Vertrauensmarketing

bdvi.forum.de

Vertrauensmarketing

Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e. V.

Erforderlich:

Der neue BDVI-Präsident

fordert ein ÖbVI-

Vertrauensmarketing

Ergiebig:

Über Befindlichkeiten

im deutschen

Vermessungswesen

Erstaunlich:

Mini- und Mikrodrohnen

mit

Echtzeit-

Georegistrierung

DPAG PVSt G 50591 »Entgelt bezahlt« BDVI Berlin

34. Jahrgang

2008

ISSN 0342-6165

H E F T 3


Hinter den Sensoren von Leica Geosystems

steht ein Netzwerk an Software-Partnern.

Dank offener Schnittstellen können Sie genau die für Sie

passende Software-Lösung bei einem der zuverlässigen Leica

Software-Partner auswählen. Überzeugen Sie sich selbst

Leica Geosystems GmbH Vertrieb

Triebstraße 14

80993 München

Tel. 089/14 98 10 0

Fax 089/14 98 10 33

www.leica-geosystems.de

Nutzen Sie unsere

guten Beziehungen

und besuchen Sie uns und unsere Partner am Leica

Stand auf der INTERGEO in Bremen, Halle 5, Stand

5.518. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Kartenvorlage: Bayerisches Vermessungsamt


MOSAIK

_ KRANKENGELD

Krankengeldregelung für Selbstständige

muss zurückgenommen werden

Zur aktuellen Debatte erklärt BFB-Präsident Dr. Ulrich Oesingmann:

»Rund 1,5 Millionen Selbstständige und Freiberufler,

die freiwillig Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung

(GKV) sind, erhalten ab dem neuen Jahr kein Krankengeld

mehr von ihrer Kasse. Wir fordern den Gesetzgeber auf,

diese Leistungskürzung zurückzunehmen.«

Im Zuge der im Jahr 2007 verabschiedeten Gesundheitsreform

wurden diese Leistungen mit Wirkung ab dem 1. Januar 2009

gestrichen. Dies ist eine eklatante Benachteiligung der in der gesetzlichen

Krankenversicherung freiwillig versicherten Selbstständigen.

Der Gesetzgeber muss diese Änderung sofort rückgängig

machen. Da nicht damit zu rechnen ist, dass sich der

Gesetzgeber zeitnah bewegt, müssen sich die Betroffenen

schnellstens um ein neues Auffangnetz im Krankheitsfall kümmern.

Die Folgen für Selbstständige, die im Krankheitsfall nicht

mehr abgesichert sind, können existenzbedrohend sein.

Die betroffenen in der GKV freiwillig versicherten Selbstständigen

sollten sich daher in den nächsten Wochen von mehreren

privaten Versicherungsgesellschaften Angebote einholen und

Prämien und Leistungen vergleichen. Die Versicherungsunter-

_ AUSBILDUNG

DIA startet mit Bachelor- und Masterstudiengängen

im Bereich Real Estate

Führungs- und Nachwuchskräften der Immobilien- und Finanzbranche

bietet die Deutsche Immobilien-Akademie (DIA)

an der Universität Freiburg ab September die Möglichkeit, einen

Bachelor- oder Masterabschluss im Bereich Real Estate

zu erwerben. Möglich wird dies im Rahmen einer Kooperation

mit der SMI School of Management and Innovation, der Business

School an der privaten, staatlich anerkannten und promotionsberechtigten

Steinbeis-Hochschule Berlin.

»Für uns geht damit der Traum von einer durchlässigen, berufsbegleitenden

immobilienwirtschaftlichen Weiterbildung bis

hin zum akademischen Abschluss in Erfüllung«, freut sich DIA-

Geschäftsführer Peter Graf. Die Anforderungen an die Aus- und

Weiterbildung, welche für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit

in der Immobilienwirtschaft notwendig seien, nähmen aufgrund

der Internationalisierung und Professionalisierung immer mehr

zu. »Neben Berufspraktikern mit einem Abschluss als Immobilienkaufmann

oder Immobilienwirt werden auch Betriebswirte,

Juristen,BauingenieureundArchitektenverstärktdieMöglichkeit

nutzen, sich mit einem Bachelorstudium oder einem der postgradualen

Masterstudiengänge immobilienwirtschaftliche Spezialkenntnisse

anzueignen«, ist sich Peter Graf sicher.

nehmen sind aufgefordert, Produkte anzubieten, die dem geringen

versicherungsmathematischen Risiko von Ausfallzeiten

bei Selbstständigen Rechnung tragen. Dieses unterdurchschnittliche

Risiko muss sich auch in günstigen Konditionen wiederfinden.

Dabei sollte an kombinierte Angebote mit Betriebsausfalldeckung

gedacht werden. Die Alternative, das Krankengeld

auch zukünftig über die GKV abzusichern, sehen wir kritisch.

Wer sich dazu entschließt, einen Zusatzvertrag über seine

gesetzliche Kasse abzuschließen, sollte gewarnt sein. Erstens

liegen bis heute keine Krankengeld-Wahltarife bei den gesetzlichen

Kassen vor. Zweitens ist noch nicht abzusehen, wie sich

die Beiträge der einzelnen Kassen nach Einführung des Gesundheitsfonds

entwickeln werden. Und wer sich heute für eine bestimmte

Krankenkasse entscheidet, ist an diese mindestens für

die nächsten drei Jahre gebunden. Wie auch immer sich die

Betroffenen entscheiden: Sie werden mit Zusatzbelastungen

rechnen müssen. Diese werden besser verkraften zu sein als die

finanziellen Belastungen, die eintreten, wenn die Ausfallzeiten

bei zum Teil langen und schweren Erkrankungen nicht mehr

abgesichert sind.«

(Quelle: Presseinformation des BFB, 9. September 2008)

»Genügte es in der Vergangenheit,

einzelne

Objekte bewerten, bewirtschaften

oder vermarkten

zu können, so

stehen heute verstärkt

grenzüberschreitende

Portfolios, Unternehmen

oder die Strukturierung

der Finanzierung

im Fokus«, erläutern

die Studienleiter

Professor Heinz Rehkugler

und Professor Michael Lister. Bei der Bewertung, der

Ertragsberechnung, der Kreditbeschaffung oder der Suche nach

neuen Investitionsstrategien benötigten Entscheider Fachkompetenz

auf internationalem Niveau.

Information: Deutsche Immobilien-Akademie

an der Universität Freiburg, Thomas Bühren

Eisenbahnstraße 56, 79098 Freiburg, Telefon 0761/20755-27

www.dia.de

(Quelle: Presseinformation der Deutschen Immobilien-Akademie an

der Universität Freiburg GmbH, 5. August 2008) 390

3


391

MOSAIK

3

Die CDs mit Bild + Ton des

Kabaretts »Corner-Value-Paper«

vom BDVI-Kongress 2008 können

bei der BDVI-Geschäftsstelle

bestellt werden.

_ ADV

Jubiläumsveranstaltung 60 Jahre

Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltung

(AdV) in Stuttgart

»Baden-Württemberg bekennt sich zu einer konsequenten Weiterentwicklung

der Vermessungsverwaltung.«

»Die Landesregierung von Baden-Württemberg unterstützt die technologischen Entwicklungen

im amtlichen Vermessungswesen: sei es beim Aufbau einer Geodateninfrastruktur

oder durch die Einrichtung und den Betrieb des Satellitenpositionierungsdienstes

SAPOS®. Baden-Württemberg begnügt sich im Bereich Forschung

und Entwicklung nicht mit einer Zuschauerrolle, sondern will sich aktiv beteiligen«,

sagte die Staatssekretärin im

Ministerium für Ernährung und

Ländlichen Raum, Friedlinde

Gurr-Hirsch MdL, am Dienstag

(9. September) im Rahmen der

Veranstaltung zum 60-jährigen

Bestehen der Arbeitsgemeinschaft

der Vermessungsverwaltung

(AdV) in Stuttgart. InnerhalbEuropashabeBaden-Württemberg

mit 4,2 % des Bruttoinlandsprodukts

das meiste Geld Staatssekretärin für Aktivrolle von BW

in die Forschung investiert. Damit hat bei Forschung und Entwicklung

Baden-Württemberg im Vergleich

der Länder in Deutschland und in der EU Platz eins eingenommen.

»Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen gewährleistet die Einheitlichkeit

der von der Wirtschaft gebrauchten Geobasisinformationen. Ohne die AdV

hätten wir 16 verschiedene Stimmen; dies wäre im europäischen Kontext mehr als

hinderlich. Im zusammenwachsenden Europa muss Deutschland auch im föderal

strukturierten Vermessungswesen mit einer Stimme sprechen«, erklärte die Staatssekretärin.

Gerade im Bereich der Geoinformationen sei dies äußerst wichtig. Geoinformationen

müssten in einheitlichen Standards und Normen zur Verfügung stehen.

Durch die europäische INSPIRE-Richtlinie würden die Voraussetzungen für eine

Aktivierung des Wertschöpfungspotenzials von Geoinformationen geschaffen.

INSPIRE (Infrastructure for Spatial Information in Europe) unterstütze durch den

Aufbau von Geodateninfrastrukturen die Lissabon-Strategie der Europäischen Union

für mehr Wirtschaftswachstum. Die Landesregierung werde diese Richtlinie in Baden-

Württemberg daher zügig umsetzen.

In der AdV wirken die Vermessungsverwaltungen der Länder zusammen, um fachliche

Angelegenheiten von grundsätzlicher und überregionaler Bedeutung mit dem

Ziel einer einheitlichen Regelung zu behandeln. So waren Vertreter der AdV bei der

Konzeption für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo beteiligt und

brachten die Interessen der Vermessungsverwaltungen Deutschlands in den europäischen

Gremien ein. Durch die Einrichtung von »Zentralen Stellen« wurde pro

Produkt oder Dienst ein Ansprechpartner für die Belange der Industrie, Wirtschaft

und Gesellschaft geschaffen. Damit werden hochwertige Produkte und Dienstleistungen

der Vermessungsverwaltungen einheitlich und aus einer Hand abgegeben.

Der Vorteil der amtlichen Geoinformationen der Vermessungsverwaltungen sind

die bundesweite Verfügbarkeit, die hohe Aktualität und einheitliche Gebühren und

Lizenzmodelle.

(Quelle: Pressestelle des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum)

_ E-LEARNING

Gold in Peking – für die Lehre

TU-Student für die Entwicklung einer multimedialen E-Learning-

Plattform in der Geoinformationstechnik ausgezeichnet.

Mit einem Gold Award kehrte das Team des Instituts für Geodäsie

und Geoinformationstechnik (IGG) der Technischen Universität

Berlin aus Peking zurück. Auf dem mit über 3.000 Teilnehmern

gut besuchten 21. Kongress der »International Society

of Photogrammetry and Remote Sensing« (ISPRS) war

Robert Kaden, studentischer Mitarbeiter des IGG, für seine

Entwicklung einer multimedialen E-Learning-Plattform zu

dem Standard CityGML ausgezeichnet worden.

CityGML (City Geography Markup Language) ist ein semantisches

Datenmodell und Austauschformat, mit dem 3-D-Daten

für Gebäude- und Stadtmodelle beschrieben werden können.

Gerade erst Anfang August 2008 ist es vom Open Geospatial

Consortium (OGC) als internationaler Standard verabschiedet

worden. Dieser Standard erleichtert die weltweite Zusammenarbeit

und den hersteller- und anbieterübergreifenden Datenaustausch

von virtuellen 3-D-Stadtmodellen. Entwickelt wurde

CityGML von der SIG 3D, einem deutschen Gremium mit über

100 Mitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung

_ UMORGANISATION DER LANDESVERMESSUNG

GEObasis.NRW jetzt bei der Bezirksregierung Köln

Die Umorganisation der Landesvermessung in NRW wurde im letzten Jahr von der Landesregierung

propagiert und durchgesetzt. Neben der Aufgabenkritik am Landesvermessungsamt

und bei den Bezirksregierungen hatte das Vorhaben das Ziel,

Personaleinsparungen vorzunehmen.

Wie erfolgreich dieses Unternehmen war, davon berichtete

der Regierungspräsident von Köln in seiner Pressekonferenz

vom 25. Juni 2008. Generalthema der Pressekonferenz war

die Integration des Landesvermessungsamtes (ehemaliger

LHO-Betrieb) in eine Abteilung der Bezirksregierung. Die

jetzige Abteilung 7 »GEObasis.NRW« wurde neu strukturiert

und personell verschlankt.

Die Einbindung der Aufgaben »Landesvermessung« und

»GEObasis« in eine Regierungsbehörde bietet Chancen für

die Bündelung von Aufgaben insbesondere im Bereich E-

Government und Know-how-Center für Zukunftsaufgaben

auf allen Gebieten der Landesvermessung (von SAPOS® bis

GIS). Die Abteilung 7 könnte als Stabsstelle, losgelöst von

Dienstaufsichtsaufgaben, fungieren. Hier hat das Land NRW

noch einiges an Nachholbedarf, besonders wenn es darum

geht, die amtlichen Daten auch allen amtlichen Vermessungsstellen

nach VermKatG zur Verfügung zu stellen. Es bedarf

noch einiger praktischer Entscheidungen, um auch das

Denken auf die Region »Land NRW« auszurichten.

Der BDVI wünscht der Abteilung 7 viel Erfolg auf dem Weg

zur »GEObasis.NRW«.

(Quelle: Pressestelle Bezirksregierung Köln/BDVI NRW)

Robert Kaden ist der Dritte von rechts.

MOSAIK

unter dem Vorsitz von TU-Professor Thomas H. Kolbe. Eingesetzt

wird der Standard bereits von Vermessungsämtern und

Unternehmen, die Gebäude, Stadtviertel und ganze Regionen

in einer 3-D-Ansicht abbilden, um Voraussetzungen für Stadtplanungen,

Umweltsimulationen, Sicherheitsanalysen oder für

touristische Zwecke zu schaffen. Auch für die zukünftige Automatisierung

bestimmter Vermessungsarbeiten durch Roboter

sind die 3-D-Modelle ein unabdingbares Hilfsmittel.

Der Erfolg der bisherigen Kursteilnehmer (seit Mai 2008) aus verschiedenen

europäischen Ländern überzeugte auch die Jury in

Peking. Sie verlieh dem angehenden Geodäten Robert Kaden den

mit 1.000 US $ dotierten Gold Award des E-Learning-Wettbewerbs

CATCON (Computer Assisted Teaching Contest).

(Quelle: Pressestelle der TU Berlin)

Funkgeräte

für Vermesser u. Baubetriebe

Wir bieten:

• Betriebsfunkgeräte

• Kurzstreckenfunkgeräte

• Zubehör

Bitte kostenlosen Prospekt

anfordern:

Tel./Fax: 037421/23162

Vogtlandfunk@t-online.de

Vogtlandfunk

Heppeplatz 8 • 08606 Oelsnitz

3

392


393

EDITORIAL

3

34. Jahrgang, 2008, Heft 3

EDITORIAL

Step by Step

Das FORUM begrüßt den neuen Präsidenten, Michael Zurhorst, wie es

den alten verabschiedet hat: mit »business as usual«. Der Willkommensgruß

in diesem Heft ist vielfältig und umfasst verschiedene Aktionsbereiche,

die in der kommenden Zeit das Interesse der ÖbVI auf sich ziehen werden.

An erster Stelle stehen die Gedanken des »Neuen« unter dem diesjährigen

Kongressmotto »Perspektive Zukunft«. Über seinen pragmatischen Ansatz,

mit dem Privileg der öffentlichen Beleihung ausgestattet neue Wirkungsfelder

zu erobern, wird man hoffentlich noch öfter und in allen Gremien

sprechen. Sein Vorschlag für ein »Vertrauensmarketing« passt sehr gut zu

den Ausführungen des DVW-Präsidenten Hagen Graeff, der seine Frage nach

den Befindlichkeiten im deutschen Vermessungswesen nicht allein mit den

aktuellen Herausforderungen beantwortet, sondern mit dem Hinweis auf

die Gestaltungsmöglichkeiten in einem breit gefächerten Berufsfeld.

Den Bericht vom Kleinen Geodätentag darf man gern als Pendant oder als

Spiegel des Bundeskongresses lesen. So wie die Aktionen auf Bundesebene

zu neuen Kommunikationsformen zwischen den Vertretern der Vermessungsverwaltungen

und dem BDVI geführt haben, ist beispielsweise im

amtlichen Vermessungswesen des Landes Brandenburg über die Jahre ein

gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Befindlichkeiten der Akteure

entstanden. Jedes Bundesland mag seine Form der Zusammenarbeit

finden. Der Weg wird – wie nachlesbar – auf Bundes- und Länderebene

bereits beschritten.

Mit den beiden technischen Beiträgen wollen wir Diskussionsthemen zur

INTERGEO beisteuern. Ulrich Bergmann ist zu verdanken, dass er die

Schwarz-Weiß-Betrachtungen über den Einsatz von GNSS-Messungen gar

nicht erst mitmacht, sondern einen vermittelnden und damit auch praxisnahen

Vorschlag zur integrierten Anwendung von GNSS-Messungen und

terrestrischen Beobachtungen unterbreitet. Hannes Eugster bleibt es vorbehalten,

das technische Fenster weit zu öffnen und den Blick auf den Einsatz

von Mini- und Mikrodrohnen mit Echtzeit-Georegistrierung zu richten.

Mit diesen Beiträgen wird noch einmal die von Hagen Graeff festgestellte

»kreative Vielfältigkeit« der Geodäsie unterstrichen.

Wie schön – ein Beruf mit Zukunft.

Berufshaftpflichtversicherung

für ÖbVI

» bis zu 70% Sonderrabatt

» Honorarrechtsschutz

» keine Rückstufung im Schadenfall

tek-ton-ass GmbH & Co. KG

Versicherungsmakler

Zur Eisenhütte 7

D-46047 Oberhausen

fon +49 208 62 69 00-00

fax +49 208 62 69 00-11

info@tek-ton-ass.de

www.tek-ton-ass.de

tek-ton-ass

versicherungsmakler


395

IN DIESEM HEFT

IN DIESEM HEFT

TITEL | BDVI INTERN

3

34. Jahrgang, 2008, Heft 3

Des Berufes Kern

Gedanken des neuen BDVI-Präsidenten zur »Perspektive Zukunft«

Michael Zurhorst 397

MOSAIK 390

EDITORIAL

Step by Step

Walter Schwenk 393

KONGRESS

Wir sind wer!

Befindlichkeiten im deutschen Vermessungswesen

Hagen Graeff 403

Zum Beispiel könnte man …

Nachsinnen in einem leeren Kongresssaal 407

Das Corner-Value-Paper und der BDVI-Kongress

Highlight am Vorabend 409

TECHNIK

Genauigkeitsuntersuchungen zu

hybriden Verfahren mit GNSS-Messungen

und terrestrischen Beobachtungen

Ulrich Bergmann 411

UAV-basiertes Augmented Monitoring

Echtzeit-Videodaten-Georeferenzierung und -Integration

in virtuelle Globen

Hannes Eugster 420

IMMOBILIEN

Aktuelle Gebäudesachwerte in der

Verkehrswertermittlung (NHK 2005)

Warum hat man nicht vorher einen Wertermittler gefragt?

Agnar Boysen 425

Herzlich willkommen … 397

auf der Kommandobrücke des BDVI. Vielleicht

ließen sich auch andere Bilder verwenden, aber so, wie ÖbVI

Michael Zurhorst aus Werne in der Mitgliederversammlung des

BDVI vor das Rednerpult trat,

wie er in seiner Antrittsrede

programmatische Akzente

setzte, verfestigte sich der

Eindruck: Hier übernimmt

jemand Verantwortung, um

zu gestalten. Die Zuhörer

waren zufrieden.

Perspektive Zukunft.

Wer etwas will,

sucht Wege

403

und dafür steht der DVW-Präsident Hagen Graeff, für die Suche

nach einem Einstieg in neue Ausbildungsformen, für die Bewährung

auf veränderten Arbeitsfeldern, für die Gesprächsfähigkeit

im Umgang der Geodäten miteinander.

Den zweiten Teil des Zitats braucht er daher nicht in Anspruch

zu nehmen: Wer etwas nicht will, sucht Gründe.

Für die Praxis 411

bringen die Untersuchungen von Ulrich Bergmann

die Erkenntnis, dass die in Ballungsräumen oft notwendige

Verknüpfung von GNSS-Messungen mit terrestrischen Beobachtungen

neue Fragen zu den amtlich geforderten und technisch

möglichen Genauigkeiten aufwirft.

Kollege ÖbVI, übernehmen Sie.

Mini- und Mikrodrohnen

im Einsatz

420

Der Clou des Beitrags von Hannes Eugster besteht in der Echtzeit-

Georegistrierung und Echtzeit-Geodatenintegration von Bilddaten,

die mit Mini- und Mikrodrohnen gewonnen werden. Der

Einsatz von Mini- und Mikrodrohnen findet im weitesten Sinne

im Sicherheits- und Überwachungsbereich (z. B. Katastropheneinsatz)

statt.

Wie bei jeder Revolution

425

so schreibt Agnar Boysen in seiner Vorstellung

der überarbeiteten Normalherstellungskosten (NHK 2005), ist viel

Gutes im Kern geboren, aber auch viel Gutes »konterrevolutionär«

erschlagen worden.

Mit einem engagierten

Beitrag regt der

Autor zur Eigenprüfung

an und zum

vorerst kritischen

Umgang mit dem

Entwurf des Baukosteninformationszentrums.

Zum Beispiel Thüringen 437

Die Diskussion über Zweck und Nutzen der Abmarkungspflicht

wird häufig nur unter Kostengesichtspunkten

geführt. Zu kurz gedacht, sagt Frank Reichert und stellt in seinem

Beitrag zur Geschichte der Abmarkungspflicht in Thüringen das

Gut des Rechtsfriedens in den Vordergrund.

GLOSSAR

IN DIESEM HEFT

Liebe Mutti

… Ein Jahr später …

Andreas Bandow 433

FORUM FEDERALE

Der Kleine Große Tag

Gemeinsame Fachtagung in Neuruppin

Andreas Bandow 435

Die Abmarkungspflicht in Thüringen

Ein Ende nach 469 Jahren?

Frank Reichert 437

Lockere Landpartie per Motorrad!

Claudia Zimmermann 443

FORUM FUNDUS

Eine clevere Lösung!?

Oder doch eher die Axt am Berufsstand?

Rudolf Wehmeyer 441

Zeitmanagement

Aus dem Alltag eines ÖbVI

Claudia Zimmermann 442

BÜCHER 444

FORUM FUTURA 449

FORUM FACTUM 453

IMPRESSUM 453

3

396


397

BDVI INTERN INHALT

Gedanken des neuen BDVI-Präsidenten

zur »Perspektive Zukunft«

DES BERUFES KERN

In diesem Jahr wird der BDVI 60 Jahre alt und dieser Verband hat dabei

gerade mal fünf Präsidenten benötigt. Das zeugt von großer Kontinuität.

Vor 30 Jahren war ich als Student das erste Mal mit meinem Vater auf einem Jahreskongress des

BDVI in Lahnstein. Damals hieß das noch Jahreshauptversammlung. An diesem Tag vor 30 Jahren

stand auch ein Präsidentenwechsel an: seinerzeit von unserem heutigen Ehrenpräsidenten Dr. Wil-

helm Kühnhausen auf Ernst Simon. Herr Esser wurde damals zum neuen Justitiar gewählt, beglei-

tet uns also heute auch schon 30 Jahre. Seinerzeit haben mich einige Personen als Protagonisten

beeindruckt, die beispielsweise Kühnhausen, Leber, Hils und Kruse hießen. Damals und auch später,

mit einem Präsidenten Dr. Otmar Schuster und einem Präsidenten Volkmar Teetzmann, in der De-

pression der zweiten Hälfte der 80er Jahre und der Euphorie der Wiedervereinigung Anfang der

90er Jahre – immer fühlte ich mich dabei, wäre aber nie auf den Gedanken gekommen, einmal als

Kandidat für das Präsidentenamt vor Ihnen zu stehen.

3

MICHAEL ZURHORST | WERNE

Preiskampf wird als Honorarflexibilität verklausuliert.

Man hätte vereinfacht auch schreiben können: Seht zu, wie ihr klarkommt!

Aber bevor ich hier weiterrede, möchte ich es nicht versäumen,

auch hier noch einmal in der Mitgliederversammlung

meinen und unser aller Dank an den scheidenden Präsidenten

Volkmar Teetzmann auszusprechen. Du, Volkmar, hast

Großes geleistet und hinterlässt deinem Nachfolger ein

großes Erbe im doppelten Sinne:

1 | hat der BDVI unter deiner Führung viel

erreicht, worauf sich aufbauen lässt, und

2 | sind die Fußspuren und das Schrittmaß –

kein Wunder bei deiner Statur – eine

echte Vorgabe.

Nun zurück: Vor sechs Monaten hat man die Frage an mich

gerichtet, ob ich für das Präsidentenamt kandidieren wolle.

Nachdem ich wie gesagt vor 30 Jahren das erste Mal mit

meinem Vater dabei war, habe ich heute das Glück, mit

meinem Sohn Alexander als jüngstem Neumitglied des BDVI

an meiner Seite hier zu sein. Das mag Ihnen verdeutlichen,

dass ich durch meinen Sohn gewisse Freiräume in der Zeitgestaltung

gewonnen habe. Die nächste Generation schickt

sich an, sich in unserem Beruf aufzustellen.

Da es für ein Rentnerdasein mit 50 Jahren vielleicht ein wenig

früh ist, habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet,

heute vor Ihnen zu stehen und für das Präsidentenamt

zu kandidieren.

Damit Ihre Entscheidung für einen neuen Präsidenten nicht

nur eine Formsache wird, möchte ich Ihnen ein paar Gedanken

zur Zukunft unseres Berufsstandes unterbreiten, die

auch eine Art Programm darstellen. Als Kommunalpolitiker

habe ich zwar gelernt, dass bei Wahlen Programme kaum

jemanden interessieren, aber trotzdem wage ich unter unserem

Kongressmotto »Perspektive Zukunft« ein paar Ausführungen.

PERSPEKTIVE ZUKUNFT

Für den aufmerksamen Beobachter unterliegt der Berufsstand

des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs (ÖbVI)

seit Jahren einem intensiven Wandel, der eher an Dynamik

gewinnt, als dass er als abgeschlossen betrachtet werden

kann. Globalisierung, Europatauglichkeit, Entbürokratisierung,

Harmonisierung, Wettbewerb, Honorarflexibilisierung,

betriebswirtschaftliche Kalkulation sind Stichworte für sich

verändernde Rahmenbedingungen, die die Freien Berufe im

BDVI INTERN

Allgemeinen und den ÖbVI-Beruf im Speziellen vor Orientierungsaufgaben

für die Zukunft stellen.

Professor Dr. Hommerich hat kürzlich in einem Interwiev für

den Verband Freier Berufe (VFB) NRW unter dem Titel »Modernisierung

versus Trivialisierung der Freien Berufe« angemahnt,

dass die Freien Berufe in jeder Teildisziplin einen Wertekern

erarbeiten und diesen im Sinne eines Vertrauensmarketings

veröffentlichen müssen. Darüber hinaus müsse durch ein nachvollziehbares

Qualitätsmanagement eine verbürgte Qualität

dem Markt angeboten werden. Wenn man diese Fragen bezüglich

des ÖbVI-Berufes reflektiert, muss man zu folgender

Erkenntnis kommen: Die vordringlichen Baustellen zur Modernisierung

unseren Berufsstandes würden sein:

1 | Wertekern definieren

2 | Vertrauensmarketing schaffen

3 | Qualitätsmanagement sichern

Nach Auffassung von Prof. Hommerich liegt die Trivialisierung

der Freien Berufe in der »ökonomistischen« Verengung der Perspektive,

die das Thema Verbraucherschutz nicht kennen will.

Der Verbraucherschutz wird von der Politik zwar häufig unter

dem Stichwort »asymmetrische Wissensverteilung« grundsätzlich

gesehen, aber unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung

zugunsten des »mündigen Bürgers« weggewischt.

Ein eklatantes Beispiel hierfür ist der gerade vorgelegte Referentenentwurf

zur HOAI-Novelle. Die geplante HOAI ist das Papier

nicht wert, auf dem sie gedruckt werden wird. Das gilt für

alle Bauingenieur- und Architektenleistungen, aber für Vermessungsleistungen

insbesondere. Man lasse sich die Wortwahl

der Gesetzesbegründung auf der Zunge zergehen:

Mit der neuen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure

soll der Wettbewerb gefördert und der Bürokratieabbau

vorangebracht werden. Deshalb wird der Anwendungsbereich

der Honorarordnung eingeschränkt,

um Auftraggeberinnen und Auftraggebern sowie Auftragnehmerinnen

und Auftragnehmern mehr Freiraum

zur Vertragsgestaltung zu lassen.

Damit soll in diesem Bereich eine höhere Honorarflexibilität,

die für moderne komplexe Planungsprozesse unabdingbar

ist, erreicht werden. Die Büros werden konsequenter

als bisher zur betriebswirtschaftlichen Kalkulation

und Vertragsgestaltung angehalten.

3

398


399

BDVI INTERN

Wer hat denn von Hause aus bessere Voraussetzungen, sich im Markt der Grundstücks-

3

und Gebäudebewertung oder im Sektor der Geoinformationsverarbeitung

zu etablieren, als die Geodäten? Andere Berufe geben sich hier viel selbstbewusster

und machen den Geodäten Positionen kaum widersprochen streitig.

Einige der eingangs genannten Stichworte tauchen hier wieder

auf. Die ökonomistische Verengung der Sicht wird evident. Preiskampf

wird als Honorarflexibilität verklausuliert. Man hätte

vereinfacht auch schreiben können: Seht zu, wie ihr klarkommt!

Dieser Gesetzesentwurf ist aber wie gesagt nur ein Beispiel für

die sich durchsetzende politische Gedankenwelt, der es gegenzusteuern

gilt.

Es erscheint logisch, dass ein Gegensteuern im Wesentlichen

durch eine Kerndefinition und Kernvermarktung des Berufsstandes

möglich ist, denn die bedrohenden Einflüsse kommen

zentral aus Europa und vom Bund. Der Rückzug auf den Föderalismus

als Schutz für den Berufsstand, der vordergründige

Erfolg, eine Abstandsflächenberechnungsvorschrift zu retten,

eine bessere Gebührenordnung auszuhandeln oder den Lageplan

als hoheitliche Leistung zu definieren, wird den Berufsstand

nicht langfristig retten oder gar modernisieren. Die regionale,

föderale berufsständische Arbeit ist unverzichtbar. Sie hat unmittelbaren

Einfluss auf das Tagesgeschäft in den einzelnen Büros.

Hochachtung vor all den ehrenamtlichen Funktionsträgern,

die unter Berücksichtigung der landestypischen Ausprägungsvarianten

des ÖbVI-Berufes Einfluss auf berufswichtige Gesetze,

Verordnungen und Erlasse nehmen, um den Berufsträgern

die Arbeit zu erleichtern, und sogar Aufgabenfelder sichern,

die ein ökonomisches Überleben der Büros ermöglichen.

Es ist aber die Frage zu stellen, auf welche Zeitschiene es wirkt,

wenn die Grundlagen des Berufes aus übergeordneter Sicht

zerstört werden.

Das EU-Vertragsverletzungsverfahren hat eine Spitze davon

gezeigt. Man darf nicht verkennen, dass dieses Verfahren dazu

geeignet war, den Berufsstand des ÖbVI als hoheitlichen Funktionsträger

in den Grundfesten zu erschüttern. Man darf auch

nicht vergessen, dass das Verfahren nur aus geringem wirtschaftlichem

Interesse für die EU durch die Kommission auf Eis

gelegt wurde. Der aktuelle Vorstoß zur HOAI betrifft zwar nicht

den hoheitlichen Kern, wird aber mit einem nahezu zynischen

Pinselstrich die nicht hoheitlichen Vermessungsleistungen in

ein Nirwana der Hilfsleistungen verdrängen.

Berufsständische Vertreter tun sich wesentlich leichter, dem

einzelnen Berufsträger eine Änderung in den berufsspezifi-

schen Landesvorschriften zu verkaufen, die dieser im Tagesgeschäft

sowieso permanent vor Augen hat. Es muss aber Aufgabe

sein, dem Einzelnen die Bedeutung dieser übergeordneten

Entwicklungen klarzumachen. Viel zu viele Berufsträger glauben

sich mit dem Dienstsiegel im Panzerschrank noch sicher.

Man kann es auch kürzer sagen: Hätten wir das Vertragsverletzungsverfahren

nicht abwehren können, würde es unseren

Beruf schon heute nicht mehr in der Form geben!

Trotz aller unverzichtbaren Bemühungen auf Landesebene,

günstige Rahmenbedingungen für die Berufsträger auszuhandeln,

ist festzustellen, dass zwei Drittel der Berufsträger wirtschaftlich

schlechter dastehen als ein angestellter Kollege im

öffentlichen Dienst.

Ein Drittel erzielt Ergebnisse, die eher dem Thema Selbstausbeutung

zuzurechnen sind. Das eine Drittel, das auskömmliche

Erträge erwirtschaftet, hat sich mehrheitlich Marktstellungsmerkmale

erarbeitet, die jenseits des hoheitlichen Berufskerns

liegen: Diese Berufsträger haben ergänzende Produktlinien im

Geoinformationssektor, in der Grundstücks- und Gebäudebewertung,

in der Planung oder sonstigen Feldern aufgemacht.

Nebenbei bemerkt zeigen sich auch da Entwicklungen, die mit

dem Beruf des ÖbVI unvereinbar sind.

So sollte das Selbstverständnis einer unabhängigen Berufsausübung

z. B. die gleichzeitige Tätigkeit als Erschließungsträger

und Vermessungsingenieur in einem Baugebiet eigentlich ausschließen.

Die Bürokostenvergleiche des AHO e. V. zeigen im

Übrigen, dass die aufgezeigte wirtschaftliche Situation nicht

auf die ÖbVI-Büros beschränkt ist, sondern eine belegte Ausprägung

in allen Ingenieur- und Planungsbüros ist. Wenn

man über den Zaun auf andere Freie Berufe wie Rechtsanwälte,

Ärzte und Apotheker schaut, so ist dort eine ähnliche Situation

zu verzeichnen.

Um diese Situation nachhaltig zu verbessern, ist es zwingend

notwendig, den Berufskern (wieder) tragfähig zu machen und

parallel neue Aufgabenfelder zu erschließen. Ein zukunftsfähiger

Berufskern ist nicht zwingend der gleiche, der vor 50 Jahren

gegolten hat. Er muss neu definiert werden und: Der Berufskern

muss vermarktet werden.

Hätten wir das Vertragsverletzungs-

verfahren nicht abwehren können,

würde es unseren Beruf schon heute

nicht mehr in der Form geben!

Zur Definition des Berufskerns sind die Grunddefinitionen

des Freien Berufes einerseits und die spezifischen

Definitionen im Vermessungswesen andererseits

zu verifizieren. Es ist sicher nicht die ursprüngliche Definition

verwendbar, dass das Streben des Freien Berufes

nicht auf Gewinn abzielt. Die Freien Berufe haben aber

im Allgemeinen immer noch die persönliche, eigenverantwortliche

und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen

höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit

auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation

oder schöpferischer Begabung zum Inhalt – so eine

gängige Definition des Freien Berufes …

Ein augenfälliges Merkmal ist das Interesse der Allgemeinheit.

Bezogen auf den Berufsstand ist daher zu definieren, welchen

Stellenwert welche Leistungen des ÖbVI als Teil des öffentlichen

Vermessungswesens im Interesse der Allgemeinheit haben.

Hier fallen sicher sofort die Stichpunkte Beglaubigung von

Tatbeständen an Grund und Boden, öffentliche Urkunde und

Eigentumssicherung ins Gewicht. Aber reicht das als Kerndefinition?

Unser Berufsstand muss hieran arbeiten und er tut

gut daran, dies mit der Vermessungsverwaltung zusammen zu

tun.

Schon 1999 hat Prof. Dr. Magel in einem ZfV-Artikel »Vermessungswesen

vor neuen Herausforderungen – Chancen für den

Freien Beruf?« gefordert, dass Vermessungsverwaltung und

Freier Beruf besser daran tun würden, gemeinsam Aufgabenfelder

zu definieren, als über die Verteilung vorhandener Aufgabenfelder

zu streiten. Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung

ist das zwischen BDVI und AdV schon 2005 ausgehandelte

Eckwertepapier »Memorandum über die Zusammenarbeit im

amtlichen Vermessungswesen in Deutschland«.

In der Breite ist dies aber leider ein bisher noch zu wenig beachteter

Meilenstein für die Entwicklung des Berufsstandes.

Es wird darauf ankommen, dieses Papier mit Leben zu füllen.

Das Eckwertepapier ist nicht eine Abgrenzungsvereinbarung

von Tätigkeitsbereichen, wie es vordergründig erscheint. Es

kann und sollte Basis für eine gemeinsame Berufsfelddefinition

und -vermarktung sein. Dies wird eine weit reichende Aufgabe

sein, die neben der Kerndefinition auch die Erschließung

neuer Aufgabenfelder enthalten muss.

MICHAEL ZURHORST

BDVI INTERN

BERUFLICH

1977 bis 1982 Geodäsiestudium in Bonn

1982 bis 1984 Referendariat in Arnsberg, NRW

1984 bis 1985 Praktisches Jahr

seit 1986 ÖbVI in Werne (Übernahme des

väterlichen Betriebes in 3. Generation)

seit 1990 Geschäftsführender Gesellschafter der grit

GmbH; GIS Consulting

seit 1991 Gutachtertätigkeit im Bereich Grundstücksund

Gebäudebewertung

seit Mai 2008 Sozietät mit Sohn Alexander Zurhorst

(4. ÖbVI-Generation)

UND SONST

seit 1990 Vorstandsmitglied des BDVI NRW

seit 1990 Mitglied im Hauptvorstand des BDVI

1990 bis 1999 Vorsitzender der Gebührenkommission

NRW des BDVI

1994 bis 1998 Vorsitzender der Bundesgebührenkommission

des BDVI

seit 1994 Mitglied des Stadtrates der Stadt Werne,

Bau- und planungspolitischer Sprecher

der CDU-Fraktion

seit 1994 Mitglied der V V der Ingenieurkammer-Bau

(IKBau) NRW

seit 1995 Mitglied der Fachkommission Vermessung des

Ausschusses für die Honorarordnung AHO e. V.

seit 2004 Mitglied im Aufsichtsrat der

Hansa Luftbild AG

seit 2004 Mitglied des Sachverständigenausschusses

der IKBau NRW

seit 2007 Vorsitzender der Fachkommission Vermessung

des AHO e. V.

seit 2007 Vorstandsmitglied der IKBau NRW

seit Mai 2008 Präsident des Bundes der Öffentlichen Vermessungsingenieure

e. V. (BDVI)

FAMILIENDATEN

Geboren am 23. Mai 1957 in Werne, verheiratet, drei kluge

Kinder, Sohn Alexander ist in seine Fußstapfen getreten,

begeisterter Golfspieler und Hobbygourmetkoch

3

400


401

BDVI INTERN

Was spricht gegen eine überregionale Sozietät, in der der einzelne Berufsträger

3

eigenverantwortlich und mit dem Lokalitätsprinzip seine hoheitliche

Funktion erfüllt, aber in den anderen Bereichen eine gemeinschaftliche

Neben der Definition und Vermarktung des Berufskerns, die

für den Fortbestand des Freien Berufes des ÖbVI unerlässlich

sein werden, wird es eben auch auf die Erweiterung des Aufgabenfeldes

ankommen. Wie schon aufgezeigt, sichert der Berufskern

alleine nur sehr wenigen Berufsträgern ein angemessenes

Auskommen. Erstaunlich ist dabei, mit welchen Schwierigkeiten

die innere Missionierung der Berufsträger in diese

Richtung verbunden ist, obwohl die breitgefächerte Ausbildung

genug Ansätze für weitere berufliche Tätigkeiten liefert. Wer

hat denn von Hause aus bessere Voraussetzungen, sich im Markt

der Grundstücks- und Gebäudebewertung oder im Sektor der

Geoinformationsverarbeitung zu etablieren, als die Geodäten?

Aber andere Berufe geben sich hier viel selbstbewusster und

machen den Geodäten Positionen kaum widersprochen streitig.

Zum Beispiel blieb eine Äußerung in der GeoBit unwidersprochen,

die meinte, es sei an der Zeit, die Vermesser auf den

Kern ihrer Aufgabe zurückzuschrauben: auf die Koordinate.

Warum ist es aber so schwierig, neue Aufgabenfelder in der

Breite des freiberuflichen Vermessungswesens zu erschließen?

Ein systemimmanentes Problem ist sicher der hohe Grad an Individualismus

der Berufsträger. Auf der einen Seite unverzichtbares

Merkmal einer freiberuflichen Tätigkeit, behindert dieser

Individualismus notwendige Entwicklungen. In der Zwangsjacke

der täglichen Aufgabenerfüllung – zumal vor dem Hintergrund

schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse – ist es nicht

einfach, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Neue Aufgaben

und Märkte brauchen Zeit und häufig auch Kapital. Beides

ist oft schwer darzustellen, zumal in kleinen Strukturen.

Zwar hat ein kleiner Teil der Berufsträger hier eigene Kanäle

erschlossen, für die meisten Kollegen muss jedoch eine Strategie

entwickelt werden, damit sie sich neue Aufgabenfelder erschließen

können. Dabei gilt es, inhaltliche und organisatorische

Perspektiven zu entwickeln und zu transportieren.

Inhaltlich bieten sich zunächst die genannten Felder wie Wertermittlung

und Geoinformation an. Da die Problemstellung

für die Behördenvertreter im Wesentlichen gleich ist, ist auch

hier eine gemeinsame Strategie anzustreben, wie es Magel schon

1999 anmahnte. Sicher gibt es in den Behörden viele Verfechter

einer Einigelungstaktik bei gleichzeitigem Claimen von Aufgaben.

Aber diese müssen genauso überzeugt werden wie viele

Kollegen.

Berufsausübung stattfindet?

Die von der EU vorgetragene mangelnde wirtschaftliche

Gesamtbedeutung, die auch an vielen

anderen Stellen insbesondere im politischen

Umfeld als Wahrnehmung des Berufes evident

wird, kann sich dabei auch als Vorteil erweisen.

Wenn Verwaltung und Freier Beruf gemeinsam versuchen, neue

Aufgaben gesetzlich zu verankern, so ruft das im politischen

Raum neben Erstaunen auch die Haltung hervor, dass so eine

gemeinsame Position mehr oder weniger diskussionslos umgesetzt

wird. Belegte Beispiele hierfür sind jedenfalls vorhanden.

Das heißt nicht, dass neue Aufgabenfelder ausschließlich im

so genannten geregelten Bereich erschlossen werden sollten

und könnten. Es gilt, den definierten, geregelten Berufskern

zu erweitern und aus dieser Kernkompetenz weitere Aufgabenfelder

zu generieren. Es steht selbstverständlich jedem frei,

Aufgaben beliebig zu generieren. Unzweifelhaft ist es aber leichter,

Aufgaben aus der Kernkompetenz heraus zu besetzen.

Organisatorisch sind die Rahmenbedingungen der freiberuflichen

Kollegen zu berücksichtigen, die von Bürostrukturen

mehrheitlich mit einigen wenigen Mitarbeitern und dem selbst

inhaltlich maßgeblich mitarbeitenden Büroinhaber geprägt sind.

Demzufolge erscheint es zwingend, dass überall gesetzliche Rahmenbedingungen

geschaffen werden, die ein überregionales

Zusammenarbeiten von ÖbVI ermöglichen. An vielen Stellen

werden von Kollegen heute gesellschaftsrechtliche Hilfskonstruktionen

in verschiedenen Tarnstufen geschaffen, um Zusammenarbeit

zu ermöglichen. Manchmal mag es auch opportun

sein, eine separate GmbH zu gründen, aber auch das ist

nach nicht allen Berufsordnungen zulässig. Gegner derartiger

Lösungen wenden ein, dass mit einer Öffnung der Berufsordnungen

überregionale Großbüros entstehen würden, wie etwa

bei den großen Anwalts- und Steuerkanzleien. Wenn man

sich aber die Reihen unserer Berufsträger anschaut, wie gesagt

mehrheitlich Individualisten, so darf eine solche Entwicklung

durchaus in den Bereich der Utopie geschoben werden. Was

spricht gegen eine überregionale Sozietät, in der der einzelne

Berufsträger eigenverantwortlich und mit dem Lokalitätsprinzip

seine hoheitliche Funktion erfüllt, aber in den anderen

Bereichen eine gemeinschaftliche Berufsausübung stattfindet?

Wie sonst soll man z. B. im Bewertungsbereich die Hürden über-

winden? Mehrjährige Berufserfahrung und Referenzgutachten,

Seminare und Prüfung für die Zulassung als Öffentlich

bestellter Sachverständiger: Wie will man dies als Einzelkämpfer

nebenher bewerkstelligen? Und hat man es geschafft,

deckt dann das Auftragsvolumen im direkten Umfeld den

dafür betriebenen Aufwand? Aus einem großen Büro heraus

ist das zumindest viel einfacher. Warum nicht solche Felder

über Kooperationen erschließen?

Auf der anderen Seite müssen die Berufsträger auch bereit

sein, neue Aufgaben zu übernehmen und als Chance zu begreifen

und nicht als Belastung. Wenn es z. B. in NRW nun

wie woanders schon üblich dazu kommen sollte, dass ÖbVI

Baulasterklärungen beurkunden dürfen, so ist das zunächst

eine Chance, den Berufskern zu erweitern. Natürlich muss sich

der Verband dann darum kümmern, dass diese Verantwortung

auch honoriert wird, aber das ist erst das zweite Thema! Insgesamt

ist der Verband für die Zukunftsaufgaben gut aufgestellt.DieGrundsatzkommissionarbeitetschonanderKerndefinition.

Und die Frage der Erschließung neuer Aufgabenfelder

steht ständig im Fokus der Betrachtung. Können wir bei

der Novellierung der Grundsteuer eine Rolle spielen? Können

wir an den GDI-Aktivitäten partizipieren? Die Liste ist lang.

Und wenn Sie mich dann nun wählen sollten, so sage ich

Ihnen: Das dispensiert Sie nicht von der Mitarbeit im Verband.

Ein Verband wie dieser kann nicht von oben regiert

oder bearbeitet werden. Die Mitglieder müssen sich einbringen

und können nicht auf Ergebnisse warten. Die Sicherung

des Berufsstandes und die Gewinnung neuer Geschäftsfelder

sind keine Bringschuld des Präsidenten, keine Bringschuld

des Präsidiums und auch keine Bringschuld des Hauptvorstandes!

Wir müssen gemeinsam daran arbeiten!

Dipl.-Ing. Michael Zurhorst, BDVI-Präsident

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur

Landwehrstraße 143 | 59368 Werne

E-Mail zurhorst@bdvi.de


403

KONGRESS

Befindlichkeiten im

deutschen Vermessungswesen

WIR SIND WER!

HAGEN GRAEFF | HAMBURG

M

eine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kollegen, lieber Volkmar Teetzmann, ich darf

mich bedanken für die ehrenvolle Einladung, diesen Nachmittag, der der Verabschiedung

des BDVI-Präsidenten gewidmet ist, mit einem einleitenden Beitrag zu eröffnen.

Die gewählte Thematik ist für diesen Anlass sicher geeignet, könnte aber Befindlichkeiten erzeugen,

die dem Nachmittag seine Angenehmheit nehmen.

3

Um dies zu vermeiden, möchte ich zunächst auf den Begriff

Befindlichkeit eingehen:

Martin Heidegger beschreibt das Phänomen

so: »Befindlichkeit kann das Dasein am

deutlichsten erschließen, es aber auch am

stärksten verschließen.«

Befindlichkeit beschreibt also immer einen inneren Zustand

und ist zugleich die Darstellung der Seelenlage.

Einen anderen Bedeutungsweg erhält man, wenn das Befinden

verbunden wird mit dem Fragewörtchen »wo«. Dabei wird

die Lage- durch die Ortsbeschreibung ersetzt oder vielleicht

auch ergänzt. Dieser Ort ist aber nicht koordinatorisch, sondern

ebenso abstrakt gemeint wie die Seele.

Beides miteinander verknüpft ergibt wohl eine allgemein empfundene

Bestimmung des Begriffs der Befindlichkeit. Dies zeigt

aber zugleich, dass Befindlichkeit immer eine höchst subjektive

Inhaltlichkeit hat. Daher scheitert jeder Versuch einer Objektivierung.

Wenn ich versuche, einige Befindlichkeiten im deutschen Vermessungswesen

aufzuzeigen oder auch nur anzureißen, dann

ist dies also meiner subjektiven Wahrnehmung geschuldet.

Eine ganz besondere Befindlichkeit liegt in unserer kreativen

Vielfältigkeit und der Breite des Berufsfeldes. Dies findet seinen

Ausdruck bei der Namensgebung unseres Berufes.

Für einen Außenstehenden wird so der Geodät zu einem nur

schwer beschreibbaren Wesen. Wir tun uns schwer mit einer

ebenso verständlichen wie vollständigen und zugleich kurzen

Darstellung des Geodäten.

Auch die Hochschulen haben in den letzten Jahren die Verwirrung

eher gesteigert als geklärt.

Zugegebenermaßen, unser Berufsfeld ist groß und weit gespannt.

Aber müssen wir deshalb auch die Begrifflichkeit so zersplittern?

Andere Berufe wie Bauingenieure oder Maschinenbauer

tun dies jedenfalls nicht.

Wir haben eine Vielzahl von Vereinen und Verbänden, die diese

Namensvielfältigkeit nicht nur widerspiegeln, sondern auch damit

diese Zersplitterung noch verstärken.

Auch dieses dient nicht gerade einer verständlichen, einheitlichen

und griffigen Berufsdefinition. Es birgt zumindest die

Gefahr, in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt und

damit auch leicht übersehen zu werden.

KONGRESS

Diese Situation erzeugt dann eine besondere Befindlichkeit,

die ihren Ausdruck in einer gewissen Unsicherheit, zumindest

Unklarheit, in der Außendarstellung findet. Entsprechend ist

diese kleinteilig, mehr zersplittert als zusammenführend und

zusammenfassend. Ich sehe gerade in diesem Bereich noch ein

großes Arbeitsfeld, unsere Befindlichkeit zu verbessern.

Diese – ich möchte sagen – Basisbefindlichkeit zeigt sich auch

in den jüngst geführten Diskussionen über die Neuordnung der

Berufsausbildung der Vermessungstechniker und Kartographen.

Die bisher erarbeitete Lösung – basierend auf den aufgezeigten

Befindlichkeiten – führte konsequent zur Schaffung eines

neuen Begriffs oder Namens: Geomatiker.

Ob wir mit einem weiteren Begriff, der zudem wieder nicht

selbsterklärend und leicht verständlich ist, unsere Befindlichkeit

hier verbessern können, sei dahingestellt. Ich persönlich halte

diese Lösung noch nicht für hilfreich.

Ganz anders – aber auf ähnlicher Wurzel – stellen sich Befindlichkeiten

im Wirtschaftsbereich Geodäsie dar.

Als aktuelles Arbeitsfeld bietet sich der Bereich der Geoinformation

an, und dies in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist es erklärtes

politisches Ziel, zügig eine nationale Geodateninfrastruktur

aufzubauen, und zum anderen stellen Geodaten sicher einen

elementaren Baustein für die Entwicklung von E-Government-

Anwendungen dar. Die Aufgaben sind klar und die Möglichkeiten

des Vermessungswesens werden von niemandem ernsthaft

bestritten. Nicht mehr so klar ist der Weg dorthin.

Der Bund mit seinen Aktivitäten des IMAGI und die Länder mit

ihren Maßnahmen zu einer vernetzten Geodatenstruktur befinden

sich zwar in einem intensiven Abstimmungsprozess, setzen

aber die Prioritäten teilweise etwas unterschiedlich. Dies

führt dann dazu, dass uns die Kundschaft nicht hinreichend

einheitlich wahrnimmt, und fördert eine gewisse Verunsicherung.

Andererseits kommt erst langsam ins Bewusstsein, welche

wichtige Rolle die Kommunen in diesem Bereich spielen. Bedeutende

Geodaten entstehen im kommunalen Bereich und

werden dort vorgehalten. Hierzu zählen z. B. die vielfältigen

Planungsdaten, die Bestandsdaten von Straßen, Leitungen und

vielem mehr. Wenn die Abstimmung zwischen den Ländern und

dem Bund schon nicht ohne Probleme ist, so wird dies zwischen

den Kommunen noch um einiges schwieriger sein. Doch

gerade in den Kommunen spielt die Entwicklung von intelligenten

E-Government-Lösungen eine große Rolle und damit

auch die Verwendung von Geodaten. Dies wird nur mit einer

gemeinsamen Anstrengung aller Partner gehen. Zu diesen Partnern

zähle ich nicht nur die Kommunen selbst, sondern insbesondere

auch die freiberuflichen Ingenieure, also auch Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieure.

3

404


405

KONGRESS

Damit gelangen wir zwangsläufig in den Bereich unterschiedlichster

Befindlichkeiten von Ländern und ÖbVI, gelangen wir

zu dem geliebten und zugleich beklagten Föderalismus, der sich

ja auch in unseren Verbänden und Vereinen widerspiegelt.

Staat und Freier Beruf – hier meine ich die Wahrnehmung der

öffentlichen Bestellung – stehen sich nicht wettbewerblich

gegenüber, sondern sich ergänzend und stützend auf der Basis

von Gemeinsamkeit und gegenseitigem Vertrauen.

Mit dem so genannten Eckwertepapier – »Gemeinsam für Staat,

Politik und Wirtschaft« – haben sich AdV und BDVI eben auf

diesen gemeinsamen Weg gemacht, zwei unterschiedliche Befindlichkeiten

so weiterzuentwickeln, dass eine gemeinsame

und positive Befindlichkeit entsteht. Diese wird leichter zu

vermarkten sein, einfacher in der Politik darzustellen sein und

dient damit dem gesamten Berufsstand.

Dieser Weg ist sicher ein weiter, aber er ist begonnen. Wo gegangen

wird, entstehen neue Wege.

Natürlich ist damit nicht jeglichem Streit an der Basis die Nahrung

entzogen. Aber man sollte ihn von der Frage nach dem

Grundsätzlichen freihalten können. Das dient einer guten Befindlichkeit

auf beiden Seiten.

Eine andere Facette, die allerdings auch etwas Grundsätzliches

hat, ist noch zu benennen: das Fehlen des Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieurs in Bayern. Hier konnte man die Befindlichkeit

des BDVI noch in keine neue Dimension führen, was

andererseits ja nicht bedeutet, dass man sich noch nicht auf

den Weg gemacht hätte.

3

Auch das Verhältnis der Vermessungsverwaltungen untereinander

wie insbesondere im Verhältnis zwischen Bund und

Ländern könnte und muss noch stärker positiv ausgebildet werden.

Wenn es zwischen Staat und ÖbVI auch immer – zumindest

unterschwellig – um die Frage des Nehmens und Gebens

geht, also um die Artikulierung von Anspruch, dann ist dieses

vielleicht noch intensiver zwischen Bund und Ländern der Fall.

Die dabei geführten Diskussionen und ihre Argumente machen

die unterschiedlichen Befindlichkeiten oft erst deutlich.

Aus meiner Sicht ist dies verständlich, vielleicht auch notwendig,

wenn sichergestellt wird, dass das Vermessungswesen ein

gemeinsames Ziel verfolgt und damit Partikularinteressen nachrangig

vertreten werden. Dazu gehört der notwendige Wille

und manchmal auch der erforderliche Mut. Reiner Ingenieurverstand

und pure Sachlichkeit müssen durch Strategie und

politische Verhaltensweise ergänzt werden.

Die nächsten Herausforderungen stehen schon vor der Tür:

Hierzu zähle ich die praxisgerechte Umsetzung der INSPIRE-

Richtlinie einschließlich der Durchführungsverordnungen, den

weiteren Aufbau von dreidimensionalen Datenbeständen ebenso

wie die Einführung von Galileo.

Gerade INSPIRE sehe ich als gewaltige Herausforderung für

die Kommunen, besonders für die kleineren. Hier wird externe

Unterstützung in vielfältiger Weise erforderlich werden. Ein

angemessenes Aufgabenfeld für unseren Berufsstand.

Ebenso intensiv werden wir uns mit Galileo beschäftigen müssen,

wenn wir das bisherige Angebot des Vermessungswesens

aufrechterhalten wollen bzw. es noch ausbauen wollen.

Dies wird wiederum neue Befindlichkeiten auslösen, aber hoffentlich dann

schon eine gemeinsame für die öffentliche Hand und den Freien Beruf. Eine,

die sich für alle positiv entwickelt. Eine, die uns sagen lässt: Wir sind wer!

Nach innen gerichtet können unsere Befindlichkeiten zu Reibungen führen

und Unsicherheiten deutlich werden lassen, nach außen müssen wir uns gemeinsam

artikulieren und unsere Befindlichkeit positiv verkaufen.

Wenn also im Sinne Heideggers Befindlichkeit unser Dasein erschließt, dann

sollte es uns im eigenen Interesse wert sein, um eine gemeinsame positive Befindlichkeit

zu ringen.

Oder anders ausgedrückt: Formelkompromisse, die ein Nehmen ermöglichen,

nicht aber auch ein Geben einfordern, werden uns nicht wirklich nützen. Wollen

wir unser geodätisches Befinden noch weiter und intensiver zum Positiven

bewegen, muss uns der Wert der Gemeinsamkeit noch bewusster werden. Ich

sage bewusst Gemeinsamkeit und nicht Einheitlichkeit. Sie ist kein Wert an

sich.

Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe. Ich glaube,

wir haben schon ein Wegstück gefunden und können jetzt an einer Verlängerung

arbeiten. Es soll sich für uns alle lohnen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, an dieser Stelle danke ich für Ihr

Hineinhorchen in die eigene Befindlichkeit.

Dipl.-Ing. Hagen Graeff | DVW-Präsident

Beim Grootsee 38 | 22455 Hamburg

E-Mail hagen.graeff@dvw.de

Maximale Stabilität

Mit Sorgfalt ausgesuchte Materialien

garantieren höchste Robustheit.

Die Verwendung von Karbon für die

Zentralachse des 360°-Präzisionsprismas

gewährleistet maximale Stabilität

unter allen Einsatzbedingungen.

www.leica-geosystems.de


407

KONGRESS

E

ine Möglichkeit, nach einem derartig grandios feiernden Kongress wieder zur Besinnung zu

kommen, wäre, einen Borstenbesen in die Hand zu nehmen und damit durch den Saal zu

schurren. Zugleich säubernd und nachsinnend. Nicht schlecht.

3

Nachsinnen in

einem leeren Kongresssaal

ZUM BEISPIEL KÖNNTE MAN …

Oder sich in einer leeren Reihe an einem x-beliebigen Platz

niederzusetzen und endlich mitzukriegen, dass man sich ja in

einem sakralen Raum befindet. Was das Nachsinnen oder Besinnen

manchmal erleichtert.

Die würdigenden wie auch die programmatischen Aspekte sind

abgearbeitet (sie lassen sich in diesem Heft nachlesen). Der

Kongress hat – berechtigterweise – gefeiert, aber auch die an-

stehenden Themen von den Vortragenden benannt bekommen.

So weit, so richtig.

Und trotzdem sei die Frage erlaubt nach den Eindrücken und

Äußerungen, die letztlich »hängen bleiben«. Was könnte den

Kollegen berichtet werden, die den BDVI-Jahreskongress 2008

nicht besucht haben?

Ein paar Gedanken, einige wenige Assoziationen

in einer Nachkongress-Atmosphäre,

in einem (leeren) Saal, den die Kongressteilnehmer

schon längst verlassen haben …

Der Kongress fand in einer unfertigen, die Identität suchenden

Umgebung statt. Kongressort eine Kirche. Hotel mit Blick

auf leer stehende Gewerbegebäude. Tagungsort der Gremien

ein existenzbedrohtes Veranstaltungszentrum. Welcher Eindruck

blieb haften, welche Botschaft?

Bleiben wir noch etwas sitzen und erinnern uns an den russischen

Abend und seine besondere Heiterkeit. Im Saal und überall

sonst. Die ungezwungene Erlebnisfreudigkeit der meisten

Besucher, aber auch die großstädtische Lockerheit der Veranstalter

machten Begegnungen möglich, die ein Zwölfertisch

einen ganzen Abend über nicht bietet. Wir dachten immer,

Gesellschaftsabende sind out. Nichts dergleichen. Vielleicht

kann man es so ausdrücken: ein Abend der persönlichen Netzwerke.

Die wichtigen und bemerkenswerten Gedanken der BDVI- und

DVW-Protagonisten wird man möglicherweise erst morgen bedenken.

Die persönlichen Zukunftsfragen müssen aber heute

beantwortet werden, unter ganz unterschiedlichen Bedingungen.

Nicht so intellektuell, dafür aber viel dringender. Gab der

Kongress hier Hilfestellungen?

Nur bedingt. Die Beiträge sind ja alle wohlriechend

vorbereitet worden. Soll sein. Aber wie bekommt

man die Gedanken transportiert? Wie

wäre es, wenn für die Fragen zur beruflichen Zukunft

eine Spielwiese eingerichtet würde? Vielleicht

sollte man ein Diskussionspodium einrichten,

nicht mit den Großkopferten – die sollen zuhören

–, sondern mit engagierten Kollegen aus den

Landesgruppen. Und von Bundesland zu Bundesland

tingeln. »BDVI vor Ort« zu Gast in Obersuhl –

warum nicht?

Natürlich können und sollen sich auch die Gremienvertreter

ihre Köpfe heißreden, dann aber

auch die Ergebnisse – Fragen, Anregungen, Vorschläge

– allen Kollegen mitteilen. Ja, sicher – das

hatten wir alles schon, aber vielleicht brauchen

wir wieder einen Aufbruch. Vielleicht – so könnte

KONGRESS

man nachsinnen – sollte der BDVI wieder mehr experimentieren.

Wenn doch sowieso keiner definitiv darüber Auskunft

geben kann, wohin der gesellschaftliche Wind den Berufsstand

weht. Warum sollte der BDVI nicht fachliche, technische, politische

Experimentierinseln einrichten?

Zu wenig konkret? Wie wäre es mit der Entwicklung graphisch

anspruchsvoller Auskunftssysteme für den Büroalltag? Warum

sollte der BDVI nicht die Aktivitäten von ÖbVI-bezogenen

ALKIS-Adaptionen unterstützen? Was ist mit der Grundsteuer?

Sind die ÖbVI nicht hervorragend ausgerüstet, die politischen

Entwicklungen aufzunehmen?

Ein paar Gedanken, einige wenige Assoziationen in einer Nachkongress-Atmosphäre,

in einem (leeren) Saal, den die Kongressteilnehmer

schon längst verlassen haben …

Wo findet der BDVI-Kongress 2009 statt?

FORUM-Schriftleitung

3

408


409

KONFGRESS KONGRESS

DER DURCHSCHNITTSMENSCH

(ÖbVI sitzt am Tisch und starrt ins Publikum, Diabolos dahinter im Halbdunkel)

DIABOLOS ÖbVI

Jetzt hat er endlich mal die Chance, | glaubt nicht, er redet hier in Trance

er ist allein, das ist die Krux | er wühlt sich durch und macht nur Murks in seinem

(eindringlich) Man will von mir den Centimeter | und die Bescheinigung dann später,

öffentlich bestellten Vermessungsbüro

rechtlich sicher das Ergebnis | ich fühl mich wie zu ein’m Begräbnis,

ihr seht schon recht, das macht nicht froh

er ist ein Diener vieler Herren | und kann sich nicht dagegen sperren

denn ich weiß es leider besser

Die vielen Klaffen im Kataster | stören mir mein Lebensraster

Schaut ihn nur an, wie er hier zittert | mal ist er traurig, mal verbittert

Ich bin kein öffentlich belieh’ner Übermensch

er steht so zwischen allen Stühlen | man kann nur Mitleid mit ihm fühlen

(weinerlich) Alle Ordnungen der Welt, ob sie Leistung gegen Geld

aufrechnen oder Kosten nur noch steuern, | ich möchte' sie wirklich alle feuern,

ich bin kein öffentlich bestellter Übermensch.

Höre – Du bist ein Durchschnittsmensch

Ich?

Du bist kein Übermensch

Ich? Meinst Du das wirklich? – (begreifend) | Ich bin ein Durchschnittsmensch.

Darf ich ab jetzt um eins schon gehen, | darf ich die Frühverrentung sehen?

kann ich Verwaltungsschreiben zimmern, | brauch mich nicht sofort erinnern?

kann Bilanzen schnell vergessen, | darf in der Kantine essen,

Mich wird es total befreien, | ich werd’s niemals je bereuen

ich bin ein Durchschnittsmensch.

Alle werd’n sich mit Dir messen, | aus dem selben Blechnapf fressen,

Ich bin ein Durchschnittsmensch

auf die Schulter werd’n sie schlagen | und die Ängste dir verjagen.

Freiberufler werd’n sie sagen, | uns gemeinsam geht’s an Kragen,

aber jetzt steh’n wir zusammen, | werden Eisenpfähle rammen,

wo die Unterschiede fehlen, | brauchen wir uns nicht mehr quälen.

Mann, wie war das öfter ätzend | und für uns total zersetzend,

wenn du uns mit Recht beschwert hast, | mit Verwaltungsakt belehrt hast.

Diese Überdosis Wissen fanden wir so oft beschissen

– Aber jetzt ist alles anders

Ach nee!

Du bist jetzt einer von uns

Ach ja?

Du bist jetzt einer von uns

unterbietest wie wir in deinem Revier | Dir ist alles egal, so ist das Fanal

Sagst ja und meinst nein, gibst wenig, nimmst ein

Schlägst Feuer, wo Asche glimmt | Hauptsach’, die Kohle stimmt

Du bist ein Durchschnittsmensch

Ach du liebe große Güte, | das kommt mir nicht in die Tüte

will man mich hier einvernehmen, | werd mich nicht dazu bequemen

ich bin ein öffentlich beliehener

Durchschnittsmensch

Aber ein öffentlich beliehener

Durchschnittsmensch

Ich bin klug und technisch schlau | Kenn’ das Recht und meine Frau

Weiß was oben ist, was unten, | sag’ die Meinung unumwunden,

wenn keiner zuhört und ich allein | das Siegel setze und daran mich noch ergötze

ich bin nämlich – ein öffentlich bestellter

Ü B E R – Durchschnittsmensch!

3

KONGRESS

Das Corner-Value-Paper

und der BDVI-Kongress

Highlight am Vorabend

N

atürlich hatten die Akteure gehofft, dass der Theaterkeller im Berliner Umspannwerk Ost gut gefüllt sein

würde. Es war rappelvoll. Bei den Proben hatten sie (Bandow, Lehmann, Schwenk, Tilly) von Publikumszuspruch

geträumt. Das Mitternachtspublikum war enthusiasmiert. Und hoffentlich würde man den entspannten

Umgang mit aktuellen BDVI-DVW-Themen gut aufnehmen. Die positiven Nachwirkungen zum Corner-

Value-Paper waren überwältigend. Und schließlich sollten sich Barbara und Volkmar Teetzmann mal so richtig

inkognito freuen können. Es hat den Anschein, dass sie die Woge der Begeisterung immer noch verarbeiten.

Das schönste Erlebnis war aber, dass sich der Kabarettabend atmosphärisch und inhaltlich als ein richtig guter

Einstieg für den BDVI-Kongress 2008 bewährte. Fazit: Kann man machen (wenn man machen kann).

PS: Die musikalische, technische und organisatorische Betreuung waren perfekt. Herzlichen Dank.

3

410


TECHNIK

GENAUIGKEITS-

UNTERSUCHUNGEN ZU

HYBRIDEN VERFAHREN MIT

GNSS-MESSUNGEN UND

TERRESTRISCHEN BEOBACHTUNGEN 1 | EINLEITUNG

411

Abbildung 1.1 | Beispiel einer innerstädtischen Bebauung

Durch die verstärkte Nutzung der GNSS-

Verfahren zur Erzeugung temporärer

Anschlusspunkte anstelle des direkten An-

schlusses an das Lagefestpunktfeld sind Detailvermessungen sehr häufig nur als hybride Verfahren mit

GNSS- und terrestrischen Messungen möglich. Nachfolgend sind in möglichen Netzkonfigurationen

Genauigkeitsaussagen für die aufzunehmenden Punkte anhand von Diagnoseausgleichungen ermittelt

worden. Hierzu werden die theoretischen Hintergründe der Diagnoseausgleichung, der Aufbau der Lage-

netze, die angenommenen Genauigkeiten der Messungen und die gewonnenen Ergebnisse erläutert. Zur

Vergleichbarkeit wird auch der direkte Anschluss an das Lagefestpunktfeld betrachtet. Ferner werden

in den Netzaufbauten neben den eindeutigen Lösungen auch die vollständig kontrollierten Lösungen

genutzt. Abschließend erfolgt ein Vergleich der Genauigkeitsmaße mit den in Vorschriften gebräuch-

lichen Angaben.

3

ULRICH BERGMANN | BERLIN

Ein Blick aus dem Fenster des Hauses Bauwesen der TFH Berlin

erschließt sehr schnell, dass mit den Satellitenverfahren Detailvermessungen

nicht ohne zusätzlichen Einsatz von terrestrischen

Verfahren mit elektronischen Tachymetern möglich sind.

Der Blick geht hierbei in Richtung Norden und zeigt, dass Richtung

Westen und Süden Abschattungen durch Gebäude und

streckenweise auch durch Straßenbäume im aufgenommenen

Straßenbereich vorhanden sind.

Der hier dargestellte Fall im Bezirk Mitte von Berlin stellt mit

der relativ offenen Bebauung noch keinen Extremfall dar. Auf

der anderen Seite kann man sich jedoch ländliche Bereiche

vorstellen, die bedeutend weniger Probleme beim Empfang der

Satellitensignale aufweisen. Man muss jedoch immer damit rechnen,

dass der aufzunehmende Punkt nicht direkt mit Satellitenverfahren

vermessen werden kann.

Im Land Berlin ist zum 31. Dezember 2005 die Pflege des Lagefestpunktfeldes,

also des Übergeordneten Lagefestpunktfeldes,

und des Aufnahmefestpunktfeldes eingestellt worden [Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung 1]. Die Gründe hierfür stellen

der hohe finanzielle Aufwand zur Pflege des Lagefestpunktfeldes

und eine Alternative mit den Satellitenverfahren dar,

welche eine Herstellung von temporären Anschlusspunkten (TAP)

in vergleichbarer Genauigkeit ermöglichen. Hierbei wird der

Anschluss an das Lagebezugssystem über die Referenzstationen

des Satellitenpositionierungsdienstes der deutschen Landesvermessung

mit den SAPOS®-Diensten oder anderen kommerziellen

Diensten hergestellt.

Die nachfolgenden Ergebnisse entstammen einem Untersuchungsauftrag

der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in

Berlin aus dem Jahre 2006.

2 | DIE DIAGNOSEAUSGLEICHUNG

TECHNIK

Genauigkeitsaussagen für die zu bestimmenden Neupunkte

müssen nicht zwangsläufig mit wirklichen Messungen verbunden

sein, sondern können auch nur aus den geometrischen

Zusammenhängen und den Beobachtungsgenauigkeiten ermittelt

werden.

41925 1 1

41925 3 121

41925 3 111

41925 1 2

20100 20200 20300

21500

20400

A B A B A

Richtung in A nach B

B

Neupunkt

A B

Strecke von A nach B Anschlusspunkt

Koeffizienten- oder Designmatrix A

Abbildung 2.1 | Beispiel für den Aufbau

der Koeffizientenmatrix in einem Ausgleichungsverfahren

41925 3 91

41925 3 101

21800

21700

21600

3

412


413

TECHNIK

Genauigkeiten der terrestrischen

Beobachtungen

Genauigkeiten der Anschlüsse

Unabhängigkeit der Beobachtungen

So beschreiben die Lage der Punkte und die genutzten Beobachtungen

die Koeffizienten- oder Designmatrix A und die Genauigkeitsangaben

oder Standardabweichungen der Beobachtungen

mit der Annahme von unabhängigen Beobachtungen

die Matrix P in der oben dargestellten Form. Damit sind die

nachfolgenden Formeln für die Genauigkeitsaussagen zu den

Koordinaten der Neupunkte berechenbar. Hierbei stellt die

Größe s 0 mit einem beliebig wählbaren positiven Zahlenwert

keine Festlegung dar, da sich eine Veränderung der Größe s 0

um einen Faktor in den Berechnungen der Standardabweichungen

der Unbekannten wieder herauskürzen würde.

Standardabweichungen für die Koordinaten der Neupunkte:

s y = s 0 (A’PA) y ,y

i

3

-1

i i

-1

sx = s0 (A’PA) x ,x

i

i i

Standardabweichung der Punkte:

-1 -1

sP = s0 (A’PA) y ,y + (A’PA) x ,x

i

Abbildung 2.2 | Standardabweichung

Fehlerellipsen mit der großen Halbachse A,

der kleinen Halbachse B und dem Drehwinkel t:

-1 -1 2

ai = s0 ((A’PA) y ,y + (A’PA) x ,x + i ) / 2

i i

Abbildung 2.3 | Fehlerellipse

(2-2)

(2-3)

(2-4)

(2-5)

(2-6)

(2-7)

mit i (2-8)

= s0 ((A’PA) y ,y - (A’PA) x ,x ) + 4 ((A’PA) y ,x )

Zusammenhänge:

i i

-1 -1 2

bi = s0 ((A’PA) y ,y + (A’PA) x ,x - i ) / 2

2

i i

s P = s y + s x = a i + b i

i

2

i

i

i i

i i

2 -1 -1 2 -1

2 2 2

i i

i i

( )

-1

2 (A’PA) y ,x i i

arctan

-1

(A’PA) x ,x i i

ti =

2

- (A’PA) -1

y ,y i i

i i

s P

a

i i

2

s x s P

b t

s y

(2-9)

2

s0 2

s1 2

s0 2

sm 2

s0 2

s1 P = diag (P 1,1 = , … , P m,m = ) = 0 0 (2-1)

0 0

3 | DIE NETZKONFIGURATIONEN

0 0

2

s0 2

sm In den nachfolgenden Ausführungen ist der Aufbau der untersuchten

Netzkonfigurationen beschrieben. Ausgehend von

den häufig praktisch vorliegenden Verhältnissen sind hierbei

Unterscheidungen hinsichtlich der Erreichbarkeit der aufzunehmenden

Punkte vorgenommen worden.

Einen zweiten Aspekt stellt die Kontrollierbarkeit der Koordinatenbestimmungen

bei den Netzaufbauten dar. Es sind hierbei

alle Fälle von der eindeutigen, also nicht kontrollierten Lösung

über sinnvolle Zwischenschritte bis zur vollständig kontrollierten

Bestimmung untersucht worden. Der häufig eingesetzte

Fall von im Netz sehr schwach kontrollierten Messungen mit

sich anschließenden Kontrollmessungen wie z. B. den »Steinbreiten«

führt in den Genauigkeitsaussagen auf die gleichen

Ergebnisse, da diese Kontrollmessungen nur zur Kontrolle des

Ergebnisses, aber nicht zu einer neuen Koordinatenbestimmung

herangezogen werden. Veränderte und auch in der Genauigkeit

verbesserte Koordinatenbestimmungen erhält man in diesem

Fall nur bei einer gemeinsamen Auswertung aller Messungselemente

in einer Ausgleichungsberechnung.

Zur Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit der bislang gegebenen

Praxis sind die Netze sowohl im Anschluss an das Festpunktfeld

als auch im Anschluss an die Referenzstationen über

temporäre Anschlusspunkte (TAP) mit Satellitenverfahren ausgewertet

worden.

Nachfolgend ist das Untersuchungsgebiet, in welchem die im

nächsten Abschnitt dargestellten Netze berechnet worden sind,

maßstäblich mit den drei Berliner SAPOS®-Referenzstationen

und der Berliner Landesgrenze dargestellt.

43126 0

41925

41327 0 896

30102 0

40000

30000

20000

10000

9000

9000 10000 20000 30000 40000 50000 60000

Abbildung 3.1 | Lage des Kartenblattes 41925 (Berliner Kartenschnitt bezogen

auf den TP Müggelberg) und der drei SAPOS®-Referenzstationen

3.1 | DIE GEOMETRIE DER NETZE

In Abhängigkeit von den Abschattungen durch die Bebauung

oder der Topographie sowie der Zugänglichkeit der aufzunehmenden

Punkte werden die beiden aufgeführten Typen von

Netzen genutzt werden können.

Der erste Typ wird sicherlich nur bei günstigen örtlichen Verhältnissen

auftreten. In diesem Fall wird man entweder direkt

vom Festpunkt bzw. TAP aus die Aufnahme durchführen oder

den Aufnahmepunkt in einer »freien Stationierung« im Anschluss

an das Festpunktfeld bzw. die TAP (Punktart 1) nutzen

können.

Häufig wird der zweite Typ im Netzaufbau mit verknüpfenden

Polygonzugmessungen auftreten. Hierbei lässt sich noch zwischen

Polygonzügen zum Aufnahmepunkt oder zwischen den

Anschlusspunkten unterscheiden.

Im Anschluss sind die beiden Netztypen mit ihren Ausprägungen

als Netzbild dargestellt. In abgeschwächter graphischer

Darstellung sind dabei die den Aufnahmepunkt zusätzlich kontrollierenden

Messungen an einen weiteren Anschlusspunkt

dargestellt. In allen Beispielen werden für vier aufzunehmende

Neupunkte (Punktart 3) im Anschluss an den Aufnahmepunkt

die Koordinaten ermittelt.

41925 1 1

41925 3 121

41925 3 111

20100 20200 20300 20400

A B

zusätzliche Kontrollmessungen

41925 1 2

41925 1 3

41925 3 91

41925 3 101

Abbildung 3.2 | Direkte Nutzung eines Anschlusspunktes

als Aufnahmepunkt

21800

21700

21600

21500

41925 1 1

41925 3 81

41925 5 4

41925 1 2

41925 3 71 41925 3 61

41925 1 3

Abbildung 3.3 | Bestimmung des Aufnahmepunktes

über eine »freie Stationierung«

Abbildung 3.4 | Bestimmung des Aufnahmepunktes

über einen »toten Zug« mit direktem Anschluss

41925 3 51

TECHNIK

20100 20200 20300 20400

41925 3 161

41925 3 151

41925 1 1

41925 5 9

41925 5 10

41925 5 8

41925 3 131

41925 3 141

41925 1 3

41925 1 2

21800

21700

21600

21500

21900

21800

21700

21600

21500

21400

20100 20200 20300 20400

3

414


415

TECHNIK

41925 3 191

41925 5 11

41925 1 1

21400

20100 20200 20300 20400

Abbildung 3.5 | Bestimmung des Aufnahmepunktes

über einen »toten Zug« mit einer »freien Stationierung«

41925 3 241

41925 3 201 41925 3 171

41925 5 14

41925 1 1

41925 3 231

3

41925 5 12

41925 5 13

41925 5 4

41925 1 2

41925 1 3

41925 3 211

41925 3 181

41925 1 2

41925 5 16

41925 5 15

41925 3 221

41925 1 3

20100 20200 20300 20400

Abbildung 3.6 | Bestimmung des Aufnahmepunktes

über einen eingehängten Polygonzug

21900

21800

21700

21600

21500

21800

21700

21600

21500

In den vorhergehenden Netzkonfigurationen sind die Beobachtungen

zu den aufzunehmenden Punkten (Punktart 3) nicht

kontrolliert. Daher sind die Neupunktbestimmungen auch in

einer vollständig kontrollierten Form bearbeitet worden.

41925 1 1

20100 20200 20300 20400

Abbildung 3.7 | Bestimmung der Aufnahmepunkte

über eine »freie Stationierung« mit kontrollierten Neupunktbestimmungen

41925 3 201

41925 3 191

41925 1 1

41925 5 7

41925 5 6

41925 1 2

41925 3 81 41925 3 51

41925 3 71

41925 5 22 41925 5 19

41925 5 21 41925 5 18

41925 5 20 41925 5 17

41925 5 7

41925 5 6

41925 3 61

41925 1 3

41925 3 171

41925 1 2

41925 3 181

41925 1 3

20100 20200 20300 20400

21700

21600

21500

21800

21700

21600

21500

Abbildung 3.8 | Bestimmung der Aufnahmepunkte über eine »freie Stationierung«

und je einen Polygonzug mit kontrollierten Neupunktbestimmungen

41925 3 241

41925 5 14

41925 5 26

41925 1 1

41925 3 231

41925 5 15

41925 3 211

41925 1 2

41925 5 16

41925 5 28

41925 5 27

41925 3 221

41925 1 3

20100 20200 20300 20400

Abbildung 3.9 | Bestimmung der Aufnahmepunkte jeweils über einen

eingehängten Polygonzug mit kontrollierten Neupunktbestimmungen

3.2 | ANNAHMEN ZU DEN GENAUIGKEITEN

DER NETZMESSUNGEN

21800

21700

21600

21500

Nach der Festlegung des funktionalen Modells sind nachfolgend

die Annahmen zum stochastischen Modell angegeben. Hierbei

wird zwischen zwei Modellen unterschieden, welche sich

hinsichtlich des Aufwandes für die Messungen unterscheiden.

Stochastisches Modell I

Bei den terrestrischen Beobachtungen wird in der Genauigkeit

der Messungen von einem Tachymeter höherer Genauigkeit mit

einer Standardabweichung von ± 1,5 mgon für eine einmalige

Richtungsmessung und von ± 2,4 mm für eine einmalige Streckenmessung

ausgegangen. Bei allen terrestrischen Beobachtungen

wird eine Messung in zwei Vollsätzen vorausgesetzt.

Beim Anschluss an das Festpunktfeld oder an die TAP wird genauso

wie bei dem Anmessen der Neupunkte (Punktart 3) ein

Zentrierfehler von ± 2,0 mm angenommen, welcher zusammen

mit den reinen Genauigkeiten der Messungen nach dem

Varianzfortpflanzungsgesetz die Genauigkeiten der Beobachtungen

ergibt. Beim Nutzen von Polygonzügen wird wegen

einer vorausgesetzten Zwangszentrierung kein Zentrierfehler

berücksichtigt.

Standardabweichung Wert

einer beweglichen Anschlusskoordinate

einer einmaligen 3-D-Koordinatenbestimmung

einer einmaligen Richtungsmessung

einer einmaligen Streckenmessung

der Zentrierung

einer Richtungsbeobachtung in 2 Vollsätzen

einer Streckenbeobachtung mit 2 Messungen

s A = ± 10,0 mm

s K = ± 15,0 mm

s r = ± 1,5 mgon

s d = ± 2,4 mm

s Z = ± 2,0 mm

s R =

s D =

Tabelle 3.1 | Zusammenfassung zu den stochastischen

Annahmen im Modell I

Standardabweichung Wert

einer beweglichen Anschlusskoordinate

einer einmaligen 3-D-Koordinatenbestimmung

einer einmaligen Richtungsmessung

einer einmaligen Streckenmessung

der Zentrierung in den

Anschluss- und Zwischenpunkten

der Zentrierung in den Neupunkten

s A = ± 10,0 mm

s K = ± 17,0 mm

s r = ± 1,5 mgon

s d = ± 2,4 mm

sZ = ± 2,0 mm

A

sZ = ± 5,0 mm

der terrestrischen Beobachtungen zu den Anschluss- und Zwischenpunkten

einer Richtungsbeobachtung in einem Vollsatz

sR =

A

2 2

2

sz sr + A

2

D

einer Streckenbeobachtung mit einer Messung sD = A

2 2

sd + szA der terrestrischen Beobachtungen zu den zu bestimmenden Neupunkten

einer Richtungsbeobachtung in einem Vollsatz

sR = G

2 2

2 sz sr + G

2

D

einer Streckenbeobachtung mit einer Messung sD = G

2 2

sd + szG Tabelle 3.2 | Zusammenfassung zu den stochastischen

Annahmen im Modell II

G

2

sd 2

+ sz 2

TECHNIK

2 2

sz +

2

D

Stochastisches Modell II

Im Gegensatz zum ersten Modellansatz wird hier von terrestrischen

Messungen in einem Vollsatz ausgegangen. Das kann

bei geräteinterner Korrektur des Kipp- und Zielachsfehlers auch

die Messung in einem Halbsatz bedeuten. Ferner wird im Gegensatz

zu oben von einem Zentrierfehler von ± 5,0 mm bei

der Anzielung der Neupunkte (Punktart 3) ausgegangen. Auch

der Einsatz der Zwangszentrierung bei der Messung der Polygonzüge

wird bei diesem Modellansatz nicht berücksichtigt,

womit auch diese terrestrischen Messungen mit Zentrierfehlern

versehen werden müssen. Auch die aus den Satellitenmessungen

resultierenden dreidimensionalen geozentrischen Koordinatenwerte

als Beobachtungen werden mit einer vergrößerten

Standardabweichung von ± 17,0 mm eingeführt.

2

sr 2

3

416


417

TECHNIK

4 | ERGEBNISSE DER

GENAUIGKEITSUNTERSUCHUNGEN

Die Auswertungen wurden mit dem Ausgleichungsprogramm

für Lagenetze LAVA 2.3 [Bergmann, 2006] durchgeführt.

Dieses Programm bearbeitet eine Ausgleichung nach vermittelnden

Beobachtungen und ist aufgrund der Sparse-Algorithmen

auch auf sehr große Gleichungssysteme ausgelegt. Ferner

wird der Anschluss an das Lagefestpunktfeld mit »beweglichen

Anschlusspunkten« verarbeitet, womit die Anschlussgenauigkeit

in diesen Punkten berücksichtigt werden kann. Außerdem

können auch Satellitenbeobachtungen für die Anschlüsse der

temporären Anschlusspunkte (TAP) an das Lagebezugssystem

berücksichtigt werden.

Die Bestimmung der TAP erfolgt über Satellitenbeobachtungen

zu den drei SAPOS®-Referenzstationen in zwei unabhängigen

Beobachtungsgruppen. Dies ist gleichbedeutend mit den Forderungen

der »Ausführungsvorschriften über die Nutzung des

Satellitenpositionierungsdienstes der deutschen Landesvermessung

für den Anschluss an das Lagebezugssystem (AV SAPOS®)«

[Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2] nach einer unabhängigen

Kontrollbestimmung der TAP. Mit den oben angegebenen

Standardabweichungen für die 3-D-Koordinatenbestimmung

von ± 15,0 mm im Modell I erhält man für die Koordinaten

der TAP eine Standardabweichung von ± 12,6 mm

sowie bei ± 17,0 mm im Modell II eine Standardabweichung

der TAP-Koordinaten von ± 14,3 mm. Diese Werte entsprechen

etwa den Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen

der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV)

[AdV, 2008], die für eine einmalige Bestimmung im Verfahren

des Hochpräzisen Echtzeit-Positionierungs-Service (SAPOS®-

HEPS) mit Korrekturdaten eine Standardabweichung in der Lage

von 1–2 cm angeben. Durch die unabhängige doppelte Bestimmung

der Koordinaten kann bei dem Verfahren mit SAPOS®-

HEPS eine etwas höhere Genauigkeit als die oben berechnete

erreicht werden, womit die obigen Annahmen für die Standardabweichung

der 3-D-Koordinatenbestimmung noch nach unten

korrigiert werden könnten.

Zur Erläuterung einiger grundsätzlicher Aussagen zu den Untersuchungsergebnissen

sollen nachfolgend die Ergebnisse zu

den Genauigkeiten der Netzkonfiguration der Abbildung 3.3

dargestellt werden. Der erste Ergebnissatz bezieht sich auf den

Fall, dass die beiden Anschlusspunkte Lagefestpunkte sind und

das Stochastikmodell I genutzt wird. In diesem Fall liegt in der

Netzkonfiguration der Abbildung 3.3 ein Freiheitsgrad von 1

aufgrund der doppelten Maßstabsfestlegung vor.

3

Punktkennzeichen

41925 3 51

41925 3 61

41925 3 71

41925 3 81

Standardabweichungen

der

Koordinatenwerte

s y (mm)

7,9

11,8

11,8

7,9

s x (mm)

10,6

10,6

8,4

8,4

Standardabweichung

des

Punktes

sP (mm)

13,2

15,9

14,5

11,5

Tabelle 4.1 | »Freie Stationierung« im Anschluss an

zwei Lagefestpunkte im Stochastikmodell I

Diese Netzkonfiguration spiegelt sehr schön wider, dass die zu

bestimmenden Neupunkte innerhalb des Bearbeitungsgebietes

mit dem Punkt 41925 3 81 erheblich genauer als diejenigen

außerhalb mit dem Punkt 41925 3 61 ermittelt werden.

Die nachfolgende Netzkonfiguration gemäß der Abbildung 3.3

zeigt exemplarisch die Auswirkungen einer überbestimmten

Ermittlung der Koordinaten des Aufnahmepunktes.

Punktkennzeichen

41925 3 51

41925 3 61

41925 3 71

41925 3 81

Standardabweichungen

der

Koordinatenwerte

s y (mm)

7,5

7,5

7,5

7,5

s x (mm)

7,5

7,5

7,5

7,5

Standardabweichung

des

Punktes

sP (mm)

10,6

10,6

10,6

10,6

Tabelle 4.2 | »Freie Stationierung« im Anschluss an

drei Lagefestpunkte im Stochastikmodell I

Fehlerellipse

a (mm)

10,7

13,8

12,2

8,5

b (mm)

7,8

7,8

7,8

7,8

Fehlerellipse

a (mm)

8,3

8,3

8,3

8,3

b (mm)

6,5

6,5

6,5

6,5

Hier erkennt man die Auswirkungen der zusätzlichen Beobachtungen,

welche nicht nur die Bestimmung des Aufnahmepunktes

kontrollieren, sondern auch zu einer Genauigkeitssteigerung

in den aufzunehmenden Neupunkten führen. Der große Unterschied

im Punkt 41925 3 61 resultiert hierbei allerdings daraus,

dass dieser Punkt mit den neuen Beobachtungen mitten

im Bearbeitungsgebiet und nicht mehr wie davor außerhalb

liegt.

Die nächsten Ergebnisse basieren auf dem gleichen Netzaufbau,

der Unterschied besteht nur in der Nutzung der Genauigkeitsannahmen

des zweiten Modells.

t (gon)

186,95

56,49

121,77

27,61

t (gon)

150,00

50,00

150,00

50,00

Punktkennzeichen

41925 3 51

41925 3 61

41925 3 71

41925 3 81

Punktkennzeichen

41925 3 51

41925 3 61

41925 3 71

41925 3 81

Standardabweichungen

der

Koordinatenwerte

s y (mm)

9,0

9,0

9,0

9,0

Ein Vergleich mit dem vorhergehenden Fall lässt sofort die zu

erwartenden Ergebnisse mit einer geringeren Genauigkeit erkennen,

was bei einem verminderten Aufwand für die Messungen

und dementsprechend geringeren Genauigkeiten der Beobachtungen

auch zu erwarten war.

Der letzte Vergleich in diesem Netzaufbau bezieht sich auf den

Austausch der Anschlusspunkte.

Standardabweichungen

der

Koordinatenwerte

s y (mm)

10,4

10,4

10,4

10,4

s x (mm)

9,0

9,0

9,0

9,0

s x (mm)

10,4

10,4

10,4

10,4

Standardabweichung

des

Punktes

sP (mm)

12,8

12,8

12,8

12,8

Tabelle 4.3 | »Freie Stationierung« im Anschluss an

drei Lagefestpunkte im Stochastikmodell II

Standardabweichung

des

Punktes

sP (mm)

14,7

14,7

14,7

14,7

Tabelle 4.4 | »Freie Stationierung« im Anschluss an

drei TAP im Stochastikmodell I

Fehlerellipse

a (mm)

9,8

9,8

9,8

9,8

Fehlerellipse

a (mm)

11,1

11,1

11,1

11,1

b (mm)

8,2

8,2

8,2

8,2

b (mm)

9,7

9,7

9,7

9,7

t (gon)

150,00

50,00

150,00

50,00

t (gon)

149,69

50,09

150,31

49,91

Das vorliegende Ergebnis ist auch recht einfach mit der geringeren

Genauigkeit der Anschlusspunkte zu erläutern. Hier sei

allerdings auf die obige Aussage verwiesen, dass die Genauigkeit

der TAP recht pessimistisch angesetzt worden ist.

Dem vorangegangenen Netzaufbau nach Abbildung 3.3 soll

der vollständig überbestimmte Netzaufbau aus der Abbildung

3.7 gegenübergestellt werden.

Punktkennzeichen

41925 3 51

41925 3 61

41925 3 71

41925 3 81

TECHNIK

Man erkennt wiederum eine Genauigkeitssteigerung aus den

kontrollierenden Beobachtungen, die hier allerdings vergleichsweise

gering ausfällt.

In den beiden nachfolgenden Tabellen sind die Standardabweichungen

des Punktes sowie die große Halbachse der Fehlerellipsen

jeweils mit dem größten und dem kleinsten Wert

der vier aufzunehmenden Neupunkte (Punktart 3) für alle Netze

aufgeführt.

Netzauf- Anschluss Große Halbachse der

bau gemäß

Abbildung

Fehlerellipse

kleinster Wert größter Wert

(mm) (mm)

3.2

3.2

3.3

3.4

3.5

3.6

3.6

3.2

3.2

3.3

3.3

3.4

3.4

3.5

3.5

3.6

3.6

3.7

3.7

3.8

3.8

3.9

3.9

Standardabweichungen

der

Koordinatenwerte

s y (mm)

10,2

10,2

10,2

10,2

2 FP

2 FP m. Strecke

2 FP

2 FP

2 FP

2 FP

2 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

s x (mm)

10,2

10,2

10,2

10,2

Standardabweichung

des

Punktes

sP (mm)

14,4

14,4

14,4

14,4

10,5

7,9

8,5

12,2

9,6

10,4

12,9

6,7

9,8

8,3

11,1

10,8

13,3

9,0

11,7

7,3

10,3

8,0

10,8

8,6

11,2

6,8

9,9

16,1

16,0

13,8

21,2

17,6

11,3

13,6

12,6

15,0

8,3

11,1

18,6

20,6

15,4

17,5

10,8

13,3

8,0

10,9

14,2

16,5

10,5

13,0

Fehlerellipse

a (mm)

10,9

10,8

10,9

10,9

Tabelle 4.6 | Ergebnisse der vier aufzunehmenden Neupunkte

im Stochastikmodell I

Standardabweichung

des Punktes

kleinster Wert

(mm)

13,1

11,1

11,5

14,7

12,6

13,1

16,7

9,3

13,8

10,6

14,7

12,9

16,6

11,6

15,5

9,8

14,1

10,1

14,4

10,6

14,8

9,2

13,7

b (mm)

9,4

9,4

9,4

9,4

Tabelle 4.5 | »Freie Stationierung« im Anschluss an

drei TAP im Stochastikmodell I mit überbestimmter Neupunktermittlung

t (gon)

149,70

50,07

150,33

49,89

größter Wert

(mm)

19,1

17,8

15,9

22,9

19,5

13,8

17,3

14,2

17,8

10,6

14,7

20,0

23,1

17,0

20,2

12,6

16,4

10,1

14,4

15,7

19,1

12,1

16,1

3

418


419

TECHNIK

Netzauf- Anschluss Große Halbachse der

bau gemäß

Abbildung

Fehlerellipse

kleinster Wert größter Wert

(mm) (mm)

3.2

3.2

3.3

3.4

3.5

3.6

3.6

3.2

3.2

3.3

3.3

3.4

3.4

3.5

3.5

3.6

3.6

3.7

3.7

3.8

3.8

3.9

3.9

2 FP

2 FP m. Strecke

2 FP

2 FP

2 FP

2 FP

2 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

3 FP

3 TAP

Die Betrachtung der Ergebnisse bestätigt zuerst die beiden obigen

Erkenntnisse, dass der Anschluss an die TAP ungenauere

Koordinaten in den aufzunehmenden Neupunkten im Gegensatz

zu den Festpunkten ergibt und dass die Annahmen in den

beiden stochastischen Modellen die gleichen Veränderungen

erbringen. Ferner erkennt man, dass eine höhere Anzahl von

Messungselementen bis zum Aufnahmepunkt die Genauigkeit

der aufzunehmenden Neupunkte verringert. Auch die bereits

oben gewonnene Erkenntnis, dass kontrollierende Beobachtungen

auch die Genauigkeit steigern, lässt sich an den Ergebnissen

der Tabellen 4.6 und 4.7 ablesen.

5 | ANFORDERUNGEN AN DIE GENAUIGKEITEN

IN DEN VORSCHRIFTEN

Angaben für Genauigkeitsangaben werden häufig in Form von

einzuhaltenden Standardabweichungen oder in Form von nicht

zu überschreitenden linearen Abweichungen angegeben. Beispielhaft

seien die Angaben in den überholten »Ausführungsvorschriften

über die Herstellung des Lagefestpunktfeldes (AV

3

11,6

9,4

9,9

13,8

13,8

12,2

15,8

8,3

12,0

9,8

13,5

12,6

16,2

12,9

15,7

9,6

13,0

8,8

12,7

10,2

14,0

8,0

11,9

16,9

16,8

14,8

28,8

25,6

13,0

16,6

13,6

17,6

9,8

13,5

27,0

30,1

24,2

26,6

12,5

16,2

8,8

12,8

18,2

22,4

11,4

15,3

Tabelle 4.7 | Ergebnisse der vier aufzunehmenden Neupunkte

im Stochastikmodell II

Standardabweichung

des Punktes

kleinster Wert

(mm)

14,9

13,2

13,6

17,8

17,6

15,8

20,7

11,7

17,0

12,8

18,0

16,3

21,1

16,6

20,4

12,8

17,8

11,3

17,0

13,1

18,3

10,8

16,4

größter Wert

(mm)

20,3

19,1

17,5

31,1

27,7

16,4

21,3

15,9

21,3

12,8

18,0

28,9

33,1

26,1

29,5

15,1

20,2

11,3

17,0

19,8

25,3

13,5

19,1

Lagefestpunktfeld)« des Landes Berlin mit dem Grenzwert von

± 15,0 mm für die Standardabweichung des Punktes (hier noch

als mittlerer Punktfehler bezeichnet) einer Ausgleichungsberechnung

eines Aufnahmefestpunktfeldes (hier als flächenhaft

ausgewertete Aufnahmefestpunkte bezeichnet) genannt. Ein

Beispiel für eine einzuhaltende lineare Abweichung stellen die

»Ausführungsvorschriften über die Grenzvermessungen (AV

Grenzvermessung)« des Landes Berlin dar [Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung 2]. Hierbei wird für die Flurstücksgrenze

festgelegt, dass diese hergestellt ist, wenn neben weiteren

Bedingungen der abgesteckte Grenzpunkt von der örtlich vorgefundenen

Kennzeichnung linear um nicht mehr als 0,03 m

abweicht. Erkennbar ist an diesen beiden Beispielen, dass nicht

nur direkt berechenbare Standardabweichungen, sondern auch

grundsätzlich einzuhaltende Grenzwerte angegeben werden.

Im zweiten Fall kann die große Halbachse der Fehlerellipse als

maximale lineare Abweichung angenommen werden. Der Übergang

von den Standardabweichungen zu einem einzuhaltenden

Grenzwert wird durch die Nutzung des dreifachen Wertes

der Standardabweichungen erreicht. In diesem Fall beträgt die

Wahrscheinlichkeit für das Überschreiten des Grenzwertes nur

noch 0,26 % im Gegensatz zu den Standardabweichungen mit

31,3 % bei einer angenommenen Normalverteilung für die Beobachtungen.

Würde man die obige lineare Abweichung von 0,03 m in der AV

Grenzvermessung als einzuhaltenden Grenzwert verstehen,

so könnten nach den obigen Netzauswertungen nur Netze mit

Werten für die große Halbachse der Fehlerellipsen von weniger

oder gleich 0,01 m genutzt werden. In diesem Fall würden nur

sehr wenige Netzaufbauten verbunden mit einem relativ hohen

Messungsaufwand verbleiben.

Prof. Dr.-Ing. Ulrich Bergmann

Technische Fachhochschule Berlin | Haus Bauwesen

Luxemburger Straße 10 | 13353 Berlin

E-Mail uberg@tfh-berlin.de

6 | LITERATUR

AdV: Internetveröffentlichung unter:

http://www.sapos.de/pdf/SAPOS_Prospekt.pdf,

letzter Zugriff 23.07.2008

Bergmann, Ulrich: Beschreibung zum Programm LAVA, 2006

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 1:

Internetveröffentlichung unter:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/geoinformation/sapos/

de/download/lfp_sapos_flyer.pdf, letzter Zugriff 28.07.2008

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2:

Internetveröffentlichung unter:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/gesetzestexte/

de/download/geoinformation/Vorschriftensammlung/

STARTSEITE.pdf, letzter Zugriff 28.07.2008

Echtzeit-Videodaten-

Georeferenzierung

und -Integration

in virtuelle Globen

HANNES EUGSTER | MUTTENZ

TECHNIK

UAV-basiertes Augmented Monitoring

U

nbemannte Mini- und Mikrodrohnensysteme (UAV – Unmanned Aerial Vehicle) haben in

den letzten Jahren eine starke Entwicklung erlebt und sind heute als kommerzielle Produkte

auf dem Markt erhältlich. Viele dieser Systeme verwenden für die autonome Fluglageregelung

kostengünstige INS/GPS-Sensoren und erlauben das Mitführen beliebiger Geosensoren wie Video-

kameras. Gleichzeitig stehen heute verschiedene webbasierte 3-D-Geoinformationsdienste ba-

sierend auf virtuellen Globen zur Verfügung. Trotz ihrer Verfügbarkeit werden beide Technologien

noch kaum kombiniert genutzt. Gerade die UAV-basierte Echtzeit-Bilddatenintegration in virtuelle

Globen bietet eine kostengünstige Möglichkeit, die Geobasisdaten von 3-D-Geoinformationsdiens-

ten rasch zu aktualisieren und damit den Nutzen markant zu steigern. Mögliche Anwendungen

reichen von der Echtzeit-Überwachung von Infrastrukturanlagen über Waldbrand-Monitoring bis

hin zur Entscheidungsunterstützung bei Naturkatastrophen.

3

420


421

TECHNIK

1 | EINLEITUNG

Dieser Beitrag zeigt eine Prototyplösung auf, mit der Videoaufnahmen

aus Mini- oder Mikrodrohnen in Echtzeit oder offline

in einen virtuellen Globus integriert werden können. Dabei

wurde der Fokus speziell auf die Verwendung von kostengünstigen

und rasch verfügbaren Mini- und Mikrodrohnensystemen

gelegt. Gerade auf Plattformsystemen dieser Kategorie

können wegen Gewichtslimitierungen und aus Kostengründen

zur Fluglagebestimmung nur Sensorsysteme geringer Qualität

verwendet werden. Diese Einschränkungen limitieren die Georegistrierungsgenauigkeit,

mit welcher die Videodaten in die

virtuelle Welt integriert werden können. Die Prototyp-Entwicklung

erfolgte im Rahmen des KTI-Projekts »Virtual Monitoring«

[1] am Institut Vermessung und Geoinformation der Fachhochschule

Nordwestschweiz. Der in diesem Beitrag präsentierte

Ansatz unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von

mini- und mikrodrohnenbasierten photogrammetrischen Anwendungen

wie sie u. a. in [2] vorgestellt werden. So liegt der

Fokus bei der hier vorgestellten Lösung im Speziellen bei der

Echtzeit-Georegistrierung und -Geodatenintegration von Bilddaten

in virtuelle Globen. Für die Echtzeit-Georegistrierung

werden die standardmäßig verfügbaren Geosensoren auf den

unbemannten Plattformen sowie die bestehende Geodatenbasis

des virtuellen Globus verwendet. Vertiefende Informationen

über die realisierte Lösung sind in der Veröffentlichung

[3] zu finden.

2 | VERWENDETE BASISTECHNOLOGIEN

Heute existiert eine große Anzahl verschiedener unbemannter

Flugsysteme für unterschiedliche Anwendungen und in unterschiedlichen

Ausführungen auf dem Markt. Gerade Mini- und

Mikrodrohnen werden zunehmend als kostengünstige und effiziente

Aufnahmeplattformen für Geodaten eingesetzt. Die

europäische Assoziation für unbemannte Flugsysteme (EU-

ROUVS) klassiert diese Kleinstflugsysteme wie folgt:

Kategorie Maximales

Startgewicht

Mikro

Mini

< 5 kg

< 30 kg

Diese Fluggeräte verfügen meist über einen integrierten Fluglagekontroller,

der eine automatische Stabilisierung sowie eine

ferngesteuerte Navigation erlaubt. Einige Plattformen verfügen

zusätzlich über einen Autopiloten, der vollständig auto-

3

Maximale

Flughöhe

250 m

150–300 m

Flugdauer Datenlink-

Reichweite

1 h

< 2 h

Tabelle 1 | Klassifikation Mini- und Mikrodrohnensysteme

< 10 km

< 10 km

nome Flüge ermöglicht. Die für die Fluglagedatenbestimmung

notwendigen Sensordaten werden meist mittels MEMS- (Micro-Electro-Mechanical

System) basiertem Inertialnavigationssystem

(INS), Navigations-GPS-Empfänger, Magnetkompass

und Barometer erfasst. Dabei werden die Fluglagedaten bestehend

aus Position, Ausrichtung und Geschwindigkeit aus den

einzelnen Sensoren vom Fluglagekontroller durch Sensordatenfusions-Algorithmen

optimal geschätzt. Die Prototyplösung

verwendet das Mikrodrohnensystem »microdrones md4-200«

(vgl. Abb. 1) mit den folgenden Merkmalen:

Fluggerät Quadcopter

Max. Abfluggewicht

Max. Zuladung

Flugdauer

Genauigkeit Fluglagedaten

Lage

Höhe

Nick- und Rollwinkel

Gierwinkel

0,9 kg

0,3 kg (für Bildsensoren)

~20 min

3,5 m CEP

5 m SEP

1–2°

3–5°

Für die Videodatenerfassung wird eine nichtmetrische PAL-

Videokamera mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixel verwendet.

Abbildung 1 | Mikrodrohnensystem »microdrones md4-200«

Als zweite wichtige Komponente verwendet die umgesetzte

Lösung 3-D-Geoinformationsdienste basierend auf virtuellen

Globen, prominente Beispiele für solche Dienste sind Google

Earth oder Microsoft Virtual Earth. Die meisten virtuellen Globen

bieten die Möglichkeit, große Mengen an Geodaten über

das Internet zu »streamen« und in Echtzeit darzustellen. Dabei

wird die virtuelle 3-D-Landschaft meist aus Höhenmodellen,

Orthophotomosaiken, 3-D-Modellen sowie POI (Points of Interest)

aufgebaut. Heutige Dienste weisen aber auch einige

Nachteile auf, so sind gerade die für Echtzeit-Überwachungen

oder Entscheidungssupport-Anwendungen sehr wichtigen

Orthobilddaten meist nicht aktuell. Weiter sind die verwendeten

geodätischen Referenzmodelle im Allgemeinen nicht

publiziert, womit die Integration von Geodatenbeständen mit

ausreichender Georeferenzierungsgenauigkeit ohne manuelle

Nachbearbeitung problematisch ist. Gerade die Kenntnis des

verwendeten geodätischen Bezugssystems ist für die Umsetzung

einer Echtzeit-Video- und Bilddatenintegration zentral.

Zudem bieten die verfügbaren Programmierschnittstellen der

meisten virtuellen Globen keine Möglichkeit, Bild- bzw. Videodaten

in Echtzeit zu integrieren. Aus den genannten Gründen

verwenden wir für die Prototyplösung unseren eigenen an der

Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelten virtuellen Globus

i3D (vgl. Abb. 2). Die i3D-Technologie stellt die gängige

Funktionalität heutiger virtueller Globen zur Verfügung und

ist darüber hinaus speziell optimiert für die Echtzeit-Integration

von Geodaten mit Submetergenauigkeit. Als geodätisches

Bezugssystem verwendet i3D das WGS-84-Referenzellipsoid.

Zusätzlich stellt die i3D-Technologie eine kollaborative virtuelle

Umgebung zur Verfügung, in welcher die Inhalte des virtuellen

Globus neu von vielen Benutzern gleichzeitig erfasst, ausgetauscht,

visualisiert und beurteilt werden können. Mit Hilfe der

verfügbaren Programmierschnittstelle können auf sehr einfache

Weise unterschiedliche Dienste und Anwendungen auf

Basis der i3D-Technologie realisiert werden. Informationen

über den virtuellen Globus i3D sind verfügbar unter [4].

Abbildung 2 | i3D-Editor und -Viewer

3 | SYSTEMARCHITEKTUR UND

VIDEODATENINTEGRATION

TECHNIK

Nachfolgend werden die Architektur und im Speziellen die

Videodatenverarbeitung und -integration der realisierten Lösung

vorgestellt. Das mittels Mini- oder Mikrodrohnensystem

aufgenommene Video lässt sich in Echtzeit- oder im Offline-

Modus in die i3D-Technologie integrieren. Die Integration kann

in zwei unterschiedlichen Varianten durchgeführt werden. Bei

der ersten Variante, dem Augmented Monitoring, werden die

georeferenzierten Videodaten mit den Objekten aus dem virtuellen

Globus überlagert. Der zweite Ansatz, das Virtual Monitoring,

erlaubt die Visualisierung des erfassten Videos in einem

Graphikfenster und synchron dazu in einem zweiten Fenster

die Darstellung der aktuellen Ausrichtung und Position des Aufnahmekegels

der Videokamera in der virtuellen Welt. Abbildung

3 und 4 zeigen die beiden Integrationsansätze und verdeutlichen

die beschriebenen Konzepte.

Abbildung 3 | Beispiel Augmented-Monitoring-Integrationsansatz

Abbildung 4 | Beispiel Virtual-Monitoring-Integrationsansatz

Sämtliche in der Prototyplösung involvierten Hardwarekomponenten

sowie die gesamte entwickelte Datenverarbeitungskette

sind in Abbildung 5 aufgezeigt. Am Anfang befindet sich

die Aufnahmeplattform, die mit Fluglagekontroller, Videoka-

3

422


423

TECHNIK

mera und Datenlinksender ausgerüstet ist. Der Fluglagekontroller

liefert Fluglagenzustände bestehend aus Zeitstempel,

Position, Geschwindigkeit und Ausrichtung mit einer Rate von

4–5 Hz. Das von der Videokamera erfasste analoge PAL-Videosignal

wird anschließend zusammen mit den Fluglagezuständen

über einen analogen Datenlink zur Bodenkontrollstation

übertragen. Die an der Bodenkontrollstation empfangenen

Fluglagezustände und das Videosignal werden über getrennte

Schnittstellen für die weitere Verarbeitung zur Verfügung

gestellt. Damit die erfassten Videodaten später mit Hilfe der

aufgezeichneten Fluglagedaten georegistriert werden können,

wird dem Videosignal mit Hilfe der Time-Code-Integrato- Komponente

eine Zeitstempelinformation hinzugefügt. Diese Time-

Code-Komponente wird mit dem Zeitsignal, generiert durch

einen GPS-Empfänger, synchronisiert. Damit ist gewährleistet,

dass die Zeitstempel der Fluglagezustände sowie die integrierte

Zeitstempelinformation in den Videodaten in der gleichen Zeitreferenz

vorliegen. Im Anschluss wird das Videosignal analog/

digital gewandelt. Bei der Echtzeit-Videodatenintegration werden

die beiden verfügbaren Datenströme direkt von einer portablen

Arbeitsstation empfangen und verarbeitet. Bei einer

Offline-Anwendung können die beiden Datenströme in Dateien

aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt verarbeitet

werden.

Videokamera

GPS

INS

Videodatenintegration

Die für die weitere Videodatenverarbeitung benötigten Softwarekomponenten

basieren auf dem Microsoft-DirectShow-

Framework. Dieses Framework ermöglicht die Implementierung

einer benutzerspezifischen Videoverarbeitungsanwendung auf

Microsoft-Plattformen. Microsoft DirectShow stellt dafür unterschiedliche

Filter, die verschiedene Funktionen wie das Lesen,

Schreiben oder Darstellen von Videosequenzen ermöglichen,

3

Kompass Barc UAV

Boden-

Fluglagekontroller

Analoges

Videosignal (AV)

Videodaten-

Georegistrierung

Direkte Georeferenzierung

Videodatenverarbeitung (DirectShow)

Fluglagedaten

Sender

TxT

Portable Arbeitsstation

Digitalvideo

Drahtlose analoge

Datenübertragung

Datei Frame- AV

grabber

Offline-Verarbeitung

Zeitstempel

Abbildung 5 | Systemarchitektur und Videodatenverarbeitungskette

der Prototyplösung

zur Verfügung. Die gewünschte Funktionalität der Anwendung

wird definiert durch die freie Kombination der einzelnen Basisfilter

zu einem Filter-Graphen. Wird nun ein solcher Filter-

Graph ausgeführt, wird jedes einzelne Bild der Videosequenz

sequenziell entlang der definierten Filter verarbeitet. Die Umsetzung

der Prototyplösung erforderte die zusätzliche Implementierung

von drei speziellen Filtern. In den ersten beiden

Filtern wird die eigentliche Georegistrierung der Videodaten

durchgeführt. Dabei wird für jedes einzelne Bild in der Videosequenz

die vorgängig mit der Time-Code-Komponente integrierte

Zeitstempelinformation extrahiert. Anschließend wird

jedes einzelne Videobild aufgrund der zur Verfügung stehenden

Zeitstempelinformation mit den dazu parallel eingelesenen

Fluglagezuständen synchronisiert. Aus den Fluglagezuständen

lässt sich nun mit dem Ansatz der direkten Georeferenzierung

für jedes einzelne Videobild die äußere Orientierung

bestimmen. Unter direkter Georeferenzierung versteht man in

der Photogrammetrie das direkte Messen der Parameter der

äußeren Orientierung jeder Aufnahme mittels INS/GPS-Sensoren

[5].

Für die korrekte Bestimmung der äußeren Orientierung der

Videodaten wird zusätzlich die Fehlausrichtung zwischen optischer

Achse der Videokamera und INS-Referenz berücksichtigt.

Mit der zusätzlich verfügbaren

inneren Orientierung steht

Fluglagedaten

Zeitstempel

kontrollstation

Empfänger

RxT

AV

Time Code

Integrator

GPS

nun das vollständige Sensormodell –

bestehend aus innerer und äußerer

OrientierungfürjedeseinzelneVideobild

– für die weitere Verarbeitung

zur Verfügung.

Die benötigte Fehlausrichtung sowie

die Parameter der inneren Orientierung

können mit einem vorgängig

durchgeführten Kalibrierungsflug

ermitteltwerden.DerdritteFilterumfasst

schließlich einen erweiterten

i3D-Viewer, welcher die Videodaten

mit dem Sensormodell liest und wahlweise

mit den vorgestellten Ansätzen

Augmented Monitoring oder

Virtual Monitoring in die virtuelle Welt integriert.

4 | ANWENDUNGEN UND RESULTATE

Die vorgestellte Prototyplösung – bestehend aus Mini- oder

Mikrodrohnensystemen, der vorgestellten Videoverarbeitungskette

und dem virtuellen Globus i3D – verfügt über ein großes

Potenzial zur Realisierung konkreter Applikationen in unterschiedlichen

Anwendungsgebieten. Dabei bildet der virtuelle

Globus i3D das Fundament für die unterschiedlichen Anwendungsszenarien.

Mit Hilfe der vorgestellten Videointegrationsstrategien

Augmented Monitoring und Virtual Monitoring können

aus den Videodaten unterschiedliche Geodaten in Echtoder

Nahechtzeit extrahiert und abgeleitet werden. Die zusätzlich

integrierte kollaborative virtuelle Umgebung in der i3D-

Technologie ermöglicht den Austausch und die Verteilung der

extrahierten Geodaten mit weiteren beteiligten Benutzern. Viele

typische Anwendungen können im Sicherheits- und Überwachungsbereich

identifiziert werden. Grenz-, Waldbrand- und

Verkehrsüberwachungen oder die Unterstützung der Einsatzleitung

bei Naturkatastrophen sind nur einige vielversprechende

Beispiele. Weiter kann aufbauend auf dem Augmented-

Monitoring-Ansatz das virtuelle Pilotieren von unbemannten

Flugplattformen realisiert werden. Den vielen Anwendungen

gemeinsam ist der Bedarf an einer hochaktuellen Geodatengrundlage,

die mit dem vorgestellten System kostengünstig

geschaffen werden kann.

Mit der Prototyplösung bestehend aus Mikrodrohnen-Aufnahmeplattform,

Videodatenverarbeitungskette und virtuellem

Globus kann bei üblichen Flughöhen von 50–300 m irgendwo

auf dem Globus eine Echtzeit-Georegistrierungsgenauigkeit

von 6–15 m erwartet werden. Diese Genauigkeit wird in erster

Linie von der Qualität der eingesetzten Geosensoren auf der

Aufnahmeplattform sowie der Genauigkeit des digitalen 3-D-

Landschaftsmodells im virtuellen Globus bestimmt. Für viele

der erwähnten Anwendungen ist diese Genauigkeit jedoch

bereits ausreichend. Natürlich kann die vorgestellte Prototyplösung

auch in Kombination mit größeren Aufnahmeplattformen

eingesetzt werden. Diese Systeme erlauben durch zusätzliche

Nutzlastkapazitäten das Mitführen von hochqualitativen

INS/GPS-Sensoren. Damit könnte die Georeferenzierung der

Videodaten im Submeterbereich durchgeführt werden.

5 | AUSBLICK

Werden jedoch höhere Ansprüche an die Georegistrierungsgenauigkeit

von einem Aufnahmesystem basierend auf INS/

GPS-Sensoren tiefster Qualität gefordert, müssen neue Ansätze

entwickelt und verfolgt werden. Dies kann beispielsweise mit

Hilfe einer integrierten Georeferenzierung realisiert werden.

Bei diesem Verfahren wird die bereits zur Verfügung stehende

Georeferenzierung mit zusätzlichen Bildbeobachtungen auf

bekannte Objekte – in unserem Fall wiederum aus dem virtuellen

Globus – verbessert. Dieser Ansatz benötigt ein stabiles automatisches

Zuordnungsverfahren vom »Bild zum 3-D-Landschaftsmodell«,

das zurzeit entwickelt wird und künftig die vorgestellte

Lösung ergänzen soll. Die Umsetzung dieser automatischen

Zuordnung vom »Bild zum 3-D-Landschaftsmodell«

ist nach wie vor eine große Herausforderung. Speziell die dafür

benötigte Merkmalsextraktion und Modellinterpretation aus

Einzelbildern ist für eine Videosequenz, die im Außenbereich

bei wechselnden Witterungsverhältnissen erfasst wurde, sehr

schwierig. Erste entsprechende Untersuchungen haben gezeigt,

dass die Georegistrierungsgenauigkeit mit diesem Ansatz um

den Faktor 4 gesteigert werden kann. Weitere Informationen

sowie erste Genauigkeitsuntersuchungen zu diesem Ansatz sind

in der Publikation [6] zu finden.

Die hier vorgestellte Prototyplösung soll in den kommenden

zwei Jahren mit Partnern aus der Industrie in ein marktreifes

Gesamtsystem integriert werden. Diese Gesamtsystemlösung

besteht aus unterschiedlichen Komponenten von der Missionsplanung

und Simulation über die Missionsausführung und Datenerfassung

mit einem Drohnensystem bis hin zur Echtzeit-

Geodatenintegration in den virtuellen Globus i3D. Die erwähnten

Anwendungen aus den verschiedensten Bereichen sollen

künftig mit einer solchen Systemlösung realisiert werden.

6 | DANK

Diese Arbeit wird von der schweizerischen Förderagentur für

Innovation KTI finanziell unterstützt.

Dipl.-Ing. Hannes Eugster

Fachhochschule Nordwestschweiz

Institut Vermessung und Geoinformation

Gründenstraße 40 | CH-4132 Muttenz

E-Mail hannes.eugster@fhnw.ch

TECHNIK

INFORMATIONEN

[1] KTI-Projekt Virtual Monitoring:

http://www.fhnw.ch/habg/ivgi/forschung/vimo

[2] Eisenbeiss, H. 2006: Applications of Photogrammetric Processing

Using an Autonomous Model Helicopter, in: International

Archives of Photogrammetry, Remote Sensing and Spatial Information

Sciences, Vol. XXXVI, Part1/B, ISPRS CommissionISymposium,

Paris, France, 3.–6. July

[3] Eugster, H. and Nebiker, S. 2008: UAV-based Augmented-

Monitoring – Real-time Georeferencing and Integration of Video

Imagery with Virtual Globes, Proceedings of the XXIst ISPRS Congress,

Volume XXXVII, Part B1, Beijing

[4] i3D-Technologie: http://www.fhnw.ch/habg/ivgi/forschung/i3d

[5] Mostafa, M. and Hutton, J. 2005: 10 Years of Direct Georeferencing

for Airborne Photogrammetry, GIS, November 2005

[6] Eugster, H. 2007: Georegistrierung mittels minidrohnenerfasster

Videosequenzen – Ansätze und Genauigkeitsanalyse,

Dreiländertagung der SGPBF, DGPF und OVG, DGPF-Tagungsband

Nr. 16, FHNW, Muttenz, Seiten 637–647

3

424


Aktuelle Gebäudesachwerte in der

Verkehrswertermittlung (NHK 2005)

425

IMMOBILIEN

AGNAR BOYSEN | SCHWARZENBEK

D

as Baukosteninformationszentrum (BKI) deutscher Architektenkammern hatte den Auftrag zur

Erforschung und Überarbeitung der Normalherstellungskosten (NHK 2000) und weiterer für die

Sachwertermittlung notwendiger Daten. Dabei ist von einer Institution, die ansonsten hauptsächlich

reine Kostenanalysen erstellt und veröffentlicht, in kurzer Zeit (August 2005 bis Herbst 2007) ein äußerst

umfangreiches Feld zu bearbeiten gewesen. Nicht nur neue Tabellenwerke wurden abgeleitet, Gebäude-

typen und Ausstattungsstandards neu definiert, sondern auch die Modelle der Alterswertminderung,

der Gesamt- und Restnutzungsdauer für Wohngebäude wurden revolutionär umgekrempelt und neu

angedacht. Wie bei jeder Revolution ist viel Gutes im Kern geboren worden, aber auch viel Gutes kon-

terrevolutionär erschlagen worden. Der Forschungsbericht ersetzt nicht die NHK 2000 und die WertR

2006, sondern soll in einer Testphase erprobt werden. Diese Zusammenfassung enthält keine konkreten

Untersuchungen des Zahlenwerks, sondern nur eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuerungen

und eine vorläufige Wertung des Verfassers.

3

Warum hat man nicht vorher

einen Wertermittler gefragt?

DIE BISHERIGEN NHK 2000

Die jetzigen Normalherstellungskosten 2000 sind aus den NHK

1995 mit empirisch abgeleiteten Baupreisindizes umgerechnet

worden. Die Grundlagen und Ableitung der NHK 1995 sind

nie offengelegt worden. Auch durch umfangreiche Forschung

konnte das BKI letztendlich nicht die Herkunft der Baujahresklassen

und der einzelnen Unstimmigkeiten wie z. B. höherer

NHK für Reihenhäuser als für freistehende Einfamilienhäuser

nachweisen. Die Auswertung der jetzigen Baujahresklassen ergab

gleichmäßige Funktionen, die jedoch schon aus den bisherigen

Verläufen der Baupreisindizes bekannt waren und nicht

extra erforscht werden mussten. Der gleichmäßige Verlauf der

Funktionen wies aber nach, dass es sich nicht um empirische

Werte handelt.

Die einzelnen neuen Ergebnisse des Forschungsberichts werden

im Folgenden nach dem Ablauf des Sachwertverfahrens

beschrieben.

GEBÄUDEART (ANLAGE 1)

Die bisherigen Gebäudetypen werden in Anlehnung an die Codierung

des Bauwerkzuordnungskatalogs als Gebäudeart neu

benannt, geordnet und nummeriert in 20 Hauptgruppen mit

insgesamt 235 einzelnen Gebäudearten. Einige frühere Gebäudetypen

wie Ausstellungshallen (Typ 25), Funktionsgebäude für

Sportanlagen (Typ 12) oder Hochschulen (Typ 11) entfallen zukünftig

und sind je nach ihrer Substanz und Verwendung in

andere Arten einzuordnen. Andere Typen wie Schulen (Typ 9),

Turn- und Sporthallen (Typ 13), Tennishallen (Typ 16), Verwaltungsgebäude

(Typ 26), Krankenhäuser (Typ 7), Alten- und

Pflegeheime, Altenwohnheime, Gaststätten, Hotels oder Geschäftshäuser

sind wesentlich verändert bzw. grundsätzlich

neue Gebäudearten geworden. Dabei wurden Standards komprimiert,

Bauweisen neu aufgenommen oder Unterscheidungen

in Geschossen verändert.

Durch die neue Katalogisierung erscheinen die häufigsten Sachwertobjekte,

die Ein- und Zweifamilienhäuser, erst unter Hauptgruppe

6 (Wohnbauten). Die Unterscheidungen nach Geschosszahl

und Ausbau wurden bei den Einfamilien- und Reihenhäusern

beibehalten. Neu sind die Berücksichtigung von Niedrigund

Passivbauweise – jedoch ohne Unterscheidung in Standards

(Art 61.63 und 61.64) –, der Korrekturfaktor für Holzbauweise

und der Fortfall der einfachen Bauweise aus der NHK 2000.

Bei den Reihenhäusern ist ein Standard hinzugekommen und

die Doppelhaushälfte erstmals ausdrücklich erwähnt.

Allerdings sind die Reihenmittelhäuser schlicht vergessen worden

und müssen mittels Korrekturfaktoren abgeleitet werden.

Eine Unterteilung in Niedrig- oder Passivbauweise in logischer

Anlehnung an die Einfamilienhäuser unterbleibt.

Anlage 1

Normalherstellungskosten

IMMOBILIEN

Inhaltsverzeichnis Seite

1 | Bürogebäude / Verwaltungsgebäude

13. Bürogebäude

13.1 Bürogebäude, Massivbau, einfacher Standard 10

13.2 Bürogebäude, Massivbau, mittlerer Standard 10

13.3 Bürogebäude, Massivbau, hoher Standard 10

13.4 Bürogebäude, Stahlskelettbau, einfacher Standard 11

13.5 Bürogebäude, Stahlskelettbau, mittlerer Standard 11

13.6 Bürogebäude, Stahlskelettbau, hoher Standard 11

13.7 Bürogebäude, Holzbau, einfacher Standard 12

13.8 Bürogebäude, Holzbau, mittlerer Standard 12

13.9 Bürogebäude, Holzbau, hoher Standard 12

3 | Gebäude des Gesundheitswesens

32. Krankenhäuser, Tageskliniken

32.10 Krankenhäuser, Kliniken 13

32.11 Tageskliniken, Ärztehäuser 13

34. Alten-, Pflegeheime

34.13 Alten-, Pflegeheime, einfacher Standard 14

34.14 Alten-, Pflegeheime, mittlerer Standard 14

34.15 Alten-, Pflegeheime, hoher Standard 14

4 | Schulen und Kindergärten

41.-43. Schulen

41.16 Allgemeinbildende Schulen 15

42.17 Berufsbildende Schulen 15

43.18 Sonderschulen 15

44. Kindergärten, -tagesstätten

44.19 Kindergärten, einfacher Standard 16

44.20 Kindergärten, mittlerer Standard 16

44.21 Kindergärten, hoher Standard 16

5 | Sportbauten

51. Sporthallen

51.22 Sporthallen (Einfeldhallen) 17

51.23 Sporthallen (Dreifeldhallen) 17

51.24 Sport- und Mehrzweckhallen 17

51.25 Tennishallen 18

52. Schwimmhallen

52.26 Freizeitbäder, Heilbäder 18

6 | Wohnbauten, Gemeinschaftsstätten

61. Ein- und Zweifamilienhäuser

61.27 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, DG ausgebaut, einfacher Standard 19

61.28 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, DG ausgebaut, mittlerer Standard 19

61.29 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, DG ausgebaut, hoher Standard 19

61.30 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, DG nicht ausgebaut, einfacher Standard 20

61.31 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, DG nicht ausgebaut, mittlerer Standard 20

61.32 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, DG nicht ausgebaut, hoher Standard 20

61.33 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, Flachdach*, einfacher Standard 21

61.34 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, Flachdach*, mittlerer Standard 21

61.35 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, unterkellert, Flachdach*, hoher Standard 21

61.36 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, nicht unterkellert, DG ausgebaut, einfacher Standard 22

61.37 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, nicht unterkellert, DG ausgebaut, mittlerer Standard 22

61.38 Ein- und Zweifamilienhäuser, eingeschossig, nicht unterkellert, DG ausgebaut, hoher Standard 22

* Flachdach oder flach geneigtes Dach

Mehrfamilienhäuser werden nach Wohneinheiten in drei Arten

unterteilt. Die Geschosszahl, der Spännertyp und die Anbauart

sind nicht mehr gegliedert. Ebenso fehlt eine Gliederung der

Mischnutzung oder der Größe.

Einen sehr großen Raum nimmt die Standardeinordnung für

landwirtschaftliche Betriebsgebäude in der Anlage 4 ein.

BEZUGSMASSSTAB (ANLAGE 8)

Bisher galten für die NHK 1913 der umbaute Raum und für die

NHK 1995 bzw. NHK 2000 der Bruttorauminhalt (BRI) oder die

Bruttogrundfläche (BGF) als Maßstab. Für alle zukünftigen NHK-

2005-Werte ist die BGF auf Basis der DIN 277/2005 als einziger

Maßstab auch in Hinblick auf eine zukünftige massenweise

Wertermittlung ausschließlich zugelassen. Das BKI hat in Anlage

8 des Berichts erstmals Stellung genommen, wie einzelne

3

426


427

IMMOBILIEN

Anlage 8 Berechnung der Brutto-Grundfläche (BGF)

Anlage 1 Normalherstellungskosten 2005

Definition

Die Brutto-Grundfläche (BGF) ist die Summe der Grundflächen aller Grundrissebenen eines Bauwerkes.

Nicht dazu gehören die Grundflächen von nicht nutzbaren Dachflächen und von konstruktiv bedingten

Hohlräumen, z. B. in belüfteten Dächern oder über abgehängten Decken.

Die Brutto-Grundfläche besteht aus Konstruktions-Grundfläche und Netto-Grundfläche.

Berechnung nach DIN 277

Für die Berechnung der Brutto-Grundfläche sind die äußeren Maße der Bauteile einschließlich Bekleidung, z. B.

Putz, in Fußbodenhöhe anzusetzen.

Konstruktive und gestalterische Vor- und Rücksprünge an den Außenflächen bleiben dabei unberücksichtigt.

Brutto-Grundflächen des Bereichs b sind an den Stellen, an denen sie nicht umschlossen sind, bis zur senkrechten

Projektion ihrer Überdeckungen zu rechnen.

Brutto-Grundflächen von Bauteilen (Konstruktions-Grundflächen), die zwischen den Bereichen a und b liegen, sind

zum Bereich a zu rechnen.

BGF Brutto-Grundfläche

BGF a – überdeckt und allseitig in voller Höhe umschlossen

BGF b – überdeckt, jedoch nicht allseitig in voller Höhe umschlossen

BGF c – nicht überdeckt

Flächen zu berechnen sind. Danach zählt nicht der Ausbau, sondern

allein die Nutzbarkeit zu den Berechnungskriterien.

Somit zählen alle Dachgeschosse über 1,25 m Höhe (an der

höchsten Stelle) voll zur BGF, sofern sie nutzbar sind. Auch Kehlbalkenlagen

zählen zur BGF, wenn sie begehbar sind und über

1,25 m Höhe in der Spitze haben.

Nach DIN 277 sind die Flächen in folgende Bereiche zu gliedern:

a – allseitig in voller Höhe umschlossen und überdeckt

b – nicht allseitig in voller Höhe umschlossen, jedoch

überdeckt

c – nicht überdeckt

Die Kosten des BKI enthalten jedoch schon die Bereiche b und

c im üblichen Umfang. Daher dürfen Loggien, Balkone und Eingangsüberdachungen

nicht in die Berechnung einbezogen werden,

sondern nur die Flächen a. Nur bei fehlenden oder übergroßen

Bereichen b und c muss also mit Zu- bzw. Abschlägen

gerechnet werden.

3

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Reihenhäusern mit

teilweisem Dachausbau und Ausbau mit großen Drempeln und

Gauben gerät dieses System in gefährliche Schieflage, weil die

Gebäudegeometrie vernachlässigt wird. Bei großen Gebäuden

mag dies eine untergeordnete Rolle spielen.

Bei den kleinen Sachwertobjekten kann man den Umweg über

die Umrechnungsfaktoren von Wohnfläche zu BGF als Alternative

sehen, wobei man jedoch eine Korrelation zur Ertragswertmethode

konstruiert. Gänzlich unbeantwortet bleibt die

Herleitung von Marktanpassungsfaktoren.

GRUNDWERTE (ANLAGE 1)

Die neuen Normalherstellungskosten hat man umbenannt, um

auch die Unterschiede zu den bisherigen NHK 2000 zu verdeutlichen.

Eine der wirklich großen Leistungen des BKI ist die Herleitung

von Grundwerten aus einer detaillierten Datenmenge

von ca. 1.400 abgerechneten realen Objekten zum Basisjahr

2005 mit der Aktualität von 2007.

Diese Grundmenge übertrifft alle bisherigen Ableitungen.

Allerdings relativiert sich diese Menge, wenn sie der Anzahl

von 235 einzelnen Gebäudearten und Standards gegenübergestellt

wird. Die abgerechneten Bauten sind in der Mehrzahl

Großprojekte oder extravagante Einzelbauten. Für die Vielzahl

sowohl der Ein- und Zweifamilienhäuser als auch der Reihenhäuser

liegen keine auswertbaren Abrechnungen vor. Diese

mussten daher synthetisch aus modifizierbaren Gebäudetypen

hergeleitet werden.

Typisch für die Arbeit von Architekten ist dabei die Kostenaufteilung

in Konstruktion und technische Anlagen streng nach

DIN 276, obwohl eigentlich nur die Summe beider Kosten den

Wertermittler interessiert.

Unter den Werten werden die Merkmale der Stichprobe angegeben.

Diese variieren z. B. bei der mittleren Höhe von Gebäudeart

zu -art, so dass keine Quervergleiche möglich sind. Wahrscheinlich

hat man nur das arithmetische Mittel abgedruckt

ohne Kenntnis der Belange der Wertermittlung. Weiterhin werden

für die Gesamtnutzungsdauer bei Wohngebäuden Spannen

von 60 bis 100 Jahren angegeben. Gewollt ist jedoch die Beibehaltung

der üblichen Gesamtlebensdauern nach Standard gestaffelt.

Die Marktanpassungsfaktoren wären sonst wegen der

Vielzahl der Modelle nicht mehr zu ermitteln.

Die Baunebenkosten (BNK) werden höher als bisher angegeben.

Die Spannen, die keinen Bezug mehr zum Planungsaufwand

und damit zum Herstellungswert haben, sondern sich nach der

Bauwerksart richten, vernachlässigen, dass individuell jedes

Objekt andere Nebenkosten hat.

Wohnbauten, Gemeinschaftsstätten

Doppel- und Reihenendhäuser

62.71 Doppel- und Reihenendhäuser, eingeschossig, unterkellert, Flachdach*, einfacher Standard E/m2 BGF

Baujahre: …1925 1925–1945 1946–1959 1960–1969 1970–1984 1985–2004 2005

300 Bauwerk –

Baukonstruktion

400 Bauwerk –

Technische Anlagen

300 + 400 Bauwerk

Merkmale der Stichprobe:

mittlere Geschosshöhe

Geschosszahl

Wohnfläche / BGF

BGF / Nutzeinheit

3,43 m

1 UG, 1 OG

0,64

1,6 m 2 /WFL

3,43 m

1 UG, 1 OG

0,64

1,6 m 2 /WFL

345

45

390

345

45

390

Anmerkungen: 1 im Sinne NHK (KG 730 + 771) nach DIN 276-11: 2006 | * Flachdach oder flach geneigtes Dach

365

45

410

Die Stichprobenmerkmale (Wohnfläche/BGF) weichen erheblich von

den Werten der NHK 2000 ab und deuten eine Fehlerkorrektur an.

AUSFÜHRUNG DER STANDARDS (ANLAGE 3)

Die bisherigen Standardbeschreibungen mussten sich nachsagen

lassen, dass sie oftmals nicht die aktuellen Bauausführungen wiedergaben.

Die neuen Beschreibungen dagegen spiegeln nicht die alten

Ausführungen wider. Sie sind nach Kostengesichtspunkten und

Schlüsseln der DIN 276 geordnet und direkt übernommen worden.

Alte, längst abgehandelte Diskussionen werden wieder geweckt, indem

die Gründungen wieder als Wertmerkmal für einen Käufer genannt

werden. Ohne zu überlegen, werden dabei die obersten Beläge

der unteren Konstruktion als Gründung genannt. Dies kann wie bei

den Wohngebäuden ohne Keller nach DIN 276/320 Marmor oder

Teppichboden sein. Unter Schlüssel 330 werden für die Außenwände

bei mittlerem Standard Fenster mit Dreifachverglasung genannt.

Bei den Beschreibungen der Dächer (360) findet man eine elektrische

Dachrinnenheizung wieder. Kurios wird es bei der Beschreibung

410 »Abwasser-, Wasseranlagen«. Eine weiße Toilettenschüssel von

Villeroy und Boch aus den 60er Jahren bedeutet einfachen Standard.

Die gleiche in Smaragdgrün oder Violett befördert uns in den mittleren

Standard.

365

45

410

385

50

435

385

50

435

400

50

450

405

50

455

440

55

495

440

55

495

475

60

535

480

60

540

Nebenkosten (in % an Bauwerk) 1

von Ø bis

16 17 18

Gesamtnutzungsdauer: 60–100 J.

Standardeinordnung s. Anlage 2

62.72 Doppel- und Reihenendhäuser, eingeschossig, unterkellert, Flachdach*, mittlerer Standard E/m2 BGF

Baujahre: …1925 1925–1945 1946–1959 1960–1969 1970–1984 1985–2004 2005

300 Bauwerk –

Baukonstruktion

400 Bauwerk –

405 405 430 430 450 455 475 475 515 520 560 565

Technische Anlagen

55 55 55 60 60 60 65 65 70 70 75 75

300 + 400 Bauwerk

460 460 485 490 510 515 540 540 585 590 635 640

Merkmale der Stichprobe:

mittlere Geschosshöhe

Geschosszahl

Wohnfläche / BGF

BGF / Nutzeinheit

3,43 m

1 UG, 1 OG

0,64

1,6 m 2 /WFL

Nebenkosten (in % an Bauwerk) 1

von Ø bis

16 17 18

Gesamtnutzungsdauer: 60–100 J.

Standardeinordnung s. Anlage 2

62.73 Doppel- und Reihenendhäuser, eingeschossig, unterkellert, Flachdach*, hoher Standard E/m2 BGF

Baujahre: …1925 1925–1945 1946–1959 1960–1969 1970–1984 1985–2004 2005

300 Bauwerk –

Baukonstruktion

400 Bauwerk –

555 555 585 585 615 620 645 650 705 710 765 775

Technische Anlagen

60 60 60 60 65 65 70 70 75 75 80 80

300 + 400 Bauwerk

615 615 645 645 680 685 715 720 780 785 845 855

Merkmale der Stichprobe:

mittlere Geschosshöhe

Geschosszahl

Wohnfläche / BGF

BGF / Nutzeinheit

Nebenkosten (in % an Bauwerk) 1

von Ø bis

16 17 18

Gesamtnutzungsdauer: 60–100 J.

Standardeinordnung s. Anlage 2

Einzigartige Präzision

Leica Prismen garantieren höchste

Ziel- und Streckenmessgenauigkeit.

Die optisch-mechanische Fertigung

der Präzisionsprismen mit 0,3mm

Zentriergenauigkeit liefert

höchste Koordinatengenauigkeit.

www.leica-geosystems.de


429

IMMOBILIEN

Anlage 3 Beispiele von Ausführungen zu Grobelementen

Anlage 2 Arbeitsblatt zur Standardeinordnung

Anlage 5

Restwerttabellen

Ausführungsbeispiel zur Standardeinordnung für Wohngebäude

DIN Bezeichnung Einfacher Standard

300 – Bauwerk – Baukonstruktionen

Mittlerer Standard Hoher Standard

320 Gründung 322 Flachgründungen 322 Flachgründungen 322 Flachgründungen

Einzel- u. Streifenfundamente Stahlbetonfundamentplatte weiße Wanne

324 Unterböden

324 Unterböden

323 Tiefgründungen

und Bodenplatten und Bodenplatten Pfahlgründung aus Stahlbeton,

Stahlbetonbodenplatte Abtreppungen, Rampe z. B. Tiefgründung, Nachgründung

325 Bodenbeläge

für TG-Einfahrt, Pumpen- mit Kleinverpresspfählen

Oberfläche glätten, Nutzsumpfschacht,Stahlbeton- 324 Unterböden und

estrich; Verbundestrich, bodenplatte, WU-Beton Bodenplatten

Zementestrich auf Trennlage, 325 Bodenbeläge Aufzugsunterfahrt, Fundament-

Fußbodenanstrich

Wärmedämmung, Trittschallbalken, WU-Beton, Rampendämmung,

Gefälleestrich, heizung

Heizestrich, Fußbodenheizung, 325 Bodenbeläge

Nadelvlies, Linoleum, Laminat- Wärme- und Trittschalldämmung,

belag, Kunststeinbelag, Kaut- Gussasphaltestrich, Fliesen im

schukbelag,Steinzeugboden- Mörtelbett, Teppichboden,

fliesen, PVC-Bodenbelag, Dielenbelag, Parkett, Granit-

Spaltplatten, Jura-Marmor bodenbelag, Natursteinbelag,

Hochkantlamellenparkett

330 Außenwände 331 Tragende Außenwände 331 Tragende Außenwände 331 Tragende Außenwände

Leichtziegel-Mauerwerk, Kalk- Sichtmauerwerk

Sperrbetonwände »weiße

sandstein-Mauerwerk, HLZ- 334 Außentüren und Wanne«, Sichtbeton, Einblasdäm-

Mauerwerk, Betonwerkstein, -fenster

mung, Blähbetonwand, Fertigteile

Stb-Wände

Schiebetüren, Fenster mit Drei- 334 Außentüren und

334 Außentüren und fachverglasung, Verglasung -fenster

-fenster

ESG, Natursteinfensterbänke, Holz-Aluminiumfenster, passiv-

geringer Fensteranteil, Kunst- Edelstahlbeschläge, Klinker- haustaugliche Fenster, Alu-Fensstofffenster,

Holzfenster, Außensimse, Holz-Innensimse, ter, Zink-Außensimse, Naturstein-

Standardverglasung, Garagen- Jura-Innensimse, Alu-Roll- Innenfensterbänke

tore, Stahlkellerfenster, Lasurgittertor, Elektroantrieb 335 Außenwandbekleidung

anstrich für Holzfenster, Alu- 335 Außenwandbekleidung außen

Fensterbänke, MDF-Innen- außen

Kalksandstein-Vormauerung, Verfensterbänke

Schaumglasdämmung, Fassablendschalenmauerwerk, Beton-

335 Außenwandbekleidung dentafeln,Außenwandscha- Modulsteine, Klinkerverblendung,

außen

lung, Stülpschalung, Doppel- Alu-Fassadenelemente, Holzcolor-

Wärmedämmverbundsystem, falzdeckung,Verblendmauer- Fassadentafeln, Holzschindel-

Wärmedämmputz, zweilagiger werkverkleidung,

Kupferblech, Steh-

Kalkzementputz, Anstrich

falzverblechung,Sichtbeton-Fertigteile;Pfosten-Riegelfassadenelemente 337 Elementierte

Außenwände

Wintergarten-Fassadenelemente,

Pfosten-Riegel-Fassade, Fassadenelemente

in Metall-Glas-Konstruktion

340 Innenwände 341 Tragende Innenwände 341 Tragende Innenwände 341 Tragende Innenwände

KS-Mauerwerk, Ziegelmauer- Sichtmauerwerk, Holzfach- Sichtmauerwerk gekrümmter

werkwerk,

Holzrahmenkonstruktion, Grundriss, Aufzugsschachtwände

344 Innentüren und Stahlbetonwände

344 Innentüren und

-fenster

344 Innentüren und -fenster

Röhrenspantüren, kunststoff- -fenster

Schallschutztüren, Holz-Glasbeschichtet,

Stahlzargen, Schiebetürelemente, Ganzglas- Türen, Schiebetüren, Edelstahl-

Stahlblechtüren, Lamellen- türelemente mit Oberlicht, Inbeschläge, Bodendichtungen,

Falttüren

nentüren als Blockzargentüren, Rauchschutztüren, Brandschutz-

345 Innenwand-

Türelemente aus Vollspan, türen, Türelemente in Lack oder

bekleidungen

rauchdichte Holztüren, runde Edelfurnier, Oberlichter, ESG-Ver-

Gipsputz, Zementputz, GK-Be- Glasausschnitte, Edelstahlglasung, Naturholztüren raumkleidung

Fliesen, Betonlasur, beschläge,Edelstahl-Schiebehoch, Holzblockzargen, Obertür-

Latexfarbe, Raufasertapete, türanlage, Schallstopptüren; schließer, Schiebefenster

Anstrich

Sicherheitsverglasung, Schließ- 345 Innenwandbekleidungen

anlage

Spanplattenverkleidung, Holz-

345 Innenwandschalung

Kiefer, Akustikputz,

bekleidungen

Buche-Handlauf, Brandschutz-

Holz-Akustikplatten, Korkverkleidungen, Brüstungspaneele

platten, OSB-Platten, Kalkzementputz,GK-Vorsatzschalen,

Bordüren, Dekorfliesen,

eingelassene Kristallspiegel,

Textilbeläge, Jura-

Marmorfliesen

in Vollholz

Diese Beschreibung ist dringend durch Bewertungssachverständige

zu ergänzen bzw. neu zu formulieren, damit auch die

zukünftigen Gutachtenleser ihr Objekt in der Beschreibung

wiederfinden. Merkmale, die in den Bodenwerten schon enthalten

sind, müssen nicht gesondert beschrieben werden.

3

13.1-13.3 Bürogebäude, Massivbau

KG Kostengruppen der 2. Ebene DIN 276 Standard: einfacher mittlerer hoher Punkte

310 Baugrube 0 0 0

320 Gründung 1 1 2

330 Außenwände 5 6 9

340 Innenwände 3 4 5

350 Decken 3 4 4

360 Dächer 2 2 3

370 Baukonstruktive Einbauten 0 1 2

390 Sonstige Baukonstruktionen 0 1 1

410 Abwasser, Wasser, Gas 1 1 2

420 Wärmeversorgungsanlagen 1 1 2

430 Lufttechnische Anlagen 0 1 2

440 Starkstromanlagen 1 2 3

450 Fernmeldeanlagen 0 0 1

460 Förderanlagen 0 0 0

470 Nutzungsspezifische Anlagen 0 0 0

480 Gebäudeautomation 0 0 0

490 Sonstige technische Anlagen 0 0 0

Punkte: 17 bis 21 = einfach 22 bis 28 = mittel 29 bis 36 = hoch Ihr Projekt (Summe):

13.4-13.6 Bürogebäude, Stahlbetonskelettbau

KG Kostengruppen der 2. Ebene DIN 276 Standard: einfacher mittlerer hoher Punkte

310 Baugrube 0 1 1

320 Gründung 2 2 3

330 Außenwände 7 7 9

340 Innenwände 3 4 5

350 Decken 4 5 5

360 Dächer 2 3 4

370 Baukonstruktive Einbauten 0 0 1

390 Sonstige Baukonstruktionen 1 1 2

410 Abwasser, Wasser, Gas 1 1 2

420 Wärmeversorgungsanlagen 1 1 2

430 Lufttechnische Anlagen 1 1 3

440 Starkstromanlagen 2 2 4

450 Fernmeldeanlagen 0 1 2

460 Förderanlagen 0 1 1

470 Nutzungsspezifische Anlagen 0 1 1

480 Gebäudeautomation 0 2 2

490 Sonstige technische Anlagen 0 0 0

Punkte: 24 bis 29 = einfach 30 bis 37 = mittel 38 bis 47 = hoch Ihr Projekt (Summe):

Grundsätzlich gibt es höchstens nur noch drei Standardstufen.

Aus der Gegenüberstellung mit den Werten und den Beschreibungen

der NHK 2000 kann man herleiten, dass die alte Stufe

»einfach« keinen Eingang gefunden hat und weggefallen ist.

Stattdessen wurden die alten Stufen (»mittel«, »gehoben« und

»stark gehoben«) heruntergestuft zu »einfach«, »mittel« und

»gehoben«. Objekte, die eine sehr einfache Ausstattung haben

(Masse der nicht renovierten Altbauten), können nicht beschrieben

werden und müssen wertmäßig irgendwie extrapoliert

werden, wenn die Homogenität der Daten dies zulässt.

STANDARDEINORDNUNG (ANLAGE 2)

Hat man die Einordnung in die Standardgruppen ermittelt,

kann über die Einordnungstabelle der Ausstattungsstandard

des Gesamtobjekts mittels Punkten errechnet werden. Dies ist

an sich besser als manche bisherige Prozentangabe.

Die Punkte sind jedoch wieder konsequent aus der Sicht der

Architekten rein kostenorientiert nach DIN 276 vergeben worden.

Kein Käufer interessiert sich für die Kosten der Baugrube

oder der Gründung.

Weiterhin wird wahrscheinlich auf Knopfdruck die ganze Palette

der Kostengruppen angegeben. Für Ein- und Zweifamilienhäuser

werden Punkte für Starkstromanlagen vergeben.

Andere Kostengruppen werden durchgehend nur mit null bewertet

und blähen für den Gutachtenleser die Einordnung unsinnig

auf. Diese an sich gute Methodik der Punktevergabe

muss aus der kostenorientierten Sicht zu einer wertrelevanten

Betrachtungsweise überarbeitet werden. Andere Punktevergaben

verhalten sich wertneutral, da sie in allen drei Qualitätsstufen

die gleiche Zahl haben (Doppel- und Reihenendhäuser,

KG 410). Eine differenzierte Einordnung ist damit nicht möglich.

Die Eingliederung des Bauwerks in die Stufen »einfach« bis

»hoch« ist in Punktsummenspannen vorgegeben. Der Übergang

zwischen den Stufen ist nicht fließend. Hier fehlt eine Anwendungshilfe,

damit nicht ein Punkt über »einfach«, »mittel«

oder »gehoben« und damit über NHK-Sprünge entscheidet. Die

Werte müssen je nach Punktzahl interpoliert werden, um bei

den Baukosten unerklärbare Sprünge zu vermeiden.

RESTWERTE (ANLAGE 5)

Die bisherige Alterswertminderung für Wohnhäuser und die

Berechnung eines fiktiven Baujahrs erschienen dem BKI nach

Gegenüberstellung der verschiedenen Modelle zu kompliziert.

Durch Verschneiden der Funktion der Baujahresklassen mit der

ballistischen Kurve der Alterswertminderung von Ross wies das

BKI nach, dass der Verlauf nahezu linear ist und somit einer linearen

Abschreibung entspricht. Damit schien für das BKI das

Problem von fiktiven Baujahren und Modernisierungen gelöst.

Zur Begründung bemüht das BKI seinen Datenbestand und empirische

Lebensdauern von Bauteilen. Das gesamte Gebäude

wird in nicht erneuerbare Bauteile (Rohbau, Dachstuhl = 50 %)

und erneuerbare Bauteile (nur ca. 50 %) zerlegt. Letztere werden

in bauteilspezifischen Zyklen ständig instand gehalten. Im

Normalfall wird der Restwert des Gebäudes mit den Tabellenwerten

in Anlage 5 linear abgeschrieben.

Hat ein Hausbesitzer sich nicht an die Bauteilzyklen gehalten

und schon frühzeitig direkt vor dem Bewertungsstichtag renoviert,

hat er einfach nur Pech gehabt und einen dummen Stichtag

ausgesucht.

RESTWERT NACH ABLAUF

DER GESAMTNUTZUNGSDAUER (ANLAGE 7)

Nach komplettem Ablauf der Lebensdauer der nicht erneuerbaren

Bauteile ist das Gebäude abgeschrieben. Zwischenzeitliche

Renovierungen verlängern nicht die Restnutzungsdauer

des Objektes, sondern wirken sich nur als verlängerte Gesamtlebensdauer

des Objekts aus. Je nach Erhaltungszustand geht

51

52

53

54

55

56

57

58

59

60

61

62

63

64

65

66

67

68

69

70

71

72

73

74

75

76

77

78

79

80

81

82

83

84

85

86

87

88

89

90

91

92

93

94

95

96

97

98

99

100

IMMOBILIEN

Restwerte nach BKI für Wohngebäude in v. H. des Herstellungswertes

bei unterschiedlicher Gesamtnutzungsdauer und unterschiedlichem Gebäudezustand

GebäudeGesamtnutzungsGesamtnutzungsGesamtnutzungsGesamtnutzungsalterdauerdauerdauerdauer 60 Jahre 70 Jahre 80 Jahre 90 Jahre

- Ø + - Ø + - Ø + - Ø + - Ø +

37 43 50 42 48 54 43 50 56 45 53 58 45 53 58

36 43 50 41 48 53 43 50 55 45 53 58 45 53 58

36 42 49 41 47 53 42 49 55 44 52 57 44 52 57

35 42 49 40 47 52 42 49 54 44 52 57 44 52 57

34 41 49 40 46 52 42 49 54 44 52 57 44 52 57

33 40 49 39 45 51 42 49 54 44 52 57 44 52 57

31 39 49 39 45 51 42 49 54 44 52 57 44 52 56

30 39 50 38 44 50 41 48 53 44 51 56 44 51 56

28 38 50 38 44 50 41 48 53 44 51 56 44 51 55

27 37 50 37 43 49 41 48 53 44 51 56 44 51 55

36 42 48 41 48 53 44 51 56 44 51 55

36 41 48 41 48 52 44 51 55 44 51 55

35 41 47 40 47 52 43 50 55 44 51 54

35 40 47 40 47 51 43 50 54 44 51 54

34 39 46 40 47 51 43 50 54 44 51 54

33 38 45 40 47 51 43 50 54 44 51 54

32 37 44 39 47 51 43 50 53 44 51 54

30 35 43 39 46 50 42 49 53 43 50 53

29 34 42 38 46 50 42 49 52 43 50 53

28 33 41 38 46 50 42 49 52 43 50 53

37 46 50 42 49 52 43 50 53

37 46 49 41 48 51 43 50 53

36 45 49 41 48 51 43 49 52

36 45 48 40 47 50 43 49 52

35 45 48 40 47 50 43 49 52

34 45 47 40 47 50 43 49 52

34 44 47 39 46 49 43 49 52

33 44 46 39 46 49 42 48 51

33 43 46 38 45 48 42 48 51

32 43 45 38 45 48 42 48 51

37 44 47 42 48 51

36 43 46 42 47 50

36 43 46 41 47 50

35 42 45 41 46 49

34 41 44 41 46 49

33 40 43 41 46 49

32 39 42 40 45 48

32 38 42 40 45 48

31 37 41 39 44 47

30 36 40 39 44 47

38 43 46

38 43 46

37 42 45

37 42 45

36 41 44

35 40 43

35 39 43

34 39 42

34 38 42

33 37 41

der Wert des Gebäudes maximal nach 60 Jahren auf null. Da

die Grundsubstanz linear aufgebraucht ist, haben auch die erneuerbaren

Bauteile allein keine Lebenserwartung mehr. Am

Ende der mit 100 Jahren unterstellten Gesamtlebensdauer ist

ausschließlich der Restwert der erneuerten Bauteile mit maximal

50 % des Wohngebäudewerts zu schätzen.

Der Gutachter schätzt frei den Verbrauch der erneuerbaren

Bauteile und legt damit den Zustand und die maximale verlängerte

Gesamtnutzungsdauer fest. Danach schätzt er wiederum

frei die Restnutzungsdauer und zieht diese von der vorher

ermittelten maximalen verlängerten Gesamtlebensdauer ab,

um den Stichtag zu ermitteln.

Mit diesen beiden Parametern (Stichtag und Zustand) darf er

aus der Grafik bzw. dem Tafelwerk der Anlage 7 einen Prozentwert

für den Restwert des Gebäudes entnehmen.

Gesamtnutzungsdauer

100 Jahre

3

430


Anlage 7

Wert

in %

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

431

IMMOBILIEN

Wider besseres Wissen und in Ignoranz zur Lehre wird eine rein

technische, kostenorientierte Bauteillebensdauer bewertet. Die

Tatsache, dass nur Zweit- und Weiterverkäufe zu bewerten sind

und damit die wirtschaftliche Abschreibung am Anfang sehr

hoch ist, spielt keine Rolle. Ebenso wird der wirtschaftliche Wert

am Ende der Gesamtlebensdauer durch den unterstellten Verbrauch

der nicht erneuerbaren Bauteile kostenorientiert begrenzt.

Durch die Annahme der linearen Abschreibung der nicht

erneuerbaren Bauteile muss der Renovierungszustand und damit

der Verbrauch der erneuerbaren Bauteile (VEB) vom Sachverständigen

einzeln beurteilt und nach prozentualen Anteilen

bewertet werden. Die freie Schätzung von Restnutzungsdauer

und Zustand der erneuerbaren Bauteile führt hier zu erheblichen

Bandbreiten. Ein besonderes Problem bilden die denkmalgeschützten

Wohnhäuser.

Die Besitzer von umfassend renovierten Altbauten werden diese

bestechend einfache Methode der Kostenermittlung vor Gericht

als Altpapier deklarieren lassen.

Restwerte von Wohngebäuden nach Ablauf

der Gesamtnutzungsdauer*

3

VEB 40 %

VEB 50 % = Guter Zustand

VEB 60 %

VEB 75 % = Mittlerer Zustand

VEB 80 %

VEB 100 % = Schlechter Zustand

0

5

10

15

20

25

30

35

40

45

50

55

60

65

70

75

80

85

90

95

100

105

110

115

120

125

130

135

140

145

150

155

160

165

* Gebäudezustand in Abhängigkeit vom Verbrauch der erneuerungsfähigen Bauteile [VEB] vor Erneuerung in %

bezogen auf deren Lebensdauer

LD

Dies erfolgt spätestens, wenn die Gutachtenleser im Ertragswertverfahren

eine ganz andere Restnutzungsdauer und ein

fiktives Baujahr zu hinterfragen haben. Die Homogenität und

Vergleichbarkeit der Eingangsdaten zwischen beiden Verfahren

wird gesprengt.

Warum hat man nicht vorher einen Wertermittler gefragt?

MODERNISIERUNGEN

Da jede Instandhaltung auch ein gewisses Maß an Modernisierung

beinhaltet, wird eine Modernisierung nur berücksichtigt,

wenn sie eine werterhöhende neue Maßnahme bildet, wie

z. B. zusätzliche technische Anlagen.

BAUSCHÄDEN (ANLAGE 6)

Die Beseitigung von Schäden an erneuerbaren Bauteilen wird

nach dem Anteil der Baukostentabelle der DIN 276 ermittelt.

Diese bezieht sich jedoch auf einen Neubau. In der Realität

muss durch Sicherungsmaßnahmen wie Gerüstbau, Ausbau von

schadhaften Bauteilen, Entsorgungskosten und Baubehinderungen

im Bestand von erheblich höheren Kosten ausgegangen

werden. Physikalische Daten und Neupreise allein lösen

diese Frage nicht. Ein wenig Sachverstand darf auch sein.

FAZIT

Es ist erstaunlich, dass ein Ministerium den Beteiligten und Betroffenen

eine Testphase von einem Jahr zubilligt und zudem

eine Beratung einräumt. Allerdings wurde hier durch einen

Forschungsbericht so viel an einem Modell verändert, dass auch

sehr hoher Klärungsbedarf entsteht.

Das BKI hat durch die Auswertung seiner Daten einen sehr hohen

Aufwand betrieben und umfassend aktuelle Werte geliefert.

Unter anderem konnten endlich die Normalherstellungskosten

für Reihenhäuser korrigiert werden. Für die Bezugseinheit

wurden die Berechnungshinweise der DIN 277 erläutert.

Bei kleineren Objekten kann es jedoch durch die ausschließliche

Verwendung der BGF zu Fehlbewertungen kommen. Leider sind

die Auswertung der Kosten und die Beschreibung aus der Sicht

von Architekten vorgenommen worden ohne den Hintergrund

der Wertermittlung. Es scheint, dass die Kostendaten vor Eingang

nicht normiert und die Stichprobenmerkmale aus einfachen

Mittelwerten abgeleitet wurden. Ein Vergleich zwischen

den Gebäudearten ist nicht möglich.

Das Modell der Alterswertminderung, die Restnutzungsdauer

und die Modernisierung bei Wohngebäuden wurden aus rein

technischer Sicht bewertet ohne Rücksicht auf parallele Be-

Anlage 6

Schadenswertminderungstabelle für Wohngebäude

Durchschnittliche Kostenanteile der erneuerbaren Bauteile an den NHK in % an Kostengruppe 300 und 400

DIN Kostengruppenbezeichnung Ø einfach Ø mittel Ø hoch

334 Außentüren und -fenster 6,9 7,6 7,4

335 Außenwandbekleidung außen 6,5 6,7 6,3

363 Dachbeläge 4,8 5,4 5,0

352 Deckenbeläge 5,3 5,4 6,2

412 Wasseranlagen 4,3 4,2 5,0

345 Innenwandbekleidungen 4,5 3,9 4,7

341 Tragende Innenwände 3,8 3,6 2,8

337 Elementierte Außenwände 3,2 3,1 2,0

344 Innentüren und -fenster 3,0 2,8 2,1

342 Nichttragende Innenwände 3,6 2,7 1,5

444 Niederspannungsinstallationsanlagen 2,8 2,7 2,5

421 Wärmeerzeugungsanlagen 2,5 2,5 3,4

461 Aufzugsanlagen 0,0 2,5 0,0

423 Raumheizflächen 2,2 2,4 1,0

325 Bodenbeläge 1,9 2,2 2,5

336 Außenwandbekleidungen innen 1,7 2,1 2,9

364 Dachbekleidungen 2,5 2,0 1,8

338 Sonnenschutz 2,0 1,7 2,8

359 Decken, Sonstiges 1,3 1,6 0,8

479 Nutzungsspezifische Anlagen, Sonstiges 1,0 1,4 0,0

339 Außenwände, Sonstiges 1,3 1,2 2,0

371 Allgemeine Einbauten 0,8 1,2 1,0

353 Deckenbekleidungen 1,5 1,2 1,5

362 Dachfenster, Dachöffnungen 1,1 1,1 2,2

349 Innenwände, Sonstiges 0,4 0,7 0,6

326 Bauwerksabdichtungen 0,4 0,6 0,8

327 Drainagen 0,5 0,6 0,4

431 Lüftungsanlagen 0,4 0,6 1,0

456 Gefahrenmelde- und Alarmanlagen 0,1 0,6 2,9

332 Nichttragende Außenwände 0,3 0,5 0,5

369 Dächer, Sonstiges 0,3 0,5 0,3

443 Niederspannungsschaltanlagen 0,5 0,3 0,0

445 Beleuchtungsanlagen 0,3 0,3 1,0

455 Fernseh- und Antennenanlagen 0,2 0,3 0,2

452 Such- und Signalanlagen 0,3 0,3 0,2

372 Besondere Einbauten 0,0 0,0 1,2

346 Elementierte Innenwände 0,6 0,2 0,0

329 Gründung, Sonstiges 0,1 0,2 0,0

413 Gasanlagen 0,0 0,1 0,1

446 Blitzschutz- und Erdungsanlagen 0,1 0,1 0,3

454 Elektroakustische Anlagen 0,1 0,1 0,1

471 Küchentechnische Anlagen 0,0 0,1 0,0

451 Telekommunikationsanlagen 0,1 0,1 0,1

457 Übertragungsnetze 0,0 0,1 0,2

475 Feuerlöschanlagen 0,0 0,0 0,0

379 Baukonstruktive Einbauten, Sonstiges 0,0 0,0 0,4

449 Starkstromanlagen, Sonstiges 0,2 0,0 0,0

459 Fernmelde- und informationstechnische Anlagen 0,0 0,0 0,0

476 Badetechnische Anlagen 0,0 0,0 1,0

478 Entsorgungsanlagen 0,0 0,0 0,0

wertungsverfahren. Eine sehr kritische Auswertung in dieser Testphase

muss erfolgen, um Folgen des Forschungsberichts für die Bewertung

zu erkennen.

Mit Spannung dürfen die ersten rechnerischen Gegenüberstellungen

der Gebäudebewertung erwartet werden. Besonders interessant

dürfte sein, ob die Marktanpassungsfaktoren sich durch die

neuen Werte mehr gegen 1,0 nähern.

Dipl.-Ing. Agnar Boysen

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur,

Sachverständiger (WF) für Grundstücksbewertung

Waldstraße 10 | 21493 Schwarzenbek

Telefon 04151/30 61

BENUTZTE LITERATUR

Wert V

Sprengnetter, Seminar 12 »Die neuen NHK 2005«

Abschlussbericht BKI, Februar 2008

Beste Verarbeitung

Das Leica Qualitätsmanagement

sichert eine Fertigung nach höchsten

Ansprüchen. Die Präzisionsprismen

werden mit einer Genauigkeit von 1“

geschliffen und garantieren hohe

Reichweiten bei bester Genauigkeit.

www.leica-geosystems.de


433

GLOSSAR

..... Ein Jahr später .....

Liebe Mutti,

3

wie geht es Dir? Mir geht es gut!

Ich bin oft an der frischen Luft und

esse nicht so viel Süßigkeiten, so wie

Du gesagt hast ... wirklich. Jetzt habe ich Dir schon so lange

nicht geschrieben, aber ich habe überhaupt gar keine Zeit mehr.

So wie Opa früher, wenn ich mit ihm Sackhüpfen spielen wollte.

Ich habe immer noch den komischen Beruf, wo Du nicht so

genau weißt, was das ist. Onkel Gerd hat mich vorgestern angerufen

und mich gefragt, was ich als Busfahrer so verdiene. Weil, Du hast ihm wohl erzählt,

dass ich jetzt ein ÖPNV, bin. Das hast Du Dir aber nicht richtig gemerkt.

Ich bin doch kein ÖPNV sondern ein ÖbVI! Menno! Mit meinem Freund Jens (Du weißt

schon, der bei meinem letzten Geburtstag nach den elf Bratwürsten so gebrochen

hat) sind wir beide auf einmal ÖbVIs geworden. Das war ganz feierlig. Herr und Frau

Ellgeebee haben uns beide eingeladen zu sich nach Frankfurt in ihr Haus und dann

mussten wir uns hinstellen und schwören (genau so wie bei Liebling Kreuzberg), dass

wir immer ehrlich sind und nicht schummeln. Und dann mussten wir jeder 1.000 Euro

bezahlen. Das war nicht mehr so schön. Danach sind wir dann gleich Bier Brause

trinken gegangen und haben uns gegenseitig die Rechnungen gesiegelt.

Und denn haben wir jetzt auch ein richtiges Büro. Bei Frau Nirgendwo. So

heißt die Frau, die uns bemietet, und sie passt auf, dass wir nicht faulenzen und

uns die Schuhe abtreten, wenn wir von draußen kommen. Manchmal kocht sie uns auch

was zu Essen. Das ist auch gut, weil, wir essen nicht mehr oft.

Als wir dann richtig angefangen haben, habe ich mich mit Jens gezankt, wer

auf dem Schild oben stehen darf, dann habe ich mich mit Jens gezankt, wer welchen

Schreibtisch bekommt, und dann habe ich mich mit Jens gezankt, aber da haben wir

beide vergessen, warum. Und einmal, da hatten wir noch gar kein richtiges Schild

an Frau Nirgendwos Tür, haben uns ganz viele Leute geschrieben, dass sie mit uns

arbeiten wollen. Wir haben uns gefreut und alle eingeladen. Aber als die da waren,

da haben die gesagt, dass wir das bezahlen sollen, was sie arbeiten. Kannst Du

Dir das vorstellen? Siehste?! Wir auch nicht. Und dann sind die alle wieder nach

Hause gegangen. Bis auf eine. Die hat uns irgendwie ausgetrickst und verdient

jetzt mehr als wir.

Ansonsten ist das mit dem ÖbVI-Sein ganz schön kompliziert. Immerzu kommen

irgendwelche Leute und wollen, dass man was kauft. Zeitungen, Computerprogramme,

Versicherungen, Zeitungen über Versicherungen, Zeitungen über Computerprogramme

und Computerprogramme gegen Versicherungen. Und Telefonbucheinträge. Der nette

Herr Müller ist öfter in unserem Büro als wir und verkauft uns pausenlos Telefonbucheinträge.

Das ist ganz schön anstrengend und verwirrend. Ich glaube, Du kannst

uns in Deinem Telefonbuch

jetzt auch

unter „Blumenladen“,

„Zementfabrik“ und

„Atombombenverleih“

finden. In etwa 294

deutschen, belgischen

und ukrainischen Städten.

Unser erster Kunde

wollte von uns gar keine

Vermessung kaufen,

sondern Champignons in

Dosen. Haben wir auch

gemacht, weil Kunde ist

Kunde. Ich weiß bloß

nicht, was ich in die

gesiegelte Verkaufsniederschrift

schreiben

soll. Jedenfalls haben

sich die 5.000 Euro für Herrn Müller noch nicht

gelohnt. Doof ist nur, dass manche Vermessungsbüros noch

viel öfter im Telefonbuch stehen als wir, weil sie auch unter „Werbeagentur“,

„Auktionshaus“ oder „Geschenkartikel“ eingetragen sind.

Ansonsten geht es mir aber ganz gut. Ich bin jetzt auch in einem Verein, der

heißt Bedefaui und der schickt uns jeden Tag fünf E-Mails mit dem Computer und

manchmal auch so eine Zeitung. Aber die lese ich nicht, weil da kein Kreuzworträtsel

drin ist. Oder ein Gewinnspiel. Vielleicht lasse ich mir die Zeitung auch

auszahlen. Als FORUM-Scheck. Dann kann ich mir davon wenigstens im Intershop

Duplos und Matchbox-Autos kaufen.

Als ich Dir vor einem Jahr den Brief geschrieben habe, dass ich anfangen

will, ÖbVI zu sein, haben ganz viele Leute zu Jens und mir gesagt: „Damit geht

ihr baden.“ Und dann haben die dabei ganz ernst oder grimmig gekuckt. Das verstehe

ich nicht. Baden gehen ist doch was Schönes. Haben wir im Frühling auch

schon ein paarmal gemacht. Jens wollte erst nicht so richtig, da habe ich ihn

mit einer Vermessungslatte reingeschubst. Und dann war er auch fröhlich. Manchmal

sagen grimmige Leute schon ganz schön merkwürdige Sachen.

So, ich muss jetzt wieder in unser Büro gehen, weil ich den ganzen Leuten,

die wir jetzt dafür bezahlen, dass sie mit uns arbeiten, sagen muss, wofür genau

wir sie bezahlen wollen und wofür nicht. Und weil ich für Frau Nirgendwo einen

großen Blumentopf vom Hof in die Garage bringen soll. Und wenn ich irgendwann

ein großer ÖbVI bin, dann will ich auch in einer Sänfte durch die Straßen getragen

werden, wie unsere Kollegen, hier in der Stadt. Und dann, Mutti, darfst

Du auch mal in meiner Sänfte mitfahren. Und vielleicht sogar auch mal lenken.

Bis dahin freue ich mich auf Deinen nächsten Brief und verspreche Dir, bis dahin

auch nur ganz wenig zu weinen.

GLOSSAR

FORUM-Redaktion

| Bandow Andreas

Dein Andi

PS: Kannst Du mir auch im nächsten Päckchen wieder ein bisschen was zu

Essen schicken? Frau Nirgendwo fährt nämlich für zwei Wochen zu ihrer Kusine. Dipl.-Ing.

3

434


FORUM FEDERALE :::::: FORUM ANZEIGEFEDERALE

435

GEMEINSAME FACHTAGUNG IN NEURUPPIN

Der Kleine Große Tag

3

F

ast wie ein kleines Jubiläum wurde die diesjährige gemeinsame

Fachtagung der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure und

der Vermessungs- und Katasterverwaltung des Landes Brandenburg be-

gangen. Denn zum nunmehr 15. Mal trafen sich die Vertreter des öffent-

lichen Vermessungswesens, diesmal in der im Norden Brandenburgs ge-

legenen Stadt Neuruppin.

Die würdigende Wahrnehmung

der mittlerweile traditionsbehaftetenVeranstaltung

wurde nicht zuletzt

durch das Grußwort des InnenministersdesLandesBrandenburg,

Jörg Schönbohm,

deutlich. Als junger Armeeoffizier

selbst mit dem Vermessungsgeschäft

betraut

gewesen, lobte Schönbohm

das gegenseitige Verständnis

und die vertrauensvolle Zusammenarbeit

der Vermessungsverwaltung

und des

Freien Berufs. Als zukünftige

und zukunftsträchtige Aufgabe

für den Berufsstand

sah der Minister in seinem

Vortrag die Verknüpfung bereits

vorhandener Daten mit

neuen Systemen.

Doch nicht nur der Innenminister, auch die Vorsitzenden der

BDVI-Landesgruppen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern,

hochrangige Vertreter der Behörden aus

Berlin und Mecklenburg-Vorpommern und der neu gewählte

Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, waren als Gäste zugegen

und wurden von BDVI-Landesgruppenchef Wolfgang Schultz

herzlich willkommen geheißen. Ihre Anwesenheit untermauere,

so Schultz, die Bedeutung des Kleinen Geodätentages als

Forum für das Öffentliche Vermessungswesen auch über die

Landesgrenzen Brandenburgs hinaus.

Im Veranstaltungszentrum Pfarrkirche, einem ehemaligen

Gotteshaus im Herzen Neuruppins, bot sich den zahlreichen

Zuhörern ein interessantes Vortragsprogramm. So berichtete

ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Neuruppin über Korruption

und zog Vergleiche zwischen dem Unterschreiten der

Kostenordnung und Bestechung – ein in der anschließenden

Pause heftig diskutiertes Thema.

Des Weiteren berichtete der Vorsitzende der BDVI-Landesgruppe

Mecklenburg-Vorpommern, ÖbVI Frank Wagner, über die

Situation des Freien Berufs in seinem Bundesland.

Zahlreiche Vertreter des brandenburgischen Ministeriums des

Innern und der Kataster-und Vermessungsämter sprachen zu

verschiedenen neuen Aspekten im amtlichen Vermessungswesen.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr die geplante Einführung

des »Grenzzeugnisses« als Produkt des öffentlichen Vermessungswesens

(nähere Informationen dazu in einem der

nächsten FORUM-Hefte).

Große Beachtung fand ebenfalls der Vortrag des BDVI-Justitiars,

Rechtsanwalt Dr. Rüdiger Holthausen, zum Rechtsdienstleistungsgesetz

und den daraus resultierenden Handlungsspielräumen

eines Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs.

Auch hier zeigte die Resonanz des Publikums, dass diesem Thema

noch öfter Raum zur Erörterung gegeben werden sollte.

Höhepunkt des ersten Veranstaltungstages war die abschließende

Podiumsdiskussion zum Thema »Quo vadis, Freier Beruf?«.

Die Diskutanten waren ÖbVI Ralph Schulze aus Senftenberg,

ÖbVI Michael Peter als stellvertretender Landesgruppenvorsitzender,

BDVI-Präsident ÖbVI Michael Zurhorst und nicht zuletzt

Heinrich Tilly, Präsident des Landesbetriebes für Landesvermessung

und Geobasisinformation Brandenburg (LGB). Neben

Wolfgang Schultz und Manfred Oswald aus dem Ministerium

des Innern war Heinrich Tilly während der gesamten Veranstaltung

auf dem Podium präsent und moderierte weite Teile des

Kleinen Geodätentages im Alleingang mit einer wohltuenden

Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. Zeitüberschreitungen

seitens der Vortragenden wurden ebenso sarkastisch geahndet

wieUnruheimAuditorium.UndwernichtschnellgenugdasWeite

suchte, bekam sofort einen LGB-Kalender mit den schönsten

Klöstern Brandenburgs geschenkt. Auch gerne mit dem Hinweis,

jene bei Verfehlungen mit der Kostenordnung zum Beichten

aufzusuchen. Es war demnach kaum verwunderlich, dass

im Vorfeld der Podiumsdiskussion ausgerechnet der Chef der

Aufsichtsbehörde der lauteste Rufer in der Wüste pro ÖbVI war.

Er stellte u. a. die Frage, wie viel der einzelne ÖbVI sich denn

für »seinen« Berufsstand engagiere – eine provokante Frage,

auf die leider seitens der zum Mitdiskutieren eingeladenen Zuhörer

kaum etwas entgegnet wurde.

Michael Zurhorst mahnte als BDVI-Präsident an, »die Berufskerne

zukunftsfähig zu machen« (s. a. Seite 397 ff.) und den

Berufsstand nicht nur zu bewerben, sondern auch würdig

darzustellen. Als ÖbVI sei man dem Allgemeinwohl verpflichtet.

Und ebendieses Allgemeinwohl sei bei der täglichen Arbeit

auch zu hinterfragen, so Zurhorst.

Als Vertreter der Landesgruppe führte ÖbVI Michael Peter die

durchschnittliche Bürogröße im Gegensatz zu allzu visionären

Zielen ins Feld. Mit durchschnittlich vier Mitarbeitern pro ÖbVI

sei es »für manchen ÖbVI schwierig, alle Felder, wie z. B. GIS,

Wertermittlung und dergleichen zu bedienen.« Die allgemeinen

wirtschaftlichen Bedingungen ständen dem entgegen.

Am zweiten Veranstaltungstag folgten dann der Bericht der

Aufsichtsbehörde, eine Sachstandsmeldung zum Baurecht und

ein Zwischenstand in Sachen LiKa-Online.

Den eigentlichen Charakter des Kleinen Geodätentags machten

jedoch, wie vermutlich auch in den vorangegangenen 14 Jahren,

nicht die Inhalte der Vorträge und Podiumsdiskussionen

oder das offen ausgefochtene Miniaturscharmützel über Nichtigkeiten

aus, sondern die große Gemeinsamkeit. Offen demonstriert

auf dem Podium und gelebt in den Pausen und bei

der gemeinsamen Abendveranstaltung auf der Terrasse des Seehotels.

Und wenn ein seit drei Tagen zugelassener ÖbVI mit der

Dezernentin für die ÖbVI-Aufsicht und dem BDVI-Justitiar beim

Bier im Gespräch war, so war das, und das sei wirklich der Idee

des Kleinen Geodätentags geschuldet, kein Gespräch über Entschädigungen,

Arbeitsrecht oder Klagen gegen oder für die Verwaltung

und dergleichen, sondern vielleicht einfach ein Gespräch

über Fußball oder das Wetter. Kleine Themen für ein

großes Miteinander. Der gelebte, beschimpfte und insgeheim

wahrscheinlich von den anderen Bundesländern auch beneidete

Brandenburger Kuschelkurs eben.

Und genau in diesem Zusammenhang greift dann auch das

Zitat aus dem Grußwort des Innenministers:

»15 Jahre Kleiner Geodätentag? Was soll das?

Für Brandenburg ist es der Große Geodätentag!«

Andreas Bandow | FORUM-Redaktion

3

436


FORUM FEDERALE

Ein Ende nach 469 Jahren?

Die Abmarkungspflicht in Thüringen

437

FRANK REICHERT | COTTBUS

Immer wieder wird die Frage nach dem Zweck und Nutzen einer Abmarkungspflicht gestellt.

Ein in dieser Diskussion vielfach bemühtes Argument ist, dass Grundstücksgrenzen infolge der

technischen Entwicklung heute auch ohne sichtbare Kennzeichnung jederzeit zuverlässig bestimmt

werden können. Solchen Einwänden ist jedoch entgegenzuhalten, dass eine möglichst dauerhafte

Abmarkung dem Eigentümer jeweils zuverlässig anzeigt, wie weit sich sein Recht an Grund und

Boden erstreckt. Sichtbare Grenzzeichen tragen wesentlich zur störungsfreien Besitzausübung und

damit zur Sicherung des Grenzfriedens bei. Die Kennzeichnung der Grenzen in einem gesetzlich

geregelten Verfahren liegt somit nicht nur im Interesse des Eigentümers, sondern dient dem Rechts-

frieden und damit den Interessen der Allgemeinheit.

Wie in anderen Bundesländern auch, sind deshalb in Thüringen

die Grundeigentümer verpflichtet, bei einer Vermessung

ihrer Grundstücke die Grenzen dauerhaft kenntlich machen

zu lassen. Im Thüringer Gesetz über die Abmarkung der Grundstücke

vom 7. August 1991 ist das Verfahren öffentlich-rechtlich

normiert. Gemäß § 5 entsteht die gesetzliche Pflicht zur

Abmarkung immer dann, wenn Grundstücksgrenzen nicht ausreichend

durch Grenzzeichen abgemarkt sind sowie ein entsprechender

Anlass gegeben ist. Diesen Anlass sieht das Gesetz

3

regelmäßig gegeben, wenn Grenzen auf Antrag ermittelt oder

festgestellt werden bzw. durch Neubildung von Grundstücken

entstehen.

Mit dieser Regelung der Abmarkungspflicht knüpft das Gesetz

inhaltlich an die ursprüngliche Rechtslage des 1920 gebildeten

Landes Thüringen an, in dessen Abmarkungsordnung vom

1. September 1930 es in § 2 schon hieß: »Abmarkung muß stattfinden,

wenn bisherige Grenzen, die bestehen bleiben, fest-

gestellt werden oder neue Grenzen entstehen, also besonders

bei Neumessungen, bei Grundstückszusammenlegungen

und bei Einzelmessungen, die eine Formveränderung

an einem Grundstücke zum Ziele haben, sowie

bei Messungen, die lediglich auf die Feststellung

von Grenzen abzielen. Außerdem müssen alle in einer

vollstreckbaren gerichtlichen Entscheidung oder einem

sonstigen vollstreckbaren Titel ermittelten, festgesetzten

oder vereinbarten Grenzen im Wege der Abmarkung

vermarkt werden.« Mit dem Erlass dieser Abmarkungsordnung,

die mit Gesetz vom 14. Februar 1931 förmlich

in den Rang eines Gesetzes erhoben wurde, war

Thüringen den Empfehlungen des Beirats für Vermessungswesen

von 1923 gefolgt, eine entsprechende Verpflichtung

landesrechtlich zu verordnen.

Ein reichliches Dreivierteljahrhundert später ist nun im

Gegensatz zur damaligen Situation ein Trend zur Lockerung

der Abmarkungspflicht zu beobachten. In einigen

Bundesländern ist der Gesetzgeber sogar dazu übergegangen,

auf eine Abmarkung von Grundstücksgrenzen

gänzlich zu verzichten. Es gibt aber auch Länder, die

in ihren kürzlich erfolgten Novellierungen der Vermessungsgesetze

an der generellen Abmarkungspflicht

festhalten. So ist im Sächsischen Vermessungs- und

Geobasisinformationsgesetz vom 29. Januar 2008 die

Abmarkung weiterhin verpflichtend verankert und auch

im Saarland wurde mit der Änderung des Vermessungsund

Katastergesetzes vom 21. November 2007 die Abmarkung

als Regelfall beibehalten.

Im Freistaat Thüringen hingegen plant man nach dem

Vorbild des Nachbarlandes Hessen, die Abmarkung vollständig

in das Ermessen der Antragsteller zu geben.

Der Gesetzentwurf der Landesregierung für das Thüringer

Vermessungs- und Geoinformationsgesetz vom

25. Juni 2008 (Drucksache 4/4248) sieht zu den Grundsätzen

der Abmarkung in § 14 lediglich noch eine Legaldefinition

vor: »Grenzpunkte werden auf Antrag dauerhaft

durch Grenzmarken abgemarkt (Abmarkung).« Die

zugehörige Begründung führt aus, dass es in Zukunft

dem mündigen Bürger überlassen bleiben könne, aus

freien Stücken zusätzlich zur Grenzfeststellung oder Grenzwiederherstellung

auch die Abmarkung der Grenzpunkte zu

beantragen, um beispielsweise den nachbarlichen Grenzfrieden

zu sichern.

Wenn dieser Entwurf wie vorgesehen umgesetzt wird, würde

dies das Ende einer jahrhundertealten Rechtstradition bedeuten.

Und das ausgerechnet in jenem Land, das die längste Tradition

der öffentlich-rechtlichen Abmarkungspflicht im deutschsprachigen

Raum vorweisen kann.

FORUM FEDERALE

Die nach derzeitigem Wissensstand älteste gesetzliche Verpflichtung

zur Abmarkung von Grundstücksgrenzen findet sich

in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in der südthüringischfränkischen

Grafschaft Henneberg, die ein großes Gebiet im

Westen des Thüringer Waldes sowie den größten Teil der thüringischen

Rhön umfasste.

Im Zuge der allgemeinen Intensivierung der landesfürstlichen

Gesetzgebung im 16. Jahrhundert war hier am 1. Januar 1539

eine eigene Landesordnung offiziell eingeführt worden. Im Ein-

3

438


FORUM FEDERALE

439

gangsprotokoll betonte Wilhelm IV. von Henneberg-Schleusingen

(1478–1559) sein Bemühen, das herkömmliche Recht zu

erfassen und zu ordnen. Da das einheimische Recht nicht genug

bekannt sei, hatte er seinen Kanzler und Rat Dr. Johann Gemel

(1503 – nach 1556) beauftragt, »LandRecht und gewonheiten

in eine gewiese ordnung zu bringen und zusammen zu tragen«.

Die Kodifikation mit dem Titel »Der Fürstlichen Graffschafft

Hennenbergk LandsOrdnung« behandelt in acht Büchern die

unterschiedlichsten Rechtsmaterien. Im Wesentlichen enthält

die Landesordnung Bestimmungen über Gerichtsverfassung,

Zivil- und Strafprozess, Privatrecht, Wirtschaftsrecht, Straf-

3

und Staatsrecht sowie das damalige Gebiet der so

genannten »guten Policey«. Dabei dominieren diejenigen

rechtlichen Sachverhalte, die nach den zeitgenössischen

Anschauungen das öffentliche Interesse berührten

oder eine behördliche Mitwirkung erforderten.

Das dritte Buch der hennebergischen Landesordnung

handelt hauptsächlich von Ehe, Vormundschaft sowie

Erbrecht. Im Zusammenhang mit der Erbteilung widmet

es sich ausführlich den Fragen der Abmarkung von

Grundstücksgrenzen. Unter der Kapitelüberschrift »Wie

die Erbgüter abgetheilt sollen werden« (Buch 3, Tit. 5,

Kap. 1) wird die Teilung der Nachlassgegenstände zwischen

den erbberechtigten »Gebrüdern oder Schwestern«

ausführlich geregelt. Dabei wird nach dem traditionellen

fränkischen Realerbteilungsrecht verfahren,

wonach jeder Erbe grundsätzlich das gleiche Erbrecht

genießt. Landbesitz wird dabei aus der gesamten

Hand in die Individualrechtssphäre der einzelnen Erbberechtigten

überführt, indem »einem jeden sein teil

für sein frey eigen Gut zugestellt wird«.

Diese Realteilung, im Text »gründliche abtheilung« genannt,

war nicht in das alleinige Ermessen der Grundeigentümer

gestellt. Die Landesordnung traf dazu umfassende

Regelungen. So sahen die Bestimmungen vor,

dass die als »vier geschworne Steinsetzer« bezeichneten

Feldgeschworenen zur Durchführung und Umsetzung

der Grundstücksteilung herangezogen werden mussten.

Diese vier Feldgeschworenen fungierten als eine Art

bäuerliches bzw. städtisches Eigengericht und waren

neben der hier normierten Funktion oft auch für die

Schlichtung von Grenzstreitigkeiten zuständig. Regelungen

über ihre Wahl, Amtszeit oder Eidesleistung traf

die Landesordnung nicht. Vielmehr setzte sie voraus,

dass auf lokaler Ebene bereits ein solches Gremium

etabliert war. Damit wird deutlich, dass die Landesordnung

in ihren Bestimmungen zum »Vermessungsrecht«

das schon vordem in der Grafschaft Henneberg

in Geltung gewesene Gewohnheitsrecht wiedergibt

und einheimische Gewohnheiten berücksichtigt.

Neben den Feldgeschworenen war die Hinzuziehung der Grundstücksnachbarn

und, sofern es sich um ein Erb- oder Lehngut

handelte, auch des Erb- oder Grundherrn zwingend erforderlich.

Die Landesordnung erwähnt ausdrücklich, dass dies »von

wegen ihres Interesse« geschehen sollte. Bei näherer Betrachtung

erweist sich die bis heute selbstverständliche Regelung

als Fortbildung des überlieferten gemeinen Rechts. Bereits im

mehr als 300 Jahre älteren Sachsenspiegel war bestimmt: »Wer

malboume oder marksteine seczsit, der sal den da bi haben,

der ander sit lant da bi hat« (Landrecht 2, Kap. 50).

Ganz und gar neu hingegen war das in der hennebergischen

Landesordnung von 1539 erstmals begründete Gebot, im Zuge

einer Grundstücksteilung die Grenzen nach außen hin sichtbar

zu machen. Die Abmarkungspflicht bestimmte, dass die

Teilungsgrenzen durch »die geschwornen Steinsetzer mit einem

Marckstein […] versteint werden« mussten. Die Art und

Weise der Abmarkung blieb dabei dem ortsüblichen Gebrauch

überlassen und konnte »wie von alters her oder sonsten kündlich«

geschehen.

Ausgehend von der Regelung des spezifischen Sonderfalls einer

Grundstücks- bzw. Erbteilung statuiert das anschließende

Kapitel (Buch 3, Tit. 5, Kap. 2) eine weit darüber hinausgehende

generelle Abmarkungspflicht: Bei allen Grundstücken, die mit

»unwissenheit untereinander vermengt« waren und keine »kündliche

abmarckung« hatten, sollte »eine gründliche versteinung

und vermarckung« vorgenommen werden. Dabei sollten nicht

nur die jeweiligen geschworenen Steinsetzer und Grundstücksnachbarn,

sondern auch die Richter und Schöffen der regionalen

Gerichte beteiligt werden.

Anlass für dieses aktive Einmischen in die Belange der Untertanen

war die Erkenntnis, dass nichtgesicherte Eigentumsgrenzen

im Laufe der Zeit Veränderungen

erfahren und deshalb häufig Rechtsunsicherheit,

Streit oder Übergriffe auf fremdes Eigentum zur

Folge haben. Die bemängelten Zustände »vielfeltiger

gebrechen« sollten wieder zu rechter Ordnung geführt

werden, damit in Zukunft keinem mehr in »gefehrlicher

weise vor dem andern das seine genommen

oder entzogen« wird. Der Landesherr demonstrierte

so seine Vorsorge für Gemeinwohl und gute

Ordnung. Gleichzeitig ließ sich das angestrebte

Regelungsziel mit den gemeinsamen Interessen von

Obrigkeit und Bevölkerung an der Erhaltung und Förderung

des Grenzfriedens legitimieren.

Im Zusammenhang mit den staatlich angeordneten

präventiven Maßnahmen steht die Frage der Sanktionierung

von Eigentumsverletzungen. Die Landesordnung

sah für das Übertreten der »versteinten«

Grenze z. B. bei der Feldbestellung und Ernte eine

Geldstrafe vor. Ein genaues Strafmaß war nicht festgelegt;

die Geldbuße sollte sich »nach gestalt der

sachen« richten. Wer aber ein Grenzzeichen in böser

Absicht entfernte, machte sich eines schweren Kriminalvergehens

schuldig. Die Landesordnung drohte

für diesen Friedensbruch Leibesstrafen an: »Wo aber

einer dem andern solche vermarckte Stein und Rein

gefehrlichen ausgrübe unnd zerisse, der sol an Leib,

Ehr und Gut, nach grösse und eigenschafft des Guts

ernstlichen gestrafft werden.«

FORUM FEDERALE

Auch 469 Jahre nach der Publikation der Landesordnung

kommt der Grenzabmarkung noch immer eine hohe Bedeutung

zu. Der über Jahrhunderte bewährte Abmarkungsgrundsatz

hat für die Eigentümer von Grundstücken stets die Sicherung

ihrer Eigentumsrechte in der Örtlichkeit erheblich erleichtert.

Auch das spezifische öffentliche Interesse an der

Verhinderung von Grenzstreitigkeiten und der Erhaltung des

Grenzfriedens besteht noch unverändert. Trotz moderner Messmethoden

und kontinuierlicher Qualitäts- und Genauigkeitsverbesserung

des Liegenschaftskatasters besteht keine Veranlassung,

auf den Abmarkungsgrundsatz zu verzichten. Der

Staat würde sich lediglich aus seiner ordnenden Verantwortung

zurückziehen, ohne dass dies für den Bürger zu einer vertretbaren

Verwaltungsoptimierung oder tatsächlichen Kostensenkung

führt. Allenfalls würde die Eigenverantwortlichkeit der

Grundstückseigentümer gestärkt – doch um welchen Preis?

Dipl.-Ing. Frank Reichert

Geschäftsstelle BDVI Brandenburg

Madlower Hauptstraße 7 | 03050 Cottbus

E-Mail reichert@bdvi-brandenburg.de


441

FORUM FUNDUS

Abbildung 1

Abbildung 2

Eine clevere Lösung!?

In der vergangenen Woche erschien der Eigentümer

des Flurstücks 202 bei mir im Büro und bat um

eine Beratung. Er hatte ein Gebäude auf seinem Grundstück

errichtet, welches eingemessen werden musste.

Bei dieser Gelegenheit wollte er auch einen kleinen

Streifen des Nachbargrundstücks, den er be reits nutzte,

erwerben (Abb.1).

Nachdem das Verfahren besprochen war und das Thema Kos -

ten auf den Tisch kam, machte der Kunde den Vorschlag, den

neuen Grenzstein im Süden doch nicht in die Grenze zu setzen,

sondern einen Abstand von 2–5 cm zu halten und von

diesem Knickpunkt die Grenze auf den alten Grenzstein laufen

zu lassen (Abb. 2).

3

Oder doch eher die Axt am Berufsstand?

Dies sei doch eine clevere Lösung, weil dann der vermessungs -

technische Aufwand geringer sei und die südliche Grenze ge -

bührentechnisch nicht in Ansatz gebracht werden müsse. Un -

glücklicherweise ist diese Grenze auch noch geringfügig über

50 m lang, so dass sich nach dem Gebührentarif in NRW die

Grenz längengebühr verdoppelt. Dieser Vorschlag, von einem ver -

messungstechnischen Laien kommend, hat bei mir eine gewisse

Verwunderung ausgelöst. Es beschlich mich das Gefühl, dass

ein Kollege eine bravouröse Beratungsleistung vollbracht hatte.

Um es gleich zu sagen: Mein Bauchgefühl hat mich nicht

getäuscht!

Ein Nachfragen ergab dann, dass dieser »Trick« tatsächlich von

einem »Kollegen« stammte, der dem ratsuchenden Grundstückserwerber

diese irrwitzige Grenzziehung nahegelegt hatte.

Wir haben selbstverständlich eine Beratungspflicht, die beinhaltet,

dass die für den Antragsteller wirtschaftlichste Lösung

gesucht und empfohlen wird. Dabei darf aber nicht aus den

Augen verloren werden, dass der Verlauf von Eigentumsgrenzen

für alle Beteiligten von nachhaltiger Bedeutung ist. Da ist

die billigste Lösung nicht unbedingt die wirtschaftlichste.

In der Berufsordnung NRW heißt es über die Öffentlich be -

stellten Vermessungsingenieure (§ 9):

… In Ausübung ihres Berufs muß ihr Verhalten

der Achtung und dem Vertrauen entsprechen, die

dem Beruf entgegengebracht werden …

Ich habe erhebliche Zweifel, ob das oben geschilderte Bera tungsverhalten

des Kollegen dazu beiträgt, die Achtung und das Vertrauen

gegenüber unserem Beruf und gegenüber dem ge sam -

ten amtlichen Vermessungswesen zu erhalten, ge schwei ge denn

aufzubauen. Diese Beratung ist im höchsten Grade unpro -

fessionell. Sie hat mit Berufsethik nichts zu tun und gibt den

Berufsstand der Lächerlichkeit preis.

Die ethischen Grundsätze unseres Berufes (Standes regeln) ge -

ben die Richtung für verantwortungsvolles Handeln. Sie sollten

verinnerlicht werden, bevor man den Beruf ergreift.

Dipl.-Ing. Rudolf Wehmeyer

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur

Grevener Straße 75 | 48159 Münster

E-Mail info@vermessungsbuero-wehmeyer.de

ZEIT-

MANAGE-

MENT

FORUM FUNDUS

Schon wieder

mel det Outlook eine neue E-Mail.

Ich bin mitten in einer schwierigen Kontrolle!

Sollte ich trotzdem schnell einen Blick auf den »Be treff«

werfen? Aber da steht ja gar nichts: Wie unhöflich! Der Absender

klingt seriös, aber wie oft mischt sich trotz Spam-Filter ungebetene

Post unter. Eine ganz typische Situation des Alltags.

Im Büro muss klar geregelt sein, wo die neuen E-Mails landen und wer sie verteilt.

Auch eine Abwesenheits- bzw. (gerade jetzt) Urlaubs vertretung muss klar sein. Wer sich

den Luxus erlaubt, nur zweimal am Tag seine E-Mails zu sichten, muss schon eine sehr

gute Zeiteinteilung haben, um zurechtzukommen. Da lobe ich mir die gute, alte Postmappe,

die vormittags die Bundespost und nachmittags die PIN-Post enthält. Man kann sich auf eine

Sache konzentrieren und die Mappe schnell abarbeiten – wenn da nicht noch das Telefon

wäre. Oder schlimmer noch: das Mobiltelefon und der Festnetzanschluss. Muss ich eigentlich

ständig für jeden mobil erreichbar sein? Ich sitze doch sowieso überwiegend an meinem Fest -

netzanschluss, den ich auch oft benutze. Wenn dann noch das Mobiltelefon klingelt, stört

es einfach nur. Der Kunde ist zwar König, aber oftmals habe ich nicht die gleichen Informationen

wie der Projektbearbeiter und dem Kunden wäre viel mehr geholfen, würde er

gleich über Festnetz mit dem Projektbearbeiter sprechen. Eine telefonische Verbindung

von Mobil- zu Festnetz scheitert außerdem häufig an der technischen Ausstattung.

Fazit: Für mein besseres Zeitmanagement ist die Organisation von Kommunikationswegen

via Telefon, Mail und Analogpost sehr wichtig. Auf jeden

Fall vorteilhaft, wenn dem Kunden die direkte E-Mail oder

Durchwahl des Projektbearbeiters bekannt ist.

Dipl.-Ing. Claudia Zimmermann

FORUM-Redaktion

Presseinformation | 18. Juli 2008

Finanzwelt erschüttert! Banken in der Krise!

Hypotheken nicht gesichert!

B

einahe täglich sind diese Schlagzeilen

zu lesen. Eine solide Immobilienwerter -

mitt lung und ausgereifte Eigentums siche -

rungs systeme hingegen schützen das Eigentum

an Grund und Boden und bilden somit

die Basis für gesunde Volks wirt schaften.

Auf der INTERGEO in Bremen, Weltleitmesse und

Kongress für Geodä sie, Geoinformation und

Land management, bilden die aktuellen Themen

der Immobilienwertermittlung, die Fragen zur

Neuausrichtung der deut schen Bodenpolitik in

einer sich wandelnden Gesellschaft und die mo -

der ne Entwicklung des Eigentumskatasters zu

einem elementaren Bau stein von E-Government

einen klaren Schwerpunkt. Wer planen, bauen

und neu ordnen will, benötigt genau diese Ele -

mente als unver zichtbare Grundlagen. Dies gilt

für Projektentwickler, kommunale Planer und

Politiker ebenso wie für Grundeigentümer, Versicherer

und Ban ken. Im Kongress der INTER-

GEO werden aktuelle Fragen zu diesen Themen

diskutiert, ent spre chende Methoden und Werk -

zeuge vor ge stellt. Es werden Fragestellungen

behandelt wie: »Welchen Einfluss hat der

demo graphische Wandel auf die Immobilienwerte?«,

»Wie wird sich die Neu fassung der

Wert ermittlungs ver ord nung aus wirken?« und

»Welchen Nutzen bringt der Grundstücksmarkt

bericht Deutschland?«. Die Fach messe bietet

ein breites Spektrum von Lösungsangeboten –

Hard- und Soft ware –, die sich mit Projekten

des Immobi lien mana ge ments, der Grundstücksbewertung

und der pla ne ri schen Neuausrich-

tung unserer Umwelt aus ein an der setzen. Krea -

tive Aussteller und interes sierte Fach besucher

sind das be stimmende und be lebende Element

des Markt platzes INTERGEO.

Die INTERGEO 2008 findet vom 30. September

bis 2. Oktober 2008 in Bremen statt. Weitere

In formationen unter www.intergeo.de. Veranstalter

der INTERGEO ist der DVW e. V. –

Deutscher Verein für Vermessungswesen.

Pressekontakt

HINTE Marketing & Media GmbH

Hannah Steffen

Fon +49 (0)721/83 14 24-460

E-Mail hsteffen@hinte-marketing.de

3

442

Aus dem Alltag eines ÖbVI


FORUM FEDERALE

443

Lockere Landpartie

per Motorrad!

Wer in Berlin oder Brandenburg mit Vermessung in Verwaltung oder freier Wirtschaft zu tun hat, war zu dieser

Tour eingeladen. Die rund 230 km lange Tour fand statt am Samstag, dem 7. Juni 2008. Sie führte 23 Teilnehmer

vom Südosten Berlins in das Spree-Dahme-Seengebiet.

Das Wetter war perfekt und die Organisation von Friedhelm Olthuis und

dem Organisationsteam war es auch. Sowohl die Teilnehmer als auch

die Motorräder kamen aus allen Bereichen – wie bereits in der Einladung

skizziert: »egal, ob jung, alt, ob langsam oder schnell unterwegs«.

In den gut verteilten Pausen drehten sich natürlich viele Gespräche

um die Vermessung; neue Verbindungen wurden geknüpft, alte aufgefrischt.

In einem Hotel in Schmöckwitz klang der Tag bei Gegrilltem und Live-

Musik am See aus.

So eine Tour war bereits seit Jahren angedacht. Nun hat sie endlich stattgefunden

und war so gut gelungen, dass sofort für das nächste Jahr am ersten Samstag

im Juni (6. Juni 2009) eine Wiederholung mit hoffentlich noch mehr Teilneh -

mern geplant ist. Weitere Infos unter www.motorradtour.comgeo.de.

Dipl.-Ing. Claudia Zimmermann | FORUM-Redaktion

3

MINISTERIUM FÜR INFRASTRUKTUR UND

RAUMORDNUNG | INNENMINISTERIUM (HRSG.)

UND OBERER GUTACHTERAUSSCHUSS DES LANDES

BRANDENBURG

PRAXISHILFE

Bodenwerterhöhungen und Ausgleichs-

beträge in Sanierungsgebieten

Landesvermessung und Geobasisinformation

Brandenburg, 2008

100 Seiten

Im Mai dieses Jahres veröffentlichte das Ministerium für In -

fra struktur und Raumordnung des Landes Brandenburg die

Praxis hilfe »Bodenwerterhöhungen und Ausgleichsbeträge in

Sa nierungsgebieten« (Bearbeitung Walter Schwenk und Christian

Wieck). Nun besteht wahrlich ebenso wenig ein Mangel

an Fach literatur und juristischen Kommentaren zu den Rege -

lungen des besonderen Städtebaurechts des Baugesetzbuches

wie an behördlichen Vorschriften zur Ermittlung und Festsetzung

der Ausgleichsbeträge für sanie rungs bedingte Boden -

werter hö h ungen. Warum und für wen also eine Praxishilfe?

»Mit dem Titel ›Praxishilfe‹ wird der Anspruch deutlich, alle

Beteiligten anhand der konkreten Bedingungen im Land Brandenburg

in der praktischen Umsetzung der besonderen sa -

nierungs rechtlichen Vorschriften zu unterstützen«, heißt es im

Vorwort von Jörg Schönbohm und Reinhold Dellmann. Nach

der Lektüre des Werkes ist man geneigt, den Herren Recht zu

geben. Den Autoren ist es gelungen, die komplexen Sachverhalte

verständlich und komprimiert darzustellen, ohne die not -

wendige inhaltliche Tiefe vermissen zu lassen.

Der besondere Praxisbezug ergibt sich aus der Einbeziehung

von Vertretern der Ministerien, Gemeinden, Sanierungsträgern

und Gutachterausschüssen für Grundstückswerte bei der Erarbei

tung der Praxishilfe. Dadurch konnte bei der Darstellung

des Ablaufs einer Sanierungsmaßnahme ganz gezielt auf in der

täglichen Arbeit auftretende Probleme und Schwierigkeiten

eingegangen werden, was die vorliegende Praxishilfe von den

bislang vorhandenen Fachveröffentlichungen abhebt.

Hervorzuheben ist des Weiteren, dass auch weniger geläufige

Regelungen wie der zum 1. Januar 2007 eingeführten Mög -

lichkeit zur Abschöpfung des Erschließungsaufwandes anstatt

der Bodenwerterhöhung nach

§ 154 Abs. 2a BauGB oder der Sa -

nierungsumlegung ange messener

Raum gegeben wird. Die Verwen -

dung von Graphiken, Diagrammen

und Berechnungs bei spielen

trägt zur Verständ lich keit der Aus -

führungen bei.

BÜCHER

Abgerundet wird die Praxishilfe

von einem umfangreichen Anhang,

der neben Glossar, Literaturund

Stichwortverzeichnis auch

Beispiele für Ausgleichsbetragsbescheide,

Ablösevereinbarungen

und weitere Schriftsätze bietet.

Letztere dürften vor allem für Grundstückseigentümer im Be -

reich von Sanierungsmaßnahmen von Interesse sein. Zudem

werden Grundstücks sachverständigen Hinweise und Vor schläge

zu benötigten Unterlagen für die Ermittlung von Bodenwerten

sowie zum Inhalt und Aufbau von Gut achten an die Hand ge -

geben.

Bei so viel Licht gibt es natürlich auch etwas Schatten. So werden

der in der Praxis immer wieder auftretenden Überlagerung

von Sanierungsmaßnahmen mit anderen städtebaulichen Instrumenten

lediglich zwei Seiten eingeräumt. Im Vergleich zu

anderen behandelten Themen sind die Erklärungen bei diesem

oft sehr komplexen Sachverhalt relativ knapp ausgefallen. Auch

ein Berechnungsbeispiel wäre an dieser Stelle sicherlich sinn -

voll gewesen.

Insgesamt ist den Autoren mit der vorliegenden Praxishilfe jedoch

ein hilfreiches und kompaktes Werk gelungen, dass so wohl

die Arbeit von Behörden und Sachverständigen erleich tern wie

auch für viele Ausgleichsbetragspflichtige einen wichtigen Ratgeber

darstellen kann.

Stephan Zahn | Berlin

Die Broschüre steht als Download unter

www.gutachterausschuss-bb.de/OGAA/pdf/Broschur_

Praxis hilfe_2008.pdf

zur Verfügung bzw. kann kostenlos von der Geschäftsstelle

des Oberen Gutachterausschusses unter folgender Kontakt -

adresse bezogen werden:

Oberer Gutachterausschuss für Grundstückswerte

Geschäftsstelle

Postfach 1674

15206 Frankfurt (Oder)

Telefon 0335/558 25 20

E-Mail oberer.gutachterausschuss@geobasis-bb.de

3

444


445

BÜCHER

GABRIELE BOBKA (HRSG.)

SPEZIALIMMOBILIEN VON A-Z

3

Bundesanzeiger Verlag, 2007

598 Seiten

ISBN 978-3-89817-630-9

Das Buch ist schon eine Zeit lang am Markt und liegt in unserem

Büro zum »gefälligen Gebrauch« aus. Wir können

es uns also sparen, das Werk akademisch zu rezensieren, wir dürfen

bereits die Frage wagen: Finden die Bewertungen, Mo delle,

Benchmarks und Beispiele in (unserer) Praxis Anwendung?

Dafür spricht, dass sich unter den Autoren auch die üblichen

Verdächtigen in dem Buch tummeln: Praktiker der Wertermitt -

lung, die alle über ihre besonderen Anwendungsschwerpunkte

berichten. Allein die Sammlung verschiedener Anwendungs -

felder in einem Werk ist schon hilfreich (das Buch von Vogels

über »Grundstücks- und Gebäudebewertung, marktgerecht«

aus dem Jahre 1972 war in unserem Büro jahrzehntelang der

Renner).

Das beginnt mit Freizeitimmobilien, dem Gastgewerbe und Ge -

sundheitszentren, setzt sich mit Handels- und Hotelimmobilien

fort, streift Industrieliegenschaften, vertieft infrastruktur -

bezogene Immobilien und stellt schließlich auch Immobilien

mit Logistik-, Kirchen-, öffentlicher Nutzung, sogar Seniorennut

zung und schließlich weitere Sondernutzungsformen vor.

Ein bisschen viel? Die Messlatte der Herausgeberin liegt hoch:

Die Spezialimmobilien sollen von A–Z behandelt werden, will

sagen, dem Anwender soll das weite Anwendungsspektrum der

(überwiegend) Gewerbeimmobilien vorgestellt werden. Natürlich

ist das Buch für die gesamte Immobilienwirtschaft konzi -

piert.

»Es wendet sich sowohl an Sachverständige, bei denen die Vertiefung

und Erweiterung ihrer Fachkenntnisse im Vordergrund

steht, als auch an Praktiker, die sich partiell über die Besonderheiten

und neuesten Entwicklungen einzelner Spezialimmobilien

informieren wollen.«

Also schlagen wir auf: Bewertung von Autohäusern. Unsere

Anfrage betrifft die bewertungsrelevanten Merkmale dieser

Branche. Wie kann man Autohäuser vergleichbar machen? Die

Branche gibt darüber keine Auskunft. Obwohl eine Moment -

aufnahme, gibt der Bei trag von Frank Pfaff wertvolle Aus kunft

über die Grundstruktur von Autohäusern. Das Ertrags wert -

verfahren wird be schrie ben, es werden Orientierungen zu den

Bewirtschaftungskosten und zum Liegenschaftszins gegeben.

Und der Verfasser führt den wichtigen Aspekt der Drittverwen -

dungsfähigkeit an.

Fa zit: verwendbar.

Matthias Schröder gibt einen

Abriss über die Bewertung von

Hotels – Immobilien mit Zu -

kunft. Wohl wissend, dass es

in dieser Branche im Bewertungsfall

nicht mit ungefäh -

rem Wissen getan ist, bedeu -

tet es eine Hilfe, sich kompakt

informieren zu können. Das

Bei spiel belegt die Praxisnähe

seiner Aussagen.

Und ein dritter Blick: Die Wert -

ermittlung von Kirchen im mo -

bilien. Ist die Umnutzung von

kirchlich genutzten Räumen

nur ein Phä nomen unserer Zeit,

zudem regional begrenzt? Ga -

briele Bobka klärt – man ist versucht zu sagen: umfassend –

auf über die Säkularisierung des kirchlichen Umfeldes.

Die in Folge zu neh mend problematische Finanzsituation der

Kirchen führt zu Überlegungen über eine Mehr fach- oder so -

gar Umnutzung der Kirchen. Der Wertermittler hat sich zu nehmend

mit Rendi teaspekten auseinander zu setzen, für die es

noch wenige Vorbilder gibt. Der Beitrag führt in die Problematik

kompetent ein.

Und noch ein weiterer Vorzug findet sich in dem Buch. So wird

vor Beginn der Einzelbetrachtungen eine Analyse der wert -

erheblichen Parameter bei Spezialimmobilien versucht.

Hinweise auf die notwendige Nachhaltigkeit von Gewerbenutzungen,

auf die Bedeutung der Modernisierungskosten, auf

Rendite und Risiko. Dieser Vorschlag einer Systematisierung

erleichtert den Einstieg in die Bewertung von vergleichbaren

Immobilien, die in dem Buch nicht behandelt werden.

Ich bin mir sicher, auch dieses Buch wird in unserem Büro ein

Leserenner.

Walter Schwenk | Berlin

DR. ULRIKE KIRCHHOFF

WOHNUNGSEIGENTUM IN

FRAGE UND ANTWORT

Erwerb, Finanzierung, Verwaltung, Verkauf

Beck Juristischer Verlag

1. Auflage (Juni 2007)

Deutsch, broschiert, 165 Seiten

ISBN-10: 3-423-50651-2

ISBN-13: 978-3-423-50651-9

Antworten auf Fragen rund um das Wohnungs

eigentum will Dr. Ulrike Kirchhoff –

Vorsitzende des Landesverbandes bayerischer

Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer e. V.

(Haus & Grund Bayern) – in diesem Rechts berater

geben.

Sieben Themenabschnitte werden dabei auf

162 Seiten behandelt:

Erwerb der Eigentumswohnung

Finanzierung des Kaufes

Eigentümerversammlung

Verwaltung der Anlage

Instandhaltung, Reparatur und

Modernisierung

Gebrauch und Verwertung des Wohneigentums

Eigentümerwechsel

Schematisch werden einzelne Fragestellungen, z. B. »Wer ist für

die Instandhaltung und Instandsetzung zuständig?«, beant wor -

tet. Die Fragen sind dabei so formuliert, wie sich diese z. B. in

einem abendlichen Gespräch zwischen zwei Bekannten oder

Freunden ergeben könnten, wobei der eine Wohnungseigentümer

ist und der Zweite als Laie interessierte Fragen stellt.

Die Antworten sind in knapper Form gehalten, selten mehr als

eine Seite lang. Zumeist genügen die Antworten dem Anspruch

des Buches, »leicht verständlich zu sein«. Für Wohnungseigen -

tümer, die konkrete Probleme in ihrer Wohnanlage, z. B. mit

Mit eigentümern, dem Verwalter o. Ä. haben, werden die Ant -

worten jedoch selten ausreichen. Für die Verständlichkeit des

interessierten Laien wäre es zudem förderlich gewesen, die textlichen

Ausführungen um graphische Elemente zu erweitern.

BÜCHER

Das Buch ist in einem durchweg sachlichen Sprachstil gehalten.

Trotzdem wird man an der einen und anderen Stelle zum

Schmunzeln verleitet. Auf die Frage »Was ist die Teilungser -

klärung?« beginnt die Antwort mit dem Satz: »Unter dem Begriff

Teilungserklärung wird zunächst die Teilungserklärung im

eigentlichen und im engeren Sinne verstanden […]« (Seite 21).

Siehe oben: Hier wäre zum Einstieg eine aussagekräftige Graphik

sicherlich aufschlussreicher.

Weiterhin sollen »zahlreiche Beispiele« die Anschaulichkeit des

Buches verbessern. Obgleich »zahlreich« ein relativer und un -

be stimmter Begriff ist, der weit ausgelegt werden kann, sind

sowohl Anzahl wie auch Qualität insgesamt unzureichend.

Vielmehr beschrän ken sich die Beispiele oftmals auf bloße Nennungen

ohne konkrete Ausführungen. Der Frage »Wann reicht

ein Mehrheitsbe schluss?« folgt:

»Sämt liche Angelegen heiten der ord -

nungsge mäßen Verwaltung können

durch einen einfachen Mehr heits -

beschluss geregelt werden, wie z. B.

die Bestellung des Verwalters […]«

(Seite 72).

Inhaltlich gibt es einige wenige Unsauberkeiten.

So wird beispielsweise

in den Ausführungen zum Aufbau

des Grundbuchs nur das Realfolium

dargestellt (d. h., jedes Grundstück

wird auf einem eigenen Grundbuch -

blatt angelegt). Die zweite Variante

wird nicht erwähnt: das Personalfolium

oder Eigentümergrund buch,

bei dem in einem Grundbuchblatt

mehrere Grundstücke (jeweils unter

einer eindeutigen laufenden Nummer) abgelegt werden.

Wenn gleich solche nicht ganz korrekt dargestellten Sachverhalte

kaum rechtliche oder wertrelevante Auswirkungen für

den Leser haben dürften, bleibt die Frage, wie es sich bei der

Be antwortung anderer, wichtigerer Fragestellungen darstellt.

Für interessierte Neulinge im Bereich des Wohnungseigentums

ist dieses Buch durchaus ein hilfreicher Einstieg. Für Wohnungseigentümer

selbst sind die Ausführungen nur bedingt

geeignet, hier fehlen dann auch Hinweise zu weiterführender

und vertiefender Literatur oder auch Gerichtsurteilen. Zudem

wird nur zu den wenigsten Stichwörtern und Sachverhalten

die gesetzliche Grundlage benannt.

Fazit: bedingt empfehlenswert.

Christian Wieck | Berlin

3

446


447

BÜCHER

DIETER WILKE, HANS-JÜRGEN DAGEFÖRDE, ANDREAS

KNUTH, THOMAS MEYER, CORNELIA BROY-BÜLOW

BAUORDNUNG FÜR BERLIN

Kommentar mit Rechtsverordnungen

und Ausführungsvorschriften

Die »neue« Fassung der Bauordnung für Berlin ist zwar schon

seit dem 29. September 2005 in Kraft, kommentiert wurde

das Gesetz aber zunächst in vielen Veranstaltungen z. B. von

der Baukammer Berlin oder von der Architektenkammer und

weiteren Vereinen oder Bundesverbänden; auch die Senats verwaltung

selbst bot Fortbildungen an. Eine Informations quelle

stellte die Begründung dar, die bereits seit der Gesetzes vorlage

vom 3. Mai 2005 unverändert besteht. Nun ist ein Kommentar

verlegt worden, den fünf Autoren ge mein sam verfasst haben

für Behörden, Architekten, Bauingenieure und nicht zuletzt für

Vermessungsingenieure. Fast zeitgleich erschien der Kommen -

tar der BDVI-Landesgruppe Berlin, welcher ebenfalls weite Verbreitung

und Akzeptanz genießt.

»Die aktuelle Berliner Bauordnung beruht auf den grundsätz -

lichen Erwägungen, sich im Verfahrens- wie im materiellen Recht

auf die aus heutiger Sicht notwendigen Regelungen zu be -

schränken. Teilziele sind

Stärkung der Eigenverantwortung der am Bau Beteiligten,

Reduzierung der Prüfprogramme der Baugenehmigungs -

verfahren,

Deregulierung und Vereinfachung des materiellen Bau -

ordnungsrechts.«

(So der Begleittext des Verlags zur Veröffentlichung.)

Der Kommentar liefert den Ori ginaltext und ausführliche Erläu -

terungen sämtlicher Paragraphen, in die bereits die ersten Pra -

xis erfahrungen eingeflossen sind. Darüber hinaus liefert der An -

hang Hintergrundwissen zum übergeleiteten Berliner Planungs -

recht und zu bauaufsichtlich bedeutsamen Rechts vor schrif ten.

Ein umfangreiches Abkürzungs verzeichnis und ein sehr mager

gehaltenes Sachregister runden den Text ab.

3

Verlag Vieweg + Teubner

GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

6., vollständig überarbeitete Auflage

828 Seiten, gebunden, 24 x 17 cm, 119,90 E

ISBN: 978-3-528-12550-9

Den Erläuterungen je -

des Paragraphen ist ein

Inhaltsverzeichnis vorangestellt.

Weiterhin

trägt Fettdruck zur

Übersichtlichkeit bei.

Das für die Vermessungs

fachleute wichti

ge Abstandsflä chen -

recht, welches in Berlin

einigermaßen kompli -

ziert und mit der neuen

Bauordnung auch nicht

wesentlich einfacher

geworden ist, wird sehr ausführlich kommentiert und mit Verweisen

auf die zugrunde liegenden Gerichtsurteile konkretisiert.

Weite re Schwerpunkte bilden der Brandschutz, die am Bau Be -

teiligten, die Behandlung des Bauantrages, die Prüfung bau technischer

Nachweise und die Regelungen über Bauprodukte und

Bauarten.

In der neuen Gestaltung der Abläufe der verschiedenen Bauge

nehmigungsverfahren ist deutlich der Wille zur Deregu lie -

rung zu erkennen. Zukünftig wird die Hälfte aller Vorhaben

ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren durchlaufen. Ein

wei teres Viertel soll sogar von der Genehmigung freigestellt

werden. Der positive Aspekt ist die Zeitersparnis. Von vielen Ent

wurfsverfassern inzwischen als negativ erkannt ist ihre enorme

Verantwortung, wenn die Baubehörde sich auf den Status der

Baupolizei zurückzieht.

Der Kommentar ist von der Verwaltung anerkannt, wird viel angewandt,

obwohl wenig Exemplare bei den zuständigen Sach -

bearbeitern vorhanden zu sein scheinen.

Die Autoren sind Spezialisten auf dem Gebiet des Berliner Bau -

ordnungsrechts und haben jeweils Teile des Gesetzestextes

kommentiert.

Ohne Kenntnis dieses Kommentars ist die neue Bauordnung

schwierig anzuwenden. Umso angenehmer, dass der Text verständlich

geschrieben und mit Hintergrundwissen und Erklä run -

gen versehen ist – lesbar nicht nur für Akademiker. Ein erwei -

tertes Sachregister bzw. ein umfangreiches Schlagwort register

in der 2. Auflage würden die Anwendbarkeit enorm erhöhen.

Als ergänzende Literatur sind u. a. zu nennen die Entscheidungs

hilfen der Berliner Bauaufsicht und der Leitfaden zum

Bau nebenrecht.

Claudia Zimmermann | Berlin

JENS JÄHNKE

ZUR TEILMARKTBILDUNG

BEIM LANDERWERB

DER ÖFFENTLICHEN HAND

Schriftenreihe des Instituts für Geodäsie

und Geoinformationen der Rheinischen

Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Heft 5, Bonn 2008, gebundene Ausgabe

187 Seiten, ISSN: 1864-1113

Der freihändige Erwerb zukünftiger Gemeinbedarfsflächen

stellt sowohl für die öffentliche Hand auf der Erwerberseite

als auch für meist private Grundstückseigentümer auf der

Veräußererseite ein Rechtsgeschäft dar, bei welchem aufgrund

der besonderen Rahmenbedingungen das Vorliegen des »ge -

wöhnlichen Geschäftsverkehrs« regelmäßig in Frage gestellt

wird. Da der Grundstückseigentümer nur an die öffentliche Hand

bzw. den Bedarfsträger veräußern kann und der Bedarfs träger

als Erwerber in seiner Entscheidungsfreiheit lagebezogen ge -

bunden ist, besteht weder ein freihändiges Angebot noch eine

zwanglose Nachfrage.

Jähnke untersucht in seiner Dissertation, inwiefern aufgrund

dieser besonderen Rahmenbedingungen Abweichungen zwi -

schen den theoretischen Enteignungs- und Entschädigungsgrund

sätzen und dem tatsächlichen Marktgeschehen bestehen,

worauf diese gegebenenfalls zurückzuführen sind und ob sich

damit die Bildung von Teilmärkten begründen lässt.

Neben der Erläuterung der notwendigen Begrifflichkeiten be -

inhaltet der erste Teil der Arbeit vor allem eine gegliederte Zu -

sammenstellung von Urteilen und Beschlüssen zu Gemeinbedarfs

flächen, zum Begriff des »gewöhnlichen Geschäfts ver kehrs«

oder auch zur Diskrepanz zwischen »Wert« und »Preis«.

Aus der Analyse der Rechtsprechung ergeben sich unterschied -

liche Argumentationsmöglichkeiten. Mit einigen Entschei dun -

gen wird ein Teilmarkt für öffentliche Bedarfsflächen ein ge -

räumt. Andere Urteile verneinen dagegen die Existenz von

Teilmärkten, wenn z. B. erkennbar ist, dass die vermutete Teilmarktbildung

auf fehlerhaften Kaufpreisanalysen basierte.

Im Hauptteil der Arbeit stellt Jähnke die unterschiedlichen und

teils gegensätzlichen Ansichten der Fach- und Kommentarli -

te ratur zur Teilmarktheorie und zur Verwendbarkeit der Kauf-

BÜCHER

fälle der öffentlichen Hand zusammen, wobei die Thematik mit

aus der Fachliteratur bekannten Kauffallbeispielen sowie eigenen

empirischen Untersuchungen eingehender untersucht wird.

Für den Teilmarkt »Zukünftige Gemeinbedarfsflächen« liegen

die Grunderwerbspraxis und die Rechtsdogmatik oftmals weit

auseinander. Beim Erwerb wurde daher ein höherer Kaufpreis

vereinbart, als unter Anwendung der Enteignungs- und Ent schädigungsgrundsätze

zu zahlen wäre. Diese Erhöhungen können

u. a. aus Wirtschaftserschwer niszu schlägen oder Be schleu -

nigungszuschlägen resultie ren. Die diese Zusammenhänge wi -

derlegenden oder (scheinbar) wider spie geln den gewählten

Praxisbei spiele umfassen neben Abbauflächen oder Deponien

schwerpunktmäßig den Ver kehrs we ge bau und die dafür be -

nötigten vormals land- und forst wirt schaftlich ge nutzten Flä -

chen.

Gemäß Jähnkes abschließender Wertung konnte gezeigt werden,

dass die Annahme von Teilmärkten beim Landerwerb von

zukünftigen Gemeinbedarfsflächen bei allen untersuchten

Bei spielen auf unrichtigen Analysen der erhöhten Vergleichs -

kauf preise beruhte. Seinem Ergebnis nach wurden oftmals

Kauffälle herangezogen, die Nebenentschädigungen sowie Zu -

schlä ge zur Berücksichtigung von Verfahrensrisiko oder -dauer

enthielten. Diese müssten aber für die Verkehrswertermittlung

aus den Vergleichsdaten herausgerechnet werden.

Als sinnvolle Ergänzung der wissenschaftlichen Ausführungen

hätten sich differenzierte Handlungsempfehlungen angebo ten.

So haben die aus vorliegenden Vergleichskauffällen resul tie -

ren den Kaufpreise für den Wertermittler einen anderen Verwendungsradius

als für den Bedarfsträger bei der Kalkulation

der aufzubringenden Ankaufspreise. Für den Leser verbleibt

trotz Jähnkes abschließender Wertung der Eindruck, dass ohne

ein scheinbar überhöhtes Kaufpreisangebot im Zuge des freihändigen

Erwerbs ein Ankauf der zukünftigen Gemeinbedarfs -

fläche meist nur schwer möglich ist.

Zusammenfassend stellt Jähnke mit seiner wissenschaftlichen

Arbeit eine kompakte Darstellung hinsichtlich der möglichen

Teilmarktbildung bei Gemeinbedarfsflächen zur Verfügung. Sie

beinhaltet neben untersuchten Praxisbeispielen sowie einer

übersichtlichen Zusammenfassung bisher ergangener Rechts -

ent schei dungen auch Ausführungen zu den Besonderheiten

beim Unternehmensflurbereinigungsverfahren. Da es auch im

Rahmen einer solchen Arbeit nicht möglich ist, die Vielfalt der

die Teilmarkttheorie umfassenden Aspekte erschöpfend

darzustellen, verbleibt noch weiterführender Untersuchungs -

spielraum.

Ellen Günther | Berlin

Die Arbeit wurde am 28. Juni 2007 als Dissertation zur Erlangung des Grades Doktor-Ingenieur der Landwirtschaftlichen

Fakultät der Rhei nischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vorge legt. Referent war Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult. Erich Weiß,

Ko referenten waren Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter und Prof. Dr.-Ing. Werner Ziegenbein.

3

448


FORUM FUTURA

JOBBÖRSE

ANZEIGENAUFTRAG

Rückfragen richten Sie bitte an: Frau Wolkowa 030/240 83 83

Absender

Name

Straße

PLZ / Ort

Telefon / Fax

E-Mail

GESUCHE

Datum / Unterschrift

PLZ-Bereich 1

• Chiffre 5585 Dipl.-Ing. Geodäsie sucht neue Herausforderung im

Raum BRB, vorzugsweise in der Nähe von Potsdam. 20 Jahre Be -

rufs erfahrung, hervorragende Kenntnisse im Bereich der Liegenschafts-

und Ingenieurvermessung. Gute Kenntnisse im Umgang

mit der gängigen Vermessungs- und GDV-Software, insbesondere

im Umgang mit dem Smallworld GIS. Schnelles und ergebnis orien -

tiertes Arbeiten sind selbstverständlich. Ein kurzfristiger Arbeitsbeginn

ist möglich und erwünscht.

Zahlungsform

[ ] VERRECHNUNGSSCHECK LIEGT BEI.

[ ] BETRAG LIEGT BAR BEI.

* Bewerbungsunterlagen nur ausreichend frankiert mitsenden!

449

3

ANGEBOTE

PLZ-Bereich bundesweit

• 5805 A Kleines Vermessungsingenieurbüro altershalber zu

übernehmen. Schwerpunkte der Tätigkeit sind Kataster- und Ingenieurvermessungen

mit überwiegend kommunalen Auftrag -

gebern. Sowohl Auftrags- als auch Ertragslage sind sehr gut. Sitz

des Büros ist eine reizvolle Kleinstadt in Südwürttemberg. Das Vermessungsbüro

ist seit über 25 Jahren tätig, hat einen langjährigen

Kundenstamm vorzuweisen und einen hohen Bekanntheitsgrad im

Gebiet. Gesucht wird ein unternehmerisch ambitionierter Vermessungsingenieur,

der das Büro schrittweise übernehmen kann.

PLZ-Bereich 0

• 5811 A Geschäftsübergabe in Sachsen. ÖbVI in sächsischer Groß -

stadt sucht für gut eingeführtes, modernes Ingenieurbüro einen

Nachfolger, der die Bedingungen des § 20 (1) SächsVermG erfüllt.

ZUSCHRIFTEN* erbeten an:

BDVI, »FORUM-Jobbörse«, Luisenstraße 46, 10117 Berlin

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENANGEBOT:

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENGESUCH:

[ ] ICH INTERESSIERE MICH FÜR CHIFFRE-NR.:

Textanzeigen in der Jobbörse

[ ] Anzeigen je angefangene 300 Zeichen 20,00 E

Zusätzliche Optionen:

[ ] FETTDRUCK MIT EINER ZUSATZFARBE: + 13,00 E

[ ] FARBIGER RAHMEN: + 13,00 E

BI-BILDUNGSINSTITUT – Seminarkalender 2008

28. Oktober 2008,

Köln

9:00 bis 16:00 Uhr

Teilnehmerbeitrag:

180,00 E

5. November 2008,

Köln

9:00 bis 16:00 Uhr

Teilnehmerbeitrag:

180,00 E

23./24. Oktober,

30./31. Oktober,

13./14. November,

11./12. Dezember,

18./19. Dezember 2008

(10 Tage, jeweils

FORUM FUTURA

AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER

Referenten:

IMMOBILIENWERTERMITTLUNG – DIE NEUEN NHK 2005

Dipl.-Ing. Ulrich Homa,

Neue gesetzliche Entwicklungen in der Immobilienwertermittlung – Institut für Baulandcon-

die neue ImmoWertV und die Änderungen des BauGB im Zuge der sulting und Stadtumbau,

Reform des Erbschafts- und Bewertungsrechts

Bonn

Das Forschungsprojekt NHK 2005

Dipl.-Ing. Dietmar Weigt,

Welche Änderungen bringen die NHK 2005?

Professur für Städtebau

Modellkonforme Anwendung des Sachwertverfahrens

und Bodenordnung, Bonn

Das BKI-Alterwertminderungsmodell und -Bauschadensmodell

Beispiele: Bewertung von Sachwertobjekten mit Hilfe des

Sachwertverfahrens

Abschlussdiskussion

EINSTIEGS-/ REFRESHKURS AUSGLEICHUNGSRECHNUNG

Durch die stetige Leistungssteigerung programmgesteuerter Rechen -

anlagen und ihre zunehmende Verbreitung als Personal Computer

setzen sich im Vermessungswesen immer mehr komplexe Auswerte -

verfahren durch. Sie alle verwenden die Ausgleichungsrechnung nach

der Methode der kleinsten Quadrate von GAUSS, so dass heutzutage

nicht nur Ingenieure, sondern auch Vermessungstechniker mit der

Ausgleichung konfrontiert werden.

Der eintägige Kurs bietet – ohne viele Formeln, aber mit einer Fülle

von Beispielen – einen Einstieg bzw. frischt längst vergessenes Wissen

wieder auf bzw. ergänzt es.

Donnerstag und Freitag), möchten.

Mellendorf

9:00 bis 17:00 Uhr Vorläufiges Programm unter:

(65 Zeitstunden) www.bdvi.de/service/bi/Immobilienwert_Programm_2008.pdf

Teilnehmerbeitrag:

1.800,00 E

GRUNDSEMINAR »IMMOBILIENWERTERMITTLUNG«

Das Grundseminar »Immobilienwertermittlung – die Bewertung von

bebauten und unbebauten Grundstücken« richtet sich an Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieure sowie deren Angestellte, die (wieder)

in die Bewertung von Immobilien einsteigen und mittelfristig die

öffentliche Bestellung und Vereidigung für diesen Fachbereich anstreben

Referent:

Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich

Referenten:

diverse

Unsere Kontaktdaten: BDVI Bildungsinstitut, ddp, Gabriele Grundner

Herderstraße 62 • 40882 Ratingen • Fon 02102/58 86 93 • Fax 02102/58 86 94 • E-Mail gabriele.grundner@arcor.de

Diese Seminare werden bei der Ingenieurkammer-Bau zur Anerkennung von Fortbildungsmaßnahmen gemäß § 3 Abs. 2

Fort- und Weiterbildungsordnung eingereicht.

3

450


451

FORUM FUTURA

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

GEOINFORMATION

22./23. Oktober 2008,

Frankfurt am Main

28./29.Oktober und

27. November 2008,

Bochum/Leipzig

5. November 2008,

Bauhaus-Universität

Weimar

5. ESGEO-KONFERENZ

Sichere Geoinformationen

Geodätisches Kolloquium

GDI.WSV – die Geodateninfrastruktur

für die Verkehrswasserwege

10. November 2008, RECHTSFRAGEN BEI DER ERSTELLUNG

Hannover, Leibniz-Haus UND VERARBEITUNG VON GEOINFORMATIONEN

1./2. Dezember 2008,

Münster

4./5. Dezember 2008,

Berlin

FACHBEZOGENE UND SEMINARE GEOINFORMATION/

MESSEN / TAGUNGEN

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

9. Oktober 2008,

Berlin

10. November 2008,

Fulda

DER GEODATENMANAGER

Expertenseminar

www.esgeo.de

www.uni-weimar.de/Bauing/

Vermess/kolloquium.html

FME-ANWENDERTREFFEN www.fme-anwendertreffen.de

Workshop

ARCHIVIERUNG IN DIGITALER KARTOGRAPHIE

STADTUMBAU OST IM UMBRUCH

Zwischen Leitbild und Rendite

DVW-Seminar

UMLEGUNG IN STADT UND LAND

Grundlagen und Praxisbeispiele

12. bis 13. Januar 2009, Sprengnetter Immobilienbewertung

Dresden

GRUNDLAGEN DES IMMOBILIENRECHTS

www.fortbildung-geodaten.de

www.codata-germany.org/

Archiving_2008

Fon 030/39 04 73 30

E-Mail gst-bb@vhw.de

www.vhw.de

Fon 06042/96 12 23

E-Mail nicola.dekorsymaibaum@hvbg.hessen.de

Fon 06042/96 12 23

www.sprengnetter.de

Sprengnetter Immobilienbewertung – AUS- UND WEITERBILDUNG IN DER GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

Seminarübersichten, Referenten und Termine finden Sie im Internet unter www.sprengnetter.de

oder erhalten Sie bei der InfoLine 02642/97 96-75/-76.

WEITERE FACHVERANSTALTUNGEN / MESSEN / TAGUNGEN

SONSTIGE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

30. September bis

2. Oktober 2008,

Bremen

6. bis 8. Oktober 2008,

München

7. bis 9. Oktober 2008,

Dresden

16./17. Oktober 2008,

Leipzig

17. Oktober 2008,

Karlsruhe

28./29. Oktober 2008,

Augsburg

6. November 2008,

Essen

6. bis 8.

November 2008,

Goslar

12. bis 14.

November 2008,

Potsdam

27. November 2008,

Essen

INTERGEO 2008

1. Oktober 2008, 16:00 bis 17:30 Uhr, BDVI-Forum

»Thema PPP-Modelle in der GDI –

Privatvertrauen vs. Staatsvertrauen«

Fon 0721/931 33-740

E-Mail ofreier@hinte-messe.de

www.intergeo.de

EXPO REAL 2008 Fon 089/94 91 16 28

E-Mail info@exporeal.net

www.exporeal.net

POSITIONs 2008

Kongress und Fachausstellung

für Satellitennavigationssysteme

FORUM FUTURA

KOMCOM Bayern Fon 0681/95 42 70

E-Mail komcom@komcom.de

www.komcom.de/komcom-bayern

DVW-VORTRAGS-UND FORTBILDUNGSVERANSTALTUNG

Vermessungswesen aktuell – 2008

Fon 0201/180 31

E-Mail anmeldung@hdt-essen.de

www.dvw.de/dvwextern/nrw/modul

es.php?name=wirueberuns&pa=sho

wpage&pid=15

8. ALTBERGBAU-KOLLOQUIUM www.igmc.tu-clausthal.de/

abteilungen/ markscheidewesenund-geoinformation/altbergbaukoloquium/ules.php?name=

wiruberuns&pa=showpage&pid=15

DIGITAL EARTH SUMMIT ON GEOINFORMATICS www.isde-summit-2008.org

Seminar

HOAI-LEISTUNGSBILD XIII FÜR

VERMESSUNGSTECHNISCHE LEISTUNGEN

www.positions-kongress.de

KOMCOM OST Fon 0681/954 27-0

E-Mail komcom@komcom.de

www.komcom.de

OPTISCHE MESSTECHNIK

für Anwendungen im Maschinenbau

Fon 0721/608 36 72

E-Mail Messtechnik2008@

gik.uni-karlsruhe.de

Fax 0201/180 32 80

E-Mail anmeldung@hdt-essen.de

www.hdt-essen.de

Weitere umfangreiche Informationen zu Fort- und Weiterbildungen finden Sie auch unter den folgenden Links:

www.bdvi.de/termine.htm • www.sprengnetter.de • www.vhw-online.de • www.staedtebau-berlin.de • www.tae.de • www.zgdv.de

13 13

452


453

FORUM FUTURA

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

12. bis 14.

November 2008,

Berlin

Nachruf

3

WERTERMITTLUNG NACH DEM BAUGESETZBUCH

Vorträge mit Erfahrungsaustausch zwischen Gut achterausschüssen

nach § 193 BauGB, deren Geschäftsstellen und freiberuflich tätigen

Sach verständigen

Krumbholz: Immobilienmarktbericht Deutschland

Voß, Gudat: Verlässlichkeit zugänglicher Markt informationen

Ehlers: Richtungsänderung oder Fortschritt bei GAA

Schwenk, Wieck: Praxishilfe Sanierung für Branden burg

Schumacher: Berücksichtigung von Bau schäden/Baumängeln

bei der Verkehrswertermittlung

Ulrich: Marktwertermittlung von Objekten des

betreuten Wohnens

Troff: Auswirkung der EEG-2008/2009-Novelle

Bischoff: Die neue Wertermittlungsverordnung

Rössler: Aus der Praxis der behördlichen Grundstücks -

bewertung in Berlin

Städtebauliche Besichtigungen

Institut für Städtebau Berlin

Stresemannstraße 90 • 10963 Berlin • Fon 030/23 08 22 0 • Fax 030/23 08 22 22

E-Mail info@staedtebau-berlin.de • www.staedtebau-berlin.de

Die BDVI-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen trauert um

HERRN DIPL.-ING.

HANSHEINRICH MÜNKER

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR A. D.

* 7. JANUAR 1929 † 7. AUGUST 2008

Wir werden unserem Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren.

Dr.-Ing. Hubertus Brauer

Vorsitzender der BDVI-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen

IMPRESSUM

HERAUSGEBER

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Fon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

SCHRIFTLEITUNG

Dr.-Ing. Walter Schwenk

Dr.-Ing. Wolfgang Guske

Maxstraße 3a, 13347 Berlin

Fon 030/46 00 79-0

Fax 030/46 00 79-99

forum@bdvi.de

REDAKTION

Dipl.-Ing. Karin Reimers

Martina Wolkowa

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

Robert Lehmann

Dipl.-Ing. Claudia Zimmermann

REDAKTION MOSAIK

Martina Wolkowa

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Fon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

KONZEPT + GESTALTUNG

Nolte | Kommunikation

Rückerstraße 4, 10119 Berlin-Mitte

info@nolte-kommunikation.de

DRUCK

MEDIALIS Offsetdruck GmbH

Gedruckt auf Zanders Megamatt

MANUSKRIPTE

Bitte an die Schriftleitung rich ten. Ge -

zeich ne te Bei trä ge stellen die Ansicht

des Ver fassers dar, nicht aber unbedingt

die des BDVI oder der Schriftleitung.

Mit der Annahme des Manus kriptes und

der Veröffentlichung geht das alleinige

Recht der Vervielfältigung und der Über -

setzung auf den BDVI über.

Alle Rechte vorbehalten, auch die des

aus zugs weisen Nachdrucks, der foto -

mecha ni schen Wiedergabe und Über -

setzung.

Der Abdruck von Originalartikeln ohne

vor herige Zustimmung der Schrift -

leitung ist nicht gestattet.

ABONNEMENT

Bezugspreis im Jahres abonnement

34,95 E zzgl. MwSt. und Versand,

für das Einzelheft 9 E.

ISSN

0342-6165

ANZEIGEN

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Martina Wolkowa

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Fon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

forum-anzeigen@bdvi.de

BILDNACHWEIS

Privat, BDVI, Photodisc/Getty Images,

Deutsche Immobilien-Akademie an der

Universität Freiburg GmbH, TU Berlin,

Roland Bauer vom Landesvermessungsamt

BW, Stephan Zahn, Christian Wieck,

Nolte | Kommunikation

Titelfoto: Nolte | Kommunikation


Der BDVI lädt läädt

ein zur

Besuchen

Sie DDie

Grundstücksexperten

am Stand Staand

A1.034 A1.0

und erfahren e rfahr en Sie S mehr über

Geodatenmanagement Geodatenm

+

WWertermittlung

ertermittl

+

Bod Bodenordnung denordnu

+

Katastervermessung Kattasterver

+

Ing Ingenieurvermessung genieurve +

VVereinbaren

erein

nbaren

Si Sie noch heute

mit un uns ns einen

Termin:

Martin Martina na WWolkowa

olko

03 030-240 0-240 83

83


Überwachen Sie strukturelle Deformationen

in (fast) jeder Stadt.

©2007, Trimble Navigation Limited. Alle Rechte vorbehalten. Trimble und das Globus- & Dreieck-Logo sind beim United States Patent und

Trademark Offi ce und in anderen Ländern eingetragene Warenzeichen von Trimble Navigation Limited. SUR-160

Wir präsentieren unser bislang leistungsstärkstes

System für Vermessung und Deformationsanalysen:

Die Trimble ® S8 Totalstation.

Dieses Spitzenmodell bietet höchste

Flexibilität und Vermessungsgenauigkeit.

Die Trimble S8 handhabt darüber hinaus

strukturelle Deformationsmessungen bei

zahllosen Anwendungen mit unübertroffener

Genauigkeit und hohem Arbeitskomfort

– vom Tunnelbau bis zum Verkehrswesen.

Die Trimble S8-Totalstation erkennt aufgrund

der innovativen neuen FineLock Technik

strukturelle Deformationen – entscheidend

für die Arbeit an tragenden Strukturen.

Fügen Sie noch die moderne Software für

die blitzschnelle Datenanalyse hinzu und

Sie haben ein Komplettpaket, das nicht nur

im Handumdrehen Ihre Möglichkeiten sondern

auch Ihr Dienstleistungsangebot erweitert

Erfahren Sie mehr über die neue

leistungsstarke Trimble S8 unter

www.trimble.com/S8

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine