29.05.2014 Aufrufe

Digitale Fotografie - Update Kurz belichtet (Vorschau)

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<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE<br />

WAS SIE FÜR PERFEKTE AUFNAHMEN WISSEN MÜSSEN<br />

KURZ BELICHTET S.152<br />

Nr. 11/2014 Jun-Aug 2014<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,99<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

LANDSCHAFTEN S. 48 AKTION S. 13 MACH DEIN BILD S. 34 PORTRÄTS S. 97<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de


IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer,<br />

Sarah Plater, Pete Davis, Terry Hope,<br />

Damien Lovegrove, Philip Nash, Pip, Ian<br />

Wood<br />

ART DIRECTOR: Tony Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und<br />

mit der Erlaubnis von © Bright Publishing<br />

Limited herausgegeben. Alle Rechte an<br />

Material, Titel und Marke dieses Magazins<br />

sind Eigentum von Bright Publishing Limited<br />

und dürfen weder im Ganzen noch teilweise<br />

ohne vorherige schriftliche Genehmigung<br />

reproduziert werden.<br />

Haftung<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt<br />

produziert. Der Verlag kann jedoch keine<br />

Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder<br />

Dienstleistungen übernehmen, die in<br />

dieser Ausgabe veröffentlicht wurden.<br />

Der Herausgeber übernimmt keine<br />

Verantwortung für Inhalte von externen<br />

Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />

werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

Willkommen...<br />

Liebe Leser und Fotografen!<br />

wir begrüßen Sie zum aktuellen „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> - <strong>Update</strong>“, zum Auftakt wie<br />

gewohnt mit den besten Fotobeiträgen unserer Leser im großen „Schaukasten“!<br />

Ergänzend besprechen wir ausgewählte Bilder in der „Expertenmeinung“ der<br />

Redaktion.<br />

Obwohl das Wetter zuletzt noch etwas wechselhaft war, können wir Ihnen in<br />

dieser Ausgabe wunderschöne Landschaftsaufnahmen vorstellen. Von den<br />

atemberaubenden Leserfotos im Schaukasten bis hin zu den Profiaufnahmen, die<br />

Adam Burton vom Yosemite Nationalpark und Lee Frost aus Island mitgebracht<br />

haben, herrscht an Inspiration kein Mangel. Zusätzlich zu den schönen Bildern finden<br />

Sie wie immer kompetente Beratung und praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen,<br />

damit Sie ähnliche Ergebnisse erzielen können.<br />

Die Rubrik „Mach dein Bild“ behandelt eine breite Themenpalette für Makros,<br />

Langzeitbelichtungen, Abstraktionen und Schwarzweiß, bevor „das kreative Auge“<br />

unser aller Lieblingsspielzeug ins Bild setzt: das Automobil. Außerdem machen wir<br />

Sie zum „Porträt-Experten“, erklären die besten Aufnahme-Setups sowie einige<br />

Dinge, die man im Umgang mit professionellen Fotomodellen beachten sollte.<br />

In der abschließenden Rubrik „Belichtet“ stellen wir einige sensationelle<br />

Marktneuheiten vor und geben Produktempfehlungen. Entdecken Sie Ihre<br />

Möglichkeiten!<br />

Viel Spaß & Erfolg dabei wünscht das Team von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“!<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media<br />

Landsberger Straße 302<br />

80687 München<br />

Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />

Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

Ultimate Guide Abo-Service<br />

Postfach 1331<br />

53340 Meckenheim<br />

E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />

Telefon: 022 25/70 85-362<br />

Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />

Drukarnia Wyszków<br />

ul. Pułtuska 120<br />

07-200 Wyszków, Polska<br />

www.quadgraphics.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht<br />

aus umweltverträglichen Fasern.


8<br />

SCHAUKASTEN


Inhalt<br />

Schaukasten<br />

8 Die besten Bilder unserer Leser<br />

Mach dein Bild<br />

34 Strandreflexionen<br />

Ein klarer Wintertag, verlassener Strand<br />

und blauer Himmel…<br />

39 Abstraktion in Öl<br />

Alles was Sie brauchen, ist ein Gefäß mit<br />

Wasser und ein paar Tropfen Öl…<br />

42 Spiegel-Illusion…<br />

Regnet es mal wieder? Sehr schön, dann<br />

probieren Sie diese Aufnahmetechnik aus<br />

44 Studiostillleben<br />

Möchten Sie professionell wirkende<br />

Produktfotos machen? Das funktioniert<br />

auch ohne aufwendige Beleuchtung<br />

46 Dramatische Schwarzweiß-Landschaft<br />

Fügen Sie zwei Bilder in Photoshop<br />

zusammen und kreieren Sie ein<br />

stimmungsvolles Schwarzweißbild<br />

48 Winterlandschaften<br />

Wenn es kalt wird, ist die Versuchung<br />

groß, die Kamera einzumotten. Doch Sie<br />

würden viel verpassen<br />

52 Zeit zur Reflexion…<br />

Weiches Licht und ein Reflektor sorgen für<br />

ein einfaches, geradliniges Porträt<br />

54 Persönliche Dinge ergeben ein Porträt<br />

Arrangieren Sie kleine Habseligkeiten zu<br />

einem Motiv – auch das ist ein Porträt<br />

56 Brillantes Bokeh<br />

So peppen Sie Ihre Porträtfotos auf<br />

58 Vertikales Panorama<br />

Ein Panorama im Hochformat bietet eine<br />

ganz andere Sicht der Dinge…<br />

60 Buntes Makro<br />

Ihr erstes Makrofoto sollte Blumen als<br />

Motiv haben; es dauert nur ein paar<br />

Minuten…<br />

64 Geheimnisvoller Morgennebel<br />

Morgennebel ist ein klassisches Motiv.<br />

Hier zeigen wir, wie Sie es am besten<br />

fotografieren<br />

66 Wehendes Haar<br />

Machen Sie ruhig ein bisschen Wind, er<br />

erweckt Ihre Porträts zum Leben…<br />

68 Kunst am Fels<br />

Details in Felsformationen können als<br />

Motive für fantastische Bilder dienen<br />

70 Nachtfahrt<br />

Eine Langzeitaufnahme bei einer<br />

abendlichen Autofahrt zeigt einen<br />

ungewohnten Blick auf den Verkehr<br />

Das kreative Auge / Thema: Auto<br />

74 Porsche Panamera<br />

76 Ein Herz für Spielzeugautos<br />

78 Pole Position<br />

80 Blechroboter und Plastikkrieger<br />

82 Star Wars<br />

34<br />

STRANDREFLEXIONEN…<br />

39<br />

ABSTRAKTION IN ÖL<br />

70<br />

NACHTFAHRT<br />

58<br />

VERTIKALES PANORAMA<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 005


Inhalt<br />

84 Krieg der Roboter<br />

86 Glühbirne?!<br />

88 Dann ging mir ein Licht auf<br />

90 Der Ideen Empfängnis<br />

Kameratechnik<br />

92 Spezialfunktionen<br />

Werden Sie zum Porträt-Experten<br />

97 Kreativ blitzen I<br />

98 Sonne und Blitz – ein guter Mix<br />

99 Farbtöne durch Blitzen angleichen<br />

100 Tageslicht + Blitz = High-Key<br />

102 Star-Allüren<br />

104 Blitzfolien<br />

106 Kreativ blitzen II<br />

108 Blitz und blauer Himmel<br />

110 Blitzlicht plus Tageslicht<br />

112 Tageslicht simulieren<br />

114 Hochzeitsregen<br />

116 Die Kunst des Posierens<br />

118 Ohne Stress zur perfekten Pose<br />

120 Beauty Porträts<br />

121 Fashion Porträts<br />

122 Modern Glamour<br />

123 Lifestyle-Fotos<br />

Expertenmeinungen zu<br />

Leserfotos<br />

124 Bath Abbey<br />

125 Herbstporträt<br />

126 Caister Beach<br />

127 Moseley Bog<br />

128 Mjölnir<br />

129 Felicia<br />

130 Stürmische Himmel<br />

131 Lavendelbiene<br />

132 Makrofliege<br />

133 Coupall Falls<br />

134 Leuchturm St.Mary<br />

Profifotografen auf Reisen<br />

136 Der wilde, wilde Westen<br />

140 Kunst am Bau in Valencia<br />

144 Island<br />

148 Yosemite Park<br />

<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

152 Nur das Beste aus der Natur<br />

156 Klassiker „reloaded“ / Neues von Sigma<br />

/ Mittelformat<br />

158 Canon EOS mit App / Neues Flaggschiff<br />

von Nikon<br />

160 4-in-1 iPhone-Objektiv / Geisterstadt in<br />

Kalifornien<br />

Zum Schluss <strong>belichtet</strong><br />

162 Robinsonade mit Kamera / Video:<br />

Kalifornien<br />

110<br />

BLITZLICHT PLUS<br />

TAGESLICHT<br />

140<br />

KUNST AM BAU<br />

IN VALENCIA<br />

144<br />

ISLAND<br />

124<br />

EXPERTENMEINUNGEN<br />

ZU LESERFOTOS<br />

92<br />

KAMERATECHNIK<br />

006 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


97<br />

WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄT-EXPERTEN<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 007


SCHAUKASTEN<br />

DIE BESTEN BILDER UNSERER LESER<br />

Brian Kerr<br />

Alter: 45 / Beruf: Direktionsassistent<br />

www.briankerrphotography.com<br />

Fluss im Nebel: „Dieses Bild entstand bei Lazonby am Fluss<br />

Eden in der Grafschaft Cumbria. Im Eden-Tal kann man<br />

immer mit Nebel rechnen, wenn die Temperaturen zu fallen<br />

beginnen. Meistens folge ich dem Fluss ab Armathwaite,<br />

wenn ich nach einem Fotomotiv suche. Das kann ein Baum<br />

sein, ein schöner Flussabschnitt oder eine Aussicht in das<br />

Tal. In diesem Fall endete meine Wanderung hier. Wer hätte<br />

diesem Nebel widerstehen können? Die Sonne ging gerade<br />

auf und ich machte eine Reihe von Aufnahmen; es war<br />

einer der letzten Sonnenaufgänge des Jahres, der noch<br />

direkt das grasbewachsene Ufer beleuchtete. Ich benutzte<br />

einen weichen 0.75ND Verlaufsfilter und eine Verschlusszeit<br />

von 2 Sekunden, um das Fließen des Wassers einzufangen.“<br />

Canon EOS 6D mit Zeiss Distagon T* 21mm f/2.8 ZE<br />

Objektiv.<br />

Belichtung: 2 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100.


SCHAUKASTEN<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Es ist offensichtlich, dass Brian der<br />

Landschaftsfotografie verbunden<br />

ist. Das beweist nicht nur die<br />

Qualität seiner Bilder, sondern<br />

auch die Art und Weise ihrer<br />

Entstehung. Sie sind wirklich<br />

außergewöhnlich.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Brian Kerr (Forts.)<br />

Ein nebliger Morgen bei Grasmere: „Auch Grasmere ist ein besonderer Ort für<br />

Nebel. Aufgrund der Wettervorhersage rechnete ich mit Nebel bei<br />

Sonnenaufgang, der sich aber schnell auflösen würde. Ich war früh vor Ort,<br />

um die Bildkomposition zu planen, besonders der Reflexionen auf den<br />

umliegenden Hügeln. Zunächst war wenig Nebel zu sehen, doch mit dem<br />

Sonnenaufgang stieg mehr Feuchtigkeit auf und schwebte über der<br />

Seeoberfläche. So entstand dieses Foto – eine absolut ruhige<br />

Wasseroberfläche, mit den Farben eines wunderschönen Morgens. Ich nutzte<br />

einen weichen Verlaufsfilter der Stärke 0.75ND, um meine Belichtung<br />

auszugleichen.“<br />

Canon EOS 6D mit Zeiss Distagon T* 21mm f/2.8 ZE Objektiv.<br />

Belichtung: 4 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100.<br />

Buachaille Etive Moor: „Es war der letzte Ausflug des Jahres nach Glencoe,<br />

wohin ich normalerweise drei- bis viermal im Jahr fahre, um den Wechsel der<br />

Jahreszeiten zu fotografieren. Auf der Suche nach den richtigen Bedingungen<br />

fuhr ich etwas im Tal herum. Es war ein Tag mit Wetterwechseln, die eher im<br />

April erwarten würde: Regen, Wind, Wolken, sogar Schnee und ein wenig<br />

Sonne. Als ich mich dem Berg näherte, war es kurz vor Sonnenuntergang, und<br />

ich befürchtete zu spät zu kommen. Doch dann sah ich, wie die Farben<br />

langsam die Birke zum Leuchten brachten, so als stünde sie in Flammen und<br />

der Berg würde Lava ausstoßen. Bei diesem Bild benutzte ich einen harten<br />

Verlaufsfilter der Stärke 0.6ND, um die Kontraste zu bändigen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Zeiss Distagon T* 21mm f/2.8 ZE Objektiv.<br />

Belichtung: 3,2 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 200.<br />

Castle Point Sunrise: „Es war ein schöner, kalter Novembermorgen und ich<br />

wollte früh dort sein .Während der Fahrt wurde mir klar, dass ich die Entfernung<br />

unterschätzt hatte, und ich musste die anderthalb Kilometer vom Parkplatz<br />

nach Castle Point im Laufschritt zurücklegen. Ich war gerade auf dem Felsen<br />

angekommen, als die ersten Farben erschienen. Ich baute meine Ausrüstung<br />

auf, machte ein paar Testfotos und war noch rechtzeitig fertig, als die Sonne<br />

über dem Horizont auftauchte. Die Wärme, die Wolken, die Reflexionen im<br />

nassen Sand, die Pfützen in den Felsen – es war einer jener Morgen, an dem<br />

ich den Ort ganz für mich allein hatte und wusste, dass mir ein großartiges<br />

Foto gelungen war.“<br />

Sony Alpha 700 mit Tamron 17-50mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 0,5 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

10 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


SCHAUKASTEN<br />

Daniele Rossi<br />

Alter: 37 / Beruf: Ingenieur<br />

www.rossidaniele.com<br />

X: „Ich mag dieses Bild sehr und kann mich noch sehr gut an diesem Morgen<br />

erinnern. Es war sehr feucht, und im Buschland gab es Aberdutzende dieser rot<br />

geäderten Heidelibellen. Diese ruhte sich gerade aus, und wegen der schön<br />

gespreizten Flügel entschied ich mich für eine Frontalaufnahme. Ich benutzte<br />

eine kleine Blende für einen großen Schärfentiefebereich, außerdem eine lange<br />

Brennweite, damit ich Abstand halten konnte, ohne die Libelle zu verscheuchen.<br />

Selbstverständlich saß die Kamera auf dem Stativ. Der Hintergrund bestand aus<br />

rötlichem Unterholz, dessen Farbe gut zu der der Libelle passte. Es war ein ganz<br />

besonderer Moment, und ich hatte sehr viel Glück, dass mir dieses Bild gelang.<br />

In der Nachbearbeitung habe ich nur das Histogramm leicht korrigiert.“<br />

Canon EOS 7D mit Sigma 180mm f/3.5 EX DG HSM Makro Objektiv.<br />

Belichtung: 1/6 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Von Angesicht zu Angesicht: „Dieses Bild habe ich in der Morgendämmerung<br />

aufgenommen, als die beiden Schmetterlinge noch schliefen, kurz bevor sie sich<br />

das erste Mal bewegten. Ich hatte dieses schöne Pärchen entdeckt und mich<br />

äußerst vorsichtig genähert. Meine Ausrüstung baute ich so nah wie möglich<br />

auf und verwendete zwei Plamps, um Bewegungen der Blumen zu verhindern.<br />

Die Sonne beschien bereits den hellgelben Hintergrund, und nach ein paar<br />

Aufnahmen begannen die Schmetterlinge zu erwachen – ich war also noch<br />

rechtzeitig gekommen. In der Nachbearbeitung habe ich nur die Schatten<br />

entfernt, die auf dem hellen Hintergrund zu sehen waren.“<br />

Canon EOS 7D mit Sigma 180mm f/3.5 EX DG HSM Makro Objektiv.<br />

Belichtung: 1/25 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 100.<br />

Unruhiger Schlaf: „Als ich diesen kleinen Schmetterling auf seiner winzigen<br />

Blumenknospe entdeckte, dachte ich mir, dass diese Haltung recht unbequem<br />

war – daher der Titel des Bildes. Was aussieht wie Dornen, sind tatsächlich<br />

winzige Haare der Blumenknospe. Sie sieht wie eine fleischfressende Pflanze<br />

aus, ist aber eine ganz normale Wildblume. Mit einem Diffusor sorgte ich für<br />

weiches Licht, das die schönen Farben des kleinen Schmetterlings betonte.<br />

Scharfstellen bei extremer Vergrößerung ist nie einfach, obwohl ich in diesem<br />

Fall mit dem LiveView einzoomen konnte. Wegen der sehr feinen Haare des<br />

Schmetterlings musste die Schärfe auf den Punkt genau stimmen.“<br />

Canon EOS 7D mit Sigma 180mm f/3.5 EX DG HSM Makro Objektiv.<br />

Belichtung: 0,8 Sekunden bei Blende f/14 und ISO 160.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

11


SCHAUKASTEN<br />

Geoff Holman<br />

Alter: 34 / Beruf: Fotograf / Grafiker<br />

www.geoffholman.ca<br />

Kontrast und Spitzlichter: „Dieses Foto entstand beim Skifahren in den Selkirk<br />

Mountains in Kanada gemacht. Mein einfaches Setup bestand nur aus einem<br />

Einstein 640 Blitzgerät, das ich hinter dem Sportler platzierte und mit einem<br />

Pocket Wizard steuerte. Das Besondere an diesem Foto sind die unglaublichen<br />

Details der Schneeoberfläche. Der Blitz gibt dem Skifahrer die erforderliche<br />

Beleuchtung sowie den Kontrast, damit er sich gut abhebt. Während der<br />

Nachbearbeitung stellte ich fest, dass das Foto in Schwarzweiß viel besser<br />

aussah, weil es die Schneeoberfläche besonders hervorhob. Ich verbesserte die<br />

Klarheit des Bildes und wendete einen leichten Duoton-Effekt an, um dem Bild<br />

einen Hauch Farbe zu geben.“<br />

Canon EOS-1DX mit Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/500 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 100.<br />

Staubige Strecken: „Dieses Bild entstand bei Kelowna, ebenfalls in Kanada. Es war<br />

einige Wochen lang sehr trocken gewesen, und der aufgewirbelte Staub der<br />

Fahrräder versprach ein interessantes Foto. Die Strecke befindet sich in einem<br />

dichten Wald, und das Licht war nicht sehr gut. Ich benutzte zwei Einstein 640<br />

Blitzgeräte, um den Fahrer zu beleuchten, eines direkt hinter ihm, das andere<br />

rechts. Das Blitzlicht lässt das Umgebungslicht in den Hintergrund treten und<br />

erzeugt mehr Kontrast, der Staub lässt die Bewegungsdynamik gut erkennen.<br />

Nach einer Reihe von Testfotos, um die Belichtung zu justieren, machte ich ein<br />

paar Aufnahmen des Radfahrers, um festzustellen wie der Staub und das Licht die<br />

Bildkomposition beeinflussten. Nachdem ich die Einstellungen angepasst hatte,<br />

war dieses Foto nach zwei weiteren Durchgängen im Kasten.“<br />

Canon EOS-1DX mit Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/1000 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 100.<br />

Selkirk Wilderness: „Eine meiner besten Aufnahmen der letzten Saison. Das<br />

Wetter spielte eine große Rolle, da in wenigen Stunden 20 cm Neuschnee gefallen<br />

waren – ideale Bedingungen zum Skifahren und <strong>Fotografie</strong>ren. Das Setup war<br />

leider nicht so einfach, denn es war fast unmöglich, Kamera und Objektiv trocken<br />

zu halten. Mit Hilfe von Handfunkgeräten brachte ich meine Assistenten mit ihren<br />

Blitzgeräten in Position und erklärte dem Skifahrer, wie ich mir die Szene vorstellte.<br />

Er musste die Kurve richtig einschätzen, ohne mich zu überfahren, doch nach der<br />

Aufnahme war ich total mit Schnee bedeckt. Die richtige Ausrüstung ist in solchen<br />

Umgebungen unerlässlich; ich verwendete eine spritzwassergeschützte Kamera<br />

und ein entsprechendes Objektiv.“<br />

Canon EOS-1DX mit Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/1000 Sekunde bei Blende f/9 und ISO 100.<br />

12 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Die Beleuchtung dieser<br />

Aufnahmen ist grandios. Die<br />

Blitzgeräte frieren die Bewegung ein<br />

und halten perfekt den Moment fest,<br />

in dem Staub und Schnee<br />

aufgewirbelt werden, sodass<br />

eine einzigartige Atmosphäre<br />

entsteht.<br />

Jordan Butters<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

XX


SCHAUKASTEN<br />

Martin Strauss<br />

Alter: 31 / Beruf: Pharmakologe<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Diese Portraits sind<br />

bewundernswert. Sie demonstrieren<br />

einen hervorragenden Umgang mit<br />

der Beleuchtung und eine brillante<br />

Bildkomposition. Alles zusammen<br />

ergibt wunderschöne,<br />

stimmungsvolle Fotos.<br />

beaDaniel Lezano<br />

www.straussfoto.de<br />

Die Königin: „Ich wollte einen Eindruck schaffen, der an traditionelle<br />

Ölgemälde erinnert. Mein Model, Sherin Zaian, sollte eine Königin<br />

darstellen, deshalb sollte die Beleuchtung einen majestätischen Eindruck<br />

erzeugen. Ich benutzte einen Graufilter, der mir eine weit offene Blende<br />

mit flacher Tiefenschärfe und weichem Schärfeabfall ermöglichte. Die<br />

Nachbearbeitung umfasste das Entfernen von Hautunreinheiten, etwas<br />

Abwedeln und Nachbelichten sowie ein wenig Tönung und<br />

Farbkorrekturen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 85mm f/1.2L II USM Objektiv.<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f/2.2 und ISO 320.<br />

Spanisches Feuer: „Es sollte eine Mischung aus hartem und weichem<br />

Licht werden, deswegen benutzte ich eine Beauty-Dish oberhalb und je<br />

eine Neonröhre rechts und links des Models. Das Retuschieren dauerte<br />

in diesem Fall fast 8 Stunden, hauptsächlich weil die Kamera extrem<br />

viele Detail aufgezeichnet hatte.“<br />

Phase One P40 Digitalback mit Schneider LS 80mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/125 Sekunde bei Blende f/6.3 und ISO 100.<br />

Teufel: „Auch dieses Bild ist durch die Malerei inspiriert. Ich wollte ein<br />

Foto mit düsterer Stimmung erzeugen, dass trotzdem schön war. Ich<br />

stellte eine mittlere Blende von f/7.1 ein, um optimale Schärfe und<br />

ausreichende Tiefenschärfe zu erhalten. Die größte Herausforderung<br />

dieser Pose war, das Gesicht des Models so zu beleuchten, dass der<br />

übrige Körper dunkel blieb.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Tamron 90mm f/2.8 Makro Objektiv.<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 100.<br />

14 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Chris Jones<br />

Alter: 27 / Beruf: selbstständig<br />

www.tannachyphotography.co.uk<br />

Die große Mauerl: „Dieses Bild entstand an der Großen<br />

Chinesischen Mauer, abseits des Massentourismus bei<br />

Gubeikou. Meine Unterkunft war in der Nähe eines<br />

verfallenen Mauerabschnitts, nur 20 Minuten Fußweg von<br />

der Stelle entfernt, wo ich den Sonnenaufgang fotografierte.<br />

Die Umgebung hatte ich am Nachmittag vorher erkundet.<br />

Ich wollte die hügelige Landschaft einfangen, durch die sich<br />

die Mauer windet. Dazu benutzte ich mein 70-300mm<br />

Telezoom mit kleiner Blende, um so viel wie möglich von der<br />

Szenerie scharf zu bekommen. Da die Kamera auf das Stativ<br />

montiert war, stellte die lange Verschlusszeit kein Problem<br />

dar. Als die Sonne sich langsam über den Horizont erhob,<br />

gelang die Aufnahme, die ich mir vorgestellt hatte.<br />

Nachbearbeitung war kaum erforderlich, nur etwas Zuschnitt<br />

am unteren Bildrand und leichte Kontrastverbesserung.<br />

Pentax K-5 mit Sigma 70-300mm f/4-5.6 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/8 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 80.


Florian Weiler<br />

Alter: 40 / Beruf: Manager für Qualitätssicherung<br />

www.florian-weiler.de<br />

Julia: „Dieses Bild habe ich mit meiner ersten digitalen<br />

Spiegelreflexkamera in Paris gemacht. Der Wochenendtrip<br />

war ein Geburtstagsgeschenk meiner Frau, und wir<br />

verbrachten zwei wundervolle Tage mit vielen<br />

Gelegenheiten zum <strong>Fotografie</strong>ren der Stadt. Dieses Bild<br />

entstand allerdings im Bad unseres Hotelzimmers. Die<br />

weiß gefliesten Wände reflektierten das Licht in alle<br />

Richtungen, sorgten für gleichmäßige Beleuchtung und<br />

starken Kontrast zum roten Haar. Als Lichtquelle diente<br />

lediglich ein ferngesteuerter, indirekter Blitz gegen eine<br />

Wand, als Blende hatte ich f/5.6 eingestellt. Den Kontrast<br />

verbesserte ich später in Photoshop.“<br />

Nikon D80 mit Nikkor 16-85mm f/3.5-5.6G ED VR<br />

Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 100.<br />

18 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Mich fasziniert, wie viele<br />

unterschiedliche Küsten man auf der<br />

Welt findet. Wir haben in Europa schon<br />

sehr viele, doch wenn ich ein Bild wie<br />

dieses sehe, möchte ich auch die<br />

australischen Küstenlandschaften<br />

erkunden.<br />

Daniel Lezano<br />

SCHAUKASTEN<br />

Sonia Masarova<br />

Alter: 28 / Beruf: Vertriebsassistentin<br />

www.soniamphotography.com<br />

Felsspitzen: „Dieses Bild machte ich auf Phillip Island in Victoria,<br />

Australien. Es war bereits der dritte Versuch, doch aufgrund der<br />

Wetterbedingungen hatte ich zuvor kein Glück gehabt. Dieses Mal kam<br />

ich schon zwei Stunden vor Sonnenuntergang an, weil ich mir für die<br />

Vorbereitungen viel Zeit nehmen wollte. Allein der Abstieg zu den Felsen<br />

dauerte schon eine Stunde. Das Licht sah vielversprechend aus; das<br />

Problem war nur, dass die Sonne einen starken Schatten auf die<br />

Felsentürme warf. Deswegen machte ich drei Aufnahmen, die ich später<br />

mit Photoshop zusammenführte.“<br />

Canon EOS 7D mit Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 Objektiv.<br />

Belichtung: 60 Sekunden bei Blende f/8 und ISO 250.<br />

Surfer: „Ich machte diese Aufnahme am Strand von Cronulla, einem Vorort von<br />

Sydney. Dort gibt es überall natürliche, von der Flut regelmäßig gespeiste Swimming<br />

Pools. Manche sind auch künstlich angelegt, doch dieser hat besonders schöne,<br />

natürliche Felsformationen. Als ich den Surfer ins Wasser gehen sah, stellte ich die<br />

kürzeste Verschlusszeit ein, mit der ich ihn noch scharf aufnehmen konnte, ohne die<br />

Bewegung des Wassers einzufrieren. Der Surfer gibt dem Bild einen Maßstab. Da das<br />

Licht des Sonnenuntergangs hinter den Wolken leicht zu kontrollieren war, hatte ich<br />

in der Nachbearbeitung wenig zu tun, abgesehen von ein paar Farbkorrekturen, der<br />

Verbesserung des Kontrasts und kleineren Aufräumarbeiten im Vordergrund.“<br />

Canon EOS 7D mit Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 Objektiv.<br />

Belichtung: 3,2 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Genuss der kleinen Dinge: „Dieser Ort ist einer der wenigen an<br />

Australiens Ostküste, an denen es sich lohnt, Sonnenuntergänge zu<br />

fotografieren. Ich hatte mich nur in der Zeit für die Anfahrt verschätzt,<br />

denn als ich noch unterwegs war, tauchten die ersten Farben am<br />

Himmel auf. Ich bemerkte ein paar hübsche Spiegelungen in<br />

Wasserpfützen und nutzte sie für meine Bildkomposition aus, um den<br />

Blick auf das orangefarbene Glühen des Sonnenuntergangs hinter dem<br />

Bergrücken zu lenken. Da sich die Wolken im Wind schnell bewegten,<br />

musste ich mich mit meinen Aufnahmen beeilen. Die drei besten führte<br />

ich später in Photoshop zu einem Bild zusammen.“<br />

Canon EOS 7D mit Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 Objektiv.<br />

Belichtung: 0,5 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

19


SCHAUKASTEN<br />

<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Ryans Leidenschaft für die<br />

Landschaftsfotografie ist deutlich<br />

sichtbar, und sein Portfolio enthält<br />

fantastische Szenen mit<br />

unglaublichen Bildkompositionen.<br />

Es war nicht leicht für uns, eine<br />

Auswahl zu treffen.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Ryan Buchanan<br />

Alter: 33 / Beruf: Grafiker & Fotograf<br />

www.exposurescape.com<br />

Tenaya: „Bevor ich im Yosemite National Park ankam, hatte es nachts geschneit, und<br />

der Toiga-Pass war blockiert. Ich war enttäuscht, denn in diesem Fall bleibt der Pass<br />

meist für den gesamten Winter unpassierbar. Diesmal jedoch wurde er wieder<br />

geöffnet. Nachdem ich den ganzen Tag fotografiert hatte, war ich auf dem Rückweg<br />

und bog gerade um eine Kurve, als ich das letzte Sonnenlicht auf diesem Berg am<br />

Lake Tenaya sah. Ich hielt an, schnappte meine Ausrüstung und rannte das Ufer<br />

hinauf. Die Steine rechts im Bild schienen geradezu vom Berg angezogen zu werden.<br />

Die Bedingungen waren ideal. In der Nachbearbeitung musste ich nur noch das<br />

Wasser leicht aufhellen, um die Spiegelung zu verstärken.“<br />

Nikon D800 mit Nikkor 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 1/50 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Letzter Kuss der Sonne: “„Im vergangenen Oktober verbrachte ich einige Tage an<br />

der kalifornischen Küste, wo ich die Natur in ihren Herbstfarben fotografieren wollte.<br />

Einer der Orte, die ich mir ausgesucht hatte, war Soberanes Point. Es gibt viele<br />

Aussichtspunkte entlang dieses etwa 20 Meter hohen Kliffs, aber man muss da oben<br />

sehr vorsichtig sein. Ich fand dieser Stelle, von der ich die brillanten Farben der<br />

Vegetation an der Klippe als Vordergrund für die Bildkomposition nutzen konnte. Ich<br />

schoss eine Bildserie mit Blende f/16, aufgrund des starken Kontrasts mit<br />

verschiedenen Verschlusszeiten, um den gesamten Dynamikumfang einzufangen.<br />

Ich verwendete Photomatix Pro, um die Bilder zu einem HDR-Foto<br />

zusammenzufügen.“<br />

Nikon D800 mit Nikkor 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 1/8 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100) (Serie von 7 Einzelbildern).<br />

Wunderland: „Im Mount Rainier National Park angekommen, fuhr ich gleich zum<br />

höchsten Punkt, der mit dem Auto erreichbar ist. Da ich viel Tiefenschärfe brauchte,<br />

stellte ich die Kamera auf Blende f/18 und ISO 100 ein, was eine Verschlusszeit von<br />

1/3 Sekunde ergab. Bei dem windigen Wetter und den schlechten Lichtverhältnissen<br />

bestand mein Problem in den sich im Wind bewegenden Blumen. Ich machte zwei<br />

Aufnahmen mit derselben Blende, eine mit höherem ISO-Wert und kurzer<br />

Verschlusszeit, die andere mit niedrigem ISO-Wert und langer Verschlusszeit. Die<br />

Problembereiche habe ich in Photoshop übereinandergelegt und die unscharfen<br />

Blumen manuell durch jene aus dem Bild mit höherem ISO-Wert ersetzt.“<br />

Nikon D800 mit Nikkor 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 1/3 Sekunde bei Blende f/18 und ISO 100.<br />

20 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Onward: „Es war Mitte August, als ich zum Olympic National Park in<br />

Washington reiste, um Teile dieser faszinierenden Küste zu<br />

fotografieren. Da der Himmel nicht besonders aufregend war,<br />

wollte ich die Wasserbewegung behalten und den schwarzen<br />

Felsen im Vordergrund als Führungslinie nutzen, was aber lange<br />

Verschlusszeiten erforderte. Mir war etwas unwohl, als bei<br />

ankommender Flut etwa 30 Zentimeter tief im Wasser stand, und<br />

während einer ablaufenden Welle stieß ich das Stativ so tief ich<br />

konnte in den Boden. In der kurzen Zeitspanne, in der keine Welle<br />

das Stativ bewegen konnte, machte ich meine Bildkomposition,<br />

stellte die Schärfe ein und wartete auf die nächste Welle. Als sie kam,<br />

machte ich mehrere Aufnahmen mit Blende f/18 und<br />

verschiedenen Verschlusszeiten – dann ergriff ich die Flucht, da die<br />

nächste Welle etwas größer zu werden schien.<br />

Als ich den Vogelschwarm bemerkte, änderte ich schnell die<br />

Verschlusszeit, um ihn scharf zu bekommen. Dieses Bild kopierte<br />

ich dann in meine Langzeitaufnahme, um den Himmel<br />

interessanter zu machen.<br />

Nikon D800 mit Nikkor 14-24mm f/2.8G ED Objektiv.<br />

Belichtung: 0,4 Sekunden bei Blende f/18 und ISO 100.


SCHAUKASTEN<br />

Jade Turnbull<br />

Alter: 24 / Beruf: Fotografin<br />

www.jadephotography-online.com<br />

Golden Girl: „Dies war ein einfaches Foto, um das Haar und das Make-up<br />

zu zeigen. Ich benutzte nur einen Blitz, um das Gold zum Glänzen und<br />

die Haut zum Schimmern zu bringen. Der Kontrast des blauen<br />

Hintergrunds zur goldenen Farbe erzeugt einen träumerischen Effekt,<br />

der sehr gut zur kurzen Tiefenschärfe passt. Nachbearbeitung war kaum<br />

notwendig, nur ein wenig Verstärken des Kontrasts und etwas<br />

Hautretusche.“<br />

Nikon D600 mit 50mm f/1.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/200 Sekunde bei Blende mit f/2.2 und ISO 100.<br />

Blüte: „Nachdem Frisur und Make-up fertig waren, legte sich das Model auf<br />

den Boden des Studios. Die Blüten, die dieselbe Farbe wie das Make-up<br />

hatten, drapierten wir um ihren Kopf. Für die Aufnahme nutzte ich einen<br />

Einzelblitz, um das Gesicht einfach und effizient von der Seite zu<br />

beleuchten. Durch diese Beleuchtung trat das Make-up auf dem hellen<br />

Gesicht perfekt hervor.“<br />

Nikon D90 mit 50mm f/1.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/200 Sekunde bei Blende f/3.2 und ISO 100.<br />

Golden Girl 2: „Für diese Aufnahme wurde farbiges Haarspray benutzt,<br />

das zu dem hellen Make-up passte. Um dieses besser vom Haar<br />

abzuheben, setzten wir einen violetten Hintergrund ein, der zusätzlich<br />

das Blau des Make-ups betonte. Die zentralen Bildelemente sind das<br />

Haar und das Make-up, gegenüber denen Model in den Hintergrund tritt.<br />

Der Effekt wird unterstrichen, weil das Model nicht in die Kamera schaut.“<br />

Nikon D600 mit 50mm f/1.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/2.2 und ISO 100.<br />

22 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Als Jade uns über ihre<br />

Facebook-Seite kontaktierte,<br />

erkannten wir gleich ihr Talent.<br />

Lebendige Farben und perfekte<br />

Belichtung machen ihre<br />

Mode-Porträts zu etwas<br />

Außergewöhnlichem.<br />

Jordan Butters


SCHAUKASTEN


Daniel Korzhonov<br />

Alter: 24 / Beruf: Chefredakteur<br />

www.korzhonov.ru<br />

Mitternachtssonne: „Dieses Foto wurde letzten Sommer auf der<br />

Insel Senja in Nord-Norwegen aufgenommen, genau um<br />

Mitternacht. Die Sonne geht dort in dieser Jahreszeit tatsächlich<br />

nicht unter – eine wirklich surreale Erfahrung. Die Farben waren<br />

einzigartig, akzentuiert einerseits durch die dramatischen<br />

Regenwolken und andererseits durch die niedrig stehende Sonne.<br />

Dies ist ein zusammengesetztes Panorama aus sechs Einzelbildern,<br />

wobei der Himmel aus einer Bildserie besteht. Ich habe zunächst alle<br />

Bilder einer Stapelverarbeitung mit Lightroom unterzogen, bevor ich<br />

die Einzelbilder des Panoramas und des Himmels manuell in<br />

Photoshop bearbeitete. Anschließend wurde das Panorama mit<br />

PTGui zusammengesetzt. Die Farben korrigierte ich mithilfe von<br />

Gradationskurven, Farbkanälen und mehreren Ebenenmasken, was<br />

aufgrund der Kombination des warmen Lichts mit grünen Pflanzen<br />

nicht einfach war.“<br />

Nikon D800 mit NIKKOR AF 14mm f/2.8D ED Objektiv.<br />

Belichtung des Vordergrunds: 1/200 Sekunde bei Blende f/14<br />

und ISO 100.<br />

Belichtung des Himmels: 1/60 Sekunde bei Blende f/14 und<br />

ISO 100.


SCHAUKASTEN<br />

Daniel Korzhonov (Forts.)<br />

Rote Erde: „Dieses Foto entstand im vergangenen Herbst während eines<br />

Fotoworkshops in der Toskana, nah der kleinen Stadt Pienza. Zunächst waren wir<br />

vom Morgenlicht dieses Tages enttäuscht, doch dann erschien die Sonne für zwei<br />

Minuten in einem schmalen Wolkenfenster. Daher sind die dunkelblauen Berge im<br />

Hintergrund zu sehen, die mit der roten Erde im Vordergrund kontrastieren. Die<br />

toskanische Landschaft zwingt uns dazu, bei der Bildkomposition sehr vorsichtig<br />

vorzugehen. Jeder Baum, jeder Weg, jedes Haus muss sich am „idealen“ Platz<br />

befinden. Mit Photoshop wurde nur der Kontrast verbessert<br />

Nikon D800 mit NIKKOR AF-S 70-200mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/25 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 160.<br />

Alien: „Diese Aufnahme stammt von den zu Norwegen gehörenden Lofoten-Inseln.<br />

Sie zeigt ein bizarres Phänomen. Wenn die Flut bei Nacht hereinkommt, überzieht<br />

sich der gesamte Fjord mit einer dünnen Eisschicht. Sobald die Ebbe einsetzt,<br />

zerbricht diese dünne Eiskruste an den Felsen darunter, da sie sich mit dem<br />

ablaufenden Wasser senkt. Schaut man sich das Szenario frühmorgens an, sieht es<br />

aus wie eine Science-Fiction-Filmkulisse: Was hier zu sehen ist, könnte man für die<br />

zerbrochenen Eierschalen frisch geschlüpfter Wesen aus dem All halten.<br />

Ich habe einen niedrigen Kamerastandpunkt gewählt, damit der große Riss im Eis als<br />

Führungslinie dienen konnte. Das Foto besteht aus zwei übereinandergelegten<br />

Einzelbildern, das erste mit scharfem Vordergrund, das zweite mit scharfem<br />

Hintergrund. Beide Schärfentiefebereiche überschneiden sich, was die Abbildung<br />

der Details verbessert. Außer dieser Manipulation wurden lediglich Korrekturen am<br />

Kontrast und den Farben vorgenommen.“<br />

Nikon D800 mit Nikkor 14mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung für die untere Bildhälfte: 1/80 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 320.<br />

Belichtung für die obere Bildhälfte: 1/250 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 320.<br />

Arktische Küste: „Dies ist die Küste bei Haukland, ebenfalls auf den Lofoten – ein<br />

perfekter Ort für Sonnenuntergänge im Winter. Die Kombination von weißem<br />

Sandstrand und azurblauem Meer erinnert an den indischen Ozean. An diesem Tag war<br />

nichts mit dem Sonnenuntergang, stattdessen fand ich diese Felsformation, die mir im<br />

Vordergrund schöne Führungslinien für die Szene lieferte. Der Fels hatte einen goldenen<br />

Farbton, der schön zum grauen Himmel kontrastierte. Mir gefällt dieser Ort sehr,<br />

deswegen komme ich jeden Winter mit einer Arbeitsgruppe her, um die einmaligen<br />

nordischen Landschaften zu fotografieren.“<br />

Nikon D7000 mit Sigma 10-20mm f/2.8 EX Objektiv.<br />

Belichtung: 1,6 Sekunden bei Blende f/8 und ISO 320.<br />

Eisfäden am Baikalsee: „Der Baikalsee in Sibirien war für mich immer ein Traumziel. Es<br />

ist eine unwirtliche Gegend, das Eis kann stellenweise bis zu einem Meter dick werden,<br />

doch es ist unbeschreiblich klar. Wir haben Schlittschuhe benutzt, um das Eis zu<br />

überqueren, und zogen unser Gepäck einfach an einem Seil am Gürtel hinter uns her.<br />

Der abgebildete Felsen befindet sich am nördlichen Ende der Insel Olkhon. Die Risse im<br />

Eis dienten als Führungslinien, doch ich brauchte sechs Einzelbilder, um zu diesem<br />

Ergebnis zu kommen. Kameratechnisch gesprochen entstand es mit einem 10mm<br />

Objektiv und APS-C Sensor, doch mit viel höherer Auflösung als meine Kamera bei<br />

einem Einzelbild hergegeben hätte.“<br />

Nikon D80 mit Tamron SP AF 17-50mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung:<br />

Eis: 1/60 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 320<br />

Felsen: 1/125 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 250<br />

Himmel: 1/400 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 250.<br />

26 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Unglaublich! Auf der Isle of Wight gibt es<br />

praktisch keine Lichtverschmutzung. Das<br />

macht sie zu einem der wenigen Standorte<br />

Westeuropas, an denen man die<br />

Milchstraße perfekt fotografieren kann.<br />

Hier ist zudem der Vordergrund schön<br />

ausgeleuchtet und ergibt ein sehr<br />

ausgeglichenes Foto.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Chad Powell<br />

Alter: 22 / Beruf: Grafiker & Fotograf<br />

www.isleofwightmilkyway.com<br />

Ein Ort zum Nachdenken: „Dies ist eines meiner schönsten Fotos,<br />

aufgenommen in der Orchard Bay auf der Isle of Wight. Für dieses Bild<br />

musste ich einen Pfad hinunter laufen, der teilweise vom Meer<br />

überspült wird. Ich lief über nasse, von Seegras überwucherte Felsen,<br />

mit einer nicht sehr hellen Taschenlampe in der einen und meiner<br />

Kamera plus Stativ in der anderen Hand. So was sollte man eigentlich<br />

nicht machen. In einiger Entfernung rechts hinter mir befand sich ein<br />

einzelnes Haus, dessen Lichter den Vordergrund sichtbar machten.“<br />

Canon EOS 6D mit Sigma 20mm f/1.8 EX DG Objektiv.<br />

Belichtung: 25 Sekunden bei Blende f/2.8 und ISO 4000.


SCHAUKASTEN<br />

Dylan Toh<br />

Alter: 36 / Beruf: Arzt<br />

www.everlookphotography.com<br />

Himmel, lass dein Licht scheinen: „Dieses Bild entstand an einem<br />

stürmischen Tag in den westlichen Fjorden von Island. Wir hatten<br />

festgestellt, dass die ziehenden Wolken interessante Lichtflecken auf<br />

dem braunen Gras erzeugten. Wir hielten am Straßenrand an und<br />

warteten, bis einer genau auf die Kirche fiel. Verschlusszeit und Blende<br />

hatte ich so gewählt, dass ein scharfes Bild mit genügend Schärfentiefe<br />

zu erwarten war. In der Nachbearbeitung wollte ich einen weichen<br />

Orton-Effekt erreichen, um das Malerische der Szene zu unterstreichen.<br />

Ich erstellte eine neue Ebene mit der Füllmethode „Luminanz“ und<br />

wendete den Gaußschen Weichzeichner mit geringer Deckkraft an.“<br />

Canon EOS 40D mit Canon EF 24-70mm f/2.8 Objektiv.<br />

Belichtung: 1/60 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 100.<br />

Earnslaw im Herbst: „Die Kleinstadt Glenorchy auf der Südinsel von<br />

Neuseeland ist eine Reise wert. Im Herbst ist die Landschaft mit roten<br />

und gelben Baumblättern übersät und bietet wunderschöne Motive mit<br />

Mount Earnslaw im Hintergrund. Eine dünne Wolkendecke, an der sich<br />

die letzten Sonnenstrahlen brechen, sorgt für einen farbigen Himmel,<br />

und die Langzeitbelichtung reduzierte die Wasserbewegung. Ich nahm<br />

die Bildkomposition so vor, dass die Horizontlinie der Baumkronen den<br />

Blick zum Berg hinführt. Ein weicher Verlaufsfilter sorgte für moderaten<br />

Kontrast, während ein Polfilter die Spiegelungen im See verstärkte.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 17-40mm f/4L Objektiv.<br />

Belichtung: 15 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 50.<br />

Kiesstrand: „Dieses Bild wurde auf der Isle of Skye aufgenommen. Diese<br />

Küste ermöglicht eine Vielzahl von Bildkompositionen mit den Black<br />

Cuillins im Hintergrund. Da die See ruhig war, sollte das Bild die<br />

Wasserbewegung eines abfließenden Priels zeigen, im Kontrast zum<br />

stehenden Wasser eines Tümpels, in dem sich Wolken spiegelten. Ein<br />

Polfilter machte die Kieselsteine im Tümpel sichtbar, ein weicher<br />

0.9ND- und ein harter 0.6ND-Verlaufsfilter sorgten für ausgeglichene<br />

Kontraste. In der Nachbearbeitung verstärkte ich das Sonnenlicht auf<br />

den Kieseln, indem ich eine Farbkorrekturebene mit selektiver gelber<br />

Farbmaske anwendete.“<br />

Canon EOS 7D mit Sigma 10-20mm EX Objektiv.<br />

Belichtung: 0,6 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Punchbowl Light: „Dieses Bild machte ich am Flussufer in einer Schlucht, der<br />

Columbia River Gorge, in Oregon, USA. An diesem Morgen waren die<br />

Lichtverhältnisse so hell und klar, dass der schöne Sprühnebel des Wasserfalls im<br />

vollen Dynamikumfang des Sonnenlichts zu sehen war. Da die Übergänge<br />

zwischen den Helligkeitsstufen der Szene keine klare Linie hatten, nahm ich<br />

mehrere Einzelbilder auf, statt einen Verlaufsfilter zu nutzen. Die<br />

Langzeitbelichtung mit niedrigem ISO-Wert gab dem Fluss einen weichen Glanz,<br />

während die kürzere Belichtung alle Details im Sonnenlicht erfassen konnte. Die<br />

Einzelbilder wurden mithilfe von Luminanz-Masken zusammengeführt und<br />

manuell ausgerichtet.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit 16-35mm f/2.8L II Objektiv.<br />

Belichtung: von 1/15 Sekunde bis 20 Sekunden bei Blende f/22 und ISO 50.<br />

28 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Dylan ist offensichtlich nicht<br />

nur ein Weltenbummler, sondern<br />

hat auch ein außergewöhnliches<br />

Talent für<br />

Landschaftsaufnahmen voller<br />

Farbe, Atmosphäre und Tiefe.<br />

Ganz hervorragend!<br />

Daniel Lezano


SCHAUKASTEN<br />

Jake Olson<br />

Alter: 39 / Beruf: Fotograf<br />

www.jakeolsonstudios.com<br />

Sinfonie: „Wie alle meine Arbeiten, entstand auch dieses Bild<br />

ausschließlich bei natürlichem Licht. Mein Modell war die<br />

zwei Jahre alte Sophie. Sie stand bei Sonnenuntergang auf<br />

einem Hügel in der Nähe des Städtchens Blair in Nebraska. Ich<br />

benutzte eine Seifenblasenmaschine und probierte<br />

unterschiedliche Belichtungen aus, bis mir dieses Bild gelang.<br />

In Photoshop bedurfte es nur geringer Nachschärfung.<br />

Blendenflecke können zum Problem werden, wenn das<br />

Objektiv ins Gegenlicht gerichtet ist, aber ich benutze immer<br />

eine Gegenlichtblende und schirme das Objektiv zusätzlich<br />

gegen die Seite, von der das Licht einfällt, mit der Hand ab.<br />

Meistens genügt das, um Blendenflecke zu vermeiden.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 85mm f/1.2L II Objektiv.<br />

Belichtung: 1/3200 Sekunde bei Blende f/1.2 und ISO 200.<br />

Sturmwarnung: „Das ist ein Bild des Schauspielers<br />

James Spain aus Omaha, Nebraska. Er war wegen<br />

eines Familienfotos zu mir gekommen. Er wartete<br />

darauf, dass der Rest der Familie aus dem Auto stieg. Es<br />

musste alles sehr schnell gehen, weil sich in der Ferne<br />

ein Sturm zusammenbraute. Ich habe fast 40<br />

Aufnahmen der Szene gemacht, doch dies war die<br />

einzige, bei der sein Haar im Wind flatterte und er in<br />

die Kamera schaute. Es ist der ehrliche, wahrhaftige<br />

Gesichtsausdruck, der dieses Bild ausmacht. Es wurde<br />

im „National Geographic“ veröffentlicht, es wurde für<br />

eine Anzeige in der „Vogue“ verwendet, und es ziert<br />

den Titel eines Romans von A. J. Cronin in Italien.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit EF 24-70mm f/2.8L II Objektiv.<br />

Belichtung: 1/800 Sekunde bei Blende f/2.8 und<br />

ISO 400.<br />

Makenna: „Dies ist ein Porträt von Makenna,<br />

aufgenommen bei Sonnenuntergang in Washington<br />

County, Nebraska. Ich fotografiere oft auf dieser Straße,<br />

weil es dort keine störenden Überlandleitungen gibt<br />

und weil die Gegend eindeutig als Nebraska erkennbar<br />

ist. Ich habe die Zeit des Sonnenuntergangs gewählt,<br />

um dessen Licht nutzen zu können und weil man<br />

dann einfacher mit den Schatten umgehen kann. Die<br />

größte Herausforderung war das Bändigen des langen<br />

Haars im Wind. Die Koffer stammten von ihrer<br />

Großmutter und symbolisieren den Auszug aus dem<br />

elterlichen Haus nach bestandenem Abitur. In<br />

Lightroom habe ich einen Verlaufsfilter angebracht,<br />

um den Himmel hervorzuheben; ansonsten brauchte<br />

das Bild nur ein wenig Hautretusche und etwas<br />

Rauschunterdrückung.<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 85mm f/1.2L<br />

Objektiv.<br />

Belichtung: 1/8000 Sekunde bei Blende f/1.2 und<br />

ISO 200.<br />

Endlich geschafft: „Auch dieses Bild entstand beim<br />

natürlichen Licht des Sonnenuntergangs. Es besteht<br />

aus zwei Aufnahmen derselben Szene, wobei auf einer<br />

der beiden der Himmel bewusst unter<strong>belichtet</strong> wurde.<br />

Ich habe die beiden Fotos in Photoshop manuell<br />

zusammengeführt. Das Bild war ein Kundenauftrag<br />

und zeigt Kelseys besondere Art und Weise, ihren<br />

gerade bestandenen Universitätsabschluss zu<br />

zelebrieren. Es ist übrigens wieder dieselbe Straße, die<br />

ich für viele meiner Szenen nutze – die<br />

Sonnenuntergänge sind hier sehr schön und der<br />

Fluchtpunkt am Horizont leitet das Auge in die Szene<br />

und gibt ihr Tiefe. In Lightroom habe ich selektiv<br />

nachgeschärft, die Farbsättigung verbessert und etwas<br />

Rauschunterdrückung angewandt.<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 85mm f/1.2L II<br />

Objektiv.<br />

Belichtung: 1/8000 Sekunde bei Blende f/3.5 und<br />

ISO 200<br />

30 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


<strong>Digitale</strong><br />

KOMMENTAR<br />

Jakes Porträts unterstreichen die<br />

Bedeutung des Lichts in der<br />

Porträtfotografie, beweisen aber<br />

auch, dass künstliches Licht,<br />

Lichtformer und anderes Zubehör<br />

nicht notwendig sind, um<br />

solche exzellenten Fotos zu<br />

machen.<br />

Jordan Butters


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

4 Ausgaben für<br />

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MACH DEIN BILD


STRANDREFLEXIONEN<br />

Strandreflexionen…<br />

Ein klarer Wintertag, verlassene Strände und blauer Himmel sind die besten Voraussetzungen für<br />

stimmungsvolle Fotos, denen die Spiegelungen im Wasser besondere Atmosphäre verleihen.<br />

Helen Dixon<br />

Kamera: Nikon D800E<br />

Objektivs: Zeiss Distagon T* 21mm f/2.8<br />

WENN SIE EINE Winterlandschaft<br />

fotografieren möchten, denken Sie<br />

vermutlich nicht zuerst an<br />

norddeutsche Küsten, sondern an<br />

schneebedeckte Felder, zugefrorene<br />

Flüsse und Spaziergänge im Winterwald.<br />

Beim zweiten Nachdenken fällt jedoch<br />

auf, dass auch Küsten zu dieser Jahreszeit<br />

fantastische Motive bieten können, und zwar<br />

aus zwei Gründen: Erstens ist der Himmel im<br />

Winter meistens interessanter, weil der tiefere<br />

Sonnenstand bessere Aufnahmeverhältnisse<br />

schafft als im Sommer. Zweitens sind Strände<br />

im Winter menschenleer – mit Ausnahme<br />

weniger Spaziergänger oder verliebter<br />

Pärchen. All das macht Küstenlandschaften im<br />

Winter zu großartigen Kulissen, vor denen sie<br />

wunderschöne Spiegelungen des Himmels<br />

einfangen können.<br />

Der Erfolg dieser Aufnahmetechnik steht und<br />

fällt mit der Vorbereitung. Zunächst müssen die<br />

Wetterbedingungen stimmen. Es spielt keine<br />

Rolle, ob nur ein paar weiße Wolken am Himmel<br />

sind oder ein Sturm aufzieht, so lange der<br />

Himmel irgendein interessantes Element zeigt.<br />

Bei geschlossener Bewölkung oder völlig blauem


MACH DEIN BILD<br />

Himmel kann sich nichts spiegeln, dann bleiben<br />

sie besser zu Hause.<br />

Vermeiden Sie auch Tage, an denen es sehr<br />

windig ist, dann kräuselt sich die Wasseroberfläche<br />

und Spiegelungen werden verzerrt. Am besten<br />

ist ein veränderliches Wetter mit Regenschauern<br />

und teilweise bewölktem Himmel, sodass die<br />

Sonne regelmäßig hindurch bricht. Bei solchen<br />

Wetterverhältnissen können Sie fantastische Fotos<br />

machen – idealerweise in der „goldenen<br />

Stunde“.<br />

Ebenso wichtig ist es, dass Sie die<br />

Gezeiten beachten. Die beste Zeit<br />

zum <strong>Fotografie</strong>ren ist bei Ebbe,<br />

während das Wasser abläuft. Unter<br />

www.bsh.de/de/Meeresdaten/<br />

Vorhersagen/Gezeiten/ finden Sie<br />

genaue Daten für Ebbe und Flut an<br />

der Nordsee. An der Ostsee machen<br />

sich Gezeiten kaum bemerkbar.<br />

Wenn sie angekommen sind,<br />

machen Sie sich zunächst mit der<br />

Umgebung vertraut und stellen fest, welcher<br />

Standort und welcher Kamerawinkel Ihnen die<br />

schönsten Reflexionen bieten. Vermeiden Sie steile<br />

Strandabschnitte, denn das Wasser wird dort zu schnell<br />

ablaufen. Ansonsten gibt es keine Regeln, Sie können<br />

in Richtung Meer fotografieren, in Richtung Küste, oder<br />

parallel zur Küstenlinie. Suchen Sie nach interessanten<br />

Formen und Mustern im Sand, doch vermeiden Sie<br />

Stellen, an denen sich das Wasser kräuselt, denn das<br />

verdirbt die Spiegelung. Falls Sie in das Gegenlicht<br />

HINWEIS<br />

Den Horizont gerade<br />

halten<br />

Eine in den Zubehörschuh<br />

eingesteckte Wasserwaage<br />

ist sehr nützlich, wenn Sie<br />

an der Küste fotografieren.<br />

Sie dient zur exakten<br />

Ausrichtung des Horizonts<br />

und zeigt außerdem an,<br />

wenn das Stativ uneben im<br />

Sand steht.<br />

der Sonne fotografieren, achten Sie besonders auf<br />

die Belichtung und die Gefahr von Blendenflecken.<br />

Wenn Sie die Sonne nicht direkt in den Bildausschnitt<br />

nehmen, sondern außerhalb direkt daneben, sollte es<br />

keine Probleme geben. Steht sie tief genug, besteht<br />

die Gefahr ohnehin nicht. Wenn Sie einen guten<br />

Standpunkt gefunden haben, bauen Sie Ihr Stativ auf<br />

und drücken es möglichst tief in den Sand, bevor Sie<br />

die Kamera montieren. Warten Sie danach eine<br />

oder zwei Minuten, um sicherzugehen,<br />

dass das Stativ tatsächlich fest steht,<br />

es könnte sonst während der<br />

Aufnahme weiter einsinken und<br />

das Foto verwackeln. Treten Sie<br />

außerdem nicht zu nah an ein<br />

Stativbein heran, auch das könnte<br />

dazu führen, dass dieses weiter<br />

einsinkt und die Kamera sich<br />

dadurch neigt.<br />

Nachdem die Kamera fixiert ist,<br />

wenden Sie sich der Bildkomposition<br />

zu. Bei der Positionierung des Horizonts<br />

wenden ausnahmsweise nicht unbedingt die<br />

Drittel Regel an. Wenn die Spiegelung stark genug<br />

ist, können Sie den Horizont durchaus in die Mitte<br />

des Bildausschnitts verlegen. Probieren Sie einfach<br />

verschiedene Bildkompositionen aus, dann sehen Sie,<br />

was am besten wirkt.<br />

Wenn Sie bereit sind, warten Sie den Moment<br />

der Aufnahme ab, bis das Wasser sich nach einer<br />

aufgelaufenen Welle nicht mehr bewegt, bevor es<br />

wieder abzulaufen beginnt.<br />

Ausrüstung: Ein stabiles Stativ ist unerlässlich,<br />

außerdem eine Wasserwaage, um für einen<br />

geraden Horizont zu sorgen. Ein Polfilter kann die<br />

Reflexionen des Vordergrunds beseitigen, aber<br />

auch Blendenflecken verursachen, wenn Sie im<br />

Gegenlicht der Sonne fotografieren. Abhängig<br />

von den allgemeinen Lichtverhältnissen, kann<br />

auch ein Grauverlaufsfilter nützlich sein.<br />

Kameraeinstellungen: Auf die Verschlussgeschwindigkeit<br />

kommt es bei diesem Motiv nicht an; wählen Sie deswegen<br />

die Zeitautomatik oder die manuelle Betriebsart der<br />

Kamera mit ISO 100 und einer mittleren Blendenöffnung.<br />

Machen Sie ein Testfoto und prüfen Sie das Histogramm<br />

besonders auf abgeschnittene Spitzlichter. Falls erforderlich,<br />

benutzen Sie einen Verlaufsfilter oder schießen eine<br />

Bildserie mit verschiedenen Verschlusszeiten.<br />

Worauf Sie achten sollten…<br />

Bildkomposition Falls die Spiegelung stark genug<br />

ist, können Sie den Horizont auch entgegen der<br />

Drittelregel in die Mitte Ihres Bildausschnitts verlegen.<br />

Der im Wasser reflektierte Himmel sorgt für ein leicht<br />

abstraktes, symmetrisches Bild<br />

Wetter Das Wetter spielt keine besondere Rolle, solange wenigstens<br />

ein interessantes Element am Himmel vorhanden ist, das sich im<br />

Wasser spiegelt. Dunkle, niedrig hängende Sturmwolken eignen sich<br />

genauso gut wie die weißen Federwolken in der Stratosphäre –<br />

nehmen Sie den Regenmantel und einen Schirm mit.<br />

Zu viel Sonnenlicht Hier gibt es keine Wolken, die<br />

die über dem Horizont stehende Sonne verdecken.<br />

Deswegen ist die Bildkomposition stark rechtslastig<br />

und der die Sonne umgebende Teil des Himmels ist<br />

ausgebrannt.<br />

36 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


STRANDREFLEXIONEN<br />

Das fertige Bild<br />

Die richtigen Farben und attraktive<br />

Wolkenformationen am Himmel sind<br />

die Zutaten für dieses gelungene<br />

Foto eines Strandes, aufgenommen<br />

im Winter.<br />

Belichtung: 0,4 Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100<br />

Auf tief stehende Sonne warten Wenn Sie direkt in<br />

die Sonne fotografieren, können Probleme durch<br />

Blendenflecke und Überbelichtung auftreten. In dem<br />

Fall nehmen Sie die Sonne aus dem Bildausschnitt oder<br />

warten ab, bis sie tief genug steht.<br />

Wellen verderben die Spiegelung Kräuselndes<br />

Wasser verdirbt die Spiegelung und somit das Bild.<br />

Bauen Sie Ihre Kamera deswegen nicht zu nah an einer<br />

Stelle auf, an der sich die Wellen brechen, denn dort<br />

wird die Wasseroberfläche generell unruhiger sein.<br />

Schauen Sie sich um Sie müssen übrigens nicht<br />

notwendigerweise in Richtung Meer fotografieren.<br />

Solange Sie eine starke Spiegelung im Bild haben,<br />

können Sie ebenso gut eine Perspektive landeinwärts<br />

oder entlang der Küste wählen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

37


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<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazin


ABSTRAKTION IN ÖL<br />

MACH DEIN BILD<br />

Abstraktion in Öl<br />

Möchten Sie mal ein interessantes, abstraktes Foto versuchen?<br />

Dafür brauchen Sie nur Wasser und ein paar Tropfen Öl…


MACH DEIN BILD<br />

ABSTRAKTION IN ÖL<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv NIKKOR AF-S Micro 60mm f/2.8G ED<br />

Software: Photoshop CS5<br />

ICH KANN NUR jedem empfehlen,<br />

sich so oft wie möglich an der<br />

Makrofotografie zu versuchen. Sie<br />

bietet die Möglichkeit, von nahezu<br />

jedem Objekt fantastische Bilder zu<br />

kreieren. Sehen Sie es so: Wenn Sie ein<br />

Landschaftsfoto machen wollen, müssen Sie eine<br />

fotogene Landschaft aufsuchen, für Porträts<br />

brauchen Sie ein Modell und müssen einen<br />

Termin ausmachen. Wenn Sie jedoch eine<br />

Makroaufnahme machen wollen, sind Sie<br />

unabhängig. Praktisch jedes Objekt kann mit<br />

etwas Fantasie und Know-how zum interessanten<br />

Makro-Motiv werden.<br />

Wasser und Öl mischen sich bekanntlich<br />

nicht. Wenn Sie Olivenöl in einen Topf mit<br />

kochendem Wasser geben, bildet das Öl an der<br />

Wasseroberfläche kleine Blasen, die das Licht<br />

brechen. Dieser Effekt ist in einem normalen Topf<br />

nicht erkennbar, bringen Sie jedoch im Wasser<br />

einen farbenfrohen Hintergrund und eine starke<br />

Lichtquelle an, werden Sie schnell erkennen,<br />

welche Aufnahmemöglichkeiten sich Ihnen<br />

bieten.<br />

Es ist ein schönes, kleines Projekt für einen<br />

regnerischen Nachmittag und die Zutaten<br />

dafür finden Sie in jeder Küche. Sie brauchen<br />

eine durchsichtige Glasschüssel, vorzugsweise<br />

mit großem, flachen Boden, auch sollte kein<br />

Logo oder irgendein Schriftzug erkennbar sein.<br />

Weiter brauchen Sie Speiseöl, Sonnenblumenöl<br />

eignet sich sehr gut. Dann brauchen Sie<br />

selbstverständlich Ihre Kamera und ein<br />

Makroobjektiv, zumindest aber Zwischenringe<br />

und ein 50mm Normalobjektiv, ein<br />

Elektronenblitzgerät oder eine Schreibtischlampe<br />

als Lichtquelle, einen farbigen Hintergrund und<br />

ein Stativ, wobei Letzteres nicht einmal unbedingt<br />

nötig ist. Das ist alles.<br />

Hinweis<br />

PROBIEREN SIE<br />

VERSCHIEDENE<br />

HINTERGRÜNDE<br />

Beim Hintergrund ist Ihr<br />

Ideenreichtum gefragt. Zu<br />

den in Frage kommenden<br />

Objekten gehören<br />

farbiges Papier, das bunte<br />

Titelblatt eines Magazins, dünne<br />

Textilien oder auch Blitzfolien,<br />

von denen Sie mehrere zu<br />

einem passenden<br />

Arrangement auslegen. Auch<br />

durchscheinende Materialien, die ein sich<br />

wiederholendes Muster aufweisen, sind<br />

geeignet. Sie werden feststellen, dass kleine<br />

Fragmente des Musters innerhalb der Blasen<br />

erkennbar sind.<br />

Setup Füllen Sie eine klare Schüssel zur Hälfte mit<br />

1kaltem Wasser, und stellen Sie sie mit den Kanten auf<br />

zwei gleich hohe Objekte, sodass dazwischen genug<br />

Platz für den Hintergrund und die Lichtquelle bleibt.<br />

Idealerweise stellen Sie die Schüssel auf einen Glastisch.<br />

Es muss eine gewisse Distanz zwischen dem Boden der<br />

Schüssel und der Oberfläche vorhanden sein, auf der sich<br />

Ihr Hintergrund befindet.<br />

Öl hinzufügen Gießen Sie ein paar Tropfen<br />

2Öl ins Wasser, rühren etwas um und warten,<br />

bis die Flüssigkeit zur Ruhe gekommen ist. Das<br />

Öl ist nun in Form kleiner Blasen auf der<br />

Wasseroberfläche sichtbar.<br />

Hintergrund auswählen Ich schnitt mir mehrere<br />

3kleine Stücke farbigen Kartons zurecht, der mir als<br />

Hintergrund dienen sollte. Auf diese Weise konnte ich<br />

die Farbzusammenstellung schnell und einfach<br />

ändern. Sie können nahezu jedes dünne, farbige<br />

Objekt, Textilien eingeschlossen, verwenden.<br />

Hintergrund beleuchten Zuerst versuchte ich, den<br />

4Hintergrund mit einer kleinen Schreibtischlampe zu<br />

beleuchten und mit der auf dem Stativ montierten Kamera zu<br />

arbeiten. Ich benutzte die Zeitautomatik mit Blende f/8 und<br />

stellte manuell auf die Wasseroberfläche scharf. Doch das<br />

Stativ schränkte die möglichen Kamerapositionen in dem zur<br />

Verfügung stehenden beengten Raum so stark ein, dass ich<br />

den Bildausschnitt kaum variieren konnte.<br />

Aus der Hand <strong>Fotografie</strong>ren Also versuchte ich es<br />

5aus der Hand. Ich stellte die Entfernung auf die<br />

geringste Arbeitsdistanz des Objektivs ein und bewegte<br />

die Kamera vor und zurück, bis die Ölbläschen scharf<br />

abgebildet wurden. Nun bestand aber<br />

Verwacklungsgefahr, deswegen ersetzte ich die<br />

Schreibtischlampe durch ein Elektronenblitzgerät, dass<br />

ich auf 1/8 seiner maximalen Leistung einstellte.<br />

Nachbearbeitung Mit dem Kopierstempelwerkzeug<br />

6entfernen Sie eventuell im Wasser vorhandene<br />

Fasern und Staubkörner in den Ölbläschen. Fügen Sie<br />

eine Gradationskurven-Einstellungsebene hinzu und<br />

verstärken Sie den Kontrast. Mit dem Kanalmixer oder<br />

einer Farbton/Sättigung-Einstellungsebene können Sie<br />

auch die Farben des Hintergrunds nach eigenen<br />

Wünschen anpassen.<br />

40 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige Bild<br />

Dieses farbenfrohe abstrakte Bild entstand mit<br />

Hilfe von Haushaltsutensilien, die in jeder Küche<br />

zu finden sind.<br />

Belichtung: 1/200Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100


MACH DEIN BILD<br />

SPIEGEL-ILLUSION<br />

Spiegel-Illusion…<br />

Regnet es mal wieder? Sehr schön – denn dann haben Sie die Gelegenheit, diese Aufnahmetechnik auszuprobieren…<br />

Catherine MacBride<br />

Kamera: Canon EOS 7D<br />

Objektiv: Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Software: Photoshop CC<br />

MANCHMAL SIND ES die einfachen<br />

Aufnahmen, die schwer in den Kasten zu<br />

bekommen sind. Ich wollte ein Foto<br />

machen, auf dem das Spiegelbild einer<br />

Person in einer Pfütze zu sehen ist – mit der<br />

kleinen Einschränkung, dass in der realen Welt oberhalb<br />

des Spiegelbilds nur die Schuhe der Person zu sehen sein<br />

sollten, eine klassische Illusion also…<br />

Doch das Wetter spielte nicht mit. Zunächst einmal<br />

regnete es nicht. Es regnet nie, wenn man Regen braucht<br />

für sein Motiv. Als es nach ein paar Tagen endlich soweit<br />

war, kam der Regen mit starken Windböen, die jede<br />

Hoffnung auf ein Spiegelbild in einer Wasserpfütze<br />

zunichte machten.<br />

Doch der Wind flaute irgendwann ab und nun waren<br />

ideale Bedingungen für das Auffinden einer geeigneten,<br />

großflächigen Pfütze gegeben. Ich wusste aus Erfahrung,<br />

dass es eine Pfütze auf einer dunklen Oberfläche sein<br />

musste, Asphalt beispielsweise, um ein wirklich schönes<br />

Spiegelbild zu bekommen.<br />

Falls Sie dieses kleine Projekt selbst ausprobieren wollen,<br />

empfehle ich Ihnen einen großen, asphaltierten Parkplatz,<br />

dort werden sie meistens fündig. Der beste Zeitpunkt ist<br />

direkt nach dem Regen, wenn der Wind sich gelegt hat.<br />

Suchen Sie sich eine Pfütze, die groß genug ist, einen<br />

Menschen ganz „abzubilden“. Allerdings ergibt sich auch<br />

ein schöner Effekt, wenn mehrere kleine Pfützen dicht<br />

beieinander vorhanden sind. Finden Sie den geeigneten<br />

Kamerastandpunkt und die geeignete Position für Ihr<br />

Modell. Sollte Ihnen kein Modell zur Verfügung stehen,<br />

können Sie dessen Rolle auch selbst übernehmen, wenn<br />

Sie einen Fernauslöser benutzen. Ansonsten brauchen Sie<br />

nur Ihre Kamera, am besten mit Zoomobjektiv, das Stativ<br />

und aus naheliegenden Gründen ein zweites Paar Schuhe.<br />

Finden Sie die beste Bildkomposition<br />

1Bauen Sie Ihre Kamera auf. Ihr Modell steht<br />

neben der Pfütze. Machen Sie die<br />

Bildkomposition. Es empfiehlt sich, einen Teil<br />

des Bodens im Bild zu haben, der nicht von der<br />

Pfütze bedeckt ist, dass verbessert die<br />

Bildkomposition.<br />

Kameraeinstellungen Schalten Sie die Kamera in die<br />

2manuelle Betriebsart, stellen ISO 400 und eine<br />

Verschlusszeit von etwa 1/100 Sekunde ein. Machen Sie ein<br />

Testfoto und nehmen Sie eventuell erforderliche Anpassungen<br />

vor. Ich ziehe die manuelle Betriebsart der Zeitautomatik vor,<br />

weil dabei die Belichtung gleich bleibt, auch wenn das Modell<br />

nicht mehr im Bild ist. Nun stellt sich Ihr Modell in die Pfütze<br />

und Sie fokussieren auf die Schuhe und machen das Foto.<br />

Das Modell tritt aus dem Bildausschnitt Jetzt<br />

3haben Sie zwei Möglichkeiten, wie es weitergehen<br />

kann: Entweder sie platzieren ein zweites Paar Schuhe<br />

exakt an die Stelle, an der das Modell gestanden hat,<br />

oder das Modell steigt aus seinen Schuhen, ohne dabei<br />

deren Position zu verändern. Die zweite Möglichkeit<br />

vereinfacht die Nachbearbeitung, allerdings wird Ihr<br />

Modell nasse Füße bekommen.<br />

Aufnahme der Schuhe Bewegen Sie auf keinen Fall<br />

4Kamera oder Stativ zwischen den Aufnahmen, weil<br />

es sonst unmöglich ist, die Bilder in Photoshop<br />

auszurichten. Bedenken Sie auch, dass sie auf einem<br />

öffentlichen Parkplatz gegebenenfalls Platz machen<br />

müssen, falls ein Auto kommt. <strong>Fotografie</strong>ren Sie deshalb<br />

für jedes „Modell-Bild“ ein passendes „Schuh-Bild“, sonst<br />

passen die Bilder hinterher nicht zusammen.<br />

Nachbearbeitung Öffnen Sie beide Bilder in Photoshop<br />

5und legen Sie das Foto mit dem Spiegelbild über das<br />

Foto der Schuhe. Erzeugen Sie eine Ebenenmaske für das<br />

Foto mit dem Spiegelbild und wählen Sie das<br />

Pinselwerkzeug mit der Vordergrundfarbe schwarz. Damit<br />

maskieren Sie die Beine des Modells, wobei Sie das<br />

Spiegelbild nicht anrühren. Reduzieren Sie die Deckkraft des<br />

Pinsels und führen Sie beide Ebenen so nahtlos zusammen,<br />

wie nur möglich.<br />

Struktur anbringen Nun führen Sie die Ebenen zusammen<br />

6und behandeln eventuell vorhandene Problembereiche mit<br />

dem Kopierstempelwerkzeug oder dem Reparaturpinsel. Ich habe<br />

dem Bild noch eine Struktur hinzugefügt. Eine solche Struktur<br />

– „Textur“ – können Sie gratis per Adobe Exchange aus dem Adobe<br />

Texture Pro Panel beziehen oder direkt bei www.flypapertextures.<br />

com. Führen Sie die Ebenen erneut zusammen und nehmen Sie<br />

Tonwertkorrekturen und Anpassungen der Gradationskurven<br />

nach Ihren Wünschen vor.<br />

42 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Belichtung: 1/100Sekunde bei Blende f/10 und ISO 400<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

43


MACH DEIN BILD<br />

Studiostillleben<br />

Möchten Sie professionell wirkende Produktfotos machen? Das funktioniert auch ohne aufwendige<br />

Beleuchtung. Nehmen Sie Ihren Tablet-Computer oder Ihr Smartphone zur Hand…<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR 18-140mm f/3.5-5.6G ED<br />

ICH BIN EIN überzeugter Anhänger dessen,<br />

was ich „Hausgemachte <strong>Fotografie</strong>“ nenne;<br />

ich meine damit, dass man alltägliche<br />

Gegenstände oder Dinge, die man selbst<br />

gefertigt hat, als Requisiten und Zubehör<br />

verwendet, anstatt für teures Geld Fotozubehör<br />

anzuschaffen, dessen Nutzen sich auf einen einzigen<br />

Zweck beschränkt. Ich habe beispielsweise Softboxen<br />

aus alten T-Shirts und Styropor gebastelt, Reflektoren aus<br />

Aluminiumfolie und Lichtzelte aus weißen Bettlaken. Ein<br />

Setup mit Hilfe solcher Utensilien sieht nicht sehr<br />

beeindruckend aus, doch wer sich das Endergebnis<br />

anschaut, wird nicht in der Lage sein, festzustellen, dass<br />

keine teure Spezialausrüstung benutzt wurde.<br />

Die hausgemachte Lösung für diese spezielle<br />

Aufgabenstellung ist zwar nicht ganz billig, es lohnt sich<br />

also kaum, dass hier benutzte Zubehör nur für diesen<br />

einen Zweck zu kaufen. Doch viele von uns besitzen es<br />

ohnehin oder haben zumindest Zugriff darauf. Seine<br />

Größe prädestiniert es geradezu als Lichtquelle für ein<br />

Stillleben oder für ein Motiv aus dem Bereich der<br />

Produktfotografie. Mit etwas Arbeitsvorbereitung lassen<br />

Sie Ihre Produktfotos aussehen, als seien sie in einem<br />

professionellen Studio mit variabler Hi-Tech-<br />

Beleuchtung aufgenommen worden. Dabei brauchen<br />

Sie nur einen Tablet-Computer oder ein Smartphone,<br />

vielleicht beides. Damit steht Ihnen eine hervorragende<br />

Lichtquelle zur Verfügung. Sie laden ein Bild, eine Form<br />

oder eine Farbe auf das Gerät, und bewegen dieses<br />

während einer Langzeitbelichtung um das zu<br />

beleuchtende Objekt herum. Dadurch sind sie in der<br />

Lage, eine beliebige Szene genau nach Ihren<br />

Vorstellungen auszuleuchten. Dieses Verfahren nennt<br />

sich Lichtmalerei. Es gibt inzwischen Apps, mit denen Sie<br />

sogar 3D-Objekte in eine Szene bringen können, indem<br />

das auf dem Monitor des Geräts angezeigte Bild geändert<br />

wird, während Sie es um das zu fotografierende Objekt<br />

bewegen. Sie brauchen dazu lediglich ein<br />

Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop, Elements<br />

oder GIMP – also etwas, dass Sie ohnehin bereits auf<br />

Ihrem Computer haben – und eine Möglichkeit, dieses<br />

Bild auf Ihr als Lichtquelle dienendes Tablet oder<br />

Smartphone zu laden. Am einfachsten funktioniert es mit<br />

Dafür gibt´s doch `ne App...<br />

Das Erzeugen eigener Lichtmuster ist die<br />

kreativste – und billigste – Methode,<br />

doch es gibt auch einige Apps, mit deren<br />

Hilfe sie Lichtmalereien mit Ihrem<br />

Smartphone oder Tablet erzeugen<br />

können. Da gibt es beispielsweise<br />

„SoftBox Pro“ für iPad und iPhone, womit<br />

sich nicht nur verschiedenfarbige<br />

Softboxen erzeugen lassen, sondern<br />

zusätzlich eine Vielfalt von Mustern und<br />

Effekten. Für das iPhone gibt es sogar<br />

eine Lite-Version, die man gratis<br />

herunterladen kann. Suchen Sie im Apple<br />

Store nach „Softbox Pro“.<br />

einem Kabel, oder Sie schicken das Bild als E-Mail-<br />

Anhang an sich selbst. Welche Effekte Sie nun mit dieser<br />

Technik erreichen, ist nur durch Ihre Vorstellungskraft<br />

begrenzt. Sie können Farben kombinieren, die Lichtquelle<br />

während der Belichtung in verschiedene Richtungen<br />

bewegen, Sie können mehrere solcher Lichtquellen<br />

verwenden, wie ich es hier getan habe und sie können<br />

sogar Bildserien schießen, wobei sie jeweils verschiedene<br />

Bewegungen ausführen und verschiedene Farben<br />

benutzen. Die Einzelbilder kombinieren Sie anschließend<br />

in Photoshop und erzeugen so den Eindruck, als hätten<br />

sie viel mehr Lichtquellen gehabt, als tatsächlich<br />

vorhanden waren.<br />

Das fertige Bild<br />

Wahrscheinlich brauchen Sie einige Versuche, bis es<br />

klappt, doch die Resultate sprechen für sich – ein<br />

professionell aussehendes Foto, beleuchtet von<br />

einem Smartphone oder Tablet.<br />

Belichtung: 6 Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100<br />

Lichter erzeugen Erzeugen Sie in Photoshop ein neues<br />

1Dokument mit schwarzem Hintergrund. Stellen Sie<br />

die Farbe, die Sie benutzen wollen, als Vordergrundfarbe<br />

ein. Mit dem Rechteck-Auswahlwerkzeug erzeugen Sie<br />

horizontale Streifen, speichern das Dokument und<br />

transferieren es auf das Tablet. Ich habe zusätzlich eine<br />

leere weiße Leinwand für mein Smartphone erzeugt, das<br />

mir als Sekundärlicht diente.<br />

Setup Montieren Sie die Kamera auf ein stabiles<br />

2Stativ und bringen Sie das zu fotografierende<br />

Objekt in Position. Ich habe eine Plexiglasplatte<br />

mit schwarzem Karton darunter benutzt, um<br />

unter der Kamera eine hübsche Spiegelung zu<br />

erzeugen. Stellen Sie die maximale Helligkeit Ihres<br />

Tablet-Computers ein und laden Sie Ihr Bild.<br />

Kameraeinstellungen Stellen Sie per Autofokus scharf und<br />

3schalten ihn anschließend aus, damit er in der Dunkelheit<br />

nicht ständig nach einem neuen Scharfstellpunkt sucht. Mit<br />

der Kamera in der manuellen Betriebsart stellen Sie ISO 100<br />

und eine mittlere Blende zwischen f/8 und f/13 ein. Wählen<br />

Sie eine Verschlusszeit, die so lang ist, dass Sie Zeit genug<br />

haben, Ihr Tablet durch den Bildausschnitt zu bewegen, in<br />

meinem Fall waren es 6 Sekunden.<br />

44 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


STUDIOSTILLLEBEN<br />

4<br />

Bewegung hinzufügen<br />

Lösen Sie den<br />

Kameraverschluss per<br />

Fernauslöser aus und<br />

bewegen Sie das Tablett in<br />

einer flüssigen Bewegung<br />

seitlich entlang der<br />

Rückseite Ihres Objekts. Ich<br />

hatte mein iPhone vor<br />

meinem Objekt, damit es<br />

von vorne mit weißem<br />

Licht beleuchtet wurde.<br />

Wenn Sie jedoch weißes<br />

Hintergrundlicht benutzen,<br />

ist dieser Schritt nicht<br />

notwendig. In diesem Fall<br />

bewegen Sie Ihr Tablett<br />

einfach auch vor dem zu<br />

fotografierenden Objekt<br />

entlang.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

45


MACH DEIN BILD<br />

Dramatische Schwarzweißlandschaft<br />

Fügen Sie zwei Bilder in Photoshop zusammen und kreieren Sie ein stimmungsvolles Schwarzweißbild<br />

Lee Frost<br />

Kamera: Canon EOS 5D MK III<br />

Objektiv: Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Software: Photoshop CS5 & Silver Efex Pro<br />

DER HIMMEL IST EIN entscheidendes<br />

Bildelement in Landschaftsfotos, denn er trägt<br />

wie kaum ein anderes Element zur Stimmung<br />

und damit zum Gesamteindruck des Fotos bei.<br />

Ein blasser „ausgewaschener“ Himmel führt in<br />

aller Regel dazu, dass es der Bildkomposition an Atmosphäre<br />

fehlt. Ein Himmel voller dunkler Wolken bewirkt genau das<br />

Gegenteil – erzeugt eine dramatische, bedrohliche<br />

Atmosphäre.<br />

Der Kamerasensor nimmt einen Himmel nicht<br />

automatisch „richtig“ auf, trotzdem können Sie genau den<br />

Effekt, den Sie wünschen, erreichen. Sehr oft ist der Himmel<br />

heller als die darunter liegenden Landschaft, deswegen<br />

besteht das Risiko der Überbelichtung. Wir alle wissen, dass<br />

ein Digitalfoto, bei dem manche Bildteile so stark über<strong>belichtet</strong><br />

sind, dass sie als Weiß aufgenommen werden, kaum noch<br />

zu retten ist, weil es keine Details mehr gibt, die wieder<br />

sichtbar gemacht werden könnten. Ein Grauverlaufsfilter<br />

löst dieses Problem sehr oft, weil Sie mit ihm den Himmel<br />

so stark abdunkeln können, dass er dieselbe Belichtung<br />

wie die Landschaft erfordert. Leider sind Verlaufsfilter<br />

nur dann die Lösung des Problems, wenn der Horizont<br />

einigermaßen gerade verläuft. Wenn ein Objekt jedoch die<br />

Horizontlinie durchbricht und weit in den Himmel ragt – ein<br />

Kirchturm beispielsweise – wird es ebenso wie der Himmel<br />

durch den Verlaufsfilter beeinflusst. Dann haben sie zwar<br />

ein Problem gelöst, aber ein neues geschaffen, denn das<br />

Objekt sieht unnatürlich aus. Das passiert oft, wenn Sie mit<br />

Weitwinkelobjektiv von einem niedrigen Kamerastandpunkt<br />

fotografieren. Nah an der Kamera befindliche Objekte<br />

erscheinen übergroß, und man kann keinen Verlaufsfilter<br />

benutzen, weil sie den Himmel dominieren. Neulich stand<br />

ich vor genau diesem Problem. Ich hatte ein schönes altes<br />

Holzboot auf einem steinigen Strand gefunden und meine<br />

Bildkomposition von sehr weit unten gegen den Himmel<br />

gemacht, um die Form des Bootsrumpfes und der durch die<br />

Planken erzeugten Linien hervorzuheben.<br />

Doch der Himmel war grau und blass und ich wusste,<br />

dass es ein Problem geben würde. Den Grauverlaufsfilter<br />

konnte ich nicht benutzen, also musste ich auf eine andere<br />

Technik zurückgreifen. Ich machte zwei Aufnahmen, die<br />

erste mit der richtigen Belichtung für das Boot. Die zweite<br />

Aufnahme bekam die richtige Belichtung für den Himmel. Ich<br />

kombinierte beide in Photoshop und benutzte Ebenen, eine<br />

Ebenenmaske und das Radiergummiwerkzeug, um den richtig<br />

<strong>belichtet</strong>en Himmel mit dem richtig <strong>belichtet</strong>en Boot zu einem<br />

einzigen allseits richtig <strong>belichtet</strong>en Bild zusammenzuführen.<br />

Das hört sich kompliziert an, ist aber tatsächlich ganz einfach<br />

und geht sogar relativ schnell. Außerdem können Sie in diesem<br />

Prozess die Belichtung viel präziser steuern, als es mit einem<br />

Verlaufsfilter möglich gewesen wäre.<br />

Und so wird’s gemacht:<br />

Setup Montieren Sie die Kamera auf das Stativ<br />

1und machen Sie Ihre Bildkomposition. Das<br />

Stativ ist nicht zwingend notwendig bei einer<br />

Szene wie dieser. Zur Not können Sie auch aus der<br />

Hand fotografieren, wenn Sie eine Serie mit<br />

verschieden <strong>belichtet</strong>en Einzelbildern schießen,<br />

was allerdings voraussetzt, dass Sie die Kamera<br />

zwischen den Einzelbildern nicht bewegen.<br />

Bearbeiten<br />

Belichtung Stellen Sie eine Belichtung ein, die<br />

2den Vordergrund richtig <strong>belichtet</strong> – in diesem<br />

Fall das Boot – und machen Sie die erste<br />

Aufnahme. Ich benutzte die Zeitautomatik,<br />

machte ein Testfoto, überprüfte es, korrigierte die<br />

Belichtung und schoss danach ein zweites Foto,<br />

das richtig <strong>belichtet</strong> war.<br />

Zweites Bild Wählen Sie nun die Belichtung für den<br />

3Himmel, ohne dabei die Kamera zu bewegen. Ich<br />

stellte in diesem Fall zusätzlich eine Belichtungskorrektur<br />

von EV-2 ein, weil ich den Himmel möglichst dunkel und<br />

bedrohlich haben wollte. Sie werden vielleicht eine oder<br />

zwei Testaufnahmen brauchen, bis Ihr Himmel so<br />

aussieht wie er Ihren Vorstellungen entspricht.<br />

Raw-Dateien verarbeiten Benutzen Sie einen<br />

4Raw-Konverter und speichern Sie die Bilder<br />

entweder als TIFFs oder JPEGs ab. JPEGs sind<br />

wesentlich kleinere Dateien und insofern leichter zu<br />

handhaben, wenn Ihr Computer nicht über allzu viel<br />

Hauptspeicher verfügt. Hinzu kommt, dass Sie selbst<br />

bei Speicherung mit maximaler Bildqualität<br />

qualitativ fast so gut sind wie ein TIFF.<br />

kombinieren Öffnen Sie beide<br />

5Bilder in Photoshop und ziehen Sie das<br />

dunklere Bild über das hellere Bild. Dies fügt<br />

das dunklere Bild dem helleren Bild als neue<br />

Ebene hinzu. Sie können es auch umgekehrt<br />

machen, doch dann haben sie mehr Arbeit<br />

mit dem Radiergummiwerkzeug.<br />

erzeugen Klicken Sie auf das<br />

6Ebenenmaskensymbol in der Ebenenpalette, um<br />

dem dunkleren Bild eine Ebenenmaske hinzuzufügen.<br />

Anschließend klicken Sie in der Werkzeugpalette auf<br />

das Radiergummiwerkzeug. Stellen Sie dessen<br />

Deckkraft niedrig ein, auf etwa 20%. Nun beginnen Sie<br />

das unter<strong>belichtet</strong>e Boot „auszuradieren“, wodurch das<br />

richtig <strong>belichtet</strong>e Boot zum Vorschein kommt.<br />

46 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


DRAMATISCHE SCHWARZWEISSLANDSCHAFT<br />

Das fertige Bild<br />

Noch ein paar kleinere<br />

Korrekturen und ein etwas<br />

wärmerer Farbton<br />

hinzugefügt, und das war’s.<br />

Ein schönes Beispiel dafür,<br />

wie Sie auch an einem<br />

trüben Tag ein gutes Foto<br />

machen können.<br />

Unterste Ebene anzeigen Bei geringer Deckkraft des<br />

7Radiergummiwerkzeugs können Sie genau auswählen, an<br />

welcher Stelle sie wie viel Detail hervorbringen wollen – so<br />

haben Sie einen großen Einfluss auf den Eindruck, den das<br />

Bild auf den Betrachter macht. Achten Sie darauf, dass Sie<br />

nicht über die Kanten des zu bearbeitenden Elements hinaus<br />

geraten, sonst hellen Sie den angrenzenden Teil des Himmels<br />

auf, was einen unnatürlichen Korona-Effekt erzeugt.<br />

Ebenen zusammenführen Wenn Sie mit<br />

8dem Radiergummiwerkzeug fertig sind,<br />

führen Sie die beiden Ebenen zu einer<br />

einzigen zusammen und nehmen letzte<br />

Korrekturen vor. Bei diesem Bild habe ich<br />

den Himmel mit dem Lasso-Werkzeug<br />

ausgewählt und den Kontrast vermittels der<br />

Gradationskurven verstärkt.<br />

9<br />

In Schwarzweiß konvertieren Weil es<br />

ohnehin ein grauer Tag gewesen war,<br />

wollte ich sehen, wie das Bild in<br />

Schwarzweiß wirkte. Ich konvertierte es mit<br />

Silver Efex Pro. In Photoshop benutzen Sie<br />

dazu eine Schwarzweiß-Einstellungsebene.<br />

Gehen Sie auf „Ebene > Neue<br />

Einstellungsebene > Schwarzweiß“.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

47


MACH DEIN BILD<br />

Winterlandschaften<br />

Wenn es kalt wird, ist die Versuchung groß, die Kamera einzumotten, sich vor den Kamin zu setzen und<br />

die Füße hochzulegen. Leider verpassen Sie dann aber etliche der besten Fotomotive des ganzen Jahres.<br />

Erfahren Sie, wie Sie im Winter Bilder machen, die in keiner anderen Jahreszeit möglich sind.


WINTERLANDSCHAFTEN


MACH DEIN BILD<br />

Ross Hoddinott<br />

Kamera: Nikon D800E<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35mm f/4G ED VR<br />

DIE KALTE JAHRESZEIT kann sich als<br />

fotografisch äußerst produktiv<br />

erweisen, liefert sie uns doch oftmals<br />

geradezu magisch anmutende<br />

Motive, die erst durch das kalte<br />

Wetter überhaupt entstehen können. Natürlich<br />

ist der Traum jedes Landschaftsfotografen das<br />

sprichwörtliche Winterwunderland, das nach<br />

langem Frost und ausgiebigen Schneefällen<br />

außerhalb der Großstädte entsteht. Ein weißer<br />

Teppich aus frisch gefallenem Pulverschnee<br />

macht aus einer ansonsten langweiligen Gegend<br />

eine fotogene Landschaft und ein abgeknickter<br />

Ast, der unter normalen Umständen gar nicht<br />

wahrgenommen würde, wird zum attraktiven<br />

Bildmotiv, wenn er von einer Eiskruste umhüllt ist<br />

und sich an seinem unteren Ende unter dem<br />

Einfluss der Mittagssonne ein langer Eiszapfen<br />

gebildet hat.<br />

Frostperioden sind jedoch oft nur kurz, wobei<br />

die besten Bedingungen zum <strong>Fotografie</strong>ren nur<br />

wenige Tage vorhanden sind, manchmal sogar<br />

nur wenige Stunden. Sie müssen auf das Wetter<br />

vorbereitet sein, sonst verpassen Sie die besten<br />

Chancen. Wenn Frost angesagt ist, sollten Sie<br />

sich fragen: Wo will ich fotografieren? Welche<br />

Kleidung brauche ich? Welche Fotoausrüstung<br />

brauche ich?<br />

1<br />

3<br />

4<br />

5<br />

1) DAS WETTER IM AUGE BEHALTEN<br />

Von bevorstehenden Kälteperioden erfahren Sie<br />

aus den Medien. Als Landschaftsfotograf sollten<br />

Sie ein Auge auf die lokale Wettervorhersage<br />

haben. So wissen Sie auch über kurzfristige<br />

Wetteränderungen Bescheid und können<br />

entsprechend planen. Auf www://wetter.com<br />

können Sie die lokale Wetterprognose anhand<br />

Ihrer Postleitzahl mit einer zeitlichen „Auflösung“<br />

nach Stunden, einem Tag, drei Tagen, sieben und<br />

sechzehn Tagen abrufen.<br />

2) WAHL DES ORTES UND TIMING<br />

Schnee und Eis können für gefährliche<br />

Straßenverhältnisse sorgen, insbesondere auf<br />

nicht geräumten Nebenstraßen. Sicherheit geht<br />

vor, verzichten Sie deswegen auf weite Anfahrten.<br />

Nutzen Sie stattdessen Ihre genaue Ortskenntnis<br />

Ihrer unmittelbaren Umgebung und suchen<br />

Sie sich einen fotografisch vielversprechenden<br />

Standort. Am besten haben Sie den schon lange<br />

vorher ausgekundschaftet. Hoch gelegene<br />

Aussichtspunkte sind gut geeignet, wenn Sie<br />

sie unter den gegebenen Wetterbedingungen<br />

sicher erreichen können. Auch im Winter ist der<br />

Morgen die beste Zeit, um mit der Kamera auf<br />

Motivsuche zu gehen. Gefrorenes wird unter<br />

dem Einfluss der aufgegangenen Sonne zu tauen<br />

beginnen. Deswegen sieht die Landschaft im<br />

ersten Tageslicht oft am besten aus. Seien Sie also<br />

früh genug vor Ort.<br />

Schnee fotografieren Sie am besten, solange er<br />

frisch und sauber ist, auch deswegen ist ein früher<br />

Start von Vorteil, bevor die ersten Spaziergänger<br />

und Kinder mit ihren Schlitten auftauchen.<br />

Achten Sie deswegen auch darauf, wo sie selbst<br />

laufen. Schließlich wollen Sie sich ein schönes<br />

Motiv nicht durch Ihre eigenen Fußabdrücke<br />

verderben.<br />

3) AUSRÜSTUNG<br />

Als Ausrüstung benötigen Sie eine Auswahl<br />

verschiedener Brennweiten, idealerweise vom<br />

Weitwinkelobjektiv bis zum kurzen Teleobjektiv.<br />

Nehmen Sie auch Ersatzbatterien oder einen<br />

Ersatzakku für die Kamera mit, denn kaltes Wetter<br />

erschöpft Batterien schneller. Tragen Sie sie<br />

möglichst nah am Körper, um sie warm zu halten.<br />

Damit Ihre Kameratasche trocken bleibt, ziehen<br />

Sie die wasserdichte Hülle darüber. Falls die<br />

Gefahr von Schnee, Schneeregen, oder Regen<br />

besteht, sollten Sie auch einen Regenschutz für<br />

die Kamera dabei haben.<br />

Eine frisch gefallene Schneedecke ist unter<br />

blauem Himmel besonders fotogen, deswegen<br />

sollten Sie einen Polfilter nicht vergessen. Mit ihm<br />

können Sie das Blau des Himmels noch weiter<br />

sättigen. Bei windigem Wetter ist auch ein Stativ<br />

nützlich, insbesondere eins mit einem Haken am<br />

unteren Ende der Mittelsäule. An den hängen Sie<br />

Ihre Kameratasche, was dem Stativ zusätzliche<br />

Stabilität verleiht. Nehmen Sie auch etwas zu<br />

trinken und Nahrung mit – ein Schokoladenriegel<br />

ist bei kaltem Wetter ein willkommener<br />

Energiestoß.<br />

4) WARME KLEIDUNG<br />

Die Wahl der Kleidung ist besonders wichtig.<br />

Das <strong>Fotografie</strong>ren in der Kälte werden Sie nur<br />

dann genießen, wenn Ihnen warm ist und Sie<br />

sich wohl fühlen. Ziehen Sie also das Richtige<br />

50 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


HINWEIS<br />

Kondensation<br />

WINTER Wenn Sie nach LANDSCAPES<br />

einem langen Tag in der<br />

Kälte nach Hause kommen, müssen Sie<br />

verhindern, dass sich in der Wärme<br />

Kondenswasser an der Kamera bildet. Das<br />

erreichen Sie am besten, indem Sie die<br />

Kamera in einen Plastikbeutel stecken und<br />

diesen gut verschließen. So bildet sich das<br />

Kondenswasser am Beutel und nicht an<br />

der Kamera. Warten Sie, bis die Kamera<br />

Zimmertemperatur erreicht hat, bevor Sie<br />

sie wieder herausnehmen.<br />

6<br />

2<br />

an, Thermo-Unterwäsche beispielsweise und<br />

wasserdichte Oberbekleidung, sowie warme<br />

Handschuhe. Es kann jedoch problematisch<br />

sein, die Kamera in Handschuhen zu bedienen;<br />

in diesem Fall tragen Sie fingerlose Handschuhe<br />

unter den normalen Handschuhen. Dann sind<br />

Ihre Finger der Kälte nur kurzzeitig während der<br />

Aufnahme ausgesetzt.<br />

Die Landschaftsfotografie bringt es mit sich, dass<br />

Sie mitunter lange Zeit an einer Stelle stehen<br />

und warten, deshalb sind dicke, warme Socken<br />

unerlässlich, außerdem gute Wanderschuhe, an<br />

denen Sie bei Glatteis ggf. auch Spikes anbringen<br />

können.<br />

5) TECHNISCHE BETRACHTUNGEN<br />

Vom technischen Standpunkt aus gesehen gibt es<br />

beim <strong>Fotografie</strong>ren unter winterlichen Bedingungen<br />

nur wenig zu beachten. Sie werden gelesen haben,<br />

dass der Schnee das TTL-Belichtungsmesssystem<br />

der Kamera zum Unterbelichten verleitet. Doch die<br />

Mehrfeldbelichtungsmessung moderner Kameras ist<br />

heute so ausgereift, dass sie kaum noch irregeleitet<br />

wird. Trotzdem sollten Sie ein wachsames Auge auf das<br />

Histogramm Ihrer Bilder haben, um Belichtungsfehler<br />

korrigieren zu können. Wenn Sie viel Schnee im Bild<br />

haben, ist der Graf des Histogramms üblicherweise<br />

nach rechts verschoben, was auf besonders helle Töne<br />

im Bild hindeutet.<br />

6) BILDKOMPOSITION<br />

Was die Bildkomposition betrifft, hat sich ein<br />

starker Fixpunkt – ein Gebäude, ein Fluss, ein<br />

gefrorener See oder Bäume – bei Winterwetter<br />

bestens bewährt. Von Eis überkrustete Objekte<br />

wie Gras, Schilf, Zweige und Steine weisen<br />

interessante Oberflächenstrukturen auf und sind<br />

es deswegen Wert, in die Bildkomposition einer<br />

Winterlandschaft einbezogen zu werden. Wenn<br />

Sie eine Schneelandschaft fotografieren, sollten<br />

Sie einen eher minimalistischen Ansatz verfolgen.<br />

Ein einziger Baum, der mit einem weißen<br />

Schneefeld kontrastiert, ist beispielsweise ein<br />

klassisches künstlerisches Motiv.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

51


MACH DEIN BILD<br />

Zeit zur Reflexion…<br />

Kombinieren Sie weiches Licht mit einem Reflektor, und Sie erhalten ein einfaches,<br />

geradliniges Porträt<br />

Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 70-200mm f/2.8G ED<br />

Software: Photoshop CS5<br />

GUTE FOTOS sind so kompliziert oder<br />

einfach wie Sie sie machen. Natürlich<br />

sind in einem Studio, wo die Beleuchtung<br />

auf dem neuesten technischen Stand ist<br />

und dutzende Lichtformer zur Verfügung<br />

stehen, exzellente Bilder möglich. Genauso<br />

beeindruckende Bilder können Sie aber auch vor<br />

einem Fenster mit einem einzigen Reflektor machen.<br />

Natürliches Licht ist die ideale Beleuchtung für Porträts,<br />

hat aber den Nachteil, dass es weniger genau<br />

gesteuert werden kann als Kunstlicht.<br />

Selbstverständlich sind sie natürlichem Licht nicht<br />

vollständig ausgeliefert: die Örtlichkeit, die Position des<br />

Modells, die Tageszeit und wie Sie das Licht nutzen,<br />

unterliegen Ihrer Kontrolle und das Wissen, wie sie<br />

diese Einflussgrößen am besten nutzen, erhöht Ihre<br />

Chancen auf ein gutes Foto gewaltig.<br />

Was ich Ihnen besonders ans Herz legen möchte,<br />

ist ein einfacher Reflektor. Sollten Sie bisher Portraits<br />

ohne Reflektor fotografiert haben, werden Sie eine<br />

angenehme Überraschung erleben. Mit einem<br />

Reflektor manipulieren und steuern Sie natürliches<br />

Licht nach Ihrem Bedarf. Mit ihm können Sie sogar<br />

attraktive, glänzende Reflexe in den Augen Ihres<br />

Modells erzeugen.<br />

Ein Reflektor kostet nicht die Welt – das Ergebnis,<br />

dass Sie mit einem teuren Markenartikel erzielen,<br />

unterscheidet sich nicht kaum von dem, das sie<br />

mit einem 10€-Sonderangebot von eBay erreichen<br />

können. Sie können einen Reflektor sogar selbst bauen<br />

und zwar auf der Grundlage eines großen Bogens<br />

aus weißem Karton oder einer weißen Styroporplatte.<br />

Umwickeln Sie die Styroporplatte mit Aluminiumfolie,<br />

und Sie haben einen silbernen Reflektor. Achten Sie<br />

dabei auf dessen Größe. Reflexe in den Augen Ihrer<br />

Modelle sind ein attraktiver Nebeneffekt, den Sie<br />

mithilfe eines größeren Reflektors noch verstärken<br />

können.<br />

Entscheidend jedoch ist die Wahl des Fensters.<br />

Reflektor<br />

Kamera<br />

ZEIT ZUR REFLEXION<br />

Modell<br />

Fenster<br />

Direktes Sonnenlicht ist hart und für Porträts<br />

ungeeignet. Was Sie brauchen, ist diffuses Licht, und<br />

das kommt eher aus einem nach Norden oder nach<br />

Süden weisenden Fenster. Größe und Höhe des<br />

Fensters entscheiden darüber, wie das Licht auf Ihr<br />

Modell fällt; je größer das Fenster, desto weicher das<br />

Licht. Je höher das Fenster in der Wand angebracht<br />

ist, umso eher treten Schatten unter den Augen, der<br />

Nase und dem Kinn des Modells auf. Hier kommt der<br />

Reflektor ins Spiel.<br />

Modell in Position bringen Positionieren Sie Ihr Modell vor einem<br />

1nach Norden oder Süden weisenden Fenster. Sie stellen sich so,<br />

dass Sie den Lichteinfall hinter sich haben. Ihr Modell wendet das<br />

Gesicht entweder direkt dem Fenster zu, oder in einem seitlichen<br />

Winkel, sodass eine Gesichtshälfte im Schatten liegt.<br />

Richtige Belichtung Wählen Sie die Zeitautomatik und ISO 400.<br />

2Stellen Sie, wenn möglich, eine große Blende ein, etwa zwischen<br />

f/2.8 und f/5.6. Machen Sie eine Aufnahme und achten Sie auf die<br />

Verschlusszeit. Falls die Aufnahme verwackelt ist, wählen Sie<br />

entweder eine größere Blende oder erhöhen den ISO-Wert.<br />

Reflektor einstellen Justieren Sie den Winkel des Reflektors so, dass er<br />

3Licht auf den schattigen Bereich des Gesichts zurückwirft. In meinem Fall<br />

stand der Reflektor links von der Kamera, um die Schatten rechts im Gesicht<br />

des Modells aufzuhellen. Der gewünschte Effekt ist hier bereits vorhanden,<br />

doch in den Augen sind keine Reflexe zu sehen.<br />

Unterschiedliche Reflektorpositionen Mein Modell drehte sich etwas zum<br />

4Licht und ich stellte mich zwischen Fenster und Modell. Doch nun waren<br />

Schatten unter den Augen und dem Kinn zu sehen. Um das zu unterbinden,<br />

positionierte ich den Reflektor mit seiner Unterkante etwa in Hüfthöhe. Nun<br />

sind die Schatten verschwunden und es gibt attraktive Reflexe in den Augen.<br />

52 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige Bild<br />

Es brauchte nur wenige Korrekturen, um ein<br />

paar Hautunreinheiten zu entfernen, die Reflexe<br />

aufzuhellen und das Bild war fertig. Ein<br />

einfaches Tageslichtporträt.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 400<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

53


MACH DEIN BILD<br />

Persönliche Dinge<br />

ergeben ein Porträt<br />

Probieren Sie einmal ein etwas anderes<br />

Porträt, indem Sie persönliche<br />

Gegenstände eines Menschen zu<br />

einem Motiv arrangieren.<br />

Catherine MacBride<br />

Kamera: Canon EOS 7D<br />

Objektiv: Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Software: Photoshop CC<br />

KLEINE DINGE, die uns am Herzen<br />

liegen, sagen viel über uns aus; eine<br />

ganze Kollektion solcher kleinen<br />

Habseligkeiten sagt oft mehr über<br />

eine Person aus als ein traditionelles<br />

Porträtfoto. Tragen Sie einmal ein paar solche<br />

kleine Dinge von sich selbst zusammen, oder von<br />

Familienmitgliedern und Freunden, und Sie<br />

werden überrascht sein, welche Geschichten sich<br />

daraus ergeben.<br />

Als ich dieses Projekt begann, befürchtete ich<br />

zunächst keine Personen zu finden, die ihre teils<br />

sehr persönlichen Gegenstände vor mir<br />

ausbreiten und fotografieren lassen wollten, um<br />

ihre Geschichte zu erzählen.<br />

Überraschenderweise war das Gegenteil der Fall:<br />

Jeder war fasziniert von der Idee, und wir hatten<br />

interessante Gespräche darüber, welche Objekte<br />

man für das Bild verwenden sollte und welche<br />

nicht. Es gab schon eine Warteliste von<br />

Probanden, die an dem Experiment teilnehmen<br />

wollten und bereit waren, ihre persönlichen<br />

Gegenstände für diese besonderen Porträts zur<br />

Verfügung zu stellen.<br />

Falls Sie die Idee selbst mit Freunden und<br />

Familie ausprobieren wollen, empfehle ich, 10 bis<br />

20 Gegenstände zusammenzutragen, die etwas<br />

über die Person aussagen und eine persönliche<br />

Bedeutung haben. Wenn die Person gerne joggt,<br />

könnten es z. B. ein Paar Laufschuhe sein. Es<br />

könnte sich aber auch um das erste kleine<br />

Geschenk handeln, dass sie von ihrem<br />

Lebenspartner erhalten haben, oder für andere<br />

Menschen völlig unwichtige kleine Dinge, die sie<br />

selbst jedoch nicht missen möchten. Die<br />

Kollektion der Objekte sollte so individuell sein,<br />

wie die Person der Sie gehören.<br />

Wählen Sie einen Hintergrund, der mit den<br />

Gegenständen des Bildes korrespondiert und<br />

nicht von ihnen ablenkt. Geeignet sind<br />

beispielsweise weißes Papier, fein gemasertes<br />

Holz, Beton oder Packpapier, wie ich es hier<br />

verwendet habe. Das Modell war meine<br />

Schwester, die die Gewohnheit hat, Bücher und<br />

Geschenke in Packpapier einzuwickeln, insofern<br />

hat in diesem Fall sogar der Hintergrund eine<br />

persönliche Bedeutung.<br />

Für die Aufnahme empfehle ich ein<br />

Weitwinkelobjektiv; ich benutzte ein 17-40mm-<br />

Objektiv an meiner Canon. Der Blitz schoss durch<br />

einen Brolly, um ein weiches, diffuses Licht zu<br />

erzeugen. Stattdessen können Sie aber auch an<br />

einem bedeckten Tag im Freien fotografieren.<br />

Wichtig ist lediglich, starke Schatten zu<br />

vermeiden, weil sie vom eigentlichen Motiv<br />

ablenken würden.<br />

So fotografieren Sie ein solches „Porträt-<br />

Stillleben“:<br />

Passende Gegenstände aussuchen Meine<br />

1Schwester erschien mit einer Tasche voller<br />

Gegenstände, von denen jeder einzelne eine<br />

besondere Bedeutung für sie hatte. Dazu gehörten<br />

ein 30 Jahre alter Teddy namens „Rainbow“, die<br />

Imitation eines Schädels aus Mexiko, eine Teetasse,<br />

ein Teekessel, ein Notizbuch mit Stiften, eine<br />

Medaille für die Teilnahme an einem Marathon und<br />

ein kleiner Stapel Bücher. Teilnehmer an dem<br />

Experiment sollten allein entscheiden, was sie<br />

aussuchen; die Gegenstände sollten nicht danach<br />

ausgewählt werden, ob sie „gut“ aussehen oder<br />

nicht.because you think they’d look good.<br />

Kameraeinstellungen Schalten Sie die Kamera in<br />

3die manuelle Betriebsart und wählen Sie eine<br />

Blende, die eine gute Schärfentiefe liefert, etwa im<br />

Bereich f/8. Falls größere Gegenstände zu dem Motiv<br />

gehören, stellen Sie sich auf einen Stuhl oder auf eine<br />

Trittleiter. Ich benutzte ein Elektronenblitzgerät, das<br />

von oben durch einen Schirm schoss, damit weiches,<br />

diffuses Licht entstand. Wegen der Beleuchtung mit<br />

Blitz hatte ich ISO 100 eingestellt, doch wenn Sie bei<br />

natürlichem Licht fotografieren, wählen Sie einen<br />

höheren Wert, um eine verwacklungssichere<br />

Verschlusszeit zu bekommen.<br />

Arrangement Achten Sie darauf, dass der<br />

2Hintergrund frei ist von Staub und<br />

Schmutz. Die Objekte sollten von ihren<br />

Besitzern arrangiert werden, doch seien sie<br />

behilflich, wenn es gewünscht wird. Das<br />

Arrangement sollte ausgewogen sein. Die<br />

Objekte sollten sich nicht überlappen und<br />

denken Sie bei der Bildkomposition auch an<br />

den Eindruck der Farben. Falls notwendig,<br />

positionieren Sie die Gegenstände anders,<br />

bis Sie eine Bildkomposition gefunden<br />

haben, die ihnen beiden zusagt.<br />

4<br />

Die Aufnahme Verwenden Sie eine Wasserwaage,<br />

damit alles gerade ausgerichtet ist. Benutzen Sie<br />

außerdem nicht die kleinste Brennweite Ihres<br />

Objektivs, denn dann könnten Bildverzerrungen<br />

auftreten. Machen Sie ein Testfoto, wobei Sie<br />

sicherstellen, dass sich keine Objekte überlappen und<br />

dass keine Schlagschatten vorhanden sind. Falls<br />

notwendig, korrigieren Sie die Bildkomposition. Wenn<br />

Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, sollte nicht viel<br />

Nachbearbeitung erforderlich sein: Ausrichten,<br />

Zuschneiden und möglicherweise eine Korrektur der<br />

Tonwerte, der Klarheit und der Farbsättigung.<br />

54 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


PERSÖNLICHE DINGE ERGEBEN EIN PORTRÄT<br />

Belichtung: 1/25Sekunde bei Blende f/9 und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

55


MACH DEIN BILD<br />

BRILLANTES BOKEH<br />

Brillantes Bokeh<br />

Fehlt Ihren Porträtfotos manchmal etwas? Erfahren Sie, wie Sie Ihre Bilder aufpeppen können<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 85mm f/1.4G<br />

Software: Photoshop CS5<br />

WER EINEM Nicht-Fotografen<br />

erklären will, was „Bokeh“ bedeutet,<br />

stößt oft auf Unverständnis. Doch<br />

wer einigermaßen versiert ist in der<br />

Kunst, das Licht richtig einzufangen,<br />

wird bestätigen, dass ein schönes, großes Bokeh<br />

eine ganz besondere Anziehungskraft ausübt.<br />

Es verwandelt einen langweiligen Hintergrund<br />

in ein attraktives Bildelement. Als Bokeh<br />

bezeichnet man die außerhalb des<br />

Schärfebereichs liegenden Areale eines Bildes,<br />

die entstehen, wenn mit weit offener Blende<br />

fotografiert wird. Oft handelt es sich dabei um<br />

runde oder sechseckige Objekte mit weichen<br />

Kanten, verursacht von unscharf<br />

aufgenommenen Spitzlichtern.<br />

Wenn Sie ein Bild aufnehmen wollen das<br />

große Bokeh-Elemente enthält muss eine<br />

erhebliche Distanz vorhanden sein zwischen<br />

dem Objekt, das scharf abgebildet werden soll<br />

und den dahinter befindlichen Lichtern. Je<br />

weiter die Lichter vom Schärfebereich entfernt<br />

sind, desto größer erscheinen die Bokeh-Kugeln.<br />

Bedenken Sie allerdings, dass mit zunehmender<br />

Entfernung auch deren Lichtstärke abnimmt.<br />

Ein Bokeh kann auch in der Nachbearbeitung<br />

hinzugefügt werden, und damit werden wir<br />

uns nun genauer befassen. Fügt man das Bokeh<br />

erst nachträglich hinzu, hat man den Vorteil,<br />

dass seine Größe nahezu beliebig wählbar ist,<br />

wodurch sich die Intensität des Effekts steuern<br />

lässt. Ich empfehle daher, einen Ordner mit<br />

verschiedenen, unscharfen Bokeh-Elementen<br />

im Computer anzulegen, auf den Sie in Zukunft<br />

jederzeit zurückgreifen können.<br />

Für diese Arbeitstechnik brauchen Sie einen<br />

dunklen Hintergrund und ein Blitzgerät, mit<br />

dem Sie Ihr Motiv beleuchten. Es funktioniert<br />

aber auch mit natürlichem Licht, solange der<br />

Hintergrund im Dunkeln bleibt. Sie können<br />

beispielsweise eine Person in der Türöffnung<br />

eines dunklen Zimmers fotografieren. Um<br />

das Bokeh zu erzeugen, verwenden Sie<br />

eine Lichterkette. Damit können Sie genau<br />

steuern, wie weit die einzelnen Bokeh-Kugeln<br />

auseinander liegen.<br />

Der richtige Hintergrund<br />

1Positionieren Sie Ihr Motiv vor einem<br />

schwarzen Hintergrund. Das erleichtert<br />

später das Hinzufügen des Bokehs und<br />

erspart Ihnen das Ausschneiden des<br />

Motivs. Ich habe hier eine schwarze<br />

Stoffbahn benutzt. Der Hintergrund muss<br />

nicht den gesamten Bildausschnitt<br />

ausfüllen, denn er kann später in der<br />

Nachbearbeitung ausgedehnt werden.<br />

Die Aufnahme<br />

2Ich habe ein Blitzgerät mit Softbox<br />

benutzt, um mein Modell zu<br />

fotografieren. So erhielt ich eine gute<br />

Belichtung, ohne jedoch den<br />

Hintergrund überzubelichten. Die<br />

Kamera war auf die kürzeste<br />

Blitzsynchronisationszeit von 1/200<br />

Sekunde, Blende f/4 und ISO 125<br />

eingestellt.<br />

Die Beleuchtung<br />

3Nun geht es daran, dass Bokeh zu<br />

fotografieren. Schalten Sie die Lichterkette<br />

ein und arrangieren Sie sie so, dass etwas<br />

Platz zwischen den einzelnen Glühbirnen<br />

vorhanden ist. Ich hatte meine<br />

Lichterkette auf den Fußboden gelegt,<br />

doch auf dem Foto war der Teppich<br />

deutlich zu erkennen. Also hängte ich sie<br />

vor den schwarzen Hintergrund.<br />

Das Bokeh<br />

4Schalten Sie die Kamera auf<br />

Zeitautomatik und stellen Sie eine<br />

Belichtungskorrektur von EV-1 ein –<br />

um sicherzustellen, dass der<br />

Hintergrund völlig dunkel ist –<br />

außerdem ISO 200 und die größte<br />

Blende des Objektivs. Nun stellen Sie<br />

manuell die geringste mögliche<br />

Entfernung ein und machen Ihr Foto.<br />

In Photoshop...<br />

Konvertieren in Schwarzweiß<br />

1Öffnen Sie das Bild, dem das Bokeh<br />

hinzugefügt werden soll, in Photoshop<br />

und wählen Sie „Bild > Korrekturen ><br />

Schwarzweiß“. Falls Ihr Hintergrund<br />

ausgeweitet werden muss, benutzen<br />

Sie dazu das Pinselwerkzeug mit<br />

schwarzer Farbe.<br />

Bokeh-Foto einfügen<br />

2Öffnen Sie Ihr Bokeh-Foto.<br />

Dann wählen Sie „Bearbeiten<br />

> Kopieren“ und fügen es mit<br />

„Bearbeiten > Einfügen“ in das<br />

andere Foto ein.<br />

Füllmethode ändern<br />

3Wählen Sie die Bokeh-Ebene in<br />

der Ebenenpalette aus und ändern<br />

Sie die Füllmethode auf „Aufhellen“<br />

oder „Negativ multiplizieren“,<br />

je nachdem, was am besten<br />

wirkt. Dann wählen Sie „Ebene ><br />

Ebenenmaske > Alles einblenden“.<br />

4 Maskieren<br />

Wählen Sie das Pinselwerkzeug und<br />

stellen Sie schwarz als Vordergrundfarbe<br />

ein. Übermalen Sie alle Bereiche, an<br />

denen das Bokeh Ihr eigentliches Motiv<br />

verdeckt. Gehen Sie dabei sehr sorgfältig<br />

vor und benutzen Sie in der Nähe der<br />

Kanten einen härteren Pinsel.<br />

56 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige Bild<br />

Diese einfache Arbeitstechnik<br />

macht die Aufnahme<br />

eindrucksvoller Portraits mit<br />

großem Bokeh zu einem<br />

Kinderspiel.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

57


MACH DEIN BILD<br />

VERTIKALES PANORAMA<br />

Vertikales Panorama<br />

Wenn Sie die traditionelle Panorama-Aufnahmetechnik im Hochformat verwenden, kommen Sie zu ganz erstaunlichen Ergebnissen …<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D5300<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 12-24mm f/4G ED<br />

Software: Photoshop CS5<br />

WAS EIN PANORAMA ist, ist bekannt:<br />

Es handelt sich um mehrere Fotos,<br />

nahtlos seitlich aneinandergefügt, die<br />

zusammen einen größeren<br />

Blickwinkel auf ein Motiv erlauben als<br />

mit einem einzelnen Foto möglich wäre. Die<br />

Aufnahmetechnik ist inzwischen so alltäglich<br />

geworden, dass sogar schon viele Smartphones<br />

diese Funktionalität mitbringen, sodass keine<br />

weitere Software benötigt wird.<br />

Was aber ist ein „Vertorama“? Was sich anhört,<br />

wie der Name einer Pop-Gruppe der 80er Jahre,<br />

ist nichts anderes als ein Panorama, bei dem die<br />

Einzelbilder nicht horizontal, sondern vertikal<br />

aneinandergefügt wurden. So ist es möglich, auf<br />

einem einzigen Bild alles darzustellen, was sich<br />

zwischen den eigenen Schuhspitzen und dem<br />

Himmel befindet.<br />

Vertikale Panoramen werden<br />

benutzt, um Szenen zu fotografieren, die<br />

zusammengehörende Bildelemente ober- und<br />

unterhalb des normalen Gesichtsfelds enthalten.<br />

Das ist beispielsweise in einer Kathedrale der Fall.<br />

Die Aufnahmetechnik ist der des traditionellen<br />

Panoramas sehr ähnlich, natürlich mit dem<br />

Unterschied, dass der Kameraschwenk nicht<br />

horizontal, sondern vertikal erfolgt.<br />

Es bedarf keiner besonderen Ausrüstung,<br />

doch bestimmtes Zubehör macht die Aufgabe<br />

einfacher. Panoramen können aus der Hand<br />

fotografiert werden, ein Stativ erleichtert<br />

jedoch die Arbeit, besonders bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen. Vergewissern Sie sich,<br />

dass der Gebrauch eines Stativs, dort wo Sie<br />

fotografieren wollen, erlaubt ist. In dieser<br />

Kathedrale kostete die Fotoerlaubnis vier Euro.<br />

Auf dem Stativ ist der Einsatz eines Panorama-<br />

oder Drei-Wege-Kopfs zu empfehlen. Ein<br />

Kugelkopf tut es natürlich auch, doch dann<br />

müssen Sie aufpassen, dass Sie beim Schwenk<br />

nicht ungewollt von der Vertikal-Achse des<br />

ersten Einzelbildes abweichen. Außerdem<br />

brauchen Sie eine Software, mit der Sie die Bilder<br />

zusammenfügen – etwa AutoPano, PTGui oder<br />

die PhotoMerge-Funktion von Photoshop.<br />

Es kann problematisch sein, eine gleichmäßige<br />

Belichtung zu erreichen, besonders in großen<br />

Räumen. Oft ist ein Teil des Motivs wesentlich<br />

heller oder dunkler als der Rest. Dann kann es<br />

passieren, dass der Dynamikumfang der Kamera<br />

überschritten wird. Deswegen ist es wichtig,<br />

vorab die Belichtung genau zu bestimmen.<br />

Meistens finden Sie einen Kompromiss, der<br />

die Details der Tiefen noch abbildet, ohne die<br />

Spitzlichter abzuschneiden. Manchmal bleibt<br />

allerdings nichts anderes übrig, als eine Bildserie<br />

mit verschiedener Belichtung der Einzelbilder zu<br />

schießen und ein HDR-Bild zu erzeugen.<br />

Ausrichten Legen Sie zunächst das Bildformat fest – hoch oder quer. Ich habe<br />

1hier das Querformat benutzt um sowohl horizontal als auch vertikal ein<br />

möglichst weites Gesichtsfeld zu bekommen. Achten Sie darauf, dass sowohl<br />

das Stativ als auch die Kamera exakt ausgerichtet sind. Ist das Stativ auch nur<br />

wenig geneigt, „kippt“ das Panorama zur Seite. Das fällt besonders auf, wenn Sie<br />

ein symmetrisches Gebäude fotografieren.<br />

Belichtung Wählen Sie die Zeitautomatik mit einer mittleren Blende, etwa f/11, machen<br />

2Sie ein Testfoto und prüfen Sie die Belichtung. Wenn alles in Ordnung ist, schalten Sie<br />

die Kamera in die manuelle Betriebsart und stellen die von der Automatik gefundenen<br />

Werte ein. Machen Sie weitere Testaufnahmen der Motivbereiche, die Tiefen und Lichter<br />

enthalten, und prüfen Sie das Histogramm. Falls etwas abgeschnitten wurde, regeln Sie die<br />

Verschlusszeit nach, bis alle Tiefen und Lichter korrekt aufgenommen werden.<br />

Scharfstellen Benutzen Sie den Autofokus und stellen Sie auf einen Punkt scharf, der<br />

3etwa am Ende des ersten Drittels der Szene liegt. Falls Sie einen 3-Wege-<br />

Panoramakopf benutzen, achten Sie darauf, dass die Horizontal-Achse verriegelt ist und<br />

die Kamera nur entlang der Vertikal-Achse geschwenkt werden kann. Bei einem<br />

Kugelkopf müssen Sie eine vertikale Linie in der Mitte des Bildausschnitts identifizieren<br />

und diese Linie bei jedem Einzelbild genau in der Mitte halten.<br />

Die Aufnahmen Beginnen Sie mit nach unten gerichteter Kamera, machen das erste<br />

4Bild, schwenken nach oben, machen das nächste Bild und wiederholen den<br />

Vorgang so oft wie nötig. Die Einzelbilder sollten sich um 30% bis 50% überlappen. Das<br />

geht ganz einfach, wenn Sie sich passende Referenzpunkte in Ihrer Szene suchen. Sie<br />

sollten so schnell wie möglich arbeiten, denn dann ist das Risiko, dass sich die<br />

Lichtverhältnisse ändern, bevor Sie alle Einzelbilder im Kasten haben, am geringsten.<br />

58 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


In Photoshop...<br />

HINWEIS<br />

Zuerst drehen<br />

Manche Panorama-Software hat<br />

Probleme, vertikale Panoramen<br />

zusammenzusetzen. Falls Ihre<br />

Software merkwürdige Ergebnisse<br />

liefert, drehen Sie die Einzelbilder<br />

vor der Bearbeitung um 90°. Oft ist<br />

das Problem dadurch gelöst.<br />

Belichtung korrigieren<br />

1importieren Sie alle<br />

Einzelbilder in Ihren Raw-<br />

Konverter. Ich habe Adobe<br />

Camera Raw benutzt, damit<br />

den Weißabgleich korrigiert<br />

und die Details aus den Lichtern<br />

und Tiefen hervorgeholt.<br />

Einstellungen synchronisieren<br />

2Nachdem Sie die Änderungen an<br />

der ersten Raw-Datei vorgenommen<br />

haben, klicken Sie auf „Alle auswählen“<br />

und anschließend auf<br />

„Synchronisieren“. Im<br />

Synchronisieren-Menü wählen Sie<br />

„Einstellungen“ und klicken auf „OK“.<br />

Dadurch werden die an der ersten<br />

Datei vorgenommenen Änderungen<br />

auf alle Dateien angewendet. Nun<br />

speichern Sie Ihre Bilder als JPEGs.<br />

3<br />

Bilder zusammenfügen Öffnen Sie<br />

Photoshop oder Elements und<br />

wählen Sie „Datei > Automatisieren ><br />

Photomerge“. Stellen Sie das Layout auf<br />

„Auto“ und klicken Sie auf die<br />

Schaltfläche „Durchsuchen“. Wählen Sie<br />

die für das Panorama zu<br />

verwendenden Dateien aus und klicken<br />

auf „OK“. Machen Sie ein Häkchen in<br />

das Schaltkästchen bei „Bilder<br />

zusammen überblenden“. Ein erneuter<br />

Klick auf „OK“ startet den Prozess des<br />

Zusammenfügens.<br />

4 Das Finish Das entstandene Gesamtbild wird<br />

höchstwahrscheinlich auf der Seite<br />

liegend dargestellt. Wählen Sie „Bild ><br />

Bilddrehung > 90° im UZS“, um das<br />

Bild senkrecht auszurichten. Mit dem<br />

Freistellen-Werkzeug behandeln Sie<br />

leere Bildbereiche an den Ecken. Zum<br />

Schluss wählen Sie „Ebene > Auf<br />

Hintergrundebene reduzieren“,<br />

nehmen eventuell letzte Korrekturen<br />

vor und speichern Sie Ihr Werk.<br />

Belichtung: 1/20Sekunde bei Blende f/11 und ISO 400<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

59


MACH DEIN BILD<br />

Buntes Makro<br />

Falls Sie noch nie Makroaufnahmen gemacht haben und die<br />

Technik gerne ausprobieren möchten, sollten Sie zuerst ein<br />

Blumenmotiv versuchen. Es dauert nur wenige Minuten…


FARBMAKRO


MACH DEIN BILD<br />

FARBMAKRO<br />

Ross Hoddinott<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF 200mm f/4 Micro<br />

Software: Lightroom 5<br />

MIT IHRER VIELFALT von Formen<br />

und Strukturen, den zahllosen Arten<br />

und nicht zuletzt ihren leuchtenden<br />

Farben sind Blumen ein bevorzugtes<br />

Motiv für Makrofotografen. Mit<br />

einem Makroobjektiv, Zwischenringen oder<br />

einer Nahlinse sind Details darstellbar, die<br />

ansonsten kaum zu erkennen sind. Durch<br />

entsprechenden Zuschnitt können Sie sogar ein<br />

weitgehend abstraktes Bild kreieren. Wenn Sie<br />

nah herangehen und dabei einen sehr flachen<br />

Schärfentiefebereich benutzen, wird Ihr Motiv<br />

zu einem einfachen, bunten Objekt, wobei nur<br />

dessen Form und der Umriss der Blütenblätter<br />

und Staubgefäße verrät, worum es sich<br />

eigentlich handelt. Diese Art der künstlerischen<br />

Makrofotografie macht Spaß und das<br />

erforderliche Setup ist äußerst einfach. Sie<br />

können ein Blitzgerät benutzen, es ist aber nicht<br />

unbedingt erforderlich. Das durch ein Fenster<br />

einfallende Tageslicht ist völlig ausreichend.<br />

Eine Vase mit Blumen auf einem Kaffeetisch vor<br />

einem Terrassenfenster oder auf einer<br />

Fensterbank ist alles, was Sie für das Motiv sonst<br />

noch brauchen. Falls Sie an einem Tag mit<br />

bedecktem Himmel fotografieren, haben Sie<br />

bereits diffuses Licht, denn die Wolkendecke<br />

wirkt wie eine gigantische Softbox. Ist es<br />

hingegen ein sonniger Tag, erzeugen sie<br />

diffuses Licht, indem Sie die Gardine vor das<br />

Fenster ziehen oder ein Bettlaken davor<br />

hängen. Halten Sie außerdem einen Reflektor<br />

bereit für den Fall, dass es trotz des diffusen<br />

Lichts Schatten geben sollte.<br />

Die Wahl der Blume spielt eine<br />

entscheidende Rolle. Suchen Sie beim<br />

Blumenhändler oder im örtlichen Supermarkt<br />

nach Blüten mit interessanten Details, seien es<br />

lange, bunte Staubbeutel oder große, schön<br />

geformte Blütenblätter. Auf jeden Fall muss Ihre<br />

Blume völlig makellos sein, denn jede noch so<br />

kleine Beschädigung ist aufgrund der starken<br />

Vergrößerung später deutlich im Bild zu sehen.<br />

Erfahrungsgemäß sind Lilien immer eine gute<br />

Wahl. Was die Ausrüstung betrifft, brauchen Sie<br />

nichts Besonderes. Ohne Stativ geht es natürlich<br />

nicht, es dient hier in erster Linie dem präzisen<br />

Einstellen der Schärfe. Wenn Ihr Bild abstrakt<br />

aussehen soll, ist ein hoher Vergrößerungsfaktor<br />

erforderlich, deswegen ist ein Makroobjektiv<br />

die beste Wahl. Falls Sie keins haben, benutzen<br />

Sie einen Nahfilter, Zwischenringe oder einen<br />

Umkehrring, mit dem sie Ihr Objektiv „falsch<br />

herum“ am Kameragehäuse montieren können.<br />

Nun kann es losgehen. Erforschen Sie Ihr Motiv<br />

anhand des Kameramonitors unter der starken<br />

Vergrößerung, wobei Sie sich auf die visuell<br />

besonders attraktiven Details konzentrieren.<br />

Benutzen Sie eine große Blende, idealerweise<br />

f/2.8 oder f/4. Dadurch werden alle Bildelemente<br />

jenseits Ihres Schärfepunkts unscharf. Der<br />

Kontrast scharf abgebildeter Bereiche mit<br />

diffusen Farben ergibt einen sehr schönen<br />

Effekt. Sie müssen jedoch akkurat scharfstellen,<br />

wenn Sie mit großen Blenden arbeiten. Bei<br />

starker Vergrößerung wird der Autofokus nicht<br />

funktionieren. Deswegen müssen Sie manuell<br />

scharfstellen, wobei Ihnen der LiveView die<br />

Aufgabe erleichtert, denn Sie können auf den<br />

gewählten Schärfepunkt einzoomen.<br />

Die Farbe der Blume spielt eine<br />

entscheidende Rolle für die Wirkung des<br />

fertigen Bildes. Das gilt in geringerem<br />

Maße auch für den Hintergrund. Probieren<br />

Sie verschiedene Hintergründe und<br />

experimentieren Sie mit Komplementärfarben<br />

und kontrastierenden Farben. So können Sie<br />

sehr verschiedene Stimmungen des Bildes<br />

erzeugen.<br />

Hintergrundfarbe Um die Wirkung Ihrer<br />

1Makrofotos zu verändern, arbeiten Sie<br />

mit verschiedenfarbigen Hintergründen.<br />

Benutzen Sie dazu Bögen aus buntem<br />

Karton, die Sie hinter Ihrem Motiv mit<br />

Tesafilm an das Fenster kleben, das Ihnen<br />

als Lichtquelle dient.<br />

Setup Platzieren Sie die Blumen auf<br />

2einem Tisch, etwa 45cm vom Fenster<br />

entfernt. Idealerweise ist es ein Tag mit<br />

bedecktem Himmel, der Ihnen ein<br />

hübsches, diffuses Licht liefert. Stellen Sie<br />

die auf dem Stativ montierte Kamera vor<br />

dem Motiv auf. Legen Sie sich einen<br />

Reflektor zurecht, vielleicht werden sie<br />

damit Schatten aufhellen müssen.<br />

Kameraeinstellungen Für eine abstrakte Nahaufnahme<br />

3ist ein flacher Schärfentiefebereich am besten<br />

geeignet. Am Objektiv stellen Sie die größte vorhandene<br />

Blende ein, das garantiert einen flachen Schärfebereich.<br />

Trotzdem wird die sich daraus ergebende Verschlusszeit<br />

recht lang sein, wahrscheinlich im Bereich von einer<br />

Sekunde. Um Verwackeln zu verhindern, benutzen Sie<br />

einen Fernauslöser und die Spiegelvorauslösung der<br />

Kamera.<br />

Scharfstellen Das selektive Scharfstellen leitet<br />

4das Auge des Betrachters auf den von Ihnen<br />

gewählten Schärfepunkt. Sie müssen allerdings bei<br />

der Scharfeinstellung sehr sorgfältig vorgehen. Der<br />

Autofokus funktioniert bei starken Vergrößerungen<br />

nicht, deswegen müssen Sie manuell scharfstellen.<br />

Benutzen Sie dazu den LiveView und zoomen Sie<br />

auf den vorgesehenen Schärfepunkt ein. Nachdem<br />

Sie scharfgestellt haben, dürfen Ihr Motiv und die<br />

Kamera auf keinen Fall mehr bewegt werden.<br />

Die Aufnahme Experimentieren Sie mit<br />

5verschiedenfarbigen Hintergründen. In meinem<br />

Beispiel erwiesen sich intensive Farben wie Rot,<br />

Dunkelblau und Gelb als zu dominant. Gedeckte<br />

Töne wie Pink, Hellblau und Beige passen aufgrund<br />

ihrer Eigenschaft als Komplementärfarben<br />

wesentlich besser zu den Farbtönen der Blume. Ich<br />

konzentrierte mich auf die langen Staubbeutel und<br />

nahm sie formatfüllend ins Bild. Sie sollten übrigens<br />

nicht versäumen, verschiedene Blickwinkel der<br />

Kamera auszuprobieren.<br />

62 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Belichtung: 0,4 Sekunden bei Blende f/5.3 und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

63


MACH DEIN BILD<br />

GEHEIMNISVOLLER<br />

MORGENNEBEL<br />

Peter Hulance<br />

Kalte Nächte und frühe Sonnenaufgänge produzieren das klassische<br />

Morgennebel-Motiv. Hier zeigen wir, wie Sie es am besten<br />

fotografieren.<br />

Standpunkt<br />

Suchen Sie sich einen<br />

Standpunkt oberhalb der<br />

Nebelbänke, der Ihnen eine<br />

klare Sicht ermöglicht. Von<br />

oben sieht Nebel besser aus<br />

als aus gleicher Höhe und<br />

Sie können aus dem Nebel<br />

herausragende Bäume und<br />

Gebäude besser ins Bild<br />

nehmen.<br />

Timing<br />

Strahlungsnebel tritt häufig<br />

während der Morgendämmerung<br />

im Frühling auf. Er wird begünstigt<br />

von windstillen, kühlen Nächten<br />

mit geringer Bewölkung und<br />

hoher Luftfeuchtigkeit. Seien Sie<br />

wenigstens 30 Minuten vor<br />

Sonnenaufgang vor Ort.<br />

Scharfstellen<br />

Benutzen Sie die Zeitautomatik mit<br />

mittlerer Blende, etwa f/11, damit Sie<br />

eine maximale Schärfentiefe<br />

bekommen. Stellen Sie entweder auf<br />

die hyperfokale Distanz oder auf<br />

einen Punkt scharf, der am Ende des<br />

ersten Drittels der Szene liegt. Beide<br />

Methoden liefern Ihnen ein von vorn<br />

bis hinten scharfes Bild.


Ins Gegenlicht<br />

fotografieren<br />

Wenn die Sonne über den<br />

Horizont steigt, gibt sie dem Nebel<br />

einen goldenen Glanz. Wenn<br />

möglich, fotografieren Sie ins<br />

Gegenlicht, denn so können Sie<br />

diesen Effekt zusammen mit den<br />

langen Schatten der Bäume und<br />

Gebäude aufnehmen.<br />

Bildkomposition<br />

Suchen Sie nach attraktiven Objekten<br />

in der Szene und machen Sie Ihre<br />

Bildkomposition entsprechend. Liegt<br />

der Nebel in Schichten, beziehen Sie<br />

diese in Ihre Bildkomposition ein.<br />

Diagonal verlaufende Schichten<br />

geben dem Bild mehr Dynamik als<br />

horizontale Schichten.<br />

Weißabgleich<br />

Wenn Sie das Raw-Format<br />

verwenden, können Sie den<br />

Weißabgleich in der<br />

Nachbearbeitung ändern. Es<br />

empfiehlt sich jedoch<br />

grundsätzlich, bereits bei der<br />

Aufnahme die korrekten<br />

Einstellungen zu benutzen;<br />

stellen Sie den Weißabgleich<br />

daher auf „Tageslicht“.


MACH DEIN BILD<br />

Porträt mit<br />

Dynamik<br />

Worauf Sie achten sollten<br />

Manchmal braucht es nur einen gehörigen Windstoß, um ein<br />

Porträt zum Leben zu erwecken. Erfahren Sie, wie Sie dieses<br />

dynamische Stilmittel am besten einsetzen.<br />

Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8G ED<br />

BEWEGUNG IST ein geeignetes Stilmittel, um Porträts<br />

zum Leben zu erwecken, und wird auch deswegen oft<br />

verwendet, weil der Effekt einfach zu erzeugen ist. Die<br />

erste Möglichkeit ist, dass das Modell sein Haar mit<br />

einer Kopfbewegung durch die Luft schwingen lässt.<br />

Die zweite Möglichkeit bietet Wind, der auch künstlich erzeugt<br />

werden kann.<br />

Wie Sie den Effekt einfangen, liegt ganz bei Ihnen. Mit einer<br />

kurzen Verschlusszeit können Sie die Bewegung des Haars<br />

„einfrieren“, oder Sie benutzen eine längere Verschlusszeit, um<br />

dessen Bewegungsunschärfe einzufangen. Ist die Verschlusszeit<br />

jedoch zu lang, besteht die Gefahr des Verwackelns, falls Sie<br />

nicht mit Stativ arbeiten. Die Intensität der Bewegung ist reine<br />

Geschmackssache. Ein großer Ventilator sorgt für einen leichten,<br />

gleichmäßigen Luftstrom, gerade ausreichend, um das Haar nur<br />

leicht in Bewegung zu versetzen. Ein starker Luftstrom bewirkt<br />

den Effekt, den auch eine stärkere Brise im Freien hätte.<br />

Um das Haar jedoch wirklich wehen zu lassen, benötigen Sie<br />

einen Assistenten, der einen Reflektor oder eine Styroporplatte<br />

als Fächer benutzt, mit dem er kurze, aber starke Windstöße<br />

erzeugt. Der Effekt ist weniger gleichmäßig, aber deutlicher<br />

wahrnehmbar. Ganz gleich wie Sie es anstellen, wichtig dabei<br />

ist, dass das Haar nicht ablenkend wirkt, sondern dass dessen<br />

Bewegung als positive Ergänzung des Motivs wahrgenommen<br />

wird. Diese Aufnahmetechnik kann sowohl im Studio<br />

angewendet werden, wie ich es hier getan habe, als auch für<br />

Porträts im Freien, wobei der Betrachter annehmen wird, es<br />

sei eine natürliche Brise vorhanden gewesen. Es versteht sich<br />

von selbst, dass sich der Effekt nicht für jedes Modell eignet, am<br />

besten ist natürlich langes glattes Haar – eine Glatze ist weniger<br />

effektiv…<br />

Haare im Gesicht Vielleicht wollen<br />

Sie genau das erreichen, doch<br />

wenn nicht, muss das Modell sein<br />

Gesicht in Windrichtung drehen.<br />

Zusammengekniffene oder tränende Augen Ist der<br />

erzeugte Luftstrom zu stark, kneift Ihr Modell<br />

möglicherweise die Augen zusammen, oder die Augen<br />

beginnen zu trennen. Machen Sie deswegen regelmäßige<br />

Pausen.<br />

Störendes Haar Der Effekt soll nicht<br />

ablenken. Achten Sie darauf, dass keine<br />

Haarsträhnen über dem Gesicht liegen, denn<br />

sie sind später nur schwer zu entfernen.<br />

Setup Da das Wetter für Außenaufnahmen zu schlecht war, habe ich das<br />

1Set im Studio aufgebaut. Ob mit Kunstlicht oder bei natürlichem Licht, der<br />

erste Schritt besteht darin, das Modell in die richtige Position zu bringen.<br />

Machen Sie Ihre Bildkomposition, wobei für das wehende Haar im<br />

Bildausschnitt genug Platz vorgesehen werden muss.<br />

2<br />

Belichtung Nutzen Sie die Blendenautomatik oder die manuelle Betriebsart der<br />

Kamera. Stellen Sie eine kurze Verschlusszeit ein, wenn Sie die Bewegung einfrieren<br />

wollen, und eine längere Verschlusszeit, wenn Sie Bewegungsunschärfe erzielen wollen,<br />

und machen Sie ein Testfoto. Ich habe ein Blitzgerät benutzt und die<br />

Blitzsynchronisationszeit auf 1/160 Sekunde eingestellt; der Blendenwert betrug f/11.<br />

66 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


WEHENDES HAAR<br />

Das fertige Bild<br />

Mit der Styroporplatte war der Effekt stark genug,<br />

aber unkalkulierbar, doch nach einigen Versuchen<br />

hatten wir ein sehr gutes Bild.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 200<br />

Wind Zuerst habe ich mit einem Ventilator, der auf höchste<br />

3Drehzahl geschaltet war, einen gleichmäßigen Luftstrom<br />

erzeugt, ähnlich einer leichten Brise. Mein Modell wandte das<br />

Gesicht dem Ventilator zu, sodass das Haar nach hinten wehte und<br />

nicht über das Gesicht.<br />

Effekt verstärken Der Ventilator war nicht stark genug, um einen stärkeren Effekt zu erzeugen,<br />

4deswegen bat ich einen Freund, durch die fächerartige Bewegung einer großen<br />

Styroporplatte Windstöße zu erzeugen. Dabei den richtigen Moment zum Auslösen zu<br />

erwischen, erwies sich als Glücksache. Wenn Sie bei natürlichem Licht fotografieren, benutzen<br />

Sie den Serienbildmodus der Kamera, dann kommen Sie schneller zu einem guten Foto.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

67


MACH DEIN BILD<br />

KUNST AM FELS<br />

Kunst am Fels…<br />

Details in Felsformationen können als Motive für fantastische, kunstvolle Bilder dienen<br />

Lee Frost<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk III<br />

Objektiv: Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />

Software: Photoshop CC<br />

WAS TUN SIE, wenn Sie einen<br />

Fototag am Meer geplant hatten und<br />

die Wettervorhersage wieder mal<br />

nicht gestimmt hat? Den grauen<br />

Himmel ignorieren, oder zu Hause<br />

bleiben und Fernsehen? Selbstinspiration ist<br />

nicht einfach, wenn Sie sich auf großartige<br />

Landschaftsmotive und bestes Licht eingestellt<br />

hatten. Doch Landschaftsfotografie besteht<br />

nicht nur aus herrlichen Aussichten. Sie können<br />

auch gute Fotos in kleinerem Maßstab machen,<br />

ganz gleich wie schlecht das Wetter ist.<br />

Jede Art Felsformation ist es wert, erkundet<br />

zu werden. Sie brauchen nicht weit zu fahren,<br />

um irgendwo einen Felsbrocken zu finden<br />

und wenn Sie sich den einmal näher ansehen,<br />

werden Sie feststellen, dass er voller schöner<br />

Details ist, genau wie eine Landschaft, aber im<br />

Miniaturformat.<br />

Gestein ist so alt wie die Erde und<br />

gewissermaßen ist die gesamte Erde ein<br />

großer Gesteinsbrocken. Wenn Sie sich also<br />

auf die Details von Gestein konzentrieren<br />

betreiben sie Landschaftsfotografie in Ihrer<br />

ursprünglichen und einfachsten Form. Bei<br />

richtiger Bildkomposition können die Details<br />

eines Felsens aussehen wie große Landschaften,<br />

komplett mit Hügeln, Tälern, Klippen und<br />

Schluchten. Die gewundenen Schichten eines<br />

Sedimentgesteins könnten die Konturen eines<br />

felsigen Steilhangs sein. Kleine, durch Erosion<br />

verursachte Aushöhlungen könnten durch<br />

Meteoriteneinschläge verursachte Krater sein,<br />

oder sie könnten durch einen Vulkanausbruch<br />

entstanden sein. Eine Fläche, nicht größer als<br />

Ihre Hand, kann genauso interessant sein wie<br />

eine aus der Höhe betrachtete Landschaft.<br />

Felsdetails zu fotografieren, ist einfach.<br />

Sie brauchen keine Spezialobjektive oder<br />

komplizierte Technik und selbst wenn es regnet,<br />

können Sie immer noch fotografieren, weil<br />

Ihre Kamera nach unten zeigt. Sie stehen unter<br />

Ihrem Regenschirm und brauchen sich keine<br />

Sorgen über Regentropfen auf der Kamera<br />

zu machen. Nasse Felsen sehen oft auch<br />

farbenfroher aus als in trockenem Zustand.<br />

Das Motiv finden Interessante<br />

1Felsformationen finden Sie überall, ob an<br />

der Küste oder auf dem Land.<br />

Sedimentgestein ist besonders gut geeignet,<br />

weil es aus verschieden eingefärbten<br />

Schichten besteht. Halten Sie Ausschau<br />

danach.<br />

Setup Benutzen Sie ein Stativ, um die Kamera zu fixieren.<br />

2Benutzen Sie ein Zoomobjektiv, denn damit können Sie<br />

jedes gewünschte Detail formatfüllend ins Sucherbild holen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie an einem Tag mit bedecktem Himmel, weil<br />

dann das Licht weich und kontrastarm ist. Schalten Sie die<br />

Kamera auf Zeitautomatik und benutzen Sie eine Blende im<br />

Bereich von f/8 bis f/11. Die Belichtung dürfte unter den<br />

beschriebenen Bedingungen kein Problem sein.<br />

Bildkomposition Die Größe des Bereichs, den Sie<br />

3fotografieren, spielt keine Rolle. Es können ein paar<br />

Quadratzentimeter oder ein paar Quadratmeter sein.<br />

Suchen Sie nach Linien, Farben, Formen und Mustern<br />

auf der Gesteinsoberfläche und machen Sie ein<br />

Testfoto. Das Ergebnis wird wahrscheinlich bereits<br />

recht gut aussehen, wenn auch vielleicht etwas<br />

langweilig. Doch dem kann abgeholfen werden.<br />

Interesse wecken Es ist nichts dagegen<br />

4einzuwenden, der Attraktivität eines Motivs durch<br />

einen kleinen Eingriff auf die Sprünge zu helfen. Ich sah<br />

mich um und fand einen orangefarbenen Kieselstein.<br />

Diesen nutzte ich als Fixpunkt, der zugleich einen<br />

Größenmaßstab lieferte, was für einen immensen<br />

Unterschied in der Bildwirkung sorgt.<br />

Schauen Sie sich um Nachdem Ihnen ein gutes Foto<br />

5gelungen ist, sollten Sie nach weiteren möglichen<br />

Requisiten suchen. Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene<br />

Bilder man mit einer kleinen Felsformation als Grundlage<br />

produzieren kann. Falls notwendig, reinigen Sie den zu<br />

fotografierenden Bereich zuvor mit einer kleinen Bürste<br />

oder bespritzen ihn mit Wasser, was meistens die Farben<br />

intensiver hervortreten lässt.<br />

Nachbearbeitung Die Bilder sollten eigentlich<br />

6keiner ausgiebigen Nachbearbeitung<br />

bedürfen, weil keine komplizierte<br />

Aufnahmetechnik benutzt wurde. Passen Sie<br />

eventuell den Kontrast an, um die Details<br />

deutlicher zu machen und möglicherweise<br />

verstärken Sie auch die Farben etwas.<br />

68 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Felsmalerei<br />

Wenn Sie sich auf die Bildkomposition und die<br />

Details konzentrieren, gelingen Ihnen bei jedem<br />

Wetter anspruchsvolle Fotos.<br />

Belichtung: 0.6 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

69


MACH DEIN BILD<br />

Nachtfahrt<br />

Machen Sie eine dynamische, farbenfrohe<br />

Langzeitaufnahme bei einer Fahrt im<br />

Dunkeln. Hier zeigen wir Ihnen, wie…<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35mm f/4G ED<br />

MANCHMAL IST ES nicht einfach, Zeit für das Foto-Hobby<br />

zu finden, insbesondere an den kurzen Wintertagen mit<br />

ihrem geringen Anteil an Tageslicht. Doch hier stellen wir<br />

Ihnen eine pfiffige Idee vor, ein kleines Projekt, dass Sie sich<br />

sogar auf der täglichen Fahrt vom Arbeitsplatz nach Hause<br />

vornehmen können.<br />

In der Automobilfotografie werden üblicherweise besondere<br />

Stative verwendet. Es geht darum, die Kamera so im Fahrzeug<br />

anzubringen, dass das Fahrzeug in seiner Bewegung relativ zur<br />

Umgebung fotografiert werden kann. Dazu muss eine möglichst<br />

starre Verbindung zwischen Fahrzeug und Kamera hergestellt werden.<br />

Eine Langzeitaufnahme wird dann die im Bild befindlichen Teile des<br />

Fahrzeugs scharf abbilden, während die durchfahrene Umgebung<br />

in Bewegungsunschärfe verschwimmt. Es gibt für diesen Zweck<br />

verschiedene Auto-Stative, von einer simplen Konstruktion<br />

mit einem einzigen Saugnapf bis hin zum über drei Meter<br />

langen Galgen aus Kohlefaser, der mit starken Magneten<br />

unter dem Fahrzeug befestigt wird. Das Problem ist nur,<br />

dass es sich dabei um meist unerschwinglich teures<br />

Spezialzubehör handelt. Doch es gibt eine Autohalterung<br />

für Ihre Kamera, die Sie sicherlich besitzen werden, und<br />

das ist Ihr ganz normales Dreibeinstativ.<br />

Ein weiteres unerlässliches Zubehör für die geplante<br />

Aufnahme ist ein feststellbarer Fernauslöser.<br />

Selbstverständlich kommt die Verkehrssicherheit an erster<br />

Stelle. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf den Verkehr und<br />

nicht auf die Kamera. Im gewünschten Moment betätigen Sie den<br />

Fernauslöser und fahren Ihre Strecke ab, während die Kamera ihren<br />

Dienst automatisch verrichtet.<br />

Der Effekt wirkt am besten mit einem Weitwinkelobjektiv im Bereich<br />

von 10mm bei einer APS-C-Kamera bzw. 16mm bei Vollformat. Diese<br />

Brennweiten nehmen außer den vorbeiziehenden Lichtern des<br />

Feierabendverkehrs auch einen Großteil des Fahrzeuginnenraums auf.<br />

Es versteht sich von selbst, dass es möglichst dunkel sein muss, auch<br />

wenn Sie mit einem starken Graufilter tagsüber möglicherweise<br />

ähnliche Effekte erzielen können. Nachts gibt es viel mehr Lichter als<br />

tagsüber: das Licht der Straßenlampen, die Innenbeleuchtung der<br />

Gebäude und die Scheinwerfer der anderen Autos lassen das Foto<br />

aussehen, als hätten Sie eine Zeitreise unternommen.<br />

HINWEIS<br />

Stativ mit Saugnäpfen<br />

Sie können mit derselben<br />

Aufnahmetechnik auch von der<br />

Außenseite Ihres Fahrzeugs<br />

fotografieren, wenn Sie ein Auto-Stativ<br />

mit Saugnäpfen verwenden. Es gibt<br />

Modelle, die auch eine professionelle<br />

Digitalkamera mit Objektiv sicher in<br />

Position halten. Lassen Sie es jedoch<br />

eher langsam angehen und fahren Sie<br />

nicht schneller als 30 km/h.<br />

Kamera sichern Montieren Sie Ihre Kamera auf das Stativ und das Stativ im hinteren<br />

1Teil Ihres Fahrzeugs. Bringen Sie es so an, dass ein Stativbein sich auf dem Rücksitz<br />

abstützt und die beiden anderen Beine sich möglichst weit auseinander gespreizt im<br />

hinteren Fußraum abstützen. Verkeilen Sie die Beine an den Vordersitzen, die Sie zu<br />

diesem Zweck gegebenenfalls ein Stück nach hinten fahren müssen.<br />

Schärfe und Verschlusszeit fest einstellen Stellen Sie mit dem Autofokus auf die<br />

2Instrumentenkonsole des Fahrzeugs scharf, dann schalten Sie den Autofokus aus. Wählen Sie<br />

die Blendenautomatik oder die manuelle Betriebsart der Kamera und stellen Sie eine Verschlusszeit<br />

zwischen 15 und 30 Sekunden ein. Bei manueller Betriebsart wählen Sie Blende f/8. Machen Sie ein<br />

Testfoto im parkenden Fahrzeug und korrigieren Sie die Einstellungen, falls notwendig.<br />

70 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


HAIR MOVEMENT<br />

Das fertige Bild<br />

Benutzen Sie das Raw-Format und passen Sie den<br />

Weißabgleich an, um die Stimmung des Bildes Ihren<br />

Wünschen entsprechend zu gestalten.<br />

Belichtung: 20 Sekunden bei Blende f/8 und ISO 100<br />

Fernauslöser verwenden Legen Sie eine leere Speicherkarte in die Kamera ein, damit Sie<br />

3genügend Platz haben für das, was nun kommt. Schalten Sie die Serienbildfunktion der<br />

Kamera ein und schließen Sie den Fernauslöser an. Nun lösen Sie aus und verriegeln den<br />

Auslöser – jetzt wird die Kamera so viele Bilder aufnehmen, wie Sie der Bildserie zugewiesen<br />

haben oder bis die Speicherkarte voll ist. Die Fahrt kann beginnen.<br />

Einfach fahren Sie werden feststellen, dass Sie die besten Ergebnisse auf geraden,<br />

4ebenen Streckenabschnitten erzielen, auf denen Ihnen viele Autos begegnen<br />

und bei denen rechts und links verschiedenfarbige Lichtquellen vorhanden sind. Ein<br />

einziges Schlagloch kann jedoch ein Bild verderben, achten Sie also auf die Straße<br />

und konzentrieren Sie sich aufs Fahren. Die Bilder schauen Sie sich zuhause an.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

71


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

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<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


Das kreative Auge Thema: Auto<br />

Creative Eye<br />

PORSCHE PANAMERA<br />

Von Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8G<br />

Software: Photoshop CS5<br />

Das Projektthema „Auto“ für unsere<br />

Serie „Das kreative Auge“ kam mir<br />

gerade recht, denn ich hatte schon<br />

zuvor mit Auto-Motiven experimentiert.<br />

Hier bot sich die Gelegenheit, eine neue<br />

Beleuchtungstechnik auszuprobieren.<br />

Die Digitalfotografie erlaubt uns, ein statisches Objekt<br />

mehrmals mit verschiedenen Lichtquellen zu<br />

fotografieren, um die Aufnahmen später in<br />

Photoshop zu kombinieren. Selbstverständlich muss<br />

die Kamera bei dieser Aufnahmetechnik auf dem<br />

Stativ montiert sein.<br />

Objekte, die sonst nur schwer richtig auszuleuchten<br />

sind – Autos beispielsweise – sind auf diese Weise<br />

viel einfacher zu fotografieren, weil Sie das Licht den<br />

besonderen Anforderungen des Motivs schrittweise<br />

anpassen können.<br />

Für mich war es, wie gesagt, nicht das erste Mal dass<br />

ich mich an einem „Autoporträt“ versuchte, und so<br />

hatte ich bereits einige Lektionen gelernt. Erstens<br />

sind Autos Objekte, die das Licht stark reflektieren.<br />

Deswegen gilt: je größer die Lichtquelle, desto besser.<br />

Natürlich können Sie auch mit einer kleinen<br />

Lichtquelle arbeiten, doch dann müssen Sie später<br />

mehr Einzelbilder kombinieren, damit eine<br />

gleichmäßige Lichtquelle entsteht. Die zweite<br />

Lektion, die ich gelernt habe, ist die, dass ein<br />

Fernauslöser unumgänglich ist, wenn man allein<br />

arbeitet. Das letzte Mal, als ich es ohne versuchte,<br />

benutzte ich den Zeitauslöser der Kamera in seiner<br />

maximalen Einstellung von 10 Sekunden. Ich musste<br />

für jede Aufnahme zwischen der Kamera und der<br />

Leuchte hin und her rennen. Die 10 Sekunden<br />

reichten dazu oft nicht aus und am Ende der Session<br />

fühlte ich mich, als hätte ich ein paar olympische<br />

Hindernisläufe absolviert.<br />

Aus Erfahrung klug geworden, besorgte ich mir also<br />

als erstes einen Blitzauslöser der Calumet Pro Serie.<br />

Dieser kleine Kasten fungiert nicht nur als drahtloser<br />

Blitzauslöser, sondern kann auch zum Auslösen der<br />

Kamera eingesetzt werden. Das erspart Ihnen im<br />

Verlauf einer Fotosession einige hundert Meter<br />

Laufarbeit.<br />

Meine ursprüngliche Idee hätte ein Parkhaus als<br />

Aufnahmeort erfordert, und ich hatte auch eines<br />

gefunden, dessen Lichtverhältnisse mir zusagten;<br />

doch als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass der<br />

Überhang der Karosserie über die Vorderachse des<br />

Fahrzeugs zu lang war, um die Rampen des<br />

Parkhauses hinauf fahren zu können, ohne den<br />

Wagen vorn an der Unterseite zu beschädigen. Also<br />

fuhren wir zu meinem Studio zurück, um dort auf<br />

dem Parkplatz zu fotografieren. Leider ist unser<br />

Parkplatz nicht sehr groß und bot zu wenig Platz,<br />

um, um das sehr lange Fahrzeug seitlich oder aus<br />

einem Winkel aufzunehmen. So blieb mir nichts<br />

anderes übrig, als eine Frontalaufnahme, bei der ich<br />

die Symmetrie des Fahrzeugs als Stilmittel einsetzte.<br />

Der Blick von vorn erwies sich jedoch als<br />

ungeeignet, also versuchte ich es mit einer<br />

Aufnahme des Hecks.<br />

Ich schraubte die mit einem 24-70 mm Objektiv<br />

bestückte Kamera auf das Stativ. Das Rolltor vor dem<br />

Fahrzeug war heruntergelassen, damit die gesamte<br />

Umgebung so dunkel wie möglich war. Ich stellte<br />

die maximale Blitzsynchronisationszeit von 1/200<br />

Sekunde, ISO 100 und Blende f/9 ein. Ein Testfoto<br />

ergab, dass soweit alles in Ordnung war – Zeit also,<br />

sich mit der Beleuchtung zu befassen. Mit dem<br />

Fernauslöser in der Hand und einem Studioblitz mit<br />

großer Softbox bewaffnet, stellte ich mich in<br />

Position, richtete das Blitzgerät von oben auf die<br />

Karosserie und begann mit den Aufnahmen, wobei<br />

ich vor jedem neuen Foto die Position Standort der<br />

Lichtquelle änderte. Nach 5 bis 10 Aufnahmen prüfte<br />

ich jeweils die Lichtwirkung und passte den Winkel<br />

der Lichtquelle entsprechend an. Als ich genug<br />

Einzelbilder beisammen hatte, ging es ins Studio, wo<br />

das fertige Bild entstehen sollte.<br />

Zuerst sortierte ich die Aufnahmen aus, die nicht in<br />

Frage kamen. Obwohl ich das Auto von beiden<br />

Seiten beleuchtet hatte, entschloss ich mich dazu,<br />

nur eine Hälfte zu benutzen und diese an die<br />

Hochachse zu spiegeln, damit das Bild absolut<br />

symmetrisch werden würde. Zunächst benutzte ich<br />

Adobe Camera Raw und passte die Belichtung etwas<br />

an. Dann ging es weiter mit Photoshop. Ich<br />

Oben: Die Beleuchtung bestand aus einem Studioblitzgerät in einer<br />

großen quadratischen Softbox. Die Kamera wurde ferngesteuert<br />

ausgelöst, während ich die Lichtquelle in Position hielt.<br />

Unten: Das Endergebnis entstand zum größten Teil in der<br />

Nachbearbeitung. Ich dunkelte den Hintergrund ab und spiegelte<br />

das Bild vertikal und horizontal, um eine Studioumgebung<br />

vorzutäuschen.<br />

duplizierte das Bild und spiegelte es. Das Problem,<br />

dass nun entstanden war, bestand darin, dass<br />

sowohl die Schriftzüge des Namens als auch das<br />

Fahrzeugkennzeichen gespiegelt worden waren,<br />

sodass nur jeweils eine Hälfte korrekt abgebildet<br />

wurde. Ich fügte eine weitere Aufnahme des<br />

Fahrzeugs hinzu, bei der ich alles außer den<br />

Bildteilen mit dem Markenschriftzug und dem<br />

Kennzeichen löschte. Zum Schluss führte alle<br />

Ebenen zusammen und spiegelte das Bild erneut,<br />

diesmal aber horizontal, damit es so aussah, als sei<br />

das Foto in einem Studio auf einem polierten<br />

Fußboden aufgenommen worden. Etwas Gaußscher<br />

Weichzeichner, angebracht am horizontalen<br />

Spiegelbild des Autos sorgte für ein realistisches<br />

Aussehen des Effekts. Nur noch ein paar Korrekturen<br />

am Kontrast, und mein Bild war fertig. Mal ehrlich:<br />

Wenn Sie es sich so anschauen, kämen Sie nie auf<br />

die Idee, dass es nicht in einem professionellen<br />

Studio, ausgestattet mit den modernsten<br />

technischen Finessen, aufgenommen worden ist.<br />

74 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

75


Das kreative Auge Thema: Auto<br />

Creative Eye<br />

EIN HERZ FÜR<br />

SPIELZEUGAUTOS<br />

Von Catherine MacBride<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Software: Adobe Photoshop CC<br />

Es gibt Themen, die mir besser liegen als<br />

Autos. Für dieses Projekt musste ich<br />

mich auf meine Stärken besinnen, ohne<br />

zu sportlich zu werden. Außerdem<br />

wusste ich, dass wenigstens ein<br />

teilnehmender Kollege sich auf Motorsport<br />

spezialisiert hat, und damit wollte ich nicht<br />

konkurrieren.<br />

Trotzdem kam mir eine Idee: Da mich Spielzeugautos<br />

visuell ansprechen, überlegte ich mir, das Thema von<br />

einer romantischen Seite her anzugehen, mit Blick auf<br />

den bevorstehenden Valentinstag. Vom Gedanken bis<br />

zum konkreten Projekt war es nicht mehr weit: Mein<br />

Foto sollte ein Herz zeigen, geformt aus roten<br />

Spielzeugautos. Nun hatte ich zwar selbst eine<br />

ziemlich große Sammlung, doch die reichte in diesem<br />

speziellen Fall nicht aus. Freundlicherweise borgte mir<br />

ein Nachbarjunge seine ebenfalls beachtliche<br />

Kollektion von Spielzeugautos, sodass ich genug<br />

zusammen bekam. Zunächst versuchte ich aus ein<br />

komplettes Herz aus roten Autos zusammenzustellen,<br />

doch es waren immer noch nicht genug für die<br />

Größe, die das Herz haben musste, damit es als Motiv<br />

verwendbar war.<br />

So musste wieder mal Photoshop herhalten. Ich<br />

setzte nur die eine Hälfte des Herzens aus den Autos<br />

zusammen. Das Foto konnte ich später spiegeln, mit<br />

dem angenehmen Nebeneffekt, dass ich mir um die<br />

Symmetrie keine Gedanken machen musste.<br />

Als Hintergrund diente mir ein großer Bogen weißes<br />

Papier auf dem Fußboden.<br />

Ich suchte die roten Autos aus dem beachtlichen<br />

Spielzeugfuhrpark aus, wobei ich einen roten Traktor<br />

und einen roten Doppeldeckerbus nicht<br />

berücksichtigte, weil deren Proportionen nicht<br />

passten.<br />

Nun arrangierte ich die Autos kolonnenweise auf dem<br />

weißen Papier, wobei ich darauf achtete, sie so dicht<br />

wie möglich beieinander aufzureihen. Die an der<br />

Spiegelachse des Herzens befindliche Kolonne<br />

musste außerdem so gerade wie möglich<br />

ausgerichtet sein, denn das würde die spätere Arbeit<br />

mit Photoshop wesentlich erleichtern. Ich<br />

vertauschte einige der kleinen Gefährte, bis ich mit<br />

Form und Aussehen zufrieden war. Weil das eine oder<br />

andere Auto nicht aufhören wollte, ein paar Millimeter<br />

zu rollen, nachdem ich es platziert hatte, wodurch<br />

eine störende weiße Lücke entstand, fixierte ich es mit<br />

Klebestift auf dem papiernen Untergrund. Eigentlich<br />

hatte ich für die Aufnahmen das Blitzgerät benutzen<br />

wollen, aber als ich ein paar Testfotos bei normalem<br />

Umgebungslicht machte, gefiel mir, dass es keine<br />

starken Schatten gab, was beim Blitzen mit Sicherheit<br />

der Fall gewesen wäre. So war denn alles bereit. Ich<br />

versah meine Kamera mit einem 18-105 mm<br />

Zoom-Objektiv, und wählte ISO 500 und Blende acht<br />

vor. Die resultierende Verschlusszeit erlaubte mir, aus<br />

der Hand zu schießen. Mit einer eingestellten<br />

Brennweite von 18 mm hielt ich die Kamera direkt<br />

über das Motiv und schoss das Foto. Dank des in den<br />

LiveView eingeblendeten Rasters war die Ausrichtung<br />

des Bildausschnitts kein Problem.<br />

Ich öffnete das Foto in ACR und erhöhte die Helligkeit<br />

des weißen Hintergrunds sowie generell die<br />

Farbintensität. Auch die Klarheit erhöhte ich etwas,<br />

bevor ich das Bild anschließend in Photoshop öffnete.<br />

Oben: Meine Bildidee erforderte jede Menge<br />

Spielzeugautos. Ich konnte nur rote Autos gebrauchen,<br />

die ich in Herzform anordnen wollte.<br />

Unten: Nachdem ich ein halbes Herz mit den Autos<br />

gelegt hatte, machte ich die Aufnahme, importierte sie<br />

in Photoshop und spiegelte sie, um eine symmetrische<br />

Form zu bekommen.<br />

Ich verdoppelte die Größe der Arbeitsfläche,<br />

duplizierte die Ebene und spiegelte sie vertikal. Dann<br />

fügte ich jeder Ebene eine Ebenenmaske hinzu und<br />

reduzierte die Deckkraft, sodass ich beide Herzhälften<br />

genau ausrichten konnte. Nachdem ich mit dem<br />

Übergang an der Spiegelachse zufrieden war,<br />

reduzierte ich die beiden Ebenen auf eine und schnitt<br />

das Bild zu.<br />

Fertig! Jetzt hatte ich ein Bild, das mein Faible für<br />

Spielzeugautos ausdrückte – und ganz nebenbei ein<br />

schönes Motiv zum Valentinstag!<br />

76 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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77


Das kreative Auge Thema: Auto<br />

Creative Eye<br />

POLE POSITION…<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35m f/4G ED<br />

Software: Lightroom 5 & Photoshop CC<br />

„Ein Thema nach meinem Geschmack“<br />

war mein erster Gedanke, als ich vom<br />

Thema für die Serie „Das kreative Auge“<br />

erfuhr. Ich verbringe jedes Jahr so viele<br />

Wochenenden mit der Motorsport-<br />

<strong>Fotografie</strong>, dass ich mich hier auf meinem ureigenen<br />

Gebiet befand. Ich wollte jedoch etwas Neues<br />

versuchen, daraus lernen und vielleicht eine neue<br />

Aufnahmetechnik entwickeln, die ich später vielleicht<br />

regelmäßig verwenden konnte.<br />

Mein erstes Vorhaben bestand darin, eines der üblichen<br />

Autobilder zu machen, bei denen ein spezieller,<br />

überlanger Kameragalgen mit Saugnäpfen außen an<br />

der Karosserie befestigt wird. Dann wird der Wagen mit<br />

geringem Tempo gezogen, während gleichzeitig eine<br />

Langzeitaufnahme des von ihm gemacht wird.<br />

Dadurch bleibt er scharf im Bild, während seine<br />

Umgebung verschwimmt, als würde er sich mit hoher<br />

Geschwindigkeit bewegen. Das jedenfalls ist die<br />

Theorie. Doch in diesem Fall klappte es nicht so gut.<br />

Ich hatte mir den Spezialgalgen geborgt und einen<br />

Fototermin für die Aufnahme eines Rennwagens<br />

organisiert, mit dem ein Freund recht erfolgreich<br />

Rennen fährt. Am fraglichen Tag herrschten<br />

selbstverständlich die allerbesten Bedingungen, das<br />

Licht war fantastisch und die ganze Aktion klappte wie<br />

im Bilderbuch… Nein, nichts davon ist wahr. An dem<br />

einzigen Tag, an dem wir fotografieren konnten,<br />

herrschte ein stürmischer, böiger Wind und der Regen<br />

prasselte aus allen Richtungen auf uns herab. Wir<br />

versuchten trotzdem die Aufnahme mit dem Galgen,<br />

doch der Wind war einfach zu stark und es war<br />

unmöglich, den Rennwagen scharf ins Bild zu<br />

bekommen. Zum Glück hatte ich einen Studioblitz<br />

eingepackt, der eigentlich dafür vorgesehen war, das<br />

ursprünglich geplante Motiv aufzuhellen, falls die<br />

Lichtverhältnisse nicht gut genug sein würden. Nun<br />

musste schnell eine neue Idee her. Wir räumten eine<br />

ausreichend große Fläche in einem nahe gelegenen<br />

Lagerhaus frei und parkten den Wagen dort. Da wir<br />

weiter nichts geplant hatten, musste nun improvisiert<br />

werden.<br />

Ich baute die Kamera aufs Stativ und schraubte ein<br />

16-36 mm Zoom-Objektiv auf. Normalerweise<br />

benutze ich einen Polfilter, um die vom Lack eines<br />

Auto verursachten Reflexionen zu bändigen, doch das<br />

war in diesem Fall nicht nötig, weil ich den Blitz so<br />

einstellen konnte, dass Reflexionen von vornherein<br />

vermieden wurden. Ich schaltete die Kamera auf<br />

manuelle Betriebsart, stellte Blende f/8 und ISO 200<br />

ein, dann brachte ich noch einen Fernauslöser an. Der<br />

Studioblitz wurde mit einer großen Softbox versehen<br />

und die Blitzleistung auf 100 % eingestellt. Mein Freund<br />

bediente den Auslöser, während ich für die<br />

Beleuchtung sorgte. Da wir nur ein Blitzgerät zur<br />

Verfügung hatten, musste ich den Rennwagen in<br />

mehreren Phasen beleuchten und die Einzelbilder<br />

später in Photoshop kombinieren. Ich begann am<br />

Heck des Wagens und arbeitete mich um das Fahrzeug<br />

herum während ich meinem Freund sagte, wann er<br />

auslösen sollte. Nachdem wir den Rennwagen im<br />

Kasten hatten, machte ich noch ein paar Aufnahmen<br />

von der Umgebung. Hinter dem Wagen stand ein<br />

großer Traktor. Ich richtete den Blitz so aus, dass er sich<br />

in dessen Scheinwerfern spiegeln musste, was das<br />

Foto so aussehen lässt, als seien die Scheinwerfer<br />

eingeschaltet. Zum Schluss machte ich noch ein paar<br />

Bildserien des Umgebungslichts, die dazu benutzt<br />

werden konnten, starke Schatten der Umgebung<br />

aufzuhellen.<br />

Die gesamte Ausbeute des Tages wurde in Lightroom 5<br />

importiert und sortiert. Nachdem die zu<br />

verwendenden Einzelbilder ausgewählt waren,<br />

synchronisierte ich den Weißabgleich, um<br />

sicherzustellen dass die Farben aller Bilder konsistent<br />

waren. Dann exportierte ich sie nach Photoshop CC.<br />

Die Scheinwerfer des Traktors sollten als<br />

Hauptbeleuchtung dienen. Man muss ein Hauptlicht<br />

haben, wenn man mit Lichtebenen arbeitet, sonst gibt<br />

es keine Schatten, und der Rennwagen hätte<br />

ausgesehen, als hätte man ihn später eingefügt. Ich<br />

fügte die beiden Scheinwerfer-Ebenen zusammen und<br />

begann die individuell beleuchteten Einzelbilder des<br />

Autos übereinander zu legen. Selbstverständlich nutzte<br />

ich für jedes Bild eine Ebenenmaske mit einem Pinsel<br />

von geringerer Deckkraft, um unerwünschte Elemente<br />

zu entfernen. Bei dieser effizienten Arbeitsweise<br />

können Sie genau auswählen, welchen Teil der<br />

Beleuchtung Sie verwenden wollen. Meine Einzelbilder<br />

passten perfekt übereinander, da weder die Kamera<br />

noch das Motiv bewegt worden waren.<br />

Nachdem dieser Teil erledigt war, sollte das Bild etwas<br />

Ganz oben: Ich verwendete<br />

einen Studioblitz mit einer<br />

quadratischen Softbox, die ich in<br />

der Hand hielt, um das Auto in<br />

allen Entstehungsphasen des<br />

Bildes zu beleuchten.<br />

Oben: Ich stellte eine mittlere<br />

Blende ein, um optimale Schärfe<br />

zu bekommen, sowie eine kurze<br />

Verschlusszeit, um das<br />

Umgebungslicht zu<br />

unterdrücken.<br />

Links: Dank der Ebenenmasken-<br />

Funktion von Photoshop können<br />

Sie die Beleuchtung graduell<br />

aufbauen. Denken Sie aber daran,<br />

jede Ebene sinnvoll zu benennen,<br />

sonst finden Sie sich nicht mehr<br />

zurecht.<br />

Atmosphäre bekommen. Deswegen erzeugte ich zwei<br />

starke Blendenflecke und fügte diese den<br />

Scheinwerfern des Traktors hinzu. Dann kühlte ich sie<br />

mit einer Tonwert/Sättigung-Einstellungsebene etwas<br />

ab. Ein Rauchpinsel mit der Füllmethode „Negativ<br />

multiplizieren“ sorgte für ein wenig Rauch hinter dem<br />

Auto. Den dadurch ebenfalls entstandenen Rauch<br />

davor entfernte ich mit einer weiteren Ebenenmaske.<br />

Nun musste das gesamte Bild noch etwas „aufgeräumt“<br />

werden. Dazu benutzte ich das<br />

Kopierstempelwerkzeug und das Ausbessern-<br />

Werkzeug, mit denen ich Farbunreinheiten am Lack<br />

des Rennwagens beseitigte, eine Notwendigkeit, die<br />

sich ergab, weil der wenig materialschonende<br />

Rennbetrieb seine Spuren hinterlassen hatte. Ich<br />

verstärkte noch den Kontrast der Gradationskurven<br />

und schärfte das Bild mit einer Unschärfe-Maske. Da<br />

das fertige Bild aus über 40 Ebenen besteht, war es<br />

während der gesamten Prozedur unerlässlich, die<br />

Ebenen sinnvoll zu benennen und zu gruppieren, sonst<br />

hätte ich den Überblick verloren.<br />

Zum Schluss wurde das Bild im Hochformat<br />

zugeschnitten, weil es besser zum Motiv passt. Das<br />

Ergebnis hat nichts mit dem zu tun, was eigentlich für<br />

den Termin geplant war. Der Herr des Geschehens ist,<br />

wer sich wandeln kann…<br />

78 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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79


Das kreative Auge Thema: Spielzeug<br />

Creative Eye<br />

BLECHROBOTER UND<br />

PLASTIKKRIEGER<br />

Von Catherine MacBride<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR 50mm f/1.4G<br />

Software: Photoshop CC<br />

Mit dem Thema „Spielzeug“ konnte<br />

ich mich schnell anfreunden. Es war<br />

eine schöne Gelegenheit, mich mit<br />

meinen Lieblingsspielzeugen zu<br />

beschäftigen und dabei zu<br />

fotografieren. Es war jedoch nicht leicht, zu<br />

entscheiden, was genau ich damit tun sollte,<br />

denn es gibt einfach zu viele Möglichkeiten. Es<br />

gab jedenfalls keine Idee, die mir sofort in den<br />

Sinn kam. Wenige Tage später, anlässlich eines<br />

Besuchs bei meiner Schwester, sah ich einen<br />

kleinen Blechroboter auf Ihrem Schreibtisch und<br />

lieh ihn mir aus. Wieder zu Hause, grub ich die<br />

Sammlung der kleinen Plastiksoldaten aus, die<br />

seit Kindheitstagen in einem Schuhkarton darauf<br />

wartete, wieder hervorgeholt zu werden.<br />

Bei näherem Hinsehen fiel mir auf, dass eine<br />

Figur durch ein Fernglas sah und winkte, also<br />

stellte ich mir die Szene vor, dass mein Roboter<br />

die Soldaten mit Laserstrahlen angriff, sodass die<br />

Plastiksoldaten schmelzen. Die Laserstrahlen mit<br />

Photoshop zu erzeugen, stellt kein Problem dar,<br />

aber meine Plastiksoldaten sollten tatsächlich<br />

schmelzen.<br />

So setzte ich mich an einem regnerischen<br />

Montagmorgen in die Küche an den Ofen,<br />

außerdem bewaffnet mit einem Föhn und<br />

zusätzlich mit einer Heißluftpistole, falls alle<br />

Stricke reißen würden. Doch der Ofen war völlig<br />

ausreichend. Ich erhitzte die Figuren darin, bis<br />

sie weich und verformbar wurden. Dann verbog<br />

ich die Gewehre, der Soldaten und verformte<br />

auch ihre Körper, was nur Schritt für Schritt<br />

geschehen konnte, weil ich darauf achten<br />

musste, dass die Figuren auch nach dem<br />

Erkalten noch aufrecht stehen konnten und<br />

nicht umfielen.<br />

Als ich mit dem Aussehen meiner deformierten<br />

Armee zufrieden war, baute ich die Szene auf,<br />

die ich mir ausgemalt hatte: Als erstes rollte ich<br />

eine Bahn weißer Tapete aus, deren Ende ich mit<br />

Klebeband an einem Regal befestigte. Das war<br />

mein Hintergrund. Hinzu kam eine einfache<br />

Lichtquelle in Form einer Klemmleuchte mit<br />

einer Tageslichtbirne, die an einem Blitzstativ<br />

befestigt und auf den Offizier mit dem<br />

Feldstecher gerichtet wurde. Das Licht dieser<br />

Leuchte gab den Figuren einen leichten Glanz<br />

und ließ die Konturen besser erkennen. Als alles<br />

bereit war, nahm ich meine Kamera mit 50mm<br />

Oben links: Nachdem die<br />

Figuren ein paar Minuten<br />

im Ofen waren, konnte ich<br />

sie beliebig verformen.<br />

Oben: Ich benutzte eine<br />

einfache Klemmleuchte,<br />

um mein Set<br />

auszuleuchten und den<br />

Figuren einen leichten<br />

Glanz zu geben.<br />

Rechts: Die Laserstrahlen<br />

stammen vom<br />

Zeichenstift-Werkzeug in<br />

Photoshop mit der<br />

Einstellung „Schein nach<br />

außen“.<br />

Standardobjektiv, schaltete sie auf „manuell“ und<br />

stellte die Belichtung ein. Ich wählte ISO 800 und<br />

Blende f/5.6.<br />

Der Fokus sollte klar auf dem Offizier liegen,<br />

wobei die Schärfe langsam nach hinten abfallen<br />

sollte, damit die Geschichte, die das Bild erzählt,<br />

deutlicher wurde. Mit dem schmalen<br />

Schärfentiefebereich führe ich den Betrachter<br />

durch das Bild. Zuerst liegt der Blick des<br />

Betrachters auf dem Offizier, bevor er den Rest<br />

der Szene zu erkunden beginnt.<br />

Nachdem ich mit meinem Foto zufrieden war,<br />

öffnete ich es in Photoshop. Ich benutzte den<br />

Zeichenstift mit der Einstellung „Schein nach<br />

außen“, um die Laserstrahlen des Roboters zu<br />

erzeugen. Nach einer kleineren Korrektur der<br />

Tonwerte, der Farbsättigung, der Helligkeit und<br />

des Kontrasts war das Bild fertig.<br />

80 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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81


Das kreative Auge Thema: Spielzeug<br />

Creative Eye<br />

STAR WARS<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D5300<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S Micro 105mm f/2.8 VR<br />

Software: Photoshop CS5<br />

Es heißt, Männer würden nie<br />

erwachsen, nur älter. Dem kann<br />

ich nur zustimmen. Ich habe<br />

mich sehr gefreut, als ich die<br />

Chance bekam, ein Bild zu<br />

kreieren, dessen Motiv das Thema<br />

„Spielzeug“ darstellen sollte. Ich durfte also<br />

spielen und das als Arbeit deklarieren; kein<br />

Problem! Ich brauchte auch nicht lange<br />

nachzudenken, was ich tun würde, denn<br />

ich habe ein ganzes Regal voller Figuren<br />

aus allen möglichen Comics, Fernseh-<br />

Shows und Kinofilmen. Als mein Blick auf<br />

die „Abteilung Star Wars“ fiel, die sogar<br />

einen Ehrenplatz auf meinem Schreibtisch<br />

einnimmt, wusste ich, dass es ein von<br />

einem der George-Lucas-Filme<br />

inspiriertes Bild werden würde.<br />

Manche meiner früheren Projekte für<br />

unsere Serie „Das kreative Auge“ basierten<br />

zu einem nicht geringen Teil auf<br />

Photoshop. Dieses Mal jedoch wollte ich<br />

ein Bild, das nahezu ausschließlich mit der<br />

Kamera entstehen sollte. Ich examinierte<br />

meine Star Wars Lego-Sammlung und<br />

entschied mich für die Figuren der<br />

Schlacht um den Eisplaneten Hoth aus<br />

dem Film „Das Imperium schlägt zurück“.<br />

Also suchte ich mir zusammen, was ich für<br />

Darth Vaders Imperiale Armee brauchen<br />

würde, und begann, meine Szene<br />

aufzubauen. Als erstes legte ich eine<br />

Styroporplatte auf meinen Arbeitstisch<br />

und wählte die Figuren aus: eine Handvoll<br />

Snowtrooper und die Beine des AT-AT<br />

Läufers. Ich brauchte keinen kompletten<br />

Läufer zusammenzubauen, weil man auf<br />

dem Foto nur die Beine sehen würde. Ich<br />

montierte die mit einem 105 mm<br />

Makroobjektiv versehene Kamera auf das<br />

Stativ und machte meine Bildkomposition.<br />

Dabei war der in alle Richtungen drehund<br />

schwenkbare Kameramonitor eine<br />

große Hilfe, denn ich konnte die Figuren<br />

positionieren und gleichzeitig per<br />

LiveView auf dem Monitor verfolgen, wie<br />

sich dies auf das Bild auswirkte. Doch<br />

Ganz oben: Eine Gruppe<br />

Snowtrooper legt eine<br />

Feuerpause ein, während<br />

ich das Set vorbereite.<br />

Backpulver erwies sich als<br />

der ideale „Schnee“.<br />

Oben: Zuerst versuchte<br />

ich es mit einem<br />

Computer-Monitor als<br />

Hintergrund, doch der<br />

erwies sich als<br />

ungeeignet.<br />

Unten Rechts Dank des in<br />

einer beliebigen Position<br />

fixierbaren<br />

Kameramonitors war es<br />

ein Leichtes, die Szene zu<br />

ändern und gleichzeitig<br />

zu beurteilen, wie sich die<br />

Änderung auswirkte.<br />

Unten ganz rechts Von<br />

oben sieht das Set nicht<br />

besonders eindrucksvoll<br />

aus, doch aus dem<br />

Blickwinkel eines<br />

Snowtroopers ist es der<br />

Eisplanet Hoth.<br />

bisher hatte ich nur ein paar Lego-Figuren,<br />

die auf einer weißen Styroporplatte<br />

standen, und das sah nicht besonders<br />

eindrucksvoll aus. Ich probierte einen<br />

Computerbildschirm als Hintergrund für<br />

mein Diorama, erreichte aber nicht die<br />

gewünschte Wirkung.<br />

Mir war klar, dass mein gefrorener Planet<br />

realistischer aussehen musste. Was fehlte,<br />

war Schnee. Eine kurze Internet-<br />

Recherche ergab, dass man Schnee<br />

mithilfe von Backpulver simulieren kann.<br />

Also holte ich Backpulver und verstreute es<br />

über meine Snowtrooper, bis vom Styropor<br />

der Bodenplatte nichts mehr zu sehen war.<br />

Dann baute ich einen Studioblitz mit<br />

Reflektor auf, um meine Szene von hinten<br />

zu beleuchten, und stellte die Kamera auf<br />

die maximale Blitzsynchronisationszeit<br />

von 1/200 Sekunde und Blende f/9 ein. Das<br />

sah schon viel besser aus, doch ohne<br />

Hintergrund fehlte meiner Szene die Tiefe.<br />

Ich hatte noch ein paar schwarze<br />

Styroporplatten im Studio, von denen ich<br />

eine in Stücke riss, um ein entferntes<br />

Gebirge zu simulieren. Das verbesserte zwar<br />

die Szene, aber dem Bild fehlte immer noch<br />

das entscheidende Element, das es zum<br />

Leben erweckte. An diesem Punkt fiel mir<br />

auf, dass der Schnee irgendwo her kommen<br />

musste, also beschloss ich, es schneien zu<br />

lassen. Das würde die Szene attraktiver<br />

machen und vom schwarzen Hintergrund<br />

ablenken. Da ich keinen Fernauslöser hatte,<br />

stellte ich den Auslöser der Kamera auf eine<br />

Verzögerung von 10 Sekunden ein. <strong>Kurz</strong><br />

bevor sich der Verschluss sich öffnete,<br />

streute ich mehr Backpulver über der Szene,<br />

sodass der fallende „Schnee“ abgebildet<br />

werden würde. Nun sah das Ganze sehr viel<br />

besser aus.<br />

Als letzte Finesse sollte von einem der<br />

riesigen Füße des AT-AT-Läufers Schnee zu<br />

Boden fallen. Ich wiederholte also die obige<br />

Prozedur, indem ich während der<br />

Auslösung eine zusätzliche Portion<br />

82 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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Backpulver am Bein des AT-AT-Läufers<br />

streute. Nach ein paar Versuchen klappte<br />

es, und ich war endlich zufrieden. Ich lud<br />

das Bild in Photoshop, stellte den<br />

Weißabgleich ein und erhöhte den Kontrast<br />

vermittels einer Gradationskurven-<br />

Einstellungsebene. Zum Schluss noch ein<br />

wenig Nachschärfen, und mein Bild war<br />

fertig – eine Patrouille imperialer<br />

Snowtrooper in einer frostigen Nacht auf<br />

dem Planeten Hoth.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

83


Das kreative Auge Thema: Spielzeug<br />

Creative Eye<br />

KRIEG DER ROBOTER<br />

Von Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8G<br />

Software: Adobe Photoshop CS5<br />

Das Thema „Spielzeug“ erschien<br />

mir vielversprechend, und ich hatte<br />

gleich eine Science-Fiction Szene<br />

vor Augen, in der Roboter eine<br />

Stadt zerstören. Ich rief einen<br />

Freund an, in dessen Büro ich mal eine<br />

Sammlung von Spielzeugrobotern gesehen<br />

hatte. Wenig später hatte ich mir einige<br />

ausgeliehen, und es konnte losgehen.<br />

Ich brauchte noch einen passenden<br />

Hintergrund für die Roboterinvasion. Die<br />

Gelegenheit dazu ergab sich, als ich für ein<br />

anderes Projekt eine Zeitraffersequenz einer<br />

belebten Straße fotografierte. Ich suchte auf<br />

der Straße einen Hintergrund für meine<br />

Roboterinvasion. Zufällig hatte der Himmel<br />

gerade die richtige Farbe, also baute ich die<br />

Kamera auf und machte meine<br />

Bildkomposition. Natürlich mussten Menschen<br />

im Vordergrund zu sehen sein, also stellte ich<br />

den Auslöser der Kamera auf 10 Sekunden<br />

Verzögerung, trat selbst in den Bildausschnitt<br />

und schaute nach oben auf einen imaginären<br />

Punkt am Himmel über der Häuserzeile, an<br />

dem später der Roboter im Bild zu sehen sein<br />

würde. Dabei erntete ich zwar einige<br />

merkwürdige Blicke von vorübergehenden<br />

Passanten, was mich aber nicht weiter störte;<br />

schließlich hatte ich jetzt meinen Hintergrund,<br />

und darauf kam es an.<br />

Zurück im Studio stellte ich einen der Roboter<br />

vor einen grünen Hintergrund und baute die<br />

Kamera so auf, dass deren Blickwinkel genau<br />

demselben Blickwinkel entsprach, den ich<br />

gehabt hatte, als ich während der<br />

Hintergrundaufnahme auf der Straße stand<br />

und nach oben schaute. Bei solchen<br />

Komposit-Aufnahmen muss man den<br />

Hintergrund zuerst fotografieren, denn die<br />

Beleuchtung des später einzufügenden<br />

Objekts – der Roboter in diesem Fall – muss<br />

der Beleuchtung des Hintergrunds angepasst<br />

werden. Das ist relativ einfach zu<br />

bewerkstelligen, aber es ist unmöglich, die<br />

Beleuchtung einer Außenaufnahme bei<br />

Tageslicht der Studiobeleuchtung des Objekts<br />

anzupassen, wenn das Ganze später natürlich<br />

aussehen soll. Das Licht auf der Straße war<br />

recht hell gewesen, besonders im Hintergrund.<br />

Deswegen stellte ich eine Leuchte mit<br />

Reflektor hinter dem Roboter auf, um dies zu<br />

imitieren.<br />

Auf die andere Seite des Roboters kam ein<br />

Rechts: Mit dem<br />

magnetischen Lasso-<br />

Werkzeug wählte ich die<br />

einzelnen Komponenten des<br />

Bildes, verteilte Sie auf<br />

Ebenen und löschte alle<br />

überflüssigen Areale.<br />

Ganz rechts: Nachdem alle<br />

Komponenten beisammen<br />

waren, mussten nur der<br />

Rauch und die Lichteffekte<br />

hinzugefügt werden, um das<br />

Ganze dramatischer<br />

aussehen zu lassen.<br />

Blitzgerät mit Softbox, dessen Licht zum<br />

Aufhellen dienen sollte. Als letztes baute ich<br />

eine weitere Leuchte mit Softbox auf, die den<br />

grünen Hintergrund ausleuchtete. So weit, so<br />

gut. Leider waren meine Funkfernauslöser<br />

nirgends zu finden, also versuchte ich es mit<br />

einem Studioblitz im Slave-Modus, der durch<br />

ein Blitzgerät auf der Kamera ausgelöst werden<br />

sollte. Ich drehte den Blitz vom Roboter weg,<br />

damit er dadurch kein weiteres Licht abbekam,<br />

wählte eine kleine Blende vor und stellte auf<br />

den Roboter scharf. Mit demselben Licht<br />

fotografierte ich noch eine der Raketen, die an<br />

einem Faden an einem Kleiderbügel hing und<br />

später eingefügt werden sollte. Außerdem<br />

machte ich ein Bild von einem zweiten<br />

Roboter am Ende der Straße, das ich absichtlich<br />

unscharf ließ, damit es zur Schärfentiefe<br />

meines Hintergrunds passte. Zum Schluss<br />

brauchte ich noch einige panische Fußgänger,<br />

die ich wiederum selbst spielte. Ich stellte eine<br />

einzelne Softbox an der weißen Wand meines<br />

Studios auf und spielte einen Mann, der vor der<br />

Roboterinvasion flieht, wobei ich im<br />

Gegenlicht mehrmals auslöste.<br />

Oben und links: Die<br />

Beleuchtung des Roboters<br />

musste genau zu der<br />

Beleuchtung der<br />

Straßenszene passen.<br />

Unten links: Ich<br />

fotografierte mich selbst „auf<br />

der Flucht“ vor dem<br />

gigantischen Roboter.<br />

Unten: Die Straßenszene<br />

wurde per<br />

Langzeitbelichtung<br />

aufgenommen.<br />

Ich lud alle Bilder in Photoshop und legte sie als<br />

einzelne Ebenen auf den Hintergrund. Mit dem<br />

magnetischen Lasso-Werkzeug löste ich den<br />

Roboter von seinem grünen Hintergrund und<br />

fügte ihn ein, dann beseitigte ich ein paar<br />

scharfe Kanten mit dem Radiergummi. Es<br />

folgte die Rakete, deren Start mit etwas Rauch<br />

von einem Bild aus einem älteren Projekt<br />

dargestellt wurde. Für die fallenden Steine des<br />

Hauses, das im Begriff ist, einzustürzen,<br />

benutzte ich Ziegel der verfallenen Mauer<br />

rechts in meinem Hintergrundbild, die ich mit<br />

dem Lasso-Werkzeug auswählte, kopierte und<br />

anschließend drehte und verzerrte, um<br />

verschiedene Formen und Winkel zu<br />

erzeugen.<br />

Ich wiederholte diesen Prozess, bis ich genug<br />

Schutt beisammen hatte, gab noch etwas<br />

Rauch für die Dramatik hinzu und fügte zuletzt<br />

die Aufnahmen von mir selbst ein. Dann<br />

benutze ich das Pinselwerkzeug mit geringer<br />

Deckkraft, um die Schatten der panischen<br />

Menschenmenge einzufügen. Nach ein wenig<br />

Aufräumarbeit war mein Bild fertig, und ich<br />

hatte eine gigantische Invasion überlebt…<br />

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85


Das kreative Auge Thema: Glühbirne<br />

Creative Eye<br />

GLÜHBIRNE?!<br />

Von Ross Hoddinott<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR 105mm f/2.8G VR Micro<br />

Software: Photoshop CC<br />

„Glühbirne“ als Thema –<br />

Erleuchtung inbegriffen? Pardon,<br />

aber manche Wortspiele sind eben<br />

unwiderstehlich. Tatsächlich ist<br />

eine Glühbirne ein alltägliches,<br />

wenig aufregendes Objekt und nur schwer mit<br />

Kreativität in Zusammenhang zu bringen. Oder<br />

doch? Da ich von Spielereien mit Photoshop<br />

nicht sehr viel halte, konzentrierte ich mich für<br />

dieses Projekt auf das, was mit der Kamera<br />

möglich ist. Mir kam ein Gedanke, der eine<br />

spezielle Arbeitsweise voraussetzt und<br />

hoffentlich zu einer kreativen Aufnahme<br />

führte.<br />

Da ich auf Makrofotografie spezialisiert bin,<br />

dachte ich natürlich zuerst an die<br />

formatfüllende Großaufnahme einer<br />

Glühbirne. Außerdem mag ich<br />

Gegenlichtaufnahmen, weil sie einfache und<br />

ausdrucksstarke Bildkompositionen<br />

ermöglichen, deren Formen man gut<br />

herausarbeiten kann. Ich holte also meinen<br />

Lichtkasten hervor, stellte ihn auf den<br />

Küchenboden und legte eine klare,<br />

durchsichtige Glühbirne darauf. Falls Sie keinen<br />

Lichtkasten haben, legen Sie ein weißes Blatt<br />

Papier auf einen Glastisch, den Sie von unten<br />

mit einer Schreibtischlampe beleuchten. Ich<br />

schraubte meine mit Makroobjektiv versehene<br />

Kamera auf das Stativ, stellte es direkt über den<br />

Lichtkasten und richtete die Kamera senkrecht<br />

nach unten. Ich wollte die gekrümmten<br />

Konturen des Glaskolbens nicht im Bild haben,<br />

deswegen brachte ich die Kamera sehr nah ans<br />

Motiv heran. Bei der damit verbundenen<br />

Vergrößerung war die Schärfentiefe nur<br />

hauchdünn. Ich wählte die Zeitautomatik und<br />

Blende f/11, aktivierte den LiveView und stellte<br />

manuell scharf. Das Meßsystem der Kamera<br />

fand eine Verschlusszeit, die das Bild<br />

unterbelichten würde, doch das war zu<br />

erwarten gewesen wegen des extrem hellen<br />

Hintergrunds. Ich stellte dementsprechend<br />

eine Belichtungskorrektur von EV+1 ein und<br />

sah mir erneut das Histogramm an. Diesmal<br />

war alles in Ordnung. Ich probierte ein paar<br />

Bildkompositionen und Kamerawinkel aus, mit<br />

denen ich jeweils ein paar Aufnahmen machte,<br />

bis ich sicher war, mindestens ein gutes Foto<br />

im Kasten zu haben.<br />

Weiter ging es mit Photoshop. Eine Glühbirne<br />

ist ein so ordinärer Gegenstand, das meine<br />

Aufnahmen nichtssagend und langweilig<br />

wirkten. Um das zu ändern, bedurfte es einiger<br />

Eingriffe. Da ich kein Photoshop-Experte bin,<br />

wollte ich mich nicht auf unbekanntes Terrain<br />

wagen und hielt meine Retuschen so einfach<br />

wie möglich. Zuerst justierte ich Kontrast,<br />

Klarheit und Belichtung, dann klickte ich auf<br />

„Bild > Korrekturen > Umkehren“. So erhielt ich<br />

ein „Negativ“ des Fotos. Das bewirkte, dass die<br />

Elemente der Birne stärker als zuvor<br />

Ganz links: Ich legte die Glühbirne auf einen Lichtkasten,<br />

dessen Gegenlicht den Glühfaden nahezu nur noch als<br />

Silhouette erkennen ließ.<br />

Links: Dank des LiveViews konnte ich akkurat auf den<br />

Glühfaden scharfstellen.<br />

Rechts Die Umkehrfunktion von Photoshop verwandelte<br />

das Foto in ein Negativ, bevor ich den Blaustich<br />

hinzufügte.<br />

hervortraten. Dann klickte ich auf „Bild ><br />

Korrekturen > Farbbalance“ und gab dem Bild<br />

einen recht kräftigen Blaustich. Der kalte<br />

Farbton gab dem Bild mehr „Pfiff“ und schuf<br />

eine besondere Stimmung, die es attraktiver<br />

machte. Diese wenigen Anpassungen<br />

genügten, um ein eher langweiliges Motiv zu<br />

einem interessanten Anblick zu machen – eine<br />

wirklich erhellende Erfahrung!<br />

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87


Das kreative Auge Thema: Glühbirne<br />

Creative Eye<br />

DANN GING MIR EIN<br />

LICHT AUF …<br />

Von Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D5300<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 18-140mm f/3.5-5.6<br />

Software: Lightroom 4 & Photoshop CS5<br />

Es gibt Zeiten, in denen man mehr<br />

kreative Ideen hat als man aktuell<br />

umsetzen könnte, aber manchmal<br />

kommt einem einfach nichts in den<br />

Sinn; so ging es mir jedenfalls beim<br />

Thema „Glühbirne“. Wie kreativ soll man wohl mit<br />

einer Glühbirne werden können? Ich strengte die<br />

grauen Zellen an, wälzte Gedanken hin und her,<br />

hatte ein paar Ideen, verwarf sie wieder und hatte<br />

schon eine Menge Zeit verbraucht, ohne zu einem<br />

Ergebnis zu kommen. An diesem Punkt, als ich<br />

frustriert und missmutig war, ging mir buchstäblich<br />

ein Licht auf: Eine Glühbirne symbolisiert eine neue<br />

Idee; deswegen kann eine ausgebrannte Glühbirne<br />

das Gefühl illustrieren, dass ich noch wenige<br />

Augenblicke vorher gehabt hatte. Um diese Idee<br />

umzusetzen, musste es ein Komposit-Bild werden,<br />

denn für eine Einzelaufnahme waren dabei zu viele<br />

Bildelemente zu berücksichtigen.<br />

Eine Glühbirne funktioniert bekanntlich so, dass ein<br />

in einem Glaskolben befindlicher Wolframfaden<br />

durch den ihn durchfließenden Strom aufgeheizt<br />

wird, bis er sichtbares Licht aussendet. Der<br />

Glaskolben ist mit dem Edelgas Argon gefüllt, damit<br />

der Wolframfaden sich nicht entzündet und<br />

verbrennt. Zerbricht jedoch der Glaskolben, sodass<br />

der weißglühende Wolframfaden mit Sauerstoff aus<br />

der Umgebungsluft in Kontakt kommt, verbrennt er<br />

sehr schnell, fast explosionsartig. Genau diesen<br />

Moment wollte ich einfangen. Er sollte meinen<br />

ausgebrannten Ideenvorrat darstellen. Die erste<br />

Hürde, die es zu überwinden galt, bestand bereits<br />

darin, überhaupt noch Glühbirnen zu bekommen.<br />

Die angeblich umweltfreundlicheren LED- und<br />

Halogenlampen, die traditionelle Edison-Birnen fast<br />

vollständig ersetzt haben, waren für mich<br />

ungeeignet. Es blieb also nichts übrig, als 10<br />

Glühbirnen im Internet zu bestellen. Als sie<br />

eingetroffen waren, machte ich mich schnellstens<br />

daran, sie zu zerbrechen. Ich steckte die Birnen<br />

einzeln in eine Plastiktüte, um die Scherben<br />

aufzufangen, zog mir Handschuhe an und<br />

zertrümmerte die Glühbirnen oberhalb des<br />

Metallgewindes mit einer Wasserpumpenzange. In<br />

einigen Fällen ging dabei der Glühfaden kaputt, doch<br />

sieben von neun Birnen waren verwendbar. Ich<br />

benutzte eine alte Birnenfassung mit Kabel und<br />

Stecker, die ich in einem Pappkarton fixierte, und<br />

stellte das Ganze auf einen Tisch. Zuerst wollte ich<br />

die Glühbirne von hinten mit einer Softbox<br />

beleuchten und befestigte ein Stück schwarzen<br />

Karton als Hintergrund an der Softbox.<br />

Nach ein paar Testfotos merkte ich, dass mir die<br />

ausschließlich von der Birne beleuchteten Bilder<br />

besser gefielen. Also verzichtete ich auf den<br />

Studioblitz, montierte die Kamera aufs Stativ,<br />

schaltetete auf manuelle Betriebsart und stellte<br />

manuell mit LiveView scharf. Die Verschlusszeit<br />

stellte ich auf 1/800 Sekunde, die Blende auf f/8 und<br />

die ISO-Empfindlichkeit auf 400. Der Glühfaden<br />

würde nur kurze Zeit brennen, deswegen war an der<br />

Kamera außerdem die Serienbildfunktion<br />

eingeschaltet. Mit dem Finger einer Hand am<br />

Auslöser und mit der anderen Hand am Lichtschalter<br />

ging ich ans Werk. Ich brauchte alle präparierten<br />

Glühbirnen auf, doch am Ende war ich sicher, eine<br />

Aufnahme zu haben, mit der ich weiterarbeiten<br />

konnte. Nun ging es an den nächsten Teil des Bildes.<br />

Ich baute die Kamera vor einem schwarzen<br />

Hintergrund auf, sowie zwei Studioleuchten mit<br />

Softboxen rechts und links von der Stelle, an der ich<br />

stehen würde. Ich schraubte meine letzte –<br />

unzerbrochene – Glühbirne in die Lampenfassung<br />

und hängte sie über meinem Kopf auf. Deren Licht<br />

würde sich mit dem der zerbrochenen Birne, die ich<br />

später einkopieren wollte, vermischen. Ich stellte die<br />

maximale Blitzsynchronisationszeit von 1/200<br />

Sekunde ein, stellte scharf und startete den<br />

Selbstauslöser der Kamera mit 10 Sekunden<br />

Vorlauf. Ein paar Grimassen später hatte ich ein<br />

Porträt von mir, das dumm genug aussah, um<br />

Oben links: Bei diesem<br />

Projekt gingen einige<br />

Glühbirnen kaputt.<br />

Oben: Ich hängte mir eine<br />

Glühbirne über den Kopf,<br />

um deren Schein für das<br />

Porträtfoto einzufangen.<br />

Oben innen: Die Glühbirnen<br />

zerbrach ich in einer<br />

Plastiktüte, um die Scherben<br />

aufzufangen.<br />

Links: Ich fotografierte die<br />

brennende Glühbirne am<br />

Ende ihres Daseins.<br />

Unten: In Photoshop<br />

entfernte ich das Lichtstativ<br />

und kopierte die brennende<br />

Glühbirne hinein.<br />

weiter arbeiten zu können.<br />

In Lightroom blätterte ich durch meine Glühbirnen-<br />

Bilder, wählte das Beste aus und lud es zusammen<br />

mit meinem Porträt in Photoshop. Nachdem ich das<br />

Lichtstativ und die Platzhalter-Glühbirne entfernt<br />

hatte, erweiterte ich den schwarzen Hintergrund<br />

nach oben und kopierte die ausgebrannte Birne und<br />

den Rauch des ehemaligen Glühfadens hinein. Dazu<br />

benutzte ich, wo notwendig, Tonwertkorrektur-<br />

Einstellungsebenen, damit die Tonwerte beider<br />

Bilder zueinander passten. Nun folgten noch ein<br />

bisschen Abwedeln und Nachbelichten, auch ein<br />

wenig Nachschärfen, und fertig war mein Foto zum<br />

Thema „Glühbirne“.<br />

88 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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89


Das kreative Auge Thema: Glühbirne<br />

Creative Eye<br />

DER IDEEN<br />

EMPFÄNGNIS …<br />

Von Catherine MacBride<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 50mm f/1.4G<br />

Software: Photoshop CC<br />

Als ich das Thema für diese<br />

Ausgabe unserer Serie „Das kreative<br />

Auge“ erfuhr, war ich angenehm<br />

überrascht. Ich hatte schon bei<br />

anderen Gelegenheiten Glühbirnen<br />

fotografiert, die für mich Ideen und Chancen<br />

repräsentieren. Die Idee für dieses Foto hatte<br />

ich, als ich alte, defekte Glühbirnen sortierte und<br />

mir eine dieser schlanken, kerzenförmigen<br />

Birnen auffiel. Mir kam der Gedanke, die<br />

Empfängnis, die Befruchtung der menschlichen<br />

Eizelle, anhand eines Motivs mit Glühbirnen<br />

darzustellen.<br />

Zuerst nahm ich mir eine normale, matte<br />

Glühbirne vor, aus der ich mit Hilfe einer<br />

Kombizange den Glaskolben, der den<br />

Glühfaden hält, entfernte, denn der Glaskolben<br />

war ein mein Motiv störendes Element,<br />

außerdem konnte die Glühbirne ohne den am<br />

unteren Ende des Metallgewindes befindlichen<br />

Kontakt aufrecht stehen. Bei der Aktion mit der<br />

Kombizange trug ich Arbeitshandschuhe und<br />

eine Schutzbrille, weil die Gefahr bestand, dass<br />

die Birne platzen würde. Die präparierte Birne<br />

stellte ich auf einen mit weißem Papier<br />

bedeckten Tisch. Dann baute ich die<br />

Beleuchtung auf, eine 6500 Kelvin starke<br />

Tageslichtbirne in einer Klemmlampe, befestigt<br />

an einem Lichtstativ. Als Diffusor nutzte ich<br />

einen weißen Schirm; der ein helles, konstantes<br />

Licht gab. So konnte ich mein Motiv exakt<br />

beurteilen, bevor ich das Bild machte. Ich<br />

schraubte die Kamera mit einem 50mm<br />

Standardobjektiv auf ein Stativ, stellte die<br />

manuelle Betriebsart ein, Blende f/14 und 1/4<br />

Sekunde bei ISO 320. Die kleine Blende war<br />

nötig, weil ich viel Schärfentiefe brauchte. Ich<br />

bewegte meine Lichtquelle um den Tisch<br />

herum, bis ich mit dem erzeugten Reflex auf der<br />

Birne zufrieden war, wobei mir der LiveView der<br />

Kamera die Kontrolle erleichterte. Nun machte<br />

Oben: Vorsichtig löste<br />

ich den Glaskolben<br />

mit dem Glühfaden<br />

aus der Birne.<br />

Rechts Ich benutzte<br />

ein Dauerlicht hinter<br />

einem weißen Schirm,<br />

um mein Set zu<br />

beleuchten.<br />

Unten: Mit Hilfe einer<br />

Ebenenmaske stellte<br />

ich die Kerzen-<br />

Glühbirne frei und<br />

kopierte sie so oft, bis<br />

ich die große<br />

Glühbirne damit<br />

umgeben konnte. Die<br />

Schwänze sind von<br />

Hand gezeichnet.<br />

ich die Aufnahme, bei der ich genug Platz um<br />

die Glühbirne ließ, um die noch fehlenden<br />

Bildelemente positionieren zu können. Dann<br />

nahm ich die Kamera vom Stativ und<br />

fotografierte die auf der Seite liegende<br />

Kerzen-Birne ebenfalls vor dem weißen<br />

Hintergrund.<br />

Dieses Bild lud ich nun in Photoshop und stellte<br />

die Birne mit Hilfe einer Ebenenmaske und<br />

eines schwarzen Pinsels frei. Dann kopierte ich<br />

sie in das Bild mit der stehenden Glühbirne. Mit<br />

den Transformationswerkzeugen verkleinerte<br />

ich die Kerzen-Birne und duplizierte diese<br />

Ebene so oft, bis ich genug kleine Birnen<br />

beisammen hatte, mit denen ich die größere<br />

Birne umgeben konnte. Ich arrangierte nun jede<br />

einzelne der kleinen Birnen, bis mir die<br />

Anordnung gefiel und führte sie zu einer<br />

einzigen Ebene zusammen. Danach benutzte<br />

ich erneut das Pinselwerkzeug, mit dem ich auf<br />

einer neuen, klaren Ebene die kleinen<br />

Schwänze anbrachte, wobei ich die Deckkraft<br />

soweit reduzierte, bis ich mit dem Effekt<br />

zufrieden war. Nun fügte ich noch eine<br />

Strukturebene hinzu – aus meiner Sammlung<br />

von www.Flypapertextures.com – und brachte<br />

zwei Blendenflecke an, einen im Zentrum der<br />

großen Glühbirne, den anderen an der Spitze<br />

des Gewinners des Rennens. Zum Schluss<br />

führte ich alle Ebenen zusammen, justierte die<br />

Gradationskurven und nahm leichte<br />

Tonwertkorrekturen vor.<br />

90 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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91


KAMERATECHNIK<br />

WENN SIE WISSEN, WIE IHRE KAMERA FUNKTIONIERT,<br />

MACHEN SIE AUTOMATISCH BESSERE FOTOS<br />

Spezialfunktionen<br />

Auf den folgenden Seiten beschäftigen wir<br />

uns mit technischen Aspekten und mit<br />

Kamerafunktionen, die sich nur schwer<br />

einer der Standardkategorien zuordnen<br />

lassen, deswegen haben wir sie unter<br />

„Spezialfunktionen“ zusammengefasst. Sie<br />

sollten Sie kennen, um zu beurteilen,<br />

inwieweit sie für Ihre Zwecke hilfreich sein<br />

können. Im Einzelnen geht es um das<br />

häufig ignorierte Histogramm, um<br />

Motivwahl-Funktionen, um die Auto-ISO-<br />

Funktion und um noch einige mehr. Nicht<br />

alle Funktionen werden für Sie relevant<br />

sein, einige jedoch ganz bestimmt.<br />

Vielleicht entdecken Sie sogar eine<br />

Funktion für sich, die sich so gut für Ihren<br />

Fotostil eignet, dass Sie sie von nun an nicht<br />

mehr missen möchten.<br />

Dunkle Töne<br />

IMAGES: LEE FROST<br />

Histogramme<br />

Sie kennen die kleine Grafik, die auf dem<br />

<strong>Vorschau</strong>bildschirm auftaucht, wenn Sie<br />

versehentlich die Info-Taste drücken, während Sie ein<br />

Bild betrachten? Es ist das Histogramm, und es erfüllt<br />

eine wichtige Aufgabe. Tatsächlich ist es wichtiger<br />

und nützlicher als das <strong>Vorschau</strong>. Wenn Sie zu einem<br />

wirklich guten Fotografen werden wollen, kommen<br />

Sie nicht umhin, sich näher mit dem Histogramm zu<br />

beschäftigen. Das Problem, wenn Sie ausschließlich<br />

das Monitorbild betrachten, besteht darin, dass dieses<br />

Ihnen möglicherweise nicht das Bild zeigt, das der<br />

Sensor aufgenommen hat. Wenn Sie beispielsweise<br />

versehentlich die Bildschirmhelligkeit zu hoch oder<br />

zu niedrig eingestellt haben, dann wird das Bild, das<br />

Sie sehen, heller oder dunkler sein als es in<br />

Wirklichkeit ist. Wenn Sie nun die Belichtung<br />

anpassen, um die vermeintliche Über- oder<br />

Unterbelichtung zu korrigieren, erzeugen Sie erst die<br />

Fehlbelichtung, die vorher gar nicht vorhanden war.<br />

Dasselbe gilt, wenn Sie bei schlechten oder sehr<br />

guten Lichtverhältnissen fotografieren, bei denen der<br />

Kameramonitor die Szene nicht mehr akkurat<br />

darstellt. Demgegenüber liefert das Histogramm eine<br />

viel präzisere Möglichkeit, die Belichtung eines<br />

Digitalfotos zu bewerten, denn es zeigt Ihnen an, wie<br />

die Farbtöne im Bild verteilt sind und außerdem, ob<br />

Ihr Bild über- oder unter<strong>belichtet</strong> ist. Im Einzelnen<br />

können Sie folgendes ablesen:<br />

1) Die linke Seite des Histogramms zeigt die Tiefen,<br />

die rechte Seite zeigt die Lichter, der mittlere<br />

Abschnitt zeigt die Mitteltöne an.<br />

2) Die meisten Bilder werden ein Histogramm zeigen,<br />

dass wie ein Hügel aussieht, dessen höchster Punkt<br />

sich in der Mitte befindet und der den mittleren<br />

Farbtonbereich repräsentiert. Der Hügel fällt nach<br />

links zu den Tiefen hin und nach rechts zu den<br />

Lichtern hin ab.<br />

Durchschnittliche Szene<br />

3) Falls Ihre Szene hauptsächlich aus dunklen Tönen<br />

besteht, ist das Histogramm nach links in Richtung<br />

der Tiefen verschoben. Ein nach links verschobenes<br />

Histogramm kann jedoch auch auf Unterbelichtung<br />

hinweisen, falls die Szene aus durchschnittlichen<br />

oder helleren Tonwerten besteht.<br />

4) Besteht Ihre Szene hauptsächlich aus hellen<br />

Farbtönen, ist das Histogramm nach rechts in<br />

Richtung der Lichter verschoben. Es kann aber auch<br />

auf Überbelichtung hinweisen, falls die Szene aus<br />

durchschnittlichen oder dunkleren Tonwerten<br />

besteht.<br />

5) Falls das Histogramm an der linken, für die Tiefen<br />

zuständigen Seite „abgeschnitten“ ist, bedeutet das,<br />

dass bestimmte dunkle Bereiche unter<strong>belichtet</strong><br />

worden sind und auf dem Foto schwarz erscheinen<br />

werden. Das wiederum bedeutet, dass in diesen<br />

Bereichen keinerlei Details aufgenommen wurden.<br />

6) Falls das Histogramm an rechten, für die Lichter<br />

zuständigen Seite „abgeschnitten“ ist, bedeutet das,<br />

dass bestimmte helle Bereiche „ausgebrannt“ sind,<br />

weil sie über<strong>belichtet</strong> wurden. Auch in diesem Fall<br />

enthalten diese Bereiche keinerlei Details. Wenn Sie<br />

die Spitzlichter-Warnung Ihrer Kamera einschalten,<br />

können Sie sofort erkennen, ob Spitzlichter<br />

ausgebrannt sind, weil die fraglichen Bereiche blinken<br />

werden.<br />

Helle Töne<br />

7) Sie sollten abgeschnittene Spitzlichter und Tiefen<br />

generell vermeiden, doch in manchen Situationen<br />

wird das nicht möglich sein. Doch das ist kein Grund<br />

zur Sorge, denn Sie können aus der Not solcher<br />

Bildfehler eine Tugend machen, indem Sie einen<br />

kreativen High-Key- oder Low-Key-Effekt erzeugen.<br />

Ist das nicht erwünscht, müssen Sie die Belichtung<br />

reduzieren oder erhöhen, um das Bild<br />

nachzudunkeln oder aufzuhellen – anschließend<br />

überprüfen Sie das Histogramm erneut.<br />

8) Wichtig zu wissen für die Interpretation des<br />

Histogramms ist, dass der Kamerasensor weit mehr<br />

Farbton-Informationen auf der rechten Seite – den<br />

Lichtern – des Histogramms aufnimmt als auf der<br />

linken Seite – den Tiefen. Tatsächlich nimmt er in den<br />

rechten 20% des Diagramms mehr Tonwerte auf als<br />

in den gesamten verbleibenden 80%. Wenn Sie also<br />

im Raw-Format fotografieren und bestmögliche<br />

Bildqualität erreichen wollen, sollten möglichst viele<br />

Tonwerte innerhalb der 20% auf der rechten Seite des<br />

Histogramms liegen. Das Bild mag zwar auf dem<br />

Kameramonitor über<strong>belichtet</strong> erscheinen, doch die<br />

Belichtung kann in der Nachbearbeitung korrigiert<br />

werden. Im Übrigen ist eine Überbelichtung der<br />

Unterbelichtung immer vorzuziehen, solange die<br />

Spitzlichter nicht ausbrennen.<br />

92 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


BILDSCHIRMHELLIGKEIT<br />

Die Helligkeit des Bildschirms mag Ihnen unwichtig<br />

vorkommen, doch sie ist es nicht. Wenn Sie sich auf den<br />

<strong>Vorschau</strong>bildschirm der Kamera verlassen, um Ihre<br />

Szene zu bewerten, dann müssen Sie sicher sein<br />

können, dass er die Realität wiedergibt, andernfalls<br />

produzieren Sie Fehlbelichtungen. Benutzen Sie<br />

deswegen auf keinen Fall die automatische<br />

Helligkeitseinstellung, denn dann ändert sich die<br />

Bildschirmhelligkeit ständig entsprechend den<br />

herrschenden Lichtverhältnissen, und der Bildschirm<br />

liefert Ihnen keinen Anhaltspunkt mehr, wie die<br />

Belichtung aussehen wird. Stellen Sie die Belichtung auf<br />

50% ein, sodass die Bildschirmhelligkeit in jeder<br />

Situation dieselbe bleibt. Noch besser ist es allerdings,<br />

wenn Sie das Histogramm benutzen, um die Belichtung<br />

zu bewerten und den Bildschirm nur zur<br />

Bildkomposition und zum Scharfeinstellen verwenden<br />

Auto ISO<br />

LIVEVIEW<br />

Im LiveView Modus sehen Sie Ihr zu fotografierendes<br />

Motiv auf dem <strong>Vorschau</strong> Monitor der Kamera, anstatt<br />

durch den Sucher, genau wie bei einer Kompaktkamera.<br />

In den Anfangstagen der Digitalfotografie war der<br />

LiveView von so schlechter Qualität, das nur wenige<br />

Fotografen sich damit abgegeben haben. Doch dank<br />

heutiger großflächiger Kamera-LCDs mit wesentlich<br />

höherer Auflösung und dank wesentlich<br />

empfindlicherer Sensoren ist der LiveView benutzbar<br />

geworden. Eine praktische Anwendung besteht darin,<br />

dass Sie nun die Kamera auch so aufstellen können, dass<br />

Sie keine Möglichkeit haben, durch den Sucher zu<br />

schauen, sei es weil die Platzverhältnisse zu beengt sind<br />

oder weil Sie einen extremen Kamerawinkel benutzen.<br />

Stattdessen benutzen Sie den LiveView und machen<br />

Ihre Bildkomposition mit Hilfe des <strong>Vorschau</strong>bildschirms.<br />

Noch komfortabler ist es, wenn sich der Kameramonitor<br />

in jede Richtung drehen und schwenken lässt. Auch<br />

Videoaufnahmen werden durch den LiveView<br />

einfacher. Sie können im LiveView die Schärfe einstellen,<br />

entweder manuell oder per Autofokus, und Sie können<br />

dabei einzoomen, um präzise scharfzustellen. Ein<br />

weiterer Vorteil: wenn Sie einen zehnstufigen Graufilter<br />

benutzen, brauchen Sie nicht jedes Mal, wenn Sie die<br />

Bildkomposition ändern, den Filter vom Objektiv zu<br />

entfernen. Stattdessen benutzen Sie den LiveView und<br />

Der LiveView erleichtert Fotos mit extrem angewinkelter Kamera<br />

LiveView<br />

schauen komfortabel durch den Graufilter hindurch. Mit<br />

Hilfe des LiveView können Grauverlaufsfilter und<br />

Polfilter exakt ausgerichtet werden. Wenn Sie die<br />

Motivvorwahl „Schwarzweiß“ eingestellt haben, können<br />

Sie Ihre Szene durch den Sucher in Farbe, und im<br />

LiveView in Schwarzweiß betrachten. Ein Nachteil des<br />

LiveView ist jedoch, dass er bei zu hellen<br />

Lichtverhältnissen die Szene nicht mehr<br />

zufriedenstellend anzeigt. Das können Sie umgehen,<br />

indem Sie den Kameramonitor abschirmen. Es gibt<br />

eigens für diesen Zweck vorgesehene Gummiblenden,<br />

die den Kameramonitor vor direktem Sonnenlicht und<br />

Streulicht schützen.<br />

Wenn Sie in verschiedenen Situationen mit<br />

veränderlichen Lichtverhältnissen fotografieren,<br />

kann die automatische Einstellung der<br />

ISO-Empfindlichkeit ein Segen sein, denn Sie<br />

verpassen kein Motiv, weil Sie gerade damit<br />

beschäftigt sind, die Einstellungen zu ändern<br />

und Sie werden auch kein Bild dadurch<br />

verderben, dass die Kamera verwackelt oder<br />

dass sich Ihr Motiv bewegt. Schalten Sie die<br />

Auto-ISO-Funktion ein und setzen Sie den<br />

maximalen ISO-Wert, den die Kamera benutzen<br />

soll. Dieser maximale ISO-Wert sollte vom Alter<br />

Ihrer Kamera abhängen. Neueste Modelle<br />

liefern noch bis zu ISO 6400 eine gute<br />

Abbildungsleistung, während ältere Kameras bei<br />

Werten ab ISO 1600 deutlich sichtbares<br />

Bildrauschen erzeugen. Sie können auch eine<br />

minimale Verschlusszeit einstellen. Wenn sich<br />

nun die Lichtverhältnisse ändern, passt die<br />

Kamera zunächst die Verschlusszeit an und erst<br />

dann, wenn die minimale Verschlusszeit<br />

erreicht ist, beginnt sie den ISO Wert<br />

heraufzusetzen, um das schlechtere Licht oder<br />

eine kleinere Blende zu kompensieren. Die<br />

minimale Verschlusszeit sollte so gewählt<br />

werden, dass Sie noch aus der Hand<br />

fotografieren können, ohne dass<br />

Verwackelungsgefahr besteht. Bei einem<br />

Standard-Zoomobjektiv dürfte dieser Wert bei<br />

1/100 Sekunde liegen, bei einem Telezoom bei<br />

1/200 Sekunde und bei einem 50 mm f/1.8<br />

Festobjektiv bei 1/60 Sekunde.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

93


KAMERATECHNIK<br />

Bildstile / Bedienelemente<br />

Wussten Sie schon?<br />

Es gibt zahllose Möglichkeiten, ein Digitalfoto in der<br />

Nachbearbeitung zu manipulieren. Man kann<br />

Farbsättigung und Kontrast erhöhen oder reduzieren,<br />

ein Bild nach Schwarzweiß konvertieren und noch<br />

einiges mehr. Doch viele solcher Effekte lassen sich<br />

schon im Moment der Aufnahme erreichen, denn bei<br />

modernen Digitalkameras können Sie aus einer ganzen<br />

Auswahl von „eingebauten“ Bildstilen vorwählen,<br />

sodass Einstellungen für bestimmte Effekte<br />

vorgenommen werden. Der wohl meist benutzte Effekt<br />

ist die Konvertierung eines Farbfotos in Schwarzweiß.<br />

Der dafür verwendete Bildstil heißt „Monochrome“.<br />

Doch Sie können damit außerdem an Ihrem<br />

Schwarzweißbild noch die Effekte mehrerer<br />

Kontrast-Filter erzeugen – Rot, Orange, Gelb, Grün und<br />

Blau – oder Tönungen, wie sie durch einstmals<br />

existierende verschiedene Filmsorten hervorgerufen<br />

wurden, beispielsweise „Sepia“. Es gibt eine Fülle von<br />

Bildstilen und bei vielen können Sie Schärfe, Kontrast,<br />

Farbsättigung und Farbton separat einstellen, um genau<br />

den gewünschten Effekt zu bekommen. Die gewählten<br />

Einstellungen können Sie als benutzerdefinierten<br />

Bildstil speichern, um ihn später erneut zu verwenden.<br />

Porträt- und Aktfotos können mit reduzierter<br />

Farbsättigung und geringem Kontrast aufgenommen<br />

werden, oder Sie können einen eigenen Schwarzweiß-<br />

Stil mit hohem Kontrast erzeugen, den Sie in<br />

Verbindung mit einem hohen ISO-Wert benutzen, um<br />

grobkörnige Fotos zu erzeugen. Experimentieren Sie.<br />

Eins müssen Sie jedoch beachten, ganz gleich<br />

welcher Art Ihre Experimente sind: Falls Sie im<br />

Raw-Format fotografieren, wird der durch einen<br />

gewählten Bildstil beabsichtigte Effekt sich nur dann<br />

einstellen, wenn Sie die Raw-Datei mit der Raw-<br />

Konvertierungssoftware des Kameraherstellers<br />

verarbeiten. Wenn Sie Photoshop, Lightroom oder<br />

Aperture benutzen, geht der Bildstil verloren. Um das zu<br />

vermeiden, müssen Sie im JPEG-Format fotografieren;<br />

oder Sie fotografieren gleichzeitig in Raw und JPEG,<br />

dann haben Sie sowohl eine JPEG-Datei inklusive<br />

Bildstil als auch eine Raw-Datei – das Beste aus beiden<br />

Welten.<br />

SENSORREINIGUNG<br />

Es ist ziemlich ärgerlich, wenn Sie gerade einen<br />

ganzen Stapel Fotos auf Ihren Computer<br />

geladen haben, nur um herauszufinden, dass<br />

sie alle an derselben Stelle mit einem<br />

imposanten Schmutzfleck verziert sind. Zum<br />

Glück haben moderne Digitalkameras eine<br />

Sensorreinigungsfunktion, die Staub vom<br />

Sensor fernhält und verschmutzungsbedingte<br />

Retuschen seltener notwendig macht. Wenn<br />

Ihre Kamera über diese Funktion verfügt –<br />

benutzen Sie sie!<br />

Stellen Sie sie so ein, dass der Sensor bei jedem<br />

Ein- und Ausschalten der Kamera gereinigt<br />

wird. Sie werden feststellen, dass die Zahl der<br />

Verunreinigungen, die Sie bei der<br />

Bildbearbeitung beseitigen müssen, kleiner<br />

werden wird, allerdings unter der<br />

Voraussetzung, dass Sie die Kamera bei jedem<br />

Objektiv-Wechsel ausschalten und dass Sie das<br />

Objektiv nicht gerade in einem Staubsturm<br />

wechseln.<br />

LEE FROST<br />

Verwenden Sie den Bildstil „Monochrom“ für die Schwarzweiß-Ansicht eines Farbfotos<br />

94 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Spezialfunktionen<br />

Schnell angepasst<br />

LEE FROST<br />

Benutzen Sie bei schwierigen Lichtverhältnissen die Belichtungsmesswertspeicherung (AE-Lock)<br />

BEDIENELEMENTE PERSONALISIEREN<br />

Einer der vielen Vorteile einer digitalen<br />

Spiegelreflexkamera besteht darin, dass Sie sie genau an<br />

die Bedürfnisse anpassen können, die sich aus Ihren<br />

individuellen Arbeitsabläufen ergeben.<br />

Nehmen Sie beispielsweise die<br />

Belichtungsmesswertspeicherung und die<br />

Fokusmesswertspeicherung. Sie können beide<br />

Funktionen gleichzeitig aktivieren, indem Sie den<br />

Auslöser halb durchdrücken, oder eine davon, indem<br />

Sie die AF-Taste (Fokusmesswertspeicherung) oder die<br />

AE-Taste (Belichtungsmesswertspeicherung) drücken.<br />

Wenn Sie überwiegend mit einem einzigen zentralen<br />

Autofokuspunkt arbeiten, mit dem Sie auf den<br />

gewünschten Bildbereich scharf stellen, diese<br />

Einstellung speichern und dann eine neue<br />

Bildkomposition machen, werden Sie vermutlich bei<br />

halb gedrücktem Auslöser nur die<br />

Fokusmesswertspeicherung aktivieren wollen. Würde<br />

auch der Belichtungsmesswert gespeichert, könnte das<br />

Foto aufgrund der neuen Bildkomposition, deren<br />

Lichtverhältnisse sich vielleicht erheblich von denen<br />

der ersten Bildkomposition unterscheiden, unter- oder<br />

über<strong>belichtet</strong> werden.<br />

Die Abblendtaste zur <strong>Vorschau</strong> der Schärfentiefe<br />

kann üblicherweise einer völlig anderen Funktion<br />

zugeordnet werden. Wenn Sie sie also zur Überprüfung<br />

der Schärfentiefe kaum benutzen, warum belegen Sie<br />

sie dann nicht beispielsweise mit der Umschaltfunktion<br />

zwischen Einzelfeld-Autofokus und dynamischem<br />

Autofokus, oder der Umschaltfunktion zwischen<br />

verschiedenen Bildqualitäten?<br />

Auch den Einstellrädern der Kamera können<br />

verschiedene Funktionen zugewiesen werden,<br />

beispielsweise welches Einstellrad die Werte für Blende<br />

und Verschlusszeit ändert. Vielleicht ziehen Sie es vor,<br />

mit dem vorderen Einstellrad die Verschlusszeit anstatt<br />

der Blende zu ändern – oder umgekehrt. Das hintere<br />

Einstellrad lässt sich auch dazu verwenden, den<br />

AF-Punkt festzulegen, oder den ISO-Wert zu ändern.<br />

Wenn Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren durch den Sucher<br />

schauen, ist es einfacher zu finden als eine der kleinen<br />

Tasten an der Oberseite der Kamera.<br />

Wenn Sie wollen, übernimmt auch die Set-Taste<br />

noch andere Funktionen als nur die Bestätigung einer<br />

ausgewählten Menü-Option. Sie könnten damit auch<br />

auf die Bildstile zugreifen oder auf die verschiedenen<br />

Bildqualitätsoptionen. Ebenso könnten Sie damit den<br />

LiveView zum präzisen, manuellen Scharfstellen<br />

einzoomen. Moderne Kameras haben eine solche Fülle<br />

von Funktionen, dass Viele sie gar nicht alle kennen,<br />

denn nur die Wenigsten setzen sich hin und lesen die<br />

Bedienungsanleitung oder hangeln sich durch alle<br />

vorhandenen Menüs. Sie sollten es aber tun, denn nur,<br />

wenn Ihnen klar ist, welche Optionen Ihnen zur<br />

Verfügung stehen, können Sie lernen, Ihre Kamera<br />

wirklich zu beherrschen.<br />

Bilddatei-Nummerierung<br />

Sollen die Dateien Ihrer Bilder fortlaufend<br />

nummeriert werden oder soll die<br />

Nummerierung mit jeder in die Kamera<br />

eingelegten Speicherkarte wieder bei Null<br />

beginnen? Die fortlaufende Nummerierung hat<br />

den Vorteil, dass jedem Bild ein eindeutiger<br />

Dateiname zugewiesen wird. Bei manchen<br />

Kameras können Sie die Anfangsbuchstaben<br />

des Dateinamens ändern, und die<br />

Dateinummerierung lässt sich manuell auf Null<br />

zurücksetzen, wann immer Sie wollen.<br />

Automatische Bildanzeige<br />

Erscheint das Foto, das Sie gerade geschossen<br />

haben, automatisch auf dem Kameramonitor?<br />

Falls dem so ist, wollen Sie das? Wenn nicht,<br />

schalten Sie die automatische Anzeige aus oder<br />

reduzieren Sie die Anzeigezeit auf den<br />

kleinstmöglichen Wert, falls das Ausschalten an<br />

Ihrer Kamera nicht möglich ist. Die<br />

automatische Bildanzeige kann zum Problem<br />

werden, weil es in der Natur der Sache liegt, dass<br />

dabei der LiveView nicht zur Verfügung steht,<br />

und Sie deswegen vielleicht eine schöne Szene<br />

verpassen.<br />

Allerdings erzieht die automatische<br />

Bildüberprüfung dazu, jedes Foto unmittelbar<br />

nach der Aufnahme kritisch zu bewerten und<br />

gegebenenfalls zu wiederholen, falls das<br />

möglich ist. Andererseits geht die Funktion auf<br />

Kosten der Batteriekapazität der Kamera. Sie<br />

müssen also selbst entscheiden, ob die Vorteile<br />

der automatischen Bildüberprüfung<br />

überwiegen, oder nicht.<br />

Auslöser ohne Speicherkarte betätigen<br />

Das ist ein veritabler Schildbürgerstreich. Wo<br />

liegt der Sinn einer Funktion, die Ihnen gestattet,<br />

die Kamera auszulösen, wenn gar keine<br />

Speicherkarte eingelegt ist, die die Aufnahme<br />

speichern könnte?? Richtig. Also suchen Sie die<br />

Funktion „Auslöser ohne Karte betätigen“ im<br />

Gestrüpp des Menübaums Ihrer Kamera,<br />

schalten sie aus und vergessen sie möglichst<br />

schnell..<br />

Piepton<br />

Soll Ihre Kamera einen Piep-Ton von sich<br />

geben, wenn sie den Schärfepunkt gefunden<br />

hat? Manche finden das hilfreich, andere<br />

empfinden es als störend, ähnlich wie die<br />

Klickgeräusche eines Smartphones, wenn Text<br />

eingetippt wird. Wenn Sie ohne akustische<br />

Untermalung auskommen können, schalten<br />

Sie sie aus.<br />

Sucherraster<br />

Wo ist der Horizont? Es ist immer wieder<br />

erstaunlich, dass der Horizont bei der Aufnahme<br />

im Sucher „gerade“ aussieht, aber dass er, sobald<br />

das Bild auf den Computer geladen ist, zur Seite<br />

kippt. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt,<br />

schalten Sie das Sucherraster der Kamera ein,<br />

das auch im LiveView zu sehen ist. Anhand der<br />

waagerechten und senkrechten Linien richten<br />

Sie die Kamera aus. Das Raster hilft auch bei der<br />

Bildkomposition und wenn Sie Gebäude<br />

fotografieren, stehen diese schön senkrecht.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

95


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SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄT-EXPERTEN<br />

TEXT: DANIEL LEZANO<br />

FOTOS: PAUL WARD, BJÖRN THOMASSEN, BRETT HARKNESS<br />

KREATIV BLITZEN I<br />

WOLLEN SIE DIE QUALITÄT UND VIELSEITIGKEIT IHRER PORTRÄTFOTOGRAFIE VERBESSERN? DREI AUSGEWIESENE<br />

EXPERTEN STELLEN IHRE BEVORZUGTEN SETUPS FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN MIT BLITZLICHT VOR.<br />

Bereits in früheren Ausgaben von <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> haben wir<br />

uns mit den verschiedenen Typen von Elektronenblitzgeräten,<br />

ihren Betriebsarten sowie mit sinnvollem Zubehör beschäftigt.<br />

Dabei legten wir besonderen Wert darauf zu zeigen, dass für<br />

hervorragende Aufnahmen nicht unbedingt eine teure<br />

Ausrüstung erforderlich ist. Die meisten der vorgestellten Fotos<br />

sind mit preiswerten Blitzgeräten und Fernauslösern entstanden,<br />

die sich jeder leisten kann. Auch in dieser Ausgabe geht es wieder<br />

um das Blitzen; diesmal aber darum, wie Sie im manuellen Betrieb<br />

der Kamera das Umgebungslicht mit Blitzlicht kombinieren, um<br />

verblüffende Effekte zu erzielen.<br />

Besorgen Sie sich für diesen Zweck zu Ihrer Softbox<br />

verschiedenfarbige Blitzfolien, um die folgenden Tutorials<br />

nachzuvollziehen. Wir sind überzeugt, dass Sie Ihre Portrait-<br />

<strong>Fotografie</strong> mit Hilfe dieser Tutorials weiter verbessern werden, und<br />

wünschen dabei viel Spaß!


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

Sonne und Blitz – ein guter Mix<br />

Normalerweise werden Sie kaum auf die Idee<br />

kommen, Bildfehler absichtlich zu erzeugen, doch<br />

genau darum geht es hier. Blendenflecke werden<br />

meistens von Sonnenlicht verursacht, das innerhalb<br />

des Objektivs an den Linsen Reflexionen in Form von<br />

runden Flecken oder Streifen und somit<br />

Kontrastverluste verursacht. Mehrfach vergütete<br />

Linsen minimieren dieses Problem, trotzdem tritt es<br />

gelegentlich auf, besonders wenn die äußeren Linsen<br />

verschmutzt sind. Blendenflecke können aber auch<br />

kreative Wirkung haben, wie wir gleich zeigen<br />

werden.<br />

1<br />

2<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

1x Canon Speedlite 580EX<br />

Blitzgerät<br />

2 x Yongnuo Fernauslöser<br />

1 x Lichtstativ<br />

1 x Softbox<br />

PAUL WARD<br />

„Zuerst müssen Sie die Position des Modells<br />

bestimmen. Da die Mehrfachvergütung<br />

moderner Objektive Blendenflecke sehr effizient<br />

reduziert, sollten Sie ausprobieren, welches Ihrer<br />

Objektive gerade diese Blendenflecke am<br />

stärksten hervorruft. Falls Ihre Objektive von<br />

hoher Qualität sind und den Effekt nicht<br />

zulassen, besorgen Sie sich ein altes Objektiv bei<br />

eBay. Ich habe ein manuelles Vivitar 28mm f/2.5<br />

Weitwinkelobjektiv für 20 € gefunden. Es hat ein<br />

M42-Gewinde, deswegen brauchte ich<br />

außerdem einen Adapter für meine Kamera, um<br />

es benutzen zu können. Da dieses Objektiv<br />

keinerlei Elektronik besitzt, gibt es keinen<br />

Autofokus, und die Blendeneinstellung muss<br />

manuell vorgenommen werden. Beides ist nicht<br />

einfach, wenn Sie in die Sonne fotografieren.<br />

Benutzen Sie den LiveView und vergrößern Sie,<br />

um Ihr Motiv scharf zu stellen.“<br />

1) Positionieren Sie Ihr Modell vor der Sonne und machen<br />

Sie einige Testfotos, um die richtige Belichtung zu finden.<br />

Die Verschlusszeit muss in diesem Fall länger als die<br />

kürzeste Blitzsynchronisationszeit der Kamera sein.<br />

Stellen Sie deswegen einen niedrigen ISO-Wert ein und<br />

blenden Sie ab, bis sich eine passende, lange<br />

Verschlusszeit einstellt. Meine Werte lagen bei 1/200<br />

Sekunde bei Blende f/11 und ISO 160.<br />

2) Das Blitzgerät stellte ich so hinter mir auf, dass es das<br />

Modell über meine Schulter hinweg in einem Winkel von<br />

35° anblickte. Falls es windig sein sollte, müssen Sie<br />

verhindern, dass das Lichtstativ umgeblasen wird; lassen<br />

Sie es von einem Assistenten festhalten oder beschweren<br />

Sie es. Ich hatte eine Freundin dabei, die das Stativ mit<br />

Blitzgerät und Softbox festhielt.<br />

3) Die Blitzleistung habe ich von Hand hoch geregelt, bis<br />

ich eine adäquate Belichtung erhielt. An diesem Tag war es<br />

recht hell, deswegen benötigte ich 50% der Leistung des<br />

Blitzgeräts.<br />

3<br />

98 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

Farbtöne durch<br />

Blitz angleichen<br />

Bei manchen Blitztechniken ist später auf dem<br />

Foto eindeutig erkennbar, dass geblitzt wurde,<br />

andere sind so subtil, dass auch Experten<br />

zweimal hinschauen müssen, um festzustellen,<br />

ob geblitzt wurde oder nicht. Diese Blitztechnik<br />

beleuchtet das Modell und die Szene so, dass<br />

der Blitz so viele Farbtöne wie möglich<br />

ausbalanciert. Oft fallen dem einzelnen<br />

Blitzgerät dabei zwei Aufgaben zu: es<br />

beleuchtet sowohl das Modell als auch dessen<br />

Umgebung. Damit dies gelingt, müssen<br />

Position und Leistung jedes einzelnen<br />

Blitzgeräts genau justiert werden.<br />

BJORN THOMASSEN<br />

„Es ist viel einfacher, zu blitzen, wenn<br />

es nicht darauf ankommt, ob der<br />

Blitzeinsatz für den Betrachter des<br />

Fotos offensichtlich ist oder nicht. Ich<br />

mag es jedoch lieber, wenn der<br />

Farbtonverlauf bei Blitzaufnahmen<br />

gleichmäßig ist.<br />

Diese Aufnahme wurde dadurch erschwert, dass<br />

wir in beengten Räumlichkeiten fotografierten, was<br />

dazu führte, dass wir peinlich genau darauf achten<br />

mussten, wohin das Licht der Blitzgeräte fiel. Das<br />

Modell saß in einem engen Flur. Bei richtiger<br />

Blitzeinstellung konnte ich ein sauberes, natürliches<br />

Bild mit neutralen Farbtönen erzeugen. Der Trick<br />

bei dieser Arbeitstechnik besteht darin, jedes<br />

Blitzgerät einzeln einzurichten und jede Änderung<br />

der Einstellung, sei es Position oder Blitzleistung,<br />

anhand des Kameramonitors zu überprüfen. Wenn<br />

ausgewogene Tonwerte das Ziel sind, dürfen keine<br />

zu hellen und keine zu dunklen Bereiche vorhanden<br />

sein. Anders ausgedrückt: Von der Szene sollte so<br />

viel wie möglich im mittleren Farbtonbereich<br />

dargestellt werden.<br />

Der Hauptblitz schoss durch eine kleine Softbox<br />

und diente hauptsächlich der Beleuchtung des<br />

Modells. Wir mussten jedoch darauf achten, dass<br />

die Wände hinter dem Modell nicht zu stark<br />

angeblitzt wurden und dadurch Spitzlichter<br />

erzeugten. Deswegen war der Blitz leicht seitlich<br />

am Modell vorbei gerichtet, sodass es nur von<br />

einem Rand des Lichtkegels erfasst wurde und nicht<br />

von dessen Zentrum. Aufgrund der Entfernung<br />

stellte ich den Hauptblitz auf 25% seiner Leistung<br />

ein. Das zweite Blitzgerät, ebenfalls mit Softbox,<br />

stand – auf dem Foto nicht sichtbar – hinter dem<br />

Modell.<br />

Die Aufgabe des zweiten Blitzgeräts bestand<br />

darin, die Wand seitlich des Modells anzuleuchten<br />

und etwaige, durch den Hauptblitz erzeugte<br />

Schatten zu neutralisieren. Auch dieser Blitz wurde<br />

leicht nach unten gerichtet, um den Beinen einen<br />

leichten Glanz zu verleihen. Da er sich näher am<br />

Motiv befand als der Hauptblitz, stellte ich die<br />

Leistung auf 1/16 der vollen Leistung ein.“<br />

1) Selbst ein enger Flur kann einen passenden<br />

Hintergrund für Porträtfotos abgeben, wenn<br />

Bildkomposition und Beleuchtung sorgfältig abgestimmt<br />

werden.<br />

2) Im Hintergrund ist das Hauptblitzgerät zu sehen, das<br />

zweite Blitzgerät steht im Vordergrund.<br />

3) Das Modell war im Flur zwischen den beiden Softboxen<br />

positioniert und die genau abgestimmte Position und<br />

Leistung der Blitzgeräte sorgten für ein sehr schön<br />

ausbalanciertes, natürlich wirkendes Licht.<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

2x Canon Speedlite<br />

550EX Blitzgeräte<br />

2 x Lichtstative<br />

3 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

2 x Softboxen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

99


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

4<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

1x Canon Speedlite<br />

550EX Blitzgerät<br />

2 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

1 x Lichtstativ<br />

1 x Softbox<br />

Tageslicht + Blitz = High-Key<br />

Eine in der der Mode-, Hochzeits- und Boudoirfotografie<br />

verbreitete Aufnahmetechnik sieht vor, das Modell vor<br />

einen High-Key Hintergrund zu stellen. Durch<br />

Ausbleichen des Hintergrunds konzentriert sich die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters ausschließlich auf das<br />

Zentrum des Motivs. Je nach Pose und Bekleidung des<br />

Modells kann der Effekt sinnlich, romantisch, freundlich<br />

oder distanziert sein. Für die Beleuchtung des<br />

Hintergrunds gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:<br />

Blitz oder Tageslicht. In diesem Beispiel haben wir<br />

Tageslicht benutzt. Der Hintergrund selbst kann aus<br />

einem eigens zu diesem Zweck angefertigten<br />

Studio-Hintergrund bestehen, doch er kann auch mit<br />

Bettlaken oder Gardinen improvisiert werden – benutzen<br />

Sie, was vorhanden ist, beachten Sie aber: je dichter das<br />

Hintergrundmaterial, desto heller muss die Lichtquelle<br />

sein, damit der Hintergrund über<strong>belichtet</strong> werden kann.<br />

Zur Erinnerung: es ist die Blendeneinstellung, die den das<br />

Modell beleuchtenden Blitz steuert, während die<br />

Verschlusszeit die Intensität des Umgebungslichts steuert,<br />

anders ausgedrückt: die Helligkeit des Hintergrunds<br />

BJORN THOMASSEN<br />

Dies ist eine meiner bevorzugten Aufnahmetechniken,<br />

"<br />

wegen des Lichts, das entsteht, wenn die Lichtquellen<br />

perfekt ausbalanciert werden. Manchmal benutze ich<br />

Blitzlicht, um den Hintergrund überzubelichten, doch<br />

wenn möglich, benutze ich nur das Tageslicht, das durch<br />

das Fenster einfällt, wie bei diesem Setup. Der Schlüssel<br />

zum Erfolg dieser Aufnahmetechnik ist, die bestmögliche<br />

Balance zwischen dem das Modell beleuchtenden Blitz<br />

und der Lichtquelle des Hintergrunds zu finden.<br />

Trotzdem gibt es ausreichend Spielraum, die<br />

Lichtverhältnisse nach eigenem Geschmack zu gestalten<br />

– der eine mag einen völlig ausgebleichten, weißen<br />

Hintergrund, der andere möchte den Hintergrund<br />

weniger stark über<strong>belichtet</strong>, sodass noch Details<br />

1 2<br />

3<br />

erkennbar sind. Ich persönlich mag es wenn auch im<br />

Hintergrund noch etwas Struktur erkennbar ist und<br />

gleichzeitig etwas Licht hindurch fällt, das Arme und<br />

Körper des Modells umspielt. Dazu benutze ich große<br />

weiße Stoffbahnen, entweder einzeln, oder mehrere<br />

hintereinander hängend, je nach Helligkeit des<br />

Umgebungslichts. Ein sehr heller Tag bietet übrigens<br />

nicht die besten Lichtverhältnisse; bei bedecktem<br />

Himmel ist das Licht leichter zu steuern.“<br />

1) Ziel war es, das Modell korrekt zu belichten, während der<br />

Hintergrund um 2-3 Blendenstufen über<strong>belichtet</strong> werden sollte.<br />

Zuerst kümmerte ich mich um die Belichtung des Hintergrunds.<br />

Ich benutzte einen Handbelichtungsmesser, und ermittelte<br />

einen Wert, den ich dann an der Kamera einstellte. Damit der<br />

Hintergrund über<strong>belichtet</strong> wurde, benutzte ich eine weit offene<br />

Blende. Wenn also bei Ihnen beispielsweise das<br />

Umgebungslicht zu Einstellungen von 1/125 Sekunde bei f/8<br />

führen würde, wählen Sie Blende f/4, um den Hintergrund um<br />

zwei Blendenstufen überzubelichten.<br />

2) Als nächstes stellte ich die Blitzleistung ein. Viele Fotografen<br />

benutzen dazu den Kameramonitor, doch ich verwende einen<br />

Blitzbelichtungsmesser, denn ein kleiner LCD-Monitor ist<br />

niemals hundertprozentig genau. In diesem Fall habe ich den<br />

Hauptblitz mit einer Softbox versehen und ihn etwas nach<br />

unten geneigt, damit ein Teil des Blitzes vom Bett reflektiert<br />

wurde. Nach einer genauen Messung stellte ich den<br />

Blitzausstoß auf 1/128 der Maximalleistung ein.<br />

3) Das ist das Ergebnis – ein schön <strong>belichtet</strong>es Modell und ein<br />

sauberer, heller Hintergrund. Versuchen Sie es zuhause vor<br />

einem großen Fenster oder vor bis zum Boden reichenden<br />

Terrassentür-Fenstern.<br />

4) Dieses Bild wurde prinzipiell genauso gemacht. Der<br />

Unterschied bestand lediglich in einer Änderung der<br />

Verschlusszeit, um die Struktur des Hintergrunds erkennbar zu<br />

machen.<br />

100 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Perfekt belichten<br />

Ein High-Key-Foto, bei dem sich<br />

alle Aufmerksamkeit auf das<br />

Modell konzentrieren kann,<br />

erfordert eine spezielle<br />

Aufnahmetechnik; sie ist jedoch<br />

ganz einfach – gewusst wie!<br />

BJORN THOMASSEN<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 101


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

Star-Allüren<br />

Die entscheidende Bedeutung der Blende für die<br />

Schärfentiefe ist bekannt. Weniger bekannt ist,<br />

dass die Blendenöffnung auch beeinflusst, wie<br />

hell die Spitzlichter einer Szene aufgenommen<br />

werden. Wenn Sie schon einmal eine nächtliche<br />

Straßenszene fotografiert haben, wird Ihnen<br />

aufgefallen sein, dass Straßenlaternen und andere<br />

punktuelle Lichtquellen auf dem Foto aussehen<br />

wie Sterne. Der Effekt tritt auf, wenn das Licht eine<br />

kleine Blendenöffnung passieren muss. Mit<br />

mehreren entkoppelten Blitzgeräten lässt er sich<br />

bewusst einsetzen.<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Ich benutze ihn sogar sehr oft, beispielsweise um einem<br />

Hochzeitsporträt ein paar funkelnde Sterne<br />

hinzuzufügen. Szenen in einem Garten oder einem<br />

Treppenhaus eignen sich sehr gut. Auch der erste Tanz<br />

des Hochzeitspaars ist ein dankbares Motiv, das durch ein<br />

paar Sterne ein besonderes Flair bekommt.<br />

Der Effekt ist relativ einfach zu erzeugen; wie so oft<br />

steht und fällt er mit guter Vorbereitung. Die Blitzgeräte<br />

müssen so aufgestellt werden, dass sich eine ästhetische,<br />

die Bildkomposition verbessernde Anordnung der Sterne<br />

ergibt. Dazu müssen die Blitzgeräte entweder mit<br />

Fernauslösern versehen werden oder in den Slave-<br />

Modus geschaltet sein. Außerdem muss die Blitzleistung<br />

an jedem einzelnen Gerät so eingestellt werden, dass<br />

eine gleichmäßige Helligkeit der „Sterne“ gewährleistet<br />

ist. Ihr Modell sollte von einem einzelnen Blitzgerät in<br />

einer Softbox beleuchtet werden, die einen Lichtkegel<br />

erzeugt, der den gesamten Körper abdeckt. Stellen Sie die<br />

Blitzleistung entsprechend ein. Nun wenden Sie sich den<br />

anderen Blitzgeräten zu. Stellen Sie deren Leistung<br />

zwischen 1/8 und 1/16 der maximalen Leistung ein, denn<br />

die Sterne sollen das Motiv nicht dominieren.<br />

Entscheidend ist die Wahl der Blende; meiner<br />

Erfahrung nach erreicht man mit Blende f/8 oder f/11 die<br />

besten Ergebnisse. Auch die Wahl des Objektivs hat<br />

großen Einfluss. Ein Weitwinkelobjektiv erzeugt schönere<br />

Stern-Effekte als ein Teleobjektiv. Was die Verschlusszeit<br />

angeht, orientieren Sie sich an der Stärke des<br />

Umgebungslichts. Falls während der Dämmerung noch<br />

ein wenig Farbe am Himmel vorhanden ist, benutzen Sie<br />

eine längere Verschlusszeit, um die dadurch erzeugte<br />

besondere Atmosphäre ins Bild zu bekommen. Falls es<br />

sehr dunkel ist, können Sie eine kürzere Verschlusszeit<br />

benutzen, weil kein Umgebungslicht mehr vorhanden ist.<br />

Es versteht sich von selbst, dass Sie für diese<br />

Aufnahmetechnik mehrere Blitzgeräte und Auslöser<br />

brauchen; bewahren Sie also alte Blitzgeräte auf und<br />

besorgen Sie sich eine entsprechende Anzahl preiswerte<br />

Auslöser, beispielsweise das Yongnuo RF-603 Modell. Zur<br />

Illustration haben wir hier ein paar Blitzgeräte zur<br />

Erzeugung des Stern-Effekts aufgebaut. Einige hatten<br />

drahtlose Auslöser, andere waren in den Slave-Modus<br />

geschaltet, sodass sie simultan mit dem Hauptblitz<br />

ausgelöst wurden. Alle Blitzgeräte waren auf 1/16<br />

Leistung eingestellt. Eine Verschlusszeit von 1/64<br />

Sekunde bei Blende f/8 und ISO 320 ergab einen schönen<br />

Stern-Effekt, während die kürzeste Brennweite des<br />

Weitwinkelobjektivs von 16 mm dafür sorgte, dass die<br />

Kulisse des Treppenhauses das Hauptmotiv sehr schön<br />

ergänzte.“<br />

1) Die zusätzlichen Blitzgeräte am Treppengeländer<br />

machen die Szene attraktiver.<br />

2) Sie können die Ausgaben für die notwendigen<br />

Blitzgeräte in erträglichen Grenzen halten, wenn Sie sie<br />

gebraucht kaufen oder wenn Sie auf preisgünstige<br />

No-Name-Geräte ausweichen. Unbedingt erforderlich<br />

ist jedoch die Möglichkeit, die Blitzleistung manuell<br />

einzustellen. Idealerweise gibt es auch einen<br />

Slave-Modus, doch falls nicht, behelfen Sie sich mit<br />

preiswerten Fernauslösern wie dem Yongnuo RF-603<br />

– ein Set, bestehend aus vier Stück kostet unter 60 € .<br />

1<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

2x Canon Speedlite<br />

550EX Blitzgeräte<br />

4 x Yongnuo YN-560II<br />

Blitzgeräte<br />

5 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

1 x Softbox<br />

2<br />

102 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Star-Allüren<br />

Setzen Sie Blitzgeräte<br />

kreativ ein und lassen Sie<br />

Ihre Szenen funkeln. Der<br />

Effekt passt besonders gut<br />

zu Hochzeitsmotiven.<br />

BRETT HARKNESS<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 103


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

Blitzfolien<br />

Das Licht eines Elektronenblitzgeräts hat die<br />

gleiche Farbtemperatur wie Tageslicht, etwa<br />

5500 Kelvin. Das bedeutet, dass Aufnahmen<br />

mit solchen Blitzgeräten die vorhandenen<br />

Farben neutral, also ohne Farbstiche abbilden.<br />

Insofern mag es merkwürdig erscheinen,<br />

eine farbige Folie vor dem Blitzkopf<br />

anzubringen, um das Blitzlicht absichtlich<br />

einzufärben. Doch genau dazu sind<br />

Blitzfolien da. Ein farbiger Blitz kann einen<br />

langweiligen Hintergrund interessant<br />

machen, er kann eine besondere Stimmung<br />

erzeugen, und er kann ein Modell farbig<br />

beleuchten.<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Heute verwende ich kaum noch Blitzfolien,<br />

doch früher habe ich sie oft benutzt, wenn<br />

ich etwas mehr Farbe haben wollte. Viele<br />

glauben, Blitzfolien wirken am besten auf<br />

weißen Wänden. Ich finde, sie eignen sich<br />

besser für Wände, die bereits einen eigenen<br />

Grundfarbton mitbringen. Hat die Wand eine<br />

erkennbare Oberflächenstruktur, umso<br />

besser, denn das macht die Szene insgesamt<br />

interessanter.<br />

Es gibt zwei grundsätzlich<br />

unterschiedliche Vorgehensweisen, wie<br />

Blitzfolien eingesetzt werden können. Die<br />

erste und meist verwendete besteht darin,<br />

ausschließlich die Wirkung des Blitzes zu<br />

zeigen, also einen Hintergrund oder ein<br />

Modell, das von dem gefärbten Blitz<br />

angeleuchtet wird. Die zweite, weniger<br />

bekannte Methode besteht darin, das<br />

Blitzgerät selbst in das Bild einzubeziehen,<br />

sodass der Blitzkopf als farbiges Spitzlicht in<br />

der Szene zu sehen ist. Ganz gleich, welche<br />

Methode Sie benutzen, Ihr Modell muss auf<br />

jeden Fall von einem Blitz ohne Folie<br />

beleuchtet werden, damit es natürlich<br />

aussieht.<br />

Normalerweise bleiben farbige Blitze einer<br />

eher langweiligen Umgebung vorbehalten,<br />

Mut zur Farbe<br />

1<br />

die durch das Element der Farbe attraktiver<br />

gestaltet werden soll. Der farbige Blitz kann<br />

aber auch dazu benutzt werden, eine<br />

besondere Stimmung in einer Szene zu<br />

erzeugen. Rot und Grün sind eine gute Wahl<br />

für dramatische Effekte, Blau und Orange<br />

erzeugen einen subtileren Effekt. In diesem<br />

Beispiel wollte ich warmes Abendlicht<br />

simulieren, das durch ein Fenster einfällt. Um<br />

die Szene attraktiver zu machen, setzte ich<br />

ein weiteres Blitzgerät mit blauer Folie ein.<br />

2<br />

1) Bauen Sie den Hauptblitz mit Softbox in der Nähe des<br />

Modells auf, damit das Gesicht neutral beleuchtet wird. In<br />

diesem Fall wurde mit 1/125 Sekunde bei Blende f/5 und ISO<br />

125 <strong>belichtet</strong>, wobei das Blitzgerät auf 1/16 der<br />

Maximalleistung eingestellt war.<br />

2) Nachdem ich den Kamerastandpunkt festgelegt hatte, hielt<br />

ein Assistent das erste Blitzgerät draußen vor dem Fenster<br />

hoch und richtete es aus. Bei 1/4 seiner Maximalleistung sollte<br />

warmes, orangefarbiges Licht ins Zimmer fallen.<br />

3) Das zweite Blitzgerät mit blauer Folie wurde hinter dem<br />

Sofa versteckt und ebenfalls auf 1/4 der Maximalleistung<br />

eingestellt. Der Effekt ist nicht stark ausgeprägt, gibt dem Bild<br />

aber eine besondere Stimmung.<br />

Blitzfolien und Hotspots<br />

Die eben erklärte Aufnahmetechnik erfordert, dass die Blitzgeräte<br />

nicht im Bild zu sehen sind, während die folgende<br />

Aufnahmetechnik die Blitzgeräte bewusst ins Bild setzt. Sie werden<br />

direkt in die Kamera gerichtet, so können Sie das konzentriert aus<br />

dem Blitzkopf austretende Licht für besondere Effekte benutzen.<br />

Die Lichtstärke der mit den Folien versehenen Blitzgeräte muss<br />

ausgewogen sein, damit die erzeugten Spitzlichter die Szene nicht<br />

dominieren und damit die Farben der Folien erkennbar bleiben.<br />

Wenn Sie das beachten, ist der Rest ganz einfach.<br />

1) Bringen Sie Ihr Modell in Position. Bauen Sie das Hauptblitzgerät auf und stellen<br />

Sie die erforderliche Blitzleistung ein. Die Werte für die Belichtungseinstellungen<br />

betrugen in unserem Fall 1/200 Sekunde bei Blende f/5 und ISO 125.<br />

2) Wählen Sie den Bildausschnitt so, dass die durch die Blitzgeräte erzeugten<br />

Spitzlichter ansprechend positioniert sind. Mit dem Querformat und dem Modell in<br />

der Mitte machen Sie nichts falsch. Nun bauen Sie das erste Blitzgerät auf, das farbig<br />

blitzen soll.<br />

3) Dann folgt das Blitzgerät mit der zweiten Blitzfarbe – Sie können Ständer<br />

benutzen oder die Blitzgeräte von jemandem halten lassen. Hände und Arme<br />

sollten jedoch nicht im Bild sein.<br />

4) Blitzfolien machen ein Motiv auf ungewohnte, doch attraktive Weise interessant.<br />

Falls die die Blitzgeräte haltenden Hände sichtbar sein sollten, entfernen Sie sie<br />

später in Photoshop.<br />

1 2<br />

3<br />

4<br />

104 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


3<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

1x Calumet Genesis<br />

GF400 mit Softbox<br />

2 x Yongnuo YN-560II<br />

Blitzgeräte<br />

3 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

Farbige Blitzfolien<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 105


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

TEXT: DANIEL LEZANO<br />

FOTOS: PAUL WARD, BJÖRN THOMASSEN, BRETT HARKNESS<br />

KREATIV BLITZEN II<br />

AUF DEN FOLGENDEN SEITEN STELLEN WIR IHNEN BEWÄHRTE, MANCHMAL UNKONVENTIONELLE, AUF JEDEN FALL ABER<br />

KREATIVE BLITZTECHNIKEN FÜR EBENSO UNGEWÖHNLICHE WIE ATTRAKTIVE PORTRÄTFOTOS VOR.<br />

Der Schlüssel besteht darin, von der Kamera entkoppelte<br />

Blitzgeräte zu benutzen, die manuell eingestellt werden. Wir<br />

haben uns mit dieser Thematik bereits in einer früheren<br />

Ausgabe von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“ beschäftigt. Für den Fall, dass<br />

Sie diese Ausgabe verpasst haben, hier noch einmal das<br />

Wesentliche:<br />

Das Prinzip des „manuellen Blitzens“ ist einfach: Sie schalten<br />

das Blitzgerät auf manuellen Betrieb und stellen die gewünschte<br />

Blitzleistung selbst ein. Auch die Kameraeinstellungen werden<br />

manuell vorgenommen. Die Verschlusszeit steuert die Menge<br />

des auf den Sensor fallenden Umgebungslichts, während die<br />

Blende für die auf den Sensor fallende Menge des Blitzlichts<br />

zuständig ist. Eine Änderung des ISO Wertes wirkt sich auf beide<br />

Lichtarten aus. Soweit die Theorie.<br />

Wir sind überzeugt, dass Sie Ihre Porträt-<strong>Fotografie</strong> weiter<br />

verbessern werden, wenn Sie einige der Tutorials auf den<br />

folgenden Seiten nachvollziehen und wünschen Ihnen dabei<br />

viel Spaß.


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

Blitz und blauer<br />

Himmel<br />

Eine Aufnahme insgesamt unterzubelichten, auf<br />

denen nur das Modell per Blitz richtig <strong>belichtet</strong> wird,<br />

ist eine bewährte Technik bei Lifestyle-, Hochzeits-,<br />

und Modefotografen. Sie lässt Details deutlich<br />

hervortreten und sorgt für mehr Dramatik in einer<br />

Szene. Deshalb wird sie oft an Tagen mit bedecktem<br />

Himmel benutzt, um dessen langweiliges Aussehen<br />

in einen stimmungsvollen Hintergrund voller<br />

Atmosphäre zu verwandeln. Eine solche<br />

Transformation einer Szene ist nicht schwer zu<br />

erreichen. Probieren Sie es einfach bei Gelegenheit<br />

aus. Sie können diese Aufnahmetechnik aber auch<br />

bei blauem Himmel benutzen und eindrucksvolle<br />

Porträts voller intensiver Farben damit erzeugen.<br />

Die Erfolgsformel heißt: Unter<strong>belichtet</strong>e Umgebung<br />

plus Blitz für das Modell ergibt das gewünschte<br />

Resultat.<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Ganz gleich, ob ich Mode, Kinder oder Hochzeiten<br />

fotografiere, ich benutze ständig den Himmel als<br />

Hintergrund. Angesichts der Tatsache, dass er überall<br />

vorhanden ist, wundert es mich ein bisschen, dass er<br />

von vielen Fotografen nur selten ins Bild einbezogen<br />

wird. Das Prinzip dieser Aufnahmetechnik ist einfach:<br />

um den Hintergrund abzudunkeln, unterbelichten Sie<br />

die gesamte Szene, sorgen aber durch den Blitz dafür,<br />

dass das Modell korrekt <strong>belichtet</strong> wird. Bei klarem<br />

blauem Himmel entsteht so ein schöner Kontrast zu<br />

dem vom Blitz beleuchteten Modell.<br />

Um zuerst die Belichtung für die Umgebung zu<br />

ermitteln, wählen Sie eine Automatik-Betriebsart der<br />

Kamera, drücken den Auslöser halb durch und<br />

merken sich die Messwerte der Kamera. Dann<br />

schalten Sie in die manuelle Betriebsart und stellen<br />

diese Werte dort ein. Nun haben Sie eine<br />

Ausgangsbasis für das weitere Vorgehen. Da Sie ein<br />

Blitzgerät benutzen werden, haben Sie als kürzeste<br />

Verschlusszeit nur die maximale<br />

Blitzsynchronisationszeit der Kamera zur Verfügung.<br />

Wenn Sie also eine kürzere Verschlusszeit benutzen<br />

müssen, als die, die Sie soeben eingestellt haben,<br />

blenden Sie die entsprechende Zahl Blendenstufen ab<br />

oder stellen Sie eine entsprechend niedrigere ISO<br />

Empfindlichkeit ein. Machen Sie ein Testfoto,<br />

überprüfen Sie, ob der Himmel Ihren Vorstellungen<br />

entspricht und korrigieren Sie die Belichtung, falls er<br />

zu hell oder zu dunkel ist. Sind Sie mit der Abbildung<br />

des Himmels zufrieden, stellen Sie das Blitzgerät ein.<br />

Ich ziehe einen von der Kamera entkoppelten Blitz<br />

vor, denn so kann ich einen Blitzwinkel wählen, mit<br />

dem ich zusätzliche schattige Bereiche erzeugen<br />

„Richtige“, von der Kamera gemessene Belichtung<br />

1<br />

2<br />

kann, die dem Gesamteindruck des Bildes zugute<br />

kommen. Da Sie bei hellem Tageslicht fotografieren,<br />

müssen Sie so nah wie möglich an Ihr Modell<br />

herangehen, damit der Blitz seine Wirkung entfalten<br />

kann. Ist es sehr hell, versuche ich die Szene so zu<br />

gestalten, dass die Sonne hinter einem Objekt<br />

verschwindet, etwa hinter einem Baum oder einem<br />

Haus. Ist das nicht möglich, warte ich, bis die Sonne<br />

tiefer steht. Bei extrem hellen Lichtverhältnissen und<br />

wenn Sie nicht die Zeit haben, zu warten, bleibt Ihnen<br />

nichts anderes übrig, als auf einen tragbaren<br />

Studioblitz zurückzugreifen."<br />

Um zwei Blendenstufen unter<strong>belichtet</strong>e Szene<br />

1) Ermitteln Sie die richtige Belichtung für die Umgebung und<br />

unterbelichten Sie absichtlich um zwei Blendenstufen, damit<br />

das Blau des Himmels intensiver wird. Ihr Modell sollte jetzt<br />

nur noch als dunkler Schatten im Bild zu sehen sein.<br />

2) Statten Sie das Blitzgerät mit einer Softbox aus. Die<br />

Blitzleistung muss aufgrund der hellen Lichtverhältnisse sehr<br />

hoch eingestellt werden. Bringen Sie die Softbox so nah wie<br />

möglich an das Modell heran, achten Sie aber darauf, dass sie<br />

nicht in den Bildausschnitt hinein ragt.<br />

3) Niedriger Kamerastandpunkt und Weitwinkelobjektiv<br />

ergeben einen dynamischen Effekt, der durch den<br />

dunkelblauen Himmel noch verstärkt wird.<br />

Empfohlene Ausrüstung für entkoppeltes Blitzen<br />

Die bekannten Kamerahersteller haben eigene<br />

Produkte, außerdem gibt es von den Kameraherstellern<br />

unabhängige Markenprodukte; an geeigneter<br />

Blitzausrüstung besteht also kein Mangel. Für unsere<br />

Projekte benutzten wir jedoch ausschließlich sehr<br />

preiswertes Zubehör, um zu zeigen, dass die<br />

Blitzfotografie heute für jeden erschwinglich geworden<br />

ist. Die hier genannten Auslöser und Blitzgeräte<br />

verfügen allerdings nicht über TTL-Funktionen. Sie<br />

müssen also alle Einstellungen manuell vornehmen,<br />

doch wie Sie noch feststellen werden, ist das einfacher<br />

als Sie denken.<br />

PREISWERTE FERNAUSLÖSER<br />

Die komfortabelste Methode, von der<br />

Kamera entkoppelt zu blitzen, besteht<br />

in der drahtlosen Fernauslösung der<br />

Blitzgeräte, wobei Kamera und<br />

Blitzgeräte jeweils mit einem<br />

Transceiver ausgestattet werden, der<br />

in den jeweiligen Zubehörschuh geschoben wird.<br />

Wegen des unschlagbaren Preis-Leistungs-<br />

Verhältnisses bevorzugen wir Geräte der Marke<br />

Yongnuo, in diesem Fall das Modell RF-603. Das<br />

Vierer-Set gibt es für 53 € bei eBay.<br />

PREISWERTE BLITZGERÄTE<br />

Angesichts der Preise für Marken-Blitzgeräte, die<br />

oft bei mehreren Hundert Euro liegen, lag die<br />

Möglichkeit, mit einem eigenen Multiblitz-Setup<br />

arbeiten zu können, lange Zeit für die meisten<br />

von uns in weiter Ferne. Doch dem ist nicht<br />

mehr so. Wenn Sie sich damit anfreunden, alle<br />

Einstellungen manuell vorzunehmen – was Ihnen übrigens eine<br />

viel genauere Steuerung der Lichtverhältnisse erlaubt als jede<br />

Automatik – dann können Sie sich jetzt Ihr eigenes tragbares Studio<br />

in Form mehrerer Yongnuo YN 560 II Blitzgeräte leisten, das Stück<br />

um die 50 €, ebenfalls von eBay.<br />

108 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


3<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

1x Calumet Genesis<br />

GF400 Blitzgerät<br />

2 x PocketWizard Plus III<br />

Transceiver<br />

1 x Softbox<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 109


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

SO WERDEN SIE ZUM PORTRÄTEXPERTEN<br />

Blitzlicht plus<br />

Tageslicht<br />

Der Hauptunterschied zwischen automatischem und manuellem Blitzen besteht<br />

in der Art und Weise, wie das Umgebungslicht aufgenommen wird. Das erschließt<br />

nicht sofort, ist jedoch einfach zu erklären: Wenn Sie beide, Kamera und Blitzgerät,<br />

mit der vollautomatischen Einstellung benutzen, wird die Kamera versuchen, Ihr<br />

Motiv ausschließlich mit dem Blitzlicht perfekt zu belichten. Wie der Rest der Szene<br />

aussieht, wird dabei nicht berücksichtigt, deswegen bleibt der Hintergrund oft<br />

dunkel. Stellen Sie jedoch Kamera und Blitzgerät manuell ein, können Sie beides,<br />

Umgebungslicht und Blitzlicht unabhängig voneinander steuern. Der Einfluss des<br />

Blitzlichts auf Ihre Szene kann verändert werden, indem Sie die Blitzleistung<br />

herauf- oder herabsetzen oder indem Sie die Entfernung zwischen Blitzgerät und<br />

Motiv anpassen. Dabei ist die Intensität der Einwirkung des Blitzlichts auf die Szene<br />

von der Blendeneinstellung abhängig. Die Intensität der Einwirkung des<br />

Umgebungslichts ist abhängig von der Verschlusszeit. Bei langer Verschlusszeit<br />

erreicht mehr Umgebungslicht den Sensor und erzeugt eine hellere Szene, bei<br />

kurzer Verschlusszeit fällt weniger Licht ein, und die Szene wird dunkler.<br />

Nun zeigen wir Ihnen, wie ein Porträt am Spätnachmittag im Gegenlicht<br />

fotografiert wurde.<br />

BJORN THOMASSEN<br />

„Diese Aufnahme entstand in einem kleinen Wäldchen, als die<br />

Sonne schon recht tief am Himmel stand. Der Spätnachmittag ist<br />

meine liebste Tageszeit, denn dann verleiht die Sonne meinen<br />

Motiven einen goldenen Glanz. Ich mache öfter Model- und<br />

Lifestyle-Fotos mit einem Sonnenuntergang als Hintergrund, wobei<br />

ich dieselbe Aufnahmetechnik verwende. Bei Sonnenuntergang<br />

benutze ich allerdings eine kürzere Verschlusszeit, um die Farben<br />

des Himmels zu sättigen. Dadurch wird jedoch auf dem Foto<br />

erkennbar, das geblitzt wurde.<br />

Bei dieser Aufnahme war die Umgebung recht dunkel, weil die<br />

Bäume den Lichteinfall reduzierten. Um das auszugleichen, hätte<br />

ich die Blitzleistung erhöhen können, doch der Blitz sollte nicht in<br />

Wettbewerb mit der Sonne treten, sondern die Sonne sollte die<br />

dominante Lichtquelle bleiben. Sie schien zwischen den Bäumen<br />

hindurch, weswegen die gesamte Szene stark gebleicht wurde.<br />

Daher wählte ich die Verschlusszeit so, dass die Umgebung leicht<br />

über<strong>belichtet</strong> wurde. Ein Blitz sollte nun dafür sorgen, dass mein<br />

Modell trotz des hellen Gegenlichts korrekt <strong>belichtet</strong> wurde. Der<br />

Blitz musste stark genug sein, zwar das Modell auszuleuchten, aber<br />

schwach genug, um die Umgebung nicht noch weiter aufzuhellen.<br />

Man kann dies anhand der Methode „Versuch und Irrtum“ erreichen,<br />

doch ich bevorzuge das altmodische Verfahren mit dem Hand<br />

Belichtungsmesser. Zuerst maß ich die Helligkeitsdifferenz zwischen<br />

dem Himmel und dem Schatten, in dem mein Modell positioniert<br />

war. Der Unterschied betrug vier Blendenstufen. Nun maß ich das<br />

Umgebungslicht und stellte den gefundenen Wert an der Kamera<br />

ein. Die Verschlusszeit wählte ich etwas länger als die Messung<br />

ergeben hatte, damit die Aufnahme leicht über<strong>belichtet</strong> wurde. Das<br />

Blitzgerät stellte ich auf einen vier Blendenstufen niedrigeren Wert<br />

ein, als den Messwert des Umgebungslichts.<br />

Das mag sich kompliziert anhören, ist es aber nicht. Wenn Sie die<br />

Prozedur Schritt für Schritt nachvollziehen, werden Sie die<br />

Zusammenhänge schnell erkennen. Sie müssen in solchen<br />

Situationen nur schnell arbeiten, weil die Lichtverhältnisse sich bei<br />

sinkender Sonne schnell ändern."<br />

1) Dies ist das erste Foto ohne Blitz, mit den Kameraeinstellungen von der Messung des<br />

Umgebungslichts. Mein Ziel war, dieses Bild durch leichtes Überbelichten der gesamten<br />

Szene zu verbessern und das Modell mit einem zur Umgebung passend dosierten Blitz<br />

korrekt zu belichten.<br />

2) Für dieses Setup waren zwei Blitzgeräte nötig. Der Hauptblitz war an einem Ausleger<br />

montiert und schoss durch eine Softbox, um Gesicht und Oberkörper des Modells weich<br />

zu beleuchten. Ein weiteres Blitzgerät mit einem breiten, hellen Schirm als<br />

Blitzlichtformer („Flash Bender“) sollte den Unterkörper aufhellen.<br />

3) Beim <strong>Fotografie</strong>ren in die Sonne können Blendenflecke zum Problem werden. Sie<br />

reduzieren den Kontrast und lassen jedes Staubkorn auf der Frontlinse im Foto erkennen.<br />

Eine Gegenlichtblende kann Abhilfe schaffen; besser ist aber, eine längere Brennweite zu<br />

verwenden. Sie können auch versuchen, die Umgebung für Ihre Bildkomposition zu<br />

nutzen, z. B. indem die Sonne hinter einem Baum oder ähnlichen Objekt verborgen ist.<br />

4) Dies ist das fertige Bild, aufgenommen mit leicht über<strong>belichtet</strong>em Hintergrund und<br />

minimaler Blitzleistung. Der Wald als Kulisse ungewöhnlich und visuell sehr interessant.<br />

Sie vermittelt einen Eindruck von Isolation, der mir an diesem Motiv gefällt.<br />

1<br />

110 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


BLITZAUSRÜSTUNG<br />

2x Yongnuo Speedlite<br />

560 II Blitzgeräte<br />

1 x Softbox<br />

1 x Flash Bender<br />

3 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

1 x Lichtstativ<br />

4<br />

2 3<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 111


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

1 2<br />

Tageslicht simulieren<br />

Ein ständiges Problem bei Innenaufnahmen ist der<br />

Mangel an Licht. Selbst Räume mit großen Fenstern<br />

sind meist zu dunkel und selbst dann, wenn Sie hell<br />

genug sind, passiert es oft, dass der Lichteinfall<br />

ungünstig ist. Wenn Sie aber sorgfältig vorgehen,<br />

können Sie Tageslicht mit Blitzgeräten simulieren.<br />

Damit können Sie ein gerichtetes „Abendlicht“<br />

erzeugen oder ein breit gefächertes Licht, um einen<br />

gleichmäßig durch Tageslicht erhellten Raum zu<br />

simulieren. In diesem Beispiel zeigen wir, wie Sie mit<br />

Blitzgeräten „Tageslicht“ in geschlossenen Räumen<br />

erzeugen.<br />

PAUL WARD<br />

„Viele Fotografen packen ihre Blitzgeräte erst aus,<br />

wenn es dunkel wird, dabei kann ein Blitz zu jeder<br />

Tageszeit nützlich sein. Das gilt besonders für<br />

Innenaufnahmen, wenn das Tageslicht nicht hell<br />

genug ist oder wenn seine Richtung verhindert,<br />

dass die gewünschte Art der Beleuchtung erreicht<br />

werden kann. In solchen Situationen benutzen Sie<br />

den Blitz oft so, dass sein Einsatz auf dem Foto klar<br />

erkennbar ist. Die hier beschriebene<br />

Aufnahmetechnik hat jedoch zum Ziel, den Blitz<br />

lediglich unterstützend einzusetzen und zwar in<br />

Form eines Lichtausstoßes, der vom vorhandenen<br />

Tageslicht nicht unterscheidbar sein soll. Das wird<br />

dadurch erreicht, dass der Blitz sehr diffus ist und<br />

einen breiten Lichtkegel hat, sodass seine Richtung<br />

nicht feststellbar ist."<br />

Andere Verfahren zur Imitation von Tageslicht<br />

Ohne Blitz<br />

Mit Blitz<br />

1) Durch einen großen Diffusor gleichmäßig verteiltes<br />

Licht aus zwei Blitzgeräten erzeugt den Eindruck, als<br />

flute Tageslicht durch ein großes Fenster herein.<br />

2) Wie Sie hier sehen können, gibt es in meinem Studio<br />

einen Bereich mit zwei Wänden, die so dekoriert sind,<br />

dass dieser Bereich Teil eines Wohnzimmers sein<br />

könnte. Es ist ein großer Screen-Diffusor aufgebaut,<br />

hinter dem zwei Blitzgeräte stehen, damit ein Effekt<br />

entsteht, wie er von einer großen Softbox erzeugt<br />

werden würde.<br />

3) Dieses Bild wurde mit dem Original Setup geschossen<br />

doch mit engerem Bildausschnitt. Wie Sie sehen, ist das<br />

Licht auf dem Gesicht des Modells sehr weich, ganz so,<br />

als hätte es das Gesicht einem großen Fenster<br />

zugewandt.<br />

INS GEGENLICHT FOTOGRAFIEREN<br />

Stellen Sie die Blitzgeräte außerhalb des<br />

Bildausschnitts in kurzer Entfernung zur Wand auf.<br />

Direkt auf die Wand gerichtet und bei voller Leistung<br />

ist der Blitz stark genug, alle Details unsichtbar<br />

werden zu lassen – noch etwas heller, und der<br />

Hintergrund wäre vollständig ausgebleicht worden.<br />

Dieser Effekt kann in den meisten Räumen erzeugt<br />

werden, doch je dunkler die Wand ist, desto stärker<br />

muss der Blitz sein, um sie zu bleichen.<br />

SONNENLICHT DURCHS FENSTER<br />

Sie können durch ein Fenster einfallendes Tageslicht<br />

auch dadurch simulieren, dass Sie ein oder zwei<br />

Blitzgeräte mit Diffusor draußen vor dem Fenster<br />

aufbauen und die Blitzköpfe in den Raum hineinrichten.<br />

Beginnen Sie mit hoher Blitzleistung und passen Sie<br />

diese, wenn nötig, an. Der Vergleich der beiden Bilder<br />

oben zeigt, wie gut diese Aufnahmetechnik<br />

funktioniert. Beide Bilder sehen authentisch aus, und<br />

niemand würde ein Blitzgerät als Lichtquelle vermuten.<br />

112 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


3<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

2x Canon Speedlite<br />

550EX Blitzgeräte<br />

3 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

2 x Lichtstative<br />

1 x Screen-Diffuser<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 113


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

1 2<br />

Leuchtender Regen<br />

Was tun Sie, wenn Sie eine Hochzeit fotografieren<br />

wollen und Sie wissen, dass es sehr wahrscheinlich<br />

regnen wird? Ganz einfach: Sie machen das Beste<br />

daraus und benutzen den Regen als eins der<br />

Hauptelemente Ihrer Bildkomposition.<br />

Braut oder Bräutigam – oder beide – stehen unter<br />

einem großen, weißen Regenschirm, wobei die<br />

Braut ein Blitzgerät hält; ein weiteres Blitzgerät kann<br />

hinter ihr aufgebaut sein. Das ergibt ein<br />

dynamisches, fröhliches Bild. Es ist eine<br />

Aufnahmetechnik, die wir vor kurzem selbst<br />

ausprobieren konnten.<br />

DANIEL LEZANO<br />

„Am Tag der besagten Hochzeit regnete es stark und ein<br />

großer weißer Schirm war schnell beschafft. Eine Freundin<br />

unter den Hochzeitsgästen erklärte sich bereit, sich mit ihrem<br />

weißen Kleid und dem weißen Schirm in den Regen zu<br />

stellen. Wir benutzten nur eine bescheidene Ausrüstung, eine<br />

Canon EOS 550D mit 17-40mm f/4 Objektiv, zwei Yongnuo<br />

YN-560 II Blitzgeräte und zwei Yongnuo Fernauslöser. Ein<br />

Transceiver war auf dem Zubehörschuh der Kamera befestigt,<br />

der andere an dem Blitzgerät in der Hand unseres Modells.<br />

Das von hinten blitzende Blitzgerät war in den Slave-Modus<br />

geschaltet und durch eine durchsichtige Plastiktüte vor dem<br />

Regen geschützt."<br />

Einsichten des Profis…<br />

3<br />

1) Zunächst benutzten wir die Kamera in<br />

der manuellen Betriebsart mit 1/6<br />

Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 100. Der<br />

unter dem Schirm in der Hand gehaltene<br />

Blitz wurde auf 1/32 seiner Leistung<br />

eingestellt. Ein paar Testaufnahmen<br />

ergaben jedoch einen optimalen Wert<br />

von 1/16 der maximalen Blitzleistung. Wie<br />

hier gut sichtbar ist, sind Hintergrund<br />

und Regen ohne den zweiten, von hinten<br />

schießenden Blitz nicht zu erkennen.<br />

2) Nun wurde der zweite Blitz aufgebaut<br />

und in den Slave-Modus geschaltet. Dann<br />

reduzierten wir die Leistung des<br />

Hauptblitzes etwas, damit der Effekt des<br />

zweiten, hinter dem Modell stehenden<br />

Blitzes leichter erkennbar sein sollte. Er<br />

wurde auf1/4 seiner Leistung eingestellt.<br />

3) Wenn beide Blitzgeräte korrekt<br />

eingestellt sind, bekommen Sie einen<br />

schönen Lichteffekt wie diesen.<br />

4) Nachdem Sie die richtigen<br />

Einstellungen gefunden haben, probieren<br />

Sie unterschiedliche Bildausschnitte und<br />

Blickwinkel, um festzustellen, wie das<br />

Motiv am besten wirkt. Mir gefiel die<br />

Aufnahme am besten, bei der das hintere<br />

Blitzgerät auf den nassen Holzplanken<br />

der Terrasse den gewundenen<br />

Lichtstreifen erzeugt, der eine sehr<br />

schöne Führungslinie abgibt.<br />

BRETT HARKNESS<br />

„Wie so viele innovative Blitztechniken hat sich der „Blitz im weißen Schirm“ in der Hochzeitsfotografie schnell<br />

durchgesetzt und wurde bald weltweit von allen benutzt. Die Aufnahmetechnik ist immer noch populär, doch<br />

ich selbst habe sie schon seit einer Weile nicht mehr verwendet.<br />

Entscheidend für das Bild ist: man muss ihm ansehen, dass die Beteiligten bei der Aktion im Regen ihren<br />

Spaß gehabt haben. Am besten wirkt die Aufnahme, wenn das Modell das Blitzgerät hält. Es hat keinen Zweck,<br />

zu versuchen, es hinter einem Arm oder dem Körper zu verbergen, weil die Pose dann unnatürlich wirkt. Ich<br />

richte den Blitzkopf meistens auf die Vorderseite des Schirms, dadurch wird nicht nur der gesamte Schirm<br />

ausgeleuchtet, sondern auch das Gesicht des Modells und etwas von der unmittelbaren Umgebung.<br />

Besonders schön wirkt es, wenn auch ein paar Regentropfen angeleuchtet werden, doch dieser Effekt wird<br />

besser dadurch erreicht, dass ein zweites Blitzgerät hinter das Modell gestellt wird und von unten in dessen<br />

Richtung blitzt. Das Motiv funktioniert auch mit Braut und Bräutigam, oft sogar besser, denn wenn beide<br />

einander ansehen, ist die Beleuchtung der Gesichter nicht so kritisch.<br />

Ich benutze Kamera und Blitz in der manuellen Betriebsart. Das in der Hand gehaltenen Blitzgerät wird auf<br />

geringe Blitzleistung eingestellt, etwa zwischen 1/8 und 1/32 der möglichen Leistung, während der hintere<br />

Blitz mit höherer Leistung feuert. Beide sind mit drahtlosen Fernauslösern ausgerüstet. Die Verschlusszeit ist<br />

für das Umgebungslicht zuständig; ich stelle sie je nach den Gegebenheiten auf einen Wert zwischen 1/5<br />

Sekunde und 1/125 Sekunde. Die Blende steuert, wie viel Blitzlicht den Sensor erreicht, ich stelle sie meist auf<br />

einen Wert zwischen f/8 und f/13. Machen Sie ein oder zwei Testfotos und korrigieren Sie eventuell die<br />

Einstellungen. Arbeiten Sie vor allem schnell, denn ob mit oder ohne Regenschirm, keine Frau will auf ihrer<br />

eigenen Hochzeit im Regen stehen…“<br />

114 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


4<br />

BLITZAUSRÜSTUNG<br />

2x Yongnuo Speedlite<br />

YN-560 II Blitzgeräte<br />

2 x Yongnuo<br />

Fernauslöser<br />

1 x Lichtstativ mit<br />

Anschluss für Blitzschuh<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 115


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

TEXT: DANIEL LEZANO<br />

FOTO: BJÖRN THOMASSEN


DIE KUNST DES POSIERENS<br />

IN DER PORTRÄTFOTOGRAFIE SIND DER RICHTIGE UMGANG MIT DER KAMERA UND DER BELEUCHTUNG NUR DIE EINE SEITE DER MEDAILLE. GENAUSO<br />

WICHTIG IST, WIE SIE MIT IHREN MODELLEN INTERAGIEREN UND SIE SO POSIEREN LASSEN, DASS IHRE PORTRÄTS SICH VOM ÜBLICHEN EINERLEI ABHEBEN.<br />

Bisher haben wir uns vorwiegend mit den praktischen Aspekten der<br />

Porträtfotografie beschäftigt, sei es die möglichst kreativ einzusetzende<br />

Aufnahmetechnik, oder die jedem Motiv individuell angepasste Beleuchtung.<br />

Hier aber geht es um die Bedeutung der Pose Ihrer Modelle.<br />

Das beste Licht und eine perfekte Bildkomposition sind schön und gut, doch<br />

wenn Ihr Modell auf dem Foto deplatziert wirkt oder wenn ihm anzusehen ist,<br />

dass es sich nicht wohl fühlt, ist selbst der größte technische Aufwand<br />

vergebens gewesen. Auf den folgenden Seiten werden wir deshalb jene Posen<br />

untersuchen, die sich in Standard-Situationen der Fashion-, Lifestyle-,<br />

Beauty-, und Glamour-<strong>Fotografie</strong> bewährt haben.<br />

Wie Sie feststellen werden, gibt es Posen, die in fast allen Situationen<br />

einsetzbar sind, andere hingegen eignen sich nur für ganz bestimmte Szenen.<br />

Deswegen werden wir auch auf verbreitete Fehler eingehen, die eine Pose und<br />

damit ein Bild verderben können.<br />

Am wichtigsten aber ist die Art und Weise, wie Sie und Ihr Modell<br />

zusammenarbeiten. Je besser das geschieht, umso besser werden auch Ihre<br />

Bilder. Strahlen Sie Zuversicht aus und haben Sie die Situation jederzeit unter<br />

Kontrolle, dann sind Ihre Modelle entspannt und fühlen sich wohl. Folgen Sie<br />

den Empfehlungen auf den folgenden Seiten, und Sie werden gute<br />

Porträtfotos machen.


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: DIE KUNST DES POSIERENS<br />

Ohne Stress zur<br />

perfekten Pose<br />

Gute Interaktion mit dem Modell und eine<br />

genaue Vorstellung der für Ihre Szene am besten<br />

geeigneten Pose sind ebenso wichtig, wie Ihre<br />

Fähigkeiten im Umgang mit der Kamera.<br />

Posieren für Porträtfotos kann ein Modell nervös<br />

machen, besonders wenn es unerfahren ist. Doch<br />

Porträtfotos können nur gut sein, wenn Ihr Modell<br />

sich entspannt. Ihre Körpersprache und generell<br />

Ihre Interaktion mit dem Modell sind entscheidend<br />

für die Qualität der Ergebnisse. Bauen Sie eine<br />

positive Beziehung zu Ihrem Modell auf, seien Sie<br />

vergnügt, respektvoll und schaffen Sie Vertrauen.<br />

Ihr Enthusiasmus wird sich auf das Modell<br />

übertragen und zu besseren, ausdrucksvolleren<br />

Posen führen. Björn Thomassen ist seit über 25<br />

Jahren Porträtfotograf und weiß, wie man am Set<br />

die gewünschte positive Stimmung schafft, die<br />

Modelle entspannt und ihre Posen dirigiert. Hier<br />

seine Quintessenz:<br />

BJORN THOMASSEN<br />

„Wenn Sie einigermaßen mit Menschen umgehen<br />

können, sollte es nicht lange dauern, bis Sie eine<br />

angenehme Arbeitsatmosphäre erzeugt haben. Ein guter<br />

Einstieg sind 15 oder 20 Minuten Smalltalk bei einer Tasse<br />

Kaffee. So kreisen die Gedanken nicht um die<br />

bevorstehende Foto-Session und Sie können diese Zeit<br />

nutzen, eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen.<br />

Leiten Sie während des Gesprächs langsam zum Thema<br />

über, sprechen Sie über Ihre Intentionen im<br />

Zusammenhang mit der geplanten Aufnahme und fragen<br />

Sie Ihr Modell nach seiner Meinung und eigenen<br />

Vorstellungen, die Sie gegebenenfalls berücksichtigen<br />

können.<br />

Nachdem Sie begonnen haben, zu fotografieren,<br />

lassen Sie die Konversation nicht abreißen, auch wenn<br />

diese nun etwas einseitig werden sollte; halten Sie die<br />

harmonische Stimmung in Gang. Ich benutze<br />

beispielsweise immer ein Stativ für meine Aufnahmen,<br />

denn dann habe ich die Hände frei, sodass ich<br />

gestikulieren kann, wenn ich mit freundlicher Stimme die<br />

Posen dirigiere. Außerdem ist mein Gesicht hinter der<br />

Kamera verborgen, was die Kommunikation unterstützt.<br />

Oben: Hier gibt es ein paar Probleme: erstens ist eine Hand<br />

„abgeschnitten“, zweitens ist die Haltung der rechten Hand<br />

falsch. Sie sollte etwas vom Körper gelöst sein, eventuell<br />

leicht geballt.<br />

Ich habe ständigen Augenkontakt mit dem Modell, man<br />

sieht mich lächeln und generell in positiver Weise agieren,<br />

wodurch jegliche Nervosität vermieden werden kann. Es<br />

ist ein ganz einfaches Prinzip menschlicher Interaktion:<br />

wenn Sie eine Person anlächeln, ist es für die Betreffende<br />

sehr schwer, nicht zurück zu lächeln. Während der<br />

Aufnahmen spielt Musik im Hintergrund und ich spreche<br />

mit ruhiger Stimme – eine bewährte Methode, ein Modell<br />

für meine Ideen aufgeschlossener zu machen.<br />

Sie müssen sich bewusst sein, dass Ihre Körpersprache<br />

und Ihr Gesichtsausdruck das Modell stark beeinflussen.<br />

Ihr Verhalten sollte generell positiv und ermutigend sein.<br />

Vergessen Sie nicht, dass das Modell Ihr Gesicht sehen<br />

kann, wenn Sie zwischendurch eine Reihe bereits fertiger<br />

Bilder betrachten. Geben Sie niemals zu erkennen, dass<br />

etwas nicht in Ordnung ist. Die meisten Modelle werden<br />

den Fehler bei sich selbst suchen, auch wenn er durch<br />

falsche Beleuchtung verursacht wurde, für die Sie<br />

verantwortlich sind. Achten Sie also darauf, immer ein<br />

zufriedenes Gesicht zu machen.“<br />

Oben: Bei diesem Bild impliziert die Haltung der Arme ein<br />

spiegelverkehrtes „S“, wodurch das Auge des Betrachters, ohne<br />

dass er sich dessen bewusst wird, durch Bild geführt wird.<br />

Richtig posieren: Tipps von Björn Thomassen<br />

„Wie ein Modell für ein Porträt posieren sollte, ist ein<br />

Thema für sich, dass auch in meinen Kursen viel Stoff für<br />

angeregte Diskussionen bietet, weil so viele Fotografen<br />

damit Probleme haben. Diese Probleme sind regelmäßig<br />

erkennbar, wenn ich Bilder für nationale und<br />

internationale Fotowettbewerbe als Angehöriger der<br />

Jury bewerte. Hier stelle ich Ihnen ein paar<br />

grundsätzliche Dinge vor, die Sie tun sollten und ein paar<br />

andere, die Sie besser nicht tun sollten, unabhängig<br />

davon, welche Art Porträt Sie fotografieren wollen.“<br />

1) Allein die Körperhaltung ist ein Thema, über das man<br />

ein ganzes Buch schreiben könnte, doch die folgenden<br />

Punkte sollten Sie grundsätzlich beachten. Eine Pose<br />

muss „schön“ aussehen, andernfalls wird das Bild nicht<br />

wirken. Arme, Beine, Körper und auch Requisiten sollten<br />

Linien und Formen implizieren, die den Betrachter, ohne<br />

dass ihm dies bewusst wird, beeinflussen. Die „S-Form ist<br />

besonders erfolgreich, insbesondere in der<br />

Modefotografie, weil das Auge dadurch einem<br />

bestimmten Weg durch das Bild folgt. Ich wähle sehr oft<br />

auch Posen, in denen die Arme und Beine Dreiecke<br />

implizieren, denn das führt zu starken Führungslinien<br />

und sorgt für Ausgewogenheit des Bildes. Noch eine<br />

Bemerkung zur Kopfhaltung: Männer sollten den Kopf so<br />

halten dass eine zwischen den Augen gedachte<br />

Verbindungslinie horizontal verläuft. Zu Frauen passt<br />

normalerweise besser, wenn diese gedachte Linie<br />

diagonal im Bild verläuft.<br />

2) Ein Problem, das sich bei männlichen und weiblichen<br />

Modellen gleichermaßen ergeben kann, wird von einer<br />

falschen Position der Hände verursacht. Falsch gehaltene<br />

Hände können ein ansonsten ausgezeichnetes Foto<br />

ruinieren. Das gilt besonders dann, wenn sich die Hände<br />

nah am Gesicht befinden. Sie treten konkurrieren dann<br />

mit dem Gesicht um die Aufmerksamkeit des<br />

Betrachters. Falls sie falsch gehalten werden, ist das Bild<br />

verdorben. Hände und Finger sollten immer in ästhetisch<br />

ansprechender Form gehalten werden; vermeiden Sie<br />

frontale Handinnenflächen, oder Finger, die merkwürdig<br />

abgespreizt sind.<br />

3) Was die Füße angeht, ist die Sache einfacher:<br />

Vermeiden Sie, dass Sie rechtwinklig zum Körper<br />

gehalten werden. Wenn Sie eine Diagonale bilden,<br />

erzeugen Sie eine wesentlich angenehmere visuelle<br />

Wirkung im Bild.<br />

4) Schauen Sie sich die Bilder in Modemagazinen an,<br />

insbesondere die Anzeigen, und achten Sie darauf, wie<br />

die Modelle posieren. <strong>Fotografie</strong>ren Sie dann eine<br />

Bildserie zu demselben Thema mit demselben Szenario<br />

und dirigieren Sie das Modell dabei durch eine Reihe von<br />

Posen, wobei die Positionen der Schultern, der Arme,<br />

Hände und Füße stark variieren sollten. Dann nehmen<br />

Sie Sie sich Zeit, genau zu analysieren, was gefällig<br />

aussieht und was nicht. Diese so gewonnenen<br />

Erfahrungen werden Ihnen bei Ihren künftigen<br />

Porträt-Projekten gute Dienste leisten.<br />

118 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

ALL IMAGES: BJORN THOMASSEN<br />

Erzeugen Sie Formen<br />

Wenn Sie die Pose eines Modells dirigieren,<br />

achten Sie auf die Formen, die der Körper dabei<br />

erzeugt. Dadurch, dass die Gliedmaßen<br />

Dreiecke implizieren, wird dieses Bild attraktiv.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

119


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: DIE KUNST DES POSIERENS<br />

STEPHEN EASTWOOD<br />

Beauty-Porträts<br />

Die Beauty-<strong>Fotografie</strong> kennt Bildausschnitte vom<br />

Kopf mit Schultern bis hin zu Nahaufnahmen des<br />

Gesichts. Nur selten wird der gesamte Körper<br />

angebildet, es sei denn, in der Aktfotografie. Im<br />

Mittelpunkt stehen in der Regel Make-up, Frisur,<br />

Gesichtszüge und Gesichtsausdruck. Wegen der<br />

hohen Auflösung von Digitalkameras muss das<br />

Make-up sehr sorgfältig aufgetragen werden,<br />

Hautunreinheiten werden dabei überdeckt. Zwar<br />

kann man in der Nachbearbeitung diesbezüglich<br />

sehr viel erreichen, trotzdem sollten das Make-up<br />

und Frisur so perfekt wie möglich sein, bevor Sie<br />

beginnen – und sie müssen zwischen den<br />

Aufnahmen ständig nachgebessert werden.<br />

Bei Beauty-Porträts ist der Gesichtausdruck des<br />

Modells von entscheidender Bedeutung. Schauen<br />

Sie sich die einschlägigen Magazine an, und Sie<br />

werden feststellen, dass die Modelle in den Bildern<br />

meist eine ernste Gelassenheit, oft auch Gleichmut<br />

ausstrahlen. Das Setup der Beleuchtung wird so<br />

gewählt, dass die Konturen des Gesichts gut zu<br />

Geltung kommen. Deswegen ist es wichtig, dass<br />

Ihr Modell schon bei der Feineinstellung der<br />

Beleuchtung die später für die Fotos<br />

beabsichtigten Posen einnimmt.<br />

Bei anderen Arten von Porträts ist es üblich, dass<br />

das Modell seine Pose öfter ändert; in der<br />

Beauty-<strong>Fotografie</strong> werden weniger Posen benutzt,<br />

doch sie werden akribisch, fast pedantisch<br />

vorbereitet, geplant und ausgeführt. Auch der<br />

Kamerawinkel ist wichtig. Da Sie wahrscheinlich<br />

ein kurzes Teleobjektiv benutzen werden, kann<br />

eine nur kleine Änderung der Kamerahaltung<br />

bereits einen gewaltigen Einfluss auf die<br />

Erscheinung des Modells im Bildausschnitt haben.<br />

Ein geringer Schärfentiefebereich kann besonders<br />

Der Gesichtsausdruck ist ein entscheidender Aspekt bei<br />

Beauty-Aufnahmen. Das Licht soll dabei die Konturen<br />

des Gesichts möglichst deutlich hervorheben.<br />

effektvoll sein, wenn Ihr Modell direkt in die<br />

Kamera schaut. <strong>Fotografie</strong>ren Sie das Gesicht<br />

jedoch aus einem Winkel heraus, müssen<br />

wahrscheinlich weiter abblenden, damit sowohl<br />

das Gesicht als auch die Schultern scharf<br />

abgebildet werden. Der New Yorker Beauty-<br />

Fotograf Stephen Eastwood fasst seine<br />

Erfahrungen hier kurz für Sie zusammen (siehe<br />

Kasten rechts).<br />

STEPHEN EASTWOOD<br />

Einsichten des Profis<br />

STEPHEN EASTWOOD ÜBER BEAUTY PORTRÄTS<br />

„Ich beginne bei Beauty-Porträts immer mit einer<br />

Bildserie, bei deren Aufnahme ich das Modell bitte, für<br />

jedes neue Bild bestimmte kleine Änderungen der<br />

Kopfhaltung vorzunehmen. Wir gehen diese Bilder<br />

dann gemeinsam durch und ich zeige und erkläre, wie<br />

und warum solche winzigen Änderungen der Haltung<br />

so große Auswirkungen auf das Ergebnis haben.<br />

Schauen Sie das Gesicht Ihres Modells an und stellen<br />

Sie fest, ob es symmetrisch ist. Ist das der Fall, eignet<br />

sich das Gesicht perfekt für eine frontale<br />

Großaufnahme. Meist sind jedoch kleine Asymmetrien<br />

vorhanden, beispielsweise, dass ein Auge eine<br />

Winzigkeit höher liegt als das andere. Das bedeutet,<br />

dass Sie aus einem Winkel heraus fotografieren<br />

müssen, damit es nicht auffällt. Fragen Sie Ihr Modell,<br />

ob es eine „bessere Seite“ hat – Modelle wissen solche<br />

Dinge. Ich beginne dann mit dieser Seite und probiere<br />

es danach mit der anderen Seite des Gesichts; wenn<br />

mir die besser gefällt, dann zeige ich die Bilder und<br />

erkläre, warum.<br />

Ein verbreiteter Fehler in der Beauty-<strong>Fotografie</strong> ist eine<br />

falsche Augenposition. Mit fallen immer wieder<br />

eigentlich hervorragende Fotos auf, die durch in die<br />

falsche Richtung blickende Augen verdorben werden.<br />

Ich lasse meine Modelle immer in mehrere<br />

unterschiedliche Richtungen schauen, um die perfekte<br />

Blickrichtung für das Foto zu bestimmen. Die<br />

Beleuchtung ist der Schlüssel. Modelle mit relativ<br />

flachem, eckigem Gesicht können mit der Softbox<br />

beleuchtet werden, doch runde Gesichter brauchen<br />

einen Lichtformer, beispielsweise eine Beauty-Dish,<br />

um Schatten und Lichter hervorzubringen. Nachdem<br />

Sie herausgefunden haben, was am besten<br />

funktioniert, kann mit dem Posieren begonnen<br />

werden, wobei Sie die Beleuchtung arrangieren, die<br />

Ihnen vorschwebt."<br />

120 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


PORTRAITS: EXPRESS YOURSELF!<br />

Modeporträts<br />

In der Modefotografie unterscheidet man grundsätzlich<br />

zwei Arten des Posierens: eine, bei der das Modell so<br />

natürlich wie möglich wirken soll und die andere, bei der<br />

die Posen bewusst stark übertrieben eingenommen<br />

werden. Beide können zu ausgezeichneten Ergebnissen<br />

führen; es kommt darauf an, was Sie – oder Ihr Kunde,<br />

falls Sie das Ganze beruflich machen – sich vorstellen.<br />

Beide Aufnahmestile erfordern ein hohes Maß an<br />

Vertrauen zwischen Fotograf und Modell, besonders,<br />

wenn das Modell unerfahren ist. Sie werden Ihr Modell<br />

aufgrund des geforderten Motivs oftmals auffordern<br />

müssen, eher ungewöhnliche Kleidungsstücke zu<br />

tragen, oder von ihm verlangen, eine Position<br />

einzunehmen, die alles andere als natürlich ist.<br />

Erfahrene Modelle wissen das, Familienmitglieder<br />

und Freunde in aller Regel nicht. Erklären Sie deshalb<br />

genau, was Sie tun und warum. Zeigen Sie ihnen<br />

entsprechend gut gelungene Fotos, damit sie Vertrauen<br />

fassen können. Zwar müssen die Modelle auf den<br />

Bildern gut aussehen, doch in der Modefotografie<br />

eindeutig die Bekleidung im Vordergrund. Sie muss<br />

deswegen genau erkennbar sein und korrekt getragen<br />

werden. Nicht geschlossene Knöpfe oder lose Träger<br />

verderben das Foto, ganz gleich, wie gut das Modell<br />

posiert. Wählen Sie eine Örtlichkeit, die zum Stil der<br />

Bekleidung passt.<br />

Ein Sommerkleid passt zu einem Sonnenblumenfeld,<br />

während Jeans und Lederjacke eher zu einer Stadtszene<br />

passen. Das Modell sollte mit der Kulisse interagieren,<br />

sich also etwa gegen eine Wand oder einen<br />

Laternenpfahl lehnen, an einer gerade gepflückten<br />

Blume riechen oder an der Wasserlinie eines Strands<br />

entlang laufen.<br />

Viele der besten Modefotos sehen völlig natürlich aus.<br />

Sie haben Ähnlichkeiten mit Lifestylefotos.<br />

Übertriebene Posen wirken dann, wenn Form und<br />

Design eines Kleidungsstücks stark zur Geltung<br />

kommen sollen. Ausgestreckte Arme, die die Form eines<br />

Oberteils unterstreichen, eine Hand, die in die Falten<br />

eines Rocks oder eines Kleides greift, um das<br />

Kleidungsstück vom Körper wegzuziehen, wirken gut.<br />

Posen werden in der Modefotografie oft bewusst<br />

übertrieben, um dafür zu sorgen, dass die gezeigte<br />

Kleidung möglichst vorteilhaft abgebildet wird.<br />

BRETT HARKNESS<br />

BRETT HARKNESS<br />

Einsichten des Profis<br />

BRETT HARKNESS ÜBER FASHION<br />

PORTRÄTS<br />

„Ich habe zwar auch schon Modeaufnahmen im<br />

Studio gemacht, doch für mich entstehen die<br />

besten Bilder „on location“ ob im Freien oder in<br />

Gebäuden. Hier kann ich die Modelle mit ihrer<br />

Umgebung interagieren lassen.<br />

Sie können sich an eine Säule lehnen, im<br />

Gegenlicht auf eine Fensterbank setzen oder<br />

zielbewusst eine Strasse hinuntergehen. Natürlich<br />

gibt es Situationen, in denen das Modell einfach nur<br />

in einer pittoresken Szene stehen oder sitzen soll,<br />

vor der untergehenden Sonne beispielsweise. Wie<br />

auch immer das Szenario sein mag, „on location“<br />

können Modelle ihre Persönlichkeit besser in<br />

Modefotos einbringen. Es ist ein großer<br />

Unterschied, wenn Sie mit einem erfahrenen<br />

Modell arbeiten können, dass seine Körperformen<br />

einzusetzen weiß. Wenn Sie sich die Kosten eines<br />

Modells nicht leisten können, suchen Sie eine<br />

Tanzschule auf und versuchen Sie dort jemanden<br />

zu finden, um für Sie zu posieren. Wer tanzt, weiß<br />

instinktiv, wie Füße und Arme positioniert werden<br />

müssen und wie eine natürlich wirkende<br />

Körperhaltung eingenommen wird.<br />

Wenn ich nicht gerade eine extrem<br />

ausdrucksstarke Pose haben will, fotografiere ich<br />

meistens so, dass die Modelle ihren Körper in einer<br />

dreiviertel Drehung zur Kamera halten, während<br />

das Gesicht in die Lichtquelle oder die Kamera<br />

schaut. Beginnen Sie, indem Sie das Modell ins<br />

Licht drehen und sich von dieser Grundstellung<br />

ausgehend, die Pose überlegen. Arme und Beine<br />

sind meist am schwersten in die richtige Position zu<br />

bekommen. Manchmal sage ich meinen Modellen,<br />

sie mögen irgendetwas mit den Armen tun, und ich<br />

unterbreche Sie, wenn ich eine für mein Bild<br />

passende Stellung entdeckt habe. Männer können<br />

Sie veranlassen, in die Hocke zu gehen und sich die<br />

eigenen Vorderarme anzuschauen, um selbst den<br />

besten Kamerawinkel, aus dem sie fotografiert<br />

werden sollten, herauszufinden.“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 121


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: DIE KUNST DES POSIERENS<br />

Modern<br />

Glamour<br />

„Sexy“, „flott“ und „frech“ sind<br />

Begriffe, die den Stil „New<br />

Glamour“ beschreiben, der in den<br />

1990er Jahren entstand, als die<br />

Zahl der Lifestyle-Magazine<br />

explosionsartig zunahm. New<br />

Glamour zeichnet sich durch ein<br />

relativ einfaches<br />

Beleuchtungssetup und einfache,<br />

helle Hintergründe aus. Sehr<br />

wichtig ist ein hohes Maß an<br />

Selbstvertrauen der Modelle, denn<br />

Glamour-Fotos betonen bewusst<br />

die Körperformen und die Posen<br />

sind gewagter als in der<br />

Modefotografie.<br />

Arbeiten Sie daher, wenn<br />

möglich, mit erfahrenen<br />

Modellen, besonders dann, wenn<br />

Sie dieses Genre selbst noch nicht<br />

versucht haben. Modelle, die<br />

regelmäßig für diese Art<br />

<strong>Fotografie</strong> posieren wissen,<br />

welche Posen ein erfolgreiches<br />

Bild ausmachen.<br />

Die Bilder sollen Sex Appeal<br />

ausstrahlen, und die Pose eines<br />

Modells kann dies auf<br />

unterschiedliche Weise tun. Das<br />

Durchdrücken des Rückens<br />

betont die Kurven des Körpers<br />

und Brust und Po treten am<br />

deutlichsten hervor. Starker<br />

Augenkontakt und ein<br />

Schmollmund unterstreichen die<br />

Wirkung. Die Bekleidung, eine<br />

Kombination von BH und Shorts<br />

oder von ärmellosen Tops und<br />

Shorts – ein Standard-Outfit jedes<br />

Modells – zeigt Bauch und Beine.<br />

Diese Art des Porträts bezieht ihre<br />

Wirkung aus den suggestiven<br />

Posen der Modelle, nicht aus<br />

Nacktheit.<br />

TOM CALTON<br />

Einsichten des Profis<br />

TOM CARLTON ÜBER GLAMOUR-FOTOS<br />

„Ich mache alle Arten der Porträt-<strong>Fotografie</strong>, doch erst seit<br />

kurzem befasse ich mich auch mit dem relativ neuen Stil „New<br />

Glamour“. Viele Monatsmagazine verbreiten ihn, seit kurzem<br />

auch wöchentlich erscheinende Magazine. Als Modelle dienen<br />

oft Schauspielerinnen aus TV-Soaps. Meistens finden die<br />

Sessions im Studio vor einfachem Hintergrund statt. Ich stelle<br />

meine Modelle vor eine Wand in einer Ecke des Studios und<br />

benutze eine einzelne Softbox. Das Modell lehnt sich gegen die<br />

Wand und nimmt dabei stark akzentuierte, sexy wirkende Posen<br />

ein. Die Modelle sind meist sehr schlank und haben kurvenreiche<br />

Figuren, deren Effekt ich verstärke, indem ich die Modelle<br />

anweisen, die Schultern zurückzuziehen. Die Hände ziehen<br />

meist einen Teil der Bekleidung zur Seite oder spielen in Ihrem<br />

Haar, was die Wirkung des Bildes unterstreicht. Ich mache<br />

ausschließlich Bilder von ganz oder knapp bekleideten Modellen.<br />

Die Bilder wirken am besten, wenn das Modell sein Sex-Appeal<br />

durch die Pose ausstrahlt, nicht durch seine Nacktheit.“<br />

122 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


SO WERDEN SIE ZUM<br />

PORTRÄTEXPERTEN<br />

PORTRÄTS: DIE KUNST DES POSIERENS<br />

Lifestyle-Fotos<br />

Auch die Lifestyle-<strong>Fotografie</strong> entstand in den 1990er<br />

Jahren, als eine neue Generation Fotografen<br />

herangewachsen war, die die statische, sehr stark<br />

durch festgelegte Posen dominierte Porträtfotografie<br />

hinter sich ließ und einen natürlicheren,<br />

entspannteren Stil entwickelte.<br />

Das Geheimnis der Lifestyle-<strong>Fotografie</strong> besteht<br />

darin, es so aussehen zu lassen als seien die<br />

Aufnahmen ungestellt. Die Protagonisten wissen,<br />

dass sie fotografiert werden, doch die Bilder wirken<br />

wie ein Schnappschuss, bei dem keine abgebildeten<br />

Personen weiß, dass ein Foto gemacht wurde. Dieser<br />

Effekt kann auf unterschiedliche Weise erreicht<br />

werden, doch das Wichtigste ist, dass die Modelle<br />

sich wohl fühlen und entspannt sind, bevor Sie<br />

beginnen. Verbringen Sie schon vor der eigentlichen<br />

Fotosession einige Zeit mit ihnen. Wenn möglich,<br />

treffen Sie sich einige Male vor dem eigentlichen<br />

Fototermin, damit Sie sich kennen lernen können.<br />

Das ist besonders wichtig, wenn Kinder dabei sind.<br />

Wenn es dann ernst wird, lassen Sie die Kamera<br />

zunächst eingepackt, trinken etwas, unterhalten sich<br />

ein bisschen und sorgen dafür, dass alle sich<br />

entspannen und enthusiastisch an die Sache<br />

herangehen. Geben Sie keine detaillierten<br />

Anweisungen, wie Sie es bei Porträts tun würden, die<br />

festgelegte Posen erfordern, sondern halten Sie Ihre<br />

Anweisungen allgemein. Denken Sie daran: Ziel ist<br />

es, die Bilder so natürlich wie möglich aussehen zu<br />

lassen. Ob Ihre Modelle stehen, sitzen, liegen oder<br />

gehen, fotografieren Sie sie aus einer großzügigen<br />

Entfernung mit dem langen Ende eines Telezooms,<br />

um die Kamerapräsenz weniger spürbar zu machen,<br />

was zu ungezwungenerem Verhalten führt. Sorgen<br />

Sie dafür, dass viel gelächelt wird und nehmen Sie<br />

leichte Korrekturen an den Positionen von Händen,<br />

Armen oder Beinen vor; auch eine Änderung der<br />

Körperhaltung kann nötig werden, wenn es die<br />

Lichtverhältnisse erfordern. Wenn Sie ein Paar oder<br />

eine Familie fotografieren, lassen Sie die Menschen<br />

miteinander interagieren, oder lassen Sie sie sich<br />

gegenseitig anschauen. Vergessen Sie nicht, sie<br />

ständig zu ermutigen und zu loben, das erhöht das<br />

Selbstvertrauen und lässt Nervosität erst gar nicht<br />

aufkommen. Nur so erreichen Sie natürlich wirkende<br />

Posen.<br />

BRETT HARKNESS<br />

Jeder Lifestyle Fotograf hat seine eigene Arbeitsmethode. Versuchen Sie<br />

einen Blog zu finden, in dem Sie weitere Tipps bekommen. Die natürlichen<br />

Momente einzufangen ist die Quintessenz der Lifestyle <strong>Fotografie</strong>. Es muss<br />

so aussehen, als ob Ihre Modelle den Fotografen gar nicht bemerkt hätten,<br />

so, als hätten Sie die Beteiligten „aus dem Hinterhalt“ fotografiert. Nochmals:<br />

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Interaktion mit den an Ihrer<br />

Lifestyle-Szene beteiligten Personen.<br />

BJORN THOMASSEN<br />

BRETT HARKNESS<br />

Einsichten des Profis<br />

BJÖRN THOMASSEN ÜBER LIFESTYLE-<br />

FOTOGRAFIE<br />

„Mir liegen Lifestyle-Porträts sehr, nirgendwo<br />

sonst treten die Persönlichkeiten der Modelle so<br />

offen zu Tage. Ob Kinder, Teenager oder<br />

Erwachsene, der Lifestyle-Ansatz bietet die<br />

Gelegenheit, den Modellen mehr Freiheiten zu<br />

geben, wie sie für das Bild posieren.<br />

Natürlich ist auch hier Anleitung erforderlich,<br />

doch die sollte zu Beginn erfolgen, ansonsten<br />

nur bei Besonderheiten Ihres Arrangements der<br />

Szene. Natürlich agierende Menschen können<br />

gleichwohl deplatziert wirken, auch dann<br />

müssen Sie mit entsprechenden Instruktionen<br />

helfend eingreifen. Lassen Sie die Modelle<br />

Aktionen ausführen, die sie ablenken, sodass sie<br />

sich der Kamera weniger bewusst sind. Wenn<br />

eine Aktion beendet ist, sollten die Modelle ihren<br />

Gesichtsausdruck für eine zusätzliche Sekunde<br />

beibehalten. Falls Sie „normale“ Menschen<br />

fotografieren, keine professionellen Modelle,<br />

sind mehr Instruktionen erforderlich, doch ich<br />

sorge immer für eine entspannte Atmosphäre<br />

und für gute Stimmung, damit sich jeder<br />

wohlfühlen kann. Die besten Bilder ergeben sich<br />

fast immer nach einem Moment der<br />

Spontaneität – wenn jemand beispielsweise<br />

eine scherzhafte Bemerkung gemacht hat. Das<br />

ist der Augenblick, wenn Menschen am<br />

natürlichsten aussehen, weil Sie vergessen, dass<br />

sie fotografiert werden.<br />

Die Kunst der Lifestyle <strong>Fotografie</strong> besteht im<br />

Wesentlichen daraus, ein gutes Auge für die<br />

Bildkomposition zu haben, verbunden mit der<br />

Fähigkeit, das Bild im richtigen Augenblick zu<br />

schießen, genau dann, wenn etwas Besonderes<br />

passiert. Es ist ein Fotostil, bei dem die Beziehung<br />

zwischen dem Fotografen und den<br />

Protagonisten die entscheidende Rolle spielt,<br />

obwohl deutlich weniger Direktiven gegeben<br />

werden als bei anderen Formen der<br />

Porträtfotografie. Mit der richtigen Ausgestaltung<br />

dieser Beziehung steht und fällt der Erfolg Ihres<br />

Vorhabens.“<br />

BJORN THOMASSEN<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 123


Expertenmeinungen<br />

RATSCHLÄGE FÜR BESSERE FOTOS<br />

UNSERE<br />

EXPERTEN<br />

DANIEL LEZANO<br />

Seit etlichen Jahren<br />

ständiges<br />

Jurymitglied<br />

mehrerer nationaler<br />

Fotowettbewerbe.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Fotograf und<br />

Buchautor,<br />

spezialisiert auf<br />

Natur-, Makro- und<br />

Landschaftsfotos<br />

LEE FROST<br />

Seit mehreren<br />

Jahren Fotograf<br />

und Buchautor<br />

JORDAN<br />

BUTTERS<br />

Motorsport-<br />

Fanatiker und<br />

Photoshop-Experte.<br />

BATH ABBEY<br />

Von Andrew Bowkett<br />

Kamera: Nikon D7000<br />

Objektiv: Sigma 18-50mm f/2.8-4.5 HSM<br />

Belichtung: 166 Sekunden bei Blende f/22<br />

und ISO 100<br />

ANDREW BOWKET: „Es sollte ein<br />

Foto der Klosterkirche von Bath<br />

werden, aber es waren<br />

Sommerferien, und mir war klar,<br />

dass es dort zugehen würde wie<br />

im Taubenschlag. Ich benutzte ein Glas<br />

einer Schweißerbrille als Filter, um eine<br />

extrem lange Verschlusszeit zu bekommen,<br />

die den größten Teil der Menschenmenge<br />

verschwinden lassen würde."<br />

LEE FROST: Mir gefällt die Idee, eine so<br />

lange Verschlusszeit zu nutzen, dass die<br />

Menschenmenge sich „auflöst“. Es hätte<br />

auch fast geklappt, und bis auf ein paar<br />

geisterhafte Gestalten, die sich während<br />

der Aufnahme kaum bewegt haben, ist<br />

der Platz menschenleer. Ich mag solche<br />

Bilder, weil sie etwas Geheimnisvolles<br />

haben Auch die Streifen am Himmel<br />

gefallen mir, sie sind ebenfalls ein Ergebnis<br />

der langen Verschlusszeit, weil die Wolken<br />

durch den Bildausschnitt gezogen sind.<br />

Ich würde das Foto allerdings etwas<br />

zuschneiden. Die Werbetafel links unten<br />

im Bild ist störend und muss weg,<br />

außerdem steht die Kathedrale in Andrews<br />

Bild zu weit rechts und könnte durch<br />

entsprechenden Zuschnitt in die Bildmitte<br />

gerückt werden. Dadurch geht zwar ein<br />

Teil des Himmels verloren, doch die<br />

Bildkomposition würde insgesamt<br />

überzeugender wirken. Zum Schluss<br />

würde ich den Himmel retuschieren, der<br />

mit kleinen Flecken übersät ist, vermutlich<br />

durch Schmutz auf dem Kamerasensor,<br />

der gereinigt werden sollte.<br />

Urteil: Eine gute Idee, die sich gelohnt<br />

hat – die geschickte Aufnahmetechnik<br />

ergab ein großartiges Bild.<br />

ROSS HODDINOTT: Ich verstehe nicht<br />

viel von Architekturfotografie, doch ich<br />

halte dies für eine sehr gelungene<br />

Bildkomposition. Die Langzeitbelichtung<br />

hat für einen fantastischen Himmel<br />

❝<br />

Die Werbetafel links<br />

unten im Bild ist störend<br />

und muss weg, außerdem<br />

steht die Kathedrale in<br />

Andrews Bild zu weit<br />

rechts und könnte durch<br />

entsprechenden Zuschnitt<br />

in die Bildmitte gerückt<br />

werden. LEE FROST<br />

❞<br />

gesorgt, während die Konvertierung in<br />

Schwarzweiß das Bild vereinfacht und<br />

dadurch die wundervolle Architektur der<br />

Kathedrale hervorhebt. Falls eine<br />

Verzerrung vorhanden war, wurde sie gut<br />

korrigiert, und die Langzeitbelichtung hat<br />

die Menschenmenge nahezu bis zur<br />

Unkenntlichkeit verschwimmen lassen.<br />

Ich frage mich nur, ob eine kürzere<br />

Verschlusszeit besser gewesen wäre, da<br />

die unscharfen Figuren im Vordergrund<br />

etwas zu viel Bewegung und Unruhe<br />

erzeugen. Dafür hätte eine Verschlusszeit<br />

von nur einigen Sekunden genügt, anstatt<br />

einiger Minuten. Wie auch immer, ein sehr<br />

interessantes Bild.<br />

Urteil: Ein gut gelungenes Foto, doch<br />

die Einbeziehung der Menschenmenge<br />

hätte vielleicht ein noch interessanteres<br />

Foto ergeben.<br />

Nachbearbeitung<br />

QUADRATISCHER<br />

ZUSCHNITT<br />

Scheuen Sie sich nicht, von dem<br />

Standard- Seitenverhältnis von 3:2<br />

abzuweichen. Viele Fotografen<br />

bevorzugen bei künstlerischen<br />

Motiven den quadratischen<br />

Zuschnitt. Er wirkt auch sehr gut<br />

bei lange <strong>belichtet</strong>en<br />

Schwarzweißbildern, Beispiele<br />

dafür finden Sie auf:<br />

www.leefrost.co.uk<br />

124 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


HERBSTPORTRÄT<br />

Von Anna Allan<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: Sigma 50mm 1.4 EX DG HSM<br />

Belichtung: 1/640 Sek. bei Blende f/2.8 und ISO 1600<br />

ANNA ALLAN: „Es war im<br />

Herbst und meine Tochter<br />

spielte auf einer mit Laub<br />

übersäten Wiese im Park. Für<br />

dieses Foto stand sie im Schatten<br />

und ich benutzte eine hohe ISO-<br />

Empfindlichkeit, um eine kurze<br />

Verschlusszeit zu erreichen. Die Schärfe ist<br />

nicht hundertprozentig, obwohl ich genau<br />

auf das linke Auge scharfgestellt habe. Kann<br />

es sein, dass das Objektiv kalibriert werden<br />

muss?"<br />

LEE FROST: Das ist ein sehr schönes<br />

Kinderporträt. Mir gefällt der glückliche,<br />

natürliche Gesichtsausdruck. Die Augen<br />

lassen erkennen, wie viel Spaß die Kleine<br />

hat. Dieses Bild drückt das Glück der<br />

Kindheit sehr schön aus. Auch das Licht ist<br />

perfekt; weich das Gesicht<br />

umschmeichelnd, erzeugt es durch den<br />

hellen Hintergrund einen leichten<br />

Gegenlichteffekt. Es wurde eine kurze<br />

Verschlusszeit erwähnt, um die Blätter<br />

einzufrieren, aber ich sehe gar keine Blätter,<br />

die in die Luft geworfen werden. Das ist<br />

keine Kritik, denn es ist ein exzellentes<br />

Portrait, doch ein bisschen mehr Action<br />

wäre schön gewesen, besonders wenn das<br />

ohnehin beabsichtigt war. Vielleicht hätte<br />

auch ein Mantel mit bunten Farben besser<br />

gewirkt. Einerseits gefallen mir die<br />

neutralen Farben des Bildes, andererseits<br />

denke ich, ein knalliges Rot würde es<br />

lebendiger machen. Da keine Blätter in der<br />

Luft herumfliegen, würde ich die Blatt-<br />

Fragmente auf dem Mantelkragen<br />

entfernen, um ein aufgeräumteres Bild zu<br />

bekommen. Was die mangelnde Schärfe<br />

des Gesichts betrifft – für mich geht die<br />

Schärfe in Ordnung. Bei einer so großen<br />

Blende wie f/2.8 ist der<br />

Schärfentiefebereich so klein, dass man<br />

Aufnahmetechnik<br />

❝<br />

Ein weiteres Foto, auf dem viele Blätter durch die Luft fliegen, wäre schön,<br />

damit hätte man ein hübsches Diptychon arrangieren können.<br />

❞<br />

JORDAN BUTTERS<br />

DIE ACTION EINFANGEN<br />

Ein Foto, dass den Moment, in dem<br />

etwas in die Luft geworfen wird,<br />

richtig einfangen soll, erfordert eine<br />

Verschlusszeit, die kurz genug ist,<br />

die Action einzufrieren – 1/500<br />

Sekunde oder noch kürzere Zeiten<br />

sind hier gefragt. Um solche Zeiten<br />

zu bekommen, können Sie guten<br />

Gewissens die ISO-Empfindlichkeit<br />

erhöhen – moderne Kameras haben<br />

eine sehr gute<br />

Rauschunterdrückung und bei<br />

einem derartigen Motiv ist ein<br />

scharfes Foto wichtig, minimales<br />

Bildrauschen ist tolerierbar.<br />

keine übertrieben hohen Ansprüche an die<br />

Schärfe stellen sollte.<br />

Urteil: Ein schönes Portrait eines sehr<br />

glücklichen kleinen Mädchens.<br />

JORDAN BUTTERS: Der Herbst ist eine<br />

großartige Jahreszeit für Outdoor-Porträts<br />

– einen schöneren Hintergrund als die<br />

goldenen Herbstfarben der Bäume kann<br />

man sich kaum wünschen. Hier ist ein<br />

fantastischer Moment eingefangen worden.<br />

Da das Kind nicht direkt in der Sonne steht,<br />

gibt es keine harten Schatten, was zu einem<br />

sehr schönen weichen Licht auf dem<br />

Gesicht führt. Was die Aufmerksamkeit des<br />

Betrachters hier wirklich fesselt, ist die<br />

Offenheit des Gesichtsausdrucks – man<br />

kann tatsächlich erkennen, dass das Kind<br />

einen Riesenspaß hat. Ein bisschen Action<br />

hätte dem Bild jedoch nicht geschadet,<br />

besonders wenn das ohnehin beabsichtigt<br />

war. Ein weiteres Foto, auf dem viele Blätter<br />

durch die Luft fliegen, wäre schön gewesen,<br />

damit hätte man ein hübsches Diptychon<br />

arrangieren können. Ein Wort zu der<br />

erwähnten leichten Unschärfe: Es könnte<br />

sein, dass das Kind nach dem Scharfstellen<br />

den Kopf leicht nach vorn bewegt hat. Doch<br />

man kann nicht ausschließen, dass es am<br />

Objektiv liegt könnte und dass die<br />

verwendete Kombination von Kamera und<br />

Objektiv kalibriert werden muss.<br />

Urteil: Ein sehr schönes, natürliches<br />

Kinderporträt fürs Familienalbum<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 125


Expertenmeinungen<br />

CAISTER BEACH<br />

Von Steve Sutherland<br />

Kamera: Nikon D3100<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 18-55mm f/3.5-5.6 VR<br />

Belichtung: 20 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100<br />

STEVE SUTHERLAND: „Ich hatte mich früh<br />

genug aus dem Bett gerollt, um einen<br />

Sonnenaufgang an der Küste zu<br />

fotografieren und stand nun vor der Wahl,<br />

die Felsbrocken von Caister Beach<br />

entweder als attraktiven Vordergrund zu benutzen, oder<br />

als Führungslinie. Ich entschied mich dafür, das Ende der<br />

Felsbrocken-Linie an den Horizont zu verlegen. Der<br />

Horizont führt den Blick zurück zu den Offshore-<br />

Windkraftanlagen links im Bild und von dort nach oben in<br />

den Morgenhimmel.“<br />

LEE FROST: Von Robert Capa, einem der<br />

weltbesten Bildjournalisten seiner Zeit, stammt<br />

der Satz: „Wenn deine Bilder nicht gut genug<br />

sind, warst du nicht nah genug dran.” Das gilt<br />

nicht nur für sein Metier, sondern die gesamte<br />

<strong>Fotografie</strong> einschließlich der<br />

Landschaftsfotografie. Dieses Motiv hat großes<br />

Potenzial, doch das Bild ist verpatzt, entweder<br />

aus Unentschlossenheit oder weil die Kamera<br />

nicht nah genug dran war. Bitte nicht falsch<br />

verstehen; das Licht ist perfekt und die Farben<br />

hervorragend, wenn auch ein wenig nach<br />

Magenta tendierend. Nur die Bildkomposition<br />

ist langweilig. Ich sehe die vom Meer<br />

umspülten Felsen am Strand und denke:<br />

„Warum bloß hat er die nicht in den<br />

Vordergrund geholt?“ Das hätte einen<br />

faszinierenden Effekt ergeben, weil sie die<br />

Farben des Himmels reflektieren, während das<br />

Meerwasser sie umfließt. Natürlich wäre dann<br />

weniger Himmel zu sehen gewesen, doch ein<br />

ausdrucksstärkerer Vordergrund hätte<br />

insgesamt ein besseres Bild ergeben. Dieser<br />

Fehler wird bei Landschaftsaufnahmen häufig<br />

gemacht. Es wird versucht, zu viel in den<br />

Bildausschnitt einzubeziehen, zu Lasten der<br />

Wirkung des Motivs. Für einen starken<br />

Vordergrund müssen seine Elemente<br />

identifizierbar sein, also geht man nah heran,<br />

was bei dieser Szene eigentlich eine<br />

Selbstverständlichkeit wäre.<br />

Urteil: Fantastisches Licht und ebensolche<br />

Farben, aber eine fantasielose<br />

Bildkomposition.<br />

ROSS HODDINOTT: Ein sehr schöner<br />

Himmel und ein guter Kamerastandpunkt. Für<br />

meinen Geschmack hat der Himmel etwas<br />

zuviel Magenta. Das kann an der Farbbalance<br />

liegen oder das Ergebnis zweier kombinierter<br />

Graufilter sein, wodurch manchmal ein<br />

Farbstich entsteht. Der ist in diesem Fall zwar<br />

nicht unattraktiv, aber ich hätte ihn etwas<br />

abgeschwächt. Ansonsten ist an dem Bild<br />

wenig auszusetzen, man hätte nur eine<br />

ausdrucksstärkere Bildkomposition finden<br />

können. Die Sandfläche im Vordergrund ist<br />

ziemlich zertrampelt und ich frage mich, ob<br />

man mit der Kamera etwas näher am Wasser<br />

eine aufgeräumtere Komposition erreicht<br />

hätte. Wasser und nasser Sand eignen sich bei<br />

dunklen Lichtverhältnissen oft besser als<br />

Vordergrund, weil sie ihn durch Reflexion des<br />

Lichts aufhellen und ihm gleichzeitig Farbe<br />

geben.<br />

Urteil: Ein hübsches Foto, das bei höherem<br />

Wasserstand besser gelungen wäre. Ein<br />

Kamerastandpunkt näher am Wasser hätte<br />

einen aufgeräumteren Vordergrund<br />

gebracht.<br />

Aufnahmetechnik<br />

ATTRAKTIVER VORDERGRUND<br />

Wenn Sie einen farbenfrohen Himmel vor sich<br />

haben, ist es nur verständlich, dass Sie so viel<br />

wie möglich davon in den Bildausschnitt<br />

bekommen wollen. Das bedeutet eine<br />

Weitwinkelaufnahme, was wiederum dazu<br />

führt, dass interessante Objekte sich weiter<br />

entfernt zu befinden scheinen. Die Lösung des<br />

Problems? Sehr nah herangehen. Nasse Felsen<br />

ergeben einen perfekten Vordergrund, weil sie<br />

Licht und Farben reflektieren. Nun noch eine<br />

Langzeitbelichtung dazu, um die auflaufende<br />

Flut adäquat aufzunehmen, und Sie haben alle<br />

notwendigen Zutaten für ein gelungenes Foto.<br />

❝<br />

Die Sandfläche im<br />

Vordergrund ist ziemlich<br />

zertrampelt und ich frage mich,<br />

ob man mit der Kamera etwas<br />

näher am Wasser eine<br />

aufgeräumtere Bildkomposition<br />

erreicht hätte. ROSS HODDINOTT<br />

❞<br />

ROSS HODDINOTT<br />

126 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


MOSELEY BOG<br />

Von Ian Bower<br />

Kamera: Olympus E-1<br />

Objektiv: Zuiko 14-54mm Mk I lens<br />

Belichtung: 1/60 Sekunde bei Blende f/6.3 und ISO 200<br />

Ian Bower: „Das Bild entstand im<br />

Naturschutzgebiet Moseley Bog bei<br />

Birmingham. Man sagt, die Gegend<br />

habe Tolkien bei der Erfindung des<br />

Auenlandes seines Fantasie-Kontinents<br />

„Mittelerde“ inspiriert. Das Foto wurde in Lightroom<br />

aus einer Raw-Datei konvertiert und dann mit<br />

Photoshop und Picasa bearbeitet.“<br />

DANIEL LEZANO: Diese spezielle<br />

Aufnahmetechnik mit einem senkrechten<br />

Schwenk bei langer Verschlusszeit sollten Sie<br />

ausprobieren. Sie ist zwar nicht neu, macht aber<br />

Spaß und liefert immer neue Ergebnisse. Sie<br />

eignet sich auch für schlechtes Wetter, z. B.<br />

wenn Sie sich vor dem Regen untergestellt<br />

haben, statt aufzugeben und nach Hause zu<br />

fahren. Mir gefällt dieses Bild sehr, es zeigt ein<br />

gelungenes abstraktes Motiv. Das Hochformat<br />

unterstreicht die vertikalen Linien der<br />

Baumstämme und das durch den<br />

Kameraschwenk verwischte Blattwerk dahinter<br />

erzeugt den Eindruck eines gemalten Bildes,<br />

wobei Blätter und Baumstämme an manchen<br />

Stellen ineinander übergehen. Zwei Dinge<br />

würde ich allerdings ändern: Erstens sind mir<br />

die Farben etwas zu stark geraten, das Grün ist<br />

für meinen Geschmack zu grell und sieht<br />

unrealistisch aus. Ich würde die Farbsättigung<br />

Nachbearbeitung<br />

WEISSABGLEICH<br />

Beide Experten mögen das Bild, sind aber<br />

der Auffassung, das Grün sei zu<br />

dominierend. Doch da es sich um eine<br />

Raw-Datei handelt, ist das Problem schnell<br />

gelöst. Jede Raw-Software gestattet nicht<br />

nur die Anpassung der Farbtemperatur,<br />

sondern auch die der Farbtöne. Ein wenig<br />

Magenta neutralisiert in diesem Fall den<br />

Grünstich.<br />

❝<br />

Diese spezielle Aufnahmetechnik mit einem<br />

senkrechten Schwenk bei langer Verschlusszeit sollten<br />

Sie ausprobieren. DANIEL LEZANO<br />

❞<br />

reduzieren. Zweitens stört der Baum ganz links<br />

im Bild. Er ist heller als die anderen Bäume,<br />

außerdem steht er isoliert, worunter die<br />

Ausgewogenheit des Bildes leidet.<br />

Nachdunkeln könnte helfen, doch ich denke,<br />

das Beste wäre es, ihn ganz aus dem Bild zu<br />

nehmen. Das würde auch die Balance der<br />

Bildkomposition verbessern. Das Foto, stark<br />

vergrößert und auf Leinwand gezogen, würde<br />

ein sehr schönes Wandbild abgeben.<br />

Urteil: Ein attraktives, abstraktes Foto, an dem<br />

nur ein paar kleinere Korrekturen<br />

vorgenommen werden sollten.<br />

ROSS HODDINOTT: Entweder man mag<br />

diese Fotos, deren Wirkung auf<br />

Kameraschwenks während der Belichtung<br />

beruht, oder man mag sie nicht. Mir gefällt die<br />

Andeutung von Impressionismus, ein Effekt, der<br />

sich aufgrund der Kamerabewegung einstellt.<br />

Diese Aufnahmetechnik ist für Bäume als Motiv<br />

besonders geeignet. In diesem Fall ist das<br />

Arrangement gut gelungen und die Intensität<br />

der Bewegung ist genau richtig, nicht zu viel<br />

und nicht zu wenig. Allerdings rauscht das Foto<br />

etwas. Eigentlich sollte man mit der<br />

Rauschunterdrückung ziemlich vorsichtig sein,<br />

weil sie Details verschluckt. Doch in diesem Fall<br />

wäre eine gesunde Portion<br />

Rauschunterdrückung bei der Nachbearbeitung<br />

durchaus angebracht gewesen, denn es liegt in<br />

der Natur der Sache, dass es bei dieser<br />

Aufnahmetechnik nicht viele Details gibt, die<br />

verlorengehen könnten. Ich würde auch etwas<br />

an der Farbbalance schrauben, denn auch für<br />

meinen Geschmack ist das Grün etwas zu<br />

intensiv. Ich würde etwas Magenta hinzugeben,<br />

um den Farbstich zu neutralisieren.<br />

Urteil: Ein sehr schönes künstlerisch<br />

abstraktes Foto. Justieren des Weißabgleichs<br />

und etwas Rauschunterdrückung würden es<br />

noch verbessern.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 127


Expertenmeinungen<br />

RATSCHLÄGE FÜR BESSERE FOTOS<br />

MJÖLNIR<br />

Von Grant Brodie<br />

Kamera: Nikon D7000<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35 mm f/4G ED<br />

Belichtung: 1/40 Sekunde bei Blende f/16<br />

und ISO 200<br />

Grant Brodie: „Meine Frau und<br />

ich fuhren durch den Skaftafell<br />

National Park in Island, als mir<br />

dieser Felsen mitten in der<br />

Landschaft auffiel. Selbst mit<br />

Weitwinkelobjektiv hatte ich<br />

Schwierigkeiten, den Vordergrund, die<br />

Felsformation und die Wolken ins Bild zu<br />

bekommen. Also montierte ich das Fisheye<br />

und ging sehr nah heran, wobei ich<br />

trotzdem alle gewünschten Bildelemente<br />

im Sucher hatte.“<br />

LEE FROST: Das ist mal eine dramatische<br />

Szene! Der riesige Monolith vor diesem<br />

Himmel sieht umwerfend aus. Solche<br />

dünnen, weißen Wolken sind der Traum<br />

eines jeden Fotografen. Der Einsatz des<br />

Polfilters erwies sich hier als genau richtig,<br />

denn er intensiviert das Blau des Himmels,<br />

vor dem sich die Wolken dann umso besser<br />

abheben. Mein erster Eindruck ist aber auch,<br />

dass der Vordergrund zu leer aussieht,<br />

deswegen würde ich das Foto so<br />

zuschneiden, das der größte Teil des<br />

Vordergrunds wegfiele, wodurch ein<br />

panoramaähnliches Bild entstünde.<br />

Außerdem verbesserte das die<br />

Bildkomposition, weil der Felsen<br />

prominenter ins Bild rücken würde.<br />

Das Licht ist nicht das Beste, was Farben und<br />

Dramatik angeht, doch der Himmel wiegt<br />

diesen Mangel mehr als auf und im Übrigen<br />

kann man an den in einer weitläufigen<br />

Landschaft herrschenden<br />

Lichtverhältnissen beim besten Willen<br />

nichts ändern. Ich würde allerdings darüber<br />

nachdenken, das Bild in Schwarzweiß zu<br />

konvertieren, das würde das Problem der<br />

etwas stumpfen Farben beseitigen – Blau<br />

und Grün ist ohnehin nicht die beste<br />

Farbkombination in einem Landschaftsfoto.<br />

Der Himmel sähe zweifellos auch in<br />

Schwarzweiß hervorragend aus. Insgesamt<br />

würde das Bild dadurch künstlerischer<br />

wirken und weniger den Eindruck einer<br />

Postkarte machen. Konvertierungssoftware<br />

wie „Silver Efex Pro“ und „Perfect Black &<br />

White“, die über viele Voreinstellungen zur<br />

Konvertierung verfügen, machen den<br />

Prozess zu einem Kinderspiel und bieten<br />

trotzdem genug Spielraum für eigene<br />

Experimente zur Verbesserung des<br />

Ergebnisses. Ich würde vielleicht einen<br />

Rot- oder Orange-Filter hinzunehmen, um<br />

den Himmel noch dramatischer zu<br />

gestalten oder eine Voreinstellung<br />

verwenden, die den Kontrast und die<br />

❝<br />

Ich würde darüber<br />

nachdenken, das Bild in<br />

Schwarzweiß zu<br />

konvertieren, um das<br />

Problem der etwas stumpfen<br />

Farben zu beseitigen. LEE FROST<br />

❞<br />

Darstellung der Details verbessert.<br />

Urteil: Einfach und dramatisch, vielleicht<br />

hätte das Bild noch eine bessere Wirkung<br />

in Schwarzweiß.<br />

ROSS HODDINOTT: Es ist nicht schwer<br />

zu erkennen, warum diese Szene so fotogen<br />

ist. Mit gefällt die dramatische Form des<br />

Felsens; die Wolkenformationen am<br />

Himmel sind fantastisch – sie rahmen den<br />

Felsen geradezu ein. Es gibt jedoch etwas an<br />

dem Bild, das mir zu schaffen macht, ohne<br />

es genau beschreiben zu können. Vielleicht<br />

ist der Berg zu genau in der Mitte, oder ist<br />

der Vordergrund zu leer und zu redundant?<br />

Vielleicht hätten etwas mehr Himmel und<br />

etwas weniger Vordergrund dem Bild<br />

besser getan. Natürlich wäre die Verzerrung<br />

bei einem steiler in den Himmel gerichteten<br />

Fisheye noch größer gewesen, doch<br />

insgesamt wäre das Motiv wohl dadurch<br />

aufgewertet worden. Vermutlich wäre auch<br />

die Wirkung der Proportionen besser<br />

gewesen. Der Himmel ist für meinen<br />

Geschmack etwas zu dunkel, denn er ist<br />

überpolarisiert. Beim Farbfoto sieht das ein<br />

bisschen unnatürlich aus, doch in<br />

Schwarzweiß würde es die Dramatik des<br />

Fotos wohl erhöhen.<br />

Urteil: Ein gutes Bild, doch man hätte<br />

mehr daraus machen können. Die<br />

Perspektive hätte sich stärker auf den<br />

Himmel als auf den Vordergrund<br />

ausrichten sollen.<br />

Nachbearbeitung<br />

BILDKOMPOSITION<br />

Hier wurde ganz offensichtlich die<br />

bewährte Drittelregel angewandt,<br />

die aber, wie dieses Beispiel zeigt,<br />

nicht immer zum besten Ergebnis<br />

führt. Das Abwägen der Wirkung<br />

des attraktiven Himmels und des<br />

eintönigen Vordergrunds hätte<br />

eigentlich dazu führen müssen,<br />

die Kamera weiter nach oben zu<br />

richten, was den<br />

Vordergrundanteil des Fotos<br />

zugunsten des Hintergrunds<br />

verkleinert hätte. Dabei wären die<br />

Wolkenformationen durch die<br />

Fisheye-Optik noch stärker<br />

akzentuiert worden und der<br />

langweilige Vordergrund wäre<br />

verschwunden. Doch das Bild ist<br />

keineswegs schlecht, denn allein<br />

durch Zuschneiden lässt sich das<br />

Hauptproblem lösen und die<br />

Schwarzweiß-Konversion wäre<br />

das Sahnehäubchen obendrauf.<br />

128 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


FELICIA<br />

Von Sue Morgan<br />

Kamera: Canon EOS 7D<br />

Objektiv: Canon EF 24-70mm f/2.8L<br />

Belichtung: 1/320 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 200<br />

Sue Morgan: „Es war in Griechenland,<br />

im Garten meiner Schwägerin, als ich<br />

nach einem Regenschauer diese<br />

Kapaster (Felicia amelloides) erblickte.<br />

Sie war noch von Regentropfen<br />

benetzt. Die Blütenblätter hoben sich gegen das<br />

Blattwerk ab. Ich benutzte eine große Blende, um<br />

dieses einfache Motiv ohne visuelle Ablenkung<br />

durch ein weiteres Objekt ins Bild zu setzen.“<br />

DANIEL LEZANO: Blumen und Regentropfen sind<br />

eine unwiderstehliche Kombination. Die Farbe der<br />

Blume fällt ins Auge, die kleinen Wassertropfen<br />

geben einen Maßstab, machen das Motiv attraktiver<br />

und ergeben ein schönes Bild. Die große Blende, um<br />

den Hintergrund unscharf abzubilden und die<br />

gesamte Aufmerksamkeit des Betrachters auf die<br />

Blume zu lenken, ist die Standardprozedur für dieses<br />

Motiv. Doch die Blume ist nicht groß genug im Bild<br />

und sieht ein bisschen verloren aus. Die<br />

Teleeinstellung des hier verwendeten Standard-<br />

Zoomobjektivs vergrößerte leider nicht stark genug.<br />

In Situationen wie dieser empfiehlt es sich, eine<br />

Nahlinse oder Zwischenringe zu benutzen, die die<br />

minimale Arbeitsdistanz des Objektivs verringern,<br />

wodurch man näher an das Motiv herangehen kann.<br />

Außerdem lassen sich damit unterschiedliche<br />

Kamerastandpunkte ausprobieren; eine Blume wie<br />

diese, seitlich aufgenommen, kann ebenfalls sehr<br />

gut aussehen.<br />

Urteil: Die Blume müsste etwas größer im Bild<br />

sein, dann würde das Bild mehr Eindruck<br />

machen.<br />

LEE FROST: Das ist ganz einfach ein schönes Bild.<br />

Ein solches Foto zu machen ist nicht schwer, aber<br />

wenn es sich aus der Mittelmäßigkeit herausheben<br />

soll, braucht es etwas, wodurch es visuell<br />

aufgewertet wird. Dieses Bild hat es. Das Licht auf<br />

der Blume ist sehr schön, typisch für das nach<br />

einem Regenschauer durch die Wolken brechende<br />

Sonnenlicht. Es lässt die Blütenblätter sogar ein<br />

wenig schimmern. Die glänzenden Regentropfen<br />

unterstreichen die Zartheit der Pflanze und geben<br />

dem Bild außerdem mehr Tiefe. Die leichte<br />

Asymmetrie, die entsteht, weil nicht alle<br />

Blütenblätter von Tropfen bedeckt sind, trägt ihren<br />

Teil zur Attraktivität des Fotos bei. Der unscharfe<br />

Hintergrund in Verbindung mit den dunklen<br />

Farbtönen rückt die Blüte in den Mittelpunkt. Das<br />

Einzige, das mir nicht gefällt, ist, dass sie nicht mehr<br />

Platz im Bild beansprucht. Warum soviel<br />

Hintergrundfläche? Das verschlechtert den<br />

Gesamteindruck des Bildes. Wahrscheinlich konnte<br />

man mit dem verwendeten Objektiv nicht näher<br />

heran. Wie auch immer, durch entsprechendes<br />

Zuschneiden des Fotos hätte dieses Manko<br />

ausgeglichen werden können. Die Auflösung einer<br />

Canon EOS 7D ist definitiv hoch genug, die Blüte in<br />

der Nachbearbeitung entsprechend zu vergrößern,<br />

ohne dass ein Verlust an Abbildungsqualität<br />

auftreten würde.<br />

Urteil: Großartige Farben und bestes Licht. Es ist<br />

ein Bildzuschnitt erforderlich, um die Blume<br />

besser zur Geltung zu bringen.<br />

❝<br />

Die Farbe der Blume fällt ins Auge, die kleinen<br />

Wassertropfen geben einen Maßstab und machen das Motiv<br />

noch attraktiver. DANIEL LEZANO<br />

❞<br />

Aufnahmetechnik<br />

NOCH NÄHER RAN!<br />

Damit Makroaufnahmen ihre Wirkung entfalten, müssen Sie nah heran gehen<br />

– sehr nah heran! Leider ist bei einem Standard-Zoomobjektiv die Grenze der<br />

kürzesten Arbeitsentfernung, schnell erreicht. Wir empfehlen aus diesem<br />

Grund für den Anfang preiswerte, manuelle Zwischenringe in Verbindung mit<br />

Ihrem Standard-Objektiv, bevor Sie sich, wenn Ihnen die Makrofotografie<br />

zusagt, vielleicht für die Anschaffung eines – teuren – Makroobjektivs<br />

entscheiden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 129


Expertenmeinungen<br />

STÜRMISCHE HIMMEL<br />

Von Steven Chatman<br />

Kamera: Canon EOS 50D<br />

Objektiv: Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 USM<br />

Belichtung: 0.6 ekunden bei Blende f/10 und ISO 100<br />

Steven Chatman:„Auf diese alte Eiche hatte<br />

ich schon lange ein Auge geworfen. Alles was<br />

mir lange zu meinem geplanten Motiv fehlte,<br />

waren ein bedeckter Himmel und eine steife<br />

Brise, die Bewegung in das Bild bringen sollte.<br />

Als es soweit war, benutzte ich einen 0.9ND Graufilter, um die<br />

Verschlusszeit auszudehnen und einen weiteren 0.9ND<br />

Grauverlaufsfilter, um die Intensität des Himmels im Rahmen<br />

des Dynamikumfangs meiner Kamera zu halten.“<br />

LEE FROST: Ich mag dramatische Schwarzweiß-<br />

Landschaften, deshalb gefiel mir das Bild auf<br />

Anhieb. Es zeigt ein geradliniges, beeindruckendes<br />

Motiv, man wird geradezu in das Bild<br />

hineingezogen. Es steht und fällt mit den<br />

Lichtverhältnissen – die Sonne bricht durch einen<br />

bedrohlichen Himmel auf den Vordergrund.<br />

Normalerweise ist der Himmel heller als die<br />

Landschaft, hier ist es umgekehrt. Der weiche<br />

Verlaufsfilter für den Himmel betont die<br />

Sturmwolken, ohne sie zu überzeichnen. Mir gefällt<br />

außerdem die leichte Bewegungsunschärfe im<br />

Vordergrund, die als Folge der verlängerten<br />

Verschlusszeit durch den Graufilter möglich wurde.<br />

Über die Bildkomposition bin ich mir weniger im<br />

Klaren. Die Eiche ist natürlich der Fixpunkt und<br />

wirkt als solcher sehr gut, auch weil der Stamm das<br />

Licht reflektiert. Grundsätzlich sehe ich das obere<br />

rechte Drittel als die bessere Position für einen<br />

Fixpunkt, doch hier wurde das obere linke Drittel<br />

benutzt. Das menschliche Auge betrachtet ein Bild<br />

generell von links nach rechts. Befindet sich der<br />

Fixpunkt in der linken Bildhälfte, gleitet der Blick<br />

darüber hinweg und wird danach nicht<br />

weitergeführt. Befindet sich der Fixpunkte jedoch in<br />

der rechten Bildhälfte, wandert der Blick durch das<br />

Bild, um den Fixpunkt zu erreichen. Ich würde das<br />

Bild quadratisch zuschneiden, weil die rechte,<br />

durch das Getreide führende Linie sehr dominant<br />

ist und das Auge vom Baum weg leitet. Nach dem<br />

Zuschnitt jedoch führen die verbliebenen Linien<br />

das Auge durch die Szene zu dem Baum, wenn<br />

auch nicht direkt. Dadurch wird der Nachteil, dass<br />

der Baum in der linken Bildhälfte steht, teilweise<br />

ausgeglichen.<br />

Urteil: Ein dramatisches Landschaftsfoto, das<br />

durch den richtigen Bildzuschnitt verbessert<br />

werden kann.<br />

❝<br />

Der weiche Verlaufsfilter<br />

für den Himmel betont die<br />

Sturmwolken, ohne sie zu<br />

überzeichnen. LEE FROST<br />

❞<br />

ROSS HODDINOTT: Es gibt Vieles, das mir an<br />

diesem Bild gefällt. Es wurde gut geplant, beim<br />

richtigen Wetter fotografiert, und Schwarzweiß<br />

trifft die Stimmung genau. Auch<br />

aufnahmetechnisch ist das Bild gelungen und<br />

enthält alle wichtigen Zutaten. Dennoch hätte<br />

man es besser machen können, und das liegt am<br />

Kamerastandpunkt. Die Eiche ist ein guter<br />

Fixpunkt, aber das Wäldchen und das Gebäude<br />

am Horizont nehmen viel von seiner Wirkung, da<br />

sie die Aufmerksamkeit des Betrachters ablenken.<br />

Ich hätte die Bildkomposition vereinfacht und<br />

Nachbearbeitung<br />

QUADRATISCHER ZUSCHNITT<br />

Diese Bildkomposition verlangt geradezu<br />

nach einem quadratischen Zuschnitt.<br />

Dadurch wird der leere Raum rechts im Bild<br />

vermieden, und die Fahrspuren im<br />

Getreidefeld dienen als Führungslinien zu<br />

der Eiche.<br />

diese Elemente durch einen anderen<br />

Kamerastandpunkt ausgeschlossen. Außerdem<br />

hätte ich das Hochformat benutzt, die Bewegung<br />

des Getreides einbezogen und auch die<br />

Fahrspuren als Führungslinie genutzt. Man könnte<br />

das Bild quadratisch zuschneiden, um die<br />

überflüssigen Elemente aus der rechten Seite<br />

auszuschließen.<br />

Urteil: Ein sehr schön aufgenommenes Bild, das<br />

von einer anderen Bildkomposition profitieren<br />

würde.<br />

130 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


LAVENDELBIENE<br />

Von Richard Goldfinch<br />

Kamera: Canon EOS 600D<br />

Objektiv: Sigma 105mm f/2.8 DG Macro lens<br />

Belichtung: 1/500 Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 400<br />

Richard Goldfinch: „Ich hatte eine<br />

recht kurze Verschlusszeit gewählt,<br />

weil ich aus der Hand fotografierte. Die<br />

Scharfeinstellung erfolgte manuell,<br />

indem ich die Kamera langsam der<br />

Biene näherte, wobei ich im Moment der richtigen<br />

Schärfe abdrückte.“<br />

LEE FROST: Wenn deine Bilder nicht gut<br />

genug sind, warst du nicht nah genug dran.“<br />

Dieser Satz von Fotoreporter Robert Capa bezog<br />

sich zwar auf sein eigenes Handwerk, trifft aber<br />

generell einen Kern der <strong>Fotografie</strong>, jedenfalls für<br />

diese Nahaufnahme. In dem Bild passiert viel zu<br />

viel für meinen Geschmack. Die Biene ist das<br />

zentrale Bildelement, verliert aber leider in der<br />

Konkurrenz zu den Lavendelblüten. Obwohl ich<br />

mich auf die Biene konzentrieren sollte, wandert<br />

mein Blick ziellos hin und her. Es ist, wie so oft,<br />

eine Frage des Bildzuschnitts. Man werfe alle<br />

überflüssigen Elemente aus dem Bild und<br />

mache die Biene zum zentralen Motiv. Natürlich<br />

sollte man das möglichst schon bei der<br />

Aufnahme tun, aber manchmal ist das<br />

unmöglich. Oft ändert man auch seine Meinung<br />

darüber, wie ein Motiv am besten darzustellen<br />

ist. Das Zuschneiden kann die Bildkomposition<br />

verbessern, in diesem Fall kann man bis zu 60%<br />

des Bildes entfernen. Die verbleibenden 40%<br />

ergeben ein viel besseres, klareres Bild, das dem<br />

Motiv gerecht wird und auch fotografisch<br />

befriedigender ist, weil keine unnötigen Details<br />

davon ablenken.<br />

Positiv ist zu verbuchen, dass das kontrastarme<br />

Licht perfekt genutzt wurde und die<br />

Pastellfarben schön zur Geltung bringt. Die<br />

richtigen Bildzutaten sind zweifellos vorhanden,<br />

es sind nur etwas zu viele.<br />

Urteil: Hier macht erst der richtige Zuschnitt<br />

ein gutes Bild.<br />

ROSS HODDINOTT: Dieses Bild ist eine<br />

schöne Erinnerung an den Sommer und an vor<br />

uns liegende, wärmere Tage. Es gibt nicht viele<br />

Insekten, die man als „niedlich“ bezeichnen<br />

würde, doch Hummeln sind ganz sicher eine<br />

Ausnahme. Es sind fotogene, kleine Kreaturen,<br />

die trotzdem nicht leicht zu fotografieren sind.<br />

Sie bleiben nicht lange an derselben Stelle und<br />

es ist nicht einfach, genügend Schärfentiefe zu<br />

erreichen, um sie vollständig scharf zu<br />

bekommen. Das ist hier jedoch gut gelungen.<br />

Die Schärfentiefe ist einerseits gering genug, um<br />

die Hummel in den Mittelpunkt zu rücken und<br />

andererseits groß genug, um den das Motiv<br />

umgebenden Lavendel noch gut erkennen zu<br />

lassen. Doch mir ist die Hummel etwas zu<br />

zentral im Bild, was dazu führt, dass es zu<br />

statisch wirkt. Ein selektiver Bildzuschnitt könnte<br />

hier Abhilfe schaffen, doch eine Bildkomposition<br />

im Hochformat, schon bei der Aufnahme, wäre<br />

besser gewesen. Man hätte das Insekt links im<br />

Bild positionieren können, mit dem unscharfen<br />

Lavendel rechts im Bild, um die Bildkomposition<br />

auszugleichen.<br />

Urteil: Eine schöne Aufnahme eines<br />

herausfordernden Motivs, doch die Hummel<br />

ist zu zentral im Bild.<br />

Aufnahmetechnik<br />

HOCH- ODER QUERFORMAT?<br />

Zwar zeigt das Querformat den die<br />

Biene umgebenden Lavendel, doch<br />

dieses Motiv verlangt nach dem<br />

Hochformat. Wenn Sie Zweifel haben,<br />

fotografieren Sie beide Versionen. Sie<br />

werden sehen…<br />

❝<br />

Hummeln verharren niemals<br />

lange an einer Stelle, deshalb ist<br />

nicht leicht, sie mit genügend<br />

Schärfentiefe vollständig scharf<br />

zu bekommen. ROSS HODDINOTT<br />

❞<br />

ROSS HODDINOTT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 131


Expertenmeinungen<br />

RATSCHLÄGE FÜR BESSERE FOTOS<br />

MAKROFLIEGE<br />

Von John Thorndike<br />

Kamera: Canon EOS 40D<br />

Objektiv: Canon EF 100mm f/2.8L<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f3.5 und ISO 400<br />

John Thorndike: „Ich hatte mir<br />

gerade ein Makroobjektiv<br />

gekauft und konnte es kaum<br />

erwarten, es auszuprobieren. Ich<br />

fotografierte aus der Hand und<br />

stellte manuell scharf. Die Feineinstellung<br />

der Schärfe erfolgte durch Vor- und<br />

Zurückbewegen der Kamera. Nach ein paar<br />

Fehlversuchen gelang mir dieses Foto.“<br />

DANIEL LEZANO: Die Investitionen hat<br />

sich gelohnt, das ist ein großartiges<br />

Erstlingswerk. Die Schärfentiefe muss<br />

wegen der weit offenen Blende und der<br />

starken Vergrößerung hauchdünn<br />

gewesen sein. Gleichwohl sind der Kopf<br />

der Fliege und der größte Teil des Körpers<br />

schön scharf geworden. Ein sehr gutes<br />

Foto von einem wenig glamourösen<br />

Objekt, das sich vom diffusen Hintergrund<br />

sehr gut abhebt. Ich würde nur<br />

vorschlagen, das Foto etwas enger<br />

zuzuschneiden. Das würde das zentrale<br />

Motiv stärker hervorheben und außerdem<br />

die etwas ablenkende, dunkle Ecke links<br />

aus dem Bild herausnehmen.<br />

Urteil: Ein sehr schönes Foto. Ich würde<br />

es zuschneiden, um die Attraktivität zu<br />

erhöhen, ansonsten ist nichts<br />

auszusetzen.<br />

LEE FROST: Das ist ein hervorragendes<br />

Foto. Der flache Schärfentiefenbereich,<br />

der sich aufgrund der extrem kurzen<br />

Entfernung zum Motiv und wegen des<br />

Weitwinkels ergibt, hat einen sehr<br />

schönen 3D-Effekt erzeugt, bei dem<br />

Oberkörper und Kopf der Fliege aus dem<br />

Bild herauszuragen scheinen, weil diese<br />

Elemente im Gegensatz zu dem Rest des<br />

Motivs gestochen scharf sind. Der Abfall<br />

der Schärfe, beginnend am Schärfepunkt,<br />

ist extrem und zeigt, wie winzig der<br />

Schärfebereich in der Makrofotografie ist<br />

– und warum absolut präzise<br />

scharfgestellt werden muss; es gibt hier<br />

keine Fehlertoleranz. Das weiche Grün<br />

des Hintergrunds und des Grashalms sind<br />

perfekte Komplementärfarben für das<br />

braune Insekt. Die dunklen, diagonal<br />

verlaufenden Linien im Bild helfen, das<br />

Motiv einzufangen und das weiche Licht<br />

hebt viele Details der kleinen Kreatur<br />

Nachbearbeitung<br />

DUNKLE ECKEN<br />

KORRIGIEREN<br />

Die störende dunkle<br />

Ecke links oben kann<br />

ganz einfach korrigiert<br />

werden. Fügen Sie in<br />

Photoshop eine neue<br />

Ebene mit der<br />

Füllmethode „Weiches<br />

Licht“ ein, das zu 50%<br />

grau sein muss.<br />

Anschließend<br />

verwenden Sie das<br />

Verlaufswerkzeug mit<br />

einem Verlauf von<br />

„Weiß“ nach<br />

„Transparent“, den sie<br />

an die Deckkraft der<br />

Ebene anpassen.<br />

hervor. Man kann sogar die Haare auf<br />

dem Rücken zählen. Das Foto hat einen<br />

in der Makrofotografie eher<br />

ungewöhnlichen Ansatz, denn einen so<br />

kurzen Schärfentiefebereich sieht man<br />

selten. Doch mir gefällt das, und der<br />

Effekt wirkt hervorragend. Ein<br />

ausgezeichnetes Foto eines alltäglichen<br />

Objekts.<br />

Urteil: Ein einfaches, aber<br />

hervorragend ausgeführtes<br />

Makrofoto.<br />

❝<br />

Der Abfall der Schärfe,<br />

beginnend am<br />

Schärfepunkt, ist extrem<br />

und zeigt, wie winzig der<br />

Schärfebereich in der<br />

Makrofotografie ist; es<br />

gibt hier keine<br />

Fehlertoleranz.“ LEE FROST<br />

❞<br />

132 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


COUPALL FALLS<br />

Von Charles Waldie<br />

Kamera: Canon EOS 60D<br />

Objektiv: Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX HSM<br />

Belichtung: 1/5 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100<br />

Charles Waldie: „Mir war diese Stelle<br />

aufgefallen, an der das Wasser über die<br />

Felskante stürzt. Ich setzte das Stativ sowie<br />

einen 0.9ND Graufilter ein und schoss<br />

mehrere Aufnahmen, wobei ich die<br />

Wasserspritzer zwischendurch vom<br />

Objektiv wischen musste. Zu Hause fügte ich die beiden<br />

gelungensten Fotos zusammen und konvertierte das<br />

Ergebnis nach Schwarzweiß."<br />

ROSS HODDINOTT: Das ist ein<br />

exzellenter Kamerastandpunkt. Der flache<br />

Winkel und das Super-Weitwinkelobjektiv<br />

überhöhen die Größe des Wasserfalls und<br />

damit den Gesamteindruck der Szene, mit<br />

dem Berg als dramatischem Hintergrund.<br />

Die Verschlusszeit war richtig gewählt –<br />

etwas länger, und das Wasser wäre zu<br />

stark verwischt und alle Details verloren,<br />

etwas kürzer, und die Bewegung wäre<br />

verloren gegangen. Die Art der<br />

Nachbearbeitung überzeugt mich<br />

weniger. Ich würde gerne anhand der<br />

originalen Farbversion des Fotos sehen,<br />

ob das Motiv wirklich gut für die<br />

Schwarzweiß-Konvertierung geeignet ist.<br />

Ich denke, es ist zu kontrastarm, am Berg<br />

könnten mehr natürliche Details<br />

vorhanden sein, der Himmel hätte<br />

abgedunkelt und damit stimmungsvoller<br />

gemacht werden können.<br />

Urteil: Eine gute Wahl von<br />

Kamerastandpunkt und Objektiv, die<br />

Verschlusszeit ist genau richtig. Die<br />

Nachbearbeitung hat leider ein zu<br />

graues, kontrastarmes Bild erzeugt.<br />

LEE FROST: Eine fantastische Aussicht.<br />

Der Kamerastandpunkt, wo ein Teil des<br />

Flusses über einen großen Felsen fließt, ist<br />

sehr gut gewählt. Die Perspektive durch<br />

den extremen Weitwinkel lässt den<br />

Wasserfall wesentlich größer aussehen als<br />

er ist. Tatsächlich ist er nur einen halben<br />

Meter hoch, doch hier wirkt er fast so groß<br />

wie der Berg im Hintergrund. Das<br />

Hochformat passt sehr gut, weil die<br />

Streifen im Wasser den Blick durch die<br />

Szene zum Berg hinführen. Die<br />

Verschlusszeit war richtig gewählt: Das<br />

Wasser hat genau die richtige<br />

Bewegungsunschärfe, die<br />

Oberflächenstruktur ist aber noch<br />

erkennbar, sogar die vom<br />

herabstürzenden Wasser ezeugten<br />

Luftblasen. Weniger sicher bin ich mir<br />

über die Schwarzweiß-Konvertierung,<br />

denn das Bild wirkt flach. Ich bearbeitete<br />

es mit Silver Efex Pro und verstärkte den<br />

Kontrast, um etwas Dramatik zu erzeugen.<br />

Der Himmel ist nun dunkler, der Berg tritt<br />

besser hervor und das herabstürzende<br />

Wasser funkelt sogar ein bisschen.<br />

Urteil: Eine fotogene Örtlichkeit und<br />

eine gelungene Bildkomposition, deren<br />

Wirkung jedoch verstärkt werden<br />

musste.<br />

❝<br />

Die Verschlusszeit war richtig<br />

gewählt – etwas länger, und das<br />

Wasser wäre zu stark verwischt<br />

und alle Details verloren<br />

gegangen. ROSS HODDINOTT<br />

❞<br />

Nachbearbeitung<br />

SCHWARZWEISS<br />

Wenn es darum geht, Dramatik in ein<br />

Schwarzweißfoto zu bringen, sollte man<br />

großzügig sein, denn ohne das Element der<br />

Farbe ist der Graustufen-Kontrast<br />

entscheidend. Um Schwarzweißfotos mit<br />

mehr Kontrast zu versehen, brauchen Sie kein<br />

Photoshop-Experte zu sein. In diesem Fall<br />

wurde Silver Efex Pro 2 benutzt.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 133


Expertenmeinungen<br />

LEUCHTTURM<br />

ST. MARY<br />

Von Nick Watson<br />

Kamera: Canon EOS 550D<br />

Objektiv: Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX HSM<br />

Belichtung: 57 Sekunden bei Blende f/11 und ISO 100<br />

Nick Watson: „Um diesen Effekt zu<br />

erreichen, habe ich ein Stativ und einen<br />

0.6ND Graufilter benutzt. Die<br />

Verschlusszeit von 57 Sekunden ließ die<br />

raue See und die schnell ziehenden<br />

Wolken ruhig aussehen. Ich mag diesen Ort und<br />

wollte nicht mit leeren Händen von meinem Ausflug<br />

zurückkehren. Also habe ich versucht, aus den<br />

vorhandenen Wetterbedingungen das Beste zu<br />

machen."<br />

ROSS HODDINOTT: Man erliegt an solchen<br />

Tagen leicht der Versuchung, das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

aufzugeben, denn ein völlig bedeckter Himmel ist<br />

wenig einladend. Zu manchen Landschaften,<br />

besonders an der Küste, passt er jedoch sehr gut,<br />

wie dieses Foto beweist. Der Leuchtturm ist ein<br />

großartiges Motiv, und ich finde die<br />

Bildkomposition mit den Treppenstufen gut<br />

gelungen, die in den Dammweg übergehen, der<br />

wiederum als Führungslinie zum Leuchtturm<br />

dient. Schade nur, dass der Kamerastandpunkt<br />

nicht das Geländer links im Bild ausschließen<br />

konnte. Andererseits wäre dann rechts unten im<br />

Bild zu viel leere Fläche geblieben. Wie auch<br />

immer, mir gefällt das Bild, und die Bewegung der<br />

Wolken ist hübsch dargestellt. Der kalte Blaustich<br />

passt dazu, ist aber nicht der attraktivste Farbton.<br />

Ich würde die Farbtemperatur etwas anpassen,<br />

oder sogar nach Schwarzweiß konvertieren, die<br />

Szene wäre dafür geeignet.<br />

Urteil: Die Wetterbedingungen passen gut zur<br />

Szene, doch eine engere Bildkomposition wäre<br />

vielleicht besser gewesen. Alles in allem ein<br />

gelungenes Bild, das sich sehr gut zur<br />

Schwarzweiß-Konvertierung eignet.<br />

Aufnahmetechnik<br />

VERSCHLUSSZEIT MIT FILTER<br />

VERLÄNGERN<br />

Eine Langzeitbelichtung und eine Küstenszene<br />

passen immer gut zusammen. Man muss jedoch<br />

verhindern, dass zu viel Licht auf den<br />

Kamerasensor fällt, wenn man einen Effekt wie in<br />

diesem Bild erreichen will. Eine kleinere Blende<br />

kann hilfreich sein, doch dann könnte das Bild<br />

unter Verzerrungen leiden. Am besten<br />

funktioniert es, wenn Sie einen Filter verwenden;<br />

ein dreistufiger oder noch stärkerer Graufilter<br />

erzeugt den gewünschten Effekt; seine maximale<br />

Wirkung erreichen Sie mit einem zehnstufigen<br />

Graufilter, dem so genannten Big Stopper.<br />

LEE FROST<br />

❝<br />

Der bedeckte Himmel ist keineswegs unvorteilhaft,<br />

für mich passt er sehr gut zur Szene. LEE FROST<br />

❞<br />

LEE FROST: Dieser Leuchtturm ist eine<br />

bekannte Touristenattraktion, doch ich<br />

habe ihn noch nie aus dieser besonderen<br />

Perspektive fotografiert gesehen. Die<br />

meisten Fotografen stellen sich an das Ende<br />

des Dammwegs und benutzen ihn als<br />

Führungslinie, die sich im Wasser verliert,<br />

wenn die Flut steigt, doch dieser Blickwinkel<br />

ist attraktiver, weil der Dammweg eine<br />

Diagonale bildet und die Bildkomposition<br />

dadurch dynamischer macht. Wenn wir ein<br />

Foto betrachten, bewegt sich das Auge<br />

normalerweise von unten links nach oben<br />

rechts. Wenn also eine Führungslinie unten<br />

links im Bild beginnt, folgt ihr das Auge in die<br />

Szene hinein. Genau das passiert hier, das<br />

Auge folgt zunächst den Linien der<br />

Treppenstufen, die in den Dammweg<br />

übergehen, der das Auge weiterführt zu<br />

dem Leuchtturm als Fixpunkt dieses Fotos.<br />

Mehr kann man von einer Bildkomposition<br />

nicht verlangen. Sie funktioniert bestens,<br />

wobei das Hochformat die entscheidenden<br />

Bildelemente zur Geltung bringt, ohne dass<br />

seitlich Platz verschwendet werden würde.<br />

Auch die Belichtung war perfekt, weil die<br />

Bewegung des Meeres gedämpft wurde,<br />

ohne sie vollständig zu unterdrücken. Die<br />

ziehenden Wolken lassen den Leuchtturm<br />

hervortreten. Der bedeckte Himmel ist<br />

keineswegs unvorteilhaft, für mich passt er<br />

sehr gut zur Szene.<br />

Urteil: Eine fantastische, formatfüllende<br />

Bildkomposition mit sehr guter<br />

Belichtung. Alles in allem ein bestens<br />

gelungenes Foto.<br />

134 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


ZWERGMAUS<br />

Von David Hughes<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk III<br />

Objektiv: Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L<br />

Belichtung: 1/200 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 200<br />

David Hughes: „Dieses Bild entstand<br />

im British Wildlife Center. Es sollte ein<br />

Charakter-Foto dieser Zwergmaus<br />

werden. Ich brachte die Kamera auf<br />

Augenhöhe und machte ein Geräusch,<br />

damit die Maus in meine Richtung schaute. Das Bild hat<br />

ein Element des Humors, das mir gut gefällt."<br />

LEE FROST: Das ist eine fantastische<br />

Aufnahme. Sie hat tatsächlich ein humoristisches<br />

Element und damit steht und fällt das Bild. Ohne<br />

dieses Element wäre es bloß das Porträt einer<br />

Zwergmaus, die auf einer Kardendistel sitzt. So<br />

aber ist es ein sehr niedliches Bild geworden.<br />

Es ist der überraschte Gesichtsausdruck der<br />

Maus, der den Effekt erzeugt. Es sieht so aus, als<br />

sei die Maus auf die Distel geklettert, um dann<br />

festzustellen, dass die Stacheln recht spitz sind<br />

und ihre Aktion keine so gute Idee war. Dieser<br />

Moment ist perfekt im Bild festgehalten und das<br />

Gesicht der Maus gestochen scharf; nur der<br />

gleichfarbige Hintergrund ist leider völlig<br />

unscharf. Die Brennweite von 400 mm aus<br />

kurzer Distanz erreicht sogar mit Blende f/8 eine<br />

sehr kurze Schärfentiefe von höchstens 2,5<br />

Zentimetern, und das weiche, kontrastarme Licht<br />

eignet sich gut für solche Motive. Perfektes<br />

Timing, perfekte Schärfe, perfekte Belichtung<br />

– ein unter jedem Gesichtspunkt gelungenes<br />

Bild. Es würde eine sehr schöne Grußkarte oder<br />

sogar ein Poster abgeben, das man mit einer<br />

witzigen Bildunterschrift versehen könnte.<br />

Urteil: Ein fantastisches Wildlife-Foto mit<br />

leicht humoristischem Unterton.<br />

Aufnahmetechnik<br />

ALLEINSTELLUNGSMERKMAL SUCHEN<br />

In der Tierfotografie sollten Sie auf die<br />

„Alleinstellungsmerkmale“ der Tiere achten<br />

und versuchen, ihre Einzigartigkeit in die<br />

Aufnahme einzubeziehen – dies macht<br />

den Unterschied zwischen einem guten<br />

und einem hervorragenden Foto aus.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

❝<br />

Perfektes Timing, perfekte Schärfe, perfekte Belichtung –<br />

ein unter jedem Gesichtspunkt gelungenes Bild. LEE FROST<br />

❞<br />

ROSS HODDINOTT: Ich habe kein Problem<br />

damit, wenn in Gefangenschaft gehaltene<br />

Tiere fotografiert werden, solange die Haltung<br />

artgerecht erfolgt und wenn gut für sie<br />

gesorgt wird. Institutionen wie das British<br />

Wildlife Center geben Fotografen die<br />

Gelegenheit, aus nächster Nähe Fotos von<br />

Tieren zu machen, die in der freien Natur viele<br />

Stunden des Wartens in einem gut getarnten<br />

Versteck erfordern würden. Zwergmäuse sind<br />

niedlich und sehr fotogen. Ich habe sie selbst<br />

fotografiert und weiß, dass sie sehr agil und<br />

nicht einfach aufzunehmen sind. Diese<br />

Aufnahme ist jedoch gestochen scharf und<br />

der Hintergrund passt sehr gut. Trotzdem<br />

hätte man es noch besser machen können, z.<br />

B. bei der Wahl der Requisite, doch dieser<br />

Aspekt kann nicht immer beeinflusst werden.<br />

Die Maus scheint sich auf der Distel nicht<br />

wohl zu fühlen und wirkt etwas unnatürlich,<br />

so als sei sie von einer helfenden Hand<br />

dorthin gesetzt worden. Außerdem bietet die<br />

Bildkomposition zu viel leere Fläche und<br />

wirkt mit der Maus in der Mitte etwas zu<br />

statisch. Bei Fotos von Zwergmäusen sollte<br />

auch das charakteristische Merkmal nicht<br />

fehlen: ihr langer Schwanz, denn damit<br />

halten die Tiere das Gleichgewicht. Ich<br />

möchte nicht zu viel kritisieren, doch<br />

Aufnahmen von gefangenen Tieren bieten<br />

mehr Gelegenheit zur Kreativität als dieses<br />

Bild zu zeigen vermag.<br />

Urteil: Falsche Requisite – die Maus sieht<br />

unnatürlich aus und fühlt sich<br />

offensichtlich nicht wohl. Die<br />

Bildkomposition ist zu statisch.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 135


Profifotografen auf Reisen<br />

Jon Hicks<br />

1 2<br />

Der wilde, wilde Westen…<br />

RAUS AUS DER STADT UND AB AUF DEN HIGHWAY! FOTOGRAF JON HICKS BERICHTET ÜBER<br />

SEINE TOUR DURCH DIE NATIONALPARKS IM SÜDWESTEN DER USA.<br />

Ich war von Corbis Images damit beauftragt, Bilder<br />

dieser Gegend für ihr Archiv zu machen. Die Reise<br />

begann in Vancouver, von dort mit dem Zug nach<br />

Seattle und weiter nach Portland. Ich fotografierte in<br />

allen drei Städten. Bilder von Innenstädten verkaufen<br />

sich immer gut, und dieser erste Teil der Reise war<br />

rein beruflicher Natur. In Portland nahm ich mir<br />

einen Mietwagen und fuhr weiter Richtung Süden; damit begann der<br />

eher private Teil der Reise. Ich mache gerne Aufnahmen von<br />

nächtlichem Sternenhimmel, auch wenn die sich weniger gut<br />

verkaufen.<br />

Mein erster Halt war in Nordkalifornien an der „Avenue of the Giants“<br />

– der Strasse der Riesen. Ich war noch nie dort gewesen und wollte sie<br />

mir genauer anschauen. Die Avenue führt durch den Humboldt<br />

Redwoods State Park und wird von bis zu 90 Meter hohen<br />

Mammutbäumen gesäumt – den Riesen. Die Gegend ist sehr ruhig,<br />

insbesondere bei Nacht, deshalb beschloss ich, bis nach Einbruch der<br />

Dunkelheit dort zu bleiben und ein paar Aufnahmen des nächtlichen<br />

Sternenhimmels zu machen. Dabei bekam ich den Schrecken meines<br />

Lebens, als plötzlich in unmittelbarer Nähe ein lautes Bellen zu hören<br />

war; Zuerst dachte ich, ich hätte einen Bigfoot aufgestöbert, aber es war<br />

wohl doch nur ein Fuchs.<br />

Weiter ging es auf der Route 50 – bekannt als die einsamste<br />

1) Dank fehlender<br />

„Lichtverschmutzung“<br />

gibt es im Südwesten<br />

der USA einen<br />

fantastischen<br />

Nachthimmel mit<br />

herrlichen Motiven für<br />

die Astro-<strong>Fotografie</strong>.<br />

2) Aufgenommen im<br />

Natural Bridges<br />

Nationalpark. Das<br />

Canon EF 15mm<br />

Fisheye-Objektiv ist<br />

nahezu immun gegen<br />

Blendenflecke und<br />

eignet sich deswegen<br />

hervorragend für<br />

Gegenlicht.<br />

3) Der berühmte<br />

„Delicate Arch“ im<br />

Arches Nationalpark.<br />

Dies ist ein Panorama<br />

aus drei Einzelbildern,<br />

aufgenommen mit<br />

dem Canon TS-E<br />

17mm f/4L Tilt-Shift<br />

Objektiv.<br />

Landstrasse in Amerika – durch die Wüste in Richtung Nevada. Das<br />

Fahren durch die Wüste, den ganzen Tag am Steuer sitzend, vermittelt<br />

ein überwältigendes Gefühl der Freiheit. Ich fuhr bis in den späten<br />

Abend hinein, parkte am Straßenrand und schlief im Auto. Am nächsten<br />

Morgen fand ich nach ein paar Kilometern ein Rasthaus, in dem ich mir<br />

ein ausgiebiges Frühstück gönnte. Mein Tagesziel war der Arches<br />

National Park – berühmt für seine Sandsteinbögen, die im Lauf der<br />

Jahrtausende durch Erosion entstanden sind.<br />

Ich hatte diesen Teil der Reise so geplant, dass ich bei Neumond dort<br />

sein würde. Bei meinem letzten Besuch im Südwesten war Vollmond<br />

gewesen, dieses Mal jedoch wollte ich feststellen, wie dunkel der<br />

Himmel sein würde.<br />

Ich kam vor Sonnenuntergang an und konnte die Sandsteinbögen in<br />

allerbestem Licht fotografieren. Dann wartete ich auf die Dunkelheit,<br />

um die Milchstrasse fotografieren zu können. Es war meine erster<br />

Besuch im Arches National Park, seitdem ich auf die Digitalfotografie<br />

umgestiegen war. Es ist ein magischer Ort, einfach wunderschön. Ich<br />

wäre gerne länger geblieben, aber es ist nicht einfach, im Voraus<br />

festzulegen, wie viel Zeit man an einem bestimmten Ort verbringen<br />

sollte. Ich verbrachte ein paar Tage mit einem Abstecher zum „Death<br />

Valley“ – auch dort war ich schon gewesen, aber nicht bei Neumond.<br />

Das Problem, mit dem ich dort zu kämpfen hatte, war, dass es auch<br />

nachts noch 38° warm war. Normalerweise hat meine Canon EOS 5D<br />

136 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Profifotografen auf Reisen<br />

Jon Hicks<br />

1<br />

2 3<br />

ein sehr gutes Rauschverhalten, doch sie wurde<br />

bei den Langzeitbelichtungen so heiß, dass das<br />

Rauschen nicht mehr zu tolerieren war.<br />

Trotzdem gelang mir ein Bild, mit dem ich<br />

zufrieden war, aber ich ärgerte mich, dass ich,<br />

anstatt ins Death Valley zu fahren, nicht mehr<br />

Zeit im Arches National Park verbracht hatte.<br />

Als nächstes stand der Natural Bridges National Park in Utah auf dem<br />

Plan. Es ist nachts der dunkelste Nationalpark der USA, weil er am<br />

weitesten von der nächsten Stadt entfernt liegt. Das macht ihn zum<br />

idealen Ort, den Nachthimmel zu fotografieren. Mein Motiv sollte<br />

Owachomo Bridge mit der Milchstrasse als Hintergrund sein. Bei<br />

Sonnenuntergang waren noch ein paar Touristen dort, doch als die<br />

Dunkelheit hereinbrach, war ich allein und es wurde ein bisschen<br />

unheimlich. Ich machte mir keine Sorgen wegen anderer Menschen,<br />

aber wegen der Vogelspinnen. Auf einer Felsplatte im Zion National<br />

Park hatte mir so ein handtellergroßes Biest gegenübergestanden. Bei<br />

Dunkelheit sind auch die zahlreichen Felsspalten ein Problem, und<br />

Steilhänge sind oft erst zu erkennen, wenn es fast zu spät ist.<br />

Ich stellte die Kamera so ein, dass sie kontinuierlich Bilder mit einer<br />

Verschlusszeit von 30 Sekunden machte. Während die Kamera vor sich<br />

hin fotografierte, ging ich zu dem Sandsteinbogen hinüber und<br />

beleuchtete ihn mit meiner Stirnlampe. Es war ein ziemlich langer Weg<br />

von der Kamera bis dorthin und ich musste höllisch aufpassen, nicht in<br />

eine Felsspalte zu treten und mir die Knochen zu brechen. Doch ich<br />

denke, die Ergebnisse haben die Mühe gerechtfertigt. Es war so gut wie<br />

keine „Lichtverschmutzung“ vorhanden und ich schätzte die Zahl der<br />

mit bloßem Auge sichtbaren Sterne auf etwa 15000. Zum Vergleich:<br />

❝<br />

VIELE DER MOTIVE SCHOSS ICH<br />

EINFACH FÜR MICH SELBST. WENN SICH<br />

DIE BILDER SPÄTER AUCH VERKAUFEN<br />

LASSEN, UMSO BESSER.<br />

❞<br />

1) „Das Panorama einer<br />

Haarnadelkurve im<br />

Sequoia Nationalpark.“<br />

2) „Eine weiteres<br />

Wahrzeichen, das „North<br />

Window“ im Arches<br />

Nationalpark. Ob Sie es<br />

glauben oder nicht, das<br />

Foto ist nicht gestellt, der<br />

einsame Wanderer kam<br />

wirklich gerade dort<br />

vorbei!“<br />

3) „Diese Leuchtspuren<br />

habe ich von einem Hügel<br />

im Zion Nationalpark<br />

aufgenommen, während<br />

ich auf die Dunkelheit<br />

wartete.“<br />

4) „Natural Bridges war<br />

der erste internationale<br />

„Dark Sky Park“, d. h. ein<br />

Park mit dunklem<br />

Himmel. Die Aussicht auf<br />

den Nachthimmel raubt<br />

einem den Atem, den<br />

Sandsteinbogen habe ich<br />

mit meiner Stirnlampe<br />

beleuchtet.“<br />

Wenn Sie sich in einer beliebigen Stadt<br />

befinden, sind am Nachthimmel weniger als<br />

500 Sterne zu sehen.<br />

Wenn ich eine solche Reise plane, habe ich<br />

eine ziemlich genaue Vorstellung davon,<br />

welche Art Bilder ich nach Hause bringen will. Wenn ich Städte<br />

fotografiere, finde ich vorher heraus, was sich gerade gut verkauft und<br />

was die Agentur haben will. Doch diese Reise durch die Nationalparks<br />

betrachtete ich zumindest teilweise als Ferien, und so fotografierte ich<br />

nicht nur aus kommerziellen Gründen, sondern ich suchte mir viele<br />

Motive einfach deswegen aus, weil sie mir gefielen. Natürlich machte<br />

ich auch meine Hausaufgaben für Corbis. Bilder von Highways<br />

verkaufen sich immer gut. Auch die bekannten Touristenattraktionen<br />

der Nationalparks vergaß ich nicht. Bei solchen Fotos achte ich immer<br />

darauf, dass Menschen im Bild sind, denn das macht eine Landschaft<br />

lebendig, und gefällt potenziellen Kunden besser. Ich suche auch<br />

ständig nach neuen Blickwinkeln und Kamerastandpunkten, damit sich<br />

meine Bilder von dem Material unterscheiden, das schon zuvor<br />

fotografiert wurde, denn der Markt für bekannte Touristenattraktionen<br />

ist ziemlich übersättigt. Doch viele der Motive schoss ich einfach für<br />

mich selbst. Wenn sie sich später obendrein noch verkaufen ließen<br />

– umso besser.<br />

Für nächstes Jahr plane ich schon eine neue Reise. Dann soll es von<br />

New Orleans bis ganz hinunter nach Miami gehen. Es geht einfach<br />

nichts über das Gefühl, ins Auto zu steigen und durch die weite, offene<br />

Landschaft zu fahren. Weitere Fotos von Jon Hicks finden Sie auf www.<br />

jonhicksphoto.co.uk<br />

138 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Profifotografen auf Reisen<br />

Lee Frost<br />

Kunst am Bau<br />

AUF EINER ERKUNDUNGSREISE INS SPANISCHE VALENCIA VERBRACHTE ICH MEINE ZEIT VOR ALLEM IN DER „CIUDAD<br />

DE LAS ARTES Y DE LAS CIENCIAS“. WENN ICH NICHT GERADE DAMIT BESCHÄFTIGT WAR, DIESE „STADT DER KÜNSTE<br />

UND DER WISSENSCHAFTEN“ ZU FOTOGRAFIEREN, SETZTE ICH MICH IN DIE SONNE UND TRANK KÜHLES BIER.<br />

„Ich suche ständig nach neuen,<br />

interessanten Veranstaltungsorten<br />

für Foto-Workshops, und Valencia<br />

bzw. die Stadt der Künste und der<br />

Wissenschaften stand schon lange<br />

auf meiner Liste.<br />

Es handelt sich um ein<br />

Kulturzentrum, das aus mehreren Einzelbauten<br />

avantgardistischer Architektur besteht. Dieses<br />

futuristische Wahrzeichen der Stadt liegt im<br />

trockengelegten Flussbett des Turia, der nach einer<br />

katastrophalen Flut den 1950er Jahren umgeleitet<br />

worden war. Der Komplex wurde von den spanischen<br />

Architekten Santiago Calatrava und Félix Candela<br />

entworfen und am 16. April 1998 mit der Eröffnung des<br />

„L’Hemisfèric“, einem 3D-Kino und Planetarium, feierlich<br />

eingeweiht. Der Bau hatte jedoch schon 1996<br />

begonnen und wurde 2005 mit der Eröffnung des<br />

„Palau de les Arts Reina Sofia“ – des „Königin Sofia Palast<br />

der Künste“ – des größten Opernhauses Europas,<br />

abgeschlossen. Dieser Unterhaltungs- und Kulturpark<br />

gehört zu den Meisterwerken moderner Architektur in<br />

Europa. Von dem Moment an, als ich vor ein paar<br />

Jahren die ersten Bilder davon sah, wusste ich, dass ich<br />

ihn eines Tages fotografieren würde.<br />

Hätte ich nicht die <strong>Fotografie</strong> zu meinem Beruf<br />

gemacht, wäre ich wahrscheinlich Architekt geworden.<br />

Gebäude haben mich immer fasziniert, und in den<br />

letzten Jahren verwende ich mehr und mehr Zeit damit,<br />

sie zu fotografieren. Die moderne Architektur hat es mir<br />

besonders angetan, denn sie verbindet Kunst und<br />

Wissenschaft auf eine Art und Weise, die den Eindruck<br />

vermittelt, dass heute nichts mehr unmöglich ist. Die<br />

Stadt der Künste und der Wissenschaften ist jedenfalls<br />

ein wundervolles Beispiel dafür, was erreichbar ist,<br />

wenn Architekten ihre Träume verwirklichen können.<br />

Sie ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst, ein Paradies<br />

für Fotografen. Der gesamte Komplex besteht aus sechs<br />

Hauptkomponenten, und er erstreckt sich über eine<br />

Strecke von zwei Kilometern. Im einzelnen gibt es das<br />

bereits erwähnte Opernhaus „El Palau de les Arts“ und<br />

das 3D-Kino und Planetarium „l’Hemispheric“,<br />

außerdem ein Wissenschaftsmuseum – „El Museu de<br />

les Ciencies“, außerdem „L’Umbracle“, einen in die<br />

Landschaft eingebetteten Fahrsteig, der unter mehr als<br />

hundert weißen Rundbögen hindurch führt, „L’Agora“,<br />

ein großer überdachter Platz, auf dem Ausstellungen<br />

und Konzerte stattfinden und „L’Oceanografic“, Europas<br />

größtes Aquarium. Sie alle sind durch Fahrsteige<br />

miteinander verbunden, die zwischen großzügig<br />

angelegten Teichen verlaufen. An windstillen Tagen<br />

erzeugen deren Wasserflächen reizvolle Spiegelungen.<br />

„Die ‚Stadt der Künste und der Wissenschaften’ von<br />

Valencia erinnert an ein futuristisches Film-Set. Das<br />

„L’Hemispheric“ (oben) und der „Palau de les Arts Reina<br />

Sofia“ (rechts) sind nur zwei der faszinierenden<br />

futuristischen Gebäude, die Sie dort besuchen können.“<br />

Das Klima in Valencia ist warm und sonnig;<br />

dunkelblauer Himmel und allerbeste Lichtverhältnisse<br />

sind hier an der Tagesordnung. Während meines<br />

dreitägigen Aufenthalts Ende September letzten Jahres<br />

habe ich kaum eine Wolke am Himmel gesehen.<br />

Jedes Gebäude für sich stellt ein architektonisches<br />

Meisterwerk dar. „L’Hemispheric“ sieht aus wie der Kopf<br />

eines gigantischen Krebses oder wie ein riesiges Auge,<br />

während das Wissenschaftsmuseum an das Skelett<br />

eines Wals erinnert. Die Gebäude zusammen, aus dem<br />

richtigen Winkel betrachtet, erzeugen noch eine andere<br />

Vorstellung: „L’Hemispheric“, dass<br />

Wissenschaftsmuseum und die Hängebrücke „El Pont<br />

de l’Assut de l’Or“ – die „Brücke des goldenen<br />

Wasserrads“ – sehen aus wie ein gigantischer<br />

prähistorischer Fisch, wobei „L’Hemispheric“ Kopf und<br />

Auge formt, die gezackten Konturen des<br />

Wissenschaftsmuseums Brustkorb und Wirbelsäule<br />

bilden und die avantgardistische Brücke den Schwanz.<br />

Dank des großen Angebots preiswerter<br />

innereuropäischer Flüge ist eine Städtetour heute so<br />

140 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Profifotografen auf Reisen<br />

❝<br />

I’M READY FOR WONDERLAND TO FINISH AND HAVE A VERY HEALTHY<br />

FEELING TOWARDS IT. IT’S BEEN SUCH AN EMOTIONAL ROLLER-COASTER<br />

❞<br />

einfach und billig geworden, dass Sie neue Örtlichkeiten<br />

an Wochenenden entdecken können, ohne sich in<br />

finanzielle Nöte zu stürzen. Die Flugzeiten betragen<br />

maximal drei Stunden, und die Flughäfen sind meist<br />

weniger als eine halbe Stunde per Bus oder Metro von<br />

den Stadtzentren entfernt; so war es denn auch erst<br />

Mittag, als ich in Valencia ankam.<br />

Mit der Aussicht, diese Stadt mit ihren<br />

faszinierenden Fotomotiven drei Tage lang erforschen<br />

zu können, konnte ich es kaum erwarten, mein Gepäck<br />

im Hotelzimmer abzustellen und sofort mit der Kamera<br />

loszuziehen. Doch so weit kam ich zunächst gar nicht,<br />

denn meine ersten Bilder machte ich schon, als ich aus<br />

der Metro ausstieg. Der Eingang der U-Bahn-Station<br />

war so beeindruckend, dass ich nicht widerstehen<br />

konnte.<br />

Als ich schließlich in der Stadt der Künste und der<br />

Wissenschaften ankam, fühlte ich mich wie ein Kind in<br />

einem Laden mit Süßigkeiten; alles wollte probiert<br />

werden, aber wo anfangen? Der klare blaue Himmel<br />

❝<br />

DER KLARE HIMMEL UND DAS<br />

HELLE SONNENLICHT PASSEN<br />

ZU DER GEWAGTEN<br />

ARCHITEKTUR MIT IHREN<br />

KÜHNEN LINIENSCHWÜNGEN,<br />

SCHARFEN WINKELN UND<br />

AUSDRUCKSSTARKEN<br />

FORMEN.<br />

❞<br />

und das helle Sonnenlicht passten zu der gewagten<br />

Architektur mit ihren kühnen Linienschwüngen,<br />

scharfen Winkeln und ausdrucksstarken Formen. Ich<br />

wanderte zunächst nur herum, um ein Gefühl für die<br />

Örtlichkeit zu bekommen, wobei mir mögliche<br />

Kamerastandpunkte und Kamerawinkel durch den<br />

Kopf gingen. Natürlich hatte ich vorab ein wenig im<br />

Internet recherchiert, um mir einen Eindruck von dem<br />

zu verschaffen, das mich erwarten würde, doch ich<br />

versuche immer, unvoreingenommen zu bleiben, weil<br />

ich meine eigenen Motive produzieren will und nicht<br />

das nachstellen möchte, was viele andere schon vor<br />

mir aufgenommen haben. Die Stadt der<br />

Wissenschaften und der Künste ist definitiv Weitwinkel-<br />

Gelände, aus dem einfachen Grund, weil die Gebäude<br />

so groß sind. Mit einem 15mm Fisheye, einem<br />

12-24mm Weitwinkelzoom, einem 14mm Weitwinkel<br />

und einem weiteren 17-40mm Weitwinkelzoom war<br />

ich jedoch bestens vorbereitet. Hinzu kamen noch ein<br />

24-70mm und ein 70-200mm Zoomobjektiv.<br />

Der Nachmittag erwies sich als sehr produktiv, doch<br />

nach einer Weile wurde der helle Sonnenschein<br />

langweilig – lichttechnisch gesehen – und so wartete<br />

ich auf die goldene Stunde und die Dämmerung. Ich<br />

hatte Glück, denn an diesem Abend gab es eine<br />

Großveranstaltung und alles war wesentlich heller<br />

beleuchtet, als es normalerweise der Fall gewesen<br />

wäre. Das „L’Hemispheric“, mit seiner durch die Fenster<br />

von außen als grün wahrgenommenen<br />

142 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Lee Frost<br />

Innenbeleuchtung sah geradezu bedrohlich aus,<br />

während das Flutlicht auf den Brücken und unter den<br />

Fahrsteigen für kontrastierende, leuchtende Farben<br />

sorgte. Das Zeitfenster für solche Aufnahmen in der<br />

Dämmerung ist recht klein, weil man dafür einen<br />

Himmel braucht, der noch etwas Farbe hat. Ich<br />

schätzte, dass mir maximal eine halbe Stunde blieb,<br />

bevor der Himmel zu dunkel sein würde. Ich machte<br />

mir eine mentale Liste der Motive, die ich aufnehmen<br />

wollte, konnte aber nicht sicher sein, dass am<br />

folgenden Abend die gleichen Lichtverhältnisse<br />

herrschen würden; deswegen wollte ich alle<br />

Aufnahmen jetzt in den Kasten bekommen. Das<br />

Schöne an der Digitalfotografie ist, dass Sie sofort<br />

sehen können, wenn Ihnen ein Foto gut gelungen ist,<br />

und Sie verschwenden keine Zeit mit unnötigen<br />

Wiederholungen.<br />

Ich begann mit dem Opernhaus, dass ich mit dem<br />

Fisheye und dem 12-24mm Zoom fotografierte, wobei<br />

ich die Objektivverzerrung bewusst einsetzte, um die<br />

Sie müssen lange suchen, um inspirierendere,<br />

kreativ mehr herausfordernde Motive zu finden als<br />

in der Stadt der Künste und der Wissenschaften<br />

von Valencia. Bei Tag oder bei Nacht, Sie finden<br />

immer etwas zu fotografieren, ob<br />

panoramaförmige Aussichten, ungewöhnliche<br />

Winkel oder abstrakte Details.<br />

Linien des Gebäudes zu unterstreichen. Dann<br />

fotografierte ich „L’Hemispheric“, eingerahmt von der<br />

mit Flutlicht angestrahlten Brücke. Außerdem machte<br />

ich ein paar Bilder für ein Panorama. Normalerweise<br />

benutze ich dafür eine Serie von überlappenden<br />

Aufnahmen, aber dazu hatte ich keine Zeit. Zum Glück<br />

ist die Auflösung der Canon EOS 5D so gut, dass auch<br />

ein zugeschnittenes Einzelbild hinreichend groß und in<br />

guter Qualität gedruckt werden kann. Als ich am<br />

nächsten Abend zurückkam, erlebte ich eine<br />

Überraschung, denn es gab keine Beleuchtung. Am<br />

Abend zuvor hatte ich wegen der Großveranstaltung<br />

noch Glück gehabt. Trotzdem gelangen ein paar<br />

schöne Aufnahmen in der Dämmerung mit der<br />

Architektur vor zwielichtigem Himmel. Diese Serie<br />

montierte ich später mit HDR Efex Pro am Computer<br />

zusammen. Normalerweise dunkle ich den Himmel<br />

mit einem Verlaufsfilter ab, doch das ging hier nicht, da<br />

es wegen der Bebauung keinen geraden Horizont gab.<br />

Das Zusammenführen mehrerer Einzelbilder ergab in<br />

diesem Fall ein deutlich besseres Ergebnis.<br />

Ich experimentierte noch mit ein paar weiteren<br />

Nachbearbeitungstechniken, wobei ich einige<br />

Aufnahmen auch in Schwarzweiß konvertierte. Von<br />

einem der Fotos benutzte ich nur eine Hälfte, kopierte<br />

und spiegelte sie horizontal und fügte sie dann an die<br />

Originalhälfte an. Das ist gemogelt, sagen Sie?<br />

Vielleicht. Doch wenn das dadurch entstehende Bild<br />

gut aussieht – und Bilder moderner Architektur sind<br />

die beste Spielwiese für kreative Experimente – sehe<br />

ich nicht ein, warum ich mich in meinen<br />

gestalterischen Möglichkeiten selbst beschränken<br />

sollte.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 143


Profifotografen auf Reisen<br />

Lee Frost<br />

Island<br />

AUF DER VULKANINSEL AM NORDPOLARKREIS ZWISCHEN EUROPA UND AMERIKA<br />

UNTERSUCHTEN LEE FROST UND SEINE KOLLEGEN EINE EISHÖHLE UND<br />

FOTOGRAFIERTEN DIE FASZINIERENDEN POLARLICHTER, DIE NUR IN DEN<br />

NÖRDLICHSTEN UND SÜDLICHSTEN HEMISPHÄREN ZU SEHEN SIND.<br />

„Seit 2010 habe ich Island schon<br />

mehrere Male besucht, aber immer<br />

im Frühling. Dieses Mal sollte es eine<br />

Winterreise werden, und so<br />

machten einige Kollegen und ich<br />

uns schon in der ersten<br />

Januarwoche auf den Weg.<br />

Obwohl ich alle Orte schon kannte, die wir besuchen<br />

wollten, war ich gespannt, wie es im Winter sein<br />

würde. Die erste Überraschung waren die extrem<br />

kurzen Wintertage; im Januar geht die Sonne nicht<br />

vor 11:00 Uhr vormittags auf und bereits gegen 16:00<br />

Uhr nachmittags wieder unter. Wir hatten also nicht<br />

viel Tageslicht zum <strong>Fotografie</strong>ren. Außerdem kann das<br />

Wetter auf Island zu dieser Jahreszeit besonders rau<br />

werden. Um die Zeit bestmöglich zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />

zu nutzen, planten wir die Anreise zu den einzelnen<br />

Etappenzielen in die Nacht zu verlegen. Die weiteste<br />

Anreise lag am ersten Tag gleich nach der Ankunft am<br />

Flughafen Keflavik vor uns. Wir beluden den vorab<br />

reservierten Neunsitzer-Bus, wegen der vereisten<br />

Straßen mit Spike-Reifen gerüstet, und machten uns<br />

auf den Weg nach Westen zur Gletscherlagune von<br />

Jökulsárlón. Fünf Stunden später erreichten wir unser<br />

erstes Hotel. Nach einem erfrischenden Bier<br />

überprüften wir unsere Ausrüstung und bereiteten<br />

uns auf das Foto-Abenteuer vor. Ich sah mir die<br />

aktuelle Nordlicht-Vorhersage an, aber die Aussichten<br />

waren nicht gut. Darüber war jedoch keiner von uns<br />

traurig, denn so konnten wir morgens etwas länger<br />

schlafen.<br />

Am nächsten Morgen ging es als erstes zum<br />

Breiðamerkurjökull, einer großen Gletscherzunge des<br />

Vatnajökull im Südosten der Insel. Wir hatten eine Tour<br />

mit einer einheimischen Führerin gebucht, denn es ist<br />

viel zu gefährlich, ohne ortskundige Führung in die<br />

Gletscherhöhlen einzusteigen – falls man überhaupt<br />

eine findet. Um bei Sonnenaufgang dort zu sein,<br />

machen wir uns noch in der Dunkelheit auf den Weg.<br />

Wir fuhren eine beträchtliche Strecke durchs Gelände,<br />

hatten anschließend einen längeren Fußweg und<br />

mussten auch noch einen Fluss durchqueren. Dank<br />

guter Planung waren wir darauf vorbereitet und hatten<br />

Wathosen im Gepäck, wie Angler sie tragen, wenn sie<br />

in größerer Entfernung vom Ufer fischen wollen. Doch<br />

es war die Anstrengung wert, denn in der Höhle waren<br />

wir alle zuerst einmal sprachlos. Der Anblick war<br />

überwältigend. Es sah aus, als seien wir von blau<br />

eingefärbter Zellophanverpackung umgeben. Doch es<br />

wurde noch imposanter, denn als die Sonne aufging,<br />

schien goldenes Licht durch den Eingang und wurde<br />

an den Wänden der Eishöhle reflektiert. Selbst Helen,<br />

unsere Führerin, sagte, so habe sie die Höhle noch nie<br />

gesehen. Die nächsten drei Stunden zählen zu den<br />

genussvollsten meines bisherigen Fotografenlebens<br />

– eine einmalige, magische Erfahrung.<br />

Ganz oben: Sonnenuntergang an der<br />

Jökulsárlón Gletscherlagune.<br />

Oben: Beim <strong>Fotografie</strong>ren in der Eishöhle.<br />

Rechts: Unser erstes Reiseziel, die Kristall-<br />

Eishöhle, aufgenommen bei Sonnenaufgang.<br />

Als wir aus der Höhle heraustraten, waren die<br />

Lichtverhältnisse hervorragend. Die berühmte<br />

Jökulsárlón Gletscherlagune war nur ein paar<br />

Kilometer entfernt, und dorthin machten wir uns nun<br />

auf den Weg. Wir verbrachten den Rest des<br />

Nachmittags damit, Eisberge vor den<br />

schneebedeckten Bergen zu fotografieren und das<br />

unter den besten Lichtverhältnissen, die ich bisher auf<br />

der Insel gesehen hatte.<br />

Üblicherweise endet eine Expedition von<br />

Landschaftsfotografen mit Einbruch der Dunkelheit;<br />

doch Island hat auch danach noch etwas ganz<br />

Besonderes zu bieten: die Aurora Borealis, allgemein<br />

verständlich auch Nordlicht genannt. Dieses<br />

Phänomen ist am besten im Winter zu beobachten. Es<br />

wird verursacht durch elektrisch geladene Teilchen<br />

der Magnetosphäre, die in den oberen Schichten der<br />

Stratosphäre auf schwere Sauerstoff- und Stickstoff-<br />

Ionen treffen. Die Naturerscheinung ist jedoch nur bei<br />

ziemlich klarem Himmel zu sehen und am besten bei<br />

starker Sonnenwindaktivität. Doch wir hatten Glück,<br />

das Wetter war fast klar und eine erneute Überprüfung<br />

von www.vedur.is, der Website der Isländischen<br />

144 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Profifotografen auf Reisen<br />

❝<br />

ES WAR KLAR ERKENNBAR, DASS<br />

ETWAS UNGEWÖHNLICHES AM<br />

NACHTHIMMEL VOR SICH GING;<br />

ES WAREN BIZARRE<br />

WOLKENFORMATIONEN UND EIN<br />

DEUTLICH ERKENNBARES GRÜNES<br />

GLÜHEN ZU SEHEN<br />

❞<br />

Meteorologischen Gesellschaft, ergab, dass in dieser<br />

Nacht moderate Nordlicht-Erscheinungen zu<br />

erwarten waren. Wir waren zwar nicht allzu<br />

hoffnungsvoll, machten uns gegen 22:00 Uhr aber<br />

trotzdem auf den Weg zurück zum Jökulsárlón,<br />

vielleicht würden wir ja Glück haben. Und tatsächlich:<br />

wir waren kaum angekommen, als es losging.<br />

Nordlichter sehen auf <strong>Fotografie</strong>n grundsätzlich viel<br />

farbenfroher aus als wenn man sie „live“ beobachtet.<br />

Das liegt daran, dass das menschliche Auge bei<br />

Dunkelheit nur schwarz und weiß unterscheiden kann<br />

– in der Nacht sind alle Katzen grau. Doch es war klar<br />

erkennbar, dass etwas Ungewöhnliches am<br />

Nachthimmel vor sich ging; da waren bizarre<br />

Wolkenformationen und ein leichtes, aber deutlich<br />

erkennbares, grünes Glühen zu sehen. Ein Testfoto<br />

bestätigte es. Die Nordlichter waren direkt vor unseren<br />

Augen, niemand von uns hatte so etwas zuvor<br />

gesehen. Eine Weile waren nur die den einstmals<br />

mechanischen Auslöser imitierenden Geräusche der<br />

Digitalkameras zu hören, als wir versuchten, so viele<br />

Bilder wie möglich in den Kasten zu bekommen,<br />

während das Schauspiel am Himmel immer<br />

dramatischer wurde.<br />

Der Trick beim <strong>Fotografie</strong>ren von Nordlichtern besteht<br />

darin, die Verschlusszeiten so kurz zu halten, dass die<br />

gleichzeitig fotografierten Sterne nicht als<br />

Leuchtspuren im Bild zu sehen sind. Doch weil es<br />

dunkel ist, sind weit offene Blenden und hohe<br />

ISO-Empfindlichkeiten – Blende f/2.8 und ISO 800<br />

oder ISO 1600 – notwendig, und selbst dann beträgt<br />

die Verschlusszeit noch bis zu 30 Sekunden. Wenn das<br />

Nordlicht sehr hell wird, geht die Verschlusszeit auf 10<br />

Sekunden oder weniger zurück. Ich benutzte<br />

überwiegend mein Canon EF 17-40mm Objektiv, das<br />

eine maximale Blendenöffnung von f/4 erlaubt,<br />

deswegen lagen meine Verschlusszeiten meistens<br />

zwischen 20 und 30 Sekunden. Ich hätte das<br />

24-70mm f/2.8 Objektiv benutzen können, doch<br />

Weitwinkel sind in einer solchen Situation besser, weil<br />

sie einen viel größeren Teil des Himmels abdecken. 17<br />

Millimeter Brennweite und das Vollformat des Sensors<br />

waren insofern ideale technische Voraussetzungen.<br />

Am kompliziertesten ist das Scharfstellen. Das muss<br />

selbstverständlich manuell geschehen, weil es für den<br />

Autofokus zu dunkel ist, aber aus irgendeinem<br />

bizarren Grund kann man die Entfernung nicht<br />

einfach auf „Unendlich“ stellen. Wenn Sie ein<br />

AF-Zoom-Objektiv auf „Unendlich“ stellen, liegt der<br />

Schärfepunkt in Wahrheit in einem Bereich jenseits<br />

von „Unendlich“. Ich habe das anhand von Testfotos<br />

herausgefunden. Die Berge im Hintergrund waren<br />

unscharf. Also musste ich die Schärfe nachregeln, bis<br />

sie tatsächlich auf „Unendlich“ lag. Ein Festobjektiv<br />

wäre in dieser Situation wesentlich besser gewesen.<br />

Ein mitreisender Kollege benutzte ein 21mm-<br />

Weitwinkelobjektiv von Zeiss und wenn er das auf<br />

„Unendlich“ einstellte, lag die Schärfe auch bei<br />

„Unendlich“.<br />

Der zweite Tag begann im Morgengrauen am Strand<br />

bei Jökulsá, wo die vom Jökulsárlón losbrechenden<br />

Eisbrocken an den vulkanischen Strand gespült<br />

werden und dort bizarre Eisskulpturen formen. Ich<br />

hatte noch nie so viel Eis an einem Strand gesehen.<br />

Trotz der Tatsache, dass die Sonne nicht vor 11:00 Uhr<br />

aufging, war es schon ab 09:30 Uhr so hell, dass wir<br />

fotografieren konnten. In unseren mitteleuropäischen<br />

Breiten dauert die Morgendämmerung vielleicht<br />

20-30 Minuten, wenn man Glück hat. Im Winter auf<br />

Island dauert sie 90 Minuten. Wenn die Sonne dann<br />

endlich über dem Horizont erschienen ist, ist es fast<br />

Zeit fürs Mittagessen – eine äußerst merkwürdige<br />

146 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Lee Frost<br />

Erfahrung. Von Jökulsárlón fuhren wir entlang der<br />

Südküste zurück und verbrachten zwei Nächte in der<br />

Kleinstadt Vík í Mýrdal. Dort gibt es vulkanische Küsten<br />

und hoch aufragende Felsformationen. Ganz in der<br />

Nähe ist am Ende einer Landzunge das Kap Dyrhólaey,<br />

doch als wir dorthin fuhren, war es so stürmisch, dass<br />

wir kaum stehen konnten, und an Fotos war<br />

überhaupt nicht zu denken.<br />

Wenn ich Zuhause von meinen Islandreisen spreche,<br />

werde ich oft gefragt: „Island, ist das nicht furchtbar<br />

kalt dort oben?“ Es muss wohl am Namen liegen, dabei<br />

bedeutet „Island“ in der Landessprache nicht etwa<br />

„Eisland“, sondern ganz einfach „Insel“. Natürlich wird<br />

es dort kalt im Winter, aber als wir dort waren, lagen<br />

die Lufttemperaturen die meiste Zeit über der<br />

Frostgrenze. Am kältesten war es mit minus 12 Grad<br />

Celsius an dem Tag, als wir den Gullfoss Wasserfall,<br />

den Strokkur-Geysir und den Þingvellir Nationalpark<br />

besuchten, aber mit Thermo-Kleidung, Handschuhen<br />

und warmen Mützen war das kein Problem. Wir waren<br />

lange vor Sonnenaufgang zum Geysir unterwegs und<br />

wir fuhren in der Dunkelheit durch tiefen, frisch<br />

gefallenen Schnee. Es ist erstaunlich, wie leicht man<br />

im Schnee die Orientierung verlieren kann. Die<br />

Tatsache, dass alle Hinweisschilder zugeschneit<br />

waren, half auch nicht besonders. An einer Gabelung<br />

hielt ich an, um einen Wegweiser von Schnee und Eis<br />

zu befreien, weil ich wusste, dass wir irgendwo links<br />

abbiegen mussten; und siehe da, es war genau dort.<br />

Wir waren rechtzeitig zum Sonnenaufgang vor Ort<br />

und genossen das Schauspiel, das von dem im<br />

Abstand von wenigen Minuten eruptierenden<br />

Strokkur-Geysir begleitet wurde.<br />

Unser letztes Hauptziel war die abgelegene Halbinsel<br />

Snæfellsnes nördlich der Hauptstadt Reykjavík. Frisch<br />

gefallener Schnee sorgte für eine zauberhafte Szenerie<br />

und wir verbrachten den Tag damit, etliche<br />

Zwischenstopps einzulegen, um die großartige<br />

Landschaft zu fotografieren. Ich war heilfroh, dass<br />

unser Bus mit Spikes ausgerüstet war, denn nur die<br />

waren in der Lage, auf den vereisten Straßen für die<br />

notwendige Traktion zu sorgen. Der Seitenwind war<br />

trotzdem einmal so stark, dass wir ins Schleudern<br />

gerieten und es eine Schrecksekunde gab, bis ich das<br />

Fahrzeug wieder unter Kontrolle hatte. Später, als wir<br />

über einen Pass fuhren, wirbelte der Wind den Schnee<br />

so stark auf, dass die Sichtweite weniger als zwei Meter<br />

betrug. Snæfellsnes ist ein faszinierender Ort. Wir<br />

Im Uhrzeigersinn von ganz links:<br />

– Das wunderbare Nordlicht über der Jökulsárlón-<br />

Lagune am Ende unseres ersten aufregenden Tages;<br />

– Der schneebedeckte Kirkjufell – „Kirchenberg“ – auf<br />

der Snæfellsnes Halbinsel;<br />

– Eisberge bei Sonnenuntergang am vulkanischen<br />

Strand von Jökulsá;<br />

fotografierten den Kirkjufell – einen<br />

pyramidenförmigen Gipfel, der wie der Hut eines<br />

Zauberers aussieht, wobei die zerbrochene Eisdecke<br />

eines Sees als Vordergrund diente. Weiter besuchten<br />

wir die kleine schwarze Holzkirche bei Búðir und<br />

machten Aufnahmen von den hoch aufragenden<br />

Bergen, die von goldenem Licht beschienen wurden,<br />

als die Sonne über dem Meer aufging.<br />

In den letzten Nächten unserer Reise gab es keine<br />

Nordlichter mehr, doch das machte nichts, denn jeder<br />

von uns hatte hervorragende Aufnahmen dieses<br />

Naturschauspiels beim Jökulsárlón machen können.<br />

Die Vielfalt der Landschaften und der<br />

Wetterverhältnisse, die wir gesehen hatten, machte<br />

die Reise zu einem vollen Erfolg. Diese Bilder sind der<br />

beste Beweis dafür.<br />

Weitere Fotos finden Sie auf www.leefrost.co.uk.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 147


Profifotografen auf Reisen<br />

Adam Burton<br />

Yosemite Park<br />

EINE LANGE ANREISE, AGGRESSIVE TOURISTEN UND EIN US GOVERNMENT SHUTDOWN KONNTEN ADAM<br />

BURTONS BEGEISTERUNG FÜR DEN YOSEMITE PARK UND DIE ÖSTLICHE SIERRA NICHT DÄMPFEN. HIER SEIN<br />

BERICHT ÜBER EIN PARADIES FÜR LANDSCHAFTSFOTOGRAFEN…<br />

„Ich wünschte ich könnte ein Wort<br />

finden, dass diesem<br />

unbeschreiblichen Teil der Welt<br />

gerecht werden würde.<br />

„Atemberaubend“ ist<br />

überstrapaziert und längst zum<br />

Synonym für die Fantasielosigkeit<br />

derer geworden, die es für die trivialsten Dinge<br />

verwenden. Trotzdem fällt mir für den Yosemite<br />

Nationalpark in Kalifornien kein besseres Wort ein. Es<br />

ist eine Landschaft voller einsamer Seen, hoch<br />

aufragenden Bergen aus Granit und Jahrhunderte<br />

alten Bäumen – der Traum jedes<br />

Landschaftsfotografen!<br />

Ich bin schon früher dort gewesen, vor 12 Jahren, als<br />

ich gerade angefangen hatte, zu fotografieren. Ich<br />

hatte mir eine Spiegelreflexkamera gekauft, war aber<br />

viel zu unsicher, um etwas anderes als die<br />

Vollautomatik einzustellen. Ich hatte keine Ahnung<br />

von gutem Licht, der richtigen Tageszeit zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren, oder gar von Bildkomposition.<br />

Überflüssig zu sagen, dass niemand diese Bilder zu<br />

sehen bekommt… Seitdem wollte ich immer schon<br />

irgendwann zurück kommen und es besser machen.<br />

Als ich also eines Tages von Tatra Photography das<br />

Angebot erhielt, im Yosemite Park ein Workshop für<br />

Landschaftsfotografie zu leiten, zögerte ich keine<br />

Sekunde lang.<br />

148 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

Leider erwies sich das Timing des geplanten<br />

Workshops als sehr schlecht, es fiel genau in die<br />

Wochen des Federal-Government-Shutdown,<br />

während dem alle Nationalparks geschlossen blieben.<br />

Ein Workshop vorzubereiten in einer Gegend, die in<br />

der fraglichen Zeit wahrscheinlich gesperrt war,<br />

erschien wenig sinnvoll. Matt Jevons, Gründer von<br />

Tatra Photography und ich entschlossen uns<br />

trotzdem, die Chancen vor Ort auszukundschaften,<br />

bevor die anderen Workshop-Teilnehmer eintrafen.<br />

Wir hatten einen Notfallplan, weil Teile des Workshops<br />

auch in der östlichen Sierra außerhalb des Parks<br />

stattfinden sollten. So bereiteten wir alles vor, hoffend,<br />

dass die Situation sich klären würde, bevor der<br />

Workshop begann. In der Tat wurde die<br />

Haushaltskrise in Washington gelöst, wenn auch nur<br />

einen Tag, bevor die Teilnehmer eintrafen. Nun<br />

konnte alles nach dem ursprünglichen Plan verlaufen.<br />

Der Yosemite Park ist einer der berühmtesten<br />

US-Nationalparks und einer der größten; er umfasst<br />

mehr als 3200 Quadratkilometer und ist somit<br />

wesentlich größer als das Saarland. 95% der Fläche<br />

sind unberührte Wildnis. Die touristischen Aktivitäten<br />

konzentrieren sich auf das Yosemite Tal, das an<br />

beiden Seiten von bis zu 1300 Meter hohen Gipfeln<br />

umgeben ist. Das Tal ist bewaldet und von<br />

mäandernden Flüssen und Bächen durchzogen. Die<br />

Natur dort erinnert oft an eine Darstellung auf einem<br />

Oben: Zwielicht am Lake Tenaya im Yosemite<br />

Nationalpark<br />

Gegenüber: Die wunderschönen Herbstfarben am<br />

Merced River.<br />

alten, romantischen Ölgemälde. Vom „Tunnel View“,<br />

einem Aussichtspunkt, der durch Ansel Adams<br />

klassisches Foto „Storm Clearing“ berühmt geworden<br />

ist, hat man die wohl am meisten fotografierte<br />

Aussicht der Welt. Dort sind immer 60 bis 80 Leute zu<br />

finden, die ihre eigene Version des klassischen<br />

Adams-Fotos mit nach Hause nehmen wollen. Es gibt<br />

dort oben zwar nur diesen einen Ausblick, aber der ist<br />

so spektakulär, dass man das Foto einfach machen<br />

muss.<br />

Landschaftsfotografie ist sehr populär in diesem Teil<br />

der Welt, und man kann leicht sehen, warum. Es gibt<br />

dort viele, in majestätischer Höhe befindliche<br />

Aussichtspunkte, und sie sind alle frei zugänglich. Sie<br />

sind sogar so leicht zugänglich, dass kaum einer der<br />

vielen Touristen sich abseits der ausgetretenen Pfade<br />

bewegt. Zu meinen bevorzugten Plätzen im Yosemite<br />

Tal gehört einer mit dem seltsamen Namen „The<br />

Three Brothers“ – Die Drei Brüder. Er befindet sich ein<br />

paar Kilometer oberhalb eines anderen bekannten<br />

Punktes, dem „Valley View“, doch er ist weniger<br />

bekannt. Dort gibt es alles, was man von einer<br />

fotogenen Landschaft erwarten kann: Blattwerk in<br />

leuchtenden Farben, eine überwältigende Aussicht


❝ GLETSCHERSEEN,<br />

UMGEBEN VON<br />

SCHNEEBEDECKTEN<br />

BERGGIPFELN UND<br />

GESÄUMT VON<br />

ORANGE, GELB UND<br />

GOLDEN GEFÄRBTEN<br />

BÄUMEN.<br />


Adam Burton<br />

Profifotografen auf Reisen<br />

und einen See, in dem sich die ringsum aufragenden<br />

Berge spiegeln. Wenn Sie den Yosemite Park in<br />

West-Ost Richtung verlassen, gelangen Sie in eine<br />

ebene, wüstenähnliche Landschaft, die sich bis<br />

Nevada erstreckt. Wenn Sie nicht auf dem Highway,<br />

sondern auf einer der kleinen Nebenstrassen fahren,<br />

sehen Sie bald einen der farbenprächtigsten Wälder,<br />

die es überhaupt gibt. Sie finden dort Gletscherseen,<br />

umgeben von schneebedeckten Berggipfeln und<br />

gesäumt von orange, gelb und golden gefärbten<br />

Bäumen. Die Gegensätze könnten kaum größer sein:<br />

Im Westen diese üppigen Wälder und nur wenige<br />

Kilometer weiter östlich die verbrannte Wüste der<br />

östlichen Sierra.<br />

Unser Besuch am Mono Lake war eine der<br />

Attraktionen des Workshops, doch er hatte für mich<br />

auch seine negative Seite. Es ist ein einzigartiger Ort.<br />

Der See hat keinen Abfluss, deswegen hat er einen<br />

extrem hohen Salzgehalt. Das Salz lagert sich ab und<br />

formt bizarre, monolithische Skulpturen. Deswegen<br />

ist dieser Ort bei Landschaftsfotografen sehr populär.<br />

Wir wollten den Sonnenuntergang am See<br />

fotografieren. Wir wussten, dass es dort von Touristen<br />

wimmeln würde und waren deshalb mehr als früh<br />

genug dort. Und richtig, immer mehr Leute kamen an<br />

– überall Fotografen, wohin man schaute. Trotzdem<br />

lief alles soweit gut, bis ein älteres Ehepaar mich<br />

anzuschreien begann, ich solle gefälligst aus dem<br />

Weg gehen, ich würde ihnen die Sicht versperren.<br />

Nun hatte ich meine Kamera schon lange aufgebaut,<br />

bevor die beiden überhaupt angekommen waren;<br />

also lehnte ich höflich ab, bot Ihnen aber an, ebenfalls<br />

von dort zu fotografieren, wo ich stand. Das hätte ich<br />

lieber bleiben lassen sollen, denn nun ging der Ärger<br />

erst richtig los. Ich verbrachte die nächste halbe<br />

Stunde unter verbalem Dauerbeschuss und das<br />

rabiate Ehepaar brüllte außer mir auch jeden anderen<br />

an, der sich zu nähern wagte. In all meinen Jahren als<br />

Fotograf habe ich so etwas nicht erlebt.<br />

Landschaftsfotografie ist doch eigentlich eine ruhige,<br />

friedliche Beschäftigung…<br />

Abgesehen davon verbrachten wir keine schlechte<br />

Zeit am Mono Lake. Es war einer der wenigen Tage,<br />

an denen es ein paar Wolken am Himmel gab, die ihn<br />

einigermaßen interessant machten. Doch der Rest<br />

unserer Zeit im Yosemite Park verlief eher<br />

unbefriedigend. Ein wolkenloser blauer Himmel ist<br />

schön für Touristen, aber als Landschaftsfotograf<br />

brauche ich Wolken, etwas womit ich arbeiten kann,<br />

etwas, dass das Bild attraktiv macht. Immerhin war<br />

das Wetter kalkulierbar. Man kann wissen, dass ein<br />

bestimmter Berg und ein bestimmter Gipfel zu einer<br />

Im Uhrzeigersinn von oben:<br />

– Die Abendssonne scheint auf die Berge am Tunnel View<br />

– „El Capitan“, vom Valley View aus gesehen;<br />

– Morgendlicher Frost bedeckt die Gegend am June Lake Loop;<br />

– Die Salz-Skulpturen am Mono Lake.<br />

Gegenüber: Die beeindruckenden „Three Brothers“ spiegeln sich<br />

im Merced River.<br />

bestimmten Tageszeit sehr schön von der Seite<br />

angestrahlt werden. Mit diesem Wissen lassen sich<br />

Motive finden, wenn man weiß, wo man ist und wie<br />

man das Beste aus der Situation macht.<br />

Unser Herbsttrip bot uns immerhin die fantastischen<br />

Herbstfarben der Wälder, die wir uns erhofft hatten.<br />

Im Frühling planen wir einen weiteren Besuch, um<br />

die gigantischen Wasserfälle des Yosemite zu sehen,<br />

die größten in den USA. Für den<br />

Landschaftsfotografen ist dieser Teil der Welt eine<br />

gigantische Spielwiese; es gibt soviel zu sehen, und<br />

die Vielfalt der Natur ist überwältigend. Gerade weil<br />

diese Gegend unter Fotografen so populär ist, ist es<br />

eine besondere Herausforderung, zu versuchen,<br />

etwas Neues zu finden und zu fotografieren. Ich kann<br />

nur Ihnen nur wärmstens empfehlen: Wenn Sie je die<br />

Möglichkeit haben, besuchen Sie den Yosemite Park!<br />

Weitere Bilder finden Sie auf<br />

www.adamburtonphotography.com<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 151


<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

WAS IST ANGESAGT IN DER WELT DER FOTOGRAFIE?<br />

FOTOWETTBEWERB<br />

NUR DAS BESTE<br />

AUS DER NATUR…<br />

DIE GEWINNER DES WETTBEWERBS „RHS FOTOGRAF<br />

DES JAHRES“ SIND BEKANNT GEGEBEN WORDEN.<br />

DIE DIESJÄHRIGEN EINSENDUNGEN WAREN EBENSO<br />

UNTERSCHIEDLICH WIE QUALITATIV HOCHWERTIG.<br />

Heather Buckley / Gewinnerin, RHS Fotografin des Jahres


<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

WAS IST ANGESAGT IN DER WELT DER FOTOGRAFIE?<br />

Brett Critchley / Erster Platz in der Kategorie „Jahreszeiten“<br />

Das Makrofoto einer Blume in leuchtenden<br />

Farben, ein bunter Star vor einem<br />

pastellfarbenen Hintergrund und eine Hummel<br />

zwischen drei hoch aufragenden Fingerhut-<br />

Blütenstauden waren die Motive der Gewinner des „Royal<br />

Horticultural Photographer of the Year“ Wettbewerbs<br />

2013.<br />

Die Teilnehmer konnten sich in den Kategorien<br />

„Pflanzen“, „Details“, „Menschen“, „Gärten“, „Wildlife“ und<br />

„Jahreszeiten“ bewerben. Jugendlichen von 11 bis 17<br />

Jahren stand die Kategorie „Junge Fotografen“ und<br />

Kindern unter 11 Jahren die Kategorie „Kinder als<br />

Fotografen“ offen. Der Wettbewerb fand Interesse bei<br />

Einsendern aus mehr als 40 Ländern und die Juroren<br />

hatten alle Hände voll zu tun, die eingesandten Bilder zu<br />

bewerten und die drei Gewinner zu ermitteln. Neben den<br />

drei Gewinnern wurden allerdings noch etliche weitere<br />

hervorragende Bilder aus allen Kategorien lobend<br />

erwähnt.<br />

Die Gesamtsiegerin des „RHS Photographer of the<br />

Year“ Wettbewerbs 2013 ist Heather Buckley aus Brighton.<br />

Sie erhielt den ersten Preis für ihr Foto einer die<br />

Blütenstauden eines Fingerhuts anfliegenden Hummel,<br />

aufgenommen in den Great Dixter Gärten in East Sussex.<br />

Das Ergebnis kam für die Preisträgerin sehr überraschend.<br />

Ihr Kommentar:<br />

„Eigentlich bin ich Straßenfotografin, aber der<br />

Wettbewerb lag trotzdem nah für mich, denn ich liebe<br />

Gärten und Blumen. Ich wollte meine Bilder dieser<br />

Blumen in dem für die Straßenfotografie üblichen Stil<br />

aufnehmen, nicht als Makrofoto, was man bei<br />

Blumenmotiven ja immer erwartet. Ich brauchte fast den<br />

ganzen Nachmittag, bis mir diese Aufnehme gelang.“<br />

Diese Bemühungen brachten ihr nicht nur die<br />

Anerkennung der Jury, sondern auch das Preisgeld von<br />

1000£ ein.<br />

Den ersten Preis in der Kategorie „Junge Fotografen<br />

des Jahres, der mit einem Gutschein der Firma Wex<br />

Photographie im Wert von 250£ verbunden ist, erhielt der<br />

17-jährige Mateusz Piesiak aus Polen. Seine Bilder eines<br />

jungen Stars vor einem pastellfarbenen Hintergrund<br />

fanden bei der Jury den größten Anklang.<br />

Zu den weiteren Gewinnern gehören: Jacky Parker in<br />

der Kategorie „Details“ mit ihrem sehr schönen Makrofoto<br />

einer Anemone „de Caen“, Brett Critchley in der Kategorie<br />

„Jahreszeiten“ mit seiner Aufnahme des Sonnenlichts<br />

durch herbstlich eingefärbtes Blattwerk, Sarah-Fiona<br />

Helme in der Kategorie „Wildlife“ für ihr Bild eines Vogels,<br />

der sich gerade seine Fisch-Mahlzeit besorgt hat. Die drei<br />

Gewinner erhielten je 350£ Preisgeld.<br />

Der Wettbewerb findet jedes Jahr von Juni bis<br />

November statt, die Teilnahme steht jedem Amateur oder<br />

Berufsfotografen offen. Hier sehen Sie nur eine sehr kleine<br />

Auswahl der Bilder, die ihren Fotografen Preise gebracht<br />

haben, alle anderen finden Sie auf www.rhs.org.uk/<br />

Competitions/Photo-competition. Dort erfahren Sie auch<br />

mehr über die Gewinner des Jahres 2013.<br />

Jacky Parker / Gewinner der Kategorie „Details“<br />

Mateusz Piesiak / Gewinner der Kategorie „Junge Fotografen des Jahres“<br />

154 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Kyle Moore / Zweiter Platz in der Kategorie „Junge Fotografen des Jahres“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 155


<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

PRODUKTNEUHEITEN<br />

KLASSIKER „RELOADED“<br />

Unmittelbar nach der kürzlich vorgestellten X-T1 kündigt Olympus ein neues,<br />

preiswertes Modell der OM-D Reihe im Retro-Stil an. Das Design der Olympus OM-D<br />

E-M10 ist eindeutig an die Olympus OM10 angelehnt, einen Klassiker des<br />

24x36-Kleinbildformats.<br />

Das neue Micro-Four-Thirds-Modell kommt mit beeindruckender Technik. Da<br />

gibt es einen 16,1-Megapixel LIVE MOS Sensor, das hauseigene Olympus 81-Punkt<br />

Kontrast-AF-System zur Scharfeinstellung, einen 3-Achsen-Bildstabilisator, die<br />

Serienbildfunktion mit 8 Bildern pro Sekunde und einen ISO- Empfindlichkeitsbereich<br />

von 100 bis 25600. Erwähnenswert sind außerdem der elektronische Sucher der OM-D E-M10 mit<br />

1,44 Millionen Bildpunkten, der den Bildausschnitt zu 100% anzeigt und das bei einer<br />

Bildwiederholungsrate von 120 Bildern pro Sekunde mit einem maximalen Vergrößerungsfaktor<br />

von 1,15. Vervollständigt wird die Ausstattung der Kamera durch einen schwenkbaren 3-Zoll<br />

LCD-Touchscreen mit 1037000 Punkten Auflösung, Full-HD-Video mit bis zu 30 Bildern pro<br />

Sekunde und integriertes Wifi, mit dem sich die E-M10 vom Smartphone aus steuern lässt.<br />

Zusammen mit der Kamera bringt Olympus auch zwei neue Objektive auf den Markt – ein<br />

superschlankes M.ZUIKO DIGITAL 14-42mm f/3.5-5.6 EZ Pancake-Objektiv, äquivalent zu<br />

28-84mm, bezogen auf das Kleinbildformat und das M.ZUIKO DIGITAL 25mm f/1.8, entsprechend<br />

50mm im Kleinbildformat.<br />

Preislich beginnt die Olympus OM-DE-M10 bei 590 € für das Gehäuse, knapp 800 € zahlt man<br />

für Gehäuse plus Pancake-Objektiv, während das 25mm f/1.8 Objektiv knapp 400 € kostet.<br />

www.olympus.de<br />

In Kürze...<br />

Zehnstufiger<br />

Graufilter von<br />

Tiffen<br />

Tiffen hat sein Filter-<br />

Angebot durch einen neuen<br />

Zehnstufen-Graufilter<br />

erweitert. Der Tiffen ND 3.0<br />

ermöglicht das <strong>Fotografie</strong>ren mit<br />

langen Verschlusszeiten auch bei hellem<br />

Tageslicht. Der neue Filter ist in Gewindegrößen<br />

von 52 bis 82 mm auf dem Markt, die Preise<br />

beginnen bei etwa 20 € für das 52 mm-Modell.<br />

www.tiffen.com<br />

Neues<br />

Blitzsystem von<br />

Interfit<br />

Interfit hat sein neustes<br />

Blitzsystem auf den Markt<br />

gebracht, das „Strobies<br />

Pro-Flash One Eighty”. Es bietet<br />

eine Leistung von 180 Watt in<br />

Kombination mit einer High-Speed-<br />

Synchronisation von bis zu 1/8000 Sekunde. Der<br />

Preis liegt bei etwa 300 €, der erforderliche Akku<br />

kostet weitere 150 €.<br />

www.interfitphotographic.com<br />

Wieder da: Kodak<br />

Der Stand des Kodak-<br />

Insolvenzverfahrens ist nicht<br />

bekannt; immerhin hat die<br />

Traditionsfirma eine neue<br />

Micro-Four-Thirds-Kamera<br />

vorgestellt: Die Kodak PixPro<br />

S-1 ist seit April im Handel und<br />

bietet einen 16,8-Megapixel-<br />

Ssensor, Wi-Fi und 5 Bilder pro Sekunde in der<br />

Serienbildfunktion. Der Preis mit Kit-Objektiv<br />

beträgt etwa 370 €<br />

www.kodak.de<br />

NEUE OBJEKTIVE<br />

VON SIGMA<br />

Sigma bringt in beeindruckend schneller Folge hochwertige Objektive in den<br />

Handel und auch die beiden neuesten hier vorgestellten Objektive werden dieses<br />

Jahr nicht die letzten sein.<br />

Da ist zunächst ein neues 50mm f/1.4 DG HSM Objektiv. Dieses begehrte<br />

Festbrennweitenobjektiv mit schneller Blende wurde überarbeitet und fügt sich<br />

nun in die Sigma A-Art-Produktlinie ein. Das Gehäuse hat nun dasselbe, matte<br />

Finish wie der Rest der Baureihe. Im Inneren werkeln 13 Linsen, die in 8<br />

Baugruppen angeordnet sind. Alle Linsen sind hoch vergütet, um Spiegelungen<br />

und Blendenflecke zu reduzieren. Die Blende besteht aus 9 Lamellen, die eine<br />

nahezu runde Blendenöffnung erzeugen, wodurch ein weiches Bokeh entsteht.<br />

Außerdem verfügt das Objektiv über Sigmas hauseigenes HSM-Fokus-System.<br />

Die minimale Arbeitsdistanz beträgt nur 40 cm. Weiter gibt es für das Objektiv<br />

eine USB-Docking-Station für Firmware <strong>Update</strong>s. Das Vorgängermodell war<br />

bereits ein hervorragendes Objektiv, und wir sind gespannt auf dieses neue<br />

Modell, das mit einem empfohlenen Preis von 999 € in den Handel kommt.<br />

Ebenfalls neu ist das vielseitige Sigma 18-200mm f/3.5-6.3 DC Macro OS HSM,<br />

ebenfalls keine völlige Neuentwicklung, sondern auch ein Ergebnis der<br />

Modellpflege. Es gehört in die C-Contemporary-Produktlinie und dient als<br />

Universalobjektiv. Die Brennweiten reichen vom Weitwinkel- bis in den Tele-<br />

Bereich. Die minimale Arbeitsdistanz beträgt 39 cm bei einer Vergrößerung von<br />

1:3. Die Optik besteht aus 16 Linsen in 13 Baugruppen, verfügt über das<br />

hauseigene HSM-Fokus-System und einen optischen Bildstabilisator. Das neue<br />

18-200mm f/3.5-6.3 DC Macro OS HSM ist erhältlich mit Anschlüssen für Canon,<br />

Nikon, Sony und Pentax. Der empfohlene Preis liegt bei 449 €.<br />

http://www.sigma-foto.de<br />

156 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Superschnelles Nocticron<br />

mit Festbrennweite<br />

Wer Objektive mit Festbrennweite bevorzugt, kann sich<br />

angesichts der vielen Neuvorstellungen von Nikon, Fuji und<br />

Sigma in den vergangenen Monaten über Nachschubmangel<br />

nicht beklagen.<br />

Für das Micro-Four-Thirds-Sensor-Format gibt es ein neues<br />

Panasonic Leica DG Nocticron 42.5mm f/1.2 Objektiv. Es bietet<br />

eine Brennweite von 85mm – äquivalent zum Kleinbildformat<br />

– und eignet sich perfekt für Porträtfotos mit wenig<br />

Schärfentiefe. Die maximale Blendenöffnung gestattet auch bei<br />

schlechten Lichtverhältnissen Aufnahmen aus der Hand. Das<br />

Objektiv enthält 14 Linsen in 11 Baugruppen. 2 der Linsen sind<br />

asphärisch, eine mit extrem geringer Streuung, die andere mit<br />

hohem Brechungsindex. Weiter gibt es einen optischen<br />

Bildstabilisator und einen Blendeneinstellring direkt am<br />

Objektiv. Der Preis beträgt knapp 1500 €.<br />

www.panasonic.com.de<br />

Mittelformat-Rennen<br />

In den vergangenen Monaten konnte man ein Wettrennen zwischen zwei Kameraherstellern<br />

beobachten. Zuerst kündigte Mittelformat-Spezialist Hasselblad an, unter der Bezeichnung<br />

„H5D-50c“ die weltweit erste 50-Megapixel Mittelformat-Kamera mit CMOS-Sensor<br />

herauszubringen; sie sollte ab März 2014 bestellbar sein.<br />

Nur wenige Tage nach dieser Ankündigung zog Hasselblad-Konkurrent Phase One<br />

nach und erklärte nun seinerseits, die erste 50-Megapixel CMOS-Sensor-Kamera<br />

„Phase One IQ250“ sei ab sofort verfügbar. Im Gegensatz zum Hasselblad-<br />

Modell verfügt das Phase-One-Modell zusätzlich über Wi-Fi,<br />

Touch-Screen und USB 3.0. Bisher wurden in Mittelformat-Kameras<br />

ausschließlich CCD-Sensoren verbaut; der Umstieg auf den<br />

Mittelformat-CMOS-Sensor erfolgte wegen seiner<br />

besseren Leistung bei schlechten Lichtverhältnissen.<br />

Die Phase One IQ250 ist für 25000 € im Handel, die<br />

Hasselblad H5D-50c für ca. 21000 €.<br />

www.hasselblad.de<br />

www.phaseone.com/de<br />

Unten: Die neue Phase One<br />

IQ250 soll unter schlechten<br />

Lichtverhältnissen<br />

eindrucksvolle Ergebnisse<br />

liefern.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 157


<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

PRODUKTNEUHEITEN<br />

CANON EOS<br />

MIT APP<br />

EINSTEIGER EOS 1200D MIT EOS BEGLEITER APP VORGESTELLT<br />

<strong>Fotografie</strong>ren leicht gemacht – das ist das Motto von Canon bei der<br />

Vorstellung des neuesten DSLR-Modells für Einsteiger, der EOS 1200D. Es<br />

ersetzt die nunmehr 3 Jahre alte EOS 1100D und weist eine ganze Reihe<br />

von Verbesserungen auf, einschließlich einer „Begleiter-App“. Die EOS<br />

1200D kommt mit 18-Megapixel APS-C CMOS Sensor – die EOS 1100D<br />

hatte „nur” 12 Megapixel – einem DIGIC 4 Prozessor, Full-HD-Video,<br />

kreativen Filtern und einem 9-Punkt Autofokus-System. Weiter gibt es<br />

einen eingebauten Kamera-Guide, der die Bedienelemente und deren<br />

Handhabung erklärt.<br />

Von Canon besonders herausgestellt wird die Begleiter-App, die für die<br />

Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS zur Verfügung steht. Die<br />

App enthält eine Einführung in die Grundlagen der <strong>Fotografie</strong> sowie<br />

einen Überblick über die Kamerafunktionen. Das Kernstück der App sind<br />

Videotutorials, die allerdings nicht mit der App installiert sondern aus dem<br />

Netz heruntergeladen werden. Zusätzlich ist auch die gesamte<br />

Bedienungsanleitung der Kamera in die Begleiter-App integriert. Wir<br />

fanden die App sehr nützlich, denn sie ist kinderleicht zu nutzen<br />

und enthält viele nützliche Informationen rund um die<br />

<strong>Fotografie</strong>, die auch für viele andere Kameras hilfreich<br />

wären.<br />

Die Canon EOS 1200D gibt es ab 300 € ohne Objektiv,<br />

ab 400 € mit Canon EF-S 18-55mm f/3,5 - 5,6 IS II Objektiv.<br />

www.canon.de<br />

CANON EOS 1200D: STECKBRIEF<br />

CMOS Sensor: APS-C Format 18 Megapixel<br />

Brennweitenfaktor: 1,6<br />

ISO-Bereich: ISO 100-12800 plus automatische Einstellung<br />

LCD Monitor: 3 Zoll TFT, 460000 Pixel<br />

Bildprozessor: Digic 4<br />

Autofokus-System: 9-Punkt Autofokus<br />

Serienbild-Modus: 3 Bilder pro Sekunde<br />

Video: Full HD Video bis zu 30 Bilder pro Sekunde<br />

Abmessungen: 129,6 x 99,7 x 77,9 mm<br />

Gewicht: 480g<br />

In aller Kürze...<br />

X100S Extender<br />

Auf der CP+ Camera & Photo Imaging Show<br />

2014 in Japan sahen wir einen neuen<br />

Telekonverter für die Fuji X100S. Der<br />

TCL-X100 wird auf das Objektiv<br />

geschraubt und erweitert die<br />

ursprünglichen 23mm Brennweite auf<br />

35mm, was 50mm im Kleinbildformat<br />

entspricht. Die maximale Blende von f/2 bleibt<br />

erhalten.<br />

www.fujifilm.eu<br />

Pentax Telekonverter<br />

Pentax hat einen neuen Telekonverter mit<br />

1,4-fachem Vergrößerungsfaktor<br />

angekündigt. Der HD Pentax-DA AF Rear<br />

Converter 1.4X AW ist gegen<br />

Spritzwasser und Staub geschützt und<br />

voll mit dem Autofokus kompatibel. Er ist<br />

seit März für 399 € im Handel.<br />

http://shop-de.ricoh-imaging.eu/<br />

158 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Neues Kamera-Design<br />

von Sigma<br />

Sigma ging beim Design der neuen<br />

Kompaktkamera Sigma dp Quattro ganz<br />

offensichtlich neue Wege. Das erste Modell, die<br />

dp2, verfügt über einen neu entwickelten<br />

19-Megapixel Foveon Multi-Layer Sensor<br />

und ein 30mm f/2.8 Festobjektiv.<br />

Versionen mit 19mm- und 50mm-<br />

Objektiven sollen folgen. Zum<br />

Redaktionsschluss waren auf der Website<br />

von Sigma noch keine Preise verfügbar.<br />

www.sigma-foto.de/<br />

ZWEI NEUE TAMRON<br />

SUPERZOOMOBJEKTIVE<br />

Tamron kommt mit zwei neuen<br />

Super-Zoomobjektiven auf den<br />

Markt. Bei dem ersten, dem<br />

16-300mm f/3.5-6.3 Di II VC PZD<br />

MACRO, handelt es sich um ein<br />

vielseitiges, leistungsstarkes<br />

Objektiv für APS-C Kameras,<br />

gedacht als Universalobjektiv für alle<br />

Aufgaben von Weitwinkel bis Tele.<br />

Es verfügt über Tamrons<br />

Bildstabilisator „Vibration<br />

Compensation“ (VC) und einen<br />

Piezo Drive (PZD) Autofokus-Motor,<br />

der bis auf eine Minimaldistanz von<br />

39 cm fokussieren kann.<br />

Das zweite Objektiv, das Tamron 28-300mm f/3.5-6.3 Di VC PZD, wurde für<br />

APS-C- und Vollformat-Kameras entwickelt, verfügt ebenfalls über VC und PZD<br />

und besteht aus 19 Elementen in 15 Baugruppen. Beide Objektive sind seit 15.<br />

Mai 2014 erhältlich für Canon-, Nikon- und Sony-Gehäuse. Preise standen bei<br />

Redaktionsschluss noch nicht fest.<br />

www.tamron.eu/de<br />

Sony Alpha mit<br />

schnellem Autofokus<br />

Finger am Abzug: Sony kündigt eine neue, kompakte Systemkamera<br />

an, deren Autofokus in sagenhaften 0,06 Sekunden scharfstellen soll.<br />

Damit hätten wir wieder mal den schnellsten Autofokus der Welt.<br />

Die neue Sony Alpha 6000 soll die erfolgreichen NEX-6- und<br />

NEX-7-Modelle ersetzen, wobei der Autofokus die Hauptrolle spielt.<br />

Sein unglaubliches Tempo wird durch ein Hybrid-Autofokussystem<br />

ermöglicht, bestehend aus 179 Phasenvergleichspunkten und 25<br />

Kantenkontrast-Erkennungspunkten. Dazu ist ein brandneuer<br />

24,3-Megapixel CMOS APS-C Sensor mit einem ISO-Bereich von<br />

100-25600 vorhanden, der durch die Koppelung mit Sonys Bionz X<br />

Prozessor 11 Fotos pro Sekunde aufnehmen kann, bei automatischer<br />

Schärfenachführung!<br />

Außerdem sind Wi-Fi und NFC („Near Field Communciation“) als<br />

Standards vorhanden, ein schwenkbarer 3 Zoll LCD-Monitor mit<br />

921000 Bildpunkten, ein OLED-Sucher mit 1400000 Bildpunkten,<br />

Full HD-Video für 1080p bei 60fps sowie eine Auswahl<br />

verschiedener Gehäuse in Schwarz bis Titan. Die technischen Daten<br />

klingen sehr<br />

vielversprechend.<br />

Die Alpha<br />

6000 ist seit<br />

April im<br />

Handel, das<br />

Gehäuse für<br />

ca. 700 €, mit<br />

dem 16-50mm<br />

Kit-Objektiv<br />

zusammen<br />

für ca. 800 €.<br />

www.sony.de<br />

NIKON: NEUES<br />

FLAGGSCHIFF<br />

Nach vielen Spekulationen und Gerüchten ist es nun heraus:<br />

Nikons neues Flaggschiff heißt D4S. Die Kamera mit<br />

brandneuem 16,2-Megapixel Vollformat-Sensor und EXPEED<br />

4 Prozessor bietet 11 Serienbilder pro Sekunde, ISO-Werte<br />

von 100 bis 409600 (!) sowie Full HD-Videokapazität mit<br />

1080p und 60fps.<br />

Wie man von einer Kamera solchen Kalibers erwarten darf,<br />

gibt es außerdem einen extrem schnellen Autofokus, die<br />

Auswahl zwischen 9, 21 und 51 Autofokus-Messpunkten<br />

sowie die automatische Schärfenachführung auch bei einer<br />

Bildserie mit 11 Aufnahmen pro Sekunde. Solche Werte<br />

prädestinieren die Kamera für die Sport- und Wildlife-<br />

<strong>Fotografie</strong>, bei denen es auf gestochen scharfe Bilder<br />

ankommt. Bei einer Profi-Kamera dieses Niveaus wird<br />

Haltbarkeit natürlich groß geschrieben, deswegen ist sie<br />

gegen Staub- und Spritzwasser geschützt und die aus Kevlar<br />

und Kohlefasern bestehende Verschlusseinheit ist für<br />

400000 Auslösungen ausgelegt. Solche Technologie ist<br />

leider nicht ganz billig – allein der Kauf des Gehäuses<br />

erleichtert Sie um ca. 5000 €.<br />

www.nikon.de<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 159


<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

FOTO-NEWS<br />

iPhone 5 Zubehörtest<br />

Olloclip 4-in-1 iPhone Objektiv<br />

Preis: 69,95 € im Applestore<br />

Die iPhone-5-Kamera ist für Schnappschüsse gut genug.<br />

Manche Modelle der Konkurrenz haben zwar eine höhere<br />

Auflösung und der iPhone-Kamera fehlen die Einstell-<br />

Möglichkeiten einer „richtigen“ Kamera, doch sie macht gute<br />

Fotos und sie ist auch dann zur Hand, wenn Sie Ihre DSLR nicht<br />

dabei haben. Das größte Manko der iPhone-Kamera sind jedoch<br />

die feste Objektiv-Brennweite und die damit verbundenen<br />

fotografischen Einschränkungen.<br />

Dieses Problem will Olloclip mit dem neuen, speziell für die iPhones 5 und<br />

5S<br />

ausgelegten 4-in-1-Vorsatz-Objektiv lösen. Es wird auf kameraseitige die Ecke des iPhones gesteckt<br />

und bietet vier Objektive in einem Gehäuse: ein Fisheye, ein Weitwinkel, ein 10-fach Makro- und ein<br />

15-fach-Makroobjektiv. Die Verarbeitungsqualität ist gut; die Objektive enthalten mehrere<br />

Elemente mit vergüteten Linsen, und der Objektivtubus ist aus Aluminiumdruckguss gefertigt. Das<br />

Olloclip-Objektiv arbeitet mit jeder App zusammen, die die Kamera an der Rückseite des iPhones<br />

nutzt. Das Anbringen des Objektivs ist ganz einfach, es sitzt fest und verrutscht nicht. Das<br />

Smartphone passt allerdings mit aufgesetztem Objektiv in keine der vorgesehenen Hüllen mehr, es<br />

sei denn, Sie kaufen die passende Hülle von Olloclip – für noch einmal 70 €. Ansonsten müssen Sie<br />

das Vorsatz-Objektiv jedes Mal abnehmen, wenn Sie das iPhone in seine Hülle stecken wollen.<br />

Was die Abbildungsleistung angeht, ist zu sagen, dass die Schärfe beim Weitwinkel und beim<br />

Fisheye zu den Bildkanten hin abfällt, doch das ist bei Weitwinkeloptiken zu erwarten. Ansonsten ist<br />

nur noch der relativ hohe Preis von fast 70 € zu erwähnen, doch wenn Sie oft und gern mobil<br />

fotografieren, kann Ihnen das Olloclip-Objektiv eine ganz neue Welt eröffnen, die Ihnen sonst<br />

verborgen bleiben würde. Von extremen Nahaufnahmen bis zu Motiven in beengten<br />

Räumlichkeiten, jetzt entgeht Ihnen nichts mehr.<br />

iPhone Objektiv<br />

Fisheye-Objektiv<br />

Weitwinkelobjektiv<br />

Urteil: Macht die iPhone-Kamera vielseitiger – zu einem stolzen Preis.<br />

GEISTERSTADT<br />

Von Luxus-Autos zu urbanem<br />

Verfall – Fotograf Tim Wallace<br />

entdeckt eine Geisterstadt in<br />

Kalifornien – mit überraschenden<br />

Einsichten.<br />

Als Fotograf ist Tim Wallace am besten für seine<br />

künstlerischen, perfekt ausgeleuchteten Fotos<br />

von Luxuskarossen wie Jaguar und Aston Martin<br />

bekannt. Doch ein kürzlicher USA-Aufenthalt<br />

bescherte ihm und Partnerin Jessica Gremaud<br />

Motive ganz anderer Art – eine alte<br />

Bergarbeiterstadt im Death Valley.<br />

„Das Death Valley hat immer eine besondere<br />

Faszination auf mich ausgeübt. Bevor wir<br />

loszogen, haben wir uns ein bisschen schlau<br />

gemacht, und dabei erhielten wir Kenntnis von<br />

dieser abgelegenen Siedlung, die uns recht<br />

vielversprechend erschien, interessant genug<br />

jedenfalls, um sie genauer unter die Lupe zu<br />

nehmen“, erklärt Tim.<br />

Das kleine Städtchen Darwin entstand 1874<br />

bei den nahegelegenen Bergwerken und war<br />

einst ein geschäftiger Ort, doch heute lebt dort<br />

nur noch eine Handvoll Leute. „In seiner Blütezeit<br />

wimmelte der Ort von Menschen und es gab<br />

jede Menge Saloons, Läden und Bordelle“.<br />

„Wie so viele Geisterstädte in den USA starb<br />

auch diese aus, nachdem die lokale<br />

Bergwerksindustrie ihr Geschäft aufgab. Doch<br />

❝<br />

Man sagt, wenn man<br />

sein Hobby zum Beruf<br />

macht, verliere man den<br />

Spaß daran. Der Meinung<br />

bin ich überhaupt nicht.<br />

❞<br />

heute gibt es in Darwin eine kleine<br />

Gemeinschaft von Künstlern und anderen<br />

Individualisten, die es vorziehen, hier in der<br />

Wildnis zu leben. Kaufen können Sie hier nichts<br />

und ein Hotel gibt es auch nicht mehr – der<br />

nächste Supermarkt ist fast 150 Kilometer von<br />

hier entfernt.“<br />

Tim und Jessica verbrachten den Tag dort<br />

und fotografierten die Geisterstadt. Ihnen<br />

gelangen faszinierende Aufnahmen, die die<br />

Stimmung des vergessenen Ortes einfingen –<br />

ein ziemlicher Kontrast im Vergleich zu den<br />

sonstigen Motiven, mit denen Tim sich befasst.<br />

„Man sagt, wenn man sein Hobby zum Beruf<br />

macht, verliere man den Spaß daran. Der<br />

Meinung bin ich überhaupt nicht – meine ganz<br />

unterschiedlichen persönlichen Interessen<br />

geben mir die Möglichkeit, immer noch Dinge<br />

nur für mich selbst zu fotografieren.<br />

Diese Bilder entstanden mit der<br />

ausgezeichneten kleinen Fujifilm X-Pro1 Kamera<br />

und einem 14mm Objektiv. Es ist meine liebste<br />

Reisekamera. Sie ist leicht zu bedienen und die<br />

Qualität der Fotos ist hervorragend. Motive wie<br />

diese hier schieße ich in Schwarzweiß, das<br />

vermittelt am ehesten den Eindruck vor Ort.“<br />

Weitere Fotos finden Sie auf:<br />

www.ambientlife.co.uk<br />

160 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


XXXXXXX<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 161


<strong>Kurz</strong> <strong>belichtet</strong><br />

ZUM SCHLUSS BELICHTET<br />

Schiffbruch:<br />

Robinson mit Kamera<br />

In einem Gedankenexperiment setzten wir Fotografin Catherine MacBride auf einer<br />

verlassenen Insel aus. Wir waren aber so großzügig, ihr den Luxus einer kleinen Fotoausrüstung<br />

zu erlauben. Hier ist ihre Wahl…<br />

1) KAMERA<br />

Die Wahl ist nicht einfach, doch<br />

ich denke, ich würde meine<br />

Fujifilm X100S mitnehmen. Es ist<br />

eine ausgezeichnete Kamera,<br />

klein und handlich. Die könnte ich<br />

problemlos immer mit mir<br />

herumtragen. Sie macht beste<br />

Fotos, auch helles Sonnenlicht<br />

produziert kaum Reflexe und<br />

Blendenflecke – genau richtig für<br />

ein Inselparadies.<br />

2) OBJEKTIV<br />

Technisch gesehen hat die X100S<br />

keine Wechseloptik, also kann ich<br />

gar kein anderes Objektiv<br />

verwenden. Wenn ich meine<br />

Canon EOS 7D einschmuggeln<br />

kann, nehme ich dazu das Canon<br />

EF 50mm f/1.4 Standardobjektiv,<br />

ein schönes, einfaches Objektiv.<br />

Ich fotografiere gern mit weit<br />

offener Blende und stelle nur auf<br />

ein winziges Detail meines Motivs,<br />

während alles andere in Unschärfe<br />

verschwindet.<br />

3) ZUBEHÖR<br />

Natürlich wäre das meine<br />

Grafea-Kameratasche aus<br />

Leder, die mein Mann mir<br />

gekauft hat, als meine alte<br />

Tasche mitten auf der Straße<br />

auseinandergefallen war. Es ist<br />

eine stilvolle Tasche, die alles<br />

aufnimmt, was ich brauche.<br />

4) EIN FOTO<br />

Das ist schwer, denn ich mache<br />

viele Fotos! Es wäre wohl das Bild<br />

meines Sohnes und meines<br />

Vaters, die vor einer<br />

Mineraliensammlung sitzen. Das<br />

Bild zeigt die Verbundenheit der<br />

beiden – und schaffte es damit in<br />

die Kategorie „Best of Creative<br />

Imagery 2013“ von Getty Images.<br />

5) EIN BUCH MIT<br />

FOTOGRAFIE-BEZUG<br />

Ich war nie besonders gut darin,<br />

Fotolehrbücher zu lesen, also<br />

wäre es ein Buch mit vielen Fotos,<br />

das ich stundenlang<br />

durchblättern kann; etwa „Vivian<br />

Maier: Out of the Shadows“ von<br />

Richard Cahan. Da sind so viele<br />

wundervolle Bilder von<br />

Menschen und vom Leben in der<br />

Stadt; das würde bestimmt helfen<br />

gegen die Einsamkeit.<br />

6) EINEN BEGLEITER<br />

Mein Ehemann. Er ist voller Ideen<br />

und ich bin immer wieder<br />

erstaunt darüber, wie<br />

unterschiedlich unsere Bilder<br />

sind, selbst wenn wir dasselbe<br />

Motiv aufnehmen. Außerdem<br />

kann er sehr gut kochen und<br />

problemlos ein Feuer in Gang<br />

bringen – sehr praktisch auf einer<br />

verlassenen Insel!<br />

4<br />

3<br />

5<br />

6<br />

1<br />

2<br />

162 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


GRAUKARTE<br />

<strong>Digitale</strong><br />

WEISSABGLEICHKARTE<br />

<strong>Digitale</strong>


Alter: 40 / Beruf: Manager für Qualitätssicherung<br />

www.florian-weiler.de<br />

Julia: „Dieses Bild habe ich mit meiner ersten digitalen<br />

Spiegelreflexkamera in Paris gemacht. Der Wochenendtrip<br />

war ein Geburtstagsgeschenk meiner Frau, und wir<br />

verbrachten zwei wundervolle Tage mit vielen<br />

Gelegenheiten zum <strong>Fotografie</strong>ren der Stadt. Dieses Bild<br />

entstand allerdings im Bad unseres Hotelzimmers. Die<br />

weiß gefliesten Wände reflektierten das Licht in alle<br />

Richtungen, sorgten für gleichmäßige Beleuchtung und<br />

starken Kontrast zum roten Haar. Als Lichtquelle diente<br />

lediglich ein ferngesteuerter, indirekter Blitz gegen eine<br />

Wand, als Blende hatte ich f/5.6 eingestellt. Den Kontrast<br />

verbesserte ich später in Photoshop.“<br />

Nikon D80 mit Nikkor 16-85mm f/3.5-5.6G ED VR<br />

Objektiv.<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 100.<br />

18 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

<strong>Digitale</strong><br />

Mich fasziniert, wie viele<br />

unterschiedliche Küsten man auf der<br />

Welt findet. Wir haben in Europa schon<br />

sehr viele, doch wenn ich ein Bild wie<br />

dieses sehe, möchte ich auch die<br />

australischen Küstenlandschaften<br />

erkunden.<br />

Daniel Lezano<br />

Alter: 28 / Beruf: Vertriebsassistentin<br />

www.soniamphotography.com<br />

Felsspitzen: „Dieses Bild machte ich auf Phillip Island in Victoria,<br />

Australien. Es war bereits der dritte Versuch, doch aufgrund der<br />

Wetterbedingungen hatte ich zuvor kein Glück gehabt. Dieses Mal kam<br />

ich schon zwei Stunden vor Sonnenuntergang an, weil ich mir für die<br />

Vorbereitungen viel Zeit nehmen wollte. Allein der Abstieg zu den Felsen<br />

dauerte schon eine Stunde. Das Licht sah vielversprechend aus; das<br />

Problem war nur, dass die Sonne einen starken Schatten auf die<br />

Felsentürme warf. Deswegen machte ich drei Aufnahmen, die ich später<br />

mit Photoshop zusammenführte.“<br />

Canon EOS 7D mit Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 Objektiv.<br />

Belichtung: 60 Sekunden bei Blende f/8 und ISO 250.<br />

Surfer: „Ich machte diese Aufnahme am Strand von Cronulla, einem Vorort von<br />

Sydney. Dort gibt es überall natürliche, von der Flut regelmäßig gespeiste Swimming<br />

Pools. Manche sind auch künstlich angelegt, doch dieser hat besonders schöne,<br />

natürliche Felsformationen. Als ich den Surfer ins Wasser gehen sah, stellte ich die<br />

kürzeste Verschlusszeit ein, mit der ich ihn noch scharf aufnehmen konnte, ohne die<br />

Bewegung des Wassers einzufrieren. Der Surfer gibt dem Bild einen Maßstab. Da das<br />

Licht des Sonnenuntergangs hinter den Wolken leicht zu kontrollieren war, hatte ich<br />

in der Nachbearbeitung wenig zu tun, abgesehen von ein paar Farbkorrekturen, der<br />

Verbesserung des Kontrasts und kleineren Aufräumarbeiten im Vordergrund.“<br />

Canon EOS 7D mit Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 Objektiv.<br />

Belichtung: 3,2 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

Genuss der kleinen Dinge: „Dieser Ort ist einer der wenigen an<br />

Australiens Ostküste, an denen es sich lohnt, Sonnenuntergänge zu<br />

fotografieren. Ich hatte mich nur in der Zeit für die Anfahrt verschätzt,<br />

denn als ich noch unterwegs war, tauchten die ersten Farben am<br />

Himmel auf. Ich bemerkte ein paar hübsche Spiegelungen in<br />

Wasserpfützen und nutzte sie für meine Bildkomposition aus, um den<br />

Blick auf das orangefarbene Glühen des Sonnenuntergangs hinter dem<br />

Bergrücken zu lenken. Da sich die Wolken im Wind schnell bewegten,<br />

musste ich mich mit meinen Aufnahmen beeilen. Die drei besten führte<br />

ich später in Photoshop zu einem Bild zusammen.“<br />

Canon EOS 7D mit Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 Objektiv.<br />

Belichtung: 0,5 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 19<br />

Machen Sie eine dynamische, farbenfrohe<br />

Langzeitaufnahme bei einer Fahrt im<br />

Dunkeln. Hier zeigen wir Ihnen, wie…<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35mm f/4G ED<br />

MANCHMAL IST ES nicht einfach, Zeit für das Foto-Hobby<br />

zu finden, insbesondere an den kurzen Wintertagen mit<br />

ihrem geringen Anteil an Tageslicht. Doch hier stellen wir<br />

Ihnen eine pfiffige Idee vor, ein kleines Projekt, dass Sie sich<br />

sogar auf der täglichen Fahrt vom Arbeitsplatz nach Hause<br />

vornehmen können.<br />

In der Automobilfotografie werden üblicherweise besondere<br />

Stative verwendet. Es geht darum, die Kamera so im Fahrzeug<br />

anzubringen, dass das Fahrzeug in seiner Bewegung relativ zur<br />

Umgebung fotografiert werden kann. Dazu muss eine möglichst<br />

starre Verbindung zwischen Fahrzeug und Kamera hergestellt werden.<br />

Eine Langzeitaufnahme wird dann die im Bild befindlichen Teile des<br />

Fahrzeugs scharf abbilden, während die durchfahrene Umgebung<br />

in Bewegungsunschärfe verschwimmt. Es gibt für diesen Zweck<br />

verschiedene Auto-Stative, von einer simplen Konstruktion<br />

HINWEIS<br />

mit einem einzigen Saugnapf bis hin zum über drei Meter<br />

Stativ mit Saugnäpfen<br />

langen Galgen aus Kohlefaser, der mit starken Magneten<br />

Sie können mit derselben<br />

unter dem Fahrzeug befestigt wird. Das Problem ist nur,<br />

Aufnahmetechnik auch von der<br />

dass es sich dabei um meist unerschwinglich teures<br />

Außenseite Ihres Fahrzeugs<br />

fotografieren, wenn Sie ein Auto-Stativ<br />

Spezialzubehör handelt. Doch es gibt eine Autohalterung<br />

mit Saugnäpfen verwenden. Es gibt<br />

für Ihre Kamera, die Sie sicherlich besitzen werden, und<br />

Modelle, die auch eine professionelle<br />

das ist Ihr ganz normales Dreibeinstativ.<br />

Digitalkamera mit Objektiv sicher in<br />

Ein weiteres unerlässliches Zubehör für die geplante<br />

Position halten. Lassen Sie es jedoch<br />

Aufnahme ist ein feststellbarer Fernauslöser.<br />

eher langsam angehen und fahren Sie<br />

Selbstverständlich kommt die Verkehrssicherheit an erster<br />

nicht schneller als 30 km/h.<br />

Stelle. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf den Verkehr und<br />

nicht auf die Kamera. Im gewünschten Moment betätigen Sie den<br />

Fernauslöser und fahren Ihre Strecke ab, während die Kamera ihren<br />

Dienst automatisch verrichtet.<br />

Der Effekt wirkt am besten mit einem Weitwinkelobjektiv im Bereich<br />

von 10mm bei einer APS-C-Kamera bzw. 16mm bei Vollformat. Diese<br />

Brennweiten nehmen außer den vorbeiziehenden Lichtern des<br />

Feierabendverkehrs auch einen Großteil des Fahrzeuginnenraums auf.<br />

Es versteht sich von selbst, dass es möglichst dunkel sein muss, auch<br />

wenn Sie mit einem starken Graufilter tagsüber möglicherweise<br />

ähnliche Effekte erzielen können. Nachts gibt es viel mehr Lichter als<br />

tagsüber: das Licht der Straßenlampen, die Innenbeleuchtung der<br />

Gebäude und die Scheinwerfer der anderen Autos lassen das Foto<br />

aussehen, als hätten Sie eine Zeitreise unternommen.<br />

hinteren Fußraum abstützen. Verkeilen Sie die Beine an den Vordersitzen, die Sie zu<br />

diesem Zweck gegebenenfalls ein Stück nach hinten fahren müssen.<br />

70 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

Kamera: Nikon D7000<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35 mm f/4G ED<br />

Belichtung: 1/40 Sekunde bei Blende f/16<br />

und ISO 200<br />

Grant Brodie: „Meine Frau und<br />

ich fuhren durch den Skaftafell<br />

National Park in Island, als mir<br />

dieser Felsen mitten in der<br />