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LWL Ist der LWL mit von der Partie, gewinnt Westfalen-Lippe.

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<strong>Westfalen</strong> erfahren –<br />

Spitzenleistungen aus <strong>der</strong> Region<br />

Radtour durch <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong><br />

6. - 13. Juli 2002


U2 ist vakat!


<strong>Westfalen</strong> erfahren - Spitzenleistungen aus <strong>der</strong> Region<br />

- Eine Radtour durch <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> -<br />

Vorwort<br />

„<strong>Westfalen</strong> erfahren – Spitzenleistungen aus <strong>der</strong> Region“ – unter diesem Motto veranstalten<br />

Stiftung und Verein <strong>Westfalen</strong>-Initiative vom 6.-13. Juli 2002 ihre erste Radtour. Ziel <strong>der</strong><br />

Tour ist es, auf wirtschaftliche, kulturelle und an<strong>der</strong>e Highlights in <strong>der</strong> Region aufmerksam zu<br />

machen und zu zeigen, dass <strong>Westfalen</strong> ein in vieler Hinsicht attraktiver Standort ist. Darüber<br />

hinaus verfügt die Region über reizvolle Landschaften, die sich gerade bei einer Radtour beson<strong>der</strong>s<br />

gut erschließen lassen.<br />

Im Rahmen einer einwöchigen Radtour lässt sich natürlich nur ein Bruchteil <strong>der</strong> westfälischen<br />

Spitzenleistungen präsentieren. Die Auswahl <strong>der</strong> angefahrenen Ziele richtet sich dabei auch<br />

nach routenplanerischen Gesichtspunkten, weshalb sie nicht als Wertung begriffen werden<br />

darf. <strong>Westfalen</strong> hat mehr zu bieten als das, was wir in einer Woche besichtigen können. Unter<br />

dem Motto „Spitzenleistungen aus <strong>der</strong> Region“ ließe sich noch manche Radtour organisieren.<br />

Diese Tour soll in erster Linie die Schönheit und die Leistungskraft <strong>Westfalen</strong>s bewusst machen<br />

und gleichzeitig Neugier auf weitere Beson<strong>der</strong>heiten und Glanzpunkte in <strong>der</strong> Region<br />

wecken. Sie zeigt, dass <strong>Westfalen</strong> eine lebens- und liebenswerte Region <strong>mit</strong> Zukunft ist.<br />

Wir laden Sie herzlich ein, uns zu begleiten und die westfälischen Spitzenleistungen zu bewun<strong>der</strong>n<br />

und zu genießen. Diese Broschüre informiert über die diesjährige Route und die angefahrenen<br />

Ziele, um Ihnen den Zugang zu erleichtern.<br />

Wir danken allen Unterstützern dieser Radtour und wünschen allen Mitfahrern eine erlebnisreiche<br />

und schöne Fahrt.<br />

1


6. Juli Minden Preußenmuseum / Grußwort Bürgermeister Korte 11 00 �<br />

Porta Westfalica Kaiser-Wilhelm-Denkmal (Weserbrücke) 11 30 �<br />

Vlotho Rast 13 45 �<br />

Herford Haus des Möbels / Einführung Jan Hoet 16 30 ����<br />

Bielefeld v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel 18 15 �<br />

Bielefeld Dr. August Oetker KG<br />

Bielefeld<br />

Grußwort OB David<br />

7. Juli Bielefeld Start 8 30 ����<br />

Gütersloh Bertelsmann Stiftung 10 15 ����<br />

Detmold Palaisgarten / Empfang RP Wiebe 11 15 �<br />

Detmold Freilichtmuseum Detmold 12 00 �<br />

Detmold Hermannsdenkmal 12 20 �<br />

Horn-Bad Meinberg Externsteine / Rast 14 20 �<br />

Horn-Bad Meinberg Kurpark 15 30 �<br />

Pa<strong>der</strong>born Heinz Nixdorf MuseumsForum 19 40 �<br />

Pa<strong>der</strong>born Diözesanmuseum / Grußwort Bürgermeister Paus<br />

8. Juli Pa<strong>der</strong>born Start 8 30 ����<br />

Bad Berleburg Wittgensteiner Kliniken 10 45 ����<br />

Hilchenbach Westfälisches Restaurant des Jahres 11 15 ����<br />

Hilchenbach Stift Keppel 11 45 �<br />

2<br />

Dreistiefenbach Rast 13 30 �<br />

Siegen Museum für Gegenwartskunst / Einführung Prof. Dr. 15 50 ����<br />

Klaus Bußmann<br />

Meschede-Grevenstein Veltins-Brauerei 18 45 �<br />

Meschede Abtei Königsmünster / Treffen <strong>mit</strong> Bürgermeister Hess<br />

und Alt-Abt Stephan<br />

9. Juli Meschede Start 9 00 ����<br />

Lüdenscheid Knopfmuseum 11 20 �<br />

Lüdenscheid Hoffmeister-Leuchten 13 45 �<br />

Lüdenscheid Rast 14 30 �<br />

Hagen Fernuniversität Hagen 18 15 �<br />

Hagen Hohenhof 19 15 �<br />

Hagen<br />

Treffen <strong>mit</strong> OB Horn und Vertretern <strong>der</strong> Wirtschaft<br />

10. Juli Hagen Start 8 30 ����<br />

Witten Privatuniversität Witten-Herdecke 9 30 �<br />

Witten Zeche Nachtigall 11 00 �<br />

Hohensyburg Rast 14 00 �<br />

Hohensyburg Spielcasino Hohensyburg / Diskussion u.a. <strong>mit</strong> Marc 14 40 �<br />

Girardelli<br />

Tourprogramm<br />

Tag Stadt Station Ungefähre<br />

Abfahrt<br />

Dortmund Technologiepark 1 16 30 �<br />

Dortmund Technologiepark 2 / Treffen <strong>mit</strong> OB Dr. Langemeyer<br />

und Unternehmern


11. Juli Dortmund Start 9 00 �<br />

Dortmund Zeche Zollern 11 15 �<br />

Herne Fortbildungsakademie Mont Cenis/Solarenergie 12 30 �<br />

Herne Rast 13 25 �<br />

Gelsenkirchen Arena «Auf Schalke» / Gespräch <strong>mit</strong> OB Wittke und 16 20 �<br />

dem Vereinsmanagement<br />

Recklinghausen Ruhrfestspielhaus<br />

Recklinghausen<br />

Grußwort Bürgermeister Pantför<strong>der</strong><br />

12. Juli Recklinghausen Start 8 30 Raesfeld Akademie des Handwerks / Präsident Zentralverband 10<br />

����<br />

des Deutschen Handwerks Dieter Philipp<br />

10 ����<br />

Schöppingen Windpark 11 20 Schöppingen Künstlerdorf / Einführung Dr. Spiegel 12<br />

�<br />

20 Schöppingen Rast 13<br />

�<br />

30 Eggerode Wallfahrtsort 14<br />

�<br />

00 Greven Logistik-Unternehmen Fiege 19<br />

�<br />

10 Greven FMO / Geschäftsführer Stöwer, Bürgermeister Koling,<br />

RP Dr. Twenhöven<br />

21<br />

�<br />

00 ����<br />

Gimbte Hotel<br />

13. Juli Greven / Gimbte Start 8 30 ����<br />

Füchtorf Schloß Harkotten, Sieger Design / Dieter Sieger 10 40 ����<br />

Warendorf Landgestüt 11 45 �<br />

Warendorf Rast 13 00 �<br />

Warendorf DOKR (Olympisches Ko<strong>mit</strong>ee f. Reiterei) 13 30 �<br />

Münster Coppenrath Verlag / Kreativkai / Wolfgang Hölker 16 20 �<br />

Münster Institut für Nanotechnologie 17 45 �<br />

Münster Campus Leonardo / Gespräch u.a. <strong>mit</strong> OB Dr. Tillmann<br />

Dargestellt sind die ungefähren Abfahrtszeiten, um Ihnen Ort und Uhrzeit aufzuzeigen, an<br />

denen Sie die Möglichkeit haben, sich <strong>der</strong> Gruppe <strong>mit</strong> dem Rad anzuschließen (�). Die genaue<br />

Uhrzeit <strong>der</strong> einzelnen Veranstaltungen erfahren Sie bei <strong>der</strong> <strong>Westfalen</strong>-Initiative unter<br />

0251/591-6406 bzw. www.westfalen-erfahren.de.<br />

3


Einleitung<br />

Das nationalstaatliche Gesicht Europas, das sich erst im 19. Jahrhun<strong>der</strong>t ausprägte, steht seit<br />

etwa zwei Jahrzehnten angesichts fundamentaler Umbrüche im Mittelpunkt <strong>von</strong> Diskussionen.<br />

Von einem Europa <strong>der</strong> Regionen ist die Rede, weil allgemein Konsens darüber herrscht,<br />

dass die einzelnen Regionen des Kontinents im Zuge des europäischen Vereinigungsprozesses<br />

an politischem, soziokulturellem und wirtschaftlichem Gewicht zunehmen werden. Dieser<br />

bereits begonnenen Entwicklung liegen drei langfristig wirkende Ursachen zugrunde:<br />

Erstens werden die nationalen Grenzen immer durchlässiger, politische Zielsetzungen zunehmend<br />

im europäischen Kontext formuliert, und politische Steuerungsabläufe entsprechend<br />

verstärkt auf die europäische Ebene verlagert. Hierdurch kommt es zu einem Funktionsverlust<br />

und zu abnehmen<strong>der</strong> Bindungskraft <strong>von</strong> Nationalstaaten.<br />

Zweitens erfor<strong>der</strong>n die verän<strong>der</strong>ten Bedingungen eines offeneren Marktes eine wettbewerbstaugliche<br />

Anpassung <strong>der</strong> Wirtschaft, d.h. eine flexible Handlungsfähigkeit vor Ort und<br />

jenseits zentralstaatlicher Interessen. Die Angleichung globaler Konsummuster und <strong>der</strong> erweiterte<br />

Konkurrenzmarkt dürften die Bindung an den regionalen Kontext verstärken.<br />

Drittens löst einhergehend <strong>mit</strong> diesen nationalen Entwertungen <strong>der</strong> propagierte und zunehmend<br />

gelebte kulturelle Austausch die Menschen bis zu einem gewissen Grade aus den traditionellen<br />

nationalen Bindungen.<br />

Im Sinne unseres demokratischen und marktwirtschaftlichen Selbstverständnisses können<br />

diese Entwicklungen im Hinblick auf eine europäische Einheit dabei nicht politisch, etwa <strong>von</strong><br />

<strong>der</strong> EU, konstruiert werden, son<strong>der</strong>n allgemein nur Folge angeregter Prozesse sein. Die Einheit,<br />

wenn man so will, muß in vorgegebene Rahmenbedingungen „<strong>von</strong> unten“ hineinwachsen.<br />

Hierbei kommt den Regionen des Kontinents konzeptionell und auf <strong>der</strong> Grundlage <strong>der</strong><br />

Subsidiarität ein starkes Gewicht zu.<br />

Die genannten Entwicklungen werden diese zu eigenverantwortlicher Handlungsfähigkeit<br />

drängen. Regionale Entscheidungsprozesse versprechen eine bessere und schnellere Reaktionsfähigkeit<br />

sowie angemessenere und effizientere Problemlösungen als zentralstaatliche,<br />

weil sie auf größerer Orts- und Sachnähe sowie direkterer demokratischer Bürgerbeteiligung<br />

beruhen und Kompetenzen besser bündeln können.<br />

Die Wirtschaft betreffend wird es einen Wettbewerb <strong>der</strong> Regionen geben, <strong>der</strong> bei Standortfragen<br />

keine Rücksicht auf nationale Grenzen nimmt. Auf soziokultureller Ebene wird sich das<br />

Bedürfnis nach Orientierung und Identifikation, verstärkt noch durch die wachsenden Globalisierungstendenzen,<br />

verstärkt auf den heimatlichen Nahraum beziehen, weil Europa als Identifikationsraum<br />

zu komplex und (noch) zu abstrakt erscheint.<br />

Ein funktionierendes Europa braucht keine Einebnung regionaler Beson<strong>der</strong>heiten, son<strong>der</strong>n ein<br />

Miteinan<strong>der</strong> selbstbewusster Partner und eine entsprechende gegenseitige Akzeptanz. Ein<br />

stabiles europäisches Gefüge - das bedeutet Kraft aus den Regionen und Vielfalt in <strong>der</strong> Einheit.<br />

Zu tragenden europäischen Säulen dürften insbeson<strong>der</strong>e solche Regionen werden, die auf <strong>der</strong><br />

Grundlage <strong>der</strong> Subsidiarität eine gefestigte regionale Identität und Selbstüberzeugung sowie<br />

ihre Leistungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft begründen. Ein solcher Regionalismus<br />

ist nicht als rückwärts gewandte Ideologie o<strong>der</strong> separatistisches Konzept zu verstehen, son<strong>der</strong>n<br />

als Voraussetzung, die Potenziale einer Region effizient auszuschöpfen - zukunftsweisend<br />

ganz im Sinne <strong>der</strong> „Europäischen Idee“.<br />

In diesem Zusammenhang sehen wir in <strong>Westfalen</strong> alle Voraussetzungen gegeben, um nicht<br />

nur eine Region in, son<strong>der</strong>n auch für Europa zu sein.<br />

4<br />

<strong>Westfalen</strong> erfahren – eine Spitzenleistung aus <strong>der</strong> Region<br />

- Eine Radtour durch <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> -


Es gilt, die unterschiedlichen Kräfte <strong>der</strong> Teilregionen <strong>Westfalen</strong>s verstärkt in Einklang zu<br />

bringen, die vielen Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und da<strong>mit</strong> ohne Zwang ein Selbstverständnis<br />

<strong>Westfalen</strong>s zu entwickeln.<br />

Daran anknüpfend ist die Radtour, die insbeson<strong>der</strong>e westfälische Spitzenleistungen einbezieht,<br />

als eine Art Weckruf zu verstehen: „WWW - <strong>Westfalen</strong> werde wach!“<br />

<strong>Westfalen</strong><br />

Das früheste Ereignis, das im nachhinein <strong>mit</strong> westfälischer Identität in Verbindung gebracht wird, ist<br />

die Varusschlacht 9 n. Chr., als Arminius, Herrmann <strong>der</strong> Cherusker genannt, <strong>mit</strong> seinen germanischen<br />

Stämmen die römischen Legionen in die Flucht schlug. An diesen Sieg, heute gern als Symbol westfälischer<br />

Unbeugsamkeit betrachtet, erinnern u.a. das Hermannsdenkmal in Detmold und das bekannte<br />

Lied „Als die Römer frech geworden“. Erstmals erwähnt wurde <strong>Westfalen</strong> 775 und war ursprünglich<br />

eine <strong>der</strong> drei sächsischen Stammesprovinzen. In dieser Zeit leistete <strong>mit</strong> dem Sachsen Widukind eine<br />

weitere bedeutende Figur <strong>der</strong> westfälischen Geschichte Wi<strong>der</strong>stand gegen die Vereinnahmung seines<br />

Herrschaftsgebietes. Letztlich musste er sich <strong>der</strong> fränkischen Übermacht Karls des Großen beugen.<br />

Bezeichnend für die Sachsenstämme war, dass sie keinen König hatten und ihre Angelegenheiten als<br />

gleichberechtigte und eigenverantwortliche Partner in Stammesversammlungen regelten und da<strong>mit</strong> ein<br />

frühes Beispiel für die Anwendung des Subsidiaritätsprinzips abgaben.<br />

Im 12. Jahrhun<strong>der</strong>t umfasste <strong>Westfalen</strong> die Gebiete zwischen Rhein und Weser. Vom 13.-18. Jahrhun<strong>der</strong>t<br />

waren folgende Territorien westfälisch: die Bistümer Münster, Pa<strong>der</strong>born, Osnabrück und<br />

Minden, die kurkölnischen Nebenlande Herzogtum <strong>Westfalen</strong> und das Vest (Gaugericht) Recklinghausen,<br />

die Grafschaften Hoya, Diepholz, Schaumburg, Bentheim, Lingen, Tecklenburg, Ravensberg,<br />

Mark, Rietberg und Waldeck, die Abteien Corvey und Essen sowie die Herrschaft <strong>Lippe</strong>.<br />

Im Mittelalter war die Region ein Transitland <strong>mit</strong> Handelswegen vom Rhein zur Ostsee. Viele Menschen<br />

aus <strong>Westfalen</strong> folgten den Handelsverbindungen bis nach Smolensk und Nowgorod, waren bei<br />

<strong>der</strong> Errichtung verschiedener Ostseestädte beteiligt und stellten einen überregionalen Bezug her, so<br />

dass <strong>Westfalen</strong> auch in <strong>der</strong> Fremdwahrnehmung ein Begriff wurde. Obwohl <strong>von</strong> heterogenen Herrschaftsverhältnissen<br />

geprägt, gab es zu jener Zeit in <strong>Westfalen</strong> auch Verbindendes. Bei allen konfessionellen<br />

und politischen Gegensätzen und Auseinan<strong>der</strong>setzungen wurde eine gemeinsame und überdauernde<br />

Haltung zu gesetzlichen Festlegungen wie Landfriedenswahrung und Ordnung <strong>der</strong> Währungs-<br />

und Münzverhältnisse eingenommen. So<strong>mit</strong> war es ein gutes Omen, die Wirren des Dreißigjährigen<br />

Krieges nach Verhandlungen in Münster und Osnabrück schließlich <strong>mit</strong> dem „Westfälischen<br />

Frieden“ 1648 zu beenden und die Bezeichnung gerade dieser Region an ein neues Toleranzverständnis<br />

zwischen den Konfessionen und eine neue Staatenordnung zu binden.<br />

Das Königreich Westphalen unter Napoleon (1807-13) umfasste <strong>von</strong> den alten Gebieten nur Pa<strong>der</strong>born,<br />

Minden-Ravensberg, Osnabrück, Corvey und Rietberg sowie ab 1810 Teile Hannovers. Die<br />

preußische Provinz <strong>Westfalen</strong> wurde 1815 aus dem alten westfälischen Kerngebiet, <strong>der</strong> früheren Grafschaft<br />

Sayn-Wittgenstein und <strong>der</strong> Abtei Essen gebildet. Osnabrück und das Nie<strong>der</strong>stift Münster wurden<br />

zwischen Hannover und Oldenburg geteilt. Erstmals in <strong>der</strong> Geschichte <strong>Westfalen</strong>s entstand ein<br />

einheitlicher Herrschafts- und Verwaltungsbezirk, so dass sich allmählich, trotz <strong>der</strong> bestehenden politischen<br />

und konfessionellen Differenzen, ein gemeinsames Selbstverständnis herausbilden konnte.<br />

1946 wurde <strong>Westfalen</strong> <strong>mit</strong> dem Land <strong>Lippe</strong> und <strong>der</strong> nördlichen Rheinprovinz zum Bundesland Nordrhein-<strong>Westfalen</strong><br />

verbunden.<br />

Innerhalb Nordrhein-<strong>Westfalen</strong>s hat sich die Region <strong>Westfalen</strong> aufgrund <strong>der</strong> Vielfalt und<br />

strukturellen Voraussetzungen als Lebensraum und wichtiger Standort Deutschlands positiv<br />

entwickelt. Die Region zählt aktuell auf 21.500 km² rund 8,5 Mio. Einwohner und übersteigt<br />

da<strong>mit</strong> die Größe vieler europäischer Nationen.<br />

Auch aus aus wirtschaftlicher Sicht ist <strong>Westfalen</strong> bedeuten<strong>der</strong> und größer als einige selbstständige<br />

Staaten in Europa: Die Bruttowertschöpfung betrug 1996 321 Mrd. Dollar (vergleichbar<br />

<strong>mit</strong> Portugal) und <strong>der</strong> Güterexport betrug 1998 74,4 Mrd. Dollar (vergleichbar <strong>mit</strong><br />

Dänemark).<br />

Die Wirtschaftsstruktur ist dabei primär vom Mittelstand geprägt, was Flexibilität, Qualitätsorientierung<br />

und Innovationskraft <strong>mit</strong> sich bringt. Durch Anbindung an zunehmend praxi-<br />

5


sorientierte wissenschaftliche Institute und Forschungsanstalten sind starke Firmenzuwächse<br />

im Bereich <strong>der</strong> Zukunftstechnologien zu vermelden. Die Zeichen für die Bewältigung <strong>der</strong><br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen des 21. Jahrhun<strong>der</strong>ts stehen gut, müssen aber erkannt und in <strong>der</strong> Praxis<br />

umgesetzt werden – für ein starkes <strong>Westfalen</strong> und die Zukunft Europas.<br />

Ostwestfalen-<strong>Lippe</strong><br />

Die Region, die <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Auflösung <strong>der</strong> ehemaligen politischen Blockgegensätze im europäischen<br />

Koordinatensystem in eine Zentrallage gerückt ist, zählt zu den wachstumsstärksten in<br />

Deutschland. Dieses lässt sich durch Zahlen belegen: Während im zurückliegenden Jahrzehnt<br />

die Einwohnerzahl um fast 15% auf über 2 Mio. angestiegen ist, ist die Arbeitslosenquote im<br />

Zeitraum Juni 1997 bis Juni 2001 um 16,7 % gesunken und es sind 100.000 neue Arbeitsplätze<br />

entstanden. Aufgrund <strong>der</strong> <strong>mit</strong>telständischen Prägung ist Ostwestfalen-<strong>Lippe</strong> (OWL) wirtschaftlich<br />

flexibel und regenerationsfähig, ohne staatliche Hilfen in Anspruch nehmen zu<br />

müssen. Es herrscht eine ausgeprägte Branchenvielfalt, wobei sich u.a. das Ernährungsgewerbe,<br />

Kommunikationstechnologien, die Möbelindustrie und das Verlagswesen in <strong>der</strong> ersten<br />

Reihe befinden. Ein weiterer wirtschaftlicher und auch sozialer Vorteil dabei ist <strong>der</strong> hohe<br />

Anteil familiengeführter Firmen, was zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer wechselseitig<br />

Bindungskraft erzeugt und verstärkt zu einer ausgeprägten Identifikation <strong>mit</strong> dem Betrieb<br />

führt. Namen wie Bertelsmann und Oetker stehen für die Leistungspotential <strong>der</strong> Firmen, die<br />

sich auf dieser Basis entwickelt haben.<br />

Landschaftlich und kulturell ist die Region geprägt durch die zahlreichen Bä<strong>der</strong>, die ihr einen<br />

beson<strong>der</strong>en Erholungscharakter verleihen, touristisch in Szene gesetzt u.a. durch die „Wellness“-Radroute.<br />

Aber auch die topographischen und kulturellen Beson<strong>der</strong>heiten <strong>von</strong> Corveyer<br />

Land, <strong>Lippe</strong>r Land, Pa<strong>der</strong>borner Land und Teutoburger Wald begründen den touristischen<br />

Stellenwert.<br />

Mittelgebirgswäl<strong>der</strong>, naturbelassene Flusslandschaften, weitläufige Kurparks, mächtige<br />

Schlösser und Ritterburgen sowie geschichtsträchtige Klöster und Kirchen locken die Besucher<br />

ebenso ins Land wie <strong>der</strong> beständige Wechsel zwischen den bewaldeten Höhenrücken <strong>von</strong><br />

Wiehen-, Wesergebirge, Teutoburger Wald und Eggegebirge sowie den Flusstälern <strong>von</strong> Weser,<br />

Ems und <strong>Lippe</strong>.<br />

Die einzelnen Gebiete OWLs haben dabei jeweils ihre eigenen charakteristischen Merkmale:<br />

Im Norden liegt Minden-Lübbecke, <strong>der</strong> mühlenreichste Kreis in Nordrhein-<strong>Westfalen</strong>, weiter<br />

südlich das hügelige Herfor<strong>der</strong> Wittekindsland, im Westen <strong>der</strong> Kreis Gütersloh <strong>mit</strong> seinen<br />

zahlreichen Schlössern, im Osten das <strong>Lippe</strong>rland <strong>mit</strong> historischen Stadtkernen, im Süden das<br />

Pa<strong>der</strong>borner Land <strong>mit</strong> imposanten Kirchen und Klöstern und <strong>mit</strong>tendrin Bielefeld, die Großstadt<br />

im Grünen. All diese Landstriche sind durchsetzt <strong>von</strong> Zeugnissen <strong>der</strong> Vergangenheit,<br />

z.B. mystische Stätten altsächsischer Herkunft, die auf die unterschiedlichen Stämme und<br />

Gruppen hinweisen, die <strong>Westfalen</strong> geprägt haben. Auch sportlich kann die Region Spitzenleistungen<br />

aufbieten, z.B. Bundesligafußball in Bielefeld, Handball bis zur Weltklasse in Nettelstedt,<br />

Minden und Lemgo sowie Weltklassetennis beim ATP-Rasenturnier in Halle. Das dortige<br />

Gerry-Weber-Stadion ist nicht nur eine <strong>der</strong> weltweit schönsten Tennis-Arenen, son<strong>der</strong>n<br />

darüber hinaus ein multifunktionaler Veranstaltungsort.<br />

6


Minden<br />

Anhand <strong>von</strong> Siedlungsfunden ist da<strong>von</strong> auszugehen, dass das heutige Stadtgebiet bereits im 3. Jahrhun<strong>der</strong>t<br />

besiedelt war. Urkundlich erwähnt wurde Minden erstmals in einer fränkischen Chronik <strong>von</strong><br />

798. Karl <strong>der</strong> Große hielt dort eine Reichsversammlung ab. Im Jahr 977 erhielt <strong>der</strong> Mindener Bischof<br />

Milo <strong>von</strong> Kaiser Otto II. das Privileg des Markt-, Münz- und Zollrechts, ein Ereignis, das die weitere<br />

städtische Entwicklung positiv beeinflusste. Fortan florierten Markt und Gewerbe, so dass Minden um<br />

die Jahrtausendwende zu einem bedeutenden Handelsort und Wirtschaftsknotenpunkt aufstieg - symbolisiert<br />

durch die Marktkirche St. Johannes Baptist, die auch als Grabstätte Mindener Kaufleute, Versammlungsort<br />

und Warenlager diente.<br />

Die geographische Lage Mindens an <strong>der</strong> Route bedeuten<strong>der</strong> Handelsstraßen, die Schiffbarkeit <strong>der</strong><br />

Weser und <strong>der</strong> Beitritt zum Städtebund <strong>der</strong> Hanse brachten <strong>der</strong> Stadt Reichtum und Wohlstand.<br />

Nach dem Westfälischen Frieden 1648 fiel das ehemals selbstständige Fürstbistum, wirtschaftlich arg<br />

gebeutelt durch den Dreißigjährigen Krieg, an das Kurfürstentum Brandenburg. Nun hielten preußisches<br />

Militär und Beamtenschaft Einzug und eine über 200jährige Epoche als Festungsstadt begann.<br />

Mit dem Verlust <strong>der</strong> Wirtschaftskraft und <strong>der</strong> politischen Eigensständigkeit ging ein rapi<strong>der</strong> Bevölkerungsrückgang<br />

einher. Merkantilistische För<strong>der</strong>ungen des preußischen Staates Mitte des 18. Jahrhun<strong>der</strong>ts<br />

fielen größtenteils den Wirren des Siebenjährigen Krieges zum Opfer (1756-63), als Minden<br />

zweimal durch französische Truppen eingenommen wurde. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon<br />

wurde die Stadt ab 1815 Regierungssitz des neugebildeten preußischen Regierungsbezirkes<br />

Minden und blieb als Verwaltungs<strong>mit</strong>telpunkt durch Festungsanlagen geprägt, was die wirtschaftliche<br />

Entfaltung hin<strong>der</strong>te. Dabei war Minden bereits 1847 <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Köln-Mindener Eisenbahn an das seinerzeit<br />

mo<strong>der</strong>nste Verkehrssystem angeschlossen.<br />

Die Festung wurde 1873 aufgehoben, Industrie und Gewerbe wuchsen fortan kontinuierlich, begünstigt<br />

vor allem durch das Verkehrswegenetz als Standortvorteil. Neben besagter Eisenbahnlinie, heute<br />

einer <strong>der</strong> großen wirtschaftsstrategischen Knotenpunkte in Deutschland und Europa, wurde die Weserstadt<br />

1915/16 durch den Mittellandkanal bzw. durch das Wasserstraßenkreuz an das europäische<br />

Kanalwegesystem angeschlossen.<br />

Die Stadt ist heute ein beachtliches Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum für ein Umland<br />

<strong>von</strong> 450000 Einwohnern. Die Unternehmensstruktur ist geprägt durch den Mittelstand <strong>mit</strong><br />

einem gesunden Branchenmix. Dieser Vielfalt verdankt <strong>der</strong> gesamte Wirtschaftsraum Minden-Lübbecke<br />

ein relativ hohes Beschäftigungsniveau und bei allen Umbrüchen ein ausgewogenes<br />

Verhältnis zwischen sekundärem und tertiärem Sektor. Führende Rollen nehmen Metall-<br />

und Maschinenbau sowie <strong>der</strong> Handel ein.<br />

Mit <strong>der</strong> Melitta-Untenehmensgruppe beheimatet Minden zudem einen international renommierten<br />

Hersteller <strong>von</strong> Kaffeezubereitungsprodukten sowie vielen weiteren Artikeln und ist<br />

da<strong>mit</strong> weltweit ein Begriff.<br />

Als beson<strong>der</strong>e Anpassungen an die Herausfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Gegenwart können u.a. die Konversionsprojekte<br />

auf den Gebieten ehemaligen Militärgeländes betrachtet werden, die in erster<br />

Linie an die Aufgaben einer angemessenen (wirtschaftlichen) Zukunftsorientierung gebunden,<br />

aber, wie das Preußenmuseum zeigt, <strong>der</strong> Tradition nicht entwurzelt sind.<br />

Preußenmuseum<br />

Welcher Platz für die landesgeschichtliche Ausstellung <strong>der</strong> preußischen Ära eignete sich besser<br />

als die ehemalige Defensionskaserne am neu zu gestaltenden Simeonsplatz, dem frühesten<br />

Zeugnis des preußischen Klassizismus in Minden aus dem Jahr 1829. Innerhalb <strong>der</strong> einzigartigen<br />

Architektur wird z.Z. die Vielfalt <strong>der</strong> Beziehungen zwischen Brandenburg-Preußen und<br />

seinen westfälischen Landesteilen im 17. und 18. Jahrhun<strong>der</strong>t, demnächst auch die Entwicklung<br />

bis zu den Anfängen des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts dokumentiert. Thematisch reicht das Spektrum<br />

<strong>von</strong> den einschneidenden Ereignissen <strong>der</strong> politischen Geschichte über die Darstellung sozialer,<br />

wirtschaftlicher und militärischer Entwicklungen bis hin zur Kirchen- und Bildungsgeschichte<br />

sowie <strong>der</strong> allgemeinen Geistesgeschichte. In Kooperation <strong>mit</strong> dem Geheimen Staatsarchiv<br />

Berlin ist zudem eine Ausstellung zur Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen<br />

7


und Livland erarbeitet worden. In Ergänzung zur Dauerausstellung finden sich Son<strong>der</strong>ausstellungen<br />

zu Kunst und Kultur im Programm. Räume für Tagungen und Veranstaltungen<br />

sowie ein Café-Restaurant runden das Angebot ab.<br />

Porta Westfalica<br />

Porta Westfalica wurde 1973 aufgrund des Beschlusses des Landtages zur Gebiets- und Verwaltungsreform<br />

vom 01.01. 1973 <strong>mit</strong> dem Zusammenschluss <strong>von</strong> 15 Gemeinden gegründet. Auf altem Stammesland<br />

<strong>der</strong> Sachsen liegend, ragt seit über 100 Jahren das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg<br />

hervor. Die einzelnen Siedlungen lassen sich hinsichtlich ihres Ursprungs bis in das Mittelalter<br />

verfolgen. Die Schalksburg wird bereits 1096 urkundlich erwähnt und gibt als „Haus zum Berge“,<br />

wie sie später genannt wurde, dem Ort Hausberge seinen Namen. Hausberge bildet heute als<br />

Verwaltungssitz den Stadtkern.<br />

Der Namensursprung <strong>der</strong> Stadt liegt etwa 200 Jahre zurück, als Porta Westfalica die Bezeichnung für<br />

das Durchsbruchtal <strong>der</strong> Weser zwischen Weser- und Wiehengebirge war.<br />

Heute ist Porta Westfalica aufgrund <strong>der</strong> Verkehrslage an A2 und A30 sowie <strong>der</strong> Nähe zu den<br />

internationalen Flughäfen Münster-Osnabrück, Hannover und Pa<strong>der</strong>born ein lukrativer Wirtschaftsstandort.<br />

Neben kleinen und <strong>mit</strong>tleren Betrieben gibt es auch große, international tätige<br />

Unternehmen, die sich die differenzierten Gewerbeflächenangebote und die Lage <strong>der</strong> Stadt zu<br />

Nutze gemacht haben.<br />

Kaiser-Wilhelm-Denkmal<br />

Während <strong>der</strong> Zeit <strong>der</strong> Vereinigung <strong>der</strong> deutschen Staaten im zweiten Kaiserreich 1871 bis<br />

1918, um die bekanntlich lange gerungen wurde, existierte ein ausgeprägtes Bewusstsein für<br />

die nationale Einheit. Dieser wurde <strong>mit</strong> einer Vielzahl <strong>von</strong> Nationaldenkmälern gehuldigt. Da<br />

war es nicht verwun<strong>der</strong>lich, dass nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. 1888 vielerorts Pläne<br />

entwickelt wurden, seiner in Form eines Denkmals zu erinnern. Schließlich hatte <strong>der</strong> Provinziallandtag<br />

in Münster 1889 zwischen elf Standorten zu entscheiden, legte sich per Abstimmung<br />

auf Porta Westfalica fest und stellte zudem 50.000 Goldmark für die Errichtung zur<br />

Verfügung. Weitere 300.000 Goldmark wurden durch Spenden aufgebracht. Geschaffen wurde<br />

das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vom Bildhauer und gebürtigen <strong>Westfalen</strong> Kaspar <strong>von</strong> Zumbusch<br />

aus Wien, nach Plänen des seinerzeit bedeutendsten deutschen Denkmal-Künstlers,<br />

dem Berliner Architekten Bruno Sch<strong>mit</strong>z. Allerdings sprengte das Vorhaben den Kostenrahmen,<br />

so dass erst im September 1892 <strong>mit</strong> dem Bau begonnen werden konnte. Am 18.10. 1896<br />

wurde das Denkmal im Beisein <strong>von</strong> Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria sowie<br />

15-20.000 Menschen feierlich eingeweiht.<br />

Es besteht aus Porta-Sandstein, <strong>der</strong> aus einem Stollen im Wittekindsberg abgebaut wurde. Das<br />

tempelartige Bauwerk ist dreigeteilt. Von <strong>der</strong> Ringterrasse <strong>mit</strong> 30 Stützpfeilern und einem<br />

Durchmesser <strong>von</strong> 120 m führt eine Freitreppe zur Hoch-Terrasse. Von hier führen nochmals<br />

20 Stufen bis zum Kuppelbau, wo sich das Standbild des Kaisers befindet. Die 7 m hohe Kaiserfigur<br />

steht auf einem 5,5 m hohen Steinsockel. Das Standbild des Kaisers besteht aus vernieteten<br />

Kupferplatten und zeigt den Kaiser barhäuptig, die linke Hand auf den Pallasch gestützt,<br />

die rechte Hand erhoben. Über dem Standbild erhebt sich ein 50 m hoher Baldachin,<br />

<strong>der</strong> <strong>von</strong> 6 gewaltigen Säulen getragen wird. Diese schließen sich in 18 m Höhe zu Rundbögen.<br />

32 m ist <strong>der</strong> Außendurchmesser des Baldachins, <strong>der</strong> Innenraum misst 18 m im Durchmesser.<br />

Das Denkmal ist insgesamt 88 m hoch. Auf seiner Spitze befindet sich eine 2,5 m<br />

hohe Kaiserkrone <strong>mit</strong> vergoldetem Kreuz.<br />

Von den Denkmalterrassen hat man eine wun<strong>der</strong>bare Aussicht auf das gegenüberliegende<br />

Wesergerbirge <strong>mit</strong> dem Jacobsberg, auf den Luft- und Kneippkurort Porta Westfalica-<br />

Hausberge sowie auf das Wesertal und die Weserbrücke.<br />

Das einstige Nationaldenkmal ist heute zum Wahrzeichen <strong>der</strong> Region geworden und ein beliebtes<br />

Ausflugsziel. Ein wesentlicher Grund hierfür ist sicher, dass sich das Denkmal in ei-<br />

9


nem beliebten Tourismusgebiet befindet, das <strong>mit</strong> zahlreichen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten,<br />

landschaftlichen Reizen und umliegenden Bä<strong>der</strong>n aufwarten kann. Diese sind durch<br />

Wan<strong>der</strong>wege wie den Wittekindsweg und Fahrradrouten wie die Wellness- und die Bahn-<br />

Rad-Route <strong>mit</strong>einan<strong>der</strong> vernetzt, was die Region zu einer aufregenden Erholungs- Erkundungs-<br />

und Urlaubslandschaft macht.<br />

Herford<br />

Eingerahmt zwischen dem Wiehengebirge im Norden, <strong>der</strong> Weser und dem Weserbergland im Osten<br />

und dem Teutoburger Wald erstreckt sich das Wittekindsland Herford <strong>mit</strong> seinen sanften Hügeln und<br />

Wäl<strong>der</strong>n, idyllischen Seen und Flüssen sowie weiten Fel<strong>der</strong>n und Fluren. Diese landschaftliche Kulisse<br />

war Ende des 8. Jahrhun<strong>der</strong>ts Schauplatz des erbitterten Wi<strong>der</strong>standes des Sachsen Widukind gegen<br />

Karl den Großen.<br />

Die Heere zogen damals durch eine Furt des Flusses Werre, worauf <strong>der</strong> Name <strong>der</strong> 823 gegründeten<br />

Stadt zurückgeht. Herford wurde zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum des Mittelalters, begründet<br />

durch ausgeprägten Handel und den Einfluß <strong>der</strong> Kirche.<br />

Die heutige Struktur Herfords ist durch eine Branchenvielfalt auf <strong>mit</strong>telständischer Ebene<br />

geprägt. Bis in die 1970er Jahre wurde das Bild <strong>von</strong> Textil- und Holzindustrie bestimmt.<br />

Strukturbedingte Konjunkturrückgänge in diesen Bereichen sind insbeson<strong>der</strong>e durch einen<br />

gewachsenen Dienstleistungssektor und die aufstrebende Kommunikationstechnologie nicht<br />

nur kompensiert, son<strong>der</strong>n allgemein in Wachstum überführt worden.<br />

Dennoch sind es beson<strong>der</strong>s Textilien sowie Möbel, die Herford bekannt gemacht und auch<br />

heute noch eine große Bedeutung für die Stadt haben. Im Jahr 2000 hat das Bekleidungsgewerbe<br />

als führende Branche 16% des Arbeitskräftebedarfs abgedeckt. Es folgte, ebenfalls<br />

noch in <strong>der</strong> Tradition stehend, die Holzverarbeitung <strong>mit</strong> 12%.<br />

Diese beson<strong>der</strong>e Stellung <strong>der</strong> Holz- und Möbelbranche wird ihre kunstvolle Würdigung in<br />

dem kurz vor <strong>der</strong> Vollendung stehenden multifunktionalen Ausstellungsgebäude MARTa<br />

Herford erhalten.<br />

MARTa Herford<br />

Unter dem Dach des virtuellen Gemeinschaftsgebäudes MARTa Herford wollen die unterschiedlichen<br />

Akteure <strong>der</strong> regionalen Möbelwirtschaft zukünftig noch intensiver zusammenarbeiten<br />

und sich den Herausfor<strong>der</strong>ungen zukünftiger Märkte stellen. Mit dem Museumsneubau<br />

in Herford soll diese Zusammenarbeit eine aufsehenerregende bauliche Ausformung finden.<br />

MARTa Herford schlägt eine Brücke zwischen Kunst und Design. Das Projekt wirkt als<br />

Transformator zwischen Menschen und Dingen, Räumen und Zeiten. Es sollen Kräfte gebündelt<br />

und nach außen Wirkungen gezeigt werden. Vor dem Hintergrund <strong>der</strong> regional stark vertretenden<br />

Möbelindustrie sollen vielfältige Funktionen <strong>der</strong> Kunst-Kommunikation verwirklicht<br />

werden.<br />

In das multifunktionale Ausstellungsgebäude, das 2003 eröffnet wird, ziehen auch <strong>der</strong> Verband<br />

<strong>der</strong> Holzindustrie und Kunststoffverarbeitung <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> e.V. und die LGA Qualitätsservice<br />

GmbH ein.<br />

Entworfen wurde das Gebäude vom amerikanischen Architekten Frank O. Gehry, zu dessen<br />

bekanntesten Gebäuden in Europa das Guggenheimmuseum in Bilbao zählt. Die<br />

ARCHIMEDES GmbH aus Herford leitet in enger Kooperation <strong>mit</strong> Gehry Partners, LLP das<br />

Bauprojekt vor Ort.<br />

Geleitet wird MARTa Herford vom belgischen Künstler Jan Hoet, <strong>der</strong> bereits zahlreiche internationale<br />

Ausstellungen organisiert hat, u.a. die Documenta IX in Kassel.<br />

Ein Ausblick auf das, was Herford erwartet, konnte und kann schon jetzt <strong>mit</strong> einer Reihe <strong>von</strong><br />

Ausstellungen zeitgenössischer Kunst unter dem Namen „Zeitweise“ geboten werden. Zunächst<br />

waren im Elsbachgebäude gegenüber dem Baustellengelände an <strong>der</strong> Goebenstraße bis<br />

zum April Werke <strong>von</strong> Panamarenko zu sehen. Zur Zeit läuft die umstrittene und wegen ihrer<br />

10


Gewaltdarstellungen zunächst verbotene Ausstellung „Black Low“ des norwegischen Künstlers<br />

Bjarne Melgaard.<br />

Bielefeld<br />

Der Ravensberger Graf Hermann IV. gründete die Stadt Bielefeld im Jahre 1214 und plante da<strong>mit</strong> die<br />

Sicherung seiner Herrschaft und die Steigerung seiner wirtschaftlichen Macht. Als Kreuzung alter<br />

Handelswege war sie ein ideales Territorium, um Kaufleute aus <strong>der</strong> Umgebung und dem benachbarten<br />

Münster anzulocken, die fortan die Stadtentwicklung bestimmten. Mitte des 13. Jahrhun<strong>der</strong>ts ließ <strong>der</strong><br />

Graf die Sparrenburg als Verwaltungs<strong>mit</strong>telpunkt bauen. Die dafür nötigen Handwerker begannen,<br />

sich vor den Toren <strong>der</strong> Altstadt nie<strong>der</strong>zulassen und begründeteten da<strong>mit</strong> eine weitere - ungeplante -<br />

Besiedlung. Erst 1520 wurden Alt- und Neustadt vereinigt. Das <strong>von</strong> Handwerkern und Kaufleuten<br />

geprägte Bielefeld gehört seit dem 15. Jahrhun<strong>der</strong>t <strong>der</strong> Hanse an, doch erst Ende des 16. Jahrhun<strong>der</strong>ts<br />

erschien <strong>mit</strong> dem Leinen das Markenzeichen und <strong>der</strong> Exportschlager <strong>der</strong> Stadt auf dem Markt.<br />

Im 17. Jahrhun<strong>der</strong>t brachte das Leinengewerbe beträchtlichen Wohlstand, wobei im Umland produziert<br />

und im Zentrum gehandelt wurde. Konkurrenz durch Baumwolle und maschinelle Produktion<br />

<strong>von</strong> Garnen in Irland führten nach 1830 in die Krise.<br />

Mit <strong>der</strong> Anbindung an die Köln-Mindener Eisenbahn 1847 und da<strong>mit</strong> <strong>der</strong> preisgünstigen Anlieferung<br />

<strong>von</strong> Kohle, <strong>der</strong> Kompetenz im Ausland geschulter Kaufleute, Flachsanbau in <strong>der</strong> Umgebung und billigen<br />

und kompetenten Arbeitern in den Handspinnern und -webern sind die Faktoren <strong>der</strong> erfolgreichen<br />

Industrialisierung <strong>der</strong> Textilproduktion genannt, wodurch das Gewerbe aus <strong>der</strong> Krise geführt wurde.<br />

Synonym dieses Aufschwungs wurde die 1854 gegründete Ravensberger Spinnerei, die unter Beteiligung<br />

vieler Kaufleute als Aktiengesellschaft betrieben wurde und zeitweise die größte Maschinenspinnerei<br />

Europas war. Im Jahr 1862 wurde die Weiterverabeitung angeschlossen und eine Weberei<br />

errichtet, schließlich liefen 1870 11% aller Spindeln und Webstühle Deutschlands in Bielefeld. „Bielefel<strong>der</strong><br />

Wäsche“ wurde zu einer weit über die Region hinaus bekannten Marke. Industrielle Fertigung<br />

<strong>von</strong> Bettwäsche, Blusen und Hemden um die Jahrhun<strong>der</strong>twende waren <strong>von</strong> solch enormer wirtschaftlicher<br />

Bedeutung für die Stadt, dass diese Branche noch heute das wirtschaftliche Bild <strong>mit</strong>prägt. Dennoch<br />

wandelte sich Bielefeld zu jener Zeit vom Leinenhandelszentrum zur Industriestadt. Die Ausrüstung<br />

<strong>der</strong> Textilfabriken lockte das Maschinenbaugewerbe an. Bielefeld entwickelte sich bis heute<br />

zum fünftgrößten Standort dieser Art in Deutschland. Beson<strong>der</strong>s bekannt sind die Dürkopp-Werke, die<br />

über Nähmaschinen, Fahrrä<strong>der</strong>, Autos, LKWs und Autobusse heute zur Produktion <strong>von</strong> Industrienähmaschinen<br />

und För<strong>der</strong>anlagen gelangt sind.<br />

Auch <strong>der</strong> Name Dr. August Oetkers, Erfin<strong>der</strong> des Backpulvers, ist als Weltmarke untrennbar <strong>mit</strong> <strong>der</strong><br />

Stadt Bielefeld verknüpft.<br />

Im Jahr 1930 zog die wirtschaftliche Expansion die Eingemeindung heute als Stadtteile zählende Orte<br />

nach sich, wodurch die Entwicklung zur Großstadt geebnet wurde. Während des Krieges wurde die<br />

Altstadt größtenteils zerstört und man entschied sich nach 1945 für eine mo<strong>der</strong>ne Neugestaltung. Das<br />

Textilgewerbe verlor an Bedeutung und die Stadt wandelte sich zunehmend zu einem Dienstleistungszentrum<br />

und im Jahr 1969 <strong>mit</strong> Gründung <strong>der</strong> Universität auch zu einer Bildungsmetropole. Die kommunale<br />

Neuordnung 1973 <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Eingemeindung weiterer Gebiete ließ die Stadt schließlich nochmals<br />

größer werden.<br />

Trotz <strong>der</strong> fehlenden natürlich gewachsenen Struktur ist Bielefeld <strong>mit</strong> seinen heute 325.000<br />

Einwohnern laut Unternehmerstudie die unternehmerfreundlichste Stadt Deutschlands.<br />

Zukunfts- und marktorientierte Wirtschaftsför<strong>der</strong>ung werden in Bielefeld großgeschrieben,<br />

was durch das Bielefel<strong>der</strong> Technologiezentrum dokumentiert wird. Über 40 junge Unternehmen,<br />

beson<strong>der</strong>s aus <strong>der</strong> Informations- und Kommunikationsbranche, aber auch aus <strong>der</strong> Biotechnologie<br />

sind hier genauso tätig wie Entwicklungslabors, die neue Materialien erforschen.<br />

Sie alle nutzen die technische Infrastruktur, die Universität und Fachhochschule zur Verfügung<br />

stellen. Ein angeschlossenes Grün<strong>der</strong>zentrum ebnet Existenzgrün<strong>der</strong>n den Weg und ein<br />

in Kürze in Betrieb genommener Technologiepark erweitert das innovative Spektrum <strong>der</strong> Zukunftsorientierung.<br />

Darüber hinaus dokumentiert die Integration <strong>der</strong> <strong>von</strong> Bodelschwinghschen Anstalten Bethel<br />

im Stadtteil Gad<strong>der</strong>baum das beson<strong>der</strong>e soziale Engagement Bielefelds.<br />

11


Auch sportlich ist einiges in Bielefeld los, die Kicker <strong>von</strong> Arminia schafften in diesem Jahr<br />

zum sechsten Mal den Aufstieg in die Bundesliga und halten da<strong>mit</strong> den nationalen Rekord.<br />

Die <strong>von</strong> Bodelschwinghschen Anstalten Bethel<br />

Als Pastor Friedrich <strong>von</strong> Bodelschwingh 1872 die Leitung <strong>der</strong> 1867 in Bielefeld gegründeten<br />

Anstalt übernahm, entstand ein beispielhaftes diakonisch geprägtes Gemeinwesen auf den<br />

Säulen Nächstenliebe und Solidarität. Die Idee, sozial benachteiligte Menschen und Menschen<br />

<strong>mit</strong> Behin<strong>der</strong>ungen und Erkrankungen in verschiedener Weise bei <strong>der</strong> Integration in<br />

den gesellschaftlichen Alltag zu unterstützen und das Zusammenleben behin<strong>der</strong>ter und nicht<br />

behin<strong>der</strong>ter Menschen zu för<strong>der</strong>n, hat ein ausgeprägtes Netzwerk <strong>von</strong> Ortschaften <strong>der</strong> Bodelschwinghschen<br />

Anstalten entstehen lassen, <strong>von</strong> denen eine in Bielefeld-Gad<strong>der</strong>baum beheimatet<br />

ist.<br />

„Bethel“ kommt aus dem Hebräischen und heißt „Haus Gottes“ und entsprechend gilt für die<br />

Ortschaften, dass je<strong>der</strong> Mensch unabhängig seiner Verfassung seine unantastbare Würde besitzt<br />

und Teil des Ganzen ist. Heute setzen sich in Bethel rund 11.000 Mitarbeiterinnen und<br />

Mitarbeiter für die zu betreuenden Menschen ein, in Kliniken, Heimen, Schulen und Kin<strong>der</strong>gärten,<br />

Wohngruppen, Werktherapien und Werkstätten für Behin<strong>der</strong>te sowie immer mehr in<br />

ambulanten Diensten.<br />

Die zentralen Arbeitsgebiete sind die Behin<strong>der</strong>ten-, Alten-, Jugend- und Wohnungslosenhilfe,<br />

Arbeit und berufliche Rehabilitation sowie die Psychiatrie und die medizinische Versorgung<br />

in Akutkrankenhäusern. In <strong>der</strong> Epilepsiebehandlung und –forschung sind die v. Bodelschwinghschen<br />

Anstalten Bethel führend. Neben den medizinischen und pädagogischen Einrichtungen<br />

gibt es Kirchen, Sport- sowie an<strong>der</strong>e Freizeit- und Begegnungsstätten, Handwerksbetriebe<br />

und Einkaufsmöglichkeiten.<br />

Bethel ist ein Ort, in dem exemplarisch das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen<br />

integrativ gestaltet wird: Menschen, die die Dienstleistungen in Anspruch nehmen, Menschen,<br />

die dort arbeiten und Menschen, die aus an<strong>der</strong>en, vielleicht persönlichen Gründen in den Ortschaften<br />

leben und an <strong>der</strong> Idee teilhaben möchten.<br />

Vieles, was zur Verbesserung <strong>der</strong> Lebenssituation <strong>der</strong> Menschen in Bethel beiträgt, ist dabei<br />

nur durch die rund 340.000 Spen<strong>der</strong> möglich, die sich dieser Einrichtung und ihrer Philosophie<br />

verbunden fühlen.<br />

Aber Bethel ist nicht nur selbstbezogen, son<strong>der</strong>n kooperiert international <strong>mit</strong> ähnlichen Institutionen,<br />

z.B. <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Cleveland Clinic Foundation, för<strong>der</strong>t den Auf- und Ausbau medizinischer<br />

und sozialer Hilfeeinrichtungen in Osteuropa und stellt <strong>mit</strong> den Krankenanstalten Gilead<br />

das akademische Lehrkrankenhaus <strong>der</strong> Universität in Münster.<br />

Dr. August Oetker Nahrungs<strong>mit</strong>tel KG<br />

Die Dr. August Oetker Nahrungs<strong>mit</strong>tel KG ist nicht nur eines <strong>der</strong> bekanntesten und größten<br />

Unternehmen <strong>der</strong> deutschen Nahrungs<strong>mit</strong>telindustrie, sie bürgt auch für eine in aller Welt<br />

geschätzte Marke <strong>von</strong> beson<strong>der</strong>er Qualität. Etwa 370 Produkte – das Sortiment reicht <strong>von</strong><br />

Backzutaten über tiefgekühlte Pizzen bis hin zu Müslis und vielem mehr – genießen durch<br />

den Namen „Oetker“ als Gütesiegel in höchstem Maße das Vertrauen <strong>der</strong> internationalen<br />

Kundschaft. In Deutschland produziert das Unternehmen ihre Artikel bei rund 3.000 Beschäftigten<br />

in vier Produktionsstätten und erzielte im Jahr 2000 einen Bruttojahresumsatz <strong>von</strong><br />

über 1,1 Mrd. Mark. Auch die internationalen Märkte werden unter dem Firmendach Oetker<br />

International ständig ausgebaut, was insbeson<strong>der</strong>e nur durch eine innovative Unternehmenspolitik<br />

und Produktherstellung möglich ist. Innovation und Expansion, <strong>mit</strong> diesen Schlagworten<br />

lässt sich seit jeher die Entwicklung <strong>der</strong> Fa. Oetker auf eine kurze Formel bringen.<br />

Ein Pülverchen hier<strong>von</strong>, eine Spitze da<strong>von</strong> – so ähnlich muss es gewesen sein und ein Hauch<br />

<strong>von</strong> Erfin<strong>der</strong>romantik erfüllte wohl den Raum, als <strong>der</strong> Apotheker Dr. August Oetker 1890 in<br />

<strong>der</strong> Hinterstube einer Bielefel<strong>der</strong> Apotheke das Backpulver „Backin“ erfand. Zehn Jahre spä-<br />

12


ter führte er den berühmten „Hellkopf“ als Markenkennung ein und erwies sich da<strong>mit</strong> auch<br />

auf dem Feld des Marketing als einer <strong>der</strong> Pioniere mo<strong>der</strong>nen Wirtschaftens. Die Oetker-<br />

Produkte standen fortan so hoch im Kurs, dass 1900 eine neue Fabrik in Bielefeld gegründet<br />

wurde und 8 Jahre später in Baden bei Wien <strong>der</strong> erste ausländische Standort zu vermelden<br />

war. In den 1920er Jahren entstanden weitere Tochterfirmen in Frankreich, Polen, Belgien,<br />

Dänemark und Italien. Am Ende jenes Jahrzehnts warb Dr. Oetker bereits <strong>mit</strong> 20minütigen<br />

Filmen im Kino, außerdem forcierten Informationsmobile, Filmvorführungen und Vortragsveranstaltungen<br />

das Geschäft. In Zeiten des Krieges machte das Unternehmen sich daran,<br />

seine Rezepte dem allgemeinen Zustand <strong>der</strong> Knappheit anzupassen und erwies sich als ideenreicher<br />

Hilfesteller zur Lin<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Not. Nach dem Krieg führte Rudolf-August Oetker, <strong>der</strong><br />

Enkel des Firmengrün<strong>der</strong>s, das Unternehmen weiter zum internationalen Erfolg. Während <strong>der</strong><br />

Wirtschaftswun<strong>der</strong>zeit entstanden international 15 eigene Betriebe und Vertriebsgesellschaften.<br />

In den 1960er Jahren wurde eine Versuchsküche als Marketingidee berühmt, außerdem<br />

produzierte Oetker erstmals Eiskrem und eröffnete in Ettlingen eine Eiskremfabrik. Mit dem<br />

Erscheinen <strong>von</strong> Eisschränken und Kühltruhen gab es wie<strong>der</strong> einen Grund, bewährten Ideenreichtum<br />

und Innovationspotenzial zu aktivieren – 1970 erschien die erste Tiefkühlpizza auf<br />

dem Markt. In den 1980er Jahren, August Oetker, Sohn <strong>von</strong> Rudolf- August Oetker, war inzwischen<br />

als persönlich haften<strong>der</strong> Gesellschafter in das Unternehmen eingetreten, sind verschiedene<br />

Hersteller zur Dr. August Oetker Nahrungs<strong>mit</strong>tel KG zusammengeschlossen worden.<br />

Die Inhaberfamilie stellt sich ihrer Verantwortung nicht nur im Unternehmen, son<strong>der</strong>n auch<br />

gegenüber <strong>der</strong> Gesellschaft. Umweltorientierte Unternehmensführung, die erfolgreiche Erprobung<br />

<strong>von</strong> Arbeitszeitmodellen sowie soziales und kulturelles Engagement kennzeichnen<br />

die Einstellung gegenüber Mitarbeitern und <strong>der</strong> Gesellschaft.<br />

Beispielhaft sei die Einführung des Umweltmanagementsystems 1993 genannt, <strong>mit</strong> dem Umweltschutz<br />

als ein Aspekt in die unternehmerischen Tätigkeiten integriert wurde. Einzelne<br />

Werke und Bereiche unterliegen hinsichtlich ihrer umweltbelastenden Rolle <strong>der</strong> ständigen<br />

Überwachung.<br />

Gütersloh<br />

Wie für den ganzen ostwestfälischen Raum aufgrund <strong>der</strong> geographischen Zentrallage typisch lebte das<br />

damalige Heidedorf im Mittelalter u.a. entsprechend lange vom Fuhrgewerbe<br />

Der archäologische Fund des „Pavenstädter Riesenbechers“ <strong>von</strong> 1951 verweist allerdings auf eine<br />

Besiedlung noch vor dieser Zeit etwa 1500 v. Chr.<br />

Die jüngere Geschichte führt in das Jahr 1184, als das Dorf in einer Urkunde des Bischofs <strong>von</strong> Osnabrück<br />

erstmals erwähnt wird. Seit Mitte des 19. Jahrhun<strong>der</strong>ts entwickelte sich die junge Stadt (seit<br />

1825) zu einem bedeutenden und florierenden Wirtschaftsstandort. Beson<strong>der</strong>s herausragende Entwicklungen<br />

nahmen das Medienunternehmen Bertelsmann, das <strong>von</strong> Carl Bertelsmann durch die Eröffnung<br />

einer <strong>der</strong> ersten Steindruckereien <strong>Westfalen</strong>s im Jahr 1824 aus <strong>der</strong> Taufe gehoben wurde, und<br />

die Firma Miele, die auf Carl Miele zurückgeht, <strong>der</strong> im Jahr 1899 eine Zentrifugen- und Haushaltsgerätefabrik<br />

ansiedelte.<br />

Knapp 100.000 Einwohner leben in <strong>der</strong> Hauptstadt eines <strong>der</strong> flächenmäßig größten Kreisgebiete.<br />

Seit 1973 Kreisstadt, spielt Gütersloh wirtschaftlich, kulturell und bürokratisch für<br />

330.000 Einwohner des Kreises eine erhebliche Rolle. Die Stadt bietet neben städtischer Atmosphäre<br />

auch genügend Raum für nachbarschaftliches Zusammenleben nach ländlichem<br />

Muster. Attraktiv ist die zentral an den wichtigen Ost-West- und Nord-Süd-Verkehrsachsen<br />

gelegene Stadt insbeson<strong>der</strong>e auch für all diejenigen, die <strong>von</strong> günstigen Anbindungen und kurzen<br />

Wegen profitieren möchten.<br />

Mehr als 5.000 Unternehmen verteilen sich auf viele Branchen und bezeichnend für einen<br />

Großteil <strong>von</strong> ihnen ist, dass sie als Familienunternehmen einheimische Wurzeln haben und<br />

13


da<strong>mit</strong> für westfälischen Tatendrang stehen. In diesem Zusammenhang sind auch die Namen<br />

Bertelsmann und Miele zu nennen, die Gütersloh im beson<strong>der</strong>en Weltgeltung verschaffen.<br />

Gerade Familienbetriebe sind in <strong>der</strong> Regel <strong>von</strong> solchem Unternehmergeist geprägt, <strong>der</strong> Profitstreben<br />

<strong>mit</strong> sozialer Verantwortung verbindet, wie insbeson<strong>der</strong>e auch die Firmengeschichte<br />

des Medienunternehmens Bertelsmann und die daraus hervorgehende Bertelsmann Stiftung<br />

beweisen.<br />

Bertelsmann Stiftung<br />

Einer <strong>der</strong> herausragendsten Unternehmer Deutschlands, <strong>der</strong> Gütersloher Reinhard Mohn,<br />

gründete 1977 die Bertelsmann Stiftung. Mohn, <strong>der</strong> kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die<br />

Leitung des familieneigenen Druck- und Verlagsbetriebes übernahm, kann auf die beeindrukkende<br />

Leistung zurückblicken, das seinerzeit nur regional bedeutsame und <strong>mit</strong>telständische<br />

Verlagshaus Bertelsmann in die Spitzengruppe <strong>der</strong> internationalen Medienunternehmen geführt<br />

zu haben. Dabei vertrat er stets die Maxime, dass ethische Prinzipien wie Fairness, Partnerschaft<br />

und Gerechtigkeit ökonomischen Plänen und Zielen vorgeordnet werden müssen<br />

und überhaupt erst <strong>der</strong>en effiziente Umsetzung ermöglichen. Entsprechend gewährleistete er<br />

seinen Mitarbeitern einen größtmöglichen Freiraum und machte er sich für materielle Gerechtigkeit<br />

und soziale Sicherheit stark, was ihm <strong>mit</strong> hoher Motivation und große Leistungsbereitschaft<br />

gedankt wurde. Nur so ist es wohl zu erklären, dass Bertelsmann <strong>mit</strong> über 81.000<br />

Mitarbeitern in mehr als 60 Län<strong>der</strong>n zuletzt einen Umsatz <strong>von</strong> 32,4 Mrd. Mark erzielte.<br />

Der für seine unternehmerische Tätigkeit mehrfach ausgezeichnete Mohn gab 1981 den Vorstandsvorsitz<br />

ab und zog sich 1991 auch aus dem Aufsichtsrat zurück, um sich ganz <strong>der</strong> <strong>von</strong><br />

ihm ins Leben gerufenen Stiftung widmen zu können. Er fungierte bis Oktober 2001 als <strong>der</strong>en<br />

Präsidiumsvorsitzen<strong>der</strong>, bevor er das Amt an Dr. Gunter Thielen übergab.<br />

Der idealistische Hintergrund <strong>der</strong> Bertelsmannstiftung besteht einerseits aus gesellschaftsund<br />

unternehmenspolitischen Überlegungen, das traditionelle sozialpolitische, kulturelle und<br />

soziale Engagement <strong>der</strong> Inhaberfamilien Bertelsmann und Mohn auf breiter praktischer Basis<br />

fortzusetzen, und an<strong>der</strong>erseits aus <strong>der</strong> Absicht, die Unternehmenskontinuität zu sichern, weshalb<br />

Mohn die Mehrheit <strong>der</strong> Kapitalanteile an <strong>der</strong> Bertelsmann AG auf die Stiftung übertragen<br />

hat. Hinsichtlich ihrer Aufgaben versteht sich die Stiftung als operative, konzeptionell<br />

arbeitende Einrichtung, die ihre Projekte selbst entwirft, initiiert und bis zur praktischen Umsetzung<br />

gestaltet. Sie arbeitet eng <strong>mit</strong> kompetenten Partnern in wissenschaftlichen, staatlichen<br />

und privaten Institutionen zusammen. Finanziert wird die Arbeit aus den Erträgen des Kapitalbesitzes.<br />

Im Geschäftsjahr 2000/01 betrug <strong>der</strong> Etat <strong>der</strong> Stiftung mehr als 54 Mio. Euro. Es<br />

waren 280 Mitarbeiter in rund 180 Projekten beschäftigt, die insbeson<strong>der</strong>e gesellschaftliche<br />

Probleme lösen helfen und Perspektiven verwirklichen sollen.<br />

Die Projekte betrafen die Bereiche Wirtschaft, Politik, Hochschule, Kultur, Medien, Medizinund<br />

Gesundheitswesen, Staat und Verwaltung, Öffentliche Bibliotheken und Stiftungswesen.<br />

Für beson<strong>der</strong>s innovative Konzepte und nachahmenswerte Lösungsansätze wird jährlich <strong>der</strong><br />

<strong>mit</strong> zuletzt 300.000 DM dotierte Carl-Bertelsmann-Preis vergeben.<br />

In Planung ist in Zusammenarbeit <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Stiftung <strong>Westfalen</strong>-Initiative und <strong>der</strong> Stiftung <strong>Westfalen</strong><br />

eine Zukunftskonferenz, auf <strong>der</strong> eine Vision für <strong>Westfalen</strong> entwickelt werden soll.<br />

15


Detmold<br />

Theotmalli (Volksgerichtstätte), so hieß <strong>der</strong> Ort, an dem Karl <strong>der</strong> Große 783 die Sachsen besiegte.<br />

1263 gründete <strong>der</strong> Edle Herr Bernhard <strong>der</strong> III. zur <strong>Lippe</strong> am Werreübergang <strong>der</strong> alten Handelsstraße<br />

Pa<strong>der</strong>born-Lemgo die Stadt Detmelle. Einige Stationen <strong>der</strong> Geschichte Detmolds seien hier erwähnt:<br />

Nachdem es während <strong>der</strong> Soester Fehde 1447 zu starken Verwüstungen gekommen war, wurde 1511<br />

<strong>mit</strong> dem bedeutendsten Bau des 16. Jahrhun<strong>der</strong>ts, dem Schloss, begonnen - ein Renaissancebau <strong>mit</strong><br />

reichem Giebelschmuck, <strong>der</strong> 1557 fertiggestellt wurde. Von 1625 bis 1637 suchte die Pest Detmold<br />

heim und raffte über 900 Menschen dahin. Im Jahr 1842 trat die Stadt dem Deutschen Zollverein bei.<br />

33 Jahre später erhielt sie bzw. das 7 km entfernte Hiddensen <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Einweihung des Herrmannsdenkmals<br />

das berühmte Wahrzeichen <strong>der</strong> Region und 1918 wurde Detmold Landeshauptstadt des<br />

„Freistaates <strong>Lippe</strong>“. Dieser wurde 1947 dem Bundesland Nordrhein-<strong>Westfalen</strong> angeschlossen und<br />

Detmold erhielt den Sitz <strong>der</strong> Bezirksregierung des neugebildeten Regierungsbezirkes.<br />

Heute zählt die ehemalige Residenz Detmold <strong>mit</strong> ihren vielen Kulturhöhepunkten, wie etwa<br />

dem Freilichtmuseum, ca. 72.000 Einwohner und wird als ehedem <strong>mit</strong>telständisch geprägter<br />

Raum (Druckerei, Knopfbetrieb, Tabakverarbeitung, Brauereien, Holzverarbeitung) vom<br />

Verwaltungssektor dominiert (Bezirksregierung, Landeskirche, Kreisverwaltung etc.).<br />

Für die Zukunftsorientierung steht das Gewerbe- und Innovationszentrum <strong>Lippe</strong>-Detmold,<br />

kurz GILDE, das Existenzgrün<strong>der</strong>n, aufstrebenden Mittelständlern, serviceorientierten<br />

Dienstleistern und anwendungsorientierten Forschern ein kommunikatives Forum bietet, um<br />

die wirtschaftlichen Potenziale optimal und integrativ zu nutzen.<br />

Residenzschloss Detmold<br />

Die Anfänge <strong>der</strong> Detmol<strong>der</strong> Burg sind weitgehend unbekannt. Der mächtige Turm deutet stilistisch<br />

auf eine Entstehung um die Mitte des 13. Jahrhun<strong>der</strong>ts hin und dürfte zur Zeit <strong>der</strong><br />

Gründung Detmolds bereits existiert haben.<br />

Während <strong>der</strong> Soester Fehde ließ <strong>der</strong> Erzbischof <strong>von</strong> Köln im Jahre 1447 Burg und Stadt Detmold<br />

durch böhmische Söldner zerstören. Wenige Jahre danach wurde die alte Burg teilweise<br />

wie<strong>der</strong> aufgebaut und <strong>mit</strong> einer mächtigen Wallanlage bewehrt. Bereits seit 1511 diente sie<br />

den lippischen Landesherren als Residenz. Graf Bernhard VIII. berief 1549 den Baumeister<br />

Jörg Unkair, <strong>der</strong> sich bereits <strong>mit</strong> einer stattlichen Zahl <strong>von</strong> Renaissancebauten im Weserraum<br />

einen Namen gemacht hatte, nach Detmold. Von ihm stammt das Konzept einer vierflügeligen<br />

Anlage, das er bereits beim Bau des Schlosses Neuhaus bei Pa<strong>der</strong>born verwirklicht hatte.<br />

Zwei Giebel an <strong>der</strong> rechten Seite <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>front des Schlosses und die beiden vor<strong>der</strong>en<br />

Treppentürme tragen noch seine unverkennbare Handschrift. Der Befestigungsanlage <strong>mit</strong><br />

Wall wurde ein Wassergraben vorgelagert. Nach dem Tod Unkairs im Jahre 1554 fügte <strong>der</strong><br />

flämische "Steinschnei<strong>der</strong>" Johann Robin im Schlosshof die berühmte Renaissancegalerie<br />

zwischen den beiden Treppentürmen ein und Baumeister Kord Tönnies vollendete den Neubau<br />

des Schlosses. Im 18. Jahrhun<strong>der</strong>t wurde das Schloss teilweise barockisiert. Ab 1780<br />

wurden die Befestigungsanlagen im Eingangsbereich beseitigt, um Raum für den Schlossplatz<br />

zu schaffen. Nach <strong>der</strong> Abdankung und dem Tod des letzten regierenden Fürsten, Leopold IV.,<br />

lebt <strong>der</strong> jüngste Sohn, Dr. Armin Prinz zur <strong>Lippe</strong>, noch heute im Renaissanceschloss.<br />

Westfälisches Freilichtmuseum Detmold<br />

Im größten Freilichtmuseum Deutschlands - in <strong>der</strong> Trägerschaft des Landschaftsverbandes<br />

<strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> (<strong>LWL</strong>) befindlich - lernen die jährlich weit über 20.000 Besucher in originalen<br />

Gebäuden <strong>mit</strong> historischer Ausstattung und aktiven Werkstätten das Leben auf dem<br />

Lande kennen. Seit 1971 werden Kulturgüter <strong>der</strong> letzten 500 Jahre präsentiert. Ländliches und<br />

kleinstädtisches Leben im historischen <strong>Westfalen</strong> stand bei <strong>der</strong> Gründung im Mittelpunkt,<br />

inzwischen erweitert um zahllose weitere Aspekte <strong>der</strong> Geschichte. Alles ist hier, was zu Bauernhöfen<br />

und Dörfern in <strong>Westfalen</strong> gehörte: Drei Mühlen, Fachwerkhöfe <strong>mit</strong> Backstein o<strong>der</strong><br />

Lehmgeflecht sowie Werkstätten <strong>mit</strong> tätigen Handwerkern, so etwa <strong>der</strong> Schmied o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

16


Bäcker im Pa<strong>der</strong>borner Dorf des Museums. Schon heute zeigt das Westfälische Freilichtmuseum<br />

100 Gebäude aus fünf Jahrhun<strong>der</strong>ten. Das Sauerlän<strong>der</strong> Dorf war im Sommer 1997 erstmals<br />

zu besichtigen und wurde 1998 um ein Trafotürmchen und eine neue Remise bereichert.<br />

In <strong>der</strong> Saison 2001 eröffnete die Kapellenschule Werthenbach. Im Sommer 2002 wird das<br />

Pastorat aus Allagen nun das Pa<strong>der</strong>borner Dorf ergänzen. Besucher entdecken während ihrer<br />

Reise auf den Spuren <strong>der</strong> Vielfalt westfälischer Kultur stimmig eingerichtete Häuser, Höfe<br />

und Dorfanlagen, die den Zeitraum vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhun<strong>der</strong>t repräsentieren.<br />

Soziale Unterschiede sind augenfällig verdeutlicht: Das prächtige Haus des Gütersloher<br />

Branntweinproduzenten Stahl im Pa<strong>der</strong>borner Dorf und <strong>der</strong> Schultenhof versinnbildlichen<br />

sowohl in ihrer Bauweise als auch durch die stilvolle Einrichtung einen vom Wohlstand geprägten<br />

Lebensstil. Im Gegensatz dazu finden Betrachter das schlichte Tagelöhnerhaus aus<br />

Rösebeck o<strong>der</strong> auch den Kotten und das Heuerhaus. Die Härte des Arbeitsalltags früherer<br />

Zeiten ahnt <strong>der</strong> Besucher, wenn er den täglichen Demonstrationen <strong>der</strong> Handwerker beim<br />

Schmieden, Mahlen, bei <strong>der</strong> Textilherstellung und - pflege o<strong>der</strong> beim Backen und Töpfern<br />

beiwohnt.<br />

Aber es ist noch mehr Leben im Freilichtmuseum Detmold zu finden ist: Seit mehreren Jahren<br />

wird nicht nur für den Erhalt historischer Obstsorten gesorgt - etwa 200 verschiedene Sorten<br />

wachsen hier - son<strong>der</strong>n auch die älteren regionalen Haustierrassen <strong>mit</strong> rund 300 Tieren sind<br />

vertreten. Zum Teil vom Aussterben bedroht wie die <strong>Lippe</strong>gans, werden die Arten hier erhalten,<br />

um sie zu bewahren, aber auch, um sie als wesentliches Element des ländlichen Alltags<br />

vieler Menschen <strong>der</strong> letzten Jahrhun<strong>der</strong>te zeigen zu können.<br />

Hermannsdenkmal<br />

Das Hermannsdenkmal in Hiddensen bei Detmold wurde 1875 auf <strong>der</strong> 386 m hohen Grotenburg<br />

<strong>von</strong> Ernst <strong>von</strong> Bandel errichtet. Es erinnert an die Schlacht im Teutoburger Wald im<br />

Jahre 9 n. Chr., als die Germanen die Römer besiegten. Sie wurden dabei angeführt <strong>von</strong> Arminius,<br />

besser bekannt als Hermann <strong>der</strong> Cherusker.<br />

Mit bisher über 20 Mio. Besuchern insgesamt zählt das Denkmal zu den bekanntesten deutschen<br />

Ausflugszielen und kann als eine Art Kristallisationspunkt für das umliegende Tourismusgebiet<br />

betrachtet werden, das in vielerlei Hinsicht selbst <strong>mit</strong> zahlreichen Sehenswürdigkeiten<br />

an verschiedene Geschichtsepochen erinnert.<br />

Die Idee für das Denkmal als ein nationales Symbol – erste Skizzen fertigte Bandel 1819 an -<br />

stammt aus einer Zeit, als nach dem Sieg über Napoleon die Bedeutung <strong>von</strong> Befreiungskriegen<br />

in frischer Erinnerung war, <strong>der</strong> Ruf nach einer nationalen Einheit lauter wurde und freiheitlich-demokratische<br />

Strömungen an Bedeutung gewannen, die 38 souveränen Einzelstaaten<br />

des Deutschen Bundes nach dem Wiener Kongreß 1815 aber lediglich über die Bundesakte<br />

<strong>mit</strong>einan<strong>der</strong> verknüpft waren.<br />

Bandel, <strong>der</strong> im Jahr 1800 als Sohn eines preußischen Regierungsinspektors geboren wurde,<br />

war lange Jahre in Hannover und Berlin als Bildhauer und Architekt tätig, bevor ihn die Vision<br />

des Hermannsdenkmals nicht mehr losließ. Er opferte nicht nur sein Vermögen, son<strong>der</strong>n<br />

setzte sich über alle Schwierigkeiten hinweg. Trotz <strong>der</strong> anhaltenden Unruhen in Europa seit<br />

<strong>der</strong> französischen Juli-Revolution 1830 wurde 1838 <strong>der</strong> Grundstein gelegt und <strong>der</strong> Sockel auf<br />

<strong>der</strong> Grotenburg errichtet. Erst 37 Jahre später, im Sommer 1875, sah Bandel das Denkmal<br />

seiner Vollendung entgegengehen. Er wohnte in den letzten Jahren <strong>der</strong> Bauarbeiten auf „seinem<br />

Berg“ in einem einfachen Blockhaus, <strong>der</strong> „Bandelhütte“.<br />

Die Externsteine<br />

Eingebettet in ein Naturschutzgebiet liegen die Externsteine. Die aus 13 Felsen bestehende<br />

Felsengruppe ist bis zu 38 Meter hoch und kann stellenweise bestiegen werden. Diese Sandsteine<br />

sind vor Millionen <strong>von</strong> Jahren durch eine Eruption nach oben beför<strong>der</strong>t worden. Schon<br />

immer galt dieser Ort als Kultstätte. Im Jahr 1093 wurden die Externsteine urkundlich an das<br />

17


Kloster in Pa<strong>der</strong>born übertragen. Im Jahr 1115 weihte <strong>der</strong> Pa<strong>der</strong>borner Bischof Heinrich II die<br />

Kapelle ein, die in den Felsen eingeschlagen wurde. 15 Jahre später schufen die Mönche des<br />

Klosters ein Steinrelief, welches die "Kreuzabnahme Christi" darstellt. Ab dieser Zeit sind die<br />

Externsteine ein vielbesuchter Wallfahrtsort geworden. Auf einem <strong>der</strong> Sandsteine befindet<br />

sich ein kleinerer Stein, <strong>der</strong> optisch bald herunterzufallen droht. Dieser Stein soll angeblich<br />

eine Schutzfunktion ausgeübt haben. Man wollte den Gegner praktisch <strong>mit</strong> dem Stein erschlagen,<br />

sobald er durch die Felsgruppe kam. Es gibt viele Geschichten um die Externsteine,<br />

sogar ganze Bücher beschäftigen sich <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Geschichte dieses Ortes. 1659 wurden Modifikationen<br />

vorgenommen, die die Felsengruppe als festungsartiges Lust- und Jagdhaus verwandeln<br />

sollten. Den Auftrag dazu gab <strong>der</strong> Graf Hermann Adolf zur <strong>Lippe</strong>. Im Jahr 1810 wurden<br />

diese Verän<strong>der</strong>ungen jedoch durch Fürstin Pauline teilweise in den Ursprungszustand zurückversetzt.<br />

Sie lies auch die noch heute existierenden eisernen Stufen und Gelän<strong>der</strong> anbringen.<br />

Der vor <strong>der</strong> Felsengruppe liegende See wurde erst im Jahr 1835 künstlich angelegt.<br />

Bad Meinberg<br />

Auch wenn <strong>der</strong> Ursprung Bad Meinbergs auf einen Meierhof aus dem Jahre 978 zurückgeht, <strong>der</strong> bis<br />

1960 stummer Zeuge <strong>der</strong> Entwicklung war, so liegen die Wurzeln des spezifischen Charakters des<br />

Kurortes im Jahr 1676. Der Arzt Andreas Cunaeus erwähnte in diesem Jahr die Erde des Meinberger<br />

Gesundbrunnens als gutes Heil<strong>mit</strong>tel gegen Ruhr. Die offizielle Erklärung zum „Curort“ erfolgte 1767<br />

durch Graf Simon August und drei Jahre später wurde <strong>der</strong> historische Kurpark als barocke Anlage<br />

fertiggestellt. Das Heilbad machte sich schnell einen Namen. Im Jahr 1820 wurden die ersten Moorbä<strong>der</strong><br />

abgegeben und 22 Jahre später wurde das Badehaus erstellt, dass noch heute als Wahrzeichen<br />

im alten Kurpark steht. Seit dem 06. 10. 1903 darf laut fürstlicher Or<strong>der</strong> <strong>der</strong> Zusatz „Bad“ im Ortsnamen<br />

getragen werden.<br />

Bad Meinberg steht stellvertretend für die Kur- und Bä<strong>der</strong>landschaft <strong>der</strong> Region, die in Verbindung<br />

<strong>mit</strong> zahlreichen Sehenswürdigkeiten, z.B. den Externsteinen, den hohen touristischen<br />

Stellenwert ausmachen. Das heutige Heilprogramm basiert auf einem umfangreichen<br />

„Wellness“-Angebot. Thermal-Mineral-Bad, Golfanlage, Kur-Theater, historischer Stadtkern<br />

o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Län<strong>der</strong>waldpark „Silvaticum“ bieten ein entspannendes gesundheitskulturelles Ambiente,<br />

in das Kompakt- Bade- und Trinkkuren eingebunden sind. Durch die individuelle Gestaltungsmöglichkeit<br />

<strong>der</strong> Kur, kann eine stressfreie und da<strong>mit</strong> effiziente Kurbehandlung gewährleistet<br />

werden.<br />

Kurpark Bad Meinberg<br />

Der historische Kurpark entstand um1770 als barocke Anlage und erhielt seine heutige Form<br />

um 1820. Kastanien, Akazien, Fichten, Ahorn, Platanen und Buchen bilden einen artenreichen<br />

Kranz um die geometrisch gestalteten Parkwege. Das stimmungsvolle Naturambiente lädt die<br />

Besucher in je<strong>der</strong> Jahreszeit zum erholsamen Flanieren ein. Im Kurtheater reicht das ganzjährige<br />

Angebot <strong>von</strong> Variete-Theater über Boulevard-Stücke bis hin zu mo<strong>der</strong>nen Jazz-<br />

Konzerten. Den Mittelpunkt <strong>der</strong> Anlage bildet <strong>der</strong> Brunnentempel, <strong>der</strong> im Jahre 1842 errichtet<br />

wurde und das Wahrzeichen Bad Meinbergs darstellt. Im Inneren ist die Bad Meinberger<br />

Heilquelle in Natura zu bestaunen.<br />

Ein weiterer Höhepunkt sind die Kurkonzerte in <strong>der</strong> Musikmuschel.<br />

18


Pa<strong>der</strong>born<br />

Die Stadt entstand direkt am Hellweg, seinerzeit wichtige Warenverkehrslinie in Europa, und war<br />

dank seiner zentraleuropäischen Lage jahrhun<strong>der</strong>telang „Handelsdrehscheibe“ für alle Güter und alle<br />

Richtungen.<br />

Pa<strong>der</strong>born war aber nicht nur Warenumschlagsplatz, son<strong>der</strong>n seit dem Mittelalter bekannt für seinen<br />

ausgeprägten Mühlenbetrieb und stand insbeson<strong>der</strong>e für zwei Produkte: Bier und Brot - das „Pa<strong>der</strong>borner“<br />

(-Brot) ist ein kulinarischer Begriff.<br />

Beide Artikel werden seit jeher in weiten Teilen Europas geschätzt und genossen. Bekannt ist die<br />

Stadt auch als ein traditionsreicher Mittelpunkt <strong>der</strong> Kirche – viele Schätze aus <strong>der</strong>en langer Geschichte<br />

lassen sich im Diözesanmuseum bewun<strong>der</strong>n.<br />

Lange Zeit wurde das wirtschaftliche Bild Pa<strong>der</strong>borns <strong>von</strong> <strong>der</strong> Landwirtschaft und angekoppelten<br />

Gewerbezweigen beherrscht, ehe die günstige Lage 1850 den Ausschlag für eine Anbindung an das<br />

Schienenverkehrsnetz gab und fortan die Eisenbahn wichtiger Wirtschaftsfaktor wurde. In dem <strong>von</strong><br />

1858 bis 1960 bestehenden Ausbesserungswerk für Dampflokomotiven waren zeitweise über 2.000<br />

Menschen beschäftigt. Nach dem Ersten Weltkrieg siedelte sich die Zementindustrie an. Zwei Werke<br />

aus <strong>der</strong> Gründungsära existieren noch heute.<br />

Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer fast völligen Zerstörung <strong>der</strong> gewachsen Wirtschaftsstrukturen,<br />

<strong>der</strong> eine florierende Neuorientierung und Expansion des Industriegewerbes nach<br />

1955 folgte. Maschinen-, Werkzeug-, und Stahlbau, Möbelbranche und die Nahrungs<strong>mit</strong>telindustrie<br />

standen nun im Vor<strong>der</strong>grund bis Pa<strong>der</strong>born in den 1970er Jahren zum Forschungs-, Aus- und Fortbildungszentrum<br />

Ostwestfalens wurde.<br />

Mit <strong>der</strong> 1972 gegründeten Universität, dem Bildungszentrum für informationsverarbeitende<br />

Berufe, Elektro- und Computerindustrie sowie zahlreichen Firmen <strong>der</strong> Informationstechnologien<br />

und Datenverarbeitung ist Pa<strong>der</strong>born heute als IT-Standort bekannt, ohne dass dabei die<br />

traditionellen Branchen und Gewerbe ins Abseits geraten wären.<br />

Pa<strong>der</strong>born und Computertechnik, das ist eine Verbindung, bei <strong>der</strong> in erster Linie <strong>der</strong> Name<br />

Nixdorf zu nennen ist. Das Heinz-Nixdorf-Museums-Forum (HNF) zeichnet heute die Geschichte<br />

<strong>der</strong> Branche nach.<br />

Aber nicht nur Computerindustrie, die gesamte Vielfalt und <strong>der</strong> Einzugsbereich <strong>von</strong> einer<br />

halben Million Menschen machen den Wirtschaftsraum Pa<strong>der</strong>born zu einer leistungsstarken<br />

und flexiblen Region <strong>mit</strong> hoher Lebensqualität.<br />

Die junge deutsche Großstadt (seit 1975) nimmt hinsichtlich ihres ökonomischen Wachstums<br />

seit Jahren eine Spitzenstellung ein, was angesichts <strong>der</strong> zukunftsträchtigen überproportionalen<br />

Konzentration <strong>von</strong> High-Tech-Unternehmen und eines innovativen Mittelstandes auch weiterhin<br />

Bestand haben dürfte.<br />

Heinz-Nixdorf-Museums-Forum<br />

Das Heinz-Nixdorf-Forum (HNF) ist dem 1986 verstorbenen Computerpionier und sozialen<br />

wie innovativen Unternehmer Heinz Nixdorf gewidmet. Es zeichnet in beeindrucken<strong>der</strong> Weise<br />

die fünftausendjährige Kulturgeschichte <strong>der</strong> Informationstechnik <strong>von</strong> <strong>der</strong> Erfindung <strong>von</strong><br />

Zahl und Schrift bis zu den kommunikationstechnologischen Errungenschaften des 21. Jahrhun<strong>der</strong>ts<br />

nach – eine Geschichte, die Nixdorf in beson<strong>der</strong>em Maße <strong>mit</strong>geschrieben hat.<br />

Die Geburtsstunde <strong>der</strong> Nixdorf Computer AG (NCAG) leitete <strong>der</strong> Pa<strong>der</strong>borner 1952 ein, als<br />

er in Essen ein Labor für Impulstechnik gründete und <strong>mit</strong> seiner Idee zum Bau eines Elektronenrechners<br />

das Energieversorgungsunternehmen RWE als För<strong>der</strong>er und Kunden gewann.<br />

Nachdem sich <strong>der</strong> Erfolg schnell eingestellt hatte, zählten bald darauf auch Büromaschinenhersteller<br />

wie die Kölner Wan<strong>der</strong>er Werke und die Compagnie des Machines Bull in Paris zu<br />

seinen Abnehmern. Mit <strong>der</strong> Erschaffung eines frei programmierbaren Kleincomputers 1964<br />

begründete er als erster in <strong>der</strong> Aufbruchzeit <strong>der</strong> deutschen Computerindustrie die Entwicklungsgeschichte<br />

kleinerer kommerzieller Computer für den kaufmännischen und administrativen<br />

Bereich, die auch für Klein- und Mittelbetriebe nutzbar waren. Da<strong>mit</strong> erschloss er sich<br />

neben Firmen wie Kienzle und Philips auf dem Feld <strong>der</strong> Elektronik neue Märkte. Darüber<br />

19


hinaus entwickelte er auch bedarfsgerechte Software und bot EDV-Schulungen an, was ihm<br />

einen Wettbewerbsvorsprung einbrachte. Im Jahr 1968 erwarb er <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Kölner Wan<strong>der</strong>er<br />

Werke AG seinen bis dahin größten Kunden und legte den Firmensitz nach Pa<strong>der</strong>born. Ende<br />

<strong>der</strong> 1970er Jahre war Nixdorf bei <strong>mit</strong>tleren EDV-Systemen Marktführer und stieg zum viertgrößten<br />

Computerkonzern in Europa auf. Vertrieb und Kundendienst wurden kontinuierlich<br />

ausgebaut. Im Jahr 1985 besaß Nixdorf Tochtergesellschaften in 44 Län<strong>der</strong>n <strong>der</strong> Erde und<br />

erzielte <strong>mit</strong> 23.000 Mitarbeiten weltweit einen Umsatz <strong>von</strong> 4 Mrd. DM. Grundlegende<br />

Strukturwandlungen in <strong>der</strong> Produktion haben zwei Jahre nach Nixdorfs Tod zu Überlegungen<br />

einer geeigneten Partnerschaft und schließlich 1990 zum Zusammenschluss <strong>der</strong> Nixdorf<br />

Computer AG <strong>mit</strong> dem Bereich Daten- und Informationstechnik <strong>der</strong> Siemens AG zur Siemens<br />

Nixdorf Informationssysteme AG geführt.<br />

Das Andenken Heinz Nixdorfs lebt im HNF fort. Die dortige Erlebniswelt <strong>der</strong> Ausstellung<br />

wird durch Veranstaltungen ergänzt, die die Auswirkungen <strong>der</strong> Informationstechnik aufzeigen<br />

und die Herausfor<strong>der</strong>ung unseres Informationszeitalters aufnehmen: Globalisierung, Vernetzung,<br />

Verbreitung <strong>von</strong> Informations- und Kommunikationstechnik. Im Mittelpunkt des HNF<br />

steht <strong>der</strong> Mensch in seiner Beziehung zur Technik und Gesellschaft. Er soll in seinem Streben<br />

nach Gemeinschaft, Sinngebung und persönlicher Selbstentfaltung in Einklang <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Technik<br />

geför<strong>der</strong>t werden. Wissen zum Verständnis einschlägiger historischer Entwicklungen,<br />

Impulse zur Gestaltung <strong>der</strong> Gegenwart und Visionsentwicklung für die Bewältigung <strong>der</strong> Zukunft<br />

sind die Ziele des HNF. Entsprechend finden die Besucher nicht nur eine Sammlung <strong>mit</strong><br />

rund 5.000 Objekten <strong>der</strong> Rechen-, Schreib-, und Bürotechnik sowie <strong>der</strong> Computertechnologie<br />

vor, son<strong>der</strong>n auch Multimedia-Stationen, ein elektronisches Hausleitsystem und ein Medienlabor,<br />

die alle zu vielfältigen Anwendungen einladen. Bibliothek und Archiv zur Computergeschichte,<br />

Mediathek, Seminarräume, ein Auditorium <strong>mit</strong> 386 Plätzen, themenspezifische<br />

Veranstaltungsangebote, ein Museumsshop und ein Bistro <strong>mit</strong> 240 Sitzplätzen runden nicht<br />

nur das „Erlebnis HNF“ ab, son<strong>der</strong>n verdeutlichen die zukunfts- und praxisorientierte Intention<br />

und Philosophie des HNF: die För<strong>der</strong>ung des gesellschaftlichen Interesses in Sachen angemessener<br />

Kompetenzausbildung in den Kommunikationstechnologien.<br />

Diözesanmuseum<br />

Das Diözesanmuseum am Dom wurde nach Plänen <strong>von</strong> Prof. Gottfried Böhm aus Köln in den<br />

Jahren 1968-75 errichtet. Das Museum beherbergt eine umfangreiche Sammlung vornehmlich<br />

sakraler Kunst des 10. bis 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts, die zu <strong>der</strong> bedeutendsten ihrer Art in Deutschland<br />

zählt und Kunstwerke <strong>von</strong> Weltgeltung besitzt.<br />

Die Sammlung umfasst ca. 6.000 Exponate, <strong>von</strong> denen etwa 1.000 in den <strong>von</strong> 1991 bis 1993<br />

völlig neu gestalteten Schauräumen gezeigt werden. Von herausragen<strong>der</strong> Bedeutung ist die<br />

Madonna des Pa<strong>der</strong>borner Bischofs Imad (1051/58), eine <strong>der</strong> ältesten Darstellungen <strong>der</strong> thronenden<br />

Madonna in <strong>der</strong> abendländischen Kunst. Die beachtenswerte Skulpturensammlung<br />

umfasst neben <strong>mit</strong>telalterlichen Bildwerken auch hervorragende Beispiele westfälischer Barockskulptur<br />

wie den Libori-Festaltar <strong>von</strong> 1836 aus dem Pa<strong>der</strong>borner Dom. In <strong>der</strong> Schatzkammer<br />

des Museums, die sich in den <strong>mit</strong>telalterlichen Gewölben des ehemaligen Bischofspalastes<br />

befindet, werden liturgische Geräte, Reliquiare und an<strong>der</strong>e bedeutende Werke<br />

kirchlicher Kunst präsentiert. Beson<strong>der</strong>e Erwähnung verdienen die beiden Tragaltäre des Rogerus<br />

<strong>von</strong> Helmarshausen aus dem frühen 12. Jahrhun<strong>der</strong>t – Meisterwerke romanischer Goldschmiedekunst.<br />

Im selben Atemzug ist auch <strong>der</strong> vergoldete Silberschrein des hl. Dom- und<br />

Bistumspatron Liborius <strong>von</strong> 1625/27 zu nennen. Kostbare, für den liturgischen Gebrauch bestimmte<br />

Textilien, Gemälde auf Holz und Leinwand, Bronzegerät, illuminierte Handschriften,<br />

Schnittglas und ein reicher Fundus an religiöser Volkskunst vervollständigen den Bestand.<br />

Das Museum veranstaltet Wechselausstellungen zu wichtigen Themen aus allen Bereichen<br />

christlicher Kunst und Kultur. Daneben bietet es ein reichhaltiges museumspädagogisches<br />

20


Programm (Führungen, Kurse, Vorträge), um Zugänge zu dieser uns heute oft fremd anmutenden<br />

Welt zu eröffnen.<br />

Siegerland/Wittgensteiner Land/Sauerland<br />

Das Siegerland zählt zu den ältesten Industrieregionen Mitteleuropas. Aus <strong>der</strong> ursprünglichen<br />

Dominanz <strong>der</strong> Montanindustrie haben sich heute hochqualifizierte Kompetenzen im Bereich<br />

Maschinen- und Anlagenbau, Röhrenindustrie und Walzwerkbau entwickelt. Innovative Unternehmen<br />

aus den Bereichen Oberflächen- und Sensortechnik sowie <strong>der</strong> Umwelt- und <strong>der</strong><br />

Kommunikationstechnologie rüsten des weiteren für die Zukunft <strong>der</strong> Region. Auch aufgrund<br />

dieser zukunftsorientierten Branchen liegt <strong>der</strong> Exportanteil <strong>der</strong> <strong>mit</strong>telständischen Wirtschaft<br />

11% über dem Durchschnitt in NRW.<br />

Das Wittgensteiner Land ist eher ländlich, in einer <strong>der</strong> waldreichsten Regionen Deutschlands<br />

dominieren Heilbä<strong>der</strong> und Rehabilitationskliniken. In touristischer Hinsicht zeugen die Fahrradrouten<br />

dieser Region, z.B. die „Westfälische Höhenroute“, vom ehemaligen Eisenerzabbau,<br />

Kirchen, Klöstern und romantischen Landschaften.<br />

Das Sauerland ist ein Urlaubsland und steht für Weltklasse-Wintersport insbeson<strong>der</strong>e was<br />

Skispringen <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Schanze in Willingen und Rodeln in Winterberg betrifft. Dennoch ist das<br />

Sauerland nicht nur Tourismusregion, son<strong>der</strong>n auch ein wachstumsstarker Wirtschaftsraum,<br />

wobei Industrie und Bauwirtschaft <strong>mit</strong> über 50% Erwerbsanteil dominieren. Das Image des<br />

Landes leitet sich aber in erster Linie aus <strong>der</strong> spezifischen Topographie und da<strong>mit</strong> den gegebenen<br />

Möglichkeiten <strong>der</strong> aktiven und passiven Erholung sowie des internationalen Wintersports<br />

ab.<br />

Der Hochsauerlandkreis bildet dabei <strong>mit</strong> zehn Städten und Gemeinden eines <strong>der</strong> größten zusammenhängenden<br />

Urlaubsgebiete nördlich des Mains, geprägt <strong>von</strong> einer waldreichen Mittelgebirgslandschaft,<br />

Seen und Flußtälern.<br />

Auch das Olper Land, in dem sich <strong>mit</strong> dem Biggesee einer <strong>der</strong> größten Stauseen <strong>Westfalen</strong>s<br />

befindet, ist durch die Naturparks Eggegebirge, Rothaargebirge und Homert landschaftlich<br />

und touristisch beson<strong>der</strong>s attraktiv. Berühmt sind die Karl-May-Festspiele in Elspe, erlebnisreich<br />

<strong>der</strong> Panoramapark Sauerland in Kirchhundem-Oberhundem und die faszinierende Attahöhle,<br />

eine <strong>der</strong> größten und schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands.<br />

Im nördlichen Sauerland befinden sich zahlreiche Brauereien, z.B. Warsteiner Iserlohner und<br />

Veltins in Meschede-Grevenstein, <strong>der</strong> Naturpark Arnsberger Wald, das Wassersport- und<br />

Freizeitparadies Möhnesee und die fruchtbare und landwirtschaftlich genutzte Soester Börde.<br />

Das Märkische Sauerland ist seit jeher beson<strong>der</strong>s geprägt <strong>von</strong> <strong>der</strong> eisenverarbeitenden Industrie,<br />

Mühlrä<strong>der</strong>, wasserkraftbetriebene Hämmer, Schmieden, Hochöfen, Kohlenmeiler o<strong>der</strong><br />

Erzgruben, die heute häufig als Museen und Kulturdenkmäler die Geschichte lebendig werden<br />

lassen. Mehr als die Hälfte dieses wald- und seenreichen Landstrichs im Westen des Sauerlandes<br />

liegt in den Naturparks Eggegebirge und Homert.<br />

Bad Berleburg<br />

Das Stadtbild Bad Berleburgs wird vom Schloss beherrscht, dessen Geschichte eng <strong>mit</strong> <strong>der</strong> des Ortes<br />

verknüpft ist. Auf das Jahr 1174 datiert die erstmalige Erwähnung des Names „Widechinstein“ (Wittgenstein)<br />

und eine Urkunde des Klosters Grafschaft aus dem Jahr 1258 spricht <strong>von</strong> <strong>der</strong> Gründung <strong>der</strong><br />

„civitas berneborgh“, die noch im gleichen Jahr jeweils zur Hälfte <strong>von</strong> Graf Sigfrid I. <strong>von</strong> Wittgenstein<br />

und Klostervogt Adolf <strong>von</strong> Grafschaft erworben wurde. 1322 wurde die Doppelherrschaft beendet,<br />

als Widekind <strong>von</strong> Grafschaft zu Gunsten Siegfrieds II. auf seine Rechte verzichtete. Auch dieser<br />

Umstand führte dazu, dass 1330 unter Einschluss <strong>von</strong> Bürgermeister, Schöffen und Rat ein volles<br />

städtisches Gemeinwesen ausgebildet wurde. Als <strong>der</strong> letzte Vertreter <strong>der</strong> Wittgensteiner Grafen starb,<br />

trat sein Schwiegersohn Salentin <strong>von</strong> Sayn das Erbe an und wurde so zum Begrün<strong>der</strong> <strong>der</strong> Hauses<br />

Sayn-Wittgenstein. 1522 zählte die Stadt <strong>mit</strong> ihrer 1506 als Residenz ausgebauten Burganlage zwar<br />

erst 48 Häuser, war aber stets wegen ihrer Lage hoch über dem Odeborntal als idealer Herrschaftsund<br />

Kontrollsitz für das umliegende Gebiet sehr beliebt. Graf Johann VIII. legte 1547 entlang <strong>der</strong><br />

21


<strong>LWL</strong><br />

Für die Menschen.<br />

Für <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong>.<br />

Manfred Hegge<br />

<strong>LWL</strong>-Einkaufsabteilung<br />

Münster<br />

Peter Kaufmann<br />

Westfälisches Zentrum<br />

für Forensische Psychiatrie<br />

Lippstadt des <strong>LWL</strong><br />

Michael Baune<br />

Westfälisches<br />

Jugendhilfezentrum<br />

Dorsten des <strong>LWL</strong><br />

Michaela Meyer<br />

Westfälisches Zentrum für<br />

Psychiatrie, Psychotherapie<br />

und Psychosomatik<br />

Dortmund des <strong>LWL</strong><br />

Irmi Heeke<br />

<strong>LWL</strong> Integrationsamt<br />

Münster<br />

Uta Wenning-Kuschel<br />

Westfälisches<br />

Freilichtmuseum Hagen<br />

des <strong>LWL</strong><br />

<strong>Ist</strong> <strong>der</strong> <strong>LWL</strong> <strong>mit</strong> <strong>von</strong> <strong>der</strong> <strong>Partie</strong>,<br />

<strong>gewinnt</strong> <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong>.<br />

Für Sie am Ball: Im Team des Landschaftsverbandes <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> (<strong>LWL</strong>) zeigen 13.000<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter <strong>der</strong> Bereiche Soziales, Gesundheit, Jugend und Kultur täglich<br />

vollen Einsatz für mehr Lebensqualität. Mit rund 100 Einrichtungen arbeitet <strong>der</strong> <strong>LWL</strong> für die<br />

Menschen und für <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong>.


Odeborn die Unterstadt an und machte Berleburg zur Doppelstadt, <strong>der</strong>en jüngerer Teil fortan zum<br />

wirtschaftlich bedeuten<strong>der</strong>en Faktor wurde. Bis 1605 hatte sich Berleburg zur Hauptstadt <strong>der</strong> Grafschaft<br />

Sayn-Wittgenstein-Berleburg entwickelt. Durch die Rheinbundakte <strong>von</strong> 1806 verloren die inzwischen<br />

zu Fürstentümern erhobenen Wittgensteiner Territorien ihre Selbstständigkeit und wurden<br />

Hessen-Darmstadt unterstellt, 1816 wurde Wittgenstein als eigener Kreis <strong>der</strong> Provinz <strong>Westfalen</strong> dem<br />

Land Preußen zugeteilt. Die typische Stadtplanung und Architektur jener Zeit wird noch heute in<br />

Berleburg sichtbar, dessen einheitlicher Wie<strong>der</strong>aufbau nach dem letzten großen Stadtbrand 1825 dazu<br />

führte, dass Berleburg in die „Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne“ des Landes NRW aufgenommen<br />

wurde. Zentrum <strong>der</strong> historische Altstadt ist das Schloss <strong>der</strong> Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-<br />

Berleburg. Dessen Neubau wurde in <strong>der</strong> zweiten Hälfte des 16.Jahrhun<strong>der</strong>ts begonnen und erfuhr<br />

während <strong>der</strong> Regierungszeit des Grafen Casimir in den Jahren nach 1732 eine großzügige Erweiterung.<br />

Das barocke Schloss Berleburg wurde als Baudenkmal <strong>von</strong> internationalem Rang eingestuft<br />

und bietet heute den festlichen Rahmen für die weit über die Region hinaus bekannten<br />

Schlosskonzerte und die Internationalen Musikfestwochen. Der angrenzende Schlosspark<br />

dient dem jungen Heilbad als Kurpark, dessen beson<strong>der</strong>e Bedeutung heute als zweitgrößter<br />

Kneipp-Kurort (seit 1963) <strong>der</strong> Bundesrepublik eben in <strong>der</strong> medizinischen Betreuung <strong>der</strong> Kurgäste<br />

liegt. Schon 1935 war <strong>der</strong> Ort am Südhang des Rothaargebirges für sein reizmildes<br />

Klima bekannt und als Luftkurort eingestuft worden. Im Mittelpunkt Bad Berleburgs, Zentrum<br />

einer <strong>der</strong> flächenmäßig größten Gemeinden in Nordrhein-<strong>Westfalen</strong>, steht ein ausgeprägter<br />

und differenzierter Klinikbetrieb. Dieser ist ausgestattet <strong>mit</strong> zwei Häusern für psychosomatische<br />

Medizin, einem Herz-Kreislaufzentrum und einer <strong>von</strong> <strong>der</strong> Universität Marburg<br />

installierten Forschungsstelle für Physiotherapie und Rehabilitation inclusive einer Abteilung<br />

für klinische Soziologie. Träger <strong>der</strong> in Bad Berleburg platzierten Klinikbetriebe ist heute die<br />

Wittgensteiner Kliniken AG, die <strong>mit</strong> ihrer Philosophie einer breitgefächerten therapeutischen<br />

Dienstleistung am Patienten einen hervorragenden internationalen Ruf genießt.<br />

Wittgensteiner Kliniken AG<br />

Die Wittgensteiner Kliniken AG (WKA) ist eine <strong>der</strong> großen privaten Krankenhaus-<br />

Trägergesellschaften in Deutschland. Die Klinikkette <strong>mit</strong> Hauptsitz in Bad Berleburg ist eine<br />

Kerngesellschaft <strong>der</strong> Fresenius ProServe-Gruppe und besteht aus 33 Fachkliniken und Krankenhäusern.<br />

Die Fresenius AG ist eine <strong>der</strong> weltweit führenden Gesundheitskonzerne <strong>mit</strong> Produkten und<br />

Dienstleistungen für die Dialyse, das Krankenhaus und die ambulante medizinische Versorgung.<br />

Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 60.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.<br />

Zur Fresenius AG gehören neben Fresenius ProServe die Gesellschaften Fresenius Medical<br />

Care, Fresenius Kabi und Fresenius HemoCare. Alle vier Konzerngruppen wirtschaften und<br />

handeln eigenverantwortlich.<br />

Zu den Dienstleistungen <strong>der</strong> WKA rund um das Gesundheitswesen gehören hohe medizinische<br />

Standards, ein medizinisches Know-how-Netzwerk auf <strong>der</strong> Basis innovativer Therapieansätze<br />

und klinischer Studien und <strong>der</strong> Einsatz ausgeprägter betriebswirtschaftlicher Kompetenz.<br />

Deshalb können auch fremde Träger das verantwortliche und langfristige Management<br />

<strong>der</strong> WKA bedenkenlos in ihre Projekte einbinden.<br />

1952 wurden die WKA-Kliniken als Wittgensteiner Kuranstalt gegründet. Im Jahr 1981 spezialisierte<br />

sich das Unternehmen auf die medizinische Rehabilitation. Als Ausdruck <strong>der</strong> vollzogenen<br />

Umorientierung zu medizinisch hoch qualifizierten Fachkliniken firmierte die WKA<br />

ab 1996 als Wittgensteiner Kliniken Allianz. Die neue Rechtsform Wittgensteiner Kliniken<br />

Aktiengesellschaft erhielt die Gruppe im Jahr 2000 als angemessene Struktur für ein Unternehmen<br />

dieser Größenordnung. Im Juni 2001 erwarb die Fresenius AG die WKA und übertrug<br />

ihr im Rahmen des Unternehmensbereichs Fresenius ProServe eine zentrale Funktion für<br />

die Entwicklung des Geschäftsfeldes Trägerschaft und Management <strong>von</strong> Krankenhäusern in<br />

Deutschland.<br />

23


Die Organisationsstruktur <strong>der</strong> WKA-Kliniken för<strong>der</strong>t unter <strong>der</strong> Führung einer dualen Klinikleitung<br />

(Ärztlicher und Kaufmännischer Direktor) fachübergreifendes Denken, kurze Entscheidungswege<br />

und hohe Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen. Jedes Krankenhaus, jede<br />

Klinik, versteht sich als unternehmerische Einheit innerhalb <strong>der</strong> WKA-Gruppe. In den Medizinischen<br />

Zentren profitieren die Häuser zusätzlich <strong>von</strong> <strong>der</strong> Gesamtkompetenz aller angeschlossenen<br />

Einrichtungen. Motivation plus Engagement plus Qualität - so definiert sich DAS<br />

TEAM, Kernstück des WKA-Führungskonzeptes. Die ausgewiesene Teamqualität entscheidet<br />

über Leistung, Marktakzeptanz, Erfolg und Rentabilität <strong>der</strong> Unternehmensgruppe - und sie<br />

macht die bundesweite Krankenhauskette zu einem attraktiven Arbeitgeber für Mediziner,<br />

Betriebswirte, Informatiker und insbeson<strong>der</strong>e auch für das Pflegepersonal.<br />

Auf diesen Säulen steht die Leistung, die für die Heilung <strong>der</strong> Patienten zu Buche schlägt.<br />

Hilchenbach<br />

Mitten im Siegerland, ca. 15 km nordöstlich <strong>von</strong> Siegen, liegt Hilchenbach am Südwestabhang des<br />

Rothaargebirges.<br />

Seit mindestens 2500 Jahren wurde in dieser Gegend Eisenerz in zahlreichen Gruben abgebaut. Die<br />

erste Dokumentation einer Besiedlung geht aber erst auf das Jahr 1079 und die Ortsbezeichnung des<br />

heutigen Stadtteils Müsen zurück. Etwa um 1239 wurde das Kloster Keppel erstmals erwähnt, bis<br />

heute eines <strong>der</strong> bekannten Attraktionen <strong>der</strong> Stadt, <strong>der</strong>en Name erst 1911 aus vielen Abwandlungen des<br />

1292 erwähnten Heylichinbach hervorging. Seit Beginn des 13. Jahrhun<strong>der</strong>ts wurde in <strong>der</strong> Gegend am<br />

Altenberg Bergbau betrieben und 1313 entstand die Grube Stahlberg, aus <strong>der</strong> bis 1931 Erze geför<strong>der</strong>t<br />

wurden, bevor sie als letzte Grube schloss. Weitere Entwicklungsdaten: 1467 Erhebung zum Gerichtssitz,<br />

1687 Erhebung zum Flecken, 1815 Übergang als ehemaliger Landesteil Nassaus an Preußen und<br />

1824 Erklärung zur Stadt.<br />

Hilchenbach ist <strong>der</strong> natürliche Mittelpunkt <strong>von</strong> zwölf Orten, die im Rahmen <strong>der</strong> kommunalen<br />

Neuglie<strong>der</strong>ung 1969 zusammengeschlossen wurden. Auf 80,85 km² leben mehr als 17.000<br />

Einwohner unweit <strong>der</strong> Quellgebiete <strong>von</strong> Sieg, E<strong>der</strong> und Lahn am Oberlauf des Ferndorfbaches,<br />

einem Nebenfluß <strong>der</strong> Sieg.<br />

Gemäß <strong>der</strong> montanen Tradition ist heute noch die Metallbe- und -verarbeitung sowie <strong>der</strong> Maschinenbau<br />

stark vertreten. Das weltweit operierende Unternehmen SMS Demag AG etwa ist<br />

marktführend im Schwermaschinen- und Walzwerksbau. Aber auch an<strong>der</strong>e Branchen spielen<br />

eine große Rolle. Mit einem Waldanteil <strong>von</strong> über 70% des Stadtgebietes liegt Hilchenbach im<br />

größten Forstamtbezirk Deutschlands und besitzt entsprechend eine ausgeprägte Land- und<br />

Forstwirtschaft. Eine neurologische Fachklinik mo<strong>der</strong>nsten Zuschnitts, Kunststoff- und Holzverarbeitung<br />

sind weitere Zweige, die die Wirtschaftstruktur Hilchenbachs kennzeichnen.<br />

Darüberhinaus lebt die Stadt auch <strong>von</strong> Touristen, die die beson<strong>der</strong>e Topographie, <strong>der</strong> Wechsel<br />

<strong>von</strong> Tal und Gebirge sowie die Flußlandschaften anziehen. Seit dem 6. Mai 2001 wird dieser<br />

Aspekt <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Eröffnung des Rothaarsteiges als „(Wan<strong>der</strong>)weg <strong>der</strong> Sinne“ noch beson<strong>der</strong>s<br />

geför<strong>der</strong>t. Eine beson<strong>der</strong>e kulinarische Attraktion ist außerdem das „Westfälische Restaurant<br />

des Jahres 2002“, das Landhotel Steubers Siebelnhof.<br />

Landhotel Steubers Siebelnhof<br />

Mit <strong>der</strong> Auszeichnung „Westfälisches Restaurant des Jahres 2002“ würdigte <strong>der</strong> Verein Westfälische<br />

Küche die Arbeit <strong>von</strong> Siebelnhof-Chef Erich W. Steuber um die Weiterentwicklung<br />

<strong>der</strong> regionalen Küche. Eine große Gratulantenschar fand sich im Siebelnhof ein, darunter als<br />

einer <strong>der</strong> ersten Ministerpräsident Clement, um <strong>der</strong> Ehrung einen angemessenen Rahmen zu<br />

verleihen.<br />

Steuber, <strong>der</strong> nach seinen Lehrjahren u.a. in St. Moritz Ende <strong>der</strong> 60er Jahre <strong>von</strong> seinen Eltern<br />

den 1566 erstmals urkundlich erwähnten Gasthof übernahm und zu einem luxuriösen Landhotel<br />

ausbaute, entdeckte schnell den Reiz <strong>der</strong> landesüblichen Küche. Zubereitet werden im<br />

Siebelnhof vor allem Pilze, Beeren und frisch erlegtes Wild aus den Wäl<strong>der</strong>n des Siegerlandes<br />

24


sowie Fische aus den Seen und Flüssen <strong>Westfalen</strong>s. Wem dieser westfälische Schmaus wi<strong>der</strong><br />

Erwarten nicht mundet, <strong>der</strong> muss selbstverständlich auch nicht auf solche Gerichte wie Lachs,<br />

Austern o<strong>der</strong> Bresse-Hühner verzichten, die auf allen Speisenkarten <strong>der</strong> Welt zu finden sind.<br />

Dennoch preist Steuber insbeson<strong>der</strong>e die exzellenten naturnahen Erzeuger seiner Heimat, z.B.<br />

„Puten-Pater“ Reinald <strong>von</strong> <strong>der</strong> nahen Benediktiner-Abtei Königsmünster, dessen Fe<strong>der</strong>vieh er<br />

bevorzugt abnimmt. Die bodenständige Küche wird <strong>mit</strong> dunklem Brot und gutem Bier zu einem<br />

kulinarischen Erlebnis abgerundet. Eine beson<strong>der</strong>e Spezialität im Siebelnhof sind Mettwürste<br />

<strong>mit</strong> Schnippelbohnen, ein Gericht, vor dem exotische Schlemmereien verblassen.<br />

Stift Keppel<br />

Als erstem verlässlichen Hinweis auf das damalige Schwesternkloster ist dem Schriftverkehr<br />

des Jahres 1239 zu entnehmen, dass <strong>der</strong> Graf Heinrich <strong>von</strong> Nassau <strong>der</strong> Bitte seines Lehensmannes<br />

nachkam, dem Stift die Einkünfte <strong>der</strong> Kirche <strong>von</strong> Netphen zu übertragen. Noch ältere<br />

Dokumente aus <strong>der</strong> Region beziehen sich auf klösterliche Mitglie<strong>der</strong> und lassen da<strong>mit</strong> vermuten,<br />

dass die Einrichtung schon einige Zeit vorher existierte.<br />

In erster Linie wurde das Kloster zur standesgerechten Versorgung unverheirateter Töchter<br />

des heimischen Landadels ins Leben gerufen. Nach einer Klosterverordnung aus dem Jahr<br />

1392 blieben Fräulein nichtadeliger Herkunft <strong>von</strong> <strong>der</strong> Aufnahme in den Konvent ausgeschlossen.<br />

In dem selben Dokument wird Johann I. Graf <strong>von</strong> Nassau als Schirmherr und Stifter des<br />

Klosters tituliert. Im 15. Jahrhun<strong>der</strong>t ließ die Klosterzucht nach und auch die Klausur wurde<br />

in Keppel nicht mehr streng eingehalten. Wie<strong>der</strong>holte Reformierungsversuche zeigten keinen<br />

nachhaltigen Erfolg. In dem Maße wie die Autorität <strong>der</strong> Arnsteiner Äbte schwand, nahm <strong>der</strong><br />

Einfluß des Landesherren zu. 1547 erließ Graf Wilhelm <strong>von</strong> Nassau, <strong>der</strong> sich <strong>der</strong> Reformation<br />

zugewandt hatte, für Keppel eine neue Ordnung. In ihr wurde die Säkularisierung des Klosters<br />

zu einem „freiweltlichen Frauenstift“ evangelischer Prägung vorgezeichnet. Endgültig<br />

und unwie<strong>der</strong>bringlich erfolgte die Umwandlung 1594 durch eine neuerliche erlassene Ordnung<br />

seines Sohnes Johann IV., in <strong>der</strong> die Bezeichnung Kloster gänzlich vermieden wurde.<br />

Das seit <strong>der</strong> Reformation „freiweltliche“ Fräuleinstift hatte sich <strong>mit</strong>tlerweile profanen Aufgaben<br />

zugewandt. Die noch unter Graf Wilhelm <strong>von</strong> Nassau eingerichtete Schule für Jungen<br />

und Mädchen erlangte bis über die Grenzen Nassaus hinaus hohes Ansehen und florierte bis<br />

zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Nach einer zwischenzeitlichen Vakanz, während <strong>der</strong><br />

dem Jesuitenkolleg in Siegen Keppel als Pfründe zugewiesen worden war, erhielten die adeligen<br />

Frauen um die Mitte des 17. Jahrhun<strong>der</strong>ts das Stift wie<strong>der</strong> zurück. Die Vereinbarungen<br />

des Westfälischen Friedens sahen die Wie<strong>der</strong>herstellung <strong>der</strong> Besitzverhältnisse kirchlicher<br />

Einrichtungen und mildtätiger Stiftungen vor, wie sie einst 1624 vorherrschten. Zu diesem<br />

Stichdatum bestand <strong>der</strong> Stiftskonvent ausschließlich aus reformierten Fräulein. Jedoch unter<br />

den verän<strong>der</strong>ten Bedingungen, die sich im Zuge <strong>der</strong> Gegenreformation eingestellt hatten – <strong>der</strong><br />

für das Stift zuständige Landesherr, Graf Johann <strong>der</strong> Jüngere, und ein Großteil <strong>der</strong> stiftsinteressierten<br />

Ritterschaft waren wie<strong>der</strong> katholisch geworden – kam es zur Einrichtung eines Simultaneums<br />

in Keppel. Danach verteilten sich die Stiftsstellen auf vier reformierte und vier<br />

katholische Fräulein. Dieser Zustand währte fast die nächsten 150 Jahre. Im Jahr 1774 erwog<br />

<strong>der</strong> Prinz <strong>von</strong> Oranien die <strong>mit</strong>telfristige Auflösung des Stifts, doch erst 1812 kam es zur Säkularisation.<br />

Nach dem Ende <strong>der</strong> napoleonischen Fremdherrschaft bestätigte auch <strong>der</strong> wie<strong>der</strong><br />

eingesetzte Landesherr Friedrich Wilhelm <strong>von</strong> Oranien die Aufhebung des Stifts. Schließlich<br />

wurde 1818 durch Kabinettsor<strong>der</strong> Friedrich Wilhelms III. die Beibehaltung <strong>der</strong> Aufhebung<br />

des Stifts und die Vereinigung des Stiftsfond Keppel <strong>mit</strong> dem Stift Geseke verfügt. Fortan<br />

dienten die Pachteinkünfte aus den Gebäuden und Liegenschaften <strong>der</strong> Domäne Keppel zur<br />

Finanzierung des Damenstifts Geseke. Eine neue Bedeutung erhielt das Anwesen, als 1871<br />

unter <strong>der</strong> Schirmherrschaft <strong>der</strong> preußischen Königin Elisabeth die „Keppelsche Schul- und<br />

Erziehungsanstalt“ für Mädchen <strong>mit</strong> angeschlossenem Internat gegründet wurde. Sie war zunächst<br />

zur Versorgung <strong>der</strong> verwaisten Töchter des verdienten Offiziersadels gedacht. 1910<br />

25


wurde Keppel als öffentliche höhere Schule (Lyzeum und Oberlyzeum) anerkannt. Nach <strong>der</strong><br />

Wie<strong>der</strong>aufnahme des Unterrichts 1946 wurde die Schule ein grundständiges neusprachliches<br />

Gymnasium für Mädchen, bevor 1977 die uneingeschränkte Koedukation eingeführt wurde.<br />

Der historisch beson<strong>der</strong>e Status des Anwesens wird noch heute durch den markanten Gebäudekomplex<br />

<strong>mit</strong> seiner Stiftskirche <strong>mit</strong>ten im weitläufigen Wiesental vor Augen geführt.<br />

Siegen<br />

Es wird angenommen, dass am Zusammenfluss <strong>von</strong> Sieg und Weiß bereits im 9. Jahrhun<strong>der</strong>t eine<br />

bedeutende Siedlung lag. Um 1085 wurde <strong>der</strong> Ort erstmals urkundlich erwähnt und durch Münzfunde<br />

ist ein schon stadtähnlicher Charakter hun<strong>der</strong>t Jahre später zu belegen. Historisch gesichert ist, dass<br />

die Nassauer Grafen dem Erzbischof <strong>von</strong> Köln 1224 die Hälfte <strong>der</strong> neugegründeten Stadt überlassen<br />

mussten. Die doppelte Regentschaft, <strong>der</strong> Erwerb des Soester Stadtrechts, die Privilegien durch den um<br />

Zuwendung bemühten geistlichen Herren und <strong>der</strong> Schutz vor Verpfändung, gewährleistet durch Kaiser<br />

Ludwig 1346, för<strong>der</strong>ten die ökonomische Entwicklung Siegens. Diese Entwicklung wurde durch<br />

das wachsende Eisengewerbe noch verstärkt und erlitt auch keine Einbußen, als sich <strong>der</strong> geistliche<br />

Herr 1421 zurückzog. Ein beson<strong>der</strong>es Ereignis war 1577 zu verzeichnen: die Geburt des später berühmten<br />

Malers Rubens. Der berühmte Sohn Siegens verließ die Stadt zwar im Alter <strong>von</strong> zwei Jahren,<br />

dennoch fühlt man sich dieser beson<strong>der</strong>en Verbindung heute noch vielfach kulturell verpflichtet, wie<br />

z.B. die einer Privatinitiative entsprungene Peter-Paul-Rubens-Stiftung bezeugt, die u.a. als Mitträger<br />

des Museums für Gegenwartskunst in Erscheinung getreten ist.<br />

Im Jahr 1612 wurde Siegen auf einer Nürnberger Meistertafel als eine <strong>der</strong> 24 wichtigsten „Haubt- und<br />

Handelsstätt“ jener Zeit aufgeführt. Als Siegen 1623 wie<strong>der</strong> Doppelresidenz wurde, geteilt durch die<br />

katholische und reformierte Linie des Hauses Nassau-Siegen, hatte das den Nie<strong>der</strong>gang zur Folge.<br />

Neben einem zunehmenden Bedeutungsverlust litt Siegen unter dem Dreißigjährigen Krieg und wurde<br />

1695 durch einen Stadtbrand gar zu zwei Dritteln eingeäschert. Erst <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Herrschaft <strong>der</strong> Oranier<br />

stabilisierte sich die Situation Siegens als Unterdirektorium <strong>der</strong> Dillenburger Regierung. Im Jahr 1806<br />

fiel die Stadt an das Großherzogtum Berg. Nach <strong>der</strong> preußischen Übernahme des Landes 1817 wurde<br />

Siegen Kreisstadt – ein Status, <strong>der</strong> bis heute erhalten blieb. Das Gebiet wurde <strong>der</strong> Provinz <strong>Westfalen</strong><br />

zugeteilt und geriet gegenüber <strong>der</strong> wirtschaftlichen Konkurrenzregion Ruhrgebiet ins Hintertreffen.<br />

Erst <strong>mit</strong> den Eisenbahnstrecken Köln-Betzdorf-Siegen und Hagen-Letmathe-Siegen 1861 stieg die<br />

Erzför<strong>der</strong>ung um ein Vielfaches. Innovationen, z.B. fortschrittliche Hüttentechniken, hielten Einzug.<br />

Das Konzept sah fortan die Beschränkung <strong>der</strong> Grundstoffproduktion auf Qualitätserzeugnisse und die<br />

För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Ansiedlung eisenverarbeiten<strong>der</strong> Betriebe vor. Als Industrieregion wurde das Siegerland<br />

im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert und zerstört, <strong>der</strong> anschließende Wie<strong>der</strong>aufbau stützte sich<br />

noch auf die traditionelle Industrie. Mit dem Ende <strong>der</strong> Erzför<strong>der</strong>ung gelang es, begünstigt durch Autobahnverbindungen<br />

wie die 1971 eröffnete Sauerlandlinie, neue wachstumsorientierte Branchen zu<br />

platzieren. Der Rang Siegens als eigenständiges Zentrum wurde 1972 <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Gründung <strong>der</strong> Gesamthochschule<br />

unterstrichen.<br />

Siegen - das „Herz <strong>der</strong> Region“ - Zentrum für Wirtschaft und Kultur im südlichen <strong>Westfalen</strong><br />

und grüne Großstadt am Rande des Rothaargebirges <strong>mit</strong> 110.000 Einwohnern bezieht seine<br />

Unverwechselbarkeit aus <strong>der</strong> beson<strong>der</strong>en Synthese <strong>von</strong> entwicklungs- und kulturgeschichtlicher<br />

Prägung, naturräumlicher Attraktivität und geistigem wie wirtschaftlichem Innovationspotenzial.<br />

In <strong>der</strong> Tradition des Bergbaus und des Hüttenwesens sowie <strong>der</strong> dynastischen Verbindungen<br />

<strong>der</strong> nassauischen Landesherren stehend, ist die junge Universitätsstadt heute in den Bereichen<br />

Kulturforschung und Zukunftstechnologien <strong>von</strong> überregionaler Bedeutung. Die Metropole des<br />

Siegerlandes fasst die Entwicklung <strong>der</strong> gesamten Region dabei wie in einem Brennspiegel<br />

zusammen, einem Landstrich, <strong>der</strong> schon 500-200 v. Chr. sein Erz preisgab und zunächst Kelten,<br />

später Germanen zur Eisenverhüttung einlud, wie zahlreiche Funde beweisen. Die im<br />

Siegerland stark vertretenden Bereiche Maschinenbau und Metalltechnik haben also tiefe<br />

Wurzeln und sind in Verbindung <strong>mit</strong> dem High-Tech-Potenzial <strong>der</strong> Region für das 21. Jahrhun<strong>der</strong>t<br />

gerüstet.<br />

26


Museum für Gegenwartskunst<br />

Das neu gegründete Museum für Gegenwartskunst stellt hinsichtlich seiner Organisation, seiner<br />

Konzeption und seiner Zielsetzung eine Beson<strong>der</strong>heit in <strong>der</strong> deutschen Museumslandschaft<br />

dar. In einer glücklichen Realisierung des Modells Public Private Partnership haben<br />

sich so unterschiedliche Kooperationspartner wie die Stadt Siegen, die Universität Siegen<br />

sowie die Peter-Paul-Rubens-Stiftung zu einem Trägerverein zusammengeschlossen. Im<br />

Rahmen eines Kooperationsvertrages <strong>mit</strong> dem Landschaftsverband <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> (<strong>LWL</strong>)<br />

gelang es, den münsterischen Museumsdirektor und Ausstellungsmacher Prof. Dr. Klaus<br />

Bußmann als kommissarischen Direktor des Projektes zu gewinnen.<br />

Als Beson<strong>der</strong>heit ist auch die Heimat des Museums zu betrachten, das aus dem Jahr 1894<br />

stammende städtische Telegraphenamt. Für das Museumsprojekt vom Architekten Professor<br />

Josef P. Kleihues um- und neugebaut, fällt <strong>der</strong> architektonische Spannungsbogen zwischen<br />

Tradition und Mo<strong>der</strong>ne ins Auge des Betrachters. Der Altbau ist durch einen zum<br />

Schlossplatz hin orientierten Neubau ergänzt worden, dem eine freigestellte Betonwand vorgeblendet<br />

wurde. Direkt über dem Haupteingang ist als fassadengestaltendes Element eine<br />

Videowand installiert, die über die reale Animation hinaus symbolisch zwischen Innen und<br />

Außen, zwischen Kunst und Öffentlichkeit ver<strong>mit</strong>telt.<br />

Der Düsseldorfer Kommunikationsdesigner Professor Uwe Loesch entwickelte im Herbst<br />

1999 das Corporate Design für das Museum. Er konzipierte ein Erscheinungsbild für das neue<br />

Haus, das demonstrativ in allen Medien auf einen Schwarz/Weiß-Kontrast abhebt. Auf <strong>der</strong><br />

Basis eines um 11 Grad zum Parallelogramm verschobenen Quadrats entwarf er einen Würfel,<br />

<strong>der</strong> in <strong>der</strong> Abfolge <strong>von</strong> Ansicht und Einsicht, <strong>von</strong> Innen und Außen als klare Form virtuell<br />

und tatsächlich in permanenter Bewegung ist. In eine schnelle Bildfolge verwandelt ist das<br />

kinetische Zeichen auch als Filmschleife für die Videowand an <strong>der</strong> Museumsfassade bestimmt.<br />

So steht <strong>der</strong> Würfel in seiner perspektivischen Vielschichtigkeit und dem Miteinan<strong>der</strong><br />

<strong>von</strong> „white cube“ und „black box“ für das Selbstverständnis des Museums für Gegenwartskunst.<br />

Die Ausstellungsarbeit befasst sich <strong>mit</strong> den Zäsuren und Umwälzungen, die in <strong>der</strong> bildenden<br />

Kunst <strong>mit</strong> <strong>der</strong> rasanten technischen Entwicklung des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts ablesbar werden. Neue<br />

Darstellungsformen wie Photographie und Film am Anfang des Jahrhun<strong>der</strong>ts, vor allem aber<br />

die elektronischen Medien Video und Computer ab den 1960er Jahren hielten nach und nach<br />

Einzug in die Kunstproduktion. Sie traten bald gleichberechtigt – sei es dialogisierend o<strong>der</strong> in<br />

eigenständiger künstlerischer Nutzung – an die Seite <strong>der</strong> traditionellen Medien Malerei und<br />

Skulptur. Diese Entwicklung stellt eine regelrechte visuelle Zeitenwende dar, <strong>der</strong>en weitreichende<br />

Auswirkungen noch nicht abschätzbar sind.<br />

Das Hauptanliegen des Museums für Gegenwartskunst Siegen wird gerade darin bestehen,<br />

diese Wechelwirkungen, diesen „Dialog <strong>der</strong> Medien“ und die sich daraus ergebenden Potenziale<br />

und Strategien in <strong>der</strong> Kunst des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts zu beleuchten. Bewusst wird dabei<br />

auch <strong>der</strong> Blick auf die historische Dimension gelenkt, um die ästhetischen Traditionen und<br />

Verbindlichkeiten <strong>der</strong> Gegenwartskunst deutlich zu machen.<br />

Um dies alles zu zeigen wird die ständige Präsentation einem dynamischen Prinzip wechseln<strong>der</strong><br />

Ausstellungen folgen: Für jeweils ein Jahr werden größere Werkkomplexe einzelner<br />

Künstlerinnen und Künstler gezeigt.<br />

Der Schwerpunkt <strong>der</strong> Erstpräsentation liegt auf <strong>der</strong> Kunst <strong>der</strong> sechziger Jahre, die bis heute<br />

ihre Aktualität bewahrt hat. June Paik, Hans Haacke und Joseph Beuys sind nur einige klangvolle<br />

Namen dieser Kategorie. Die ständige Präsentation wird, wie erwähnt, auch die Perspektive<br />

auf die Vergangenheit richten, nämlich auf die erste Zäsur im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t, die<br />

durch die neuen Bildmedien Photographie und Film gesetzt wurde. August San<strong>der</strong> ist dabei in<br />

zweifacher Hinsicht für das neue Haus eine zentrale Figur, da er auf <strong>der</strong> einen Seite <strong>mit</strong> seinen<br />

Porträt- und Landschaftsserien ein singuläres photographisches Werk geschaffen hat und<br />

27


gleichzeitig als Siegerlän<strong>der</strong> eine beson<strong>der</strong>e Identifikationsfigur für die Region darstellt. In<br />

<strong>der</strong> Erstpräsentation ist August San<strong>der</strong> <strong>mit</strong> seiner Reihe „Antlitz <strong>der</strong> Zeit“ vertreten.<br />

Meschede-Grevenstein<br />

Das Bergstädtchen Grevenstein <strong>mit</strong> gut 1.000 Einwohnern liegt am Fuße des 656 m hohen Naturparks<br />

Homert im Seendreieck zwischen dem Sorpe-, Möhne- und Hennesee.<br />

Grevenstein gehört zu den Städtegründungen, die die Grafen <strong>von</strong> Arnsberg zur Absicherung ihres<br />

Territoriums gegen die umliegenden Besitzungen des Erzbischofs <strong>von</strong> Köln vornahmen. Die erste<br />

urkundliche Erwähnung, in <strong>der</strong> bereits <strong>von</strong> einem Bürgermeister die Rede ist, stammt aus dem Jahr<br />

1324, lässt jedoch den Schluss zu, dass <strong>der</strong> Ort <strong>mit</strong> seiner Burg schon längere Zeit bestand. Seit 1368<br />

war Grevenstein auch Sitz des Freigerichtes und eines landesherrlichen Gerichtes für die Angelegenheiten<br />

<strong>der</strong> Bürger. Die Stadt war um die Burg an den südöstlichen Abhang des Burghügels gebaut und<br />

besaß nur ein Stadttor. Ein Teil <strong>der</strong> ringförmigen Stadtmauer ist noch erhalten.<br />

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zu hohen Kontributionen gezwungen und 1636 <strong>von</strong> <strong>der</strong><br />

durch Soldaten eingeschleppten Pest heimgesucht. 1746 brannte Grevenstein fast ganz ab. Viele Bürger<br />

siedelten sich danach nicht mehr am Berg, son<strong>der</strong>n in <strong>der</strong> Ebene, dem sogenannten Ostfeld, an.<br />

Die Stadt wurde dann <strong>von</strong> den Wirren des Siebenjährigen Krieges (1756-63) erfasst und musste ihren<br />

Bürgern verschiedene Male hohe Steuern auferlegen, um die Unterstützungsgel<strong>der</strong> an den Landesherrn<br />

zahlen zu können. Im Zuge <strong>der</strong> Revolutionskriege erhielt Grevenstein 1797 eine französische<br />

Besatzung, gehörte dann ab 1802 zur Landgrafschaft Hessen und fiel 1815 nach dem Wiener Kongress<br />

an Preußen. 1843 brannte Grevenstein zu großen Teilen erneut nie<strong>der</strong>; <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>aufbau erfolgte<br />

durch Hilfeleistungen aus Arnsberg. Ab 1845 begann ein langwieriger Wegeausbau. 1893 erhielt<br />

Grevenstein als erste Ortschaft des Kreises Arnsberg eine öffentliche Wasserversorgung, die <strong>von</strong><br />

einem nach Amerika ausgewan<strong>der</strong>ten Grevensteiner gespendet wurde. Durch die kommunale Neuglie<strong>der</strong>ung<br />

1975 wurde Grevenstein ein Ortsteil <strong>der</strong> Stadt Meschede.<br />

Grevenstein ist geprägt durch <strong>mit</strong>telständische Betriebe, gut geführte Gasthöfe, <strong>der</strong> Landwirtschaft<br />

dem Fremdenverkehr und nicht zuletzt durch die Brauerei VELTINS. Die Berge rund<br />

um Grevenstein bieten dem Wan<strong>der</strong>er den Blick auf den idyllischen Ort. Skilift, Freibad,<br />

Sport- und Tennisplatz stellen neben dem Rad- und Mountainbike-Fahren für den sportlichen<br />

Urlauber Alternativen dar. Für Familien ist <strong>der</strong> Urlaub auf dem Bauernhof beson<strong>der</strong>s beliebt.<br />

Brauerei C&A Veltins<br />

Eine Brauereivisite darf auf einer Tour durch eine Bierregion selbstverständlich nicht fehlen.<br />

„Frisches Veltins“ – dies ist nicht nur <strong>der</strong> Inbegriff für ein köstliches Bier <strong>mit</strong> charakteristischem<br />

Geschmack, son<strong>der</strong>n zugleich <strong>der</strong> Hinweis auf ein geselliges, gemütliches und partnerschaftliches<br />

Zusammensein. In dieser Hinsicht stiftet die C&A Veltins-Brauerei aber nicht nur<br />

durch ihr Produkt ein gesellschaftliches Miteinan<strong>der</strong>, son<strong>der</strong>n sie beteiligt sich als Werbepartner<br />

kooperativ an Forschungsprojekten sowie Kultur- und Sportveranstaltungen.<br />

Die Wiege des Unternehmens liegt in einer kleinen Gasthausbrauerei, die Franz Kramer 1824<br />

in Grevenstein eröffnete. 1852 übernahm Clemens Veltins die „Grevensteiner Brauerei“ , die<br />

wegen <strong>der</strong> Expansion des Betriebes 1883 vom Ort an den heutigen peripheren Standort verlagert<br />

wurde. Die technische Entwicklung schritt unaufhörlich voran und 1896 wurde nach <strong>der</strong><br />

Installation einer Kühlanlage auch eine elektrisches Licht- und Kraftanlage installiert, was auf<br />

dem Lande ein absolutes Novum war. 1919 konnten schließlich die Brauereipferde, <strong>von</strong> Repräsentationszwecken<br />

abgesehen, ihren Ruhestand antreten, denn erstmals lieferte ein Kraftwagen<br />

die Bierfässer aus. Unter Carl Veltins entschied man sich dann sieben Jahre später, den<br />

Gerstensaft nur noch nach Pilsener Brauart herzustellen, insbeson<strong>der</strong>e wegen des weichen<br />

Quellwassers. Der Jahresausstoß stieg bis 1953 auf 12.000 Hektoliter Bier. Das Familienunternehmen<br />

florierte und 1964 übernahm Rosemarie Veltins die Geschäftsführung. Im selben<br />

Jahr lösten Kronkorken die Bügelverschlüsse ab, was die Anschaffung einer neuen Abfüllanlage<br />

erfor<strong>der</strong>lich machte. Im Jahr 1984 wurde hinsichtlich des Bierausstoßes in Hektoliter pro<br />

anno erstmals die magische Millionengrenze überschritten. Die Familientradition wurde auch<br />

28


1994 wie<strong>der</strong> bestätigt, als Susanne Veltins, Ur-Ur-Enkelin <strong>von</strong> Namensgeber Clemens, in die<br />

Leitung des Betriebes einstieg. Zunehmend wurde Veltins im regionalen und internationalen<br />

Sportsponsoring tätig und gehörte 1999 zu den erfolgreichsten Premium-Pils-Brauereien. Bei<br />

aller Wirtschaftlichkeit fühlt sich das Unternehmen verpflichtet, den zeitgemäßen Problemen<br />

und Anfor<strong>der</strong>ungen gerecht zu werden. So entstand bereits 1966, erstmalig in Europa, eine<br />

brauereieigene Kläranlage. Dadurch bot sich die Möglichkeit, das Abwasser wesentlich<br />

schneller und sorgfältiger zu reinigen. Mehr als 22 Mio. Mark investierte <strong>der</strong> Betrieb im Laufe<br />

<strong>der</strong> Zeit in diese Anlage, die weiterhin auf dem neuesten technologischen Entwicklungsstand<br />

gehalten wird. Vermeiden, Verwerten, Entsorgen – nach diesem Motto werden außerdem<br />

neben PVC-freien Kronkorken sowie wie<strong>der</strong>verwertbaren Dosen und Etiketten z.B. auch<br />

Glasscherben eingeschmolzen und zu neuen Flaschen verarbeitet. Ebenso granuliert Veltins<br />

alte und beschädigte Bierkästen, um daraus den Rohstoff für neue Kästen zu gewinnen. Die<br />

abgespülten Flaschenetiketten, Kartonagen und sonstige Papierabfälle werden in Papierfabriken<br />

wie<strong>der</strong>verwertet. Zum Umweltschutz gehört für Veltins aber auch ein verantwortungsvoller<br />

Umgang <strong>mit</strong> den natürlichen Ressourcen. Den Wasserverbrauch konnte man auf weniger<br />

als vier Liter Wasser pro einen Liter Pils senken, was stark unter dem Branchendurchschnitt<br />

liegt. Durch eine hoch entwickelte Technik reduzierte man den Energieverbrauch und<br />

setzt auf die Alternative, <strong>mit</strong> umweltschonendem Erdgas zu arbeiten. Dem Umweltschutz<br />

verpflichtet, unterstützt Veltins darüber hinaus verschiedene Naturschutzprojekte im Sauerland<br />

und in Nordrhein-<strong>Westfalen</strong>.<br />

Meschede<br />

Im Mittelpunkt <strong>der</strong> Kreisstadt an <strong>der</strong> Ruhr steht seit ihren Anfängen in beson<strong>der</strong>er Weise auch das<br />

geistig-religiöse Leben. So formte sich <strong>der</strong> Ort zunächst um das 875 gegründete adelige Damenstift,<br />

das nach <strong>der</strong> Verleihung <strong>der</strong> Markt- und Zollgerechtigkeit Mitte des 10. Jahrhun<strong>der</strong>ts zusehends an<br />

Macht und Ansehen gewann. Zuvor bereits, etwa um 900, wurde die Stiftskirche gebaut, <strong>der</strong>en Ringkrypta<br />

als eine <strong>der</strong> ältesten Deutschlands heute noch erhalten ist. Im Jahre 1310 wurde das Damenstift<br />

<strong>von</strong> Erzbischof Heinrich in ein Kanonikerstift umgewandelt und 1368 wurde Meschede <strong>mit</strong>samt <strong>der</strong><br />

Grafstadt Arnsberg <strong>von</strong> Graf Gottfried, <strong>der</strong> letzte Graf <strong>von</strong> Arnsberg, an den Fürstbischof <strong>von</strong> Köln<br />

verkauft. Um 1425 wurde <strong>der</strong> Grundstein für das spätere Dominikanerinnenkloster auf <strong>der</strong> Klause<br />

gelegt.<br />

Aber auch weltliche Aktivitäten waren in <strong>der</strong> Stadt zu verzeichnen: 1486 gaben sich die Bürger <strong>der</strong><br />

Freiheit in <strong>der</strong> „Bürgersprache“ ihre eigene Gemeindeordnung. Von 1606 bis 1669 wurde im Stil des<br />

westfälischen Barock das Schloss Laer gebaut. Die Einrichtung <strong>der</strong> ersten Fußpost 1742, <strong>der</strong> Bau einer<br />

Ruhrbrücke 1768 und die Einrichtung <strong>der</strong> ersten Reitpost 1780 sind weitere Entwicklungsdaten<br />

<strong>der</strong> Stadt, die durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 nicht nur die Säkularisierung <strong>von</strong> Stift<br />

und Kloster hinzunehmen hatte, son<strong>der</strong>n wie das gesamte Herzogtum <strong>Westfalen</strong> die Übertragung an<br />

Hessen-Darmstadt. Zwei Jahre wurde das Stift Meschede aufgehoben und <strong>der</strong> Besitz beschlagnahmt.<br />

Ab 1815 folgte in <strong>der</strong> preußischen Epoche <strong>der</strong> wirtschaftliche Aufstieg <strong>der</strong> neuen Kreisstadt (seit<br />

1819), <strong>der</strong> später durch den Bau <strong>der</strong> Ruhrtalbahn 1871 und die Gründung <strong>der</strong> Honselwerke nach <strong>der</strong><br />

Jahrhun<strong>der</strong>twende weiter angekurbelt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt zu 80<br />

Prozent zerstört.<br />

Meschede ist heute ein Verwaltungs- und Versorgungszentrum <strong>mit</strong> überörtlicher Bedeutung<br />

und einem Einzugsbereich <strong>von</strong> bis zu 100.000 Einwohnern. Wirtschaftlich geprägt ist die<br />

Stadt in erster Linie durch das verarbeitende Gewerbe, aber auch <strong>der</strong> Tourismus spielt eine<br />

nicht unbedeutende Rolle. Weltweiten Bekanntheitsgrad besitzt Meschede durch die Benediktiner-Abtei<br />

Königmünster, durch die heute die geistig-religiöse Tradition fortlebt. Deren<br />

1964 fertiggestellte Friedenskirche auf dem Klosterberg überragt das Stadtbild wie ein Symbol.<br />

Außerdem ist in Meschede die Abteilung Maschinenbau <strong>der</strong> Fachhochschule Pa<strong>der</strong>born<br />

beheimatet.<br />

29


Benediktiner-Abtei Königmünster<br />

„Operi Dei nihil praeponatur“ (dem Gottesdienst werde nichts vorgezogen) – im Sinne dieser<br />

Prämisse wird im Kloster nicht nur die feierliche Liturgie <strong>mit</strong> Choral und Psalmengesang,<br />

son<strong>der</strong>n auch das gesamte Klosterleben außerhalb <strong>der</strong> kirchlichen Räume als Gottesdienst<br />

aufgefasst. In erster Linie ist da<strong>mit</strong> zunächst <strong>der</strong> un<strong>mit</strong>telbare Dienst am Menschen zu verstehen,<br />

was schon <strong>mit</strong> dem äußeren Anlass <strong>der</strong> Klostergründung 1928, <strong>der</strong> Übernahme <strong>der</strong><br />

Schule, deutlich wurde. Heute werden am Gymnasium <strong>der</strong> Benediktiner etwa 680 Schülerinnen<br />

und Schüler auf das Abitur vorbereitet, aber die pädagogische Philosophie ist nicht auf<br />

den eigentlichen Lehrauftrag im engeren Sinne beschränkt. Der schulische Alltag wird bereichert<br />

durch viele musische Aktivitäten und Einrichtungen wie Schultheater, Schulchor und –<br />

orchester, Kunstausstellungen etc. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Schulpartnerschaften<br />

in ganz Europa. Ein ebenso wichtiger Bereich des Klosters ist die „Oase“, die 1981<br />

eingeweiht wurde und seitdem als Haus <strong>der</strong> Besinnung und Begegnung vor allem für junge<br />

Leute zur Verfügung steht. Besinnungstage für Schulklassen, Kurse im Bereich <strong>der</strong><br />

Selbsterfahrung, Meditation, Liturgie stehen ebenso auf dem Programm wie Großtreffen zu<br />

Silvester, Ostern und Pfingsten. Ein Ereignis des Kennenlernens, Zusammenwachsens und<br />

<strong>der</strong> Völkerverständigung für Menschen aus ganz Europa ist die jährliche Wan<strong>der</strong>woche.<br />

Zur festen Einrichtung gehört auch die ‚Kategorialseelsorge’, die Betreuung des Walburgakrankenhauses<br />

und <strong>der</strong> Veramedklinik sowie die Abstellung des Studentenpfarrers für die<br />

Zweigstelle <strong>der</strong> Hochschule Pa<strong>der</strong>born in Meschede. Und wer seine Sorgen teilen möchte, <strong>der</strong><br />

kann sich an zwei Brü<strong>der</strong> <strong>der</strong> Abtei wenden, die in <strong>der</strong> psychologischen Beratung tätig sind.<br />

Aber auch <strong>der</strong> ganz materielle Alltag findet auf dem wie ein kleines Dorf anmutenden Klostergelände<br />

seinen Nie<strong>der</strong>schlag und dies ist auch notwendig, denn Benediktinerklöster unterstehen<br />

kirchenrechtlich gesehen nicht dem Ortsbischof und haben daher keinen Anspruch auf<br />

Kirchensteuer<strong>mit</strong>tel, d.h. die Brü<strong>der</strong> müssen selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Dennoch<br />

ist die Werktätigkeit nicht rein pragmatisch und wirtschaftlich zu beurteilen, son<strong>der</strong>n auch als<br />

ein Akt, <strong>der</strong> sich in die geistliche Glaubenslehre einfügt. Zurückgehend auf die Regel des<br />

Heiligen Benedikt heißt es, das alles Gerät und alle Habe des Klosters als heiliges Altargerät<br />

betrachtet werden soll und <strong>mit</strong> diesem Geist wird das vielfältige schöpferische Tun begangen.<br />

Da wäre z.B. die Gärtnerei, die u.a. <strong>mit</strong> ihrem angeschlossenen Mostbetrieb für den eigenen<br />

Bedarf produziert, aber auch Tauschgeschäfte <strong>mit</strong> den Menschen aus <strong>der</strong> Umgebung abwikkelt.<br />

Und da wäre die klösterliche Landwirtschaft, <strong>der</strong>en Erzeugnisse in <strong>der</strong> Fleischerei und<br />

<strong>der</strong> Küche weiterverarbeitet und in bescheidenem Rahmen nach außen verkauft werden. Gerade<br />

diese beiden Bereiche führen das biblische Verständnis <strong>von</strong> Arbeit als Mitarbeit am<br />

Schöpfungsauftrag sowie Weitergabe und Pflege des Lebens vor Augen und so heißt es auf<br />

einer Tafel am Stallgebäude: „...da<strong>mit</strong> in allem Gott verherrlicht werde“.<br />

Aber auch das klassische Handwerk kommt in <strong>der</strong> Abtei nicht zu kurz: Die Einrichtung unterhält<br />

eine Schmiede, eine Schreinerei, eine Töpferei und eine Buchbin<strong>der</strong>werkstatt. Künstlerische<br />

Gestaltung und handwerkliches Können gehen in diesen Werkstätten einher. Des weiteren<br />

findet sich eine Handweberei auf dem Gelände, in <strong>der</strong> aus edlen Naturgarnen, vor allem<br />

Seide und Wolle, feinste Gewebe hergestellt werden. Hauptsächlich handelt es sich dabei um<br />

Paramente, also Gewän<strong>der</strong> für den Gottesdienst, wobei zum beson<strong>der</strong>en Stil <strong>der</strong> Weberei <strong>von</strong><br />

Königsmünster Gewän<strong>der</strong> <strong>mit</strong> feinen fließenden Farbübergängen und individuelle Anfertigungen<br />

gehören. Textile Feinarbeiten und das Nähen <strong>von</strong> Gewän<strong>der</strong>n sowie das Anfertigen<br />

<strong>von</strong> Habiten, den Ordensgewän<strong>der</strong>n <strong>der</strong> Mönche, werden in <strong>der</strong> im Gebäude <strong>der</strong> Gärtnerei<br />

befindlichen Schnei<strong>der</strong>werkstatt erledigt. Der hauswirtschaftliche Bereich <strong>der</strong> Abtei versorgt<br />

nicht nur die Mönche, son<strong>der</strong>n Kursgäste, Tagesgruppen und Familienfeste, die im Ausstellungsraum<br />

gefeiert werden. Abgerundet wird das klösterliche „Dorfleben“ durch einen Laden<br />

und eine Bibliothek <strong>mit</strong> rund 45.000 Bänden.<br />

30


Insgesamt ist die Abtei Arbeitgeber für 130 Menschen und in vielerlei Hinsicht Ausbildungsstätte<br />

für junge Leute. Da<strong>mit</strong> ist sie ein nicht unerhebliches sozioökonomisches Element für<br />

die Region. Die Gemeinschaft <strong>mit</strong> ihren 70 Mönchen ist dabei in <strong>der</strong> Tat <strong>von</strong> dorfähnlichen<br />

Strukturen geprägt, die ganz auf einen vielseitigen und inspirierenden Austausch <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Außenwelt<br />

ausgerichtet sind. Nächstenliebe und schöpferisches Miteinan<strong>der</strong> werden ganz im<br />

christlichen Sinne als Auftrag verstanden, <strong>der</strong> nicht an den Klostermauern Halt macht. Verbunden<br />

ist man als ‚Missionsbenediktiner’ dabei auch <strong>mit</strong> Klöstern in aller Welt, nicht nur in<br />

geistlicher Hinsicht, son<strong>der</strong>n auch was die materielle Versorgung <strong>von</strong> Außenstationen angeht.<br />

Zudem arbeiten Brü<strong>der</strong> aus Meschede in Tanzania, Kenia, Südafrika sowie Südkorea und<br />

unterstreichen das missionarische Eingebundensein <strong>der</strong> Abtei Königsmünster in das internationale<br />

Christentum.<br />

Lüdenscheid<br />

Direkt an <strong>der</strong> Sauerlandlinie liegt Lüdenscheid und schon vor 900 Jahren spielte ein bedeuten<strong>der</strong> Verkehrsweg,<br />

die „Königsstraße“ <strong>von</strong> Köln nach Arnsberg eine wichtige Rolle beim Aufstieg <strong>der</strong> damaligen<br />

Siedlung an <strong>der</strong> Wasserscheide zwischen Lenne und Volme. 1072 wurde die Kirche dem Kloster<br />

Grafschaft unterstellt und einer unsicheren Überlieferung zufolge soll Kaiser Heinrich V. 1114/15 eine<br />

befestigte Anlage sowohl gegen die Erzbischöfe <strong>von</strong> Köln als auch gegen die Grafen <strong>von</strong> Arnsberg<br />

errichtet haben. Bald darauf jedenfalls zählte die Siedlung zum Besitz <strong>der</strong> Grafen <strong>von</strong> Altena, später<br />

<strong>von</strong> <strong>der</strong> Mark. 1268 erhielt diese <strong>von</strong> Engelbert I. das Dortmun<strong>der</strong> Stadtrecht und eine Umwehrung.<br />

Dessen Nachfolger stellte Lüdenscheid 11 Jahre später unter die Lehnsherrschaft des Kölner Erzbischofs.<br />

Zwar wurde die Stadt auch Mitglied <strong>der</strong> Hanse und gehörte noch 1372 zu den fünf „Hauptstätten“<br />

<strong>der</strong> Mark, doch anschließend stockte die Entwicklung. Diesem Umstand ist wohl die Erhaltung<br />

des historischen Stadtkerns zu verdanken, in dem die <strong>mit</strong>telalterliche Umwehrung noch nachzuvollziehen<br />

ist. Im 18. Jahrhun<strong>der</strong>t dann wurde „Osemund“ zum sprichwörtlichen Güteerzeugnis <strong>der</strong><br />

Lüdenschei<strong>der</strong> Wirtschaft. Die Oßmun<strong>der</strong> Eisenwerke in <strong>der</strong> Grafschaft Mark verwandelten Siegerlän<strong>der</strong><br />

Roheisen durch ein spezielles Verfahren des Anblasens und Schmiedens in einen hoch elastischen<br />

Stahl. Mit dieser Grundlage wurde die Region zur Hochburg des Drahtziehens. Das Bild än<strong>der</strong>te<br />

sich während des 19. Jahrhun<strong>der</strong>ts. Der Schwerpunkt lag nun auf <strong>der</strong> Verarbeitung <strong>von</strong> Buntmetallen,<br />

<strong>der</strong> Knopfproduktion, für die Lüdenscheid berühmt wurde und <strong>der</strong>en Geschichte heute im Stadtmuseum<br />

nachgezeichnet wird, sowie den Anfängen <strong>der</strong> Aluminiumindustrie, <strong>der</strong>en Begrün<strong>der</strong> Karl Berg<br />

in Lüdenscheid und Eveking die ersten lenkbaren starren Luftschiffe baute.<br />

Seit 1975 ist die Stadt Zentrum des neuen Märkischen Kreises.<br />

Lüdenscheid ist heute geprägt durch eine <strong>mit</strong>telständische Wirtschaftstruktur <strong>mit</strong> beson<strong>der</strong>em<br />

Gewicht auf dem verarbeitenden Gewerbe. Von beson<strong>der</strong>er Bedeutung sind Eisen-, Blechund<br />

Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Maschinenbau und Kunststoffverarbeitung. Weltbekannt<br />

ist die Licht- und Leuchtstoffindustrie in Lüdenscheid, daher auch „Stadt des Lichts“<br />

genannt, beson<strong>der</strong>s getragen durch die Unternehmen Erco und Hoffmeister.<br />

Angesichts dieser industriellen Vielfalt fallen nur 30% <strong>der</strong> Arbeitsplätze auf den Handel und<br />

das Dienstleistungsgewerbe.<br />

Stadtmuseum und die Geschichte <strong>der</strong> Knopfherstellung<br />

In dem Maße wie Lüdenscheid heute als Stadt des Lichts bekannt ist, galt <strong>der</strong> Ort lange als die<br />

Knopfstadt schlechthin. Etwa 1780 begannen in Lüdenscheid die „Hakenmachers“ (Drahtverarbeiter)<br />

<strong>mit</strong> <strong>der</strong> Knopfherstellung, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg einer <strong>der</strong> wichtigsten<br />

Wirtschaftszweige war. Lüdenschei<strong>der</strong> Knöpfe gingen in aller Herren Län<strong>der</strong> Europas, nach<br />

China und Australien. Die Knöpfe wurden zum Teil in Heimarbeit gefertigt; weitere Branchen<br />

wie die <strong>der</strong> Graveure und Werkzeugmacher lebten ebenfalls <strong>von</strong> <strong>der</strong> Knopfherstellung.<br />

Die Organisation des neuen Gewerbes wurde am 1795 in einer gemeinschaftlichen Ordnung<br />

festgehalten. Um 1810 wurden in den Knopffabriken massive Messingknöpfe – sogenannte<br />

Plattenknöpfe – <strong>mit</strong> einer angelöteten Öse durch die Technik des Knopfgießens hergestellt.<br />

Messing sollte das bestimmende Metall <strong>der</strong> hiesigen Knopfindustrie werden. In den Jahren<br />

31


1830-40 brachte die Einführung <strong>der</strong> feineren Platten- und Kalotteknöpfe neue Arbeitsmethoden,<br />

neue Geräte und eine neue Arbeitsorganisation <strong>mit</strong> sich. Kalotteknöpfe bestanden aus<br />

einem Oberteil <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Prägung (Schale), einem Einsatz aus Pappe o<strong>der</strong> Eisen und dem Stieldeckel<br />

(Unterteil <strong>mit</strong> Öse). Zum Ausschneiden und Prägen <strong>der</strong> Knöpfe wurden die ersten einfachen<br />

Handpressen verwendet. Aus den Werkstätten entstanden nun Fabriken. In <strong>der</strong> zweiten<br />

Hälfte des 19. Jahrhun<strong>der</strong>ts passten sich die Lüdenschei<strong>der</strong> Knopffirmen immer wie<strong>der</strong> an<br />

neue Absatzmärkte an. Dem Kalotteknopf folgte <strong>der</strong> Aushauer- o<strong>der</strong> Durchbruchknopf. Mit<br />

<strong>der</strong> Einführung <strong>von</strong> Fallhämmern konnten ständig neue Knopfformen und neue Muster angeboten<br />

werden. Zwischen 1880 und 1890 kam es dann zu einer wahren Blüte <strong>der</strong> Knopfindustrie.<br />

Im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t wurden die traditionellen Knöpfe durch Druckknöpfe und Reißverschlüsse<br />

teilweise verdrängt. Mit <strong>der</strong> Mode wechselten auch ständig die Knopfformen, -<br />

größen und –gestaltungen. Als an<strong>der</strong>enorts Knöpfe (in Kunststoffen) preiswerter hergestellt<br />

werden konnten, stellten sich die Lüdenschei<strong>der</strong> Fabrikanten um. Heutzutage ist die Metallverarbeitung<br />

immer noch ein wichtiger Wirtschaftszweig in Lüdenscheid; die Knopfherstellung<br />

hat aber keine große Bedeutung mehr.<br />

Deren Geschichte kann allerdings noch im Stadtmuseum bewun<strong>der</strong>t werden. Dieses ist neben<br />

<strong>der</strong> Städtischen Galerie Teil eines kulturellen Projektes, dessen Zuhause im November 1988<br />

fertiggestellt wurde. Der umfangreiche gläserne Gebäudekomplex setzt ein markantes ästhetisch-gestalterisches<br />

Zeichen im Zentrum <strong>der</strong> Stadt, das in seiner Ausformung dem Architekten<br />

Nikolaus Ruff zu verdanken ist. Vorgabe war, zwei denkmalwerte Gebäude aus <strong>der</strong> Zeit<br />

<strong>der</strong> Jahrhun<strong>der</strong>twende, ein zuletzt als Bankgebäude genutztes Haus und das ehemalige Verwaltungsgebäude<br />

des 1968 aufgelösten Amtes Lüdenscheid, durch einen weitläufig transparenten<br />

Zwischentrakt <strong>mit</strong>einan<strong>der</strong> zu verbinden.<br />

Das Stadtmuseum ist so angelegt, das ein Rundgang im Erdgeschoß <strong>der</strong> Glashalle beginnt,<br />

durch beide Geschosse des alten Amtshauses führt und dann wie<strong>der</strong> in <strong>der</strong> Glashalle endet.<br />

Je<strong>der</strong> Raum ist thematisch abgerundet, so dass auch ein vertiefen<strong>der</strong> Besuch einiger ausgewählter<br />

Räume möglich ist. Neben <strong>der</strong> Knopfindustrie werden über 30 weiter Themen <strong>mit</strong><br />

Lüdenschei<strong>der</strong> Bezug zugänglich gemacht.<br />

Hoffmeister Leuchten<br />

Hoffmeister Leuchten ist in Europa ein führen<strong>der</strong> Hersteller <strong>von</strong> Leuchten für den Innen- und<br />

Außenbereich. Die mo<strong>der</strong>ne Licht- und Leuchtentechnik ist <strong>von</strong> Hoffmeister entscheidend<br />

durch die dynamische Entwicklung eines vielseitigen und umfassenden Leuchtenprogramms<br />

<strong>mit</strong>getragen worden, das seinen Einsatz im öffentlichen, gewerblichen und privaten Bereich<br />

findet.<br />

Die Projektleistung <strong>von</strong> Hoffmeister Leuchten in <strong>der</strong> Architektur wird im wesentlichen <strong>mit</strong>bestimmt<br />

durch hochwertiges, funktionsorientiertes Design und hohen lichttechnischen Nutzen<br />

unter Einsatz neuester Leucht<strong>mit</strong>tel und mo<strong>der</strong>nster Reflektortechniken. Die herausragende<br />

Qualität <strong>der</strong> Hoffmeister Leuchten und das Qualitätsmanagement wurden durch die entsprechende<br />

Zertifizierung untermauert.<br />

Hagen<br />

Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung des Raumes bereits vor rund 40.000 Jahren hin.<br />

Die Eroberung <strong>der</strong> Hohensyburg im Norden <strong>von</strong> Hagen durch Karl den Großen 775 ist das Ereignis,<br />

das die schriftliche Belegung <strong>der</strong> historischen Entwicklung <strong>der</strong> Region einleitet. Die ersten abgesicherten<br />

Quellennachweise über Hagen stammen aus dem frühen 13. Jahrhun<strong>der</strong>t. Der Raum um Hagen<br />

war seit jeher geprägt durch <strong>mit</strong>telalterliche Befestigungsanlagen, was <strong>von</strong> einigen imposanten<br />

Bauwerken bezeugt wird. Zu nennen wären z.B. die Raffenburg bei Holthausen, die in <strong>der</strong> ersten<br />

Hälfte des 13. Jahrhun<strong>der</strong>ts als kurkölnischer Territorialstützpunkt errichtet wurde, und die vor 1242<br />

erbaute Hohenlimburg als Stammsitz des Grafen <strong>von</strong> Isenberg-Limburg. Auch die Hohensyburg,<br />

heute bekannt durch das dortige Spielcasiono, zählt <strong>mit</strong> einer alten Wallanlage zu dieser Kategorie.<br />

Nachdem die Herzöge im Laufe <strong>der</strong> Jahrzehnte und Jahrhun<strong>der</strong>te das Feld räumten und <strong>der</strong> Erbfolge-<br />

32


krieg beendet war, fiel Hagen 1666 an Brandenburg-Preußen und wurde unter Friedrich Wilhelm I.<br />

zur Stadt erhoben. 1692 errichtete Mathias Vorster in Delstern eine Papiermühle, die sich im 18. Jahrhun<strong>der</strong>t<br />

zu einem bedeutenden Unternehmen in <strong>der</strong> Region entwickelte und die heutige Position Hagens<br />

als eines <strong>der</strong> Zentren <strong>der</strong> Papierherstellung in Deutschland <strong>mit</strong>begründete. Von 1807 bis 1813<br />

stand Hagen unter französischer Herrschaft und entwickelte sich anschließend unter preußischer Ägide<br />

zur Industriestadt. Einer <strong>der</strong> ersten industriell betriebenen größeren Hochöfen im südwestfälischen<br />

Raum war 1836 <strong>der</strong> Hochofen „Markaner“ bei Haspe. Im Jahr <strong>der</strong> deutschen Revolution 1848 wurden<br />

die Eisenbahnstrecken Hagen-Witten-Dortmund und Schwelm-Hagen eröffnet. 1887 wurde die Accumulatorenfabrik<br />

Tudorschen Systems Büsche und Müller, die spätere Accumulatorenfabrik AG und<br />

Vorgängerin <strong>der</strong> VARTA Batterie AG gegründet. 1903 wurde das im neugotischen Stil erbaute Rathaus<br />

eingeweiht. Die weitere wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Hagens und seines Umlandes<br />

war rasant: 1904 Einweihung <strong>der</strong> Hasper Talsperre, 1906 Anblasen des ersten Hochofens des Hasper<br />

Eisen- und Stahlwerks, <strong>der</strong> späteren Klöckner-Werke, 1907 Gründung des Städtischen Orchesters in<br />

Hagen, 1911 Eröffnung des Hagener Stadttheaters und 1912 Gründung <strong>der</strong> Waffel- und Zwiebackfabrik<br />

C&F Brandt in Haspe.<br />

1918 übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte in Hagen und Hohenlimburg kurzzeitig die Stadtverwaltung.<br />

Mit dem zwischenzeitlichen Ende <strong>der</strong> politischen Unruhen zur Weimarer Zeit nahm die Entwicklung<br />

zur Großstadt <strong>mit</strong> dem 100.000sten Einwohner 1928 und <strong>der</strong> Eingemeindung <strong>von</strong> Haspe und<br />

einigen Landgemeinden 1929 ihren Lauf.<br />

Als amerikanische Truppen 1945 einmarschierten, lag die Stadt in Schutt und Asche.<br />

Mit <strong>der</strong> Währungsreform 1948 erfolgt zunächst <strong>der</strong> Aufschwung, symbolisiert auch durch folgende<br />

Faktoren: Einweihung des neuen Rathauses 1965, Verbindung <strong>von</strong> A1 und <strong>der</strong> Sauerlandlinie durch<br />

das Autobahnkreuz Hagen, Errichtung <strong>der</strong> Fachhochschule 1971 und Eröffnung des Westfälischen<br />

Freilichtmuseums Technischer Kulturdenkmäler im selben Jahr. Einen erneuten Bruch in <strong>der</strong> Entwicklung<br />

bedeutete die Stahlkrise, die in den beiden folgenden Jahren zur Stillegung <strong>der</strong> Klöckner-<br />

Werke und <strong>der</strong> Gussstahlwerke Wittmann führte. Positiv hingegen war <strong>der</strong> Start <strong>der</strong> einzigen staatlichen<br />

Fernuniversität 1975, in einer Großstadt, <strong>der</strong> seit diesem Jahr neben einigen weiteren Ortschaften<br />

auch die ehedem eigenständige Stadt Hohenlimburg angehören.<br />

Heute ist Hagen, die bewaldetste Großstadt Deutschlands <strong>mit</strong> über 200.000 Einwohnern, eine<br />

mo<strong>der</strong>ne und zukunftsorientierte Stadt, wie u.a. das 1986 gegründete und 1997 auf den Campus<br />

<strong>der</strong> Fernuniversität verlegte Technologie- und Grün<strong>der</strong>zentrum (TGZ) und das 1999<br />

durch Ministerpräsident Clement eingeweihte SIHK-Bildungszentrum im Gewerbe- und<br />

Technologiepark Kückelhausen bezeugen. Der Strukturwandel wird städtebaulich symbolisiert<br />

durch das Projekt „Neue City Hagen“, das durch die mo<strong>der</strong>ne multifunktionale Revitalisierung<br />

<strong>der</strong> Innenstadt ästhetische Impulse geben und die Kaufkraft an die Stadt binden soll.<br />

Auch kulturell und künstlerisch hat Hagen einiges zu bieten, exemplarisch sei hier die Jugendstilvilla<br />

Hohenhof als ein Museum des Hagener Impulses genannt.<br />

Fernuniversität Hagen<br />

Als zu Beginn <strong>der</strong> 1970er Jahre deutlich wurde, dass die zu erwartenden Studentenzahlen die<br />

Kapazitäten <strong>der</strong> Präsenzuniversitäten trotz möglicher Erweiterungen übersteigen würden,<br />

wurden mehrere dezentral orientierte Denkansätze zur Lösung des Problems entwickelt,<br />

scheiterten in <strong>der</strong> Realisierung aber durch fehlendes Zusammenwirken aller Bundeslän<strong>der</strong>.<br />

Daher entschloss sich Nordrhein-<strong>Westfalen</strong>, ein zentrales Modell anzustreben und eine eigenständige,<br />

bis heute in <strong>der</strong> Bundesrepublik einmalige Universität zu errichten, die am 01.12.<br />

1974 gegründet wurde und im Wintersemester 1975/76 <strong>mit</strong> 1.300 Studenten den Studienbetrieb<br />

aufnahm. Der im Gesetz formulierte Gründungsauftrag beinhaltete die drei Schwerpunkte<br />

Kapazitätsentlastung für die bestehenden Hochschulen, Leistung eines Beitrages zur<br />

Studienreform und Angebot einer wissenschaftlichen Weiterbildung. Generell ging es bei<br />

dem Auftrag <strong>der</strong> Fernuniversität um die Verbesserung <strong>der</strong> Chancen einer wissenschaftlichen<br />

Bildung für möglichst viele Bürger, was nur Sinn macht, indem allgemein akzeptierte grundständige<br />

Studiengänge angeboten werden und das Studienangebot <strong>mit</strong> dem <strong>der</strong> Präsenzuniversitäten<br />

vergleichbar ist. Der wesentliche Unterschied liegt in <strong>der</strong> beson<strong>der</strong>en Lehrmethode,<br />

33


die auf die ständige Präsenz <strong>der</strong> Studierenden am Ort verzichtet und ihnen da<strong>mit</strong> in räumlicher<br />

wie zeitlicher Hinsicht einen maximalem Gestaltungsspielraum einräumt. Es gibt daher<br />

an <strong>der</strong> Fernuniversität keine Hörsäle, denn <strong>mit</strong> Ausnahme weniger Präsenzveranstaltungen<br />

wird <strong>der</strong> Lehrstoff nicht in Vorlesungen ver<strong>mit</strong>telt. Dies geschieht in schriftlicher Form durch<br />

didaktisch aufbereitete Studienbriefe, die den Studierenden zur selbstständigen und fristgerechten<br />

Bearbeitung über<strong>mit</strong>telt werden. Zum begleitenden Angebot zählen computergestützte<br />

Studienmaterialien, z.B. CD-ROM, und audiovisuelle und elektronische Medien, wobei<br />

es sich sowohl um Ton- und Videokassetten, wie auch um regelmäßige Fernsehsendungen<br />

im dritten Programm des WDR und via Satellit handelt. Der Abschluss <strong>von</strong> Kursen erfolgt –<br />

wie auch an Präsenzuniversitäten üblich – durch entsprechende Klausuren, die an regionalen<br />

Standorten in ganz Deutschland unter Aufsicht <strong>von</strong> Beamten <strong>der</strong> Prüfungsämter <strong>der</strong> Fachbereiche<br />

durchgeführt werden. Für die im Ausland wohnenden Studierenden gibt es diese Möglichkeit<br />

beispielsweise in den Vertretungen des Auswärtigen Amtes o<strong>der</strong> an den Goethe-<br />

Instituten. Eingebunden in den schriftlichen Teil des Studiums sind Präsenzphasen in Form<br />

<strong>von</strong> Lehrveranstaltungen, die entwe<strong>der</strong> am Standort <strong>der</strong> Fernuniversität in Hagen o<strong>der</strong> dezentral<br />

in den Studienzentren abgehalten werden. Jene befinden sich in den Bundeslän<strong>der</strong>n sowie<br />

in Österreich, Ungarn und <strong>der</strong> Schweiz.<br />

Seit <strong>der</strong> Aufnahme des Studienbetriebes ist die Zahl <strong>der</strong> Studenten kontinuierlich gestiegen,<br />

20 Jahre nach <strong>der</strong> Gründung waren 56.000 Studierende eingeschrieben. Sie werden <strong>von</strong> etwa<br />

80 Professorinnen und Professoren, 400 wissenschaftlichen und 700 nichtwissenschaftlichen<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Das Lehrangebot ließ sich durch die Mitwirkung<br />

zahlreicher externer Hochschullehrer erheblich verbreitern. Im langfristigen Durchschnitt ist<br />

etwa die Hälfte <strong>der</strong> Studierenden im Fachbereich Wirtschaftswissenschaft immatrikuliert. Es<br />

folgen Erziehungs-, Sozial- und Geisteswissenschaften, Informatik, Elektrotechnik, Mathematik<br />

und Rechtswissenschaft. Das Studium kann als Vollzeit- und Teilzeitstudium strukturiert,<br />

also entsprechend <strong>mit</strong> dem Berufsalltag, <strong>der</strong> familiären Situation etc. abgestimmt werden.<br />

Es ist in erster Linie auf die Abschlüsse Magister und Diplom ausgerichtet.<br />

Der wissenschaftliche Bereich und die Verwaltung <strong>der</strong> Uni sind auf zahlreiche Standorte in<br />

Hagen und im benachbarten Iserlohn verteilt Die 1985 fertiggestellten Gebäude des Hagener<br />

Campus sind heute um weitere ergänzt worden, um dem Wunsch nach Konzentration aller<br />

Bereiche nachzukommen, aber auch, um das neu errichtete Hagener Technologie- und Grün<strong>der</strong>zentrum<br />

<strong>mit</strong> dem Fachbereich Informatik infrastrukturell direkt zu verknüpfen und Praxisnähe<br />

herzustellen.<br />

Für die Stadt Hagen und die Region ist die FernUniversität ein bedeuten<strong>der</strong> Wirtschaftsfaktor,<br />

<strong>der</strong> direkt und indirekt ca. 40 Mio Euro an die Region bindet, z.B. durch die Druckaufträge<br />

für die Studienbriefe etc. Das 1993 im Industriegebiet Lennetal errichte Logistikzentrum, <strong>von</strong><br />

dem aus täglich bis zu 5.000 Sendungen <strong>mit</strong> insgesamt 62.000 Artikeln im Auftrag <strong>der</strong> Fernuniversität<br />

auf die Reise geschickt werden, ist ein weiterer Beleg dafür, wie hier Bildung und<br />

Wirtschaft jenseits <strong>der</strong> Forschung <strong>mit</strong>einan<strong>der</strong> verzahnt sind.<br />

Jugendstilvilla Hohenhof - Museum des Hagener Impulses<br />

Der sogenannte 'Hagener Impuls' bezeichnet einen Abschnitt in <strong>der</strong> Geschichte <strong>der</strong> Stadt Hagen,<br />

in dem sie Schauplatz für eine im internationalen Maßstab wichtige Entwicklung war:<br />

die Jahre zwischen 1900 und 1921, in denen <strong>der</strong> Hagener Karl Ernst Osthaus als Mäzen,<br />

Ver<strong>mit</strong>tler und Organisator seine Vision, "die Schönheit wie<strong>der</strong> zur herrschenden Macht im<br />

Leben" werden zu lassen, in Hagen beispielhaft zu realisieren versuchte.<br />

In diesen Jahren war Hagen europaweit eines <strong>der</strong> wichtigsten Zentren für die Reformbewegung<br />

vor dem Ersten Weltkrieg, die sich gegen die verkrusteten Strukturen des Wilhelminismus<br />

wendete. Äußeres Zeichen dieser Reformbewegung war <strong>der</strong> sogenannte Jugendstil, <strong>der</strong><br />

aus <strong>der</strong> Arts & Crafts-Bewegung in England entstand und vor allem in Belgien und Frankreich<br />

weiterentwickelt wurde, bevor er sich über Henry van de Velde auch in Deutschland<br />

34


durchsetzen konnte. Hagen war einer <strong>der</strong> ersten Orte in Deutschland <strong>mit</strong> Bauten im Jugendstil,<br />

aber typischerweise auch die Stadt, in <strong>der</strong> seine Weiterentwicklung in 'sachliche' Gestaltungsformen<br />

betrieben wurde, die dann später – nach dem ersten Weltkrieg - im Weimarer<br />

und Dessauer Bauhaus zur Blüte kamen.<br />

Der beson<strong>der</strong>e Charakter des ‚Hagener Impuls' bestand im Vergleich zu ähnlichen Initiativen<br />

- Monte Verita bei Ascona (ab 1900), Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt (1901),<br />

Siedlung Hellerau bei Dresden (1908), Bauhaus Weimar (1919), Bauhaus Dessau (1925),<br />

Weißenhofsiedlung Stuttgart (1927) - darin, dass er nicht als eine überschaubare Enklave geplant<br />

wurde. Osthaus' Versuch <strong>der</strong> Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens durch Kunst<br />

bezog sich auf die soziale Realität einer ganzen Industriestadt, seiner Heimatstadt Hagen.<br />

Osthaus ließ den für die Entwicklung <strong>der</strong> Jugendstilarchitektur bedeutenden Hohenhof als<br />

Ursprung <strong>der</strong> <strong>von</strong> ihm visionär geplanten Künstlerkolonie und Ausbildungsstätte Hohenhagen<br />

vom belgischen Architekten Henry van de Velde zwischen 1906 und 1908 erbauen. Hohenhof<br />

war <strong>von</strong> Anfang an weit mehr als nur <strong>der</strong> Wohnsitz <strong>von</strong> Karl Osthaus und seiner Familie.<br />

Neben <strong>der</strong> nahezu vollständig erhaltenen Inneneinrichtung des Wohnhauses bilden eine große<br />

Sammlung zum Werk <strong>von</strong> Henry van de Velde, Erzeugnisse <strong>der</strong> "Hagener Silberschmiede",<br />

hier vor allem Arbeiten <strong>von</strong> J.L. Mathien Lauweriks, die wichtigsten Komplexe. Zudem ist<br />

<strong>der</strong> Hohenhof einer <strong>der</strong> Ankerpunkte <strong>der</strong> "Route <strong>der</strong> Industriekultur", die <strong>der</strong> Kommunalverband<br />

Ruhrgebiet (KVR) seit 1999 als touristische Attraktion im Ruhrgebiet anbietet. In dem<br />

bis ins kleinste Detail gehenden künstlerischen Gesamtentwurf, <strong>der</strong> die Inneneinrichtung bestimmt<br />

und durch Werke <strong>von</strong> Ferdinand Hodler und Henry Matisse unterstützt wird, entfaltet<br />

sich ein lebendiges Wechselspiel <strong>von</strong> Innen- und Außenräumen, <strong>von</strong> künstlerischer Freiheit<br />

und gestalterischer Funktionalität.<br />

Im Zusammenhang <strong>mit</strong> dem Gebäude entwickelte van de Velde einen Gartenentwurf, <strong>der</strong> das<br />

Zentrum einer geplanten Gartenstadt Hohenhagen bilden sollte. Osthaus wollte mo<strong>der</strong>ne<br />

städtebauliche Ideen in die Realität umsetzen lassen. Der Entwurf van de Veldes, orientierte<br />

sich formal stark an <strong>der</strong> Gebäudearchitektur, alle Gartenbereiche bezogen sich axial auf das<br />

Gebäude. Osthaus war <strong>mit</strong> diesem Entwurf nicht einverstanden, son<strong>der</strong>n beauftragte 1913<br />

Leberecht Migge, einen Hamburger Gartenarchitekten, <strong>der</strong> die Bepflanzung zum Hauptgegenstand<br />

<strong>der</strong> Gestaltung machte. So wurde die Bepflanzung vielfältiger und thematisch unabhängiger<br />

vom Haus. Es gab einen dunklen Hain <strong>mit</strong> Buchen, Efeu und Farne sowie einen<br />

helleren Hain, in dem <strong>der</strong> Boden <strong>von</strong> Waldmeister und Veilchen gedeckt war. Villa und Garten<br />

Hohenhof erlebten nach dem Tod <strong>von</strong> Osthaus 1921 eine wechselvolle Geschichte. Die<br />

Villa war nationalsozialistische Ausbildungsstätte, später Frauenklinik und pädagogische<br />

Hochschule. Strukturell ist <strong>der</strong> Garten jedoch weitgehend erhalten, allerdings sind im westlichen<br />

Teil Pavillons errichtet worden, die jetzt als Kin<strong>der</strong>garten genutzt werden.<br />

Das Ruhrgebiet<br />

Als ehemals prosperierende Ballungsregion <strong>der</strong> Schwerindustrie ist das Ruhrgebiet seit einigen<br />

Jahren darauf angewiesen, den wirtschaftlichen Umbrüchen Rechnung zu tragen und den<br />

Strukturwandel zu bewältigen. Die Voraussetzungen hierfür sind nicht schlecht, denn aus <strong>der</strong><br />

industriellen Geschichte ist eine regionale Identität entwachsen, die sowohl in <strong>der</strong> Selbst-, als<br />

auch in <strong>der</strong> Fremdwahrnehmung <strong>mit</strong> beson<strong>der</strong>er Tatkraft, Wi<strong>der</strong>stands- und Leidensfähigkeit,<br />

Solidarität, Loyalität und heimatlicher Verbundenheit assoziiiert wird - eine Komposition <strong>von</strong><br />

Eigenschaften, die in beson<strong>der</strong>er Weise Integrationskraft besitzt und für die Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

<strong>der</strong> Zukunft verläßlich rüstet.<br />

Darüber hinaus hat das Selbstverständnis <strong>der</strong> Bewohner des „Kohlenpotts“ als Schicksalsgemeinschaft<br />

im Bereich des soziokulturellen Lebens, insbeson<strong>der</strong>e auch im Sport, zur Entstehung<br />

<strong>von</strong> Phänomenen bis hin zur Mythenbildung gesorgt und längst ist die Region deshalb<br />

zum beliebten und geliebten Gegenstand, Heimatort und Identifikationsraum auch <strong>der</strong> wissen-<br />

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schaftlichen, künstlerischen und intellektuellen Elite geworden. Dem wird nicht zuletzt auch<br />

touristisch, etwa <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Route <strong>der</strong> Industriekultur, Rechnung getragen.<br />

Da wun<strong>der</strong>t es nicht, dass stereotype Vorurteile früherer Zeiten in den Hintergrund gerückt<br />

sind zugunsten des beson<strong>der</strong>en Charmes einer einzigartigen Region, <strong>der</strong> verbunden <strong>mit</strong> <strong>der</strong><br />

Infrastruktur und dem ausgebildeten Netz wirtschaftlicher Akteure als „harte“ Faktoren hervorragende<br />

Anreize darstellt, im Ruhrgebiet wirtschaftlich aktiv zu werden. Gerade die Zukunftstechnologien<br />

haben im „Kohlenpott“ in beson<strong>der</strong>em Maße ein Zuhause gefunden und<br />

haben sich längst angeschickt, die einstige Rolle <strong>der</strong> Montanindustrie zu übernehmen, so dass<br />

<strong>der</strong> hohe Stellenwert als Wirtschaftsraum erhalten bleibt. In <strong>der</strong> "Region <strong>mit</strong>tleres Ruhrgebiet"<br />

beispielsweise bündeln Witten, Bochum, Herne, Hattingen und <strong>der</strong> Ennepe-Ruhr-Kreis<br />

ihre Kräfte für eine gemeinsame Strukturpolitik, die die Standortvorteile und das Potenzial<br />

<strong>der</strong> Region nutzt.<br />

Seit jeher Spitzenleistungen bringt die Region im Sport hervor, insbeson<strong>der</strong>e im Fußball. Neben<br />

den nationalen und internationalen Triumphen insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Vereine Borussia Dortmund<br />

und Schalke 04 stechen beson<strong>der</strong>s auch die Sportstätten hervor - das Ruhrstadion in<br />

Bochum und das <strong>Westfalen</strong>stadion in Dortmund sind „echte“ atmosphärische Stadien auf<br />

höchstem internationalen Niveau, Schalke kann sich gar rühmen, in Europas mo<strong>der</strong>nster Arena<br />

zu spielen.<br />

Witten<br />

Der Ortsname Witten wird erstmals 1241 in einer Urkunde des Erzbischofs Adolf I. erwähnt, nachdem<br />

<strong>der</strong> heutige Stadtteil Herbede (seit 1975) bereits 851 in den Annalen auftauchte.<br />

1516 war die erste kaiserliche Belehnung des Gerichts Witten durch Kaiser Maximilian I. zu verzeichnen<br />

und bereits für das Jahr 1578 lässt sich eine erste Bergbautätigkeit nachweisen. Witten, die<br />

Wiege des Ruhrbergbaus, hatte schon 300 Jahre Bergbaugeschichte hinter sich, als die organisierte<br />

Kohleför<strong>der</strong>ung den Grundstein für die Industrialisierung legte. Seit fast 150 Jahren wird in <strong>der</strong> Stadt<br />

Stahl gekocht. Erfin<strong>der</strong>geist und Mut zu neuen Wegen verschafften <strong>der</strong> Stadt schon früh eine führende<br />

Rolle in <strong>der</strong> Eisenverarbeitung und Glasherstellung.<br />

Das Muttental und die Zeche Nachtigall beherbergen heute bedeutende Industriedenkmäler dieser<br />

Zeit. Sie bezeugen auch, dass Innovationen in Witten eine lange Tradition haben.<br />

Obwohl Witten eine Großstadt im Ruhrgebiet <strong>mit</strong> <strong>der</strong> häufig assoziierten Enge ist, ist an vielen<br />

Ecken ein gemütlicher Kleinstadtcharakter auszumachen und schafft <strong>der</strong> Übergang zum<br />

Bergischen Land und zum Sauerland eine landschaftliche Weiträumigkeit.<br />

Eine optimale Verkehrsinfrastruktur in den Bereichen Straße und Schiene zeichnet Witten als<br />

Gewerbe- und Industriestandort aus. In den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, Chemie<br />

und Elektrotechnik sind positive Entwicklungen zu verzeichnen.<br />

Die Schutzsicherungen fast aller Fernsehgeräte kommen aus <strong>der</strong> Ruhrstadt und Schiffsgetriebe<br />

aus Witten kreuzen auf allen Weltmeeren und stehen beispielhaft für die Güte Wittener<br />

Erzeugnisse.<br />

Auf dem Gelände neben <strong>der</strong> Privatuniversität Witten/Herdecke, liegt das Forschungs- und<br />

Entwicklungszentrum (FEZ), das <strong>von</strong> <strong>der</strong> Stadt Witten gemeinsam <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Universität initiiert<br />

und <strong>mit</strong> Unterstützung des Landes Nordrhein-<strong>Westfalen</strong> realisiert wurde. Technologieorientierte<br />

junge Unternehmen haben im FEZ einen auf ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmten<br />

Unternehmensstandort gefunden. Schwerpunkte dieser Keimzelle innovativer Entwicklung<br />

liegen in den Bereichen Medizin, Gesundheitswesen, Umwelttechnologie und -<br />

management, regenerative Energien, Entsorgungstechnik und Biotechnologie.<br />

Vorrangiges Ziel des FEZ ist es, das facettenreiche Know-how aus verschiedenen universitären<br />

Forschungsbereichen unternehmerisch zu verwerten. Da<strong>mit</strong> übernimmt die Einrichtung<br />

eine wichtige Funktion im Zuge des eingeleiteten Strukturwandels in <strong>der</strong> Ruhrstadt.<br />

36


Privatuniversität Witten/Herdecke<br />

Verantwortung, Kompetenz und Betroffenheit - dies sind schlagwortartig die Grundsätze <strong>der</strong><br />

praxisnah, interdisziplinär und international ausgerichteten Forschung und Lehre <strong>der</strong> privaten<br />

Universität Witten/Herdecke, die als erste ihrer Art 1982 ins Rennen ging.<br />

Geführt in <strong>der</strong> Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH geht die Einrichtung auf die Initiative<br />

eines Kreises <strong>von</strong> deutschen Hochschullehrern und Ärzten aus dem Gemeinschaftskrankenhaus<br />

Herdecke zurück. Sie wollten das akademische Bildungskonzept nach Analyse <strong>der</strong><br />

Hochschulsituation <strong>der</strong> 70er Jahre alternativ und innovativ bereichern. Dem Prinzip <strong>der</strong> Wirtschaftlichkeit<br />

verpflichtet, gekoppelt <strong>mit</strong> traditioneller Gemeinnützigkeit kultureller und sozialer<br />

Institutionen, ist die Organisation so angelegt, dass alle Mitglie<strong>der</strong> zur Mitgestaltung<br />

aufgefor<strong>der</strong>t sind, da<strong>mit</strong> die bildungspolitischen Impulse effizient umgesetzt werden.<br />

1983 konnte zunächst <strong>der</strong> Studienbetrieb im Fach Humanmedizin aufgenommen werden. Es<br />

folgten in den Jahren 1984, 1985 und 1987 die Studiengänge Wirtschaftswissenschaft, Zahnmedizin,<br />

Musiktherapie und die Naturwissenschaften <strong>mit</strong> dem Diplom-Studiengang Biochemie.<br />

Aufgrund <strong>der</strong> positiven Empfehlungen des Wissenschaftsrates vom Juli und November<br />

1990 wurde die Universität rückwirkend zum Jahresbeginn in das Hochschulverzeichnis aufgenommen.<br />

In 13 Jahren rein privater Finanzierung durch Spenden <strong>von</strong> Privatpersonen, Stiftungen<br />

und Unternehmen sowie durch Dritt<strong>mit</strong>tel und Eigenleistungen hat sich das Budget<br />

verdreißigfacht. Die Leistungen <strong>der</strong> Einrichtung wurden 1993 durch die erstmalige Beteiligung<br />

<strong>von</strong> Bund und Land in beson<strong>der</strong>er Weise gewürdigt. Nach <strong>der</strong> Mitfinanzierung eines<br />

Universitätsgebäudes beteiligt sich das Land Nordrhein-<strong>Westfalen</strong> seit 1995 auch an den laufenden<br />

Kosten. Im gleichen Jahr wurde auch eine Kostenbeteiligung <strong>der</strong> Studierenden eingeführt.<br />

Als Gegenleistung erhalten sie eine fundierte Ausbildung in überschaubaren Verhältnissen<br />

jenseits gängiger Anony<strong>mit</strong>ät staatlicher Hochschulen. Ein beson<strong>der</strong>es Charakteristikum<br />

ist beispielsweise das Studium fundamentale, ein das Fachstudium obligatorisch begleitendes<br />

Zusatzstudium nach dem Motto „Erziehung heißt nicht ein Fass zu füllen, son<strong>der</strong>n eine<br />

Flamme anzuzünden“ (Heraklit). Es soll die angehenden Wissenschaftler philosophisch, im<br />

engeren Sinne erkenntnistheoretisch, zur Selbstreflexion hinsichtlich ihres Forschungseifers<br />

und <strong>der</strong> Methodik anhalten. Außerdem sollen die Erlebnisfähigkeit und Kreativität geschult,<br />

Fachgrenzen überschreitendes Denken angeregt und ein breit angelegtes wissenschaftliches<br />

Selbstverständnis erzeugt werden. Mit Anbindungen des jeweils eigenen Fachs an Literatur,<br />

Kunst, Musik, Geschichte und Recht wird <strong>der</strong> Blick für die Gesellschaft als Ganzes und die<br />

Mehrdimensionalität des Menschen geöffnet, im Zusammenhang <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Verantwortlichkeit<br />

des Wissenschaftlers in dieser Hinsicht. Schließlich kann es sich eine freiheitliche Demokratie<br />

nicht leisten, dass es ihren zukünftigen Leistungsträgern an Mündigkeit fehlt, dafür aber nicht<br />

an Scheuklappen. In diesem Auftrag handelt die Universität Witten/Herdecke und leistet Vorbildliches.<br />

Verpflichtet fühlt sich die Institution auch, wenn es um den Strukturwandel in <strong>der</strong> Region<br />

geht. In Zusammenarbeit <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Stadt Witten ist daher 1995 das Forschungs- und Entwicklungszentrum<br />

FEZ Witten als Ideenschmiede für innovative Konzepte in Sachen Technologietransfer<br />

und als Beratungsplattform für Unternehmensgrün<strong>der</strong> gegründet worden. Das FEZ<br />

kooperiert <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Wirtschaft in <strong>der</strong> Region und überregionalen Partnern und ist eine kompetente<br />

Steuerungsinstanz in Richtung Zukunft.<br />

Muttental und die Zeche Nachtigall<br />

Am Eingang des Wittener Muttentals erinnern mehrere Gebäude <strong>der</strong> damaligen Zeche Nachtigall<br />

und <strong>der</strong> zugängliche Nachtigallstollen an den frühen Bergbau an <strong>der</strong> Ruhr. „Nachtigall“<br />

entwickelte sich aus einer 1714 erstmals erwähnten Kleinzeche, die im frühen 19. Jahrhun<strong>der</strong>t<br />

vom Stollenbau zum Tiefbau überging und bald auch Dampfmaschinen einsetzte. Heute steht<br />

eine <strong>der</strong> ältesten Dampfför<strong>der</strong>maschinen (1887) des Ruhrgebietes im Maschinenhaus <strong>der</strong> Ze-<br />

37


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che. Insgesamt warten im Muttental über 30 Sehenswürdigkeiten <strong>der</strong> Bergbaugeschichte auf<br />

interessierte Besucher. Sie sind durch einen 9 km langen Bergbaurundweg <strong>mit</strong>einan<strong>der</strong> verbunden.<br />

Im Museum Zeche Nachtigall, dem 130 m langen Stollen, im Bethaus <strong>der</strong> Bergleute<br />

und im Gruben- und Feldbahnmuseum können <strong>der</strong> harte Arbeitsalltag <strong>der</strong> Kumpel und <strong>der</strong><br />

Abbau <strong>der</strong> Kohle vor mehr als 150 Jahren nachempfunden werden. Mit <strong>der</strong> Eröffnung des<br />

regulären Museumsbetriebes im Herbst 2002 wird zudem <strong>der</strong> Kohletransport auf <strong>der</strong> Ruhr an<br />

Bord eines nachgebauten Ruhrschiffes in Szene gesetzt. Auch in museumspädagogischer Hinsicht<br />

wird für Spannung gesorgt, indem Kin<strong>der</strong>gruppen angeregt werden, das „Geheimnis <strong>der</strong><br />

schwarzen Diamanten“ zu lüften. Mit Hilfe eines speziell ausgestatteten Grubenwagens<br />

schlüpfen die Kin<strong>der</strong> in die Rolle <strong>von</strong> „Schleppern“ und erleben die Atmosphäre unter Tage<br />

hautnah.<br />

Hohensyburg und die Spielbank Hohensyburg<br />

Der Name Hohensyburg bezeichnet das Bergplateau (Syberg) im Süden Syburgs und insbeson<strong>der</strong>e<br />

das Gebiet innerhalb <strong>der</strong> Sächsischen Wallburg („Sigiburg“). Dem ist schon zu entnehmen,<br />

dass Hohensyburg, gelegen an <strong>der</strong> Ruhr zwischen Hagen und Dortmund, für die Geschichtsschreibung<br />

in <strong>Westfalen</strong> eine beson<strong>der</strong>e Bedeutung hat. Durch die Erwähnung <strong>der</strong><br />

Wallbefestigung im Zusammenhang <strong>mit</strong> den karolingischen Sachsenkriegen 775 tritt diese<br />

Region da<strong>mit</strong> in die geschriebene Geschichtsüberlieferung ein. Als exponierter und geschichtsträchtiger<br />

Ort weist das Plateau <strong>der</strong> Hohensyburg eine Reihe <strong>von</strong> archäologischen und<br />

historischen Denkmälern auf. Neben <strong>der</strong> Wallbefestigung und <strong>der</strong> <strong>mit</strong>telalterlichen Steinburg<br />

sind es vor allem das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, <strong>der</strong> Vincke-Turm und die Peterskirche, die<br />

markante und weithin sichtbare Orientierungspunkte bilden.<br />

Im Jahr 1983 wurde <strong>mit</strong> dem Bau <strong>der</strong> Spielbank Hohensyburg, <strong>der</strong> dritten Spielbank Nordrhein-<strong>Westfalen</strong>s,<br />

an historischer Stelle auf dem Syberg begonnen. Zielsetzung war es, das<br />

Gebäude möglichst harmonisch in die sensible Lage des historischen Platzes zu integrieren.<br />

Die Spielbank steht innerhalb des geschützten Bodendenkmals "Sächsische Wallburg" zwischen<br />

den Denkmalen "Mittelalterliche Burgruine" und "Kirche St. Peter", die nach wie vor<br />

das höchste Gebäude im Umfeld ist. Nach 2 1/4 jährlicher Bauzeit erfolgte die feierliche Eröffnung<br />

<strong>mit</strong> einer großen Show <strong>mit</strong> Sammy Davis jr. am 28.6.1985.<br />

Unter dem Motto "Zum Glück nie zu weit" ist die Spielbank Hohensyburg die umsatzstärkste<br />

Spielbank <strong>der</strong> Bundesrepublik und gehört zu den Spitzenreitern in Europa.<br />

Sie ist nicht nur durch die Spielangebote Roulette, Black Jack und Automaten bekannt geworden,<br />

son<strong>der</strong>n hat sich auch als eine <strong>der</strong> angesehensten Veranstaltungsstätten <strong>der</strong> Region<br />

einen Namen gemacht und steht beispielhaft für eine Freizeiteinrichtung als ein starkes wirtschaftliches<br />

Element. Um diesen Aspekt noch zu verdeutlichen, sieht das Programm an diesem<br />

Ort eine Diskussion <strong>mit</strong> Marc Giradelli vor. Der ehemalige Weltklasse-Skisportler betreibt<br />

auf einer Abraumhalde in Bottrop eine Wintersportanlage <strong>der</strong> Superlative. Die Indoor-<br />

Skipiste ist <strong>mit</strong> einer Länge <strong>von</strong> 640 m und einer Breite <strong>von</strong> 30 m die größte <strong>der</strong> Welt.<br />

Dortmund<br />

Der Legende nach bezahlten zwei Mönche aus dem christlichen England, die heiligen Ewalde, um 700<br />

ihr Vorhaben <strong>mit</strong> dem Leben, die in Aplerbeck residierenden heidnischen Sachsen zu bekehren. Im<br />

Jahr 775 dann mussten die Sachsen klein beigeben, als die Franken um Karl den Großen die Sigiburg<br />

(heute Hohensyburg) einnahmen. Urkundlich wird Dortmund erstmals im Zusammenhang einer<br />

Zinszahlung zwischen 880 und 890 als „Throtmani“ erwähnt. Die verschiedenen Abwandlungen des<br />

Namens bis hin zu Dorpmunde (plattdeutsch: „Düopm“) sind in ihrer Ursache unklar. Kaiser Friedrich<br />

Barbarossa berief 1152 eine Reichsversammlung nach Dortmund und gab <strong>der</strong> Stadt da<strong>mit</strong> entscheidende<br />

Impulse. Im 13. Jahrhun<strong>der</strong>t war die Stadt eine <strong>der</strong> reichsten und wichtigsten im mächtigen<br />

Hansebund. Beson<strong>der</strong>s groß war <strong>der</strong> Einfluß <strong>der</strong> Dortmun<strong>der</strong> Kaufmannsgeschlechter in England. Im<br />

16. Jahrhun<strong>der</strong>t gab es im Zuge <strong>der</strong> beson<strong>der</strong>s in Münster ausgeprägten Wie<strong>der</strong>täuferbewegung auch<br />

in Dortmund große religiöse Unruhen. Die Reichsstadt verlor <strong>mit</strong> dem Untergang des alten Deutschen<br />

39


Reiches ihre Selbstständigkeit und wurde 1803 an den Fürsten Wilhelm <strong>von</strong> Oranien-Nassau übertragen,<br />

dessen Herrschaft aber 1806 bereits durch die Franzosen beendet wurde. Obwohl als Hauptstadt<br />

des Ruhrdepartements relativ gut dastehend, beteiligte sich die Stadt begeistert an <strong>der</strong> Seite Preußens<br />

an den Freiheitskriegen. Die preußische Verwaltung erkannte die Bedeutung <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Erde lagernden<br />

Bodenschätze und gründete 1815 das Westfälische Oberbergamt. Der Aufschwung <strong>der</strong> Stadt wurde<br />

dann in den 1840er Jahren begründet. 1841 nahm die Hermannshütte in Hörde den Betrieb auf. Der<br />

Anschluß an die Köln-Mindener Eisenbahn und die Einweihung des Dortmun<strong>der</strong> Bahnhofes 1847<br />

schufen die verkehrsstrukturellen Voraussetzungen für die Entwicklung <strong>der</strong> Schwerindustrie. Außerdem<br />

wurden 1845 bayerische Braumethoden eingeführt, was die Bildung mo<strong>der</strong>ner Großbetriebe <strong>mit</strong><br />

sich brachte und die Tradition - schon 1447 floss in Dortmund eigenproduzierter Gerstensaft - zur<br />

wirtschaftlichen Blüte führte. Die Stadt pulsierte und war seit den 1850er Jahren im Gründungsfieber.<br />

Die Zechen „Adolph <strong>von</strong> Hansemann“, „Hansa“ u.a , technische Fortschritte wie das Anblasen <strong>der</strong><br />

Hochöfen, weiterführende Produktionsbetriebe wie die Werkzeugmaschinenfabrik Wagner o<strong>der</strong> das<br />

Eisen- und Stahlwerk Hoesch sowie neue Organisationsformen des Handwerks brachten <strong>der</strong> Stadt<br />

einen wirtschaftlichen Boom. In Dortmund nahm auch die politische Streitkultur <strong>der</strong> bergmännischen<br />

Arbeiterschaft ihren Ausgang, als nach ausgedehnten Streiks am 18.08.1889 <strong>mit</strong> dem „Verband zur<br />

Wahrung und För<strong>der</strong>ung bergmännischer Interessen für Rheinland und <strong>Westfalen</strong>“ <strong>der</strong> Vorläufer <strong>der</strong><br />

IG Bergbau und Energie gegründet wurde.<br />

Die weitere internationale Konkurrenzfähigkeit <strong>von</strong> Dortmun<strong>der</strong> Kohle und Stahl wurde schließlich<br />

<strong>mit</strong> <strong>der</strong> <strong>von</strong> Kaiser Wilhelm II. vorgenommenen Einweihung des „Dortmund-Ems-Kanal“ 1899 gesichert.<br />

Mit nun 142.733 Einwohner und <strong>der</strong> Nordseeanbindung konnte Dortmund als größte und bedeutendste<br />

Industriestadt des Ruhrgebietes dem 20. Jahrhun<strong>der</strong>t gelassen entgegensehen. Bis zum<br />

Ersten Weltkrieg war die Stadt entsprechend <strong>von</strong> Wirtschaftswachstum, steigendem Wohlstand, Investitionen<br />

in Bildung und Kultur (Synagoge 1900, Stadttheater 1904, Bibliothek 1908) und weiteren<br />

Zukunftsplanungen geprägt. Diese Entwicklung stagnierte während des Krieges und unterlag auch in<br />

<strong>der</strong> Weimarer Zeit <strong>der</strong> depressiven Lage <strong>der</strong> weltpolitischen und -wirtschaftlichen Situation. 1924<br />

waren 30.000 Menschen arbeitslos, 1932 gar 77.570 und schließlich schlossen 14 Zechen ihre Tore.<br />

Nach <strong>der</strong> fast völligen Zerstörung durch die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges erholte<br />

sich die Stadt relativ schnell und konnte schon bis 1960 auf bemerkenswerte Aufbauleistungen<br />

zurückblicken, u.a. <strong>mit</strong> <strong>der</strong> neuen <strong>Westfalen</strong>halle 1952 auf Europas größten Rundbau. Weitere Einrichtungen<br />

insbeson<strong>der</strong>e auch des geistig-kulturellen Lebens folgten im nächsten Jahrzehnt, u.a. die<br />

Städtischen Bühnen 1966 und die Universität 1968. Borussia Dortmund gewann 1966 als erste deutsche<br />

Fußballmannschaft einen Europapokal. Neben solchen Erfolgsgeschichten war aber auch die<br />

Strukturkrise in <strong>der</strong> Montanbranche zu verzeichnen, so dass in den 1970er Jahren nur noch die Zechen<br />

Gneisenau, Minister Stein und Hansa arbeiteten. Diese mussten bis 1988 ebenfalls schließen. An die<br />

Kohlezeit erinnern heute die verschiedenen Industriedenkmäler o<strong>der</strong> die Museen wie etwa die vom<br />

Landschaftsverband <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> getragene Zeche Zollern II/IV.<br />

Dagegen trat im Stahlbereich 1985 eine positive Wende ein.<br />

Dortmund zählt aktuell zu den zehn größten und wirtschaftlich wichtigsten Städten Deutschlands<br />

<strong>mit</strong> einer großen Vielfalt kultureller und freizeitlicher Angebote, einer hervorragenden<br />

Infrastruktur, einem gewachsenen wirtschaftlichen Kommunikations- und Beziehungsnetz<br />

rund um den Globus und einer praxis- und zukunftsorientierten Forschungslandschaft.<br />

Ein Grundstein <strong>der</strong> neueren wirtschaftlichen Entwicklung wurde 1985 <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Eröffnung des<br />

Technologiezentrums <strong>der</strong> Universität gelegt. Ziel war und ist die För<strong>der</strong>ung des Transfers<br />

zwischen Wissenschaft und Industrie. Entsprechend ist das Zentrum Mittelpunkt einer<br />

hochinnovativen Forschungs- und Entwicklungslandschaft, und durch den angeschlossenen<br />

TechnologiePark. auf die Praxis ausgerichtet. Zahlreiche Firmen wie die STEAG microParts<br />

GmbH o<strong>der</strong> Geers Hörakustik sind hier zu Hause. Die große Bedeutung Dortmunds als<br />

Standort zukunftsorientierter Technologien wird auch durch die RWE Solutions Gruppe belegt.<br />

Diesem Trend gemäß öffnete auch das Institut für Roboterforschung 1989 seine Pforten.<br />

Daher verwun<strong>der</strong>t es nicht, dass heute gerade die IT-Branche und Technologiezweige die<br />

einstmals dominante Position <strong>der</strong> Montanindustrie übernommen haben und für den erfolgreichen<br />

Strukturwandel verantwortlich zeichnen.<br />

41


Internationales Flair bietet das 1986 eingeweihte Messezentrum <strong>der</strong> <strong>Westfalen</strong>hallen. Dass<br />

Dortmund zudem nicht nur Europas Bierstadt Nr.1 ist, son<strong>der</strong>n auch in an<strong>der</strong>en Bereichen<br />

ganz vorne liegt, wurde 1997 z.B. im Fußball deutlich, als Borussia Dortmund <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Champions<br />

League den bedeutendsten europäischen Titel für Vereinsmannschaften gewann. Dagegen<br />

verblassen beinahe die fünf Deutschen Meisterschaften, zuletzt im Jahr 2002.<br />

Technologiepark Dortmund<br />

Der TechnologiePark Dortmund <strong>mit</strong> seiner Keimzelle - dem TechnologieZentrum Dortmund -<br />

ist die High-Tech-Adresse in Deutschland. Seit 1988 ist die Zahl <strong>der</strong> hier ansässigen Unternehmen<br />

auf über 200 angewachsen, die Mitarbeiterzahl auf über 8.000. Die steigende Attraktivität<br />

des Standortes sowie die un<strong>mit</strong>telbare Nähe zum TechnologieZentrum, zur Universität,<br />

zur Fachhochschule und den wissenschaftlichen Instituten sind für wettbewerbsfähige Firmen<br />

entscheidende Kriterien. Unter dem Dach des TechnologieZentrums konzentriert sich das<br />

Know-how <strong>der</strong> gesamten Region in unterschiedlichen Dienstleistungszentren, die dieses Wissen<br />

ohne Umwege zugänglich machen. Dies ist <strong>der</strong> Standort für technologieorientierte Unternehmen,<br />

die ein Ziel verfolgen: Technologieprodukte in kalkulierbarer Zeit und in ausgesuchten<br />

Fel<strong>der</strong>n zur Marktreife führen. Sämtliche Technologiefel<strong>der</strong> sind dabei auf das zukunftsorientierte<br />

Potenzial <strong>von</strong> Wirtschaft und Wissenschaft aufgebaut. Die Vorteile des<br />

Standortes und die sich bietenden Möglichkeiten sind auch für externe Firmen Anreiz, sich im<br />

Technologiepark anzusiedeln.<br />

Geers Hörakustik<br />

Eines <strong>der</strong> zukunftsorientierten Unternehmen im Technologiepark ist Geers Hörakustik, immer<br />

schon für innovatives Unternehmertum bekannt.<br />

Kurz nach dem Krieg kam es im Zuge des technischen Fortschrittes zur Entwicklung <strong>von</strong><br />

Hörsystemen, die einerseits fortan für viele Hörgeschädigte eine wesentliche Verbesserung<br />

<strong>der</strong> Lebensqualität darstellten und an<strong>der</strong>erseits das Zeitalter eines neuen Marktsegmentes<br />

einläuteten. Dessen zukunftsträchtiges Entwicklungspotential – Hörgeschädigte, denen man<br />

helfen könnte, würde es vermutlich immer geben und die Technik weiter reifen – erkannten<br />

<strong>der</strong> Kaufmann Theodor Geers und seine Ehefrau Käthe, die auf <strong>der</strong> Suche nach einer angemessenen<br />

Existenzgründung waren. Als Erste in Deutschland eröffneten sie bereits im Jahr<br />

1951 in Dortmund ein unabhängiges Fachgeschäft für Hörsysteme. Ihre Idee dabei war, dem<br />

Kunden nicht nur Hörsysteme eines Herstellers, son<strong>der</strong>n das für seine Hörbehin<strong>der</strong>ung am<br />

besten geeignete Hörsystem anzupassen. Mit <strong>der</strong> Eröffnung dieses Fachgeschäftes legten sie<br />

den Grundstein für ein Unternehmen, das heute europaweit zu den größten und führenden <strong>der</strong><br />

Branche zählt.<br />

Käthe und Theodor Geers sind Pioniere <strong>der</strong> Hörakustik. Sie waren an <strong>der</strong> Bildung des 1965<br />

staatlich anerkannten Berufes des Hörakustikers ebenso beteiligt wie an <strong>der</strong> Gründung <strong>der</strong><br />

Berufsschule in Lübeck, <strong>der</strong> späteren Akademie für Hörakustik. Ein neuer mo<strong>der</strong>ner Handwerksberuf<br />

<strong>mit</strong> Zukunfts-Chancen war geboren. Mit Berufskollegen gründeten sie den Fachverband<br />

Deutscher Hörakustiker als Interessenvertretung für diesen Berufszweig.<br />

Das Unternehmen selbst wurde weiter ausgebaut. Die ersten Filialen entstanden in den 50er<br />

Jahren in Duisburg, Hagen, Münster, Bochum und Essen.<br />

Aus Anlass des 25. Firmenjubiläums 1976 riefen Käthe und Theodor Geers die gemeinnützige<br />

Geers-Stiftung ins Leben. Ihr Ziel ist, Forschungsvorhaben zum Wohle hörbehin<strong>der</strong>ter<br />

Kin<strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>n. Inzwischen wurden zahlreiche Forschungsprojekte unterstützt.<br />

1974 übergaben die Firmengrün<strong>der</strong> die Leitung des Unternehmens an die beiden Söhne Dr.<br />

Wolfgang und Dr. Volker Geers. Mit neuen Ideen entwickelten diese neue Wege und Strategien.<br />

Sie führten das „Geers-Hörerfolg-System“ – bestehend aus Hörvorsorge, Hörsystemanpassung<br />

und Hörnachsorge ein. Ebenfalls eingeführt wurde das „Hörtraining für Erwachsene“<br />

<strong>von</strong> Professor Dr. Georg Alich.<br />

42


Wolfgang und Volker Geers informierten sich in den siebziger Jahren auf Kongressen in den<br />

USA über den dortigen technischen Stand und brachten eine Neuheit <strong>mit</strong> nach Deutschland:<br />

Im-Ohr-Hörsysteme. In <strong>der</strong> Tochtergesellschaft Akustimed GmbH wurden fortan „conchetta"<br />

und „sonetta" gebaut - die ersten und damals einzigen maßgefertigten „Im-Ohr-Hörsysteme“<br />

in Europa. Für diese Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie den Bau <strong>der</strong> „Im-Ohr-<br />

Hörsysteme“ wurde Geers Hörakustik 1986 <strong>mit</strong> dem Innovationspreis <strong>der</strong> deutschen Wirtschaft<br />

ausgezeichnet.<br />

„sonetta“ – das kleinste Hörsystem <strong>der</strong> Welt – in Handarbeit nach Maß gebaut, ist winziger<br />

als ein Fingerhut und verschwindet fast unsichtbar im Gehörgang. Die „sonetta“ wurde 1987<br />

im Guinness-Buch <strong>der</strong> Rekorde vorgestellt.<br />

Nach dem Fall <strong>der</strong> Mauer am 9. November 1989 wurde Geers in den neuen Bundeslän<strong>der</strong>n<br />

aktiv. Bereits 1990 wurde in <strong>der</strong> ehemaligen DDR die erste GmbH überhaupt – die Geers<br />

Hörgeräte GmbH – in Dresden gegründet. In kurzer Zeit errichtete Geers an 14 Standorten<br />

neue Fachgeschäfte – nur <strong>mit</strong> Mitarbeitern aus den neuen Bundeslän<strong>der</strong>n. 1993 entstand ein<br />

Fachgeschäft in Warschau, 1994 eines in Budapest.<br />

Mitte <strong>der</strong> 90er Jahre entwickelt Geers Hörakustik <strong>mit</strong> wissenschaftlicher Unterstützung <strong>von</strong><br />

fünf Universitäten ein völlig neues Anpaß-System – „A-Life“. Dieses patentierte, computergestützte<br />

System arbeitet <strong>mit</strong> natürlichen Klangbil<strong>der</strong>n aus dem täglichen Leben. Es schöpft<br />

die Möglichkeiten digitaler und programmierbarer Hörsysteme optimal aus.<br />

Seit jeher wird bei Geers Hörakustik <strong>der</strong> größte Wert auf Aus- und Weiterbildung sowie ein<br />

gutes Betriebsklima gelegt. Führungspositionen werden aus den eigenen Reihen besetzt. Neben<br />

dem Ausbildungszentrum für Hörakustik in Lübeck werden im zentralen Schulungszentrum<br />

in Dortmund kontinuierlich Fortbildungsseminare für alle Mitarbeiter angeboten.<br />

Heute verfügt Geers in Europa über mehr als 140 Filialen, da<strong>von</strong> 36 in Polen und 14 in Ungarn.<br />

Mehr als 600 Mitarbeiter arbeiten bei Geers an <strong>der</strong> Verbesserung <strong>der</strong> Kommunikation<br />

für Menschen <strong>mit</strong> Hörproblemen.<br />

STEAG microParts GmbH<br />

Ein weiteres Unternehmen, das im Technologiepark ansässig und beispielhaft Ausdruck <strong>der</strong><br />

Technologiekompetenz Dortmunds ist, ist die STEAG microParts GmbH. Die Firma entwikkelt,<br />

fertigt und vertreibt Komponenten und Produkte <strong>der</strong> Mikrostrukturtechnologie. Mit dem<br />

Programm innovativer mechanischer, optischer und fluidischer Bauteile gehört das Unternehmen<br />

zu den international führenden Anbietern im biomedizinischen Bereich. Den Kern<br />

<strong>der</strong> Aktivitäten bildet die Möglichkeit, <strong>mit</strong> hoch entwickelten Mikrostrukturierungsverfahren<br />

kleinste Strukturen präzise und in großen Stückzahlen zu reproduzieren. Auf dieser Basis gelangen<br />

neue und maßgebende Ideen vom Laborstadium zur industriellen Serienreife und ermöglichen<br />

eine weltweite Vermarktung.<br />

Für die innovativen Produkte und die gesamte Organisation wurde das Unternehmen 2000 für<br />

den „Milestones“-Wirtschaftspreis des Landes NRW in <strong>der</strong> Sparte „Innovation“ als Gewinner<br />

benannt. Diese Auszeichnung bestätigte die fortschrittliche Entwicklung seit <strong>der</strong> Gründung<br />

1990 und belegte, dass die Entscheidung für den Standort Dortmund richtig war.<br />

Der Grundstein für die STEAG microParts GmbH wurde am Karlsruher Kernforschungszentrum<br />

<strong>mit</strong> <strong>der</strong> Entwicklung <strong>der</strong> LIGA-Technologie gelegt. Der Prozess, bestehend aus „Lithographie-Galvanoformung-Abformung“<br />

erlaubte erstmals, Strukturen <strong>von</strong> einigen tausendstel<br />

Millimetern Größe <strong>mit</strong> hohem Aspektverhältnis in die Tiefe des Materials zu projizieren und<br />

nahezu identisch zu reproduzieren. Nach <strong>der</strong> Analyse des technischen Potenzials dieser Entwicklung<br />

gründete 1990 eine Gruppe <strong>von</strong> Unternehmen aus NRW unter Führung <strong>der</strong> STEAG<br />

AG die gemeinsame Tochter microParts. Bereits 1994 wurde das Mikrostrukturzentrum NRW<br />

in Dortmund fertiggestellt und <strong>von</strong> <strong>der</strong> microParts GmbH bezogen. 1998 übernahm die<br />

STEAG AG die unternehmerische Führung <strong>mit</strong> 85% Anteil am Unternehmen.<br />

43


In den kommenden Jahren soll <strong>der</strong> <strong>der</strong>zeitige Umsatz <strong>von</strong> 20 Millionen Euro verdoppelt werden.<br />

Von 1994 bis heute stieg die Zahl <strong>der</strong> Mitarbeiter <strong>von</strong> 40 auf <strong>der</strong>zeit über 220, und monatlich<br />

werden es mehr. Allgemeine Aufgabe ist die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung<br />

vorwiegend medizintechnischer Mikrostruktur-Produkte für die minimal- und noninvasive<br />

Diagnostik, Analyse und Therapie. Die Produkte ermöglichen vollkommen neue, meist<br />

ambulante, Diagnose- und Behandlungsschritte.<br />

Eine weitere Kernkompetenz ist die Aufbau- und Verbindungstechnik zur optimalen Anbindung<br />

<strong>der</strong> Mikrostrukturen an ihre makroskopische Außenwelt. Der erfolgreiche Aufbau dieses<br />

Bereiches komplettiert das Angebot, kundenspezifische Komponenten und Systeme <strong>von</strong> <strong>der</strong><br />

Idee bis zur Serienreife zu entwickeln und sie in die industrielle Massenfertigung zu überführen.<br />

Im April 2000 wurde ein eigens dafür errichtetes Gebäude in Betrieb genommen.<br />

RWE Solutions Gruppe<br />

Die beiden Unternehmen Lahmeyer Aktiengesellschaft aus Frankfurt/M. und NUKEM GmbH<br />

aus Alzenau haben auf <strong>der</strong> Basis einer Analyse ihrer wirtschaftlichen Effizienz einen integrierten<br />

Marktauftritt beschlossen und sich 1999 unter <strong>der</strong> Bezeichnung TESSAG (Technische<br />

Systeme und Services AG) zusammengefunden.<br />

Heute ist das weltweit tätige Unternehmen als RWE Solutions AG führen<strong>der</strong> Dienstleister für<br />

die energietechnische Infrastruktur <strong>von</strong> Industrie- und Energieversorgungsbetrieben. Dabei<br />

erzielten die 13.600 Mitarbeiter, 4.000 da<strong>von</strong> im Ausland tätig, einen Jahresumsatz <strong>von</strong> drei<br />

Mrd. Euro.<br />

Die neue RWE-Strategie setzt auf das wettbewerbsfähige Kerngeschäft Energie und Umwelt<br />

sowie zusätzliche Dienstleistungen. Die Synergieeffekte, die die Komplettversorger durch die<br />

Bündelung mehrerer Produkte und Leistungen erzielen, führen nicht zuletzt zu attraktiven<br />

Angeboten für die Kunden.<br />

Zu den innovativen Angeboten <strong>der</strong> RWE Solutions AG gehören neben <strong>der</strong> sicheren und günstigen<br />

Versorgung <strong>mit</strong> Energie auch energienahe Services: Optimierung des Energieverbrauchs,<br />

Projektmanagement sowie Planung, Errichtung, Betrieb, Wartung und Instandhaltung<br />

<strong>von</strong> energietechnischen Anlagen, Industriekraftwerken, Beleuchtungs-, Sanitär- und<br />

Klimaanlagen, Strom-, Gas- o<strong>der</strong> Wasserversorgungsnetzen. Außerdem stellt das Unternehmen<br />

die Bereitstellung einer unterbrechungsfreien und hochwertigen Stromversorgung sicher.<br />

Alle diese Dienstleistungen kann die RWE Solutions AG <strong>mit</strong> eigener Kompetenz vor Ort erbringen.<br />

Sie bietet im Bereich Energieanlagen Industrielösungen und nukleare Diensleistungen, im<br />

Bereich Versorgungsnetze Energieversorgungslösungen sowie umfassendes KnowHow in<br />

Sachen Kommunikationstechnik. Zudem ist das Unternehmen im Bereich Energietechnische<br />

Systeme spezialisiert auf die Ausrüstung <strong>mit</strong> Transformatoren, Solartechnik, Mechatronics<br />

und stromversorgenden Systemen.<br />

Mit ihrer umfassenden Dienstleistungs- und Systemkompetenz offeriert RWE Solutions AG<br />

attraktive Leistungen rund um das Thema wirtschaftliches Betreiben, Instandhalten und Warten<br />

<strong>von</strong> Nebenanlagen sowie Energiemanagement. Kunden sind Energieversorger, Industrieunternehmen,<br />

Netzbetreiber, Service-Provi<strong>der</strong>, Immobilienbetreiber, Investoren und öffentliche<br />

Institutionen im In- und Ausland.<br />

Zeche Zollern II/IV<br />

Als Prestigeobjekt <strong>der</strong> größten Bergbaugesellschaft <strong>der</strong> Jahrhun<strong>der</strong>twende hatte die Zeche<br />

Zollern in Dortmund einen glänzenden Start im späten Kaiserreich. Die schlossartige Anlage<br />

durchlebte bald danach ein Auf und Nie<strong>der</strong>: vom Schlüsselbauwerk ihrer Zeit zum unbedeutenden<br />

Familienpütt, vom Abbruchobjekt zu einer Attraktion <strong>der</strong> Industriekultur.<br />

Das ehemalige Musterbergwerk gilt als Deutschlands erstes technisches Baudenkmal <strong>von</strong><br />

internationaler Bedeutung. Bereits 1969 ließ <strong>der</strong> Landeskonservator beim Landschaftsverband<br />

44


<strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> die Maschinenhalle <strong>mit</strong> <strong>der</strong> markanten Stahlkonstruktion und dem prächtigen<br />

Jugendstilportal unter Schutz stellen. Heute ist Zollern Museum <strong>der</strong> Sozial- und Kulturgeschichte<br />

des Ruhrbergbaus. Das <strong>LWL</strong>-Museum präsentiert die Zeche als Zeugnis für den<br />

Strukturwandel im Revier. Die Dauerausstellung erklärt beispielhaft den Arbeitsalltag hinter<br />

den schönen Backsteinfassaden und unter Tage. Son<strong>der</strong>ausstellungen, Feste, Filmabende,<br />

Konzerte und Vorträge gehören dabei ebenfalls zum Programm.<br />

Herne<br />

Bevor Kohle das Schicksal Hernes <strong>mit</strong>bestimmte, lag bereits eine abwechslungsreiche Entwicklungsgeschichte<br />

hinter <strong>der</strong> Stadt, die sich im wesentlichen aus den ursprünglichen und 1975 zusammengeschlossenen<br />

Teilen Herne und Wanne-Eickel zusammensetzt. Bereits aus dem 8. und 9. Jahrhun<strong>der</strong>t<br />

stammen Namensbekundungen einer Burg Eclo (Eichenwald) und einer Besiedlung „haranni“ („hare“<br />

= Anhöhensiedlung). Eine Urkunde aus dem Jahr 1085 berichtet über den Ankauf des Oberhofes Eikkel,<br />

eine Siedlung im dortigen Eichenwald. Regionale Bedeutung über Jahrhun<strong>der</strong>te hatte das Adelsgeschlecht<br />

<strong>der</strong> Ritter <strong>von</strong> Strünkede, die sich 1142 im Gebiet <strong>der</strong> späteren Stadt Herne nie<strong>der</strong>ließen<br />

und <strong>der</strong>en Namen das im 16. und 17. Jahrhun<strong>der</strong>t errichtete und 1664 fertiggestellte berühmte Wasserschloss<br />

trägt. 1263 unterstellte sich Gerlach <strong>von</strong> Strünkede, Ritter zu Herne, dem Grafen <strong>von</strong> Kleve.<br />

Knapp hun<strong>der</strong>t Jahre später, 1368, ging Herne in den Besitz des Herzogtums Cleve-Mark. Wechselvoll<br />

und vergleichbar <strong>mit</strong> vielen Städten <strong>Westfalen</strong>s vollzog sich die Entwicklung Hernes seit dem<br />

17. Jahrhun<strong>der</strong>t. 1614 fiel das Herzogtum an Brandenburg (Preußen), während <strong>der</strong> Wirren des Dreißigjährigen<br />

Krieges wurde die Stadt 1634 <strong>von</strong> schwedischen Truppen geplün<strong>der</strong>t und <strong>von</strong> 1806 bis<br />

1815 unterstand Herne dem napoleonischen Herzogtum Berg. Nach dem Wiener Kongreß wurde die<br />

Stadt wie<strong>der</strong> preußisch und als Bürgermeisterei im Kreis Bochum in den Regierungsbezirk Arnsberg<br />

<strong>der</strong> neugeschaffenen Provinz <strong>Westfalen</strong> eingeglie<strong>der</strong>t. 1847 wurde Herne an das Köln-Mindener-<br />

Eisenbahnnetz angeglie<strong>der</strong>t und zehn Jahre später begannen die Abteufarbeiten für den ersten Schacht<br />

<strong>der</strong> Zeche Shamrock, die 1860 als erste <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Kohleför<strong>der</strong>ung begann, ein gutes Dutzend weiterer<br />

folgten. Die Firma Halstrick begann 1869 <strong>mit</strong> dem Bau <strong>von</strong> Koks- und Grubenwagen und Ewald Berninghaus<br />

produzierte seit 1871 Dampfkessel. Die Bevölkerung wuchs <strong>von</strong> 1.000 im Jahr 1847 auf<br />

20.000 im Jahr 1890 an. Sieben Jahre später verlieh die königliche Regierung zu Arnsberg Herne das<br />

Stadtrecht.<br />

Im Jahr 1904 erfand <strong>der</strong> Herner Flottmann die Kugelsteuerung für Gesteinsbohrmaschinen und konnte<br />

weltweit rund eine Mio. verkaufte Geräte verzeichnen.<br />

Zwei Jahre später kam es zu einer großen versöhnlichen Geste zwischen den „Erbfeinden“ Deutschland<br />

und Frankreich, als Rettungsmannschaften <strong>der</strong> Zechen Shamrock aus Herne und Rheinelbe aus<br />

Gelsenkirchen sich an den Rettungsaktionen nach dem seinerzeit weltweit größten Grubenunglück im<br />

französischen Departement Pas de Calais beteiligten. Für über 1.000 Kumpel kam jede Hilfe zu spät,<br />

aber 13 Bergleute konnten gerettet werden. Damals wusste man noch nicht, dass sich die beiden Nationen<br />

in zwei weiteren Kriegen erbittert bekämpfen würden, aber <strong>der</strong> humanitäre Akt geriet nicht in<br />

Vergessenheit und war <strong>der</strong> Grundstein für die Städtepartnerschaft zwischen Hénin-Beaumont und<br />

Herne nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1906 bis 1916 wurde die Bahnhofswirtschaft in Wanne zu<br />

einer Goldgrube, <strong>der</strong> Pächter hieß Heinrich Rühmann, Vater des späteren großen Schauspielers. Die<br />

Stadt hatte also offenbar eine beson<strong>der</strong>e Verbindung zum Film und 1912 eröffnete auf dem Eickeler<br />

Markt das erste kommunale Kino im Deutschen Reich. Zwei Jahre später wurde <strong>der</strong> Rhein-Herne-<br />

Kanal eingeweiht, ein wichtiger Faktor für die fortschreitende Industrialisierung.<br />

Aufgrund <strong>der</strong> relativen Verschonung <strong>der</strong> Innenstadt im Zweiten Weltkrieg trug Herne in <strong>der</strong> Nachkriegszeit<br />

den Namen „Goldene Stadt“ und golden waren auch die Fäuste <strong>der</strong> Boxstaffel des BSC<br />

Herne 22, die fortan jahrelang zur nationalen Elite zählte. Ende <strong>der</strong> fünfziger Jahre steckte <strong>der</strong> Bergbau<br />

tief in <strong>der</strong> Krise und 1964 wurde das große Zechensterben eingeläutet, alle Herner und damals<br />

noch Wanner Zechen schlossen nacheinan<strong>der</strong>. Drei Jahre später wurde <strong>mit</strong> dem Werk „Blaupunkt“,<br />

Tochtergesellschaft <strong>der</strong> Firma Bosch, ein neues bedeutendes wirtschaftliches Element in Herne tätig.<br />

1976 eröffnete das Kulturzentrum, das fortan Messen, Konzerte, Theatergastspiele, Ausstellungen<br />

o<strong>der</strong> Parteitage beherbergen konnte. Die Zeche „Friedrich <strong>der</strong> Große“ schloss zwei Jahre später als<br />

letzte ihre Pforten. 1984 spielte wie<strong>der</strong> Gold, nämlich Olympisches, eine beson<strong>der</strong>e Rolle für Herne:<br />

Claudia Losch siegte im Kugelstoßen bei den Spielen in Los Angeles.<br />

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Wer heute an das Ruhrgebiet denkt, denkt nicht zuerst an Herne. Herne hat keine Borussia,<br />

keine Arena und kein Centro, Herne hat auch keinen Schimanski o<strong>der</strong> Grönemeyer und wird<br />

nicht <strong>mit</strong> Namen wie Thyssen o<strong>der</strong> Krupp verbunden. Und dennoch, Herne liegt <strong>mit</strong>ten im<br />

„Pott“ und ist möglicherweise gerade durch seine eher unscheinbar wirkende Rolle in <strong>der</strong><br />

Region ein starkes und authentisches Stück Revier. Der berühmte Heinz Rühmann, <strong>der</strong> im<br />

Film und auf <strong>der</strong> Bühne häufig den Typus des Kleinen Mannes darstellte, <strong>der</strong> es verstand, sich<br />

durchzubeißen, hat in Herne seine Wurzeln. Mit diesen Charakteristika verkörperte er das,<br />

was Herne auszeichnet. Nichtsdestotrotz scheint die Stadt nicht <strong>mit</strong> dem selben Ruf ausgestattet<br />

wie <strong>der</strong> eine o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Nachbar, vollzieht sich auch <strong>der</strong> Strukturwandel in Herne<br />

scheinbar langsamer. Dennoch kann die Stadt <strong>mit</strong> einigen bemerkenswerten Projekten aufwarten.<br />

Beispielhaft ist etwa die Fortbildungsakademie Mont Cenis, sinnigerweise auf dem<br />

gleichnamigen, nach einem ehemaligen Tunnel in den französischen Alpen benannten, Zechengelände<br />

errichtet.<br />

Aber auch einige wirtschaftliche Projekte zeigen, dass die Stadt Potenzial hat, um seinen<br />

knapp 171.000 in den Gebieten Wanne, Eickel, Herne-Mitte und Sodingen lebenden Einwohnern<br />

eine Zukunft zu ermöglichen: 1988 wurde die Internationale Bauausstellung Emscher<br />

Park (IBA) eröffnet, die sich insbeson<strong>der</strong>e auch die Umstrukturierung alter Industriegebiete<br />

auf die Fahnen geschrieben hat. Die Unternehmensgruppe Heitkamp, eines <strong>der</strong> größten Familienunternehmen<br />

in Deutschland feierte 1992 ihren hun<strong>der</strong>tsten Geburtstag. Sie war bzw. ist<br />

tätig in den Bereichen Bau, Bergbau, Umwelttechnik und Handel und erzielte 1991 bei 9.000<br />

Beschäftigten einen Gesamtumsatz <strong>von</strong> 1.7 Mrd. DM.<br />

Fortbildungsakademie Mont Cenis<br />

„Schöne neue Welt“ – was in Aldous Huxleys berühmten Roman sarkastisch eine beängstigende<br />

Vision <strong>der</strong> zukünftigen Gesellschaft betitelt, ist in seiner sinngemäßen positiven Bedeutung<br />

die treffende Bezeichnung eines einzigartigen futuristisch anmutenden Projektes in<br />

Herne-Sodingen.<br />

Als die Zeche Mont-Cenis und da<strong>mit</strong> <strong>der</strong> wirtschaftliche, funktionale und städtebauliche Mittelpunkt<br />

Sodingens 1978 stillgelegt wurde, galt es, die rund 25 Hektar Sanierungsgebiet <strong>mit</strong><br />

zeitgemäßen Konzepten zu neuem Leben zu erwecken. Neben 300 Wohnungen und einem<br />

Kin<strong>der</strong>garten entstand <strong>der</strong> 16 Hektar große Stadtteilpark und als Highlight <strong>der</strong> Akademiegarten,<br />

in dessen Zentrum die Fortbildungsakademie des Innenministeriums errichtet wurde. Dieses<br />

Projekt zieht aufgrund seiner Architektur und seines innovativen Energiekonzeptes Besucher<br />

aus aller Welt an. Die Architekten Jourda und Perrandin aus Lyon, <strong>der</strong>en visionäre Idee<br />

einer Mikroklimahülle 1993 im Rahmen eines EU-Forschungsauftrages wissenschaftlich abgesegnet<br />

wurde, erbauten in Kooperation <strong>mit</strong> <strong>der</strong> 1994 gegründeten Entwicklungsgesellschaft<br />

Mont Cenis ein architektonisches und solartechnisches Meisterwerk, das 1999 <strong>von</strong> Ministerpräsident<br />

Clement eingeweiht wurde.<br />

Unter einer markanten Glashülle <strong>mit</strong> einer Fläche <strong>von</strong> 20000 m², getragen <strong>von</strong> 56 Fichtenstämmen<br />

und unzähligen Holzrechteckprofilen, herrscht nun das ganze Jahr Mittelmeerklima.<br />

Und dennoch sorgen spezielle Lüftungs- und Heizsysteme für einen deutlich geringeren<br />

Energieverbrauch als bei konventioneller Klimatechnik. In <strong>der</strong> Hälfte <strong>der</strong> Glasflächen wurden<br />

Photovoltaikmodule so integriert, dass <strong>der</strong> Raum optimal <strong>mit</strong> Tageslicht versorgt wird.<br />

Lichtreflektoren vor den Fenstern <strong>der</strong> Innenräume verstärken die Tageslichtversorgung in den<br />

hinteren Raumbereichen. Die Bauweise <strong>der</strong> Innenräume ist an den verschiedenen Funktionen<br />

<strong>der</strong> Gebäude orientiert. Alle Gebäude, vom Hotel- und Wohnbereich über die Fortbildungsräume,<br />

Bürgersaal, Casino, Bibliothek bis hin zum Stadtteilbüro, wurden <strong>mit</strong> natürlichen<br />

Materialien ausgestattet und behin<strong>der</strong>tengerecht geplant.<br />

Die Fortbildungsakademie setzt aber nicht nur formal, son<strong>der</strong>n auch inhaltlich Akzente. Es<br />

werden Seminare angeboten, die <strong>von</strong> Behörden und Einrichtungen des Landes NRW genutzt<br />

werden, um ihre Mitarbeiter in Sachen Methoden- Sozial- und Sachkompetenz zu schulen.<br />

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Auf einer Fläche <strong>von</strong> 1635m² stehen komfortable Räumlichkeiten <strong>mit</strong> mo<strong>der</strong>nster Tagungstechnik<br />

zur Verfügung und bieten ideale Aufenthalts-, Kommunikations- und Lernbedingungen.<br />

Die Tagungsstätten können auch <strong>von</strong> Kongressveranstaltern außerhalb <strong>der</strong> Zeiten des<br />

Akademiebetriebes gegen Entgelt genutzt werden. Ein Tagungshotel <strong>mit</strong> 171 Übernachtungsplätzen,<br />

ein Freizeitbereich <strong>mit</strong> verschiedenen Fitnessangeboten, ein Restaurant und eine Bibliothek<br />

etc. verdeutlichen das Ausmaß des Projektes.<br />

Schloss Strünkede<br />

Einer <strong>der</strong> kulturellen Anziehungspunkte <strong>der</strong> Stadt Herne ist das Wasserschloss Strünkede. Im<br />

Schloss ist seit 1947 das Emschertal-Museum <strong>mit</strong> seiner umfangreichen kulturhistorischen<br />

Sammlung beheimatet. Die Abteilungen für Ur- und Frühgeschichte, Volkskunde, Regional-,<br />

Stadt- und Schlossgeschichte sowie Glas und Keramik verraten viel über die Region und ihre<br />

Ursprünge. Der Innenhof wird gerne für Jazz- und Klassik-Konzerte genutzt und im Schlosspark<br />

werden Volks- und Kin<strong>der</strong>feste gefeiert. Dort befindet sich auch die Städtische Galerie,<br />

die sich um Künstler aus dem Revier verdient gemacht hat.<br />

Der frühere Stammsitz <strong>der</strong> Herren <strong>von</strong> Strünkede, dessen Eckturm aus dem Barock stammt<br />

und <strong>der</strong> um 1900 innen stark umgebaut wurde, bietet als eine weitere Hauptattraktion das<br />

Grabdenkmal des Jobst <strong>von</strong> Strünkede (15.Jahrhun<strong>der</strong>t).<br />

Die Schlosskapelle im Schlosspark stammt aus dem Jahr 1272 und ist das älteste erhaltene<br />

Bauwerk im Stadtgebiet.<br />

Gelsenkirchen<br />

Die Stadt ist dadurch geprägt, dass es keinen erkennbar zentralen Altstadtkern gibt, um den herum<br />

alles angeordnet ist, son<strong>der</strong>n dass viele Orte <strong>mit</strong> ihren jeweiligen Stadtkernen zusammengewachsen<br />

sind. Diese Orte weisen ihre eigenen speziellen Entwicklungsetappen auf. 1003 wurde Buer erstmals<br />

in den Annalen erwähnt. In Verbindung <strong>mit</strong> dem Gebiet um die Georgskirche tauchte ca. im Jahre<br />

1100 die Namen Gelstenkerken und Geilistirinkirkin auf. 1282 erhielt <strong>der</strong> Horster Ritter Arnold <strong>von</strong><br />

<strong>der</strong> Horst die Stadtgründungsrechte, dennoch blieb Horst zunächst Dorf. 1550 wurde Schloss Berge<br />

erbaut, 1557 bis 1578 Schloss Horst. Das Ackerbürgerdorf Gelsenkirchen erhielt 1571 das Privileg für<br />

zwei Jahrmärkte und da<strong>mit</strong> eine überlokale Bedeutung. Nach den Franzosenkriegen gehörte <strong>der</strong> Ort<br />

1815 zum Amt Wattenscheid, die Einwohnerzahl wuchs bis 1839 auf 624. Ein Jahr später stieß Ludwig<br />

<strong>von</strong> Oven auf Kohle und begründete die Zukunft Gelsenkirchens als Bergbaustadt. Es folgten <strong>der</strong><br />

Anschluß an die Köln-Mindener Eisenbahn 1847 und die Gründung <strong>der</strong> Zechen Consolidation 1862<br />

und Nordstern 1868. Noch im selben Jahr wurden die Gemeinden Gelsenkirchen, Schalke, Heßler,<br />

Braubauerschaft, Bulmke und Hüllen als Amt Gelsenkirchen vom Amt Wattenscheid abgetrennt. 1875<br />

erhielt Gelsenkirchen das Stadtrecht, die Emschertalbahn <strong>mit</strong> den Bahnhöfen Bismarck und Heßler<br />

wurde fertiggestellt und in (bzw. „auf“) Schalke wurde erstmals verhüttet. Die Gemeinde bildete <strong>mit</strong><br />

Heßler, Bulmke, Hüllen und Braubauerschaft das Amt Schalke. Mit den Zechen Neu-Arenberg, später<br />

Hugo, 1878, Graf Bismarck II in Erle 1884 und <strong>der</strong> Entstehung <strong>der</strong> preußischen Staatszechen Bergmannsglück,<br />

Westerholt und Scholven 1903 bis 1911 erlebte <strong>der</strong> Kohlebergbau seine Hochzeit. Doch<br />

die Arbeit unter Tage war nicht ungefährlich, eine Schlagwetterexplosion auf Hibernia kostete 1887<br />

52 Menschen das Leben. Die Stadt erholte sich <strong>von</strong> dem Unglück und florierte. Noch im selben Jahr<br />

wurde die Glückaufbrauerei gegründet und eine Fernsprechanlage in Betrieb genommen. 1895 wurde<br />

die Galopprennbahn in Horst eröffnet und 1903 wurde Gelsenkirchen durch die Vereinigung <strong>mit</strong><br />

Schalke, Heßler, Bismarck, Bulmke, Hüllen und Ückendorf Großstadt (138.000 Einwohner). Ein Jahr<br />

später wurde <strong>der</strong> Hauptbahnhof neu gebaut und <strong>der</strong> FC Schalke 04 gegründet. Bereits 1910 lebten<br />

169.513 Menschen in <strong>der</strong> Stadt. 1911 erhielt auch Buer die Stadtrechte (67.000 Einwohner) und die<br />

Stadthalle wurde eröffnet, 1912 <strong>der</strong> Flugplatz am Nienhauser Busch, außerdem das Kaufhaus Althoff<br />

(heute Karstadt). Im Jahr des Kriegsausbruchs war <strong>der</strong> Rhein-Herne-Kanal <strong>mit</strong> dem Stadthafen Gelsenkirchen<br />

fertiggestellt worden. Im Bergbau kam es 1922 gemäß des Fortschrittsgeistes <strong>der</strong> Branche<br />

erstmals zu einem Preßlufthammereinsatz. Mit <strong>der</strong> Eingemeindung Rotthausens 1924 und dem Zusammenschluß<br />

<strong>von</strong> Gelsenkirchen, Buer und Horst vier Jahre später wuchs die Stadt auf nunmehr<br />

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340.077 Einwohner. Deren Leistungsfähigkeit fand auch im Fußball ihren Ausdruck. Schalke 04 wurde<br />

1934 Deutscher Fußballmeister und sechs weitere Titel folgten bis 1958.<br />

Nach 1945 betrug die Einwohnerzahl lediglich noch 160.000, verdoppelte sich aber im Zuge des Wie<strong>der</strong>aufbaus<br />

bis 1949 und sechs Jahre später meldete Gelsenkirchen in <strong>der</strong> Wirtschaftswun<strong>der</strong>zeit Vollbeschäftigung,<br />

bevor <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Stilllegung <strong>der</strong> Zeche Scholven 1963 das Signal für einen allmählichen<br />

Strukturwandel ertönte, in dessen Kontinuität <strong>der</strong> Kohleabbau <strong>von</strong> <strong>der</strong> Bildfläche verschwinden sollte.<br />

Wie die Gesamtregion steht auch die Stadt Gelsenkirchen vor <strong>der</strong> Aufgabe, den Strukturwandel<br />

zu bewältigen. Plattformen für diese Herausfor<strong>der</strong>ung sind u.a. das 1988 gegründete<br />

„World Trade Center Ruhrgebiet zur Wirtschaftsför<strong>der</strong>ung“ und <strong>der</strong> 1994 eröffnete Wissenschaftspark.<br />

Diese Einrichtungen stehen heute beispielhaft für die Leistungsfähigkeit <strong>der</strong><br />

Stadt, auch zukünftig jenseits <strong>der</strong> Montanindustrie bestehen zu können. Die Schalke-Arena<br />

mag als weiteres Beispiel dienen, was die regionalen Kräfte in <strong>der</strong> Bündelung <strong>mit</strong> innovativer<br />

und zupacken<strong>der</strong> Tatkraft zu schaffen in <strong>der</strong> Lage sind.<br />

Sie ist die neue Heimat vom FC Schalke 04, <strong>der</strong> zuletzt durch den Europapokalsieg (UEFA-<br />

Cup) 1997 und die DFB-Pokalsiege 2001 und 2002 an frühere Erfolgszeiten anknüpfte, was<br />

nicht einer richtungsweisenden Symbolik entbehrt.<br />

Schalke-Arena<br />

Unter dem Motto „Ein neues Zuhause für die Tradition“ symbolisiert das mo<strong>der</strong>nste Stadion<br />

Europas in seiner Multifunktionalität den Strukturwandel des gesamten Reviers. So wie <strong>der</strong><br />

Verein FC Schalke 04 <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Entwicklung vom Arbeiterverein zum Wirtschaftsunternehmen<br />

als ein „Flaggschiff des DFB“ (DFB-Ex-Präsident Egidius Braun) <strong>mit</strong>tlerweile für europäischen<br />

Spitzenfußball steht und sich in die Lage versetzte, ein solches Projekt wie die Arena zu<br />

initiieren, hat das Vorbildcharakter für die wirtschaftliche Umstrukturierung <strong>der</strong> Region.<br />

Vieles ist bei dem ehrgeizigen Stadionprojekt <strong>mit</strong> seinem Fassungsvermögen <strong>von</strong> 62.000 Zuschauern<br />

einzigartig: seine Funktionalität und Ästhetik und auch seine Finanzierung. Es handelt<br />

sich nämlich um die erste privatwirtschaftlich finanzierte Sportstätte, die <strong>mit</strong> einem Investitionsvolumen<br />

<strong>von</strong> 358 Mio. DM alle an<strong>der</strong>en regionalen Projekte in dieser Hinsicht in den<br />

Schatten stellt. Der Löwenanteil <strong>der</strong> Gesamtkosten wurde durch einen Kredit <strong>von</strong> 225 Mio.<br />

DM aufgebracht, den ein Bankenkonsortium unter Führung <strong>der</strong> Hamburgischen Landesbank<br />

bereitstellte und <strong>der</strong> durch eine 80%ige Ausfallbürgschaft des Landes NRW gesichert ist. Ein<br />

weiteres Darlehen geht auf den Generalübernehmer, die holländische Baugesellschaft HBM<br />

<strong>mit</strong> Tochtersitz in Essen zurück. 66 Mio. DM werden <strong>von</strong> <strong>der</strong> Besitzgesellschaft getragen,<br />

wobei Schalke 04 <strong>von</strong> den Kommanditisten <strong>mit</strong> einer Beteiligung <strong>von</strong> 21 Mio. DM <strong>der</strong> wichtigste<br />

ist. Die Summe entspricht einem Drittel des Eigenkapitals. Die große Integrationskraft<br />

des Projektes wird ferner durch stille Beteiligungen durch die Stadt Gelsenkirchen und die<br />

Fans dokumentiert, die Bausteine <strong>der</strong> Arena für 500 DM symbolisch erwerben können und<br />

dafür Gutscheine für den S04-Shop erhalten. Insgesamt macht das Finanzierungsmodell deutlich,<br />

wie groß einerseits das Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit und an<strong>der</strong>erseits die regionale<br />

Identifikation <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Schalke-Arena ist.<br />

Daher wurde auch Wert darauf gelegt, dass die verschiedenen Bauaufträge möglichst an Firmen<br />

aus <strong>der</strong> Region vergeben werden. Eine beson<strong>der</strong>e Ausnahme stellt <strong>der</strong> Hersteller des Daches<br />

dar, die amerikanische Firma Birdair, weltweit Spezialist auf diesem Gebiet. Mit dieser<br />

Wahl wird einmal mehr <strong>der</strong> hohe Anspruch <strong>der</strong> Macher <strong>der</strong> Arena um Schalkes Manager Rudi<br />

Assauer vor Augen geführt, <strong>mit</strong> dem Bauwerk einen international einzigartigen Standard zu<br />

erzielen. Denn das Dach ist eines jener herausragenden Elemente <strong>der</strong> Arena, die dessen Unvergleichlichkeit<br />

ausmachen. Die 3.700 Tonnen schwere Stahlkonstruktion, an <strong>der</strong> Beleuchtung,<br />

Flutlicht, Lautsprecher und Anzeigetafel befestigt sind, ist <strong>von</strong> einem lichtdurchlässigen,<br />

<strong>mit</strong> Teflon beschichteten Glasfasergewebe überspannt. Selbst wenn das 560 Tonnen schwere<br />

Schiebedach geschlossen wird und die Arena sich in eine riesige Halle verwandelt, geht <strong>der</strong><br />

Stadioncharakter nicht verloren. Ein weiterer beson<strong>der</strong>er Clou ist die Rasenfläche, die sich in<br />

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einem Trog aus Stahlbeton befindet, <strong>der</strong>, <strong>mit</strong> teflonbeschichteten Gleitschuhen ausgerüstet,<br />

innerhalb <strong>von</strong> sechs Stunden unterhalb <strong>der</strong> Südtribüne auf Stahlschienen aus dem Stadioninneren<br />

bewegt werden kann. Die Ränge werden durch stählerne Brücken abgefangen und <strong>der</strong><br />

Unterrang <strong>der</strong> Südtribüne lässt sich um ca. 16 m unter den Oberrang schieben, um Platz für<br />

eine Konzertbühne etc. zu schaffen. Der Rasen, <strong>der</strong> auf diese Weise an <strong>der</strong> frischen Luft und<br />

an <strong>der</strong> Sonne die optimale Pflege erhält, bei Konzerten und sonstigen Veranstaltungen nicht<br />

beansprucht wird, ist dabei selbstverständlich auch <strong>mit</strong> einer Rasenheizung ausgestattet. Liegt<br />

<strong>der</strong> Rasen in <strong>der</strong> Arena, erhält man draußen eine große Parkfläche.<br />

Im Mittelpunkt des Konzeptes steht natürlich <strong>der</strong> FC Schalke 04 und da<strong>mit</strong> <strong>der</strong> Fußball. Es<br />

ging also in erster Linie darum, ein „echtes“ Fußballstadion zu bauen, dessen Tribüne direkt<br />

an das Spielfeld grenzt, ohne eine sichtbehin<strong>der</strong>nde Käfigkulisse darzustellen. Außerdem<br />

wollte man dem Publikum den Komfort <strong>der</strong> Wetterunabhängigkeit und einer niveauvollen<br />

Verköstigung bieten – eben eine einzigartige Stadionatmosphäre schaffen, wie sie nur wenige<br />

„Kultstätten“ dieses Sports in <strong>der</strong> Welt zu bieten haben. Denkt man z.B. an das berühmte Stadion<br />

Nou Camp in Barcelona <strong>mit</strong> seiner Kapelle im Inneren, so lässt sich sagen, was dem FC<br />

Barcelona recht ist, sollte auch für den Traditionsverein Schalke 04 kein Ding <strong>der</strong> Unmöglichkeit<br />

bleiben. So besteht nun die Möglichkeit, sich in <strong>der</strong> Arenakapelle trauen zu lassen<br />

o<strong>der</strong> den Seinen auf dem Rasen himmlischen Beistand zu wünschen. Darüber hinaus gehört<br />

zu einem „Kultclub“ natürlich auch ein angemessener Ort <strong>der</strong> Erinnerung. Zusammen <strong>mit</strong><br />

dem Arena-Infocenter lassen sich im Schalke-Museum durch Requisiten, Erzählungen und<br />

Filme auf insgesamt 800 m² die vergangenen Epochen des Vereins und die Baugeschichte <strong>der</strong><br />

Arena nacherleben. Das Projekt ist mehr als ein Fußballstadion. Es ist auch eine riesige und<br />

komfortable Halle für Top-Events, für Kongresse, Messen ebenso wie für Musicals, Pop- und<br />

Rockkonzerte, für Boxkämpfe und Tennisspiele o<strong>der</strong> auch für Kirchentage etc.<br />

Die multifunktionale Arena ist da<strong>mit</strong> ein Veranstaltungsort, <strong>der</strong> seinesgleichen sucht.<br />

Recklinghausen<br />

Bevor Karl <strong>der</strong> Große das Gebiet zwischen Emscher und <strong>Lippe</strong> kontrollierte, war die dicht bewaldete<br />

Region zunächst nur dünn besiedelt. Die dort lebenden germanischen Völker, hauptsächlich die<br />

Brukterer, wurden seit 694 vom aus dem Norden kommenden heidnischen Stamm <strong>der</strong> Sachsen unterworfen.<br />

Seit 772 führte Karl <strong>der</strong> Große seine Eroberungszüge, besetzte das Gebiet des heutigen Recklinghausen<br />

und errichtete dort eine <strong>von</strong> mehreren Hofanlagen in <strong>der</strong> weiteren Region. Dieser sogenannte<br />

Königshof kann gewissermaßen als Wiege <strong>der</strong> Stadt betrachtet werden. Um den Hof herum<br />

entwickelte sich zunächst eine kleine Marktsiedlung, die bis zum 12. Jahrhun<strong>der</strong>t zu einer kleinen<br />

Stadt angewachsen war. Denn die Nähe zum merkantilistisch wichtigen Hellweg begünstigte während<br />

des 11. Jahrhun<strong>der</strong>ts den Aufstieg <strong>der</strong> Siedlung zu einem blühenden Handelszentrum.<br />

Münz-, Markt- und Zollrecht, die Privilegien <strong>der</strong> Gerichtsbarkeit sowie <strong>der</strong> Wehrhoheit dokumentieren<br />

den damaligen beson<strong>der</strong>en Status Recklinghausens, <strong>der</strong> 1236 durch urkundlich bezeugte weitere<br />

Stadtrechte <strong>mit</strong> <strong>der</strong> faktischen „Gründung“ als Stadt nachdrücklich seine Bestätigung fand. Zuvor,<br />

1180, war das Vest Recklinghausen in den Besitz des Kölner Erzbistums gegangen, nachdem die Königshöfe<br />

diesem bereits seit ca. 965 angehörten. Der Begriff „Vest“ bedeutet, das es sich um einen<br />

Gerichtsbezirk handelte, dessen Gericht <strong>von</strong> hoher Bedeutung war und das <strong>mit</strong> seiner Zuständigkeit<br />

für die un<strong>mit</strong>telbare Umgebung die Blutgerichtsgewalt innehatte und da<strong>mit</strong> die Todesstrafe aussprechen<br />

konnte.<br />

Im 13. Jahrhun<strong>der</strong>t weitete sich <strong>der</strong> Handelsraum aus; 1316 war Recklinghausen dem mächtigen<br />

Kaufmannsbund Hanse beigetreten. Im 14. und 15. Jahrhun<strong>der</strong>t war die Stadt <strong>von</strong> zahlreichen Fehden<br />

geprägt, beson<strong>der</strong>s in Form <strong>von</strong> Raubzügen märkischer und klevischer Ritter, wobei sich die Herren<br />

<strong>von</strong> Strünkede <strong>mit</strong> ungerechtfertigten For<strong>der</strong>ungen und Besitzansprüchen hervortaten und dies gewaltsam<br />

zum Ausdruck brachten.<br />

Während des Dreißigjährigen Krieges litt die Stadt unter verschiedenen Besetzungen, 1633 durch<br />

schwedische und hessische Truppen sowie ein Jahr später durch kaiserliche Truppen. Da 1634 bis<br />

1636 zudem die Pest wütete, fand die halbe Stadtbevölkerung den Tod. Die da<strong>mit</strong> verbundene Armut<br />

und Rückständigkeit <strong>der</strong> Ackerbürgerstadt sollte bis zur Industrialisierung in <strong>der</strong> zweiten Hälfte des<br />

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19. Jahrhun<strong>der</strong>ts andauern. Ein Umstand, <strong>der</strong> auch durch die Folgen <strong>der</strong> Erbfolgekriege und des Siebenjährigen<br />

Krieges wie Truppenbesetzungen und Plün<strong>der</strong>ungen begünstigt wurde. Das Vest Recklinghausen<br />

kam schließlich 1803 in den Besitz des Herzogs <strong>von</strong> Arenberg, <strong>mit</strong> dessen Abhängigkeit<br />

<strong>von</strong> Frankreich revolutionäres Gedankengut Einzug hielt. 1811 bis 1813 gehörte die Stadt dann zum<br />

Großherzogtum Berg, bevor sie 1814 an Preußen ging.<br />

Ende des 18. Jahrhun<strong>der</strong>ts nahm <strong>der</strong> Bergbau im Ruhrtal seinen Anfang und wan<strong>der</strong>te <strong>von</strong> dort in den<br />

Norden, bis er in den 1860er Jahren auch die Emscher und das Vest Recklinghausen erreichte. 1869<br />

eröffnete das Bergwerk „Clerget“, <strong>von</strong> <strong>der</strong> belgischen Betreibergesellschaft nach einem Brüsseler<br />

Vorort benannt. Es folgten 1872 die Zechen König Ludwig und General Blumenthal, die wenige Jahre<br />

darauf <strong>mit</strong> dem Kohleabbau begannen. Mit diesem Boom stieg die Bevölkerungszahl <strong>von</strong> 3.863 im<br />

Jahr 1850 auf 60.000 bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Um den Arbeitskräftebedarf zu decken,<br />

wurden neben Arbeitern aus Schlesien, Ost- und Westpreußen auch Nie<strong>der</strong>län<strong>der</strong>, Italiener, Russen,<br />

Österreicher und in erster Linie Polen angeworben – um 1900 galt Recklinghausen als polenreichste<br />

Stadt des Westens. Nach dem Krieg und trotz <strong>der</strong> Krisen <strong>der</strong> Weimarer Zeit war Recklinghausen in<br />

den 1920er Jahren zu einer bedeutenden Mittelstadt <strong>mit</strong> 88.000 Einwohnern angewachsen, <strong>der</strong>en Zechen<br />

1924 <strong>mit</strong> ca. 10% am Kohleabbau in <strong>Westfalen</strong> beteiligt waren. Zum Nachteil wurde die Wirtschaftsstruktur<br />

und <strong>der</strong> Status als bedeutendes Industrierevier in <strong>der</strong> Folgezeit dadurch, dass die Stadt<br />

zunächst beson<strong>der</strong>s anfällig für die Folgen <strong>der</strong> Weltwirtschaftskrise war und später im Zweiten Weltkrieg<br />

strategisch wichtiges Angriffsziel <strong>der</strong> Alliierten.<br />

Nachdem Recklinghausen den Wandel vom Ackerbürgerdorf zur Industriestadt erfolgreich bewältigt<br />

hatte, zwang die wirtschaftliche Entwicklung, in <strong>der</strong>en Folge die Zechen schlossen, in den letzten<br />

Jahrzehnten zu einer erneuten Umstrukturierung.<br />

Heute ist Recklinghausen, Kreisstadt des <strong>mit</strong> 655.000 Einwohnern bevölkerungsreichsten<br />

Kreises <strong>der</strong> Bundesrepublik, eine Großstadt <strong>mit</strong> 126.000 Einwohnern und ein mo<strong>der</strong>nes Gewerbe-,<br />

Kultur- und Dienstleistungszentrum. Als Beispiel für die wirtschaftliche Innovationskraft<br />

<strong>der</strong> Stadt mag u.a. das Gewerbegebiet „Auf <strong>der</strong> Herne“ dienen, das als Vorzeigeobjekt<br />

<strong>mit</strong> einem eigenständigen Profil vermarktet wurde und heute technologieorientierte Unternehmen<br />

o<strong>der</strong> Unternehmen <strong>mit</strong> hochwertigen Dienstleistungen beheimatet.<br />

Bekannt ist Recklinghausen, die Brücke zum Münsterland <strong>mit</strong> den angrenzenden Gebieten <strong>der</strong><br />

Hohen Mark, aber insbeson<strong>der</strong>e auch durch das Kulturangebot <strong>von</strong> europäischem Rang. Zu<br />

nennen wäre u.a. das Ruhrfestspielhaus, das <strong>mit</strong> den Ruhrfestspielen und dem „Europäischen<br />

Festival“ in ganz Europa ein Begriff ist. Auch die Neue Philharmonie genießt überregionalen<br />

Klang. Das Ikonen-Museum <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Präsentation ostkirchlicher und koptischer Kunst ist gar<br />

das bedeutendste <strong>der</strong> westlichen Welt.<br />

Auch sportlich hat die Stadt Spitzenniveau. Sie beherbergt das Landesleistungszentrum im<br />

Fechten und ist Heimat <strong>der</strong> schnellsten Trabrennbahn in Europa, wo <strong>der</strong> Weltchampion Heinz<br />

Wewering zu Hause ist.<br />

Ruhrfestspielhaus<br />

Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen sind legendär, was sicherlich <strong>mit</strong> ihrer Ideengeschichte<br />

zu tun hat. Es handelt sich um die Realisierung einer hoffnungsstiftenden und aus den Herzen<br />

<strong>der</strong> Menschen geborenen Initiative in Zeiten <strong>der</strong> Not. Die Spiele wurden 1946/47 <strong>von</strong> Bergleuten<br />

<strong>der</strong> Schachtanlage König Ludwig 4/5 ins Leben gerufen und waren entsprechend seit<br />

ihren Anfängen fest <strong>mit</strong> dem Schicksal <strong>der</strong> Stadt verbunden. Aus <strong>der</strong> Solidarität <strong>von</strong> Kunst<br />

und Arbeit – die Kumpel finanzierten seinerzeit unter schwierigen Bedingungen den Spielbetrieb<br />

durch Hamburger Theaterleute – entstand <strong>der</strong> wohl bedeutendste Imageträger Recklinghausens,<br />

eben weil <strong>mit</strong> soviel Herzblut entstanden.<br />

Ein Zuhause erhielten die Spiele <strong>mit</strong> dem alten Ruhrfestspielhaus, als Sprechtheater für 1.050<br />

Besucher konzipiert und 1965 vom damaligen Bundespräsidenten Heuss seiner Bestimmung<br />

übergeben. Mit zunehmenden Ansprüchen wurde es <strong>mit</strong> Unterstützung des Landes NRW zu<br />

einem Festspielzentrum erweitert. Eingeweiht wurde es im Dezember 1998 in Anwesenheit<br />

des Ministerpräsidenten Clement und kann heute auch für Tagungen und Kongressveranstaltungen<br />

genutzt werden. Die Architektur ist geprägt durch Klarheit und Offenheit, erzeugt vor<br />

50


allem durch die gläserne und alle Geschosse verbindende Eingangshalle. Eine spannungsvolle<br />

Wechselbeziehung zwischen Transparentem und Geschlossenem, Innen und Außen ist dadurch<br />

entstanden.<br />

Dies ist das Ambiente für magisches Theater und brilliante Choreographien aller vorstellbaren<br />

Genres. Theatermacher wie Maurice Béjart, Robert Wilson, Ariane Mnouchkine, Schauspieler<br />

des Formats eines David Bennent, einer Ute Lemper und eines Michel Piccoli o<strong>der</strong> Bühnen<br />

wie das Théatre Zingaro aus Paris, das Dance Theatre of Harlem und das Burgtheater<br />

Wien folgten dem Ruf <strong>der</strong> legendären Einrichtung und heben die Ruhrfestspiele auf Weltniveau.<br />

Hohe Mark<br />

Der Naturpark Hohe Mark bei<strong>der</strong>seits <strong>der</strong> unteren <strong>Lippe</strong> umfasst auf seinen 1.009 qm Fläche<br />

rheinische und westfälische Gebiete, darunter mehrere Naturschutzzonen wie u.a. den Mervel<strong>der</strong><br />

Bruch, berühmt für seine Wildpferde. Insgesamt handelt es sich bei 17% <strong>der</strong> Fläche um<br />

Biotope, bei 6% um Naturschutzgebiete und bei 0,1% um Naturwaldzellen. Die sogenannte<br />

„grüne Brücke“ zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, <strong>der</strong>en Name auf ein Teilgebiet nördlich<br />

des <strong>Lippe</strong>flusses zurückgeht und <strong>der</strong>en höchster Punkt 160m über dem Meeresspiegel<br />

liegt, ist aufgrund seiner landschaftlichen Reize und seiner kulturellen Vielfalt ein beliebtes<br />

Ausflugsziel. Um dem touristisch gerecht zu werden, ist das Gebiet durch Rad- und Wan<strong>der</strong>wege<br />

sowie Naturlehrpfade etc. hervorragend erschlossen. Die Schlösser in Lembeck und<br />

Raesfeld, das Römermuseum in Haltern o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Movie World-Park in Bottrop-Kirchhellen<br />

sind nur einige Beispiele für die kulturelle und touristische Attraktivität dieses kulturlandschaftlichen<br />

Teils Nie<strong>der</strong>deutschlands.<br />

Einst <strong>von</strong> Hudewald dominiert, sind es aufgrund <strong>von</strong> Viehverbiss heute die Wachol<strong>der</strong>gruppen<br />

(vglb. <strong>mit</strong> Lüneburger Heide), die den Naturpark <strong>mit</strong> seinem Sandboden und seinem<br />

Waldanteil <strong>von</strong> 30% <strong>mit</strong>prägen. Bei <strong>der</strong> Nutzung spielen <strong>der</strong> Abbau <strong>von</strong> Kies und Sand, zur<br />

Hälfte sogar Quarzsand eine nicht unerhebliche Rolle. Der Sandboden ist <strong>mit</strong> seiner wasserreinigenden<br />

Wirkung außerdem hinsichtlich <strong>der</strong> Trinkwassergewinnung <strong>von</strong> großem Nutzen.<br />

Der Naturpark befindet sich in <strong>der</strong> Trägerschaft <strong>von</strong> Regierungsbezirk, Kommunen, dem<br />

Landschaftsverband <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> und bezirklichen Vereinigungen. Er ist <strong>mit</strong> 100<br />

Ew/qkm, also einem Viertel des NRW-Durchschnitts, relativ dünn besiedelt, worin sein touristischer<br />

Wert als Erholungsgebiet <strong>mit</strong>begründet ist.<br />

Münsterland<br />

Das Münsterland <strong>mit</strong> seinen ca. 1,5 Mio. Einwohnern bei vergleichsweise starkem Bevölkerungswachstum<br />

beheimatet nahezu alle Industriebranchen auf stabiler <strong>mit</strong>telständischer Basis.<br />

Es handelt sich um eine mo<strong>der</strong>ne Industrieregion, allerdings sind nur wenige Unternehmen<br />

<strong>von</strong> international herausragen<strong>der</strong> wirtschaftlicher Bedeutung sind. Dennoch machten die Umsätze<br />

des Produzierenden Gewerbes in den vergangenen zehn Jahren einen gewaltigen Sprung<br />

nach oben. Beson<strong>der</strong>s dynamisch entwickelte sich <strong>der</strong> Export, <strong>der</strong> um 74% zulegte (im Vergleich:<br />

NRW 46%). Eckpfeiler sind Maschinenbau, Ernährungsgewerbe, Metallindustrie,<br />

Textil- und Bekleidungsindustrie und Chemische Industrie.<br />

Einen hohen Stellenwert besitzen in dieser Region <strong>mit</strong> 52% Beschäftigungsanteil <strong>der</strong> Dienstleistungssektor,<br />

sowie eine leistungsstarke Landwirtschaft, Bildung und Verwaltung. Neben<br />

Fachhochschulen, Technologiezentren und Forschungsinstituten beheimatet Münster die<br />

viertgrößte Universität Deutschlands. Forschung und Bildung im Münsterland profitieren dabei<br />

auch <strong>von</strong> einer fruchtbaren Zusammenarbeit <strong>mit</strong> den benachbarten Nie<strong>der</strong>landen.<br />

Ein eindeutig historisch gewachsenes Wirtschaftsprofil wie etwa im Ruhrgebiet <strong>mit</strong> dessen<br />

montaner Tradition ist im Münsterland nicht auszumachen, so dass sich die Beson<strong>der</strong>heit des<br />

Münsterlandes weniger als im Ruhrgebiet aus <strong>der</strong> sozioökonomischen Struktur und <strong>der</strong> Herausfor<strong>der</strong>ung<br />

des Wandels ableitet als vielmehr aus seinen landschaftlichen Reizen und kul-<br />

51


turhistorischen Wurzeln. Typisch für diese Region sind die Parklandschaften und die Wasserschlösser,<br />

historische Stadtkerne sowie die Wallhecken und die „Pättkes“ – kleine Straßen<br />

und Wege im Grünen - die in beeindrucken<strong>der</strong> Weise Geschichte lebendig und Natur erlebbar<br />

machen. Gerade in <strong>der</strong> Kombination dieser beiden Aspekte, z.B. umgesetzt durch das Radwegenetz<br />

im Münsterland <strong>mit</strong> <strong>der</strong> „100-Schlösser-Route“, ist die Voraussetzung für ein einmaliges<br />

Reiserlebnis gegeben.<br />

Sportlich gesehen sind im Münsterland Reitsport <strong>mit</strong> dessen „Mekka“ in Warendorf, Ballonfahren<br />

und Golf verhältnismäßig stark vertreten, wobei ersteres sich u.a. in <strong>der</strong> absoluten<br />

Weltklasse befindet. In diese Kategorie können auch die zahlreichen Erfolge <strong>der</strong> Volleyballerinnen<br />

des USC Münster eingestuft werden.<br />

Raesfeld<br />

Das „gerodete Feld“, altdeutsch „Hrothusfeld“, wurde erstmals 899 als Ort im Werdener Heberegister<br />

aufgeführt. Eine für die Entwicklung Raesfelds bedeutende historische Figur, <strong>der</strong> Patronatsherr und<br />

Erbauer <strong>der</strong> Raesfel<strong>der</strong> Pfarrkirche, Burgherr Rabodo <strong>von</strong> dem Berge, findet 1166 für sein Wirken<br />

Beachtung in den Annalen. Bekannt, wenn auch wenig erfreulich, sind zwei Ereignisse des 15. Jahrhun<strong>der</strong>ts:<br />

1441 wurde <strong>der</strong> Schöffenmör<strong>der</strong> Bernhard <strong>von</strong> Diepenbrock vom Freigrafen de Duiker unter<br />

<strong>der</strong> Eiche zu Assenkamp verfemt - noch heute ist die Femeiche im Ortsteil Erle zu besichtigen. 16<br />

Jahre später wurde <strong>der</strong> Kirchturm als Folge <strong>der</strong> Münsterischen Stiftsfehde durch einen Brand zerstört.<br />

Dieser wurde <strong>von</strong> 1511 bis 1517 wie<strong>der</strong> aufgebaut, aber 1560 fiel dann das ganze Dorf einem Brand<br />

zum Opfer. Der Ort, seit 1595 unter <strong>der</strong> Ägide Alexan<strong>der</strong> <strong>von</strong> Velens als Burgherr zu Raesfeld, war<br />

also an Zerstörungen gewöhnt, als sich Europa allmählich auf den Dreißigjährigen Krieg zubewegte.<br />

1615 bis 1616 lagen spanische Truppen im Dorf, 1622 zogen die Scharen des Ernst <strong>von</strong> Mansfeld<br />

plün<strong>der</strong>nd durch dasselbe und 1643 belagerten hessische Truppen die Burg zu Raesfeld. Noch im selben<br />

Jahr ließ Reichsgraf Alexan<strong>der</strong> II. <strong>von</strong> Velen ein Residenzschloß <strong>mit</strong> einer Hauptburg, einer Vorburg<br />

und einer Kapelle erbauen, das 1658 fertiggestellt wurde. Auch <strong>der</strong> Siebenjährige Krieg zog<br />

später die Bevölkerung durch Truppendurchzüge, Einquartierungen und Fuhrdienste in Mitleidenschaft.<br />

1798 ging das Schloss in den Besitz des Freiherrn <strong>von</strong> Bömmelsburg über. Seit 1816 gehörte<br />

Raesfeld zum preußischen Kreis Borken und sechs Jahre später erwarb <strong>der</strong> Freiherr <strong>von</strong> Landsberg-<br />

Velen das Schloss.<br />

Die Zeiten begannen sich nun zu än<strong>der</strong>n und die Industrialisierung machte auch vor Raesfeld nicht<br />

halt, wie <strong>der</strong> Bau <strong>der</strong> mechanischen Leinenweberei Johann Becker 1878 bezeugt. Befriedung zwischen<br />

den Völkern und in <strong>der</strong> Gesellschaft gab es auch in Raesfeld weiterhin nicht dauerhaft, 1918<br />

belegten heimkehrende deutsche Truppen das Schloss und die Schulen, 1920 kämpften Spartakusbund<br />

und Freicorps Loewenfeld gegeneinan<strong>der</strong>, 1938 wurde die jüdische Synagoge zerstört und 1945<br />

schließlich wurde das Dorf <strong>von</strong> britischen Truppen eingenommen. Nun endlich konnte sich <strong>der</strong> Ort,<br />

<strong>der</strong> in so vielfacher Weise die europäische Schicksalsgeschichte berührte, entfalten. Im Jahr 1975<br />

wurden Raesfeld und Erle zur Gemeinde Raesfeld zusammengeschlossen.<br />

Wer immer schon einmal einen abwechslungsreichen Kurztrip in den „Süden“ plante, <strong>der</strong><br />

sollte über einen Besuch Raesfelds nachdenken, dem südlichsten Ort des Kreises Borken im<br />

Münsterland. Ob Wasserschloss, Bauernmärkte o<strong>der</strong> Kappesmarkt: Raesfeld kann <strong>mit</strong> seinen<br />

knapp 11.000 Einwohnern an <strong>der</strong> Grenze zum Rheinland <strong>mit</strong> einem vielfältigen Kulturangebot<br />

aufwarten, das westfälische Geschichte lebendig werden lässt.<br />

Eine beson<strong>der</strong>e Einrichtung Raesfelds ist die Akademie des Handwerks, die im Schloss ihren<br />

Platz gefunden hat.<br />

Schloss Raesfeld und die Akademie des Handwerks<br />

In<strong>mit</strong>ten <strong>der</strong> westmünsterländischen Parklandschaft liegt das eindrucksvolle Wasserschloss<br />

Raesfeld <strong>mit</strong> Vorburg und Hauptburg. Über viele Jahrhun<strong>der</strong>te ist die Geschichte Raesfelds<br />

<strong>mit</strong> dem Schloss verbunden. Ursprünglich zum Schutze vor feindlichen Angriffen als Erdhügelburg<br />

in<strong>mit</strong>ten einer unzugänglichen Wasser- und Sumpffläche errichtet, wurde die Anlage<br />

immer weiter verfestigt. Im 14. Jahrhun<strong>der</strong>t erbaute Bytter <strong>von</strong> Raesfeld eine neuere Burg <strong>mit</strong><br />

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zwei Ecktürmen und begründete das Geschlecht <strong>der</strong>er <strong>von</strong> Raesfeld. Im Erbgang gelangte<br />

Schloss Raesfeld 1585 an die Herren <strong>von</strong> Velen, unter denen eine Zeit großen Glanzes folgte.<br />

Graf Alexan<strong>der</strong> II. schließlich baute das Schloss in den Jahren 1643 bis 1658 zu dem prächtigen<br />

und repräsentativen Residenzschloss aus, wie es bis heute erhalten ist. Allerdings dient es<br />

in diesen Tagen keinen adligen Familien mehr als Wohnsitz. Die gesamte Burganlage beherbergt<br />

vielmehr eine bekannte Einrichtung <strong>der</strong> handwerklichen Aus- und Weiterbildung. In <strong>der</strong><br />

Hauptburg bietet seit 1952 die "Akademie des Handwerks" ihre reichhaltigen Bildungsveranstaltungen<br />

an. Aber auch <strong>mit</strong> dem 1983 in <strong>der</strong> Vorburg gegründeten "Europäischen Zentrum<br />

für handwerkliche Denkmalpflege und umweltschonendes Bauen" wurde eine bedeutende<br />

Weiterbildungsstätte geschaffen.<br />

Im Schloss befindet sich außerdem ein bekanntes Restaurant <strong>mit</strong> überaus gutem Ruf. Der<br />

Rittersaal dient größeren Gesellschaften als Festsaal. Hier finden auch die meisten <strong>der</strong> weithin<br />

bekannten Konzerte und sonstigen Veranstaltungen des "Kulturkreises Schloss Raesfeld"<br />

statt. Umrahmt wird das Schloß <strong>von</strong> <strong>der</strong> "Schlossfreiheit", einer kleinen Siedlung <strong>mit</strong> zum<br />

Teil denkmalgschützten Gebäuden, die in ihrer <strong>mit</strong>telalterlichen Struktur erhalten geblieben<br />

ist.<br />

Die Akademie des Handwerks wendet sich als zentrale, überregionale Weiterbildungseinrichtung<br />

<strong>der</strong> Landeshandwerksorganisation <strong>von</strong> NRW <strong>mit</strong> ihrem Bildungsangebot in erster<br />

Linie an Unternehmer und Führungskräfte aus Klein- und Mittelbetrieben. Sie ist eine gemeinnützige,<br />

staatlich anerkannte Weiterbildungseinrichtung. Das Seminarprogramm dient<br />

vor allem <strong>der</strong> Leistungssteigerung in Handwerk und Mittelstand. Selbstständigen Handwerksmeistern,<br />

<strong>mit</strong>arbeitenden Ehepartnern, leitenden Angestellten, öffentlich bestellten<br />

Sachverständigen und Mitarbeitern <strong>der</strong> Handwerksorganisation bietet sich die Möglichkeit<br />

fachlicher Zusatzqualifikationen. Angeboten werden die Studiengänge RestauratorIn im<br />

Handwerk, BetriebswirtIn des Handwerk, Fachkaufmann/-frau Handwerkswirtschaft und BürofachwirtIn<br />

Personal- und Rechnungswesen.<br />

Darüberhinaus besteht ein Tagungsangebot für ein- o<strong>der</strong> mehrtägige Veranstaltungen, für das<br />

acht Schulungs- und Tagungsräume sowie mo<strong>der</strong>nste Tagungstechnik zur Verfügung stehen.<br />

Abgerundet wird das Angebot durch 24 Komfortzimmer, die teilweise <strong>mit</strong> Internetzugang<br />

ausgerüstet sind.<br />

Schöppingen und das Künstlerdorf<br />

Die Gemeinde Schöppingen liegt an den Ausläufern <strong>der</strong> Baumberge im westlichen Münsterland<br />

und zählt knapp 7.500 Einwohner. Der Schöppinger Berg (156 m), <strong>von</strong> dem aus das<br />

Münsterland weit einzusehen ist, wi<strong>der</strong>legt die häufige Annahme, diese Region biete nur<br />

„plattes Land“. Eindrucksvoll erheben sich dort die zu einem Windpark zusammengefassten<br />

Windkraftanlagen.<br />

Das ehemalige „Skopingen“ hat nicht nur einige sehenswürdige Bauwerke aus dem Mittelalter,<br />

u.a. die St.Brictius Kirche, vorzuweisen, son<strong>der</strong>n ist auch ein beachtlicher industrieller<br />

Standort <strong>mit</strong> bekannten Größen aus dem Fleisch- und dem Spirituosenhandel.<br />

Internationale Beachtung fand <strong>der</strong> Ort allerdings beson<strong>der</strong>s durch ein kulturelles Ereignis: die<br />

Eröffnung des Künstlerdorfes 1990.<br />

Zwei Anfang des 19. Jahrhun<strong>der</strong>ts errichtete Bauernhöfe, komplett renoviert und unter<br />

Denkmalschutz gestellt, bilden heute den Hof <strong>der</strong> Literaten und den Hof <strong>der</strong> Bildenden<br />

Künstler. In den beiden Schulzenhöfen befinden sich acht Appartements für Autoren und sieben<br />

Ateliers für die Künstler. Daneben gibt es u.a. Werkstätten sowie Veranstaltungs- und<br />

Galerieräume.<br />

Um Literatur und Bildende Kunst intensiv zu för<strong>der</strong>n, werden jedes Jahr Stipendien ausgeschrieben<br />

und durch eine Fachjury vergeben. Das Künstlerdorf bietet eine offene Plattform<br />

zur Entwicklung <strong>der</strong> Künste <strong>mit</strong> Workshops, Lesungen und Ausstellungen. Es versteht sich<br />

gleichermaßen als Refugium wie als künstlerisches Laboratorium.<br />

53


Gase, Service<br />

und Know-how<br />

+3.300 °C Flammentemperatur Acetylen C2H2 +2.500 °C Flammentemperatur Ethan C2H4 +2.350 °C Flammentemperatur Wasserstoff H2 +2.200 °C Flammentemperatur Methan CH4 +123,3 °C Siedepunkt Fluormethan CH3F* +21,1 °C Siedepunkt Stickstoffdioxid NO2* -0,5 °C Siedepunkt Butan C4H10* -63,8 °C Sublimationspunkt Schwefelhexafluorid SF6* -78,5 °C Sublimationspunkt Kohlendioxid CO2* -88,4 °C Siedepunkt Distickstoffmonoxid N2O* -127,9 °C Siedepunkt Tetrafluormethan CF4* -252,7 °C Siedepunkt Wasserstoff H2* -268,9 °C Siedepunkt Helium He* * jeweils bei 1 bar<br />

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Eggerode<br />

Die Wallfahrtsgemeinde Eggerode – ungefähr 35 Kilometer <strong>von</strong> Münster, Richtung holländischer<br />

Grenze, in<strong>mit</strong>ten <strong>der</strong> schönen Parklandschaft des Münsterlandes gelegen – wurde erstmals<br />

1151 erwähnt.<br />

Es ist anzunehmen, dass es Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Grün<strong>der</strong>familie Stryck waren, die als Teilnehmer<br />

<strong>der</strong> Kreuzzüge (1096-1270) <strong>mit</strong> dem byzantinischen Madonnenbild das Symbol <strong>mit</strong>brachten<br />

und in <strong>der</strong> Kirche aufstellten, dass fortan die Geschichte des Ortes bestimmen sollte.<br />

Die ersten Pilger kamen um 1300 nach Eggerode, da<strong>mit</strong> ist das Dorf, in dessen Mittelpunkt<br />

Kirche und Gnadenkapelle stehen, einer <strong>der</strong> ältesten Wallfahrtsorte des Bistums Münster.<br />

Heute zählt Eggerode, seit 1969 zu Schöppingen gehörend, 800 Einwohner und wird jährlich<br />

<strong>von</strong> bis zu 70.000 Pilgern besucht. Der geschlossene Ort hat ältere und neue Baugebiete, eine<br />

zusätzliche Bebauungsfläche steht kurz vor <strong>der</strong> Erschließung. Die Eggero<strong>der</strong> pflegen ein reges<br />

Dorf- und Vereinsleben, das in Veranstaltungen und Festen seine Höhepunkte hat. Handel<br />

und Handwerk sind noch lebendig, wogegen größere Industriebetriebe nicht angesiedelt wurden.<br />

Dadurch hat Eggerode sein beson<strong>der</strong>es Flair und ist ein Ort, wo man die Seele baumeln<br />

lassen und Ruhe und Entspannung finden kann. Drei Hotel- und Restaurantbetriebe sowie ein<br />

Café bieten individuelle Gastlichkeit. Auf ruhigen Pättkes entlang des Flüßchens Vechte und<br />

auf Rundwan<strong>der</strong>wegen findet man Ruhe und Entspannung beim Radfahren o<strong>der</strong> Wan<strong>der</strong>n.<br />

Greven<br />

Archäologische Fund zeigen, dass die Emsregion seit ca. 8000 v. Chr. immer wie<strong>der</strong> <strong>von</strong> verschiedenen<br />

Gruppen durchwan<strong>der</strong>t wurde o<strong>der</strong> besiedelt war. Auch die Sachsen waren hier 500 bis 800 in<br />

verschiedenen bäuerlichen Siedlungen ansässig. Deren Lebensweise ist anhand des rekonstruierten<br />

Sachsenhofes in <strong>der</strong> Bauernschaft Pentrup noch heute nachzuempfinden. Die ältesten bekannten Grevener<br />

sind wohl die Bauern Frethuward, Bolo und Northeri, <strong>der</strong>en Namen im Wer<strong>der</strong>ner Urbar, dem<br />

Güteverzeichnis eines Klosters im Süden <strong>der</strong> heutigen Stadt Essen, im Zusammenhang <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Ortsbezeichnung<br />

„Grevaon“ genannt werden. Der Name bedeutet soviel wie „bei den Gräben“ und meint<br />

vermutlich die zahlreichen vor- und frühgeschichtlichen Emsarme in diesem Gebiet. Eine spätere Erwähnung<br />

Grevens findet sich in einer Urkunde des Bischofs Wernher <strong>von</strong> Münster aus dem Jahr 1137.<br />

Als Endpunkt <strong>der</strong> Emsschifffahrt spielte Greven ab 1287 eine bescheidene Rolle in den Marktplanungen<br />

<strong>der</strong> Bischöfe zu Münster. Ende des 15. Jahrhun<strong>der</strong>ts lebten rund um die Kirche geschätzte 200<br />

Menschen in ca. 30 Häusern in dem Ort, <strong>der</strong> die nächsten Jahrzehnte als Folge des Schiffsverkehrs auf<br />

<strong>der</strong> Ems wirtschaftlich aufblühen sollte.<br />

Ein Überfall auf den Grevener Markt 1589 durch nie<strong>der</strong>ländische Reiter, Abgabefor<strong>der</strong>ungen während<br />

des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis 1648 sowie Plün<strong>der</strong>ungen durchziehen<strong>der</strong> Truppen und die Pest<br />

fügten Wirtschaft und Bevölkerung schweren Schaden zu. Später beeinträchtigte <strong>der</strong> Max-Klemens-<br />

Kanal, gebaut 1724/25, den Grevener Handel durch die Konkurrenz zur Ems-Schiffahrt, auch wenn<br />

die hohen Erwartungen <strong>mit</strong> <strong>der</strong> geplanten Anbindung an das nie<strong>der</strong>ländische Wasserstraßennetz nicht<br />

erfüllt wurden.<br />

Während <strong>der</strong> Franzosenzeit unterlagen die Teile links und rechts <strong>der</strong> Ems unterschiedlichen Hoheitszuweisungen,<br />

bis diese 1815 wie<strong>der</strong>vereinigt <strong>der</strong> preußischen Provinz <strong>Westfalen</strong> angehörten. Während<br />

<strong>der</strong> Industrialisierung hat sich beson<strong>der</strong>s stark die Textilindustrie in <strong>der</strong> Stadt ausgebildet. In den<br />

1930er Jahren entstand im Norden ein Segelfluggelände, <strong>der</strong> Ursprung des Flughafens Münster-<br />

Osnabrück, <strong>der</strong> 1972 offiziell eröffnet wurde und seit 1986 offiziell internationaler Verkehrsflughafen<br />

ist.<br />

Grevens Plus ist <strong>der</strong> Standortfaktor Transportkostenvorteil, <strong>der</strong> sich neben dem Flughafen aus<br />

<strong>der</strong> direkten Anbindung an die A1 und <strong>der</strong> un<strong>mit</strong>telbaren Nähe des Dortmund-Ems-Kanals<br />

ergibt. Das Logistikunternehmen Fiege, ein großes internationales Unternehmen, kann hier<br />

seine Geschäfte optimal abwickeln. Darüber hinaus steht Greven in <strong>der</strong> Tradition <strong>der</strong> Textilindustrie<br />

und außerdem ist ein breit gefächerter Branchenmix entstanden. Seit vielen Jahren<br />

weist die Stadt daher eine deutlich niedrigere Arbeitslosenquote als <strong>der</strong> Landesdurchschnitt<br />

auf. Aber nicht nur wirtschaftlich, son<strong>der</strong>n <strong>mit</strong> <strong>der</strong> typisch münsterländischen Weideland-<br />

55


schaft, den sanften Hügeln und Bächen sowie den „Pättkes“ und <strong>der</strong> Ems hat Greven auch<br />

landschaftlich einiges zu bieten.<br />

Logistikunternehmen Fiege<br />

Schon die reinen Zahlen verdeutlichen den globalen Status <strong>der</strong> Unternehmensgruppe Fiege,<br />

<strong>der</strong> internationalen Nr.1 in <strong>der</strong> Kontraktlogistik: 11.000 Mitarbeiter versuchen an 153 Standorten<br />

auf über 1,9 Mio. qm² Logistikfläche die Bedürfnisse ihrer Kunden in Sachen Logistik<br />

innovativ, ergebnisorientiert und wirtschaftlich – kurz: optimal – zu erfüllen und ihnen da<strong>mit</strong><br />

Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Auf den partnerschaftlichen Prinzipien <strong>der</strong> open books<br />

o<strong>der</strong> joint ventures basierend erzielte Fiege 2001 einen Jahresumsatz <strong>von</strong> 1,272 Mrd. Euro.<br />

Um die führende Rolle bei den Logistikdienstleistungen zu verteidigen, muss das Unternehmen<br />

auf die dynamischen Verän<strong>der</strong>ungen auf dem Logistikmarkt angemessen reagieren. Traditionelle<br />

Kommunikationswege werden durch elektronische Kanäle ersetzt und Logistik-<br />

Netzwerke neu strukturiert, was zu einer erhöhten Kompetenzausbildung drängt.<br />

Nach Expertenschätzung wird <strong>der</strong> Logistik-Markt jährlich um 15 bis 20 % wachsen und insbeson<strong>der</strong>e<br />

<strong>von</strong> den Spezialisten beherrscht werden. In dieser Hinsicht dürfte Fiege überproportional<br />

profitieren und die neue F-Log AG, im Jahr 2000 gegründet, zum führenden Markennamen<br />

werden, denn als eines <strong>von</strong> wenigen Unternehmen deckt Fiege die gesamte Logistikkette<br />

ab. Die Konzentration auf extrem wachstumsstarke Bereiche wie Logistik für<br />

Krankenhäuser und die hohe Kompetenz bei <strong>der</strong> Entwicklung <strong>von</strong> IT-gestützten Lösungen<br />

eröffnen weiteres Potenzial für dynamisches Wachstum. Um dieses auszuschöpfen, bündelt<br />

die F-Log AG zukunftsweisende Geschäftsfel<strong>der</strong> <strong>der</strong> Fiege Gruppe.<br />

Die Fiege-Systemzentrale, das Verwaltungszentrum des Fiege-Netzwerkes und Knotenpunkt<br />

<strong>der</strong> Logistikkompetenz, wurde 1999 am Flughafen Münster/Osnabrück in Sichtweite des Areals<br />

erbaut, <strong>von</strong> welchem aus Firmengrün<strong>der</strong> Joan Joseph Fiege 1873 seine „Transportdienstleistungen“<br />

<strong>mit</strong> einem Pferdefuhrwerk betrieb. 1959 verlagerte sich <strong>der</strong> Schwerpunkt vom<br />

Transport- auf das Speditionswesen. Acht Jahre später trat <strong>der</strong> heutige Inhaber Heinz Fiege in<br />

den Betrieb ein, 1974 kam Dr. Hugo Fiege dazu. 1979 entstand ein erstes bundesweites Logistikkonzept<br />

für Bridgestone.<br />

Mit <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>vereinigung wurde ein Netzwerk in Ostdeutschland entwickelt, einer <strong>der</strong> ersten<br />

Standorte wurde das Mega Center in Erfurt. Im Mega Center in Ibbenbüren werden seit<br />

1992 ganzheitliche logistische Dienstleistungen durchgeführt. Heinz und Hugo Fiege erhielten<br />

im selben Jahr für ihr Konzept <strong>der</strong> optimalen Kombination <strong>von</strong> Ökologie, Ökonomie und<br />

logistischem Know-how den Deutschen Logistikpreis <strong>der</strong> Bundesvereinigung Logistik. 1996<br />

erhielten sie <strong>von</strong> CAPITAL und WWF den Titel „Ökomanager des Jahres“, denn sie haben<br />

„in beispielhaft wirkungsvoller Weise den sorgsamen Umgang <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Umwelt in Strategie<br />

und Praxis ihrer Unternehmensführung einbezogen“. Aber auch die europäische Expansion<br />

will sorgsam geplant sein, daher trafen sich 1998 im italienischen Como 130 Führungskräfte<br />

<strong>der</strong> Unternehmensgruppe Fiege zur Beratung, was den internationalen Stellenwert <strong>der</strong> Firma<br />

dokumentiert.<br />

Internationaler Flughafen Münster/Osnabrück<br />

Die Geschichte des Flughafens begann 1966, als die Städte Münster, Osnabrück und Greven<br />

sowie die Landkreise Münster, Tecklenburg und Steinfurt die „Flughafen GmbH“ gründeten.<br />

Die offizielle Eröffnung erfolgte 1972 und da<strong>mit</strong> setzte eine stetige Entwicklung ein: Drei<br />

Jahre später wurde <strong>der</strong> neue Tower in Betrieb genommen und die Luftaufsichtsbehörde bezog<br />

ihre Räumlichkeiten. Im gleichen Jahr erfolgte noch die Erklärung zum Zollflughafen. 1976<br />

wurde die Start- und Landebahn um 170m auf 2.170m verlängert und seit 1978 landen erstmals<br />

Maschinen vom Typ Boeing 747 und TriStar im Münsterland. 1986 stieg <strong>der</strong> FMO zum<br />

zwölften internationalen Verkehrsflughafen <strong>der</strong> Bundesrepublik auf, verzeichnete beständig<br />

zweistellige Zuwachsraten und sorgte durch den Besuch <strong>der</strong> Concorde für Schlagzeilen. In<br />

56


den folgenden Jahren erfolgte eine ständige Erweiterung, u.a. <strong>der</strong> Einstieg in das Frachtgeschäft<br />

1988, die behördliche Ausdehnung hinsichtlich <strong>der</strong> Flugsicherung auf die Bundesebene<br />

1989 und <strong>der</strong> Bau eines neuen Terminals, ein 1995 fertiggestelltes 50 Mio. Euro-Projekt, das<br />

<strong>mit</strong> 32,5 Mio. Euro aus Strukturhilfe<strong>mit</strong>teln durch NRW unterstützt wurde. Mit 600.000<br />

Fluggästen hatte man die für das Jahr 2000 prognostizierte jährliche Anzahl bereits 1993 erreicht,<br />

die folgenden Anstiegsraten bleiben kontinuierlich über Bundesdurchschnitt. Dem<br />

Wachstum des Flughafens folgen infrastrukturelle Ausbaustufen wie <strong>der</strong> Bau eines Parkhauses<br />

und die Errichtung <strong>von</strong> Büroräumen sowie einem Restaurant <strong>mit</strong> Biergarten etc. Erneut<br />

wurde schließlich im Juni 2001 ein neues Terminal in Betrieb genommen, was die Wachstumsentwicklung<br />

des mo<strong>der</strong>nen Flughafens nochmals deutlich unterstreicht.<br />

Schloß Harkotten und Sieger Design<br />

Schon <strong>der</strong> Familien- und Firmensitz, das Wasserschloß Harkotten, macht deutlich: Sieger<br />

Design wird <strong>von</strong> Kunst und Kultur inspiriert. Das heutige Zuhause des Unternehmens wurde<br />

1752 als Jagdschloß des Freiherrn <strong>von</strong> Ketteler erbaut und liegt in<strong>mit</strong>ten <strong>der</strong> Parklandschaften<br />

des Münsterlandes, umgeben <strong>von</strong> einer Gräfte und barocken Gartenanlagen.<br />

Seit 1987 <strong>von</strong> Dieter Sieger umfassend restauriert, beherbergt dieses Ambiente in Werkstätten<br />

und Ateliers rund 30 Arbeitsplätze – hier entstehen die Ideen für die unverwechselbaren Produkte<br />

und Leistungen <strong>von</strong> Sieger Design. Das schöpferische Betätigungsfeld des Unternehmens<br />

wurde dabei seit den Anfängen ständig erweitert. Alles begann Mitte <strong>der</strong> 1960er Jahre,<br />

als sich <strong>der</strong> Architekt Dieter Sieger selbstständig machte und schon nach wenigen Jahren für<br />

die Realisierung und Vermarktung ganzer Wohngebiete und Villenprojekte verantwortlich<br />

zeichnete. Ende <strong>der</strong> 1970er Jahre begann <strong>der</strong> <strong>mit</strong>tlerweile international renommierte Sieger<br />

da<strong>mit</strong>, ein weiteres Feld zu bestellen: den Innenausbau <strong>von</strong> Yachten. Die Yacht „Blue Ocean“<br />

wurde auf <strong>der</strong> „Boot `82“ in Düsseldorf zum Publikumsmagneten und bis 1985 wurden mehr<br />

als 30 Luxusyachten geplant, entworfen und designt. Des weiteren war Sieger zu jener Zeit<br />

auch dazu übergegangen, Sanitärobjekte und ganze Bademöbelprogramme zu entwickeln und<br />

hierfür Messestände und Showrooms zu entwerfen. Er wurde beliebter Partner vieler Hersteller<br />

<strong>der</strong> Branche und konnte bis 1985 zahlreiche Designpreise und Auszeichnungen in Empfang<br />

nehmen.<br />

Nach <strong>der</strong> Verlegung des Unternehmens auf Schloß Harkotten 1988 und <strong>mit</strong> dem Einstieg <strong>der</strong><br />

Söhne Michael und Christian 1991 haben das Leistungsspektrum und <strong>der</strong> internationale Wirkungskreis<br />

eine laufende Erweiterung erfahren. Sieger Design – das bedeutet einfallsreiche<br />

Kreativität in Planung, Entwicklung und Gestaltung verschiedenster Produkte und Projekte<br />

vom Gastronomiekaffeeautomaten über Verwaltungs- und Industriebauten bis hin zu technischen<br />

Designobjekten. Darüber hinaus bedeutet Sieger Design auch herstellerübergreifende<br />

Vermarktung, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit. Ebenfalls zum Programm gehören graphische<br />

wie photographische Inszenierungen und Entwicklungen wie die Full-Service-Betreuung<br />

<strong>von</strong> Marken.<br />

In dieser Hinsicht ist das Unternehmen heute selbst eine erfolgsversprechende Marke wenn es<br />

darum geht, Produkte und Projekte seiner Kunden ästhetisch stilvoll „erlebbar“ zu machen<br />

und eine entsprechend hohe öffentliche Akzeptanz auf dem Markt herzustellen. Aus diesem<br />

Grund kann Sieger Design die renommiertesten Hersteller und Akteure <strong>der</strong> jeweiligen Branchen<br />

zu seinen Partnern und Kunden zählen.<br />

57


Warendorf<br />

Angefangen hat Warendorfs Geschichte im 9. Jahrhun<strong>der</strong>t: eine seichte Stelle in <strong>der</strong> Ems, Handelswege<br />

die sich kreuzten - Warantharpa, „das Dorf am Uferdamm“, entstand. Der Ort erhielt um 1200 die<br />

Stadtrechte. Vom 13. bis 17. Jahrhun<strong>der</strong>t war Warendorf Mitglied im Hanseverband und 1685 <strong>mit</strong> 389<br />

Tuchmachern und Grobwebern berühmt als Leineweberstadt, <strong>der</strong>en Ruf bis an den Londoner Königshof<br />

erklang. 1802 fiel die Stadt in den Besitz Preußens und die preußische Gestütsverwaltung gründete<br />

1826 dort das Westfälische Landgestüt, das Zuhause des bis heute wohl bedeutendsten Imageträgers<br />

Warendorfs, dem Pferd.<br />

1887 wurde die Eisenbahnlinie Münster-Warendorf-Rheda eröffnet. In den Jahren 1937/38 wurde<br />

Warendorf Garnisonsstadt. Nach dem Krieg wurde das Preußisch-Westfälische Landgestüt durch das<br />

Land Nordrhein-<strong>Westfalen</strong> übernommen. Die beson<strong>der</strong>e Verbindung zum Pferd machte Warendorf<br />

zum „Mekka“ <strong>der</strong> Reiterei in Deutschland, denn auch das Deutsche Olympische Ko<strong>mit</strong>ee für Reiterei<br />

(DOKR) ist hier ansässig geworden.<br />

Die umliegenden Gemeinden und Gebiete wurden in Etappen integriert und <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Stadt zusammengeschlossen,<br />

zuletzt durch die kommunale Neuglie<strong>der</strong>ung 1975 Hoetmar, Milte, Einen, Müssingen<br />

und Freckenhorst. Die Kreise Warendorf und Beckum wurden zum Großkreis Warendorf.<br />

Die Kreisstadt Warendorf ist eingebettet in die münsterländische Parklandschaft und, direkt<br />

an <strong>der</strong> Ems gelegen, <strong>von</strong> Mo<strong>der</strong>nität und Tradition gleichermaßen geprägt. Restaurierte Giebel-<br />

und Fachwerkhäuser aus dem 15., 16. und 17. Jahrhun<strong>der</strong>t erzeugen in <strong>der</strong> malerischen<br />

Altstadt und rund um den historischen Marktplatz eine romantische Atmosphäre.<br />

Dank <strong>der</strong> klein- und <strong>mit</strong>telständlerischen Wirtschaftsstruktur ist Warendorf ein krisenfester<br />

und flexibler Standort sowie ein überregionaler und zukunftsorientierter Akteur. Beispielsweise<br />

setzt sich die Gesellschaft für Wirtschaftsför<strong>der</strong>ung im Rahmen <strong>der</strong> EUREGIO für die<br />

überregionale erfolgreiche Zusammenarbeit <strong>der</strong> Grenzregionen zwischen den Nie<strong>der</strong>landen<br />

und <strong>der</strong> Bundesrepublik ein. Es sollen im Kreis Warendorf nicht nur Industrieprojekte geför<strong>der</strong>t,<br />

son<strong>der</strong>n auch kulturelle und infrastrukturelle Projekte vorangetrieben werden.<br />

Nordrhein-Westfälisches Landgestüt<br />

Im Jahre 1826 wurde das Landgestüt Warendorf auf Wunsch <strong>der</strong> Züchter <strong>Westfalen</strong>s und <strong>der</strong><br />

Rheinprovinz gegründet, um die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Betriebe durch systematische<br />

Pferdezucht zu verbessern. Als Folge <strong>der</strong> Intensivierung des Ackerbaus verlangte<br />

<strong>der</strong> westfälische Bauer nämlich nach einem schweren Pferd. Mit 13 ostpreußisch gezogenen<br />

Hengsten trat man schließlich an, um diesem Begehr nachzukommen.<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gestüt in den Besitz des Bundeslandes NRW über und<br />

wurde dem Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft zugeordnet. Der<br />

weltweite Ruf wurde entscheidend durch die westfälische Kaltblutzucht geför<strong>der</strong>t, für die z.Z.<br />

neun Hengste zur Verfügung stehen. In erster Linie werden Pferde für den Freizeitsport gezüchtet,<br />

das anspruchsvolle Zuchtprogramm ist aber ebenso geeignet, immer wie<strong>der</strong> Tiere für<br />

den Spitzensport hervorzubringen. Doch was wäre das beste Pferd ohne den begabten und<br />

befähigten Reiter? Nach <strong>der</strong> Devise „Zucht und Pferdesport gehören zusammen“ erfüllt die<br />

Deutsche Reitschule, die dem Landgestüt angeglie<strong>der</strong>t ist, seit Jahrzehnten ihre Aufgabe als<br />

zentrale Aus-, Fortbildungs- und Prüfungsstelle <strong>mit</strong> anerkanntem Erfolg für Auszubildende<br />

und Ausbil<strong>der</strong> aller Reitdisziplinen.<br />

Die 1968 integrierte und bundesweit arbeitende Schule ist hinsichtlich ihres Niveaus zwischen<br />

den Landesreitschulen und dem DOKR einzuordnen. Sie sucht zur Erfüllung ihrer Aufgaben<br />

die Zusammenarbeit <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Abteilung „Sport“ <strong>der</strong> Deutschen Reiterlichen Vereinigung<br />

(FN) und <strong>der</strong> Fachgruppe „Berufsreiter und -fahrer“ im Deutschen Reiter- und Fahrerverband.<br />

Mit rund 700 Schülern im Jahr ist die Schule voll ausgelastet.<br />

58


Deutsches Olympiade-Ko<strong>mit</strong>ee für Reiterei (DOKR)<br />

Das Münsterland ist eine Pfer<strong>der</strong>egion und Hochburg des Reitsports, da verwun<strong>der</strong>t es nicht,<br />

dass die Deutsche Reiterliche Vereinigung (Fédération Equestre Nationale, FN) in Warendorf<br />

ihren Sitz hat. Als Spitzenverband vertritt sie die Interessen <strong>von</strong> rund 700.000 Mitglie<strong>der</strong>n in<br />

über 6.000 Vereinen und ist da<strong>mit</strong> weltweit die größte reiterliche und züchterische Vereinigung.<br />

National ist die FN <strong>der</strong> achtgrößte Sportverband innerhalb des Deutschen Sportbundes<br />

(DSB). Zuständig ist die FN für alle Fragen, die direkt o<strong>der</strong> indirekt <strong>mit</strong> dem Pferd, seiner<br />

Zucht, Haltung und Ausrüstung, seiner Ausbildung und Nutzung durch den Menschen zu tun<br />

haben. Allein im Bereich Turniersport werden <strong>von</strong> <strong>der</strong> FN rund 3.500 Turniere <strong>mit</strong> über<br />

1.850.000 Starts alljährlich betreut und koordiniert. In un<strong>mit</strong>telbarer Nähe <strong>der</strong> FN-Zentrale ist<br />

das Deutsche Olympiade-Ko<strong>mit</strong>ee für Reiterei (DOKR) angesiedelt, das verantwortlich ist für<br />

die Betreuung des Spitzensports. Erfolgsbilanz des DOKR: 68 olympische Medaillen, 114<br />

Welt- und Europameistertitel und 123 Goldmedaillen bei Europameisterschaften im Nachwuchsbereich.<br />

Ein wichtiger Faktor für diese Medaillenflut ist das Bundesleistungszentrum<br />

Reiten (BLZ) in Warendorf. Auf einem Gesamtbereich <strong>von</strong> ca. 30 Hektar bieten rund 100<br />

Boxen, drei Reithallen, eine Longierhalle, mehrere Außenreit- und Fahrplätze und ein 40.000<br />

qm großer Springplatz ideale Trainingsbedingungen für Spitzensportler. Olympiasieger wie<br />

Nicole Uphoff-Becker o<strong>der</strong> Franke Sloothaak trainieren hier. Mit mehr als 3.000 Teilnehmern<br />

und 2.500 Pferden im Jahr ist das BLZ Reiten in Warendorf wohl das bestausgelastete Bundesleistungszentrum<br />

aller Sportarten in Deutschland. Verständlich, dass diese Aktivitäten<br />

jährlich ca. 4.500 Besucher anlocken. Weitere Publikumsmagneten sind eine Reihe hochkarätiger<br />

Sportveranstaltungen auf dem Gelände <strong>von</strong> DOKR und BLZ, wie etwa <strong>der</strong> „Preis <strong>der</strong><br />

Besten“. Das Highlight des Jahres sind jedoch die Bundeschampionate, die alljährlich in Warendorf<br />

durchgeführt werden. Sie sind vergleichbar <strong>mit</strong> einer Deutschen Meisterschaft <strong>der</strong><br />

jungen Pferde aller Disziplinen. Gleichzeitig sind sie Schaufenster <strong>der</strong> deutschen Pferdezucht.<br />

Mit rund 30.000 Besuchern handelt es sich um eine große Attraktion, die die Stadt Warendorf<br />

da<strong>mit</strong> zu bieten hat.<br />

Münster<br />

Bedeutungsvoll für die Stadtentwicklung Münsters war, dass <strong>der</strong> friesische Missionar Liudger 793 im<br />

Auftrag Karls des Großen in <strong>der</strong> Siedlung an <strong>der</strong> Aa das Kloster Monasterium sowie den St. Paulus<br />

Dom errichten ließ. 805 wurde die Stadt dann zum Bistum erhoben und Liudger wurde erster Bischof.<br />

Im Jahr 1121 kam es zur Zerstörung Münsters durch Herzog Lothar <strong>von</strong> Sachsen, 1170 konnte die<br />

Stadt den Erhalt <strong>der</strong> Stadtrechte verzeichnen. Um 1350 war die nun bedeutende Hansestadt bereits ein<br />

Ort regen Geistes- und Kulturlebens. Auf religiöser Ebene sollte Münster später durch eine unheilvolle<br />

Entwicklung eine eher beklemmende Bekanntheit erhalten. Fürstbischof Franz <strong>von</strong> Waldeck<br />

beendete 1534/35 blutig die zwischenzeitliche Herrschaft <strong>der</strong> sogenannten Wie<strong>der</strong>täufer. Noch heute<br />

hängen die Käfige an <strong>der</strong> Lambertikirche, in denen die Leichen <strong>der</strong> religiösen Aufrührer ausgestellt<br />

wurden.<br />

Eine noch größere internationale Berühmtheit allerdings hat die Stadt durch eine friedliche Konfliktlösung<br />

erhalten, als in Münster und Osnabrück <strong>mit</strong> dem Westfälischen Frieden 1648 <strong>der</strong> Dreißigjährige<br />

Krieg beendet wurde. Bekannt ist Münster auch durch seine charakteristische Architektur: Insbeson<strong>der</strong>e<br />

<strong>der</strong> Prinzipalmarkt und die Bauten des fürstbischhöflichen Baumeisters Johann Conrad Schlaun<br />

sind weit über die Grenzen <strong>Westfalen</strong>s hinaus berühmt. Schlaun errichtete u.a. das Stadtpalais Erbdrostenhof<br />

im Jahr 1757 und fertigte die Pläne für das fürstbischhöfliche Schloß an, ein Meisterwerk des<br />

Barock, das zehn Jahre später fertiggestellt wurde. 1773 wurde dann in Münster, ein Ort blühen<strong>der</strong><br />

Geisteskultur, eine Landesuniversität gegründet. Zwei Jahre später wurde ein bürgerschaftliches Komödienhaus<br />

eröffnet.<br />

Auch politisch und wirtschaftlich unterlag die Stadt Brüchen und Verän<strong>der</strong>ungen: 1806 zogen Napoleons<br />

Truppen in Münster ein, wurden aber durch siegreiche Preußen 1813 vertrieben und 1815 wurde<br />

Münster Hauptstadt <strong>der</strong> neuen Provinz <strong>Westfalen</strong>. Am Ende des Jahrhun<strong>der</strong>ts wurde die Stadt dann<br />

1899 <strong>mit</strong> einem Hafen an den Dortmund-Ems-Kanal angeschlossen und drei Jahre später stiftete Kaiser<br />

Wilhelm II. als König <strong>von</strong> Preußen die nach ihm benannte Universität <strong>von</strong> Münster. Deren bishe-<br />

59


iger Kern, die Theologisch-Philosophische Akademie, wurde um eine Juristische Fakultät erweitert.<br />

1915 wurde Münster <strong>mit</strong> 100.000 Einwohnern Großstadt und elf Jahre später wurden Universitätskliniken<br />

und Halle Münsterland fertiggestellt. Hervorzuheben ist, dass sich in Münster, ausgehend <strong>von</strong><br />

den Predigten des Bischofs Clemens August <strong>von</strong> Galen, Wi<strong>der</strong>stand gegen Hitlers Schreckensregime<br />

rührte. Als britische und amerikanische Truppen Münster 1945 schließlich besetzten, war die Stadt zu<br />

63%, <strong>der</strong> Innenstadtbereich gar zu 91% zerstört. Doch <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>aufbau vollzog sich in Münster<br />

ziemlich rasch. Münsters weitere Funktion als Hauptstadt <strong>Westfalen</strong>s wird fortan durch den 1954 gegründeten<br />

Landschaftsverband <strong>Westfalen</strong>-<strong>Lippe</strong> repräsentiert. Internationalen Bekanntheitsgrad erlangte<br />

das neue Stadttheater <strong>von</strong> 1956. Seit den 1970er Jahren sind großflächig neue Universitätsanlagen<br />

entstanden, z.B. das Naturwissenschaftliche Zentrum und das Großklinikum.<br />

Münster, in erster Linie Verwaltungs- und Bildungsstandort, erhielt zur 1.200 Jahr-Feier 1993<br />

neben <strong>der</strong> neuen Stadtbücherei auch den Technologiehof, wodurch neben <strong>der</strong> geistigkulturellen<br />

Tradition <strong>der</strong> Stadt auch <strong>der</strong>en Bedeutung als zukunftsorientierter Forschungsstandort<br />

dokumentiert wurde. Dieses wird auch durch verschiedenen Fakultäten <strong>der</strong> Universität,<br />

z.B. das Institut für Nanotechnologie, unterstrichen, die u.a. <strong>mit</strong> dem Technologiehof<br />

hervorragende Bedingungen einer praxisnahen Ausrichtung vorfinden.<br />

Die Stadt wendet sich in Richtung Zukunft und wandelt dabei auch ihr Antlitz. Entsprechend<br />

vollzieht sich eine zeitgemäße Umstrukturierung <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Umwandlung des ehemals industriellen<br />

Hafenviertels zum Kreativkai, ein städtebaulich mo<strong>der</strong>n strukturiertes Projekt <strong>mit</strong> einer<br />

visionär-gestalterischen Anbindung an die angrenzenden Wohngebiete. Dass da<strong>mit</strong> keine Abnabelung<br />

<strong>der</strong> Tradition erfolgt, verdeutlicht u.a. <strong>der</strong> nun dort in einem restaurierten Speicher<br />

ansässige Coppenrath-Verlag, <strong>der</strong> dazubeiträgt, dass unsere Kin<strong>der</strong> auch im Computerzeitalter<br />

für das Bücherlesen begeistert werden. Ein weiteres Konversionsprojekt, die Umwandlung<br />

eines ehemaligen Militärgeländes zum Leonardo-Campus, kann als weiterer Beleg genommen<br />

werden, dass Münster die Zukunft angemessen gestalten wird. Auf dem Campus hat beispielsweise<br />

die Kunstakademie ein Zuhause gefunden. Mit dieser Einrichtung gehen auf diesem<br />

Gelände nun Kultur und Bildung, Tradition und Mo<strong>der</strong>ne Hand in Hand.<br />

Kreativkai und <strong>der</strong> Coppenrath-Verlag<br />

Am Nordufer des münsterischen Stadthafens vollzieht sich seit 1997 ein Wandel vom klassischen<br />

Industrie- und Gewerbegebiet zum gewerblich genutzten Kreativkai. Dabei tritt mo<strong>der</strong>ne<br />

Architektur an die Stelle nicht mehr erhaltenswerter Bausubstanz, während attraktive alte<br />

Industriearchitektur erhalten bleibt und sorgsam renoviert und umgebaut wird. Als Beispiel<br />

sind diesbezüglich beson<strong>der</strong>s die großen Speichergebäude zu erwähnen, die als Blickfang am<br />

Hafen an dessen Blütezeit erinnern, als hier Getreide umgeschlagen wurde. Das typische Hafenflair<br />

wird also auch in Zukunft weiterhin spürbar sein. Im Inneren befindet sich nun u.a.<br />

ein mo<strong>der</strong>nes Bürohaus, in dem sich verschiedene Dienstleister und ein Restaurant <strong>mit</strong> Kanalblick<br />

eingerichtet haben. Die vorhandenen Gebäude werden durch mo<strong>der</strong>ne Gebäude bekannter<br />

Architekten ergänzt. Die Gebäudegruppe westlich <strong>der</strong> ehemaligen RCG-<br />

Speichergebäude ist die Keimzelle des Kreativkais. Hier siedelten sich zuerst kreative<br />

Dienstleistungsunternehmen an. In ehemaligen, umgebauten und aufgestockten Handelskontoren<br />

befinden sich heute u.a. eine Druckerei, eine Werbeagentur und ein Architekturbüro.<br />

Am Hafenweg 22 entstand das Atelierhaus, in dem Künstler ausstellen und arbeiten. Westlich<br />

des Hafenplatzes wurde im Herbst 2000 das Cineplex eröffnet. In neun Kinosälen können hier<br />

bis zu 2.500 Cineasten ihrer Leidenschaft frönen. Gastronomie und weitere Freizeitangebote<br />

ergänzen das Angebot, das auch viele Interessenten aus dem Umland anlockt. Die ehemalige<br />

Molkereizentrale beherbergt nunmehr das renommierte Wolfgang-Borchert-Theater.<br />

In einem <strong>der</strong> ehemaligen RCG-Speichergebäude, das <strong>mit</strong> <strong>der</strong> Eröffnung des Dortmund-Ems-<br />

Kanals 1899 fertiggestellt wurde, hat sich <strong>der</strong> Coppenrath-Verlag eingerichtet und da<strong>mit</strong> ein<br />

seiner langen Tradition entsprechend standesgemäßes Zuhause gefunden. Die Geschichte<br />

Coppenraths begann schon 1768, als Joseph Coppenrath die „Perrenonsche Hofbuchhandlung“<br />

übernahm und den Verlag gründete. Die Firma blieb mehr als zwei Jahrhun<strong>der</strong>te im<br />

60


Besitz <strong>der</strong> Familie, ehe sie 1977 <strong>von</strong> dem jungen Graphiker und Verleger Wolfgang Hölker<br />

übernommen wurde. Dieser gab dem traditionsreichen Unternehmen wichtige Impulse und<br />

führte es auf neue Wege.<br />

Ein Schwerpunkt des Verlagsprogramms sind Kin<strong>der</strong>- und Geschenkbücher <strong>von</strong> anspruchsvoller<br />

graphischer Qualität, die immer wie<strong>der</strong> eine Beson<strong>der</strong>heit beinhalten. Berühmtester<br />

„Sohn“ des Verlags dürfte <strong>der</strong> Hase Felix sein, eine Figur, die vielerorts – auch im Ausland -<br />

die Kin<strong>der</strong>herzen gewonnen hat und dessen Abenteuer seit kurzem auch im Fernsehen zu bewun<strong>der</strong>n<br />

sind.<br />

Institut für Nanotechnologie<br />

Das Institut für Nanotechnologie <strong>der</strong> Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster ist eines<br />

<strong>von</strong> neun Hochschulinstituten, die sich <strong>mit</strong> 17 kleinen Unternehmen, acht Großbetrieben und<br />

11 hochschulfreien Forschungsinstituten zum Kompetenzzentrum Nanoanalytik zusammengeschlossen<br />

haben. Hauptzielgruppe für dessen Arbeit sind neben Forschungseinrichtungen<br />

verschiedene Industrieunternehmen, vornehmlich aus dem Elektro- und Elektronikbereich<br />

und den Fel<strong>der</strong>n <strong>der</strong> optischen, chemischen und pharmazeutischen Industrie, aber auch aus<br />

den Bereichen <strong>der</strong> Biotechnologie, des Gerätebaus und des Umweltschutzes.<br />

Die Nanoanalytik erforscht jene Welten, die die kleinsten Einheiten darstellen. Dabei geht es<br />

nicht nur um eine weitere Verkleinerung vorhandener mikroelektronischer Konzepte, son<strong>der</strong>n<br />

um die Erkenntnis völlig neuer physikalischer Effekte durch einen Einblick in molekulare und<br />

atomare Strukturen. Durch Rastersondenverfahren, hochaufgelöste Photoelektronenspektroskopie,<br />

Ionensondentechniken und an<strong>der</strong>en Messverfahren geht man u.a. Fragen nach, die<br />

sich auf chemische, mechanische und elektronische Eigenschaften (Abmessungen, Rauigkeit<br />

etc.) <strong>von</strong> Materialien beziehen. Da<strong>mit</strong> eröffnet sich erstmals eine Perspektive, funktionale<br />

Einheiten und Bauelemente auf Nanometerskala gewissermaßen Atom für Atom bzw. Molekül<br />

für Molekül aufzubauen und völlig neue Bauelementefunktionen zu erhalten. In Analogie<br />

beispielsweise zur Entwicklung <strong>von</strong> <strong>der</strong> Glühlampe zum Laser stellt die transdisziplinäre<br />

Nanotechnologie, un<strong>mit</strong>telbar die Fächer Chemie, Physik und Biologie betreffend, eine Evolutionsplattform<br />

dar, die für die Bio- und Gentechnologie und da<strong>mit</strong> auch neue medizinische<br />

Anwendungen <strong>von</strong> großem Wert sein kann. Da<strong>mit</strong> sind das Institut und das Kompetenzzentrum<br />

nicht nur mo<strong>der</strong>nste Forschungseinrichtungen, son<strong>der</strong>n zukunftsbedeutende Verantwortungs-<br />

und Leistungsträger unserer Gesellschaft.<br />

Leonardo-Campus und Kunstakademie<br />

Die ehemalige Reiterkaserne „Von Einem Kaserne“ wurde im Jahr 2000 in einen Hochschulcampus<br />

umgewandelt, auf dem alle drei staatlichen Hochschulen in Münster vertreten<br />

sind und auch eine Mensa ihren Platz gefunden hat. Die Universität nutzt das Gelände <strong>mit</strong> <strong>der</strong><br />

Bezeichnung „Leonardo-Campus“ für ihr Archiv und als Werkstattbereich sowie fachlich<br />

hinsichtlich <strong>der</strong> Fakultäten Wirtschaftsinformatik, Sportkultur und Primarstufenausbildung.<br />

Die Fachhochschule ist <strong>mit</strong> dem Fachbereich Architektur vertreten. Die Kunstakademie hat<br />

auf dem Campus ihren alleinigen Standort und erhielt neben <strong>der</strong> Zuweisung <strong>von</strong> Altbauten<br />

einen großzügigen Neubau. Eine Beson<strong>der</strong>heit in Sachen Nutzungseffektivität und Kooperation<br />

<strong>der</strong> Institute stellt die Bibliothek dar, die gemeinsam <strong>von</strong> <strong>der</strong> Kunstakademie und dem<br />

Fachbereich Architektur betrieben wird. Dadurch wird für beide Partner eine bessere bibliothekarische<br />

Versorgung hinsichtlich <strong>der</strong> Öffnungszeiten und <strong>der</strong> Beratungsintensität gewährleistet,<br />

aber auch <strong>der</strong> gemeinsam mögliche höhere Standard <strong>der</strong> elektronischen Informationsversorgung.<br />

Zudem erzeugen die fachlichen Gemeinsamkeiten Synergieeffekte.<br />

Eingerichtet wurde die Bibliothek in einem Teil <strong>der</strong> unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen<br />

Reitställe <strong>von</strong> 1900, die davor gelegene Reithalle wurde zu einem multifunktionalen Hörsaalgebäude<br />

umgebaut. In dem langgezogenen Stallungsraum wurde auf je<strong>der</strong> Seite eine Empore<br />

eingezogen. Der durch gusseiserne Stützen geprägte Raumeindruck wurde durch <strong>mit</strong><br />

Buchenholz bedeckte Futtertröge stilistisch unterstützt. Treppe und Aufzugsanlage sind in den<br />

61


Hintergrund gerückt. Die Einrichtung und Aufstellung <strong>der</strong> Regale erfolgte im Oktober 2000,<br />

einen Monat später eröffnete die Kunstakademie die Bibliothek und weitere vier Monate später<br />

begann <strong>der</strong> gemeinsame Ausleihbetrieb <strong>mit</strong> den Architekten. Etwa 50.000 Bände stehen<br />

den ca. 1.200 Studenten bei<strong>der</strong> Fächer zur Verfügung.<br />

Das Kunststudium glie<strong>der</strong>t sich in den Orientierungsbereich, das Fachstudium in den Klassen,<br />

Arbeit in den Werkstätten und dem Studium <strong>der</strong> kunstbezogenen Wissenschaften. Die Studiengänge<br />

sind Freie Kunst, Kunst Lehramt, Primarstufe und Promotion zum Dr. phil.<br />

Künstlerische Schwerpunkte sind Malerei, Bildhauerei, Totalkunst, Grafik, Film, Video, Performance,<br />

künstlerische Feldforschung. Bei den künstlerisch-technischen Schwerpunkten<br />

handelt es sich um Maltechnik, Film, Video, Fotografie, Siebdruck, Lithografie, Radierung,<br />

Computeranimation sowie bildhauerische und plastische Techniken hinsichtlich <strong>der</strong> Materialien<br />

Keramik, Metall, Stein, Gips, Kunststoff und Holz. Kunstwissenschaftliche Schwerpunkte<br />

sind die Bereiche Kunstgeschichte, Kunst des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts, Kunst und Öffentlichkeit,<br />

Kunstdidaktik, Kunstpädagogik und Wahrnehmungspsychologie.<br />

62


Quellenhinweise:<br />

Bei den zugrundegelegten Quellen handelt es sich um die Internetseiten <strong>der</strong> entsprechenden<br />

Orte und Einrichtungen sowie um Informationsbroschüren, die <strong>von</strong> diesen entwickelt wurden.<br />

Die Porträts wurden willkürlich zusammengestellt, wobei das Bemühen um Ausgewogenheit<br />

selbstverständlich vorhanden war. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.<br />

63


Starke Leistungen für alle.<br />

AUCH WIR SIND MEIST AUF<br />

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STIMMT.<br />

WIR UNTERSTÜTZEN DIE REGION,<br />

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Es ist wichtig, global zu denken und zu handeln. Aber mindestens ebenso<br />

wichtig ist es, in <strong>der</strong> Region aktiv zu sein. Gerade die Sparkassen-Finanzgruppe<br />

engagiert sich in den unterschiedlichsten Bereichen vor Ort. Denn<br />

wir sind auch vor Ort. Es liegt also nicht zuletzt auch in unserem eigenen<br />

Interesse, die Regionen zu unterstützen und zu för<strong>der</strong>n. www.sparkasse.de


<strong>Westfalen</strong>-<br />

Initiative<br />

Stiftung und Verein<br />

Geschäftsstelle:<br />

Piusallee 6<br />

48147 Münster<br />

Telefon 0251/5916406<br />

Fax 0251/5913249<br />

www.westfalen-initiative.de<br />

Vorstandsvorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Stiftung <strong>Westfalen</strong>-Initiative<br />

für Eigenverantwortung und Gemeinwohl:<br />

Dr. Hans Wielens<br />

Vorsitzen<strong>der</strong> Verein <strong>Westfalen</strong>-Initiative e.V.:<br />

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann

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