Lust auf Bayern 2015

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In Bayern bekommen Sie immer Lust auf Natur.
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Bayern bietet viele Möglichkeiten, die Natur aktiv
zu genießen.
Zur Entspannung zeigen wir Ihnen die schönsten
Wellness-Oasen und machen Ihnen Lust auf die
bayerische Küche.

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Lust auf Bayern

2015

BAYERN

Erleben & Genießen

Bayerische Küche

Für jeden Hobbykoch

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• Die schönsten Winterorte

• Vielfältiges Sportangebot

• Top-Events & Geheimtipps

Brauereigasthöfe

Der ursprüngliche Genuss von Bier

Trachten

Tradition & Brauchtum

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Lust auf Bier

500 Jahre

Reinheitsgebot

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Foto: © fotolia.com

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EDITORIAL

Dr. Markus Söder

Finanz- und

Heimatminister

BAYERN

die ist spürbar ungebrochen.

Bayern ist in Deutschland Tourismusland Nr. 1. Der Freistaat ist

berühmt für seine klaren blauen Seen, seine Berge und seine Kultur.

Wir haben viele Sehenswürdigkeiten, darunter einzigartige

Schlösser, Burgen und Parkanlagen.

Die Bayerische Schlösserverwaltung betreut ein kulturhistorisches

Erbe von Weltrang. Mit 45 Burgen, Schlössern und Residenzen

und rund 80 verschiedenen Museen ist sie der größte staatliche

Museumsträger in Deutschland. Neuschwanstein etwa ist mit

Abstand das beliebteste Schloss in Bayern und weltweit bekannt.

Die Residenz Würzburg oder das Markgräflichen Opernhaus Bayreuth

gehören zum Welterbe der UNESCO. Die Ensembles europäischer

Architektur ziehen jährlich über fünf Millionen Besucher

aus aller Welt an, von Aschaffenburg und Burg Lauenstein bis zum

Königshaus auf den Schachen oder St. Bartholomä am Königssee.

Das bedeutende kulturelle Erbe wird bewahrt und gleichzeitig mit

Leben erfüllt, etwa mit Sonderausstellungen und der Möglichkeit,

Räume für Veranstaltungen nutzen zu können. In vielen Objekten

besteht die Möglichkeit, Räume für Konzerte, Lesungen, Vorträge

oder Ausstellungen zu mieten. Von der Ausstrahlung und der

Anziehungskraft der Sehenswürdigkeiten profitiert die heimische

Wirtschaft unmittelbar, nicht nur die Tourismusbranche.

Überall in Bayern gibt es prachtvolle Schätze aus vielen Jahrhunderten

der reichhaltigen Geschichte zu entdecken. Sie laden ein

zum Flanieren, Anschauen, Lernen und Genießen – sie machen

Lust auf Bayern.

Finanz- und Heimatminister

Dr. Markus Söder

3


INHALTSVERZEICHNIS

16

FRESKENHOF

DENKMALPFLEGE MIT HERZ

8

TRACHTEN FÜR

JUNG & ALT

20

GLASBLÄSEREI

DER GLÄSERNE WALD

4


Inhalt

BRAUCHTUM

30

REINHEITSGEBOT

8 Trachtenlandschaft Bayern

16 Freskenhof: Denkmalschutz

20 Glasbläserei im Bayerischen Wald

24 Wolf auslassen: großes Spektakel

GENUSS

30 Bayerisches Reinheitsgebot

38 Weisswurst: Wie wird sie gemacht?

38

WEISSWURST

44 Brauereiwirtschaften in Bayern

50 Wirtshaus in der Au

56 Knödel-Rezepte

66 Typisch bayerische Küche

70 Fernsehkoch Andreas Geitl

84 Nachspeisen-Rezepte

WINTERURLAUB

98 Berchtesgaden

102 Chiemgau

56

KNÖDEL-REZEPTE

108 Schliersee-Tegernsee

114 Karwendel

118 Garmisch-Partenkirchen

122 Allgäu

126 Ostbayern / Bayerischer Wald

GESUNDHEIT

84

NACHSPEISEN

92 DAS GRASECK

Wellness & Prevention

SERVICE

3 Vorwort

130 Schlusswort / Impressum

5


Florenz

Verona


Servus

ITALIEN

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BRAUCHTUM | TRACHTEN

Querschnitt der

Gebirgstrachten: Peiting,

Hofstetten, Burggen,

Steingaden/Jugend

Gebirgstrachten

Bei den Gebirgstrachtenvereinen tragen die Frauen die oberbayerische

Miesbacher Tracht hauptsächlich in den Farben weinrot,

grün, grau und blau mit aufgenähten Samtbändern an Rock und

Ärmeln, dazu ein schwarzes Steif- oder Samtmieder mit silbernen

Haken und Silberg’schnür, seidener Schürze und langfransigem

Schultertuch, weiße, lange Strümpfe, die Unterwäsche aus weißer

Leinenspitzenhose sowie einen Unterrock mit Spitzenbesatz.

Schwarze Trachtenschuhe runden das Bild ab. Die mehrgängige

Halskette ist allgemein üblich, nur der grüne Plüschhut unterliegt

landschaftlichen Varianten. So wird das Gebiet südlich von Schongau

der schmalkrempige, hohe Lechtalerhut getragen, andernorts

der flache Miesbacher Hut, den in jedem Fall ein Adlerflaum ziert.

8


BAYERN

GMÜATLI SAMA

Ob jung oder alt, in Bayern trägt man Tracht. Egal zu welchen

Anlässen, ob auf der Wies’n (Oktoberfest), Hochzeiten oder

Familienfeiern. Und die bayerische Tracht steckt voller Reize. So

kann man z.B. an den Knöpfen erkennen, ob jemand verheiratet ist

und an der Kleidung sieht man, aus welcher Region jemand kommt.

Aber Hauptsache: Gmüatli sama (gemütlich sind wir).

9


BRAUCHTUM | TRACHTEN

9

Unterfranken

21

Oberfranken

18

8 24

Mittelfranken

Oberpfalz

17

22

19

15

14

Niederbayern

20

Schwaben

13

Oberbayern

5 11

4

6

3

2

10 16

1

7

25

12

23

* Stand 2011

TRACHTENVEREIN SITZ GRÜNDUNG VEREINE MITGLIEDER WEB-ADRESSEN

1 Gauverband I Traunstein 1889 117 39.985 www.gauverband1.de

2 Oberlandler Gau Miesbach 1899 49 14.233 www.oberlander-gau.de

3 Bayerischer Inngau Trachtenverband Rosenheim 1903 40 13.029 www.inngauertrachtenverband.de

4 Lechgauverband Hohenpeißenberg 1908 19 3.513 www.lechgau-trachtenverband.de

5 Trachtengau München und Umgebung München 1910 12 1.417 www.trachtengau.org

6 Huosigau Weilheim 1911 28 5.465 www.huosigau.de

7 Allgäuer Gauverband Immenstadt 1912 45 4.339 www.allgaeuer-gauverband.de

8 Vereinigung links der Donau Nürnberg 1914 49 1.537 www.vldd.de

9 Rhein-Main-Gauverband Aschaffenburg 1914 23 2.258 www.rheinmaingauverband.de

10 Loisacher Gauverband Penzberg 1919 29 5.116 www.loisachgau.de

11 Isargau München 1919 63 7.279 www.isar-gau.de

12 Oberer Lechgauverband Füssen 1920 23 4.904 www.oberer-lechgau.de

13 Altbayrisch-Schwäbischer Gau Augsburg 1920 34 4.861 www.gauverband.info

14 Trachtengau Niederbayern Deggendorf 1923 50 9.026 www.niederbayerngau.de

15 Donaugau Ingolstadt 1925 32 6.143 www.donaugau-trachtenverband.de

16 Chiemgau Alpenverband Marquartstein 1926 23 7.922 www.chiemgau-alpenverband.de

17 Gauverband Oberpfalz Regensburg 1926 11 1.655 www.gau-oberpfalz.de

18 Trachtenverband Oberfranken Bayreuth 1927 41 4.924 www.trachtenverband-bayern.de/gaue

19 Bayerischer Waldgau Viechtach 1931 38 5.921 www.bayerischer-waldgau.de

20 Dreiflüssegau Passau 1932 45 8.530 www.dreifluessegau.de

21 Trachtenverband Unterfranken Würzburg 1947 33 3.805 www.trachtenverband-unterfranken.de

22 Oberpfälzer Gauverband Regensburg 1993 50 8.145 www.oberpfaelzer-gauverband.de

23 Oberländer Trachtenvereinigung Garmisch 1948 31 8.234 www.oberlaendertrachtenvereinigung.de

24 Gauverband Mittelfranken Nürnberg 1969 38 3.300

25 IG Tracht Oberallgäu Oberstorf 1969 22 6.411 www.ig-tracht.de

10


BAYERN

Bayern ist einmalig, weil es in den

Trachten so vielfältig ist“, dies sagte

Franz Josef Strauß auf einer großen

Kundgebung 1983 auf dem Münchner

Marienplatz. Aber wie hat das Thema

Trachtenvereine eigentlich angefangen?

In einem der südlichsten Orte in Bayern,

in Bayrischzell, haben der Volksschullehrer

Josef Vogel (1848 -1886)

und fünf Burschen bei einem Stammtischgespräch

Klage darüber geführt,

dass die kleidsame

Tracht im Verschwinden

begriffen

sei und man

nur noch höchst

selten einen Jäger

in der kurzen Hose

einhergehen sieht. Die Folge dieser

Unterhaltung mit dem Ausspruch

des Lehrers. „Wißt’s wos, gründ‘ ma

a’n Verein“ war 1883 die Umsetzung

dieses Gedankens und erstmals hatte

ein Verein in seiner Satzung als Zweck

stehen: „Wiederauffrischung der im

Verschwinden begriffenen kleidsamen

Volkstracht“. Viele Vereine wurden

in der Folgezeit gegründet und bald

erkannt man, dass nur durch Gemeinsamkeit

und Geschlossenheit die Ziele

weiter verfolgt und ausgebaut werden

können. So gründete sich 1890 der erste

Gauverband mit Sitz in Traunstein.

Dessen Gebiet erstreckte sich rund um

den Wendelstein, an den Tegernsee und

über Rosenheim bis Aschau im Chiemgau.

Die zunehmende Zahl der „Vereine

taufen“ sowie der Wunsch der „Neuen“

Bayern,

do bin i

dahoam

auch einmal das Gaufest ausrichten zu

dürfen, aber auch die immer längeren

Wege zwischen den Orten führte zur

Gründung weiterer regionaler Gauverbände,

welche sich nach mehreren vergeblichen

Anläufen im Jahre 1925 zu

den „Vereinigten Trachtenverbänden

des bayerischen Oberlandes“ zusammenschlossen.

Einige Jahre vorher, 1909, gründete sich

aus Einzelvereinen ein Landesverband,

dessen Struktur die

Mitgliedschaft von

Vereinen und nicht

von Gauverbänden

war. Mit über

19.000 Mitglieder

und rund 300 Trachtenvereinen

aus zehn Gauverbänden

war der Grundstock für den Vorgänger

des heutigen Bayerischen Trachtenverbands

gelegt. Bald schlossen sich nacheinander

die schwäbischen, fränkischen

und oberpfälzischen Gauverbänden an.

Dagegen blieben der 1909 gegründete

Landesverband sowie die „Kochler Vereinigung“

diesem Bündnis fern.

Die Jahre vergingen und so konnte

1983 das „Jahrhundertfest der Bayerischen

Trachtler“ gefeiert werden. Ein

Heimatabend in der Oberlandhalle in

Miesbach zeigte die gesamte Bandbreite

unverfälschter Volksmusik und -gesang,

Plattler und Tänze aus ganz Bayern.

Am 3. Juli 1983 erlebte München

dann eine friedliche Demonstration, als

23.000 Trachtlerinnen und Trachtler

mit zahlreichen Musikkapellen durch

die Prachtstraßen marschierten. Vorausgegangen

war ein Gottesdienst auf

dem überfüllten Marienplatz, bei dem

der damalige Ministerpräsident Franz

Josef Strauß ob des großartigen Anblicks

ausrief; „Bayern ist einmalig!“

Immer wieder wurde versucht, die Einheit

der Bayerischen Trachtler durch

den Zusammenschluß beider Dachverbände,

dem „Landesverband bayerischer

Heimat- und Volkstrachtenvereine“ um

dem inzwischen umbenannten „Bayerischen

Trachtenverband“, herzustellen.

War es doch für offizielle Stellen,

sei es die Staatsregierung, Ministerien

oder andere Stellen verwunderlich, dass

zwei Dachverbände mit den gleichen

Satzungszielen getrennt ihre Wünsche

und Anliegen vorbringen, u.a. auch Zu-

Auf 320 Seiten mit zahlreichen Farbund

Detail-Abbildungen präsentiert der

Bayerische Trachtenverband nach rund

fünfjähriger Vorbereitungszeit und intensiven

Arbeiten das Buch „Trachtenlandschaft

Bayern“ der Öffentlichkeit.

Das Buch zeigt die Vielfalt der bayerischen

Trachten in allen Regierungsbezirken. Der

Bayerische Trachtenverband verzeichnet

in seinen 22 Gauverbänden derzeit 823

Heimat- und Trachtenvereine, etwa 163.000

erwachsene Mitglieder und über 100.000

Jugendliche. Ein Buch (25 €), das in keinem

bayerischen Haushalt fehlen sollte.

www.trachtenverband-bayern.de

schussanträge. Nach einem „Fast“-Erfolg

zum Bündnis in den 90er Jahren war es

dann 2002 so weit: die beiden Dachverbände

des Tarchtenvereins in Bayern

verschmolzen am 17. September unter

dem Namen „Bayerischer Tarchtenverband“

mit insgesamt 24 Gauverbänden,

992 Vereinen und 202.239 erwachsenen

Mitgliedern. Dazu kamen noch rund

100.000 Kinder und Jugendliche. So

konnte der Spruch „Einig vom Watzmann

bis zum Bodensee“, welcher die

1925 erfolgte Verbindung der Trachtler

an die Alpenkette bezeichnete, ausgeweitet

werden auf ganz Bayern: „Einig

vom Spessart bis zum Königssee, vom

Allgäu bis zum Arber“, o.ä. zumindest für

kurze Zeit. Derzeit gibt es in Bayern etwa

980 Trachtenvereine, welche in 25 Gauverbänden

zusammengeschlossen sind. 22

davon bilden mit 823 Vereinen den „Bayerischen

Tarchtenverband e.V.“

11


REISEN BRAUCHTUM | SCHLIERSEE | TRACHTEN & TEGERNSEE

Der Schalk

Der Schalk ist das jüngste Kleisungsstück in der Tracht des Oberlandes,

taucht kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts in der heute

bekannten Form auf. Reichlich und kunstvoll verziert an Rückenund

Schulterteil, mit eng anliegendem, gereihten Ärmeln wird das

Schalkoberteil mit Ketterl und Nadeln zusammengehalten. Das

„Schmiesei“ und das in Falten gelegte Schalktuch bedecken größtenteils

den Ausschnitt. Das vielfach gefaltete Rückenschlößl und

die nach oben stehenden Seitenschlößl sind auffällige Unterschiede.

z.B. zum Kasettl. Dazukommen der bis zum Boden reichende

Seidenrock mit dem farbigen oder weißen Schurz sowie der Goldschnurhut

und der schwarze Miesbacher Schnürschuh. Meist wird

der Schalk als Brautkleid zur Hochzeit angefertigt, später ist er

dann das Festgewand der verheirateten Frau. Eine Besonderheit

ist die goldene Schalkkette, die über die Rückenverzierung gelegt

und vorn am Schmiesei mit einer Brosche gehalten wird. Den

Brustausschnitt zieren Blumen mit etwas Grün. Für einen Schalk

werden eta 10 cm Stoff, 40 m Spitze sowie für das dazugehörige

Einstecktuch mit Schürze 2,5 m Seide verarbeitet.

12


BAYERN

Miesbacher Tracht

der Mannerleut

Der wesentliche Teil der Männdertracht sind Joppe, kurze Lederhose,

Strümpfe, Schuhe und ein Hut. Die Joppe ist aus grauem oder silbergrauem

Tuch gefertigt, ohne Rückenspange, mit grünem Stehkragen und

beiderseitigen Aufschlägen. Zwei Knopfreihen aus Hirschhorn zieren

das Vorderteil. Die Joppen im Tegernseer Tal, Lenggries, Tölz und der

Jachenau unterscheiden sich in Farbe, Auszier und Rückenteil von der

Miesbacher Machart. Unter der Joppe wird das grüne Kettlgilet (Leibl,

Weste) getragen. Der herzförmige Halsausschnitt und die geschwungenen

vier Taschen sind rot paspeliert. Oberhalb der Silberknöpfe hält das

Kettl die beiden Seiten zusammen und eine Talerkette mit Taschenuhr

runden das Bild ab. Anstelle der Westen wird bei manchen Vereinen auch

der Ranzen oder Fatsche, eine meist bestickte, lederne Bauchbinde getragen,

die früher als Geldkatze bekannt war. Zum weißen Biesenhemd aus

Leinen gehört als Krawattl das farbige Tuch oder ein gehäkeltes Bindl.

Die kurze, schwarze Lederhose ist mit Plattstich gelblich-grün bis dunkelgrün

gestickt und ausgenäht und seitlich mit Wollbändern in den Farben

der Stickerei gebunden. Ihr Schnitt schwankt von der bis zur Kniescheibe

reichenden engeren Form bis zur kürzeren etwas weiteren Machart. Die

Hose wird von einem ledernen Hosenträger, mit Steg quer über der Brust,

gehalten. Der Quersteg weist mancherlei Auszier auf, wie etwa ein gesticktes

Wappen. Die Riemen der Hosenträger sind auf dem Rücken gekreuzt.

Zur „Kurzen“ werden graue oder weiße gemusterte mit einem Überschlag

verzierte Strümpfe oder Loferl getragen, dazu der Miesbacher Halbschuh,

Plattler- oder Haferlschuh.

13


BRAUCHTUM | TRACHTEN

Jugendtanztrachten

Für die Dirndl in der Kinder- und Jugendgruppe gibt es

in den meisten Vereinen ein einfaches „Miederg’wand“

in der gleichen Farbe wie bei den „Großen“. Ein schwarzes

Samt- oder Leinenleibl ersetzt das Mieder und ein

Samtband mit Goldfäden und Perlen bestickt oder Ähnliches

dient als Halsschmuck.

14


BAYERN

Chiemgauer

Tanztracht

Zur Tanztracht gehören das Mieder, eine Bluse

mit Puffärmel, der Drehrock, weiße Strümpfe,

Seidenschürze, Seidentuch und Spangenschuhe.

Die Kropfkette, Trachtenohrringe, die Filigranhaarspange

und Haarnadeln zieren das Dirndl,

welche ihre Haare zu einer Gretlfigur aufgesteckt

hat. Bei Prozessionen und Hochzeiten

wird ein Myrtenkranz anstatt des Hutes aufgesteckt.

Der Blumenschmuck im Ausschnitt wird

immer getragen (ausgenommen Beerdigungen

und Gedenkwallfahrten).

Altpassauer Goldhaubengruppe

Die Goldhaube, so wie sie im Donauraum

bekannt ist, entstand im 18. Jahrhundert

in der Gegend um Linz. Da sie schnell ihr

entsprechendes Ebenbild in Passau fand,

spricht man heute neben der „Linzer“auch

von der „Passauer“ Haube. Das Verbreitungsgebiet

wuchs nach der Einführung

1920/30 Inn-aufwärts ins Rottal und

Donau-abwärts bis Deggendorf und in

den Bayerischen Wald hinein. Sie war je

nach Wohlstand und Zweck reichlich

geschmückt und aufwendig verarbeitet.

Die Passauerinnen rückten die Haube von

der Stirn noch etwas zurück, so dass die

Haarse sichtbar wurden. Charakteristisch

ist für die Passauer Kleidung dieser Zeit

auch das große, wollene Umhangtuch, der

„Wiener Schal“ mit Ornamenten türkischer

Muster. Weitere schmückende Beiwerke

sind weiße, fingerfreie Handschuhe

(Stützel), ein Goldhaubensträußerl und

eine Perlentasche.

15


BRAUCHTUM | FRESKENHOF

Der Freskenhof ein bürgerlich-humanistischer,

religiös-christlicher Kunsthof in

Palazzo-Charakter in bayrisch-russischer

Art, das einzig erhaltene Zeugnis als

Gesamtkunstwerk des Malers Franz Höck.

Fotos: © Stefan Schütz und Christian Mack

Die Initialen IS weisen auf

Isidor Sailer – den Begründer

des Handelsimperiums in

Moskau-Petersburg hin.

16

Die Hl. Lucia mit

Blütenkranz im Haar.

Detail aus den reich gestalteten

Medaillons über dem

Haupteingang.


DENKMALSCHUTZ

DENKMALPFLEGE

MIT HERZ

Er ist 250 Jahre alt und allein der Anblick begeistert. Der Freskenhof in

Eglfing im Pfaffenwinkel ist ein bemerkenswertes Baudenkmal.

Seit über 40 Jahren arbeitet eine Restauratoren-Familie an dem Anwesen.

Schuld an allem ist eine Annonce aus

dem Jahre 1970. „Alte Türen und Öfen

zu verkaufen“ Toni Mack, der Restaurator,

Kirchenmaler- und Vergoldermeister,

fährt sofort hin – zum ehemaligen „Bürgermeisterhaus“.

Die ursprüngliche Pracht

des Anwesens ist nur noch zu erahnen, als

Toni Mack zum ersten Mal das Grundstück

betritt. Das 1762 erbaute Haus ist

teilweise verfallen, seit Jahrzehnten vegetiert

es vor sich hin. Der Eigentümer will

es abreißen, in spätestens vier Tagen. Der

Bagger warte schon. Doch vorher will er

die alten Öfen und Türen noch zu Geld

machen. Der Restaurator merkt allerdings

nach ein paar Minuten, dass ihm die alten

Türen zwar sehr gut gefallen – er aber das

ganze Haus will.

So hat das alles angefangen vor 45 Jahren.

Toni Mack, 80, steht im Garten des Freskenhofs,

dessen Name er geprägt hat und

wie heute jeder das prächtige Haus nennt.

Er sagt: „Ich bin glücklich und schwebe auf

der Wolke der Zufriedenheit.“ Die Macks

wohnen zu siebt hier, Toni Mack, seine

Ehefrau Renate, Sohn Christian, Schwiegertochter

Margot und die kleinen Enkeln

Lucia, Marina und Marinus. Seit über vier

Jahrzehnten arbeitet die Restauratoren-

Familie jetzt schon an ihrem Haus. Ca.

600 Besucher kommen im Jahr, Kollegen

aus aller Welt, Professoren, Denkmalpfleger

bis hin zu Schulklassen. Alle bestaunen

sie, was die Macks mit ihrer eigenen Hände

Arbeit geleistet haben.

Der Freskenhof – er ist ein 250 Jahre altes

Denkmal zum Anfassen. „Denkmalpflege

bedeutet nicht neu machen, sondern

bewahren.“, so Sohn Christian, heute Diplom

Restaurator. „Auch wenn in vielen

Bereichen des Hofes der Holzwurm drin

ist“, sagt er, ist das kein Grund zur Besorgnis.

„So ein Holzwurm frisst lange und es

gibt heute ungiftige Methoden ihn zu bekämpfen.“

DIE PERFEKTE RESTAURIERUNG

Umwelteinflüsse, Verschmutzungen, Ablagerungen

und mechanische Beschädigungen

zählen zu den häufigsten Faktoren,

die eine Restaurierung erforderlich

machen. Diese bewirken substanzielle

Veränderungen der Materialeigenschaften

und letztlich auch deren chemische wie

physikalische Funktionsweise.

Die Materialien von einst funktionieren

heute oft nach neuen Gesetzmäßigkeiten.

Diese muß der Restaurator durch natur-

17


BRAUCHTUM | FRESKENHOF

Toni Mack im Atelier

bei der Untersuchung

eines Tafelbildes.

Das Baudenkmal bis

2009 erlebbar mit den

stark geschädigten

Fassadenmalereien.

wissenschaftliches Vorgehen vor Beginn

jeder Maßnahme ergründen. Dafür stehen

ihm verschiedene Untersuchungsmethoden

zur Verfügung, die im Endergebnis

ein Konzept zur Ausführung aufzeigen.

Selbst kleine Konzept-Fehler können zu

unwiederbringlichen Verlusten führen

- und in Folge natürlich zu einem Wertverlust

für das betreffende Objekt. Erfahrung

ist hier oft wichtiger als überzogene

Untersuchungs-Methodik, die die Kosten

einer Restaurierung manchmal nur unnötig

verteuert. Geduld, künstlerisches

Einfühlungsvermögen und umfangreiche

Kenntnisse über Material-Technologien

und künstlerische Techniken, dies sind die

wesentlichen Fähigkeiten, die ein Restaurator

für seine Arbeit mitbringen muß.

In den letzten Jahrzehnten wurde eine unüberschaubare

Vielfalt neuzeitlicher Materialien

entwickelt. Diesen fehlt der Beleg

für die Zeit ihrer Haltbarkeit wie auch

für die daraus resultierenden chemischen

Wechselwirkungen bei Abbauprozessen.

Diese Tatsache erfordert heutzutage in

hohem Maße die Auseinandersetzung mit

modernen Werkstoffen und naturwissenschaftlichen

Analysemethoden. Zeichnen

sich Schadensbilder an einem Objekt ab,

ist es geboten, diese in absehbarer Zeit

konservatorisch zu kontrollieren und ggf.

zu beheben. Je länger man Schäden hinnimmt,

desto größer werden die Folgekosten.

Restaurieren muß nicht teuer sein,

wenn es rechtzeitig geschieht ...

KONSERVIERUNG & RESTAURIE-

RUNG

Schutz und Erhalt unseres kulturellen Erbes

ist eine besonders verantwortungsvolle

Aufgabe. Als „konservatorische Maßnahmen“

bezeichnet man jene, die erforderlich

sind, um ein Objekt in einen Zustand zu

bringen, in dem bestehende Schäden gesichert,

weiterer Verfall abgewendet und

wenn möglich zukünftige Schadensmechanismen

ausser Kraft gesetzt werden.

Als „restauratorische Maßnahmen“ bezeichnet

man alle weiterführenden Schritte,

die als - wenn möglich - reversible, d.h.

wiederentfernbare Eingriffe, meist „kosmetischen

Charakter“ haben.

Ist eine Reversibilität nicht gewährleistet,

Erforschen der

Maltechnik des

freigelegten

Pfettenornamentes.

Die Philosophie

der Restauratoren-

Familie in kunstvoller

Pinselschrift.

18


DENKMALSCHUTZ

Restauratoren Toni und Renate Mack (links)

Dipl. Restaurator Sohn Christian und Margot (rechts)

steigt das Maß der Verantwortung, denn

mit diesen Eingriffen darf keinesfalls die

eigentliche, geschichtsgeprägte Aussage

des Objektes beeinträchtigt oder verloren

gehen. Die hierfür verwendeten Materialien

müssen über besondere Eigenschaften

verfügen, so z.B. die höchst machbare Alterungsbeständigkeit

und Stabilität. Sie

müssen aber für den Fall daß sie ausgetauscht

werden müssen, wieder Möglichkeiten

und Wege offenhalten für eine

Entfernung. Gerade die, in die Ästhetik eines

gealterten Kunstwerks eingreifenden

Restaurierungsmaßnahmen können das

Erscheinungsbild eines Kunstwerks stark

verändern, verfälschen und sogar einen

Wertverlust herbei führen.

Daher ist das Wissen um die entstehungszeitliche

Intension des Künstlers, die

Bedeutung und der Anspruch des Kunstwerks

innerhalb der Epoche sowie die

natürliche und restaurierungsgeschichtliche

Alterung ein steter Bestandteil der

Planung im Rahmen einer fachgerechten

Restaurierungsmaßnahme. Innerhalb der

restauratorischen, also der ästhetischen

Bearbeitung werden der gewachsene Zustand

des Kunstwerks, die Würde und

das Alter respektiert und behutsam eine

Verbesserung der ästhetischen Gesamterscheinung

hergestellt.

KULTURGUT BRAUCHT SCHUTZ

Der Freskenhof (Russenhaus) – einst von

kunstsinnigen Edelleuten anno 1762 erbaut

( Josef Dichtl, Kaufmann und Großbankier

am Hofe der Zarin zu Moskau,

und Eleonora Francaise, geb. Chanard) –

ist ein Baudenkmal von erhabener Schönheit

und überregionaler, kulturgewichtender

Bedeutung im geschichtsträchtigen

Pfaffenwinkel. Lt. dem Kunsthistoriker

Pater Prof.DDr. Leo Weber ist der Freskenhof

ein bürgerlich-humanistischer,

religiös-christlicher Kunsthof in Palazzocharakter

in bayrisch-russischer Art und

das einzig erhaltene Zeugnis als Gesamtkunstwerk

des Malers Franz Höck.

In den Restaurierungs-Ateliers wird nach

naturwissenschaftlichen Kriterien und

nach Beachtung der internationalen Ehrenkodexes

Kulturgut konservatorisch wie

restauratorisch auf aktuellem Stand der

Erkenntnisse behandelt und verantwortbar

der Nachwelt erhalten.

Das berufliche Spektrum ist durch Zusammenarbeit

mit hoch qualifizierten Kollegen

sehr breit gefächert. Es reicht von der

Beratung über die Objekterfassung bis hin

zur Ausführung. Die Experten beherrschen

die museal orientierte Konservierung

ebenso wie die Rekonstruktion und

künstlerische Weiterführung fehlender

Bereiche bis hin zur kompletten Neugestaltung.

In schwierigen Fällen erforschen

sie neue Verfahren oder führen die gesamte

Projektierung denkmalgeschützter Anwesen

durch.

Kostengünstige und unbürokratische Verfahrensabläufe

sind dabei eine Spezialität.

Wünschen Sie sich einen Spruch in Pinselschrift

an der Wand oder wollen Sie sich

eine Hauskapelle bauen? Übrigens: Die

Famile Mack erhält für Ihr Werk keinerlei

staatliche Förderung. Alle Aktivitäten werden

aus eigener Kraft bewerkstelligt.

ATELIER & WERKSTÄTTEN

Der Freskenhof ist Sitz des gemeinnützigen

Förder-Vereins DMF e.V. Der

wissenschaftlich orientierte Verein verfolgt

ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige

Zwecke durch Förderung der Kunst-, Kultur- und

Denkmalpflege. Der Freskenhof dient als Pilot-

Projekt für sinnvoll praktizierte Denkmalpflege.

Dies im Sinne der Wiederherstellung des

Originalcharakters unter Berücksichtigung

neuzeitlicher Technologien nach dem Stand

der Wissenschaft.

Neben der Weiterführung und Beendigung der

Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen

an dem ehemals existenzgefährdeten historischen

Baudenkmal von Rang – dem

1762 erbauten Freskenhof liegt ein

besonderer Schwerpunkt des Vereins auf

der Öffentlichkeitsarbeit sowie ehrenamtlicher

Beratungsfunktion. In Einbeziehung der

Werkstattbereiche sowie des Restauratoren-

Ateliers der Restauratoren MACK wird das

Gesamtobjekt als Schulungsstätte für impulsgebende

Fachseminare (Kunst- und

Denkmalschutz / -Pflege sowie Heimat- /

Brauchtumspflege) angeboten.

Die Beratungsangebote werden durch diverse

Informations-Möglichkeiten individuell ergänzt,

wozu auch eine aufgabenbezogene Fach-

Bibliothek zur Verfügung steht. Denkmalpflege,

Kulturpflege & Naturschutz bilden eine kraftvolle

Einheit, die sie hier auf lebendige Weise

erfahren können: Entdecken & Erleben Sie

den Freskenhof – mit seinem dazu gehörenden

4.000 qm Modell-Gartenanlagen im

landschaftlich reizvollen bayerischen Voralpen-

Umfeld – in der Nähe des Staffelsees. Besucher

& Gruppenbesuche sind im Freskenhof jederzeit

auf Anfrage herzlich willkommen. Das

Objekt ist ganzjährig geöffnet.

Atelier & Werkstätten MACK

Freskenhof, Hauptstraße 12

D-82436 Ober-Eglfing,

www.freskenhof.de

www.denkmalpflege-freskenhof.de

19


BRAUCHTUM | GLASBLÄSER

DER

GLÄSERNE

WALD

Die Glasbläserkunst

hat im Bayrischen

Wald eine lange

Tradition. Deshalb

findet man hier ein

breites Angebot

mit speziellen

Produkten.

Seit je her ist die Glasherstellung im Bayerischen Wald angesiedelt. Seit mehr

als 700 Jahren werden hier feinste Glaswaren produziert. Entlang der mehr als

200 Kilometer langen berühmten „Glasstraße“ kann man in den Glashütten den

Glasbläsern über die Schulter schauen.

VON ANDREAS GREIL

In der Geschichte der Region spielt Glas

schon lange eine bedeutende Rolle und

hat im Oberpfälzer und Bayerischen

Wald eine jahrhundertealte Tradition.

Diverse Produktionsstätten, Galerien,

Glashütten und Veredelungswerkstätten

liegen entlang der „Glasstraße“. Sie ist mal

Bundes-, mal Landes-, mal Kreisstraße:

Deutschlands östlichste „Themen-Straße“

beginnt bei Weiden in der Oberpfalz mit

Kurs Süd-Ost, biegt etwa bei Kilometer

57 scharf nach Osten ab bis nahe der

Grenze Tschechiens, schlängelt sich an

den Bergkämmen des „Hohen Bogens“

entlang in den „Naturpark Bayerischer

Wald“, durchmisst die Stadt Zwiesel,

schwingt sich durch waldreiches, welliges

Mittelgebirge über Grafenau, Freyung bis

nach Passau. Über 200 Kilometer Länge

misst die Glasstraße.

Die Glasstraße ist leicht zu finden, stets

gut ausgeschildert und ab und an führt

die Reise direkt an einer Glasfabrik oder

einer kleineren privaten Manufaktur vorbei.

Glas ist ein harter, form- und färbbarer

Stoff, der kreative Ideen beflügelt. Gravur,

Schliff oder Malerei verhelfen ihm zur

abschließenden Veredelung. So wird die

Reise ein Erlebnis zwischen Kitsch und

Kunst, zwischen Sehen und Staunen über

Schönheit und Noblesse. Wenige ganz

große Glas-Märkte wechseln sich mit vielen

kleineren, meist privaten Betrieben ab.

Es ist schon faszinierend zuzuschauen,

wie der Glasmacher die 1.300 Grad heiße,

orange glühende Masse formt, dreht und

gestaltet, bis ein edles Trinkglas, Vase oder

Dekorationsstück fertig ist. Glasmacher

lernen ihr Handwerk in vielen Lehr-und

Wanderjahren, nur die Besten werden

Meister. Als besondere Attraktion bieten

einigen Glashütten, wie Joska Kristall in

Bodenmais, die Zwiesel Kristallglas AG

oder die beiden Frauenauer Glashütten

Eisch bzw. Poschinger besonders Vorstellungen

an, bei denen man auf die Arbeitsbühne

steigen und selbst zur „Flöte“

greifen darf. Aber Achtung: „Es ist ein

20


Aus Quarz

wird edles

Glas

unendlich Kreuz Glas zu machen“, heißt

der alte Spruch. Tröstlich, dass es überall

Werksverkäufe gibt, bei denen man seine

Lieblingsgläser kaufen kann.

Die herrliche Region kann mit 700 Jahrhunderten

Glaskunst aufwarten. Die

natürlichen Vorkommen haben diesen

Industriezweig schon immer gefördert:

Man benötigt Quarzgestein, das hier in

Menge und Güte gewachsen ist und zu

Quarzsand gemahlen wird. Dazu kommt

Pottasche, die aus dem Holz der Wälder

gewonnen wird, das ebenso zum Feuern

der Schmelzöfen in früheren Zeiten benötigt

wurde. Nur Soda und Kalk als weitere

Bestandteile mussten von außerhalb

hergebracht werden. Eingebettet in das

größte zusammenhängende Waldgebirge

Mitteleuropas präsentieren zahlreiche traditionsreiche

Glashütten und Glasunternehmen

ihre Kunstfertigkeit. Bedeutsame

Glasgalerien und -museen bezeugen die

historische Bedeutung dieses anmutigen

und vielseitigen Werkstoffs. Kunst und

Kultur spielen eine große Rolle. Besonders

populäre Regionen der Glashütten sind

Riedlhütte, Spiegelau und Zwiesel.

Joska in Bodenmais ist auch bekannt

für seine exzellenten Pokale,

wie den FIS Weltcup oder Trophäen

für den Motorsport.

DER GEIST DES GLASES

Die Glasbläserkunst ist ein altes Handwerk,

um das sich im Laufe der Zeit

immer mehr Sagen, Legenden und

Spukgeschichten prangen, wie der des

„Durandl“. Da die Glasmacher der festen

Überzeugung waren, dass im Durandl die

Seelen vieler Glasmacher steckten, sprach

man vielerorts von „den Urahnen“, im

niederbayerischen Dialekt: „d’Urandl“.

Die alten Glasmacher kennen ihn noch,

haben ihn in so mancher Nacht durch die

Hütten streifen sehen: den rothaarigen

Glashüttengeist Durandl. Der Durandl

ist natürlich rot, da er aus dem Ofen

kommt. Er hat eine große goldene Nase,

große Ohren und ein feuriges Gewand.

Das ist oft mit Scherben bespickt, so dass

es scheppert, wenn er erscheint.

Der Sage nach soll Durandl dem einen

oder anderen Glasschmelzer das Goldrubinrezept

oder andere Farbrezepte überreicht

haben. Dem Erfolg des jeweiligen

Glasschmelzers stand dann nichts mehr

im Weg. Denn schöne Farben waren eine

Überlebensfrage in der Glashütte. Eine

Glashütte, die Perlen und Goldrubin

herstellen konnte, wurde berühmt und

die Perlen wurden massenweis verkauft.

Daher wusste irgendwie jeder um den

Teufel, der seine Hand bei der Glaserzeugung

im Spiel gehabt haben soll.

Ende des 20. Jahrhunderts begann leider

durch die zunehmende Modernisierung

und Globalisierung ein allmähliches

Glashüttensterben. Die Folgen für die

Menschen waren einschneidend und

klingen bis heute nach. Auch wenn in

den Glashütten von Riedlhütte, Spiegelau

und Zwiesel die Feuer in den Brennöfen

nicht mehr lodern – der Geist von

Durandl weht weiter, nicht nur in ihren

Erinnerungen, sondern auch in den

Schauglashütten und Werksverkäufen.

GLASHÜTTEN UND MEHR

Bereits im Jahr 1421 wurde im heutigen

Ortsteil Rabenstein die erste Zwieseler

Glashütte gegründet. In den Anfangszeiten

wurden neben Butzenscheiben für

Fenster auch gläserne Knöpfe und Rosenkränze

hergestellt. Bald schon fertigte man

auch Gebrauchs- und Ziergläser aller Art

an. Von Zweisel breitete sich die Glaskunst

aus, es entstanden im Umland die mehrere

Glashütten. Viele der bekannten Glashütten

befinden sich daher im Arberland, also

BAYERISCHER WALD

GLASHÜTTEN

Freiherr von Poschinger

Moosauhütte 14

94258 Fauenau

Zwiesel Kristallglas AG

Dr.-Schott-Str. 35

94227 Zwiesel

Entlang der

„Glasstraße“

kann man den

Glaskünstlern bei

der Arbeit über die

Schulter sehen.

Kristallglasmanufaktur Theresienthal

Theresienthal 25

94227 Zwiesel

JOSKA Kristall in Bodenmais

Am Moosbach 1

94249 Bodenmais

Glashütten entlang der Glasstraße:

www.die-glasstrasse.de/kunst-kultur/glashütten

www.bayrischer-wald.eu/de/glashuetten.html

21


BRAUCHTUM | GLASBLÄSER

Im „Gläsernen Wald“

neben der der Burgruine

in Weißenstein kann man

kunstvolle Glasbäume

bewundern.

der Region rund um dem kleinen und großem

Arber, mit 1.455 Meter, der höchste

Berg des Bayrischen Waldes.

Als Hochburg der traditionellen Glasfertigung

und Veredelung zählt der Zwieseler

Winkel. Im Raum Frauenau und der

„Glasstadt Zwiesel“ befinden sich einige

alte und sehr renommierte Glashütten wie

die Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur.

Sie zählt zu den ältesten Glashütten

des Bayerischen Waldes. Seit 1568 werden

hier in Handarbeit erlesene Gläser gefertigt

und durch Gravur, Schliff und Malerei

veredelt. Poschinger ist stolz darauf, so

gut wie jeden Kundenwunsch zu erfüllen,

sei er noch so abstrakt. Jeder Produktionsschritt

ist hier noch von Hand gemacht

bzw. Mundgeblasen. Die flexible Struktur

der kleinen Manufaktur mit ca. 23 Mitarbeitern

macht es möglich, bereits ab einem

Stück zu fertigen – was das Unternehmen

zu Europas erster Adresse für Sonder- und

MUSEEN &

SEHENSWÜRDIGKEITEN

Museumsschlösschen Theresienthal

Theresienthal 15

94227 Zwiesel

Glasmuseum Frauenau

Am Museumspark 1

94258 Frauenau

Weinfurtner – DAS GLASDORF

Zellertalstraße 13

93471 Arnbruck

Der gläserne Wald

Weißenstein,

94209 Regen

Spezialanfertigungen in Glas werden ließ.

Inmitten der faszinierenden Natur des

Bayerischen Waldes befindet sich eine

der größten Glasmanufakturen des Gebietes:

Joska in Bodenmais. Im gleichnamigen

Glasparadies lassen sich die

Glaskünstler über die Schulter schauen

und zeigen den Weg des Glases von der

feurig-flüssigen Masse bis zum kostbaren

Endprodukt. Auf 70.000 m² Fläche verbindet

sich traditionelles Handwerk mit

modernem Design. Ein Besuch bei den

Glasbläsern, in der Schleiferei, Gravur

und Malerei wird zum faszinierenden

Erlebnis. Und in den Sommermonaten

darf der Besucher selbst Hand anlegen.

Als neuste Attraktion gilt die acht Meter

hohe Pusteblume aus Glas. Aber Joska

fertigt nicht nur Gläser, Vasen und andere

Gegenständige des täglichen Bedarfs,

sondern auch fantastische Pokale. Viele

prominente Persönlichkeiten sind im

Besitz von hochwertigen Trophäen, wie

z. B. Sebastian Vettel, Magdalena Neuner,

Felix Neureuther, Arnold Schwarzenegger

oder Hape Kerkeling. Ein ganz

bekannter Pokal ist die „Kristallkugel“,

die Trophäe des FIS Ski-Weltcups. Sie

ist 46 Zentimeter hoch und zur Hälfte

eine Kugel mit einem Durchmesser von

23 Zentimetern. Sie wiegt stolze zwölf

Kilogramm und sie ist durch und durch

feinstes Bleikristall, edel geschliffen und

handgraviert.

Zauberhafte Museen

zeigen bewunderswerte

Glaskunst

MUSEEN, DÖRFER UND WÄLDER

In Zwiesel, im Zentrum der Glasstraße,

im Bayerischen Wald, ist ein besonderes

Juwel edler Glas-Handwerkskunst zu besichtigen:

Das Theresienthaler Museumsschlösschen,

im Baustil des Historismus.

Das Glasmuseum ist in privater Hand

und wird von der Firma Gangkofner-

Verwaltungs-KG geführt. Es birgt eine

der schönsten Glassammlungen weltweit.

Es sind dies die prunkvollen Gläser der

einstigen, fast schon legendären „Königlich

Bayerisch privilegierten Krystallglas-

Fabrik“ Theresienthal, die nie das Haus

verlassen haben. Es war König Ludwig I.

der die erfolgreiche Glashändlerfamilie

Steigerwald dazu veranlasste, in seinem

schönen Bayernland eine Glashütte für

Luxusglas zu errichten. Vor rund 40 Jahren

richtete Max Gangkofner, der Nachfolger

von Egon von Poschinger, dem

letzten Poschinger in Theresienthal, für

die prachtvollen Glasobjekte aus alter Zeit

im unteren Stockwerk des Schlösschens

ein beeindruckendes Glasmuseum ein.

Ein Rundgang durch dieses Museum ist

eine wunderbare Zeit- und Entdeckungsreise,

insbesondere durch die erfolgreichen

Stilepochen des Historismus, Jugendstils

und Funktualismus. Zudem gibt es ein außergewöhnliches

Angebot: Hier können

Verliebte heiraten wie die Glasfürsten.

Ein weiteres interessantes Museum befindet

sich Frauenau, im Landkreis Regen.

Seit Jahresbeginn 2014 steht es als

Staatliches Museum zur Geschichte der

Glaskultur unter der Trägerschaft des

22


BAYERISCHER WALD

Gegen Ende des Jahres

gibt es in den Glashütten

hervorragenden

Weihnachtsschmuck im

Angebot.

Die Kunsthandwerker

verstanden es schon

immer, aus der zähflüssigen

Glasmasse filigrane

Objekte zu zaubern.

Freistaats Bayern. Das Glasmuseum Frauenau

versteht sich als Dokumentations-,

Forschungs- und Begegnungszentrum für

alle Glas- und Kunstinteressierten. Die

Dauerausstellung befindet sich auf 1300

m² Ausstellungsfläche in einem Rundbau.

Vom 22. November 2015 bis zum 28. Februar

2016 findet hier eine Retrospektive

von und über Franz Xaver Höller statt. er

gilt auch international als einer der Meister

der Glasgravur.

Im Zentrum der Glasstraße, eingebettet

in die wunderbare Landschaft des Zellertales,

ist im Laufe der letzten Jahrzehnte

„Das Glasdorf “ als Familienbetrieb entstanden.

Das in Arnbruck gelegene Dorf

dürfte einmalig in Deutschland sein. In

den Gebäuden der Glasmanufraktur

kann sich der Besucher einen Eindruck

über der Veredelung des Rohstoffs Glas

schaffen. In der Traditionsglashütte zeigen

die Handwerker ihr Talent. Dem

Besucher werden bei einer Führung,

die ca. 20 Minuten dauert, alle Fragen

erklärt. Hier erlebt man wie aus der glühenden

Masse eine kunstvolle Vase oder

Schale entsteht. Nach der Führung kann

der Gast noch in bestimmten Abteilungen

wie der Gravur, dem Sandstrahlen,

der Schleiferei und der Malerei bei der

Erstellung von wahren Wunderwerken

zuschauen. Aber nicht nur in den Gebäuden

gibt es Sehenswertes. Die Glasdorf-Gärten

zeigen was mit Glas alles

machbar ist. Im Park der Sinne findet

der Besucher Ruhe, Entspannung und

zugleich Anregungen durch die vielen

Brunnen, Wasserflächen und Skulpturen

– ein Spaziergang der Sinne. In Weißenstein

wachsen neben dem Burgkasten

der Burgruine gläserne Bäume. Auf rund

2.000 Quadratmetern befindet sich am

Fuß der Burgruine Weißenstein bei Regen

ein einmaliges Kunstwerk, „Der gläserne

Wald“. Nach einer Idee von Charly Rödl

und durch die Umsetzung von Glaskünstler

Rudolf Schmid stehen hier bis dato 26

aus Flachglas konstruierte Bäume. Nachts

werden die bis zu acht Meter hohen Gebilde

von Bodenflutern ins rechte Licht

gerückt und laden somit auch am Abend

ein, das Kunstwerk, das 2002 mit dem

Glasstraßenpreis ausgezeichnet wurde, zu

durchschlendern. Im Laufe der Zeit sollen

auf dem Areal noch etwa 50 weitere Bäume

„wachsen“ und noch viele Einheimische

und Touristen begeistern.

Immer wieder neue Attraktionen

gibt es in den Erlebniswelten des

Joska-Glasparadies in Bodenmais zu

bestaunen, wie zum Beispiel die sechs

Meter hohen Glasblumen in unterschiedlichen

Farben und Formen.

23


BRAUCHTUM | WOLFAUSLASSEN

Keine Angst

vor dem

WOLF

Alljährlich findet in Rinchnach, in der

Nähe von Regen im Bayerischen Wald, ein

unglaubliches Spektakel statt. Am

10. November treffen sich im Ortskern die

Wolfauslasser und sorgen mit ihren

gewaltigen Glocken und den

Goaßelschnalzer für lautstarkes

Remmidemmi.

VON ANDREAS GREIL

Mit großen schweren Glocken

hängt sich die Jugend beim

Wolfauslassen so richtig rein.

Jeder will beweisen, dass sein

„Wolf“ der Beste ist.

Rinchnach, idyllisch in einem kleinen

Tal gelegen, ist die Hochburg der

Wolfauslasser und dem dazugehörigen

Brauchtumsspektakel, das alljährlich am

10. November stattfindet. Es ist schier

unbeschreiblich und sicherlich weltweit

einzigartig.

Rinchnach liegt in der Region Donau-

Wald inmitten des Naturparks Bayerischer

Wald direkt an der Bundesstraße 85

nur 7 km südöstlich der Kreisstadt Regen

sowie 9 km südlich von Zwiesel. Die Ortschaft

breitet sich in einem weiten, sonnigen

Talkessel am Fuß von Gsengetstein,

Wagensonnriegel und dem Höhenzug

des Pfahls aus. Der Ort ist bekannt für

sein Kloster, das 1011 durch den Hl.

24


BAYERISCHER WALD

Auf dem Dorfplatz zeigt jeder

„Wolf“ was er kann. Der Hirte

gibt dabei Kommandos und

den Takt vor.

Gunther, einen Benediktinermönch

vom Kloster Niederalteich, gegründet

wurde. Rinchnach gilt als erste Siedlung

des mittleren Bayerischen Waldes. So

verwundert es nicht, dass die Geschichte

des Ortes eng mit dem des Klosters verbunden

ist. Auch heute noch nennen die

Einheimischen ihren Ort liebevoll nur

„Kloster“, im Dialekt „Klousta“.

URSPRUNG

Das Wolfauslassen stammt aus der Zeit,

als Hirten das Vieh auf den Bergweiden

und Wiesen des Bayerischen Waldes vor

Bären und Wölfen schützen mussten.

Dazu hängte man den Kühen Glocken

um den Hals. Deren Geläut vertrieb das

wilde Getier, und man konnte verlorene

Tiere besser wiederfinden. Außerdem

hat der Hirte von Zeit zu Zeit mit seiner

„Goaßl“ geschnalzen, um die Raubtiere

damit abzuschrecken. Im Spätherbst

wurden die Kühe in die Stallungen getrieben.

In dieser Zeit haben sich dann die

Bauern und Knechte der einzelnen Höfe

die Kuhglocken selbst umgeschnallt und

kräftig geläutet, um zum einen die Wölfe

und Bären vom Bauernhof fernzuhalten

und zum anderen brachten sie dadurch

ihre Freude über eine gelungene Ernte

und den verlustlosen Weideaufenthalt

der Kühe zum Ausdruck. In der Frühzeit

des Wolfauslassens könnte dies auch

noch der Dämonenabwehr gegolten ha-

ben, weil bei der Bevölkerung der Glaube

an die Finsteren Mächte in den riesigen

Waldgebieten des Bayerischen Waldes

sehr lange verbreitet war.

In der heutigen Zeit, in der man keine

Wölfe und Bären mehr fürchtet, ist man

WELTREKORD

Am 28. Juni 2009, haben die Rinchnacher einen

Fabelweltrekord im Wolfauslassen aufgestellt.

Sage und schreibe 1.370 Wolfauslasser läuteten

dabei im Takt, den der Hirte Herbert

Katzdobler, Besitzer der wohl größten privaten

Kuhglockensammlung (mit über 400 alten

Kostbarkeiten), vorgegeben hatte.

25


REISEN BRAUCHTUM | SÜDTIROL | WOLFAUSLASSEN

in Rinchnach stolz, dass man die Erinnerung

an diese „gute alte Zeit“ durch das

traditionelle Wolfauslassen am 9. und 10.

November aufrechterhalten hat.

DER BRAUCH

Das Brauchtum des Wolfauslassens ist

mittlerweile nicht nur bei den Einheimischen,

sondern auch bei den vielen

Touristen sehr beliebt, die extra für dieses

Ereignis anreisen. Jahr für Jahr am

Abend vor Martini treffen sich die oft

Jugendlichen des Dorfes und der umliegenden

Gemeinden, um diesen Brauch

zu pflegen. Dazu schnallen sich die Akteure

große Glocken um die Hüfte und

ziehen in Reih und Glied von Haus zu

Haus. Die ursprünglich gebräuchlichen

kleinen Kuhglocken wurden durch den

Konkurrenzkampf der einzelnen Gruppen

im Laufe der Jahre durch immer

größere und lautere Glocken ersetzt.

So können die Glocken oftmals bis zu

90 cm oder mehr groß sein und bis zu

35 Kilogramm wiegen. Wehe wer da

nicht fit ist. Um die großen Glocken

zum Klingen zu bringen, bedarf es einer

besonders Technik, die man mit viel

Übung erlernen muss. Dabei werden die

Glocken auch mit den Oberschenkeln

abgestützt und geführt.

Die Aufstellung eines „Wolfes“ erfolgt

in 3er und 4er-Reihen. Der Hirte, Chef

der Gruppe, steht mit seinem kunstvoll

verzierten Hirtenstecken an der

Spitze und gibt Kommandos. Mit dem

Schrei „Buam hat`s oidsamt do, (Wolf

antwortet laut ´Ja`) geht koana mehr o

(´Na`) dann riegeld`s enk“, geht es los.

Die Wolfauslasser beugen sich vor und

schütteln ihre Glocken schnell hin und

her (riegeln) bis der Hirte seinen Stock

hebt und dann mit einer Auf- und Abwärtsbewegung

des Stabes den Takt für

das Geläut angibt. Alle Glocken ertönen

nun im Gleichklang nach dem vorgebenden

Rhythmus – ein eindrucksvolles und

Ohren betörendes Schauspiel.

Je größer der Wolf, desto lauter

und imposanter klingt er.

Besonders die großen Glocken

geben einen satten tiefen Ton

ab, der einem direkt in den

Körper fährt.

26

Hirtenspruch

Kimmt da Hirt mit seiner Girt,

und hod sei Johr mit Freid ausghirt,

Glück hinein, Glück hinaus

an Hirta sei Johr is wahrhaft aus.

Kimmt da Hirt hoam vom Hirtn,

steht a blaue Suppn in da Rean.

Soagt a von an bessern Essn,

haut`n Baierin ei in`d Fressn.

Soagt a von an drugan Ko,

Baierin sitzt hint in da Hai,

schaut viara wia a Gray.

Aid`s here an Schlissl scha klinga,

wird da Bauer in`d Kamma springa

und an Fünfa außa bringa.

Mit dem hamma na ned gnua,

an fest`n Kei Broad dazua.

Legad`s Gad am Disch

das wis`z, das Moang Martini is.

Buam riegld`s enk!

So geht es dem Hirten hinterher von

Haus zu Haus. Vor jeder Haustür wird

dann kräftig geläutet, bis der Hausherr

die Tür öffnet. Dann hebt der Hirte seinen

Stock und gibt damit den Befehl

zum Aufhören des Geläutes. Jeder muss

jetzt ganz still sein, denn der Hirte sagt

einen Hirtenspruch auf, der von Ort zu

Ort und selbst von Familie zu Familie

unterschiedlich sein kann. Anschließend

wird wieder „geriegelt“, während

der Hausherr einen kleinen Obolus entrichtet.

Ist das Dorf „abgeerntet“ geht es

ins örtliche Wirtshaus. Gegen ein kleines

Entgelt dürfen dann sogar Gäste den

Hirtenstab nehmen und den „Wolf “ so

dirigieren wie sie es wünschen. So wird

bis in die frühen Morgenstunden der

Wolf für den kommenden großen Tag

der Wolfauslasser angemeldet.

Am nächsten Tag trifft man sich etwa um

18.00 Uhr wieder am Ausgangspunkt.

und es geht nach „Klousta“ (Rinchnach)

in die Hochburg der Wolfauslasser. Am

Dorfplatz in Rinchnach wartet bereits

eine größere Menschenmenge auf die

verschiedenen „Wölfe“. Beim Läuten

am Dorfplatz sind die Hirten besonders

darauf bedacht, mit ihrem „Wolf “ einen


BAYERISCHER WALD

DIE GLOCKEN

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen

den normalen Wolfauslasser-Glocken,

die eine rechteckige, gerade zulaufende

Grundform besitzen und den Froschmäulern,

klassischen runden Kuhglocken wie sie z.B.

auch im Alpenraum bei Kühen Verwendung

finden, wenngleich die beim Wolfausläuten

verwendeten Glocken oft weitaus größer

sind. Neben neuen Glocken werden auch

alte, beinahe historische Glocken, die von

Generation zu Generation weitergegeben

wurden, immer noch beim Wolfauslassen

benutzt. Die Glocken werden nach Größe

unterschieden, so ist eine 35er eine Glocke

mit Höhe 35 cm. Von 20 cm bis 90 cm

werden (in 5er bzw. 10er-Schritten unterschieden)

alle Größen verwendet, wobei die

kleineren Glocken mehr von den Jüngeren

benutzt werden. Durch die verschiedenen

Größen ergeben sich auch unterschiedliche

Tonlagen. Froschmaul-Glocken

werden nur in einigen wenigen Orten geläutet,

meistens zusammen mit normalen

Wolfausläuter-Glocken. Dort hat sich oft

eine ausgefeilte Choreographie entwickelt

um die Klangfarben der unterschiedlichen

Glockenformen zur Geltung zu bringen.

guten Eindruck zu machen. Dabei gilt:

je lauter und abwechslungsreicher der

Rhythmus, desto besser. Unterstützt

werden die „Wölfe“ noch von Goaßlschnalzer,

was zusammen eine atemberaubende

und mitreißende Vorstellung

ergibt. Gegen 21:15 Uhr läuten dann

sogar alle Wolf-auslasser (550 – 650

Nach dem Auftritt auf dem

Dorfplatz geht das Geläute in den

Gasthäusern des Ortes weiter.

Mann) gemeinsam im historischen Ortskern.

Auch das ist einzigartig. Nach der

eindrucksvollen Zeremonie am Dorfplatz

läutet man in den Gasthäusern und

Sälen im Klosterort weiter und stellt sich

überall vor. Dabei geschieht es häufig,

dass man sich mit anderen „Wölfen“ Duelle

liefert und zwei Stunden und länger

ohne Unterbrechung „gegeneinander“

läutet. Dabei versucht man durch einen

schnelleren Rhythmus und das daraus

hervorgehende lautere Geläut seine

„Konkurrenz“ zu übertrumpfen. Dabei

ist der Ausdruck „Geläut“ allerdings sehr

harmlos. In Wirklichkeit ist dies ein Höllenspektakel

bei dem ein unvorstellbarer

Lärm entsteht. Besonders die großen

Glocken erzeugen einen eindrucksvollen

tiefen Basston, der einem gehörig in

die Bauchdecke fährt. Eine wahre Wohltat

für die Trommelfelle ist es, wenn in

einem Wirtshaus einmal nicht geläutet

wird – dies kommt in dieser Nacht jedoch

nur selten vor.

Erschöpft und mit blaugeschlagenen

Oberschenkeln freuen sich die „Wolferer“

in den frühen Morgenstunden nach

der wohl härtesten, aber auch schönsten

Nacht des Jahres auf ein wohlverdientes

Kesselfleisch, das die arg strapazierten

Muskeln wieder stärken soll.

Wer sich Anfang November auf den

Weg zum Wolfauslassen in den Bayrischen

Wald, genauer nach Rinchnach

macht, kann sich auf ein eindrucksvolles

Erlebnis einstellen. Durchhaltevermögen

ist allerdings von Vorteil.

27


Winterspaß im

Bayerischen Inntal

Oberaudorf -- idyllisch

im Alpenvorland im

bayerischen Inntal. Im Tal

umrahmt von Wildbarren,

Brünnstein, Kaisergebirge

und Kranzhorn zieht sich

das Gemeindegebiet bis

hinauf ins Sudelfeld und

bis zum Wendelstein.

WINTERURLAUB IN OBERAUDORF

Eingebettet im Alpenvorland zwischen

Rosenheim und Kufstein – direkt an der

Grenze zu Tirol – liegt der Urlaubsort

Oberaudorf. Wenn Frau Holle die Betten

aufschüttelt ist hier einiges geboten:

Skifahren, Snowboarden, Rodeln, Langlaufen,

Winterwandern oder einfach nur

entspannen. All das und vieles mehr ist

hier möglich, denn in Oberaudorf beginnt

das winterliche Vergnügen gleich

vor der Tür.

AB AUF DIE PISTE

Mit 31 Kilometern bestens präparierter

Pisten aller Schwierigkeitsgrade auf

Höhen zwischen 800 und 1.563 Metern

ist das modernisierte Skiparadies Sudelfeld

natürlich, sportlich und familienfreundlich.

Das Skigebiet Oberaudorf-Hocheck

präsentiert sich ebenfalls familienfreundlich

und lawinensicher. Vier Flutlichtabende

mit einer der längsten Flutlichtpisten

Deutschlands runden das


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Von „Skiresort“ wurde das Angebot im

großen Test mit dem Titel: „Das Beste

Flutlichtangebot in Deutschland“ ausgezeichnet.

Das Vergnügen auf den Pisten ist garantiert

und der Winterurlaub ist auch

absolut bezahlbar. Günstige Bergbahnpreise

und kostenlose Parkplätze

machen auch einen Tagesausflug

erschwinglich. Und wer dann immer

noch nicht genug hat: in der Umgebung

warten noch etliche weitere Skigebiete

darauf entdeckt zu werden.

RODELSPASS

Auch Rodler finden in Oberaudorf tolle

Angebote. Eine Fahrt auf der drei Kilometer

langen, täglich bis ca. 23 Uhr

beleuchteten Rodelbahn am Hocheck

lässt nicht nur die Kinder vor Freude

juchzen. Als Aufstiegshilfe kann während

der Öffnungszeiten des Skigebietes

auch der Lift genutzt werden. Ein

besonderes Erlebnis bietet die Natur-

Rodelbahn am Brünnstein: der Aufstieg

führt durch einen verschneiten Zauberwald.

Droben am Brünnsteinhaus warten

eine deftige Brotzeit und traumhafte

Ausblicke bis in die Zentralalpen. Auf

dem Weg ins Tal sausen erfahrene Rodler

dann auf über 5 km Länge auf teilweise

sehr steilen Abschnitten durch die

weiße Wunderwelt.

ZU FUSS DURCH DIE WINTERWELT

Kilometerlange Winterwanderwege

führen durchs Tal und auf die Höhen.

Das leise Knirschen des Schnees, die

winterliche Stille und eine traumhafte

Alpenkulisse versprechen Entspannung

pur. Wer es etwas sportlicher mag, als

nur durch schöne Landschaft zu spazieren,

begibt sich mit Schneeschuhen auf

großem Fuß durch die weite Landschaft,

die mit glasklarer Luft und glitzernden

Schneekristallen verzaubert.

Kulinarisch verwöhnen die zahlreichen

Gastronomiebetriebe mit heimischen

Spezialitäten.

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50% Ermäßigung auf den 6-Tages-Skipass

„Alpen Plus Holiday-Card“ bei Buchung

von 7 Nächten (9. bis 16. Januar und 5.

bis 12. März 2016). Dieser Skipass gilt für

folgende Skigebiete: Hocheck in Oberaudorf

(inkl. Nachtskilauf ), Sudelfeld,

Bergbahnen Kössen/Tirol, Bergbahnen

Zahmer Kaiser/Tirol (inkl. Nachtskilauf

), Spitzingsee-Tegernsee (inkl.

Nachtskilauf ), Wallberg, Brauneck-Wegscheid.

Bitte den Skipass schon vorher bei

Ihrem Vermieter beantragen, damit dieser

ihn bei Ihrer Anreise parat hat.

Tourist-Information Oberaudorf

Kufsteiner Str. 6, 83080 Oberaudorf

Telefon +49 (0) 8033 30120

info@oberaudorf.de

www.oberaudorf.de


GENUSS | BIER

500 JAHRE

REINHEITSGEBOT

Bayern, des samma mir!

Bayern und des bayrische Bier!

Bayern und des Reinheitsgebot!

des is unser flüssiges Brot!

30


REINHEITSGEBOT

23. April 1516 in Ingolstadt:

An diesem Tag erließen

die bayerischen Herzöge

Wilhelm IV. und Ludwig X.

eines der wenigen Gesetze,

das über Jahrhunderte

seine Bedeutung erhalten

(wenn nicht sogar

vergrößert) hat. Das

Reinheitsgebot für Bier wirkt

sich bis heute auf die deutsche

Braukunst aus.

So lautet der über die bayerische Grenzen

hinaus bekannt Song von Haindling

– eine von dem niederbayerischen Musiker

Hans-Jürgen Buchner gegründeten

Musikgruppe, die stilmäßig der „Neuen

Volksmusik“ zuzurechnen ist. Haindling

produziert u.a. auch viele Soundtracks zu

bekannten bayerischen Fernsehsendungen

wie „Die Rosenheim Cops“.

Der Gerstensaft in Haindlings-Lied gilt in

Bayern als Volksgetränk, was einen überdurchschnittlichen

Bierdurst nahelegt. In

der Tat liegt der Pro-Kopf-Konsum an

Bier in Bayern mit 130-135 Litern oberhalb

des Bundesdurchschnitts, der 2014

bei 106,9 Litern lag. Der Bayer trinkt am

allerliebsten Bayerisches Bier. Das Bayeri-

sche Bier mit seinen vielen Spezialitäten

erfreut sich auch außerhalb der weiß-blauen

Landesgrenzen größter Beliebtheit.

Bier ist integraler Bestandteil bayerischer

Kultur und Lebensart, nach außen imageprägend

und nach innen identitätsstiftend.

Da ist es für den Charakter des Bieres

als „Bayerisches Volksgetränk“ nicht

entscheidend, ob in Bayern im Jahr und

pro Kopf ein paar Schluck mehr oder weniger

getrunken werden.

So oder so Bayern zählt zu den führenden

Regionen weltweit, was den Bierkonsum

betrifft. Da ist die Frage nach dem Umfang

von Rückständen solcher Schadstoffe, die

für die menschliche Gesundheit bedenklich

oder gar schädlich sind, natürlich von

besonderer Bedeutung. Das Reinheitsgebot

verspricht dem Biertrinker hier ein

hohes Maß an Sicherheit!

Bewusst sind Bayerns Brauer bestrebt,

einerseits die Belastung durch Rückstände

solcher Schadstoffe zu minimieren.

Andererseits verzichten sie konsequent

auf die Zugabe all solcher Stoffe, die beispielsweise

Geschmack, Farbe oder Haltbarkeit

des Bieres oder auch die Stabilität

seines Schaumes künstlich beeinflussen

sollen, und deren Verwendung sich in den

zurückliegenden 500 Jahren als für die

Bierproduktion völlig überflüssig erwiesen

hat. Die Beschränkung auf die Verwendung

ausschließlich von Wasser, Malz,

Hopfen und Hefe für die Bierproduktion

in Bayern ist damit nicht nur ein Zeichen

besonders hoher Braukunst; sie steht auch

für ein Bekenntnis zum aktiven Verbraucherschutz,

steht für ein in höchstem

Maße reines Qualitätsprodukt.

So ist bayerisches Bier, gebraut nach dem

Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 –

in Maßen genossen – sicherlich die wohlschmeckendste

Art, sein Wohlbefinden zu

bewahren und zugleich die gemütlichste,

die Hektik des Alltags abzubauen.

REINHEITSGEBOT – GESCHICHTE

UND BEDEUTUNG

Das Bayerische Reinheitsgebot wurde erlassen

am Georgitag, dem 23. April, 1516

auf dem Landständetag (Zusammenkunft

der Vertreter des Adels, der Prälaten und

der Abgesandten der Städte und Märkte)

zu Ingolstadt durch die beiden damals

31


GENUSS | BIER

Die Hallertau oder Holledau

genannt, ist das größte

zusammenhängengene

Hopfenanbaugebiet der Welt.

Es liegt mitten in Bayern.

Bayern gemeinsam regierenden Herzöge

Wilhelm IV. und seinen jüngeren Bruder

Ludwig X.. Doch diese heute bekannteste

Fassung des „Reinheitsgebotes“ ist keineswegs

der erste Versuch gewesen, die

Produktion des bedeutenden Grundnahrungsmittels

Bier in geordnete Bahnen

zu lenken. Sie stellt vielmehr Höhepunkt

und Abschluss einer sich über mehrere

Jahrhunderte hinweg erstreckenden rechtlichen

Entwicklung dar, im Rahmen derer

die jeweiligen Obrigkeiten und Instanzen

nur ein Ziel verfolgten: die Versorgung der

Bevölkerung mit qualitativ hochwertigem

und preiswertem Bier sicherzustellen, das

damals wie heute in Bayern den Charakter

eines Grundnahrungsmittels hatte.

Frühe Vorschriften zu Qualität und Preis

des Bieres wurden bereits 1156 für Augs-

Bierhefe

burg, 1293 für Nürnberg, 1363 für München

oder 1447 für Regensburg erlassen.

In der zweiten Hälfte des 15. und im frühen

16. Jahrhundert häufen sich dann regionale

Vorschriften zur Preisfestsetzung

und Herstellung des Bieres. Eine konkrete

Festlegung auf bestimmte Rohstoffe

erfolgte für München am 30. November

1487 durch Herzog Albrecht IV (der Weise),

der verfügte, daß zur Bierbereitung

nur Wasser, Malz und Hopfen verwendet

werden dürfe. Unmittelbarer Vorläufer

des Reinheitsgebotes von 1516 ist eine

im Jahr 1493 durch Herzog Georg den

Reichen für das damals von ihm regierte

Teilherzogtum Niederbayern erlassene

„Biersatzordnung“, die die Bierproduktion

auf die Rohstoffe Malz, Hopfen und

Wasser beschränkte. Ziel der Gesetze, die

neben dem Produktionsvorschriften auch

detaillierte Aussagen zur Bierpreishöhe

trafen, war es, den Bürgern preiswertes

und bekömmliches Bier zu verschaffen

und gleichzeitig durch die Bevorzugung

der Gerste die anderen Getreidesorten,

die zu Brotbereitung wichtig waren, zu

schützen. Der Gedanke eines hohen

Qualitätsstandards war dabei schon damals

untrennbar verbunden mit der Idee

des Verbraucherschutzes, war doch seinerzeit

die Unsitte eingerissen, dem Bier

allerlei Zutaten beizumengen, die seinen

Geschmack beeinflussen oder seine berauschende

Wirkung verstärkten sollten,

ohne dafür auf die teuren Zutaten Hopfen

und Malz angewiesen zu sein. Schädliche

gesundheitliche Wirkungen wurden dabei

oftmals billigend in Kauf genommen.

Bereits in einer „Ordnung des Bräuens“

des Landshuter Stadtrates vom 7.11.1486

heißt es: „Es sollen […] keinerlei Wurzeln,

weder Zermetat noch anderes, das dem

Menschen schädlich ist oder Krankheit

und Wehtagen bringen mag, darein getan

werden […]“. Die hohe Qualität des nach

dem Bayerischen Reinheitsgebot gebrauten

Bieres war derart überzeugend, aber

auch der Stolz auf die vollendete Beherrschung

der Braukunst unter Verwendung

von nur 4 Rohstoffen so ausgeprägt, daß

das Bayerische Reinheitsgebot auch in

die Reichsgesetzgebung nach 1871 Eingang

fand. Die Brauer selbst waren es,

die auf die gesetzliche Verankerung des

Reinheitsgebotes auch außerhalb Bayerns

großen Wert legten, da sich das bayerische

32


REINHEITSGEBOT

„echte“ Bier größter Beliebtheit erfreute.

Nach und nach wurde das Gebot von anderen

Staaten übernommen (Baden 1896,

Württemberg 1900). Zwar oblag nach

Art. 35, Absatz 1 der Reichsverfassung

vom 16.4.1871 die Gesetzgebung über die

Bierbesteuerung allein dem Reich. Als am

31.5.1872 jedoch eine einheitliche Biersteuergesetzgebung

für das Reich erlassen

wurde, die auch die Verwendung von Stärkemehl,

Zucker, Sirup und Reis für die

Bierproduktion zuließ, wurden Bayern,

Baden und Württemberg, wo das absolute

Reinheitsgebot galt, von dieser Regelung

ausgenommen. Erst durch Reichsgesetz

vom 7.6.1906 hielt das Reinheitsgebot

auch in die Gesetzgebung für die Norddeutsche

Biersteuergemeinschaft Einzug.

Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges

die Weimarer Republik gegründet wurde,

machte Bayern sogar seine Zugehörigkeit

zur Republik davon abhängig, dass das

Reinheitsgebot weiterhin im gesamten

Reichsgebiet gelte. Nach dem Zweiten

Weltkrieg schließlich wurde das Reinheitsgebot

im Biersteuergesetz verankert.

REINHEITSGEBOTSBIER ALS

GESCHÜTZTES „TRADITIONELLES

LEBENSMITTEL“

Dass auch die Europäische Union Tradition

und Stellenwert des Bayerischen Reinheitsgebotes

sehr wohl zu schätzen weiß,

hat sie 1996 unter Beweis gestellt.

Um getreu traditionellen Rezepturen oder

Verfahren hergestellte Lebensmittel vor

billigen Imitaten zu schützen, schuf die

EU das „Traditionelle Lebensmittel“ und

erstellte eine Liste ausgewählter Lebensmittel

(europaweit 15!), deren Herstellungsverfahren

und Rezeptur zwingend

eingehalten werden muß, soll das Lebensmittel

unter der geschützten Bezeichnung

auch zukünftig vermarktet werden. Als

einziges deutsches Lebensmittel wurde

deutsches Bier, gebraut nach dem Reinheitsgebot,

in die Liste dieser geschützten

„traditionellen Lebensmittel“ aufgenommen.

Will heißen: Wer sein Bier mit

dem Hinweis etikettiert, es sei nach dem

Reinheitsgebot gebraut, muß sich auch

daran halten! Es bleibt also alles beim alten!

Das Bayerische Reinheitsgebot von

1516 bleibt als Gütezeichen gesetzlich

anerkannt und wird in der EU besonders

geschützt.

BAYERISCHES BIER“ GESCHÜTZTE

GEOGRAPHISCHE ANGABE

Doch nicht nur als „Traditionelles Lebensmittel“

hat bayerisches Bier in der EU eine

Sonderstellung erhalten. Im Juni 2001 hat

der Ministerrat der Europäischen Union

dem Antrag des Bayerischen Brauerbundes,

die Bezeichnung „Bayerisches Bier“

als geschützte geographische Angabe in

der Europäischen Union unter Schutz zu

stellen, stattgegeben. Damit ist diese Bezeichnung

nunmehr in allen Mitgliedsstaaten

der Gemeinschaft geschützt und

darf nur für Bier das aus bayerischen Sudkesseln

stammt, und somit auch nach dem

bayerischen Reinheitsgebot gebraut ist,

verwendet werden.

EIN RIESIGES BIERANGEBOT

Bier-Liebhaber kommen in Bayern voll

und ganz auf ihre Kosten. Egal ob auf einem

der zahlreichen Volksfeste, im Biergarten

oder zum Feierabend – so ein frisches,

kühles Bierchen schmeckt nicht nur

den Männern und Frauen, egal welchen

Alters. Und nicht nur das Bier selbst, sondern

auch das Angebot kann sich sehen

lassen: Allein in Bayern gibt es über 40

Biersorten. Schauen wir uns mal die beliebten

Biersorten näher an.

WEIZENBIER

Bayern ist mit weitem Abstand das Weizenbierland

Nr. 1: Mit über 90% Marktanteil

ist die Bedeutung des bayerischen

Weizenbieres unerreicht. Unerreicht ist

aber auch die Vielfalt bayerischen Weizenbieres:

über 1.000 verschiedene Marken

mit in der Regel starker lokaler bzw. regionaler

Bedeutung sind verfügbar.

DAS GROSSE FESTIVAL

Wie schmeckt das Reinheitsgebot? Diese

Frage können die Besucher des großen

Jubiläumsfestes genüsslich Schluck für

Schluck auf den Grund gehen – von Brauerei

zu Brauerei mit einem speziellen 0,3-Liter-

Festivalglas. Bezahlt wird mit dem „Biertaler“,

den man überall eintauschen kann.

Nebenbei wird auch der Wissensdurst rund

um’s Bayerische Bier und seine Zutaten gestillt.

Wie werden Braugetreide und Hopfen angebaut

und verarbeitet? Was ist eigentlich Malz?

Wie wird Bier gebraut? Worin unterscheiden

sich die vielen bayerischen Biersorten? Der

Eintritt zum Festival ist frei.

Rund 100 Brauereien werden ihre Biere präsentieren.

Auf drei Bühnen erwartet Sie ein

unterhaltsames Programm mit Show und Musik

von der traditionellen bayerischen Volksmusik

bis zum fröhlichen Big-Band-Sound.

Freitag bis Sonntag: 22.- 24.07.2016

Veranstaltungsort: Odeonsplatz vor der

Feldherrnhalle und Ludwigsstraße bis zur

Von-der-Thann-Straße, Wittelsbacherplatz

und Brenner Straße.

Öffnungszeiten und weitere Informationen:

www.500jahre-reinheitsgebot.com

93 33


GENUSS | BIER

Weizenbier, das war Anfang der 60er Jahre

nur helles Kristallweizen, d.h. ein klares,

helles Weizenbier ohne die heute so beliebte

Hefetrübung. Der hohe Kohlensäuregehalt

verleiht diesem Bier, serviert in

den charakteristischen hohen und schlanken

Gläsern, ein Aussehen, das aufgrund

der zahlreichen aufsteigenden Kohlensäureperlen

an Sekt erinnert, weshalb das

Kristallweizen häufig auch als „Champagnerweizen“

bezeichnet wurde.

Heute wird Weizenbier größtenteils als

„Hefeweizen“ nachgefragt, hell oder dunkel.

Die Hefe steht in den Augen der Konsumenten

für eine besondere Bekömmlichkeit

des Bieres, seine Trübung für

Naturbelassenheit. Die Leichtbierwelle

hat natürlich auch vor den Weizenbieren

nicht halt gemacht. Die gegenüber einem

herkömmlichen Weizenbier um 30 – 40%

alkohol- und kalorienreduzierten Biere

stellen vor allem für den Sportler, den Autofahrer

und den figurbewussten Konsumenten

eine Alternative zum herkömmlichen

Weizenbier dar. Für denjenigen, der

auf Weizenbier nicht, wohl aber auf den

Alkohol ganz verzichten möchte, bietet

die bayerische Brauwirtschaft unterdessen

auch einige alkoholfreie Weizenbiere an.

Das alkoholfreie Weiß- oder Weizenbier

stellt in den letzten Jahren sogar die Biersorte

mit den größten Zuwachsraten in

Bayern dar. Als isotonisches Getränk ist

alkoholfreies Weißbier, insbesondere nach

sportlicher Betätigung, der ideale Durstlöscher.

Doch auch wer es gerne etwas vollmundiger

und alkoholhaltiger mag, wird

unter Bayerns Weizenbierspezialitäten ein

Bier nach seinem Geschmack finden: einige

Weizenbock- und -Doppelbockbiere

runden das Sortiment ab.

Hopfen und

Malz –

Gott erhalt‘s!

Übrigens: Weizenbier und Weißbier sind

Synonyme. Insofern ist es auch keineswegs

ein Widerspruch, wenn man heute

ein dunkles Hefeweizenbier gelegentlich

als „Schwarze Weiße“ bezeichnet. Nicht

verwechselt werden darf das bayerische

Weißbier mit der Berliner Bierspezialität

„Berliner Weiße“. Bei dieser handelt es

sich nämlich um ein sog. Schankbier, das

aufgrund der darin enthaltenen Milchsäure

einen leicht säuerlichen Geschmack hat.

Sehr beliebt ist in Bayern „Der Russ“, eine

Mischung aus klarer Zitronenlimonade

und hellem Hefeweizen zu gleichen. Mit

„Cola-Weizen“ und zahlreichen anderen

Mischungsvarianten ist die Produktpalette

der Mischgetränke unter Verwendung

von Weizenbier nahezu unerschöpflich.

LAGER / HELL UND EXPORT

Beim Lager/ Hell handelt es sich um ein

sog. „Vollbier“. Diese Biergattung, der die

meisten der bayerischen Biere zuzurechnen

sind, umfasst alle Biere mit einem

Stammwürzegehalt von 11 bis unter 16%.

Als „Stammwürze“ bezeichnet man dabei

den Anteil aus dem Malz stammender gelöster

Inhaltsstoffe, also im Wesentlichen

Malzzucker, aber auch Mineralien und Vitamine,

in der Würze vor der Vergärung.

Innerhalb der Gattung erfolgt eine Unterscheidung

nach Bierarten, d.h. ober- oder

untergäriger Brauweise. Das helle bayerische

Lagerbier gehört zur Gattung der

untergärigen Biere. Schließlich unterteilt

man die einzelnen Bierarten noch in verschiedene

Biersorten. Neben Farbe, Geschmack

und eingesetzter Malzart (Gerste,

Weizen, Roggen, Dinkel …) ist vor

allem der Stammwürzegehalt wiederum

charakteristisch für diese einzelnen Sorten.

Das helle bayerische Lagerbier wird

wie alle untergärigen Sorten entsprechend

den Bestimmungen des Reinheitsgebotes

34


REINHEITSGEBOT

ausschließlich aus Gerstenmalz hergestellt

und hat in der Regel einen Stammwürzegehalt

von 11 – 12 %. Es wird vor der Abfüllung

in Fass oder Flasche klar gefiltert,

weshalb man auch von einem „blanken“

Bier spricht. Außer dem relativ niedrigen

Stammwürzegehalt, der es besonders

schlank anmuten lässt, ist für das Helle

sein feinwürziger, milder Geschmack charakteristisch.

Dieser rührt vor allem daher,

dass das Helle schwächer gehopft und dadurch

weniger bitter ist als ein Pils. Die

Bittere misst der Brauer in Bittereinheiten

(BE). Das Helle weist rund 20 BE auf, ein

echtes Pils sollte über 25 BE haben. So

entsteht die leicht vollmundige Süffigkeit,

aber auch besondere Bekömmlichkeit des

Hellen, der es seine allgemeine Beliebtheit,

aber auch seine besondere Eignung

als Grundlage für Biermischgetränke, vor

allem das Radler, verdankt.

Helles Lagerbier hat 40-42 Kcal/ 100 ml

und einen Alkoholgehalt von rd. 5 % vol.

Es sollte bei ca. 7-9°getrunken werden.

Die Wahl des zum helle Lagerbier passenden

Glases ist Geschmacksache: Während

im Biergarten in Südbayern der Maßkrug,

in Franken häufig auch der Halbliterglaskrug

(Seidel) dominiert, wird das Helle im

Wirtshaus meist aus dem 0,5 l Willibecher

oder seinen kleinerer, formgleichen Geschwistern

getrunken. Übrigens, in Bayern

setzte sich recht schnell das „Radler“,

ein Gemisch aus hellem Vollbier und Zitronenlimonade.

Das Radler wird natürlich

an warmen Sommertagen in großen

Mengen in den Biergärten und Wirtschaften

Bayerns gemischt.

EIN PROSIT DER GEMÜTLICHKEIT

Mit dem obligatorischen „Oans, zwoa -

Gsuffa!“ ist dieser Wiesnhit der wohl am

häufigsten gespielte Hit auf dem Oktoberfest.

Was überrascht: Das Lied kommt gar

nicht aus Bayern, sondern aus Chemnitz.

Dort wurde es von Bernhard Dittrich

komponiert. Der Musiker starb 1902 an

einem Herzschlag. 1912 etablierte sich

das sächsische Lied dann auf dem Oktoberfest.

Und wie Sigi Sommer, Münchner

Original (1914 – 1996) schon sagte: „Das

bayerische Bier ist vielleicht nicht das vorzüglichste

in ganz Deutschland. Aber auf

jeden Fall das beste Bier der Welt.“

Informationen rund um das Bayrische

Bier finden Sie unter:

www.bayrisch-bier.de/

ROHSTOFFE FÜR‘S BIER BRAUEN

WASSER:

Das fertige Bier besteht zu über 90% aus Wasser.

Die bayerischen Brauer stellen an ihr Brauwasser,

das sie häufig aus eigenen Tiefbrunnen beziehen,

in der Regel höhere Anforderungen, als der

Gesetzgeber sie an Trinkwasser stellt.

Wasser ist dabei keineswegs gleich Wasser.

Vor allem der sehr unterschiedliche Gehalt an

verschiedensten Salzen (z.B. Calcium- und

Magnesiumsalze) prägt den Charakter des jeweiligen

Brauwassers und verleiht ihm je nach

Härte eine besondere Eignung für die Produktion

bestimmter Biere.

So sind die bekannten Hauptbiertypen jeweils

auf ein Brauwasser ganz spezifischer

Zusammensetzung zurückzuführen, wie es regionaltypisch

natürlich vorkommt und wie es sich zur

Produktion gerade dieser Sorten als besonders geeignet

erwiesen hat: das weiche, salzarme Wasser

Pilsens zur Herstellung des hellen, hopfenbetonten

„Pilsener“ Biertyps, das harte Dortmunder Wasser

(hohe „Nichtcarbonathärte“) für den „Exporttyp“

und das ebenfalls harte Münchner Wasser (hohe

„Carbonathärte“) für den dunklen „Münchner Typ“.

MALZ:

Ziel des Mälzungsvorganges ist es, Enzyme und

Fermente zu bilden bzw. zu aktivieren, die letztlich

die im Korn vorhandene Stärke aufschließen und

in eine lösliche, von der Hefe verarbeitbare Form

überführen sollen: in Maltosezucker.

Zur Malzbereitung wird das Getreide zunächst

eingeweicht. Während des Weichprozesses, der

1-2 Tage dauert, wird das Getreide seiner Vitalität

entsprechend mehrmals unter Wasser gesetzt.

Diese Flutvorgänge dienen der Wasseraufnahme

und der Reinigung. Schon nach wenigen Stunden

setzt der Keimvorgang ein, der nach Überführung

des geweichten Getreides in die Keimkästen weitere

4-5 Tage fortgeführt wird.

Der Keimprozess wird individuell der gewünschten

Malzsorte entsprechend über die Parameter

Keimguttemperatur und Keimgutfeuchte gesteuert.

Es entsteht „Grünmalz“. Durch einen

schonenden Trocknungsvorgang des Grünmalzes,

das Darren, wird der Keimprozess gestoppt.

Die Temperaturführung während des Darrens

und die gewählte Abdarrtemperatur beeinflusst

die Farbe des Malzes und damit auch des späteren

Bieres. Niedrige Abdarrtemperaturen (ca.

80°C) ergeben helles Malz (Pilsener Typ), hohe

Abdarrtemperaturen (90-110°C) resultieren in

dunklen Malzfarben (Münchner Typ, Wiener Typ

und verschiedene Caramalze).

Für die Herstellung untergäriger Biere (helles

oder dunkles Lagerbier, Export, Pils, …) darf entsprechend

den deutschen, auf dem Bayerischen

Reinheitsgebot fußenden rechtlichen Bestimmungen

bis heute nur Gerstenmalz verwendet werden, wohingegen

für die Herstellung obergäriger Biere

(Weiß- bzw. Weizenbier, aber auch Kölsch oder

Alt, …) auch die Verwendung anderer als aus

Gerste hergestellter Malze zulässig ist. So werden

zum Beispiel zur Weiß- oder Weizenbierherstellung

mindestens 50% Weizenmalz eingesetzt, aber auch

Dinkel- und Roggenmalz werden in Bayern zur

Herstellung obergäriger Biere verwandt.

HOPFEN:

Dem Hopfen kommen bei der Bierproduktion gleich

eine ganze Reihe von Aufgaben zu: Seine Bitterstoffe

geben dem Bier seine Bittere und das Hopfenöl

verleiht ihm sein typisches Aroma. Im Hopfen enthaltene

Gerbstoffe fällen Eiweiß und haben damit

eine klärende Wirkung, der Hopfen hat aber auch

schaumverbessernde Eigenschaften und gilt als

natürliches ‚Konservierungsmittel‘ des Bieres, da

im gehopften Bier keine pathogenen (krankheitserregenden)

Keime auftreten können.

Der Hopfen ist eine mehrjährige Kletterpflanze aus

der Familie der hanfartigen Gewächse. Die zur Ernte

heruntergeschnittenen Triebe sterben im Winter ab.

Der Stock treibt im Frühjahr neu aus. Einige der

Triebe werden an dünnen Drähten „aufgeleitet“ und

ranken an diesen bis zu 7 Metern empor, ehe von

Ende August bis Mitte September die Hopfenernte

erfolgt.

Für den Brauer ist nur die „Dolde“ oder der „Zapfen“

der weiblichen Hopfenpflanze von Interesse. Die

Dolde selbst besteht aus Stiel, Blättern und – auf

deren Innenseite – unzähligen kleinen, gelblichen,

klebrigen Kügelchen, dem „Hopfenmehl“ oder

„Lupulin“. Dieses Lupulin ist der eigentlich wertvolle

Bestandteil des Hopfens, der Träger seines Aromas

und seiner Bittere.

Zur Produktion eines normal gehopften Bieres

ist eine Gabe von 120 g – 150 g je hl Hopfen

nötig. Die Hopfengabe schwankt allerdings stark

in Abhängigkeit von der Biersorte. Für ein Weißoder

Weizenbier beispielsweise ist eine geringere

Hopfengabe nötig, das Pils wird erheblich stärker

„gehopft“, es benötigt ungefähr doppelt soviel

Hopfen wie ein Weißbier.

35


Der heilige Berg

Das Kloster Andechs, von weither sichtbar auf dem Heiligen

Berg über dem Ostufer des Ammersees gelegen, ist der

älteste Wallfahrtsort Bayerns und seit 1850 Wirtschaftsgut

der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München.

DIE KLOSTERBRAUEREI

Die Klosterbrauerei ist heute in Deutschland

die größte von nur noch wenigen

authentischen Klosterbrauereien, die eine

existierende Ordensgemeinschaft konzernunabhängig

führt. Sie gehört den Benediktinern

von St. Bonifaz in München

& Andechs. Gebraut und abgefüllt wird

nur vor Ort in Andechs. Klöster waren immer

schon spirituelle, kulturelle und ökonomische

Zentren, die in regem Austausch

mit ihrer Umwelt standen. „Ora et labora“

ist das Leitwort, nach dem die Benediktiner

gemäß der Regel des heiligen Benedikt

von Nursia (480 – 547) arbeiten. So finanzieren

die Mönche von Sankt Bonifaz

und Andechs durch ihre Wirtschaftsbetriebe

das pastorale, kulturelle und soziale

Engagement der Abtei in München und

Andechs. Dies ist umso wichtiger, da das

Kloster keine Zuwendungen aus dem Kirchensteueraufkommen

erhält.

WALLFAHRTSORT

Die Benediktiner betreuen seit 1455

die Wallfahrt. Sie leben nach der Regel

des Heiligen Benedikt, die gerne auf die

Kurzformel „ora et labora - bete und arbeite“

gebracht wird. Auf dem Heiligen

Berg engagiert sich die klösterliche Gemeinschaft

in der Seelsorge für Wallfahrer,

in der Pfarrseelsorge der umliegenden

Gemeinden, und in der Leitung der

Wirtschaftsbetriebe.

AUSRUHEN UND GENIESSEN

Sie haben die Wahl zwischen drei kulinarischen

Orten: dem traditionellen

Bräustüberl mit seiner großen Terrasse

und dem herrlichen Rundblick

auf das Alpenvorland, dem Klostergasthof

mit gehobener bayrischer Gastronomie

oder dem Biergarten mit seinen

schattigen Kastanienbäumen gegenüber

dem Klostergasthof.

Zu den Köstlichkeiten aus der Klostermetzgerei

passt natürlich am besten

ein frischgezapftes Andechser Klosterbier

oder auch die Andechser Alkoholfreien,

die im Bräustüberl ausgeschenkt werden.

Um ein bisserl Gefühl vom Heiligen

Berg mit nach Hause zu nehmen, bieten

sich die Vierer- und Sechser-Tragerl an, die

Sie am Ausschank des Bräustüberls erwerben

können. Ein willkommenes Mitbringsel

dazu sind die Frischkäse-Zubereitungen

und der Andechser Klosterspeck, die

Ihnen an der kalten Theke auch reisefertig

eingepackt werden. Passende Andechser

Gläser und Seidel sowie andere Andenken

an Ihren Besuch finden Sie im Klosterladen

oder auch im Onlineshop.

ANREISE

Vom großen kostenfreien Parkplatz aus ist

es nur ein kurzer Fußmarsch zur modernen

Brauerei des Klosters Andechs. Aber


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auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist

das Kloster von München aus in unter einer

Stunde zu erreichen.

Führungen: montags, dienstags und

mittwochs (nicht an Feiertagen) finden

einstündige Führungen durch die Klosterbrauerei

statt, wo wir Sie mit der abendländischen

Braukunst und der benediktinischen

Brautradition am Heiligen Berg

vertraut machen. Aber auch ein „geführter

Blick“ durch die Andechser Wallfahrtskirche

lohnt sich. Zu allen Führungen

melden Sie sich bitte vorab unter 08152-

376253 oder per Mail an.

Kloster Andechs

Bergstraße 2, 82346 Andechs,

www.andechs.de


GENUSS | WEISSWURST

Die Weißwurst ist und

bleibt eine der bekanntesten

Münchner Spezialitäten.

Sie wird traditionell frühmorgens

hergestellt und

bevorzugt auch schon vormittags

zum Frühschoppen in

Wirtshäusern mit süßem Senf,

Brezn und Weißbier serviert.

Die Rezepte der Metzgereien

für „ihre“ Weißwurst

sind meist ein

gut gehütetes

Geheimnis

KÖNIGIN

DER WÜRSTL

Da München als Geburtsort der Weißwurst

gilt, ist es kein Zufall, dass die

Münchner Metzger-Innung einmal im

Jahr die beste Weißwurst der Stadt prämiert.

Eine Fachjury, bestehend aus Metzgermeistern,

Lebensmittelsachverständigen,

Wirten, Veterinären, Gastronomen

und Verbrauchervertretern beurteilt die

Würste nicht nur mit strengem Blick, sondern

auch mit feinen Gaumen. Wir haben

die Metzgerei Magnus Bauch besucht,

die von der Münchner Metzger-Innung

mehrfach mit „Gold“ bei der „Weißwurst-

Qualitätsprüfung“ ausgezeichnet wurde.

WIE WIRD DIE WEISSWURST

EIGENTLICH GEMACHT ?

Früher galt das Herstellen von Weißwürscht

als absolute Schwerstarbeit. Nach

dem Schlachten und Zerwirken musste

das Kalb- und Schweinefleisch zunächst

einmal geschlegelt werden. Mit mächtigen

Hämmern (Schlegeln) aus Holz wurde

dabei das Fleisch bearbeitet und dadurch

zu einem unansehnlichen Brei geschlagen,

kurzerhand einfach „zerbaatzt“. Eine

anstrengende, schweißtreibende Arbeit

war es anschließlich auch, diese Masse mit

Wasser und dem Speck kräftig zu verrühren

und zu verkneten. Dazu benötigt der

Metzger jede Menge Muskelschmalz und

Ausdauer. Die früheren Wurstmacher waren

um ihr tägliches tun wirklich nicht zu

beneiden. In der heutigen Zeit haben es

die Hackebeil-Dompteure der Metzgerzunft

viel leichter bei ihrer Arbeit. Moderne

„Kutter“ und andere computergesteuerte

mechanische Hilfen machen die

Herstellung von Weißwürsten beileibe

nicht zum Kinderspiel, aber doch wesentlich

bequemer. Zunächst werden angefrorenes

Muskelfleisch vom Kalb und das

Schweinefleisch mit dem Schweinespeck

38


BAYERISCHE KÜCHE

Magnus Bauch präsentiert

stolz seine frischen Weißwürste.

(Rückenspeck) im Cutter mit 4.200 Umdrehungen

pro Minute zerkleinert. Dieser

elektronische Metzgergeselle übernimmt

die Arbeit des Schlegelns in perfekter

Form. Der Metzger gibt nun erst Salz zu

dem ganzen „Baatz“. Es schließt das Eiweiß

im Fleisch auf und macht es fähig zur

anstehenden gründlichen Vermählung

mit dem warmen Speck und dem Wasser.

Letzteres wird in Form von gestoßenem

Eis beigemengt, um die Masse ordentlich

abzukühlen. Denn durch das intensive

Rühren und Zerkleinern des Cutters

steigt stetig die Temperatur im Brät. Die

18-Grad-Marke darf diese jedoch in keinem

Fall überklettern, denn dann gerinnt

das Eiweiß und der Weißwurst-GAU,

das größte anzunehmende Unglück,

würde eintreten. Eine Vermischung von

Fett, Wasser und Fleisch wäre dann nicht

mehr möglich. Die Weißwurst hätte keine

Konsistenz mehr und würde sich beim

Abbrühen in einen festen und einen flüssigen

Teil spalten. Ein Problem, das in den

Zeiten, als es praktisch noch keine ausreichende

Kühlung gab, immer wieder zu

mittleren Katastrophen führte.

Das Brät sieht nun aus wie eine schwere

Mayonnaise in leichtem jungfräulichem

Rosa. Der Metzger greift nun zum Häutelwerk,

das sich

aus gekochten

Kalbskopfteilen

mit Haut, Bindegewebsteilen

von Kälbern

und gekochten

Schweineschwarten

zusammensetzt,

und gibt es der Menge

bei. Anschließend

folgen Gewürze wie

Muskatblüte (Macis-

Blüte), Glutamin und Selleriesalz

sowie Phosphat als Geschmaks-Stabilisatoren.

Danach

wandern Zwiebeln, Zitronenschalen

und nicht zu vergessen die Petersilie, die

der Weißwurst einen freundlichen Teint

verleiht, in die Brätmasse. Der Metzger

gibt nun noch einmal Vollgas mit dem

Cutter, mischt und prüft danach, ob das

Brät nun richtig, also nicht zu fest und

nicht zu dünn ist und korrigiert, wenn

nötig. Deshalb gibt es auch kein Patentrezept,

wie viel genau vom Kalb- oder

Schweinefleisch, dem Speck oder dem

Wasser in die Wurst müssen Täglich ist

zum Beispiel die Qualität des Fleisches

eine andere, oder die des Specks. Der

Metzger muss alle Komponenten berücksichtigen,

um eine perfekte Weißwurst zu

fabrizieren.

Die richtige Emulsion und die passende

Konsistenz des Bräts zu erreichen,

erfordert von ihm eine handwerkliche

Kunstfertigkeit. Sie ist vergleichbar der

des Knödelmachens. Auch hier kommt

es drauf an, dass der Knödel schön locker

wird. Er darf deshalb auch nicht zu schwer

sein. Wird er klotzig oder zu leicht, fällt

er auseinander. Wenn zehn Hausfrauen

39


GENUSS | WEISSWURST

DAS AUSZUZZELN

Puristen und traditionelle Hardliner zeledas

gleiche Rezept zur Knödelherstellung

benutzen, gelingt bekanntlich maximal

zweien, nämlich denen mit den „goldenen

Händen“, ein perfekter Knödel.

Die anderen machen sehr gute und gute

und ordentliche. Eine oder zwei erleben

– trotz größtem Bemühen – immer ein

Desaster.

DIE WEISSWURST UND DAS

ZWÖLFUHRLÄUTEN

„Die Weißwurst darf das Zwölfuhrläuten

nicht hören“ heißt es landauf landab, und

diese Regel wird mit Messer und Gabel

wehrhaft verteidigt. Mit dem Schlag ist

selbstverständlich der Glockenschlag gemeint,

der für die Wirtshäuser rund um

den Münchner Marienplatz vom Alten

Peter oder von der Frauenkirche, im übrigen

Bayern am jeweiligen Glockenturm

der Gemeinde ertönt.

Die Geister scheiden sich jedoch, ob es

sich dabei um die Zeitanzeige für elf Uhr

oder um das Zwölfuhrläuten handelt, das

die Weißwurst angeblich nicht mehr hören

durfte bzw. sollte. Dabei wird meist

die Zwölf-Uhr-Version favorisiert. Dies

dürfte jedoch eine falsche Einschätzung

der Tatsache sein.

WEISSWÜRSTE IMMER STÜCK-

WEISE BESTELLT

Weil die Würste wie gerade gesehen, jeweils

immer nur bei Bedarf produziert

wurden, erfolgte die Bestellung durch den

Gast und anschließend durch die Bedienung

Richtung Küche jeweils nur stückund

nie paarweise. Denn bei der Herstellung

konnte der Wirt die Würste Stück

für Stück fertigen und diese dabei leicht

zählen. Bei einem paarweisen Abfüllen

wäre der Patron oder der Geselle sicherlich

beim Zählen des Öfteren unfreiwillig

ins Schleudern geraten, was so manchen

„Bluatssakra“ oder „Krutzitürken“-Fluch

und weit Schlimmeres zur Folge hätte.

Die stückweise Bestellung der Weißwürscht

hat bekanntermaßen als unumstößliche

Regel bis zum heutigen Tag

nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt.

Zur Tradition gehört es heute auch, Die

Weißwürste immer in ungerader Zahl zu

bestellen. Das macht zwar nicht unbedingt

Sinn, ist aber so.

DIE TECHNIK DES WEISSWURST-

ESSENS

Ein Bayer sitzt im Hofbräuhaus und isst

Weißwürscht. Nach alter Väter Sitte

nimmt er dabei die Wurst in die Hand

und zuzzelt sie akkurat und mit Wonne

aus. „Bei uns in Balin“ sagt plötzlich sein

Nachbar spitz und deutlich „bei uns in Balin,

essen wa die Würstchen aber anders,

Menecken.“ Der Bayer sieht ihn erstaunt

und fragend an. „Jawohl!“ fährt der Preuse

ungerührt fort, „da nehmen wa eine

Jabel in de linke und’n Messa in de rechte

Hand!“ „So?“ staunt der Bayer ungläubig,

„und mit welchera Hand nehmts ös

nacha de Weißwurscht?“ Die Geschichte

zeigt in urmünchnerischter Form, dass

das Essen der Weißwurst eine Kunst ist.

Im Hofbräuhaus – so wird glaubhaft

versichert – gab es sogar schon exotische

Gäste aus preußischen und amerikanischen

Landstrichen, die allen Ernstes versuchten,

die Weißwurst mit dem Messer

auf eine Semmel zu schmieren, wogegen

diese sich wiederborstig sträubte. Nicht

in den Bereich der Fabel gehört auch die

Methode, sie vor dem Verzehr jedes Mal

ins Bier einzutauchen. Das nur nebenbei.

Münchens beliebtester Linksrumdenker,

Karl Valentin, würde das Problem der

Verzehrtechnik heute sicherlich mit dem

alten Spruch „ Ja, wie nemma denn dem“

angehen. Womit er sich zunächst einmal

der Ehrenmitgliedschaft im Klub „Rettet

den Dativ“ sicher sein könnte, der Lösung

des Problems keinen Schritt näher gekommen

wäre.

Ja, wie wird die Weißwurst nun richtig

gegessen? Diese Frage spaltet selbst alteingesessene

Stammtische, die das Weißwurstverzehren

bei jedem Frühshoppen

zur kulturellen Zeremonie erheben.

40


BAYERISCHE KÜCHE

brieren dabei das Ritual des Auszuzzelns.

Wobei hier allein die Frage der richtigen

Schreibweise schon des Öfteren einen

Glaubenskrieg ausbrechen ließ. So sind

auch auszuzeln, auszutzeln und aussuzeln

gebräuchlich – und generell vertretbar.

Mit drei Z kommt das Wort aber

der Technik sicher am nächsten. Weil

man ganz vorsichtig die Wurst durch die

Zähne zzziehen muss. Ins Hochdeutsche

übersetzt heißt auszuzzeln soviel wie

aussaugen. Das Auszuzzeln wird folgendermaßen

zelebriert: Man nimmt die

Weißwurst mit der Hand, taucht sie mit

der Spitze tief in den süßen Senf, schiebt

die Wurst mitsamt der Haut etwa drei

Zentimeter tief in den Mund. Danach

beißt man zart rein und zieht die Weißwurst

vorsichtig durch die fast geschlossenen

Zähne raus. Das Brät, das Ziel der

Begierde, bleibt so im Mund zurück.

Anschließend tunkt man die übriggebliebene

Zweidrittel-Weißwurst samt leerer

und somit erschlaffter Wursthaut wieder

in den Senf und startet den nächsten

Anlauf mit gleicher Prozedur. Nach drei

bis maximal vier Durchgängen bleibt nur

noch die Wursthaut leer übrig. Beim Auszuzzeln

kommt der feine Geschmack der

Weißwurst am besten zum Tragen, deshalb

gibt es nichts Besseres, schwören die

eingefleischten Anhänger dieser Methode

Stein und Bein. Optisch sieht das Ganze

aber alles andere als ästhetisch aus, und

die Haut gleicht am Ende mehr einemabgewrackten

und ausgelutschten Kaugummi

oder noch Schlimmeren. Das Auszuzzeln

ist jedoch sicherlich die älteste Art

und Form des probaten Weißwurstessens.

Unsere Altvorderen waren des Öfteren

mit dem Problem konfrontiert, dass –

bedingt durch hohe Außentemperaturen

und mangelnde bzw. überhaupt nicht vorhandene

Kühlung – die Vermischung von

Fett, Wasser und Fleisch nicht so hundertprozentig

klappte und die Weißwurst

93 41


GENUSS | WEISSWURST

KRITERIEN EINER

GUTEN WEISSWURST

Woran erkennt man nun eine gute,

frische Weißwurst? Hierzu gibt es

festgelegte Bewertungskriterien. Sie

beziehen sich auf fünf Bereiche: das

Aussehen, die Konsistenz, den Geruch,

den Geschmack und die Würzung.

Die Kriterien im Einzelnen:

Die Weißwurst soll leicht glänzen,

von feiner heller marmorierender

Farbe mit schönen Petersilie-

Einschüssen sein. Die Weißwurst

soll sich prall und elastisch anfühle.

Nach dem Heißmachen muss das

Brät sich flaumig und weich aber

dennoch mit Biss sein Hier zeigt

sich die wahre Kunstfertigkeit

des Metzgers. Die Weißwurst soll

nur zart nach Kalbfleisch, Speck, Petersilie

und Zitrone duften. Andere Würste mögen

riechen, eine Weißwurst duftet. Die

Weißwurst soll nach dem feinen Kalbfleisch

und Häutelwerk schmecken. Sie soll die

Geschmacksnerven im Mund geradezu umschmeicheln,

der Geschmack darf nicht zu

laut sein. Die Weißwurst soll nur schwach

gesalzen sein. Muskatblüte, Zwiebel,

Petersilie und Zitrone sorgen für das besondere

Aroma der Wurst. Für die Vollendung

der Geschmackskomposition wartet dann

der Weißwurstsenf.

nach dem Abrühren aus einem flüssigen

und einem festen Teil bestand. Da musst so

manches verunglücktes Exemplar nicht nur

ausgezuzzelt, sondern sogar ausgetrunken

werden. Dieses kulinarische Drama wurde

dann oft gerne mit den hohen Wasserkosten

des Metzgers in Verbindung gebracht,

was besonders Dreiquartel-Privatiers mit

Vorliebe taten. Granteln gehört halt zu

Bayern – wie die Weißwurst. Wie wir soeben

gelernt haben, verlässt sich der extrem

traditionsbewusste Bayer lieber auf sein natürliches

Besteck, als das er zu Messer und

Gabel greift. Der etwas fortschrittlichere

Bajuware setzt aber sowohl Hand als auch

moderne Technik ein. Er halbiert zunächst

die Weißwurst mit dem Messer und zuzzelt

danach diese genüsslich aus. Vorteil dieser

Methode: Er muss die Wursthaut nicht

wie einen langen Kaugummi durch die

Zähne ziehen, sondern immer nur ein viel

kleineres Stück.

Eine Alternative dazu ist, Weißwurst zu

halbieren, dann jedes der beiden Stücke der

Länge nach aufzuschlitzen. Anschließend

schält man das Brät mit den Fingern aus der

Haut und verzehrt es händisch mit Genuss.

TECHNIK MIT MESSER

UND GABEL

Weil der unfallfreie Umgang mit Messer

und Gabel in unseren Breitengraden jedoch

stetig auf dem Vormarsch ist und

diese gastronomische Entwicklungsstufe

sich fast schon in der Endphase befindet

(Ausnahmen bestätigen die Regel),

setzt sich immer mehr folgende Methode

durch, eine Weißwurst genüsslich zu verzehren:

Man nehme ein scharfes Messer,

schneide die Weißwurst auf eine Seite in

ihrer ganzen Länge auf, greife danach mit

dem Messer zwischen Brät und Wursthaut,

halte die Haut mit der Gabel fest

und schabe/ rolle das Brät mit dem Messer

heraus. Danach kann man dieses Stück

für Stück sich munden lassen. Diese Bananen-Schneide-Methode

erfordert jedoch

bei der Handhabung des Messers eine gewisse,

fast schon chirurgische Kunstfertigkeit.

Denn dem leicht bananenförmigen

Radius der prallen Weißwurst zielgenau

zu folgen, erweist sich als nicht so einfach

und bedarf der Übung.

Auch das Auspellen endet des Öfteren mit

eine mittleren Katastrophe. Der Wurstinhalt

liegt dann ziemlich zerfleddert auf

dem Teller. Diese Methode gleicht in den

Augen vieler Bayern mehr einer Schlachtung

der Weißwurst als einer artgerechten

Esstechnik, soll aber bevorzugt von

Preuß’n angewendet werden.

Deshalb ist die zweite Art der Messerund-Gabel-Variante

anzuraten. Sie hat

sich vielerorts fast schon als Standartmethode

durchgesetzt: Man schneide die

Weißwurst in der Mitte vertikal durch.

Danach trennt man die Hälfte der Wurst

horizontal in der Mitte durch, hält mit

der Gabel die Haut auf dem Teller und

trennt mit dem Messer den Wurstinhalt

heraus.

WAS MAN ZUR WEISSWURST

ISST UND TRINKT

Weißwurst, Bier und Brezn bilden eine

perfekte geschmackliche Dreieinigkeit,

Synonym des vollendeten Genusses für

den weißblauen Brotzeitmacher und den

Freunden dieser bayerischen Lebensgewohnheit.

Als Getränk zur Weißwurst

kommt nur Bier, Bier und nichts als Bier

in Frage. Das muss einmal festgehalten

werden. Im Laufe der Zeit hat sich dabei

inzwischen immer mehr das Weißbier

durchgesetzt. Das liegt keinesfalls an der

Namensverwandschaft, sondern einfach

am Geschmack dieses obergärigen, bayerischen

Grundnahrungsmittels, das wie die

Weißwurst längst die ganze Welt erobert

hat. Frisch eingeschenkt, versehen mit

einer Scheibe Zitrone, steht es im besten

harmonischen Einklang zur Weißwurst.

Das liegt nicht allein daran, dass in der

sich ebenfalls eine Zitrone befindet. Vielmehr

passt der leicht heftige Geschmack

aufs Beste zum feinen Wurstgusto. Das

Weißbier erweckt mit seiner prickelnden

Frische einfach die geschmacklich doch

etwas dezente Weißwurst gleichsam zu lebendigem

Kulinarium, haucht ihr Power

Mythos Weisswurst

von Peter M. Lill und Ludwig Margraf

Geschichten, Anekdoten und Wissenswertes

über die Primadonna der Würste.

Köstliche Zeichnungen und histrische Fotos.

160 Seiten, 14 x 21 cm, gebunden, Preis: 9,90 €

ISBN: 978-3-928432-23-8

42


BAYERISCHE KÜCHE

ein, wie das heute auf Neudeutsch heißt.

Als Alternative zum Weißbier bietet sich

allen Weißwurst-Anhängern schon aus

alter Tradition ein feines, gut temperiertes

Helles an. Dies ist alles andere als zu

verachten. Der feine, dennoch würzige

Hopfengeschmack des Bieres passt ebenso

zur Weißwurst wie der Hefegeschmack

der „Weiß’n“. Früher war es üblicher, ein

Helles dazu zu trinken. Eine Halbe, meist

aber eine Maß. Mit halben Sachen gab

und gibt sich der Bayer einfach ungern ab.

Auch nicht mit der 0,5-Promille-Grenze,

die ihn aber immer mehr zur Halben

zwingt. Ob man ein Weißbier oder ein

frisch gezapftes Helles bevorzugt, hängt

nicht nur von der Jahreszeit oder dem

Durst ab, sondern auch vom persönlichen

Befinden des Brotzeitmachers. Ein Weißbier

puscht ein wenig auf, wenn die Gedanken

etwas trübe sind, ein schönes Helles

beruhigt nach den Aufregungen oder

der Hektik eines Vormittags. Da kann die

Seele dann ein wenig baumeln.

DIE BREZEN – EINE MÜNCHNER

ERFINDUNG

Was gibt es Schöneres, als ein ansehnliches

Stück Weißwurst genüsslich zu portionieren,

in Weißwurstsenf zu tunken

und es dann zu verspeisen. Gesteigert

wird das Vergnügen, wenn man das Ganze

dann anschließend mit Bier und einer

reschen bayerischen Brezn „abischwoabt“

(hinunterspült). Zur Weißwurst isst man

heute meist eine knusprige Brezn, oder

auch eine Breznstange. Dabei sollte es

sich aber um eine schön glänzende, kleine,

bayerische Brezn handeln, bei der die sattbraune

Oberfläche an manchen Stellen

leicht aufgesprungen ist, so dass der gebackene

weiße Breznteig herauslugen kann.

Die Brezn sollte nicht zu hart und nicht

zu weich sein. Der Bäcker benötigt dafür

ein feines Händchen. Der Teig besteht aus

hellem Weizenmehl und hat einen erhöhten

Anteil an Schmalz oder Fett. Früher

wurde in Bayern der Teig noch händisch

geschlungen. Dabei wurde peinlich darauf

geachtet, dass die „Brazler“, die Enden

des Teiges, richtig und sauber platziert

waren.

DER WEISSWURST-SENF

1720 war ein wichtiges Jahr in der Geschichte

des Senfs. Ein Clemens of Durham

fand in England einen Weg, Senfkörner

zu einem feinem Mehl zu vermahlen.

Dies war die Geburtsstundes des Weißwurst-Senfs.

Johan Conrad Develey gilt

als Erfinder des Senfs. Develey gründete

1845 in der Kaufingerstraße im Zentrum

von München eine Senffabrik. Schnell hat

man erkannt, dass eine süße Variante auf

dem Markt fehlte. So gab Johann Conrad

Develey erstmals zum Gelb- und Braunsenf

auch Essig, Zucker und Gewürze

und kochte diese Mischung. Der Zucker

wurde mit glühenden Schürhaken karamelisiert.

Das erzeugt einen sehr feinen

Geschmack, der den Senf ganz vorzüglich

munden ließ. Gemischt und gekocht

mit Wasser, Salz, Zwiebeln, Nelken, etwas

Jamaika-Piment und Muskat-Nuß

ergab es einen Senf, wie man ihn bislang

noch nicht kannte. Später wurden die

Senfkörner nicht mehr gekocht, sondern

grob vermahlen. Den Durchbruch verschaffte

Develey seiner Erfindung, indem

er ihm braunen Farinzucker beimischt.

Damit war der „süße Senf “ geboren,

eine Münchner Spezialität, die bei keiner

Weißwurst fehlen darf.

Und wenn Sie mal in München sind,

dann ist ein Weißwurst-Essen ein wahrlich

absolutes Muß!

METZGEREI MAGNUS BAUCH

Thalkirchner Straße 61-65

80337 München

Tel. +49 89 414243860

www.mbwassonst.de

43


GENUSS | GRIESBRÄU ZU MURNAU

SPANFERKEL AUF SCHIENEN IM

BLAUEN LAND

Im „Blauen Land“ am Staffelsee machte seinerzeit eine berühmte

Künstlergruppe von sich reden, die der Region auch ihren Namen gab.

„Der Blaue Reiter“, von Wassily Kandinsky gegründet, scharte so namhafte

Künstler wie Paul Klee, Robert Delaunay und Franz Marc um sich.

Heute schart sich um das örtliche Gewässer die Gruppe der

Staffelseewirte, zu denen auch Michael Gilg zählt.

© haedecke-chris-meier

fotolia.de

Kurz vor der Jahrtausendwende meinte

Michael Gilg zu seiner Mutter: „Wir

machen die Wirtschaft wieder selber.“

Da war der junge Mann erst 22 Jahre alt,

hatte Koch gelernt und wollte ins Leben

starten. Der Zeitpunkt war günstig,

der Vertrag für den fremd verpachteten

Vierkanthof lief aus. Aber die Zeiten

waren schwierig, die Gäste wurden immer

älter – und immer weniger. Junges

Volk tummelte sich anderswo, ging

zum Griechen oder zum Italiener. Beim

Besuch einer Münchner Brauereigast-

90 44


BAYERISCHE KÜCHE

Brauerei Gasthof

Griesbräu zu Murnau

stätte zündete der Funke, da kam ihm

die Idee. „Da gab es bayerische Küche,

eigenes Bier und die Leute haben auf

den Tischen getanzt. Alte und junge.“

Sein Vorsatz stand fest: „Ich baue eine

Brauerei.“ Gesagt, getan, er schritt zur

Tat, die Mutter stand hinter ihm. Er

krempelte alles um, renovierte Haus und

Hof, Küche und Gaststube und pflanzte

zwei kupferne Sudkessel unter die weit

ausladenden Bögen des Gewölbekellers.

„Der spinnt jetzt ganz“, hieß es im Ort.

Schon 1676 war hier gebraut worden,

bis vor 100 Jahren die Thomas-Brauerei

das Anwesen kaufte und die Produktion

nach München verlegte. Der Gasthof

kam kurz darauf zwar wieder in Familienbesitz,

doch das Bier weiterhin aus

München. Keiner gab einen Deut auf

das waghalsige Unternehmen. Doch der

ehrgeizige Murnauer zeigte es allen. Der

Gewölbekeller wurde zur Schaubrauerei

mit Bierkelleratmosphäre und nach

einem Baumarathon von anderthalb

Jahren eröffnete er das „Griesbräu zu

Murnau“. Vom Start weg strömte neue

Kundschaft in Gaststube und Brauhaus.

Die Tradition war heimgekehrt.

Die Liebe zur Landschaft, die Leidenschaft

fürs Genießen und die Freude

an frischen und ehrlichen Produkten

– das ist der Anspruch, der auch im

„Griesbräu“ von seinem Küchenchef

Günter Neumann mit kundiger Hand

gepflegt wird. Selbstredend sind bayerische

Küchenklassiker von dessen

Speisekarte nicht wegzudenken und

erleben hin und wieder ihren unter

großem Hallo begrüßten Höhepunkt,

wenn im Brauhaus James Bonds Titelmelodie

erklingt. Dann wird die mit

Semmelknödeln gefüllte Großartigkeit

eines saftig gebratenen Spanferkels auf

Schienen hereingefahren. Das gute Teil

wird tranchiert, Teller werden gefüllt, es

gibt Blaukraut, Krautsalat und Knödel

satt. Je nach Wunsch und Saison zapft

Braumeister Wolfgang Taubitz auch

eines der Spezialbiere wie „Murnator“,

91 45


GENUSS | GRIESBRÄU ZU MURNAU

„Drachenblut“ oder ein obergäriges

Braunbier namens „Bruno“. Der häufig

geäußerten Meinung, bayerische Küche

neige zur Monotonie und biete lediglich

Standardgerichte im Umkreis von Haxen,

Schweinsbraten und Knödeln, muss

man vehement widersprechen. Gilg

serviert auch höchst unkonventionelle

Schmankerl, die durch Leichtigkeit und

Freude am Experiment den Gaumen

bezaubern. In der Bouillabaisse schwimmen

Fische aus regionalen Seen in Weißbiersud

und der würzige Risotto aus

Weizenmalz muss keinen Vergleich mit

seinen italienischen Vorbildern scheuen.

Im „Griesbräu“ verwöhnen den Gast

zwei sympathische junge Wirtsleute,

die mit ganzem Herz und großer Leidenschaft

Gastlichkeit auf bayerisch

praktizieren. Barbara Gilg macht den

Aufenthalt zum „Home away from

home“, wenn sie den Zugereisten an

der Rezeption empfängt oder mit ihren

Mädels für dessen leibliches Wohl in der

Gaststube sorgt. Die gelernte Kindergärtnerin

konzentriert ihre beruflichen

Fähigkeiten heute vorwiegend auf Flori

und Maxi, ihre beiden Jungs, pflegt aber

ansonsten mit Werbung und Computer

die Kommunikation nach draußen. Ihr

umtriebiger Gatte ist derweil überall

im Haus zugange. „Ich bin der Hausmeister“,

meint er lachend und tüftelt

oder bastelt an weiteren Projekten und

baulichen Neuerungen. Oder er holt

sich ein Bier, setzt sich zum Gast und

ratscht übers Bier, über alte Brautechniken,

Kühlschiffe und erklärt dem erstaunten

Zuhörer, dass Bier doppelt so

viele Aromastoffe enthält wie Rotwein.

Das macht er gern, da fühlt er sich wohl.

Denn er ist Gastwirt.

AUSFLUGSTIPPS

Der oben bereits erwähnte „Blaue Reiter“

ist in und um Murnau in Museen

und auf einem Kunstspaziergang durch

Murnau anzutreffen. Warum sich die

Künstlerinnen und Künstler so begeistert

von dieser Landschaft inspirieren

ließen, erfährt man am besten bei Wanderungen

zu Fuß oder per Fahrrad an

den Staffelsee, durchs Murnauer Moos

oder entlang der malerischen Loisach.

Griesbräu zu Murnau

Barbara und Michael Gilg

Obermarkt 37

82418 Murnau

Telefon: 08841/1422

www.griesbraeu.de

Wirtsleute: Michael und Barbara Gilg

Küchenchef: Günter Neumann

Brauerei: Braumeister Wolfgang Taubitz

Chris Meier

Hopfen, Malz und gutes Essen!

29 Adressen in Deutschland und eine in der Schweiz von privaten

Brauereigasthöfen, die sich durch ihr Bier, ihre Gastlichkeit und einen ganz

besonderen Charme auszeichnen. Hier lässt sich vorzüglich essen, trinken

und meist auch übernachten. Dazu stellen die Bierbrauer, Wirte und

Wirtinnen ihre Lieblingsrezepte vor.

Brauereigasthöfe mit Charme

Privatbrauereien und ihre Lieblingsrezepte

Texte und Fotos von Chris Meier

186 Seiten, 227 Farbfotos, 175 x 270 mm,

mattcellophaniertes Hardcover

Deutschland: € (D) 19,90, Österreich: € (A) 20,50

ISBN 978-3-7750-0629-3, November 2012.

HÄDECKE VERLAG, Weil der Stadt.

www.haedecke-verlag.de

www.facebook.com/haedecke.verlag

mizzis-kuechenblock.de – Hädeckes Genussblog

Kleine, individuelle Hausbrauereien schaffen es

durch die besondere Qualität und den eigenständigen

Charakter ihrer Biere sich erfolgreich neben

dem Einerlei der Bierkonzern-Angebote in den

Supermärkten zu behaupten. Denn immer mehr

Menschen wissen ein handwerklich hergestelltes

Bier mit seinem unverwechselbaren Geschmack

zu schätzen. Chris Meier stellt in seinem neuen

Buch nicht nur die unterschiedlichen Biersorten

der Privatbrauereien, sondern auch die angeschlossenen

Brauereigasthöfe und die Menschen

vor, die hinter Brauerei, Gasthof und den

geschmackvollen Produkten stehen. In einfühlsamen

Porträts zeigt er, was sie bewegt und wie

sie arbeiten.Ausflugstipps bei den Adressen und

die Übernachtungsmöglichkeiten in den privaten

Brauereigasthöfen bieten ausreichend Ideen für

den nächsten Kurztrip, Biergenüsse und regionale

Spezialitäten laden ein, sie an Ort und Stelle zu

kosten. Und wer nicht sofort losfahren kann,

der kann lesen, eine Bier-Rundreise planen und

dabei die Lieblingsrezepte der Brauer, Wirte und

Wirtinnen zu Hause nachkochenZusätzlich zu den

Adressen im Buch hat der Verlag online eine frei

verfügbare Karte auf Google Maps erstellt, mit der

man alle Adressen des kulinarischen Reiseführers

in die Routenplanung einbinden kann: http://

goo.gl/maps/oLLve Chris Meier ist Autor und

Foodfotograf und schätzt nicht nur edle Weine,

sondern hat als ausgewiesener Bierfreund bei der

Arbeit an diesem Buch mit großem Vergnügen

und Genuss die Vielfalt des Gerstensafts entdecken

können – zumal er selbst aus einer Familie

mit alter Brautradition stammt.

46


BAYERISCHE KÜCHE

Zutaten:

4 Personen

Für die Füllung:

Je 100 g Filets von

Lachsforelle, Zander und

Renke (oder anderen heimischen

Fischen)

1 Karotte

1 mittelgroße Zwiebel

1 Stange Lauch

1 EL Olivenöl

2 Tomaten

1 Zehe Knoblauch

1 kleiner Strauß Petersilie

0,2 l Weißbier

Safran

Salz

Pfeffer aus der Mühle

Dill

Weißbierbouillabaisse

So geht’s

Die Fischfilets kalt abspülen, trocken tupfen und in

Stücke schneiden.

Karotte, Zwiebel und Lauch fein hacken und kurz in

Olivenöl anrösten. Die Tomate schälen (zuvor kurz in

kochendes Wasser tauchen, dann löst sich die Schale

leichter), in Würfel schneiden und mit Knoblauch,

Petersilie, Safran und Gewürzen dazugeben. Die

Fischstücke dazugeben, knapp mit Wasser und

Weißbier bedecken und offen ca. 15 Minuten köcheln

lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und vor dem

Servieren mit Dill garnieren.

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Wandergenuss

XXL

Die Ammergauer Alpen gehen in die Verlängerung. Genießen

Sie den Sonnenherbst: Stabile Wetterlage, zahlreiche

Sonnenstunden und lange Betriebszeiten der Bergbahnen bescheren

Outdoorfans Gipfelglück bis Mitte November.

Bis dahin ist die Laber-Bergbahn in

Betrieb, die ihre Passagiere raus aus

der grauen Nebelsuppe und rauf ins

gelb-orangene Farbenmeer chauffiert.

Naturliebhaber erwartet auf dem beliebten

Hausberg Oberammergaus

eine gigantische Fernsicht über die

Gipfelwelt und eine große Auswahl an

Wanderwegen für jede Könnerstufe.

Zurück im Tal erleben Urlauber in den

Frei- und Heißbecken im „WellenBerg“

ein Sommer-Revival, denn auch das

Schwimmbad ist im Herbst und Winter

durchgehend geöffnet.

„Mit dem ‚Sonnenherbst‘ wollen wir

Gäste auf die noch sonnen-intensiven

Monate bis in den November hinein

aufmerksam machen“, erklärt Nicole

Richter, Ammergauer Alpen GmbH.

Denn verglichen mit nichtalpinen Teilen

Deutschlands kommt die beliebte

Urlaubsregion wettertechnisch deutlich

besser weg. Ebenfalls typisch für die

Voralpenlandschaft sind die Inversions-

Wetterlagen, die dafür sorgen, dass

über dem dichten Nebel im Tal warmes

Herbst-Wetter herrscht. „Ideal also für

ausgiebige Wandertouren.“ Urlauber

wählen dabei aus dem 500 Kilometer

umfassenden Wegenetz und stellen sich

ihre Lieblingsroute am besten mit dem

interaktiven Tourenplaner zusammen.

Königlich kombiniert: In den Ammergauer

Alpen können Wanderer die

intakte Natur erleben und zugleich architektonische

Schmuckstücke bewundern.

Die raue Bergwelt verzauberte bereits

König Ludwig II., der mit Schloss

Linderhof ein kulturelles Highlight

setzte. Egal ob Genusswanderer oder

Gipfelstürmer, Kulturwanderer und

Abenteurer: Vom Spaziergang durch

das Graswangtal mit Besichtigung

des Königsschlosses über die zünftige

Bergtour zur Notkarspitze bis hin zum

Klettersteig am Ettaler Mandl ist für

jeden eine Tour dabei. 2015 verlängern

die Ammergauer Alpen das herbstliche

Outdoorvergnügen sogar noch!

Die beliebte Laber-Bergbahn in Oberammergau

lädt bis einschließlich 15. November

zum Sonnenherbst ein: Gipfelglück

bei klarer Luft, Sonnenschein und fantastischer

Weitblick! Da die Ammergauer

Alpen die bayernweit einzige Region der

europaweit verteilten „Best-of-Wandern“-

Gebieten ist, steht Gästen auch ein „Best-


ANZEIGE

of-Wandern-Testcenter“ zur Verfügung

wo Wanderbegeisterte neuestes Outdoorequipment

von Markenherstellern wie

Wanderschuhe, Kindertragen, Ferngläser

oder Funktionsjacken kostenlos ausleihen

und testen können. Da stellt sich dem

Wanderer nur noch eine Frage: Wo soll es

nun hingehen?

Wer dem hektischen Alltag ein Schnippchen

schlagen möchte, gondelt einfach

mit der Hörnle-Schwebebahn auf den

Zeitberg (1.404 m). Das Herzstück des

4,3 Kilometer langen Gipfelrundwegs

sind fünf Stationen über das Leben am

Berg, die Weidewirtschaft oder die Tierwelt

informiert. Wer lieber auf Fernwanderwegen

unterwegs ist, lässt Schritt für

Schritt den Stress des Alltags auf dem

Meditationsweg Ammergauer Alpen

hinter sich. Auf der insgesamt rund 87

Kilometer langen Strecke, die von der

berühmten Wieskirche zu Schloss Linderhof

führt, laden 15 Stationen laden

zur inneren Einkehr ein.

Besonderer Tipp: Eine Herbst-Wanderung

mit dem Körpertherapeuten Norbert

Parucha über den Meditationsweg

Ammergauer Alpen. Der Sinnespfad leitet

auf insgesamt 87 Kilometern zu den

15 schönsten Kraftorten der Region und

lädt zwischendurch immer wieder zu meditativen

Übungen und zum Innehalten

ein. „Die Farben zu dieser Jahreszeit sind

besonders intensiv, die Luft klar und allem

wohnt eine gewisse Ruhe inne. Das ist unglaublich

entspannend für die Seele und

den ganzen Organismus“, erklärt der Bad

Kohlgruber.

Übrigens: Die passende Ausrüstung,

vom Rucksack über Outdoor-Kleidung

bis hin zum GPS-Gerät, kann man

sich im „Best-of-Wandern-Testcenter“

(www.best-of-wandern.de) in Bad

Kohlgrub ausleihen.

Mehr Informationen zu den Ammergauer

Alpen, die kostenlose Wander-

Broschüre und die GPS-Routendaten

finden Sie unter:

Ignihillo ex ex exeribustem faciate

mpernat enieni dolesseque coria nimenem

quae dit eum aliquas sed

Ammergauer Alpen GmbH

Eugen-Papst-Str. 9a

82487 Oberammergau

Tel. + 49 (0) 88 22 / 922 74-0

info@ammergauer-alpen.de

www.ammergauer-alpen.de


GENUSS | WIRTSHAUS IN DER AU

DIE

KNÖDEL-EXPERTEN

50


BAYERISCHE KÜCHE

Das Wirtshaus in der Au zählt zu einer der

schönsten Gaststätten in München. In den

Räumen (Renaissancestil von 1880) eröffnete

um die Jahrhundertwende die Wagner-

Brauerei erstmals einen Ausschank.

Natürlich, ehrlich und bayrisch – 1993

eröffnete Florian Oberndorfer das „Wirtshaus

in der Au“, ein Wirtshaus für Freunde,

Fremde, Nachbarn, ob jung oder alt.

Die Au war bis Mitte des 19. Jhd. Herbergsviertel

der Handwerker und Tagelöhner

vor den Toren Münchens. Heute ist es

ein beliebtes Wohnviertel, das sich noch

einen ganz besonderen Charme bewahren

konnte. An vielen Ecken finden sich historische

Gebäude, Tante-Emma-Läden und

Kunsthandwerker. Auf dem Mariahilfplatz

findet seit Jahrzehnten drei mal im

Jahr die Auer Dult statt. Tradition haben

Der Valentinsaal bietet Platz

bis zu 200 Personen.

dort die vielen Standln mit Geschirr, Trödel

und Antiquitäten.

Das Wirtshaus ist vor allem für die größten

Knödel Münchens und die verschiedensten

Knödelgerichte sowie ihre bayerischen

Klassiker wie Schweinsbraten, Hofente

oder das Bergsteigerschnitzel berühmt.

Urig gemütlich ist der Charme des guten,

alten Wirtshaus in der Au, das in der Vergangenheit

viele Freunde und Stammgäste

gewinnen konnte, und 2006 groß renoviert

wurde. Jedes Eck wurde genau unter

die Lupe genommen und so manches

komplett erneuert. Viele charakteristische

Eigenheiten, wie der große, runde Stammtisch

wurden jedoch beibehalten. Das gesamte

Lokal wurde durch viele liebevolle

Details aufgewertet . Erhöhte Sitzplätze

ermöglichen einen besseren Überblick

im Gastraum, was sich z.B. beim beliebten

Jazzfrühschoppen auszahlt.

Der Stehbereich in der Schwemme mit

Fensterblick ist großzügig gestaltet und

die Bar ist mit gepolsterten Hochbänken

51


GENUSS | WIRTSHAUS IN DER AU

Das Festzelt auf

dem Oktoberfest.

KÖNIGLICH

BAYRISCHES KNÖDELDIPLOM

Seit gut einem Jahr leiten Florian

Oberndorfer und seine Knödelköche

wöchentlich mindestens

einen „Königlich Bayrischen

Knödelkochkurs“, im Valentinsaal

vom Wirtshaus in der

Au. „Wir wollen in lockerer

Atmosphäre viel Wissen um das

bayrische Kulturgut vermitteln, das

Ganze natürlich mit viel Spaß, aber professionell“,

so Oberndorfer, der sich dem Knödel

seit Jahren im Wirtshaus in der Au und seinem

Wiesnzelt, der Münchner Knödelei, verschrieben

hat und Verfasser des Königlich Bayerischen Knödelbuches

ist. In etwa fünf Stunden Knödelkochkurs

demonstriert ein diplomierter Knödelkochkurslehrer

verschiedene Knödelvarianten, die die einzelnen

Teams der Gruppe nachkochen dürfen. Mit Kochschürzen

geschmückt werden die angehenden Knödelköche

ins Knödelrollen, Kochen und vieles mehr

eingewiesen. Dabei wurde schon so manches Knödelgeheimnis

gelüftet. Oder wussten Sie, dass es

auch wichtig ist in was ein Knödel

gekocht wird? Am Ende wird das

Ergebnis jeder Gruppe nach

den Kriterien Geschmack,

Optik und Konsistenz von der

professionellen Knödeljury auf

den Prüfstand gestellt. Für die

Siegergruppe gibt es eine knödelige

Überraschung. Nach erfolgreichem

Bestehen (99,99 % Erfolgsquote)

erhält jeder Teilnehmer das Königlich Bayrische

Knödeldiplom, das die Verbreitung der Kunst um

den Knödel auch fern des Weißwurstäquators legitimiert.

Ein gemeinsames, natürlich knödeliges, 3

Gänge Menü bilden den Abschluss einer informativen

Veranstaltung.

Fazit: Ein pfiffiger Kochkurs für Hobbyköche,

Profis, Bayern, Preußen, Freunde und Firmen, der

mit viel Know How und Liebe zum Detail gestaltet

ist. Wenn Ihre Knödel also auch die Konsistenz

bayrischen Baubetons haben - ab zum knödeligen

Vergnügen ins Wirtshaus in der Au.

52


ausgestattet. Ein Echter „Hingucker“ ist

das „Isarflimmern“ in den Herrentoiletten.

Um dem historischen Gebäude aus der

Gründerzeit gerecht zu werden, wurden

ausschließlich ausgesuchte Naturmaterialien

eingesetzt, um im Stil authentisch bayerisch

zu bleiben. So sind die Wirtshaustische

aus massiver Eiche angefertigt und

die Deckengewölbe mit einer speziellen

quarzierten Kalkfarbe ausgestrichen, die

für die Restaurierung historischer Gebäude

verwendet wird.

Dort, wo einst in den siebziger und achtziger

Jahren der berühmt-berüchtigte „Pop-

Club“ und die Bar „Lilian‘s Affair“ logierten,

finden heute bis zu 220 Personen

Platz. Der „Valentinsaal“, benannt nach

dem berühmten bayerischen Komiker und

Kabarettisten, zählt zu den schönsten bayerischen

Veranstaltungsräumlichkeiten

Münchens und eignet sich für Festivitäten

und Feierlichkeiten sowie für Tagungen

und Seminare gleichermaßen.

Übrigens: Der Herr Valentin ist nicht der

Herr Walentin, sondern der Herr Falentin,

denn es heißt ja auch nicht, man hat

einen Wogel, sondern einen Vogel. Nicht

nur darauf hat der Wortzerklauber Karl

Valentin bestanden. Er beharrte auf seinen

sprachspielerischen Blödeleien, egal,

in welche Absurditäten sie auch ausufern

mochten. Seine Monologe, Dialoge und

Szenen scheinen von allen Fesseln der

Konventionen befreit. Sie leben von sorgsam

entworfener Handlung einerseits und

einer beinahe referenzlosen Sprache andererseits.

Doch Valentins Wahnsinn hat

Methode! Er verwendet seine Komik als

eine Art ‚Dekonstruktion‘, um der Sprache

auf den Zahn zu fühlen, und legt die

elementaren Situationen der Kommunikation,

der Wahrnehmung und Erkenntnis

frei. Seine Wortspielkunst ist heute so

aktuell wie damals.

Das Wirtshaus in der Au bietet heute

Sitzplätze für 230 Gäste, sowie bei gutem

Wetter 120 Plätze im Biergarten. Auf der

abwechslungsreichen Speisekarte finden

sich traditionelle, aber leichte Gerichte.

Selbstverständlich werden die Wirtshaus-

Klassiker, wie Schweinsbraten und Hofente

angeboten, aber das Hauptaugenmerk

gilt den verschiedenen Knödelspezialitäten.

Auf den nächsten Seiten stellen uns

die Köche vom „Wirtshaus in der Au“ den

Knödel und verschiedene Rezepte vor.

Wenn Sie noch mehr über den Knödel

erfahren wollen, dann legen wir Ihnen das

Buch „Das königlich bayerische Knödelbuch“

von Herrn Florian Oberndorfer ans

Herz.

Wirtshaus in der Au GmbH

Lilienstraße 51

81669 München

Tel: 089/4481400

www.wirtshausinderau.de

BAYERISCHE KÜCHE

KARL VALENTIN

UND LIESL KARLSTADT:

THEMA: SEMMELKNÖDEL

Karlstadt: ...Semmelknödel sind Semmelknödel.

Valentin: ...deln.

Karlstadt: ...Was deln?

Valentin: ...Semmelnknödeln heißt´s.

Karlstadt: ...Ich hab ja Semmelknödel gesagt.

Valentin: ...Nein, Semmelnknödel.

Karlstadt: ...Nein, man sagt schon von

jeher Semmelknödel.

Valentin: ...Ja zu einem - aber zu mehreren

sagt man Semmelnknödeln.

Semmel ist die Einzahl und Semmeln ist die

Mehrzahl, das sind also mehrere Semmeln, du

kannst nie aus einer Semmel

einen Semmelnknödel machen.

Karlstadt: ...Machen kann man´s schon.

Valentin: ...Jaja, machen schon, aber wenn

du aus einer Semmel zehn Semmelnknödeln

machen tätst, dann würden die so klein sein wie

Mottenkugeln. Dann würde das Wort Semmelknödel

schon stimmen. Weil´s bloß aus einer Semmel sind.

Aber solang die Semmelnknödeln aus mehreren

Semmeln gemacht werden, sagt

man unerbitterlich Semmelnknödeln.

Karlstadt: ...Richtig muss es eigentlich Semmelnknödeln

heißen, die Semmel muss man betonen,

weil die Knödel aus Semmeln sind.

Valentin: ...Nein, das Wichtigste ist das n

zwischen Semmeln und Knödeln.

Karlstadt: ...Ja wie heißt es dann bei den

Kartoffelknödeln?

Valentin: ...Dasselbe n, Kartoffel n knödeln.

Karlstadt: ...Und bei den Schinkenknödeln ah

- haha –

Valentin: ...Da ist´s genauso - da ist das n

schon zwischen drin, es gibt keine Knödeln ohne n.

Karlstadt: ...Doch, die Leberknödel.

Valentin: ...Ja stimmt - Lebernknödel kann man

nicht sagen!

53


GENUSS | KNÖDEL

DER KNÖDEL

SEINE KULINARISCHE

MAJESTÄT

Jeder hört diese gesungene Sachertorte

gerne, aber kaum einer mag sich dazu bekennen.

Auch dem Knödel ermangelt es

über viele Jahre hinweg an öffentlichem

Zuspruch; speziell frankophile Restaurantkritiker

ignorierten diesen Klassiker.

Hinzu kam das Vorurteil, er sei scher und

mache dick. Doch auf einmal, gleichsam

über Nacht, eroberte sich der Knödel die

Speisekarten selbst der feinen Restaurants.

Erstaunlich an der Geschichte ist,

dass sich der Aufstieg des Knödels vom

Trauerkloß zum Wonneproppen des 21.

Jahrhunderts sachlich nicht exakt begründen

lässt. Ein auslösendes Moment

war gewiss der Trend zu Omas Küche,

genauer: die zeitgemäße Reform der

klassischen gutbürgerlichen Rezepturen.

Dass Köche heute sparsamer wirtschaften

und im Knödel ein ideales Gericht

zur Resteverwertung sehen, mag ebenfalls

die Renaissance begünstigt haben.

Viele Gerichte entstanden, wie man weiß,

als Antwort auf die Frage: Was tun mit

den Überbleibseln? Allerdings reichen

Rund,

wohlschmeckend

und der originellste

Beitrag zur Küche,

also ein echtes

Kulturgut. Eine

Zeitlang hatte

es freilich den

Anschein, als leide

der Knödel unter

einem ähnlichen

Imageproblem wie

die Operette.

weder Ökonomie noch kulinarischer

Regionalismus für sich allein aus, um

die triumphale und vor allem urplötzliche

Wiederkehr des Knödels zu belegen.

Sogenannte Füllgerichte gibt es zuhauf

auch in anderer Form, und es war Alfons

Schuhbeck, der bereits Mitte der Achtziger

den Brezenknödel aus dem Topf holte

-- eine allseits bestaunte Kreation, doch

offenbar nicht animierend genug, um

damals schon den Knödel außerhalb der

Wirtshausküche salonfähig zu machen.

Letztlich wird wohl die normative Kraft

des Echten der entscheidende Impuls

gewesen sein. Jedenfalls kommt heute

kein Koch, der etwas auf sich hält, am

Knödel vorbei. Wir begegnen dem Semmelknödel,

dem Serviettenknödel, dem

Kartoffelknödel, dem Griesknödel, dem

Germknödel, dem Fleischknödel, dem

Leberknödel, dem Topfenknödel und

anderen Knödelgenossen. Das sind alles

Klassiker, ehrenwert und ausgereift. Die

kann man nicht mehr verbessern, allenfalls

verändern, was spielfreudige Köche

54


BAYERISCHE KÜCHE

auch tun. So gibt es beispielsweise Gemüseknödel

(in feiner Rindersuppe mit

Sherry), Entenknödel(mit Morcheln),

Hummerknödel (in Safransauce). Auffallend

an diesen modernen Designer-Knödeln

ist, dass ihre Größe sich umgekehrt

proportional zum Ansehen des Lokals

verhält. Bündiger gesagt, je feiner das

Haus desto kleiner der Knödel. Auf der

Karte stehen sie niedlich als Klösschen

oder Knöderl. Historisch gesehen, ist

der Knödel eine eher

unbekannte Größe.

Niemand weiß genau,

wann und wo

von wem der erste

Knödel geformt worden

ist. Die älteste

bildliche Darstellung

ist aus dem 12. Jahrhundert zeigt neben

dem Wochenbett Marias eine Wehmutter,

die in der einen Hand ein Kochgeschirr

mit fünf kugelrunden Knödeln

hält und mit der anderen einen Knödel

zum Mund führt. Mit Sicherheit ist anzunehmen,

dass es weit früher knödelähnliche

Speisen gegeben hat. Die runde,

mit Händen leicht formbare Gestalt lud

geradezu zwingend zur Erfindung der

Teigkugel ein.

Präziser lässt sich die etymologische Wurzel

bestimmen. Danach leitet sich der

Knödel vom Althochdeutschen „chnodo“

über das mittelhochdeutsche „knode“

her. Als „Knoten“ bezeichneten die

alten Deutschen eine kleine Bergform,

mit der die Knödel verglichen wurden.

Küchengeschichtlich dürfte der Knödel

zwischen Brot und Brei liegen. Urmutter

der Klöße und Klümpe (Dumpling sagt

der Engländer) ist der Mehlknödel, gefolgt

vom Brotknödel, wohingegen der

Kartoffelknödel logischerweise die jüngste

Variante ist: besonders beliebt in seiner

Form als süßer Früchteknödel, gefüllt mit

Pflaumen, Erdbeeren oder Aprikosen, gewälzt

in heißer Butter und Semmelbröseln,

bestäubt mit Puderzucker.

Im „Lexikon der Ernährungskunde“,

1926 im Wiener Verlag Julius Springer

herausgegeben, werden Knödel schlicht

so definiert: „… sind gesottene oder gebackene

Ballen von sehr verschiedener

Zusammensetzung und Größe, die in

der Küche aus freier Hand geformt werden

und nach ihren Hauptbestandteilen

mannigfache Spezialnamen führen.“ Das

Knödel

perfekt

drehen

ist korrekt definiert, vermittelt aber nicht

den Hauch jenes Glücksgefühls, das Knödelianer

immer wieder aufs Neue empfinden,

wenn das Objekt ihrer sinnlichen

Sehnsucht verheißungsvoll dampfend in

der Schüssel zu Tisch getragen wird.

Ein Knödel ist gewiss nur ein Knödel, was

die Form betrifft. Der Inhalt jedoch ist variantenreich

wie kaum eine andere Speise.

Die Wiener bereiten die nach ihrer Stadt

benannten Semmelknödel mit Semmeln,

Butter, Eier, Milch,

Zwiebeln, Petersilie

und Salz zu, während

anderorts zusätzlich

oder anstelle der

Butter auch durchwachsener

Speck

beigemengt wird.

Die Frage, ob es auch Schnittlauch sein

darf, ferner ein Stäubchen Muskat, wird

leidenschaftlich diskutiert. Tiroler Knödel

werden laut der alten Frau Sacher auf

der Basis von Semmelknödeln gemacht,

mit Fett statt Butter geschmiert und mit

Selchfleisch gefüllt. Daneben gibt es Bauernrezepte,

die ausdrücklich Speck vorsehen.

Spezialitäten sind Leber-, Pilz- und

Fischknödel. Selten wird einem heute

noch der Heidenknödel vorgesetzt, zubereitet

aus Buchweizenmehl, Weißbrot,

Fett, Zwiebel, Wasser, Ei, Salz, gesotten

in einer Rindssuppe. Aus gekochten und

rohen Kartoffeln werden die Waldviertler

Knödel gemacht, auch „Grüne Knödel“

genannt. Zahlreiche Varianten gibt

es vom Serviettenknödel, der in seiner

klassischen Version eigentlich eine Semmelknödelklasse

(ohne Mehl, viel Butter

und etwas Muskat) ist, die als Rolle umhüllt

von einer Serviette in Salzwasser

gegart wird. De Palffy-Knödel wiederum

wird, angereichert mit Speck, als Riesenknödel

in der selbstverständlich bebut-

terten Serviette gekocht. Der Phantasie

sind beim Knödelmachen kaum Grenzen

gesetzt. Anderseits sollte man nicht zu

kühn experimentieren. Ein Klassiker wie

der Wiener Semmelknödel ist vollendet

komponiert und bedarf keiner neuen

Töne. Er schmeckt frisch vom Herd zu

gekochtem Rindfleisch ebenso gut wie zu

Geselchtem oder einem großem Braten.

Und wenn ein Knödel übrig bleibt, freue

man sich auf den nächsten Tag: Kalte

Semmelknödel, dünnblätterig geschnitten

und in der schweren Eisenpfanne in

heißer Butter knusprig geröstet, sind - gewürzt

mit Salz sowie Schnittlauch und

eventuell übergossen mit verquirltem Ei

- eine köstliche Vulgarität, basierend auf

dem Motto von Tante Therese: „Jeder

Knödel ist rund, aber nicht alles Runde

ist ein Knödel.“

55


GENUSS | KNÖDEL

DAS KOCHEN

DER KNÖDEL

Selbstgemachte Knödel schmecken gleich doppelt so gut.

Einfacher gehts mit den richtigen Knödel-Tipps. Knödel kochen macht Spaß

und Knödel können beliebig und variantenreich gefüllt werden. So ist für

jeden Geschmack der richtige Knödel dabei. Damit die Knödel richtig

gelingen, müssen Sie nur auf ein paar Feinheiten achten.

90 56


DAS BROT

Normales Knödelbrot ist überall zu kaufen.

Die feinere Variante ist aber Toastbrot

mit abgeschnittener Rinde zu verwenden.

Das Toastbrot sollte zuvor angeröstet werden.

Damit wird der Knödel gleichmäßiger

und lockerer.

DAS ABDREHEN

Die meisten Knödelteige werden mit

angefeuchteten Händen angeformt, im

Fachjargon „Abdrehen“ genannt. Für Serviettenknödel

den Teig rund oder länglich

ausformen und locker in ein nasses Tuch

binden. Er soll beim Kochen noch aufgehen

können. Zum Abkochen der Knödel

diese nacheinander in das kochende Wasser

geben und bei reduzierter Hitze und

halboffenem Topf knapp am Siedepunkt

gar ziehen lassen. Zu langes Kochen

macht beispielsweise Semmelteige eher

zäh, Kartoffel-, Brand- oder Quarkteige

hingegen zerfallen dann leicht. Fertige

Knödel möglichst sofort servieren. Bei

längerem Warmhalten werden sie fest und

unansehnlich.

PROBEKNÖDEL

Damit die Knödel optimal gelingen, sollte

man immer erst einmal einen Probeknödel

kochen. Dafür reichlich Salzwasser in

einen großen Topf geben und aufkochen.

Am besten nimmt man einen halboffenen,

weiten Topf, damit sich die Knödel

nicht berühren. Den Probeknödel in das

kochende Wasser geben, dann den Kochtopf

vom Herd nehmen und den Knödel

ziehen lassen.

DAS KOCHEN

Schwimmt der Knödel obenauf, die Hitze

reduzieren und den Knödel weiter ziehen

lassen. Die Kochzeit ist immer von der

Größe der Knödel abhängig. Deshalb ist

es besser, diese mit einem Probeknödel

zu testen, bevor man die ganze Masse abdreht

und kocht.

WANN IST DER KNÖDEL FERTIG?

Die Garzeit beträgt, je nach Größe der

Knödel, 15 bis 20 Minuten. Die Knödel

sind gar, wenn sie innen trocken und locker

sind.

HABEN DIE KNÖDEL

DIE RICHTIGE KONSISTENZ?

Zu weich? Zu hart? Die schwierigste

Sache ist die Konsistenz, da der Knödel

weder zu weich, noch zu hart sein darf.

Den Probeknödel sollte man nach dem

Kochen leicht mit einer Gabel zerteilen

können. Ist der Knödel noch sehr weich,

so kann man weitere Semmelbrösel oder

Toastbrot unter den Teig mischen. Wenn

der Knödel zu hart ist, geben Sie der Knödelmasse

noch etwas Ei hinzu. Manche

Knödel, wie Kartoffel- oder Semmelknödel,

halten beim Kochen leichter

zusammen, wenn sie vorher

im glatten Mehl gedreht

wurden.

BAYERISCHE KÜCHE

WELCHER KNÖDEL

ZU WELCHEM GERICHT?

GRIESSKNÖDEL:

Passen als Suppeneinlage oder zu

Schmorbraten.

SPECKKNÖDEL:

Ist hervorragend zu gekochtem

Sauerkraut oder auch als Suppeneinlage

geeignet.

KARTOFFELKNÖDEL:

Passt am besten zum Schweinebraten,

aber auch zu allen anderen

Fleischgerichten.

SEMMELKNÖDEL:

zu Braten, Geflügel und Wild jeder Art, zu

Gulasch oder auch zu Rahmschwammerl.

KÄSEKNÖDEL:

Schmecken hervorragend zu gedünstetem

Gemüse oder Putenfleisch.

SERVIETTENKNÖDEL:

Zu Rinder- und Kalbsbraten, Sauerbraten

oder auch gekochtem Sauerkraut.

PILZKNÖDEL:

Schmecken prima zu gedünstetem

Gemüse, Wildgerichten oder auch als

Suppeneinlage.

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GENUSS | KNÖDEL

Kartoffelknödel

Für 4 Portionen

2 Semmeln

1 kg Kartoffeln

(die man bereits 2 Tage

vorher kochte)

2 Eier

100 g Mehl

100 g grober Grieß

Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitungszeit

1¼ Stunden

So geht’s

Die Semmeln in kleine Würfel schneiden. Diese in etwas

Butter goldbraun anbraten und dann beiseite stellen.

Nun die Kartoffeln in eine Schüssel reiben. Zu diesen die

übrigen Zutaten hinzugeben und gut durchkneten bis ein

geschmeidiger Teig entsteht.

Dann mit bemehlten Händen einen Knödel formen. In

die Mitte einige der gerösteten Semmelwürfel geben und

den Knödel dann wieder gut verschließen. Wenn der

Probeknödel gelingt, werden die übrigen Knödel abgedreht

und gekocht. Zerfällt der Knödel, kann mit etwas

Kartoffelmehl nachgeholfen werden.

Die abgedrehten Knödel in das kochende Salzwasser

geben. Den Deckel auf den Topf geben bis dieser wieder

kocht. Dann den Deckel wieder entfernen und die Knödel

noch ca. 8 Minuten fertig kochen lassen.

KNÖDELKNIGGE

Vor dem Servieren feine Semmelknödel in viel Butter rösten.

Diese braunen Brösel krönen den Kartoffelknödel

nicht nur optisch.

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BAYERISCHE KÜCHE

Für 4 Portionen

500 g Knödelbrot

100 g Butter

1 Zwiebel

1 Knoblauchzehe

100 g Semmelbrösel

125 ml Milch

250 g Quark

4 Eier

60 g Wiener Grießler

Salz, Pfeffer

Muskat

gehackte Petersilie

Zubereitungszeit

45 - 60 Minuten

Münchner

Semmelknödel

So geht’s

Das Knödelbrot in feine Würfel schneiden und die Hälfte in etwas Butter

goldgelb anrösten.

Die Zwiebelwürfel und die gehackte Knoblauchzehe in der restlichen

Butter weich anschwitzen und die Milch erwärmen.

Knödelbrot, Zwiebeln, Knoblauch und Semmelbrösel in einer Schüssel

mit der warmen Milch übergießen. Den Quark, die Eier und den Wiener

Grießler hinzugeben und alles zu einem feinen Teig verarbeiten. Mit Salz,

Pfeffer, Muskat und Petersilie abschmecken.

Mit feuchten Händen Knödel draus drehen und in kochendem Salzwasser

ziehen lassen.

KNÖDELKNIGGE

Wenn sie den Knödel nicht schneiden, sondern reißen kann er die Soße

besser aufnehmen.

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GENUSS | KNÖDEL

Zutaten pro Person

250 ml Milch

60 g Lauch (fein geschnitten)

300 g Knödelbrot

2 EL Öl

1 Zwiebel

Salz

50 g Butter

Weiters:

350 g Schnittkäse (Bergkäse)

40 g Parmesan (gerieben)

60 g Butter (gebräunt)

4 Eier

4 EL Schnittlauch

Kasnocken

So geht’s

Die warme Milch über das Knödelbrot gießen. Zwiebel

schälen, fein schneiden und in der Butter dünsten. Den

Käse in kleine Würfel schneiden und mit den gedünsteten

Zwiebeln zum Knödelbrot geben.

Anschließend die Masse mit Eier, Lauch, Öl und Salz gut

vermischen und zu einem festen Teig kneten. Mit nassen

Händen den Teig zu Nocken formen und in reichlich

Salzwasser 8-10 Minuten leicht kochen lassen. Die Nocken

herausnehmen, abtropfen lassen und mit Parmesan bestreuen.

Zum Schluss mit gebräunter Butter übergießen und mit

etwas Schnittlauch bestreuen und servieren.

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BAYERISCHE KÜCHE

Zutaten (6 Personen)

Knödel:

300 g Weißbrot vom Vortag

100 g gekochte rote Rüben

1 Zwiebel,

2 Eier

2 EL Mehl

¼ l Milch

Salz

Meerrettichsauce:

1 Esslöffel Meerrettich

2 EL Butter

2 EL Mehl

1 Tasse Fleischbrühe

1 Tasse Schlagsahne

1 Prise Zucker,

Pfeffer und Salz

Rohnenknödel mit

Meerrettichsauce

So geht’s

Knödel: Das Brat in Würfel schneiden, die kleingeschnittenen

Rüben, die angebräunte Zwiebel, Milch und Salz

hinzufügen. Für 10 Minuten ruhen lassen. Dann formt

man die Knödel und lässt sie 20 Minuten im Salzwasser

kochen.

Meerrettichsauce: Die Butter in einem Topf schmelzen,

das Mehl dazugeben, kurz umrühren und mit Brühe aufgießen.

Meerettich, Sahne, Zucker, Salz und Pfeffer dazugeben.

Kurz köcheln lassen.

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GENUSS | KNÖDEL

Speckknödel

Für 4 Portionen

2 alte Semmeln

1,5 Glas Milch

100 g Speck

2 Eier

½ Zwiebel

2 EL Mehl

2 EL Öl

Butter und Petersilie

Salz und Pfeffer

So geht’s

Das Brot in Würfel schneiden, Milch mit Eiern verquirlen

und über die Brotwürfel gießen. Den Speck kleinwürfelig

schneiden und die (weißen) Fettwürfelchen beiseiteschieben.

Die gehakte Zwiebel mit den Fettwürfelchen in Öl

goldbraun rösten, erkalten lassen und auf das Brot geben.

Den restlichen Speck, eine Handvoll gehackte Petersilie,

Mehl, Salz und Pfeffer beifügen und gut mit den Händen

durchkneten.

Etwas rasten lassen, dann mit nassen Händen Knödel formen,

in kochendes Salzwasser geben und ca. 20 Minuten

langsam kochen lassen.

62


BAYERISCHE KÜCHE

Spinatknödel

Für 4 Portionen

500 g Toastbrot

¼ l heiße Milch

1 Zwiebel

70 g Butter

250 g Spinat

2 - 3 Eier

75 g Quark

Salz

Muskatnuss

60 g Wiener Grießler

Zubereitungszeit

45 Minuten

Für das Pesto

100 g Pinienkerne

200 g Parmesan

150 ml Olivenöl

1 Knoblauchzehe

Salz

frisch gemahlener Pfeffer

Muskat

So geht’s

Das Weißbrot in Würfel schneiden und in der heißen Milch einweichen.

Die Zwiebeln fein würfeln und in etwas Butter anbraten.

Den Spinat putzen, waschen, ausdrücken und in ganz feine Streifen schneiden.

Mit Quark, Zwiebeln, Eiern und Brot vermischen, mit Salz und Muskatnuss würzen.

Den Wiener Grießler unterkneten, dass ein geschmeidiger Teig entsteht.

Salzwasser aufkochen. Knödel aus der Spinatmasse formen, in das Wasser

geben, kurz aufkochen, die Hitze reduzieren und die Knödel etwa 15 Minuten

gar ziehen lassen.

KNÖDELKNIGGE

Krönen Sie Ihren Spinatknödel mit selbstgemachtem Pesto – ein runder Genuss!

PESTO

Die Pinienkerne zusammen mit dem Parmesan und dem Olivenöl in einen Mixer

geben und alles gut durchmixen. Die Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer und Muskat

hinzugeben und nochmals gut durchmixen. Dies ist die Pestobasis!

Basilikumpesto: Einfach einen Bund Basilikum untermixen

Tomatenpesto: Fügen Sie etwa 50g getrocknete Tomaten hinzu.

Pecorinopesto: Ersetzen Sie den Parmesan durch Pecorino

Brennesselpesto: Mit einem Bund Brennesseln schmeckt das Pesto sehr würzig.

Bärlauchpesto: Mixen Sie einen Bund Bärlauch unter und Sie haben ein besonders

intesives Pesto.

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GENUSS | KNÖDEL

Germknödel

Für 4 Portionen

250 g Mehl

knapp 1/8 l lauwarme Milch

15 g Hefe (Germ)

1 EL Zucker

Salz

1 Eigelb

200 g Butter

4 bzw. 8 Zwetschgen

2 cl Rum

2 Prisen Zimt

Mohn

Puderzucker

Zubereitungszeit

1 ¼ Stunden

So geht’s

Der Germknödel erfordert viel Fingerspitzengefühl. Das Mehl in einer

Rührschale sieben. Milch, zerbröckelte Hefe und Zucker gut vermischen und

darüber geben. Eine Prise Salz, Eigelb und die Hälfte der Butter hinzufügen

und alles mit dem Rührgerät zu einem glatten Teig verarbeiten. Diesen zugedeckt

an einen warmen Ort 30 bis 40 Minutengehen lassen.

In der Zwischenzeit die entkernten Zwetschgen mit Rum und Zimt vermengen.

Den Hefeteig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ca. 1 Zentimeter dick

ausrollen und in 4 oder 8 gleiche Stücke zerteilen. Diese noch etwas breiter

drücken und jedes Stück mit einer Zwetschge füllen und zusammenklappen.

Die Ränder gut zusammendrücken und runde Knödel formen. Diese erneut

an einem warmen Ort 20 Minuten gehen lassen. In einem großen Topf ca. 3

Liter Salzwasser aufkochen und die Knödel von beiden Seiten auf niedriger

Stufe 8-10 Minuten garen. Mit einer Schaumkelle herausnehmen, abtropfen

lassen und mit Mohn und Puderzucker bestreuen. Die restliche Butter zerlaufen

lassen, in einen Teller geben und den Germknödel darin servieren.

KNÖDELKNIGGE

Sie können den Germknödel auch mit Zimt-Zucker

bestreuen und mit Vanillesoße servieren.

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BAYERISCHE KÜCHE

Marillenknödel

Für 4 Portionen

500 g mehlig

kochende Kartoffeln

1 Ei

1 EL Sahne

70 g Butter

125 g Mehl

Salz

12 Marillen (Aprikosen)

12 Stück (Würfelzucker)

Zubereitungszeit

55 Minuten

So geht’s

Die Kartoffeln mit der Schale in wenig Wasser kochen, sofort

pellen und noch heiß durch eine Kartoffelpresse drücken.

Ei, Sahne, Butter, Mehl und Salz in die Kartoffelmasse einarbeiten

und durchkneten. Kurz ruhen lassen.

Die Marillen waschen und entsteinen. Anstelle des Steins je

1 Stück Würfelzucker hineinstecken.

Den Teig etwa 5 Millimeter dick ausrollen, in Quadrate

schneiden und die Marillen so damit umhüllen, dass Knödel

entstehen.

Salzwasser zum Kochen bringen. Die Knödel einlegen, kurz

aufkochen die Hitze reduzieren und 5 bis 8 Minuten gar ziehen

lassen.

KNÖDELKNIGGE

Vor dem Servieren Semmelbrösel in etwas Butter rösten,

Zimtzucker dazugeben und die noch warmen Knödel darin

wälzen.

65


GENUSS | SERVUS BAYERN

JA MEI IS

DES GUAD!

Ja wos? Ja ois! Berge,

Seen, Kuhglocken,

Dirndl, Gamsbart… Die

bayrische Küche kommt

– wie der Bayer an sich –

vielleicht a bisserl derb,

hantig und deftig daher.

Wer aber glaubt, dass die bayerische Kühe

nur aus Schweinshaxn und Knödel besteht,

hod si schwer deischt. Es gibt weitaus

mehr zum Beispiel die Freitagskuchl,

denn da kommt beim eingfleischten

Bayern doch ausnahmsweise kein Fleisch

auf den Teller. Macht gar nix, denn so

a Dampfnudel mit Krusterl schmeckt

himmlisch. Bleibt was übrig gibt’s bald

drauf Restalkuchl mit Bauernschmaus

oder Knödelgröstel.

Für die zahlreichen Feiertage und Feste

brezelt sich nicht nur der Bayer auf, auch

das Essen ist dann ganz was B’sonders:

Hochzeitsuppn, Ochsenbackerl, Rehschäuferl,

Kirchweihgans oder Saibling

füllen und formen an solchen Tagen

die Bäuche der Bayern. Und hintanach

gibt’s noch was Siaß und vielleicht a

Schnapserl. Entdecken Sie ihre einzigartigen

himmlischen Genüsse! Die Gerichte

sind schlicht-elegant, meist einfach, ausnehmend

ehrlich, bodenständig und geschmackvoll

– immer aber vom Feinsten.

Servus Bayern

So schmeckt’s dahoam

GU Themenkochbuch

256 Seiten mit ca. 250 Farbfotos

18,5 x 24,2 cm. Hardcover veredelt

Preis: 24,99 € (D)/ 25,70 € (A)/ 35,50 sFr

ISBN: 978-3-8338-2631-3

Monika Schuster/ Anna Cavelius

Servus Bayern

Berge, Seen, Kuhglocken, Dirndl, Gamsbart und dann no a Maß Bier und a resche Brezn unterm

weiß-blauen Himme - mei is des sche! Urig und ein wenig grantlig sind sie, die Bayern und doch

oder gerade deshalb lieben sie alle. Und weil er gerne isst, der Bayer und das am liebsten unter

freiem Himmel, gibt es von Wurst- über Radieserlsalat bis hin zur Bratensulz alles, was das Herz im

Biergarten begehrt. Des is gmiatlich und guat. Servus Bayern ist ein modernes Bayernkochbuch, das

das heutige Bayern zeigt wie es leibt und lebt Alle bayerischen Schmankerl sind nach Anlässen und

Orten, an denen der Bayer am liebsten isst, gegliedert. So etwa die Freitagskuchl, bei der beim eingefleischten

Bayern ausnahmsweise kein Fleisch auf den Teller kommt. Macht aber gar nix, denn so

a Dampfnudel mit Krusterl schmeckt himmlisch. Und auch Traditionelles wie das Maibaumaufstellen,

der Almabtrieb, die Kirchweih und so manches Volksfest bieten viele bayerische Schmankerl - optisch

und kulinarisch. Bayern ist einfach Kult! Vor allem, wenn heimisches Brauchtum frisch aufgeputzt fast

schon al bisserl Exotik ausstrahlt. Gstandnen Bayern, Preißn und anderen Zuagroastn wird das Herz

angesichts der kulinarischen Spezialitäten – von der Weißwurscht bis zur Dampfnudel – und dem

hohen Maß an Gemütlichkeit und Kuriosem höher schlagen. Garantiert kitsch- und tschüssfrei!

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BAYERISCHE KÜCHE

ZUTATEN FÜR 4 PERSONEN:

1 Rezeptmenge Fleischpflanzerl

8 große Spitz- oder Weißkrautblätter (ca. 400g)

Salz

200 g Zwiebeln

1 EL Butterschmalz

½ TL Tomatenmark

1 geh. TL Mehl 600 ml Bratenfond

(aus dem Glas, ersatzweise Wasser)

1 TL Kümmelsamen

4 Scheiben Frühstücksspeck (ca. 80 g)

1 TL Pflanzenöl

1 TL kalte Butter

schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Sonst noch: Küchengarn

SO LANG DAUERT’S: ca. 50 Min.

IM OFEN: ca. 1 Std. 30 Min.

Für die Fleischpflanzerl-Menge:

2 altbackene helle Semmeln (ca. 100 g)

150 ml Milch

1 große Zwiebel

1 kleine Knoblauchzehe

6-8 Stängel glatte Petersilie

1 ½ TL getrockneter Majoran

2 EL Butter

Salz | 2 Eier (L)

500 g gemischtes Hackfleisch

(Schwein und Rind)

1 EL mittelscharfer Senf

1 EL grobkörniger Senf

2 EL Semmelbrösel

schwarzer Pfeffer aus der Mühle

2 Msp. Cayennepfeffer

2 EL Butterschmalz

Krautwickerl

So geht’s

Die Spitzkrautblätter waschen. Reichlich Wasser in einem breiten Topf

aufkochen lassen, gut salzen. Kohlblätter einlegen, unters Wasser

drücken und 2 Min. darin kochen lassen. Die Krautblätter aus dem

Wasser heben, sofort eiskalt abschrecken, auf Küchentüchern ausbreiten

und trocken tupfen.

Bei jedem Krautblatt die dicke Mittelrippe flach abschneiden. Je 2

Krautblätter gut überlappend nebeneinanderlegen und je ein Viertel

der Fleischmasse darauf verteilen. Die Längsseiten der Krautblätter

über die Füllung schlagen, dann die Wickerl von einer Schmalseite

her eng aufrollen. Mit Küchengarn straff zusammenbinden.

Den Backofen auf 180° vorheizen. Die Zwiebeln schälen und in

feine Ringe schneiden. Schmalz in einer Bratreine (ca. 18 x 30 cm)

auf der Herdplatte schmelzen. Zwiebeln darin bei mittlerer Hitze 6

Min. anbraten. Tomatenmark einrühren, 2 Min. mitrösten, mit dem

Mehl einstäuben, 1 Min. mitrösten. Zwiebeln mit dem Fond ablöschen,

Kümmel unterrühren, aufkochen lassen und die Krautwickerl

einlegen. Im Ofen (Mitte, Umluft 160°) in ca. 1 Std. 30 Min. weich

schmoren, dabei Wickerl ein- bis zweimal wenden.

Den Frühstücksspeck ca. 5 Min. vor Garzeitende in eine kalte Pfanne

legen, das Öl dazugeben. Pfanne erhitzen und den Speck in 3-4

Min. knusprig braten, dabei ab und zu wenden. Herausheben, auf

Küchenpapier abtropfen lassen.

Reine aus dem Ofen nehmen. Krautwickerl eventuell schon vom Garn

befreien und auf einer Platte oder auf Tellern anrichten, den Speck

dazulegen. Die Sauce in einen hohen Rührbecher umfüllen, Butter dazugeben

und die Sauce mit einem Pürierstab kurz aufmixen. Mit Salz

und Pfeffer abschmecken. Sauce zu den Krautwickerln servieren. Am

besten mit Salzkartoffeln genießen.

SO LANG DAUERT’S: ca. 30 Min.

Die Semmeln in 1 cm große Würfel

schneiden und in eine Schüssel geben.

Die Milch lauwarm erhitzen und gleichmäßig

über die Semmeln gießen. Zwiebel

und Knoblauch schälen und fein würfeln.

Petersilie abbrausen und trocken

schütteln, die Blättchen abzupfen und

nicht zu fein hacken. Die Butter in einem

kleinen Topf aufschäumen lassen, ein

Backblech mit wenig Butter einpinseln.

In der übrigen Butter die Zwiebeln und

den Knoblauch bei geringer Hitze in ca.

5 Min. glasig dünsten, leicht salzen und

auskühlen lassen. Die eingeweichten

Semmeln mit Eiern, Zwiebel, Knoblauch,

Majoran, Petersilie, Hackfleisch, den beiden

Senfsorten und den Semmelbröseln

gut durchmischen. Mit Salz, Pfeffer und

Cayennepfeffer abschmecken.

Die Hackmasse 10 Min. quellen lassen.

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GENUSS | SERVUS BAYERN

Rindsrouladen

mit Gurkerl und Speck

ZUTATEN FÜR 4 PERSONEN:

Für die Rouladen:

1 Möhre | Salz

2 Zwiebeln

4 Rinderrouladen (je ca. 200 g,

dünn geklopft)

schwarzer Pfeffer aus der Mühle

4 TL mittelscharfer Senf

12 Scheiben Frühstücksspeck (ca. 120 g)

4 Essiggurkensticks (ersatzweise 1 große

Essiggurke der Länge nach geviertelt)

2 gute Prisen Mehl

Für die Sauce:

1 große Zwiebel | 1 Möhre

1 Stück Knollensellerie (ca. 80 g)

3 EL Pflanzenöl

1 EL Tomatenmark

300 ml kräftiger Rotwein

(z. B. Cabernet Sauvignon)

1 l Bratenfond (aus dem Glas)

1 TL Speisestärke

Salz | schwarzer Pfeffer (Mühle)

Sonst noch:

Küchengarn oder Rouladennadeln

SO LANG DAUERT’S: ca. 1 Std.

IM TOPF: ca. 1 Std. 40 Min.

So geht’s

Für die Rouladen Möhre schälen, quer halbieren und die Hälften längs

vierteln. Die Möhrenstifte (sie sollten ca. 1 cm breit sein) in kochendes

Salzwasser geben und ca. 2 Min. darin garen, herausheben, kalt abschrecken

und abtropfen lassen. Zwiebeln schälen und jeweils längs in 8 dünne

Spalten schneiden.

Rouladen auf der Arbeitsfläche auslegen, salzen, pfeffern, mit Senf bestreichen.

Der Länge nach mit je 3 Speckscheiben belegen. Ins untere Drittel

je 2 Möhrenstifte, 2 Zwiebelspalten und 1 Gurkenstick legen. Längsseiten

der Rouladen knapp einschlagen, Rouladen von der Schmalseite her aufrollen.

Mit Küchengarn binden oder mit Rouladennadeln feststecken.

Für die Sauce Zwiebel, Möhre und Sellerie schälen und in 1 cm große

Würfel schneiden. Das Öl in einem großen breiten Topf erhitzen. Die

Rouladen mit Salz und Pfeffer würzen, rundherum mit Mehl bestäuben und

bei mittlerer Hitze 3 Min. in dem Öl anbraten, wenden und weitere 3 Min.

anbraten. Die Rouladen aus dem Topf heben.

Zwiebel-, Möhren- und Selleriewürfel in den Topf geben und 2 Min. anbraten.

Tomatenmark einrühren und alles weitere 3 Min. braten. Mit 1 Schuss

Rotwein ablöschen und einkochen lassen, diesen Vorgang noch zweimal

wiederholen. Nun den restlichen Rotwein und den Bratenfond dazugießen,

aufkochen. Rouladen einlegen und abgedeckt bei geringer Hitze in ca. 1

Std. 40 Min. weich schmoren.

Dann Rouladen aus dem Topf heben. Die Sauce durch ein Sieb passieren,

auffangen wieder zurück in den Topf gießen, aufkochen. Die Stärke mit

1-2 EL kaltem Wasser verrühren und unter die Sauce rühren, in 15 Min. bei

mittlerer Hitze sämig einkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Rouladen wieder in den Topf geben, aufkochen und bei geringer Hitze

noch 2-3 Min. sanft in der Sauce ziehen lassen. Auf vorgewärmten Tellern

mit breiten Bandnudeln servieren.

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BAYERISCHE KÜCHE

Orkanbeutl mit Kirschen

und fui Sahne

ZUTATEN FÜR 4

STÜCK:

Für den Teig:

70 g Mehl | 1 Msp.

Backpulver

120 ml Milch | 1 ½ EL Butter

(ca. 30 g)

1 Msp. Salz | 2 Eier (M)

Für die Füllung:

1 Glas Schattenmorellen

(Inhalt 680 g)

½ Vanilleschote | 2 EL brauner

Zucker

2 Stück Bio-Orangenschale

(je ca. 5 cm)

1 Msp. gemahlener Zimt | 3

TL Speisestärke

1 EL Kirschwasser | 600 g

Sahne

2 TL Vanillezucker

Sonst noch:

Puderzucker zum Bestäuben

Spritzbeutel mit Sterntülle

(ca. 13 mm Ø)

SO LANG DAUERT’S:

ca. 45 Min.

IM OFEN: ca. 20 Min.

So geht’s

Den Backofen auf 220° (Umluft 200°) vorheizen, ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Für den Teig Mehl und Backpulver mischen. Milch, Butter und Salz in einem Topf

aufkochen. Das Mehl dazugeben und mit einem Kochlöffel unterrühren. So lange

rühren, bis sich der Teig vom Topfrand löst, einen Kloß bildet und am Topfboden

eine weiße Schicht entsteht. Teig in eine Schüssel geben und kurz abkühlen lassen.

Dann die Eier nacheinander mit den Quirlen des Handrührgerätes unterrühren, bis

ein glänzender und geschmeidiger Brandteig entstanden ist. In den Spritzbeutel mit

Sterntülle füllen. Den Brandteig in 4 flachen Rosetten (ca. 7 cm Ø) auf das Blech spritzen,

dabei dazwischen reichlich Abstand lassen. Blech in den Ofen (Mitte) schieben,

1 ordentlichen Schuss Wasser auf den Boden des Ofens gießen und die Ofentüre sofort

verschließen. Die Orkanbeutl in 18–20 Min. goldbraun backen. Spritzbeutel und

Tülle sofort säubern, zum Trocknen aufstellen. Die fertigen Orkanbeutl aus dem Ofen

nehmen, auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. In der Zwischenzeit für die Füllung

die Kirschen in einem Sieb abtropfen lassen, Saft auffangen. Vanilleschote der Länge

aufschlitzen und das Mark herauskratzen. Den Zucker in einem Topf bei mittlerer Hitze

schmelzen und in 3 Min. hell karamellisieren lassen. Mit Kirschsaft ablöschen, aufkochen.

Vanilleschote samt Mark, Orangenschalen und Zimt dazugeben, alles 5 Min.

kochen lassen. Stärke mit 2-3 EL kaltem Wasser verrühren, zum Saft geben und unter

Rühren 3 Min. kochen lassen. Zum Schluss das Kirschwasser und die Kirschen untermischen,

den Topf vom Herd ziehen und die Kirschen auskühlen lassen. Die Orkanbeutl

quer halbieren, Kirschen auf den unteren Hälften verteilen. Die Sahne mit dem

Vanillezucker steif schlagen und in den Spritzbeutel füllen. Sahne als Riesen-Rosetten

auf die Kirschen spritzen, die Orkanbeutldeckel darauflegen. Mit reichlich Puderzucker

bestäuben und servieren.

TIPP: Durchs Wasser auf dem Ofenboden entsteht Dampf im Backraum, der den Teig

schön aufgehen lässt. Während des Backens also den Ofen nicht öffnen!

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GENUSS | ANDREAS GEITL

Faszination der

Münchner Lebensart:

der PAULANER AM

NOCKHERBERG

GENIAL

BAYERISCH

Andreas Geitl ist ein Spezialist der bayerischen

Küche, die er mit raffinierten Kreationen auch gerne

mal mutig aufmischt. Er versteht es, Tag für Tag

eine bayerisch-leichte Küche mit ganz persönlich

gesetzten kulinarischen Akzenten umzusetzen –

sehr zu Freude und zum Genuss seiner Gäste.

Andreas Geitl ist Küchendirektor in

den Münchner Traditions-Gaststätte

„Nockherberg“ und im Restaurant

„Grünwalder Einkehr“, er schreibt

bayerische Kochbücher und leitet

zum Oktoberfest die Küche des

Festzeltes „Winzerer Fähndl“. Als

Fernsehkoch ist er durch seine Reihe

„Geitl kocht“ und seine Auftritte in

der ARD-Dokumentation „Verrückt

nach Meer“ sowie „Wir in Bayern

des Bayerischen Fernsehens bekannt.

Die Bayerische Küche ist eine Weltsprache,

die der Spitzenkoch also hervorragend

beherrscht.

Andreas Geitl ist in Baar/Ebenhausen

aufgewachsen, wo seine Eltern sehr erfolgreich

eine große Gaststätte betrieben

haben. Aus diesem Grund war für ihn

schon immer klar, dass er Koch wird.

Die Schmorgerichte seiner Oma, deren

wunderbare Knödel und genial einfache

Tomatensuppe sind für ihn kulinarische

Kindheitserinnerungen. „Fasziniert hat

mich als kleiner Junge schon, dass sie eigentlich

immer nur zwei Töpfe auf ihrem

Holzherd benutzte – ich glaube viel mehr

hatte sie gar nicht. Wenn ich da an meinen

Geschirraufwand heute denke – „Mama

Mia!“ oder besser „Oma Mia!““, erzählt

der Chefkoch.

Seine Ausbildung begann er so dann in

Garmisch-Partenkirchen im Hotel „Partenkirchner

Hof “, in welchem das Hotelrestaurant

einen Michelin-Stern hatte.

Dementsprechend war seine Ausbildung

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BAYERISCHE KÜCHE

Tipp von

Andreas Geitl

Lassen Sie sich von uns Fernsehköchen

nicht zu viel Schmarrn erzählen, in

keiner Wissenschaft, in keiner Kultur,

in keiner Branche gibt´s so viele

Widersprüchlichkeiten wie in der

Kulinarik. Lassen Sie sich einfach inspirieren

und ermutigen – aber machen Sie

immer Ihr Ding und kochen Sie in Ihrer

Liga. Und wenn´s mal nicht ganz so wird,

ist´s ja a ned soooo schlimm!

Die Grünwalder Einkehr ist

eine gemütliche Wirtsstube mit

einfallsreicher Küche

auch exzellent, aber auch extrem hart. Die

Qualität und die Philosophie dieser Küche

haben ihn nachhaltig geprägt, denn sein

Chef forderte eine regionale, heimatverbundene,

klassische große Küche, gepaart

mit hoher Kreativität und Raffinesse.

Nach seiner Ausbildung hat Andreas Geitl

in sehr vielen Küchen wie in der Schweiz,

England, Tunesien, Kuweit und Thailand

internationale Erfahrungen sammeln können.

Wahrscheinlich hat er sich vielleicht

gerade deshalb in die bayerische Küche so

verliebt.

Anschließend verdiente er sich im „Forsthaus

Wörnbrunn“ in Grünwald unter

dem legendären Wiesnwirt Richard Süßmeier

seine Sporen als Küchenchef.

Danach war er Privatkoch bei König Fahd

von Saudi-Arabien.

Der bayerische Koch beschreibt

seine Philosophie

wie folgt: „Ich koche weltoffen

und trotzdem bayerisch,

versuche immer meine internationalen

Eindrücke in die

Heimat einzubinden. Endlich

darf der Braten wieder Braten

sein – nur besser, raffinierter,

bekömmlicher!“ Sein Leitspruch

„Nur was sich ändert, bleibt gleich“

Die Vielfalt und Raffinesse, welche man

der bayerischen Küche leider erst im zweiten

Moment ansieht, liebt er. Deshalb ist

die traditionelle Küche sein Fundament,

auf das er bauen sowie zeitgemäß verbessern

kann. So jongliert er mit heimischen,

alltäglichen Lebensmitteln und eröffnet

ganz neue Geschmackserlebnisse wie

„Brezngugelhupf mit Rahmpfifferlingen“,

„Ente mit Orangenkruste“ und „Erdbeerpfannkuchen

mit Mascarponesoße“.

Er ist aber auch der Meinung, dass nicht

alles in neuem Gewand präsentiert werden

muss und viele Klassiker einfach perfekt

sind, so wie sie sind, wie zum Beispiel

der Schweinsbraten, welcher in Bayern

fast heilig ist. „Ich möchte als Gast auf der

Speisekarte auch keinen Schweinsbraten

mit Sojasauce oder Vanille vorfinden“, erklärt

Andreas Geitl. „Beispielsweise beim

Fleischpflanzerl kann sich jeder ausleben

– mit den verschiedensten Gewürzen

und Bindungen von Brot über Reis bis

zu Haferflocken.“ Er verfeinert seine z. B.

mit Sauerkraut, Schwammerl und Curry.

Dass die bayerische Küche mehr als nur

Braten und Knödel zu bieten hat, seine

bayerischen Schmankerl einfach nach zu

kochen und unkompliziert-raffiniert sind

sowie immer Raum für eigene Interpretation

lassen, zeigt er mit seinen Rezepten.

So soll bei ihm für die Zutatenbeschaffung

kein Einkaufmarathon durch die Feinkostläden

stattfinden. Er will Kochinteressenten

die Hemmungen vorm Kochen

nehmen und ihnen zeigen, wie man eine

eigene Idee geschmeidig umsetzen kann.

Dabei möchte er mit seinen Rezepten nur

als Ideengeber auftreten und dem „Nachkocher“

Anregungen geben, wie man

mit einfachen Mitteln wirklich gut und

schmackhaft „Bayerisches von Heute“ auf

den Tisch bringt.

So kann man auch seine Kochkurse charakterisieren,

die in dieser Konstellation

einmalig sind. Die Teilnehmer kochen

unter der Regie von Andreas Geitl ein

fein–bayerisches Vier Gänge Menü, welches

dann am Abend mit deren Partnern

gemeinsam genossen wird.

Genießen Sie auf den folgenden Seiten

die herrlichen Rezepte von Andreas Geitl

und holen Sie sich vom Küchendirektor

des Nockherbergs persönliche Tipps

für die Bayerische Küche zu Hause ab.

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GENUSS | ANDREAS GEITL

Zutaten:

Für die Füllung:

5 Brezn vom Vortag, gewürfelt

125 ml heiße Milch

1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt

30 g Butter

50 g Champignons, geputzt und

halbiert

100 Karottenwürfel, gegart

100 g Kalbsbrät vom Metzger

Salz, Pfeffer

2 Eier

Für die Kalbsbrust:

1 Kalbsbrust mit

eingeschnittener Tasche

Salz, Peffer

60 g Butter zum Bestreichen

Für die Soße:

1 kg Kalbsknochen, klein gehackt

2 kleine Zwiebeln, geviertelt

2 Karotten, grob zerkleinert

100 g Sellerie, grob zerkleinert

1 Lorbeerblatt

1 Nelke

ca. 500 ml Brühe

300 ml Bratengrundsoße für Kalb

Für 2 Liter Soße:

Öl zum Braten

2,5 kg Knochen, klein gehackt

3 mittelgroße Zwiebeln, gewaschen,

geviertelt mit Schale

2 Karotten, gewaschen und in

Stücke geschnitten (nicht geschält)

¼ Sellerieknolle, gewaschen und in

Stücke geschnitten (nicht geschält)

½ Stange Lauch, gewaschen und

in Stücke geschnitten

2 Knoblauchzehen, geschält und in

Stücke geschnitten

1 Bund Petersilie, gewaschen und

abgetropft

2 EL Tomatenmark

250 ml Wein

1 TL weiße Pefferkörner

3 Lorbeerblätter, zerbröselt

3 l Wasser oder Brühe

Rosmarin, Salbei

Kalbsbrust mit

Breznfüllung

Zubereitung

FÜLLUNG

Breznwürfel mit heißer Milch übergießen und zugedeckt weichen lassen.

Zwiebelwürfel in 20 g Butter glasig andünsten. Kalbsbrät mit den Eiern, der

eingeweichten Brezn sowie den Champignons und Karottenwürfeln gründlich

vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Kalbsbrust füllen,

innen und außen salzen und pfeffern. Mit der vorbereiteten Masse füllen,

zubinden oder mit einem Spieß zustecken.

Die Kalbsknochen in einen größeren Bräter legen. Zwiebel vierteln,

Karotten und Selleriestücke sowie Lorbeerblatt und Nelke hinzufügen.

Die gefüllte Kalbsbrust draufsetzen und den Bräter in den auf 180 °C vorgeheizten

Ofen schieben. Nach etwa 20 Minuten die Hitze auf 130 °C

reduzieren.

Das Fleisch während der etwa 2- bis 2,5stündigen Bratzeit regelmäßig alle

20 Minuten mit Brühe übergießen. Dadurch erhalten Sie eine hochwertige

Soße und gleichzeitig wird die Kalbsbrust nicht trocken.

Die fertige Kalbsbrust aus dem Bräter nehmen, mit Butter einpinseln und

zugedeckt an einem warmen Ort mindestens 30 Minuten ruhen lassen.

SOSSE

Den Bräterinhalt unter Zusatz von etwas Brühe und Bratensoße im Ofen

etwa 30 Minuten weiterkochen lassen. Anschließend durch einen Sieb

passieren, ggf. auf gewünschte Menge einkochen, fertig abschmecken.

Die Kalbsbrust noch einmal bei 160 °C im Ofen etwa 10 Minuten erwärmen

und anschließend mit einem scharfen Sägemesse aufschneiden, auf einer

Platte anrichten. Die Soße separat servieren.

TIPP: Als Beilage reichlich Salate servieren. Kartoffelsalat sollte keinesfalls

fehlen.

Bratengrundsoße

Das Öl erhitzen und darin die Knochen (auch die Sehnen) von allen Seiten

kräftig anbraten. Das Gemüse einstreuen und weitere 8 Minuten braten.

Tomatenmark hinzufügen, das Ganze rösten, zweimal mit Wein und etwa

0,5 l Flüssigkeit einkochen lassen. Die Pfefferkörner, Lorbeerblätter und die

entsprechenden Gewürze hinzugeben.

Mit Wasser oder besser mit Brühe aufgießen und bei reduzierter Hitze

mindestens 2 bis 3 Stunden köcheln lassen. Zwischendurch immer wieder

abschäumen. Die Soße durch den Sieb passieren, auf die gewünschte

Menge und Konsistenz einkochen, auskühlen lassen und griffbereit für den

Gebrauch in den Kühlschrank stellen.

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BAYERISCHE KÜCHE

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GENUSS | ANDREAS GEITL


BAYERISCHE KÜCHE

Blut- und Leberwurstgröstl

mit „Himmel und Erde“

Zutaten:

für 4 – 6 Personen

Gröstl

150 g kalter, möglichst klein gewürfelter

kalter Schweinsbraten

250 g Blutwurst ohne Haut

250 g Leberwurst ohne Haut

200 g fertig gegartes Sauerkraut

1 fein gewürfelte Gemüsezwiebel

1 fein gewürfelte Knoblauchzehe

100 ml Bratensoße

1 EL Pflanzenöl

Salz, Pfeffer aus der Mühle,

Majoran

Himmel und Erde

6 Äpfel (Sorte Braeburn oder Gala)

3 EL Zucker

200 ml Weißwein

500 ml Apfelsaft

Saft einer Zitrone

300 g Kartoffelpüree

Zubereitung

Etwa ein Drittel des Apfels auf der oberen Seite als Deckel abschneiden,

Kerngehäuse entfernen. Apfel und Apfeldeckel etwas schälen.

Braten-, Zwiebel-, und Knoblauchwürfel in wenig Pflanzenöl anbraten,

Blut- und Leberwurst zugeben, leicht zerdrücken und etwas

rösten. Danach das Sauerkraut und die Bratensoße dazugeben und

das Ganze pikant, mit wenig Salz, ordentlich Pfeffer und Majoran

abschmecken.

Weißwein, Apfelsaft, Saft einer Zitrone und Zucker aufkochen,

Äpfel darin etwa 3 Minuten, die Deckel ca. ½ Minuten garen.

Anschließend herausnehmen und in Eiswasser abschrecken.

Äpfel im Sud wieder erwärmen, auf einer Platte anrichten und das

Kartoffelpüree einfüllen. Deckel aufsetzen, und daneben das Gröstl

platzieren.

TIPP: Genauso gut schmeckt natürlich Himmel und Erde auch

mit Kartoffelbrei und gedünsteten Apfelspalten.

Bei diesem Gericht können sie auch bestens Bratenreste vom

Vortag verarbeiten, das bringt >>Biss


GENUSS | ANDREAS GEITL

Zutaten:

für 6-8 Personen

Für die Fleischpflanzerl

1 gewürfelte Gemüsezwiebel

2 fein gewürfelte Knoblauchzehn

150 g sauber geputzte

Schwammerl der Saison

100 g Butter

2 alte, fein geschnittene Brezen

3 Eier

600 g Hackfleisch

(ca. 400 g Kalb, 200 g Schwein)

2 El frisch geschnittene

Blattpetersilie

3 El gehacktes Sauerkraut

1 Tl mittelscharfer Senf

1 Tl Meerrettich aus dem Glas

1 Tl Majoran

Salz, Pfeffer, Curry

50 g Butterschmalz

Für den Kartoffelsalat

1 fein gewürfelte Gemüsezwiebel

500 ml Brühe

1 kg gekochte Pellkartoffeln

(noch gut warm)

Weinessig

Salz, schwarzer Pfeffer

etwas Zucker

1 El mittelscharfer Senf

100 ml Pflanzenöl

Kalbfleischpflanzerl

mit Kartoffelsalat

Zubereitung

Zwiebel- und Knoblauchwürfel sowie die Schwammerl in Butter andünsten,

anschließend abkühlen. Die geschnittenen Brezen mit den Eiern einweichen

und durchkneten. Das Hackfleisch mit allen genannten Gewürzen

in einer Schüssel gut vermengen. Zwiebel, Knoblauch und Schwammerl,

gehacktes Sauerkraut, geschnittene Petersilie und die in Eier geweichte

Brezenscheiben unter die Hackmasse mengen. Alles gut durchkneten

und abschmecken. Am besten, Sie braten ein kleines Probepflanzerl,

bevor Sie nachschmecken, denn versalzen ist es schnell. Außerdem

mag man vielleicht auch nicht das rohe Fleisch kosten. Mi feuchten

Händen die Pflanzerl in gewünschte Größe (kleiner ist feiner) formen und

in Butterschmalz behutsam braten. Zunächst die Zwiebelwürfelchen in

die Brühe geben und das Ganze auf die Hälfte einkochen. Die warmen

Pellkartoffeln in etwa 0,5 cm dicke Scheiben schneiden, salzen, pfeffern

und etwas Zucker, Weinessig und Senf beigeben. Die Kartoffeln mit der

Zwiebelbrühe übergießen. Nur kurz und vorsichtig vermengen, dann etwa

10 Minuten ziehen lassen. Anschließend das Öl beigeben, alles nochmals

vorsichtig vermengen und mit den oben genannten Gewürzen nachschmecken.

SOSSE

Den Bräterinhalt unter Zusatz von etwas Brühe und Bratensoße im Ofen

etwa 30 Minuten weiterkochen lassen. Anschließend durch einen Sieb

passieren, ggf. auf gewünschte Menge einkochen, fertig abschmecken.

Die Kalbsbrust noch einmal bei 160 °C im Ofen etwa 10 Minuten erwärmen

und anschließend mit einem scharfen Sägemesse aufschneiden, auf einer

Platte anrichten. Die Soße separat servieren.

TIPP: Das Hackfleisch sollte nicht zu mager sein, auch ein Ei mehr schadet

nicht. Wundern sie sich nicht wegen der Zugabe von Sauerkraut, es

bringt Frische und Spritzigkeit in die Pflanzerl. Bei den Schwammerln dürfen

Sie auch ruhig etwas mehr nehmen, das macht schön locker und

saftig. Den Kartoffelsalat unbedingt lauwarm servieren. Keine zu mehlige

Kartoffeln verwenden.

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BAYERISCHE KÜCHE

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GENUSS | ANDREAS GEITL


BAYERISCHE KÜCHE

Kalbshaxe auf

Wurzelgemüse

Zutaten:

für 4 - 6 Personen

Kalbshaxe:

1 Kalbshaxe am Knochen (ca. 2 Kg)

1 Lorbeerblatt

1 Rosmarinzweig

Salz, Pfeffer

Für das Wurzelgemüse

8 Schalotten

2 geviertelte Gemüsezwiebeln

3 schräg gedrittelte Karotten

200 g Sellerie

(in große Stücke geschnitten)

2 EL Pflanzenöl

Für die Soße

200 ml Weißwein

500 ml Bratengrundsoße

ca. 500 ml Brühe

Zubereitung

Kalbshaxe mit Salz, Pfeffer und frischem Rosmarin kräftig einreiben,

Zwiebeln und Schalotten in einer ofenfesten Pfanne

anbraten. Gewürzte Haxe drauf setzen und in den auf 200°C

vorgeheizten Ofen schieben.

Nach ca. 30 Minuten etwas Brühe zugießen und in Hitze auf

etwa 160°C reduzieren. Jetzt immer darauf achten, dass ein

feuchtes Klima im Ofen ist. Es muss also stets etwas Flüssigkeit

in der Pfanne sein.

Nach weiteren ca. 1,5 Stunden Garzeit Karotten, Sellerie,

Lorbeerblatt und Weißwein hinzufügen. Danach alles noch

etwa 40 Minuten im Ofen weiter garen. Die Haxe ist gar, wenn

beim Einstechen klarer Saft austritt und sich das Fleisch merklich

vom Knochen löst. Kalbshaxe aus dem Ofen nehmen und

warm stellen.

Den Bratensaft mit der Bratengrundsoße auffüllen und alles kurz

aufkochen lassen. Gegebenenfalls mit Salz und Pfeffer nachschmecken.

Haxe vom Knochen lösen, in Scheiben schneiden

und mit Soße und Gemüse anrichten. Dazu passen Kartoffeln

und Knödel aller Art.

TIPP: Eine Haxe oder ein Braten ist ein wenig zeitaufwendig,

der Arbeitsaufwand hält sich dafür allerdings in Grenzen.

Wenn der Braten mal im Ofen ist, geht ja alles fast wie von

selbst. Soße und Gemüse entstehen bei dieser Rezeptur

ganz nebenbei und sogar im gleichen Gefäß.

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GENUSS | ANDREAS GEITL

Kartoffeltaschen

Zutaten:

4 -6 Personen

Für den Teig:

500 g gekochte

Pellkartoffeln

(vom Vortag)

ca. 250 g Mehl

4 Eier

Salz, Zucker

Für die Füllung:

150 g Speck

1 Zwiebel

50 g Butter

200 g Apfelkompott mit

Stücken (kein Mus)

1 Eiweiß „zum Kleben“

Mehl zum Ausrollen

Salz, Zucker

100 ml Sahne

Zubereitung

Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken und mit Mehl,

Eiern, Salz und einer Prise Zucker einen mittelfesten Teig herstellen.

Anschließend den Teig in drei Teile teilen, in eine

Klarsichtfolie wickeln und mindestens eine Stunde kalt stellen.

Speck und Zwiebel würfeln und in Butter glasig braten, dann mit

dem Apfelkompott vermengen. Den Teig auf einer gut mit Mehl

bestäubten Fläche etwa 0,5 cm dick ausrollen. Anschließend

Kreise mit einem Durchmesser von ca. 10 cm ausstechen und

mit verquirltem Eiweiß bestreichen. Eine Hälfte mit ca. einem

Esslöffel Apfel-Speckfüllung belegen, die andere Hälfte darüber

klappen und gut ausdrücken. Die Taschen in eine gut

gebutterte und leicht gezuckerte Reine schlichten, mit Butter

bestreichen und 20 Minuten im vorgeheizten Backofen bei 180

°C backen. Anschließend die Sahne zugießen und weitere 5

Minuten fertig backen.

TIPP: Zu diesen Taschen passt sowohl Salat als auch

Sauerkraut. Man kann sie aber durchaus auch ohne alles

essen. Gegebenenfalls kann auch mehr Mehl erforderlich

sein. Die Menge des Mehls hängt vom Stärkegehalt der

Kartoffeln ab. Die Taschen lassen sich auch prima süß mit

einer Fruchtfüllung und Vanillesoße zubereiten.

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BAYERISCHE KÜCHE

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GENUSS | ANDREAS GEITL


BAYERISCHE KÜCHE

Apfelkücherl mit

Mandelkruste

Zutaten:

für 4 Personen

Für den Bierteig

150 g Mehl

1 Eigelb

125 ml Helles Bier oder Weißbier

Mark einer Vanilleschote

2 Eiweiß

Salz, Zucker

Für die Kücherl

3 Äpfel (Gloster, Gala oder

Granny Smith)

50 g Zimt-Zucker

80 g gehobelte Mandeln

Für die Aprikosensoße

200 g Aprikosenmarmelade

100 ml Weißwein

50 g Butter

2 cl Aprikosenschnaps

Wasser

Zubereitung

Aus Mehl, Eigelb, Bier, Zucker, Vanilleschote und einer Prise Salz

einen dickflüssigen Teig herstellen. Das Eiweiß steif schlagen

und unterheben.

Zunächst die Äpfel schälen, das Kernhaus ausstechen und

dann die Äpfel in 3-4 gleich dicke Scheiben schneiden. Durch

den Bierteig ziehen, eine Seite der Kücherl in Mandeln wälzen

und sofort in etwa 160-170°C heißem Öl von jeder Seite 2-3

Minuten schwimmend backen. Anschließend die Kücherl auf

einem Gitter oder Küchenrollenpapier abtropfen lassen und in

Zimt-Zucker wenden.

Aprikosenmarmelade mit Weißwein erhitzen und leicht

einkochen, die Butter einrühren und mit Aprikosenschnaps abschmecken.

TIPP: Dazu passt neben der Aprikosensoße auch prima

ein rahmiges Eis. Geschmack und Bekömmlichkeit der

Apfelkücherl liegen insbesondere an der Qualität des

Fettes, in dem sie ausgebacken werden. Butterschmalz ist

meine Empfehlung. Die Verwendung der Mandeln bringt

den unvergleichlichen Geschmack und den Biss bei diesen

Kücherln.

Ebenso lassen sich natürlich Zwetschgen, Birnen, Aprikosen

oder Bananen zubereiten.

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84

GENUSS | NACHSPEISEN


TEIGWAREN

SÜSSES BAYERN

SCHMARRN,

SCHEITERHAUFEN,

NONNENFÜRZLE

Bayerische Süßspeisen haben es in sich.

An Mehl und Butter, Zucker und Sahne wird selten

gespart – und die Portionen sind meist üppig. Darüber hinaus

haben viele der süßen Leckereien auch noch eine

geradezu köstliche Geschichte.

VON MARION TRUTTER

91 85


GENUSS | NACHSPEISEN

„Uff, das ist ja eine ganze Mahlzeit“, hört

man immer wieder auf bayerischen Berghütten,

wenn „Preißn“ aus dem Norden

sich zum Nachtisch einen Kaiserschmarrn

oder Germknödel bestellen und dann vor

gigantischen Portionen sitzen. Warum es

nur ganz selten einmal kleine Dessertportionen

der süßen Sünden gibt, sei dahingestellt.

Tatsache ist auf jeden Fall, dass

viele dieser Speisen früher tatsächlich einmal

Hauptgerichte waren. Mit Mehl und

Eiern konnte man nämlich preiswert viele

hungrige Mäuler stopfen, damit die ganze

Familie satt- und die Kinder auch noch

äußerst glücklich machen.

Hauptzutaten in bayerischen Desserts

sind Mehl und Eier, Quark, Butter und

Zucker sowie das, was die Obstgärten im

Verlauf des Jahres so hergeben – von Erdbeeren

im Frühjahr über Kirschen und

Johannisbeeren im Sommer bis zu den

Äpfeln und Birnen des Herbstes. Im Winter

bereitet man die süßen Schleckereien

traditionell gern mit Trockenobst zu.

Bayrisch Creme

Zutaten

4 Blatt Gelatine

¼ l Milch

Mark von

½ Vanilleschote

3 Eigelb

80 g Zucker

250 g süße Sahne

So geht’s

Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

Milch mit dem Vanillemark aufkochen, vom

Herd nehmen und etwas abkühlen lassen.

Eigelb und Zucker schaumig schlagen,

dann die heiße Vanillemilch unter ständigem

Rühren langsam einfließen lassen.

Die Masse in einem Topf bei mittlerer Hitze

so lange schlagen, bis sie dicklich wird.

Gelatine aus dem Wasser nehmen, ausdrücken

und in die Creme geben. Gut rühren,

bis die Gelatine sich vollständig aufgelöst

und gut verteilt hat. Abkühlen lassen und

dazwischen immer wieder durchrühren.

Sahne sehr steif schlagen. Sobald die

Vanillecreme zu gelieren beginnt, die Sahne

vorsichtig unterheben. Die Creme in eine

Schale oder einzelne Förmchen geben und

mindestens 3 Stunden im Kühlschrank fest

werden lassen.

Auf einem Spiegel Fruchtpüree (Erd- oder

Himbeeren) oder auch mit einer Mischung

aus frischen Beeren servieren.

KÖNIGLICHE RAHMSÜLZE

Zugegeben: „Rahmsülze“ klingt nicht

wirklich elegant. Und das bayerischste

aller Desserts hat auch wirklich einen

anderen Namen verdient – nicht zuletzt

deshalb, weil es von einer hohen Dame

erfunden worden sein soll. Besser bekannt

unter dem Namen Bayrisch Creme

oder hochdeutsch Bayerische Creme ist

die süße Variante der Rahmsülze eines

der beliebtesten Desserts in Bayern – und

eines der ältesten noch dazu. Kreiert hat

es schon im 14. Jahrhundert eine gewisse

Elisabeth von Bayern, die später als

Isabeau de Bavière in die Geschichte einging.

Die bayerische Herzogstochter aus

dem Hause der Wittelsbacher heiratete

1385 den jungen französischen König

Karl VI. und wurde damit Königin von

Frankreich. Sie soll das Rezept für ihr

Lieblingsdessert von heimatlichen Hof

mit in die neue Heimat genommen haben,

wo die Süßspeise bald als „Crème

bavaroise” en vogue war.

Unter diesem Namen kennt und liebt

man die Leckerei heute in aller Welt, und

deshalb behaupten die Franzosen gerne,

französische Experten hätten am Hofe

von Bayern- Ingolstadt das Rezept für die

königliche Rahmsülze erfunden. Ebenso

gut kann man sich aber auch vorstellen,

dass schon vor vielen Jahrhunderten

86


TEIGWAREN

überall Bäuerinnen oder Hausfrauen auf

die Idee kommen konnten, ganz einfach

Milch, Eier und Zucker aufzuschlagen

und daraus eine Creme zu rühren. Dazu

Gelatine und geschlagene Sahne, abkühlen

lassen – und fertig ist eine ebenso einfache

wie köstliche Nachspeise. Die Vanille

allerdings, die heute das feine Aroma

der Bayrisch Creme bestimmt, kam erst

im 16. Jahrhundert mit spanischen Seefahrern

aus Mittelamerika nach Europa.

Zu der süßen und auch ziemlich fettreichen

Creme passt wunderbar ein säuerlicher

Kontrast. Man genießt sie deshalb

meist mit pürierten Früchten, etwa

Erd- oder Himbeeren oder auch einer

Beerenmischung. Besonders gesundheitsbewusste

Köchinnen und Köche bereiten

das Dessert gern auch mal in einer

leichten Variante mit Quark zu, und eine

exklusive Note bekommt die Nachspeise

durch diverse Aromen wie Lavendel,

Orangenblüte oder Rose.

„GEBT’S HALT MIR DEN

SCHMARRN“

Nicht nur königlichen Ursprungs, sondern

wahrhaft kaiserlich gibt sich eine

andere Spezialität der bayerischen süßen

Küche – auch wenn die Leckerei ursprünglich

aus dem benachbarten Österreich

stammt. Wie bei vielen legendären

Köstlichkeiten streiten sich die Fans auch

beim Kaiserschmarrn, wie er entstanden

ist und wo denn nun der lustige Name

herrührt. Einig sind sich die meisten

Historiker, dass die Speise in der zweiten

Hälfte des 19. Jahrhunderts am Hof von

Kaiser Franz Joseph I. erfunden wurde

– und zwar wohl eher zufällig.

Eine der vielen Legenden besagt,

der Küchenchef von

93 87


GENUSS | NACHSPEISEN

Franz Joseph I. und seiner Gattin Elisabeth

habe dem erlauchten Paar eine Freude

machen wollen und aus dem klassischen

Pfannkuchenteig eine neue Variante serviert.

Sissi aber habe pikiert abgelehnt

– der schlanken Linie zuliebe. Um den

Koch zu versöhnen, soll sich der Kaiser der

neuen Kreation angenommen haben mit

den Worten: „Dann gebt’s halt mir den

Schmarrn, den unser Leopold da wieder

z’sammkocht hat.“ Die Speise muss dem

Kaiser ordentlich gemundet haben und so

KÜCHENKÖNIG UND KAISERSCHMARRN

setzte sich bald die Bezeichnung „Kaiserschmarrn“

durch. Einer anderen Geschichte

zufolge soll bei einer Bergwanderung

ein Senn – österreichisch auch „Kaser“ für

Käsemacher – Franz Joseph I. zur Stärkung

eine Mehlspeise serviert haben. Angeblich

fügte er einem einfachen Palatschinken zu

Ehren des hohen Gastes besonders viele

Eier und zusätzlich Rosinen bei. Der Kaiser

war so angetan, dass er das Rezept mit zu

seinen Köchen am Hof nahm, wo die Süßspeise

als Kaiserschmarrn berühmt wurde.

„Einen Kaiserschmarrn als zerrupften Pfannkuchen zu

bezeichnen ist ein Sakrileg“, verteidigt Christian Jürgens,

mit drei Michelin-Sternen dekorierter Küchenkönig vom

Tegernsee, die beliebte Süßspeise. „Der Unterschied liegt

doch klar auf der Hand: Anders als die meisten Pfannkuchen

wird der Kaiserschmarrn mit Zugabe von geschlagenem

Eiweiß gebacken. Außerdem wird er nach dem Zerteilen in

der Pfanne mit ein wenig Zucker leicht karamellisiert – so

dass die einzelnen Teile außen kross und in der Mitte wunderbar

flauschig sind.“ Und dann verrät der Küchenchef des

Althoff Seehotel Überfahrt noch, wo er selber am liebsten

einkehrt, wenn ihm der Sinn nach einem Kaiserschmarrn

steht: „Ich wandere dann zum Gasthaus Aiblalm bei uns

am Tegernsee. Denn besser als der Aibl Schorsch macht niemand einen Kaiserschmarrn! Im

Sommer variiert er ihn beispielsweise mit Erdbeeren – und sein Erdbeerschmarrn ist Weltklasse.

Dazu noch ein tolles Vanilleeis und Sie sind im Himmel der Desserts.“

DAS GEHEIMNIS DER FLUFFIGKEIT

Nördlich des Weißwurstäquators erzählt

man sich ja gerne, ein Kaiserschmarrn

sei nichts anderes als ein Eierkuchen in

Fetzen, was in Bayern zu einem wahren

Aufschrei führt. Wer die Spezialität jedoch

so zubereitet darf sich nicht wundern,

wenn am Ende eben ein zerrissener

Eierkuchen auf dem Teller liegt anstatt

der wunderbar fluffigen Teigstücke, die

einen richtig guten Kaiserschmarrn ausmachen.

Natürlich sind die Grundteige

von Pfannkuchen und Kaiserschmarrn

eng verwandt. Ein Unterschied besteht

jedoch darin, dass beim Kaiserschmarrn

etwas Zucker oder Vanillezucker in den

Teig kommt, bei den edlen Varianten sogar

echtes Vanillemark. Manche Liebhaber

geben flüssige Butter in den Teig und

die meisten bereichern die Leckerei auch

noch mit Rosinen – in Rum eingeweicht

oder pur. Und der Clou der Fluffigkeit:

Die Eier werden getrennt, das Eiklar geschlagen

und erst zum Schluss vorsichtig

unter den Teig gehoben. So erhält man

einen ordentlich dicken und vor allem

wunderbar luftigen Schmarrn.

Beim Garen des Kaiserschmarrns scheiden

sich dann die Geister: Die einen

backen ihn in der Pfanne auf dem Herd,

die anderen braten ihn nur kurz an und

88


TEIGWAREN

schieben dann die feuerfeste Pfanne in

den Ofen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass

das Ergebnis am Ende außen goldbraun

ist und innen fluffig. Vor dem Servieren

wird der Kaiserschmarrn mit Puderzucker

bestäubt, was Banausen gern dazu

benutzen, eventuell verbrannte Stellen

zu übertünchen. Für Kenner ein Frevel!

Zum Kaiserschmarrn passt ganz klassisch

ein Zwetschgenröster, die bayerische

Variante des Pflaumenkompotts –

lecker abgeschmeckt mit Zitrone, Zimt

und Nelken. Aber auch andere Fruchtkompotte

oder Apfelmus sind in Bayern

nicht verboten. Und wenn man gleich

von Anfang an Apfelstücke mitbrät, erhält

man einen wunderbar saftigen Apfelschmarrn.

„NUDELN“ ZUM NACHTISCH –

GEDÄMPFT ODER GEBACKEN

Auch Dampf- und Rohrnudeln zählen

zu jenen bayerischen Süßespeisen-

Klassikern, die man nicht mehr so recht

den Desserts zuordnen will. Sie können

locker als Hauptgericht durchgehen und

sättigen sogar abgekämpfte Bergsteiger

oder Skitourengeher, wenn sie am Ende

eines langen Aufstiegs vor der Hütte

in der Sonne sitzen. Mit Pasta haben

diese „Nudeln“ wenig gemein – außer,

dass sie aus Teig bestehen. Dampfnudel,

Germknödel und Rohrnudel werden aus

Hefeteig hergestellt und sind handfeste

Klöpse, die den Magen genauso füllen,

wie man sich das beim ersten Anblick vorstellt.

Für die typisch bayerische Dampfnudel

wird aus Mehl, Milch, Butter, Hefe,

Salz, etwas Zucker und meist auch Ei ein

Teig geknetet. Daraus formt man Kugeln,

die in einem sehr gut verschlossenen Topf

in gezuckerter Milch mit etwas Butter

gedämpft werden. Die Kunst besteht darin,

die Flüssigkeit so zu dosieren, dass sie

am Ende völlig verdampft ist, sodass die

Dampfnudeln noch kurz weiterbraten.

So entsteht das „Rammerl“, eine goldgelbe

Kruste. Je weiter man nach Westen

oder Norden kommt, desto häufiger findet

man auch eine Variante, bei der die

Dampfnudeln in Salzwasser mit Butter

gegart werden. Zu Dampfnudeln gibt’s

meist lauwarme Vanillesauce, doch auch

Apfelkompott, Zwetschgenröster oder

als Wintervariante ein Backobstkompott

passen wunderbar.

Kaiserschmarrn

Zutaten

4 Eier

30 g Zucker

40 g geschmolzene

Butter

Mark einer

Vanilleschote

200 g Mehl

300 ml Milch

1 Prise Salz

ca. 2-3 EL Butter

zum Ausbacken

nach Belieben:

Rosinen, nach

Wunsch in Rum

eingeweicht

zum Karamellisieren:

1 EL Butter

30 g Zucker

Puderzucker zum

Bestäuben

So geht’s

Die Eier trennen. Mit dem Handrührgerät Eigelbe,

Zucker, geschmolzene Butter und Vanillemark zu

einer schaumigen Masse schlagen. Dann unter

Rühren abwechselnd Mehl und Milch dazugeben,

bis ein glatter Teig entstanden ist. Diesen eine halbe

Stunde ruhen lassen. Dann die Eiweiße mit einer

Prise Salz zu steifem Schnee schlagen. Sehr vorsichtig

unter den Teig heben. Ca. 2 EL Butter in einer

Pfanne (am besten schwere Eisenpfanne) nicht zu

stark erhitzen. Teig ca. 1,5 cm dick hineingeben.

Jetzt nach Wunsch die Rosinen einstreuen. Das

Ganze bei mittlerer Hitze so lange stocken lassen,

bis die untere Seite goldbraun ist. Danach wenden,

noch 1 EL Butter zugeben und die andere Seite goldbraun

braten. Erst dann mit zwei Gabeln in Stücke

reißen. Zum Schluss nochmal etwas Butter zugeben,

den Zucker darüberstreuen und die Stücke kurz

durchschwenken, so dass sie rundum karamellisieren.

Mit Puderzucker bestreut servieren. Dazu passen

Zwetschgenröster oder Apfelmus.

Tipp: Sie können den Schmarrn schon vor dem

Wenden in vier Viertel teilen, so lässt er sich leichter

wenden.

89


GENUSS | NACHSPEISEN

Apfelkücherl

Zutaten

4 mittelgroße säuerliche

Äpfel, z. B. Boskop

2 Eier

1 Prise Salz

¼ l Bier (alternativ

Weißwein oder Milch)

200 g Mehl

Butterschmalz zum

Ausbacken

ca. 5 EL Mehl

2 EL Zucker

1 TL Zimt

So geht’s

Die Äpfel schälen. Kerngehäuse, Stiel und

Blütenansatz entfernen. Dann die Äpfel in

0,5 bis 1 cm dicke Scheiben schneiden.

Die Eier trennen. Das Eiweiß mit einer Prise

Salz zu steifem Schnee schlagen. Eigelb

und Bier (bzw. Wein oder Milch) mit dem

Handrührgerät aufschlagen. Dann unter

ständigem Rühren das Mehl dazugeben

und weiterrühren, bis eine glatte Masse

entstanden ist. Zum Schluss vorsichtig das

geschlagene Eiweiß unterheben.

In einer Pfanne das Butterschmalz erhitzen

(der Pfannenboden sollte gut bedeckt

sein). Etwa 5 EL Mehl auf einen Teller

geben. Die Apfelringe zuerst im Mehl,

dann im Teig wenden und im nicht zu

heißen Butterschmalz goldbraun braten.

Herausnehmen, auf Küchenkrepp kurz abtropfen

lassen. Zucker und Zimt vermischen

und die Apfelkücherl darin wenden. Sofort

servieren. Dazu passt Vanillesauce oder

auch eine Kugel Vanille- oder Walnusseis.

DER TEIG DER TAUSEND

MÖGLICHKEITEN

Der nicht minder beliebte Germknödel

unterscheidet sich von der Dampfnudel

vor allem dadurch, dass er entweder

in Salzwasser oder in einem Topfeinsatz

überm Dampf gegart wird und deshalb

keine Kruste entwickelt. Dass auch er aus

Hefeteig gemacht wird, verrät schon sein

Name, denn Gern bedeutet auf Bayerisch

und Österreichisch Hefe. Die klassische

Variante ist mit Pflaumenmus gefüllt und

wird zu allem Überfluss mit reichlich

zerlassener Butter und einer Mischung

aus gemahlenem Mohn und Puderzucker

bedeckt. Und dann ist da – um die

kulinarische Hefekloß-Verwirrung perfekt

zu machen – noch die Rohrnudel;

man könnte auch sagen die bayerische

Buchtel. Sie wird ebenfalls aus Hefeteig

gemacht, allerdings im Ofen gebacken. Es

gibt sie pur oder mit Rosinen, gefüllt mit

Zwetschgen, Kirschen oder Aprikosen,

mit Mohn oder Quark. Wie alle anderen

bayerischen „Süß-Nudeln“ schmecken sie

herrlich mit Vanillesauce oder Kompott –

ein beliebtes Freitagsessen und natürlich

lecker zum Kaffee. Übrigens kann man

aus dem gleichen Teig auch wunderbares

Schmalzgebäck herstellen, etwa die leckeren

Auszognen. Die heißen nicht so, weil

sie nackig sind, sondern weil der Teig dazu

mit beiden Händen so lange auseinandergezogen

wird, bis in der Mitte nur noch

eine hauchdünne Schicht übrigbleibt, die

von einem dickeren Teigring umgeben ist.

Da die Frauen sie früher gern über dem

Knie in die Breite zogen, tragen sie auch

den Namen Knieküchle.

WIRKLICH MITREISSEND:

SÜSSE STRUDEL

Viele Mehl- und Süßspeisen, die im Alpenraum

heute so beliebt sind, stammen

aus dem österreichisch-böhmischen

Raum. Auch den Strudel haben die Bayern

wohl ursprünglich aus Österreich

importiert. Die wiederum dürften es sich

bei den Türken abgeschaut haben, die in

hauchdünne Teigblätter schon seit jeher

vor allem Herzhaftes wie Lammhackfleisch,

Spinat oder Käse einwickeln. Die

größte Kunst beim Strudelmachen ist es,

den Teig aus Mehl, Ei, Wasser und Öl

möglichst dünn zu ziehen.

Was man dann in diese hauchdünnen

90


TEIGWAREN

Teigbahnen einwickelt, bleibt der Phantasie

überlassen. Absoluter Klassiker ist

der Apfelstrudel, der gern noch mit Rosinen

sowie mit Nüssen oder Mandeln

verfeinert wird. Als Hausmannskost liebt

man auf bayerischen Bauernhöfen seit jeher

auch den Millirahmstrudel mit einer

cremigen Quarkfüllung. Auch Kirschen,

Birnen oder Beeren machen sich gut im

Strudelteig, und eine Füllung aus Äpfeln

mit Waldbeeren ist ein ganz besonderer

herbstlicher Leckerbissen.

APFELKÜCHERL UND

ZWETSCHGENKNÖDEL

Kaiserschmarrn, Strudel und Kompott

sind übrigens nur einige wenige Möglichkeiten,

um heimisches Obst in unwiderstehliche

Süßspeisen zu verwandeln.

In aller Munde sind auch Apfelkücherl,

für die man in Bayern keinen schnöden

Pfannkuchenteig, sondern – wie könnte

es anders sein? – am liebsten einen

Bierteig verwendet. Die einfachste Variante

besteht nur aus Mehl, Bier und

Salz, knuspriger werden die gebackenen

Apfelringe mit Ei. Und auch hier wieder:

Vanillesauce gibt den süßen Kick.

Auch Kartoffeln finden in Bayern ihren

Weg in die süße Küche, etwa bei köstlichen

Zwetschgen- oder Aprikosenknödeln

im Kartoffelteig. Selbst viele eingefleischte

Bayern haben noch nie etwas

von Rupfhauben gehört, einem uralten

Arme-Leute-Essen. Ein einfacher Teig

aus gekochten Kartoffeln, Mehl, Eiern

und Salz wird zu Gebilden wie kleinen

Hauben geformt und diese dann in gezuckerter

Milch gegart.

Eine sättigende Schleckerei aus dem

Allgäu sind Kartoffelmaultaschen mit

Apfelfüllung, die im Ofen gebacken

werden. Und wenn wir schon ganz im

Westen von Bayern sind: Wie im gesamten

Schwabenland liebt man auch im

Allgäu die Nonnenfürzle, die wunderbar

schmecken und – anders als der Name es

vielleicht vermuten ließe – auch wirklich

wunderbar duften. Das Schmalzgebäck

aus Brandteig wird immer noch traditionell

in der Faschingszeit hergestellt,

schwimmend in heißem Fett ausgebacken

und mit Zucker bestreut. Und natürlich

hat die bayerische Bäckerei auch

jede Menge größere Kaliber zu bieten:

klassische Köstlichkeiten aus der Backstube

wie den Zwetschgendatschi oder

die legendäre Prinzregententorte.

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GESUNDHEIT | DAS GRASECK


GARMISCH-PARTENKIRCHEN

RAUF AUF DAS GRASECK,

RUNTER VOM STRESS

Auf 900 Metern Höhe, oberhalb der Partnachklamm in

Garmisch-Partenkirchen, eröffnete das 4-Sterne-plus-

Hotel „DAS GRASECK“ mit dem daran angeschlossenen

Präventionszentrum „GAP PREVENT“.Urlaub und

Gesundheit wollen die Inhaber, Dr. Sylvia und Dr. Vincens

Weingart verbinden: „Es ist eine Art Symbiose von

Gesundheit und Genuss, ein ganzheitliches Konzept. Wir

wollen hochwertige Hotellerie und Vorsorge-Medizin

miteinander kombinieren“, sagt die Kardiologin

Sylvia Weingart.

93


GESUNDHEIT | DAS GRASECK

DAS GRASECK / GAP PREVENT

Vor einer der schönsten und eindrucksvollsten

Bergkulisse der Alpennordwand und oberhalb

der legendären Partnachklamm liegt ein neues

Alpenjuwel der Extraklasse, DAS GRASECK. Das

Boutique-Hotel ist eingebettet in eine malerische

Berg- und Waldlandschaft, und ausgestattet mit

einem medizinischen Präventionszentrum internationalen

Standards, dem GAP PREVENT, einem

medizinischen Präventivzentrum, das genutzt

werden kann, aber nicht genutzt werden muss.

Hier besteht die Möglichkeit einer ganzheitlichen

Vorsorgemedizin auf höchstem Niveau.

So eignet sich DAS GRASECK hervorragend für

den Erholungs- als auch für den gesundheitsbewussten

Aktivurlaub. Wer seinen Körper im

Rahmen einer medizinischen Vorsorge durchchecken

lassen möchte, dem steht im GAP

PREVENT ein renommiertes und erfahrenes

Ärzteteam zur Verfügung.

Mit dem neuen Präventionszentrum entsteht

erstmals ein Diagnostik-Zentrum für ambitionierte

Breitensportler. Die interdisziplinare und

ganzheitliche Medizin wird durch die Kooperation

mit Fachärzten aus dem niedergelassenen

Bereich sowie mit Klinikärzten gewährleistet.

„Das Untersuchungsspektrum ist sehr breit

und deckt alle maßgebenden Bereiche der

Vorsorgemedizin ab. Alles ist an einem Ort gebündelt,

d.h. es gibt hier kein Hetzen von einer

Praxis zur nächsten, keine Wartezeiten und

keinen Informationsverlust zwischen den verschiedenen

Ärzten,“ so Dr. Vincens Weingart.

Die Symbiose aus Wellness, Genuss und ganzheitlicher

Medizin ist in dieser Form ein echtes

Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Seit Mai sind Hotel und Restaurant geöffnet.

„Die Resonanz ist durchweg positiv“,

sagt der Gastroenterologe Vincens

Weingart. Bereits im Jahr 2005 hatten die

Weingarts die Vision, ein exklusives Hotel

mit einem Angebot an qualifizierter Präventionsmedizin

zu etablieren. „Durch die

Inspiration, die wir aus unterschiedlichen

internationalen Hotels mitgenommen

haben und die tägliche berufliche Konfrontation

mit potenziell vermeidbaren

Krankheitszuständen ist unsere Idee mit

den Jahren immer konkreter geworden“.

Es ist kein rein medizinisches Konzept,

im Vordergrund stehen Gesundheit durch

Genuss. „Wir setzen auf gesunde Naturküche,

sportliche Aktivitäten in der Umgebung

und Wellness.“

ÄLTESTE KLEINKABINENBAHN

DER WELT

2012 wurde das alte Forsthaus Graseck mit

Panoramablick auf das Wettersteinmassiv

gekauft und umgebaut. Das Mountain

Hideaway hat ein besonderes Alleinstellungsmerkmal:

Der Gast kann das Hotel

nur per Bergbahn erreichen: mit der ältesten

Kleinkabinenbahn der Welt – das

Auto bleibt auf dem Parkplatz stehen: „Für

ängstliche Gäste haben wir einen Shuttle-

Service mit unserem Partner Audi“.

Auch die 23 Hotelmitarbeiter kommen

per Gondel zum Arbeitsplatz. Schmoll

(unter anderem Dorint Vital Spa, Seefeld;

Grand Regina Alpin Well & Fit Hotel,

Grindelwald) war in beratender Funktion

schon in der Entstehungsphase mit im

Boot. Laut Sylvia Weingart ist es ein Generationenprojekt

- ihre Eltern haben die beiden

Mediziner von Anfang an unterstützt,

auch bei der Finanzierung. Das Boutiquehotel

hat 31 Zimmer in modernem alpinem

Design mit Vollholzmöbeln und Parkett.

In der Suite ist das großzügige offene

Bad mit Dusche und Doppelwaschbecken

durch einen Podest vom Schlafbereich getrennt

– von der Badewanne hat der Gast

einen traumhaften Panoramablick auf das

Schachenschloss und die Dreitorspitze.

Das Highlight ist die Loft-Suite: Im Eingangsbereich

findet man eine Ankleide,

einen eigenen Etagenflur, offenes Bad mit

Dusche, zusätzlich Badewanne, separates

WC, Garderobe, Wohnlounge und

einen exklusiven Balkon unterhalb des

Dachgiebels. Bei der Kulinarik setzen die

Weingarts auf gesunde Naturküche mit

frischen Zutaten aus regionaler Herkunft,

teilweise aus Bio-Anbau, native Öle und

schonende Zubereitung. Auf der Karte

finden sich Wildkräutersalat mit Himbeerdressing

oder Filetstreifen vom Wer-

90 94


GARMISCH-PARTENKIRCHEN

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GESUNDHEIT | DAS GRASECK


GARMISCH-PARTENKIRCHEN

denfelser Jungbullen sowie gebratenes Filet

vom Saibling von der Fischzucht Grainau.

Im Wellnessbereich warten ein kleiner beheizter

Außen-Relax-Pool, eine Panorama-

Sauna, eine finnische Altholz-Sauna, eine

Dampfgrotte und eine Infrarotkabine. In

einer Lounge-Ecke kann der Gast einen

Gesundheitsshake oder Tee genießen.

AUSGEZEICHNET MIT DEM

BAYERISCHEN GRÜNDERPREIS

Im Anbau befindet sich das GAP-PRE-

VENT– ein interdisziplinäres Vorsorgezentrum

mit unterschiedlichen Fachärzten.

„Dabei steht eine wissenschaftliche

und leitliniengerechte Auswahl an sinnvollen

Untersuchungen im Vordergrund“, so

Sylvia Weingart. Um den Gesundheitssektor

mit einzubinden, haben sich die beiden

Eigentümer eine Reihe an Kooperationspartnern

mit ins Boot geholt – vom Urologen

und Orthopäden über Dermatologen

bis hin zum Schönheitschirurgen.

12 Ärzte können im separaten 180 Quadratmeter

großen Hotelabschnitt praktizieren.

Es werden hier auch Pakete angeboten,

etwa Nikotinentwöhnung oder Burn-Out-

Prophylaxe. Im Bereich Sportmedizin arbeiten

die Weingarts eng mit dem Klinikum

Garmisch zusammen. „Auch Sportler

vom DFB-Team waren schon im GAP-

PREVENT“, sagt Weingart.

Zielgruppe sind genussfreudige Aktivurlauber,

die die Ruhe schätzen. Die Hotelgäste

finden ein abwechslungsreiches

Freizeit- und Sportangebot, etwa Biken

und E-Biken, Wandern, Golfen oder

Wintersport. Audi stellt kostenlos zwei

Testfahrzeuge für Ausflüge zur Verfügung.

Tagesgäste sind willkommen, die sich im

Vorsorge-Zentrum GAP PREVENT medizinisch

durchchecken lassen, im Wellnessbereich

oder im Restaurant verweilen.

Wanderer können im Biergarten bei einer

Brotzeit die Idylle genießen.

Einen Preis haben die Weingarts bereits

gewonnen, den Bayerischen Gründerpreis

2015 in der Kategorie „Konzept“. Weitere

Expansion ist schon angedacht: zwei weitere

Stockwerke sind genehmigt: „Aber

wir fangen gerade erst an. Und ein Massenbetrieb

wollen wir nicht werden“, betont

Sylvia Weingart.

Das Graseck, Graseck 4

82467 Garmisch-Partenkirchen

Tel.: +49 8821 943240

www.das-graseck.de

GESUNDHEITSFÖRDERUNG

DURCH STRESSBEWÄLTIGUNG

In Zusammenarbeit mit der Lech-Mangfall-Klinik Garmisch-

Partenkirchen bieten DAS GRASECK und GAP PREVENT in der

ersten November-Woche 2015 ein Anti-Stress-Seminar.

In Zusammenarbeit mit der „kbo-Lech-Mangfall-Klinik“ Garmisch-Partenkirchen bieten DAS

GRASECK und GAP PREVENT in der ersten November-Woche 2015 ein Anti-Stress-Seminar.

Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren

des 21. Jahrhunderts erklärt. Häufige Beschwerden wie Angstzustande, Bluthochdruck,

Spannungskopfschmerzen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme oder chronische Schmerzen

können stressbedingt sein.

Stress kann viele Ursachen haben und sich auch indirekt auswirken: Unter chronischer Belastung

verhalten sich viele Betroffene gesundheitsschädigend, sie trinken und rauchen mehr, essen ungesund

und greifen häufig zu Beruhigungs-, Schmerz- oder Schlafmitteln. Ein hilfreicher Umgang mit

Stress ist dabei der vorbeugende Ansatz. Je gesünder der Lebensstil, desto höher ist die Schwelle an

stressassoziierten Symptomen zu erkranken. Je früher und konsequenter mit der Stressbewältigung

begonnen wird, desto einfacher und effektiver sind die Bewältigungsmaßnahmen. Hierfür wird in

einem multidisziplinaren Team von Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Kreativtherapeuten

ein theoriegeleitetes und praxisfundiertes multimodales Programm angeboten. Neben verhaltenstherapeutischen

Einzel- und Gruppencoachings gibt‘s einen ausführlichen Gesundheitscheck,

Sportangebote und eine perfekte Wohlfühlatmosphäre inmitten der Natur.

Verhaltenstherapeutisches Programm:

Modul 1: Psychoreduktion Stress verstehen und erkennen. Was ist Stress? Welche körperlichen

Reaktionen und Folgen für Gesundheit gehen mit Stress einher? Woran erkenne ich meine

Stressoren, meine persönlichen Stressverstärker und meine Stressreaktionen?

Modul 2: Präventive Maßnahmen Erlernen von Strategien zur Stressreduktion. Integration in

den Alltag. Zeit- und Energiemanagement.

Modul 3: Spezifische stressfördernde Faktoren verändern Rolle der eigenen Erwartungen,

Einstellung und Gedanken. Dysfunktionale Kognitionen (ungünstige Denkmuster) erkennen und

verändern.

Modul 4: Rolle von Schlafhygiene (Schlafgewohnheiten), Kommunikation &

Suchtverhalten.

Ziel: Stressoren erkennen, Belastungen besser bewältigen, Stress reduzieren

Rahmenprogramm: Gesundheitscheck Mit Fokus auf stressbedingtenSymptomen

• Ausführliche Blut- und Urinanalyse • Herz-/Kreislaufcheck • Herzfrequenzvariabilitatsmessung

mit Schlaf- und Stresslevel-Analyse • Check der Bauchorgane und der Schilddrüse

Termin: 01.11.2015 - 08.11.2015

Dauer: 7 Tage, Teilnehmerbegrenzung: max. 12, Kosten (zzgl. Hotelkosten): 2500,- Euro;

Erstattung von bis zu 700,- EUR durch private Krankenkassen

97


REISEN | BERCHTESGADEN

Die Kirche St. Sebastian

in Ramsau mit der Reiter

Alm im Hintergrund.

AM FUSSE

DES WATZMANN

Fotos: © Berchtesgadener Land, Hafner

Als Perle der Alpen ist das Urlaubsgebiet rund

um Berchtesgaden bekannt. Sport in der Natur,

Sehenswürdigkeiten und traditionelle Bräuche machen

den Winterurlaub in der Region zu einem ganz

besonderen Erlebnis.

98


BAYERN

Minuten erreicht man die Bergstation auf

ungefähr 1.200 Meter. Für die Abfahrt am

Jenner sind Können und Erfahrung gefragt.

Fortgeschrittene und Wiedereinsteiger

finden auf acht Kilometern eine schöne

Abfahrt ins Tal.

An der Bergstation und an der Mitterkaseralm

sind zwei Möglichkeiten zwischen

den Abfahrten um Rast zu machen. Entweder

nimmt man in der gemütlichen

Gaststube Platz oder und man geniest die

Nachmittagssonne auf der Terrasse. Übernachten

ist auch möglich – entweder im

Zwei- und Mehrbettzimmer oder in Lagerunterkünften.

In der Heimat der Riesenslalom-Weltmeisterin

Kathrin Hölzl gehen Gäste am Götschen

in Bischofswiesen auf die Piste. Das

Skigebiet eignet sich für Familien, ist aber

auch Austragungsort zahlreicher Ski- und

Snowboard-Wettbewerbe. Die gepflegten

Pisten und der tolle Ausblick sind das Markenzeichen

von Hochschwarzeck/Ramsau.

Bei Familien mit kleineren Kindern

und Skineulingen sind der Gutshof am

Obersalzberg und das Skigebiet Rossfeld/

Zinken beliebt. Insgesamt hat das Berchtesgadener

Land 27 Abfahrten in Höhen

von bis zu 1.800 Metern. Langläufer finden

in zwei Laufzentren mehr als 100 Kilometer

gespurte Strecken. Die Höhenloipe

Scharitzkehl oder das Sportzentrum in

Bischofswiesen haben viele Angebote mit

unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Auf den breiten und flachen Hängen gibt

es viele Möglichkeiten zum Rodeln. Dazu

Schon Alexander von Humboldt erklärte

das Berchtesgadener Land zum „schönsten

Fleckerl auf der Erde“. Die Alpenlandschaft

mit Gipfeln und Seen gilt als

Paradies für Familien und ist Gesundheits-

und Erholungsoase auf Grund ihrer

Salzvorkommen. Rund um den Königssee

und Watzmann warten viele Wintersportgebiete

und Attraktionen auf die Urlauber.

Sankt Bartholomä am Königssee

ist auch im Winter ein beliebtes

Ausflugsziel.

SKI UND RODEL

Der Jenner zieht viele Sportler mit seinen

zahlreichen Tiefschnee-Varianten an. Die

anspruchsvollen Pisten erreicht man mit

der Jennerbahn. Die Zweier-Gondeln gleiten

langsam in die Höhe und der Urlauber

hat dann einen Ausblick auf den Königssee

und den Watzmann. Nach knapp 20

99


REISEN | BERCHTESGADEN

Jenner Skigebiet: mit

blau und rot markierten

Pisten der ideale Ort für

Familien mit Kindern.

WINTERSPORTGEBIETE

Berchtesgaden: Gutshof

www.obersalzbergbahn.de

Berchtesgaden: Roßfeld/Zinken

www.rossfeld.info

Bischofswiesen: Götschen

www.goetschen.com

Hochschwarzeck

www.hochschwarzeck.info

Königssee: Jenner

www.jennerbahn.de

zählen die Strecken in Bischofswiesen mit

500 Meter und der Schlosshang in Piding

mit 400 Meter Länge. Etwas rasanter und

riskanter sind die Abfahrten auf der Kunsteisbahn

Königssee. Die hohen Geschwindigkeiten

im Eiskanal kann jeder Besucher

beim Gästerodeln auf der Hausbahn von

Olympiasieger Georg „Schorsch“ Hackl

selbst erleben.

WINTERWANDERN

Für Touren zu Fuß sind ca. 200 Kilometer

geräumte Winterwanderwege vorbereitet.

Es gibt geführte Touren mit Rangern

durch den Nationalpark Berchtesgadener

Land. Sie sind kostenlos und gehören fest

zum Winterprogramm der Region. Die

Ausflüge durch die winterliche Natur versprechen

viele Entdeckungen. Füchsen

oder Hasen ist es in der Jahreszeit nicht zu

kalt. Mit ein wenig Glück beobachtet der

Besucher diese und andere Bewohner des

Waldes. Dazu gehören Steinbock, Alpenschneehase

und verschiedene Greifvögel.

Eine mittelschwere Wanderung ist die

Tour zum Dötzenkopf auf 1.001 Höhenmetern.

Der Gipfel ist über die steilen

und aussichtsreichen Pfade von Bayerisch

Gmain aus zu erreichen. Start ist am Wanderzentrum

Alpgarten. Von dort aus geht

es gemütlich am Wappach-Bach entlang.

Danach bergauf sind es ungefähr 30 Minuten

bis zum Wappachkopf auf 700 Meter.

Hier gibt es einen beeindruckenden Blick

auf Bad Reichenhall und das angrenzende

Österreich. Für den weiteren Weg sind

gute Kondition und alpine Ausrüstung

notwendig. Belohnung ist die Sicht über

das Bad Reichenhaller Becken mit den Alpengipfel

im Hintergrund.

Einsteiger sollten rund um den Kurort

spazieren. Dazu gibt es geführte Wandergruppen.

Diese wandern in 2,5 Stunden

durch die Nonner Au zum Listsee. Vom

Königlichen Kurgarten geht es auf den

geräumten Wegen zur Rupertustherme

und die Saalach entlang. Am Nonnersteg

kommt man zur kleinen Kirche St. Georg.

Von da marschiert man durch den Naturpark

mit Sicht auf die Reichenhaller Hausberge.

Zur Halbzeit rastet der Besucher im

Traditions-Gasthaus „Listwirt“ am Hochstaufen.

Danach steht die finale Etappe

zum See an.

Ein Rundkurs durch die Natur beginnt im

Zentrum von Bad Reichenhall. Los geht es

am Gradierhaus des Königlichen Kurgartens

am Kurgastzentrum vorbei. Nächste

Stationen sind der romantische Karlspark

und das ehemaligen Kloster St. Zeno. Von

hier aus erreicht man in 45 Minuten die

Königshöhe mit Weitblick über die Umgebung.

Bei einem Stopp im Klosterhof probiert

man die Spezialitäten der Umgebung

und tankt Energie für den Rückweg. In einer

dreiviertel Stunde läuft man über Sonnenstraße

und Schloss Gruttenstein zum

mittelalterlichen Florianiplatz und entlang

der Alten Saline zum Ausgangspunkt.

Eine besondere Tour unternimmt man am

Fuße der Watzmann Ostwand. Dort be-

90 100


BAYERN

INFORMATIONEN IM

INTERNET

Traumhafter Blick:

St. Bartholomä im Winter

Berchtesgadener Land

www.berchtesgadener-land.com

Königssee

www.koenigssee.com

Nationalpark Berchtesgaden

www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de

Übersicht: Christkindlmärkte

www.berchtesgadener-land.com

Eisarena Königssee

www.eisarena-königssee.de

findet sich die Eiskapelle: Dabei handelt

es sich um das tiefst gelegene ganzjährige

Schneefeld in den Deutschen Alpen. Es

wird von den Schneemassen des Watzmann

versorgt. Der Wanderweg von der

Wallfahrtskirche Sankt Bartholomä am

Königssee ist ebenfalls eine beliebte Strecke

zur Eiskapelle.

KUNST, KULTUR UND AUSFLUG

In Berchtesgaden ist die Salzindustrie zu

Hause. Bei einem Besuch der Saline von

Bad Reichenhall mit Schaubergwerk, lernt

der Urlauber etwas über die Geschichte des

„weißen Goldes“. Ein besonderes Erlebnis

sind die Sonderführungen am Abend mit

Unter-Tage-Dinner in der Salzkathedrale.

Der Bayernkönig Max legte mit seinem

Kurbesuch 1848 den Grundstein für das

heutige Bayerische Staatsbad in Bad Reichenhall.

Baden, inhalieren oder trinken

helfen vielen Menschen noch heute bei

der Behandlung verschiedener Leiden

wie Atmungserkrankungen, Hautproblemen

oder Rheuma. Einen Besuch der Alten

Saline kann der Besucher mit einem

Solequellen-Training verbinden. Unter

Anleitung lernen die Teilnehmer bei der

Wanderung durch die langen Gänge das

richtige Atmen.

Der Königssee ist einen Ausflug wert. Mit

dem Boot geht es nach Sankt Bartholomä.

Nach einem Besuch der sehenswürdigen

Kirche rastet man im Fischerstüberl direkt

am See. Dort probiert man den frisch geräucherten

Fisch. Besonderheit: Kleine

Seesaiblinge mit nur 20 Zentimeter Länge,

die es nur im Königssee gibt.

Vom 24. August bis zu Weihnachten räuchert

die Fischerei am Königssee nach

alter Tradition mit Buchenholz. Neben

Saiblingen sind auch Renken, Forellen,

Hechte und Barsche im Angebot. Mutige

versuchen eine Fahrt mit dem Rennbob-

Taxi auf der Bahn am Königssee. Mit 130

Stundenkilometern jagt man dann durch

den Eiskanal, wobei ein erfahrener Pilot

am Steuer sitzt.

Entspannter geht es auf dem 1.614 Meter

hohen Predigtstuhl zu. Mit der ältesten

im Original erhaltenen und ganzjährig

verkehrenden Großkabinenseilbahn der

Welt fahren die Gäste nach oben. Auf dem

Berg gibt es einen herrlichen Ausblick auf

das Bayerische Staatsbad und das Lattengebirge.

Das Bergrestaurant Predigtstuhl

verwöhnt seine Gäste und die schneebedeckten

Almwiesen laden mit Liegestühlen

zum Entspannen in klarer Bergluft ein.

ADVENTSZEIT

Die Adventszeit wird durch viele Christkindlmärkte

Konzerte und Krippenspiele

begleitet. Am 5. und 6. Dezember ziehen

wilde Gestalten in Fell und Stroh mit Glocken

durch die Region. Dabei handelt es

sich um das Kramperl und Buttnmandl.

Sie geben die Anordnungen des Nikolaus

weiter. Der christliche Nikolaus trägt im

Berchtesgadener Land die Kleidung eines

Bischofs. Er wird von einem in Mädchentracht

gekleideten Jungen – dem

„Nikoloweibl“ – begleitet. Eine Woche

vor dem Heiligen Abend findet das erste

traditionelle Weihnachtsschießen statt. Bis

zu Heilig Abend wiederholt sich das Spektakel

täglich um 15.00 Uhr. Das eigentliche

Weihnachtsschießen findet am 24.

Dezember vor der Christmette von 23.30

bis 24.00 Uhr statt. Um Mitternacht kehrt

Ruhe ein und an Silvester verabschieden

die Weihnachtsschützen ab 15 Uhr das alte

Jahr. Um Mitternacht wird das neue Jahr

mit Böllern begrüßt.

An den drei Donnerstagen im Advent

startet bei Einbruch der Dunkelheit das

Klöcklsingen. In alter Zeit besserten sich

damit arme Leute den Speisezettel für

Weihnachten auf. Für das Singen gab es

Äpfel, Nüsse und andere Lebensmittel.

Um nicht erkannt zu werden, wanderten

die Klöckler vermummt durch die Orte.

Auch heute noch ziehen Kinder singend

von Haus zu Haus. Inzwischen wird das oft

gespendete Geld für einen guten Zweck

verwendet.

101


REISEN | CHIEMGAU

Skifahren an der Kampenwand:

Mit der Seilbahn geht es

zum Spaß auf die

„Sonnen Alm“.

ZWISCHEN

BURGEN & SCHLÖSSERN

Der winterliche Chiemgau hat ein breites Angebot für Freunde

von Ski, Rodel und Winterwandern. Im reizvollen Voralpengebiet findet

der Urlauber zusätzlich viele Möglichkeiten zum Relaxen und

Einkehrmöglichkeiten, um seinen Gaumen zu verwöhnen.

Fotos: © Chiemgau Tourismus, Chiemsee-Alpenland Tourismus, prien.de

Die jahrhundertalte Kultur- und Naturlandschaft

reicht vom Chiemsee bis zu

den Chiemgauer Alpen. Die Wintersportorte

Reit im Winkl, Ruhpolding

und das Eisschnelllauf-Mekka Inzell sind

jedes Jahr Anziehungspunkt für viele Urlauber.

Pisten in der Natur laden ebenso

wie Flutlichteinrichtungen oder Eissportanlagen

zum aktiven Urlaub in der kalten

Jahreszeit ein. Mit bayerischer Gemütlichkeit,

Unterhaltung und kulinarischen

Highlights haben die Besucher abseits

der Pisten und Loipen schöne Erlebnisse.

LANGLAUF UND ABFAHRT

In der Langlaufregion Chiemgau eröffnete

1964 die erste Loipe Bayerns. Das

Streckennetz des Gebietes umfasst über

500 Kilometer für klassischen Stil und

Skating: Sie stehen Gästen und Einheimischen

kostenfrei zur Verfügung. Dabei

gibt es schwere Strecken mit vielen Anstiegen

und Abfahrten oder auch Loipen zum

sanften Gleiten. Sollte das Wetter nicht

mitspielen, gibt es Ausweichstrecken in

den Höhenstandorten des Chiemgaus.

Außerdem verfügt die Region über Pisten

mit Flutlicht. Interessenten können sich

für einen Biathlon-Schnupperkurs in der

Chiemgau-Arena anmelden.

Über zehn Lifte bzw. Skigebiete laden zu

alpinen Abfahrten im Chiemgau ein. Sie

sind für Einsteiger, Familien und für erfahrene

Läufer geeignet. Das Naturschneeparadies

Hochfelln ist für anspruchsvolle

Sportler. Ski- und Snowboardfahrer suchen

dort auf den präparierten Pisten die

Herausforderung. Familien und Kinder

haben Winterspaß an den Liften auf der

Bründling-Alm. Für den Einstieg in den

Skisport eignen sich die Abfahrten am

Übungslift an der Talstation der Hochfelln-Seilbahn.

Familien mit kleinen Kinder

finden ein vielfältiges Angebot im

Inzeller Kurpark. Das Areal ist für Kinder

zwischen drei und sechs Jahren geeignet.

Dort geht es auf Entdeckung im Schneeiglu

oder im Figurenpark. Auf den Minihügeln

können die Kleinsten die Berge

runtersausen. Skifahren ist nach einem

Kurs auf dem Spiel- und Lernparcours ein

102


BAYERN

Einen beeindruckenden

Rundblick hat der Urlauber

auf dem Wendelstein.

Die Seilbahn bringt

Besucher auf den

Wendelstein mit einem

Rundblick auf die

Alpen.

Kinderspiel. Für die Stärkung wartet das

Restaurant des Inzeller Badeparks.

WINTERWANDERN UND

SCHNEESCHUTOUREN

Auf Wanderer und Spaziergänger warten

im Chiemgau viele Wege mit unterschiedlichen

Schwierigkeitsgraden und

Distanzen. Auf knapp sechs Kilometer

geht es zu einem Spaziergang rund um

den kältesten See Deutschlands. Die Tour

um den Frillensee ist einfach und auch für

Familienausflüge mit Kindern geeignet.

In der Nähe von Inzell geht es vom Parkplatz

der Kesselalm durch den Winterwald

auf die „Kalorientour“. Die Strecke

ist einfach und flach. Für eine Rast erwartet

die Wanderer die Kesselalm. Die Panorama-Runde

Bergener Moorlandschaft

beginnt beim Schwimmbad von Bergen.

Von dort geht es zum Rumgraben, wo ein

herrlicher Ausblick ins Bergener Moor

und auf die Gebirgskette dahinter wartet.

Entlang des Bergener Baches wird der

Kreis geschlossen. Belohnen kann man

sich im Anschluss bei gutem Essen und

Trinken in einem der Lokale und Cafés in

Bergen. Etwas länger aber dennoch leicht

ist die Tour zur Hemmersuppenalm. Von

der Touristeninformation in Reit am

Winkel geht es über Wimmerkreuz und

die Loferbrücke in Richtung Sprungschanzen.

Es folgt ein Bergweg mit ein

wenig Anstieg. Durch den Wald gelangt

der Wanderer zum Alpengasthof Hindenburghütte

und von da zur Anna-Kapelle

auf der Hemmersuppenalm. Wer auf dem

Rückweg nicht den gleichen Weg nehmen

möchte, benutzt an der Hindenburghütte

einen der Kleinbusse. Die fahren zurück

zum Ausgangspunkt der Route. Weitere

Tipps und Routen findet man im Internet.

Urlauber die beim Schneeschuhwandern

reinschnuppern wollen, finden in der

Chiemgau-Region zahlreiche Routen mit

leichtem Schwierigkeitsgrad. Dazu gehören

die Panoramawege bei Reit im Winkel,

der Winterwanderweg Wössner Bach

und der Wössner See oder die Schneeschuhtour

auf der Klausenbergrunde.

Etwas anspruchsvoller und länger ist die

Runde um den Hausberg. Von Birnbach

geht es über die Eckkapelle und die Liebberg-Forsthütte

zur Hutzenalm mit einer

Einkehrmöglichkeit. Der Abstieg führt

nach Reit im Winkl und zurück an den

Startpunkt. Unterwegs gibt es zahlreiche

Rastmöglichkeiten: Glapfhof, Staoner

und Hutzenalm. Den Weg in Richtung

Wetterkreuz sollte man im Winter wegen

der Absturzgefahr nicht nehmen. Auch

bei starken Neuschneefällen ist wegen Lawinengefahr

die Tour zu gefährlich.

Noch ein Tipp: Die Webseite von

Chiemgau-Tourismus bietet viele Infos zu

Wandertouren an. Dazu gehören GPS-

Daten zum kostenlosen downloaden. In

den örtlichen Skigeschäften werden oft

Schneeschuhe vermietet.

103


REISEN | CHIEMGAU

Ein Blick auf den Kirchturm

von Prien am Chiemsee.

WINTER EVENTS

4. - 6. DEZEMBER 2015

Eisschnelllauf Weltcup Inzell

Die Max-Aicher-Arena in Inzell lädt jedes Jahr

zum Eisschnelllauf vom Feinsten ein. Die

Rennen der Mittel- und Langstreckenläufer garantieren

Spannung pur. Informationen: Tourist

Information Inzell, Rathausplatz 5, 83334 Inzell,

Telefon: +49 8665 98850, www.inzell.de

11. - 17. JANUAR 2016

Biathlon Weltcup Ruhpolding

Der Biathlon Weltcup bietet spannende

Wettkämpfe, beeindruckende Biathleten und

eine tolle Stimmung. Informationen:

Tourist Information Ruhpolding, Hauptstr. 60,

83324 Ruhpolding, Telefon: +49 8663

88060, www.ruhpolding.de

24. - 29. JANUAR 2016

Inzeller Ballonwoche

Bunte Ballons vor der weißen Winterkulisse

steigen in Inzell auf. Dazu gibt es ein buntes

Rahmenprogramm mit Musik und Feuershow.

Informationen: Inzeller Touristik GmbH,

Haus des Gastes, 83334 Inzell,

Telefon: +49 8665 98850, www.inzell.de

31. JANUAR 2016

Team Trophy

Die Chiemgau Team Trophy ist eine

Langlaufveranstaltung für Teams, die sportliche

Betätigung in traumhafter Natur und

weltbekannte Sportstätten einbezieht.

Informationen: Wechselszene Sportpromotion

Sven Hindl, Mühlhausen 3 ½, 92280 Kastl,

Telefon: +49 9621 9010522,

www.chiemgau-team-trophy.com

6. - 7. FEBRUAR 2016

Schlittenhunderennen Inzell

Am ersten Wochenende im Februar sind in

Inzell die Huskys los. Da erleben die Besucher

Schlittenhunderennen hautnah.

Informationen: Inzeller Touristik GmbH,

Haus des Gastes, 83334 Inzell,

Telefon: +49 8665 98850, www.inzell.de

18.- 20. MÄRZ 2016

Eisspeedway WM Inzell

Das Motorsportereignis zeigt richtig harte

Kerle in der Max-Aicher-Arena bei einer eisigen

Herausforderung.

Informationen: Inzeller Touristik GmbH,

Haus des Gastes, 83334 Inzell,

Telefon: +49 8665 98850, www.inzell.de

Schneeschuhwandern ist ein

Sport für die ganze Familie.

RODEL UND EISSPORT

Das Reifenrutschen an der Kesselalm ist

ein Highlight. Mit dem Lift geht es auf

den Berg. Auf dem Reifen erleben Urlauber

eine Wintersportgaudi der ganz anderen

Art. Am Balsberglift gibt es am Gipfel

bei guter Wetterlage einen traumhaften

Blick bis hin zum Chiemsee. Danach

kann die rasante Fahrt ins Tal beginnen.

Snowtubing ist ein Familienspaß und

für eine Einkehr gibt es auf der Kessel-

Alm einen Berggasthof. Viel Vergnügen

auf Kufen bieten die Naturrodelbahnen

im Chiemgau. Dazu gehört die Strecke

in Marquartstein. Sie ist 3,8 Kilometer

lang und während der Betriebszeiten der

Hochplattenbahn geöffnet. Vom Gipfel

geht es zur Talstation. Für die Rast bietet

sich die Staffn-Alm an der Bergstation an.

Ähnlich ist es bei einer Rodeltour in Adlgaß

unterhalb des Frillensees. Von Stille begleitet

und ohne Hektik starten die Besucher

den Aufstieg. Durch den verschneiten

Bergwald führt dann die Rodelbahn hinab

zur Gaststätte Forsthaus Adlgaß. Eine weitere

Möglichkeit in der Natur zu Rodeln,

sind die Pisten bei Maria Eck zur Talstation

der Hochfelln-Seilbahn oder bei der Hindenburghütte.

Die Abfahrt auf der 4 Kilometer

langen Strecke ist auf Einer- oder

Zweier-Schlitten möglich. Schlitten lassen

sich an den meisten Stationen ausleihen.

Zugefrorene Seen im Chiemgau ermöglichen

auf Kufen mitten in der Natur auf

dem Eis zu gleiten. Spaß auf dem Eis garantieren

aber auch die Kunsteisbahnen.

Neben dem Kunstlaufen, gibt es dort die

Chance beim Eishockey mit dem Schläger

dem Puck hinterher zu jagen. Dazu

laden die Eishallen in Inzell, Ruhpolding

und Trostberg ein. Wer lieber ohne

Schlittschuhe aufs Eis will – das Eisstockschießen

ist im Chiemgau Volkssport.

GENUSS UND ENTSPANNUNG

Die Chiemgau-Küche ist von Fischspezialitäten

geprägt, die im Chiemsee und den

anliegenden Gewässern frisch gefangen

werden. Renke oder die Chiemsee-Forelle

sind Delikatessen der Region und kommen

direkt aus dem „Bayerischen Meer“.

Die kulinarischen Highlights beschränken

sich nicht nur auf Fischgerichte. Die

Hütten und Gasthöfe im Chiemgau haben

ein breites Speisenangebot. Deftige

Spezialitäten wie die bekannten Brotzeiten

werden mit selbstgebackenem Brot

serviert. Dazu findet der Gast auf dem

Teller Schinken, Wurst und Käse aus regionaler

Herstellung. Bei der Produktion

stehen ökologischer Anbau und naturgerechter

Tierhaltung im Vordergrund. Eine

typische Besonderheit ist der Weißwurstsalat,

der aus bissfest gekochten Linsen,

Weißwurst und Radieschen besteht. Weitere

Leckerbissen sind Bergbauerneintöpfe

oder würzige Wildspeisen wie Rehragout.

Nicht zu vergessen: Die typisch

bayerischen Schmankerln wie Leberkäse,

Obazdn und Brezn. Dazu am besten ein

frisches Bier oder ein Glas Wein. Die Welt

der Braukunst entdeckt der Urlauber bei

einer Führung in einer der Chiemgau-

Brauereien. Dazu laden das Hofbräuhaus

Traunstein, die Schlossbrauerei Stein, die

Klosterbrauerei Baumburg in Altenmarkt

oder das Weißbräu Schwendl in Tacherting

ein. Gourmets finden in Prien bei

Martin Rehmann eine Küche auf Spitzen-

104


BAYERN

SEIL- UND BERGBAHNEN

niveau. Er kocht seit Frühjahr 2012 am

Chiemsee und erhielt für seine Kochkunst

einen Michelin-Stern. Dabei sucht er im

„Rehmanns“ die Nähe zum Produkt, setzt

auf Nachhaltigkeit und arbeitet eng mit

Erzeugern der Region zusammen.

KUNST, KULTUR UND AUSFLUG

Das oberbayerische Alpenvorland ist für

seine Burgen und Schlösser bekannt. Zu

den beeindruckendsten Bauwerken im

Chiemgau zählen die mittelalterliche

Burg Marquartstein, das Wasserschloss

Pertenstein und das Felsenschloss Stein

an der Traun. Das wohl berühmteste

Schloss ist aber Herrenchiemsee auf der

Herreninsel. Es wurde vom bayerischen

Märchenkönig Ludwig II. errichtet. Der

Prunkbau entstand nach dem Vorbild

Versailles bei Paris ab 1878. Er sollte als

Rückzugsort für den König dienen und

besitzt über zwanzig Räume im französischen

Rokokostil. Besucher sehen

funkelnde Deckenlüster, Stuckmarmor,

Intarsienfußböden und kostbare Möbel.

König Ludwig II. erwarb die Herreninsel

In der Therme von Bad Aibling

finden Urlauber Ruhe und

Entspannung.

Dürrnbachhorn

Die Nostalgie-Sesselbahn hat insgesamt

140 Einsitzsessel und führt auf 1.610

Meter zum Dürrnbacheck. Die Fahrt

dauert ca. 20 Minuten und belohnt mit

einem Panoramablick. Informationen:

Dürrnbachhorn Nostalgie-Sesselbahn,

Dürrnbachhornweg 16, 83242 Reit im

Winkl, Telefon: +49 8640 8148,

www.nostalgiebahn.com

Hochplattenbahn

Informationen: Oben angekommen erwarten

die Gäste gemütliche Winterwanderungen

rund um den Staffn, Skitouren, rasante

Rodelfahrten oder eine Einkehr in die Staffn-

Alm. Hochplattenbahn, Schlossstraße 46,

83250 Marquartstein, Telefon: +49 8641

7216, www.hochplattenbahn.de

Hochfellnseilbahn

Naturschneeparadies Hochfelln ist

einfach mit der Seilbahn zu erreichen.

Bewirtschaftete Almen und das

Hochfellnhaus warten auf Gäste. Bergener

Hochfelln-Seilbahnen, Maria-Eck-Straße 8,

83346 Bergen, Telefon: +49 8662 8511,

www.hochfelln-seilbahnen.de

Hocheckbahn

Flying Fox Anlage gewähreistet 700

Meter Flüge mit Geschwindigkeiten bis

zu 80 Kilometer pro Stunde. Highlight der

„Gebirgsachterbahn“ ist der 16 Meter

hohe 360 Grad Kreisel. Informationen:

Hocheckbahn, Carl-Hagen Straße 7, 83080

Oberaudorf, Telefon: +49 8033 30350,

www.hocheck.com

schon 1873, auf der sich das Augustiner-

Chorherrenstift befindet. Es wurde um

1130 von Erzbischof Konrad von Salzburg

an der Stelle einer Benediktinerabtei

aus dem 8. Jahrhundert errichtete.

Im Restaurant des Klosterseminars hat

der Besucher einen herrlichen Blick auf

die Fraueninsel. Dort gibt es jedes Jahr

einen Christkindlmarkt. Die Inseln

des Chiemsees erreicht man per Schiff

von Gstaadt oder Prien-Stock. Im 12.

Jahrhundert wurde Burg Hohenaschau

erbaut. Sie ist heute Zentrum für Ausstellungen

und Konzerte. Das Schloss befindet

sich auf einem fünfzig Meter hohen

Felsen und ist für Führungen geöffnet.

Die schlosseigene Falknerei zeigt Flugvorführungen

mit Falken und Königsadlern.

Beliebtes Ausflugsziel ist das ehemalige

Benediktinerkloster Seeon, direkt am

gleichnamigen See gelegen. Die Klosterkirche

St. Lambert besitzt einen wunder-

Kampenwand

Die dreigezackte Felskulisse und 1.669 Meter

Höhe zeichnen die Kampenwand mit dem

Chiemgaukreuz aus. Die Seilbahn bringt

Besucher zur Bergstation nahe der „Sonnen

Alm“ mit traumhaftem Ausblick.

Kampenwandseilbahn GmbH,

An der Bergbahn 8, 83229 Aschau im

Chiemgau, Telefon: +49 8052 4411,

www.kampenwand.de

Predigtstuhlbahn

Die ältesten im Original erhalte, ganzjährig

verkehrende Großkabinenseilbahn der Welt.

Oben erwarten die Gäste das Bergrestaurant

Predigtstuhl mit modern-bayrischen Gerichten.

Informationen: Posch GmbH & Co. KG, Südtiroler

Platz 1, 83435 Bad Reichenhall,

Telefon +49 8651 2127,

www.predigtstuhlbahn.de

Rauschbergbahn

Die Fahrt zur Bergstation dauert nur fünf

Minuten. Am ersten Dezember-Wochenende

gibt es auf dem Gipfel die Rauschberg-

Weihnacht. Informationen: Rauschbergbahn

GmbH, Knogl 12,

83324 Ruhpolding, Telefon: +49 8663 5945,

www.rauschbergbahn.com

Wendelstein

Seit 1912 bringt die Wendelstein-Zahnradbahn

Besucher auf einen der schönsten

Aussichtsberge Bayerns. Auf der anderen

Seite verkehrt eine Seilbahn. Informationen:

Wendelsteinbahn GmbH, Sudelfeldstraße 106,

83098 Brannenburg, Telefon: +49 8034 3080,

www.wendelsteinbahn.de

schönen Kreuzgang und ist mit Fresken

aus der Renaissance verziert. Die Kirche

St. Walbert besitzt zwei Fresken aus dem

16. Jahrhundert und ist von einem alten

Friedhof umgeben. Gräber haben alte

russisch-orthodoxe Kreuze. Das ehemalige

Augustiner-Chorherren-Kloster

Baumburg hat eine Kirche im Rokokostil.

Das Heimatmuseum des Rupertiwinkels

bringt einem die Geschichte der Region

näher. Das Gerbereimuseum auf der Burg

Tittmoning ist auf archäologische Funde

spezialisiert. Dazu gehören eine originale

Werkstatteinrichtung, historische Möbel

und Kunsthandwerk. Das Siegsdorfer

Naturkunde- und Mammut-Museum ist

seit 1995 eröffnet. Es verdankt seine Entstehung

der Entdeckung von 45.000 Jahre

alten Mammut-Knochen im Jahre 1975

im Gerhartsreiter Graben.

Weitere Informationen:

www.chiemgau-tourismus.de

105


PERFEKTION

DER EXTRAKLASSE

Hotel Bayerischer Hof in München

DIE POLAR BAR IM BLUE SPA

Die Polarbar öffnet ab November über

den Dächern von München und ist täglich

von 16 - 22 Uhr geöffnet.

Horst Wittmann und Konstantin Landuris

entwickelten die Idee der POLAR

BAR 2011. Das Design Konzept beruhte

auf einer temporären Bar mit nomadischem

und sehr flexiblem Charakter, die

so aussah, als hätten sich Polarforscher im

ewigen Winter kurz niedergelassen, um

eine Party im Eis zu feiern. Nach drei Jahren

wurde das Erscheinungsbild 2014 erweitert

um die POLAR BAR, nach dem

Umbau des Dachgartens im 6. Stock, an

die neuen architektonischen Begebenheiten

anzupassen. Die Idee des Kamins als

zentrale Feuerstelle und Wärmequelle

wurde von hansundfranz als vordergründiges

Gestaltungselement aufgegriffen.

Weiterhin erhalten bleibt der Charakter

einer ganzheitlichen Bar-Landschaft: Der

Bartresen wurde beibehalten, die Container

jedoch, welche mit ihrer geprägten

Stahloberfläche mit Industrie-Flair, bekannt

aus Automobilindustrie und Aeronautik,

auch als Abstellflächen und als erweiterte

Bar fungierten, wurden von der

Horizontale in die Vertikale gedreht und

haben nun die Funktion von Ausstellungsflächen

oder Vitrinen übernommen.

In dieser Neukonzeption lehnt sich das

Design an eine traditionell handwerkliche

Konstruktionsweise an, interpretiert diese

aber unter Verwendung von industriellen

Materialien und Techniken. Diese Oberflächenveredelung

vollzieht sich mit allen

Bauteilen, ein Spiel aus schwarzen Flächen

und polierten Kanten entsteht. Die

gläsernen Kamine nehmen in ihrer Gestalt

dieses Prinzip auf. Sie spenden zum

Einen Wärme und zum Anderen laden

sie zum gemütlichen Verweilen ein. Als

zusätzliches neues architektonisches Element

wurde das so genannte Bird’s Nest

in das POLAR BAR Design-Konzept

integriert. Auch dessen Sitzbank wird mit

Stone Island Textilien bespannt.

ENRICO CHRIST IST „PATISSIER

DES JAHRES 2015

Enrico Christ vom Restaurant Atelier im

Hotel Bayerischer Hof wird mit dem Titel

„Pâtissier des Jahres 2015“ geehrt. Im

Finale des internationalen Dessert-Wettbewerbs

setzte sich der 27-Jährige gegen

Konkurrenten aus Deutschland, Österreich

und der Schweiz durch.

Chef de cuisine, Restaurant Atelier und

Garden ist übrigens der Michelin Sternekoch

Jan Hartwig. Das vielfach preisgekrönte

Traditionsunternehmen Hotel Bayerischer

Hof, das sich seit über hundert Jahren in

Besitz der Familie Volkhardt befindet, gehört

mit 340 Zimmern und 65 Suiten zu

den führenden deutschen Häusern.


WARUM WIR SILVESTER SO GROSSARTIG FEIERN?

WIR HABEN ÜBER 175 JAHRE ÜBUNG.

Nach über 175 Jahren hat das Hotel Bayerischer Hof durchaus ein wenig Übung darin, das Silvesterfest zu etwas

ganz Besonderem zu machen. Die großartige Nacht zum Jahreswechsel ist deshalb auch bekannt als „The

Greatest Party in Town“. Die Festtagslaune breitet sich wie ein Samtvorhang in unserem Haus aus, vom Palais

Keller über unseren Festsaal mit dem Motto „Blue Velvet“ bis hin zum kulinarischen Feuerwerk im Dachgarten.

Schwärmen Sie aus zu den rauschenden Partys, denn mit der Nachtschwärmer Boarding Card öffnen sich bereits

ab 22.00 Uhr die Türen. Erleben Sie den sprudelnden Bayerischen Hof mit seinen neun Live Bands und sechs DJs.

Unser besonderer Tipp: Die klassische Theatersoirée, großartige Unterhaltung perfekt kombiniert mit bayerischen

Schmankerln. Wir sind uns sicher: Sie werden an diesem Abend nichts Besseres vorhaben.

Promenadeplatz 2- 6

D-80333 München

Fon +49 89.21 20 - 0

Fax +49 89.21 20 - 906

www.bayerischerhof.de

info@bayerischerhof.de


REISEN | SCHLIERSEE & TEGERNSEE

ZWISCHEN

SEEN & GIPFELN

Mit seinem beeindruckenden Panoramen in den bayerischen Voralpen und

vielfältigem Wintersport-Angebot lädt die Region Tegernsee-Schliersee zu

einem besonderen Urlaub ein. Auch das leibliche Wohl kommt dank lokaler

Köstlichkeiten in der bayrischen Genussregion nicht zu kurz.

Fotos: © Alpenregion Tegernsee Schliersee

Unter dem Motto „Klein, aber fein“ laden

die Wintersportreviere in der Alpenregion

Tegernsee-Schliersee zu einem Urlaub

mit viel Abwechslung ein. Das Urlaubsziel

unweit von München hat zwei große

Skigebiete. Sudelfeld bei Bayrischzell und

Spitzingsee-Tegernsee haben umfangreiche

Angebote, die sich auch für Familien

eignen. Für Spaß auf den Brettern bei

den Kleinen sorgen spezielle Abfahrten.

Sie sind nicht zu steil und auch sehr breit.

Viele Pisten bieten außerdem spezielle

Kinderskischulen. Auf Freerider und Tiefschneefans

warten die Abfahrten am Wendelstein

oder Wallberg. Die unverspurten

und sehr steilen Hänge machen alpinen Ski

zu einem besonderen Erlebnis. Vom

Wendelstein geht es beispielsweise

zur Mitteralm

oder man wählt die Abfahrt vom Wallberg

in Richtung Rottach-Egern. Mit 3,2 Kilometern

Länge und einem hohen Schwierigkeitsgrad

für erfahrene Läufer wartet die

Skiroute über den Erlen- und Glaslhang.

Der Berg ist FIS-Strecke und mittlerweile

Geheimtipp für Freerider und Tiefschnee-

Fans. Noch mehr Anspruch bieten die

Hänge um den Taubenstein an der Ostseite

des Spitzingsees. Die alpinen Anlagen

sind weniger überlaufen und im Winter

von Freitag bis Sonntag geöffnet.

Neben den

beiden Skigebieten werden die kleineren

Skigebiete immer attraktiver. Dazu gehören

Ödberg in Gmund, am Hirschberg

oder Kirchberg in Kreuth oder am Pfannilift

in Neuhaus. Hier gibt es oft Flutlicht

für die Fahrt in den Nachtstunden. In Bad

Wiessee am Sonnenbichl existiert seit 2010

das „Audi Skizentrum“. Dabei handelt

es sich um ein spezielles Trai-

108


BAYERN

Die Wallberg-Kirche bei

Rottach Egern mit Blick auf

die Alpen.

109


REISEN | SCHLIERSEE & TEGERNSEE

Bayrischzell im

Winter mit Alm-Hütten.

In der Wintersonne finden

Besucher am Wallberg

Entspannung im Schnee.

nings- und Wettkampfgelände. Es wird

von Skiclubs zu Trainingszwecken und für

Rennen genutzt. Aber auch Unternehmen

kommen für Veranstaltungen und Firmenrennen

hierher. Der Burton Funpark ist

Treffpunkt für Snowboarder. Er befindet

sich im Skigebiet Spitzingsee-Tegernsee an

der Unteren Firstalm. Hier gibt es Pisten

für gewagte Sprünge und raffinierte Hindernisstrecken

für die Snowboard-Fans.

LANGLAUF

Auf 250 Kilometer präparierten Langlaufloipen

in der Alpenregion Tegernsee-

Schliersee können sich Sportler austoben.

Das ganze wird von landschaftlicher

Schönheit und Schneesicherheit begleitet.

Bekannte Strecken sind Valepp am Spitzingsee

oder die Loipe bis hinter ins Kloo-

Ascher-Tal bei Bayrischzell. Auf 1.000

Höhenmetern am Spitzingsee oder auf der

Sutten bei Rottach Egern gibt es gespurte

Loipen. Bei Kreuth und Bayrischzell führt

das Langlaufnetz bis an die Grenze zu

Österreich. Eine besondere Strecke ist die

„Route 36“ in Bayrischzell mit 36 Kilometer

Länge. An der Route finden Sportler

fünf rote Kästen mit verschiedenen Lochzangen.

Wer den „Route 36“-Flyer damit

markiert, bekommt als Belohnung drei

Aufkleber mit dem Logo der „Bayrischzeller

Route 36“. Mit den Skitouren abseits

der Loipen erleben Brettlfans die Natur

rund um den Spitzingsee, Sudelfeld, Tegernsee

und Schliersee. Informationen zu

Routen, Ausrüstung und Anfahrt für individuelle

Strecken bietet die Internet-Seite

der Region Tegernsee-Schliersee.

110


BAYERN

Die Leonhardi-Kirche in Kreut ist

in direkter Nachbarschaft zum

Langlaufgebiet.

Blick auf den Wendelstein vom

Tagweidkopf in der Nähe von

Bayrischzell.

WANDERN MIT UND OHNE

SCHNEESCHUHEN

Die Natur pur genießt der Urlauber beim

Wandern durch die Winterlandschaft. Die

Gebiete um den Tegern- und Schliersee haben

dafür verschneite Wälder und traumhafte

Aussichten. In der klirrenden Kälte

präsentiert sich der Winter in eindrucksvollen

Facetten.

Die Alpenregion eignet sich für Ausflüge

und Spaziergänge im Schnee mit ca.

200 Kilometer Wanderwegen. Sie sind

geräumt und markiert. Die Routen am

Tegernsee, Schliersee und Spitzingsee sind

für Spaziergänger und Wanderer präpariert.

Passendes Schuhwerk vorausgesetzt,

steht einer Tour nichts im Wege. Sportlich

anspruchsvoller sind die steileren Anstiege

auf den Taubenberg bei Warngau, die Firstalmen

am Spitzingsee oder die Neureuth

oberhalb des Tegernsees.

Auf den Gipfeln gibt es malerische Ausblicke,

klare Luft und schneebedeckte Landschaften.

Egal welche Route man wählt,

Gasthäuser und Hütten laden jederzeit zur

Einkehr und zum Rasten ein. Das exzellente

regionale Essen hilft beim Tanken von

Energie.

Ausflüge mit Schneeschuhen liegen im

Trend. Hier sind die Angebote in der

Alpenregion sehr vielfältig. Man wählt

zwischen Gipfeltour oder gemütliche Talwanderung.

Die Routen haben zwischen

6 und 12 Kilometer Länge. Informationen

zu den Strecken, passender Ausrüstung,

richtiger Vorbereitung und der Anreise

finden Interessenten auf der Internet-Seite

der Region.

RODEL, EISSPORT UND ANDERE

FREIZEITAKTIVITÄTEN

Die längste präparierte Rodelbahn

Deutschlands findet man am Wallberg

nahe dem Tegernsee. Sie ist 6,5 Kilometer

lang. Zum Start fährt man mit der Gondel

zum Gipfel und fährt dann ins Tal. Aber

auch rund um die drei Seen und in Bayrischzell

präparieren die Betreiber jeden

Winter unzählige Rodelbahnen für Schlittenfahrten.

Vielen Hütten an den Hängen

haben einen Verleih und laden zu einer

Rast ein.

Eislaufen, Eishockeyspielen oder Eisstockschießen

gibt es auf Kunst- und Natureis.

Auf dem zugefrorenen Spitzingsee oder

Schliersee finden Urlauber viele Eisplätze.

Alternativ fährt man zu den Kunsteisanlagen

in Holzkirchen und Miesbach. Dort

drehen Jung und Alt Pirouetten auf dem

Eis oder nehmen am Eisstockschießen teil.

Die Gemeinden der Region informieren

vorab per Telefon und Internet über den

Zustand des Eises auf den Seen und Teichen.

Ein besonderer Urlaubsspaß für Kinder

ist eine Pferdeschlittenfahrt im Winter.

Aber auch romantisch zu zweit mit dicken

Decken eingehüllt, wird die Fahrt durch

die verschneiten Winterlandschaften zum

Erlebnis. Anbieter rund um den Tegernsee,

in Schliersee, Fischbachau und Bayrischzell

fahren nach individuellen oder festen

Fahrplänen.

SPEZIALITÄTEN GENIESSEN

Die Landschaft in der Region Tegernsee-

Schliersee begeistert schon seit vielen

Jahrzenten die Besucher. Die Kulturlandschaft

und Natur zu bewahren stehen

bei den einheimischen Tourismusunternehmen

und Betrieben im Vordergrund.

Der Besucher soll so seinen Urlaub in der

Region auf ursprüngliche Weise erleben.

Der Zusammenschluss von Bauern und

FASCHING 2016 AM

TEGERNSEE-SCHLIERSEE

Nostalgie-Skirennen am Sudelfeld

Am Faschingsdienstag gibt es auf 1.408 Meter

im Sudelfeld das große „Nostalgie-Skirennen“

des Skiclubs Bayrischzell. Im Vordergrund stehen

hier Spaß und Gaudi. Eingeladen ist jeder,

der in Omas Kleiderschrank die passenden

„Klamotten“ dafür findet. Start ist 10 Uhr an

der Walleralm am Oberen Sudelfeld mit einem

musikalischen Frühschoppen. Um 13 Uhr beginnt

die große Ski-Gaudi.

Informationen: www.sudelfeld.de

Skifasching am Wendelstein

Am Wendelstein startet auf 1838 Meter

die höchstgelegene Faschingsgaudi am

Rosenmontag. Eine Schneebar öffnet am

Lacherlift und auf der Mitteralm spielt die

Musik. Besonderheit: Maskierte Kinder fahren

gratis und kostümierte Erwachsene zum

Kinderpreis. Informationen:

www.wendelsteinbahn.de

Der Firstalm-Fasching

An der Unteren Firstalm am Spitzingsee auf

1.320 Meter Höhe steigt am Faschingssonntag

eine große Party. Es ist der älteste Skifasching

in Oberbayern. Dazu gibt es das traditionelle

Rennen um den „Goldenen Zipfäbob“ auf

einer 400 Meter langen Strecke. Auch hier ein

Spartipp: Alle Maskierte erhalten ermäßigte

Skipässe.Informationen:

www.alpenbahnen-spitzingsee.de

111


REISEN | SCHLIERSEE & TEGERNSEE

Gastwirten in „Unsere Land-Gast-Wirte“

ist eine Initiative, um dem Anspruch an

Lebensmittelqualität für die Besucher gerecht

zu werden. Gastbetriebe verwenden

dazu für das Essen Produkte aus der Region.

Daraus entsteht nach traditionellen

und überlieferten Rezepten die regionaltypische

Küche, mit der man die Urlauber

gern verwöhnt. Anspruchsvolle Gaumen

finden in den Restaurants der Umgebung

mit insgesamt sechs Michelin-Sternen eine

vortreffliche Auswahl. Dreisterne-Koch

Christian Jürgens und seine Kollegen stehen

für hervorragende Gastronomie in

Deutschland. Der Urlauber hat also die

Wahl zwischen bayrisch-herzhaft bis hochkarätig

innovativ. Für eine kulinarische

Entdeckungsreise haben die Betriebe in

der Region viel zu bieten. Die Naturkäserei

Tegernseer-Land in Kreuth am Tegernsee

wird von neunzehn Milchbauern der

Region gemeinsam betrieben. Sie wollen

damit lokale Milchprodukte vermarkten.

Die Schaukäserei gibt einen Einblick in das

Handwerk und im Probierstüberl kann der

Besucher Heumilch-Spezialitäten verkosten.

Die Panoramaterrasse der Käserei eröffnet

einen außergewöhnlichen Ausblick

auf die Umgebung. In Fischbachau gibt es

den Leitzachtaler Ziegenhof. Familie Haase

bewirtschaftet den Hof seit 1992, dessen

Geschichte bis ins Jahr 1477 zurückreicht.

Biologisch-dynamisch geführt, fressen die

Milchziegen und Murnauer-Werdenfelser-

Rinder nur Heu und Gras. Die produzierte

Milch verarbeitet die hofeigene Käserei zu

verschiedenen Milch- und Käseprodukten.

Die Obermooser Bio-Hofkäserei in

der Nähe von Irschenberg ist in der Hand

der Familie Grundbacher. Das Unternehmen

ist für seinen cremigen mildgereiften

Weichkäse und würzigen Schnittkäse bekannt.

Der Besucher wählt aus elf Sorten,

die aus Kuh- und Schafsmilch entstehen.

Dabei geben Heublumen, Gewürze und

Kräuter aus dem heimischen Garten den

Produkten den einzigartigen Geschmack.

Das 1815 erbaute „Hennererhaus“ am

Schliersee wurde im Jahre 2004/2005

von der Familie von Johann Prem wieder

aufgebaut. Die traditionelle Geflügelwirtschaft

bietet Produkte vom Frühstücksei

bis zu den bekannten „Schlierseer Nudeln“.

Urlauber können in den hofeigenen

Ferienwohnungen übernachten und

im Hofladen kann man nach Herzenslust

die „Schlierseer Nudeln“, Wildkräuterschmankerl

oder Hennererbrot kaufen.

Die herzogliche Fischzucht in Wildbad

Kreuth zeigt wobei es bei der Fischzucht

ankommt. Dazu gehören hohe Wasserqualität

und das passende Futter für die verschiedenen

gezüchteten Arten. Dabei setzt

das Unternehmen auf nachhaltige Haltung

und Verarbeitung. Die fangfrischen, gebeizten

oder geräucherten Produkte wie

Forelle, Saibling oder Lachforelle gibt es

im Betrieb zum Kauf oder im Wirtschaftsbetrieb

in der Fischerei als verschiedene

Gerichte. Das herzogliche Brauhaus in Tegernsee

ist für sein Bier über die Grenzen

der Region bekannt und ein Stück bayerische

Lebensart. Gutes Essen gibt es in der

Brauereiwirtschaft reichlich und dazu genießt

man ein frisches Tegernseer Bier. Auf

der Karte finden sich einfache Gerichte für

Zwischendurch wie das Schnittlauchbrot,

aber auch Portionen vom Jägerhackbraten

oder ein bayrischer Schweinsbraten.

Bayrischer Single Malt Whisky kommt

vom Schliersee und ist unter Liebhabern

ein Geheimtipp. Eine Führung durch die

Brennerei Slyrs zeigt die Produktion des

Hochprozentigen. In der Fasshalle kann

sich der Besucher bei einer Verkostung

einen eigenen Eindruck vom Produkt

machen. Der angeschlossenene Laden verkauft

den Whisky, wobei pro Person nur

eine Flasche abgegeben wird.

ENTSPANNUNG UND GESUNDHEIT

Die Ferienregion Tegernsee ist auch im

Winter ein Erholungsgebiet. In den Bergen

verfügt die Region über viele Möglichkeiten

um abzuschalten und Kraft zu

tanken. Die Jod-Schwefelquellen in Bad

Wiessee helfen mit traditionellen Heilmethoden

um Rheuma, Gelenks- oder Wirbelsäulenerkrankungen

zu behandeln. Das

Jod-Schwefel-Wasser ist durchblutungsfördernd,

schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Nach einen Tag auf der

Piste mit Ski oder Rodel hilft ein Bad, um

einen Muskelkater zu verhindern. Ebenso

sind die Wellnessoasen wie „Schlierseer

Vitalwelt“ oder die „Tegernseer Seesauna“

ein perfekter Ort um bei entspannenden

Bädern oder Saunen einen sportlichen Tag

112


ausklingen zu lassen. Neben Wellness-Angeboten

hat das Urlaubsgebiet Tegernsee-

Schliersee auch Spezialeinrichtungen zur

Behandlung im Bereich Sportmedizin,

Sportler-Rehabilitation oder Schönheitsfarmen.

LANS Med Concept hat sich seit

vielen Jahrzehnten auf die Verbindung von

modernster Medizin und traditioneller

Naturheilkunde spezialisiert. In atemberaubender

Umgebung lädt der Lanserhof

Tegernsee zu ganzheitlichen Gesundheitskonzepten

für Geist und Körper ein.

KUNST, KULTUR UND TRADITION

Freunde von Museen kommen beim Besuch

der Region auf ihre Kosten. Verschiedene

Einrichtungen informieren über Geschichte,

Kultur und Kunst. Das Heimatmuseum

Miesbach zeigt bäuerliches Gerät aus Haus

und Hof. Zu den Exponaten gehören Werkzeuge

aus dem Bergwerk Miesbach und der

Brauerei Waitzinger. Der Jagd widmet sich

das Gmunder Heimatmuseum. Der Beruf

des Jägers war in der Vergangenheit in der

Region wichtig und lebensnotwendig. Das

Gebäude des Heimatmuseums Schliersee

stammt aus dem 14. bzw. 15. Jahrhundert.

Es hat eine Ausstellung über Bauern und Fischer

mit einer original erhaltenen Rauchküche.

Im Museum Tegernseer Tal lernt

der Besucher mehr über die Geschichte des

Tegernseer Tals vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Auf Sportfans wartet am Südufer

des Schliersees das „Markus Wasmeier Freilichtmuseum“.

Hier ist eine Reise in die Vergangenheit

angesagt – präsentiert von der

Skilegende Markus Wasmeier. Klöster und

Kirchen zeugen von der Besiedlung in unserer

Region um den Tegern- und Schliersee.

Eines der ältesten Klöster in Bayern wurde

vermutlich um 746 von Benediktinern gegründet.

Heute ist das prächtige Bauwerk

die Pfarrkirche St. Quirin in Tegernsee. Die

Fassade in romanisch-gotischem Stil mit

den Doppeltürmen gilt als älteste Bayerns.

In Weyarn gründeten die Augustiner im

Jahr 1133 ein Chorherrenstift. Der barocke

Bau entstand im 17. Jahrhundert nach einem

Brand. Weitere Ausflugsziele sind die

Portiunkulakirche in Miesbach mit dem

achteckigen Zentralbau, die barocke Kirche

St. Sixtus in Schliersee oder die gotische

Kapelle St. Georg auf dem Weinberghügel.

Der Fischbachauer Münster St. Martin

zählt im altbayerischen Raum zu den besterhaltenen

Kirchen im romanischen Stil.

Die Vor- und Weihnachtszeit bietet viele

traditionelle Bräuche und Veranstaltungen

im bayerischen Oberland. Der Auftritt des

Kramperls und des Heiligen Nikolaus sind

ein Beispiel. Am 4. Dezember ist der Gedenktag

der Heiligen Barbara. Dazu werden

nach alter christlicher Tradition an diesem

Tag Zweige von einem Obstbaum wie

Kirsche, Apfel oder Schlehe gezwickt. Sie

werden in einem ungeheizten Raum einen

Tag lang aufbewahrt. Am Folgetag kommen

sie in ein warmes Zimmer und werden

täglich frisch gewässert bzw. geschnitten.

Am Heilig Abend kann man die Blühten

bewundern. Heiratslustige junge Mädchen

stellen genau drei Zweige auf. Sie stehen für

Jugend, Schönheit und Reichtum. Abhängig

davon, welcher Zweig zuerst aufblüht,

wird der zukünftige Bräutigam jung, schön

oder reich sein. Das uralte weihnachtliche

Ritual der Raunächte findet vom 25. Dezember

bis 6. Januar statt. Beim Räuchern

wird eine Pfanne mit heißen Kohlen gefüllt

und mit aromatischen Harzen und Kräutern

kombiniert. Dann wird sie durch die

Räume getragen. Die Gerüche von Weihrauch,

Salbei oder Wacholder reinigen das

Haus und den Stall.

Die Sternsinger begeben um den 6. Januar

verkleidet als Heilige Drei Könige von

Haus zu Haus. Sie singen und schreiben

mit Kreide die drei Buchstaben „C+M+B“.

Dies steht für „Christus segne dieses Haus“

und wird durch die Jahreszahl auf den Türstock

ergänzt. Am 2. Februar ist traditionell

das Ende der Weihnachtszeit und wird als

Start in das neue Bauernjahr gesehen.

Weiterer Informationen:

www.tegernsee.com

www.schliersee.de

BAYERN

Bei einem Spaziergang am

Tegernsee hat man einen Blick

auf das ehemalige Kloster.

Rottach Egern am

Tegernsee mit der Kirche

St. Laurentius.

113


REISEN | KARWENDEL

MITTEN IN

DER

NATUR

Fotos: © Alpenwelt Karwendel, Wolfgang Ehn, Idee und Werbung, Martin Kriner, Pfisterer, Rudolf Pohmann, Marinus Zwerger

Drei bayerische Gemeinden sind das

Herzstück der Alpenwelt Karwendel:

Luftkurort Mittenwald, Erholungsorte

Krün und Wallgau. Ein Hochplateau

auf rund 900 Meter Meereshöhe erwartet

den Urlauber mit zahlreichen

Ausflugs- und Sportzielen. Es ist von

Zugspitz- und Karwendel-Massiv, Soiern-Gruppe

und Estergebirge umgeben.

SKI UND RODEL

Das Langlaufparadies Alpenwelt Karwendel

besitzt ein Loipen-Netz mit 150

Kilometer Länge. Dabei bieten alle drei

Alpenwelt-Orte beschneite Loipen und

Rundkurse. Hier finden alle Urlauber

die passende Route – von der leichten

Anfängerstrecke bis zur anspruchsvollen

Herausforderung für erfahrene Läufer.

Die Pisten lassen sich fast überall

wahlweise mit Skating und klassischer

Technik laufen. Tipp vom Profi: Die Biathletin

Magdalena Neuner empfiehlt

die Strecke von Wallgau nach Vorderriss:

„Die sogenannte Kanada-Loipe ist

landschaftlich einfach ein Traum, und

am Ende kann man auch noch schön

einkehren“.

Skibergsteiger finden auf dem Kranzberg

eine Alternative zum Alpinski. Auf

3,6 Kilometer mit 450 Höhenmetern

gibt es einen Lehrpfad. Er ist einsteigerfreundlich

und beginnt beim Sessellift

am Kranzberggipfel. Der Kranzberg

bietet ein Skigebiet und eine Rodelbahn.

Jeden Mittwoch finden Skitourenabende

mit Hüttenzauber statt. Gegenüber

Kranzberg erwartet Sportler

das Dammkar – es ist ein weiteres beliebtes

Ziel für Skibergsteiger oder Variantenfahrer.

Dort treffen auch Freerider

auf ideale Pisten.

Am Kranzberg haben Familien und

andere Rodelfans ideale Bedingungen.

Nach einem Fußmarsch auf 225 Höhenmeter

geht es auf 1,6 Kilometern in

Richtung Tal. Dabei wechseln sich steilere

und flachere Streckenabschnitte ab.

114


BAYERN

Zum Rodeln, Skifahren oder

Biathlon in mitten verschneiter

Berge und sonniger Isar-Tälern

lädt die Alpenwelt Karwendel

ein. In der Weihnachtszeit

besucht der Urlauber die

Christkindlmärkte in der

Region und genießt typische

Spezialitäten zur Adventszeit.

Das beeindruckende Panorama bietet

dabei eine schöne Kulisse. Für eine Rast

zum Aufwärmen warten drei Hütten

auf dem Weg in Richtung Talstation.

WINTERWANDERN IN DEUTSCH-

LANDS HÖCHSTER NATURSCHAU

In der Nähe von Mittenwald auf 2.244

Metern Höhe gibt es Winterwanderwege

mit einem Blick auf die Umgebung

und die Natur. Mit ein wenig Glück

sieht der Wanderer das Alpenschneehuhn.

Als heimische Vogelart wechselt

es das Federkleid im Winter und die befiederten

Füße sind wie Schneeschuhe.

Die schneeweiß gefiederten Vögel sind

115


REISEN | KARWENDEL

am besten in der Nähe des Riesenfernrohrs

an der Bergstation der Karwendelbahn

zu beobachten. Mit heimischem

Lärchenholz verkleidet ragt der Bau

spektakulär über die Felskante hinaus.

Das Panoramafenster auf der Vorderseite

liefert einen Rundblick ins 1.000 Meter

tiefer gelegene Isartal, auf das Wettersteingebirge

und bei Fernsicht bis

INFORMATIONEN

Alpenwelt Karwendel

www.alpenwelt-karwendel.de

Mittenwald

www.mittenwald.de

Karwendelbahn

www.karwendelbahn.de

nach München. Weitere Highlights für

Wandertouren sind das Jagdhaus König

Ludwig II. am Soiernseen oder eine von

neun Themenwanderwege wie z.B. zum

Geisterklamm oder Barfußwanderweg.

BIATHLON SELBST PROBIEREN

Olympiasiegerin Magdalena Neuner aus

Wallgau ist in der Alpenwelt Karwendel

„dahoam“. Im Skistadion Kaltenbrunn

begann ihre Karriere. Gäste die älter als

18 Jahren sind, können dort die Skier

anschnallen und mit dem Kleinkalibergewehr

einige Runden drehen. Von

Mitte Dezember bis Mitte März ist

jeden Mittwoch um 11 Uhr Biathlon

für Gästestaffel angesagt. Nach einem

Crash-Kurs für den richtigen Skating-

Stil, gibt es noch eine Einweisung in die

3,5 Kilogramm schwere Schusswaffe.

Profi-Trainer zeigen den Umgang mit

dem Kleinkalibergewehr. Dabei lernt

der Hobby-Biathlet den Unterschied

beim Liegend- und Stehendschießen.

Nach Leistungsgruppen aufgeteilt, gibt

es bei der Abschluss-Staffel echtes Wettkampf-Feeling.

Dann bekommen die

Besucher einen Eindruck von der Kombination

aus Langlaufen und Schießen.

Beim Zielen auf die 50 Meter entfernten

Scheiben müssen die Läufer den

Puls unter Kontrolle haben. Fehlschüsse

führen zu Strafrunden.

WEIHNACHTSZEIT IM

KARWENDEL

Zum Beginn des Advents gibt es am 28.

November 2015 ein Musi-Nachmittag

in Wallagau. Musikgruppen spielen in

verschieden Lokalitäten des Orts. Am

Sonntag gibt es im Haus des Gastes

die adventlichen Hoagascht. Es spielen

Volksmusikgruppen in gemütlicher

Atmosphäre und stimmen so die Gäste

auf die staade Zeit des Advents ein. Ein

Adventskonzert in der Wallgauer Kirche

St. Jakob erwartet am Abend die

Besucher.

Der kleine Christkindlmarkt am Rathausplatz

in Krün startet um die Mittagszeit

am 6. Dezember 2015 und geht

bis 17.00 Uhr. Gäste finden weihnachtliche

Schmankerl wie Lebkuchen, Bratwurst

und Glühwein sowie selbst gebastelte

Weihnachtsdekoration. Sie werden

von Krüner Vereinen und Privatpersonen

angeboten. Ein Treffpunkt ist ab

Mitte Dezember das beliebte Glühweinstandl

im Ortszentrum von Krün.

Vom 17. bis 20. Dezember 2015 findet

wieder der traditionelle Christkindl-

Markt in Mittenwald statt. In den historischen

Gassen des Geigenbauerorts

gibt es vier Tage den „Adventzauber

90 116


BAYERN

VERANSTALTUNG: ADVENT

unterm Karwendel“. Rund um das Museum

und die barocke Pfarrkirche St.

Peter und Paul laden die kleinen Almhütten

zu einem Besuch ein. Neben

vielen Leckereien, wird Kunsthandwerk

und alpenländische Waren aus der Region

angeboten. Dazu gehören Kuscheliges

aus Wolle und Filz, Christbaumschmuck,

Holzspielzeug, Krippen usw.

Beim Rahmenprogramm in Mittenwald

können die Besucher Kutschfahrten unternehmen,

Tee und Plätzchen kaufen,

weihnachtlichen Konzerten lauschen

und Märchenstunden besuchen.

KUNST UND KULTUR

Das Geigenbaumuseum Mittenwald

zeugt von der Wiege des Geigenbaus in

Bayern. Die 150 Jahre alte Geigenbauschule

mit Schülern aus aller Welt und

ein internationaler Geigenbau-Wettbewerb

sind weitere Zeichen für den Instrumentenbau

rund um Mittenwald.

Das Geigenbau-

Museum in Mittenwald

zeugt vom Instrumentenbau

in der Region.

Die traditionelle Lüftlmalerei wird heute

noch betrieben. Diese sieht der Besucher

an vielen bemalten Hauswände in

den Orten der Alpenwelt Karwendel.

Der Fasching erlebt rund um Mittenwald

jedes Jahr zwischen Dreikönig

und Aschermittwoch seinen Höhepunkt.

Die „Maschkera“ mit Holzmasken

sind dann im Werdenfelser Land

unterwegs und treiben ihr Unwesen.

Mit Lederhosen, schweren Glocken,

grünen Hüten und den handgefertigten

Holzlarven sind die Schellenrührer

in den Straßen anzutreffen. Sie werden

von weiteren überlieferten Maschkera-

Figuren begleitet. Dazu gehören Pfannenzieher,

Bärentreiber, Hexen und

Jacklschutzer. Die kunstvollen Holzmasken

werden heute noch von Geigenbauern

geschnitzt. Die Maschkera-

Tradition hat heidnische Wurzeln und

soll zum Winterende den Frühling zum

Erwachen bringen.

29. NOVEMBER 2015 - 10.00 UHR

Adventlicher Hoagascht

Wallgau, Haus des Gastes

29. NOVEMBER 2015 - 18.00 UHR

Adventskonzert

Wallgau, Kirche St. Jakob

6. DEZEMBER 2015 - 12.00 UHR

Christkindlmarkt in Krün

Krün, Rathausplatz

10. DEZEMBER 2015 - 19.00 UHR

Benefizkonzert des Gebirgsmusikkorps

Mittenwald, Pfarrkirche St. Peter u. Paul

13. DEZEMBER 2015 - 17.00 UHR

Adventskonzert des Mittenwalder

Jugendorchesters

Mittenwald, Pfarrkirche St. Peter u. Paul

17. BIS 20. DEZEMBER 2015

Mittenwalder Christkindlmarkt

Mittenwald, Kirchplatz & Ballenhausgasse

20. DEZEMBER 2015 - 19.00 UHR

Adventssingen des Gebirgstrachtenvereins

Mittenwald, Pfarrkirche St. Peter u. Paul

26. DEZEMBER 2015 - 11.30 UHR

Traditionelles Eintopfessen mit

Platzkonzert der Musikkapelle Krün

Krün, Alpencaravanplatz Tennsee

26. DEZEMBER 2015 - 20.00 UHR

Mittenwalder Bauerntheater „Premiere“

Mittenwald, TSV-Veranstaltungssaal

27. DEZEMBER 2015 - 11.00 UHR

Schneefest am Dorfplatz, Wallgau

28. DEZEMBER 2015 - 20.00 UHR

Konzert zum Jahreswechsel mit der

Musikkapelle Krün

Krün, Kurhaus (Festsaal)

29. DEZEMBER 2015 - 20.00 UHR

Bauerntheater der Theatergruppe Krün

„Die bayerische Miss Marple“

Krün, Kurhaus (Festsaal)

29. DEZEMBER 2015 - 20.00 UHR

Jahresabschlusskonzert der Musikkapelle

Wallgau, Wallgau, Haus des Gastes

30. DEZEMBER 2015 - 15.00 UHR

Après-Ski Fest des Skiclub Mittenwald

Mittenwald, Gasthof Stern

30. DEZEMBER 2015 - 17.00 UHR

Russische Weihnacht mit den Zarewitsch

Don Kosaken

Wallgau, Kirche St. Jakob

31. DEZEMBER 2015 - 22.00 UHR

Après-Ski Fest und Silvesterparty des

Skiclub Mittenwald

Mittenwald, Gasthof Stern

Weitere Informationen zu den

Veranstaltungen finden Sie auf der

www.alpenwelt-karwendel.de

117


REISEN | GARMISCH-PARTENKIRCHEN

GANZ WEIT

OBEN

Blick auf das

verschneite

Partenkirchen.

118


BAYERN

Fotos: © Uwe Binnenbruck, Marc Gilsdorf, Marc Hohenleitner, Utz Haberland

Rund um den höchsten

Berg Deutschlands erleben

Besucher einen

außergewöhnlichen

Winterurlaub. Garmisch-

Partenkirchen lädt mit

seinen vielen Angeboten

für Ski, Wandern und

Rodeln ein. Und

die Märchenwelt von

König Ludwig II. ist auch

ganz nah.

Garmisch-Partenkirchen und die Zugspitze

sind als Ziele für Sport und Urlaub

im Winter eine der ersten Adressen in

Bayern. Abwechslungsreiche Skigebiete

und Ausflugziele in der Natur eröffnen

dem Urlauber eine breite Auswahl für

einen Winterurlaub. Sportliche Ausnahmewettbewerbe

in verschiedenen Wintersportarten

sorgen für das passende

Rahmenprogramm.

Die Olympiasprungschanze von Garmisch

ist jeden Winter Treffpunkt für Weltklasse-

Wettbewerbe.

SKI UND RODEL

Das Gebiet um Garmisch-Partenkirchen

steht bei Skifahrern, Snowboardern, Carvern

oder Freestylern hoch im Kurs. Mit

über 60 Kilometer präparierte Pisten

im Traumschnee fahren Urlauber von

November bis Mai Ski. Die Liftanlagen

befinden sich inmitten von traumhaften

Panoramablicken. Die drei Gipfel Hausberg,

Kreuzeck und Alpspitze bilden das

Skigebiet Garmisch-Classic. Auf insgesamt

40 Kilometern gehen Sportler auf

vier beschneiten Talabfahrten auf die

Pisten. Die Strecken am Hausberg sind

überwiegend vom leichteren bis mittelschweren

Niveau – ideal für Familien und

weniger geübte Skifahrer. Im Kinderland

an der Bergstation der Hausbergbahn lernen

die Zwerge das Ski-ABC. Kreuzeck

war Veranstaltungsort der Alpinen Ski-

WM 2011. Die Kandahar-Abfahrt mit

über 940 Höhenmeter Unterschied ist für

Urlauber geöffnet. Hier sind nur erfahrende

Sportler unterwegs.

Mit der Zugspitze hat der Urlauber in

Garmisch Deutschlands höchstgelegenes

119


REISEN | GARMISCH-PARTENKIRCHEN

VERANSTALTUNGEN

Weihnachtszauber im GaPa-Land

28. November bis 22. Dezember 2015

www.gapa.de

City Biathlon

27.Dezember 2015

www.skiclub-garmisch.de

Neujahrsspringen: 4-Schanzen-Tournee

Januar 2016

www.neujahrsskispringen.de

Hornschlitten-Rennen – Bay.

Meisterschaft

6. Januar 2016 www.hornschlitten.de

Audi FIS Ski Weltcup Herren

30. und 31. Januar 2016

www.skiweltcup-garmisch.com

Audi FIS Ski Weltcup Damen

6. und 7. Februar 2016

www.skiweltcup-garmisch.com

Skigebiet. Dort warten abwechslungsreiche

Abfahrten auf 21 Kilometer Länge.

Naturschnee und strahlende Wintersonne

sorgen für das passende Umfeld, wenn

das Tal in einer Nebeldecke steckt. Die

Strecken sind leicht bis mittelschwer und

auch für Familien und Anfänger gedacht.

Auf den anspruchsvollen Abschnitten

tummeln sich geübte Carver und Snowboarder.

Die traumhafte Ski-Abfahrt

Riffelriß ist bei passenden Witterungsbedingungen

geöffnet. Dazu nehmen die

Urlauber die Zahnradbahn und steigen an

der Haltestelle Riffelriß aus. Die beiden

Sessellifte Wetterwandeck und Sonnenkar

führen zu Naturschneepisten.

Langlaufen gibt es in Garmisch-Partenkirchen

auch. In der klaren Höhenluft

gehen Ausdauersportler in mitten von

Alpenpanoramen auf rund 28 Kilometer

Loipen in die Spur. Skating oder der klassische

Stil sind auf den täglich gespurten

und kostenlos zu benutzenden Strecken

möglich. Einige Abschnitte sind beleuchtet

und auch am Abend nutzbar. Die Loipe

am Hausberg im Olympia Skistadion

mit rund drei Kilometern ist für Einsteiger

geeignet. Mehr Herausforderung bieten

die Loipen im Langlaufzentrum Kaltenbrunn.

Für das Schlittenfahren in der Region

ist die 5 Kilometer lange Rodelbahn am

Hausberg eine der besten Anlaufstellen.

Die Strecke ist beleuchtet und mit Netzen

gesichert. Mittwochs und freitags von 18

Uhr bis 20 Uhr gibt es ein Nachtrodeln.

Wagemutige begeben sich auf die die Strecke

von der St.-Martins-Hütte am Grasberg.

Vor der Abfahrt auf 1,6 Kilometer

steht der Fußmarsch bergauf. Für die Rodelpartie

auf der anspruchsvollen Strecke

ist festes Schuhwerk mit rutschfestem

Profil, gute Handschuhe, ein Helm und

Skibrille Voraussetzung. Auf Deutschlands

höchstgelegenem Gletscher an der

Zugspitze gibt es auch Rodelspaß. Für die

Einkehr warten hier vier Restaurants mit

herrlichem Panoramablick.

WINTERWANDERN MIT

UND OHNE SKI

Für den Trendsport Schneeschuhwandern

besitzt das Winterwandernetz um

Garmisch-Partenkirchen viele Strecken.

Der Eckbauer mit 1.250 Meter Höhe

hat Routen für Entdeckungsreisen mit

Schneeschuhen für jeden Anspruch. Weitere

Strecken finden Urlauber im Wandergebiet

Garmisch-Classic.

Ein einmaliges Erlebnis haben Sportler

bei der Kombination aus Wandern und

Abfahrt. Die noch junge Sportart Skitourengehen

ist am Wank zu Hause. Es geht

zu Fuß auf den Panoramaberg – dort gibt

es einen traumhaften Ausblick vor der

120


BAYERN

Fahrt ins Tal. Das Höhenpanorama am

Wank auf 1.750 Meter Höhe ist auch ein

Topziel für Wanderungen im Winter. Die

tief verschneiten Landschaften und die

beeindruckenden Alpenkulisse schaffen

ideale Rahmenbedingung. Urlauber sind

eingeladen, sich auf die rund 110 Kilometer

geräumte Winterwanderwege in Garmisch

auf Entdeckung zu begeben.

WELLNESS, GENUSS, FREIZEIT

Die Hotels in Garmisch-Partenkirchen

bieten viele Angebote für Gesundheit

und Entspannung. Die Palette reicht von

klassischer Massagen, Bädern bis hin zu

pflegenden Packungen. Auch im Programm:

Fernöstlichen Anwendungen wie

Ayurveda, Tai Chi und asiatisches Body-

Balance. Im Alpspitz-Wellenbad gehen

die Besucher zum Schwimmen oder in die

Sauna. Der Michael-Ende-Kurpark im

Zentrum des Orts ist auch im Winter ein

Ziel für Spaziergänge.

Kulinarisch setzt das Zugspitzland in den

Gasthöfen und Restaurants auf lokale

Produkte und man serviert typisch bayrische

Gerichte. Bei einem frisch gezapften

Bier aus einer der regionalen Brauereien

oder einem Glas Wein, schmeckt die

Brotzeit besonders gut. Nachtschwärmer

Das Neujahrsspringen

der Vierschanzen-

Tournee zieht jeden

Winter viele Besucher an.

besuchen die gemütliche Kneipen, Cocktailbars,

Clubs oder man versucht sein

Glück in der Spielbank.

Abseits der Pisten in der Region erkundet

der Urlauber zahlreiche Ausflugsziele.

Das weltbekannte Schloss Neuschwanstein

oder das Königshaus am Schachen

eröffnen die Märchenwelt von König

Ludwig II. Ein Naturerlebnis ist die

Partnach-Schlucht. Auf 700 Meter Länge

machen sich Besucher auf eine Abenteuertour

durch Stollen und Durchgänge.

Bizarre Eisgebilde und der 80 Meter tiefe

Wasserfall sind die Highlights der Tour.

Die Skisprungschanze und die historische

Bobbahn zeigen ein Stück olympische

Sportgeschichte. Ein Ausflug auf die Zugspitze

eröffnet einen 360-Grad-Panoramblick

auf die Alpen. An der Bergstation

der Alpspitzbahn bilden zwei Stahlträger

ein schwebendes X in über 1.000 Meter

Höhe. AlpspiX ist ein spezielles Erlebnis

– am Ende der 25 Meter langen Stege

befinden sich verglaste Aussichtsplattformen.

Ein Blick auf die Zugspitze, die Waxensteine

und die riesige Alpspitz-Nordwand

inklusive.

INFORMATIONEN INTERNET

Tourismus Garmisch-Partenkirchen

www.gapa.de

Bayerische Schlösser

www.schloesser.bayern.de

Zugspitze

www.zugspitze.de

Zugspitz-Land

www.zugspitzland.de

121


REISEN | ALLGÄU

TIEF VERSCHNEITE

Der Allgäu ist mit seiner

atemberaubender

Kulisse ein Urlaubziel

für nordischen

Wintersport, alpine

Abfahrten, Wandern

und Rodeln. Natürliche

Entspannung und

Wellness mit Wasser,

Moor und Heu sorgen

für das erholsame

Kontrastprogramm

im Schnee.

Fotos: © Urlaubsregion Allgäu

Im Voralpenland im südlichen Teil des

bayerischen Regierungsbezirks Schwaben

befindet sich in Nachbarschaft von

Baden-Württemberg und Österreich das

Allgäu. Die Bezeichnung setzt sich aus

„alb“ für Berg oder Bergwiese und Landschaft

für „göu“ zusammen. Die Region

ist eine der bekanntesten Urlaubsregionen

in Deutschland. Wintersportgebiete in

den Bergen, Wellness-Möglichkeiten und

historische Denkmäler ziehen unzählige

Gäste jeden Winter zu einem Urlaubsbesuch

ins Allgäu.

SKI ALPIN UND SNOWBOARD

Durch seine Höhenlage hat das Allgäu

hohe Schneesicherheit. Skifahrer, Carver

und Snowboarder kommen gern auf die

Pisten im Gebiet. Dabei sind große und

kleine Skifahrer willkommen. Attraktion

ist die längste Talabfahrt Deutschlands

am Nebelhorn in Oberstdorf. Drei Sessellifte

transportieren die Gäste bei den

Bergbahnen Bad Hindelang-Oberjoch

zum Gipfel.

Oberstdorf verspricht Besuchern Schneesicherheit

von Dezember bis in den

Mai mit Abfahrten in fünf Skigebieten.

Oberstdorf/Kleinwalsertal besitzt insgesamt

124 Kilometer Pisten. Mit den Bergbahnen

an Fellhorn und Kanzelwand fahren

die Urlauber zu den Abfahrten.

Hörnerdörfer besitzt Abfahrtspisten mit

fast 85 Kilometer Länge mit den fünf

Skigebieten in Balderschwang, Bolsterlang,

Obermaiselstein, Ofterschwang

und Fischen. Zwei Gondelbahnen, sechs

Sesselbahnen und zwanzig Schlepp- und

Übungslifte bringen die Skifahrer auf die

Berge. Das Gebiet hat Angebote für Jung

122


BAYERN

TÄLER & BERGE

Die Märchenwelt von

König Ludwig II. im

Winterkleid.

und Alt, Anfänger und Fortgeschrittene.

Skifahrer oder Snowboarder kommen hier

gleichermaßen zum Zuge. Tiefschnee-

Fans begeben sich in die Ammergaueroder

die Tannheimer Alpen – abseits vom

regulären Pistenbetrieb.

LANGLAUF UND WINTERWANDERN

Die Bergkulisse im Allgäu sorgt für das

ganz besondere Erlebnis beim Langlaufen.

Fans des nordischen Skisports treffen auf

über 1.000 Kilometer klassische Loipen

und über 500 Kilometer für Skater. Die

Strecken im Allgäu erlauben entspanntes

Langlaufen oder anspruchsvollere Touren

in den Weltcup-Loipen.

Das Pfrontener Tal mit seinen rund 45

Loipen-Kilometern ist eines der bekanntesten

Skigebiete im Allgäu. Atemberaubende

Ausblicke auf die Allgäuer- und

Tiroler-Alpen sind die Begleiter beim

Wintersport rund um den Luftkurort. 100

Kilometer Loipen und Winterwanderwege

findet der Besucher im Alpsee-Grünten-Gebiet.

Bis zu 100 Tage Spaß in der

Loipe versprechen die Verantwortlichen.

Auf Höhenlangen um 1.000 Meter gibt

es bis in den Frühling die Möglichkeit, Ski

zu laufen. Bei Rettenberg und Blaichach

umfasst das Netz rund 40 Kilometern, in

Immenstadt sind es etwa 100 Kilometer,

in Sonthofen rund 70 und in Burgberg

rund 30 Kilometer.

Die Imberg-Hädrich-Höhenstrecke bei

Oberstaufen liegt auf ca. 1.330 Metern

und bietet Schnee bis ins Frühjahr. Langläufer

sehen die Kulisse der Nagelfluhkette

und blicken ins malerische Tal. Anfänger

treffen wiederum auf der Kalzhofer Loipe

123


REISEN | ALLGÄU

WINTERSPORT

IM ALLGÄU

Alpsee-Grünten

www.alpsee-gruenten.de

Bad Hindelang

www.badhindelang.de

Nesselwang

www.nesselwang.de

Oberstaufen

www.oberstaufen.de

Pfronten

www.pfronten.de

Tannheimer Tal

www.tannheimertal.com

auf ideale Bedingungen. Die 2,5 Kilometer

lange Strecke hat täglich bis 20.30 Uhr

geöffnet und besitzt eine Flutlichtanlage.

In Nesselwang ist der dreifache Olympiasieger

Michael Greis zu Hause. Auf den

Strecken rund den Alpspitz startete er

sein Karriere. In der Biathlonanlage im

Sportzentrum Allgäu erlebt der Urlauber

das Wettkampfieber auf Ski und beim

Schießen. Kinder versuchen sich mit dem

Luftgewehr und Erwachsene benutzen

das Kleinkaliber. Für Winterwanderer

und Schneeschuh-Fans präparieren die

Gastgeber aus Nesselwang jeden Winter

ungefähr 50 Kilometer Strecke. Durch die

Natur geht es durch die Region und mit

ein wenig Glück beobachtet man Rehe,

Hasen oder Wiesel.

Über der Grenze in Österreich in über

1.000 Meter Höhe befindet sich das Tannheimer

Tal. Das Tiroler Hochtal ist für das

Laufen im klassischen Stil oder Skating

auf 140 Kilometer geeignet. Anfänger,

Wiedereinsteiger oder Fortgeschrittene

sind hier richtig und finden das ideale Terrain.

Als besonderer Ausflugstipp gilt die

leichte bis mittelschwere Route im Naturschutzgebiet

Vilsalpsee. Auf 12 Kilometern

entdeckt man beim Sport verschneite

Landschaften, Alpenstille und Bergpanoramen.

Ein Ausflug über den zugefrorenen

Haldensee ist eine weitere Möglichkeit.

Skitourengänger starten auf den Routen

rund um den Urlaubsort Füssen. Weitere

attraktive Adressen für das Tourengehen

sind Breitenberg, Buchenberg, die Alpspitze

bei Nesselwang oder das Füssener

Jöchle. Der Tegelberg in der Nähe von

Schloss Neuschwanstein hat mit dem

Schutzengelweg eine eigene Aufstiegsroute

für Skibergsteiger. Auf halber Stecke

kann der Sportler in der Rohrkopfhütte

eine Rast einlegen.

WELLNESS UND ENTSPANNUNG

Im Bereich Gesundheit und Entspannung

trifft der Besucher im Allgäu auf

ein umfangreiches Angebot. Bei den Anwendungen

arbeiten die Einrichtungen

der Region gern mit Heilmitteln aus der

natürlichen Umgebung Die Kraft von

Heu bzw. Moor und therapeutischen

Einsatz von Wasser stehen dabei im Vordergrund.

In Bad Wörishofen ist der Heimatort

von Sebastian Kneipp. Noch heute

pflegt man da die traditionelle Behandlung

mit seinen Methoden. Im hügeligen

Alpenvorland in Bad Wurzach befindet

sich die Moorerlebniswelt des Wurzacher

Ried. Die Naturlandschaft ist das

größte intakte Hochmoor Mitteleuropas.

Das Traditions-Moorheilbad setzt

auf heilende und wohltuende Wirkung

dieses „Schwarzen Goldes“. Moorbäder

im Holzzuber, Massagen und klassische

Therapien gehören zum Programm. Bei

einem Besuch der Wellness-Oase Vitalium

schwimmt man im Thermalbad mit

Innen- und Außenbecken.

KUNST, KULTUR UND GENUSS

Die kleinen Städte im Allgäu laden mit

ihren historischen Innenstädten zu Besuchen

ein. Bei einem Bummel durch Isny

entdeckt der Besucher die Gebäude und

124


BAYERN

Der Trendsport

Schneeschuhwandern

ist im Allgäu auch

möglich.

Museen mit mittelalterlichen Wurzeln. In

der ehemaligen Freien Reichsstadt gibt es

Stadtrundgänge mit Themenführungen.

Füssen am Lech ist ein Zentrum bayerischer

Lauten- und Geigenbauer. Dort

wurde 1562 die erste Lautenmacherzunft

Sport, Genuss

und Erholung warten

im Allgäu.

in Europa gegründet. Im Kloster St. Mang

sieht man in einem Museum eine Sammlung

mit historischen Lauten und Geigen.

Bei einem Spaziergang in den Gassen der

Stadt, entdeckt man Bürgerhäuser, barocke

Kirchen und Klöster.

Das Allgäu ist

bekannt für seinen

Käse wie

Emmentaler oder

Bergkäse.

Auf der Allgäuer Käsestraße probiert man

lokale Milchprodukte. Sennereien, Bauernhöfe,

Landgasthöfe und Geschäfte in

den Ferienorten verkaufen die Spezialitäten.

Schaukäsereien zeigen das Handwerk

und wie der Allgäuer Emmentaler, Alpkäse

oder Bergkäse entsteht. Dabei kommt

ausschließlich die Heumilch von Tieren

aus der Region zum Einsatz.

Bierliebhaber können im Allgäu aus einer

breiten Auswahl des Gerstensafts wählen.

Mit der Gründung eines Klosters legte

Kaiser Karl der Große den Grundstein für

das Brauen im Allgäu. Herzog Maximilian

I. von Bayern und die Wittelsbacher

förderten später die Bierherstellung. In

den über 30 Brauereien der Region finden

Urlauber eine große Biervielfalt. Die Enzianhütte

bei Oberstdorf braut sein dunkles

Weizen auf 1.804 Meter Höhe und ist

damit die höchstgelegene Mini-Brauerei

im Land. Zu Fuß geht es zur Hütte, wo als

Belohnung ein „Gipfelstürmer“ wartet.

Weitere Informationen:

www.allgaeu.de

www.allgäuer-käsestrasse.de

www.schloesser.bayern.de

CHRISTKINDLMÄRKTE 2015

IM ALLGÄU

42. Marktoberdorfer Weihnachtsmarkt

4. bis 13. Dezember

www.touristik-marktoberdorf.de

Kaufbeurer Weihnachtsmarkt 2015

27. November bis 20. Dezember

www.kaufbeuren.de

Füssener Adventsmarkt

4. bis 6. und 11. bis 13. Dezember

www.fuessen.de

Isnyer Schlossweihnacht

2. bis 6. Dezember

www.isny.de

Kemptener Weihnachtsmarkt

27. November bis 22. Dezember

www.weihnachtliches-kempten.de

Leutkircher Weihnachtsmarkt

26. bis 29. November

www.leutkirch.de

Memminger Christkindlesmarkt

27. November bis 20. Dezember

www.memmingen.de

125


REISEN | BAYERISCHER WALD

ELDORADO FÜR

SKI & RODELSPASS

Ostbayern und der Bayerische Wald sind als sehr schneesichere Ziele für

Winterurlauber bekannt. Neben Ski, Rodel und Winterwanderung, erwarten die

Besucher kulinarische Köstlichkeiten und viele kulturelle Angebote.

Fotos: © Tourismusverband Ostbayern, Toursimusverband Waldkirchen

Der Bayerische Wald ist der älteste Nationalpark

in Deutschland. Das rund 6.000

Quadratkilometer große Gebiet wird im

Westen von der Donau, der Tschechischen

Republik im Osten und Österreich

im Süden begrenzt. Die Urlaubsregion

lockt mit vielen Skigebieten zahlreiche

Touristen jedes Jahr in den Urlaub. Das

Angebot kann sich mit rund 2.000 Kilometer

Loipe, Skigebiete von sportlich bis

familienfreundlich, Rodelbahnen, Winterwanderwege

und Wellnessangebote

sehen lassen. Auf den Besucher warten

in der kalten Jahreszeit weitere attraktive

Angebote im Schnee und auf dem Eis:

Geführte Schneeschuhtouren, Biathlon-

Workshops, Eislaufen, Eisstockschießen

und Trendsportarten wie Snowtubing

oder Airboarden.

WINTERSPORT IM

BAYERISCHEN WALD

Die Skigebiete des Bayerischen Walds

bilden gemeinsam mit einer Vielzahl kleinerer

Angebote für Skilanglauf das größte

außeralpine Wintersportgebiet Bayerns.

Für rasante Abfahrten mit genügend

Schnee ist der Große Arber bekannt. Er

ist ein ideales Ziel für Freundes des alpinen

Skisports. Das Gebiet rund um den

Arber wartet mit Weltcup-Abfahrt Pisten

auf Alpenniveau auf. Familien mit Kindern

finden im Funpark, dem ArBär-Kinderland

und der Weltcup-Abfahrtsstrecke

Abwechslung und Vergnügen.

Auf der rund fünf Kilometer langen

Flutlichtpiste in Hohenbogen erwarten

Urlauber drei verschiedene Ski-Parcours

und eine beleuchtete Rodelbahn. Das

Zentrum ist ein beliebtes Wintersportgebiet

für Tag und Nacht. Umgeben von

den Hausbergen Pröller, Predigtstuhl und

126


OSTBAYERN

Winter im Bayerischen Wald

am Grenzkamm mit seinen

unberührten Weiten.

Hirschenstein liegt St. Englmar. Auf Höhenlagen

zwischen 800 und 1.095 Metern

gibt es sonnenverwöhnte Südhänge mit

Pisten und Liften.

Bei Familien sehr beliebt ist das Wintersportdorf

Mitterdorf. Dort erwarten die

Besucher fünf Schlepplifte, ein Seillift

und eine Doppelsesselbahn. Ein modernes

Kinder- und Anfängerskigelände mit

„Zauberteppichen“, einem Wärmeraum,

Kinderbetreuung, Skischule mit Skiverleih,

eine Rodelbahn und Langlaufloipen

sorgen für Winterspaß auch bei den Jüngeren.

127


REISEN | BAYERISCHER WALD

Parsberg in der Oberpfalz im

Winter mit der Burg und Kirche.

In Waldkirchen wird die Tradition

der Rauhnacht gepflegt.

Eine ganz andere Art von Abenteuer erleben

Urlauber mit dem Pferde- oder Hundeschlitten.

Es werden Erkundungstouren

durch den Nationalpark angeboten

oder die Besucher übernachten in einem

Iglu. Wintersport, Winderwandern oder

Winter-Wellness gibt es für Einzelreisende,

zu zweit oder für die ganze Familie.

Die Familienregion Bayerischer Wald hat

über hundert Hotels, Pensionen, Bauernhöfe,

die als familienfreundlich „Bärchenbetriebe“

zertifiziert oder Kinderland-

Partner sind.

EIN WINTERMÄRCHEN

IM OBERPFÄLZER WALD

Die Region erstreckt sich zwischen Regensburg

an der Donau und Eger in Böhmen.

Winterwanderer oder Skilangläufer

finden hier märchenhaften Landstriche

mit schneesicheren Angeboten. Im Langlaufzentrum

Ostbayerns bei Silberhütte

gibt es eine Skiloipe mit einer Beschneiungsanlage.

Sie verlängert die Saison für

Langläufer auf der zehn Kilometer langen

Strecke vom alten Grenzfelsen Kreuzstein

bis nach Tschechien. Die Langlaufzentren

Fahrenberg-Mitterberg und Naturpark

Steinwald gelten auch als schneesicher.

Das Langlaufzentrum Schönsee-Rosenhof

ist durch seine Loipen für klassischen

Stil und Skating bekannt.

WINTER-WELLNESS

UND WINTERWANDERN

In den fünf Heil- und Thermalbädern Bad

Füssing, Bad Griesbach, Bad Birnbach,

Bad Gögging und Bad Abbach gibt es

sieben Thermen. Damit ist die niederbayerische

Urlaubsregion im Städtedreieck

Regensburg, Passau, Landshut eines der

bekanntesten Ziele für Wellness und Gesundheit

in Deutschland. Für Entspannung

sorgt die Kombination aus Thermalbädern

im heißem Heilwasser und

Spaziergänge in der schneebedeckten Natur.

Die Vorteile der Thermen erkannten

schon große Herrscher in der Römerzeit.

Zeuge dieser Besuche ist die nach Kaiser

Trajan benannte Therme in Bad Abbach.

Neben der heutigen Kaiser-Therme ist die

Limes-Therme in Bad Gögging ein weiterer

Verweis auf die historischen Wurzeln.

Für Spaß im Wasser sorgen das Kurfürstenbad

Amberg, das Keldorado in Kelheim,

das Erlebnisbad Berle in Berching,

das Wellenbad Juramare in Parsberg oder

das Freizeitbad Schwimm-sal-a-bim in

Auerbach.

Der bayerische Jura zeigt sich jedes Jahr

mit einer Mischung aus Winterwald, der

rauen Jura-Landschaft und verträumte

Tälern. Ein Traumziel nicht nur für Winterwanderer.

In der Adventszeit sind die

Weihnachtsmärkte in der beliebten Urlaubregion

zwischen Sulzbach-Rosenberg

und Kelheim ein Besuchermagnet.

GENUSS: ESSEN UND TRINKEN

Über dreißig Brauereien gibt es in der

Region. Darunter die drei ältesten Brauereien

der Welt. Die Weißbierbrauerei

Schneider in Kelheim oder Kuchlbauers

Bierwelt in Abensberg laden wie viele andere

Betriebe zum Schauen und Probieren

ein. Der Kuchlbauer-Bierturm entstand

nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser

und huldigt dem bayerischen Bier.

Für gutes Essen in Ostbayern stehen

128


OSTBAYERN

Für romantische

Wanderungen am

Abend empfiehlt sich die

Felshalle der Geiskirche

bei Peilstein.

RAUHNACHT UND

FASCHING IN OSTBAYERN

Bogener Narrentisch

Veranstaltet durch dieFaschingsgesellschaft

Bogener Narrentisch, deren

Schlachtruf lautet: Zicke,Zacke- Zicke,

Zacke- -Bog‘n, Bog‘n, Bog‘n!

Oberpfälzer Schlachtspezialitäten, Gerichte

vom Juradistllamm bzw. Altmühltaler

Lamm oder Karpfengerichte aus

dem Oberpfälzer Wald. In der Region

verwöhnen sechs Spitzenköche mit acht

Michelin-Sternen die Gaumen der Besucher.

Dazu gehören Hubert Obendorfer

mit dem „Restaurant Eisvogel“ in Neunburg

vorm Wald, Zwei-Sterne-Koch

Thomas Kellermann auf Burg Wernberg

bei Schwandorf, Gregor Hauer

im „Gregor’s Fine Dining“ in Rötz und

Zwei-Sterne-Koch Denis „Restaurant Il

Giardino“ in Bad Griesbach. Über den

Dächern von Regensburg kocht Sternekoch

Anton Schmaus im „Goliathhaus

Restaurant Storstad“. Michael Simon

Reis im „Restaurant Johanns“ in Waldkirchen

gilt als der jüngste Stern am kulinarischen

Himmel.

KULTUR, KUNST & UNTERHALTUNG

Für die Zeit abseits der Piste finden Besucher

zahlreiche kulturelle und kulturhistorische

Angebote. Dazu zählen das

Amberger Luftmuseum, das Parsberger

Burgmuseum oder das 1. Bayerische

Schulmuseum in Sulzbach-Rosenberg.

Das Lothar-Fischer-Museum in Neumarkt

in der Oberpfalz zeigt bedeutende

Bildhauer des 20. Jahrhunderts und das

Maybach-Museum Stücke rund um die

Nobel-Automarke.

Der Barock war eine der prägendsten Perioden

in der Region. Dies spiegelt sich in

zahlreichen Kirchen und Klöstern wieder.

Beispiele sind Klosterkirchen in Rohr,

Weltenburg oder Ensdorf. Beim Besuch

der Wallfahrtskirchen Mariahilf in Amberg

und Freystadt oder die Emmeramskirche

in Regensburg kann man die

einzigartigen Arbeiten der Brüder Asam

bewundern.

Die originellen Winter- und Rauhnachtsbräuche

mit schaurig-schönen

Akteuren sind ein Highlight, das man

nicht verpassen sollte. Auch Fasching

wird mit vielen Umzügen und Veranstaltungen

in den Regionen von Ostbayern

ausgiebig gefeiert.

Weitere Informationen:

www.bayerischer-wald.de

www.oberpfaelzerwald.de

www.bayerischerjura.de

Grafenauer Faschingsendspurt

In der Kinderland-Hauptstadt Grafenau

gibt es Urlaub für die ganze Familie, mit

einem abwechslungsreichen Programm

zu den Faschingstagen.

Frauenauer Rauhnacht

Der Wald-Verein im Urlaubsort Frauenau

feiert jedes Jahr am Faschings-Samstag

seine traditionelle Rauhnacht mit mystische

Gestalt.

Faschingszug in Bogen

Der Faschingszug in Bogen findet jedes

Jahr am Faschings-Sonntag statt und

zählt seit zu den größten Umzügen in

Niederbayern und der Oberpfalz.

Blaibacher Faschingszug

Seit Jahrzehnten gibt es den „Blaibacher

Gaudiwurm“ am Faschings-Sonntag im

Landkreis Cham.

Die Fahrnbacher Habergoaß

Brauchtum und wildes Treiben am

Faschingssonntag. Im Dorf Fahrnbach bei

Bischofsmais tobt die „Habergoaß“ durch

den Ort und treibt den Winter aus.

Die Waldkirchner Rauhnacht

Alle fünf Jahre am 5. Januar bei Einbruch

der Dunkelheit startet das gruselige

Treiben in der Stadt.

Weitere Informationen zu den

Faschingsterminen auf

www.ostbayern-tourismus.de

Entspannung und Wellness finden

Urlauber im Angerhof Sankt Englmar.

Blick auf den Christkindlmarkt in

Straubing zur Adventszeit.

129


SCHLUSSWORT

Stephan Quinkertz

Herausgeber

...servus!

Zum Abschluß noch ein paar

bayerische Ausdrücke:

Hau di hera, samma mehra

Setz Dich hin, dann sind wir mehr

Do schaugst oba oid aus

Da siehst Du aber alt aus

Schwoamas owi

Spülen wir es runter

Ma sogt jo nix, ma redt jo bloß

Man sagt ja nichts, man redet nur

Um a Fünferl a Durchanand

vom Hundertsten ins Tausendste.

Wer ko, der ko

Wer kann, der kann

Liawa bsuffa und lusdig, ois niachdan und bläd

Lieber besoffen und lustig, als nüchtern und blöd

De Woch fangt scho guat o

Die Woche fängt schon gut an

I zoag da glei, wo da Bartl an Most hoid

Gib acht, sonst zieh ich andere Saiten auf

red ma net drüber saufma an drauf

Reden wir nicht darüber, trinken wir lieber

Und is da Weg a no so schdeil, a bissal wos gehd allerweil

Und ist der Weg noch so steil, ein bischen was geht immer

Nix Gwiss woass ma ned

Nichts Genaues weiß man nicht

Freue mich, Sie im Frühjahr 2016 wieder zu begrüßen,

wenn es dann wieder soweit ist: Lust auf Bayern.

Pfiat Eich

Stephan Quinkertz

Herausgeber und Chefredakteur

IMPRESSUM

Herausgeber und Chefredakteur:

Stephan Quinkertz (v.i.S.d.P.)

Redaktion:

Maria Adamer, Jörn-Erik Burkert, Andrea Chrubasik

Helga Förstl, Marion Trutter, Andreas Greil, Anita Quinkertz,

Diana Schneider

Grafik:

Sara D‘Auria

Max Russo

BAYERN

Redaktionsadresse:

pmc active GmbH, Redaktion „Lust auf Bayern

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