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Pfarrblatt Nr. 3 - Pfarrei Heitenried

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ThemaWas Ostern für die

ThemaWas Ostern für die Christen bedeutetGrünewald „Die Kreuzigung“Osterhasen, Ostereier und Ostergeschenke – Ostern ist immermehr zu einem Frühlingsfest geworden. Dabei ist inVergessenheit geraten, dass es einen religiösen Ursprunghat.Für Karl Barth war „der Grünewald das Wichtigste“. Als jungerMann hatte er eine Abbildung des berühmten IsenheimerAltares in seinem Studierzimmer. Kurz vor seinemTod schrieb der evangelische Theologe, der zu den bedeutendstendes 20. Jahrhunderts zählt, dass „das GrünewaldschePassionsbild nun seit 50 Jahren vor mir hängt“. DasAltarbild aus dem 16. Jahrhundert hat ihn ein Leben langbegleitet und inspiriert. Zusammen mit Martin LuthersKreuzestheologie markiert es eine geistige Zäsur, die bis indie Moderne prägend bleiben sollte.Das erste christliche Jahrtausend hatte sich noch generellgeweigert, das Kreuz als Zeichen der Schmach und des Leidensdarzustellen. Es galt vielmehr als Ausweis des Siegesüber den Tod. Und der Gekreuzigte erschien stets in derRolle des Herrschenden und Triumphators. Folge war,dass der Karfreitag als Erinnerung an den Todestag Jesuverblasste, dagegen das Osterfest umso pompöser und feierlicherstrahlte. Luther empfand diese, wie er es nannte,„Theologie der Herrlichkeit“ als Ärgernis und Illusion. Nurdas Kreuz nenne die Dinge wirklich beim Namen, betonteer. Denn das Kreuz zeigt, dass Gott den Menschen zerstörenkann, wie er auch seinen Sohn zerstört hat. Gott istnicht nur lebensfördernd, sondern auch lebenszerstörend.Zeitgenosse Luthers war der Maler Matthias Grünewald.Genau in den Jahren, als Luther erste Gedanken zu seinerKreuzestheologie als Gegenprogramm zu dem kirchlichenTriumphalismus der Auferstehung entwarf, vollendete derKünstler 1515 die wohl radikalste Darstellung eines SterbensJesu.Grünewalds Altarbild ist die perfekte Illustration der GedankenLuthers. Auftraggeber waren die IsenheimerAntoniner, ein Orden, der ein Heim für schwer leidendeBrauchtum – HeiliggräberEin Brauch, der in den römisch-katholischen Regionen der Ostschweiz einstweit verbreitet war, heute aber weitgehend verschwunden und vergessenist, war die Errichtung von Heiliggräbern in Kirchen.Am Donnerstag vor Ostern wurde ein bis zu fünf Meter hohes Heiliggraberrichtet. Eine Figur oder ein Gemälde, das den Leib Christi repräsentierte,wurde dann am Karfreitag ins Grab gelegt. Die Menschen kamen und betetendavor und zogen manchmal von einer Kirche zur anderen.Während der abendlichen Ostermesse wurde der Leib verborgen, und eserschien eine Figur des auferstehenden Christus.„Das war sehr beeindruckend und ergreifend. In den Köpfen und Herzenjener, die das erlebt haben, hinterliess es einen bleibenden Eindruck.“10und unheilbar Kranke unterhielt. Sie alle hatten die Verpflichtung,zusammen mit den Mönchen zum Chorgebetzu erscheinen. Für die auf Genesung Hoffenden war dasdüstere Kreuzesbild täglicher Anblick: Die innere Not desSterbens ist dem toten Jesus noch ins Gesicht geschrieben– der halbgeöffnete Mund mit gequollener Zunge, die Müheder letzten Atemzüge und in den steilen Stirnfalten dieAnstrengung der letzten Bewusstseinsmomente.Grünewald waren die Verhältnisse in dem Isenheimer Siechenheimzweifellos bekannt. Er wollte den Kranken bewusstvor Augen halten, dass selbst dem Sohn Gottes dieQual des Sterbens nicht erspart blieb, weder durch einenwunderbaren Eingriff, noch durch einen besonderenTrost vom Himmel. Jesus starb keinenhimmlisch-sinnvollen Tod, er starbvielmehr als Mensch – elendig undmühselig.Der Ansatz von Luther und Grünewaldhat im Denken des Abendlandes tiefeSpuren hinterlassen und vor allemden Protestantismus geprägt. Gott istfern und unverständlich – gar gleichgültig,dauernd abwesend oder tot.Ebenso fremd, verstörend und unerklärlichbleibt das Rätsel des Leidens,nicht neutralisierbar oder übertünchbardurch fromme Deutungen. ImUnterschied zur katholischen Kirchegilt in der evangelischen Kirche nichtOstern, sondern der Karfreitag alshöchster Feiertag. Dagegen gelangte

Thema24, Verse 37-38). Den Grund dafür lässt der Apostel Paulusin seinem Brief an die Christen an Korinth erkennen. Er istzwei Jahrzehnte nach Ostern geschrieben. Paulus findetWorte fürs Wunder, indem er zur Schöpfung zurück gehtund aus den ersten Abschnitten der Bibel zitiert: „Der ersteMensch, Adam, wurde ein lebendiges Wesen, der letzteAdam wurde Leben spendender Geist… Der erste Menschist aus Erde, ein irdischer, der zweite Mensch ist vom Himmel“(Korinter, Kapitel 15, Verse 45-47).Ostern ist nicht ein Wunder in der Schöpfung – die Auferstehungist eine neue Schöpfung! Jesus hat gestorbeneMenschen ins Leben zurückgerufen (etwa Lazarus,Johannes, Kapitel 11), doch sie sind sterblich geblieben. Erselbst wird von Gott an Ostern mit einem himmlischen Lebenausgestattet. Dieses Leben hat es noch nicht gegeben,es ist nicht den Gesetzen dieser Schöpfung unterworfenund es wird nicht enden.Es ist ein starker Beleg für die Wahrheit der Osterberichtein der Bibel, dass sie nicht bloss den Schock, sondern auchden Unglauben der engsten Freunde von Jesus, den Unwillenzu glauben und den Zweifel festhalten (Markus 16,8;Lukas 24,25.41; Johannes 20,25-29).Woher kommen die Osterbräuche?Für die Deutung des Wortes Ostern für das christlicheHauptfest in der deutschen und englischen Sprache könnenheute ernsthaft nur Erklärungen herangezogen werden,die vom christlichen Hintergrund des Festes ausgehen:Entweder kommt Ostern schlicht von angelsächsischim Katholizismus der Tag des Kreuzestodes Jesu erst durchdas Zweite Vatikanische Konzil in den Rang eines offiziellen eastron, das die Morgenröte bezeichnet, mit der die Osternachtendet und das Fest beginnt; oder eastron sollte eineFeiertages.Ostern ist sehr viel mehr als Schoggihasen und Ostereier Übersetzung der „Weissen“ Woche oder der weissen Tagesuchen. Jesus ist von den Toten auferstanden! Damit beginnteine neue Welt. Gibt es die passenden Worte für der die Neugetauften in ihren weissen Osterkleidern in die(hebdoma alba oder diei albae) sein, der „Osterwoche“, indieses Wunder? Die Auferstehung von Jesus ist einmalig, Kirchen kommen mussten; neuerdings aber hat der GöttingerSprachwissenschaftler Jürgen Udolph „Ostern“ her-einzigartig und epochal – sie leitet eine neue Weltzeit ein!Sie ist das Wunder der Wunder: Alle Kräfte, die unsere Welt geleitet vom altnordischen „austr“ = begiessen und damitbestimmen, ruhen hier – und Gott schafft etwas Neues, das vom zentralen Tun der Kirche bei diesem Fest, dem Taufen,das seine Spuren u.a. auch in den Bräuchen um dases nicht gab, etwas Neues, das dieser Welt qualitativ überlegenist und das Zeug hat, an ihre Stelle zu treten. Jesus, Osterwasser hinterlassen hat.der aus dem Grab in Jerusalem heraus erweckt wird, ist derAnfang, der Erste, der Fürst der neuen Schöpfung. Was zu Ostern gehörtFestcharakter und Festbrauch sind vor allem von der Verkündigungdes christlichen Hauptfestes bestimmt, dieSchockierte, ungläubige AnhängerDas ist schlicht unfassbar; es passt nicht in unsere Köpfe. sich ausdrückt in der liturgischen Gestaltung des FestesAm Ostertag, dem dritten nach der Hinrichtung von Jesus, einschliesslich seiner Vorbereitungszeit sowie in den gelesenenalttestamentlichen Texten und den Festevangelien.erleben einige, die Jesus sehr nahe gestanden haben, ihnals den Auferstandenen. Sie kommendamit gar nicht zurecht. Die erste ist Brauchtum – Prozessioneneine Frau, Maria aus Magdala. In demEinige bemerkenswerte Traditionen haben überlebt – und wurden gar zuMoment, da sie Jesus erkennt, sagt erihr: „Fass mich nicht an! Denn noch Touristen-Attraktionen. So etwa in Romont im Kanton Freiburg, wo schwarzbin ich nicht hinaufgegangen zum gekleidete Klageweiber („Pleureuses“) mit verhüllten Gesichtern am Karfreitageine Prozession bei der Kirche veranstalten und auf roten Kissen dieVater“ (Die Bibel, Johannes, Kapitel20, Vers 17). Die Männer, die jahrelangmit ihm durchs Land gezogen sind,Symbole des Leidens Christi mittragen. Ein Büsser trägt das Kreuz.wollen es nicht glauben, dass er auferstandenist. Seine Erscheinung un-In Mendrisio im Kanton Tessin wird an Gründonnerstag und Karfreitag inaufwändigen Prozessionen die Ostergeschichte nacherzählt.ter ihnen verstört sie (Lukas, Kapitel11

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