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WIRTSCHAFT+MARKT 5/2016

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27. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober 2016 | 5 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

BRÜSSELER SEGEN

WIE DER OSTEN VON

EU-GELDERN PROFITIERT

BEILAGE

Sachsen

LÄNDERREPORT

Schwerin dockt an

Hamburg an

Flughäfen am Tropf

der öffentlichen Hand

RATGEBER

So gelingt die

Unternehmensnachfolge

Kassenführung im

Visier der Finanzämter

TILLICH & WOIDKE IM INTERVIEW

Zwei Lausitzer, zwei Landesväter,

zwei Parteien, zwei Freunde


Für Sie vor Ort in Mitteldeutschland:

in Chemnitz, Dresden, Erfurt, Halle,

Leipzig und Magdeburg.

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EDITORIAL | 3

Tue Gutes und

rede darüber

JETZT

20. -21 . OKTOBER 2016

ANMELDEN!

owf2016.de

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@WundM.info

Foto: Privat, Titelfoto: Ralf Succo

Das geeinte Europa geht aktuell

durch eine tiefe Krise. Großbritannien

hat vor wenigen Wochen

den Austritt aus der Europäischen Union

erklärt. Auch in weiteren Staaten laufen

Debatten darüber, wie viel Sinn es

noch macht, in der EU zu verbleiben und

an der europäischen Idee festzuhalten.

Es sind gefährliche Diskussionen, die

da geführt werden. Denn wo kämen

wir hin, wenn sich weitere Staaten von

der EU abwenden? Das heute noch

weitgehend geeinte Europa würde in

jene Kleinstaaterei zurückfallen, die

speziell in der ersten Hälfte des letzten

Jahrhunderts so fatale Folgen hatte.

Die negativen Auswirkungen auf die

Wirtschaft können in ihrer ganzen Tragweite

aktuell noch gar nicht überblickt

werden, wenn man den so mühsam

geschaffenen gemeinsamen europäischen

Markt aufgeben würde.

Insofern bleibt zu hoffen, dass sich

die politisch Verantwortlichen in den

EU-Mitgliedstaaten darauf besinnen,

wie elementar wichtig das Gebilde EU

auch für die nationalen Volkswirtschaften

ist. Allerdings ist auch Brüssel gefordert,

einige Gänge nach oben zu

schalten. In mehrfacher Hinsicht. Für

den Außenstehenden wirken die Europäische

Kommission, das Europaparlament

und der Europäische Rat wie

drei schwer navigierbare und überdimensionierte

Tanker, die in ihren Aktivitäten

nur mühsam vorankommen.

Ehe alltagsrelevante Entscheidungen

getroffen werden, vergehen oft viele

Monate, mitunter sogar Jahre.

Das momentan größte Problem ist jedoch

die Außendarstellung speziell der

EU-Kommission. Sicher, es ist allgemein

bekannt, dass es diverse EU-Fördertöpfe

gibt. Aber damit hat es sich

dann auch schon. Es gelingt der EU bis

heute weder Herz noch Hirn der Menschen

in Europa zu erreichen. Dass wir

in Europa eine mehr als 70 Jahre andauernde

Friedensperiode erleben, ist

keine Selbstverständlichkeit, sondern

geht ganz maßgeblich auf die gesamteuropäische

Kooperation zurück. Auch

die Tatsache, dass sich die Bürger in

Europa weitgehend grenzenlos bewegen

können und Waren ohne Zollbarrieren

exportiert werden, ist ein Verdienst

der EU. Die unvergleichlich positive

Entwicklung, die Europa in den

zurückliegenden Jahrzehnten genommen

hat, ist das Ergebnis harter Arbeit

und kluger Entscheidungen, die auch

in Brüssel getroffen wurden. Tue Gutes

und rede darüber – die Europäische

Kommission ist dringend gefordert,

ihre Politik wesentlich besser als

bislang zu verkaufen.

Die neuen Bundesländer haben in den

zurückliegenden 25 Jahren erheblich

von der Förderung aus Brüssel profitiert.

Viele Milliarden Euro sind in regionale

Entwicklungsprojekte und essenzielle

Infrastrukturmaßnahmen geflossen.

Lesen Sie dazu mehr in unserer

Titelgeschichte ab Seite 30. In der laufenden

Förderperiode stehen erneut

große Budgets für Ostdeutschland zur

Verfügung. Auch deshalb wäre es absolut

gerechtfertigt, der EU und dem

europäischen Gedanken zwischen

Wismar und Görlitz eine größere Wertschätzung

als bisher zu schenken.


W+M

WIRTSCHAFT

WACHSTUM

ZUKUNFT

EINLADUNG

zum Ostdeutschen Wirtschaftsforum

20.–21. Oktober 2016

A-ROSA FORUM, BAD SAAROW

www.WundM.info

www.owf2016.de


4 | W+M INHALT

W+M TITELTHEMA

Brüsseler Segen – wie der Osten

von EU-Geldern profitiert.................30

W+M AKTUELL

Köpfe......................................................................... 6

Nachrichten............................................................... 8

W+M SCHWERPUNKT SACHSEN

Report: Stolz auf „Made in Saxony“........................12

Cluster: Sachsens Stärke heißt Branchenvielfalt.....13

Im Doppelinterview: Die Ministerpräsidenten

Sachsens und Brandenburgs

Stanislaw Tillich und Dietmar Woidke......................16

EnviaM-Chef Tim Hartmann über

technische Innovationen für die Energiewende ....... 22

30

Titelthema Brüsseler Segen

Finanzspritzen für den Mittelstand

W+M LÄNDERREPORTS

Mecklenburg-Vorpommern:

Schwerin dockt an Hamburg an.............................. 24

Ostdeutschland: Flughäfen am Tropf

der öffentlichen Hand.............................................. 26

Sachsen-Anhalt: Warum Bitterfeld

zur AfD-Hochburg wurde...........................................28

W+M TITELTHEMA BRÜSSELER SEGEN

Report: Aufbauhelfer für Ostdeutschland............... 30

Interview mit dem Berliner EU-Parlamentarier

Joachim Zeller......................................................... 34

Aktuelle Förderprogramme:

Brüsseler Finanzspritzen für den Mittelstand............36

Grenzregionen wachsen zusammen....................... 38

Analyse: Wie der BREXIT

auf Ostdeutschland wirkt........................................ 40

16

Exklusives Doppelinterview

Stanislaw Tillich und Dietmar Woidke

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe: 5/2016

Redaktionsschluss: 12.08.2016

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-27

Fax: 030 479071-22

www.WundM.info

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, Tel.: 030 479071-11

FN@WundM.info

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-21, KH@WundM.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker, Tel.: 030 479071-21,

JP@WundM.info, Adrian M. Darr, Tel.: 030 479071-24,

AD@WundM.info

Autoren: Katrin Kleeberg, Harald Lachmann,

Rudolf Miethig, Tomas Morgenstern, Matthias Salm,

Thomas Schwandt

Abo- und Anzeigenverwaltung: Kornelia Brocke,

Tel.: 030 479071-27, KB@WundM.info

Marketing/Vertrieb: Kerstin Will, Tel.: 030 479071-24

KW@WundM.info

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und

Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

zweimonatlich. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin sowie die Mitglieder des Vereins Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler (VBIW)

erhalten diese Zeitschrift im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Einzelpreis: 5 €, Jahresabonnement (inkl. aller

Ausgaben von W+M Regional, W+M Exklusiv, W+M

Berlin.Friedrichstraße und dem Online-Magazin W+M

Kompakt) 60 € inkl. MwSt. und Versand (im Inland).

Layout & Design: Möller Medienagentur GmbH,

www.moeller-mediengruppe.de

Druck: Möller Druck und Verlag GmbH,

ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen

nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und

Fotos übernehmen wir keine Haftung.

Fotos: W+M (oben), Ralf Succo (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


W+M INHALT | 5

W+M POLITIK

Pro und Contra: Braucht Ostdeutschland

noch mehr Windräder?.............................................41

Ostdeutsches Wirtschaftsforum:

Bad Saarow lädt zum „Davos des Ostens“............ 42

W+M RATGEBER

Management: So gelingt

die Unternehmensnachfolge................................... 46

12

Länderschwerpunkt

Sachsens innovative Autobauer

Finanzen: Förderprogramme für

Erneuerbare Energien............................................. 48

Insolvenz: Die Krise als Chance nutzen.................. 50

Steuern: Kassenführung

im Visier der Finanzbehörden.................................. 52

Recht: Interessante Urteile für Unternehmer......... 53

Büro: Vollautomaten für höchsten Kaffeegenuss... 54

Literatur: Die ostdeutsche Bestsellerliste

für Wirtschaftsliteratur............................................ 56

Länderreport Ostdeutschland

Flughäfen am Tropf der öffentlichen Hand

26

W+M NETZWERK

Warnemünde:

Business am Rande der Hanse Sail........................ 57

Potsdam I: Sommernachtstraum am Tiefen See .....58

Potsdam II: Brandenburger WirtschaftsForum

zu Gast im Möbelhaus............................................ 59

VBIW: Aktuelles aus dem Verein............................ 60

Neues aus den Unternehmerverbänden................. 62

W+M PORTRÄTS

Nora Heer: Start-up-Dirigentin................................ 64

Ralf Hillenberg: Preußischer Lautsprecher............. 65

W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick und Personenregister............................... 66

Fotos: IAV (oben), Deutsche Post AG (Mitte)

54

Ratgeber Büro

Höchster Kaffeegenuss fürs Office

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial...................................................................... 3

Impressum................................................................ 4

Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt die Regionalausgabe

W+M Sachsen sowie das Programm des Ostdeutschen

Wirtschaftsforums OWF2016 bei. Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


6 | W+M AKTUELL

K

Ö

2

4

P

F

1

E 1 Tita von Hardenberg (48)

TV-Unternehmerin aus Berlin

Jüngst wurde die Berliner TV-Journalistin

und Inhaberin des Medienunternehmens

Kobalt als „Berliner Unternehmerin

2016/2017“ von der Berliner Senatsverwaltung

für Wirtschaft, Technologie und

Forschung ausgezeichnet. Bevor Tita von

Hardenberg ihr Unternehmen gründete,

war sie Redaktionsleiterin der TV-Sparte

des TIP-Stadtmagazins und verantwortete

und moderierte die ORB-Sendung „TIP

TV“. 1997 handelte sie mit ihrem Partner

Stefan Mathieu einen eigenen Vertrag mit

dem ORB aus, gründete Kobalt und produzierte

fortan in eigener Verantwortung.

Nach Höhen und Tiefen steht das Unternehmen

heute wirtschaftlich kerngesund

da, hat sich als Talentschmiede für große

Fernsehkarrieren erwiesen und expandiert

mit Kulturprogrammen und Dokumentationen

seit vielen Jahren. „Kobalt

vollzieht mit einem großen Team Festangestellter

die Transformation ins digitale

TV-Zeitalter und wird auch für weitere

Jahrzehnte die Berliner Medienszene

entscheidend mitprägen“, ist sich Tita

von Hardenberg sicher.

2

Juliane Nowakowski (34)

Hundeexpertin aus dem Havelland

Die examinierte Juristin hatte nach dem

Studium keine rechte Lust auf Gerichtssäle

mehr. So sattelte sie um und baute sich

3

eine Hundeschule auf – besser gesagt:

eine Hundehalterschule, wie es die zertifizierte

Hundeerzieherin und Hundeverhaltensberaterin

aus dem brandenburgischen

Deetz bei Groß Kreutz nennt. Denn

wenn ein Hund aus dem Ruder laufe, liege

es oft eher an Herrchen oder Frauchen,

lautet ihre Erfahrung. So bietet sie

auch Anti-Jagd-Kurse, Rückrufkurse und

Gruppenspaziergänge an. Einen Schwerpunkt

hat die junge Frau, die dem Unternehmerinnen-Netzwerk

Brandenburg

angehört, bei Hütehunderassen. Hierzu

hält sie selbst Schafe, mit denen Besitzer

etwa von Border Collie, Schafpudel

oder Strobel bei ihr testen können, ob diese

noch ihre überkommenen Hirtenhund-

Gene in sich tragen.

3 Kristian Kirpal (43)

Kammerpräsident aus Wermsdorf

Der Familienunternehmer, der seit 2007

gemeinsam mit Vater Kurt die Geschäfte

der KET Kirpal Energietechnik GmbH Anlagenbau

& Co. KG im nordsächsischen

Wermsdorf führt, hatte sich Ende Juni

bei der Vollversammlung der IHK Leipzig

in geheimer Wahl gegen eine Mitbewerberin

durchgesetzt. Er folgt Wolfgang

Topf, der dieses Amt seit dem Jahr

2000 innehatte. Zur IHK Leipzig gehören

67.000 Mitgliedsbetriebe aus der

Stadt und dem Landkreis Leipzig sowie

dem Landkreis Nordsachsen. Kirpals

Firma KET, die gut 40 Mitarbeiter beschäftigt,

wurde bereits mit einem bundesweiten

Innovationspreis der mittelständischen

Wirtschaft ausgezeichnet.

Einen Tätigkeitsschwerpunkt hat sie in

der objektbezogenen dreidimen sionalen

CAD-Planung individueller Aufträge.

Zu ihren Kunden gehören auch Großkonzerne

wie BMW, Porsche oder die

Deutsche Bahn.

4 Walter Riester (72)

Renten-Erfinder aus Berlin

Der frühere Bundesarbeitsminister ist

nun endgültig Ostdeutscher geworden.

Seit dem Frühjahr hat er seinen Lebensmittelpunkt

in Berlin-Wuhlheide. Als gelernter

Fliesenlegermeister verlegte er die

Wand- und Bodenplatten in seiner neuen

Wohnung übrigens selbst. Riester enga-

Fotos: KircherPhoto (1), Harald Lachmann (2, 4), IHK Leipzig (3)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


W+M AKTUELL | 7

IN MEMORIAM

Thomas Wagner (38)

5

giert sich nach wie vor aktiv für die Entwicklung

des Sozialstaats in Zeiten der

Globalisierung sowie die Entwicklung

sozialer Sicherungssysteme in Entwicklungs-

und Schwellenländern. Zugleich

mahnt er aber zu mehr Augenmaß in dieser

Frage. Wer versuche, unsere westlichen

Sozial- und Arbeitsstandards zu globalen

Leitlinien zu erheben und sie der

dritten Welt überzustülpen – um deren

Einhaltung dann als pauschalen Maßstab

für Exportwaren aus diesen Ländern zu

verlangen – könne damit nur scheitern,

sagt er. Hierfür sei die Welt kulturell zu

verschieden.

5 Dr. Alexandra Treutler (42)

Fertigbad-Expertin aus Ahrensfelde

Lange Zeit war der gebürtige Dessauer

der Shootingstar der deutschen Internetszene,

ein Überflieger der Branche. Sein

Betriebswirtschaftsstudium brach er nach

dem Vordiplom ab und bastelte lieber an

seiner ersten Internetseite, einer Tauschbörse

für Studenten. Ende 2002 ging sein

erstes Versicherungsportal online, 2004

ab-in-den-urlaub.de – mit monatlich drei

Millionen Besuchern bis heute Deutschlands

größtes Reiseportal. Zu seinen Werbeträgern

gehören Michael Ballack und

Rainer Calmund. Auch erfolgreiche Seiten

wie geld.de, auto.de oder travel24.

de brachte Wagner auf den Weg. Sein

Portal fluege.de kaufte später sogar den

ostdeutschen Ski-Hersteller „Germina“.

Zuletzt beschäftigte er in seinem Leipziger

Firmenimperium Unister über 2.000

Menschen, betrieb 60 Webseiten, hielt

die Rechte an hunderten weiteren. Dabei

blieb er stets bescheiden, lebte mit seiner

Partnerin in einer Leipziger Mietwohnung,

überwies sich selbst nur 50.000 Euro im

Jahr. Dennoch soll er illegale Versicherungsgeschäfte

getätigt und damit Steuern

in Millionenhöhe hinterzogen haben.

Nach kurzer Untersuchungshaft kam er

jedoch wieder frei, wartete nun auf eine

Verhandlung. Am 14. Juli ist Thomas

Wagner mit einer Privatmaschine über

den slowenischen Bergen abgestürzt.

Revitalisierung

Sie kennen uns als Neubauspezialisten!

Wussten Sie schon von unserer Revitalisierungskompetenz?

Fotos: Harald Lachmann (5), Unister (rechts)

Zart, zierlich, bewusst feminin – wer die

junge Chefin der brandenburgischen Niederlassung

von Schwörer Haus in Ahrensfelde

erlebt, mag sie sich nur schwer

in eine raue Bau- und Männerwelt hineindenken.

Dennoch führt sie sehr erfolgreich

die Außenstelle des schwäbischen

Familienunternehmens – in ihr werden

auf einem früheren Sportplatzgelände

Bäder für Hotels und Wohnheime komplett

vorgefertigt, so dass sie dann nur

noch per Kran in die Gebäude eingesetzt

werden – mit ebenso weiblich-sanfter

wie energisch-konsequenter Hand. Und

nebenher erlangte die studierte Betriebswirtin

über ein Programm, das auf berufstätige

Manager zugeschnitten ist,

auch noch ihren Doctor of Business Administration

an der niederländischen

TIAS School for Business and Society.

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8 | W+M AKTUELL

NACHRICHTEN

ERFOLGREICHE BILANZ

Potsdam. Am 30. Juni 1991 versandte die

Bürgschaftsbank Brandenburg ihre ersten

15 Bürgschaftsurkunden und ermöglichte

damit der ersten Brandenburger Gründergeneration

die Finanzierung ihrer Selbstständigkeit.

Seitdem wurden mehr als

8.000 Bürgschaften an Brandenburger Unternehmer

und Existenzgründer vergeben,

die etwa 31.000 neue Arbeitsplätze schufen

und halfen, mehr als 126.000 Arbeitsplätze

zu sichern. Die Bürgschaften dienten

der Finanzierung von Investitionen in Höhe

von über 4,2 Milliarden Euro, getätigt von

mittelständischen Unternehmen aller Branchen

und Größen. Ob Fanartikelversand,

Bäcker, Tischler, Chocolatier, Softwareoder

Bauunternehmer – Bürgschaften für

inzwischen insgesamt zwei Milliarden Euro

Kredite unterstützen seit 1991 den Brandenburger

Mittelstand. Anlässlich des Jubiläums

erklärt Ministerpräsident Dietmar

Woidke: „Die Bürgschaftsbank ist seit nunmehr

25 Jahren Partner und wichtige Stütze

des Brandenburger Mittelstands. Mit

Hilfe der Bürgschaften konnten viele der

heute angesehenen Brandenburger Unternehmen

investieren und erfolgversprechende

Ideen umsetzen.“

FIRMEN SUCHEN NACHFOLGER

Harry Glawe, Rolf Kammann, Dr. Stefan Fassbinder, Klaus Olbricht und Dr. Wolfgang Blank (v. l.)

beißen kraftvoll in Witeno-Äpfel.

FEST AUF DEM SONNENDECK

Greifswald. Der Einladung zum gemeinsamen

Sommerfest des Technologiezentrums

Vorpommern (TZV), des BioTechnikums

Greifswald und der Wirtschaftsfördergesellschaft

Vorpommern (WFG)

folgten mehr als 250 Unternehmer der

Region. Nach der Begrüßung durch TZVund

BioTechnikum-Geschäftsführer Dr.

Wolfgang Blank und Rolf Kammann, Geschäftsführer

der WFG, betonte Mecklenburg-Vorpommerns

Wirtschaftsminister

Harry Glawe, dass eine Zusammenarbeit

von Technologiezentren, regionalen Unternehmen,

Hochschulen und außeruniversitären

Forschungseinrichtungen nötig

sei, um Forschung, Entwicklung und

Innovation wirtschaftlich voranzubringen.

Auch der Präsident der IHK Magdeburg

Klaus Olbricht und Dr. Stefan Fassbinder,

Oberbürgermeister der Stadt Greifswald,

würdigten die Arbeit der Veranstalter für

den Wirtschaftsstandort Vorpommern.

Dr. Wolfgang Blank stellte außerdem die

neue Gesellschaft „Witeno“ nach Verschmelzung

der Technologiezentrum-Fördergesellschaft

mbH und des BioTechnikums

vor. Unternehmer, Investoren, Existenzgründer,

Geschäftsfreunde und Netzwerkpartner

nutzten – wie auch bereits

im Vorjahr – das Sommerfest, um sich in

entspannter Atmosphäre auszutauschen

und Netzwerke zu knüpfen.

Leipzig. Weil sich die Firmenchefs oft zu

wenig oder aber zu spät Gedanken um die

Nachfolge machen, wie man bei den IHK

kritisiert, scheitert gegenwärtig allein in

Sachsen bei 5.300 meist kleinen Unternehmen

die Stabübergabe: Es fehlt jemand,

der aus der zweiten Reihe nach vorn treten

könnte. Damit liegt der Freistaat bundesweit

an achter Stelle und in Ostdeutschland

sogar im negativen Sinne an der Spitze. In

Thüringen stehen 2.800 Übergaben an, in

Sachsen-Anhalt 2.700, in ganz Deutschland

sind es 135.300. Vor allem im ostdeutschen

Handwerk sieht es laut Prof. Dr. Alexander

Lahmann von der Handelshochschule Leipzig

(HHL) sehr trübe in dieser Frage aus.

Denn wie eine HHL-Studie ergab, seien

hier oft keine Unternehmerfamilien im traditionellen

Sinne vorhanden – es fehle also

die nächste Generation, die ganz selbstverständlich

ans Ruder dränge. Zudem hätten

die nun ausscheidenden Firmenchefs, die

ab 1990 die Betriebe aufbauten oder sie

in die Marktwirtschaft führten, „meist bis

zum Schluss gerackert“. Nun könnten sie

nicht mehr, haben aber „die Zeit, jemanden

einzuarbeiten, ungenutzt verstreichen

lassen“, beobachtet auch Hartmut Bunsen,

Vorsitzender des Unternehmerverbandes

Sachsen. Denn drei bis fünf Jahre brauche

es schon, um einen Nachfolger aufzubauen.

Und dann sei nicht einmal sicher,

dass der Neue auch zur Firma passe.

SUBSTANZVERZEHR STOPPEN

Berlin. Die LINKE hat angekündigt, im

Bundestag und in den Landtagen dafür zu

streiten, dass Investitionen in die öffentliche

Infrastruktur der Kommunen und Länder

massiv angehoben werden. Zwischen

1992 und 2013 hätten sich diese Investitionen

nahezu halbiert. Dadurch sei ein erheblicher

Substanzverzehr an der baulichen,

sozialen und Verkehrsinfrastruktur

zu beklagen. Nach Berechnungen der Linken

beläuft sich die Investitionslücke bundesweit

auf mehr als 46 Milliarden Euro.

Angesichts bröckelnder Schulen, Straßen

und Krankenhäuser sei es trotz Schuldenbremse

nötig und möglich, zu investieren.

Die Linken setzen dabei jedoch nicht auf

öffentlich-private Partnerschaften, sondern

auf rein öffentliche Partnerschaften. Udo

Wolf, LINKE-Fraktionschef in Berlin: „Wir

wollen, dass die Kredite von öffentlichen

Unternehmen aufgenommen werden. Die

niedrigen Zinsen sollten genutzt werden,

um endlich die öffentliche Infrastruktur zu

sanieren, erneuern oder auszubauen. Doppelter

Effekt: Mit so finanzierten Investitionsprogrammen

können Beschäftigungsund

Qualifizierungsmaßnahmen verbunden

und ein Beitrag zur Bekämpfung von

Arbeitslosigkeit sowie zur Integration von

Geflüchteten geleistet werden.“

Foto: G. Kulke

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


W+M AKTUELL | 9

INVESTOREN ALS JOBMOTOR

Dresden. Laut aktuellen Zahlen von Germany

Trade & Invest, der Standortmarketinggesellschaft

des Bundes, ist die mitteldeutsche

Dreiländerregion bei ausländischen

Unternehmern beliebter denn je. So

entstanden allein 2015 durch Direktinvestitionen

in Sachsen, Sachsen-Anhalt und

Thüringen fast 4.800 neue Jobs. Auch im

Dresdener Wirtschaftsministerium bestätigt

man eine gegenüber den Vorjahren

„stark angestiegene“ Zahl erfolgreicher

Projekte ausländischer Anleger. Wurden

So kann eine Wohnung bei Wunderflats aussehen.

2014 in ganz Sachsen noch zwölf Projekte

mit einem Gesamtvolumen von 93,8 Millionen

Euro auf den Weg gebracht, flossen

2015 bereits 355,8 Millionen Euro in insgesamt

23 Maßnahmen. Auch in Sachsen-Anhalt

verdoppelte sich diese Zahl von 18 auf

35 Projekte. In beiden Ländern wie auch in

Thüringen führten vor allem US-amerikanische

Investoren die Interessentenliste an,

gefolgt von Unternehmen aus Asien, Österreich

und der Schweiz. Als bevorzugte

Branchen kristallisierten sich hierbei die Bereiche

Maschinenbau, elektrische Ausrüstungen

und Automotive heraus.

BERLIN CAPITAL CLUB UNTERSTÜTZT START-UPS

CLEVERE LÖSUNG

Bautzen. Die BME Dr. Golbs & Partner

GmbH aus Bautzen hat einen innovativen

Langzeitspeicher entwickelt,

der für den individuellen Wohnbereich

eine autarke Versorgung mit Wärme

und Kühlung sichern sollte. Basis der

Versorgung ist die Nutzung von Solarenergiesystemen.

Die Freude war

groß, als bereits in den Vorversuchen

Ergebnisse erzielt wurden, die weit

über denen des Wettbewerbs lagen.

Wie aber findet man die richtigen Partner

und eine geeignete Finanzierung?

Die Lösung war so einfach wie bemerkenswert:

über die exzellenten

Netzwerke der Unternehmerverbände.

Durch die direkte Ansprache des

Präsidenten des Unternehmerverbandes

Schwerin Rolf Paukstat wurden

Partner in Mecklenburg-Vorpommern

gefunden, welche die Produktion

übernehmen und so die Entwicklung

vollenden werden. Unternehmer

Dr. Andreas Golbs ist zufrieden: “Wir

‚verkaufen‘ die Idee in der Frühphase

an private Investoren und behalten

trotzdem die Kontrolle. Wir nutzen eigene

Substanz in Kombination mit

Fördermitteln des Landes und Bundes.

Wir verwerten bereits in der Entwicklungsphase

international.“

Fotos: Wunderflats (oben), BME (unten)

Berlin. Die Hauptstadt ist für innovative

Firmengründungen eine der wichtigsten

Städte in Europa. Viele heute erfolgreiche

Geschäftsmodelle haben dort ihren

Ursprung, und der Berlin Capital Club

will auf diese jungen Unternehmen zugehen.

Das neue Veranstaltungsformat

„Start Ups im Berlin Capital Club“ initiiert

von den Advisory-Board-Mitgliedern

Prof. Dr. Peter Fissenewert, Klaus-Jürgen

Meier und Dr. Axel Stirl bietet Mitgliedern

und Gästen unmittelbar die Möglichkeit,

die handelnden Akteure und Gründer

kennenzulernen und sich in unterschiedlicher

Größenordnung zu beteiligen. Für

die Start-ups ist dies eine ideale Plattform,

sich zu präsentieren. Bei der jüngsten

Veranstaltung Ende Mai waren die

Unternehmen BJOOLI und Wunderflats

im Club zu Gast.

Bjooli.com ist der erste geprüfte Marktplatz

für Oldtimerteile und Zubehör. Ziel ist der

Aufbau des weltweit größten Marktplatzes

für Fahrer und Fans klassischer Automobile.

Dafür investiert BJOOLI derzeit in den

Aufbau der führenden Fahrzeug- und Teiledatenbank

für den Klassik-Markt.

Wunderflats.com vermietet möblierte Wohnungen

ab einem Monat Aufenthalts dauer.

Kunden wie Microsoft oder Rolls-Royce

nutzen Wunderflats bereits heute für Berufseinsteiger,

Manager und Freiberufler.

Im Rahmen der jetzigen Finanzierungsrunde

nimmt das Start-up eine Million Euro Kapital

auf, um im nächsten Jahr Marktführer in

den fünf größten Städten Deutschlands zu

werden. Der nächste Start-up-Abend findet

am 15. September 2016 mit der VR Business

Plattform Berlin/Brandenburg statt.


www.berlincapitalclub.de

Das Modell des innovativen Langzeitspeichers

für eine autarke Versorgung

mit Wärme und für die Kühlung eines

Wohnbereichs.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


10 | W+M AKTUELL

NACHRICHTEN

ifo Geschäftsklima Ostdeutschland im Juli 2016

TROTZ BREXIT-VOTUM BLEIBT INDUSTRIE OPTIMISTISCH

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft*

der ostdeutschen Bundesländer ist im Juli gesunken. Maßgeblich

waren die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage,

die auf hohem Niveau spürbar zurückgenommen wurden.

Die Geschäftserwartungen waren hingegen geringfügig optimistischer

als im Juni.

Das ifo Beschäftigungsbarometer für die gewerbliche Wirtschaft

Ostdeutschlands ist im Juli ebenfalls gesunken. Besonders deutlich

trübten sich die Beschäftigungserwartungen im ostdeutschen

Einzelhandel ein. Auch die Bauunternehmen rechnen in

den kommenden drei Monaten saisonbereinigt mit weniger Beschäftigung.

Dagegen wollen die ostdeutschen Industrieunternehmen

und Großhändler ihre Beschäftigung per Saldo ausweiten.

Das Brexit-Votum scheint der ostdeutschen Industrie die Stimmung

vorerst nicht zu vermiesen. Zwar gehen die hiesigen Befragungsteilnehmer

für die kommenden Monate von weniger Impulsen

aus dem Auslandsgeschäft aus, jedoch korrigierten sie ihre

Geschäftserwartungen insgesamt ein wenig nach oben. Auch die

aktuelle Geschäftslage wurde etwas besser eingeschätzt als im

Juni. Dagegen berichteten die ostdeutschen Bauunternehmer sowie

die Groß- und Einzelhändler im Juli von deutlich weniger guten

Geschäften als im Vormonat.

Michael Weber und Prof. Joachim Ragnitz

ifo Geschäftsklima

VORMONAT 10,6 JULI 8,9

ifo Beschäftigungsbarometer

VORMONAT - 0,6 JULI - 2,1

Verarbeitendes Gewerbe

VORMONAT 12,6 JULI 14,1

Bauhauptgewerbe

VORMONAT 4,8 JULI 1,7

Groß- und Einzelhandel

VORMONAT 10,4 JULI 3,4

* Unter gewerblicher Wirtschaft wird die Aggregation aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel verstanden.

ZUKUNFTSFÄHIGE WÄRMEVERSORGUNG

Eberswalde. In den letzten zwölf Monaten

untersuchte der regionale Energiedienstleister

EWE Möglichkeiten für eine

zukunftsfähige Wärmeversorgung in der

Eberswalder Innenstadt. Ende Juni stellte

das Unternehmen den Abschlussbericht

vor. „Unser Vorhaben hat Erkenntnisse

Freuen sich über den erkenntnisreichen Projektabschluss: Dr. Ulrich Müller, Gerd Hampel,

Dr. Lutz Giese, Dr. Oliver Ruch, Severine Wolff, Daniel Acksel und Prof. Dr. Jörn Mallok (v. l.).

für ein ganzheitliches Wärmekonzept

und insgesamt eine energetische Optimierung

in vier unterschiedlichen Stadtquartieren

geliefert“, so Dr. Ulrich Müller,

Leiter der EWE-Geschäftsregion Brandenburg/Rügen.

Im Kern habe die Untersuchung

ergeben, dass es am sinnvollsten

sei, Bestehendes Schritt für Schritt

zu verbessern und nah an den Bedürfnissen

der Menschen in ihrem Umfeld

zu entwickeln. Betrachtet werden sollte

der Sanierungs- und Investitionsbedarf

genauso wie die Struktur- und Bevölkerungsentwicklung

sowie die Entwicklung

der Technologien. Ein gemeinsamer Arbeitsplan

führe zum nachhaltigen Erfolg.

Projektpartner waren die Stadt Eberswalde,

das Büro für Kommunalberatung

und Projektsteuerung, die Hochschule

für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde,

die Technische Hochschule Wildau

sowie die Brandenburgische Technische

Universität Cottbus-Senftenberg. Eingebunden

ist das Vorhaben in das Forschungsprojekt

„Wärme neu gedacht!“

des Deutschen GeoForschungsZentrums

GFZ, gefördert vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung im Programm

Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation.

Foto: EWE/Auras

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


ADVERTORIAL | 11

Foto: Porta

„Porta – Möbel und mehr“ heißt es

deutschlandweit seit mehr als 50 Jahren.

1965 im ostwestfälischen Porta Westfalica

gegründet, gehört das familiengeführte

Einrichtungsunternehmen heute zu

den Top Sieben der Branche. Ob das neue

Sofa, der geräumige Kleiderschrank oder

die individuelle Traumküche, bei Porta wird

jeder fündig, der sich neu einrichten will.

Große Glasfronten sind stilprägend für alle Porta-Einrichtungshäuser

und kommen 2017 auch beim Berliner Neubau zum Einsatz.

Das Erlebniseinrichtungshaus

Porta Möbel: Für jeden Stil die passende

Einrichtung / 2017 Neueröffnung in Berlin-Mahlsdorf

Von der Grundausstattung bis hin zur individuellen

Dekoration gibt es in allen 22 Einrichtungshäusern

tolle Möbel und trendige

Wohnaccessoires. In unterschiedlichen Abteilungen

zeigt Porta von elegant bis extravagant

verschiedene Einrichtungsstile und

themenbezogene Wohnwelten. So finden

junge, zeitgeistorientierte Möbelliebhaber

bei Quartier stylische Wohntrends und innovative

Einrichtungsideen sofort zum Mitnehmen.

Im House of Design warten außerdem

exklusive Markenmöbel bekannter

Hersteller. Als Erlebniseinrichtungshaus

stehen bei Porta neben Möbeln vor allem

die Punkte Service und Familienfreundlichkeit

im Fokus. Die fachmännische Lieferung

und Montage gehört ebenso zum Service-Einmaleins

wie die vom Profi geplante

Küche. Im hauseigenen Toscana-Restaurant

serviert das Porta-Team außerdem

frisch zubereitete Gerichte für jeden Geschmack.

Und auch die kleinen Besucher

kommen nicht zu kurz, wartet im Portalino-Kinderclub

doch ein großer Abenteuerspielplatz,

der entdeckt werden will.

Zukünftig lädt Porta auch in Berlin zum Möbelshopping

ein. Im Frühjahr 2017 soll in

Mahlsdorf an der B1/B5 das 23. Einrichtungshaus

– erstmals mit separater Küchenwelt

– eröffnen. Auf mehr als 39.000

Quadratmetern Fläche gibt es dann von

A bis Z alles, was es braucht, um das eigene

Zuhause individuell zu gestalten. Um

die aufkommende logistische Kapazität zu

bewerkstelligen, wird in Trebbin außerdem

ein neues Zentrallager gebaut. An beiden

Standorten sucht das Familienunternehmen

daher aktuell mehr als 400 neue

Fach- und Führungskräfte sowie Quereinsteiger

in allen Bereichen. Mit der Neueröffnung

in Berlin macht Porta den nächsten

Schritt und will mithilfe zahlreicher

neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

die eigene Erfolgsgeschichte fortsetzen.

WOHNIDEEN

FÜR DIE GANZE

FAMILIE

14480 Potsdam · Porta Möbel Handels GmbH & Co. KG Potsdam · Zum Kirchsteigfeld 4 · direkt neben dem Stern-Center · Tel.: 0331/20085-0 · www.porta.de


TLÄNDERSCHWERPUNK

12 | W+M SCHWERPUNKT

Stolz auf

„Made in Saxony“

SACHSEN

Blick in die moderne

Produktion der Heckert GmbH.

Sachsen nimmt heute einen Spitzenplatz in der ostdeutschen

Wirtschaft ein. Das Bruttoinlandsprodukt verzeichnete im

vergangenen Jahrzehnt einen Anstieg um 14 Prozent. Besonders

stolz ist man im selbsternannten Land der Tüftler und Ingenieure auf

den eigenen Fachkräftenachwuchs. Von Karsten Hintzmann

Sachsens Wirtschaftsminister Martin

Dulig (SPD) wirkt alles andere als

unzufrieden, wenn er über den Wirtschaftsstandort

Sachsen spricht: „Auf

der Habenseite stehen die gewachsene

Industriestruktur und die Industrietradition.

Sachsen ist ein Industrieland. Wir sind

Automobilland und Maschinen- und Anlagenbauland.

Wir sind Mikroelektronikland.

Es gibt ‚Made in Saxony‘ und viele ebenfalls

erfolgreiche Branchen und zukunftsweisende

Cluster. Wir haben eine Struktur,

um die uns andere Länder beneiden.“

Weitere Wachstumskerne haben sich –

neben den von Dulig namentlich erwähnten

Branchen – speziell in den Bereichen

Umwelt- und Energietechnik, Life Sciences,

Logistik, Luft- und Raumfahrt sowie

Bahntechnik herausgebildet.

Mit fünf Fahrzeug- beziehungsweise

Motorenwerken

von BMW, Porsche

und Volkswagen sowie

rund 750 Zulieferern,

Ausrüstern und

Dienstleistern der

Branche gehört das

„Autoland Sachsen“

zu den deutschen Spitzenstandorten.

Die Automobilindustrie

mit ihren

rund 80.000 Beschäftigten ist Sachsens

umsatzstärkste Branche. Sie trägt fast

ein Viertel zum Industrieumsatz und über

ein Drittel zum Auslandsumsatz bei. Allerdings

blicken die sächsischen Mittelständler

derzeit besorgt nach Wolfsburg,

denn der dort ausgelöste Abgasskandal

könnte auch bis auf die sächsischen Zulieferer

durchschlagen.

Mit über 2.800 Unternehmen, mehr als

38.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz

von über 6,6 Milliarden Euro gehört

„Silicon Saxony“ zu den vier großen

Mikroelektronik-Standorten in Europa.

Sachsen gilt als die Wiege des deutschen

Maschinenbaus, lange Jahre angetrieben

von den Erfordernissen des heimischen

Bergbaus. Seit rund 200 Jahren

kommen weltweit gefragte

Maschinenbau-Erzeugnisse

wie Textil-, Werkzeug-

und Druckmaschinen

aus Sachsen.

Die Branche mit rund

45.000 Mitarbeitern

in nahezu 1.000 Firmen

trägt rund zwölf

Sachsens Wirtschaftsminister

Martin Dulig.

Prozent zum Industrieumsatz und 15 Prozent

zum Auslandsumsatz Sachsens bei.

Mit etwa 11.900 Beschäftigten in über 680

Unternehmen ist die Umwelt- und Energietechnik

in Sachsen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Sie erzielt einen Umsatz von

rund 2,7 Milliarden Euro. Auf Basis der Tradition

Sachsens als Bergbauregion verfügen

die hiesigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen

bei der Sanierung

von Bergbaufolgeschäden, in der Altlastenbeseitigung

oder bei der Erneuerung

von Abwassersystemen über herausragendes

Expertenwissen.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Sachsen

wird maßgeblich vom hervorragenden

Fachkräftereservoir getragen. 95 Prozent

der Sachsen verfügen über die Hochschulreife

oder eine abgeschlossene Berufsausbildung

(EU-Durchschnitt: 77 Prozent). Die

Hochschuldichte liegt mit sechs Universitäten,

14 Fachhochschulen und sieben

Berufsakademien deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Dazu kommen 18 Einrichtungen

der Fraunhofer-Gesellschaft, sechs

Max-Planck-Institute, sechs Leibnitz-Institute,

drei Helmholtz-Einrichtungen und 22

Industrieforschungszentren.

Die Infrastruktur ist hervorragend ausgebaut:

Europas modernstes Luftfrachtdrehkreuz

befindet sich in Leipzig. Da sich in

Sachsen etliche wichtige Europastraßen

und Autobahnen kreuzen, gilt das Land

als Logistikdrehkreuz zwischen Ost- und

Westeuropa. Über die Elbe wird grenzübergreifender

Handel von der Tschechischen

Republik bis zum Hafen Hamburg

abgewickelt.

W+M

Fotos: Heckert GmbH (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


SACHSEN | 13

Reinstraum bei Infineon in Dresden – eines der Flaggschiffe

des erfolgreichen Mikroelektronik-Clusters Silicon Saxony.

Foto: Infineon

Sachsens Stärke heißt

Branchenvielfalt

Nicht nur traditionelle Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau

oder die Automobilindustrie sind wieder stark vertreten. Auch auf

den Gebieten Mikroelektronik/Informations- und Kommunikationstechnik

(IKT) und Umwelttechnologie zeigt Sachsens Wirtschaft

Innovationskraft. Sechs leistungsstarke Cluster etablierten sich

inzwischen im Freistaat. Von Katrin Kleeberg und Harald Lachmann

Von der Forschung zur Marktreife:

Was andernorts als ein steiniger

Weg gilt, gerät in Sachsen leicht

zur Rennstrecke. Denn ein besonderes

Plus des Freistaates liegt in dessen überdurchschnittlicher

Innovationskraft. Dies

unterstrich schon wiederholt auch der

„Regional Innovation Scoreboard“ der EU

– der wichtigste Gradmesser der Union in

der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik.

Demnach gilt Sachsen als

einer der europäischen Innovationsführer.

Das Land punktet mit dem Bildungsstand

der Arbeitskräfte, der Höhe der

Investitionen in Forschung und Entwicklung,

der Anzahl an Patenten, dem Vernetzungsgrad

von Forschung und Wirtschaft

sowie der Anzahl der Beschäftigten

in Forschung und Entwicklung.

Zugleich verfügen fast 90 Prozent der

Erwerbstätigen über einen beruflichen

Bildungsabschluss – ein Spitzenwert in

Deutschland. All das sind Voraussetzungen

für leistungsfähige Cluster und Branchenverbünde,

die die sächsische Wirtschaft

heute maßgeblich prägen.

Mikroelektronik:

Europas größter Chipcluster

Von Dresden aus, wo die 290 Unternehmen

und Forschungseinrichtungen

des Verbundes Silicon Saxony e. V. ihren

Sitz haben, agiert heute nicht nur Europas

größter Cluster der Halbleiterbranche.

Auch weltweit rangiert die Region

auf Platz fünf. Allein in und um Dresden

arbeiten 40.000 Menschen in der Mikroelektronik.

Die hiesige Produktion

von integrierten Schaltkreisen trägt fast

fünf Prozent zum weltweiten Chipmarkt

bei. Neben Großproduzenten mit hohen

Stückzahlen haben sich viele mittelständische

Unternehmen in der Mikroelektronik

und Informationstechnik angesiedelt.

Auf sie entfällt bereits über die Hälfte der

Arbeitsplätze in diesem Metier.

Sachsenweit tummeln sich sogar über

2.200 Unternehmen mit gut 58.000 Mitarbeitern

in allen Fertigungsstufen der IKT-

Wertschöpfungskette: Sie entwickeln, fertigen

und vermarkten integrierte Schaltkreise,

produzieren Material und Equipment,

entwickeln Software oder sind auf

Systeme spezialisiert, die auf integrierten

Schaltungen fußen. Gemeinsam setzen

sie jährlich gut acht Milliarden Euro um.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


14 | W+M SCHWERPUNKT

passive Bauelemente oder Sensoren.

Und die Herstellung derartiger Chips ist

auch auf den bisherigen Anlagen möglich.

Eine zentrale Rolle spielen hierbei

auch Faktoren wie Kundenorientierung

und Kundennähe – eine Stärke gerade der

sächsischen Firmen.

Die AWEBA Werkzeugbau GmbH in Aue gehört zu den größten und modernsten

Werkzeugbaubetrieben in Europa.

Dennoch bestimmen aber natürlich die

Großen der Branche die Schlagzeilen.

Neben Infineon, das in der Elbmetropole

einen seiner weltweit leistungsfähigsten

Fertigungsstandorte betreibt, gehört

hierzu auch der US-amerikanische Halbleiterhersteller

GLOBALFOUNDRIES. Er

beschäftigt rund 3.600 hochqualifizierte

Spezialisten. Die Fab 1 (Fabrikationsstätte)

zählt zu den produktivsten und modernsten

Waferfabriken weltweit. Mit einer

Reinraumfläche von 52.000 Quadratmetern

ist sie das größte und modernste

Halbleiterwerk in Europa. Bislang investierte

GLOBALFOUNDRIES gut neun Milliarden

Dollar in Dresden.

Solche Gigantomanie hat stets ihre Kehrseite,

gerade in der Mikroelektronik. So

wurde die Branche in den letzten Jahren

weltweit von einer permanenten Miniaturisierung

und Leistungssteigerung getrieben,

was zu einem sehr hohen Innovationstempo

gerade bei den Prozesstechnologien

führte – und auch immense Investitionen

nach sich zog. Vor allem stark

staatlich subventionierte Player in Asien

trieben diesen Wettlauf voran – zu Lasten

auch sächsischer Produktionskapazitäten,

die preislich hier teils nicht mithalten

konnten.

Doch inzwischen wirkt auch ein Gegentrend,

der der ostdeutschen Mikroelektronik

wieder in die Hände spielt: Immer

stärker nachgefragt werden kundenorientierte

Lösungen für spezifische Anwenderbranchen.

Hierzu gehört gerade die

Automobilindustrie, wo weniger Miniaturisierung

und Leistungssteigerung von

Mikrochips im Mittelpunkt stehen als ergänzende

Funktionalitäten, etwa durch

Motorenprüfstand im VW-Motorenwerk

Chemnitz.

Als ein Beispiel hierfür kann die X-FAB in

Dresden gelten, eine Foundry, die analog-digitale

integrierte Schaltkreise fertigt.

Zudem werden Kunden und Partner

bei der Entwicklung innovativer Mikroelektronik

unterstützt. Gemeinsam mit

weiteren Firmen und der Technischen

Universität Dresden arbeitete X-FAB

etwa an intelligenten Steuerungen für

energieeffiziente E-Motoren und LED.

Maschinenbau:

Alte Stärke erfolgreich wiederbelebt

Der Maschinen- und Anlagenbau in Sachsen

ist seit seinen Anfangsjahren einer

der Innovationstreiber im Freistaat –

auch wenn das 1703, als Johann Esche

im sächsischen Limbach die erste deutsche

Fabrik für Spezialmaschinen der

Strumpf- und Wäscheindustrie gründete,

wohl noch ganz anders hieß. Fakt aber

ist: Der erste maschinelle Tuchwebstuhl

der Welt, die erste Farbdruckschnellpresse

Deutschlands und die Nähwirktechnik

haben ihren Ursprung in Sachsen.

Es folgten im 20. Jahrhundert komplexe

Bearbeitungszentren, hoch effektive

Maschinen und Anlagen für nahezu alle

Bereiche der Wirtschaft. Innovative Lösungen

anbieten zu können – darin liegt

das Erfolgsrezept des sächsischen Maschinen-

und Anlagenbaus.

Um diesen Wettbewerbsvorteil zu halten

und weiter auszubauen, wurde bereits

Ende 2003 die Verbundinitiative Maschinenbau

Sachsen VEMAS ins Leben gerufen.

Mit dem Ziel, „die Leistungs- und

Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen

des sächsischen Maschinen- und Anlagenbaus

nachhaltig zu stabilisieren und

konsequent weiter zu stärken“, gegründet

und basisfinanziert vom Sächsischen

Wirtschaftsministerium, hat sich diese

Verbundinitiative immer weiter entwickelt.

Seit Januar 2014 wird sie als Innovationsverbund

Maschinenbau Sachsen

unter der Projektträgerschaft des Fraun-

Fotos: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


SACHSEN | 15

Der erste in Leipzig montierte BMW.

Seit März 2005 wird in dem sächsischen

Werk in Serie produziert.

hofer IWU als „VEMASinnovativ“ weitergeführt.

Im Mittelpunkt stehen jetzt „die

Unterstützung des Technologietransfers

und die Organisation von Netzwerkkooperationen

für Produkt- und Prozessinnovationen

und zur Markterschließung

über Branchengrenzen hinweg sowie die

Erschließung von Synergien und Systemkompetenzen“.

Das Kernziel – die Stärkung

der Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen

Maschinenbauer – ist geblieben.

Auch wenn die Zentralen der Konzerne

oder Firmengruppen, zu denen die sächsischen

Maschinenbauer heute zu einem

Großteil gehören, ihren Stammsitz nicht

in Sachsen haben – das Know-how der

Maschinenbauer ist hier geblieben, wie

auch so manch großer Name: Heckert,

Barmag, NEMA, Niles und VEM. Sie alle

sind heute wie vor Jahrzehnten weltweit

geschätzte Marken.

Heute gehört das Autoland Sachsen

mit derzeit vier Werken von Volkswagen,

BMW und Porsche wieder zu den

deutschen Spitzenstandorten. Fast jeder

zehnte in Deutschland gebaute Pkw

kommt von hier. Volkswagen beschäftigt

in Sachsen an gleich drei Standorten rund

10.000 Mitarbeiter. In Zwickau entstehen

Golf und Passat. Drei von vier Porsche-

Autos sind inzwischen made in Saxony.

Kürzlich rollte die erste viertürige Sportlimousine

der zweiten Generation des

Panamera in Leipzig vom Band. Sie wird

nunmehr komplett in Sachsen gebaut.

Auch rund 750 Zulieferer, Ausrüster und

Dienstleister mit über 81.000 Beschäftigten

tragen täglich zu dieser Entwicklung

bei. Die Automobilbranche

steuert damit mehr als ein

Viertel zum Gesamtumsatz und

mehr als ein Drittel zum Auslandsumsatz

der sächsischen Industrie

bei. Zudem steht Sachsen

auch bei der zweiten automobilen

Revolution auf der „Pole Position“.

Ob moderne Hybrid- und

Elektromobilitätslösungen, autonomes

Fahren, Leichtbau, ressourceneffiziente

Produktionstechnologien

oder neue Verkehrskonzepte – überall

arbeiten Industrie und Forschung hierfür

Hand in Hand und treiben Lösungen

für eine nachhaltige Mobilität voran. An

der Westsächsischen Hochschule Zwickau

arbeitet zudem ein in der deutschen

Hochschullandschaft einzigartiges Zentrum

für Kfz-Elektronik.

Nicht zufällig startete BMW 2013 die Serienproduktion

für die beiden ersten Elektromodelle

im Leipziger Werk: den stadttauglichen

BMW i3 und den Sportwagen

BMW i8. Auch deshalb gehört Sachsen

heute zu den vier bundesweiten Schaufenster-Regionen

in Sachen Elektromobilität.

W+M

Fotos: Harald Lachmann

Automobilindustrie:

Zweite automobile Revolution

Für Harald Krüger, Vorstandschef der

BMW AG, ist Leipzig ein „wichtiger

Standort in unserem globalen Produktionsnetzwerk“.

Für die Stadt und die Region

Leipzig sprächen „eine optimale Infrastruktur

sowie sehr gut ausgebildete

und hoch motivierte Mitarbeiter“. Diese

führen denn das Erbe der sächsischen Ingenieure

fort, die einst die Linkslenkung

und den Frontantrieb in Serie auf das internationale

Parkett gebracht hatten.

Blick in die Montagehalle des Leipziger Porschewerkes, wo Panamera und Cayenne montiert werden.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


16 | W+M SCHWERPUNKT

Zwei Landesväter, viele Parallelen:

Sie sind pragmatisch, wirtschaftsfreundlich, stammen

aus der Lausitz und lieben Schokolade

W+M-Interview mit den Ministerpräsidenten

Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU)

Stanislaw Tillich und Dr. Dietmar Woidke

haben so einiges gemeinsam – sie sind

in ihren Ländern jeweils der dritte Ministerpräsident

seit der deutschen Wiedervereinigung.

Dietmar Woidke regiert in

Brandenburg, Stanislaw Tillich in Sachsen.

Beide sind sie gebürtige Lausitzer

– Tillich stammt aus dem Oberlausitzer

Ort Neudörfel, Woidke aus Naundorf

in der Niederlausitz. Obwohl sie unterschiedlichen

Parteien angehören, Woidke

führt die Brandenburger SPD, Tillich

ist Landeschef der sächsischen CDU,

verbindet sie seit Jahren eine Männerfreundschaft.

Dennoch kommt es selten

vor, dass sie sich gemeinsam zum

Interview stellen. Für das Magazin

WIRTSCHAFT+MARKT machten sie

eine Ausnahme. Am Rande einer Bundesratssitzung

in Berlin diskutierten Stanislaw

Tillich und Dietmar Woidke über

den Stand der brandenburgisch-sächsischen

Beziehungen, die Zukunft der

Braunkohle und ihre Erwartungen an den

Mittelstand.

W+M: Seit wann kennen Sie sich eigentlich?

Dietmar Woidke: Wir beide kennen uns

schon eine ganze Weile. Es muss 2004

gewesen sein, da waren wir zur gleichen

Zeit Umweltminister unserer

Länder.

W+M: Sie machen keinen Hehl daraus,

dass Sie sich über Parteigrenzen hinweg

schätzen. Worauf basiert diese Wertschätzung?

Dietmar Woidke: Was man nach der

Geburt nicht mehr korrigieren kann: Wir

sind beide Lausitzer. Wir sind beide unkomplizierte

Typen. Wir haben ähnliche

Erfahrungen gesammelt, zu DDR-Zeiten

und vor allem in den 1990er Jahren. In

einem Punkt stimmen wir völlig überein:

Die Grundlage der weiteren Entwicklung

der Länder ist eine aktive Industriepolitik.

Da haben wir beide wenig Hang zur

Esoterik. Wir wissen, wie sich Deindustrialisierung

anfühlt.

Stanislaw Tillich:

Stimmt. Wir waren

damals sogar auch

Landwirtschaftsminister.

Stanislaw Tillich: Das ist ein typischer

Woidke gewesen, das mit der Esoterik.

Ich sage es so: Wir machen kein Gewese

drumherum. Sondern sind schnurgerade

heraus. Wenn wir beide uns einig sind,

wissen wir, dass wir gemeinsam bessere

Chancen haben. Gemeinsam ist uns auch

die Liebe zur eigenen Scholle. Um es auf

den Punkt zu bringen: Pragmatisch, wirtschaftsfreundlich,

dem Land zuerst verpflichtet

und danach der Partei – und wir

beide lieben Schokolade.

W+M: Klappt die bilaterale Zusammenarbeit

zwischen Sachsen und

Brandenburg auch so reibungslos,

wie der direkte Kontakt zwischen

den Ministerpräsidenten? Wo sehen

Sie die größten Reserven?

Verstehen sich bestens:

Stanislaw Tillich (l.) und

Dietmar Woidke.

Foto: Ralf Succo

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


SACHSEN | 17

Fotos: Ralf Succo

Gruppenbild im Bundesrat: W+M-Herausgeber Frank Nehring, die

Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und Dietmar Woidke sowie

W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann (v. l.).

Stanislaw Tillich: Reserven gibt es immer.

Wir müssen unseren Unternehmen

nicht sagen, was sie tun sollten, das wissen

sie selbst. Aber wir müssen die Voraussetzungen

für wirtschaftliches Engagement

schaffen. So versuchen wir

etwa Druck zu machen, gerade bei den

Infrastrukturprojekten, die an der sächsisch-brandenburgischen

Landesgrenze

liegen – im Raum zwischen Torgau und

Herzberg oder auch in Schwarzheide und

Schwarze Pumpe. Wir haben in Sachsen

eine etwas üppigere Ausstattung

bei den Hochschulen. Da gibt es sicher

noch Potenziale, die wir für die Kooperation

nutzen können. Und wir haben das

System der Berufsakademien, das wichtig

für die Fachkräfteversorgung ist. Der

BASF in Schwarzheide fällt es zum Beispiel

zunehmend schwer, Fachkräfte für

den Standort zu bekommen. Das ist ein

Punkt, um den wir uns gemeinsam kümmern

müssen. Eine Frage steht dabei im

Mittelpunkt: Wie schaffen wir es, diese

Grenzregion so attraktiv zu machen, dass

dort Fachkräfte hingehen?

W+M: Wenn es um die wirtschaftliche

Entwicklung und um Ansiedlungen von

Investoren geht, sind Sie vermutlich Konkurrenten.

Kam es schon vor, dass Sie

sich potenzielle Investoren abgeworben

haben?

Dietmar Woidke: An so etwas kann

ich mich nicht erinnern. Entscheidend

ist für die Menschen in den branden-

burgisch-sächsi-

schen Grenzregionen,

dass vor allem

die Investitionen

in der Region

erfolgen.

Stanislaw Tillich:

Einer meiner Vorgänger

hat mal gesagt:

„Windräder

sind Gelddruckmaschinen.“

Daraufhin

hat sich der

Investor entschieden,

in Lauchhammer

zu bauen und

nicht in Sachsen.

Insofern hatte damals eine politische Äußerung

dazu beigetragen, dass Brandenburg

eine zusätzliche Investition bekam.

W+M: Ein nach wie vor wichtiger Wirtschaftszweig

ist der Braunkohleabbau

und die nachfolgende Braunkohleverstromung.

Wie lange hat Braunkohle in ihren

Ländern noch eine Zukunft?

Stanislaw Tillich: Ich bin davon überzeugt,

dass wir mit der Braunkohle noch

bis weit in die 2040er Jahre arbeiten werden.

Weil wir sie als Brückentechnologie

und zur stabilen Energieversorgung

brauchen. Gerade auch, wenn ab 2022

keine Kernenergie mehr in Deutschland

produziert wird.

Dietmar Woidke: Das betrifft die deutsche

Industrie und Deutschland insgesamt.

Es ist wichtig, die Energiedebatte

ehrlich zu führen. Und das heißt, dass

wir auf konventionelle Energieträger, also

die Kohle, erst dann verzichten können,

wenn wir die heute noch unzuverlässigen

Erneuerbaren Energien zu zuverlässigen

Energieträgern gemacht haben. Da

stecken wir aktuell noch in den Kinderschuhen.

W+M: Brandenburg plant als Reaktion

auf den Bevölkerungsrückgang in den

ländlichen und Randregionen eine Verwaltungsreform,

die aktuell nicht unumstritten

ist. Wie ist Sachsen auf den demografischen

Wandel vorbereitet, stehen

Sie auch vor einer Straffung der Verwaltung,

Herr Tillich?

Stanislaw Tillich: Wir haben unsere Verwaltung

bereits in den letzten Jahren gestrafft.

Noch vor rund zehn Jahren hatten

wir 22 Landkreise und sieben kreisfreie

Städte, heute sind es zehn Landkreise

und drei. Die Reduzierung war 2008

mit einer Verwaltungs- und Funktionalreform

verbunden. Solche Vorhaben stoßen

nicht immer auf Gegenliebe. Oft sind es

Befindlichkeiten, die zur Gegenwehr führen.

Meine Meinung zu solch einem politischen

Vorhaben: Wenn du einmal gestartet

bist, musst du durch und es immer wieder

im Dialog erklären. Und am Ende des

Tages zahlt es sich auch für die Bürger aus.

W+M: Sowohl in Sachsen als auch in

Brandenburg gab es in den zurückliegenden

Monaten fremdenfeindliche Aktionen,

über die auch in den internationalen

Medien berichtet wurde. Befürchten Sie,

dass dies negative Auswirkungen auf die

Attraktivität der Standorte Sachsen und

Brandenburg haben wird?

ZUR PERSON

Stanislaw Tillich wurde am 10. April 1959

in Neudörfel bei Kamenz geboren. An

der Technischen Universität Dresden

studierte er Konstruktion und Getriebetechnik.

Bereits zu DDR-Zeiten trat er

der CDU bei. Seine politische Karriere im

geeinten Deutschland startete Tillich in

Brüssel – bis 1994 arbeitete er als Beobachter

im Europaparlament, danach bis

1999 als Abgeordneter. Ab 1999 bekleidete

er in Sachsen verschiedene Ministerposten.

Seit 2008 ist Stanislaw Tillich

sächsischer Ministerpräsident. Er ist verheiratet

und Vater zweier Kinder.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


18 | W+M SCHWERPUNKT SACHSEN

Stanislaw Tillich: Dass es diese Ereignisse

gegeben hat, ist das eine. Und dass

es durch die Berichterstattung dazu führt,

dass sich das eine oder andere Unternehmen

überlegt, welche Konsequenzen das

für eine zukünftige Investition hat, gehört

leider dazu. Meine Antwort ist deutlich:

Wenn das ein entscheidender Faktor wäre,

eine Investition nicht zu tätigen, dann hätte

man den Rechtsextremisten Genüge getan.

Denn dann hätten sie es geschafft zu

verhindern, was uns Demokraten am Herzen

liegt: Dass Menschen und Investoren

zu uns kommen – aus aller Welt. Wir tun

alles dafür, dass sich die Rechtsextremen

nicht durchsetzen können.

Dietmar Woidke: Es schadet Deutschland

immens, wenn Leute mit einem Galgen

in der Hand durch Dresden marschieren.

Und es schadet Ostdeutschland im

Besonderen. Wir haben im letzten Jahr

das „Bündnis für Brandenburg“ gegründet.

Um einer immer stärker international

agierenden Wirtschaft Flagge zu zeigen

und zu sagen: Ihr Rechtspopulisten

seid nicht die Mitte der Gesellschaft! Dieser

Platz ist besetzt. Jede ausländische

Fachkraft, die wir aufgrund solcher Bilder

nicht mehr nach Deutschland bekommen,

ist ein Verlust für unser Land. Daher

bekämpfen wir Rechtsextremismus

in Brandenburg seit Ende der 90er Jahre

besonders intensiv und erfolgreich – sowohl

mit der Zivilgesellschaft als auch mit

den Mitteln des Rechtsstaates.

W+M: Das wirtschaftliche Rückgrat in

Brandenburg und Sachsen bildet der Mittelstand.

Was erwarten Sie eigentlich von

einem mittelständischen Unternehmer?

Stanislaw Tillich: Ich wünsche mir von

denjenigen, die mittlerweile das Potenzial

haben, größer zu werden und zu wachsen,

dass sie auch die Courage dazu haben.

Sie können es, sie müssen nur den

Mut zum nächsten Schritt haben. Oft sind

ostdeutsche Unternehmer noch zu bescheiden

bei dem, was sie drauf haben.

ZUR PERSON

Dietmar Woidke wurde am 22. Oktober

1961 in Naundorf bei Forst geboren. Er

studierte Landwirtschaft und Tierproduktion

an der Berliner Humboldt-Universität.

In der Wendezeit arbeitete Woidke

als wissenschaftlicher Assistent am Berliner

Institut für Ernährungsphysiologie.

1993 trat er in die SPD ein und gehört

seit 1994 dem Brandenburger Landtag

an. Er fungierte bereits als Landwirtschafts-

und als Innenminister. Seit dem

28. August 2013 ist Dietmar Woidke Ministerpräsident

in Brandenburg. Er ist

verheiratet und Vater einer Tochter.

Dietmar Woidke: Eine wichtige Erwartung,

die ich an die Unternehmer habe,

wurde in jüngster Zeit erfüllt: Dass sich

die Unternehmen selbst darum kümmern,

künftige Fachkräfte zu suchen und

auszubilden. Sie nehmen möglichst frühzeitig

mit den Schulen Kontakt auf und

knüpfen die Verbindung Schule–Wirtschaft.

Hier sind wir noch nicht am Ende

des Wegs, aber ich bin froh, dass unsere

Wirtschaft die Fachkräftesicherung inzwischen

als Hauptthema erkannt hat.

W+M: Als Landesväter sind Sie nicht nur

gefordert, die aktuellen Regierungsgeschäfte

zu führen. Sie müssen auch den

Blick nach vorn richten und wichtige Weichenstellungen

für die Zukunft vorantreiben.

Wo sehen Sie Ihr Land – wirtschaftlich

betrachtet – im Jahr 2030?

Stanislaw Tillich: Wir wollen, dass in allen

Landesteilen die Entwicklungsmöglichkeiten

die gleichen sind. Ich folge

nicht den Wirtschaftsforschern, die sagen,

dass wir in Zukunft bestimmte entleerte

Räume haben werden. Der Bürger

selbst wird entscheiden, wo er zu wohnen

gedenkt. 80 Prozent der Unternehmen

und 60 Prozent der Arbeitsplätze befinden

sich im ländlichen Raum, außerhalb

von Dresden, Chemnitz und Leipzig.

Wir müssen die Voraussetzungen schaffen,

damit dies so bleibt. 2030 wird Sachsen

nicht nur Hotspot in der Mikroelektronik

sein, Sachsen wird ein industrielles

Herz Deutschlands sein und hoffentlich

aufgeschlossen haben zu Bayern und

Baden-Württemberg.

Dietmar Woidke: Wir sind auf dem

Weg, ein Hochtechnologieland zu werden

– speziell im Bereich der Luft- und

Raumfahrt. Dabei sind wir gut beraten,

der Fachkräftesituation unvermindert

große Aufmerksamkeit zu schenken.

Wir werden 2030 noch nicht das wirtschaftlich

führende Bundesland sein,

aber ein Bundesland mit einer starken

Wirtschaft und einer dann noch deutlich

niedrigeren Arbeitslosigkeit. Um das zu

erreichen, werden wir unsere industriellen

Kerne weiter stärken und wirtschaftlichen

Aufschwung in allen Landesteilen

sicherstellen.

W+M: Wer wird im Ländervergleich dann

die Nase vorn haben – Brandenburg oder

Sachsen?

Stanislaw Tillich: Brandenburg ist heute,

was die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit

rein nach dem Steueraufkommen

betrifft, erfolgreicher als Sachsen. Beide

Länder haben aber ein strukturelles Defizit.

Der Brandenburger Norden ist schwächer

als das Berliner Umland. Und unsere

drei großen Städte Dresden, Leipzig

und Chemnitz sind stärker als der Raum

um sie herum. Für mich ist entscheidend,

dass wir diese strukturellen Unterschiede

beseitigen. Also, wenn Dresden so

attraktiv ist, dass es den gleichen Wohlstand

bis nach Zittau, Görlitz und Weißwasser

trägt, dann bin ich zufrieden.

Dietmar Woidke: Ostdeutschland befindet

sich immer noch in einem wirtschaftlichen

Aufholprozess. Wir sind auf einem

guten Weg, aber es gibt viele Risiken.

Deshalb müssen wir weiter hart arbeiten

und vor allem ehrgeizig bleiben. Selbstzufriedenheit

wäre fehl am Platz.

Interview: Karsten Hintzmann

und Frank Nehring

Foto: Ralf Succo

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


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Büro-Bewegung ist eine Aktion des:

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Deutsches Institut

für moderne Büroarbeit


20 | ADVERTORIAL

IT-Trends für den Mittelstand

Ohne IT-Systeme geht auch bei Mittelständlern nichts mehr. Deshalb stellt sich die

kritische Frage: Was dürfen Datensicherheit und Verfügbarkeit der IT-Systeme kosten?

Oder besser: Wie teuer wird es, wenn die IT (über mehrere Stunden) ausfällt?

Oft entsprechen das Niveau von Risikovorsorge- und Sicherheitsmaßnahmen nicht

mehr der gestiegenen Bedeutung der IT-Systeme. Die ACS Solutions und die

envia TEL haben für unterschiedliche Branchen differenzierte Antworten.

Wenn ein IT-System

unternehmenskritisch ist

Torsten Albrecht nennt ein einfaches Beispiel:

Ein Maschinenbauunternehmen

nutzt für die Steuerung und Verwaltung

seiner Materiallager ein modernes ERP-

System. Gelieferte Bauteile haben keinen

festen Platz mehr im Lager, sondern werden

vom ERP-System möglichst effizient,

das heißt „chaotisch“ abgelegt. Wenn

das ERP-System ausfällt, steht die Fertigung

mangels Material sehr schnell still.

Das kostet pro Schicht etwa 40.000 Euro.

Die Verfügbarkeit des ERP-Systems hat

also eine unternehmenskritische Bedeutung

und erfordert eine angemessene

Absicherung.

Eines der Modernsten: das Datacenter von envia TEL in Taucha bei Leipzig.

Das ERP-System wird jetzt im Hochsicherheits-Rechenzentrum

der envia TEL

betrieben und von ACS betreut. Hier

sind alle Systeme auf Ausfallsicherheit

und Hochverfügbarkeit optimiert. So ist

die ERP-Software auf zehn virtualisierte

Server verteilt, sodass ein Hardwareausfall

keinen Einfluss auf die Verfügbarkeit

hat. Die schnelle Datenverbindung zum

Maschinenbauunternehmen ist abhörsicher

verschlüsselt und über zwei verschiedene

Gebäudezugänge redundant

ausgelegt.

Der eigene IT-Technikraum

kann problematisch werden

„Viele Mittelständler halten eine IT-Infrastruktur

im eigenen Haus immer

noch für die beste Lösung. Das hält einer

kritischen Überprüfung in aller Regel

nicht stand“, so der ACS-Vertriebsleiter.

Er nennt die physische Absicherung

der Systeme, wie USV-Anlagen und

Brandschutz, bis hin zu ausgefeilten Redundanzkonzepten.

„Zusätzlich kommen

Kosten für die IT-Security und für ausreichend

qualifizierte IT-Mitarbeiter hinzu.

Das wird durch die gestiegene Komplexität

für die meisten Mittelständler

recht teuer“, fasst Torsten Albrecht zusammen.

ACS Solutions stellt für Geschäftskunden

hoch standardisierte, flexible und effiziente

IT-Lösungen bereit und arbeitet hier

eng mit envia TEL zusammen. Der Telekommunikationsdienstleister

betreibt in

Taucha bei Leipzig einen der modernsten

Datacenter-Standorte in Deutschland.

Das Rechenzentrum unterliegt deutschen

Datenschutzbestimmungen und

ist nach dem international anerkannten

IT-Sicherheitsstandard ISO/IEC 27001

zertifiziert. Alle relevanten Infrastrukturkomponenten

sind mehrfach ausgelegt

und auch bei der physischen Sicherheit

auf dem neuesten Stand der Technik. Als

Datacenter-Anbieter kann envia TEL die

Anlagen sehr wirtschaftlich betreiben

und die Kosten auf eine Vielzahl von Anwendern

verteilen.

Sicherheit und Verfügbarkeit

von Datenverbindungen

Wenn ein Mitarbeiter von zu Hause aus

auf die Daten im Unternehmen zugreifen

will oder mehrere Standorte miteinander

vernetzt werden sollen, spielt die

Sicherheit und Verfügbarkeit der Datenverbindung

eine entscheidende Rolle.

Für einen IT-Dienstleister wie ACS sei

es kein Problem, dafür ein sogenanntes

virtuelles privates Netzwerk (VPN) einzurichten.

Ein VPN verschlüsselt den kompletten

Datenverkehr und sorgt, wie in

einem geschützten Datentunnel, für eine

abhör- und manipulationssichere Verbindung.

„Bei den Datenverbindungen ver-

Foto: envia TEL

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


ADVERTORIAL | 21

Foto: ACS Solutions GmbH

trauen wir trotzdem lieber auf den Service

von envia TEL“, erläutert Torsten Albrecht.

Große Provider wie envia TEL

nutzen für den Transport von sensiblen

Sprach- und Datenpaketen das Verfahren

„Multiprotocol Label Switching“

(MPLS). Das bringt aus Sicht von ACS

den Vorteil, dass auch komplexe Anforderungen

wie die verschlüsselte Verbindung

zwischen mehreren Standorten zuverlässig

und gut administriert werden

können. Verfügt ein Unternehmen über

zwei voneinander unabhängige Datenverbindungen,

sorgt MPLS automatisch für

deren Koordination.

Beispiele für Engagement

und Flexibilität

Torsten Albrecht nennt die stärkere Vernetzung

als wichtigen IT-Trend, der alle

Mittelständler trifft. Was aktuell bei Industrie

4.0 umgesetzt werde, fordere jeden

Zulieferer heraus und gelte auch für

Branchen wie Handel, Finanzdienstleistungen,

Versicherungen, Dienstleistungen,

Logistik und nicht zuletzt auch für

die öffentliche Verwaltung. „Dabei geht

es immer um sichere und schnelle Datenverbindungen

und eine sichere Datenablage

in einem möglichst ISO-zertifizierten

Rechenzentrum. Hier arbeiten wir nach

Möglichkeit mit envia TEL zusammen“,

hebt der ACS-Vertriebsleiter hervor. Er

sieht die Flexibilität, das Kosten-/Nutzenverhältnis

und die Zuverlässigkeit vieler

Provider als eher kritisch.

Als Beispiel nennt er ein Projekt

zur Datenanbindung

einer Niederlassung in

Norwegen. Die Verbindung

kam wegen

nicht erkennbarer

Probleme zunächst

nicht zustande. Da

die Strecke über

mehrere Leitungsanbieter

gekoppelt werden

musste, konnte der

Fehler aus der Ferne nicht

lokalisiert werden. „Erst durch das Engagement

von envia TEL wurde das Problem

gelöst. Ein Mitarbeiter ist mit seinen

Messinstrumenten nach Norwegen

gefahren und hat dort einen falsch konfigurierten

Router gefunden“, berichtet

der ACS-Vertriebsleiter. Er betont auch

die Bereitschaft, möglichst flexible und

bei Bedarf auch unkonventionelle Wege

zu gehen. Wenn Leitungsverbindungen

zu teuer sind, nutze envia TEL auch Richtfunkstrecken.

„Eine solche Flexibilität ist

nur durch engagierte Mitarbeiter

möglich. Das schätzen

wir an envia TEL“, fasst

der ACS-Vertriebsleiter

seine Bewertung

zusammen.

Torsten Albrecht

ist Vertriebsleiter der

ACS Solutions GmbH.

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22 | W+M SCHWERPUNKT

„Ohne technische Innovationen

wird die Energiewende nicht gelingen.“

Der enviaM-Vorstandsvorsitzende Tim Hartmann im W+M-Interview

Die Diskussionen um die Energiewende sind festgefahren:

Befürworter und Gegner konventionell erzeugter und Erneuerbarer

Energien stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber,

immer wieder flammen – wie jüngst in Brandenburg und

Sachsen – hitzige Debatten über die weitere Notwendigkeit

der Braunkohleverstromung auf. Gleichzeitig versucht der

Gesetzgeber, den Ausbau der Erneuerbaren Energien

wirtschaftlicher zu machen. Ausschreibung und

Mengenbegrenzung heißen die Schlagworte.

Davon offenbar unbeeindruckt arbeitet der

ostdeutsche Energiedienstleister enviaM an

der weiteren Schärfung seines Profils – und

greift einen Megatrend auf: die Digitalisierung.

Warum, das erklärt der Vorstandsvorsitzende

von enviaM Tim Hartmann im Interview mit

WIRTSCHAFT+MARKT.

W+M: Herr Hartmann, ein weiteres Jahr

voller – sagen wir einmal – nicht ganz

optimaler Rahmenbedingungen liegt

hinter der deutschen Energiewirtschaft.

Wie ist enviaM als Gruppe

durch 2015 gekommen?

Tim Hartmann: Wir haben erneut

ein gutes Ergebnis erzielt.

Insgesamt beliefen sich die

Umsatzerlöse der enviaM-

Gruppe in 2015 auf 4,99 Milliarden

Euro gegenüber 4,79

Milliarden Euro in 2014.

Unser Strom- und Gasabsatz

ist gestiegen, letzterer

sogar um rund 30 Prozent.

Wir konnten konstante

Kundenzahlen im Stromund

gestiegene Kundenzahlen

im Gasbereich verzeichnen. Vor

dem Hintergrund, dass insbesondere

im Gassektor derzeit ein hoher Verdrängungswettbewerb

herrscht, freuen

uns die Zuwächse hier ganz besonders.

All das ist ein guter Boden für weitere Investitionen.

Diese wuchsen in der Gruppe

in 2015 auf 185,3 Millionen Euro – ein

Plus von knapp 30 Millionen Euro im Vergleich

zum Vorjahr. Die Gelder flossen

insbesondere in den Netzbereich und in

die Stromerzeugung aus Erneuerbaren

Energien. Die Zahl unserer Mitarbeiter

stieg durch die erhöhte Investitionstätigkeit

leicht auf 3.471. Unsere

Ausbildungsquote bewegte sich mit

9,3 Prozent erneut deutlich über dem

Branchendurchschnitt.

W+M: Ein Schlüssel zum Erfolg der Unternehmensgruppe

ist das Unternehmensleitbild

„ökologisch – partnerschaftlich

– innovativ“.

Was genau verbirgt

sich dahinter?

Tim Hartmann,

Vorstandsvorsitzender

des Energiedienstleisters

enviaM.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


SACHSEN | 23

Foto: W+M

Tim Hartmann: Es sind die Leitwerte,

an denen wir unser gesamtes unternehmerisches

Handeln ausrichten: „Ökologisch“

definiert unseren Beitrag zum

Ausbau der Erneuerbaren Energien. Allein

in 2015 haben wir rund 50 Millionen

Euro in eigene Projekte im Bereich der

regenerativen Energien investiert. „Partnerschaftlich“

beschreibt die Kultur des

Umgangs mit unseren Mitarbeitern, Kunden,

Anteilseignern und anderen Akteuren,

denn die Energiewende kann keiner

allein stemmen. Und „innovativ“ untermauert

unsere Bereitschaft, uns den

technologischen Herausforderungen der

Energiewirtschaft der Zukunft zu stellen.

W+M: Stapeln Sie hier nicht etwas tief –

denn beispielsweise beim Thema Digitalisierung

gehören Sie ja zu den Vorreitern

Ihrer Branche?

Tim Hartmann: Für uns ist das als Marktführer

in Ostdeutschland eine Selbstverständlichkeit.

Denn eines ist sicher: Die

Energiewende wird ohne technische Innovationen

nicht funktionieren. Und woher,

wenn nicht aus der Branche, die am

meisten von der Energiewende betroffen

ist und sie umsetzen muss, sollen

die Innovationen denn sonst kommen?

Die Digitalisierung wird eine Vielzahl von

Veränderungen und Projekten nach sich

ziehen.

W+M: Können Sie uns schon Beispiele

nennen?

Tim Hartmann: In aller Munde ist ja die

ab 2017 geplante flächendeckende Einführung

der sogenannten intelligenten

Stromzähler, mit dem der Kunde in die

Lage versetzt werden soll, seinen Energieverbrauch

nicht nur besser nachvollziehen

zu können, sondern auch gezielt

zu beeinflussen. Hier kooperieren wir eng

mit Hochschulen, Instituten und Behörden,

um die entsprechenden technischen

Voraussetzungen zu schaffen. Selbstverständlich

arbeiten wir dabei auch mit anderen

Energieversorgern zusammen. So

haben wir eine Anwendergemeinschaft

mit Stadtwerken gegründet, um uns gegenseitig

bei der Vorbereitung auf das

neue Zählerzeitalter zu unterstützen.

W+M-Herausgeber Frank Nehring und W+M-Autorin Katrin Kleeberg sprachen mit

Tim Hartmann (v. l.).

Auch im Gasbereich ist die Digitalisierung

nicht mehr wegzudenken. Hier sind

wir etwa dank moderner Datentechnik in

der Lage, den Brennwert des eingespeisten

Erd- und Biogases im Netzgebiet für

unsere Kunden rechnerisch zu ermitteln.

Bisher war dafür die Beimischung

von Flüssiggas notwendig. Diese kann

künftig eingespart werden. Wie im Netz

schreitet die Digitalisierung auch im Vertrieb

voran. Jeder zweite Neukunde im

Privatkundenbereich kommt inzwischen

online zu uns.

W+M: Das heißt, die Digitalisierung verändert

das Gesicht der enviaM?

Tim Hartmann: Ich gebe Ihnen insofern

recht, als dass die Digitalisierung in alle

Unternehmensbereiche eingreift und Abläufe

und Aufgaben im Unternehmen völlig

neu definiert. So schaffen wir gerade

an all unseren Standorten so genannte

„Teamflächen“. Hier sind sechs und

mehr Mitarbeiter tätig, die sich gegenseitig

ergänzen und gemeinsam an Lösungen

arbeiten. Das heißt: Im Unternehmen

entwickelt sich ein völlig neues, ein

projekt- und lösungsbezogenes Denken,

vergleichbar vielleicht mit der interdisziplinären

Forschung an Universitäten.

Was sich aber nicht ändert ist: Wir verstehen

uns als Energiedienstleister im besten

Wortsinn – nämlich als Dienstleister

für alle Fragen rund um das Thema Energie.

W+M: Wohin wird diese Entwicklung die

enviaM-Gruppe führen?

Tim Hartmann: Das kann ich Ihnen so

nicht beantworten. Mit der Digitalisierung

betreten wir alle Neuland. Wir müssen

unsere Mitarbeiter, Kunden und Anteilseigner

auf dem Weg in die digitale

Welt mitnehmen. Und die gesetzgeberischen

Rahmenbedingungen müssen entsprechend

geschaffen werden. Wenn es

uns gelingt, dass unser Unternehmen bei

dieser Reise in die Zukunft weiterhin wirtschaftlich

erfolgreich bleibt, weil unsere

Kunden zufrieden sind und unsere Mitarbeiter

bei uns ein gutes Auskommen haben,

dann haben wir viel erreicht.

Interview: Katrin Kleeberg

und Frank Nehring

ENVIAM-ENERGIEKONVENT:

„DIGITALISIERUNG DER

ENERGIEWIRTSCHAFT“

Am 24. Oktober 2016 lädt enviaM erneut

zum „Energiekonvent“ in den

Leipziger Kubus ein. Im Mittelpunkt

des Abends steht die Digitalisierung

der Energiewirtschaft aus Kundensicht.

Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft

werden darüber diskutieren, welche

Möglichkeiten und Mehrwerte die

Digitalisierung den Energieverbrauchern

bietet und was dies für die Beziehung

zu ihrem Energieversorger bedeutet.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


24 | W+M LÄNDERREPORT

In der Zulieferfirma FlammAerotec im Industriepark Schwerin werden

Bauteile für die Airbus-Produktion in Norddeutschland gefertigt.

Schwerin dockt

an Hamburg an

Die deutschen Küstenländer rücken enger zusammen. Im Zentrum

der Annäherung steht Hamburg, das wirtschaftliche Schwergewicht

des Nordens. Der gleichnamigen Metropolregion wollen sich jetzt

auch Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin und

der Altkreis Parchim anschließen. Von Thomas Schwandt

Die Metropolregion Hamburg wird an

ihrer Ostflanke gestärkt. Wenn alle

parlamentarischen Hürden auf kommunaler

und Länderebene bis Ende dieses

Jahres genommen sind, werden ab

1. Januar 2017 die mecklenburgisch-vorpommersche

Landeshauptstadt Schwerin

und das rudimentäre Landkreisgebiet

Parchim offiziell zum Kooperationsverbund

dazugehören. Im Mai dieses Jahres hat der

Lenkungsausschuss der Metropolregion

grünes Licht gegeben für die Ost-Erweiterung.

Bereits zu Beginn dieses Jahrzehnts hatten

sich das Land Mecklenburg-Vorpommern

und die damaligen Landkreise Ludwigslust

und Nordwestmecklenburg zu einem

Beitritt entschlossen, der dann 2012

auf Basis eines novellierten Staatsvertrages

zwischen den Nordländern vollzogen

wurde. Mit den jetzt avisierten Kandidaten

gewinnt das östliche Bundesland in der

Metropolregion Hamburg an Gewicht. Zugleich

wird ein geografisches Vehikel beseitigt.

Denn seit der Kreisgebietsreform

2011 in Mecklenburg-Vorpommern bilden

die Altlandkreise Ludwigslust und Parchim

eine vereinigte Gebietskörperschaft unter

adäquatem Doppelnamen. „Mit dem Hinzukommen

von Parchim wird die Sache

für uns nun gänzlich rund“, frohlockte Rolf

Christiansen, Landrat von Ludwigslust-

Parchim, nach dem Erweiterungsvotum

im Lenkungsausschuss. Ludwigslust hat

sich in den zurückliegenden Jahren in einigen

großen Projekten der Metropolregion

engagiert, zuletzt federführend beim Thema

„Demografie und Daseinsvorsorge“.

Die Landeshauptstadt Schwerin intensivierte

vor zwei Jahren die bereits länger

bestehende Zusammenarbeit mit der Metropolregion,

vor allem bei der Vermarktung

von Industrie- und Gewerbeflächen.

Mit der angestrebten Mitgliedschaft könne

die Landeshauptstadt „ihre bundesweite

und internationale Wahrnehmung als starker

und lebenswerter Standort ausbauen“,

kommentierte Oberbürgermeisterin Angelika

Gramkow den nächsten Schritt. Wirtschaftliche

Aspekte führte auch Landrat

Christiansen an: „Die Marke ,Hamburg‘

ist für das regionsübergreifende und internatio

nale Marketing ein Magnet, um Investoren

und Fachkräfte anzuwerben.“

Die Landespolitik im westlichen Teil Norddeutschlands

hatte bereits Anfang der

1990er-Jahre mit einem regionalen Entwicklungskonzept

die länderübergreifende

Kooperation vorangetrieben. Die Strahlkraft

des hanseatischen Wirtschaftszentrums

soll genutzt werden, um für die benachbarte

Region zwischen Nord- und

Ostsee neue Wachstumspotenziale zu

generieren. Ohne einem Nordstaat das

Wort zu reden, finden die Landesregierungen

in Hamburg, Hannover, Schwerin

und Kiel immer häufiger zu einer gemeinsamen

Sprache. Wissend, in den harten

Verteilungskämpfen mit dem Bund ist nur

so ein spürbares Gegengewicht zu den Begehrlichkeiten

der südlichen Bundesländer

herzustellen. Exemplarisch dafür steht der

Foto: Thomas Schwandt

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 25

METROPOLREGION HAMBURG

Die Metropolregion Hamburg umfasst

zurzeit 17 Landkreise und zwei kreisfreie

Städte in den Bundesländern Niedersachsen,

Mecklenburg-Vorpommern,

Schleswig-Holstein und der Freien und

Hansestadt Hamburg. Fünf Millionen

Menschen leben in dem Einzugsbereich.

Wenn das aktuelle Beitrittsverfahren

für die Landeshauptstadt Schwerin

und den Altkreis Parchim bis Ende 2016

erfolgreich abschlossen wird, steigt die

Einwohnerzahl auf 5,2 Millionen und die

Metropolregion Hamburg umfasst dann

28.500 Quadratkilometer, was der Fläche

von Belgien entspricht.

Bundesverkehrswegeplan 2030. Für die

maritime Wirtschaft im Norden besitzen

zum Beispiel die Vertiefung der Elbe zum

Hamburger Hafen hin sowie der Schiffszufahrten

zu den Häfen Rostock und Wismar

oberste Priorität. Derartige millionenschwere

Infrastrukturprojekte sind in Berlin

nur in konzertiertem Auftreten der Küstenländer

zu erstreiten.

der Metropolregion Hamburg auf dem gemeinsamen

Webportal GEFIS präsentiert.

Sucht ein Interessent nach einem Standort

nahe Hamburg, werden ihm zum Beispiel

auch Flächen in Westmecklenburg

offeriert.

Für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister

Harry Glawe sind die Ansiedlungserfolge

ein Beleg für die gezielte

Wirtschaftsförderung. „Unser Land bietet

eine moderne Infrastruktur und attraktive

Fördermöglichkeiten.“ Darauf hinzuweisen,

dazu trage auch die Zusammenarbeit

in der Metropolregion Hamburg bei. Die

Plattform sei gut geeignet, in der Hansestadt

Kontakte zu international agierenden

Unternehmen zu knüpfen und über diese

den Standort Mecklenburg-Vorpommern

„im Ausland besser bekannt zu machen“.

Glawe betont aber auch gern, dass das

nordöstliche Bundesland trotzdem „verstärkt

selbst Flagge zeigen muss“. Unter

dem mächtigen Schirm von Hamburg könne

„man auch schnell übersehen werden“.

Er plädiert für eine Balance zwischen gemeinsamen

und eigenen Interessen.

Ordnungs- und wirtschaftspolitisch zielt die

Metropolregion Hamburg darauf ab, die Rahmenbedingungen

für Wachstum zu verbessern.

So existieren in Norddeutschland bereits

gemeinsame Statistik- und Eichämter

sowie Cluster in den Bereichen maritime Industrie,

Life Sciences und Ernährungswirtschaft.

Doch auch die Herausforderungen

eines globalisierten Marktes bedingen ein

Zusammenrücken. In der norddeutschesten

aller Branchen, der maritimen Industrie,

vollzieht sich unter extremem internationalen

Konkurrenzdruck seit Jahren ein

tiefer Strukturwandel. Infolge der Insolvenz

der P+S-Werften (Stralsund/Wolgast) übernahm

beispielweise im Mai 2013 die Bremer

Lürssen-Werft die Peene-Werft in Wolgast.

Das vergrößerte Potenzial erhöht die Wettbewerbsfähigkeit.

Das treibt auch den asiatischen

Investor Genting Hong Kong (HK) um,

der in diesem Jahr die drei Werften in Wismar,

Warnemünde und Stralsund gekauft

hat und daraus die Schiffbaugruppe „MV

Werften“ schmiedet. Diese kooperiert eng

mit der Lloyd-Werft Bremerhaven, die seit

Jahresbeginn 2016 ebenfalls zu 100 Prozent

von Genting HK erworben wurde. W+M

Quelle Schaubild: Metropolregion Hamburg

Innerhalb der Metropolregion wirkt das

wirtschaftliche Schwergewicht Hamburg

auch tief hinein nach Mecklenburg-Vorpommern.

Ausschlaggebend dafür ist die

sehr gute verkehrstechnische Anbindung

Westmecklenburgs an die Elbe-Metropole.

Entlang der Ost-West-Autobahnen 24

und 20 sind prosperierende Gewerbegebiete

entstanden, in denen Unternehmen

aus der Ernährungsindustrie, der Automotive-

und Luftfahrtbranche sowie Medizintechnik

investiert und Produktionsstätten

errichtet haben. Darunter Konzerne wie

Dr. Oetker und Nestlé sowie mittelständische

Firmen wie FlammAerotec (Luftfahrtindustrie)

und Euroimmun (Medizintechnik).

Die günstige Lage an der Achse

Berlin–Hamburg hat die Investitionsentscheidungen

maßgeblich beeinflusst. In

jüngster Zeit entdeckten vermehrt Hamburger

Unternehmen die Nähe Westmecklenburgs

und expandierten nach

dort. Die FVH Folienveredlung Hamburg

GmbH & Co. KG legte erst kürzlich den

Grundstein für eine neue Betriebsstätte

im Industriepark Schwerin. Zur Akquise

von Investoren werden Gewerbeflächen in

N O R D S E E

Cuxhaven

Landkreis

Cuxhaven

Heide

Kreis

Dithmarschen

SCHLESWIG-

HOLSTEIN

Neumünster

Itzehoe Bad Segeberg

Kreis

Kreis

Steinburg

Segeberg

Lübeck

Bad

Kreis

Oldesloe

Pinneberg

Kreis

Pinneberg

Stormarn Ratzeburg

Stade

Kreis

Herzogtum

Landkreis HAMBURG

Lauenburg

Stade

Landkreis

Rotenburg (Wümme)

Rotenburg

(Wümme)

Bad

Fallingbostel

Winsen

Landkreis

Harburg

Landkreis

Heidekreis

Lüneburg

Landkreis

Lüneburg

Uelzen

NIEDERSACHSEN

Lüchow

O S T S E E

Wismar

Ab 2017 sollen Schwerin und das Gebiet Parchim zur Metropolregion Hamburg gehören,

in welcher dann 5,2 Millionen Menschen leben.

Eutin

Landkreis

Uelzen

Kreis

Ostholstein

Landkreis

Nordwestmecklenburg

Alt-Landkreis

Ludwigslust

Landkreis

Lüchow-Dannenberg

Schwerin

MECKLENBURG-

VORPOMMERN

Parchim

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


26 | W+M LÄNDERREPORT

Eine DHL-Frachtmaschine vom Typ A300-B4-200 überquert am

Frachtzentrum des Flughafens Leipzig-Halle eine Rollbrücke.

Flughäfen am Tropf

der öffentlichen Hand

Lange galten Regionalflughäfen in Deutschland als Symbol

für Modernität, oft hielten Politiker auf Landes-, Kreis- und

kommunaler Ebene sie für unverzichtbare Standortfaktoren in der

Konkurrenz um Investoren und neue Arbeitsplätze. Erwartungen,

die meist zum teuren Flop wurden – auch in Ostdeutschland, wo

eine entsprechende Infrastruktur nach 1990 aufgebaut werden

musste. Von Tomas Morgenstern

Am Flughafen Rostock-Laage

herrschte am 25. Juni Aufbruchstimmung

beim Sommerfest mit

5.000 Besuchern. Erst wenige Tage zuvor

war der erste reguläre Jumbo-Jet mit

mehr als 520 Urlaubern an Bord gelandet.

Der Airport in Ostsee-Nähe, zugleich Fliegerhorst

des Jagdgeschwaders 73 der

Bundesluftwaffe, hat seit Januar 2015

einen Deal mit der Reederei Costa Crociere

(Italien). Die bringt in der Saison

ihre Kreuzfahrtreisenden über Laage direkt

zu den Luxuslinern im Rostocker Hafen.

„Seamless Travel“ (Nahtlos Reisen)

heißt das Konzept, für das inzwischen

auch Pullmantur Cruises (Spanien) und

MSC Cruises (Schweiz) gewonnen wurden.

Nach schwachen Jahren sind 2015

in Laage gut 190.000 Passagiere abgefertigt

worden, darunter erstmals 18.000

Kreuzfahrtreisende. Airport-Chef Rainer

Schwartz hofft, 2016 70.000 Hochsee-

Touristen am Airport begrüßen zu können.

In diesem Sommer geht es vielleicht auch

am Ferienflughafen Heringsdorf auf Usedom

wieder aufwärts. 2015 war die Passagierzahl

um ein Drittel auf 27.500 gesunken.

Erst im Juni sorgte die Nachricht,

dass die EU-Kommission die zwischen

2004 und 2014 gewährten Betriebszuschüsse

und darüber hinaus auch die für

die Jahre 2015 bis 2018 noch zu gewährenden

Investitionsbeihilfen genehmigt

hat, für Erleichterung. Allein im Jahr 2016

überweist der Landkreis als Flughafengesellschafter

bis zu 350.000 Euro.

Die Situation der ostdeutschen Flughäfen

ist höchst unterschiedlich – die größeren

können mit wachsenden Passagierzahlen

rechnen, die kleineren suchen nach

der rettenden Nische. Gemeinsam ist den

meisten, dass sie keine Gewinne erwirtschaften,

sondern dauerhaft auf Zuschüsse

von Bund, Ländern, Landkreisen und

sogar Kommunen angewiesen sind.

Einen der Gründe dafür sieht der Frankfurter

Flughafenexperte Dieter Faulenbach

da Costa in der zu großen Flughafendichte.

Auch fehle es, wie er W+M sagte, an

einer sinnvollen Arbeitsteilung unter den

Flughäfen. Vom Bund erwartet er, dass

sein längst überfälliges neues Flughafen-

Foto: Deutsche Post AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


OSTDEUTSCHLAND | 27

konzept den Ländern die Möglichkeit biete,

den Wildwuchs auf diesem Gebiet zu

beseitigen. Faulenbach da Costa schwebt

vor, dass sich Bundesländer zusammentun

– beispielsweise Berlin und Brandenburg

mit Sachsen und Sachsen-Anhalt oder

Mecklenburg-Vorpommern mit Niedersachsen

und Hamburg – und sich auf der

Basis von Staatsverträgen auf einige wenige

wirtschaftlich leistungsstarke und zukunftsfähige

Flughafenstandorte verständigen.

So bestünde die Chance, den nach

2030 erwarteten Anstieg des jährlichen

Passagieraufkommens in Deutschland auf

mehr als 300 Millionen zu bewältigen.

Düsseldorf. Allein in Tegel wurden 2015

rund 21,01 Millionen Passagiere abgefertigt.

Der einstige DDR-Zentralflughafen

Schönefeld legte um fast 17 Prozent auf

8,29 Millionen zu.

Auch der Flughafen der sächsischen Hauptstadt

in Dresden-Klotzsche, seit 2008 Dresden

International, wird von der Mitteldeutschen

Flughafen AG betrieben. Die Passagierzahl

lag 2015 bei 1,72 Millionen. Am

Flughafen produzieren die traditionsreichen

Elbe Flugzeugwerke Bauteile für Airbus Industries.

Seit Mai 2013 ist Dresden Reparaturstützpunkt

für den Airbus A380.

In die Entwicklung des Flughafens Magdeburg-Cochstedt

haben das Land Sachsen-Anhalt

und der Salzlandkreis über die

Jahre 30 Millionen Euro Steuergeld investiert.

Er liegt an einem Gewerbepark und

darf rund um die Uhr betrieben werden.

Weil er dennoch nicht aus der Verlustzone

kam, wurde der Platz 2010 für nur eine

Million Euro an einen dänischen Investor

verkauft. Im Januar musste er Insolvenz

anmelden und fährt pro Monat 250.000

Euro Verluste ein.

Foto: Flughafen Dresden GmbH/Michael Weimer

Insgesamt 40 Standorte in

Deutschland haben die zuständigen

Landesluftfahrtbehörden

als Verkehrsflughäfen klassifiziert,

elf davon in den neuen

Ländern. Neben den Berliner

Flughäfen Tegel und Schönefeld

zählen dazu zum Beispiel

Leipzig-Halle, Dresden International,

Erfurt-Weimar, Magdeburg-Cochstedt,

Rostock-Laage

und Schwerin-Parchim. Ergänzt

werden sie durch ein Netz kleinerer

Verkehrs- und Sonderlandeplätze.

Die beiden Berliner Flughäfen

sehen sich unabhängig von

der Fertigstellung des seit November

2011 überfälligen neuen Hauptstadtflughafens

BER im Luftverkehr gemeinsam

in einer anderen Liga – etwa

mit Frankfurt am Main, München und

PASSAGIERAUFKOMMEN AN

DEUTSCHEN FLUGHÄFEN 2015

Die Zahl der Passagiere auf deutschen

Flughäfen ist 2015 um 7,5 Millionen

gestiegen. Insgesamt starteten oder

landeten im vergangenen Jahr 193,9

Millionen Fluggäste auf deutschen Flughäfen.

Im Auslandsverkehr erhöhten

sich die Passagierzahlen gegenüber

2014 um 7,1 Millionen (plus 4,4 Prozent)

auf 170,8 Millionen. Im Inlandsverkehr

stieg die Anzahl der Fluggäste hingegen

lediglich um 400.000 (plus 1,5 Prozent)

auf 23,1 Millionen.

Blick auf die Abflugebene des Terminals des Flughafens Dresden

International.

Dank der Ansiedlung des Frachtzentrums

der Posttochter DHL im Jahr 2008

am Standort Schkeuditz ist der Flughafen

Leipzig-Halle zum zweitgrößten Luftdrehkreuz

Deutschlands aufgestiegen.

Der Freistaat Sachsen ließ sich das 71

Millionen Euro kosten, weitere 350 Millionen

Euro machte er für die neue Startund

Landebahn Süd locker. Der Flughafen

gehört der Mitteldeutschen Flughafen

AG und damit den Ländern Sachsen

und Sachsen-Anhalt sowie einigen Städten

und Kreisen. 65 Frachtmaschinen werden

dort jede Nacht abgefertigt, im vergangenen

Jahr wurden erstmals mehr als

988.000 Tonnen umgeschlagen. Die Fluggastzahlen

indes stagnieren, 2015 lagen

sie bei 2,32 Millionen. Mit einem Verlust

von 49,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr

2014 fuhr Halle-Leipzig das negativste Ergebnis

aller deutschen Flughäfen ein.

Der Freistaat Thüringen als

Hauptgesellschafter betreibt

im Erfurter Ortsteil Bindersleben

den Flughafen Erfurt-Weimar.

Seit 1980 war hier fast nur

noch die Interflug in die Feriengebiete

im sozialistischen Ausland

abgehoben. Nach dem Rekordjahr

2004, als in Erfurt mehr

als eine halbe Million Fluggäste

abgefertigt wurden, erreichte

das Passagieraufkommen 2015

nur noch 230.436.

In einer im Juli 2015 von der

Deutschen Bank Research vorgelegten

Studie heißt es dazu:

„Mit wenigen Ausnahmen waren

die Jahresergebnisse der

Flughäfen in den letzten rund zehn Jahren

negativ. So konnte 2013 keiner der Regionalflughäfen

ein positives Ergebnis erzielen.

In der Regel lag der Fehlbetrag pro

Flughafen im ein- bis zweistelligen Millionenbereich.“

Mit Regionalflughäfen lasse sich kein lohnendes

Geschäft machen, räumte ausgerechnet

Rostocks Oberbürgermeister Roland

Methling (parteilos) im Juni ein. Doch

komme das millionenschwere Engagement

Rostocks als Flughafengesellschafterin

seit Anfang der 1990er Jahre nicht

nur den hier lebenden Menschen zugute.

„Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag

für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts

und schaffen die Basis, neue

Zielgruppen im Tourismusbereich anzusprechen.“

W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


28 | W+M LÄNDERREPORT

Im Chemiepark Bitterfeld sind in den letzten Jahren 11.000

Arbeitsplätze entstanden. Bitterfeld selbst hat 15.500 Einwohner.

Warum Bitterfeld

zur AfD-Hochburg wurde

Für Bitterfeld und Wolfen stehen heute weder grassierende Deindustrialisierung

und extreme Arbeitslosigkeit noch städtebaulicher Verfall

oder Umweltnotstand. Die Menschen sind aufgrund der hohen

Industriedichte zu DDR-Zeiten überdurchschnittlich gebildet, und

inzwischen wandelte sich ein gewaltiger Tagebau zu einem idyllischen

See direkt am Innenstadtrand. Dennoch gilt die Region seit der

jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Hochburg der rechtspopulistischen

Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Eine

Ursachensuche. Von Harald Lachmann

Schulschließungen stoppen, TTIP verhindern,

Kita-Gebühren abschaffen,

rot-grüne Bildungsexperimente aufhalten

oder auch: Frühsexualisierung in Kita

und Schule beenden. Auf der Webseite von

Daniel Roi fehlt es nicht an politischen Themen.

Doch Begriffe wie Flüchtlinge oder

Asylmissbrauch finden sich nicht. Dabei

steht auch der 29-jährige Bachelor of Engineering,

der einige Zeit im Dessauer Landwirtschaftsamt

arbeitete, für das ausländerfeindliche

Profil der AfD im Südosten

Sachsen-Anhalts. Denn für sie hatte er zur

Landtagswahl im März kandidiert und mit

31 Prozent der Erststimmen das Direktmandat

im Wahlkreis Wolfen geholt.

Ähnlich der 50-jährige Volker Olenicak

aus Friedersdorf, ein Unternehmer, der in

und um Bitterfeld mehrere Telefonshops

betreibt. Er holte für die AfD mit 33,4 Prozent

das Direktmandat in Bitterfeld und

gehört inzwischen im Landtag sogar jener

parlamentarischen Kommission an,

die die Geheimdienste kontrollieren soll.

Beide, Roi wie Olenicak, stehen damit nun

bundesweit am Pranger für ein Phänomen,

das in den großen Medien der Republik –

von SPIEGEL ONLINE bis Tagesschau – als

die „Schande von Bitterfeld“ gebrandmarkt

wurde. Denn nirgendwo machten mehr

Menschen bei der AfD ihr Kreuzchen. Dabei

gewann die rechte Protestpartei im Süden

Sachsen-Anhalts sogar 15 Direktmandate.

Auch in Zeitz, Merseburg, Querfurt

oder Staßfurt schnitt sie vergleichbar ab.

Woran liegt das? Schnelle, seriöse Antworten

fallen schwer. Es vor allem auf

Foto: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


SACHSEN-ANHALT | 29

Fotos: AfD (oben), Harald Lachmann (unten)

Der AfD-Landtagsabgeordnete

Daniel Roi ist Chef der

Stadtrats- und Kreisratsfraktion

seiner Partei.

die ausländerfeindliche

Rhetorik zurückzuführen,

wäre zu kurz

gegriffen – selbst wenn

die AfD vor der Wahl mit

markigen Sprüchen wie diesem

warb: „Grenzen sichern. Asylchaos stoppen.“

Und 400 Migranten auf 15.500 Bitterfelder,

zudem dezentral untergebracht,

sind kein Grund zur Panik. Sicher finden

sich auf den Facebook-Seiten etwa von

Olenicak bösartige Angriffe auf die Kanzlerin

oder Links auf rechte Portale wie das

der „Reichsbürger“. Doch dafür hat man

ihn und die ganze AfD kaum gewählt. Immerhin

holte sie mit 24,3 Prozent fast so

viele Stimmen wie LINKE (16,3) und die

bisherige Magdeburger Regierungspartei

SPD (10,6) zusammen.

Es ist also mehr faul in der Region, zumal

auch eine geringe Wahlbeteiligung diesmal

nicht als Begründung dienen kann.

Denn anders als bei früheren Wahlen,

wo Parteien am rechten oder linken Rand

eben davon profitierten, gingen diesmal

wesentlich mehr Menschen zur Wahl –

und zwar eben weil sie die AfD ankreuzen

wollten. Sie hatte also mit ihrem Auftauchen

auf der politischen Bühne sogar

zusätzliche Wähler mobilisiert – offenbar

Menschen, die den etablierten Kräften

schon länger nicht mehr trauten.

Dennoch bleibt es rätselhaft, warum ausgerechnet

der Raum Bitterfeld-Wolfen

derartigen AfD-Zulauf hatte. Denn jene

Region bildet längst wieder eines der industriellen

Schwergewichte in Sachsen-

Anhalt, so mit dem prosperierenden Chemiepark,

der Metallverarbeitung oder

der sich wieder erholenden Solarzellenherstellung.

Allein im Chemiecluster arbeiten

11.000 Menschen. So liegt auch

die Arbeitslosigkeit in Bitterfeld mit etwa

neun Prozent teils deutlich unter der in der

Altmark, im Kreis Mansfeld-Südharz, im

Salzlandkreis oder den Städten Halle und

Dessau-Roßlau. Auch die Lebensqualität

in Bitterfeld

– einst maßlos übertrieben

als „dreckigste

Stadt Europas“ gegeißelt

– kann sich

sehen lassen. Der

Ortskern ist schmuck

restauriert und arrondiert

nun sogar einen

riesigen See mit Badestränden,

Marinas und Ausflugsoasen.

Und die Hochschule

im zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld gehörenden

Köthen – nur 35 Kilometer westwärts

gelegen – bildet ein weithin ausstrahlendes

geistiges Zentrum. So holte

hier auch die LINKE das Direktmandat.

Mithin ist es eher eine Verquickung mehrerer

Umstände, dass Bitterfeld-Wolfen

heute als AfD-Hochburg gilt, selbst wenn

mehr als doppelt sie viele Menschen sie

eben nicht wählten. Fraglos haben CDU

und SPD, die seit zehn Jahren als Magdeburger

Regierungsdoppel agieren und dabei

etliche Wählerwünsche offen ließen,

eine Aktie daran. Selbst die LINKE gehört

in Sachsen-Anhalt längst zum Establishment.

So hatte es Olenicak denn auch

leicht, als er genau damit Wahlkampf betrieb

und zugleich eine „Diktatur à la Merkel“

geißelte. „Der Unmut der Bürger ist

allgegenwärtig“, konstatierte er. Die Menschen

seien unzufrieden „mit Berlin und mit

Magdeburg“, spürten Stillstand, fühlten sich

vor allem nicht mehr erhört.

Und im Raum Bitterfeld-Wolfen

mit seiner

weit überdurchschnittlich

gebildeten

Einwohnerschaft wird

darüber eben nicht nur

auf Stammtischniveau

gemotzt.

Als wenn sie all den

Vorurteilen gegenüber

den etablierten Parteien

persönlich die

Krone aufsetzen wollten,

versagten Landrat

Uwe Scholze (CDU)

und Oberbürgermeisterin

Dagmar Zoschke

(LINKE) dann auch noch in einer entscheidenden

Situation: Beim Empfang einer

Schar – möglicherweise nicht ganz unvoreingenommener

– Medienvertreter, die

nach der Wahl nach Bitterfeld gekommen

war, um nach Ursachen für das starke AfD-

Ergebnis zu suchen. Statt sich zunächst

einmal hinter die Stadt und das demokratische

Votum zu stellen, stimmten sie mit

in die Wählerschelte ein.

Negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort

Bitterfeld-Wolfen gibt es

bislang offenbar noch nicht. Kein potenzieller

Investor ist abgesprungen und auch aus

den Wirtschaftskammern gibt es diesbezüglich

keine nervösen Signale.

Eher entsteht in den etablierten Kreisen

der Region derzeit eine Abwartehaltung:

Man hofft, dass sich die AfD wie einst die

rechtsextreme DVU (sie war 1998 auch in

Sachsen-Anhalt mit 12,9 Prozent auf ihr

bis dato bestes Resultat gekommen) von

selbst zerlegt. Dafür spricht einiges. Weder

Roi noch Olenicak haben vier Monate

nach ihrer Wahl eines der avisierten Bürgerbüros

in Bitterfeld beziehungsweise

Wolfen eröffnet. Dabei traten gerade sie

mit dem Versprechen von mehr Transparenz

und Bürgernähe an. „Bisher waren

es eben nur Parolen“, sinniert der Ingenieur

Dr. Joachim Gülland, der heute für die

LINKE als Ortsbürgermeister in Bitterfeld

agiert: „Nun müssen sie selbst mitarbeiten

und sich beweisen.“ W+M

An der Goitzsche, einem früheren Braunkohletagebau direkt

im Stadtgebiet von Bitterfeld, entstand eines der attraktivsten

Wassersportreviere Mitteldeutschlands.

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30 | W+M TITEL

Aufbauhelfer

für Ostdeutschland

Großbritannien hat den Brexit

gewählt: Das Leave-Votum der

Briten beflügelt auch hierzulande

EU-Skeptiker. Doch gerade

in Ostdeutschland haben

EU-Gelder wesentlich zum

notwendigen Strukturwandel

nach 1990 beigetragen. Und

auch aktuell profitiert die

ostdeutsche Wirtschaft von den

Brüsseler Fördertöpfen.

Von Matthias Salm

Wirtschaftsleistung in der EU, und Regionen

wie Ostdeutschland gelten dann

nicht mehr als strukturschwach, mutmaßte

etwa Thüringens Wirtschaftsminister

Wolfgang Tiefensee (SPD) über

mögliche Folgen für die EU-Förderung.

Wohl wissend, dass man den Beitrag der

EU zum Aufholprozess der ostdeutschen

Wirtschaft seit 1991 nicht geringschätzen

darf. Er tritt allerdings oft angesichts

der auch jetzt wieder anhebenden Klage

über die Regulierungswut der Brüsseler

Bürokraten in den Hintergrund.

Erneuerbare Energien: Die EU fördert in der aktuellen

Förderperiode auch Maßnahmen zum Klimaschutz.

Welche Folgen der britische Austritt

für die heimische Wirtschaft

zeitigen könnte, darüber

herrscht bei Experten derzeit weitgehend

Rätselraten. Für Thüringens Exporteure

etwa bildet das Vereinigte Königreich den

viertwichtigsten Auslandsmarkt mit einem

Handelsvolumen von mehr als 1,6

Milliarden Euro. „Gegenwärtig unterhalten

290 Thüringer Betriebe stabile Geschäftsbeziehungen

mit Großbritannien“,

weiß Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer

der IHK Erfurt. Im benachbarten

Sachsen rangiert Großbritannien nach

China und den USA auf dem dritten Platz

der Ausfuhrziele. Allein zwischen 2011

und 2015 stieg der Wert der ausgeführten

Waren aus dem Freistaat auf die Insel

um 63 Prozent.

Aber nicht nur die ostdeutschen Exporteure

bangen angesichts der herrschenden

Ungewissheit. Ohne die britische

Wirtschaftskraft sinkt das Niveau der

Im Gegensatz zum lauten Knall, mit dem

die Briten das gemeinsame europäische

Haus verlassen wollen, schlüpfte Ostdeutschland

1990 im Zuge der Deutschen

Einheit beinahe geräuschlos unter

das Dach der EU. Seither flossen rund

43 Milliarden Euro an Strukturfondsmittel

aus dem Europäischen Fonds für Regionale

Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen

Sozialfonds (ESF) in die neuen

Bundesländer. Dazu addieren sich noch

die Mittel aus dem Europäischen Fonds

für die ländliche Entwicklung (ELER) und

dessen Vorgängerprogramme.

Zehn Milliarden Euro für

den Nordosten

Zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern:

Deutschlands Nordosten erhielt rund 4,5

Milliarden Euro aus dem EFRE, rund zwei

Milliarden Euro aus dem ESF sowie aus

dem ELER und seinen Vorläufern weitere

rund 3,4 Milliarden Euro. Aufgestockt

wurden die insgesamt zehn Milliarden

Foto: EC/Alain Schroeder

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


BRÜSSELER SEGEN | 31

Von den Förderprogrammen der EU-Kommission hat Ostdeutschland seit 1990 erheblich profitiert.

Euro von der EU durch die Kofinanzierungsmittel

von Bund, Land und Kommunen

in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro.

Gewerbegebiete zu erschließen sowie

die wirtschaftsnahe und touristische Infrastruktur

auszubauen.

Fotos: W+M (oben), ILB/Sabine Engels (unten)

Finanzmittel, die dem wirtschaftlichen

Aufholprozess zwischen Ostsee und Müritz

zugutekamen: Der Indikator Bruttoinlandsprodukt

pro Kopf des Landes, bezogen

auf den Durchschnitt der EU, lag 2001

noch bei 72,3 Prozent (bezogen auf die EU-

25), 2014 bereits bei 84 Prozent (bezogen

auf die EU-28). „Hierzu haben die EU-Mittel

maßgeblich beigetragen“, sagt Staatssekretär

Dr. Christian Frenzel, Chef der

Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern.

Und der Küstenstaat plant auch aktuell

mit der europäischen Strukturförderung.

Aus dem EFRE erhält das Land in der Förderperiode

von 2014 bis 2020 rund 968

Millionen Euro. Das Geld setzt Schwerin

zum Beispiel ein, um Forschung, Entwicklung

und Innovation voranzutreiben,

Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender

der Brandenburger Förderbank ILB.

„Ein großer Teil der von

der ILB bisher insgesamt

zugesagten Fördermittel

in Höhe von knapp

36 Milliarden Euro

stammt aus EU-Töpfen.“

Neue Förderprogramme

in Brandenburg

Im benachbarten Brandenburg investierten

in der zurückliegenden Förderperiode

rund 2.000 Unternehmen mit EFRE-

Mitteln unter anderem in Forschungsund

Entwicklungsvorhaben. Um die Bedeutung

der EU-Mittel gerade für den

Mittelstand des Landes weiß daher Tillmann

Stenger, Vorstandsvorsitzender der

Investitionsbank des Landes Brandenburg

(ILB). Die ILB ist seit fast 25 Jahren einer

der wichtigsten Ansprechpartner für europäische

Förderung in Brandenburg.

Aktuell verwaltet die ILB neben den Programmen

aus dem EFRE erstmals auch

alle ESF- sowie ausgewählte ELER-Förderprogramme.

„Allein im Bereich der in

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


32 | W+M TITEL

einem Flächenland so wichtigen Regionalentwicklung

und Sozialförderung ermöglicht

uns das bis Ende 2020 die Vergabe

von über 1,2 Milliarden Euro europäischer

Fördermittel für die weitere Entwicklung

in Brandenburg”, erklärt Stenger.

So startete die ILB im Juli das Förderprogramm

„Brandenburg Kredit Innovativ“ mit

Haftungsfreistellung.

Damit partizipieren

innovative Unternehmer

in der Mark an einer

EU-weiten Investitionsoffensive.

ILB-

Vorstandsvorsitzender

Stenger: „Wir

freuen uns, dass es

der ILB gelungen

ist, aus dem Europäischen

Fonds für strategische

Investitionen, dem so genannten

Juncker-Plan, erstmals zusätzliche Mittel

für das Land Brandenburg zu gewinnen.“

Beim neuen „Brandenburg Kredit Innovativ“

stellt die ILB die Hausbank zu 70 Prozent

des Kreditanteils von ihrem Risiko frei.

Die Haftungsfreistellung kann durch die Kooperation

zwischen der ILB und der Bürgschaftsbank

Brandenburg für kleine und

„Die Forschung in

Sachsen profitiert

erheblich davon, dass

große Summen aus

den EU-Strukturfonds

fließen.“

Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische

Staatsministerin für Wissenschaft

und Kunst.

mittelständische Unternehmen (KMU) sogar

auf bis zu 80 Prozent erhöht werden.

Auf großes Interesse stoßen auch die in

diesem Frühjahr neu aufgelegten Fonds

für innovative Start-ups: In den ersten vier

Monaten wurden bereits vier Millionen

Euro Risikokapital oder Nachrangdarlehen

ausgereicht. Für den „Frühphasen- und

Wachstumsfonds“

sowie den „Brandenburg-Kredit

Mezzanine“

stehen bis zum

Jahr 2023 102,5 Millionen

Euro zur Verfügung.

Die Fondsmittel

werden zu

80 Prozent aus dem

EFRE und zu 20 Prozent

von der ILB bereitgestellt.

Ostdeutsche Forschung

baut auf die EU

Auch die Forschungslandschaft in Ostdeutschland

ist eng mit der EU verwoben.

So zum Beispiel der Wissenschaftsstandort

Sachsen. In der Förderperiode

2007 bis 2013 standen dem Dresdener

Wissenschaftsministerium für die anwendungsorientierte

Forschungsförderung

und die Forschungsinfrastruktur 467

Millionen Euro zur Verfügung, nun sind

es bis 2020 immerhin noch 175 Millionen.

Hochschulbauten wurden mit EU-

Mitteln in Höhe von 315 Millionen Euro

unterstützt, in der aktuellen Förderperiode

bis 2020 sind es 162,5 Millionen

Euro. Und für die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern

konnte Sachsen

von 2007 bis 2013 aus dem Europäischen

Sozialfonds 178 Millionen Euro einsetzen,

von 2014 bis 2020 118 Millionen Euro.

Dies ermöglicht Forschungsergebnisse,

die auch dem sächsischen Mittelstand

zugutekommen. So haben sich jüngst die

renommierten Universitäten in Freiberg,

Dresden und Chemnitz zur Forschungsallianz

Leichtbau zusammengeschlossen.

Sie soll das Profil Sachsens im Bereich

Fahrzeug- und Maschinenbau schärfen.

„Das sächsische Know-how“, ist sich Peter

Nothnagel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung

Sachsen GmbH, sicher,

„verschafft den ansässigen Unternehmen

– von der Elektromobilität über die Luftfahrtzulieferindustrie

bis hin zum Fahrzeugbau

– entscheidende Wettbewerbsvorteile.“

Im Rahmen des EFRE sichert

Sachsen dem Forschungsverbund bis

2020 über zwei Millionen Euro zu. 400.000

Euro davon stammen vom Freistaat.

EU-Fördermittel für sächsische Leichtbauallianz: Prof. Hubert Jäger (TU Dresden), Dr. Jürgen

Tröltzsch (TU Chemnitz), Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange und Prof. Rudolf Kawalla (TU

Bergakademie Freiberg) (v. l.).

„Sachsen hat in den letzten Jahren in vielen

Wissenschaftsbereichen internationale

Sichtbarkeit erreicht“, verkündet denn

auch die Wissenschaftsministerin des

Landes Dr. Eva-Maria Stange nicht ohne

Stolz. Wie stark Sachsens Forscher in der

EU heute vernetzt sind, belegt das Beispiel

des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen

und Umformtechnik IWU

in Chemnitz, übrigens einst das erste Forschungsinstitut

der Fraunhofer-Gesellschaft

in Ostdeutschland. „Projekte mit

internationalen und europäischen Partnern

sind wichtig für die weltweite Vernetzung

und Kennzeichen wissenschaftlich

exzellenter Forschung“, erklärt Katja

Haferburg, EU-Netzwerk-Managerin

beim Fraunhofer IWU.

Auf EU-Ebene kooperiert das Fraunhofer

IWU mit Partnern aus Wissenschaft, For-

Fotos: Götz Schleser (oben), Detlev Müller/TU Bergakademie Freiberg (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


BRÜSSELER SEGEN | 33

Fotos: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern (links), EC/Thomas Haley (rechts)

schung und Industrie und beteiligt sich

aktiv an europäischen Technologieplattformen,

ebenso an der Beratung der EU-

Kommission. So prägte das Fraunhofer

Staatssekretär Dr. Christian Frenzel,

Chef der Staatskanzlei

Mecklenburg-Vorpommern.

„Jeder Euro aus dem

Strukturfonds erbringt

langfristig eine Rendite

von etwa 1,85 Euro.“

IWU etwa entscheidend die Forschung

beim EU-Projekt iMAIN. Seit September

2012 arbeiteten Umformtechniker,

Industrieanwender, Informatiker und Ingenieure

aus vier europäischen Ländern

unter Koordination des Fraunhofer IWU

zusammen, um die Instandhaltung von

Industriemaschinen zu verbessern. Das

im Projekt iMAIN entwickelte intelligente

Instandhaltungssystem überwacht und

analysiert komplexe Maschinensysteme

wie beispielsweise Mehrstufenpressen

in der Automobilfertigung mithilfe von realen

und virtuellen Sensoren fortlaufend

in ihrer Funktion sowie in ihrem Energieverbrauch.

Dadurch können Fehler früher

erkannt und bereinigt werden. Die Chemnitzer

avancierten nicht zuletzt durch das

EU-Projekt zum Kompetenzführer in diesem

Zukunftsfeld der Produktion. W+M

Seit 1990 flossen rund 43 Milliarden Euro von der EU in die neuen Länder.

Wir sind die Gestalter

der Energiezukunft.

Dezentral, erneuerbar, vernetzt, effizient: So wünschen sich unsere

Kunden aus Industrie, Gewerbe und Kommunen ihre Energie. Wir

setzen diese Wünsche in die Tat um und gestalten bereits heute

die Zukunft der Energie – dabei greifen Infrastruktur, Technik und

Dienstleistungen ineinander. Energieeffizienz ist für uns der Schlüssel,

um wirtschaftlich zu handeln und Ressourcen zu schonen.

Aktiv in allen Bereichen, die für eine nachhaltige Energiezukunft

relevant sind: Das ist ENGIE.

Energien optimal einsetzen.

engie-deutschland.de


34 | W+M TITEL

„Mir ist es wichtig, dass Berlin

in Brüssel nicht zu kurz kommt“

W+M-Interview mit dem Berliner Europaabgeordneten Joachim Zeller

Seit 2009 vertritt der Berliner CDU-Politiker

Joachim Zeller die Bundeshauptstadt

im Europäischen Parlament. Der 64 Jahre

alte, studierte Slawist gehört der Fraktion

der Europäischen Volkspartei (EVP) an und

ist Mitglied in vier Parlamentsausschüssen,

unter anderem in dem für die Förderpolitik

der EU wichtigen Regionalausschuss.

Darüber hinaus ist er Mitglied in

der EU-Russland-Delegation, die sich um

die europäisch-russischen Beziehungen

kümmert. Zeller gehört zu einem kleinen

Kreis von Parlamentariern, die Erfahrungen

sowohl auf der internationalen Bühne

als auch im kommunalpolitischen Bereich

vorweisen können. Zwischen 1996

und 2006 war Zeller Bezirksbürgermeister

von Berlin-Mitte.

W+M: Herr Zeller, wie stark profitiert Berlin

von Brüssel?

Am Rande einer Ausschusssitzung im EU-

Parlament: Joachim Zeller und W+M-

Chefredakteur Karsten Hintzmann (r.).

Joachim Zeller: Nach der deutschen Wiedervereinigung

hatte Berlin erhebliche Lasten

zu tragen. Daher war es für die Stadt

von enormer Wichtigkeit, dass sie von

den Hilfen im Rahmen der Kohäsions- und

Strukturpolitik der Europäischen Union profitieren

konnte. In der Förderperiode von

2007 bis 2013 erhielt Berlin aus den Töpfen

des Regional- und des Sozialfonds 1,2 Milliarden

Euro. In der aktuellen Förderperiode

werden es 850 Millionen Euro sein. Darüber

hinaus bekommt Berlin als Stadt der

Wissenschaft erhebliche Mittel aus dem

EU-Forschungsprogramm. Ohne diese Unterstützung

wäre beispielsweise unser Berliner

Forschungsjuwel, der Wissenschaftsstandort

Adlershof, undenkbar gewesen.

W+M: Gab es konkrete und für Berlin wirtschaftlich

relevante Projekte, die Sie seit

2009 persönlich vorangebracht haben?

Joachim Zeller: Hier müssen wir zunächst

klarstellen, wofür das EU-Parlament

zuständig ist. Es schafft die gesetzlichen

Grundlagen für die jeweiligen Förderperioden.

Wenn die Fördermittel dann

bewilligt wurden, sind die einzelnen Länder

für die Verwendung der Fördermittel

selbst verantwortlich. Mir ist es natürlich

wichtig, die rechtlichen Rahmenbedingungen

so zu gestalten, dass Berlin nicht

zu kurz kommt. Das ist mir durchaus gelungen.

Wir haben es beispielsweise in

den letzten Jahren geschafft, das Thema

Stadtentwicklung viel stärker als zuvor

in die europäischen Förderkriterien einzubinden.

Zudem achte ich darauf, dass

bei der EU-Gesetzgebung möglichst keine

Regelungen getroffen werden, die der

Berliner Wirtschaft anschließend das Leben

schwer machen. Um ein Beispiel zu

nennen: Bei der Erarbeitung der Datenschutzgrundverordnung

musste sichergestellt

werden, dass auch die Start-ups

und die vielen Internetunternehmen damit

zurechtkommen.

Besonderes Augenmerk richte ich auch

auf rechtliche Erleichterungen bei der Zusammenarbeit

der Grenzregionen. Für die

Haushaltsentlastung der Kommission für

das Jahr 2015 bin ich Parlamentsberichterstatter.

Und seit zwei Jahren setze ich

mich verstärkt für eine Neuausrichtung der

Entwicklungszusammenarbeit ein, die sich

ZUR PERSON

Joachim Zeller wurde am 1. Juli 1952 in

Oppeln (polnisch: Opole) in Oberschlesien

geboren. Nach dem Abitur studierte

er an der Berliner Humboldt-Universität

Slawistik. Anschließend blieb er

der renommierten Forschungsstätte

treu und arbeitete bis 1992 als wissenschaftlicher

Mitarbeiter in der Universitätsbibliothek.

1990 trat er der CDU bei

und wirkte fortan fast zwei Jahrzehnte

als Kommunalpolitiker – als Bezirksbürgermeister

sowie Stadtrat in Berlin-Mitte.

Von 2003 bis 2005 war Zeller Landesvorsitzender

der Berliner CDU. Seit

2009 ist er Mitglied des Europäischen

Parlaments.

Joachim Zeller ist verwitwet und Vater

von vier Kindern.

effektiver als bisher der Ursachenbekämpfung

von Flucht und Migration vieler Menschen

widmen und eine faire Teilnahme

der Entwicklungsländer an der Weltwirtschaft

zum Ziel haben sollte.

W+M: Brüssel ist ein Marktplatz der Regionen

und ein Sammelpunkt der internationalen

Lobbyisten. Tut der Berliner Senat

aus Ihrer Sicht genug, um vor Ort für den

Standort Berlin zu werben?

Joachim Zeller: Das hat sich gebessert.

Ich möchte ausdrücklich die Arbeit des Berliner

Büros hervorheben. Die Mitarbeiter

sind sehr gut vernetzt und führen viele interessante

Veranstaltungen durch. Wenn ich

allerdings vergleiche, wie andere Länder in

Brüssel die Trommel rühren, hat Berlin noch

Luft nach oben. Gegenüber anderen Regionen

haben wir einen klaren Vorteil: Der

Nimbus von Berlin wirkt hier unverändert

als Türöffner. Es wird aber sehr genau registriert,

wie eine Landesregierung präsent ist

und ob sie auch mit ihrem Spitzenpersonal

vor Ort die Interessen des Landes vertritt.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


BRÜSSELER SEGEN | 35

W+M: Sie haben aufgrund Ihrer Biografie,

Ihrer beruflichen Herkunft und als Mitglied

im entsprechenden EU-Ausschuss einen

besonderen Draht zu Russland. Wie bewerten

Sie die aktuelle EU-Politik gegenüber

Russland?

Joachim Zeller: Die Annexion der Krim

und die Einmischung Russlands im Osten

der Ukraine waren ein Bruch des Völkerrechts.

Das konnte nicht ohne Reaktion

bleiben. Dass wir aber vom Präsidenten

des EU-Parlaments seit zwei Jahren keine

Genehmigung für offizielle Kontakte zum

russischen Parlament erhalten, halte ich

für falsch. Wir müssen mit den russischen

Kollegen reden. Denn wo geredet wird,

wird nicht geschossen.

Foto: W+M

W+M: Glauben Sie, dass der „Brexit“ zu

einem Dominoeffekt innerhalb der EU führen

wird?

Joachim Zeller: Das sehe ich nicht. Wir

haben eine eindeutige Stimmung im Parlament:

Alle sind nach dem „Brexit“ erschrocken

und auch die größten Schreihälse

von Rechtsaußen sind abgetaucht.

Was man hat, das weiß man. Was kommt,

könnte aufs Glatteis führen. Jetzt müssen

wir dringend die Diskussion darüber führen,

worauf wir uns in Europa in den kommenden

Jahren konzentrieren sollten.

W+M: Wenn Sie die Chance hätten, was

würden Sie persönlich tun, um die Arbeit

des EU-Parlaments zu effektivieren?

Joachim Zeller: Unsere Regeln sind

schon sehr ausgefeilt. Allerdings sehe

Seit 2009 für Berlin im

Europaparlament: Joachim Zeller.

ich, dass es Kollegen im Parlament gibt,

die zu kommissionsgläubig sind. Das Parlament

ist sich in Teilen nicht seiner gestiegenen

Bedeutung bewusst, die es seit

dem Lissabon-Vertrag zweifellos hat. Wir

könnten durchaus öfter selbstbewusst auf

den Tisch hauen und die EU-Kommissare

härter anpacken.

W+M: Gibt es ein konkretes Vorhaben,

das Sie bis zum Ende der Legislaturperiode

dringend realisieren möchten?

Joachim Zeller: Mir ist vor allem wichtig,

dass in Brüssel in den nächsten Jahren die

richtigen Entscheidungen hinsichtlich der

Kohäsions- und Strukturpolitik getroffen

werden. Kohäsionspolitik heißt konkret,

Politik für den inneren Zusammenhalt zu

betreiben. Da es immer noch erhebliche

regionale Unterschiede gibt, brauchen wir

auch über 2020 hinaus eine Fortsetzung

dieser Politik. In diesen Zusammenhang

werde ich auch das Thema Stadt im Fokus

behalten. Immerhin leben 70 Prozent

der Europäer in Städten. Viele dieser Städte

brauchen Unterstützung aus Brüssel.

Berlin gehört dazu.

Interview: Karsten Hintzmann

Ihre erste Adresse

für alle Services rund

um den RMB

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Tel. 030 4050 8740

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36 | W+M TITEL

Brüsseler Finanzspritzen

für den Mittelstand

In der aktuellen Förderperiode 2014–2020 stehen Ostdeutschland

weniger EU-Mittel als zuvor zur Verfügung. Es gilt daher die

Konzentration der Mittel: Die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen

und mittelständischen Unternehmen (KMU), Innovationen und der

Klimaschutz stehen im Fokus der EU-Förderung. Von Matthias Salm

Wie ostdeutsche Unternehmen

vom Brüsseler Geldsegen profitieren

können, zeigt folgende

Übersicht über wichtige, aus EU-Fonds

gespeiste Förderprogramme für mittelständische

Unternehmen in den einzelnen

Bundesländern:

Berlin

Für Gründer:

Mikrokredite aus dem KMU-Fonds

Gefördert werden Investitionen bei

Existenzgründungen und -festigungen,

Neuansiedlungen, Betriebsübernahmen,

Erweiterungen sowie die Vorfinanzierung

konkreter Aufträge mit Mikrokrediten bis

zu 25.000 Euro.

Für KMU:

Berlin Kredit

Das Förderprogramm Berlin Kredit dient

der langfristigen Unterstützung von Investitionen

und Betriebsmitteln kleiner

und mittlerer Unternehmen mit Darlehen

bis zu zehn Millionen Euro.

Für Innovative:

Berlin Innovativ

Hier gibt es Darlehen zwischen 100.000

und zwei Millionen Euro für Investitionen,

Betriebsmittel sowie Forschungs- und Innovationsvorhaben.

Die Mittel stammen

zum Teil aus dem Europäischen Fonds

für strategische Investitionen.

WEITERE INFOS ZU DEN

FÖRDERPROGRAMMEN:

Investitionsbank Berlin

Kundenberatung Wirtschaftsförderung

Bundesallee 210, 10719 Berlin

Tel.: 030 2125-4747

www.ibb.de

Brandenburg

Für Gründer:

Gründung innovativ

Gründung innovativ unterstützt innovative

Existenzgründer in bestimmten

Clustern mit Zuschüssen bei Investitionen,

Personalausgaben sowie technischen

Beratungs- und Entwicklungsleistungen.

Für KMU: Eigenkapitalfinanzierung –

Wachstumsfinanzierung

Hier soll die Wettbewerbsfähigkeit von

KMU durch die Übernahme offener Beteiligungen

und beteiligungsähnlicher Investitionen

verbessert werden. Förderthemen

sind zum Beispiel die Produktentwicklung

oder das Unternehmenswachstum.

WEITERE INFOS ZU DEN

FÖRDERPROGRAMMEN:

Investitionsbank des

Landes Brandenburg

Steinstraße 104-106, 14480 Potsdam

Infotelefon

Wirtschaft & Infrastruktur

Tel.: 0331 660-2211

www.ilb.de

Für Innovative:

Brandenburg-Kredit Innovativ

Den Brandenburg-Kredit Innovativ können

KMU sowie Unternehmen mit weniger

als 500 Beschäftigten in Anspruch

nehmen, sofern sie eines von zwölf Innovationskriterien

erfüllen. Es stehen Darlehen

von 100.000 bis drei Millionen Euro

bereit.

Foto: European Union/Etienne Ansotte

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


BRÜSSELER SEGEN | 37

Mecklenburg-

Vorpommern

Für Gewerbebetriebe:

GRW-Förderung

Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung

der regionalen Wirtschaftsstruktur“

(GRW) zielt auf Investitionsvorhaben,

durch die die Wettbewerbsfähigkeit

der Wirtschaft gestärkt wird. Die Förderung

wird als sachkapitalbezogener Zuschuss

gewährt.

WEITERE INFOS ZUM

FÖRDERPROGRAMM:

Landesförderinstitut

Mecklenburg-Vorpommern

Werkstraße 213, 19061 Schwerin

Erstberatung

Tel.: 0385 6363-1282

www.lfi-mv.de

Für Weiterbildung:

Bildungsschecks für Unternehmen

Mecklenburg-Vorpommern gewährt mit Hilfe

des Europäischen Sozialfonds Bildungsschecks

für die Teilnahme von Beschäftigten

an der beruflichen Weiterbildung. Gefördert

werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen

Kosten, maximal 500 Euro.

WEITERE INFOS ZUM

FÖRDERPROGRAMM:

GSA – Gesellschaft für Struktur- und

Arbeitsmarktentwicklung mbH

Schulstraße 1-3, 19055 Schwerin

Tel.: 0385 55775-0

www.gsa-schwerin.de

Für Innovative: Förderung von Forschung,

Entwicklung und Innovation

Gefördert mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen

werden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

ebenso wie Durchführbarkeitsstudien

oder die Anmeldung

von Schutzrechten von KMU wie auch

von Forschungseinrichtungen.

WEITERE INFOS ZUM

FÖRDERPROGRAMM:

TBI Technologie-Beratungs-Institut GmbH

Hagenower Straße 73, 19061 Schwerin

Tel.: 0385 3993-165

www.tbi-mv.de

Sachsen

Für Innovative:

Technologieförderung

Die Technologieförderung setzt auf drei

Instrumente: Die Projektförderung zielt

auf die Entwicklung neuer Produkte und

Verfahren. Die Technologietransferförderung

unterstützt KMU beim Erwerb von

Lizenzen oder Patentrechten, die Innovationsprämie

fördert die Zusammenarbeit

von KMU mit Forschungseinrichtungen.

Für Exporteure:

Messen, Außenwirtschaft

Sachsen fördert aus EFRE-Mitteln die

Teilnahme von KMU an Auslandsmessen

ebenso wie an Produktpräsentationen

und Symposien zur Erschließung

ausländischer Märkte.

Für Energiesparer:

Zukunftsfähige Energieversorgung

KMU erhalten nicht rückzahlbare Zuschüsse

für Maßnahmen zur Energieeffizienz,

den Einsatz erneuerbarer Energieträger

oder Investitionen in die Energiespeicherung

oder intelligente Energienetze.

WEITERE INFOS ZU DEN

FÖRDERPROGRAMMEN:

Sächsische Aufbaubank

Pirnaische Straße 9, 01069 Dresden

Servicecenter

Tel.: 0351 4910-4910

Servicehotline Energie und Klima

Tel.: 0351 4910-4648

Sachsen-Anhalt

Für Gründer und KMU:

Sachsen-Anhalt IMPULS

Sachsen-Anhalt IMPULS unterstützt bei

der Finanzierung von betrieblichen Investitionen,

Betriebsmitteln oder Investitionen

in Entwicklung und Innovation.

Für Innovative:

Sachsen-Anhalt Idee

Das Programm fördert mit Darlehen die

Phase nach der Produktentwicklung, also

Investitionen in die Markteinführung eines

Produkts, eines Verfahrens oder einer

Dienstleistung.

Für Wachstumsunternehmen:

Sachsen-Anhalt Mut

Darlehen zwischen 25.000 und 500.000

Euro zur Vorfinanzierung neuer Aufträge.

WEITERE INFOS ZU DEN

FÖRDERPROGRAMMEN:

Investitionsbank Sachsen-Anhalt

Domplatz 12, 39104 Magdeburg

Servicehotline:

Tel.: 0800 5600757

www.ib-sachsen-anhalt.de

Thüringen

Für Energiesparer:

GREEN invest

Thüringen fördert die Beratung zu Energieeffizienzmaßnahmen

und anschließende

Investitionen über einen Zuschuss bis zu

80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben.

Für KMU:

Thüringen-Invest

Gefördert werden Investitionsvorhaben

über einen Zuschuss, der mit einem zinsverbilligten

Darlehen kombiniert werden

kann. Zuschussförderung: bis zu 20 Prozent

der zuschussfähigen Kosten, maximal

50.000 Euro; Förderdarlehen: projektbezogene

Finanzierung bis zu 200.000 Euro.

Für Wachstumsunternehmen:

Thüringen-Dynamik

Thüringen-Dynamik ist ein Förderprogramm

zur Wachstumsfinanzierung. Es

ermöglicht Darlehen bis zu 500.000 Euro

pro Antragsteller und Kalenderjahr.

WEITERE INFOS ZU DEN

FÖRDERPROGRAMMEN:

Thüringer Aufbaubank

Gorkistraße 9, 99084 Erfurt

Tel: 0361 7447-0

www.aufbaubank.de

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


38 | W+M TITEL

Das Elbsandsteingebirge wird mit EU-Unterstützung

als gemeinsame Tourismusregion vermarktet.

Grenzregionen

wachsen zusammen

2004 traten Polen und Tschechien im Zuge der Osterweiterung

der Europäischen Union bei. Seither fördert Brüssel das

Zusammenwachsen der Grenzregionen als gemeinsame

Wirtschaftsräume. Chancen zur Kooperation bestehen vor allem

im Tourismus und in der Bildung.

Von Matthias Salm

Die Natur macht nicht an Grenzen

halt – das gilt auch für das Elbsandsteingebirge.

Die faszinierenden

Felsenwelten im südlichen Sachsen erstrecken

sich beiderseits der Grenze, hier

als Sächsische, im benachbarten Tschechien

als Böhmische Schweiz. Eine Region

wie geschaffen für grenzüberschreitenden

Tourismus.

Die Touristiker auf beiden Seiten haben

dies schon frühzeitig erkannt. Seit 2005

kooperiert der Tourismusverband Sächsische

Schweiz (TVSSW) mit seinem

böhmischen Pendant, der Gemeinnützigen

Gesellschaft Böhmische Schweiz

(GGBS), um das Elbsandsteingebirge als

touristische Destination zu vermarkten.

Das Ziel: das Elbsandsteingebirge als

grenzüberschreitendes Vorbild für die

gelungene Integration von Tourismus-,

Natur- und Umweltschutzzielen. Dafür

setzen die Partner auch finanzielle Mittel

aus Brüssel ein. Der Vorsitzende der

GGBS Zbyněk Linhart formuliert es so:

„Ohne die partnerschaftliche, grenzüberschreitende

Zusammenarbeit wären wir

längst nicht da, wo wir heute stehen. Insbesondere

die Fördermittel der Europäischen

Union haben uns in den vergangenen

Jahren erlaubt, gemeinsam große

Schritte zu tun.“

Und Tino Richter, Geschäftsführer des

Tourismusverbands Sächsische Schweiz,

ergänzt: „Die EU-Förderung hilft uns dabei,

gemeinsame Aktivitäten umzusetzen.“

Mittlerweile haben die Tourismusverbände

einen einheitlichen Markenauftritt

für das Urlaubsgebiet entwickelt.

Seit zwei Jahren verbindet zudem

die Nationalparkbahn Sächsisch-Böhmische

Schweiz wieder beide Regionen auf

einst traditionsreicher Strecke. Auch die

Foto: Z. Patzelt

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


DÄNEMARK

BRÜSSELER SEGEN | 39

Foto: Lars Neumann

regionale Tourismusbörse dient der Vermarktung

beider Reiseziele.

Jüngstes Beispiel für die Zusammenarbeit:

Den 116. Deutschen Wandertag,

gerne auch als das größte Wanderfest

der Welt bezeichnet, begingen beide

Seiten im Juni dieses Jahres als sächsisch-böhmisches

Projekt. „Solche Ereignisse

sind bei uns mittlerweile selbstverständlich

grenzüberschreitend“, weiß

Tino Richter. „Gerade die Wandertouren

auf tschechischer Seite wurden von den

Gästen sehr gut angenommen.“

Die sächsisch-tschechischen Beziehungen

beschränken sich jedoch nicht allein

auf den Tourismus. Chancen eröffnen

auch Projekte von sächsischen und

tschechischen Forschungseinrichtungen

im Rahmen des EU-Programms „Horizon

2020“. Noch, räumt Sachsens Wissenschaftsministerin

Dr. Eva-Maria Stange

ein, richten sächsische Hochschulen

und Forschungsinstitute ihren Blick eher

Richtung Westeuropa – das Potenzial der

Vernetzung mit grenznahen Forschungseinrichtungen

in Polen und Tschechien

soll deshalb mit EU-Unterstützung künftig

besser genutzt werden.

Darüber hinaus stehen für grenzübergreifende

Projekte mit Tschechien bis 2020 in

den Bereichen Hochwasser-, Brand- und

Katastrophenschutz, innere Sicherheit,

Schutz des gemeinsamen Natur- und

Kulturerbes, Tourismus, Bildung und interkultureller

Dialog insgesamt 186 Millionen

Euro zur Verfügung. Diese Mittel

stammen aus dem Europäischen Fonds

für regionale Entwicklung (EFRE) und aus

nationalen Fördertöpfen der beiden Nachbarländer.

Auch in den sächsisch-polnischen Grenzraum

fließen Gelder aus der EU. Das Kooperationsprogramm

INTERREG Polen –

Sachsen 2014–2020 wird auf der deutschen

Seite in den Landkreisen Görlitz

und Bautzen sowie auf der polnischen

Seite in der Unterregion Jelenia Góra der

Woiwodschaft Niederschlesien und Landkreis

Żarski der Woiwodschaft Lebuser

Land umgesetzt. Bis 2020 stehen 70 Millionen

Euro aus dem EFRE zur Verfügung.

BELGIEN

So plant etwa die Sächsische Bildungsagentur

mit vier polnischen Landratsämtern

in ihrem Projekt „Regional Manage-

Schleswig-

sund

KIEL

Stral-

Rostock

Greifswald

Holstein

ment“, die Berufsperspektiven junger Lübeck Mecklenburg-

Wismar

Leute in der Grenzregion Wilhelms- Bremerzu

verbessern.

HAMBURG

Vorpommern

haven

haven

SCHWERIN

Neubrandenburg

Zum Projekt zählen grenzübergreifende

Emden

Groningen

BREMEN Lüneburg

Bildungsmaßnahmen in den Bereichen

Oldenburg

Kultur- und Tourismus-Management.

Niedersachsen

Auch den Ausbau und die Modernisierung

der Straßeninfrastruktur Enschede im Grenz-HANNOVER

Wolfsburg Sachsen- POTSDAM

BERLIN

Celle

Branden-

Stendal

burg

NIEDERLANDE

gebiet fördert die EU in drei Vorhaben Osnabrück mit Hildesheim Braun-

Arnheim

schweig

Anhalt

einem Gesamtfördervolumen von knapp

Brandenburg

Münster

Bielefeld Salzgitter MAGDE-

Detmold

BURG

Cottbus

zehn Millionen Euro.

A'dam

Den Haag

Duisburg

Nordsee

Essen

Polen steht auch im Fokus des Programms

Ruhr

DÜSSELDORF

Kassel

INTERREG V A, Nordrhein-

das die Zusammenarbeit

Köln

Westfalen

der Woiwodschaft Westpommern Siegen in Polen

mit den Landkreisen Barnim, Uckermark

Bonn

Marburg

Gießen

und Märkisch-Oderland in Brandenburg sowie

den Rheinland-

Landkreisen Vorpommern-Greifs-

Koblenz Hessen

WIES- Frankfurt

BADEN

wald, Vorpommern-Rügen Pfalz und Mecklenburgische

LUX. Seenplatte in Mecklenburg-Vor-

Darmstadt

MAINZ

Trier

pommern begleitet. Insgesamt Mannheim stehen für

Saarland Lu'hafen

Heidelberg

das Programm in der EU-Förderperiode bis

SAABRÜCKEN Kaiserslautern

2020 134 Millionen Euro aus EFRE-Mitteln

Karlsruhe

bereit.

Maas

Mosel

FRANKREICH

Dortmund

Lahn

Baden

Tübingen

In Mecklenburg-Vorpommern Straßburg weitet sich

der Blick der Internationalisierung

Württemberg

allerdings

über das EU-Nachbarland Polen hinaus.

Schließlich betreibt

Freiburg

das Land rund

30 Prozent seines Außenhandels mit den

Basel Konstanz

Ländern im Ostseeraum. Dieser bildet die

Zürich

Grundlage für SCHWEIZ

wichtige Branchen des Landes

wie etwa die Hafenwirtschaft und die

Logistikbranche. Gleichzeitig lebt die erfolgreiche

Tourismuswirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns

wesentlich von der

Ostseeküste. Vor allem aus Schweden

(rund 71.100 Ankünfte) und Dänemark

(59.800 Ankünfte) reisten 2015 die meisten

ausländischen Gäste an. Künftig, so

die Ziele der Landesregierung

Mecklenburg-Vorpommern,

soll eine grenzüberschreitende

Zusammenarbeit

der Ostseeanrainer

helfen, die Marke

„Ostseeurlaub“

international bekannter

zu machen.

Die Wirtschaftspolitik

des Landes setzt auch

in anderen Bereichen stark

Ems

Lippe

Flensburg

Göttingen

Fulda

Würzburg

STUTTGART

Ulm

Friedrichshafen

Fulda

Aller

Werra

Thüringen

Bamberg

Fürth

Augsburg

Halle

Nordhausen

ERFURT Weimar

Eisenach

Gera

Main

Suhl

Coburg

Erlangen

Nürnberg

Bayern

Ingolstadt

Lech

Hof

Bayreuth

MÜNCHEN

Elbe

Saale

Innsbruck

Dessau

Plauen

Leipzig

Regensburg

Landshut

Sachsen

DRESDEN

Chemnitz

Zwickau

Donau

Isar

Salzburg

auf die EU-Programme für die Ostsee-

Staaten. Dies sind im Einzelnen das Ostseeraumprogramm

mit einem Gesamtbudget

von circa 350 Millionen Euro, davon

rund 280 Millionen Euro EFRE-Mittel

sowie auf das EU-Programm für den

Südlichen Ostseeraum mit einem Budget

von rund 103 Millionen Euro, davon

etwa 83 Millio nen Euro

EFRE-Mittel. Schwerpunkte

der Programme

sind die Themen

Verkehr und Erneuerbare

Energien.


W+M

Inn

Tino Richter, Geschäftsführer

Tourismusverband

Sächsische Schweiz.

Ostsee

POLEN

TSCHECHIEN

Passau

Spree

Frankfurt

Prag

Deutschland grenzt im Nordosten auf einer

Garmisch-

Partenk.

Länge von 442 Kilometern an Polen und 811

Kilometer im Osten an Tschechien.

Moldau

Görlitz

Küstrin

Neisse

Oder

Elbe

ÖSTERREICH

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40 | W+M TITEL BRÜSSELER SEGEN

RAGNITZ ANALYSIERT

Wie der BREXIT

auf Ostdeutschland

wirkt

Mit der deutschen Vereinigung

wurde Ostdeutschland nicht

nur Teil des nunmehr größeren

Deutschlands, sondern gleichzeitig

auch Teil der Europäischen Union. Damit

stand von Anfang an der große Europäische

Binnenmarkt auch den Unternehmen

aus dem Osten Deutschlands offen

– was viele Betriebe auch offensiv genutzt

haben: Die EU-Länder in ihrer Gesamtheit

sind heute für alle ostdeutschen

Länder der bedeutsamste Exportmarkt.

Nicht zu unterschätzen ist zudem das

Engagement europäischer Investoren

in Ostdeutschland, die über die Errichtung

neuer Produktionsstätten maßgeblich

zur Stabilisierung der ostdeutschen

Wirtschaft beigetragen haben.

Darüber hinaus hat Ostdeutschland von

Anfang an von der Förderung der EU profitieren

können – sei es über die finanzielle

Beteiligung an Infrastrukturprojekten,

die Kofinanzierung der einzelbetrieblichen

Förderung in Ostdeutschland

oder auch die zahlreichen arbeitsmarktpolitischen

Programme. Darüber hinaus

flossen in erheblichem Umfang natürlich

auch Mittel über die Fachprogramme

der EU nach Ostdeutschland,

insbesondere im

landwirtschaftlichen

Bereich.

Bis heute ist Ostdeutschland

flächendeckend

Zielgebiet

der regionalen

Strukturförderung

der EU – zwar

nicht mehr als bevorzugtes

Fördergebiet, da

das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner

(als relevantes Kriterium für die Festlegung

der förderwürdigen Regionen) hier

längst den Grenzwert von 75 Prozent des

EU-Durchschnitts übersteigt, aber immerhin

noch als Nutznießer einer „Übergangsförderung“,

die all jenen Regionen

zugutekommt, deren Wirtschaftskraft

weniger als 90 Prozent des EU-Durchschnitts

beträgt. Dies wird auch bis zum

Jahr 2020 so bleiben – danach allerdings

muss damit gerechnet werden, dass der

größte Teil der ostdeutschen Länder keine

EU-Strukturfondsförderung mehr erhält.

Schon heute nämlich weisen fast

alle ostdeutschen Regionen ein BIP je

Einwohner von annähernd 90 Prozent

des EU-Durchschnitts auf; nur Mecklenburg-Vorpommern

liegt mit 84 Prozent

noch darunter. Die Regionen Dresden

und Leipzig sind sogar deutlich stärker

– mit 95 beziehungsweise 103 Prozent

des EU-Durchschnitts. Gegenüber dem

Stand zu Anfang der 2000er-Jahre ist die

relative Wirtschaftskraft in den ostdeutschen

Fördergebieten dabei deutlich stärker

gestiegen als in den westdeutschen

Nicht-Förderregionen – was man

durchaus als ein Zeichen für

den Erfolg der EU-Strukturfondsförderung

ansehen

kann. Und dieser

Erfolg zeigt dann

Professor

Dr. Joachim Ragnitz

ist Stellvertretender Leiter

des ifo-Instituts Dresden.

eben auch, dass in Zukunft auf Förderung

leichter verzichtet werden kann als

es in der Vergangenheit der Fall gewesen

ist. Insoweit dürfte es auch für die Landespolitik

in Ostdeutschland verkraftbar

sein, wenn EU-Fördermittel nicht mehr

zur Kofinanzierung landeseigener Förderprogramme

zur Verfügung stehen.

Das zu erwartende Ausscheiden Großbritanniens

aus der Europäischen Union

lässt auch Ostdeutschland nicht unberührt.

Negativ könnte sich dies auswirken,

weil das Vereinigte Königreich für

alle Länder ein bedeutsamer Handelspartner

ist und sich die Marktchancen

ostdeutscher Anbieter dort wenn auch

nicht direkt (über etwaige Beschränkungen

des freien Warenverkehrs), so

aber doch indirekt (über eine Abschwächung

der konjunkturellen Entwicklung

in Großbritannien selber beziehungsweise

über induzierte Wechselkurseffekte)

verschlechtern könnten. Dem stehen

aber auch mögliche positive Auswirkungen

gegenüber, so wenn britische Unternehmen

nunmehr ihre Investitionsengagements

auf dem Kontinent ausweiten,

um weiterhin innerhalb der Europäischen

Union präsent zu sein – hiervon könnte

dann auch Ostdeutschland profitieren.

Derzeit ist es aber noch zu früh, hier genauere

Vorhersagen zu treffen. Problematisch

würde es allerdings sein, wenn

der BREXIT auch andere Länder zu einem

Austritt aus der EU veranlassen würde –

dann wäre die wirtschaftliche (und politische)

Integration Europas insgesamt gefährdet,

von der doch auch Ostdeutschland

in der Vergangenheit so gut hat profitieren

können.

W+M

Fotos: bluedesign/fotolia.com (oben), ifo Dresden (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


POLITIK | 41

Brauchen wir in Ostdeutschland aktuell

noch mehr Windräder?

Hermann Albers,

Präsident des Bundesverbandes WindEnergie e. V.

Saskia Ludwig (CDU),

Mitglied des Landtags Brandenburg

Fotos: Bundesverband WindEnergie e. V. (links), Laurence Chaperon (rechts)

„Ja” „Nein”

Der Netzbetreiber 50Hertz

Nur ein Teil der bis heute produzierten

Windkraftenergie

sieht Ostdeutschland als Steckdose

Europas. Das ist richtig und

wird genutzt! Für den Rest

bedeutet zugleich, dass hier die Kasse steht, in

bezahlen wir trotzdem. Die Argumente, warum

die einbezahlt wird. Diese Chance muss der Osten

nutzen! Mitten im Strukturwandel der ostdeutgen

besser heute als morgen beendet werden

der Windkraftausbau unter aktuellen Bedingunschen

Wirtschaft gelang es, eine starke Windindustrie

aufzubauen. Die Branche sorgt für sichere Be-

für Mensch und Tier in zahlreichen Studien be-

müsste, sind allen bekannt. Die negativen Folgen

schäftigung, gute Steuereinnahmen und besticht legt. Und trotzdem waren gerade viele Städter für

mit einem enormen Exporterfolg. Die Aufgeschlossenheit

der ostdeutschen Akteure für eine Zusam-

es für sie keine praktischen Berührungspunkte

diese Argumente bisher wenig zugänglich, weil

menarbeit mit den neuen Playern im Energiesektor gab. In schönen Altbauwohnungen lebend, von

legte dafür die Grundlage. Tatkraft und ostdeutscher deren Balkone aus bis zum Horizont keine solche

Pragmatismus zeigen sich auch bei der Erschließung Industrieanlage zu sehen war, machte das Urteilen

von Effizienzpotenzialen im Netz oder der Strategieplattform

für Power-to-Gas. Richtig ist: Fast 37 nehmend kommt es zu einer Bewusstseinsände-

über die Folgen dieser für Andere leicht. Doch zu-

Prozent der deutschen Windkraftanlagen stehen im rung. Exemplarisch die 180-Grad-Wende im Meinungsbild

einer befreundeten Familie. Er Richter,

Osten. Dank der Gewerbesteueraufteilung bleiben

70 Prozent der Steuern bei der Standortgemeinde. sie Lehrerin. Nach dem kreditfinanzierten Kauf eines

ehemaligen Bauernhauses in der Uckermark,

Perspektivisch kann die Erneuerung des Maschinenparks

bei insgesamt gleichbleibender Anlagenzahl

hohe Effizienzgewinne erschließen. Die ambigerecht

saniert hatten, wurden ihnen drei graue

welches sie liebevoll für viel Geld denkmalschutztionierten

Klimaschutzziele erfordern es, die Sektoren

Mobilität und Wärme für Erneuerbare Energien ländlichen Idyll wurde ein Albtraum. Die surrenden

Anlagen in unmittelbare Nähe gesetzt. Aus dem

zu öffnen. Die Sektorenkopplung wird einen neuen Industrieanlagen sorgen für eine Dauerbeschallung

Innovationsschub auslösen, starke Beschäftigungsimpulse

setzen und neue Wertschöpfungschan-

ist für die Familie unerträglich. „Früher habe ich

und der Licht-Schatten-Wechsel der Rotorblätter

cen generieren. Die preiswerte Windenergie an

an meinem Rucksack den gelben Button ,Atomkraft?

Nein Danke‘ getragen. Heute klebt der Sticker

Land wird der Motor dieser Entwicklung bleiben.

Indem die neuen Bundesländer ihre Chancen nutzen,

werden sie wirtschaftlich aufschließen und

ehemalige Grüne. Die Frage, ob wir in Ostdeutsch-

,Windkraft? Nein Danke‘ an meiner Tasche“, so der

in einigen Bereichen sogar die Schrittgeschwindigkeit

bestimmen.

man ihm besser nicht mehr

land aktuell noch mehr Windräder brauchen, sollte

stellen.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


42 | W+M POLITIK

Davos des Ostens

Im Oktober 2016 findet in Bad Saarow das erste Ostdeutsche

Wirtschaftsforum statt. Dort werden namhafte Politiker,

Unternehmer und Wissenschaftler über die Chancen und

Perspektiven der Region zwischen Rügen und dem Erzgebirge reden

und Ideen für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland entwickeln.

Von Karsten Hintzmann

Im vergangenen Jahr standen landauf

landab Jubiläumsfeiern zum 25-jährigen

Bestehen der neuen Bundesländer

und dem Einzug der sozialen Marktwirtschaft

im Osten auf der Tagesordnung.

Man blickte zurück auf Jahre des

schmerzhaften Strukturwandels, bilanzierte

die Fortschritte, die es seither gegeben

hat und kam meist zu dem Schluss, dass

man durchaus stolz auf das Erreichte sein

könne. Auch wenn der wirtschaftliche Aufholprozess

freilich längst noch nicht abgeschlossen

ist.

Exklusives Hotel am Scharmützelsee:

A-ROSA-Resort Bad Saarow.

Vor dem Hintergrund der vielfältigen

Feierlichkeiten und inhaltlichen

Standortbestimmungen kristallisierte

sich für die Redaktion des Magazins

WIRTSCHAFT+MARKT heraus, dass auf

den Blick zurück nunmehr auch der Blick

nach vorn folgen muss. Selbstverständlich

wird unser Magazin auch in Zukunft

erfolgreiche Entwicklungen von regionalen

Wirtschaftszentren, Unternehmen,

Branchen und Clustern aufgreifen und

analysieren. Aber wir sehen uns als einziges

auf die neuen Bundesländer fokussiertes

Wirtschafts- und Unternehmermagazin

im deutschsprachigen Raum

auch aufgefordert, einen Diskussionsprozess

anzuschieben, der über die Vergangenheit

und die Tagesaktualität weit

hinaus geht und sich mit wirklichen Zukunftsthemen

befasst. Wir wollen aktiv

daran mitarbeiten, dass für Ostdeutschland

echte Visionen – im positiven Sinne,

versteht sich – entwickelt werden. Dafür

haben wir das Ostdeutsche Wirtschaftsforum

(OWF) in Bad Saarow aus der Taufe

gehoben. Wir sind davon überzeugt,

dass es hohe Zeit ist für ein „Davos des

Ostens“ – so lautete der interne Arbeitstitel

für das OWF. Denn es gibt so viele

Fragen, die auf Antworten warten: Wird

der Angleichungsprozess an die alten

Länder je gelingen? Wird Ostdeutschland

auf Dauer nur eine verlängerte Werkbank

sein? Wie viel Potenzial steckt im eher

kleinteiligen ostdeutschen Mittelstand

– wird er auf Dauer nur Nischen besetzen

oder ist er Schmelztiegel für künftige

Großkonzerne? Kann der Osten im Wettbewerb

um qualifizierte Fachkräfte angesichts

niedrigerer Produktivität und geringerer

Einkommen überhaupt mithalten?

Wird sich der ostdeutsche Zusammenhalt

perspektivisch auflösen oder weiter

verstärken?

Über all diese Fragen werden wir auf

dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum

debattieren – über Parteigrenzen hinweg

und ohne Rücksichtnahme auf

Wahlzyklen.

Im A-ROSA Forum findet das OWF statt.

Foto: A-ROSA (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


POLITIK | 43

Wir wollen über

Zukunft sprechen.

W+M-Herausgeber Frank Nehring erläutert die Idee des

Ostdeutschen Wirtschaftsforums

Programm zum

Ostdeutschen

Wirtschaftsforum (OWF)

OWF.ZUKUNFT. Was hat es mit dem

Ostdeutschen Wirtschaftsforum auf

sich?

Die sehr gute Entwicklung des Mittelstandes

in Ostdeutschland in den vergangenen

25 Jahren erfüllt zu Recht mit

Stolz. Der Blick zurück ist wichtig, der

Blick nach vorn aber wichtiger. Wir haben

viele Themen für die Zukunft zu meistern,

die Herausforderungen sind hoch,

aber wir reden zu wenig darüber.

Deshalb wollen wir mit dem OWF.ZU-

KUNFT ein exklusives Veranstaltungsformat

schaffen – das Ostdeutsche Wirtschaftsforum.

Ist das OWF.ZUKUNFT ein Kongress?

Ja und nein. Ja, er findet vom 20. bis

21. Oktober 2016 in Bad Saarow

statt. Und nein, mit

dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum

wollen

wir nicht nur die Themen

„Wirtschaft.

Wachstum.Zukunft“

einmalig in einem ausgewählten

Kreis diskutieren.

Wir wollen einen

Thinktank gründen, der

sich den Zukunftsthemen

der ostdeutschen Wirtschaft

annimmt und beim OWF2017, ein Jahr

später, Ergebnisse vorlegen kann. Das

Gründungsteam des Thinktanks hat sich

bereits formiert.

Wer organisiert das OWF.ZUKUNFT?

Die Initiative „Wirtschaft.Wachstum.Zukunft“,

die vom Magazin

WIRTSCHAFT+MARKT und den ersten

Thinktank-Partnern, wie dem ifo Institut

Dresden, GTAI – Germany Trade and Invest,

der Organisations- und Personalberatung

Egon Zehnder sowie der Interessengemeinschaft

der ostdeutschen Unternehmerverbände,

begründet wurde.

Die W+M Wirtschaft und Markt GmbH

ist verantwortlich für die Veranstaltungsorganisation.

Wer trifft sich beim OWF.ZUKUNFT?

Alle die, die ein Interesse an einer wachstumsorientierten

Entwicklung der Wirtschaft

in den neuen Bundesländern haben.

Das sind verantwortliche Vertreter

und Institutionen des Bundes und der

Länder, Unternehmer und Führungskräfte

in- und ausländischer Unternehmen,

internationaler Beteiligungsgesellschaften,

Finanz- und Wirtschaftsforschungsinstitute,

Universitäten, Botschafter und

Diplomaten sowie Vertreter nationaler,

internationaler und regionaler Wirtschaftsförderungsgesellschaften

und Wirtschaftsverbände.

Initiator des Ostdeutschen

Wirtschaftsforums:

Frank Nehring.

Was ist das Ziel des

OWF.ZUKUNFT?

Am 20. und 21. Oktober

2016 wollen wir in Bad

Saarow das Thema „Wirtschaft.Wachstum.Zukunft“

auf

die Agenda von Politik, Wirtschaft und

Wissenschaft bringen. Wir werden die

Perspektiven der stark mittelständisch geprägten

Unternehmen in den neuen Bundesländern

diskutieren und Handlungsfelder

definieren. Den hochkarätigen Referenten

und Teilnehmern eröffnen sich damit

neue Möglichkeiten einer intensiven

und zielorientierten Vernetzung.

Es soll ein Thinktank entstehen, der die

Zukunft branchen- und länderübergreifend

thematisiert, und in der Folge ein

jährliches Forum für den Austausch von

Ideen in exklusivem Ambiente.

Do, 20. Oktober 2016

14:00 Anreise, Check-in

15:00 Begrüßung

16:00 Eröffnungsvortrag

Sigmar Gabriel,

Vizekanzler und Bundes minister

für Wirtschaft und Energie

Wirtschaft.Wachstum.Zukunft

sowie weitere Keynotes

Podiumsdiskussion

19:30 Galadinner

Fr, 21. Oktober 2016

9:00 Begrüßung

Impulsvorträge und Diskussionen

Wachstum und Innovation

Kaffeepause

Impulsvorträge und Diskussionen

Unternehmertum und Leadership

Mittagessen

Impulsvorträge und Diskussionen

Wachstumsfelder und Investoren

Kaffeepause

Die große Podiumsdiskussion

Die MPs der neuen Bundesländer

Keynote

17:30 Schlusswort

18:00 Get-together zum Ausklang

Sa, 22. Oktober 2016 (optional)

Timeout

Zeit für private Verabredungen

Zeit für Entspannung im A-ROSA SPA

Zeit für eine Runde Golf

Zeit für …

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


44 | W+M POLITIK

Referenten und Gesprächspartner

Ihre Themen

Sigmar Gabriel

Vizekanzler und Bundesminister

für Wirtschaft und Energie

Wie wir mehr Wirtschaftswachs tum

in Ostdeutschland erreichen.

Prof. Dr. Johanna Wanka

Bundesministerin

für Bildung und Forschung

Wie wir den Mittelstand stärker an

Forschung und Entwicklung teilhaben

lassen.

Iris Gleicke

Parlamentarische Staatssekretärin und

Bundes beauftrage für die neuen Bundes länder,

für Mittelstand und Tourismus beim

Bundesministerium für Wirt schaft und Energie

Was sind künftige Handlungsfelder

für die Zukunft der kleinteiligen

Wirtschaft im Osten?

Dr. Reiner Haseloff

Ministerpräsident

Sachsen-Anhalt

Michael Müller

Regierender

Bürgermeister

Berlin

Erwin Sellering

Ministerpräsident

Mecklenburg-Vorpommern

Wie wirkt die Forschungsexzellenz

als

Wirtschaftsfaktor in

Sachsen-Anhalt?

Dr. Dietmar Woidke

Ministerpräsident

Brandenburg

Warum wir in naher Zukunft

sowohl auf Braunkohle

als auch Erneuerbare

Energie setzen.

Start-up-Hauptstadt

und Digital Hub – welche

Perspektiven hat Berlin

als Wirtschaftsstandort?

Christian Pegel

Minister für Energie,

Infrastruktur und

Landesentwicklung

Mecklenburg-Vorpommern

Warum MV ein Land zum

Leben ist und was andere

davon lernen können.

Wie Mecklenburg-

Vorpommern die Zukunft

meistern wird.

Prof. Dr.

Joachim Ragnitz

Stellvertretender Leiter ifo

Institut Niederlassung Dresden

Was wir der ostdeutschen

Wirtschaft vorm Hintergrund

des demografischen Wandels

in den nächsten 25 Jahren

zutrauen – und was nicht.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


POLITIK | 45

Prof. Dr.

Christoph Meinel

Wissenschaftlicher

Institutsdirektor und CEO

sowie Inhaber Lehrstuhl

„Internet-Technologien

und Systeme“

Hasso-Plattner-Institut

Wohin führt uns die Di gitalisierung

in naher Zukunft?

Prof. Dr.

Jörg K. Ritter

Partner

Egon Zehnder

International GmbH

Unternehmertum und

Leadership – was wir der

neuen Unternehmer ­

gene ration im Osten raten.

Dr. Andreas Golbs

Unternehmer und Sprecher

der Geschäftsführer der

IG der Ostdeutschen

Unternehmerverbände

und Berlin

Warum innovative

Unternehmer so dringend

gebraucht werden.

Dr. Frank Golletz

Technischer Geschäftsführer

50Hertz Transmission GmbH

Wo wir Wachstumspotenziale

in einer sich

wandelnden Energielandschaft

sehen.

Alexander Winter

Geschäftsführender

Gesellschafter

Arcona/A-ROSA

Guo Guangchang

Vorstandsvorsitzender

Fosun Group

Warum Deutschland ein

interessanter

Investitions standort ist.

Frank Nehring

Herausgeber

WIRTSCHAFT+MARKT

Warum wir ein Davos

des Ostens brauchen.

Holger Werner

Bereichsvorstand

Mittelstandsbank

Region Ost

Commerzbank AG

Wie wir als Bank die

Partnerschaft mit dem

Mittelstand neu denken.

Heinrich von

Nathusius

Geschäftsführer

MIFA-Bike GmbH

Wie man mit neuen

Ideen in die Jahre

gekommene Produkte

wieder fit macht.

Dr. Frank Höpner

Mitglied der

Geschäftsleitung

ENGIE Deutschland

Dr. Benno Bunse

Erster Geschäftsführer

Germany Trade and Invest -

Gesellschaft für Außenwirt schaft

und Standortmarketing mbH

Wie sich ostdeutsche Mittelständler

als Weltmeister auf

internationalen (Nischen-)

Märkten durchsetzen.

Hartmut Bunsen

Unternehmer und Präsident

der IG der Ostdeutschen

Unternehmerverbände und

Berlin

Warum der Osten eine

Stimme braucht.

Stefan Teuchert

Regionalleiter Ost

BMW Group

Hallo Zukunft!

Wie wir uns dem Thema

Wachstum stellen.

Dr. Ralph Beckmann

Abteilungsleiter

Nachfolgeberatung

Commerzbank AG

Weshalb die Nachfolgeregelung

auch in ostdeutschen

Unternehmen eine

der wichtigsten Zukunftsfragen

ist.

Dr. Jens-Uwe Meyer

Innovationsexperte und

Buchautor

Wie eine gelungene

Unternehmens nachfolge

motiviert.

Andrea Joras

Geschäftsführerin

Berlin Partner für

Wirtschaft und

Technologie GmbH

Wie wir unsere

Strategie an

den Megatrends

ausrichten.

Nora Heer

Gründerin und

Geschäftsführerin

Loopline Systems

Internet GmbH

Wie ostdeutsche

Unter nehmer mit der

Digitalisierung gewinnen

können.

Moderation

Rommy Arndt

Moderatorin n-tv

Innovationsstandort

Berlin – Innovationshauptstadt

für Deutschland.

Wieso der „War of

Talents“ unser Denken

verändern muss.

Änderungen vorbehalten!

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


46 | W+M RATGEBER

Projekt Unternehmensnachfolge

Die Übergabe der Geschicke der

eigenen Firma in die Hände eines

fähigen Nachfolgers zu meistern

ist heute – besonders in den

neuen Bundesländern – für viele

Unternehmer eine unerwartet

große Herausforderung. In dieser

und den folgenden Ausgaben

möchte ich Ihnen einen Überblick

über den grundsätzlichen Ablauf

des „Projekts Unternehmensnachfolge“

geben, welcher

neben der Phase des konkreten

Unternehmensverkaufs sowohl

die Vorbereitung als auch die Zeit

nach der Unterschrift beleuchtet.


Von Holger Wassermann

Im mittelständisch geprägten Deutschland

ist es seit jeher eine etwa alle 25

bis 35 Jahre wiederkehrende Aufgabe

für den Unternehmer, die Fortführung des

Betriebs der nächsten Generation zu überlassen.

Noch findet

sich in rund der Hälfte

der Fälle der Nachfolger

in den Reihen

der Familie, circa ein

Sechstel der Unternehmen

wird von Mitarbeitern

übernommen. Für den Rest muss ein

externer Käufer gefunden werden – sei es

ein einzelner Nachfolger, ein Nachfolgerteam

oder ein anderes Unternehmen.

„Rechtzeitig? Es ist

immer zu spät und

niemals zu früh. Aber:

Besser spät als nie.“

Problematisch ist dabei, dass sich die

Nachfolge für immer weniger Menschen

als eine interessante Option darstellt. Bei

dem aktuell positiven Arbeitsmarktklima

ist es einfacher, ein gutes Einkommen

als Angestellter zu erzielen, und in Zeiten

der Work-Life-Balance ist die typische

80-Stunden-Woche eines Unternehmers

auch nicht mehr wirklich erstrebenswert.

Hinzu kommt der demografische

Wandel, der ohnehin zu einer

Verknappung der Personen

in der relevanten

Altersgruppe zwischen

30 und 40 führt.

Durch das geringe

Lohnniveau der letzten

Jahre fehlt es zudem

übernahmewilligen Gründern häufig

an dem notwendigen Eigenkapital.

Viele Punkte, die eine Tätigkeit in einem

Start-up oder einem angesehenen

Großunternehmen attraktiver erscheinen

lassen.

Phasen der Unternehmensübergabe

Grundsätzlich kann ein Nachfolgeprojekt

in drei Hauptphasen unterschieden werden:

die Vorbereitung, die Durchführung

und die Zeit nach der Übergabe. In der

Vorbereitungsphase werden die Grundlagen

für eine erfolgreiche Nachfolge und

die Erzielung eines möglichst hohen Kaufpreises

gelegt. In der Durchführungsphase

wird der Nachfolger gesucht und (hoffentlich)

gefunden, es wird verhandelt und

der Vertrag geschlossen. Die Zeit nach

der Übergabe kann für den Unternehmer

durch eine Begleitung des Nachfolgers

oder neue Aufgaben gekennzeichnet sein,

während für den Nachfolger nun das Unternehmer-Sein

beginnt. Dieser Beitrag

fokussiert sich auf die erste der drei Phasen

der Unternehmensübergabe.

Die Vorbereitungsphase

Eine langfristige Vorbereitung beginnt etwa

zehn Jahre vor der Nachfolge. Einerseits

ist bei familieninternen Schenkungen eine

Zehn-Jahres-Frist zu beachten, andererseits

gewährt diese Zeitspanne genug Spielraum

für die anstehenden Maßnahmen.

Foto: Ogerepus/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


MANAGEMENT | 47

Foto: Intagus

Zur langfristigen Vorbereitung zählt die

Erstellung eines Plans, wie sich der Unternehmer

„sein Leben danach“ und die

Nachfolge idealerweise vorstellt. Auf Basis

dieses Plans können nun Projekte angegangen

werden, die einerseits dazu beitragen,

dass die Wahrscheinlichkeit erhöht

wird, einen geeigneten Nachfolger zu finden,

andererseits können Maßnahmen zur

Steigerung des späteren Kaufpreises eingeleitet

werden. Besonders positiv dabei

ist, dass Unternehmen bereits während

dieser Phase von den Maßnahmen profitieren

– vergleichbar mit dem eigenen

Heim, das ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge

ist, in dem man aber schon

vorher lebt.

Ein Unternehmer soll nicht IN sondern AN

seinem Unternehmen arbeiten – dieses

Wortspiel umschreibt nahezu perfekt die

Aufgabe dieser Phase. Je weniger ein Unternehmen

ohne seinen Chef auskommen

kann, umso unverkäuflicher ist es. Daher

gilt es, Verantwortung, Wissen und Kontakte

auf Mitarbeiter zu übertragen.

Professor Dr. Holger Wassermann ist

Wissenschaftlicher Leiter des KCE

KompetenzCentrum für Entrepreneurship

& Mittelstand der FOM-Hochschule und

Geschäftsführer der Intagus GmbH.

Etwa fünf Jahre vor der Unternehmensübergabe

beginnt die mittelfristige Vorbereitung

und gewissermaßen der Referenzzeitraum,

denn die potenziellen

Nachfolger werden sich natürlich das Unternehmen,

das sie eventuell erwerben

wollen und für das sie sich hoch verschulden

werden, auf Herz und Nieren prüfen.

Eine Analyse des Geschäftsverlaufs der

vergangenen drei bis fünf Jahre ist dabei

absolut üblich. Daher sollten spätestens

ab diesem Zeitpunkt einerseits aussagefähige

Unterlagen bereitstehen, die

zu einem späteren Zeitpunkt nicht einfach

nachträglich erzeugt werden können, andererseits

sollte ab jetzt verstärkt darauf

geachtet werden, Negativmerkmale

wie Liquiditäts- oder Umsatz engpässe zu

vermeiden.

Diese Phase dient somit in entscheidendem

Maße der Vorbereitung der sogenannten

Due Diligence, also der genauen

Prüfung der Unternehmung durch

den Nachfolger. Je besser diese Phase

mit Blick auf die Nachfolge durchgeführt

wird, umso höher wird der spätere Kaufpreis

ausfallen können.

Das letzte Jahr vor dem Beginn der Durchführungsphase

dient dazu, dem Nachfolger

ein „aufgeräumtes Haus“ zu präsentieren.

Wichtige Projekte sollten nach Möglichkeit

abgeschlossen werden, weit in die

Zukunft reichende neue Vorhaben sollten

nun nicht mehr begonnen werden. Nun

kann auch die Kommunikation der geplanten

Nachfolge innerhalb eines Zeithorizonts

von zwei bis drei Jahren gegenüber

Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten

beginnen. Das beugt Fragen wie „Wie

geht es wohl weiter?“ hinter vorgehaltener

Hand vor und gibt den Geschäftspartnern

die Sicherheit, dass der Fortbestand

der Unternehmung nicht dem Zufall überlassen

wird.

Wichtig ist in dieser Phase besonders die

Konsequenz. Viele Unternehmer finden

hier immer wieder Ausreden, warum es

jetzt doch noch nicht passe. W+M

Unternehmensübergabe:

Woran sollte man denken?

Bei der Vorbereitung der Nachfolge

sind viele verschiedene Dinge zu beachten,

angefangen bei persönlichen

bis hin zu betriebswirtschaftlichen und

rechtlichen Aspekten. Hier soll auf einige

besonders wichtige Fragen hingewiesen

werden, die im Vorfeld geklärt

werden sollten.

Persönlich

Was mache ich danach? Welche neuen

Ziele oder neuen Aufgaben habe ich?

Was ist mir wichtig? Kenne ich einen

darauf spezialisierten Coach, der mir

dabei helfen kann?

Finanziell

Wovon werde ich leben? Welche Ausgaben

und Einnahmen werde ich haben?

Benötige ich einen bestimmten

Kaufpreis?

Betriebswirtschaftlich

Soll ein Familienmitglied oder ein Mitarbeiter

Nachfolger werden? Wie muss

er noch vorbereitet werden (persönlich,

fachlich, finanziell)? Soll ein Externer

die Firma kaufen? Wie will ich den passenden

Nachfolger finden? Welchen

Wert hat meine Firma heute? Was

kann ich noch tun, um besser verkaufen

zu können? Wie gestalten wir die

Übergangsphase? Kenne ich einen darauf

spezialisierten Berater, der mir dabei

helfen kann?

Rechtlich

Bei Nachfolgen sollten Sie stets einen

fachkundigen Notar oder Rechtsanwalt

einbeziehen, deshalb: Kenne ich einen

Notar oder Rechtsanwalt, der mir dabei

helfen kann?

Steuerrechtlich

Bei Nachfolgen sollten Sie stets ein

fachkundigen Steuerberater einbeziehen,

deshalb: Kenne ich einen Steuerberater,

der mir dabei helfen kann?

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


48 | W+M RATGEBER

Wärme aus

Erneuerbaren Energien

Die Energiewende im Unternehmen: Mit dem Einsatz Erneuerbarer

Energien wie Photovoltaik, Biomasse oder Windkraft können

Unternehmen ihre Energiekosten senken und sich von den

Energiemärkten unabhängiger machen. Die KfW fördert solche

Investitionen mit langfristigen und zinsgünstigen Krediten und

Tilgungszuschüssen aus Mitteln des Bundesministeriums für

Wirtschaft und Energie (BMWi). Von Matthias Salm

Gerade bei der Prozesswärme bleiben

in den Unternehmen bisher

viele Einsparpotenziale ungenutzt.

Denn laut Deutscher Energie-Agentur

(dena) stellt die Prozesswärme, etwa zum

Betrieb von Brennöfen und Trocknungsanlagen,

einen Anteil von 57 Prozent am industriellen

Gesamtendenergieverbrauch.

Diese Wärme kann vermehrt auch

aus Erneuerbaren Energien gewonnen

werden.

Die finanziellen Rahmenbedingungen für

solche Investitionsvorhaben sind zudem gegenwärtig

besonders günstig. Das BMWi

unterstützt insbesondere den Umbau der

innerbetrieblichen Wärmeerzeugung auf Erneuerbare

Energien im Rahmen seines aktuellen

Marktanreizprogramms. Zu diesen

Anreizen zählen sowohl höhere Tilgungszuschüsse

für kleine und mittelständische

Unternehmen (KMU) bei einem Förderdarlehen

als auch eine erweiterte Antragsberechtigung

für größere Unternehmen.

Als wesentliche Triebkraft für den Ausbau

der Erneuerbaren Energien zur Stromund

Wärmeerzeugung fungieren die Förderdarlehen

der KfW. Im Jahr 2013 wurden

42,3 Prozent und im Jahr darauf 33,5

Prozent aller in Deutschland getätigten Investitionen

in diesem Bereich durch KfW-

Programme mitfinanziert.

Die KfW-Förderprogramme sind als Kombination

aus zinsverbilligten Darlehen und

Tilgungszuschüssen konzipiert. Bei einer

im Unternehmen installierten Solarkollektoranlage

etwa, die der Warmwasserbereitung,

der Raumheizung oder der solaren

Kälteerzeugung dienen, beträgt der

Tilgungszuschuss bis zu 30 Prozent. Wird

die Solaranlage zur Gewinnung von Prozesswärme

eingesetzt, kann der Zuschuss

sogar auf bis zu 50 Prozent aufgestockt

werden. Bei Investitionen in große Biomasseanlagen

oder Wärmepumpen gewährt

die KfW Tilgungszuschüsse von

bis zu 50.000 Euro je Einzelanlage beziehungsweise

maximal 30 Prozent der

förderfähigen Kosten.

Im Wesentlichen bieten sich für Investitionen

in die Einführung Erneuerbarer

Energien im Unternehmen folgende Förderprodukte

an:

KfW-Programm Erneuerbare

Energien Premium

Das Programm zielt auf den Einsatz Erneuerbarer

Energien im Wärmemarkt.

Mögliche Investitionsmaßnahmen:

Solarkollektoranlagen, Biomasseanlagen

zur Verbrennung fester Biomasse für die

Foto: BSW-Solar/Upmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


FINANZEN | 49

Foto: KfW Bankengruppe/Heinrich Völkel, OSTKREUZ

thermische Nutzung, Wärmenetze, Anlagen

der Tiefengeothermie, Biosgasleitungen

für unaufbereitetes Biogas sowie große

Wärmespeicher und Wärmepumpen.

Höchstbetrag:

In der Regel reicht die KfW Darlehensbeträge

von maximal zehn Millionen Euro

pro Vorhaben aus.

Konditionen:

Bei Laufzeiten der Darlehen bis zu zwanzig

Jahren können Zinsbindungen bis zu

zehn Jahre vereinbart werden. Als besonders

attraktiv für Unternehmen erweisen

sich die Tilgungszuschüsse. Bei der größenabhängigen

Förderung von Solarkollektoranlagen

liegt ihre Höhe zwischen

30 und 50 Prozent.

Bei Biomasseanlagen sind maximal

50.000 Euro je Einzelanlage als Tilgungszuschuss

denkbar. Zusätzlich sieht das

Programm noch weitere Boni, etwa für

niedrige Staubemissionen, vor. Durch Addition

von Grundförderung und Boni erhöht

sich der Tilgungszuschuss im Idealfall

auf bis zu 100.000 Euro. Bei Wärmenetzen

beläuft sich der Zuschuss zur

Tilgung auf 60 Euro je neu errichtetem

Meter, höchstens jedoch auf eine Million

Euro.

Weitere Informationen unter

www.kfw.de/271.

KfW-Programm Erneuerbare

Energien Standard

Das Programm finanziert Vorhaben zur

Nutzung Erneuerbarer Energien zur

Stromerzeugung.

Mögliche Investitionsmaßnahmen:

Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen

zur Stromerzeugung sowie Batteriespeicher.

Ebenso förderfähig ist die

Strom- und Wärmeerzeugung in Kraft-

Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen).

Höchstbetrag:

Maximal werden Darlehen bis zu 50 Millionen

Euro vergeben.

Konditionen:

Es sind Zinsbindungen und Kreditlaufzeiten

bis zu 20 Jahren möglich.

Weitere Informationen unter

www.kfw.de/270.

Anträge auf eine Förderung aus der KfW-

Programmfamilie Erneuerbare Energien

sind vor Beginn des Vorhabens bei der

Hausbank zu stellen, die diese an die KfW

weiterreicht.

W+M

„Die Fördertöpfe sind gut gefüllt“

Interview mit Mario Hattemer, Prokurist

Gewerbliche Umweltschutzfinanzierung bei der KfW

W+M: Herr Hattemer, 2015 förderte die

KfW mit den KfW-Programmen Erneuerbare

Energien Standard und Premium die

Nutzung Erneuerbarer Energien mit 4,4

Milliarden Euro. Wie können kleine und

mittlere Unternehmen von dieser Förderung

profitieren?

Mario Hattemer: Der weitaus größte

Teil dieser Förderung fließt in die Verstromung

von Energie aus Windkraft und

Photovoltaik. Hingegen ist das Potenzial

Erneuerbarer Energien zur Deckung des

Wärmebedarfs im Unternehmen vielfach

noch nicht ausreichend ausgeschöpft.

W+M: Für welche Unternehmen kommen

solche Investitionen in Frage?

Mario Hattemer: In zahlreichen Fertigungsbereichen

in Industrie und Gewerbe

wird Prozesswärme benötigt, beispielsweise

in Lackierstationen in der Automobilindustrie.

Aber mit Erneuerbaren Energien

lassen sich auch Produktionshallen, Personal-

oder Wirtschaftsgebäude beheizen.

Anlagen zur Verfeuerung von fester Biomasse

können beispielsweise in der holzverarbeitenden

Industrie, in Schreinereien

oder Sägewerken eingesetzt werden.

W+M: Weshalb werden Erneuerbare

Energien dann noch nicht ausreichend

genutzt?

Mario Hattemer.

Mario Hattemer: Investitionen in Prozesswärmeanlagen

oder betriebliche

Wärmenetze sind zum Teil kostenintensiv,

vor allem aber auch technologisch anspruchsvoll.

Nicht zuletzt wegen dieser

Hürden hat das Bundeswirtschaftsministerium

die Förderbedingungen im Rahmen

des Marktanreizprogramms weiter

verbessert.

W+M: Es lohnt sich also, gerade jetzt in

Erneuerbare Energien zu investieren?

Mario Hattemer: Die Fördertöpfe sind

gut gefüllt. Zusätzlich zum niedrigen Zinsniveau

und den langen Laufzeiten sind die

aus Mitteln des BMWi finanzierten Tilgungszuschüsse

besonders lohnenswert.



Interview: Matthias Salm

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


50 | W+M RATGEBER INSOLVENZ

Die Krise als

Chance nutzen

Die Insolvenz ist häufig mit einer persönlichen Krise verbunden.

Der Ausgang eines Insolvenzverfahrens ist auch davon abhängig,

ob und wie die persönliche Krise überwunden werden kann.

Krisen mental gut zu überstehen, seien

sie persönlicher, medizinischer,

psychischer oder wirtschaftlicher

Natur, ist nicht ganz einfach. Wer erfolgreich

ist oder werden will, muss in der

Lage sein, mit – teilweise auch schweren

– Rückschlägen gekonnt umzugehen. Bei

höheren Positionen in Wirtschaft und Politik

wird ein professioneller Umgang mit

schweren Niederlagen geradezu erwartet.

So gehört es bei einem Spitzenpolitiker

dazu, Wahlniederlagen wegzustecken und

danach siegessicher wieder anzutreten.

Der Vorstand eines größeren Unternehmens

muss auch schwerste Zeiten überstehen.

Glanzvolle Namen wie Volkswagen,

Deutsche Bank, ThyssenKrupp und

Lufthansa sind gute Beispiele. Erfolgreiche

Menschen haben eins gemeinsam:

Sie haben ein klares Ziel,

verarbeiten eine Vielzahl

von Rückschlägen,

lassen sich

nicht unterkriegen

Dr. Florian Stapper,

Fachanwalt für

Insolvenz- und

Steuerrecht und Inhaber

von STAPPER Insolvenzund

Zwangsverwaltung.

und sind robust. Die psychische Widerstandskraft,

oft auch als Resilienz bezeichnet,

ist zum Teil genetisch veranlagt.

Man kann sie aber auch lernen. Wer

in welcher Krise auch immer steckt, sollte

auf Folgendes achten:

Persönliche Entwicklungen verlaufen

in der Regel wellenartig

Es gibt meist nur kurze Phasen, in denen

man „ganz oben“ oder auch „ganz

unten“ ist. Wer gerade „ganz unten“ ist,

muss wissen, dass es jetzt nur noch aufwärts

gehen kann. Je länger man „ganz

unten“ ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit,

dass der Beginn des Aufstiegs

unmittelbar bevorsteht. Allein diese

Einstellung hilft oft weiter.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Wer ein Problem hat, sollte das nicht

„in sich hineinfressen“, sondern

Vertraute hinzuziehen. Häufig

kommt dabei auch Hilfe von

Personen, mit denen man

gar nicht gerechnet hat.

Wer keine solchen Bezugspersonen

hat, kann

nach dem Grundsatz leben:

„Wenn mir keiner

hilft, helfe ich mir selbst“.

Das motiviert gelegentlich

ganz besonders.

Die Krise als Chance nutzen

Krisen sind eine stetige Herausforderung.

Sie können genutzt werden, um nach der

Krise besser dazustehen als zuvor. Wer

in einer persönlichen Krise steckt, etwa

aufgrund einer Ehescheidung, nimmt sich

beispielsweise vor, dass der nächste Lebenspartner

besser zu einem passt. Wer

ein medizinisches Problem hat, wird das

nutzen, um gesünder zu leben und mehr

Sport zu treiben. Wer wirtschaftlich einen

„Durchhänger“ hat, kann daran arbeiten,

sein Unternehmen neu aufzustellen.

Ärgern ist Zeitverschwendung

Wer in der Krise steckt, ist häufig von

anderen schlecht behandelt worden.

Es nützt in dieser Situation nichts, sich

über die Vergangenheit oder unzuverlässige

und unlautere Mitmenschen

zu ärgern und darauf auch noch Energie

zu verschwenden. Es geht einem

nicht besser, wenn es anderen schlecht

geht! Insofern sollte man seine gesamte

Energie nur in sich selbst investieren

und sich selbst wieder nach vorne

bringen.

Belohnung nicht vergessen

Wer die Krise überstanden hat, belohnt

sich selbst mit irgendetwas, was einem

wichtig und wertvoll ist und feiert das

Ende der Krise. Denn: Die nächste Krise

steht schon vor der Tür und wartet auf

eine gekonnte Lösung.

Nur wer aufgibt, verliert

Insofern wird nicht aufgegeben.

W+M

Foto: STAPPER (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


001_Titel_0315 1 23.04.2015 14:44:45

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21.10.15 11:32 Uhr

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18.06.15 13:16 Uhr

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W+M

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

26. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2015 | 5 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

26. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

26. Jahrgang 26. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

BRANDENBURG

ENERGIE

ELEKTRISIERT

MECKLENBURG-VORPOMMERN

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

Dietmar Woidke

SACHSEN

STUDIE

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

Erwin Sellering

UNTERNEHMEN

ORWO – eine

Tradition lebt auf

RATGEBER

Tagungen und

Geschäftsreisen

Mittelstand im

digitalen Wandel

UMFRAGE

Welches Auto

passt zu Ihnen?

Kraftakt

Firmenübergabe

EXKLUSIVE INTERVIEWS

Bundeswirtschaftsminister

Sigmar Gabriel

Ministerpräsident

Stanislaw Tillich

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

26. Jahrgang 26. | Jahrgang Heft 6 | November/Dezember | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang 26. Jahrgang | Heft | Heft 1 | Januar/Februar 4 | Juli/August 2016 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 2 | März/April 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

DIE

WIRTSCHAFT

GRÜNT

THÜRINGEN

BERLIN

GESUNDHEITSWIRTSCHAFT

EIN GESCHÄFT

FÜR VIELE

BRANCHEN

OSTPRODUKTE

DIE UNHEIMLICHE

RENAISSANCE

Motorenwerk Kölleda:

Herz einer Region

W+M

mit

Sachsen-Anhalt

IM INTERVIEW

WindNODE:

Energie aus dem Norden

Ministerpräsident

Bodo Ramelow

REPORT

Rivalität auf

der Ostsee

RATGEBER

Betriebliche

Altersvorsorge

IM INTERVIEW

Berlins Regierender

Michael Müller

REPORT

Eberswalder

Metall-Gen

RATGEBER

Gutschein

statt Geld

Bilanz vor der Wahl:

Reiner Haseloff

Davos in Bad Saarow:

Ostdeutsches Wirtschaftsforum

Management:

Der Honecker-Effekt

Travel:

Tipps für Geschäftsreisen

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2016 | 5 | ZKZ 84618

Beilage

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

FERIEN DAHEIM

Mecklenburg-

Vorpommern

TOURISMUS

Wie der neue Trend

den Osten stärkt

LÄNDERREPORTS

100 Jahre Leuna

Profisport im Osten

RATGEBER

Investieren im Iran

Gesundes Arbeiten im Büro

Mutig in der Insolvenz

LIFESTYLE

Edle Uhren-Neuheiten

Logieren in Schlosshotels

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

BRÜSSELER SEGEN

WIE DER OSTEN VON

EU-GELDERN PROFITIERT

LÄNDERREPORT

Schwerin dockt an

Hamburg an

Flughäfen am Tropf

der öffentlichen Hand

RATGEBER

So gelingt die

Unternehmensnachfolge

Kassenführung im

Visier der Finanzämter

BEILAGE

Sachsen

BEIL AGE

INTERVIEWS

Christian Pegel, Erwin Sellering und Gerold Jürgens,

Tillmann Stenger, Peter-Michael Diestel, Reinhard Pätz

Brandenburg

TILLICH & WOIDKE IM INTERVIEW

Zwei Lausitzer, zwei Landesväter,

zwei Parteien, zwei Freunde

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52 | W+M RATGEBER STEUERN

Im Visier der

Finanzverwaltung

Unternehmen in bargeldintensiven Branchen rücken durch

verschärfte Aufzeichnungspflichten für digitale Kassendaten ab 2017

weiter in den Fokus der Betriebsprüfung.

Diese gelten nicht erst ab dem 1. Januar

2017, die entsprechenden

Schreiben des Bundesfinanzministeriums

(BMF) datieren bereits vom 1. Januar

2002 beziehungsweise 26. November

2010, der sogenannten letzten „Kassenrichtlinie“

des BMF. Die dort getroffenen

Aussagen werden durch die neuen,

sogenannten „Grundsätze zur ordnungsmäßigen

Führung und Aufbewahrung von

Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen

in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“

(GoBD) zusätzlich bekräftigt. Die

erste Kassenrichtlinie geht zurück auf

das Jahr 1996. Danach sollte bei elektronischen

Registrierkassensystemen die

Aufbewahrung der Kassenstreifen (und

damit die Einhaltung der Einzelaufzeichnungspflicht

insgesamt) verzichtbar sein,

wenn der Steuerpflichtige die folgenden

Belege verwahrt: vollständige Tagessummen-Bons

(Z-Bons), die von der Kasse gegebenenfalls

erstellten Aufrechnungen sowie

die zur Kasse gehörenden Organisationsunterlagen.

Von Sebastian Wisch

der Streit mit dem Betriebsprüfer bereits

ab dem Jahr 2011 vorprogrammiert.

Ab Januar 2017 soll nach Vorstellung des

BMF uneingeschränkt der Grundsatz der

Einzelaufzeichnungspflicht durchgesetzt

werden. Dies bedeutet, dass ab dem

nächsten Jahr nur noch Kassensysteme

mit einem angeschlossenen Datenbankoder

Archivsystem benutzt werden dürfen.

Wer diesen technischen Standard nicht erfüllt,

läuft Gefahr, dass seine Buchführung

in der Außenprüfung verworfen wird und

Besteuerungsgrundlagen geschätzt werden,

was gegebenenfalls erhebliche Steuernachforderungen

nach sich ziehen kann.

Es gilt, das eigene Kassensystem umgehend

zu analysieren, Schwachpunkte aufzudecken

und einen Maßnahmenkatalog

zu entwickeln, um Mängel in Systemen

zu beseitigen. Daran anknüpfend ist von

Bedeutung, die von der Finanzverwaltung

geforderte Verfahrensdokumentation rund

um die Abwicklung und Aufzeichnung der

Bargeschäfte im Unternehmen zu erstellen.

Diese sollten Sie zusammen mit den digitalen

Kassendaten gemäß dem gesetzlichen

Aufbewahrungszeitraum von zehn Jahren

auf zuverlässigen Datenspeichersystemen

zur Verfügung zu haben, so dass die Möglichkeit

besteht, die Daten im Rahmen einer

steuerlichen Außenprüfung kurzfristig

lesbar und auswertbar zu machen.

Der Bundesfinanzhof hat in einer Entscheidung

vom 16. Dezember 2014 unternehmerfreundlich

den Grundsatz der Einzelaufzeichnungspflicht

hervorgehoben, allerdings

entgegen der Vorstellung der Finanzverwaltung

eine bestimmte Form der

Kassenführung nicht vorgeschrieben.

Aus unternehmerisch-kaufmännischer Sicht

wäre es sicherlich ratsam, sich in Bezug auf

das Kassensystem moderner elektronischer

Medien zu bedienen, welche zwei Fliegen

mit einer Klappe schlagen. Zum einen sollten

die strengen Aufzeichnungspflichten der

Finanzverwaltung erfüllt werden und zum

anderen die verwendeten Medien einen wesentlichen

Beitrag zum Informationssystem

des Unternehmens in Bezug auf Bargeldvorgänge

bieten können.

Die Übergangsfrist zur Anwendung dieser

Regelungen läuft am 31. Dezember dieses

Jahres endgültig aus. Sie galt dabei nur für

solche Unternehmen, deren Kassensystem

nicht mechanisch oder in Bezug auf

die Software aufgerüstet werden konnten.

Alle anderen Systeme unterliegen

bereits seit den Jahren 2001 beziehungsweise

2010 den verschärften Vorschriften

des BMF. Allerdings ist dies in vielen Branchen

bisher völlig unbekannt und fand bis

dato zu wenig Berücksichtigung. In Unternehmen,

die eine technisch mögliche

Softwareanpassung sowie Speichererweiterungen

nicht durchgeführt haben, ist

Sebastian Wisch ist Steuerberater und

Geschäftsführer der AUDITA Dr. Feske Zauft

& Wisch GmbH Wirtschaftsprüfungs- und

Steuerberatungsgesellschaft in Berlin

Der einzelne Geschäftsvorfall an der Kasse

lässt sich aus Sicht des Verfassers als

wertvoller Datensatz für die gesamte Unternehmenssteuerung

nutzen. Bei konkreter

Analyse der einzelnen verkauften Artikel

kann dies fundamental zur Sortimentssteuerung

verwendet werden, ebenso verknüpft

mit gleichzeitigen Verbrauchsmeldungen an

Lager und gekoppelt an automatisches Bestellwesen

sowie ABC-Analysen und Deckungsbeitragskalkulationen

sollte man diese

Informationsquelle insgesamt nicht unterschätzen.

Die Ordnungsmäßigkeit für die

Finanzverwaltung erscheint dann nur noch

wie ein Nebenprodukt.

W+M

Foto: Audita (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


RATGEBER RECHT | 53

Foto: AllebaziB/fotolia.com, Quelle: www.kostenlose-urteile.de

Urteile für

Unternehmer

WIRTSCHAFT+MARKT hat wichtige Urteile

für Sie zusammengestellt

Mindestlohn

Arbeitgeber dürfen Sonderzahlungen

auf Mindestlohn anrechnen

Bisher gewährte Sonderzahlungen wie

Urlaubs- und Weihnachtsgeld können in

bestimmten Fällen vom Arbeitgeber auf

den gesetzlichen Mindestlohn angerechnet

werden, um die gesetzliche Lohnuntergrenze

von 8,50 Euro pro Stunde zu

erreichen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht

(BAG).

Der Arbeitgeber schuldet den gesetzlichen

Mindestlohn für jede tatsächlich geleistete

Arbeitsstunde. Er erfüllt den Anspruch

durch die als Gegenleistung für

Arbeit erbrachten Entgeltzahlungen, soweit

diese dem Arbeitnehmer endgültig

verbleiben. Die Erfüllungswirkung fehlt

nur solchen Zahlungen, die der Arbeitgeber

ohne Rücksicht auf tatsächliche Arbeitsleistung

des Arbeitnehmers erbringt

oder die auf einer besonderen gesetzlichen

Zweckbestimmung beruhen.

Im vorliegenden Fall wurde dem Kläger

das Urlaubs- und Weihnachtsgeld in

zwölf Teilen monatlich neben dem Gehalt

ausgezahlt. Der Kläger wollte erreichen,

dass sein Monatsgehalt und die Jahressonderzahlungen

ebenso wie die vertraglich

zugesagten Zuschläge für Mehr-,

Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit auf

Basis des gesetzlichen Mindestlohns in

Höhe von 8,50 Euro brutto pro Stunde

gezahlt werden. Das BAG entschied nun,

dass der Kläger aufgrund des Mindestlohngesetzes

keinen Anspruch auf erhöhtes

Monatsgehalt, erhöhte Jahressonderzahlungen

sowie erhöhte Lohnzuschläge

hat. Der gesetzliche Mindestlohn tritt als

eigenständiger Anspruch neben die bisherigen

Anspruchsgrundlagen, verändert

diese aber nicht. Der nach den tatsächlich

geleisteten Arbeitsstunden bemessene

Mindestlohnanspruch des Klägers

sei erfüllt worden, denn auch den vorbehaltlos

und unwiderruflich in jedem Kalendermonat

geleisteten Jahressonderzahlungen

kommt Erfüllungswirkung zu.

BAG, 5 AZR 135/16

Datenschutz

Kein Schadensersatz bei Videoüberwachung

nach Sabotage

Ein Arbeitgeber, der Produktionsräume

zwei Monate lang per Video überwachen

lässt, ohne die Mitarbeiter hierüber zu informieren,

weil es zuvor zu Sabotageakten

bei der Produktion gekommen war,

schuldet den Mitarbeitern nicht zwangsläufig

Schadensersatz wegen einer Persönlichkeitsverletzung.

Dies geht aus einer Entscheidung des

Landesarbeitsgerichts (LAG) Sachsen-Anhalt

hervor. Nach dem Datenschutzgesetz

ist die Installation einer Videoanlage zwar

verboten, gleichwohl besteht in dieser Situation

für den Arbeitgeber ein nachvollziehbarer

Anlass, diese Maßnahme zu ergreifen.

Das Gericht wies die Schadensersatzklage

des Mitarbeiters ab. Die Überwachung

hat sich auf einen relativ kurzen

Zeitraum des Arbeitsverhältnisses (zwei

Monate) bezogen. Weiter beschränkte

sich die Videoüberwachung auf den Produktionsbereich.

Eine Beobachtung des

Klägers in Bereichen, in denen seine Privatsphäre

hätte tangiert sein können, zum

Beispiel Umkleideräume oder Pausenräume,

hat nicht stattgefunden. Die Beobachtung

hat sich auch nicht gezielt gegen den

Kläger gerichtet, sondern erstreckte sich

auf den gesamten Produktionsbereich des

Unternehmens. Der Mitarbeiter stand mithin

nicht im Fokus der Beobachtung.

LAG Sachsen-Anhalt, 6 Sa 301/14

AGB

Klausel zur Haftungsbeschränkung

muss verständlich sein

Das Amtsgericht (AG) München hat entschieden,

dass eine Haftungsbeschränkung

in Allgemeinen Geschäftsbedingungen

(AGB) auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit

dann unwirksam ist, wenn die Klausel

unverständlich ist.

Der Kläger des zugrunde liegenden Streitfalls

ist Mitglied in einem Verein zur Wahrnehmung

und Förderung der Interessen

des Kraftfahrzeugwesens. Der Mitgliedsvertrag

beinhaltet die Verpflichtung zur

Pannen- und Unfallhilfe, um die Fahrbereitschaft

des Fahrzeugs herzustellen. In

den allgemeinen Vertragsbedingungen

des Vereins findet sich eine Klausel, die die

Haftung des Vereins auf grob fahrlässiges

oder vorsätzliches Verhalten beschränkt.

Beim Versuch, das Auto des Klägers durch

einen Pannenhelfer zu öffnen, ging die

Windschutzscheibe zu Bruch. Der Kläger

lies diese austauschen und verlangte

den Schaden vom Verein ersetzt. Dieser

berief sich auf seine vertraglichen Haftungsbeschränkungen

und verweigerte

die Zahlung. Die Klausel der Allgemeinen

Geschäftsbedingungen, die die Haftung

des Vereins auf grob fahrlässiges oder vorsätzliches

Verhalten beschränkt, ist nach

Auffassung des Gerichts aber unwirksam.

Denn es sei laut Gericht für einen

typischen Verbraucher nicht hinreichend

verständlich, was die Haftungsbeschränkung

umfasst, weil der Begriff „wesentliche

Hauptpflichten” zu vage ist und weder

durch eine abstrakte Erklärung noch durch

Regelbeispiele näher erläutert werde.

AG München, 274 C 24303/15

W+M

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54 | W+M RATGEBER

Latte Macchiato

im Büro

Wer heute seinen Gästen nur noch den klassischen Filterkaffee

anbieten kann, ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Moderne

Kaffeevollautomaten bieten bei einfacher Bedienung verschiedene

Kaffeespezialitäten. Zwölf Kaffeevollautomaten für circa 15

Mitarbeiter im Vergleich.

Promesso,

Jacobs Douwe Egberts

Carimali BlueDot,

Coffema

1200 S,

WMF

Coffee Soul,

Schaerer

Kaffeevollautomaten haben den Kaffeegenuss

sichtlich verändert. Moderne

Maschinen bieten statt des

typischen Filterkaffees heute mehrere

unterschiedliche Kaffeespezialitäten an.

Dazu lassen sie sich leicht bedienen und

auch immer einfacher pflegen. Alle Automaten

im W+M-Vergleich verfügen

über automatische Reinigungsprogramme,

die Kaffeestärke ist bei allen einstellbar

und alle Geräte verfügen zudem über

einen Heißwasserbezug für Tee. Die Anzahl

der möglichen Getränke schwankt

jedoch bei den verschiedenen Herstellern

mitunter beträchtlich. Dies liegt daran,

dass jeder Hersteller anders zählt:

„Kaffee groß“ und „Kaffee klein“ werden

einmal als ein Getränk gezählt und

mal als zwei. Oder verfügbare Getränke

werden mal mit der einstellbaren Kaffeestärke

multipliziert und mal nicht.

Bis auf die Promesso von Jacobs Douwe

Egberts, die über ein eigenes Kaffee-Pak-

System verfügt, verwenden alle Maschinen

im Vergleich ganze Bohnen. DeLonghi

und Severin werben dabei mit ihren

extra leisen Kegelmahlwerken und auch

Franke weißt auf seine zwei geräuscharmen

Präzisionskaffeemühlen mit Keramikscheiben

hin. Das ist immer dann von besonderer

Bedeutung, wenn die Kaffeemaschine

in unmittelbarer Arbeitsplatznähe

steht. Während die A200 von Franke optional

auch mit Kapseln genutzt werden

kann, bieten die Automaten von DeLonghi,

JURA und Krups die Möglichkeit, auch Kaf-

Cafina XT5,

Melitta

Hersteller Coffema DeLonghi Franke Coffee

Systems

Jacobs Douwe

Egberts

JURA

Kaffee Partner

Modell Carimali BlueDot Autentica Plus A200 Promesso WE8 Crema Duo

Tassen pro Tag¹ 80 k. A. 80 40-150 30 60

Kaffeespezialitäten² 18 k. A. 36 8 12 12

Wassertank 4 l 1,3 l 4 l 2,2 l 3 l 5 l

Preis ab 4.800 € ab 699 € ab 5.593 € ab 2.749 € ab 1.695 € ab 19 Cent pro Tasse

Maße (H x B x T) in mm 585 x 368 x 550 325 x 195 x 473 604 x 340 x 560 480 x 450 x 430 419 x 295 x 444 570 x 346 x 518

Web www.coffema.de www.delonghi.com www.franke.com www.promesso.de www.juragastroworld.de www.kaffee-partner.de

¹ Anzahl der empfohlenen Tassenbezüge pro Tag ² Anzahl der möglichen unterschiedlichen Kaffeespezialitäten

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


BÜRO | 55

A200, Franke Coffee Systems

Saeco Incanto Deluxe HD 8921/01, Philips

Autentica Plus, DeLonghi

feepulver zu verwenden. Für alle, die es

gern süß mögen, besitzen die Modelle

von Franke, Melitta, Philips, Schaerer

und WMF zusätzlich einen Behälter

für Schoko-, Vanille- oder Toppingpulver.

Die Severin KV 8090 ist mit 18

Zentimetern die schmalste der vorgestellten

Maschinen.

Crema Duo, Kaffee Partner

Für die Coffee Soul hebt Schaerer ein

besonderes Feature hervor: Um alle relevanten

Daten rund um Maschinenzustand,

Bevorratung, Getränkestatistik,

Extraktionszeiten und Anderes auswerten

zu können, lässt sich die Coffee Soul

mit der Schaerer-eigenen Telemetrie-Lösung

M2M Coffee Link ausstatten. Sie

liefert in Echtzeit Informationen und unterstützt

den Betreiber, Angebote anzupassen,

rechtzeitig aufzufüllen oder Service-

beziehungsweise Wartungsprozesse

anzustoßen. Die Crema Duo von

Kaffee Partner wurde mit dem Red-Dot-

Design-Award für das „Beste Produktdesign

2016“ ausgezeichnet. Den Award

„Best of the Best 2016“ erhielt dagegen

die Promesso von Jacobs Douwe

Egberts.

W+M

KV 8090, Severin

WE8, JURA

EA 9010, Krups

Krups Melitta Philips Schaerer Severin WMF

EA 9010 Cafina XT5 Saeco Incanto Deluxe HD 8921/01 Coffee Soul KV 8090 1200 S

k. A. 150 k. A. 180 k. A. bis 100

17 128 6 mehr als 200 5 10

1,7 l 20 l 1,8 l kein Tank, nur Festwasseranschluss 1,1 l 4 l

ab 1.599,99 € ab 6.470 € ab 799,99 € ab 9.750 € ab 549 € ab 3.685 €

585 x 400 x 575 715 x 300 x 580 330 x 215 x 429 716 x 330 x 595 395 x 180 x 315 682 x 324 x 553

www.krups.de www.melitta-professional.de www.philips.de www.schaerer.com www.severin.de www.wmf-kaffeemaschinen.de

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56 | W+M RATGEBER LITERATUR

Wirtschaftsliteratur

Die ostdeutsche

Bestsellerliste

1

2

6

7

5

8

4

9

3

10

Die ostdeutsche Bestsellerliste für

Wirtschaftsliteratur wird exklusiv von

W+M aus den Verkaufszahlen großer

Buchhandlungen in Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,

Sachsen-Anhalt und Thüringen erstellt.

Beteiligt haben sich:

• Hugendubel Cottbus,

Mauerstraße 8, 03046 Cottbus

• Hugendubel Erfurt,

Anger 62, 99084 Erfurt

• Hugendubel Greifswald,

Markt 20–21, 17489 Greifswald

• Hugendubel Leipzig,

Petersstraße 12–14, 04109 Leipzig

• Hugendubel Potsdam,

Stern-Center 1, 14480 Potsdam

• Hugendubel Schwerin,

Marienplatz 3, 19053 Schwerin

• Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung,

Logenstraße 8, 15230 Frankfurt/Oder

Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen

jederzeit offen. Schreiben Sie bei

Interesse eine E-Mail an JP@WundM.info.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


NETZWERK GESELLSCHAFT | 57

UV-Rostock-Geschäftsführerin Manuela Balan (M.) mit den Referenten des Forums.

16. Hanse Sail Business Forum

Wirtschaftsfaktor Bundeswehr

Die Bundeswehr ist ein wichtiger

Wirtschaftsfaktor in der Region“

war Fazit des 16. Hanse Sail

Business Forums vom Unternehmerverband

Rostock-Mittleres Mecklenburg, der

Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern,

der Industrie- und Handelskammer

zu Rostock und dem enterprise

europe network. Etwa 200 Teilnehmer aus

Wirtschaft und Politik folgten am 11. August

der Einladung des Initiativkreises der

Wirtschaft. IHK-Hauptgeschäftsführer und

Moderator der Veranstaltung Jens Rademacher

betonte: „Pro Jahr beenden 600

bis 800 Menschen in hiesigen Dienststellen

der Bundeswehr ihren militärischen

Dienst. Unser Bestreben muss sein, das

Potenzial dieser hervorragend ausgebildeten

Personen für die Wirtschaft

zu nutzen.“ Auch im Rahmen der Vorträge

der Referenten wurde deutlich,

dass die in Mecklenburg-Vorpommern

angesiedelten Bundeswehrstandorte

generell einen nicht zu

unterschätzenden Wirtschaftsfaktor

darstellen.

W+M

Sylvia Sapich, Angelika Kleinfeldt und

Doris Kleinfeldt (v. l.) im Gespräch.

Gute Stimmung im Publikum.

Fotos: Angelika Heim

Vertreter des Marinekommandos Rostock

nutzen die Gelegenheit zum Kontakt mit

Unternehmern.

Etwa 200 Teilnehmer folgten der Einladung zum 16. Hanse Sail Business Forum.

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58 | W+M NETZWERK

Rund 3.000 Gäste waren der Einladung

zum Brandenburger Sommerabend gefolgt.

Effektvoll umrahmte Gastgeber: Thomas Kralinski, Dietmar Woidke und Miloš Stefanović (v. l.).

Brandenburgischer Sommerabend 2016

Sommernachtstraum

am Tiefen See

Ein farbenfroher Hingucker: die Beelitzer

Spargelkönigin Sarah Wladasch.

Einen Sommernachtstraum erlebten

rund 3.000 Gäste beim traditionellen

Brandenburgischen Sommerabend

im Potsdamer Erlebnisquartier Schiffbauergasse

am Ufer des Tiefen Sees. Die Gastgeber

Brandenburgs Ministerpräsident Dr.

Dietmar Woidke, der Bevollmächtigte beim

Bund und Staatssekretär Thomas Kralinski

sowie der Präsident des WirtschaftsForum

Brandenburg Dr. Miloš Stefanović begrüßten

die Gäste aus Politik, Wirtschaft und

Gesellschaft der Metropolregion Berlin-

Brandenburg, darunter Bandenburgs Landtagspräsidentin

Britta Stark und zahlreiche

Abgeordnete, Botschafter und Gesandte

mehrerer Staaten sowie Bürger, die sich in

Ehrenämtern engagieren. Der Ministerpräsident

nahm die Begrüßung zu dem festlichen

Abend zum Anlass, die märkischen Teilnehmer

an den Olympischen Spielen in Rio zu

verabschieden. Dabei waren unter anderen

die Kanuten Sebastian Brendel und Franziska

Weber, Judoka Mareen Kräh sowie Christian

Zille kens (Moderner Fünfkampf). W+M

Brandenburgs Ministerpräsident

Dietmar Woidke (l.) ehrte Jibran Khalil

für sein Engagement für Flüchtlinge.

Ein prachtvolles

Feuerwerk

krönte den

Sommerabend

in Potsdam.

Die Konditorei-

Azubis Alyssa

Laack (l.) und

Jenny Wolf

zauberten

vor Ort süße

Köstlichkeiten.

Fotos: CHL Photodesign Christian Lietzmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


GESELLSCHAFT | 59

Das PORTA-Möbelhaus in Potsdam.

Dr. Miloš Stefanović (r.), Präsident des WirtschaftsForums, mit seinen Gästen Kurt Jox,

Frank Matthus und Christian Görke (v.l.).

WirtschaftsForum Brandenburg

Im Spannungsbogen von Politik,

Wirtschaft und Kunst

PORTA-Chef Kurt Jox beeindruckte die

Zuhörer mit Klartext.

Fotos: G. Reiche/WirtschaftsForum Brandenburg

Die Organisatoren des Wirtschafts-

Forums Brandenburg hatten sich

mal wieder einen interessanten

Themenmix ausgesucht und gleich noch

den klassischen Veranstaltungsort im Dorint-Hotel

mit dem PORTA-Möbelhaus in

Potsdam getauscht.

Der Brandenburger Finanzminister Christian

Görke (Die LINKE) schaffte es in 20

Minuten, die aktuelle Finanzlage des Landes

anschaulich darzustellen und gleichzeitig

noch auf Themen wie beispielsweise

den Brexit einzugehen. Hausherr Kurt

Jox, Geschäftsführer der PORTA Möbel

Handelsgesellschaft mbH & Co. KG, ermunterte

nicht nur zum verstärkten Küchenkauf,

sondern erläuterte auch den

komplizierten Möbelmarkt und die Rolle

von PORTA. Außergewöhnlich in dieser

Runde: der Künstlerische Leiter der

Kammeroper Schloss Rheinsberg Frank

Matthus, welcher für den Kulturstandort

im Norden Brandenburgs warb. W+M

Das PORTA-Restaurant

überraschte mit leckeren Speisen.

Der breite Themenmix des Abends

bot eine Fülle an Diskussionsstoff.

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60 | W+M NETZWERK

Wiederauferstehung einer

Traditionsmarke

Wird ab 2017 in China produziert: Borgward BX7.

Wieviel Borgward aus der Ära der Isabella ist noch im neuen

Borgward drin? Geht es nur um den prestigeträchtigen Markennamen

oder steckt solides Know-how aus dem ehemaligen Bremer Werk

oder aus Deutschland dahinter? Von Rudolf Miethig (VBIW)

Stuttgart. 1954 tauchte die schlanke,

elegante Borgward Isabella auf den Straßen

auf. Ihre aus Amerika übernommene

Pontonform war hier ein Novum. Borgward

war Ende der 1950er-Jahre Deutschlands

fünftgrößter Autohersteller. Doch 1961

war Schluss, dem Ingenieur und Alleinunternehmer

Carl Friedrich Wilhelm Borgward

war das Geld ausgegangen. Offenbar

war es die beispiellose Modellvielfalt, die

Borgward in den Konkurs getrieben hatte.

Auf dem Genfer Autosalon taucht 2015

wieder eine Firma mit dem Namen Borgward

auf. Sie will ab 2017 einen SUV in

China produzieren. Den Fehler des Großvaters

wolle der Enkel und Präsident der

neuen Gesellschaft nicht mehr machen.

Statt vieler, zum Teil schwer verkäuflicher

Modelle wird er die Produktion mit

einem SUV starten, dem BX7. Der war

zwar in Genf noch nicht ausgestellt, dafür

zeigte Borgward zunächst einen Veteranen,

das Isabella-Coupé. Der BX7 feierte

dann auf der IAA in Frankfurt am Main

Premiere.

Die Borgward Isabella wurde

von 1954 bis 1961 produziert.

Im Arbeitskreis Verkehrswesen des VBIW

fragte man sich, wieviel Borgward der

fünfziger Jahre – abgesehen vom Markennamen

– noch im neuen Borgward steckt,

also zum Beispiel welche kon struktiven

oder Design-Merkmale überlebt haben.

Der Markenname gehört jetzt der Firma

Foton bei Peking. Foton ist auch der Mehrheits-

oder Alleineigner der BORGWARD

Group AG in Stuttgart. Die Technik des

BX7 soll aber deutsch sein, versichert

der Borgward-Enkel Christian Borgward.

Design und Entwicklung stammen aus

deutschen Ingenieurbüros. Und dann gibt

es über Christian Borgward die personelle

Verbindung zum ehemaligen Unternehmen.

Er ist zwar nicht Ingenieur, wie es

der Großvater war, aber hoffentlich

ein guter Unternehmer, jedenfalls

sei er jetzt Autobauer,

arbeitet er doch seit zehn Jahren

leidenschaftlich an der Wiederbelebung

der Firma. Andere Parallelen zum

alten Unternehmen wirken eher bemüht,

wie der Hinweis von Chefdesigner Benjamin

Nawka auf die markante Schulterlinie

des BX7, wie sie von der Isabella bekannt

sei. Für die Mitglieder des Arbeitskreises

sieht der neue Borgward aus wie

viele andere SUV – durchaus gelungen, er

gewann ja auch die renommierte Designauszeichnung

Red-Dot-Award, aber er erinnert

nicht direkt an die Autos von Borgward.

Muss aber auch nicht sein.

Am Ende scheint es nicht unmöglich, dass

die Wiederbelebung der Marke Borgward

gelingt, zumal China ein wachsender Absatzmarkt

ist, auf dem deutsches Engineering

hoch geschätzt wird. In Deutschland

will Borgward ein Montagewerk auf Basis

importierter Komponenten errichten. W+M

Fotos: Creative Commons/Spielvogel (oben), Creative Commons/Lothar Spurzem (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


VBIW | 61

VBIW-Sonderpreise für „Jugend forscht“

Wildau/Brandenburg/Schwarzheide.

Am Wettbewerb „Jugend forscht“, der

im Frühjahr endete, wirkten auch wieder

VBIW-Juroren mit. Zudem spendete der

Verein – wie in den Vorjahren auch – eigene

Sonderpreise.

Auf dem Regionalwettbewerb Brandenburg

Ost erhielt der 18-jährige Patrick Langer den

VBIW-Sonderpreis. Er entwickelte ein Gerät,

das über Elektroden auf der Haut Signale

abgreifen, filtern und an einen Computer

übertragen kann. Kleinste Muskelanspannungen

können so in feinmotorische Bewegungen

einer Prothese gewandelt werden.

Auf dem Regionalwettbewerb Brandenburg

West erhielten Tilman Tschirner, Jeromé

Gonschorek und Lisa Gründer einen

VBIW-Sonderpreis. Sie schufen einen „Digitalen

Polychromator“, ganz ohne bewegte

Teile, der beliebige Farbwerte erzeugen

kann, ein seit Langem von der optischen

Industrie verfolgtes Entwicklungsziel.

Der Erhöhung der Verkehrssicherheit haben

sich zwei Azubis von der Heidelberger

Druckmaschinen AG in Brandenburg an

der Havel verschrieben. Bastian Nischan

und Maximilian Gudat griffen das Problem

der Blendung durch Scheinwerfer

auf. Sie schlugen vor, dass bei Stillstand

eines Fahrzeugs automatisch nach fünf

Sekunden das Standlicht und bei Weiterfahrt

das Abblendlicht eingeschaltet wird.

Dieses Projekt wurde zum Landeswettbewerb

mit dem VBIW-Sonderpreis ausgezeichnet,

da es einen weiteren Denkanstoß

zur Lösung der Blendproblematik

liefert.


Jutta Scheer (VBIW)

Patrick Langer aus Seelow nutzt

bioelektrische Zellpotenziale zur Steuerung

von Maschinen.

Ein Schotte hat’s erfunden

Fotos: BASF/Rasche (oben), Stirling Technologie Institut Potsdam (unten)

Mikro-BHKW von Gimsa: Braun der warme

Teil, blau der kalte Teil eines Stirlingmotors

und rechts der Wand der Pelletkessel.

Potsdam. 1816 erfand der schottische

Pfarrer Robert Stirling den Heißluftmotor.

Anders als der Verbrennungsmotor, wo

Explosionen im Inneren unter Kompression

ablaufen, arbeitet der Heißluftmotor

mit einer äußeren Wärmequelle.

Erhitzte Luft strömt

von einem warmen in einen

kalten Zylinder und wird danach

wieder zurückgeschoben,

wobei über einen Kurbeltrieb

mechanische Energie erzeugt

wird.

Seit Jahren forscht VBIW-Mitglied

Dr.-Ing. Andreas Gimsa

mit dem Stirling Technologie

Institut Potsdam, einer gemeinnützigen

GmbH, an effizienten

und umweltfreundlichen

Methoden zur Heizung von Gebäuden.

Dabei fügt er herkömmliche

Heiztechnik mit dem Stirling-Motor

in einem kleinen Block-Heizkraftwerk

(Mikro-BHKW) zusammen. Dieses kann

dezentral in Einfamilienhäusern eingesetzt

werden.

Eine Gruppe von VBIW-Mitgliedern erlebte

kürzlich ein Mikro-BHKW in Betrieb.

Als dessen äußere Wärmequelle dient ein

Holzpellets-Kessel. Dieser speist Wärme

direkt in ein Heizsystem ein, zusätzlich

wird aber auch die Abwärme des Stirlingmotors

zur Heizung genutzt. Dieser Motor

treibt überdies einen Generator an, um

Strom zu erzeugen. Gimsa will noch in

diesem Jahr einige Mikro-BHKW in den

Praxistest überführen, um 2017 mit dem

Bau einer Kleinserie beginnen zu können.

Dr. Norbert Mertzsch und

Rudolf Miethig (beide VBIW)

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder)

Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

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62 | W+M NETZWERK

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

AUF DER SUCHE NACH FACHKRÄFTEN

Unternehmer und Wissenschaftler

diskutierten beim 3. Unternehmerfrühstück

des Jahres über den Fachkräftemangel.

Großer Dreesch. Am 12. Juli 2016 fand

das 3. Unternehmerfrühstück des Jahres

der Verbandsregion Schwerin großen

Zuspruch. Mehr als 30 Unternehmer

und Wissenschaftler fanden sich ein,

um Fragen zum vielfach bereits spürbaren

Fachkräftemangel zu diskutieren. Dabei

gingen die Referenten auf Themen

wie Arbeitgeberattraktivität, die Rolle der

Aus- und Weiterbildung bei der Mitarbeitersuche

und auch -bindung sowie auf

die bislang wenig beachtete, aber zahlenmäßig

gar nicht so unerhebliche Gruppe

der Studienabbrecher ein. Diese Gruppe

junger Leute für eine berufliche Ausbildung

zu gewinnen, kann sich durchaus

lohnen. Hierbei ist seit rund einem Jahr

das JOBSTARTERerplus-Projekt "ask for

change" der Hochschule Wismar und der

RegioVision GmbH Schwerin aktiv im Einsatz.

Die Projektmitarbeiter berichteten

beim diesjährigen Unternehmerfrühstück

von ihren Erfahrungen. Viele Unternehmer

zeigen bereits großes Interesse an

diesen potenziellen Auszubildenden und

Fachkräften mit Entwicklungspotenzial.

UV Brandenburg-Berlin

BILDUNGSANGEBOTE NACH MASS

Potsdam. Der Unternehmerverband

Brandenburg-Berlin (UVBB) und die Verwaltungsakademie

(VWA) in Potsdam

wollen die Zusammenarbeit weiter ausbauen.

Auf der Mitgliederversammlung

des Bildungsträgers verwies Dr. Joachim

Feske, 1. Vizepräsident des UVBB,

auf den zunehmenden Fachkräftemangel

und den Bedarf an berufsbegleitenden

Angeboten zur Qualifizierung der

Mitarbeiter. Die VWA ist langjähriges

Mitglied des Unternehmerverbands. In

Zukunft sollen vermehrt Seminare und

Workshops für Mitglieder des UVBB

durchgeführt werden. Ein erstes Seminar

fand bereits zum Thema „Innovative

Geschäftsmodelle marktnah testen“

statt. Das nächste ist für Mitte November

Prof. Dieter Wagner, Sven Heise, Torsten Bork, Stefan Frerichs und Waldemar Stengel (v. l.)

bei der Podiumsdiskussion.

geplant. Ziel ist es, Unternehmer und Mitarbeiter

beim Thema Betriebswirtschaftliches

Know-how gezielt auf den neuesten

Stand zu bringen. Vorschläge und Anregungen

aus dem Kreis der Mitglieder

des UVBB sind stets willkommen.

GELEGENHEIT ZUR STANDORTBESTIMMUNG

Bad Saarow. Der Unternehmerverband

Brandenburg-Berlin (UVBB) nutzte die

Mitgliederversammlung am 1. Juli für die

Standortbestimmung und zum Abstecken

der Ziele. Als Schwerpunkte sieht UVBB-

Präsident Dr. Burkhardt Greiff die Fachkräftesicherung,

den Ausbau der Internet-Infrastruktur,

die Steuerpolitik sowie die Strompreisentwicklung.

Gastreferent auf der

Mitgliederversammlung war Dr. Steffen

Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung

der ZukunftsAgentur Brandenburg, welcher

sich zu aktuellen Wirtschaftsfragen wie beispielsweise

dem Strukturwandel in der Lausitz

äußerte. Die Mitgliederversammlung

nahm den Jahresabschluss 2015 an und

entlastete das Präsidium. Der Haushaltsplan

2016 wurde bestätigt und in einer Nachwahl

der Potsdamer Rechtsanwalt Wolfgang

Matzke in das Präsidium aufgenommen.

Er tritt die Nachfolge von Ingrid Andres an.

Fotos: Reinhard Klawitter (oben), Bolko Bouché (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


UNTERNEHMERVERBÄNDE | 63

Foto: Claudia Koslowski

UV Sachsen

SCHUTZ VOR CYBER-KRIMINALITÄT

Lars Schaller, Heiko Waber, Michael Sauermann, Andreas Kessler und Jürgen Voigt beim

Unternehmerabend (v. l.).

Leipzig. Der 6. Leipziger Unternehmerabend

von KPMG, UV Sachsen und dem

Verein „DIE FAMILIENUNTERNEHMER –

ASU“ Mitte Juni rückte das Thema „Von

Erpressung, Sabotage und Diebstahl –

wie professionelle Machenschaften von

Cyber-Kriminellen auch mittelständische

Unternehmen bedrohen“ in den Blickpunkt.

Die Veranstaltung in der Alten Essigmanufactur

Leipzig stieß auf große Resonanz.

Cyberattacken gehören für Unternehmen

auf der ganzen Welt mittlerweile

zum Alltag. Dass dies nicht nur multinationale

Konzerne in Übersee betrifft, zeigt

die neueste E-Crime-Studie. Fast 90 Prozent

der befragten Unternehmen schätzen

das momentane Risiko als sehr hoch

ein, mehr als 40 Prozent sind oder waren

schon von e-Crime betroffen – trotz steigender

Investitionen in IT-Sicherheit: Die

Hacker werden nicht müde, nach immer

neuen Einfallstoren in Unternehmen und

Organisationen zu suchen, um diese für

ihre Zwecke auszunutzen. In Deutschland

war es Unternehmen bislang möglich, Cyberattacken

und Hackerangriffe – zumindest

vor der breiten Öffentlichkeit – für

sich zu behalten. Das wird künftig durch

das IT-Sicherheitsgesetz und der damit

einhergehenden Informationspflicht für

Unternehmen nicht mehr so ohne weiteres

möglich sein. Michael Sauermann von

der Abteilung Forensic der KPMG gab einen

spannenden Einblick in seine Arbeit

und zeigte anschauliche Praxisbeispiele

auf. Die stark zunehmenden Hackerangriffe

wecken bei mittelständischen Unternehmen

zudem immer mehr das Bedürfnis

nach einem geeigneten Versicherungsschutz.

Somit gab ein Kurzreferat

von Heiko Waber aus der Geschäftsleitung

des Haftpflichtverbandes der deutschen

Industrie (HDI) Einblick in mögliche

Policen.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: N. N.

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Dr. Burkhardt Greiff

Geschäftsführer: Steffen Heller

Hauptgeschäftsstelle

Jägerstraße 18, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-bb.de

Internet: www.uv-bb.de

Geschäftsstelle Berlin

Charlottenstraße 80, 10117 Berlin

Tel.: +49 30 2045990

Fax: +49 30 20959999

E-Mail: berlin@uv-bb.de

Geschäftsstelle Cottbus

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-bb.de

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführerin: Pamela Buggenhagen

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres

Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

c/o IHK Erfurt - Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsführer: N. N.

Geschäftsstelle

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


64 | W+M PORTRÄTS

Nora Heer

Start-up-Dirigentin

VISIONÄRE

Nora Heer entspricht dem modernen

Unternehmertyp der neuen

New Economy. Sie beobachtet genau,

spricht schnell, hält zum Nachdenken

inne und erweckt den Eindruck, dass sie

stets gut zuhört, aber schnell

denkt und auch so handelt.

Wer nach dem Studium

gleich in die Unternehmensentwicklung

eines großen

Unternehmens wie Holtzbrinck wechselt,

strategische Aufgaben zu erfüllen hat und

international unterwegs ist, dem stehen

viele Türen offen.

STECKBRIEF

Nora Heer, geboren 1979 in Köln, studierte

Medienwirtschaft in Heidenheim

und ist seit 2004 in Berlin. Neben dem

Abschluss als Diplommedienwirtschaftlerin

verfügt sie über mehrere Zusatzausbildungen.

Nach gut drei Jahren

beim Holtzbrinck-Verlag startete sie ihre

Karriere bei der Meltwater Group. Bei

Project A, einem Venture-Capital-Unternehmen,

nutzte sie ihre Erfahrungen,

um ein Instrument für kontinuierliches

Performance Management zu entwickeln.

Diese Idee bildete den Grundstein

für die Ausgründung im Jahr 2014. Nora

Heer ist Mitgründerin und Geschäftsführerin

von Loopline Systems.

„Ich möchte nie

aufhören, Start-up

zu sein.“

So auch Nora Heer, die bald merkt, dass sie

lieber selbst gestalten will, als in einer großen

Organisation zu planen und zu funktionieren.

Der Zufall und private Gründe sind es,

die sie 2004 nach Berlin führen und wo sie

für ein skandinavisches Unternehmen einen

Standort mit aufbauen soll. Eine interessante

Aufgabe, die schon unternehmerische Freiheiten

und Herausforderungen

abverlangte. Eine Quasi-Unternehmensgründung

im Angestelltenverhältnis.

Hier fand sie das, was sie eigentlich

suchte

und reizte. Aktiv

sein in schnell

wachsenden Unternehmen,

die Organisationsentwicklung

gestalten, neue Leute einstellen,

den Aufbau der dahinter liegenden

Strukturen bis hin zur Managemententwicklung

installieren.

Sie begleitete das Unternehmen sieben

Jahre, die Mitarbeiterzahl stieg von vier

auf 940. Dass sie damals über 1.700 Vorstellungsgespräche

führen musste, hat ihr

Erfahrungen eingebracht, die heute, wo

die Unternehmen oft krampfhaft nach guten

Leuten suchen, von unschätzbarem

Wert sind. Heers Metier ist die Start-up-

Szene. So kommt sie 2012 zu Project A,

einem Inkubator und Venture-Capital-Unternehmen,

das junge Unternehmen finanziell,

aber auch organisatorisch begleitet.

Hier beriet sie Start-ups von der Personalseite

her – vom Recruiting bis zum Coaching

von Führungskräften. Auf der Suche

nach einem passenden Personal-System,

das der Denke von jungen digitalen Unternehmern

entspricht, war nichts Fertiges

am Markt zu finden. So entstand ein eigenes

Produkt, das den modernen Anforderungen

an Performance Management und

Führung entspricht. Ursprünglich gedacht

für das 100-köpfige Team von Project A

und seine Ventures entwarf sie loopline,

ein cloud-basiertes Software-Instrument,

das Ziele mit individuellen Beobachtungen

zum Potenzial und der Zufriedenheit von

Mitarbeitern verknüpft.

Dieses Produkt war auch für andere Unternehmen

von Interesse und so entstand

schnell die Idee, daraus ein Unternehmen

zu machen. Dass Heer hier ein eigenes

Start-up-Unternehmen übernahm, war

nicht von Anfang an klar, heute ist sie

froh darüber.

Sie stammt zwar aus einer Unternehmerfamilie,

aber sie meint, dass es vielmehr

die Vorbilder waren, die sie so geprägt

hätten. Immer hatte sie gute Vorgesetzte,

die notwendigen Freiraum gaben.

Sie spricht von Anpacker-Mentalität

und meint damit die Unternehmerfähigkeit,

Möglichkeiten zu sehen und sich

selbst in die Verantwortung zu nehmen.

Die Kombination von visionärem Denken

und prozessorientiertem Handeln machen

den Unternehmer als Gestalter aus.

Die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, ist

Heer wichtiger als Status. Ihre Aufgabe

beschreibt sie als eine Art Dirigent und

meint damit, Vision und Strategie für das

Unternehmen vordenken und Mitarbeiter

mitnehmen. Auf die Frage, wann das Unternehmen

denn kein Start-up mehr sein

wird, sagt sie: „Ich möchte nie aufhören,

Start-up zu sein, es hat nichts mit Größe

zu tun, sondern ist eher eine Einstellung.“


Frank Nehring

Foto: Hoffotografen

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


MACHER

W+M PORTRÄTS | 65

Ralf Hillenberg

Preußischer Lautsprecher

Foto: W+M

Ralf Hillenberg hört man oft schon von

weitem. Etwa wenn er mit Freunden

oder Kollegen zusammensteht, eine

Zigarette raucht und die Pause mit einem

Witz auflockert, der durchaus etwas derber

sein darf. Dann spricht er dröhnend

laut und mit „Berliner Schnauze“. Eine

Gabe, die ihm in die Wiege gelegt wurde,

schließlich war der Großvater einst Bierkutscher

und der Vater U-Bahn-Chauffeur.

Hillenberg ist sicher ein Lautsprecher –

aber keinesfalls ein banaler Sprücheklopfer.

Er, der sich selbst als „absoluten Preußen“

bezeichnet, hält es im beruflichen

Alltag mit dem Motto: „Nicht reden, handeln!“

Seit dem Sprung in die Selbstständigkeit

vor nunmehr 22 Jahren hat er drei

Firmen gegründet, sie in schweren Zeiten

über Wasser gehalten und mittlerweile zu

profitablen Unternehmen entwickelt. Es

war ein Weg mit Biegungen, steilen Anstiegen,

riskanten Gratwanderungen und

einem schmerzhaften Absturz.

Als das ehemals volkseigene Unternehmen

Ingenieurhochbau Berlin, für das

Hillenberg fast 20 Jahre gearbeitet hatte,

1994 massiv in Schieflage geriet, kündigte

der Pankower kurzentschlossen. „Ich

brachte es nicht übers Herz, dass ich als

Abteilungsleiter plötzlich

langjährige Kollegen in die

Arbeitslosigkeit schicken

sollte.“ Er gründete seine

erste eigene Firma, die

auf Baubetreuung

spezialisierte

IPBB

GmbH. Es folgte

ein Unternehmen,

das als Generalübernehmer fungiert, sowie

die Spinola Objektgesellschaft, die

sich um Grundstücksentwicklungen kümmert.

Nicht ohne Stolz zählt Hillenberg

vier Punkte auf, die eine Vorstellung von

dem vermitteln, was seine inzwischen 37

Mitarbeiter in zwei Jahrzehnten geschaffen

haben: „Wir stehen für 16.843 sanierte

und neu gebaute Wohnungen. Der Gesamtumsatz

belief sich auf rund 560 Millionen

Euro. Durch unsere energetischen

Sanierungskonzepte konnte der Kohlendioxid-Ausstoß

um 310.000 Tonnen reduziert

werden. Darüber hinaus wurden

durch unsere Wärmedämmung 135 Millionen

Kubikmeter Gas eingespart.“

2010 war das für ihn wohl schwierigste

Jahr. Dem Sozialdemokraten Hillenberg,

von 1990 bis 2011 insgesamt 18

Jahre Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus,

wurde vorgeworfen, Aufträge

der städtischen Wohnungsbaugesellschaft

HOWOGE ohne Ausschreibung

erhalten zu haben. Dass damit seine politische

Laufbahn abrupt endete, war für

Hillenberg emotional schmerzhaft. Noch

dramatischer waren die Auswirkungen

auf seine Firmen: „Man behandelte uns

plötzlich wie Aussätzige, wir bekamen

über Monate keine Aufträge.“ Zwei Jahre

lang führte Hillenberg seine Unternehmen,

ohne sich auch nur einen Euro Ge-

„Es gibt wichtigere

Dinge als die

Politik.“

halt zu überweisen. „Wir standen damals

auf der Kippe.“ Aber Hillenberg hielt durch

und sein Team zusammen. Und nebenbei

gewann er eine ihn prägende Erkenntnis:

„Es gibt wichtigere Dinge als die Politik.

Seitdem genieße ich noch

mehr die Freiheit, mich als

Unternehmer zu verwirklichen.“

Auch auf neuen Feldern

– seit 2010 arbeitet er

als Energieberater in Russland, der Ukraine

und Kasachstan.

Einst sah Hillenbergs Lebensplanung vor,

mit 60 Jahren in Rente zu gehen. Jetzt ist

er 60. „Ich denke gar nicht daran, mich

aufs Altenteil zurückzuziehen. Die Arbeit

ist mein Hobby und am wichtigsten ist mir,

dass meine Mitarbeiter zufrieden sind und

gern bei uns arbeiten. Das soll mindestens

noch zehn Jahre so bleiben.“

Karsten Hintzmann

STECKBRIEF

Ralf Hillenberg wurde am 3. August

1956 in Berlin geboren. Nach Abitur

und Armeedienst erlernte er den Beruf

des Zimmermanns. Von 1978 bis 1984

absolvierte er ein Fernstudium an der

Technischen Universität Dresden, das

er als Diplom-Ingenieur abschloss. Bis

1994 arbeitete Hillenberg als angestellter

Bauleiter. Anschließend machte er

sich selbstständig und gründete insgesamt

drei Unternehmen. Er ist seit 1989

Mitglied der SPD und war von 1991 bis

2011 (mit Unterbrechungen) Mitglied

des Berliner Abgeordnetenhauses.

Er ist geschieden und Vater von zwei

Söhnen.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


66 | W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Zukunft Ost

Wie werden sich die neuen Länder

in den kommenden 25 Jahren

entwickeln? Wird der seit

1990 andauernde Aufholprozess gegenüber

dem Altbundesgebiet hinsichtlich

der Wirtschaftskraft und der Lebensverhältnisse

irgendwann gelingen? Gibt es

eine Chance, dass sich der aktuell kleinteilige

Mittelstand mausert und daraus sogar

Konzernstrukturen erwachsen? Mit all

diesen Fragen befasst sich das von

WIRTSCHAFT+MARKT initiierte

erste Ostdeutsche Wirtschaftsforum,

das am 20. und 21. Oktober

in Bad Saarow stattfindet.

Viele namhafte Akteure

aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft

haben ihre Teilnahme zugesagt. Im

Vorfeld des Kongresses, der den etwas

unbescheidenen Arbeitstitel „Davos des

Ostens“ trägt, stellen zahlreiche Referenten

ihre Kerngedanken zur „Zukunft Ost“

komprimiert im Magazin vor.

In unserer Serie über die Entwicklung des

Wirtschaftsstandortes Ostdeutschland berichten

wir in dieser Ausgabe über Thüringen.

Dort haben vor allem die Bereiche Automotive,

Life Sciences, Informations- und

Kommunikationstechnik (IKT) sowie die optische

Industrie an Dynamik gewonnen. Ministerpräsident

Bodo Ramelow stellt sich

den Fragen von WIRTSCHAFT+MARKT

und spricht über interessante Ansiedlungsvorhaben,

die Integration von Flüchtlingen

in den Arbeitsmarkt und seine Gedanken

zum Thema Länderfusionen.

Darüber hinaus finden Sie wie gewohnt

aktuelle Nachrichten aus den neuen Bundesländern

sowie einen informativen Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT

erscheint am

17. Oktober 2016.

PERSONENREGISTER

Acksel, Daniel 10

Albers, Hermann 41

Ancelotti, Carlo 56

Andres, Ingrid 62

Arndt, Rommy 45

Balan, Manuela 57

Ballack, Michael 7

Baumeister, Roy 56

Beckmann, Ralph 45

Blank, Wolfgang 8

Borgward, Christian 60

Bork, Torsten 62

Brendel, Sebastian 58

Bunse, Benno 45

Bunsen, Hartmut 8, 45

Calmund, Rainer 7

Christiansen, Rolf 24

Dulig, Martin 11

Fassbinder, Stefan 8

Faulenbach da Costa, Dieter 26/27

Ferris, Timothy 56

Feske, Joachim 62

Fissenewert, Peter 9

Frenzel, Christian 31/33

Frerichs, Stefan 62

Friedrich, Marc 56

Gabriel, Sigmar 43/44

Giese, Lutz 10

Gimsa, Andreas 61

Glawe, Harry 8, 25

Gleicke, Iris 44

Golbs, Andreas 9, 45

Golletz, Frank 45

Gonschorek, Jeromé 61

Görke, Christian 59

Gramkow, Angelika 24

Greiff, Burkhardt 62

Gründer, Lisa 61

Grusser, Gerald 30

Gudat, Maximilian 61

Gülland, Joachim 29

Guo, Guangchang 45

Haferburg, Katja 32

Hahne, Peter 56

Hampel, Gerd 10

Hartmann, Tim 22/23

Haseloff, Reiner 44

Hattemer, Mario 49

Heer, Nora 45, 64

Heise, Sven 62

Herrmann, Ulrike 56

Hillenberg, Ralf 65

Höpner, Frank 45

Jäger, Hubert 32

Joras, Andrea 45

Jox, Kurt 59

Kahnemann, Daniel 56

Kammann, Rolf 8

Kammradt, Steffen 62

Kawalla, Rudolf 32

Kessler, Andreas 63

Khalil, Jibran 58

Kirpal, Kristian 6

Kirpal, Kurt 6

Kleindfeldt, Angelika 57

Kleindfeldt, Doris 57

Kräh, Mareen 58

Kralinski, Thomas 58

Krüger, Harald 15

Laack, Alyssa 58

Lahmann, Alexander 8

Langer, Patrick 61

Linhart, Zbyněk 38

Ludwig, Saskia 41

Mallok, Jörn 10

Mathieu, Stefan 6

Matthus, Frank 59

Matzke, Wolfgang 62

Meier, Klaus-Jürgen 9

Meinel, Christoph 45

Merkel, Angela 29

Mertzsch, Norbert 61

Methling, Roland 27

Meyer, Jens-Uwe 45

Müller, Michael 44

Müller, Ulrich 10

Nawka, Benjamin 60

Nischan, Bastian 61

Nothnagel, Peter 32

Nowakowski, Juliane 6

Olbricht, Klaus 8

Olenicak, Volker 28/29

Paukstat, Rolf 9

Pegel, Christian 44

Piketty, Thomas 56

Rademacher, Jens 57

Ragnitz, Joachim 10, 40, 44

Ramelow, Bodo 66

Richter, Tino 38/39

Riester, Walter 6

Ritter, Jörg K. 45

Roi, Daniel 28/29

Ruch, Oliver 10

Sapich, Sylvia 57

Sauermann, Michael 63

Schaller, Lars 63

Scheer, Jutta 61

Scholze, Uwe 29

Schwartz, Rainer 26

Sellering, Erwin 44

Stange, Eva-Maria 32, 39

Stapper, Florian 50

Stefanović, Miloš 58, 59

Stengel, Waldemar 62

Stenger, Tillmann 31/32

Stirl, Axel 9

Teuchert, Stefan 45

Tiefensee, Wolfgang 30

Tierney, John 56

Tillich, Stanislaw 16-18

Topf, Wolfgang 6

Treutler, Alexandra 7

Tröltzsch, Jürgen 32

Tschirner, Tilman 61

Vance, Ashlee 56

Voigt, Jürgen 63

von Hardenberg, Tita 6

von Nathusius, Heinrich 45

Waber, Heiko 63

Wagner, Dieter 62

Wagner, Thomas 7

Wanka, Johanna 44

Wassermann, Holger 46/47

Weber, Franziska 58

Weber, Michael 10

Weik, Matthias 56

Werner, Holger 45

Winter, Alexander 45

Wisch, Sebastian 52

Wladasch, Sarah 58

Woidke, Dietmar 8, 16-18, 44, 58

Wolf, Jenny 58

Wolf, Udo 8

Wolff, Severine 10

Zeller, Joachim 34/35

Zillekens, Christian 58

Zoschke, Dagmar 29

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2016


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