem und weichem Licht. Er<br />

benutzt gerne eine kleine Softbox als Hauptlicht und eine<br />

weitere Leuchte mit Beauty-Dish, die jedoch nicht in die Mitte<br />

des Motivs strahlt. Diese Kombination ergibt eine weiche<br />

Gesamtansicht des Gesichts, während die Gesichtszüge durch<br />

das harte Licht hervorgehoben werden. Bei Aufnahmen wie<br />

die Besetzung des Films „Made in Chelsea“ kann es aber<br />

wesentlich komplizierter werden:<br />

„Das war das Ergebnis der Kombination von großartiger<br />

Location, einem hervorragenden Requisiteur und einem<br />

exzellenten Retuscheur. Es ist eine einzige Aufnahme, was<br />

bedeutete, dass da wohl so um die 10 bis 12 Leuchten im<br />

Spiel waren. Jede einzelne Person musste individuell<br />

herausgehoben werden mit Randleuchten an den richtigen<br />

Stellen und einer Mischung aus hartem und weichem<br />

Licht.“<br />

Adam ist der Ansicht, dass die Arbeit eines professionellen<br />

Retuscheurs zu einem wichtigen Teil der Branche geworden<br />

ist, quasi als Nebeneffekt der Digitalfotografie.<br />

„Die Digitaltechnik hat nicht nur unseren Workflow<br />

verändert, weil wir Bilder jetzt sofort sehen und verändern<br />

können, sondern auch für die Kunden, weil sie eine<br />

Aufnahme jetzt auf dem iPad ansehen können; es bedeutet<br />

auch, dass Porträts heute im Vergleich zu den Tagen des<br />

Films viel perfekter aussehen müssen. Wie für die <strong>Fotografie</strong><br />

mit Film eine gute Vergrößerung entscheidend war, ist es<br />

jetzt gute Retusche, die deine Arbeit heraushebt.“<br />

Weitere Bilder finden Sie auf www.adamlawrence.com<br />

7) Hier haben<br />

CGI-Künstler das<br />

Kleid für Paloma Faith<br />

kreiert. Wir<br />

fotografierten in dem<br />

Raum zuerst eine<br />

silberne Kugel, so<br />

dass die Artists<br />

wissen konnten,<br />

wohin die Spitzlichter<br />

fallen würden.<br />

8) David Mitchell und<br />

Robert Webb<br />

fotografierten diesen<br />

Mitchell und Webb<br />

Look. Die<br />

Beleuchtung bestand<br />

einfach aus zwei<br />

Blitzköpfen mit<br />

Softboxen.<br />

9) Lydia Bright aus<br />

„The Only Way is<br />

Essex“ wurde für die<br />

Cadbury Creme-Egg<br />

Kampagne<br />

fotografiert.<br />

142 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Adam Lawrence<br />

6<br />

PORTRÄTS MÜSSEN HEUTE IM VERGLEICH ZU DEN ZEITEN DES FILMS VIEL PERFEKTER<br />

AUSSEHEN. WIE FÜR DEN FILM EINE GUTE VERGRÖSSERUNG ENTSCHEIDEND WAR, IST ES<br />

JETZT GUTE RETUSCHE, DIE DEINE ARBEIT HERAUSHEBT.“<br />

7 8 9<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 143


Spitzen-Profis<br />

LIEBESGRÜSSE<br />

AUS MOSKAU<br />

VOM ROTEN PLATZ BIS ZU DEN WEISSEN NÄCHTEN SANKT PETERSBURGS: REISEFOTOGRAF JON<br />

HICKS BERICHTET ÜBER SEINE RUSSLAND-EXPEDITION UND ERKLÄRT, WARUM ER EINE MICRO<br />

FOUR-THIRDS KAMERA GEGENÜBER SEINER CANON EOS-1DS MK III VORZIEHT.<br />

JEWEILS ACHT TAGE in Moskau und Sankt<br />

Petersburg sollten es sein, und im Gegensatz<br />

zu den meisten meiner Projekte für Corbis<br />

Images verlief auch fast alles nach Plan. Ich<br />

wollte schon lange gerne nach Russland<br />

reisen, doch die bisher geltenden Vorschriften<br />

über das Fotografi eren öffentlicher Plätzen, insbesondere in<br />

Moskau, hatten mich abgeschreckt.<br />

Es gab zu viele Örtlichkeiten, an denen keine professionelle<br />

Ausrüstung verwendet werden durfte, beispielsweise die<br />

Moskauer U-Bahn, und selbst für ein Stativ brauchte man<br />

eine Sondererlaubnis. Aufgrund dieser Restriktionen kam ein<br />

Besuch in Russland für mich lange Zeit nicht in Frage.<br />

Doch ich hatte gehört, dass aufgrund des politischen<br />

Einfl usses eines russischen Kollegen die Vorschriften<br />

gelockert worden waren; sie galten angeblich nun nur noch<br />

für Privatgelände, und genauso war es auch. Trotzdem war<br />

ich darauf vorbereitet, feindselige Reaktionen zu vermeiden,<br />

indem ich mir vor dem Abfl ug eine Olympus OM-D EM-5<br />

Kamera zugelegt hatte. Sie erwies sich bei Innenaufnahmen<br />

in der U-Bahn, in Einkaufszentren, in Kirchen und<br />

Museen von unschätzbarem Wert – eben überall dort, wo<br />

erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gelten. Mit dieser<br />

Kamera ohne weiteres Zubehör sah ich wie ein Tourist<br />

aus, und das war mein Vorteil. So konnte ich Situationen<br />

fotografi eren, die mir mit voller Profi ausrüstung ganz<br />

sicher verwehrt geblieben wären. Ein Übriges tat die<br />

hervorragende Bildstabilisierung der Kamera. Das System<br />

arbeitet über fünf Achsen, nicht nur über die Horizontale<br />

und die Senkrechte. Ich konnte die Kamera beliebig<br />

drehen und neigen, und auch bei langen Verschlusszeiten<br />

noch aus der Hand schießen. Die Wechselobjektive sind<br />

vergleichsweise winzig; darum ist dieses Kamerasystem<br />

sehr einfach und unauffällig zu transportieren.<br />

Ich verwendete sehr oft das Lumix G Vario 7-14mm f/4<br />

Objektiv, denn es ist ein sehr gutes Weitwinkel für<br />

Innenaufnahmen (entsprechend 14–28 mm im<br />

Vollformat). Außerdem hatte ich noch ein 20mm f/1.8<br />

und ein 45mm f/1.7 Objektiv dabei (entsprechend 40<br />

mm und 90 mm im Vollformat). Im Vergleich zu einem<br />

35mm-Objektiv bekommt man damit viel mehr<br />

Schärfentiefe. Ich habe zum Beispiel in der U-Bahn mit<br />

1/8 Sekunde bei Blende f/5.6 aus der Hand geschossen,<br />

und weil der Sensor ein sehr gutes Rauschverhalten hat,<br />

machte ich viele Aufnahmen bei ISO 1600. Natürlich<br />

schneidet die Olympus bei der Bildqualität im direkten<br />

Vergleich zu meiner Canon EOS-1Ds Mk III schlechter ab,<br />

doch das war zu erwarten. Für den Zweck, zu dem ich sie<br />

gekauft hatte, konnte ich mir nichts besseres wünschen.


Das Wetter in<br />

Moskau war sehr<br />

wechselhaft, doch<br />

das hinderte mich<br />

nicht daran, auf dem<br />

Roten Platz diese<br />

Touristen mit<br />

aufgespannten<br />

Regenschirmen zu<br />

fotografieren.<br />

Kamera: Canon<br />

EOS-1Ds Mk III,<br />

Belichtung mit 1/4<br />

Sekunde bei Blende<br />

f/6.3


Spitzen<br />

-Profis<br />

Jon Hicks<br />

1<br />

1) Obwohl traditionelle<br />

russische Szenen von<br />

den Agenturen nicht<br />

nachgefragt werden,<br />

schoss sich auch solche<br />

Motive, aber in meinem<br />

eigenen Stil. So entstand<br />

dieses Bild vom Kreml<br />

und der Moskwa in der<br />

Dämmerung, mit einem<br />

70-200mm f/2.8<br />

Objektiv und 5<br />

Sekunden Belichtung<br />

bei Blende f/13.<br />

2) Die Olympus OM-D<br />

E-M5 leistete mir<br />

unschätzbare Dienste<br />

bei Innenaufnahmen,<br />

besonders mit dem<br />

Lumix G Vario 7-14mm<br />

f/4 Objektiv. Diese<br />

Aufnahme entstand aus<br />

der Hand mit 1/10<br />

Sekunde Verschlusszeit<br />

bei Blende f/5 und ISO<br />

1250.<br />

3) Kirche am Griboyedov<br />

Kanal in St. Petersburg<br />

in einer weißen Nacht,<br />

aufgenommen mit einer<br />

Brennweite von 24 mm.<br />

2<br />

3<br />

(nächtse Seite :)<br />

4) Mit der Olympus konnte<br />

ich auch an Orten wie der<br />

Moskauer U-Bahn<br />

fotografieren, und ich<br />

brauchte keine<br />

Kompromisse wegen<br />

möglichen Verwackelns<br />

einzugehen. Ich konnte<br />

aus der Hand mit 0,3<br />

Sekunden Verschlusszeit<br />

bei Blende f/4 schießen,<br />

um den Zug und die<br />

Reisenden verschwimmen<br />

zu lassen.<br />

5) In der Galeria Shopping<br />

Mall in Sankt Petersburg,<br />

aufgenommen mit der<br />

Olympus mit 1/40<br />

Sekunde Verschlusszeit<br />

bei Blende f/5 und ISO<br />

200.<br />

WENN SIE IM MAI IN MOSKAU SIND, DÜRFEN SIE NICHT DIE<br />

WEISSEN NÄCHTEN VON SANKT PETERSBURG VERSÄUMEN.<br />

Die produzierten Fotos erforderten allerdings einige<br />

Nachbearbeitung, um sie an Bildagenturen verkaufen zu<br />

können. Es müssen beispielsweise Artefakte und<br />

Farbsäume entfernt werden, und selbstverständlich sind<br />

Nachschärfen und Rauschreduktion obligatorisch.<br />

Aufnahmen mit der Canon brauchen nichts von alledem.<br />

Ich erledigte meinen Pfl ichtanteil an traditionellen<br />

Russlandfotos, obwohl Bildagenturen damit überschüttet<br />

werden. Dann konzentrierte ich mich auf das moderne<br />

Russland: die Einkaufszentren, die Geschäftsviertel wie die<br />

neue Moskauer City und das U-Bahn System. Auch wenn<br />

Bilder von Starbucks, Marks & Spencer und Mc Donald´s<br />

weniger interessant sind als die wunderbare Architektur,<br />

sind kyrillische Schriftzeichen ein fotografi sches<br />

Alleinstellungsmerkmal, jedenfalls für West-Kunden, und<br />

die ein- und ausströmenden Menschen ergeben<br />

dynamische Bilder. Über die Hälfte meiner Zeit in Moskau<br />

war der Himmel bedeckt, ich verbrachte viel Zeit in<br />

Gebäuden und wartete auf die Nacht. Hier kam die Olympus<br />

zu ihrem Recht: Wo immer ich mit meiner Canon und dem<br />

Stativ auf dem Rücken ein Einkaufszentrum betrat, wurde ich<br />

von irgendeinem Sicherheitsmenschen belehrt: „Keine Fotos“.<br />

So versuchte ich denn das Beste aus meiner Zeit zu machen,<br />

selbst im abendlichen Regen. Ich machte „Undercover“-<br />

Aufnahmen von Menschen mit Regenschirmen, selbst wenn<br />

ich nachträglich Himmel in das Bild einfügen musste. An<br />

Tagen mit gutem Licht konnte ich mit der Olympus mehr<br />

Bilder machen als normalerweise üblich – und sie verkaufen<br />

sich wirklich gut. Es war eine völlig neuer Arbeitsweise für<br />

mich: Normalerweise bleibe ich stehen, hole die Ausrüstung<br />

aus der Kameratasche und baue das Stativ auf; diesmal<br />

jedoch schoss ich viele Fotos einfach mit der Kamera vor dem<br />

Bauch, während ich durch die Stadt schlenderte. Die Canon<br />

benutzte ich nur noch für komplizierte Lichtverhältnisse und<br />

Panoramen.<br />

Wer Moskau im Mai besucht, sollte auf keinen Fall die<br />

146 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


4<br />

5 6<br />

Gelegenheit verpassen, die vierstündige Bahnfahrt nach<br />

St. Petersburg zu unternehmen, um dort die weißen Nächte<br />

zu fotografieren. Es ist fantastisch: ein nicht enden wollendes<br />

Zwielicht. Wirklich dunkel wird es nie, und Sie können<br />

wunderschöne Fotos in dieser endlosen goldenen Stunde<br />

machen, bis Sie so müde sind, dass Sie die Kamera kaum<br />

noch halten können. Ich habe oft genug bis 3:00 Uhr<br />

morgens gearbeitet, bevor ich ins Hotel zurück ging. Weil ich<br />

am Wochenende dort war, konnte ich auch die sonst völlig<br />

unübliche nächtliche Betriebsamkeit der Stadt erleben, wenn<br />

Familien mit ihren Kindern morgens um 2:30 Uhr am<br />

Flussufer der Newa spazieren gingen.<br />

Tagsüber fotografierte ich wieder meine Einkaufszentren und<br />

traditionelle Gebäude wie das Hermitage Museum und etliche<br />

der über 2000 eindrucksvollen Paläste, die auch mehr als 70<br />

Jahre Sozialismus mühelos überstanden haben. In Sankt<br />

Petersburg ist alles zu Fuß erreichbar, und das Wetter war<br />

schön, ganz abgesehen von der umwerfenden, ganznächtlichen<br />

goldenen Stunde.<br />

Auch hier benutzte ich die Olympus für Innenaufnahmen,<br />

doch für die in der Dämmerung aufgenommenen<br />

Außenaufnahmen verwendete ich meine bewährte Canon<br />

EOS-1Ds Mk III. Trotzdem ich mich nächtelang auf<br />

Motivsuche draußen herumtrieb, fühlte ich mich überall<br />

sicher und die Menschen beider Städte waren sehr freundlich<br />

– wenn auch oft stark mit Wodka angetrunken. Niemand war<br />

unfreundlich zu mir, trotz der vielen Warnungen, die ich vor<br />

meiner Abreise gehört hatte, dass Russen sich nicht gern<br />

fotografieren lassen.<br />

Ich hatte jedenfalls einen sehr schönen Aufenthalt und werde<br />

eines Tages im Winter zurückkehren, wenn der Rote Platz mit<br />

Schnee und Nebel bedeckt ist.<br />

6) Eine lange<br />

Verschlusszeit, die<br />

Passanten<br />

verschwimmen lässt,<br />

ist entscheidend,<br />

wenn sie ein<br />

ansonsten statisches<br />

Bild dynamisch und<br />

damit attraktiver<br />

machen wollen.<br />

Dieses Foto auf einer<br />

Ausstellung im<br />

Russischen Museum<br />

in Moskau entstand<br />

mit 1/8 Sekunde<br />

Verschlusszeit bei<br />

Blende f/5.6 und ISO<br />

1250.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 147


Photoshop Elements<br />

Erweitertes Auswählen<br />

Schnellauswahlwerkzeuge<br />

Photoshop Elements bietet so viele Auswahlwerkzeuge, dass oft schwer zu<br />

entscheiden ist, in welcher Situation sie verwendet werden. Zeit für eine Klärung.<br />

Original<br />

JORDAN BUTTERS: Jedes<br />

Auswahlwerkzeug hat seine Vor- und<br />

Nachteile, je nachdem, was Sie<br />

auswählen wollen. Smartauswahl-<br />

Werkzeuge benötigen nur wenig<br />

Eingriffe Ihrerseits, denn sie messen die<br />

nächstgelegenen Pixel, bewerten deren<br />

Unterschiede und extrapolieren anhand dieser<br />

Bewertungen, welche Bereiche in die Auswahl<br />

eingeschlossen werden sollen, und welche<br />

nicht. Das magnetische Lassowerkzeug<br />

beispielsweise sucht nach Kanten mit starken<br />

Kontrasten, an denen es sich orientiert, während<br />

der Zauberstab Pixel von ähnlicher Farbe und<br />

Farbtönung auswählt, wobei Sie zuvor eine<br />

Toleranzschwelle eingeben müssen, an der er<br />

sich orientiert. Je größer die Toleranz, desto<br />

weiter wird der auszuwählende Tonwertbereich<br />

gefasst. Das Schnellauswahlwerkzeug<br />

Alternative Werkzeuge<br />

SMARTPINSELWERKZEUG<br />

Er ähnelt dem Schnellauswahlwerkzeug, doch<br />

mit dem Smartpinsel können sie aus einer Liste<br />

von Voreinstellungen wie „Blauer Himmel“,<br />

„Weiße Zähne“ usw. auswählen.<br />

Das Smartpinselwerkzeug arbeitet allerdings<br />

nur mit den in der Liste enthaltenen Effekten.<br />

funktioniert ähnlich wie der Zauberstab, jedoch<br />

mit dem kleinen Unterschied, dass Sie einen<br />

Bereich „überpinseln“, anstatt auf ihn zu klicken.<br />

Das ist die einfachste Methode, eine Auswahl zu<br />

treffen, wenn der fragliche Bereich aus<br />

unterschiedlichen Farben und Farbtönen<br />

besteht. Sie spart viel Zeit und ist oft genauso<br />

effizient wie die manuelle Auswahl. Die<br />

folgenden Ausführungen sollen Ihnen die<br />

Entscheidung erleichtern, wann Sie welches<br />

Werkzeug verwenden.<br />

Zauberstab Um die Farbsättigung des Himmels<br />

1zu verstärken, benutzen Sie den Zauberstab und<br />

klicken auf den Himmel. Falls durch diesen Klick<br />

nicht der gesamte Himmel ausgewählt wird, halten<br />

Sie die Umschalt-Taste gedrückt und klicken in die<br />

fehlenden Bereiche, um diese in die Auswahl<br />

einzuschließen. Haben Sie versehentlich einen<br />

falschen Bereich ausgewählt, halten Sie wieder die<br />

Umschalt-Taste gedrückt und klicken erneut in den<br />

Bereich, um ihn aus der Auswahl zu entfernen.<br />

Auswahl modifizieren Die Auswahl ist<br />

2hervorgehoben. Gehen Sie nun auf Auswahl ><br />

Kante <strong>verbessern</strong> und im Dialogfeld Kante anpassen<br />

erhöhen Sie Weiche Kante auf 3.0px und klicken auf<br />

OK. Das schwächt die Kanten des ausgewählten<br />

Bereichs ab.<br />

Farbsättigung korrigieren Um das Blau des<br />

3Himmels zu verstärken, gehen Sie auf Ebene ><br />

Neu > Ebene durch Kopie, um eine neue Ebene des<br />

ausgewählten Bereichs zu erzeugen. Dann wählen<br />

Sie Überarbeiten > Farbe anpassen > Farbton/<br />

Sättigung anpassen. Nun können Sie in der Palette<br />

die Farbsättigung mit dem Schieberegler nach<br />

Belieben verändern. Anschließend klicken Sie auf<br />

OK.<br />

4<br />

Schnellauswahlwerkzeug Der Vordergrund<br />

könnte etwas mehr Helligkeit und Kontrast<br />

vertragen. Wählen Sie zunächst die<br />

Hintergrundebene in der Ebenenpalette und klicken<br />

Sie auf das Schnellauswahlwerkzeug. Stellen Sie die<br />

Pinselgröße wie gewünscht ein, und überpinseln Sie<br />

den Bereich, den Sie auswählen wollen.<br />

Auswahl korrigieren Falls das Werkzeug nicht<br />

5die gewünschten Bereiche ausgewählt hat,<br />

reduzieren Sie zuerst die Pinselgröße, dann halten Sie<br />

die Alt-Taste gedrückt, während Sie die Bereiche<br />

überpinseln, die Sie aus der Auswahl ausschließen<br />

wollen. Eventuell müssen Sie dies ein paar Mal<br />

wiederholen, bis Sie die gewünschten Bereiche exakt<br />

selektiert haben. Schwächen Sie nun die Kanten ab,<br />

wie bereits unter Punkt 2 beschrieben.<br />

Beleuchtung <strong>verbessern</strong> Gehen Sie auf Ebene<br />

6> Neu > Ebene durch Kopie, um erneut eine<br />

Ebene mit dieser Auswahl zu erzeugen, doch dieses<br />

Mal gehen Sie auf Überarbeiten > Beleuchtung<br />

anpassen > Helligkeit/Kontrast. In der Helligkeit/<br />

Kontrast-Korrekturpalette erhöhen Sie Helligkeit und<br />

Kontrast und klicken anschließend auf OK.<br />

148 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE DUNKELKAMMER<br />

Das fertige Bild<br />

Mit den einzelnen<br />

Auswahlwerkzeugen<br />

bearbeiten sie das Bild<br />

Schritt für Schritt.<br />

ZU WEIT<br />

GEGANGEN?<br />

Wenn Sie einen Bereich<br />

auswählen wollten und über‘s<br />

Ziel hinaus geschossen sind,<br />

halten Sie die Alt-Taste<br />

gedrückt und klicken erneut<br />

auf den Bereich, um ihn<br />

wieder aus der Auswahl zu<br />

entfernen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 149


Photoshop CS Erweitertes Auswählen<br />

Manuell auswählen<br />

Schnellauswahl-Werkzeuge sparen Zeit und sind komfortabel, doch wenn<br />

höchste Genauigkeit gefragt ist, führt die manuelle Auswahl am besten zum Ziel.<br />

Original<br />

JORDAN BUTTERS:<br />

Schnellauswahlwerkzeuge können<br />

Farbbereiche auswählen, so weit so<br />

gut. Doch was tun Sie, wenn Sie<br />

etwas auswählen müssen, das keine<br />

genau definierte Farbe oder einen komplizierten<br />

Umriss aufweist? Dann ist die manuelle Auswahl<br />

von Werkzeugen erforderlich. Mit ihnen werden<br />

Sie für einen Vorgang etwas länger brauchen,<br />

weil Sie den auszuwählenden Bereich, selbst<br />

bestimmen müssen, doch die Bereichsauswahl<br />

wird wesentlich akkurater sein, wenn Sie<br />

sorgfältig arbeiten. Ich wollte in diesem Beispiel<br />

ein sehr kontrastreiches Bild dieser Szene<br />

erzeugen. Doch da manche Bereiche bereits<br />

einen sehr hohen Kontrast aufwiesen, wollte ich<br />

den Kontrast nur in bestimmten Bereichen<br />

verstärken. Dazu gehörten der Weg aus<br />

Alternative Werkzeuge<br />

DAS ZEICHENSTIFTWERKZEUG<br />

Das Zeichenstiftwerkzeug ermöglicht eine sehr<br />

präzise Auswahl. Mit ihm wird eine Fläche nicht<br />

automatisch eingegrenzt, sondern Sie müssen diese<br />

Eingrenzung von Hand vornehmen. Das Werkzeug<br />

folgt Vektorlinien, nicht einzelnen Pixelkanten, und<br />

so entsteht ein Beschneidungspfad. Deswegen<br />

eignet es sich sehr gut, wenn besondere<br />

Genauigkeit gefordert ist; es benötigt aber einige<br />

Zeit der Einarbeitung und Übung.<br />

Holzbohlen und der Himmel. Um das zu<br />

erreichen, musste ich sowohl das Lasso-<br />

Werkzeug als auch das Polygon-Lasso-Werkzeug<br />

benutzen, denn sonst wäre keine präzise<br />

Auswahl möglich gewesen.<br />

Die erste Auswahl Klicken Sie auf das<br />

1Lassowerkzeug, halten Sie die Maustaste<br />

gedrückt und wählen Sie das Polygon-Lasso. Klicken<br />

Sie einmal in das Bild, um den Startpunkt ihrer<br />

Auswahl festzulegen, bevor Sie mit dem Mauszeiger<br />

den nächsten Ankerpunkt festlegen. Die dadurch<br />

gebildete Linie sollte parallel zu den geraden Kanten<br />

des auszuwählenden Objekts verlaufen<br />

Zwischen Lassowerkzeugen umschalten<br />

2Wenn Sie an eine Zone gelangen, die größere<br />

Flexibilität erfordert, halten Sie die Alt-Taste gedrückt,<br />

um zum Lassowerkzeug zu wechseln, und fahren<br />

mit dem Cursor um das Objekt. Lassen Sie die<br />

Alt-Taste los, um wieder zum Polygon-<br />

Lassowerkzeug zurückzukehren. Wenn die Auswahl<br />

getroffen ist, doppelklicken Sie in die Nähe des<br />

Startpunkts der Linie, um sie abzuschließen.<br />

Bereiche entfernen Um die sandigen Bereiche<br />

3zwischen den Holzbohlen zu entfernen, halten<br />

Sie die Alt-Taste gedrückt und wählen die Bereiche<br />

einzeln aus. Sobald eine Auswahl abgeschlossen ist,<br />

wird der Bereich aus der Originalauswahl entfernt.<br />

Wenn Sie fertig sind, klicken Sie auf das Polygon-<br />

Lassowerkzeug und halten die Maustaste gedrückt,<br />

um zum magnetischen Lasso-Werkzeug zu<br />

wechseln.<br />

Die Auswahl vergrößern Halten Sie die Umschalt-<br />

4Taste gedrückt und klicken Sie, um den ersten<br />

Ankerpunkt zu setzen. Fahren Sie den Horizont entlang,<br />

und das Werkzeug wird bei allen Kontrastunterschieden<br />

weitere Ankerpunkte setzen. Falls dies einmal nicht<br />

geschehen sollte, können Sie mit einem Einzelklick<br />

selbst einen neuen Ankerpunkt entlang dieser Kante<br />

setzen. Wenn Sie einen Ankerpunkt versehentlich falsch<br />

setzen, drücken Sie die Rückschritttaste.<br />

Auswahl überarbeiten Nachdem der Horizont<br />

5ausgewählt ist, halten Sie die Alt-Taste erneut<br />

gedrückt und klicken oberhalb des Horizonts an den<br />

Bildkanten entlang, um die Auswahl um den Himmel<br />

herum zu schließen. Dann gehen Sie auf Auswahl ><br />

Kante <strong>verbessern</strong>, setzen im Dialogfeld die Weiche<br />

Kante auf 6.0px und Abrunden auf 10. Dies lässt die<br />

Kanten ihrer Auswahl verschwimmen.<br />

Korrekturen hinzufügen Gehen Sie auf Ebene ><br />

6Neu > Ebene durch Kopieren. Fügen Sie eine<br />

Tonwertkorrekturebene hinzu, doch bevor Sie<br />

irgendwelche Einstellungen vornehmen, gehen Sie<br />

auf Ebene > Schnittmaske erstellen. Nun stellen Sie<br />

in der Korrekturpalette die Schwarz-, Grau- und<br />

Weißpunkt-Schieberegler ein, wobei nur der Kontrast<br />

der ausgewählten Bereiche verstärkt wird.<br />

150 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE DUNKELKAMMER<br />

Das fertige Bild<br />

Das Entfernen der<br />

Farbsättigung aus dem<br />

ganzen Bild bringt schließlich<br />

den gewünschten Effekt.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 151


Lightroom <strong>Digitale</strong> Crossentwicklung<br />

Cross-Entwickeln von Porträts<br />

In den Tagen der Dunkelkammer war die Crossentwicklung eine besondere Kunst.<br />

Finden Sie heraus, wie Sie sie in Lightroom wieder lebendig werden lassen können.<br />

CAROLINE WILKINSON:<br />

Crossentwicklung war jedes mal ein<br />

Experiment mit unvorhersehbaren<br />

Ergebnissen. Für diejenigen, die<br />

eine Dunkelkammer nur noch vom<br />

Hörensagen kennen: beim Crossentwickeln<br />

wurden für den Entwicklungsprozess absichtlich<br />

die falschen Chemikalien benutzt,<br />

beispielsweise, indem man einen Negativfilm<br />

mit eigentlich für Diafilme vorgesehenen<br />

Chemikalien entwickelte. Manchmal kamen<br />

dabei furchterregende Ergebnisse zustande,<br />

doch oft genug erhielt man auch eindrucksvolle<br />

Farben und attraktive Hauttöne. Heute, mit der<br />

Digitaltechnik, ist es immer noch ein Experiment,<br />

doch es lässt sich leicht wieder rückgängig<br />

machen. Die hier beschriebene <strong>Technik</strong> mit<br />

Lightroom funktioniert genauso gut in<br />

Photoshop, wo sie jeden einzelnen Kanal mit<br />

Kurven beeinflussen, anstatt mit Farbtonkurven.<br />

Mit einer Vignette können Sie ein Bild effektiv<br />

aufpolieren. Entweder man mag Vignetten oder<br />

man mag sie nicht, doch indem sie Kanten eines<br />

Fotos abdunkeln, wird das Auge des Betrachters<br />

automatisch auf den Schärfepunkt gelenkt. In<br />

diesem Fall handelt sich dabei um Gesicht und<br />

Augen des Models. Diese Arbeitstechnik eignet<br />

sich besonders gut für Fotos, bei denen der<br />

Hintergrund sonst nur ablenken würde. Die alte<br />

Dunkelkammertechnik hätte einen ovalen,<br />

schwarzen Rahmen über das Bild gelegt, doch<br />

moderne Vignetten sind weicher, subtiler und<br />

viel besser steuerbar. Deswegen sind sie heute<br />

auch vielfältiger einsetzbar.<br />

Original<br />

Lightroom-Grundlagen<br />

Erforschen Sie die Vorgaben Das schöne an<br />

1Lightroom ist die Kollektion der Vorgaben; das<br />

sind „fertige“, sofort zur Verfügung stehende Effekte,<br />

die mit einem einzigen Mausklick aktiviert werden<br />

können. Sie können aus drei Voreinstellungen zur<br />

Crossentwicklung wählen. Es ist aber nützlich zu<br />

wissen, wie man den Effekt selbst erzeugt, um<br />

flexibler und genauer steuern zu können. Für dieses<br />

Porträt wurde die Vorgabe Crossentwicklung 3<br />

verwendet.<br />

Selber machen Zur manuellen<br />

2Crossentwicklung oder um eine Vorgabe zu<br />

verändern, klicken Sie auf den Tab für die<br />

Tonwertkurve und anschließend auf auf die kleine<br />

Schaltfläche Punktkurve bearbeiten. Jetzt haben Sie<br />

Zugang zu den Tonkurvenkanälen. Die<br />

Standardeinstellung sollte RGB sein. Klicken Sie auf<br />

den Pfeil, wählen Sie „Rot“ und erzeugen Sie eine<br />

S-Kurve.<br />

TONKURVE ERKLÄRT<br />

Die Tonkurve – ebenso wie die Photoshop-<br />

Gradationskurve – zeigt das Histogramm Ihres<br />

Bildes, zweigeteilt durch eine diagonale Linie.<br />

Manipulationen an dieser Linie beeinflussen<br />

das Bild. Die linke untere Ecke beeinflusst die<br />

Tiefen, die rechte obere Ecke die Lichter. Mit<br />

dieser <strong>Technik</strong> geschieht das jeweils in den drei<br />

Farbkanälen – Rot, Grün und Blau – aus denen<br />

ein RGB-Bild besteht. Indem Sie die Linie in<br />

eine S-Kurve verwandeln, können Sie für den<br />

entsprechenden Kanal tiefere Schatten und<br />

hellere Lichter erzeugen. Je steiler die S-Kurve<br />

verläuft, umso stärker der Effekt.<br />

Jedes Foto muss anders behandelt werden, im<br />

allgemeinen wird jedoch beim Crossentwickeln<br />

im roten Kanal die stärkste S-Kurve verwendet.<br />

Bei den Kanälen Gelb und Grün hält man sie<br />

flacher. Doch das sind nur Empfehlungen,<br />

keine Regeln – es kommt immer auf Ihr eigenes<br />

Bild an.<br />

Mit Grün und Blau arbeiten Die Form der<br />

3S-Kurve hat einen dramatischen Einfluss auf<br />

den erzeugten Effekt in Ihrem Bild. Nehmen Sie<br />

deswegen nur kleine, langsame Änderungen am<br />

roten Kanal vor und wiederholen Sie diese für die<br />

Kanäle Blau und Grün. Eventuell müssen Sie sich<br />

den roten Kanal noch einmal vornehmen, nachdem<br />

Sie an den beiden anderen Kanälen gearbeitet<br />

haben.<br />

hinzufügen Gehen Sie auf Effekte ><br />

4Vignette nach Freistellen und Sie sehen fünf<br />

Schieberegler, mit denen Sie den Stil der Vignette<br />

anpassen können. Bewegen Sie den Betrag-Regler<br />

nach links, um eine dunkle Vignette zu erzeugen und<br />

nach rechts, wenn Sie eine helle Vignette wünschen.<br />

Passen Sie auch Mittelpunkt, Rundheit und Weiche<br />

Kante an, um Position, Form und Weichheit der<br />

Vignette zu gestalten, wobei der Schärfepunkt des<br />

Bildes allerdings nicht zu dunkel werden darf.<br />

Kontrast anpassen Eventuell dunkelt ihre<br />

5Vignette Bereiche Ihres Bildes ab, die nicht<br />

beeinflusst werden sollten, oder die Vignette reduziert<br />

den Kontrast. Minimieren Sie diesen Effekt mit den<br />

Reglern für Mittelpunkt und Weiche Kante.<br />

Verwenden Sie in den Grundeinstellungen die Regler<br />

für Lichter und Tiefen und für Weiß und Schwarz,<br />

um die Tonwerte Ihres Bildes zu beeinflussen, bis sie<br />

ihren Vorstellungen entsprechen.<br />

152 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE DUNKELKAMMER<br />

Das fertige Bild<br />

Falls bestimmte Bildbereiche<br />

aufgehellt werden müssen,<br />

nutzen Sie den Korrekturpinsel<br />

und den Belichtungs- oder<br />

Spitzlicht-Regler, um die<br />

gewünschten Änderungen<br />

durchzuführen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 153


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

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<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


50 FOTOPROJEKTE<br />

AKTUELLE FOTOAUSSTELLUNGEN,<br />

KURSE UND REISEN AUF EINEM BLICK<br />

Sie wollten schon immer Ihre Fähigkeiten in der <strong>Fotografie</strong> <strong>verbessern</strong>, wissen aber nicht<br />

wo Sie anfangen sollen? Oder Sie sind auf der Suche nach neuen Ideen und Locations?


Fauna-Reisen mit Sitz in<br />

Berlin bietet als Naturreise-<br />

Spezialist weltweit Reisen<br />

für Natur- und Tierbeobachtungen<br />

an. Auf diesen Reisen lassen sich<br />

Tiere in allen Teilen der Erde in freier<br />

Natur aus nächster Nähe erleben.<br />

Zudem ist der Reiseveranstalter<br />

überzeugt davon, dass die lokale<br />

Bevölkerung in den Reiseregionen<br />

durch die Einnahmen dieses<br />

umweltverträglichen Tourismus<br />

einen Anreiz bekommt, ihre<br />

„tierischen“ Nachbarn und deren<br />

Argentinien<br />

Lebensraum besser zu schützen.<br />

Bei den speziell für Hobby-<br />

Fotografen konzipierten Fotoreisen<br />

hat der Berliner Spezialveranstalter<br />

besonderen Wert darauf gelegt, die<br />

einzigartige Landschaft und die<br />

Tierwelt der Länder miteinander<br />

zu kombinieren. Dazu wird dem<br />

Naturfotografen an den einzelnen<br />

Stationen sehr viel Zeit gegeben.<br />

Falls gewünscht, erhält er von der<br />

fachlichen Begleitung auch Tipps<br />

und Anregungen, die für optimale<br />

Fotoergebnisse sorgen werden.<br />

26.10.-10.11.2013<br />

Valdés -<br />

Heimat der Südlichen<br />

Glattwale<br />

• Südliche Glattwale,<br />

Felsenpinguine und Jakobiter-<br />

Delphine fotografieren<br />

• Intensive<br />

Walbeobachtungen mit<br />

privaten Booten und extrem<br />

guten Fotomöglichkeiten<br />

• Eine Kundenmeinung: „Es<br />

waren unsere intensivsten<br />

Begegnungen mit Walen<br />

weltweit“<br />

• 16-tägige Reise<br />

• Reisepreis 4380 €<br />

Argentinien<br />

04.04.-20.04.2014<br />

Naturexpedition Patagonien -<br />

Orcas bei der Robbenjagd<br />

• Weltweit ist nur eine einzige<br />

Schule von Schwertwalen<br />

bekannt, die eine spektakuläre<br />

Jagdmethode auf Robben<br />

entwickelt hat. Dabei schwimmen<br />

die bis zu 7 Tonnen schweren<br />

Tiere fast bis an den Strand –<br />

seien Sie dabei!<br />

• 17-tägige Reise<br />

• Fotoreise für erfahrene Hobby-<br />

Fotografen<br />

• Reisepreis ab 6730 €<br />

Indien<br />

Beratung, Buchung und Kataloganforderung:<br />

Fauna-Reisen GmbH<br />

Schloßallee 8<br />

D-13156 Berlin<br />

Tel: +49 (0)30-476 23 82<br />

www.fauna-reisen.de info@fauna-reisen.de<br />

12.04.-25.04.2014<br />

Fotoreise nach Indien –<br />

Tiger und Leoparden in<br />

reizvoller Landschaft<br />

• Pirschfahrten in<br />

den Pench-, Kanhaund<br />

Bandhavgarh-<br />

Nationalparks<br />

• 14-tägige Fotoreise<br />

• Reisepreis 3790 €<br />

Tansania<br />

31.01.-12.02.2014<br />

Fotoreise Tansania - Nachwuchs<br />

in der Serengeti<br />

• Es ist die Zeit der Geburt von<br />

Gnus und Zebras<br />

• 6 Tage Safaritouren in der<br />

Serengeti mit Umrundung des<br />

Ngorongoro-Kraters<br />

• Reiseverlängerung möglich<br />

• Große Auswahl an Badehotels<br />

auf Sansibar<br />

• 13-tägige Fotoreise<br />

• Reisepreis 4850 €


Afari Exklusiv<br />

Botswana - Fly-In-Safari<br />

Vom 05.10. – 16.10.2013<br />

Wildes Okavango Delta<br />

Chobe Nationalpark<br />

Chobe Fluss<br />

Safari im Fotoboot<br />

Ein Kontinent voller atemberaubender Eindrücke, die es festzuhalten<br />

gilt – im Herzen und in Bildern. Dafür bieten wir allen, die Interesse am<br />

<strong>Fotografie</strong>ren haben, ob Einsteigern oder Fortgeschrittenen, einzigartige<br />

Fotosafaris und -Workshops an ausgewählten Örtlichkeiten im südlichen<br />

Afrika.<br />

Wir, das ist ein Team aus professionellen, deutschen und südafrikanischen<br />

Fotografen, die mit Liebe zu Afrikas Natur und Tierwelt die besten Locations<br />

ausgekundschaftet haben, damit Sie unvergessliche Tage dort verbringen<br />

können. Der afrikanische Busch mit seiner außergewöhnlichen Magie<br />

verzaubert jeden, der ihn einmal erlebt hat. Weit ab vom Massentourismus<br />

entdecken Sie in kleinen Gruppen gemeinsam mit uns Wildlife pur und<br />

erhalten praktische Tipps für ausdrucksstarke Fotos. Von ausgesuchten<br />

Lodges und Fotocamps aus, fahren wir gemeinsam in offenen Fahrzeugen,<br />

die mit Bohnensack, Klemmen und viel Platz für die Ausrüstung, welche<br />

speziell für Fotosafaris ausgelegt ist, zu den Hotspots der afrikanischen<br />

Tierfotografi e. Die Teilnehmer haben je eine eigene Fotobank für sich und ihre<br />

Ausrüstung. Die Auswahl der Unterkünfte ermöglicht es uns, zu unüblichen<br />

Zeiten auf die Pirsch zu fahren und ins Camp zurückzukehren, damit<br />

wir beim besten Licht – vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang<br />

– draußen im Busch sein können. Abends tauschen wir uns über die<br />

gesammelten Eindrücke aus, lassen in gemütlicher Runde das Erlebte Revue<br />

passieren und planen gemeinsam die Tour für den nächsten Tag.<br />

Leistungen:<br />

- 12 Tage ab und an Johannesburg<br />

- Begrüßung und Abholung am Flughafen Tambo International,<br />

Johannesburg<br />

- Transfer ins 4 Sterne Guesthouse in Pretoria, Übernachtung mit Frühstück<br />

- Alle Straßen- und Boot-Transfers<br />

- Alle Inlandsfl üge in Botswana mit Kleinfl ugzeugen (Maun – Kasane-Maun-<br />

Shakawe) sowie der internationale Flug nach Maun und zurück nach<br />

Johannesburg<br />

- 5 Übernachtungen mit Vollpension Mowana Lodge<br />

- 5 Übernachtungen mit Vollpension in der Xaro Lodge<br />

- Offenes Allradfahrzeug, das Fotografi eren in alle Richtungen erlaubt<br />

- Eintritt in alle Nationalparks<br />

- Pirschfahrten in speziellem Fotoboot mit Drehsesseln und fest montierten<br />

Stativen auf dem Chobe Fluss<br />

- Pirschfahrten im Okavango Delta in einem Aluminium Boot<br />

- Guides der Lodge, die Sie zu den Locations mit den Motiven bringen<br />

- Deutsche Foto- und Reiseleitung mit Judith Gawehn<br />

- Bohnensäcke werden gestellt, wer eigene hat, kann diese gern zum<br />

Befüllen mitbringen<br />

Preis:<br />

6250 USD ca. 4831 €<br />

<strong>Fotografie</strong>ren mit professionellen Wildlife-Fotografen<br />

- Aufnahmen trinkender Löwen, Elefanten und Büffel – mit den Tieren auf<br />

Augenhöhe<br />

- Pirschfahrten auf dem Chobe mit einem Spezial-Fotoboot, ausgestattet mit fest<br />

installierten Stativen und 360 Grad Drehsessel<br />

- Pirschfahrten im wildreichsten Nationalpark Botswanas<br />

- Actionszenen am Ende der Trockenzeit, wenn alle Wasserlöcher trocken sind<br />

- Flusspferde direkt vom Boot und Krokodile in bester Perspektive<br />

- Luxus-Lodges und Tier- und Vogelfotografi e sogar im Camp<br />

- Aufnahmen seltener Vögel<br />

- Brutkolonien in traumhafter Perspektive (jahreszeitabhängig)<br />

- Schreiseeadler und viele andere Vögel beim Fischfang<br />

Tierparadies Cobe<br />

Der 10.698 km² große Chobe Nationalpark wurde 1967 gegründet und ist<br />

einer der artenreichsten und landschaftlich attraktivsten Schutzgebiete Afrikas.<br />

Er besticht neben seinen landschaftlichen Reizen durch seinen immensen<br />

Wildreichtum Afrika.Die größte Attraktion sind die riesigen Elefantenherden. Mit<br />

bis zu 100.000 Tieren leben hier mehr Dickhäuter als irgendwo sonst im Süden<br />

des Kontinents.<br />

Okavango Delta<br />

Eine grüne Oase inmitten der trockenen Einöde der Kalahari. Zahllose Wildtiere,<br />

kristallklares Flusswasser, idyllische Palmeninseln und luxuriöse Safaricamps.<br />

Das Okavango Delta, das „Juwel von Botswana“, ist das weltweit größte<br />

inländische Flussdelta und gehört zu den großartigsten Naturschauplätzen Afrikas<br />

Fotografische Highlights<br />

- Tierherden im Staub des goldenen Nachmittagslichts<br />

- Löwen im Chobe Park und am Fluß, Flusspferde und große Krokodile<br />

- Elefantenherden beim Trinkenund Baden im Chobe Fluss<br />

- Actionaufnahmen mit Flusspferden<br />

- Riesige Büffelherden<br />

- Schreiseeadler beim Fischfang<br />

- Eisvögel und Bienenfresser<br />

-Reiher, Blaustirnblatthühnchen und Kormorane, zahlreiche Vogelkolonien<br />

- Brutzeit der Karminspinte und Scherenschnäbel im Okavango Delta<br />

Ausführliche Informationen und Katalogbestellung unter<br />

www.afari.de<br />

info@afari-photo.com<br />

Judith Gawehn<br />

Tel.: 0171 78 46 815<br />

Am Ebersbrink 6<br />

D-31840<br />

Hessisch Oldendorf


Half the fun of the travel is the esthetic of lostness<br />

ihre Dörfer besuchen und ihr reiches kulturelles<br />

Erbe aus erster Hand kennenlernen.<br />

Unendliche Weiten, grandiose Wildnis, ein<br />

Garten Eden: Botswana darf für sich in Anspruch<br />

nehmen, eines der letzten ökologisch<br />

intakten Areale der Welt zu besitzen. Der<br />

grandiose Reichtum an Flora und Fauna und<br />

die Unberührtheit der Natur sind Botswanas<br />

größter Schatz. Dies soll auch so bleiben:<br />

Botswana setzt nicht nur auf nachhaltiges<br />

Wirtschaften, sondern auch auf sanften, umweltfreundlichen<br />

Tourismus, um die grandiose<br />

Vielfalt des Landes der Nachwelt zu erhalten.<br />

38% der Fläche Botswanas sind als Nationalparks,<br />

Wildreservate und Schutzgebiete<br />

ausgewiesen. Seien Sie uns in Botswana<br />

willkommen und genießen Sie einen wahrhaft<br />

unvergesslichen Aufenthalt! Dabei brauchen<br />

Sie auf Komfort nicht zu verzichten: In luxuriösen<br />

Lodges und Camps, selbst auf Safaris in<br />

entlegenen Winkel der Kalahari wird es Ihnen<br />

an nichts fehlen.<br />

Das Okavango-Delta ist größer als Schleswig-<br />

Holstein und damit das größte Binnendelta der<br />

Welt. Hier liegen 95 Prozent aller Wasserreserven<br />

Botswanas. Gespeist vom aus dem<br />

Hochland Angolas kommenden Okavango-<br />

Fluss transportiert das Delta mehr als 18,5<br />

Milliarden Kubikmeter Wasser, um anschließend<br />

in den unendlichen Weiten der Kalahari<br />

zu versickern. Tatsächlich verschwinden aber<br />

nur zwei Prozent dieser Wassermenge im<br />

„Durstland“; mehr als 90 Prozent verdunstet<br />

unterwegs. Tektonische Verwerfungen haben<br />

für diese kuriose geografische Situation und<br />

das Entstehen dieses Wasserwunderlandes im<br />

Herzen Afrikas gesorgt<br />

Die ersten Eindrücke werden auch die nachhaltigsten<br />

sein: die weite unberührte Wildnis<br />

bis über den Horizont hinaus, das Gefühl grenzenlosen<br />

Raumes, die erstaunlich vielfältigen<br />

Möglichkeiten zur Wild und Vogelbeobachtung,<br />

der mit Sternen und Himmelskörpern unvorstellbarer<br />

Leuchtkraft übersäte Nachthimmel<br />

und die atemberaubenden Sonnenuntergänge<br />

von unwirklicher Schönheit. In dem Maße, in<br />

dem sich das Angebot an Kulturtourismus erweitert,<br />

werden Sie auch die Gastfreundschaft<br />

der Bewohner des Landes schätzen lernen,<br />

In unserer überbevölkerten und hochtechnisierten<br />

Welt stellt Botswana eine Rarität dar.<br />

Ein Aufenthalt in Botswana bietet eine ganz<br />

besondere Möglichkeit, wieder zu uns selbst<br />

zu finden. Er hilft uns, eine in der modernen<br />

Konsumgesellschaft schmerzlich empfundene<br />

Lücke zu schließen, ein Gefühl der Leere zu<br />

überwinden, das oft schwer zu beschreiben<br />

ist. Denn in uns erwacht wieder die Liebe zur<br />

Natur, der innige Wunsch, eine staunenswerte<br />

Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu erkunden.<br />

Botswana Tourism Organisation<br />

c/o Interface International GmbH<br />

Karl-Marx-Allee 91 A<br />

10243 Berlin<br />

botswanatourism@interface-net.de<br />

www.botswanatourism.de


fotokurse.ch<br />

Sie haben eine Fotokamera und wissen<br />

nicht, was sie alles kann? Kommen<br />

Sie zu uns, und wir zeigen es Ihnen – in<br />

Theorie und Praxis. Erleben Sie mit uns<br />

unvergessliche Momente, zum Beispiel<br />

während unserer Fotowoche vom<br />

30.Juni bis 5. Juli 2013 in Vals (Graubünden)<br />

Aktuell: Fotowoche in Vals<br />

Der Kurs eignet sich für Anfänger wie auch für<br />

fortgeschrittene Hobbyfotografen. Auf Wunsch<br />

stellen wir Ihnen für die Dauer des Kurses sogar<br />

eine Leihkamera zur Verfügung.<br />

Location:<br />

Hotel Rovenada, Vals, Graubünden, Schweiz,<br />

Motive:<br />

Natur- und Landschaftsfotografie, sowie<br />

fotografieren im Nahbereich. Was uns in dieser<br />

Bergwelt fasziniert, sind die vielfältige Flora,<br />

das Spiel von Wasser und Stein, das verwitterte<br />

Holz der alten Häuser und Ställe, die Details im<br />

Nahbereich, aber auch die wildromantischen<br />

Landschaften und die Stimmungen, die abhängig<br />

sind von Wetter und Tageszeit.<br />

Leistungen:<br />

• 5 bernachtungen im Einzel- oder<br />

Doppelzimmer<br />

• Halbension<br />

• Service und Tae<br />

• Fotours und Kursunterlagen<br />

• eihamera auf Wunsch<br />

Preise:<br />

Fr 145im Doelzimmer<br />

Fr 135im Einzelzimmer<br />

Karneval in Venedig:<br />

24. Februar bis 1 März 2014<br />

Melancholie und italienische Lebensfreude, aber<br />

nicht nur das: Peter Schärer zeigt Ihnen, wie Sie Ihre<br />

Eindrücke mit der Kamera am besten einfangen. Der<br />

Karneval bietet für Einsteiger und Fortgeschrittene<br />

traumhafte Sujets in Hülle und Fülle.<br />

Näheres zu weiteren Reisen und Fotowochen<br />

erfahren Sie auf www.fotokurse.ch<br />

Holz, Stein und Wasser<br />

6. Okt. bis 12. Okt. 2013<br />

Cevio im Tessin liegt am Eingang zu mehreren<br />

Seitentälern des Maggiatals – ein idealer Ausgangspunkt<br />

für unsere Motivsuche. Wir werden die Gegend<br />

erwandern und das in der Theorie Erlernte in die Praxis<br />

umsetzen.<br />

Kursleitung<br />

Peter Schärer kann als selbständiger Fotograf auf<br />

langjährige Erfahrung zurückgreifen. Er arbeitet für lokale<br />

Zeitungen und vermittelte im Gemeinschaftszentrum<br />

Volketswil, an der Volkshochschule Wetzikon, im<br />

Bildungszentrum Uster und in der Lehrerfortbildung<br />

für Anfänger und Fortgeschrittene sein großes Wissen.<br />

„Berufsgeheimnisse muss ich keine hüten…“ verrät<br />

„Fotopeter“ schmunzelnd. Mit dem <strong>Fotografie</strong>ren hat er<br />

schon als Sechsjähriger begonnen, angeleitet von seinem<br />

Großvater, der Fotograf war. Später absolvierte er Kurse<br />

– auch an der Zürcher Kunstgewerbeschule und der<br />

ETH – und gründete zusammen mit einem Kollegen den<br />

Zürcher Fotoclub „Blende 79“. Zum klassischen Angebot<br />

seiner Firma fotokurse.ch gehören heute Freifachkurse<br />

mit Einführung in die digitale <strong>Fotografie</strong> mit Theorie und<br />

praktischem <strong>Fotografie</strong>ren im Zoo Zürich. Nicht zu kurz<br />

kommen die Schule des Sehens, das Gestalten beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren und die Nachbearbeitung der Bilder auf<br />

dem PC. Eine Spezialität sind Fotowochen wie beim<br />

Karneval in Venedig, auf der Trauminsel Santorini oder in<br />

Vals, Graubünden und im Maggiatal im Tessin.<br />

Riccarda Staub war als<br />

Teilnehmerin an der Fotoreise<br />

2007 zum Karneval in Venedig<br />

dabei und stieß anschließend zum<br />

Fotokurs-Team. Als Assistentin<br />

ist es ihre Aufgabe, die Kurse<br />

und Reisen zu organisieren und<br />

für das Wohl der Absolventen zu<br />

sorgen. Eine große Bedeutung<br />

haben inzwischen die Privatkurse<br />

erhalten, bei denen man sich<br />

die Funktionen der eigenen<br />

Kamera oder die Geheimnisse<br />

der Bildbearbeitung auch zu<br />

Hause am eigenen Computer<br />

erklären lassen kann. „Mich<br />

faszinieren die Möglichkeiten der<br />

neuen Kamerageneration und<br />

Programme, aber am meisten<br />

gefällt mir die Arbeit im direkten<br />

Kontakt mit Menschen…“ erklärt<br />

die gelernte Lehrerin. Für sie ist<br />

es das Schönste, die Freude der<br />

Teilnehmer zu sehen, wenn es<br />

ihnen gelingt, mit Hilfe des frisch<br />

Gelernten jene Bilder zu machen,<br />

die ihre Wünsche erfüllen.<br />

Peter Schärer<br />

Fotokurse<br />

Postfach 229<br />

CH-8603 Schwerzenbach<br />

0041 (0)44 945 32 77<br />

0041 (0)79 462 63 08<br />

www.fotokurse.ch<br />

info@fotokurse.ch