Jahresbericht 2011 - SEL AG

sel.bz.it

Jahresbericht 2011 - SEL AG

EnErgiE im WandeL

die SeL im biLanzjahr 2011


die SeL

KOnzernbiLanz 2011

inhalt

KOnzernUmSaTz (in eUrO)

(Gesamtleistung)

SachanLaGevermöGen (in eUrO)

(Grundstücke, Gebäude, anlagen, maschinen,

ausstattung, anlagen in bau, Sonstiges)

2010

2011

31.12.2010

31.12.2011

272.227.957

478.355.229

337.847.985

331.096.755

KOnzernreinGeWinn (in eUrO)

miTarbeiTerSTand

31.12.2010

31.12.2011

31.12.2010

31.12.2011

7.741.914

-22.944.807

276

427

2

VORWORt

Präsident Wolfram Sparber

WärmeprOdUKTiOn der SeL aG

Anzahl Fernheizwerke

5

Produzierte Wärme

130 GWh

FernheizWerKe miT SeL beTeiLiGUnG

Sexten Klausen / Latzfons Schlanders

SeLTrade aG

Energieumsatz 2011

530 mWh

Bozen

SeLGaS aG

Kunden 2011

27.875

Länge Verteilungsnetz 2011

1.300 km

gasverteilung (in m 3 )

6

8

10

19

24

28

35

50

66

UntERnEhMEn

Die Beteiligungen der SEl

35 mal Energie aus Wasserkraft

Das Jahr 2011 des Konzerns

Produktion

Verteilung und netze

Verkauf und Kundenbetreuung

thermische Energie, Dienstleistungen und Mobilität

Die erste Jahreshälfte 2012

BilanZ

Konzernabschluss 2011

anteil 70 %

anteil 99 %

anteil 49 %

anteil 100 %

130 mio. m 3


Vorwort

3

Ausblick

kontinuierliche

Weiterentwicklung

Wolfram Sparber

Präsident der SEL AG

Für die volkswirtschaftliche Leistung dieser

13 Jahre sprechen Fakten und Zahlen aus

der Konzernbilanz 2011.

Unterstrichen wird das zukünftige volkswirtschaftliche

Gewicht der SEL durch bereits gesicherte Investitionen:

Über 400 Millionen Euro werden allein an Umweltinvestitionen

in den nächsten 30 Jahren eingesetzt.

Mit dem Geschäftsjahr 2011 hat die SEL den

Prozess, der 1998 mit ihrer Gründung begonnen

hatte, weitgehend zum Abschluss gebracht.

Die Regionalisierung der Energiewirtschaft und

die Rückführung der Südtiroler Wasserkraft in

die mehrheitliche Beteiligung des Landes und

der Gemeinden wurden umgesetzt. Damit

wurde der Satzung mit Erzeugung, Transport,

An- und Verkauf von elektrischer Energie

und Tätigkeiten im Bereich Erdgas auf lokaler

Ebene weitgehend Genüge getan. Zusätzlich

wurde die Voraussetzung geschaffen, in

den Bereichen Fernwärme, Contracting und

Dienstleistungen zur Förderung von erneuerbaren

Energieträgern und der Energieeffizienz

noch weiter tätig zu werden.

Für die volkswirtschaftliche Leistung dieser

13 Jahre sprechen Fakten und Zahlen aus der

Konzernbilanz 2011: knapp 478.355.229 Euro

Jahresumsatz (womit die SEL-Gruppe zu den

größten Unternehmen im Land avanciert ist),

ein operatives Ergebnis vor Steuern (EBIT)

von 89,2 Millionen Euro, Steuerabgaben von

38,9 Millionen Euro, über 400 Beschäftigte, und

vor sich die Perspektive einer kontinuierlichen

Weiterentwicklung in Kooperation mit lokalen

Akteuren und nationalen Energiekonzernen.

Geprägt wurde die Bilanz 2011 aber auch

durch die drastische Abwertung der DELMI-

Beteiligung, welche für die SEL eine Reduktion

der Beteiligung von 73,9 Millionen € mit sich

bringt und somit das Betriebsergebnis zu

einem negativen Ergebnis von 22,9 Millionen €

führt. Keine Auswirkungen hat diese Abwertung

auf die Liquidität des Unternehmens, welche

Ende 2011 stabil bei über 89 Millionen € lag.

Unterstrichen wird das zukünftige volkswirtschaftliche

Gewicht der SEL durch bereits gesicherte

Investitionen: Über 400 Millionen Euro

werden allein an Umweltinvestitionen in den


4 Vorwort

„ Ziel der SEL ist es – auch in Zeiten des Wandels

– an einer sicheren Energieversorgung zu

arbeiten, welche auf einer nachhaltigen und

effizienten Nutzung der Ressourcen aufbaut.


Das Jahr 2012 wird geprägt durch

drei wesentliche Aufgaben

nächsten 30 Jahren eingesetzt. Dazu kommen

ebenso hohe, vermutlich noch höhere Beträge

an Investitionen in die Modernisierung der

Kraftwerksanlagen und besonders auch in die

Stromverteilung, wo bereits jetzt Jahr für Jahr

umfangreiche Arbeiten am 5.130 km langen

Stromnetz laufen. Damit wird in der lokalen

Wirtschaft Beschäftigung gesichert und die

Auftragslage insgesamt positiv beeinflusst.

Das Jahr 2012 wird geprägt durch drei

wesentliche Aufgaben:

Nach den Turbulenzen des Jahres 2011 gilt

es, die Aufmerksamkeit auf das operative

Geschäft und auf die nötigen Umstrukturierungen

zu lenken. Die Konsolidierung und eine

neue Struktur sind notwendig, um den neuen

rechtlichen Anforderungen zu entsprechen,

die schnell gewachsene Unternehmensgruppe

zusammen zu führen, effizient zu organisieren

und die neue Führung zu verankern.

Mit der neuen Struktur gilt es auch, das Unternehmen

auf die sich ändernden Rahmenbedingungen

vorzubereiten. Rahmenbedingungen,

welche einerseits durch das gesellschaftliche

Verlangen nach einem zügigen Ausbau der

erneuerbaren Energieträger und der Energieeffizienz

geprägt sind, andererseits durch

dynamische Energiemärkte und steigende Konkurrenz.

Damit das Unternehmen sich auch in

den kommenden Jahren stabil entwickeln kann,

ist somit eine technologische und geografische

Diversifizierung notwendig, welche z.B. Sektoren

wie Solar- oder Windkraft mit betrachtet

und auch Möglichkeiten außerhalb Südtirols

evaluiert.

Abschließend gilt es, die Konflikte der Südtiroler

Energieakteure beizulegen. Dies ist Voraussetzung,

um Kooperationen zu vertiefen und

gemeinsam daran zu arbeiten, die Herausforderungen

im Energiebereich zu bewältigen.

Ziel der SEL ist es – auch in Zeiten des Wandels

– an einer sicheren Energieversorgung zu

arbeiten, welche auf einer nachhaltigen und

effizienten Nutzung der Ressourcen aufbaut

sowie Energie zu wirtschaftlich zugänglichen

Preisen anzubieten und eine stabile Unternehmensentwicklung

zu ermöglichen.


Die Beteiligungen der SEL AG 2011

An den beteiligten Geselllschaften weist

die SEL AG folgende Quoten auf:

(am 31.12.2011)

Strom

Wärme

Gas

Klimaschutz

BETEILIGUNGEN

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

Kraftwerk Wiesen

Konsortial-GmbH

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

E-Werk Dun

Konsortial-GmbH

Stromproduktion

E-Werk Breien

Konsortial-GmbH

Stromproduktion

Eisack Energie

AG

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromproduktion

E-Werk Eggental

Konsortial-GmbH

Stromproduktion

Rienz Energie

GmbH

Stromproduktion

Stromproduktion

Stromhandel

Stromverteilung

Fernheizwerk Sexten

Fernheizwerk Klausen

Fernheizwerk Bozen

Fernheizwerk Schlanders

Gasverteilung

Gasverkauf

IIT Bozen

Konsortial-GmbH

F&E Bereich Wasserstoff

DELMI

SPA

Beteiligung EDISON

Beteiligung Novogate

SE Hydropower GmbH 60 %

Hydros GmbH 60 %

E-Werk Winnebach Konsortial-GmbH

im Eigentum der Hydros GmbH 30 %

Kraftwerk Wiesen Konsortial-GmbH

im Eigentum der Hydros GmbH 30 %

Energie Schnals Konsortial-GmbH

im Eigentum der Hydros GmbH 40 %

SEL GmbH 100 %

Göge Energie GmbH 30 %

SELEDISON AG 27 %

TEW Konsortial-GmbH 49 %

Energy Welsperg Konsortial-GmbH 50 %

E-Werk Dun Konsortial-GmbH 30 %

E-Werk Breien Konsortial-GmbH 36 %

Eisack Energie AG 77 %

Enerpass Konsortial-GmbH 24 %

E-Werk Moos Konsortial-GmbH 25 %

Gaderwerk Konsortial-GmbH 60 %

Puni Energie Konsortial-GmbH 37 %

E-Werk Eggental Konsortial-GmbH 36 %

Rienz Energie GmbH 100 %

SELTRADE AG 76 %

SF Energy GmbH 33 %

SELNET GmbH 90 %

Fernheizwerk Sexten GmbH 70 %

Fernheizwerk Klausen GmbH 99 %

Ecotherm GmbH 100 %

Fernheizwerk Schlanders GmbH 49 %

Stromproduktion

SELGAS NET AG 51 %

SELGAS GmbH 100 %

IIT Bozen Konsortial-GmbH 20 %

Delmi SPA 10 %

Novogate GmbH 10 %


35 mal Energie aus Wasserkraft

Die SEL ist in 35 großen und kleinen Wasserkraftwerken in Südtirol vertreten, in den großen, ausgenommen

jenes in St. Florian, als Mehrheitspartner von EDISON und ENEL, in den anderen als Mehrheits- bzw.

Minderheitspartner von ENEL, Gemeinden und Konsortien. Die Fäden dieser Kraftwerke laufen bis Ende Juni

2012 in der Leitstelle Bozen (Nr. 36 auf diesen Bildseiten) zusammen.

17 Hydros Barbian-Waidbruck 18 SE Hydropower Waidbruck 19 Hydros Prembach 20 SE Hydropower Pontives

1 Hydros Graun 2 Puni Energie 3 SELEDISON Glurns 4 Energie Schnals

21 SE Hydropower

Wolkenstein

22 SE Hydropower Longiarü 23 SE Hydropower Brixen 24 Hydros Wiesen-Pfitsch

5 Hydros Laas-Martell 6 SELEDISON Kastelbell 7 SE Hydropower Weißbrunn 8 SE Hydropower

St. Walburg-Kuppelwies

25 E-Werk Winnebach 26 SE Hydropower Lappach 27 SE Hydropower Mühlen 28 Göge Energie

9 SE Hydropower St. Pankraz 10 SE Hydropower Lana 11 Hydros Marling 12 E-Werk Moos

29 SE Hydropower Prettau 30 Tauferer Elektrowerk (TEW) 31 SE Hydropower Stegen 32 Hydros Bruneck-Olang

13 Enerpass 14 SE Hydropower Sarnthein 15 SE Hydropower St. Anton 16 SE Hydropower Kardaun

33 Energy Welsperg 34 SE Hydropower Vierschach 35 SF Energy St. Florian 36 Leitstelle Bozen bis Juni 2012


Rückblick

Lokale Wasserkraft schrittweise ins

Mehrheitseigentum von Südtirol zurück gekehrt.

Das Jahr 2011

2011 war das Jahr, in dem sich die Ergebnisse der in den

vorangegangenen Jahren abgeschlossenen Vereinbarungen mit

EDISON und ENEL ertmals voll auswirkten. Dies zeigt sich

deutlich in den Kernzahlen der Konzernbilanz.


12 Das Jahr 2011

Das Jahr 2011 13

Das Jahr 2011

des Konzerns

Umsatz SEL AG

600.000.000 €

500.000.000 €

Umsatz

Von allen Geschäftsjahren der SEL seit ihrer Gründung ist das Jahr 2011 unter mehreren Gesichtspunkten

das wohl ereignisreichste in der kurzen Geschichte des Unternehmens. 2011 erreichte die

Südtiroler Elektrizitätsaktiengesellschaft (SEL AG) mit der effektiven Übernahme der vormaligen

ENEL-Konzessionen das wichtigste strategische und wirtschaftspolitische Ziel: Nach dem mehrheitlichen

Erwerb der EDISON-Kraftwerke 2008 gingen ab dem 1. Jänner 2011 auch sämtliche

Konzessionen – ausgenommen eine einzige – für die großen und kleinen Kraftwerke des ENEL

in Südtirol an das SEL-Tochterunternehmen SE Hydropower GmbH, an dem die SEL AG mit

60 Prozent beteiligt ist. Damit wird die vormals von den beiden italienischen Großkonzernen

ENEL und EDISON allein gelenkte Energieproduktion aus Südtiroler Wasserkraft wieder in

Südtirol kontrolliert.

400.000.000 €

300.000.000 €

200.000.000 €

100.000.000 €

0 €

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Das Netz

Wohl ebenso wichtig ist die Übernahme zum ersten Jänner 2011 des ENEL-Verteilernetzes in

Südtirol mit einer Länge von 5.130 km; dieses Netz stellt die Lebensader für die Energieversorgung

des Provinzterritoriums dar. SEL hat diese Infrastruktur um 79 Millionen Euro erworben.

In diese Infrastruktur werden in den kommenden Jahren hohe Beträge investiert werden, um

kritische Situationen zu bereinigen und das Netz generell zu modernisieren. In Übereinstimmung

mit den Gemeinden wird ein neues Gleichgewicht in der Energieverteilung angestrebt, wie es des

Übrigen im einschlägigen Landesgesetz vorgesehen ist. Gemeinden, welche den Willen bekunden,

können die Energieverteilung auf ihrem Gebiet selbst in die Hand nehmen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Diese Entwicklung schlägt sich seit 2008 von Jahr zu Jahr nachhaltiger in der Konzernbilanz der SEL

AG nieder und erreicht im Geschäftsjahr 2011 ihren Höhepunkt. Die SEL AG bestätigt die Position

als eines der größten und wichtigsten Unternehmen des Landes. Zugleich wird sie mit ihren

Umsätzen, ihrem Mehrwert, den Steuern und betrieblichen Gewinnen zu einer der größten Einkommensquellen

der Südtiroler Volkswirtschaft. In der Tat bleiben seit dem 1. Jänner 2011 Steuern

aus der örtlichen Energiewirtschaft mehrheitlich im Land, und somit kann die Energiewirtschaft

ihre Rolle als große treibende Kraft in der Südtiroler Volkswirtschaft effektiv und nachhaltig erfüllen.


14 Das Jahr 2011

Das Jahr 2011 15

Abschied vom Atom

Ein vierter Faktor, welcher die europäische Energiewirtschaft nachhaltig betrifft, ist die im Frühjahr

des Geschäftsjahres (März 2011) urplötzlich über Japan und im Zusammenhang über den Globus

hereingebrochene Katastrophe mit der Kernkraft (Fukushima), welche dazu geführt hat, dass

Europas größtes staatliches Gemeinwesen, die Bundesrepublik Deutschland, den stufenweisen

Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen und die erneuerbare Energie eine weitere Aufwertung

erfahren hat.

Beschäftigung

Mehr als 400 Personen aller drei Sprachgruppen und aus den verschiedenen Altersschichten,

besonders aber aus den jungen Generationen, arbeiten in technologisch durchwegs hoch wertigen

Berufen und sind aktiv beteiligt am Innovationsschub, der sich aus der Energiewirtschaft heute

und morgen ableiten lässt. Hier stehen gesichertes Einkommen, Nutzung und Aufwertung der

menschlichen Fähigkeiten und beste Zukunftsperspektiven in einer Reihe.

Wechsel an der Spitze

Ein dritter Faktor der Ereignisse im Unternehmensleben hat sich aus dem Wechsel in den

Führungsgremien der Gruppe ergeben, die zwar die wirtschaftliche Entwicklung der Gruppe an

sich nicht tangieren, aber in einem kritischen politischen und medialen Umfeld in den Vordergrund

gerückt sind und das Unternehmen belastet haben. Mit der Bestellung einer neuen Führung durch

die SEL-Eigentümer Land und Gemeinden ist diese Phase im letzten Monat des Geschäftsjahres

2011 überwunden worden.

Kennzahlen 2011

Konsolidierter Umsatz € 478.355.229

Anzahl Mitarbeiter 427

Produzierte Elektrische Energie (konsolidiert) 2.219 GWh

Verteilte Gasmenge (gesamt) 130 Mio. m 3

Abgegebene Wärme (gesamt)

130 GWh

10 Jahre Operativität

Und schließlich hat die SEL AG 2011 ihr zehnjähriges Jubiläum als operatives Unternehmen begangen

und mit einer Reihe von Veranstaltungen für die Öffentlichkeit darauf hingewiesen. Am 3.

Jänner 2011 erfolgte die feierliche Inbetriebnahme des größten in Südtiroler Mehrheitseigentum

übergegangenen Wasserkraftwerks des Landes, jenes von Kardaun. Am 1. April 2011 wurde den

Medien das Jubiläumsprogramm mit einer Reihe von Grundsatzaussagen vorgestellt. Es folgten die

Zukunftstagung in der EURAC in Bozen am 19. Mai, die Mitarbeiterveranstaltung in Kaltern am

28. Mai, eine Ballettdarbietung im Rahmen des Bozner Tanzfestivals im Stadttheater für die Kunden

der SEL, ein Tag der offenen Tür am Zoggler Staudamm in Ulten, der „Klang Dom“ in Brixen, eine

musikalische Zusammenarbeit der Stadtwerke Brixen und der SEL, ein philharmonisches Konzert

im Meraner Kurhaus ebenfalls für die Kunden sowie ein Symposium über Wasserkraftnutzung im

21. Jahrhundert im Pastoralzentrum in Bozen.

Rein betriebsmäßig betrachtet war das Geschäftsjahr 2011 durchwegs vom positiven Verlauf des

Energiesektors aus der Sicht von Produktion und Dienstleistung gekennzeichnet. Dies schlägt sich

in der Konzernbilanz sowohl bei den Umsätzen wie auch bei Steuern und Gewinnen nieder.


16

Das Jahr 2011 – geschichtlicher Rückblick

Das Jahr 2011 – geschichtlicher Rückblick

17

geschichtlicher Rückblick

EDISON

Im Werdegang der SEL spielen die Beziehungen

zum zweitgrößten italienischen Energiekonzern

EDISON eine fundamentale Rolle. Sowohl

EDISON als auch ENEL lagen seit Jahrzehnten

in der Produktion von elektrischer Energie aus

Südtiroler Wasserkraft an der Spitze. EDISON

führte bis zum Jahr 2000 insgesamt neun Großwasserkraftwerke

in Südtirol, ENEL deren 12

plus weitere sieben kleinere. Zusammen bestritten

die beiden Konzerne über 75 Prozent der

gesamten Stromproduktion in Südtirol.

Ein erster Einbruch in ihre Domäne ergab sich

Ende 2000, als EDISON und SEL AG ein joint

venture bildeten, um die beiden Vinschgauer

Kraftwerke von Kastelbell und Glurns zu

übernehmen, deren Konzession, bis dahin in

Händen von EDISON, 2002 ausgelaufen war

und zur Ausschreibung anstand. EDISON und

SEL gewannen gemeinsam die Ausschreibung

und übernahmen je 50 Prozent Anteile an den

beiden Kraftwerken. In der Folge trat EDISON

8 Prozent seiner Anteile an die Etschwerke

von Bozen/Meran ab, während die SEL AG 15

Prozent ihrer Anteile an die Finanzierungsgesellschaft

der Südtiroler Gemeinden SELFIN

GmbH (ausgenommen die 13 Vinschgauer

Gemeinden) sowie 8 Prozent Anteile an die

Vinschgauer Gemeinden abtrat. Seither werden

die beiden genannten Kraftwerke gemeinsam

geführt.

Nächstes wichtiges Datum war das Jahr 2002,

als in Mailand die DELMI gegründet wurde, um

die zum Verkauf stehende EDISON, die sich

damals im Besitz von Banken und Fiat befand,

zu kaufen. Im September 2005 kaufte sich

die SEL AG mit 10 Prozent in die DELMI ein,

gleich wie ihre Trentiner Schwester Dolomiti

Energia SpA. Die SEL AG hatte diesen strategischen

Kauf dem Land vorgeschlagen und

erhielt die entsprechende Unterstützung. Bei

einem Kurs von 1,58 Euro pro Aktie kostete

die „Operation DELMI“ 185 Millionen Euro.

Die SEL-Verantwortlichen (das Land) hielten

diese Operation für strategisch wichtig, um

mit den EDISON-Eigentümern direkt ins Gespräch

zu kommen und dadurch dem Ziel näher

zu rücken, die sieben EDISON-Kraftwerke

in Südtirol zurückzuholen.

In der Tat kam die SEL mit der EDISON ins

Gespräch, und das Ergebnis war die „Hydros

GmbH“, welche auf der Grundlage eines

Abkommens vom 11. April 2008 in dieser

SEL-Tochtergesellschaft 60 Prozent Anteile an

den sieben EDISON-Großkraftwerken übernahm,

während EDISON 40 Prozent Anteile

behielt. Die SEL bezahlte für die Ablöse 177

Millionen Euro. Seither werden die vormaligen

EDISON-Kraftwerke, deren Konzessionen unterschiedliche

Auslaufzeiten aufweisen – jenes

von Martell-Laas ist bereits ausgelaufen und

für 30 Jahre erneuert worden, es folgen dann

ab 2014 und in den folgenden Jahren alle

weiteren Kraftwerke – gemeinsam geführt. Es

handelt sich um die Kraftwerke Graun, Laas-

Martell, Marling, Barbian-Waidbruck, Prembach,

Wiesen-Pfitsch und Bruneck-Olang. Die

mittlere Jahresproduktion dieser Kraftwerke

beträgt 1.007,3 Gigawattstunden (1 Gigawatt

= 1 Million Kilowatt).

Giovanni Mancini, Chef von ENEL Produzione, unterzeichnet zusammen mit SEL-Präsident Klaus Stocker

(rechts) das Abkommen über zukünftige Zusammenarbeit. Im Hintergrund von rechts: Landesrat Michl

Laimer, Landeshauptmann Luis Durnwalder, ENEL-Präsident Fulvio Conti, Livio Gallo, ENEL-Abteilung für

Infrastrukturen und Netze

Verhandlungen mit ENEL

Parallel dazu nahm die SEL-Führung im Auftrag

und mit Unterstützung der politisch Verantwortlichen

im Land auch die Kontakte zur

ENEL auf, welche in Südtirol zwölf Großwasserkraftwerke

und sieben kleinere Kraftwerke

betrieb. Auf Grund einer Bestimmung des

Autonomiestatuts würden Ende 2010 sämtliche

ENEL-Konzessionen für diese Kraftwerke

erlöschen und zum 1.1.2011 neu vergeben. Ab

2005 bestand die Möglichkeit, die Gesuche um

Zuweisung dieser Konzessionen beim neuen

durch das Autonomiestatut bestimmten Konzessionsgeber,

dem Land Südtirol, einzureichen.

Es ging um die Kraftwerke St. Anton/Bozen,

Sarnthein, Mühlbach, Lappach, St. Walburg/

Ulten, St. Pankraz/Ulten, Brixen, Waidbruck,

Sarnthein, Kardaun, Lana, St. Florian/Neumarkt.

Die mittlere Jahresproduktion dieser Werke

beträgt 2.637,00 Gigawattstunden.

Die Verhandlungen mit der ENEL verliefen

in etwa parallel zu jenen zwischen SEL und

EDISON. Auch hier bot sich eine ähnliche

Lösung in Form einer Zusammenarbeit der

beiden Interessenten/Konkurrenten SEL und

ENEL an den Konzessionen – SEL und ENEL

– an. Man vereinbarte, jene Konzessionen, die

entweder ENEL oder SEL gewinnen würden,

in eine gemeinsame Gesellschaft einzubringen

und die Kraftwerke im Verhältnis 60:40 (60

Prozent Anteile SEL, 40 Prozent Anteile ENEL)

zu führen. Auf diese Weise würden nachträgliche

juridische Auseinandersetzungen zwischen

unterschiedlichen Bewerbern nach Möglichkeit

vermieden werden können.

In der Tat kam es dann so, dass die SEL AG

11 von 12 Konzessionen gewann (eine

Konzession, jene des Werkes Mühlbach,

ging an einen Privaten). Das joint venture

mit ENEL wurde verwirklicht und seit dem

1. Jänner 2011 führen die beiden Partner in

einer gemeinsamen Gesellschaft, SE Hydropower

GmbH, die elf großen und weitere

sieben kleinere vormalige ENEL-Kraftwerke

in Süd tirol. Die SEL hat in der Gesellschaft

60 Prozent Anteile, ENEL 40 Prozent. Die

Führung der Kraftwerke erfolgt auf der

Grundlage von Syndikatsverträgen.

Mit diesen beiden großen Verträgen erreichte

die SEL im Auftrag ihrer Eigentümer – Land

Südtirol und Gemeinden – ein erstes großes

Ziel: die Rückführung der Wasserkraftwerke in

mehrheitliches Eigentum Südtirols und somit

die Mehrheitskontrolle über einen wichtigen,

strategischen Wirtschaftssektor im Land.


18

Das Jahr 2011 – geschichtlicher Rückblick

Auswirkungen EDISON-ENEL

Die konkreten Folgen der mehrheitlichen

Übernahme der EDISON- und ENEL-

Kraftwerke auf der wirtschaftlichen Ebene

sind einschneidend und nachhaltig: Da die

beiden Gesellschaften Hydros GmbH und

SE Hydropower GmbH ihren Steuersitz in

Bozen/Südtirol haben, zahlen sie hier die

gesamten Steuern und diese Mittel fließen

zu 85 Prozent in die Haushalte des Landes

und der Gemeinden. Bis zur Übernahme der

Mehrheitsanteile hatten EDISON und ENEL

ihre Steuersitze für die Kraftwerke in Südtirol

in Mailand bzw. Rom und die Steuern wurden

dort entrichtet. Südtirol hatte aus seiner Wasserkraft

wohl die landschaftlichen Belastungen,

aber kaum Vorteile.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Betriebserträgen.

ENEL und EDISON nahmen die

jährlichen Gewinne zu ihren Steuersitzen mit,

in Südtirol verblieb wenig. Mit dem Wechsel

der Eigentumsverhältnisse bleiben auch die

Gewinne zu 60 Prozent in Südtirol.

Ein drittes kommt noch hinzu. Im Energiebereich

sind laufende Investitionen notwendig,

um die Anlagen technologisch auf den letzten

Stand zu bringen und zu halten. Während der

Laufzeit der Konzessionen geht es dabei um

Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch hier können die Eigentümer darauf

einwirken, dass bei den Ausschreibungen auch

lokale Unternehmen eingeladen werden. Dies

gibt die Möglichkeit für weitere Arbeit und

Einkommen für die lokale Wirtschaft.

KRAFTWERKSLEISTUNG SEL AG in MW

Produktion

800

700

SEL AG kons. thermische Kraftwerke

SEL AG kons. Wasserkraft

600

500

400

300

200

Das Jahr 2011 beginnt für die SEL AG und ihre Tochterunternehmen im Zeichen der vollen

Wirksamkeit der Ende 2009 von der Landesregierung der SEL zugewiesenen Konzessionen

für zehn vormalige Großkraftwerke des ENEL und zwar jene von Waidbruck, Mühlen, Lappach,

Sarnthein, St. Walburg/Kuppelwies, St. Pankraz, Lana, St. Anton, Brixen und Kardaun. Sie weisen

zusammen mit den ebenfalls an die SEL übergeführten sieben kleineren ENEL-Kraftwerde

von Weißbrunn, Vierschach, Stegen, Wolkenstein, Pontives, Prettau und Longiarù eine mittlere

Jahresproduktion von fast 2 Milliarden Kilowattstunden auf. Alle diese Kraftwerke wurden in

das Unternehmen SE Hydropower eingebracht, einer joint venture mit ENEL, an welcher SEL

60 Prozent der Anteile hält. Mit einer Feier am 3. Jänner 2011 im Krafthaus von Kardaun, dem

größten Südtirols, hat die SEL-Spitze zusammen mit Behördenvertretern und Medien diesen

Augenblick gewürdigt und symbolisch den Knopf gedrückt, mit dem die Produktion von Kardaun

und jene aller anderen vormaligen ENEL-Kraftwerke für Südtirol anlief.

100

0

1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Im Verlaufe von 2010 wurde die letzte noch nicht zugewiesene Konzession, jene für das Kraftwerk

St. Florian/Neumarkt, ebenfalls SEL zugewiesen und in ein joint venture mit Dolomiti Energia

und ENEL eingebracht, wobei jedes Unternehmen in dieser neuen Gesellschaft – SF Energy

– je ein Drittel der Anteile übernahm, dem Umstand Rechnung tragend, dass die Kraftwerksanlage

St. Florian/Neumarkt sich auf das Gebiet der beiden Provinzen Bozen und Trient verteilt.


20 Produktion

Produktion 21

SELEDISON AG

Hydros GmbH

Gesellschaftsorgane

Gesellschaftsorgane

Stand 31.12.2011

Stand 31.12.2011

Verwaltungsrat

Verwaltungsrat

Die Gesellschaft SELEDISON AG war das erste große joint venture

zwischen SEL und EDISON. Die Gründung der Gesellschaft erfolgte im

Jahr 2000. Zuerst wurden die Anteile an den beiden vormaligen EDISON-

Kraftwerken von Kastelbell sowie Glurns/Mals zu je 50 Prozent von den

beiden Gesellschaften übernommen. In der Folge ergab sich eine weitere

Aufgliederung der Anteile, so dass die derzeitige Situation folgende ist: 27%

SEL GMBH; 15% Selfin GmbH; 42% EDISON SPA; 8% Etschwerke AG; 8%

diverse Gemeinden des Vinschgaus.

Die Gesellschaft blickt auf ein Geschäftsjahr mit guten Umsätzen und

Erträgen zurück. Zwar ist der mittlere Verkaufspreis je kWh gegenüber dem

Vorjahr um 5,88 % je kWh zurück gegangen, während hingegen die Produktion

um 3,53 % gestiegen ist, so dass insgesamt das Betriebsergebnis fast unverändert

geblieben ist. Die Amortisierungen schlagen mit 6,902 Millionen

Euro zu Buche, der Gewinn vor Steuern betrug 11,548 Millionen Euro, der

Nettogewinn 6,469 Mio. €.

Im Verlaufe des Jahres wurden am Reschen-Stausee einige technische Studien

hinsichtlich des Höchstwasserspiegels durchgeführt, die positiv verliefen

und eine schrittweise Anhebung des Spiegels gestatteten, was sich auch auf

die Produktion auswirkte. Die Produktionsverluste waren gering und betrugen

nur 0,88 Prozent der Gesamtproduktion, wobei diese zum Großteil auf

die Entnahme von Schwemmmaterial entfielen.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 32.145.440.-

Betriebsergebnis: € 12.247.941.-

Ergebnis vor Steuern: € 11.547.898.-

Nettoertrag: € 6.469.118.-

Präsident:

Klaus Stocker

Verwaltungsräte:

Roberto Buccelli

Anton Gögele

Geschäftsführer:

Carlo Banfi

Überwachungsrat

Präsident:

Giancarlo Scaramelli

Mitglieder:

Margareth Dejori

Karl Mayr

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Idem

Präsident: Klaus Stocker

Verwaltungsräte:

Georg Altstätter

Carlo Banfi

Roberto Buccelli

Renato Ravanelli

Überwachungsrat

Präsident: Renato Colavolpe

Mitglieder:

Gerhard Brandstätter

Lodovico Comploj

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Idem

Die sieben großen Kraftwerke dieser Gesellschaft Hydros, in welcher sieben

vormalige Großkraftwerke der EDISON in Südtirol zusammengefasst sind,

haben 2011 mehr Strom erzeugt als im Vorjahr, weil die Niederschlagsmengen

im Winter 2010/2011 rund 9,42 Prozent über dem Schnitt der letzten

30 Jahre lagen. Die Niederschläge im Sommer fielen indes etwas niedriger

aus. Insgesamt lag ob dieser Witterungssituation die Gesamtproduktion

2011 um rund 2 Prozent höher als im Vorjahr. Sie betrug 1.049.059.000

Kilowattstunden. Die produzierte Energie der Kraftwerke Waidbruck, Bruneck,

Wiesen-Pfitsch und Graun wurde gemäß den geltenden vertraglichen

Vereinbarungen zur Gänze von EDISON Trading vermarktet; für die drei

Kraftwerke von Marling, Laas und Prembach übernahm EDISON Trading die

Vermarktung anteilsmäßig. Diese Vereinbarung gilt bis 2015. Für Instandhaltung,

Reparaturen und Modernisierung wurden etwas über drei Millionen

Euro ausgelegt.

Mit Beginn 2011 wurde die Reorganisation der Hydros GmbH in Angriff genommen.

Für die Führung dieser SEL-Tochter nach dem Abgang des ehemaligen

Generaldirektors wurde die Berufung eines „Managing Directors“

beschlossen, der sich gemeinsam mit dem Präsidenten um die operativen

Belange kümmern sollte. Mit dem Hydros-Partner EDISON war vereinbart

worden, dass der SEL AG das Nominierungsrecht für diese Position zustehe.

Die EDISON ihrerseits ernannte einen Controller, und im Rahmen der

Reorganisation wurden einige Mitarbeiter der Hydros GmbH in die SEL AG

eingegliedert, um vorhandenes Synergiepotenzial zu nutzen und Kosten zu

sparen. Das ständige Wachstum der Gruppe in den letzten Jahren erforderte

immer wieder organisatorische Anpassungen.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 67.156.000.-

Betriebsergebnis: € 22.022.000.-

Ergebnis vor Steuern: € 20.410.000.-

Nettoertrag: € 10.307.000.-


22

Produktion

SE Hydropower GmbH

Gesellschaftsorgane

Stand 31.12.2011

Verwaltungsrat

Präsident: Maximilian Rainer

Verwaltungsräte:

Giorgio Carnielli

Roberto Renon

Eugenio Vaccari

Geschäftsführer: Mario Trogni

Die SEL-Tochter SE Hydropower GmbH ist, was die Produktion von elektrischer

Energie aus Wasserkraft betrifft, die größte Gesellschaft in Südtirol.

Sie umfasst zehn große und sieben kleine Kraftwerke, die seit dem 1. Jänner

2011 aus dem vormaligen ENEL-Eigentum zu 60 Prozent ins Eigentum der

SEL übergegangen und zu 40 Prozent im Eigentum der ENEL verblieben

sind. Auch die Beschäftigten dieser Kraftwerke hat die neue Gesellschaft

übernommen. Es handelt sich um 84 Personen mit langer Berufserfahrung.

Die 2011 ins Netz eingespeiste Energie betrug 2.172.000.000 Kilowattstunden,

während 28 Millionen kWh für den Betrieb der Hilfsdienste der

Produktionsanlagen entnommen wurden. Der Verkauf der Energie erfolgte

vertragsgemäß an ENEL Produzione und wurde von dieser dem Energiemarkt

zugeführt. Im Verlauf des Geschäftsjahres hat SE Hydropower

an seinen Anlagen Investitionen um insgesamt knapp 30 Millionen Euro

vorgenommen.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 79.669.000.-

Betriebsergebnis: € 18.850.000.-

Ergebnis vor Steuern: € 18.666.000.-

Nettoertrag: € 10.831.000.-

Überwachungsrat

Präsident: Paul Schweitzer

Mitglieder:

Pietro La China

Josef Vieider

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Verwaltungsrat

Präsident: Wolfram Sparber

Verwaltungsräte:

Giorgio Carnielli

Roberto Renon

Eugenio Vaccari

Geschäftsführer: Mario Trogni

Überwachungsrat

Präsident: Paul Schweitzer

Mitglieder:

Pietro La China

Josef Vieider

Gesellschaftsorgane

Verwaltungsrat

Präsident: Klaus Stocker

Verwaltungsräte:

Sergio Adami

(Enel Produzione Spa)

Lorenzo Cattani

(Dolomiti Energia Spa)

Überwachungsrat

Cesare Brena

Markus Kuntner

Aldo Laner

SF Energy GmbH

Die Konzession für das vormalige ENEL-Kraftwerk St. Florian/Neumarkt

wurde aufgrund der Ergebnisse der Ausschreibung zum 1. Jänner 2011

der SEL zugewiesen. Die Kraftwerksanlage verteilt sich auf das Gebiet

Südtirols und des Trentino. Das Wasser kommt großteils aus der Trentiner

Lagorai-Gruppe, der große Stausee von Stramentizzo befindet sich mehrheitlich

auf Trentiner Gebiet, während hingegen das Krafthaus sich in einer

großen Kaverne bei Laag/Neumarkt befindet, desgleichen auch die dazu

gehörigen Transformatorenanlagen vor dem Eingangsstollen zur Kaverne.

Nach dem Auslaufen der ENEL-Konzession und ihrer Neuvergabe an die

SEL ergab sich die Notwendigkeit, mit dem Trentino in Verhandlungen

zu treten, um eine Regelung zu treffen über Führung und Zuteilung der

Erträge dieser großen Anlage – sie gehört hinter jener von Kardaun und

zusammen mit jener von Brixen zu den größten im Land (das jährliche

Produktionsvolumen liegt bei rund 480 Millionen Kilowattstunden).

SEL und Dolomiti Energia einigten sich auf die Gründung von „SF Energy

GmbH“ , einer Gesellschaft gebildet aus den drei Energieunternehmen

SEL, Dolomiti Energia und ENEL, welche jeweils 33,3 Prozent der Anteile

übernommen haben. Der Verwaltungssitz der Gesellschaft befindet sich

in Trient. Die drei Gemeinden des Unterlandes – Neumarkt, Salurn und

Altrei – sind Anrainergemeinden dieser großen Anlage und werden demzufolge

auch bei den Umweltinvestitionen in den kommenden 30 Jahren

berücksichtigt.

Die Zusammenarbeit zwischen SEL und Dolomiti Energia entwickelt sich

gut und es liegt im beiderseitigen Interesse, diese Zusammenarbeit in

Zukunft zu festigen und allenthalben auch zu erweitern, um die eigene Position

auf dem offenen Energiemarkt zu stärken und zukünftig noch besser

wettbewerbsfähig zu sein bzw. auch gemeinsam für die Absicherung der

Energieversorgung des Territoriums von Südtirol und Trentino eintreten zu

können.


VERTEILUNG UND NETZE

25

Mit Investitionen in Höhe von knapp 16 Millionen Euro noch im laufenden Jahr 2011 begann die

SEL-Tochtergesellschaft SELNET GmbH an der Modernisierung und technologischen Aufrüstung

des Netzes zu arbeiten. Die Investitionen konzentrierten sich sowohl auf den Bereich der Mittelspannung

als auch der Niederspannung. Gleichzeitig arbeitete SELNET mit ihren 88 Mitarbeitern

– weitere kamen im Verlaufe des Jahres dazu – am Aufbau einer eigenständigen Organisationsstruktur.

Von den knapp 16 Millionen Euro wurden 13 Millionen ins Netz und 2,5 Millionen für die Modernisierung

der Zähler, ihre elektronische Ablesung und Fernsteuerung bestimmt. Diese Mittel allein

reichten aber nicht aus, um allen dringenden Erfordernissen nachkommen zu können. Deswegen

beschloss der SEL-Verwaltungsrat, der SELNET eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 4 Millionen

Euro zur Verfügung zu stellen, um den Erwartungen der Bevölkerung entgegen zu kommen,

welche Anspruch auf eine hoch stehende und moderne Versorgung hat.

Interesse der Gemeinden an Übernahme

von Netzteilen

Rund 30 Gemeinden haben im Sinne des D.P.R. vom 26. März 1977 Nr. 235 Interesse an der

Übernahme von Teilen des Stromverteilernetzes auf ihrem Territorium bekundet. Die SEL hat

daraufhin die Firma Utiliteam Co. srl aus Mailand mit einer Bewertung der Verteileranlagen in den

betreffenden Gemeinden sowie mit einer Gesamtbewertung der Umspannwerke betraut. In der

Folge wurden mit den Gemeinden, die ihr Interesse aufrechterhalten, direkte Übernahmeverhandlungen

der Netzabschnitte geführt.

VERTEILUNG UND NETZE

Stromnetz des ENEL an SELNET GmbH

Zum 1. Jänner 2011 ging das gesamte Stromverteilernetz des ENEL in Südtirol, rund 5.130 Kilometer

an Mittel- und Niederspannungsleitungen, an die SEL-Tochtergesellschaft SELNET GmbH

über, die inzwischen gegründet worden war. SELNET-Präsident Giorgio Carnielli konnte daher

mit Jahresbeginn 2011 die umfangreiche Aufgabe übernehmen, dieses um 79 Millionen Euro von

der SEL erworbene Netz den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Diese Aufgabe stellt in den

Programmen der SEL-Gruppe für die nächsten Jahre einen besonderen Schwerpunkt dar.

Eigene Leitzentrale der SEL

ENEL Distribuzione hat zum Ende 2011 die bisherigen Dienstleistungen im Bereich „Telecontrollo“

über ihre Leistelle Mestre aufgekündigt, jedoch auf Ersuchen der SEL diese Dienstleistung

auf das erste Halbjahr 2012 verlängert. Ab 1. Juli 2012 musste daher unbedingt Ersatz gefunden

werden. Es bestand also dringender Handlungsbedarf, um einen Standort für die zukünftige

Leitstelle der SEL in Südtirol zu finden. Als Standort der neuen Leistelle wurde Bozen gewählt

und zur Findung und Bewertung eines Standorts in der Landeshauptstadt wurde ein Dreierausschuss

eingesetzt.

Die vom Verwaltungsrat beauftragte Arbeitsgruppe hat Kontakt mit diversen Bauherren und Immobilieneigentümern

aufgenommen und sieben mögliche Standorte ausfindig gemacht, die einer

näheren Bewertung unterzogen wurden. Dabei erreichte der so genannte „Enzian-Turm“ in der

Resselstraße in Bozen unter den vorgegebenen Bewertungskriterien des Verwaltungsrats und den

Zusatzkriterien der Arbeitsgruppe die höchste Punktezahl. Seit Anfang 2012 wurde in diesem Gebäude

intensiv am Aufbau der SEL-Leitzentrale gearbeitet, um sicher zu stellen, dass von dort aus

das Südtiroler Stromnetz ab 1. Juli eigenständig kontrolliert und geführt werden konnte. In der Tat

erfolgte die Inbetriebnahme dieser „Kommandostelle“ am 2. Juli im Rahmen einer betriebsinternen

Feier.


26 VERTEILUNG UND NETZE

VERTEILUNG UND NETZE 27

SELNET GmbH

SELGAS NET AG

Gesellschaftsorgane

Gesellschaftsorgane

Stand 31.12.2011

Stand 31.12.2011

Verwaltungsrat

Verwaltungsrat

Präsident: Giorgio Carnielli

Verwaltungsräte:

Francesco Amadei

Verena Menghin

Wolfgang Plank

Generaldirektor:

Alois Amort

Präsident: Konrad Piazza

Verwaltungsräte:

Philipp Hiltpolt

Richard Mastenbroek

Maria Niederstätter

Überwachungsrat

Diese Gesellschaft wurde 2010 gegründet und übt die Tätigkeit der Stromverteilung

aus. Mit Wirkung 31. Dezember 2010 wurde der Betriebszweig

„Stromverteilung auf dem Gebiet der Provinz Bozen“ von ENEL Distribuzione

SPA in Form einer Kapitalerhöhung in natura in die SELNET GmbH

eingebracht. Die SELNET GmbH hat ihre Tätigkeit am 1. Jänner 2011

aufgenommen und im Jahr 2011 die ersten Erlöse erzielt.

Als Erbringerin einer öffentlichen Dienstleistung verfügt die Gesellschaft

über sämtliche erforderlichen Konzessionen, Genehmigungen und Verordnungen,

die von den Gebietskörperschaften, Einrichtungen und von der

Strom- und Gasbehörde (AEEG) erlassen werden.

Die reibungslose Aufnahme der ehemals von ENEL Distribuzione und

ENEL Servizi durchgeführten Tätigkeit der Stromverteilung im Gebiet

der Provinz Bozen wurde durch die Übernahme des Personals und den

Abschluss von Dienstleistungsverträgen mit ENEL Distribuzione und ENEL

Servizi ermöglicht.

Die Gesellschaft hat den mehrjährigen Investitionsplan für den Zeitraum

2011-2014 sowie die Budgets für die Geschäftsjahre 2011 und 2012

erstellt. Die Zielsetzungen umfassen eine Ausweitung und eine technischqualitative

Anpassung des Stromverteilungsnetzes, um vor allem die

Problematik der so genannten „roten Zonen“ zu lösen. Hierbei handelt es

sich um Zonen, in denen die bestehende Verteilerinfrastruktur nicht mehr

ausreicht, um den Abtransport und die Verteilung der örtlichen Produktion

von elektrischer Energie ohne Engpässe zu bewältigen und die Versorgung

des Gebietes normal zu garantieren. Um diesen Schwierigkeiten abzuhelfen,

werden in den kommenden Jahren – 2011 eingeschlossen – massive Investitionsprogramme

im Netz- und Verteilungsbereich realisiert, damit innerhalb

von relativ kurzer Zeit ein ausgewogenes und modernes Verteilungssystem

entsteht, welches die Gewähr bietet, dass Sicherheit und Qualität der

Versorgung auf dem gesamten bedienten Territorium von gleichem hohen

Standard sind.

Überwachungsrat

Präsidentin: Renate König

Mitglieder:

Massimo Biasin

Hannes Pircher

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Verwaltungsrat

Präsident: Giorgio Carnielli

Verwaltungsräte:

Verena Menghin

Wolfgang Plank

Generaldirektor:

Alois Amort

Überwachungsrat

Präsidentin: Renate König

Mitglieder:

Massimo Biasin

Hannes Pircher

Präsident: Walter Ausserhofer

Enrico Willi

Richard Moser

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Verwaltungsrat

Präsident: Konrad Piazza

Verwaltungsräte:

Philipp Hiltpolt

Maria Niederstätter

Überwachungsrat

Präsident: Walter Ausserhofer

Enrico Willi

Richard Moser

Im Zuge des gesetzlich vorgesehenen „Unbundling“ (Entflechtung) von bestimmten

unternehmerischen Tätigkeiten in einer einzigen Gesellschaft hat

die SELGAS NET AG, die im Bereich Gasverkauf und Verteilung tätig ist, am

1. Juli 2011 den Unternehmenszweig „Erdgasverkauf“ in das abhängige Unternehmen

SELGAS GmbH eingebracht. Damit wurde die gesellschaftliche

Trennung zwischen den Tätigkeiten Verteilung und Verkauf geschaffen und

gleichzeitig auch die Gesellschaftsbezeichnung abgeändert, so dass seither

unterschieden wird zwischen SELGAS NET AG (Verteilung) und SELGAS

GmbH (Verkauf).

Rund 130 Millionen Kubikmeter Erdgas sind 2011 durch die rund 1.300

Kilometer Leitung der SELGAS NET AG zu den über 33.000 Kunden befördert

worden. Die Kunden verteilen sich auf 57 Südtiroler Gemeinden.

Das Leitungsnetz ist im Geschäftsjahr 2011 um rund 30 Kilometer auf 1.300

gebracht worden, ein Ausbau, der sich besonders auf die Gemeinden Barbian/Waidbruck,

Lajen und Kastelruth (Prösels) bezog. Weiter wurde das letzte

der drei Baulose des Verteilernetzes in der Gemeinde Kastelbell-Tschars

beinahe fertiggestellt. Das Krankenhaus Schlanders wurde an das Verteilernetz

angeschlossen. Zudem wurden die außerordentlichen Instandhaltungsarbeiten

an der Hauptverteilungsleitung zwischen Lana und Naturns für die

Baulose in den Gemeinden Land, Marling und Algund in Auftrag gegeben.

Der Auftrag für die Installation der Mengenumwerter (AEEG-Beschluss

155/08) auf den Messgeräten G40 wurde vergeben und innerhalb 2011 an

mehr als 50 Prozent der Messgeräte durchgeführt. Im Februar 2012 konnte

die Installation abgeschlossen werden. Die Bautätigkeit hat sich hauptsächlich

auf den technischen Sanierungsbereich konzentriert, womit die Qualität

der Lieferung und Versorgung weiter verbessert wurde.

SELGAS NET beschäftigt zum Jahresende 2011 insgesamt 36 Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 25.533.267.-

Betriebsergebnis: € 1.057.166.-

Ergebnis vor Steuern: € 1.103.878. -

Nettoertrag: € 465.223.-

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 26.277.392.-

Betriebsergebnis: € 6.248.522.-

Ergebnis vor Steuern: € 7.569.067.-

Nettoertrag: € 5.077.631.-


Verkauf UND KUNDENBETREUUNG

29

SELTRADE AG

Gesellschaftsorgane

Stand 31.12.2011

Verwaltungsrat

Präsident: Alois Amort

Verwaltungsräte:

Alfred Fraidl

Alfred Plank

Maximilian Rainer

Klaus Stocker

Verkauf UND

KUNDENBETREUUNG

Neben der Produktion von sauberer und erneuerbarer Energie nahmen im Berichtsjahr der

Stromhandel und die Betreuung der Kunden eine vorrangige Position ein. In beiden Bereichen

waren die Bemühungen auf die Interessen der Kunden fokussiert; dabei spielte die Preisfrage

ebenso eine Rolle wie die Effizienz der Dienstleistung. Die wachsende Anzahl an Kunden sowohl

im betrieblichen wie im privaten Bereich bestätigt den Erfolg der darauf ausgerichteten Tochtergesellschaften.

Überwachungsrat

Präsident: Franz Pircher

Mario Biddiri

Arthur Scheidle

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Verwaltungsrat

Präsidentin: Sibylle Überbacher

Verwaltungsräte:

Alfred Fraidl

Sebastian Helfer

Mike Gatscher

Kathrin Platter

Überwachungsrat

Präsident: Mario Biddiri

Hannes Mutschlechner

Melanie Maran

Nachdem der Geschäftsverlauf der letzten Jahre stark von der 2009 hereinbrechenden

Wirtschaftskrise geprägt war, konnte erst wieder 2011 eine

leichte Beruhigung, aber noch immer keine konkrete Erholung, festgestellt

werden.

Der mittlere Börsenpreis für den Verkauf von elektrischer Energie betrug

im Jahr 2006 74,75 €/MWh, 2010 waren es 64,12 €/MWh, 2011 hingegen

72,23 €/MWh, also fast eine Rückkehr zum Preisniveau von vor fünf Jahren.

Gleichzeitig war 2011 ein leichter Anstieg des Energieverbrauchs auf nationaler

Ebene festzustellen.

Für SELTRADE war 2011 ein Jahr der dynamischen Weiterentwicklung.

Zwei Info-Kundenbüros (Auer und Klausen) wurden eröffnet und damit

die dezentrale Kundenberatung weiter ausgebaut. Gleichzeitig wurde das

Angebot elektrischer Energie für Haushalte überarbeitet und wesentlich

erweitert, um die gesamte Bevölkerung anzusprechen und damit auch dem

sozialen Auftrag besser gerecht zu werden. Die besonders günstigen PLUS-

Angebote für verschiedene Bevölkerungssegmente – Familien, Senioren,

Menschen mit Behinderung, Singles und alleinstehende Paare – bewirkten

eine gute Kundenentwicklung. Durch die PLUS-Kampagne hat SELTRADE

im Haushaltsbereich mittlerweile über 5.300 Kunden mit fast 6.000 Übergabestellen

erreicht.

SELTRADE hat im Jahr 2011 ihre Verwurzelung in der Südtiroler Wirtschaft

bestätigen und vertiefen können: Der Südtiroler Wirtschaftsring verlängerte

das seit 2003 laufende Abkommen bis einschließlich 2011; ebenso wurden

die Rahmenverträge mit dem Verband der Kellereigenossenschaften Südtirols

und der Vereinigung „Die Weingüter Südtirols“ verlängert; desgleichen

der Rahmenvertrag mit dem Sennereiverband Südtirol. Die Energielieferverträge

mit HOGAST und Gastropol konnten neuerlich abgeschlossen

werden. Über diese Rahmenverträge deckt SELTRADE alle Wirtschaftsbe-


30 Verkauf UND KUNDENBETREUUNG

Verkauf UND KUNDENBETREUUNG 31

Risk Management

reiche der Südtiroler Klein- und Mittelbetriebe ab.

Auch im Business-Bereich baute SELTRADE 2011 ihre Marktposition stetig

weiter aus; am Ende des Geschäftsjahres werden 2.850 Kunden mit knapp

5.000 Übergabestellen beliefert.

Insgesamt zählt SELTRADE mit knapp 8.300 Endkunden mit 12.500 Übergabestellen

und einem geschätzten Jahresverbrauch von rund 530 Millionen

kWh zu den wichtigsten Energielieferanten Südtirols.

Das Thema Risk management im Trading-Bereich stand 2011 auf der Agenda des Verwaltungsrats.

Die Risiken, denen die SEL-Unternehmensgruppe in ihrer operativen Tätigkeit unterliegt, sind von

Fachleuten erörtert worden. Diese haben dem Verwaltungsrat ein Businessmodell vorgeschlagen,

mit dem die Risiken eingegrenzt und/oder soweit wie möglich reduziert werden können. Der Verwaltungsrat

hat das ausgearbeitete Businessmodell und die in einem Handbuch dargelegten Richtlinien

sowie den weiteren Verfahrenswerg für deren Umsetzung und Implementierung einstimmig

genehmigt. Unter anderem werden darin die operativen Aspekte zur Handhabung der Risiken, die

Organisation für die Bewältigung des Risikos und die Prokura der handelnden Personen entschieden.

Als eigene Organisationseinheiten sind ein „Risikokomitee“ sowie ein eigener „Risikomanager“

vorgesehen. Auch das spezifische Berichtswesen wird behandelt. Für die Übergangszeit

bis zur vollständigen Umsetzung des neuen Risikomanagements werden die Vorgaben für den

Terminverkauf für das Jahr 2012 entschieden und das „Risikokapital“ für das Energiemanagement

festgelegt.

Gesondert erwähnt sei der seit 2008 bestehende Rahmenvertrag mit dem

Südtiroler Gemeindenverband als Interessenvertretung aller 116 Südtiroler

Gemeinden sowie 7 Bezirksgemeinschaften; er wurde für weitere zwei Jahre

verlängert. Mittlerweile beliefert die SELTRADE AG 100 Gemeinden und

von ihnen abhängige Gesellschaften und Organisationen sowie 6 Bezirksgemeinschaften.

Aufgrund der Kooperationen mit einem internationalen Energielieferanten

war die SELTRADE in der Lage, sich gut auf dem Markt zu positionieren und

mit konkurrenzfähigen Preisen an den Ausschreibungen zur Energielieferung

an die großen Energieeinkaufskonsortien teilzunehmen. Insgesamt konnten

dadurch zusätzliche Verträge mit Südtiroler Wirtschaftsunternehmen im

Ausmaße von rund 460 Millionen Kilowattstunden abgeschlossen werden.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 66.394.994.-

Betriebsergebnis: € 890.752.-

Ergebnis vor Steuern: € 1.073.081.-

Nettoertrag: € 741.736.-


32 Verkauf UND KUNDENBETREUUNG

33

SELGAS GmbH

Gesellschaftsorgane

Stand 31.12.2011

Verwaltungsrat

Präsident: Konrad Piazza

Philipp Hiltpolt

Klaus Stocker

Überwachungsrat

Die SELGAS GmbH ist als Verkaufsgesellschaft von Methangas an Endverbraucher

in den Bezirken Unterland und Burggrafenamt und aufgrund der

Einbringung des Betriebszweiges der SELGAS NET AG unter anderem

in den Gemeinden der Gebiete Salten-Schlern, Grödnertal, Gadertal, in

einigen Gemeinden des Pustertals und des Ahrntals tätig; sie ist zudem Gaslieferant

der Stadtwerke Bruneck und Brixen sowie für Industriekunden im

Raum Bozen und auch für die zur SEL-Gruppe gehörenden Fernheizwerke

Klausen, Schlanders und ECOTHERM tätig.

Am 28. Juni 2011 hat die Gesellschaft eine Kapitalerhöhung auf 500.000.-

€ beschlossen, die von der alleinigen Gesellschafterin SELGAS NET AG

mittels Einbringung des Betriebszweiges „SELGAS Verkauf“ durchgeführt

wurde und seit 1. Juli 2011 wirksam ist. Gleichzeitig wurden die neuen Gesellschaftssatzungen

genehmigt und die Bezeichnung ENERGAS SÜDGAS

GmbH in SELGAS GmbH umgeändert.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 41. 919. 896.-

Betriebsergebnis: € 4.797.735.-

Ergebnis vor Steuern: € 4.820.460.-

Nettoertrag: € 2.877.157.-

Walter Außerhofer

Richard Moser

Enrico Willi

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Verwaltungsrat

Präsidentin: Sibylle Überbacher

Richard Mastenbroek

Kathrin Platter

Überwachungsrat

Walter Außerhofer

Richard Moser

Enrico Willi

SEL INFO und Produktkampagnen

Zu den strategischen Zielen der Gruppe zählen die Bemühungen, die direkten Kontakte zur

Bevölkerung und zu den Kunden laufend zu verbessern und die dazu gehörige Infrastruktur

auch zu dezentralisieren. Dies umso mehr, als die Dienstleistung besonders im Verkauf und in

der Verteilung und Lieferung von Energie auf dem freien Markt gegenüber den Kunden immer

stärker in den Mittelpunkt rückt und für den Betriebserfolg entscheidend wird. Die Planung einer

Reihe strategisch auf das gesamte Land verteilter Verkaufsbüros führte im Geschäftsjahr 2011 zur

Inbetriebnahme von zwei solchen Einrichtungen: die erste in Auer, welche für den Raum Unterland

und Überetsch gedacht ist, um die dortige Bevölkerung vor Ort mit den Informationen und

Dienstleistungen sowohl im Strom- als auch im Gasbereich bedienen zu können; die zweite in

Klausen, welche für das engere und weitere Einzugsgebiet zur Verfügung steht. Alle Kundenbüros

werden die Bezeichnung SEL INFO tragen.

Parallel zur Realisierung dieser Einrichtungen für die Kunden wurde im Berichtsjahr eine neue

Produktpalette ausgearbeitet. Die SEL hat 2007 damit begonnen, Familien, spezifisch Familien mit

Kindern, günstige Strompreise zu bieten, und damit liegt die SEL unter allen lokalen Anbietern an

der Spitze. Die staatliche Aufsichtsbehörde für Strom und Gas (AEEG) und die Verbraucherzentrale

Südtirol bestätigten dies. Seit März 2011 werden diese Vorteile auch auf andere Haushaltskunden

ausgedehnt, mit dem Ergebnis, dass praktisch alle privaten Haushalte von der SELTRADE

auf ihre Stromkosten 10 und mehr Prozent Preisnachlass erhalten und somit wesentlich an

Stromkosten sparen können. Die Preisnachlässe beziehen sich auf die gesamte Stromrechnung,

ausgenommen die Steuern, welche fixer Bestandteil der Rechnung bleiben. Insgesamt sind es vier

Gruppen, die begünstigt werden.


34

Verkauf UND KUNDENBETREUUNG

Die vier neuen Produkte sind:

FamilienPLUS: Die Förderung der Familie durch günstige Strompreise bleibt eine Konstante der

SEL-Preispolitik. Das Angebot hat sich bewährt. Es beinhaltet den Preisnachlass von 10 Prozent

plus 1 Prozent für jedes zu Lasten lebende minderjährige Kind zusätzlich.

EnergiePLUS: Es gibt Teile unserer Gesellschaft, die bezüglich Vergünstigungen oft durch den Rost

fallen. Dazu gehören Singles (Alleinstehende) und Paare ohne Kinder. SELTRADE bietet ihnen

jetzt die Möglichkeit, mit „EnergiePLUS“ 10 Prozent Stromkosten zu sparen. Zusätzlich kann der

Kunde 1 Prozent Stromkosten auf den Nachtstrom sparen, vorausgesetzt, dass er die Option Tagund

Nachtstrom gewählt hat und sein Stromverbrauch zu mehr als 67 Prozent auf die Nachtund

Wochenendstunden entfällt, was bei berufstätigen Singles und Paaren durchaus möglich ist.

60PLUS: Wachsenden Anteil an der Bevölkerung hält die ältere Generation. Mit dem „60PLUS“-

Angebot sollen alle Südtirolerinnen und Südtiroler, die dieses Alter erreicht haben, direkt angesprochen

werden. 10 Prozent Einsparung plus 1 Prozent je Person ab 60 Jahren im Haushalt

können für einen Seniorenhaushalt am Ende des Jahres bei den herrschenden Energiekosten

ohne Zweifel einen fühlbaren Unterschied machen.

LebenPLUS: Personen, welche durch Invalidität ohnehin ein schwereres Leben haben als andere,

sollen mit diesem SELTRADE-Angebot im Energiebereich besonders begünstigt werden: 10

Prozent Preisnachlass plus 3 Prozent bei 75 bis 99 Prozent Invalidität, 5 Prozent Nachlass bei 100

Prozent Invalidität. Oft brauchen gerade solche Menschen im Haushalt mehr Strom, deshalb kann

ihnen mit einem solchen Preisnachlass sicher geholfen werden. Dieses Angebot wurde zusammen

mit dem Dachverband für Soziales und Gesundheit ausgearbeitet.

THERMISCHE ENERGIE,

DIENSTLEISTUNGEN

UND MOBILITÄT

FamilienPLUS EnergiePLUS 60PLUS LebenPLUS

Der Bereich der thermischen Energie, in dem die SEL mit mehreren Tochtergesellschaften aktiv

ist, vereint Produktion (Wärme, zum Teil auch Elektrizität und Kühlwasser) mit Dienstleistung und

ist von Natur aus pflegeintensiv. Verwaltung, Wartung, Kontrolle und Instandhaltung beanspruchen

hohe Fachlichkeit und Effizienz. Neben diesem in Südtirol gut eingeführten Sektor befindet sich

jener der Elektromobilität im Stadium des Aufbaus, mit weittragenden mittel- und langfristigen

Perspektiven.


36 THERMISCHE ENERGIE, DIENSTLEISTUNGEN UND MOBILITÄT

THERMISCHE ENERGIE, DIENSTLEISTUNGEN UND MOBILITÄT 37

ECOTHERM GmbH

Große Projekte im Visier

Gesellschaftsorgane

Stand 31.12.2011

Alleinverwalter

Antonio Rotondi

Überwachungsrat

Präsident: Richard Moser

Stefano De Riva

Elisabeth Gliera

Über 70 Fernheizwerke sind derzeit in Südtirol in Betrieb. Vier davon

werden von Tochterfirmen der SEL betrieben: Bozen Süd (ECOTHERM),

Sexten, Klausen/Latzfons und Schlanders. Von diesen hat jenes in Bozen Süd

eine mit der Realität der Stadt Bozen eng vernetzte Entwicklung sowohl

hinter als auch vor sich. Das Werk ist im Moment eine 100-prozentige

Tochter der SEL AG; es ist in den letzten Jahren modernisiert und erweitert

worden; auf seinem Dach befindet sich eine Fotovoltaik-Anlage.

Im Geschäftsjahr 2011 realisierte dieses Werk mit der Produktion von

Wärme und über zwei Maschinensätze für Wärmekraftkoppelung auch

von elektrischem Strom einen Umsatz von rund 5,7 Millionen Euro und

erwirtschaftete einen Gewinn von 122.000 Euro. Über das eigene Verteilernetz

von rund 18 km Länge beliefert dieses Fernheizwerk rund 3.000

Wohnungen, 50 Geschäfte und 64 Betriebe, darunter einige große wie das

Eisstadion „Palaonda“ und die Anlage der Bozner Messe.

Im Jahr 2011 wurde die Planung für die Erweiterung des Aktionsradius dieser

Anlage weitergeführt. In Gesprächen und Verhandlungen mit dem ECO-

CENTER, welches den neuen Verbrennungsofen in Zukunft führen wird,

wurde grundsätzlich vereinbart, dass die vom Ofen produzierte Abwärme

zur Warmwasseraufbereitung genutzt und an die ECOTHERM weiter

geleitet wird, welche ihrerseits das Warmwasser über die eigenen Leitungen

an die Endverbraucher weiterleitet. Auf diese Weise wird die Abwärme genutzt,

die Belastung der Umwelt reduziert und zugleich die Versorgung von

erheblichen Teilen der Stadt Bozen mit Fernwärme angestrebt.

Mehrmals wurde vom Verwaltungsrat der SEL die Erweiterung des Fernwärmenetzes

und die Nutzung der Abwärme der im Bau befindlichen

Restmüllverwertungsanlage in Bozen Süd behandelt. In Zusammenarbeit

mit der SEAB hat die SEL einen Businessplan für den Ausbau ausgearbeitet.

Zentrales Ziel der Erweiterung des Netzes ist der Anschluss an das

Krankenhaus Bozen. Diesbezüglich waren von der ECOTHERM GmbH

Gesellschaftsorgane

Stand 30.06.2012

Alleinverwalter

Wolfram Sparber

Überwachungsrat

Präsident: Richard Moser

Stefano De Riva

Elisabeth Gliera

Ecotherm Zentrale Bozen

bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet worden. Der Businessplan

wurde genehmigt und eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich näher

damit befassen sollte, bevor er den politischen Verantwortlichen des

Landes und der Stadt Bozen vorgestellt würde. Gesprochen wurde auch

über einen möglichen Einstieg der SEAB in die ECOTHERM und die

Erstellung der dafür notwendigen Vermögensbewertung. Eine definitive

Entscheidung sollte zu einem späteren Zeitpunkt fallen.

Geplant ist unter anderem, wie erwähnt, die Verlegung einer Fernwärmeleitung

bis hin zum Bozner Krankenhaus und dessen permanente

Versorgung mit Warm- bzw. in der warmen Jahreszeit auch mit Kühlwasser.

Die Kapazitäten des neuen Verbrennungsofens sind so groß (25

Megawatt Leistung), dass nicht nur das Krankenhaus, sondern zusätzlich

neue Wohnbereiche beheizt werden können. Um die Versorgungssicherheit

der Krankenhauses auch im Fall von Defekten zu garantieren,

ist eine backup-Zentrale in der Nähe des Krankenhauses geplant (der

Grund ist bereits angekauft); der Bau wird von ECOTHERM realisiert

werden. Die letzten Details werden noch verhandelt, dann geht es an

die schrittweise Realisierung dieses für die Bozner Energieentwicklung

wesentlichen Vorhabens.

Umsatzerlöse aus Verkauf und Leistungen: € 5.078.860.-

Betriebsergebnis: € 338.388.-

Ergebnis vor Steuern: € 190.675.-

Nettoertrag: € 121.776.-


38 THERMISCHE ENERGIE, DIENSTLEISTUNGEN UND MOBILITÄT

THERMISCHE ENERGIE, DIENSTLEISTUNGEN UND MOBILITÄT 39

ECOTHERM: Wärme für weitere

Stadtteile von Bozen im plan

8

7

Die Fertigstellung des neuen Verbrennungsofens (laut letzten Angaben

im Verlauf 2013) wird in der Stadt Bozen bezüglich Fernwärme einige

Neuerungen bringen. Laut den entweder bereits bestehenden oder in

Ausarbeitung befindlichen Planungen und Projekten soll die Abwärme

des neuen Verbrennungsofens über die moderne ECOTHERM-Anlage

und deren ausbaufähiges Verteilernetz nicht nur das Krankenhaus

vorsorgen, sondern auch zusätzliche Stadtteile in das Versorgungsnetz

einbeziehen. Die vorliegende Luftaufnahme bietet einen Überblick über

bestehenden Situation und geplante Entwicklung.

Im Einzelnen:

1

4

6

5

9

1

2

3

4

5

6

7

8

9

ECOTHERM-Zentrale

Bestehender Verbrennungsofen bzw. Stelle, an welcher der neue Verbrennungsofen

der Fertigstellung (und Inbetriebnahme) entgegenblickt

Industriezone Bozen Süd, bereits bisher mit

ECOTHERM-Fernwärme versorgt

Wohnzone Kaiserau, mit ECOTHERM-Fernwärme versorgt

Wohnbauzone „Semirurali“, mit Fernwärme versorgt

Wohnbauzone Firmian (von der Kaiserau bis hinauf zur Meraner

Kreuzung) die in Zukunft mit Fernwärme versorgt werden soll

Allgemeines Krankenhaus Bozen, das an das

ECOTHERM-Fernwärmenetz angeschlossen werden soll

Geplante Backup-Zentrale der ECOTHERM, um im Falle von

Netzausfall die Versorgung mit Fernwärme des Krankenhauses

gewährleisten zu können

Mittelfristig in Aussicht genommene Versorgung mit Fernwärme

der weiteren Stadtteile von Bozen

SEL-FERNWÄRME in Zahlen

Daten 2011 ECOTHERM FH Klausen FW Schlanders FW Sexten Total

2

3

Anteil SEL 100 % 99 % 49 % 70 %

Gemeinde Bozen Klausen Schlanders Sexten 4

Betrieb seit 1985 2006 2008 2004

Brennstoff Erdgas Erdgas Biomasse Biomasse

abfall Biomasse Erdgas Öl

Netzlänge (km) 18 12 23 18 71

Kunden 166 504 507 405 1.582

Thermische

Energie (MWh) 57.432 17.483 32.365 23.040 130.320

Elektrische

Energie (MWh) 12.058 10.120 8.526 0 30.704


40 THERMISCHE ENERGIE, DIENSTLEISTUNGEN UND MOBILITÄT

THERMISCHE ENERGIE, DIENSTLEISTUNGEN UND MOBILITÄT 41

Fernheiznetz Schlanders

Elektromobilität

Das Fernheizwerk Schlanders erweitert derzeit sein Versorgungsgebiet

um das Gebiet Maneid der Fraktion Kortsch, wo Einfamilienhäuser und

ein Kondominium angeschlossen werden. Mit dieser Erweiterung ist,

entsprechend den Entscheidungen der Eigentümer des Fernheizwerks

– die Gemeinde Schlanders zu 51 Prozent, die SEL AG zu 49 Prozent

– der geplante Versorgungsbereich ausgefüllt. Die Fernwärme erreicht

neben dem Gemeindehauptort Schlanders nunmehr die Industriezone

Vezzan und Teile der Fraktion Kortsch. Gemäß einer Neuabgrenzung

des Versorgungsgebietes durch den Gemeinderat von Schlanders

bleibt es vorerst bei dieser Fläche.

Die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Fernheizwerk Schlanders

GmbH wurde im Lichte der Businesspläne für den Zeitraum von

2011 bis 2020 unter die Lupe genommen und der Verwaltungsrat

beschloss eine Kapitalerhöhung bis zu einem maximalen Ausmaß von 5

Millionen Euro.

Als Unternehmensgruppe, die sich vornehmlich der sauberen und erneuerbaren Energie widmet,

stellt für die SEL das Thema Elektromobilität zugleich eine Verpflichtung und eine Herausforderung

dar: Eine Verpflichtung, weil die E-mobility mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren

den Transportsektor deutlich verändern wird; eine Herausforderung, weil die Wissenschaft und die

Technik noch erhebliche Strecken zurück zu legen haben, um ein praktisch durchführbares Modell

auf breiter Ebene vorlegen zu können. Die SEL betrachtet es daher als ihre Aufgabe, sich aktiv am

Aufbau der nötigen Infrastruktur zu beteiligen, um einen zügigen Umstieg zu ermöglichen.

Die SEL hat im September 2011 eine 17 Tage laufende Roadshow in verschiedenen Orten des

Landes durchgeführt, in deren Rahmen für E-Mobilität geworben wurde und rund 1.000 Personen

Elektrofahrzeuge besichtigen und ausprobieren konnten. Die E-Mobilität war auch Teil

der Ideenvielfalt, die anlässlich der Tagung über die Zukunft der Energie im Mai im Rahmen der

10-Jahres-Feiern der SEL zum Ausdruck kam.


42 Die neue SEL-Spitze

Die neue SEL-Spitze 43

Wolfram Sparber Giovanni Polonioli Verena Brunner

Sebastian Helfer Sybille Überbacher

Romana Taibon Mario Biddiri Josef Vieider

Wechsel an der SEL-Spitze

Die letzten drei Wochen des Monats November und der Dezember 2011 waren für die SEL

AG eine kritische Phase. Infolge eines bei der Bozner Staatsanwaltschaft eingereichten Dossiers

entstanden Vermutungen im Zusammenhang mit der Ablehnung seitens des SEL-Verwaltungsrates

des Kaufangebots für ein kleines Wasserkraftwerk in Mittewald. Gegen die SEL-Spitze wurde

der Verdacht des Interessenkonflikts geäußert, weil das genannte Kraftwerk in der Folge privat

verkauft wurde und deshalb die Vermutung personeller Zusammenhänge mit der SEL im Raum

stand, was zu Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft führte.

Der für Energiewesen zuständige Landesrat Michl Laimer berief als Vertreter des Hauptgesellschafters

Land eine außerordentliche Gesellschafterversammlung ein, um die SEL-Spitze formell

abzulösen. Die Versammlung fand am 30. November statt. Die SEL-Eigentümer Land und SELFIN

(Gemeinden) beriefen den Verwaltungsrat der SEL AG ab. Auch der Überwachungsrat wurde in

der Folge erneuert.

Die neue SEL-Spitze

Am 30. November 2011 schlossen Energielandesrat Michl Laimer und Alfred Plank als Vertreter

der Gemeinden im Verwaltungsrat den am Montag eingeleiteten Wechsel in der Führungsspitze

der SEL AG ab. Wolfram Sparber wurde zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der SEL AG berufen.

Die weiteren Verwaltungsratsmitglieder: Vize-Präsident Giovanni Polonioli, Verena Brunner

und Sibylle Überbacher. Neue Aufsichtsratspräsidentin wurde Romana Taibon.

Verwaltungsratspräsident

Wolfram Sparber

Der gebürtige Bozner Wolfram Sparber studierte

angewandte Physik in Graz und Barcelona.

Er arbeitete über Jahre im Energiesektor,

im Speziellen für alternative Energiesysteme,

bekleidet leitende Positionen in europäischen

Vereinigungen für Energie und ist Mitglied

diverser wissenschaftlicher Fachgremien. In den

letzten Jahren war er Leiter des Institutes für

erneuerbare Energie in der EURAC. Internationale

Erfahrung sammelte Sparber als Gastprofessor

an Universitäten in Italien und Japan

und während seiner Zeit am Frauenhofer

Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg,

Deutschland. Vor seiner Tätigkeit bei der

EURAC hatte er die Leitung von RENERTEC,

dem regionalen Zentrum für erneuerbare

Energien im TIS Innovation Park, inne.

Vize-Präsident Giovanni Polonioli

Der 44-jährige Bozner Giovanni Polonioli ist

seit 1997 Rechtsanwalt mit Schwerpunkten in

öffentlichen Arbeiten und Vertragswesen. Der

Jurist war von Mai 2005 bis Mai 2010 Mitglied

der Aktionärsversammlung der Sasa AG und

der Seab AG sowie Verwaltungsratsmitglied

des Gemeindeverbandes.

Weitere Verwaltungsratsmitglieder

Die Olangerin Verena Brunner ist 31 Jahre

alt und studierte Italienisches Recht an den

Universitäten Innsbruck und Mailand. Sie sammelte

mehrere Jahre Erfahrung in einer Kanzlei,

bevor sie 2008 eine eigene Rechtskanzlei gründete.

Die Buchautorin hat die Schwerpunkte

Vertragsrecht, Familien- und Erbrecht.

Sibylle Überbacher ist 38 Jahre alt, stammt aus

Lana und arbeitet als selbstständige Beraterin

mit Schwerpunkt Marketing, Organisationsentwicklung,

interne und externe Kommunikation

und Strategie. Die studierte Betriebswirtin

ist Dozentin für Marketing bei verschiedenen

Organisationen (z.B. Freie Universität Bozen,

TIS Innovation Park) und arbeitete in leitender

Position in Rechnungswesen und Controlling.

Sebastian Helfer, Bürgermeister von Ratschings,

wurde etwas später als Vertreter der SELFIN

in den Verwaltungsrat entsandt.

Aufsichtsratspräsidentin

Romana Taibon

Romana Taibon ist 41 Jahre alt und stammt aus

St. Vigil in Enneberg. Die Ladinerin ist Beraterin

im nationalen und internationalen Steuerrecht

bei der Mailänder Kanzlei „Hager&Partners“

in den Sektoren Energie, im Besonderen

Photovoltaik, Einzelhandel und Industrie. Die

studierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist seit

über 14 Jahren erfolgreich als Steuerberaterin

und Wirtschaftsprüferin tätig.

Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates sind

Mario Biddiri und Josef Vieider.


44 Ethik-Kodex

Ethik-Kodex 45

1

Loyalität, Korrektheit, Unparteilichkeit

Diese Verhaltensweisen zeichnen das Handeln

der SEL und ihrer Mitarbeiter in jeder Beziehung,

nach innen und nach außen, aus.

2

Schutz der Menschenrechte

Die SEL anerkennt und verteidigt die Wahrung

der unantastbaren Menschenrechte sowie die

Achtung der Würde, Gleichheit und Freiheit

des Einzelnen.

3

Gesundheit und Sicherheit

Die SEL setzt sich ein für Gesundheit

und Sicherheit sowie für Forschung und

Entwicklung effizienter und innovativer

Lösungen in diesen Bereichen.

Ethik-Kodex

Die 17 Leitlinien Der Unternehmensgruppe

Insgesamt sind es 17 Leitlinien, welche die Verhaltensweisen der SEL

bestimmen und für die gesamte Gruppe sowohl nach innen wie auch

nach außen verbindlich sind. Die neue Unternehmensleitung betont die

Wichtigkeit dieser Richtlinien und deren Einhaltung. Sie erachtet diese

als Maxime für zukünftiges Handeln.

4

Achtung der Umwelt und Nachhaltigkeit

Die SEL tritt für den Schutz der Umwelt,

des Klimas und der Biodiversität sowie

für die Wertesysteme und Prinzipien im

Bereich Energieeffizienz und nachhaltige

Entwicklung ein.

5

Sorgfalt und Professionalität

Die SEL und ihre Mitarbeiter arbeiten mit

Sorgfalt, Genauigkeit und Professionalität an

der laufenden Verbesserung der Dienste für

die Allgemeinheit.


46 Ethik-Kodex

Ethik-Kodex 47

6

Erscheinungsbild

Das gesamte innere und äußere Erscheinungsbild

der SEL soll durch Achtung der Werte,

Grundsätze und Verhaltensregeln geschützt

werden.

7

Vertraulichkeit

Beim Umgang mit vertraulichem Eigentum von

Partnern, Lieferanten übt die SEL höchsten

Respekt und Zurückhaltung.

12

Korrektheit

Die SEL und ihre Mitarbeiter gewährleisten

Wahrhaftigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit

der Unterlagen und Informationen, die sie

weitergeben.

13

Schutz der Privatsphäre

Die SEL schützt die Vertraulichkeit und Geheimhaltung

der eigenen Informationen und

Daten sowie jener von Angestellten, Mitarbeitern

und Dritten.

8

Ehrlichkeit und Transparenz

Es ist Verpflichtung der SEL, Sorge dafür

zu tragen, dass Informationen nach außen

wahrheitsgemäß, schnell, präzise und transparent

erfolgen.

9

Gefälligkeiten, Geschenke, Zuwendungen

Es ist weder direkt noch indirekt gestattet,

Zahlungen, materielle Vorteile oder Vorteile

anderer Art anzunehmen, zu vergeben oder

anzubieten.

14

Aus - und Weiterbildung

Die SEL fördert Ausbildung und permanente

Weiterbildung der eigenen Angestellten

und stellt die dafür erforderlichen Mittel zur

Verfügung.

15

Einfachheit, Klarheit, Verständlichkeit

Verträge mit Kunden sind gekennzeichnet

von Einfachheit, Klarheit und Verständlichkeit.

Vermieden wird die Verwendung irreführender

Praktiken.

10

Psychische und physische Unversehrtheit

Die SEL verpflichtet sich, ein Arbeitsumfeld zu

gewährleisten, das mit den geltenden Bestimmungen

über Sicherheit und Gesundheit im

Einklang steht.

16

Beiträge und Subventionen

Die SEL garantiert Korrektheit und Vollständigkeit

der Dokumentation bei Ansuchen um

Förderungen, Finanzierungen, Konzessionen

und Ermächtigungen.

11

Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit

Für ein positives und stimulierendes Arbeitsumfeld,

das auf Vertrauen und gegenseitige Achtung

aufbaut, sind Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit

von grundlegender Bedeutung.

17

Politische Parteien

Die SEL finanziert weder politische Parteien

noch Gewerkschaftsorganisationen in Italien

oder im Ausland und enthält sich auch jeglicher

Sponsoringtätigkeiten in Verbindung mit

diesen.


48 Mitarbeiterinnen

Mitarbeiterinnen 49

Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter

Mitarbeiteranzahl SEL gruppe

450

400

350

300

Mitarbeiter

250

Bis Ende des Haushaltsjahres 2011 stieg die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

SEL-Gruppe auf über 400. Aufgegliedert auf die einzelnen Tochterfirmen und Bereiche ergibt sich

folgendes Bild:

200

150

100

Firmen

MitarbeiterInnen

SEL AG 103

SEL GmbH 21

Hydros Gmbh 89

SE Hydropower Gmbh 84

SELEDISON AG 14

SELNET Gmbh 90

SELGAS NET AG 21

Fernheizwerke 5

Insgesamt 427

(Stand 31.12.2011)

50

0

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

In der großen Mehrzahl handelt es sich um Berufe mit gezielter fachlicher Ausprägung und

hohem technologischen Niveau. Es ist eine Tatsache, dass im Energiebereich sowohl auf der

technischen wie auch auf der administrativen Ebene laufend neue Berufsbilder entstehen, die

es vor wenigen Jahren in unserem Land nicht oder kaum gegeben hat. Daher ist der spezifische

Arbeitsmarkt kaum vorhanden, was bedeutet, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter zum Großteil selbst aus- und weiterbilden müssen.

In dieser Hinsicht ist die SEL sehr aktiv. Ihre Fortbildungsprogramme laufen das ganze Jahr über

und werden zu einem Teil auch kofinanziert, vor allem durch den Europäischen Sozialfonds (ESF).

Die in die SEL-Gruppe eingegliederten MitarbeiterInnen von ENEL Produzione SPA, ENEL

Distribuzione SPA und EDISON SPA haben eine zusätzliche Gesundheitsfürsorge mit ins Unternehmen

gebracht. Im Sinne der Gleichberechtigung aller SEL-MitarbeiterInnen beschloss der

Verwaltungsrat im Oktober 2011 für alle anderen MitarbeiterInnen der Gruppe, die noch keine

Zusatzgesundheitsfürsorge aufweisen, eine solche einzuführen und genehmigt die erforderlichen

Mittel. In den Genuss kommen die MitarbeiterInnen der SEL AG, der SEL GmbH, der SELGAS

GmbH und der SELGAS NET AG sowie die MitarbeiterInnen der von der SEL-Gruppe kontrollierten

Fernheizwerke.

Die SEL unterstützt aktiv eine familienfreundliche Personalpolitik, bei der auf die familiären Bedürfnisse

der vielen jungen Arbeitskräfte nach Möglichkeit Rücksicht genommen wird. Part time

ist in der SEL-Gruppe, besonders bei Frauen mit Kindern an der Tagesordnung.

Eine große Aufgabe der SEL-Gruppe im Personalbereich besteht auch darin, aus einer Vielzahl

von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Teil aus sehr unterschiedlichen Arbeitsbereichen

stammen und übernommen worden sind, ein einheitliches Ganzes zu gestalten, wo unterschiedliche

Sprachen und Kulturen respektiert und gefördert und auf der menschlich-sozialen Ebene

harmonisiert werden. Die SEL-Gruppe ist sehr schnell gewachsen, zu einem wesentlichen Teil

durch die Übernahme bereits bestehender Sektoren in der Energiewirtschaft. Alle diese auf

einen gemeinsamen unternehmerischen Nenner zu bringen, ist und bleibt weiterhin Ziel der

SEL-Personalpolitik.


Vorausblick

Im operativen Bereich erfolgte der Übergang vom

Geschäftsjahr 2011 zum Geschäftsjahr 2012 reibungslos.

Die erste Jahreshälfte 2012

Die Konsolidierung der bisher erreichten Positionen im Energiebereich wird

fortgesetzt, laufende Projekte werden weiter betrieben, neue Projekte in

Angriff genommen. Neue Akzente werden gesetzt, besonders auch in den

Beziehungen zu den Standortgemeinden, also den territorialen Gebieten, in

denen Wasserkraftwerksanlagen bestehen, wo in den kommenden Jahren

große Umweltinvestitionen vorgenommen werden.


52 Die erste Jahreshälfte 2012

Die erste Jahreshälfte 2012 53

Die erste

Jahreshälfte 2012

Wechsel bei Gesellschaften

Der Führungswechsel bei der Muttergesellschaft der SEL, der SEL AG, hat in den ersten Monaten

2012 zu einer Reihe von Veränderungen und Erneuerungen auch bei mehreren Tochtergesellschaften

geführt. Insgesamt wurden bei den 30 Gesellschaften in den ersten sechs Monaten in 17

Verwaltungsräten Änderungen vollzogen. Dabei wurde insbesondere auf fachliche Kompetenz,

Einbindung der zweiten Führungsebene und ausgeglichen Geschlechtervertretung geachtet. Zusätzlich

wurde ein strukturiertes Vergütungssystem erarbeitet, welches auf vier Vergütungsebenen

aufbaut und der unterschiedlichen großen Komplexität, Verantwortung und Arbeitsnotwendigkeit

Rechnung trägt. Dieses Vergütungssystem wird schrittweise den Unternehmenspartnern bei Neubestellung

vorgeschlagen.

Seit Anfang Juli 2012 wird das gesamte Stromnetz der SELNET, über 5.100 km, von der neuen Leitzentrale

der SEL in der Bozner Resselstraße ("Enzian Tower") rund um die Uhr überwacht.

Verhandlungen über „offene Baustellen“

Die Kontakte zwischen SEL und den Etschwerken von Bozen/Meran zogen sich das ganze Jahre

2011 hin und wurden 2012 fortgesetzt. Es geht darum, die infolge der Zuteilung der Konzessionen

für die vormaligen ENEL-Kraftwerke in Südtirol entstandenen Divergenzen beizulegen, die

Rekurse der Etschwerke gegen die Konzessionserteilungen an die SEL aus der Welt zu schaffen

und gemeinsame Projekte in Angriff zu nehmen.

Ein wesentlicher Schritt vorwärts in Richtung einer Lösung zeichnete sich bei den Verhandlungen

der neuen SEL-Führung im Mai 2012 ab. Kurz vorher hatte sich die Lage trotz Monate langer

Bemühungen seitens der SEL etwas zugespitzt und es hatte kurz den Anschein, als würden die

Etschwerke ihre sämtlichen Rekurse gegen die Zuweisung der Konzessionen für die vormaligen

ENEL-Kraftwerke sowie für das ebenfalls der SEL zugewiesene Kraftwerk Töll (dessen Konzession

bis zum Auslaufen den Etschwerken gehörte) aufrecht erhalten. Bewirkt wurde die Verschärfung

der Lage durch einen Rechtsspruch des römischen Verfassungsgerichtshofes, welcher das 2011 erlassene

Landesgesetz außer Kraft setzte, mit welchem die automatische Konzessionsverlängerung

für ein gemeinsamen Kraftwerk von SEL und Etschwerken durch Zusammenlegung der bisherigen

Kraftwerke Töll und Marling hätte geregelt werden sollen.

In dieser kritischen Lage häuften sich die Treffen und Verhandlungen zwischen der neuen SEL-

Führung und den Etschwerken im eindringlichen Bemühen, einen gangbaren Ausweg zu finden,

und auf beiden Seiten wurden auch die Gesellschafter – Land Südtirol auf der einen, die Bürgermeister

von Bozen und Meran auf der anderen Seite – direkt in die Verhandlungen einbezogen.

Nach wenigen Tagen intensiver Beratungen konnte SEL-Präsident Wolfram Sparber mitteilen, dass

eine Einigung gefunden worden war. An dem definitiven Dokument für die Einigung wurde im Juni

2012 noch gearbeitet.

Mit der Beilegung des Streitfalls zwischen den beiden größten Energieproduzenten und Energietradern

in Südtirol, SEL und Etschwerke, welche beide Gesellschaften im Eigentum von öffentlichen

Körperschaften (Land und Gemeinden Bozen/Meran) sind, wird der Weg für zukünftige

Kooperationen im Gesamtinteresse Südtirols geebnet.

Zu den „offenen Baustellen“ im SEL-Arbeitskalender 2011 gehörten auch die Rekurse des Vinschgauer

Elektrizitätskonsortiums (VEK) gegen die SEL-Konzessionen. Über die Beilegung dieser

Differenzen wurde das gesamte Jahr 2011 hindurch in Abständen verhandelt, und man kam gegen

Jahresende einer Lösung näher, ohne allerdings einen positiven Abschluss zu erreichen. Nach dem

Wechsel an der Führungsspitze wurden die Verhandlungen neu aufgenommen und sie laufen in

Richtung einer positiven Regelung im Verlaufe des Jahres 2012.

Die dritte „Baustelle“ auf ähnlicher Ebene wie mit Vinschgau und Etschwerken bezieht sich auf

die zwischen SEL und Stadtwerken Brixen offenen Fragen. Bisher sind auch diese Fragen ohne

definitive Regelung geblieben; es geht auch hier um Rekurse gegen die der SEL zugewiesenen

Konzessionen für vormalige ENEL-Kraftwerke. Auch hier wird für das Jahr 2012 mit einem positiven

Abschluss gerechnet.


54 Die erste Jahreshälfte 2012

Die erste Jahreshälfte 2012 55

Operation DELMI

In den letzten zwei Jahren haben alle großen europäischen Energiekonzerne an Börsenwert

verloren, obwohl der Bedarf an Energie und auch die Kosten sowie die Energiepreise gestiegen

sind. Gleich wie große deutsche Energiekonzerne haben auch die Aktien der italienischen Großen

(ENEL, EDISON) an der Börse massiv verloren. So verlor die EDISON-Aktie in wenigen Jahren

mehr als die Hälfte ihres Handelswerts. Die SEL AG, über ihre 10 Prozent Anteile an der Gesellschaft

DELMI EDISON-Miteigentümerin, hat gleich wie alle anderen Aktionäre Verluste erlitten.

Diese Verluste müssen in den Bilanzen ausgewiesen werden.

EDIPOWER, an der die SEL mit 7 Prozent beteiligt

ist, verfügt in drei Regionen (Friaul-Juilisch Venetien,

Lombardei, Kampanien) über insgesamt 52 große,

mittlere und kleine Wasserkraftwerke. Die SEL kann

als neuer Miteigentümer von EDIPOWER jährlich

rund eine Milliarde Kilowattstunden Strom zu

Vorzugskonditionen beziehen. Im Bild EDIPOWER-

Stauseen in der Nähe von Udine.

Der Energiekonzern EdF (Electricité de France) Eigentümer und Betreiber von zahlreichen Atomkraftwerken

in Frankreich, hat in den letzten beiden Jahren mehrmals versucht, die Mehrheitskontrolle

über EDISON zu erlangen. Es gab harte Verhandlungen – auch mit DELMI – bis es Anfang

2012 zu einer Einigung kam, wodurch EdF effektiv die Mehrheitskontrolle der EDISON übernahm,

während der Kraftwerkssektor aus dem Konzern herausgenommen und den italienischen Partnern

als EDIPOWER zugeschlagen wurde, darunter auch an SEL und Dolomiti Energia. Die SEL wurde

über ihre Anteile an DELMI in diese Verhandlungen einbezogen.

Einstieg in EDIPOWER

Die SEL AG hat zu Beginn des Jahres 2012 beschlossen, ihre DELMI-Beteiligung in die neu kontrollierte

Energiegesellschaft EDIPOWER einzubringen. EDIPOWER ist künftig der zweitgrößte

Stromproduzent in Italien und SEL wird daran knapp 7 Prozent halten. Die SEL wird zudem im

elfköpfigen EDIPOWER-Verwaltungsrat mit einem Mitglied vertreten sein.

2005 hatte SEL beschlossen, in DELMI mit dem Ziel einzusteigen, die Mehrheit der Südtiroler

EDISON-Kraftwerke zu übernehmen. DELMI hat damals gemeinsam mit dem französischen

Energiekonzern EDF die Kontrolle von EDISON übernommen. Nach langen Verhandlungen ist es

schließlich 2008 gelungen, die joint venture Hydros GmbH zu gründen. Diese betreibt seitdem 7

Südtiroler Ex-EDISON-Großkraftwerke, hat den Rechtssitz in Bozen und gehört zu 60 % SEL und

zu 40 % EDISON.

Für EDISON stellten die letzten Jahre – gleich wie für die meisten großen europäischen Energiekonzerne

(EDF, E.ON, RWE, ENEL, ENI) – Zeiten mit kritischen Wertentwicklungen dar, welche

sich auch auf die Besitzer DELMI und EDF übertrugen. Aufgrund des Ende Dezember 2011

neu ausgehandelten Abkommens mit dem französischen Energieriesen EDF sind die Karten neu

gemischt worden. Das Abkommen sieht vor, dass EDF die Anteile von DELMI an EDISON übernimmt

und damit EDISON kontrolliert; auf der anderen Seite wird EDISON die Beteiligung von

EDIPOWER abgeben und diese wird von DELMI übernommen.

EDIPOWER ist ein Unternehmen, das aus der Privatisierung von ENEL hervorgegangen ist und

eine Reihe von deren Kraftwerken übernommen hat. Die Wasserkraftwerke bei EDIPOWER

besitzen Konzessionen bis 2029 bzw. 2032. EDIPOWER produzierte 2011 ca. 13 TWh Strom

(etwa 4% des italienischen Stromverbrauchs); 2010 verzeichnete EDIPOWER einen Umsatz von

1,1 Milliarden €, einen Gewinn nach Steuern von 45 Millionen € bei über 1000 Mitarbeitern.

EDIPOWER hat in den letzten fünf Jahren knapp 2 Milliarden € in die Modernisierung der eigenen

Kraftwerke investiert und im gleichen Zeitrahmen den Schuldenstand von ca. 1,9 auf rund 1

Milliarde € reduziert.

Die SEL bemüht sich seit einiger Zeit, von EDISON die Bereitschaft zu erreichen, die restlichen

40 Prozent Anteile an Hydros GmbH an Südtirol abzutreten. Die SEL-Eigentümer Land und

Gemeinden haben ihre grundsätzliche Zustimmung gegeben, vorerst mit dem Vorbehalt, dass die

Finanzierung dieses Vorhabens nicht den Landeshaushalt belasten dürfe. Diese Verhandlungen sind

allerdings während der Zeit, als die Übernahme der EDISON durch EdF zur Verhandlung stand,

ins Stocken geraten. Nach der Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse bei EDISON zugunsten

der EdF sind nicht mehr die vormaligen italienischen Partner für eine solche Grundsatzentscheidung

mit zuständig, sondern die Franzosen. Das erschwert das Ganze sicherlich, doch wird die

SEL dieses Ziel weiter im Auge behalten.


56 Die erste Jahreshälfte 2012

Die erste Jahreshälfte 2012 57

Je komplexer und kostenaufwendiger jedoch für die öffentlichen Körperschaften der Umgang mit

den einheimischen erneuerbaren Ressourcen wurde, umso deutlicher wurde die Notwendigkeit

erkannt, die Gemeinden in die Führung und Gestaltung der Wasserkraftanlagen einzubeziehen.

Entscheidend in dieser Strategie war der Umstand, dass die SEL AG anlässlich der Einreichung

ihrer Gesuche um die Konzessionserteilung für die in Südtirol befindlichen 12 großen und sieben

kleineren ENEL-Kraftwerken für die Konzessionsdauer von 2011 bis 2040 Umweltinvestitionen

in Höhe von insgesamt über 400 Millionen Euro vorschlug. Diese Investitionen wurden bei der

Zuteilung der Konzessionen an die Siegerprojekte – 11 große und 7 kleine gingen an die SEL AG

– verbindlich. Daraus ergab sich für die Standortgemeinden – das sind jene Gemeinden, in denen

sich Wasserkraftanlagen oder Teile von Wasserkraftanlagen befinden – die Notwendigkeit und die

Auflage, den Einsatz dieser Umweltgelder mittel- und langfristig zu planen und mit dem Konzessionsnehmer

SEL AG sowie mit dem Konzessionsgeber Land Südtirol abzustimmen.

Um diese Abstimmung zu erleichtern, wurde die Einrichtung von so genannten Kraftwerksbeiräten

beschlossen. Auf einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern des Landes, der SEL, des Gemeindenverbandes

und der Standortgemeinden wurde das Konzept eingehend besprochen. 30

Standortgemeinden erhalten im Verlaufe des Jahres 2012 nunmehr einen solchen Beirat, ein beratendes

Gremium, das sich aus Vertretern des Landes, der SEL-Gruppe und der Standortgemeinden

zusammensetzt. Von der Initiative betroffen sind die Standortgemeinden von Kraftwerken

der SE Hydropower und der SF Energy, des Kraftwerks Laas der Hydros und des Kraftwerks Töll

der SEL GmbH: Sarntal, Jenesien, Ritten, Bozen, Mühlwald, Ulten, Franzensfeste, Vahrn, Brixen, Natz

Schabs, Lüsen, Rodeneck, Mühlbach, Kastelruth, Lajen, Waidbruck, Barbian, Sand in Taufers, Völs,

Karneid, St. Pankraz, Lana, Martell, Laas, Latsch, Altrei, Neumarkt, Salurn, Partschins und Algund.

Die Beiräte treten periodisch zusammen und sind im Dreijahresrhythmus auch für die Erarbeitung/Evaluierung

der so genannten „Dreijahrespläne“ für die Umweltinvestitionen zuständig.

Wasser in Harmonie mit der Umwelt

Die Kraftwerksbeiräte

Eine Institution zur Entspannung im Energiebereich

In den letzten zehn Jahren bildete der Energiebereich ein permanentes Spannungsfeld in der Südtiroler

Volkswirtschaft. Die öffentliche Hand – Land und Gemeinden – konnte sich nicht auf eine

allgemein gültige gemeinsame Linie in der Handhabung der örtlichen Energiequellen, darunter vor

allem Wasser, einigen. Das Land wollte – nach dem Grundsatz, wonach ein so wichtiges strategisches

Gut der Allgemeinheit gehören und von dieser kontrolliert und geführten werden sollte

– die Kontrolle über die Wasserwirtschaft in den eigenen Händen und den Anteil der Gemeinden

eher niedrig halten und auch bei der Realisierung neuer Anlagen als Partner markant dabei

sein. Auch erwies sich in der Praxis, dass der Bau neuer Anlagen und der Erwerb von Anteilen an

bestehenden Anlagen für manche Gemeindehaushalte belastend wurde.

Im Einzelnen bieten die Kraftwerksbeiräte

» periodische Informationen über die Wasserkraftanlage

» Informationen über allfällige anstehende Potenzierungen der Anlagen

» Informationen über bevorstehende Umweltmaßnahmen im

Einzugsgebiet der Anlagen

» Besprechung, Festlegung und Budgetierung der

Umweltmaßnahmen, welche von den Gemeinden bzw.

von der Betreibergesellschaft bzw. von der Landesverwaltung

durchgeführt werden.


58 Die erste Jahreshälfte 2012

Die erste Jahreshälfte 2012 59

Seit mehreren Jahren laufen seitens der SEL und der Südtiroler Landesregierung Gespräche mit

dem staatlichen italienischen Betreiber der Hochspannungslinien TERNA, um diese Verbindung,

die in den Kompetenzbereich von TERNA fällt, wieder herzustellen. Im Frühjahr 2012, nach Vorsprachen

einer Delegation unter SEL-Präsident Wolfram Sparber und Landesrat Michl Laimer bei

der italienischen staatlichen Netzagentur TERNA sowie nach einem Treffen in Rom des Landeshauptmannes

Luis Durnwalder mit deren Präsidenten Luigi Roth, wurde Bewegung in diese seit

Jahrzehnten ruhende Thematik gebracht.

Die Südtiroler Landesregierung hat in der Folge von Amtswegen die Trassierung dieser Linie in

den Bauleitplan der betroffenen Gemeinde Gossenass/Brenner eingetragen und damit auch eine

der technischen Voraussetzungen für die Aufnahme der Arbeiten für die Wiederherstellung der

Linie geschaffen. Anfang Juli fasste die Landesregierung einen weiteren Beschluss, um diese

Arbeiten für den Zusammenschluss des italienischen mit dem österreichischen Stromnetz am

Brenner zu ermöglichen.

Entwicklung der Energiekosten

SELTRADE bleibt der günstigste Stromanbieter

Wiltener Leitung ist wieder im gespräch

Von allen Stromanbietern auf dem freien Südtiroler Energiemarkt sind die Angebote der SEL-

TRADE mit ihren 4 PLUSProdukten die günstigsten. Dies hat die AEEG (Aufsichtsbehörde für

Strom und Gas) in ihrer Erhebung Anfang 2012 bestätigt. Innerhalb eines Jahres sind, wie die

Preisbeobachtungsstelle der Verbraucherzentrale errechnet hat, die Stromkosten generell um

rund 15 Prozent gestiegen. Das bedeutet für die Familienhaushalte eine wachsende Belastung,

und es ist derzeit nicht abzusehen, wann diese Spirale zum Stillstand kommt.

Alle vier Monate nimmt die Aufsichtsbehörde AEEG eine Kostenanpassung vor, was derzeit

bedeutet, dass die Preise in der Norm im Viermonatsrhythmus steigen. Dies bedeutet wiederum,

dass der Endverbraucher alle vier Monate mit zusätzlichen Energiekosten belastet wird, was sich

in der laufenden Wirtschafts- und Finanzkrise besonders schmerzhaft bemerkbar macht.

Die Energiekosten hängen in erster Linie von den Kosten der Rohstoffe Erdöl und Erdgas ab.

Wenn diese steigen, erhöhen sich auch die Kosten für die Endverbraucher. Auf der Internetseite

der staatlichen Aufsichtsbehörde für Strom und Gas (AEEG) werden die 20 Stromanbieter auf

dem Südtiroler Markt regelmäßig entsprechend ihren Angeboten gereiht. Die Angebote von

SELTRADE haben im ersten Trimester 2012 in allen vier behandelten Kategorien, mit denen die

SEL auf dem freien Strommarkt im Land auftritt, am günstigsten abgeschnitten.

In den ersten Monaten 2012 wurden auf politischer und auch technischer Verhandlungsebene

an den Voraussetzungen gearbeitet, um die schon einmal bestandene Stromverbindung zwischen

Süd- und Nordtirol über den Brenner zu reaktivieren. Die so genannte „Wiltener Leitung“

wurde im Jahr 1961 nach der ersten großen Anschlagserie auf Stromleitungen in Südtirol gekappt

und seither nicht wieder instand gesetzt. Es handelt sich um die Hochspannungsleitung vor der

Grenze am Brenner.


Die erste Jahreshälfte 2012

61

2012: Projekte auf dem Weg

Mit der steigenden Anzahl von Kraftwerken, die in den letzten Jahren von der SEL mehrheitlich

übernommen wurden oder gemeinsam mit anderen einschlägigen Unternehmen geführt werden,

haben auch die laufenden Instandhaltungsarbeiten zugenommen. Auch eine Reihe von neuen Wasserkraftprojekten

befindet sich in der Realisierungsphase. Dutzende von Millionen Euro werden im

laufenden Jahr investiert, um Produktion zu optimieren, neue Produktionsbetriebe auf die Beine zu

stellen und veraltete Strukturen durch neue zu ersetzen.

GroSSe Arbeiten am

Kraftwerk Mühlen

Der 15. November 2012 ist der Termin, zu

dem die umfangreichen Arbeiten zur Modernisierung

des Kraftwerks Mühlen abgeschlossen

sein sollen. Dabei geht es um den Austausch

der beiden Maschinensätze mit insgesamt vier

Turbinen, um den Neubau von Generatoren

und Transformatoren und der Hochspannungsanlage.

Begonnen wurden die Arbeiten über 15

Millionen Euro im September 2011. Die gesamte

Anlage wird automatisiert und modernisiert.

Energie Schnals

Konsortial-GmbH

Dieses Kraftwerk, an dem die Hydros GmbH

zu 40 Prozent und die Gemeinde Schnals zu

60 Prozent beteiligt ist, ist seit 2011 in Betrieb.

In einem ersten Abschnitt wurde der Schnalser

Bach eingeleitet. Dann wurde mit einer

Beileitung auch der Lageinbach eingeleitet und

im Anschluss das Krafthaus fertig gestellt. Die

geplante Jahresproduktion liegt bei geschätzten

11,5 Millionen kWh.

E-Werk Eggental

Konsortial-GmbH

Heftig gearbeitet wurde im heurigen Winter

und Frühjahr am Bau des neuen Wasserkraftwerks

im Eggental, an dem die Gemeinden

Karneid, Deutschnofen, Welschnofen, Tiers,

Völs, ein Privater und die SEL GmbH (mit 36

Prozent) beteiligt sind. Die Druckleitung von

der Wasserfassung des Eggentaler Baches bei

Birchabruck weg ist fast fertig, noch zu bauen

ist das Krafthaus (in der Nähe des Restaurants

Wasserfall); das Werk mit einer Jahreskapazität

von rund 12 Millionen kWh soll im Jahr 2012

den Betrieb aufnehmen können. Bereits seit

Ende des Vorjahres in Betrieb ist das Kraftwerk

Breien Konsortial GmbH mit einem jährlichen

Produktionsvolumen von 11 Millionen kWh.

An diesem Kraftwerk sind neben der SEL

GmbH mit 36 Prozent Anteil die Gemeinden

Deutschnofen, Welschnofen, Karneid, Tiers und

Völs beteiligt.


62 Die erste Jahreshälfte 2012

Die erste Jahreshälfte 2012 63

Struktur – heute und zukunft

Ziele:

• Schaffen einer schlanken und effizienten Struktur

• Klare Trennung zwischen Produktion und Verteilung

strom wärme gas klimaschutz beteiligungen

Produktion trading verteilung services

kompetenzen – heute und ausblick

Kraftwerk Wiesen-Pfitsch

Dieses neue Wasserkraftwerk, das von Hydros

GmbH (30 Prozent Anteil), Gemeinde Pfitsch

(28 %), Interessentschaft Wiesen (28 %) und

der Wiesen Energie GmbH (14 %) erbaut

wird, befindet sich in der Planungsphase. Mit

den Arbeiten wird voraussichtlich 2013 begonnen,

die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2014

vorgesehen. Das Werk nutzt das Wasser des

Pfitscher Baches und wird eine Jahresproduktion

von rund 10 Millionen Kilowattstunden

aufweisen. Die Planung liegt in den Händen

des SEL-Engineering Teams.

Stromnetz St. Jakob

In der Fraktion St. Jakob (Gemeinde Wiesen-

Pfitsch) wird bald das gesamte, rund 10 km

lange Stromverteilernetz unterirdisch verlegt

sein. 2005 hat die SEL das damals veraltete

Netz übernommen, und die Techniker der

SEL projektierten die Erdkabelleitung sowohl

Produktion trading verteilung services

für die Niederspannung als auch für die

Mittelspannung. Die Niederspannungsleitung

für die mehr als 250 Abnehmer ist bereits

in Betrieb; die Arbeiten an der Mittelspannungsleitung

begannen letzten September

und werden demnächst abgeschlossen. Dann

wird die Stromversorgung von St. Jakob

unter drei Gesichtspunkten optimiert sein:

Die Versorgungssicherheit, besonders auch

im Winter, ist voll gewährleistet; die Leistung

des Netzes wird erhöht und kann auch die

erhebliche Produktion aus den zahlreichen

Fotovoltaikanlagen und privaten kleinen Wasserkraftwerken

aufnehmen; die Kabelerdverlegung

Ausblick

schließlich kommt den ökologischen

Erfordernissen entgegen. Anschließend muss

noch eine rund 13 km lange Leitung bis nach

Wiesen geführt werden. Solar- und Windenergie Contracting


64

Die erste Jahreshälfte 2012

Operativer Gewinn – buchhalterischer Verlust

Die Eckdaten 2011 der SEL-Gruppe lesen sich imposant: 478.355.229 Euro Umsatz, ein konsolidiertes

operatives Ergebnis vor Steuern (EBIT) von 89,2 Mio. Euro, 38,9 Millionen Euro an

bezahlten Steuern und 427 Mitarbeiter in der gesamten SEL-Gruppe stellen für das Land Südtirol

eine wichtige volkswirtschaftliche Größe dar. Der Gesamtbetrag der betrieblichen Erträge der

Gesellschaft hat sich von 2010 auf 2011 fast verdoppelt (von 272,22 auf 494,79 Millionen Euro),

das operative Ergebnis konnte verdreifacht werden (von 28,5 auf 89,2 Millionen Euro). Aufgrund

der 2011 notwendig gewordenen Abwertung der DELMI Beteiligung in Höhe von 73,9 Millionen

Euro, liegt das definitive Ergebnis der Gruppe allerdings bei einem Verlust von 22,9 Millionen Euro.

Die buchhalterisch ausgewiesene Abwertung, welche unterm Strich zu einem Bilanzverlust

geführt hat, schmälert in keiner Weise die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die effektive

Leistung der SEL-Gruppe, die sich in ihrem operativen Ergebnis als gesund, solide und zukunftsorientiert

präsentiert. Der Wert der Unternehmensgruppe hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens

bereits manifestiert, wird aber in Zukunft in seiner engen Verflechtung mit der Südtiroler

Volkswirtschaft noch besser erkannt und auch geschätzt werden.

Ebit Sel Gruppe

100.000.000 €

90.000.000 €

80.000.000 €

70.000.000 €

60.000.000 €

50.000.000 €

40.000.000 €

30.000.000 €

20.000.000 €

10.000.000 €

0 €

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

EBIT: Operatives Ergebnis vor Steuern ohne Betrachtung der Finanzanlagen und Wertberichtigungen

EBIT


Konzernbilanz 2011

Der SEL ag

bilanz | konzernabschluss 2011

67

II IMMATERIELLES ANLAGEVERMÖGEN

1) Grundstücke und Bauten

50.005.858

49.690.610

2) anlagen und Maschinen

272.095.954

277.780.885

3) Betriebs- und Geschäftsausstattung

685.611

726.717

4) Sonstige Güter

1.426.931

1.522.187

5) Im Entstehen befindliches Anlagevermögen und Anzahlungen

6.882.401

8.127.586

GESAMTBETRAG (II)

331.096.755

337.847.985

III FINANZANLAGEN

1) Beteiligungen an:

178.365.322

248.368.570

b) verbundenen Unternehmen

71.518.747

67.524.447

d) anderen Unternehmen

106.846.575

180.844.123

Vermögensbilanz

2) Forderungen:

b) gegen verbundene Unternehmen

4.391.090

150.000

4.475.321

-

AKTIVA

B) ANLAGEVERMÖGEN

1 IMMATERIELLES ANLAGEVERMÖGEN

31.12.2011

31.12.2010

d) gegen andere über 12 Monate

GESAMTBETRAG (III)

GESAMTBETRAG ANLAGEVERMÖGEN (B)

4.241.090

182.756.412

611.966.518

4.475.321

252.843.891

699.236.947

1) aufwendungen für die Errichtung und Erweiterung des Unternehmens

2.767

1.885

C) UMLAUFVERMÖGEN

3) Rechte aus gewerblichen Patenten und Rechte auf Nutzung geistiger Werke

223.857

310.674

1 VORRÄTE

4) Konzessionen, Lizenzen, Marken und ähnliche Rechte

92.431.803

102.296.204

1) Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe

3.976.197

3.316.510

5) Geschäftswert

321.200

642.400

3) In Ausführung befindliche Arbeiten auf Bestellung

3.841.229

2.303.238

5 bis) Konsolidierungsdifferenz

3.581.983

3.880.481

4) Fertige Erzeugnisse und Waren

2.675.914

6.163.717

7) Sonstiges

1.551.741

1.413.427

5) anzahlungen

-

-

GESAMTBETRAG (I)

98.113.351

108.545.071

GESAMTBETRAG (I)

10.493.340

11.783.465


68 bilanz | konzernabschluss 2011

II FORDERUNGEN

1) gegen Kunden innnerhalb 12 Monate

gegen Kunden über 12 Monate

3) gegen verbundene Unternhemen innerhalb 12 Monate

gegen verbundene Unternehmen über 12 Monate

4-bis) Guthaben abgabenrechtlicher Natur innerhalb 12 Monate

Guthaben abgabenrechtlicher Natur über 12 Monate

4-ter) Steuervorauszahlungen innerhalb 12 Monate

Steuervorauszahlungen über 12 Monate

5) gegen Andere innerhalb 12 Monate

gegen Andere über 12 Monate

GESAMTBETRAG (II)

84.312.186

-

371.504

-

5.609.727

-

8.976.437

-

21.897.771

72.672

121.240.297

59.336.221

-

411.659

-

7.900.897

-

4.802.900

-

4.752.936

-

77.204.613

III FINANZVERMÖGEN, DAS KEIN ANLAGEVERMÖGEN DARSTELLT

6) Sonstige Wertpapiere

GESAMTBETRAG (III)

4.950.000

4.950.000

-

-

IV FLÜSSIGE MITTEL

1) Einlagen bei Banken und bei der Post

3) Kassenbestand in Geld und Wertzeichen

GESAMTBETRAG (IV)

GESAMTBETRAG UMLAUFVERMÖGEN (C)

89.839.224

15.735

89.854.959

226.538.596

29.489.350

13.196

29.502.546

118.490.624

D) ANTIZIPATIVE UND TRANSITORISCHE RECHNUNGSABGRENZUNG

2) aktive antizipative und transitorische Rechnungsabgrenzung

GESAMTBETRAG RECHNUNGSABGRENZUNG (D)

GESAMTBETRAG AKTIVA

2.800.497

2.800.497

841.305.611

2.855.688

2.855.688

820.583.259


70 bilanz | konzernabschluss 2011

bilanz | konzernabschluss 2011 71

PASSIVa

A) EIGENKAPITAL

31.12.2011

31.12.2010

i

Gesellschaftskapital

305.500.000

305.500.000

II

Rücklage aus dem Aufpreis auf Aktien

-

-

III

aufwertungsrücklagen

-

-

IV

Gesetzliche Rücklage

2.751.393

2.289.153

V

Satzungsmäßige Rücklagen

-

-

VI

Rücklage für eigene Aktien im Vermögensbestand

-

-

VII

andere Rücklagen

67.281.804

60.888.039

- davon freiwillige Rücklage

-

-

- davon Rücklage für net equity Aufwertungen

-

-

- davon Rundung

-

-

VIII

Vorgetragene Jahresgewinne (-Verluste)

(403.796)

(4.584.952)

B) FONDS FÜR RISIKEN UND LASTEN

IX

Jahresgewinn (-Verlust)

(22.944.807)

7.741.914

1) Für Ruhestandsbezüge und ähnliche Verbdindlichkeiten

4.730

3.318

GESAMTBETRAG

352.184.594

371.834.154

2) Für Steuern, einschließlich der gestundeten

41.195.682

43.954.316

ANTEILE DRITTER

1) am Gesellschaftskapital und den Rücklagen

54.616.883

53.256.999

3) Sonstige

GESAMTBETRAG FONDS FÜR RISIKEN UND LASTEN (B)

10.925.682

52.126.094

7.681.776

51.639.410

2) am Jahresergebnis

7.334.888

6.352.749

C) ABFERTIGUNGEN FÜR ARBEITNEHMER

GESAMTBETRAG DRITTER

61.951.771

59.609.748

abfertigungen für Arbeitnehmer

3.936.069

4.301.222

GESAMTBETRAG KONSOLIDIERTES EIGENKAPITAL (A)

414.136.365

431.443.902

GESAMTBETRAG ABFERTIGUNGEN (C)

3.936.069

4.301.222


72 bilanz | konzernabschluss 2011

bilanz | konzernabschluss 2011 73

D) VERBINDLICHKEITEN

3) Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern aus Finanzierungen innerhalb 12 M.

15.913.131

22.758.400

Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern aus Finanzierungen über 12 Monate

-

-

4) Verbindlichkeiten gegenüber Banken innerhab 12 Monate

67.470.350

58.017.250

Verbindlichkeiten gegenüber Banken über 12 Monate

146.259.354

164.722.017

5) Verbindlichkeiten gegenüber anderen Kreditgebern innerhalb 12 Monate

705.320

725.887

Verbindlichkeiten gegenüber anderen Kreditgebern über 12 Monate

227.703

933.023

6) anzahlungen innerhalb 12 Monate

4.977.606

1.789.686

anzahlungen über 12 Monate

-

-

7) Verbindlichkeiten gebenüber Lieferanten innerhalb 12 Monate

62.823.553

47.431.407

Verbindlichkeiten gebenüber Lieferanten über 12 Monate

10) Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen innerhalb 12 Monate

Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen über 12 Monate

12) Verbindlichkeiten aus Abgaben innerhalb 12 Monate

Verbindlichkeiten aus Abgaben über 12 Monate

13) Verbindlichkeiten gegenüber Vorsorgeeinrichtungen innerhalb 12 Monate

-

1.666.965

-

31.548.309

-

1.157.031

-

1.226.883

-

7.903.060

-

923.338

E) ANTIZIPATIVE UND TRANSITORISCHE RECHNUNGSABGRENZUNG

1) agio auf Darlehen

2) Passive antizipative und transitorische Rechnungsabgrenzung

GESAMTBETRAG RECHNUNGSABGRENZUNG (E)

GESAMTBETRAG PASSIVA

2.432.699

20.253.167

22.685.866

841.305.611

-

16.542.572

16.542.572

820.583.259

Verbindlichkeiten gegenüber Vorsorgeeinrichtungen über 12 Monate

-

-

ORDNUNGSKONTEN

14) Sonstige Verbindlichkeiten innerhalb 12 Monate

15.671.895

10.225.202

Güter Dritter im Unternehmen

35.000

-

Sonstige Verbindlichkeiten über 12 Monate

-

-

Vom Unternehmen übernommene Risiken

66.559.833

40.747.190

GESAMTBETRAG VERBINDLICHKEITEN (D)

348.421.217

316.656.153

GESAMTBETRAG ORDNUNGSKONTEN

66.594.833

40.747.190


74 bilanz | konzernabschluss 2011

bilanz | konzernabschluss 2011 75

B) BETRIEBLICHE AUFWENDUNGEN

6) aufwand für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Waren

265.316.648

144.882.840

7) aufwand für Dienstleistungen

52.942.136

36.708.068

8) aufwand für die Nutzung von Gütern Dritter

13.662.346

12.371.796

9) Personalaufwand

19.698.171

12.251.781

a) Löhne und Gehälter

14.017.959

8.757.327

b) Soziale Lasten

4.239.204

2.783.113

c) Abfertigungen

1.041.927

634.959

d) Ruehstandsbezüge und ähnliche Zahlungen

189.737

21.572

e) Sonstige Aufwendungen

209.344

54.810

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG

10) Abschreibungen und Wertminderungen

a) Abschreibung des immateriellen Anlagevermögens

41.183.417

10.957.455

35.751.686

10.856.112

A) BETRIEBLICHE ERTRÄGE

1) Erträge aus Verkäufen und Leistungen

31.12.2011

478.355.229

31.12.2010

268.413.172

b) Abschreibung des Sachanlagevermögens

c) Sonstige Wertminderungen des Anlagevermögens

d) Wertminderungen der im Umlaufvermögen enthaltenen Forderungen

und sonstige flüssige Zahlungsmittel

29.575.566

153.142

497.254

24.181.259

-

714.315

2) Veränderungen der Vorräte an in Herstellung befindlichen,

halbfertigen und fertigen Erzeugnissen

3) Veränderungen der in Ausführung befindlichen Arbeiten auf Bestellung

4) Zuwächse des Anlagevermögens durch Eigenleistungen

5) Sonstige Erträge und Einnahmen

- davon Betriebszuschüsse

GESAMTBETRAG BETRIEBLICHE ERTRÄGE (A)

-

1.537.991

5.028.863

9.874.042

443.108

494.796.125

-

227.550

426.505

3.160.730

1.127.249

272.227.957

11) Veränderungen der Vorräte an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Waren

12) Rückstellungen für Risiken

13) Sonstige Rückstellungen

14) andere betriebliche Aufwendungen

BETRIEBLICHE AUFWENDUNGEN (B)

DIFFERENZ ZWISCHEN

BETRIEBLICHEN ERTRÄGEN UND AUFWENDUNGEN (A-B)

2.828.116

3.675.222

954.111

5.330.155

405.590.322

89.205.803

(3.405.731)

-

1.930.094

2.647.810

243.138.344

29.089.613


76 bilanz | konzernabschluss 2011

bilanz | konzernabschluss 2011 77

D) WERTBERICHTIGUNGEN DES FINANZVERMÖGENS

18) Aufwertungen

12.525.373

3.373.425

a) von Beteiligungen

12.525.373

3.373.425

C) EINNAHMEN AUS FINANZANLAGEN UND FINANZIERUNGSLASTEN

b) des Finanzanlagevermögens, das nicht aus Beteiligungen besteht

-

-

15) Einnahmen aus Beteiligungen

a) abhängigen Unternehmen

b) verbundenen Unternehmen

c) anderen Unternehmen

16) Sonstige Einnahmen aus Finanzanlagen

a) aus im Anlagevermögen ausgewiesenen Forderungen

900.090

855.777

-

44.313

1.140.709

84.343

4.476.499

4.476.499

-

-

393.144

203.503

c) der im Umlaufvermögen ausgewiesenen Wertpapiere,

die keine Beteiligungen darstellen

19) Abwertungen

a) von Beteiligungen

b) des Finanzanlagevermögens, das nicht aus Beteiligungen besteht

c) der im Umlaufvermögen ausgewiesenen Wertpapiere,

die keine Beteiligungen darstellen

-

74.039.239

74.039.239

-

-

-

6.627.805

6.627.805

-

-

b) aus im Anlagevermögen ausgewiesenen Wertpapieren,

die keine Beteiligungen darstellen

-

-

WERTBERICHTIGUNGEN DES FINANZVERMÖGENS (D)

(61.513.866)

(3.254.380)

c) aus im Umlaufvermögen ausgewiesenen Wertpapieren,

die keine Beteiligungen darstellen

d) andere Einahmen als die vorhergehenden

17) Zinsen und andere Finanzierungslasten

a) an abhängigen Unternehmen

b) an verbundenen Unternehmen

c) an beherrschenden Unternehmen

1.583

1.054.783

6.996.576

-

-

-

-

189.641

3.764.423

-

-

-

E) AUSSERORDENTLICHE EINNAHMEN UND LASTEN

20) Einnahmen

21) lasten

AUSSERORDENTLICHE EINNAHMEN UND LASTEN (E)

ERGEBNIS VOR STEUERN (A - B + - C + - D + - E)

22) Steuern auf das Einkommen aus dem Geschäftsjahr,

und zwar laufende, gestundete und vorausgezahlte

674.000

62.365

611.635

23.347.790

38.957.709

120.727

1.505.389

(1.384.662)

25.555.791

11.461.128

d) andere

6.996.576

3.764.423

23) Gewinn (Verlust) des Geschäftsjahres

(15.609.919)

14.094.663

17-bis)

Kursgewinne und Kursverluste

(5)

-

Gewinn (Verlust) des Geschäftsjahres Dritter

7.334.888

6.352.749

EINNAHMEN AUS FINANZANLAGEN UND FINANZIERUNGSLASTEN (C)

(4.955.782)

1.105.220

GEWINN (VERLUST) DES GESCHÄFTSJAHRES DER GRUPPE

(22.944.807)

7.741.914


IMPRESSUM

SEL AG Südtiroler Elektrizitätsaktiengesellschaft

Kanonikus-Michael-Gamper-Straße 9

I-39100 Bozen

T +39 0471 060 700

F +39 0471 060 703

www.sel.bz.it

Redaktion:

SEL-Konzernkommunikation und Public Relations

Konzept & Grafik:

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Fotos:

SEL AG, Oskar Dariz, istock, FotoTappeiner, Andreas Marini

Druck:

Longo AG

klimaneutral

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gedruckt

August 2012

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56 der 427 mitarbeiter der SeL-Gruppe

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