Wandel

ursarnold

Lösungen für eine bessere Welt
Global Investor, 01/2017
Credit Suisse

Global Investor 1.17, Januar 2017

Expertenwissen für Anlagekunden der Credit Suisse

INVESTMENT SOLUTIONS & PRODUCTS

Wandel

Lösungen für eine bessere Welt

Yoshiyuki Sankai Asimov hatte recht: Wie Roboter zu einer besseren

Zukunft beitragen können. Fabian Waltert Neue Wohnlösung gesucht?

Denken Sie klein. Nein, kleiner. Uwe Neumann Digitale Landwirtschaft

auf dem Vormarsch. Henry Siu Umverteilung zwischen Generationen sorgt

für gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Bitte beachten Sie die wichtigen Angaben und Informationen im Anhang im Dokument «Disclosures»

CS steht im geschäftlichen Kontakt mit Unternehmen, die in diesen Research-Berichten behandelt werden,

oder strebt geschäftliche Beziehungen mit diesen an. Anleger sollten sich daher bewusst sein, dass CS möglicherweise

in einem Interessenkonflikt steht, der sich auf die Objektivität dieses Berichts auswirken könnte. Anleger sollten bei

ihrer Investmententscheidung diesen Bericht daher nur als einen von mehreren Faktoren berücksichtigen. Informationen

zu den mit Anlagen in die hierin behandelten Wertschriften verbundenen Risiken finden Sie unter folgender Adresse:

https://research.credit-suisse.com/riskdisclosure


GLOBAL INVESTOR 1.17 —03

Verantwortliche für die Koordination

der Fokusthemen in dieser Ausgabe

CHRISTINE SCHMID ist Head of

Global Equity & Credit Research bei Credit

Suisse International Wealth Management.

Sie verfügt über 23 Jahre Erfahrung

und ist für den Finanzsektor zuständig.

Sie hat einen Master in Wirtschaftswissenschaften

der Universität Zürich und

ist Chartered Financial Analyst (CFA).

RETO HESS ist Senior Research

Analyst bei Credit Suisse International

Wealth Management. Er verfügt über

12 Jahre Erfahrung im Aktienresearch

und in der Vermögensverwaltung.

Er leitet das Global-Equity-Research-

Team und ist für den europäischen und

US-amerikanischen Industriesektor

zuständig. Er ist Chartered Financial

Analyst (CFA) und Chartered Alternative

Investment Analyst (CAIA). Hess hat

einen Master in Naturwissenschaften

der Universität Zürich.

Foto: Steve Vidler/Alamy Stock Foto; Illustration: Martin Mörck

UWE NEUMANN ist Senior Research

Analyst im Bereich Global Equity &

Credit Research bei Credit Suisse International

Wealth Management, wo er für

die Sektoren Telekommunikations dienste

und Informationstechnologie zuständig

ist. Er verfügt über 29 Jahre Erfahrung

im Wertschriften- und Bank geschäft.

Neumann hat einen Master in Wirtschaftswissenschaften

der Universität Konstanz

und ist Certified European Financial

Analyst (CEFA).

Die Auswirkungen der Globalisierung und der Digitalisierung sowie

die Folgen der rapide alternden Gesellschaft bereiten den Menschen in

den westlichen Demokratien ernsthafte Sorgen. Der Wunsch nach Entglobalisierung

und Multipolarität wird zunehmend stärker, ebenso die

Entschlossenheit, «das eigene Land an die erste Stelle zu setzen».

Die gut ausgebildete Mittelschicht fürchtet im Zuge der Digitalisierung

um ihre Arbeitsplätze. Überdies dürfte die Bevölkerungsalterung den

Gesundheits-, Sozial- und Pensionssystemen künftig enorme Kosten

aufbürden. Die sehr lockere Geldpolitik der globalen Notenbanken hat

die Sozial- und Pensionssysteme bereits geschwächt, wodurch die

künftigen Erträge unter Druck stehen.

Der Wohlstand, der seit Mitte des letzten Jahrhunderts erreicht wurde,

fusst auf einem Generationenvertrag, der angesichts der heutigen

Herausforderungen neu definiert werden muss. Noch immer wird die

Ausbildung der Jungen von den älteren Generationen finanziert, doch

die Anforderungsprofile des Arbeitsmarktes ändern sich. Wir werden

daher gezwungen sein, unser Bildungssystem grundlegend zu überdenken

und an die veränderte Arbeitswelt anzupassen. Unsere Pensions-

und Sozialsysteme gründen indes auf der Annahme, dass das

Wirtschaftswachstum immer weitergeht, doch die Ressourcen unserer

Erde sind begrenzt. Der neue Generationenvertrag muss demnach eine

nachhaltige Wirtschaft sicherstellen.

All diese Veränderungen eröffnen bedeutende Geschäftsmöglichkeiten

für Unternehmen. Diverse Sektoren sind bereits nahe daran,

wegweisende Lösungen für die Zukunft zu liefern. Im Gesundheitswesen

beispielsweise ermöglicht der Fortschritt bei den digitalen Technologien

effizientere und massgeschneiderte Behandlungen. Zudem kündigt sich

Mobilität 2.0 unaufhaltsam an, derweil die Blockchain-Technologie durch

ein neues Vertrauensumfeld Verträge und Handelsplattformen revolutionieren

dürfte.

Diese Ausgabe des Global Investor gibt Aufschluss über unsere

Gedanken und Erwartungen hinsichtlich dieser Entwicklungen. Ich wünsche

Ihnen eine interessante Lektüre.

Christine Schmid, Head of Gloabl Equity & Credit Research


GLOBAL INVESTOR 1.17 —04


GLOBAL INVESTOR 1.17 —05

Inhalt

Global Investor 1.17

Collagen in dieser Ausgabe

Karte

Die Welt von heute ist im

Umbruch. Technologie,

Demografie und Globalisierung

unterwerfen Menschen und

ihre Arbeitsplätze ständigen,

raschen Veränderungen.

Dies leistet neuen Ideen und

Ansätzen dazu, wie wir

leben und arbeiten, Vorschub.

Die sechs Collagen von Vincent Poinas

illustrieren auf kreative Art und Weise

einige der Probleme im Zentrum des gegenwärtigen

Generationenkonflikts, wie z. B.

Nachhaltigkeit, Renten, Gesundheitswesen,

Privatsphäre und Robotik.

Mehr zum Künstler auf Seite 54.

06

Vom Wert des generationsübergreifenden

Transfers

Zur Wahrung des gesellschaftlichen

Zusammenhalts müssen Lösungen

zur Weiterentwicklung und Verbesserung

des Generationenvertrags gefunden

werden, wie Henry Siu erläutert.

13

Mit 66 Jahren

Die Ökonomen Yikai Wang und

Martin Eichler reflektieren über die

Probleme der Pensionssysteme

in China und der Schweiz.

17

Cyborgs für den Alltag

Wer Roboter konzipiert und baut,

so Robotikexperte Yoshiyuki Sankai,

sollte zuerst über die zu lösenden

Probleme nachdenken.

21

Der vernetzte Patient

Das Gesundheitswesen hat digitale

Lösungen bisher nur zögerlich

aufgenommen, erläutert Lorenzo Biasio.

Doch das ändert sich nun.

25

Das Internet als Freund

und Helfer

Verzichten Sie nicht wegen orwellscher

Schreckensvisionen auf Konnektivität,

meint Uwe Neumann. Das Internet hat

auch seine guten Seiten.

29

Die dunkle Seite der

Digitalisierung

Cyberrisiken sind der Preis, den wir für

eine offene digitale Gesellschaft zahlen.

Sie bieten aber auch Chancen für die

IT-Sicherheitsbranche, wie Ulrich Kaiser

aufzeigt.

31

Das Zeitalter der Kryptofinanz

Mit digitalem Bargeld zieht nun endlich

auch im Finanzwesen die Demokratie

ein, führt Johann Gevers von Monetas aus.

Dies wird der Weltwirtschaft zum mehr

Schwung verhelfen.

35

Wohnformen im Wandel

Sind Sie daheim noch König?

Fabian Waltert wirft einen Blick

auf aktuelle Wohntrends und entdeckt,

dass Sharing immer beliebter wird.

41

Arbeit im neuen Jahrtausend

Auf dem heutigen Stellenmarkt entspricht

Ihre Arbeit möglicherweise nicht Ihrem

idealen Profil. Weshalb, erläutert Randstad-

CEO Jacques van den Broek.

44

Jung und autofrei

Autofahren verliert bei jungen Menschen

in Industrieländern an Stellenwert.

Julia Dumanskaya beleuchtet die

Hintergründe.

46

Generation Y fordert

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist der Generation Y

enorm wichtig, wie Julie Saussier ausführt.

Unternehmen beginnen daher, ihre

Produktionsprozesse anzupassen.

48

Der Landwirt als IT-Manager

Der Vormarsch digitaler Agrartechnologien

lässt Landwirte vermehrt in die Rolle des

Chief Technology Officer (CTO) schlüpfen.

Uwe Neumann mit einem Überblick über

eine neue, überraschende Agrarwirtschaft.

Disclaimer > Seite 52


GLOBAL INVESTOR 1.17 —06

Foto: Kamil Bialous

Laut dem Ökonomen Henry Siu hängt der Zusammenhalt der Gesellschaft von deren Bereitschaft ab, Ressourcen

generationenübergreifend umzuverteilen.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —07

Vom Wert des

generationsübergreifenden

T ra nsfers

Die Alterung der Bevölkerung, die Globalisierung und der technologische Fortschritt

haben unsere Gesellschaft dramatisch verändert. Es wird folglich wieder vermehrt

darüber diskutiert, wie der Generationenvertrag weiterentwickelt und verbessert werden

soll. Mit dieser Diskussion verleihen wir unserem Glauben an eine kohäsive Gesellschaft

Ausdruck, die ihre Bedürftigsten nicht vergisst.

TEXT HENRY SIU

A

ls Generationenvertrag wird eine gesellschaftliche Vereinbarung

zur Umverteilung von Ressourcen zwischen

verschiedenen Altersgruppen bezeichnet. Diese Umlagerung

erfolgt fast immer von Erwerbstätigen auf Rentner

und junge Menschen. Intergenerationelle Verträge müssen nicht

unbedingt gesetzlich festgeschrieben sein. Effektiv sind und waren

sie in den meisten Gesellschaften informeller Natur. Das offensichtlichste

und aktuellste Beispiel ist wohl der Mehrgenerationenhaushalt:

Die Eltern sorgen für Einkommen, Verpflegung und Unterkunft

und widmen den Kindern sowie ihren eigenen Eltern ihre Zeit und

Fürsorge. Die Grosseltern profitieren von diesen Transfers und tragen

ihrerseits zur Kinderbetreuung bei, indem sie ihre verfügbare Zeit

und ihr kumuliertes Wissen einbringen. Die Kinder im Haushalt empfangen

diese Transfers vorerst kostenlos (ausser, dass sie vielleicht

ihr Zimmer aufräumen oder den Müll hinaustragen müssen). Indes

besteht eine implizite Übereinkunft – der Vertrag – darüber, dass sie

später, wenn sie selbst erwerbstätig werden, dieselben Transfers zugunsten

ihrer Eltern und ihrer eigenen Kinder vornehmen.

Generationenverträge gibt es natürlich auch in expliziterer Form, zum

Beispiel als gesetzlich verankerte Sozialversicherungssysteme, die in

den meisten Ländern staatlich verwaltet werden. Das wohl bekannteste

Beispiel sind staatlich finanzierte Pensionskassen, über die

Rentner Transfers und Leistungen beziehen. In den Industrie ländern

stehen derartige Programme wegen rückläufiger Geburtenquoten,

höherer Lebenserwartung und – in gewissen Fällen – schlechter Budgetierung

sowie Unterfinanzierung zunehmend unter Druck. Gemäss

dem jüngsten Social Security Administration Trustees Report verzeichnete

etwa das US-Sozialversicherungssystem 2016 ein Defi zit

von 6 Billionen US-Dollar. Dies entspricht fast 20 000 US-Dollar für

jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in den USA. Auf Basis der

Prognosen und des Gegenwartswerts der künftigen Leistungen und

Steuern weist das System zurzeit einen Fehlbetrag von 32 Billionen

US-Dollar auf. In der Schweiz ist die finanzielle Lage des staatlichen

Rentensystems derweil weniger düster. Das Land strebt mit der Vorlage

Altersvorsorge 2020 in Erwartung eines steigenden Altenquotienten

Reformen an. Zurzeit entfallen etwa 30 über 65-jährige >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —08

Pensionsbezüger auf jeweils 100 20- bis 64-Jährige, die in das System

einzahlen. Bis 2060 wird sich diese Kennzahl indes fast verdoppeln,

nämlich auf 55 Bezüger pro 100 Einzahler.

Vielleicht noch wichtiger sind in diesem Generationenvertrag die

Transferzahlungen, die über das staatlich finanzierte Bildungs- und

Gesundheitswesen an junge Menschen erfolgen, weil Gesellschaften

mit den Bildungs- und Gesundheitsinvestitionen letztlich Humankapital

schaffen. Als Humankapital werden die Fähigkeiten und das Wissen

bezeichnet, aus dem sich die Einkommen der Erwerbstätigen

ableiten. Es ist möglicherweise die wichtigste Determinante für die

Grösse des «wirtschaftlichen Kuchens» und des sozialen Wohlergehens

einer Gesellschaft. In gewissen Ländern generieren diese Systeme

jedoch nicht genug Investitionen in die Jugend.

Neuformulierung des Generationenvertrags

Vor diesem Hintergrund und wegen der dramatischen, durch die Globalisierung

und den technologischen Fortschritt angestossenen Veränderungen

wird heute vermehrt darüber diskutiert, wie sich der Generationenvertrag

entwickeln und anpassen lässt, um die Anforderungen

des 21. Jahrhunderts besser zu erfüllen. Fundierte Diskus sionen

setzen indessen ein grundlegendes Verständnis seiner Bedeutung

in einer Gesellschaft voraus. Welche Rolle spielt er für die Umverteilung

von Ressourcen zwischen verschiedenen Altersgruppen?

«Als Humankapital

werden die Fähigkeiten

und das Wissen

bezeichnet, aus dem

sich die Einkommen

der Erwerbstätigen

ableiten.»

Grundsätzlich geht es im Generationenvertrag um die Umverteilung

von Ressourcen zwischen Generationen. Es ist für eine Gesellschaft

sinnvoll, diese Umlagerung festzuschreiben und zu steuern, sofern

man davon ausgeht, dass Bedürftige mehr Unterstützung erhalten

sollen, während Reichere auch mit etwas weniger auskommen.

Wie sollte ein Generationenvertrag also konzipiert werden, damit er

weitherum als wünschbar, fair und dem übergeordneten Wohl der

Gesellschaft zuträglich angesehen wird?

Der Generationenvertrag kann durchaus als generationenübergreifende

Sozialversicherung verstanden werden. Andere Formen

der Sozialversicherung, wie beispielsweise die Sozialhilfe, sind nicht

von der Lebensphase des Bezügers abhängig. Die Wünschbarkeit

einer generationenübergreifenden Versicherung wird dann offensichtlich,

wenn wir verstehen, dass viele Aspekte unseres Erwerbslebens

einem gigantischen Roulette gleichen, in dem die Gewinnchancen

allerdings zu unseren Gunsten spielen. Die meisten von uns werden

eine relativ glückliche Hand beweisen: Sie haben eine erfüllende,

gut bezahlte Karriere und finden – vielleicht abgesehen von kurzen

Phasen der Arbeitslosigkeit – immer eine Anstellung. Damit legen sie

die Basis für einen komfortablen Ruhestand. Für einige wenige von

uns wird das Arbeitsleben indes weniger glücklich verlaufen: Sie leiden

unter den Folgen von Behinderungen, längerer Arbeitslosigkeit,

einer verfehlten Berufswahl oder plötzlich obsoleten Fähigkeiten,

die sie über Jahrzehnte mühsam und mit finanziellem Einsatz erlernt

haben. Dies kann zu Problemen im Alter führen.

Sozialversicherung für Ältere

Diesem Negativszenario soll mit einer Sozialversicherung begegnet

werden. In vielen Ländern kommt dieses Ziel sogar direkt in der Bezeichnung

des Programms zum Ausdruck: Sowohl die USA als auch

die Schweiz bezeichnen ihr Sozialversicherungssystem als Alters-,

Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sinngemäss übersetzt für

die USA); in Deutschland kennt man die Gesetzliche Rentenversicherung.

In Versicherungen zahlen wir in guten Zeiten ein und beziehen

Leistungen, wenn und falls wir mit versicherten Schäden konfrontiert

werden.

In den letzten 50 bis 60 Jahren haben sich Sozialversicherungen

jedoch weitgehend von Versicherungsprogrammen zu staatlich finanzierten

Pensionskassen oder Altersvorsorgeplänen entwickelt, von

denen flächendeckend alle profitieren. Derweil erwartet niemand

Leistungen von seiner Autoversicherung, wenn er nicht einen Autounfall

hatte, und niemand bezieht Arbeitslosengeld, wenn er nicht

arbeitslos ist. Weshalb sollen wir da Altersvorsorgeleistungen empfangen,

nur weil wir das Pensionsalter erreicht haben, und zwar insbesondere

diejenigen unter uns, die ein Leben lang gut bezahlter Arbeit

nachgegangen sind? Wir können genauso gut selbst und auf individueller

Basis für den Ruhestand sparen. Es ist daher nicht klar, weshalb

die Altersvorsorge flächendeckend über einen Einkommenstransfer

zwischen Generationen erfolgen sollte. Somit stellt sich die wichtige

Frage, ob die Leistungen der staatlich finanzierten Altersvorsorge

nicht denjenigen vorbehalten sein sollten, die sie wirklich benötigen

(und denen dann grosszügiger geholfen werden könnte).

Eine Anpassung ist umso dringlicher, als dass sich die Arbeitsmarktbedingungen

in den letzten 30 Jahren weltweit dramatisch verändert

haben. Aufgrund der Fortschritte in der Robotik, der Informations-

und Kommunikationstechnologie sowie der Computerleistung

hat die Automation die Fähigkeiten weiter Bevölkerungsteile, die sich

ihrem Ruhestand nähern, hinfällig gemacht. Machine Learning und

künstliche Intelligenz drohen den Wert von Wissen und Fähigkeiten

auszuhöhlen, in die viele gut ausgebildete Arbeitskräfte investiert

haben. Daher sollte die Altersversicherung priorisiert werden und ihre

Leistungen denjenigen zugutekommen, denen es in ihrem Erwerbsleben

nicht gut gelaufen ist. Weil die tatsächliche Lebenserwartung

ihrer Natur nach unsicher ist, sollten zudem diejenigen berücksichtigt

werden, die das «Pech» haben, länger zu leben, als sie bei ihren Sparentscheidungen

für die Altersvorsorge angenommen hatten.

Sozialversicherung für Junge

Der Erfolg im Erwerbsleben und die Lebensdauer sind an sich eine

Lotterie, doch sie werden durch einen ungleich bedeutenderen Risikofaktor

für das lebenslängliche Wohlbefinden übertroffen: die Lotterie

der Geburt. Dieser Aspekt wurde bereits im 18. Jahrhundert durch

den Philosophen Jean-Jacques Rousseau thematisiert und beschäf­


GLOBAL INVESTOR 1.17 —09

tigte beziehungsweise beschäftigt gegenwärtig etwa den Philosophen

John Rawls und den Philanthropen Warren Buffett. Die Idee an sich

ist einfach: Wir haben keinerlei Einfluss darauf, ob wir mit Talenten

oder Behinderungen, in eine reiche oder arme Familie oder in eine

Gesellschaft, welche die elementaren Menschenrechte respektiert

oder nicht, geboren werden. Es ist also reine Glückssache, ob wir in

ein Leben eintreten, das uns Kompetenzen und Chancen eröffnet

und damit die grundlegenden Bausteine für späteren Erfolg und

Wohlstand bietet.

«Grundsätzlich

geht es im Generationen

vertrag um die

Umverteilung von

Ressourcen zwischen

Generationen.»

Somit spricht vieles für einen Generationenvertrag, der Ressourcen

auf junge Menschen überträgt, um allenfalls ungünstige Bedingungen

im frühen Lebensstadium zu kompensieren. Am wirksamsten geschieht

dies über ein faires und effizientes staatliches Bildungswesen.

Formelle Bildungssysteme können Nachteile, die jemandem in die

Wiege gelegt werden, zwar nie gänzlich wegräumen, sie sollten aber

optimal darauf ausgerichtet sein, bedürftigen jungen Menschen unter

die Arme zu greifen und für faire Voraussetzungen in der Kindheit zu

sorgen.

Zumindest sollten sie jedoch die ungleichen Voraussetzungen infolge

der Geburtslotterie nicht weiter verschärfen. In einigen Ländern

ist aber genau dies der Fall. Ein aufschlussreiches Beispiel sind in

diesem Kontext die USA, wo die öffentliche Bildung grösstenteils

über das lokale Steueraufkommen finanziert wird, das heisst die Bildungsinvestitionen

sind in reicheren vorstädtischen Agglomerationen

klar höher als etwa in ländlichen Gebieten oder in den Innenstädten.

Dadurch wird die Ungleichheit weiter verstärkt. Laut einem 2015 vom

Education Law Center publizierten Bericht erhielten nur gerade vier

von 50 US-Bundesstaaten (Minnesota, Massachusetts, New Jersey

und Delaware) die Note «fair».

Doch die USA sind nicht allein. Alle drei Jahre führt die Organisation

für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem

Programme for International Student Assessment (PISA) eine Umfrage

zur Evaluation der weltweiten Bildungssysteme durch. Die (bei

Redaktionsschluss) jüngsten PISA-Daten beziehen sich auf das Jahr

2012. In so unterschiedlichen Ländern wie der Türkei, Grossbritannien

und Österreich ist die Schülerzahl pro Lehrer gemäss PISA in sozioökonomisch

bevorteilten Schulen tiefer als in benachteiligten Schulen.

Dies im Gegensatz etwa zu Belgien und den Niederlanden, >

Henry Siu

ist assoziierter Professor an der

Vancouver School of Economics der

University of British Columbia.

Seine Forschung befasst sich mit

Themen des Arbeitsmarkts und der

Gesamtwirtschaft wie Automation,

Schwund von Arbeitsplätzen für

die Mittelklasse, Rezessionen und

beschäftigungsfreie Erholungen

sowie Jugendarbeitslosigkeit.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —10

Photo: Vorname Name/Agentur


GLOBAL INVESTOR 1.17 —11

«Das von der Weltgemeinschaft

fortwährend generierte Klimadefizit

ist schlicht eine eigennützige

Ausbeutung von Ressourcen,

die unseren Kindern und

Enkelkindern fehlen werden.»

wo die Studenten-Lehrer-Quoten so festgelegt werden, dass sie

sozioökonomische Benachteiligungen mildern. Hier lassen sich Lehren

aus den jüngsten Erfahrungen Deutschlands ziehen. Von 2003

bis 2012 vermochte das Land die Unterschiede bei den PISA-Testergebnissen

der Studenten zu reduzieren und gleichzeitig die durchschnittlichen

Resultate zu verbessern. Die Kausalität lässt sich zwar

schwer belegen, aber gemäss vielen Beobachtern waren die Verbesserungen

vor allem Unterstützungsmassnahmen für Schulen und einer

gezielten Ausrichtung auf die am stärksten benachteiligten Studenten,

oftmals Zuwanderer oder deren Kinder, zuzuschreiben. Dieser

Ansatz läuft genau darauf hinaus, zugunsten der Bedürftigsten umzuverteilen,

die in Ländern und unter Bedingungen geboren wurden,

die kaum Chancen bieten. Dieses Prinzip der Inklusion ist auch für

die Bereitstellung fairer Bildungschancen auf Universitätsebene von

entscheidender Bedeutung. Initia tiven wie das Erasmus-Programm

der Europäischen Union (EU) und die Einführung einheitlicher Schulgelder

für EU-Studenten fördern einen gleich berechtigten Zugang

zu Humankapitalinvestitionen und sorgen für grenz übergreifende

Mobilität innerhalb einer kohäsiven Gesellschaft. Über Aspekte der

Sozialversicherung hinaus sind diese Ziele an sich wertvoll und umsetzungswürdig.

spricht dem Grundsatz, wonach der Generationenvertrag nicht den

Wohlsituierten zugutekommen sollte. Die Politik verfügt über die Mittel

zur Reduktion des Treibhausgasausstosses und sollte zumindest

Steuern auf diesen einführen. Dies würde Impulse zur Reduktion klimaschädlicher

Aktivitäten und zur Entwicklung sozialverantwortlicherer

Energiequellen generieren. Eine noch gerechtere Lösung bestünde

darin, die Steuereinnahmen auf künftige Generationen umzuverteilen

und damit Ressourcen in die richtige Richtung zu transferieren.

Mit Blick in die Zukunft sollte unser Generationenvertrag so

weiterentwickelt werden, dass er eine Umverteilung zu den Bedürftigsten

gewährleistet, einschliesslich unserer Senioren, unserer Kinder

und künftiger Generationen, die heute und morgen mit Ungemach

konfrontiert sein werden. Eine Priorisierung der Bedürftigsten

trägt dazu bei, die langfristige Nachhaltigkeit unserer Sozialversicherungsprogramme

und damit letztlich unserer Gesellschaften sicherzustellen.

Sozialversicherung für heutige und künftige Generationen

Ein zeitgemässer Generationenvertrag muss auch Massnahmen gegen

den Klimawandel umfassen. Die Diskussion dreht sich hier meist

um eine versicherungsähnliche Umverteilung von nicht betroffenen

zu stark betroffenen Menschen. Indessen sollte der Fairness zwischen

Generationen eine höhere Priorität eingeräumt werden. Eine

Aufhäufung nicht finanzierter Sozialversicherungsverbindlichkeiten

in Verbindung mit politischer Untätigkeit entspricht schlechterdings

einem Transfer von künftigen auf heutige und frühere Generationen,

ohne Berücksichtigung von Bedürfnissen und Benachteiligungen.

Genauso ist das von der Weltgemeinschaft fortwährend generierte

Klimadefizit schlicht eine eigennützige Ausbeutung von Ressourcen,

die unseren Kindern und Enkelkindern fehlen werden. Dies wider­


GLOBAL INVESTOR 1.17 —13

Foto: Sigrid Bjorbekkmo

Pensionssysteme

Mit 66 Jahren

In vielen Ländern rund um den Erdball haben ältere Menschen

Anspruch auf Renten. Die Finanzierung dieser Systeme

wird jedoch durch die Alterung der Bevölkerungen erschwert.

Wir werfen einen Blick auf mögliche Lösungsansätze in zwei

sehr unterschiedlichen Ländern: in China und der Schweiz.

INTERVIEW VON GISELLE WEISS, freie Journalistin

Yikai Wang

ist Assistant Professor an der Wirtschaftsfakultät

der Universität Oslo und

spezialisiert sich auf quantitative Volkswirtschaft

und die Wirtschaft Chinas

im Besonderen. Er promovierte 2014 in

Wirtschaftswissenschaften an der

Universität Zürich. Von 2011 bis 2012

wirkte er als Visiting Scholar am

Massachusetts Institute of Technology.

Selbst in Industrieländern ist

die Garantie von Pensionsleistungen

nicht einfach. Wie geht das

Schwellenland China das Problem

der Ruhestandsbezüge an?

Giselle Weiss: Denken die Chinesen

auch in Kategorien wie Babyboomer oder

Generation Y?

Yikai Wang Eher nicht. Meine Gen eration

wird beispielsweise als die «Nach-1980er»

bezeichnet. Weil wir nach der Marktreform

geboren wurden, haben wir nie in einer

Planwirtschaft gelebt. Wir waren die

erste Generation, die durch die damals

ziemlich strikt umgesetzte Ein-Kind-Politik

wirklich eingeschränkt wurde. Wir spielten

statt mit Geschwistern mit Cousins.

Wir denken daher etwas anders als frühere

Generationen.

Sie und Ihre Kollegen haben 2012 ein

Arbeitspapier zu den Pensionsproblemen

in China verfasst, das unter anderem

im Magazin «The Economist» zitiert wurde.

Worum ging es darin?

Yikai Wang Uns interessierten zwei

Fragen. In China ist der Umwandlungssatz,

also der prozentuale Anteil des vor dem

Ruhestand erzielten Einkommens, der als

Pension ausbezahlt wird, ziemlich hoch.

Wir wollten deshalb – erstens – wissen,

wie nachhaltig das Pensionssystem ist.

Zudem sind die Einkommen in China in den

letzten Jahren rasant gestiegen, weshalb

ältere Generationen ärmer sind, als es künftige

Generationen sein werden. Wie hoch

muss folglich – zweitens – der intergenerationelle

Transfer, also die Umverteilung der

Pensionszahlungen junger Arbeitnehmer

zur Finanzierung der heutigen Rentner, sein,

um das Wohlergehen älterer Generationen

zu verbessern, ohne die jüngeren Beitragszahler

ungebührlich zu belasten?

Rasant steigende Einkommen

sind aber doch gut?

Yikai Wang Für die älteren Generationen

nicht unbedingt. Vergleichen wir jemanden,

der 1970 in den chinesischen Arbeitsmarkt

eintrat, mit jemandem, der im Jahr 2000

dazustiess. In diesen 30 Jahren stiegen die

Löhne um durchschnittlich 6% pro Jahr.

Folglich kann die Person, die 2000 erwerbstätig

wurde, mit einem sechsmal höheren

Einkommen rechnen als diejenige, die

1970 in den Arbeitsmarkt eintrat. Zudem

brachten diese Generationen ihr Geld

normalerweise zur Bank, sie verdienten

ohnehin nicht viel.

Wie viele Chinesen können

denn mit einer Altersrente rechnen?

Yikai Wang Allgemein werden nur

Arbeitnehmer in Städten vom Pensionssystem

erfasst, und von diesen lediglich 60%.

Eine Partizipation ist nicht obligatorisch.

In ländlichen Gegenden gibt es grundsätzlich

kein Pensionssystem, die Menschen sind

dort seit dem Ende der Planwirtschaft im

Jahr 1978 auf sich selbst gestellt.

Weshalb ist die Pensionssituation

in China so akut?

Yikai Wang Die Bevölkerung Chinas

altert sehr, sehr schnell. Zurzeit beläuft sich

der Altenquotient – das Verhältnis der Anzahl

älterer Menschen zur Anzahl Menschen

im arbeitsfähigen Alter – auf knapp über

0.1. Doch dürfte es nur 40 Jahre, bis etwa

2055, dauern, bis diese Kennzahl in China

auf 0.5 klettert. Dies bedeutet, dass

nur noch zwei Erwerbstätige für einen über

65-jährigen Rentner aufkommen müssten.

Darüber hinaus wandern junge Menschen

in Massen in die Städte ab. Dies entschärft

das Alterungsproblem in urbanen Gebieten,

akzentuiert es aber auf dem Land. Gemäss

einer unserer Schätzungen werden in ländlichen

Gebieten Chinas bis 2050 1.6 alte

Menschen auf einen jungen entfallen.

Die Regierung ist über die finanzielle

Nachhaltigkeit des Pensionssystems >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —14

«Allgemein werden nur urbane

Arbeitnehmer vom Pensionssystem

erfasst, und von diesen

partizipieren lediglich 60%.»

Yikai Wang

besorgt. Wäre es daher nicht sinnvoller,

dieses obligatorisch zu machen?

Yikai Wang Dafür müssten Sie erstens

die Beitragszahlungen erfassen und durchsetzen

können, was in bevölkerungsreichen

Schwellenländern schwierig ist. Zudem

gibt es in China viele Kleinunternehmen und

selbstständig Erwerbende, was die Erhebung

von Pensionszahlungen zusätzlich

erschwert. Zweitens muss das Timing stimmen.

Die USA haben beispielsweise ihr

Sozialversicherungssystem nach der Grossen

Depression eingeführt, und viele europäische

Länder lancierten ihre Systeme nach

dem 2. Weltkrieg. Im aktuellen Klima würde

ein Gesetz, das Pensionskassenbeiträge

obligatorisch macht, in China wohl keine

Chance haben.

Wie liesse sich denn die freiwillige

Partizipation am System steigern?

Yikai Wang Viele Arbeitnehmer im

Privatsektor zahlen nicht in die Pensionskasse

ein, weil ihre Arbeitgeber nicht dazu

bereit sind – Angestellte entrichten 8%

des Lohns, Arbeitgeber 20%. Die Arbeitgeber

ziehen es vor, ihre Angestellten besser

zu entlohnen, statt in Pensionskassen

einzuzahlen. Hier könnten wirtschaftliche

Anreize etwas bewirken. Hilfreich wäre

es wohl auch, das Pensionssystem ein

wenig obligatorischer zu machen. Zurzeit

wird indes vornehmlich darüber diskutiert, die

Form der Altersvorsorge selbst anzupassen.

Sie und Ihre Kollegen haben eine

Empfehlung zur Finanzierung des Pensionssystems

unterbreitet, die sich von

derjenigen der Regierung unterscheidet.

Yikai Wang Richtig. Weil sich die Regierung

auf die finanzielle Nachhaltigkeit

des Systems konzentriert, möchte sie zu

einem System mit nur geringen intergenerationellen

Transfers übergehen, in dem

jeder von seinen eigenen Beitragszahlungen

lebt. Wir erachten es dagegen als wichtig,

eine gewisse intergenerationelle Umverteilung

beizubehalten – ähnlich wie in den Umlage­

Giselle Weiss: 2012 prognostizierte BAKBasel in einem Bericht

an das Eidgenössische Departement des Innern, dass der

Altenquotient in der Schweiz von 0.29 im Jahr 2012 auf 0.56

im Jahr 2060 steigen werde. Was bedeutet diese Zahl?

Martin Eichler Der Altenquotient gibt an, wie viele Menschen

im arbeitsfähigen Alter zur Finanzierung eines Rentners verfügbar

sind. Diese Kennzahl wird in den nächsten 20, 30 Jahren substanziell

steigen, weil es mehr Rentner und weniger Erwerbstätige geben

wird als heute. Und dies ist nur die finanzielle Seite. Das zunehmende

Gewicht der Rentenbezüger hat auch politische und gesellschaftliche

Konsequenzen.

Wie zum Beispiel?

Martin Eichler In der Schweiz ist das Medianalter der Stimmbürger

bereits substanziell gestiegen, was politische Folgen für

unsere Demokratie hat. Ältere Menschen sind eher weniger bereit,

Risiken einzugehen, und weniger an langfristigen Investitionen interfinanzierungssystemen

in Skandi navien

und anderen kontinentaleuropäischen

Ländern. Damit würde sichergestellt, dass

die heutigen älteren Generationen eine

annehmbare Rente erhalten.

Und das Nachhaltigkeitsproblem?

Yikai Wang Dieses lässt sich anderweitig

lösen, z. B. mit einer Erhöhung des Pensionsalters,

das derzeit in China für Männer

bei 60 Jahren und für Frauen bei 50 Jahren

liegt. Es könnten aber auch die Um wandlungssätze

für künftige Generationen

gesenkt werden, zumal diese allgemein

ohnehin wohlhabender sein werden.

Weitere

Details

finden Sie

auf unserer

Karte.

Unter den westlichen Industrieländern sticht

die Schweiz als Modell des Wohlstands und der

Innovation hervor. Wie diese Ländergruppe ist

jedoch auch die Schweiz mit Herausforderungen

für ihr Pensionssystem konfrontiert.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —15

essiert. Wenn die Politik diese Trends

reflektiert, könnte das Wachstumspotenzial

beeinträchtigt werden.

Wie hoch ist der Altenquotient in der

Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern?

Martin Eichler In dieser Hinsicht ist

die Schweiz ein ziemlich typisches westliches

Industrieland. Laut Prognosen sollte die

Zahl der Rentner in allen diesen Volkswirtschaften

beträchtlich steigen. In Westeuropa

steht die Schweiz heute effektiv

etwas besser da als die meisten Länder,

was vor allem der Zuwanderung zu verdanken

ist. Dies wird unseres Erachtens

auch künftig so bleiben.

Wir beurteilen Sie den Zustand des

Schweizer Pensionssystems?

Martin Eichler Die Stabilität des

Schweizer Systems basiert auf drei Säulen.

Jede dieser Säulen hat Vor- und Nachteile.

Die im Umlageverfahren finanzierte Säule –

die AHV – ist gegenüber unausgewogenen

Bevölkerungsentwicklungen anfällig.

Die zweite Säule – die berufliche Vorsorge

(BVG) – ist als kapitalbasiertes System

von derartigen Veränderungen weniger stark

betroffen. Indes ist sie Schwankungen

an den Finanzmärkten stärker ausgesetzt,

wie wir diese zurzeit durchlaufen. Da der

Zeithorizont für ein Pensionssystem notwendigerweise

60 Jahre oder mehr beträgt

und sich die Zukunft schwierig voraussagen

lässt, eignet sich ein Zusammenspiel

verschiedener Säulen gut, um für diverse

Eventualitäten vorzusorgen.

Welches sind die Hauptherausforderungen

für das System?

Martin Eichler Abgesehen von den

kurzfristigen Turbulenzen an den Finanzmärkten

besteht die Hauptherausforderung

zurzeit in drei gleichzeitig auftretenden

Faktoren. Der erste sind die Babyboomer,

die sich nun ihrem Ruhestand nähern.

Die resultierende Belastung ist vorübergehend

(obwohl sie rund 30 Jahre anhalten

wird), jedoch substanziell. Von ihr ist insbesondere

das umlagefinanzierte AHV-System

stark betroffen. Anfänglich zahlten die

Babyboomer mehr in das System ein, als sie

aus diesem bezogen. Dies war effektiv ein

zweischneidiges Schwert, weil es andere Herausforderungen

für das System kaschierte.

Wie zum Beispiel?

Martin Eichler Trotz der hohen Zuwanderung

sieht sich die Schweiz künftig mit

einem Bevölkerungsrückgang konfrontiert.

Zurzeit steigt die Bevölkerung zwar noch,

jedoch mit einer schnell fallenden Wachs­

Martin Eichler

ist Chefökonom und Verwaltungsratsmitglied

der BAKBasel Economics AG.

Er ist bei BAKBasel für Analysen und

Prognosen zuständig, wobei er Quellen

aus der Schweiz und dem Ausland

berücksichtigt. Er studierte Wirtschaftswissenschaften

an der Universität

Konstanz und der University of Western

Ontario.

«Die Schweiz würde

rund 100 000 20-jährige

Zuwanderer jährlich

benötigen, damit ihr

Altenquotient stabil bliebe.»

Martin Eichler

tumsrate. Unsere Geburtenrate liegt deutlich

unter dem Wert von 2.1, die für eine stabile

Bevölkerungsgrösse erforderlich ist. Bereits

mittelfristig signalisieren sämtliche Prognosen

eine schrumpfende Schweizer Bevölkerung.

Abhängig von der Zuwanderung

wird es vielleicht 10, 15 Jahre dauern, bis

wir den Wendepunkt erreichen. Er kommt

aber ganz bestimmt. Zur besseren Illustration

des Problems: Gemäss Überschlagsrechnungen

würde die Schweiz rund 100 000

20-jährige Zuwanderer jährlich benötigen,

damit ihr Altenquotient stabil bliebe.

Dies wäre jedoch politisch kaum akzeptabel?

Martin Eichler Richtig, das entspräche

mehr als eine Verdoppelung der jährlichen

Nettozuwanderung. Eine Lösung wäre

dies ohnehin nicht. Die Zuwanderung

kann zwar einen positiven Beitrag leisten,

reicht aber alleine zur Lösung des Problems

nicht aus.

Und die dritte Herausforderung?

Martin Eichler Die steigende Lebenserwartung:

Wir werden nicht nur älter,

sondern bleiben auch länger gesund und stark.

Das ist an sich wunderbar, erhöht aber

auch den Druck auf das Pensionssystem, weil

Renten über längere Zeiträume ausbezahlt

werden müssen.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —16

>

Photo: Vorname Name/Agentur


GLOBAL INVESTOR 1.17 —17

Robotik

Cyborgs für

den Alltag

Dr. Yoshiyuki Sankai, Gründer und CEO der japanischen Robotikfirma Cyberdyne, sprach

mit Angus Muirhead, Senior Fund Manager des Credit Suisse (Lux) Global Robotics Equity Fund,

über Robotertechnik, den medizinischen Roboteranzug HAL und seine Vision von einer

automatisierten Zukunft.

INTERVIEW VON ANGUS MUIRHEAD, Credit Suisse

Angus Muirhead: Wie hat Ihre Reise in

die Robotik begonnen? Was war Ihre erste

Inspiration?

Yoshiyuki Sankai Das wurde mir

bereits in der dritten Klasse klar, als mir

meine Mutter den Science-Fiction-Roman

«Ich, der Robot» von Isaac Asimov kaufte.

Von da an stand für mich fest, dass ich

Dinge erfinden wollte, die den Menschen

grossen Nutzen bringen würden.

In seinen Roman spricht Asimov über

drei Gesetze der Robotik, von denen

mich das erste besonders beeindruckte:

«Ein Roboter darf einem menschlichen

Wesen keinen Schaden zufügen.» Während

meiner ganzen Kindheit träumte ich von

Wissenschaft und Robotern. Schliesslich

begann ich, meine eigenen Experimente

zu entwickeln. In meiner schulischen

Abschlussarbeit mit dem Titel « 夢 » («yume» =

Traum) schrieb ich: «Wenn ich gross bin,

möchte ich Wissenschaftler werden

und in meinem Labor Roboter entwickeln

und bauen.»

Erzählen Sie uns etwas von Ihrem

medizinisch genutzten Roboter HAL.

Yoshiyuki Sankai HAL ist das weltweit

erste therapeutische Robotikgerät, das

durch die gesetzliche Krankenversicherung

abgedeckt wird. Es wurde als «Roboter-

anzug» für Menschen konzipiert, die sich

krankheits- oder altersbedingt nicht selber

bewegen können. HAL hilft ihnen beim

Gehen und unterstützt therapeutische

Behandlungen. Unsere Technologie ermöglicht

dem System, die neuronalen Signale

aufzunehmen, die vom Gehirn an die unteren

Gliedmassen gesendet werden, und

mechanisch zu reagieren, wie es sonst die

Beinmuskulatur tut. Es gibt noch andere

Anwendungen für HAL, wobei diese medizinische

Anwendung die kommerziell ausgereifteste

Variante darstellt.

Inwiefern unterscheidet sich HAL von

ähnlichen Systemen, die zurzeit entwickelt

werden?

Yoshiyuki Sankai HAL ist insofern

einzigartig, als es sich hierbei um den

einzigen Roboter der Welt handelt, der für

medizinisch-therapeutische Zwecke zugelassen

ist. Bei anderen Systemen verhält

es sich so, dass das «Exoskelett» die Gliedmassen

des Patienten lediglich mit sich

zieht oder trägt, ohne direkte Interaktion mit

dem menschlichen Nervensystem. Im Falle

von HAL wird die Bewegung unmittelbar

durch Signale aus dem Gehirn ausgelöst

und sodann über das Nervensystem an

das Gehirn rückgemeldet. Es gibt Beweise,

die darauf hindeuten, dass für die Patienten

durch die Wiederverbindung mit dieser

kontinuierlichen Rückkoppelungsschleife

allmählich ein therapeutischer Nutzen

entsteht.

Inzwischen ist das HAL-System in Japan

und der EU zugelassen, richtig?

Yoshiyuki Sankai Ja. Schon 2006, also

vor zehn Jahren, haben wir mit klinischen

Studien begonnen, um uns auf die Ver marktung

der Prototyp-Version von HAL als

medizinisch-therapeutisches Gerät in Japan

vorzubereiten. Anschliessend haben wir das

HAL-System an einige Spitäler und Kliniken

vermietet. Und im November 2015 haben

wir anhand der mit diesen realen Patiententests

erhobenen Daten dann die Zulassung

zur Verwendung von HAL als medizinisches

Gerät erhalten. Im September 2016 begannen

schliesslich die ersten kommerziellen

Behandlungen unter Einsatz von HAL.

Während des Zulassungsverfahrens für HAL

als medizinisches Gerät in Japan und der

EU haben wir eine Reihe von Regeln für die

Definition und die Verwendung medizinischer

Robotersysteme aufgestellt. Diese haben

mittlerweile bereits zur Etablierung mehrerer

ISO-Standards geführt.

Seit der Ersteinführung von HAL vor fast

zehn Jahren hat eine enorme Entwicklung

stattgefunden. Welche technologischen >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —18

«Welche Art von Technologien

wir entwickeln, wird die

Zukunft stark mitprägen.»

Yoshiyuki Sankai

Veränderungen der letzten Jahre haben

diese rasanten Fortschritte ermöglicht?

Yoshiyuki Sankai Im ersten Jahrzehnt

war das HAL-System ein Entwicklungsprojekt

der Universität Tsukuba. Dann

gründeten wir 2004 Cyberdyne. Seither

hat HAL einen sehr fortschrittlichen und

inno vativen Entwicklungsprozess durchlaufen,

um schliesslich zu dem therapeutischen

Roboter-Behandlungsgerät zu

werden, auf das wir heute stolz sein können.

Welches sind die grössten technischen

Herausforderungen, vor die Sie

die Roboterentwicklung heute stellt?

Yoshiyuki Sankai Bis diese Technologie,

die Menschen, Robotern und digitalen

Daten ein nahtloses Zusammenwirken

ermöglichen könnte, für weitere Bereiche

unseres Alltagslebens zugänglich und

anwendbar wird, ist es noch ein weiter Weg.

Yoshiyuki Sankai

ist CEO und Gründer des Robotikunternehmens

Cyberdyne Inc. Er ist

Professor am Institute of Systems &

Engineering der Tsukuba University,

Japan, und Gastprofessor am Baylor

College of Medicine, Texas, USA.

Er wurde mit verschiedenen Preisen

aus gezeichnet, darunter dem World

Technology Award und dem Entrepreneur

of the Year Award Japan.

Den Fokus auf die Entwicklung von Robotern

zu richten, ist meines Erachtens der

falsche Ansatz. Vielmehr sollten wir uns in

erster Linie Gedanken darüber machen,

was uns Probleme bereitet und was wir tun

müssen, um bestimmte Probleme lösen

oder einen bestimmten Nutzen generieren

zu können. Auf diesem Weg ist Cyberdyne

aus meiner Sicht bereits erfolgreich in einen

Technologiebereich vorgedrungen, den

sonst noch niemand wirklich erschlossen

hat. Wir wollen diesen Kurs konsequent

weiterverfolgen, selbst wenn wir dadurch

auf Bereiche stossen, in denen wir aktuell

noch wenig bewandert sind.

Was wird in der Robotik aus Ihrer Sicht

künftig noch möglich werden?

Yoshiyuki Sankai Cyberdyne wird sich

weiter auf Einsatzmöglichkeiten jenseits

des klassischen Industrieroboters konzentrieren

– in Bereichen wie Lifestyle, Gesundheit,

Unterhaltung, Bildung und Kommunikation.

Neben der therapeutischen

Verwendung gibt es weitere Anwendungen

der HAL-Technologie, etwa durch körperlich

gesunde Menschen in Pflegeheimen, auf

Baustellen oder in der Logistik, um ihnen

beispielsweise das Heben schwerer Objekte

oder das Tragen von Patienten vom Bett

ins Badezimmer zu erleichtern. Heute finden

Sie am Flughafen Tokio-Haneda ausserdem

Roboter mit künstlicher Intelligenz, die

zu Reinigungs-, Transport- und Logistikzwecken

eingesetzt werden.

Wie wird Ihres Erachtens die Gesellschaft

von den Fortschritten in der Robotertechnik

profitieren?

Yoshiyuki Sankai Roboter mit künstlicher

Intelligenz könnten für unsere Gesellschaft

sehr nützlich werden, da wir einerseits

länger leben, andrerseits aber eine relativ

niedrige Geburtenrate haben. Es wäre

beispielsweise durchaus denkbar, dass

Maschinen unsere Einkäufe erledigen.

Darüber hinaus könnte es auch noch verschiedene

andere Roboter geben – etwa

solche, welche die Mobilität älterer oder

schwacher Menschen verbessern, damit

sich diese leichter waschen und baden

oder mit Angehörigen und Pflegekräften

in Kontakt bleiben können. Ich entwickle

zurzeit ein neues Konzept, das den Bau einer

«Cybernics City» vorsieht und dabei alle

diese Robotertechnologien berücksichtigt.

Dazu haben wir in der Stadt Tsukuba,

unweit der Firmenzentrale von Cyberdyne,

ein grosses Stück Land gekauft und

kooperieren nun bzw. entwickeln Partnerschaf

ten mit zahlreichen Unternehmen

und Organisationen.

Verschiedene Technologen haben vor den

Risiken gewarnt, welche die Entwicklung

einer starken künstlichen Intelligenz mit sich

bringt. Sind diese Sorgen Ihrer Meinung

nach gerechtfertigt?

Yoshiyuki Sankai Entscheidend

wird meines Erachtens sein, dass wir uns

bei unseren Bestrebungen vor allem auf

die menschliche Perspektive und die

gesellschaftlichen Vorstellungen von Ethik

konzentrieren. Die Zukunft wird davon

geprägt sein, welche Technologien wir

ent wickeln und wie wir sie nutzen. Deshalb

ist es wichtig, Technologien zu konzipieren,

die der Gesellschaft Vorteile bieten,

und dabei immer die Vision einer besseren

Zukunft im Kopf zu haben.

Mehr zu Robotiktechnologien

finden Sie auf

unserer Karte.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —19

Was ist HAL?

HAL (Hybrid Assistive Limb) ist der weltweit erste cyborgähnliche Roboter, der eine Fusion von Mensch, Maschine und Information ermöglicht.

Das System unterstützt und verbessert die physischen Bewegungen seines Trägers und kann mit der Zeit sogar zu einer beschleunigten Funktion

und Gesundung der beschädigten Hirnnerven eines Patienten beitragen. Quelle: Cyberdyne

01 DENKEN

02 SENDEN

03 LESEN

04 BEWEGEN

05 LERNEN

Am Anfang steht

der Gedanke «ich

will gehen». Wenn

sich jemand bewegt,

denkt er zuerst an

die entsprechenden

Bewegungen.Der

Gedanke «ich will

gehen» veranlasst

das Gehirn dazu,

die nötigen Signale

über die Nerven an

die für die Bewegungen

erforderlichen

Muskeln zu senden.

Die Muskeln empfangen

diese Befehle

und bewegen sich.

In einem gesunden

Körper kann jeder

Muskel die für ihn

bestimmten Signale

vom Gehirn empf angen

und sich so

stark und schnell

wie beabsichtigt

bewegen.

HAL liest Signale.

Die vom Gehirn an

die Muskeln gesendeten

Signale sickern

in sehr schwacher

Form auf die Haut

durch. HAL ist in

der Lage, diese sogenannten

«bioelektrischen

Signale»

(BES) mittels eigen ­

entwickelter Sensoren

auf der Haut

des Trägers zu lesen.

HAL konsolidiert

diverse Informationen

und er kennt so,

welche Art von Bewegungen

der Träger

auszuführen beabsichtigt.

HAL führt die vom

Träger beabsichtigte

Bewegung aus.

Entsprechend den

erkannten Bewegungen

steuert HAL

seine Kraftübertragungsaggregate.

HAL unterstützt

somit den Träger

bei der Ausführung

der beabsichtigten

Bewegung und

kompensiert etwaige

Kraftdefizite des

Patienten.

Das Gehirn lernt

Bewegungen. Der

Mechanismus zur

Bewegung des menschlichen

Körpers

endet nicht mit der Aktivierung

der Muskeln.

In einer Rückkoppelung

bestätigt das

Gehirn, wie sich der

Körper aufgrund

welcher Signale bewegt.

Wenn HAL etwa

die Bewegung «Gehen»

angemessen unterstützt

hat, wird das

Gefühl «ich konnte gehen!»

ins Gehirn rückgekoppelt.

Auf diese

Weise lernt das Gehirn,

die erforderlichen Signale

für die Bewegung

des kontinuier lichen

«Gehens» auszusenden.

Dies führt letztlich

zum wichtigen ersten

Schritt: Der körperbehinderte

Patient

beginnt, ohne Unterstützung

durch HAL

zu gehen.

Illustration: CYBERDYNE, The Noun Project


GLOBAL INVESTOR 1.17 —21

Digitale Gesundheit

Der

vernetzte

Patient

Weltweit nehmen die Kosten für Gesundheit

stark zu. Die Menschen geben nicht nur mehr

aus, weil sie wohlhabender werden, sondern

auch, weil ihnen die Gesundheit immer wichtiger

ist. Bei den Bemühungen um optimierte

Behandlungsergebnisse und Gesundheits budgets

spielt das digitale Gesundheits wesen eine

entscheidende Rolle.

Die Digitalisierung ist in Bereichen wie Nachrichtenkonsum

und Einkaufen ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens

geworden. Längst hält sie auch Einzug im Gesundheitsmanagement.

Mit den neuen Instrumenten, die zur Verfügung

stehen, übernehmen die Menschen zunehmend Eigenverantwortung

für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden sowie bei der

Bewältigung von Krankheiten. Die Versicherungen sind indessen

stark an Patientendaten interessiert, um die Risiken besser bewerten

zu können und sich so einen Rentabilitätsvorsprung zu verschaffen.

Behandlungsanbieter schliesslich innovieren und nutzen immer mehr

digitale Instrumente, mit dem Ziel, die Therapieergebnisse weiter zu

verbessern.

Normalerweise setzen sich Veränderungen im Gesundheitswesen

nur langsam durch. Nicht so dieses Mal. Neue Lösungen für die

Patientenfernüberwachung, Angebote rund um Telegesundheit und

Portale zu den Themen Gesundheitsbildung und Gesundheitsmanagement

sorgen dafür, dass digitale Gesundheit den bestehenden Behandlungsstandard

sichtbar verändert.

Fernüberwachung besonders bestechend

Bei Betrachtung des breiten Spektrums an Möglichkeiten, welche die

digitale Gesundheit umfasst, erscheint uns die Fernüberwachung als

der Bereich, der angesichts seines bedeutenden Nutzens bei der

Behandlung chronischer Krankheiten den grössten Mehrwert bietet.

Wenn man bedenkt, dass schätzungsweise ein Drittel aller US-Gesundheitsausgaben

auf chronische Erkrankungen entfällt, wird schnell

ersichtlich, welches Sparpotenzial die Fernüberwachung bietet. >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —22

Ein gutes Beispiel dafür ist die Lösung von Vivify Health für Patienten

mit Herzfehler – ein Leiden, welches das US-Gesundheitssystem

jährlich fast 40 Milliarden US-Dollar kostet. Fast die Hälfte dieser

Kosten wird durch stationäre Aufenthalte verursacht, die im Vergleich

zu den täglichen Kosten pro Patient von nur einigen Dollars (bei

stabilen Patienten) teuer sind. Die Lösung von Vivify beinhaltet ein

Tablet (inklusive Software), zwei Diagnosegeräte und eine Waage.

Diese Geräte ermöglichen es Ärzten und Pflegekräften, den Patienten

kontinuierlich einzuschätzen sowie Warnsignale und Verschlechterungen

zwischen den Regelbesuchen zu erkennen. Sie können sogar

die Zahl der Stationäraufenthalte reduzieren – in Vivifys Pilotuntersuchung

von über drei Besuchen pro Monat auf weniger als 0.4.

Überdies verringerten sich mit den Geräten die sehr kostspieligen

Notaufnahmebesuche um über 70 Prozent.

Beratung aus der Ferne

Medizinische Fernberatung ist eine weitere Gesundheitslösung. In der

Schweiz verwenden Gesundheitsversicherer seit Langem Modelle, die

vorsehen, dass der Patient immer erst telefonischen Rat bei einem

von der Versicherung benannten Allgemeinarzt einholt. Durch solche

professionelle Ersteinschätzungen lassen sich die Patienten direkt

dem passenden Behandlungsbereich zuweisen und so Redundanzen

eliminieren, was dem Versicherer Kosten spart.

Solche Ideen können aber noch viel weiter getrieben werden.

«Doctor On Demand» in den USA etwa liefert ein eindrucksvolles Beispiel

für einen Gesundheitsservice, der sich inskünftig noch deutlich

stärker durchsetzen könnte. Unter Verwendung eines beliebigen Endgeräts

können Patienten mithilfe dieses Dienstes für die meisten körperlichen

Beschwerden und auch einige psychische Erkrankungen

Rat von einem Spezialisten bekommen. Wenn wir annehmen, dass

ein solcher Service auf rund ein Drittel aller Arztbesuche zum angegebenen

Preispunkt von 49 US-Dollar anwendbar ist und dass, wie

berichtet wurde, die Durchschnittsperson ihren Arzt ungefähr dreimal

jährlich zum aktuellen Gesamtpreis pro Besuch von 150 US-Dollar

aufsucht, beträgt die theoretische Einsparung mehr als 30 Milliarden

US-Dollar.

Dienste dieser Art werden derzeit auch in den Schwellenländern

eingeführt, wo sie die Gesundheitsversorgung grundlegend verändern

können. Von der Möglichkeit des virtuellen Arztgesprächs sollten vor

allem immobile Patienten und solche in entlegenen Gebieten stark

profitieren.

Selbstbehandlung dank Innovationskraft

Venture-Finanzierung von

Digital-Health-Unternehmen

2015 belief sich die Venture-Finanzierung von Digital-Health-Anbietern

auf 4.5 Milliarden USD oder 7 % des gesamthaft investierten

Venture-Kapitals. Trotz weitgehend stagnierender Transaktionsvolumen

schnellten Deals mit Firmen im späteren Entwicklungsstadium um

23 % nach oben. Quelle: RockHealth, «Digital Health Funding: 2015 Year in Review»

Mrd. USD

5

4

3

2

1

0

WebMD-Nutzung auf dem Vormarsch

Die Nutzerdaten belegen, dass WebMD seit seiner Lancierung

immer populärer wird. Heute greifen jeden Monat über 200 Millionen

verschiedene Nutzer auf die Website zu, um Gesundheits-,

Ernährungs- und Wellnessinformationen abzurufen. Quelle: WebMD

Mrd. USD

250

200

150

100

50

0

2011 2012 2013 2014 2015

Nutzerbesuche ohne Mehrfachzählungen,

Monatsdurchschnitt

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015

Fortschritte in der Informationstechnologie verändern auch medizinische

Sensoren dahingehend, dass sie kleiner und vielseitiger einsetzbar

werden. Eine Technologie, die ohne die Fortschritte in der Sensorik

undenkbar gewesen wäre, sticht hierbei in puncto Verbesserung

der Lebensqualität von Patienten besonders hervor: CGM, kurz für

Continuous Glucose Monitoring (kontinuierliche Glukosemessung).

Mithilfe länger tragbarer CGM-Sensoren, die mit einem speziellen

Empfänger oder Smartphone verbunden sind, können Diabetespatien

ten ihre Blutzuckerwerte kontinuierlich messen. Der grosse Vorteil

von CGM liegt darin, dass die Patienten potenziell gefährliche

Schübe erkennen können, die sie mit den herkömmlichen Einmalmessungen

im Kapillarblut vielleicht übersehen würden. Durch die Einbindung

eines intelligenten Geräts in CGM lassen sich patientenspezifische

Alarmstufen sowie Regeln für automatisierte Benachrichtigungen

basierend auf den Blutzuckerwerten festlegen (z. B. für Eltern). >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —24

Weitere Details

finden Sie auf

unserer Karte.

«Wir sind davon überzeugt, dass

wir in Bezug auf digitale Gesundheitsdienst

leistungen am Beginn einer

neuen Ära stehen.»

Lorenzo Biasio

Angesichts der Tragweite dieser Innovation überrascht es nicht, dass

die Technologie angeblich schon Leben gerettet hat. Wenn, wie die

Ergebnisse einer Grossstudie zu Medizinausgaben zeigt, etwas weniger

als 20 Prozent der Diabeteskosten durch ambulante Notfallversorgungen

und stationäre Aufenthalte – diese liessen sich durch

CGM zumindest teilweise vermeiden – bedingt sind, ergibt sich ein

Einsparpotenzial von mehr als 10 Milliarden US-Dollar.

Gemäss unserer Einschätzung ist es nur eine Frage der Zeit, bis

eine künstliche Bauchspeicheldrüse – also ein mit einer Insulinpumpe

verbundenes CGM-System – auf den Markt kommt. Zwar müssen

noch einige technische Schwierigkeiten und regulatorische Hürden

überwunden werden, doch schreitet die Entwicklung einer solchen

künstlichen Bauchspeicheldrüse, die von vielen als «der Heilige Gral

der Insulintherapie» bezeichnet wird, stetig voran.

Gesundheitswissen nicht immer positiv

Mit dem Aufkommen von Gesundheitsinformationswebsites wie Web­

MD und genetischen Diagnosediensten wie 23andMe bekommen die

Menschen zunehmend digitale Mittel an die Hand, welche die Gesundheitsbildung

fördern. Grundsätzlich denken wir, dass eine höhere

gesundheitliche Kompetenz Ziel jeder modernen Gesellschaft sein

sollte. Ausserdem sollten bessere Gesundheitskenntnisse im Idealfall

zu informierteren Gesprächen mit Ärzten führen. Insgesamt fällt unsere

Beurteilung allerdings durchwachsen aus, nachdem uns Ärzte

auf unerwünschte Tendenzen aufmerksam gemacht haben. So ist es

angesichts der zunehmend breiten Verfügbarkeit von Gesundheitsinformationen

nicht unüblich, dass Patienten mit Eigendiagnosen und

sogar Wünschen für eine bestimmte Behandlung zum Arzt kommen.

Ein solches Verhalten kann sehr ausführliche Erklärungen seitens des

Arztes erfordern, wobei wir noch schwerwiegendere Probleme sehen,

wie etwa potenziell unnötige Untersuchungen oder eine potenziell

gefährliche Selbstmedikation.

Das heisst nicht, dass die angebotenen Gesundheitsinformationen

fehlerhaft sind. Angebote zur Kenntnisverbesserung sind prinzipiell

nützlich. Jedoch sollte der Fokus auf der Erhaltung der Gesundheit

liegen, z. B. mit Wohlfühl- und Ernährungstipps. Wenn es um ernstere

Erkrankungen geht, sollten Gesundheitsinformationen nur unter Anleitung

eines Experten konsumiert werden.

Digitale Gesundheit – eine neue Ära

Wir sind davon überzeugt, dass wir in Bezug auf digitale Gesundheitsdienstleistungen

am Beginn einer neuen Ära stehen. Digitale Gesundheitslösungen

erzeugen unbestreitbar grosse Effizienzgewinne und

weitere Vorteile entlang der gesamten Gesundheitswertschöpfungskette.

Sie ermöglichen somit erhebliche Einsparungen, die den inzwischen

zunehmend überlasteten Gesundheitssystemen in allen Bereichen

zugutekommen. Bei richtigem Einsatz sind wir optimistisch, dass

digitale Lösungen in allen Teilen der gesundheitswirtschaftlichen

Wertschöpfungskette – bestehend aus Patienten, Ärzten, Pflegekräften,

Spitälern und Versicherungen – gewinnbringend eingesetzt werden

können. Um jedoch erfolgreich zu sein, müssen diese Lösungen

unbedingt mit konkreter Fachberatung durch einen Arzt in Einklang

gebracht werden.

Lorenzo Biasio

Equity Analyst Healthcare

+41 44 333 14 79

lorenzo.biasio@credit-suisse.com


GLOBAL INVESTOR 1.17 —25

Konnektivität

Das Internet als

Freund und Helfer

Das Internet dehnt sich immer weiter aus. Datenerhebung, -management und -analyse nehmen

exponentiell zu. Vielen macht diese Entwicklung Angst, befürchten sie doch ein orwellsches

Risiko. Indes eröffnen das Internet und das Internet der Dinge auch Möglichkeiten und Lösungen,

welche die Welt besser machen.

GEBÄUDE

NETZWERKE

SICHERHEIT/

ÖFFENTLICHE

SICHERHEIT

EINZELHANDEL

ENERGIE

INDUSTRIE

KONSUM

UND HAUSHALT

GESUNDHEIT

UND

LIFESCIENCES

TRANSPORT

Illustration: C3, The Noun Project

Die Digitalisierung breitet sich in unserem täglichen Leben aus

Das expandierende Internet bietet nicht nur die Möglichkeit, komplexe Probleme zu lösen, es kann uns auch helfen, unsere Welt gesünder,

effizienter, aufmerksamer und sicherer zu machen. Quelle: Beecham Research Ltd.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —26

Ratgeber von Alltags tipps heissen

oft «Frag Mutti» – beispielsweise

geht es darum, wie man Wunden

verbindet, Lebensmittel zubereitet

oder lagert oder den Fleck vom Hemd bekommt.

Früher wurde solches Wissen mündlich

von Generation zu Generation weitergegeben.

Später wurde es aufgeschrie ben und

in Buchform publiziert. Heute kann mittels

Mobilgeräten oder PCs darauf zu gegriffen

werden. Der technologische Fortschritt der

Digitalisierung macht es einfacher denn je,

Daten zu speichern und zu gewährleisten,

dass Informationen nicht mehr ver loren gehen.

Die Ausweitung des Internets auf Mobilgeräte

und «Dinge» hat zu einer mas siven

Zunahme der Datenmengen und der digitalen

Kommunikation geführt. Seit der Lancierung

von Twitter wurden 300 Milliarden Tweets

verschickt, und jede Sekunde kommen 5000

neue dazu. Ob bei der Installation von digitalen

Kommunikationsgeräten und Sensoren

oder der Verarbeitung von Daten – im Zentrum

steht immer die Frage, wie sich die erho be nen

Daten am besten verwalten und lesen lassen.

Puls der Gesellschaft

Die moderne Informationstechnologie ermöglicht

allgegenwärtige, allumfassende und

autarke Kommunikationssysteme, die nicht

nur den Beteiligten zugutekommen. Sie erschliesst

nicht nur ein breites Wissen, sondern

bietet auch eine Plattform für die Schaffung

eines «globalen Bewusstseins», weil sie

Informationen und Meinungen aus aller Welt

transparenter und leichter zugänglich macht.

Die aus sozialen Netzwerken gewonnenen

Einsichten könnten zu einem gemeinsamen

Bewusstsein und einer Übereinkunft dazu

beitragen, wie sich unsere Welt verbessern

lässt. Politiker und andere Entscheidungsträger

dürften gut beraten sein, diesen globalen

Wissensbestand zum Wohl der Gesellschaft

einzusetzen, statt der Entstehung einer «Big

brother is watching you»-Gesellschaft Vorschub

zu leisten. Angesichts der kontinuierlichen

Überwachung und Analyse der Onlineaktivitäten

besteht tatsächlich die Gefahr,

dass die Nutzer bespitzelt und für die von ihnen

geäusserten Ansichten und Meinungen

bestraft werden. Transparente, unmittelbare

Feedbacks, beispielsweise zu politischen

Ereignissen, können jedoch auch zur Bildung

eines regionalen oder sogar globalen Bewusstseins

beitragen, mit dem sich die Stimmung

in der Gesellschaft besser beurteilen

lässt und das positive Veränderungen anstösst.

Ein Beispiel: Unternehmen wie Brands-

«Die Ausweitung des

Internets auf Mobil geräte

und ‹Dinge› hat zu einer

massiven Zunahme der

Daten mengen und der

digitalen Kommunikation

geführt.»

Uwe Neumann

Eye oder MogIA, die sich auf Daten sozialer

Medien wie Google, Facebook und Twitter

stützten, sagten den Ausgang der US-Wahlen

richtig voraus, wogegen traditionelle Umfragen

daran scheiterten.

Das Internet der nützlichen Dinge

Das Internet erfüllt an sich schon Bedürfnisse

der Nutzer. Darüber hinaus verzeichnen

jedoch auch neue Märkte für intelligente

digitale Lösungen und Dienstleistungen, die

Menschen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt

stellen, ein rasches Wachstum. Auf

die Frage, wie sie von einem solchen «Helfer»

betreut werden möchten, antworten die meisten,

dass er sich um ihre physische Gesundheit

und ihr mentales Wohlbefinden sowie um

ihre Sicherheit und ihren Schutz kümmern

sollte. Zudem sollte er die Kommunikation innerhalb

der Familie managen.

Neue Geräte wie Google Home und

Google Assistant könnten zu einem solchen

Freund und Helfer für Familien avancieren.

Sie sind mit dem Internet verbunden und mit

Kamera, unsichtbarem Mikrofon mit intelligenter

Spracherkennung und Lautsprecher

ausgestattet und verraten, wo die Schlüssel

liegen (sofern diese ebenfalls vernetzt sind),

beantworten mit einer Internetsuche die Fragen

der Kinder und spielen morgens beim

Aufwachen automatisch die Lieblingsmusik.

Andere Firmen, wie etwa Amazon mit Echo

und Apple mit seinen HomeKit-Produkten,

nehmen ähnliche Dienstleistungen ins Visier.

Sie wollen ihre Geräte zu einer zentralen


GLOBAL INVESTOR 1.17 —27

Drehscheibe in unserem Zuhause machen

und das Wohlbefinden, die Sicherheit und die

Kommunikation innerhalb der Familie gewährleisten.

Das Internet der gesunden Dinge

Das Angebot an mit dem Internet verknüpften

Gesundheitsapplikationen nimmt ebenfalls

zu. 2015 gab Partners HealthCare eine

Partnerschaft mit Samsung Electronics bekannt,

in deren Rahmen die nächste Generation

personalisierter digitaler und mobiler Lösungen

für Gesundheit und Wohlbefinden

entwickelt werden soll. 2016 kündigten das

Nestlé Institute und Samsung Pläne zur

Zusammenlegung ihrer Ressourcen an, um

eine Gesundheits- und Lifestyle-Plattform

zu schaffen, die mittels Geräten – von intelligenten

TVs bis hin zu tragbaren Artikeln –

mit dem Internet verbunden ist und zu gesünderen

Entscheidungen anregen soll.

Diverse Bekleidungsfirmen lancierten 2015

sogenannte Tech-Shirts, die Herzfrequenz,

Atmung und weitere biometrische Parameter

messen. Die Aktivitäts- und Herzfrequenztracker

von Fitbit sind ein weiteres Beispiel

für Apparate, die unsere Gesundheit überwachen.

Gemäss Schätzungen von Research

and Markets dürfte der Markt für derartige

«Wearables» von 23 Milliarden US-Dollar im

Jahr 2015 auf 173 Milliarden US-Dollar im

Jahr 2020 wachsen. Allerdings ist der Verkauf

von Geräten und Applikationen nur ein

kleiner Teil des Online-Gesundheitsmarkts.

Das wahre Potenzial liegt in der Erfassung,

Analyse und Verwaltung der anfallenden Daten,

die zur Identifikation besserer Gesundheitslösungen

beitragen können.

Das Internet der aufmerksamen Dinge

«Die Digitalisierung

hat ein ‹globales

Bewusstsein›

entstehen lassen.»

Uwe Neumann

Weitere Details

finden Sie auf

unserer Karte.

GPS-fähige Geräte wie der TrackR Bravo

spüren den verlegten Schlüsselbund oder die

Handtasche auf. Wenn der Tracker an Objekten

angebracht wird, lassen sich diese mittels

einer App auf dem Smartphone problemlos

lokalisieren. Smarte Schlafmasken sind in der

Lage, den Schlaf mit medizintechnischen

Sensoren aufzuzeichnen. Anhand der Ergebnisse

können Schlafgewohnheiten entsprechend

angepasst und verbessert werden.

Das Headset von Vigo überwacht die Aufmerksamkeit

(z. B. bei längeren Autofahrten)

und warnt, wenn diese nachlässt. Alphabet

(Google) übernahm 2014 Nest, einen Anbieter

von Temperaturreglern und Rauchmeldern,

um von der anziehenden Nachfrage nach intelligenten

Sicherheitslösungen für die Heimüberwachung

zu profitieren. Nest hat auch

eine Dropcam im Angebot. Diese Kamera

erfasst bei Abwesenheit Bewegungen zu

Hause. Diese können via Internet und mittels

einer Smartphone-App eingesehen werden.

Und auch Roboter werden immer schlauer:

Sie sind übers Internet mit einem intelligenten

Pflege-Hub verbunden und können pflegebedürftige

Menschen zu Hause betreuen.

Gewisse Nutzer stehen der Idee einer vernetzten

Welt ablehnend gegenüber und

fürch ten um ihre Privatsphäre. Sie sehen

sich auch durch Fehlinformations- und Manipulationsrisiken

bedroht. Indessen kann die

Gesellschaft den technologischen Fortschritt

auch positiv nutzen, z. B. zu Ausbildungszwecken

oder für den Kontakt zwischen Menschen.

Kinder verwenden zu nehmend Programme

wie YouTube, um beispielsweise

Kochen zu lernen. Apps wie SideChef geben

eine detaillierte Anleitung für die Zubereitung

von Mahlzeiten. Solche Anwendungen können

dazu beitragen, die Familie beim Abendessen

zusammenzubringen, zumal die Kinder

ihre kulinarischen Kreationen sicherlich

mit dem Rest der Familie teilen wollen. Und

die Eltern können derweil mit einer Wi-Fiblockierenden

Pfeffermühle sicherstellen,

dass ihre Sprösslinge beim Essen keinen Zugang

zu ihren Smartphones oder iPads haben.

Nicht nur aus dieser Perspektive kann

die heutige Konnektivität viel Gutes tun.

Uwe Neumann

Research Analyst

+41 44 334 56 45

uwe.neumann@credit-suisse.com


GLOBAL INVESTOR 1.17 —28

Photo: Vorname Name/Agentur


GLOBAL INVESTOR 1.17 —29

Cybersicherheit

Die dunkle Seite

der Digitalisierung

In der alten, PC-geprägten IT-Welt existierte ein privates Umfeld, das mit Perimeter- und

Infrastruktursicherheit geschützt wurde und von der Aussenwelt klar getrennt war. In der

heutigen globalisierten Welt stellen die Digitalisierung und die IT-Konsummuster der jüngeren

Generation die Wahrung eines sicheren Cyberumfelds jedoch vor Probleme.

In den 1980er-Jahren, als das Internet

noch ganz am Anfang stand, war Cybersicherheit

kein Thema. Seither haben die

Zahl und die Komplexität der Cyberattacken

jedoch stetig zugenommen. Für Schlagzeilen

sorgen heute Themen wie Ransomware-Epidemie,

Malware-Neuausrichtung

von PCs und Laptops auf Mobilgeräte, Milliarden

von nicht oder nur ungenügend geschützten

Objekten im Internet der Dinge

sowie Hackerangriffe auf Unternehmen und

Regierungen. Laut diversen Quellen sind

welt weit mindestens 70 Millionen verschiedene

Malware-Versionen im Umlauf, die vor

allem über Smartphones und andere Mobilgeräte

verbreitet werden. Zudem sind mindestens

70% aller E-Mails Spam.

Unsere Abhängigkeit vom Internet und anderen

Netzwerken für wichtige Dienstleistungen

und Informationen hat in den letzten Jahrzehnten

enorm zugenommen. Ein rasantes

Wachstum verzeichneten vor allem durch das

mobile Internet ermöglichte Technologieinfrastrukturen,

wie Stromnetze, Cloud-Computing,

industrielle Automationsnetzwerke, intelligente

Transportsysteme, E-Government-Angebote

und elektronisches Banking. Diese sind untereinander

immer stärker vernetzt. Fällt eine

dieser Technologien aus, können andere davon

negativ betroffen sein. Nutzerfreundlichkeit

und mehr Effizienz gehen folglich mit einer

höheren Anfälligkeit für Cyberattacken einher

und erschweren die Verteidigung gegen solche

Angriffe.

Es besteht eine latente Bedrohung, dass

das Internet unter Cyberattacken zusammenbrechen

könnte. Wenn wir nicht bald etwas

unternehmen, riskieren wir bleibende wirtschaftliche

Schäden. Der designierte US-Präsident

Donald Trump sagte im Wahlkampf,

dass dem Thema Cybersicherheit nach seinem

Amtsantritt «unmittelbare und höchste Priorität»

zukommen werde. Die US-Staatsausgaben

für Cybersicherheit sollten daher steigen,

wobei ein besserer Schutz unverzichtbarer

Infrastrukturen im Fokus stehen dürfte.

Hiervon könnten Cybersecurity-Unternehmen

wie Cisco Systems, Palo Alto Networks oder

Check Point Software profitieren.

Cybersicherheit damals und heute

In der alten IT-Welt schotteten sich die Nutzer

mit Perimeter- und Infrastruktursicherheitslösungen

ab und versuchten zu kontrollieren,

was auf dem PC ein- und von diesem ausging.

Dieser Ansatz stösst nun an seine Grenzen.

Firewalls stoppen zwar üblicherweise über

99% der Bedrohungen, bei den weniger als

1% nicht abgefangener Bedrohungen handelt

es sich aber in absoluten Zahlen immer noch

um Tausende von Sicherheitsverletzungen,

gehen die Angriffsversuche doch in die Millionen.

Probleme mit der Cybersicherheit sind

indes gut für die IT-Sicherheitsbranche. Wir

erwarten, dass die Ausgaben für IT-Sicherheit

deutlich schneller als die IT-Gesamtausgaben

wachsen und damit einen grösseren Teil des

«IT-Kuchens» für sich beanspruchen werden.

Gemäss dem Marktforschungsinstitut Gartner

sollten die weltweiten Ausgaben für Cybersicherheitsprodukte

und -Dienstleistungen

2016 auf 81.6 Milliarden US-Dollar steigen –

ein Plus von 7.9% seit 2015. Der Anteil der

Sicherheitsausgaben beträgt damit nur 2.4%

der globalen IT-Ausgaben, die laut Gartner auf

3.4 Billionen US-Dollar steigen sollten. Für die

kommenden fünf Jahre rechnet Gartner mit

einem Wachstum von rund 8% p. a., was in

unseren Augen angesichts der zunehmenden

Herausforderungen eher konservativ scheint.

Prävention bevorzugt

Chief Technology Officers (CTO) zählen die

Cybersicherheit laut Umfragen zu den drei

Top-Prioritäten. Angesichts der potenziellen

wirtschaftlichen Schäden infolge von Cyberangriffen

müssten die Anstrengungen aber

wohl weiter verstärkt werden. Doch oftmals

fehlt es an Geld – oder der Bereitschaft –, um

die Cybersicherheitsausgaben zu steigern,

und bisweilen wird auch nicht genug investiert,

weil keine mittelfristige Cybersicherheitsstrategie

formuliert wurde. Viele Unternehmen

reagieren noch von Fall zu Fall, geben

also weniger aus, wenn keine unmittelbaren

Bedrohungen oder Vorfälle auftreten, und

verfallen plötzlich in Panik und investieren,

wenn sich eine Bedrohung manifestiert – insbesondere,

wenn diese in den Medien grossen

Widerhall findet, wie die Cyberangriffe

auf Sony 2014 oder auf das US Office of

Personnel Management 2015. Ist das Sicherheitsproblem

gelöst, werden die Ausgaben

wieder zurückgefahren.

Zudem entscheiden sich diejenigen CTOs,

die ihre Sicherheitsstrategie wirklich planen,

tendenziell für allgemeine Präventivmass- >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —30

«Probleme mit der Cybersicherheit sind

indes gut für die IT-Sicherheitsbranche.»

Ulrich Kaiser

Wachsende Sicherheitskosten

Netzwerksicherheit und Schwachstellenmana

gement sind die am schnellsten wachsenden

Segmente innerhalb der IT Sicherheit.

Endpunkt sicherheitslösungen für Unternehmen

und Web sicherheit werden durch zukünftige

Lösungen abgelöst. Quelle: IDC, Schätzungen Credit Suisse

Mio. USD

40 000

35 000

30 000

25 000

20 000

15 000

10 000

5 000

0

2012 2017

+53

%

+83

%

Netzwerksicherheit

Sicherheit und Schwachstellenmanagement

Endpunktsicherheit

Identitäts- und Zugangsmanagement

Web-Sicherheit

Messaging-Sicherheit

Sonstige

nahmen – woran sich in den nächsten Jahren

nichts ändern dürfte. Vorbeugende Mass -

nahmen haben sich jedoch in der Realität

zur Blockierung von Cyberangriffen als wenig

wirk sam erwiesen. Daher sind viele Organi satio

nen zu einem Ansatz übergegangen, der auf

eine Identifikation von spezifischen Bedro hungen

und massgeschneiderte Reaktionen setzt

(Managed Detection and Response, MDR).

Neue Trends in der Cybersicherheit

Wir rechnen daher mit einer Weiterentwicklung

von MDR-Sicherheitstechnologien wie

dem Security Information and Event Management

(SIEM) und Secure Web Gateways

(SWG). Da sich reine Präventivmassnahmen

auch künftig nicht bewähren dürften, sollten

Firmen und Organisationen in ihrem Budget

beide Ansätze angemessen berücksichtigen.

Darüber hinaus dürften Cybersicherheitslösungen

in Zukunft zunehmend im Dienst leis tungsrahmen

umgesetzt werden, zumal der allgemeine

Mangel an Cybersicherheitstalenten

den Unternehmen schon heute Mühe bereitet.

MDR gewinnt an Boden, weil sich viele Firmen

gezwungen sehen, sowohl Technologie als

auch menschliches Know-how einzusetzen,

um Risiken zu identifizieren und ihr Cyberumfeld

zu stärken. Dies ist insbesondere für

Reaktionen auf Insider- oder gezielte, hochkomplexe

Bedrohungen relevant.

Hacker gesucht

Investitionen in neuste Sicherheitstechnologien

sind für den Schutz von Unternehmen

unerlässlich. Dies gilt aber auch für Investitionen

in die Cybersicherheitskompetenzen

der Mitarbeiter, die in den Gartner-Schätzungen

nicht enthalten sind und die Kosten nochmals

nach oben treiben. Kompetente Sicherheitsexperten

sind rar und teuer. Unter nehmen,

die aus Kostengründen auf sie verzichten,

sind aber anfällig für Cyberattacken und

riskieren Reputationsschäden sowie den Verlust

von Daten.

Die spezialisiertesten technologischen

Fähigkeiten werden am stärksten nachgefragt

und auch am besten entlohnt. Unternehmen

versuchen, Profis mit Fachwissen in komplexen

Cybersicherheitsbereichen wie Software-

Entwicklung, Milderung von Angriffen, Erkennung

von Sicherheitsverletzungen sowie

Netzwerküberwachung zu finden. Lange zu

suchen brauchen sie nicht: Es geht lediglich

darum, Hacker für das eigene Lager zu gewinnen.

Hacker lassen sich durch Geld, Protest

oder ganz einfach durch die Herausforderung,

aber auch durch eine Anstellung

motivieren, in der sie Systemschwächen evaluieren,

Abwehrstrategien gegen potenzielle

Hacker formulieren und damit positiv zum

Unternehmenserfolg beitragen.

Ulrich Kaiser

Research Analyst

+41 44 334 56 49

ulrich.kaiser@credit-suisse.com


GLOBAL INVESTOR 1.17 —31

Fintech

Das

Zeitalter der

Kryptofinanz

Mit der Erfindung des Bitcoin wurde 2009 die Ära der

Krypto finanz eingeläutet. Der Wirbel um den Bitcoin und die

Blockchain – eine dezentrale Datenbank, in der Bitcoin-

Transaktionen auf geführt werden – hat mittlerweile wieder

nachgelassen, doch die Kryptofinanztechnologie hat sich

weiterentwickelt und Fehler ausgebügelt.

INTERVIEW VON CHRISTINE SCHMID, Credit Suisse

Christine Schmid: Erzählen Sie uns etwas

über Monetas.

Johann Gevers Die Idee für Monetas

basierte auf meinem Wunsch, etwas zu tun,

das die Welt besser funktionieren lässt.

Ich habe lange und intensiv darüber nachgedacht,

welche Technologie diesem Anspruch

genügen könnte. Ich kam zum Schluss,

dass das Finanzwesen im Zentrum unseres

Systems steht. Es ist jedoch zu zentralisiert,

was Risiken und Instabilität nach sich zieht

und den gesellschaftlichen Fortschritt bremst,

wie sich in der Finanzkrise 2008 zeigte.

Zudem sind die damaligen Probleme noch

nicht gelöst. Sie haben sich effektiv verschlimmert,

wenn auch zurzeit eine gewisse –

vorübergehende – Stabilität herrscht.

Können Sie dies etwas ausführen?

Johann Gevers Das heutige Finanzsystem

ist zu zentralisiert, zu viel Macht ist in

zu wenigen Händen konzentriert, was Missbräuchen

Vorschub leistet. Wenn dieses

System versagt, können die Schäden massiv

sein. Bei Monetas konzipieren wir daher

Technologien, die zur stärkeren Dezentralisierung

des Finanzsystems und damit zu

seiner Demokratisierung beitragen. Unsere

Lösung gehört in die Kategorie der Kryptofinanztechnologie,

die mit Verschlüsselungsalgorithmen

private und sichere Transaktionen

gewährleistet.

Wie sieht denn Ihre Lösung genau aus?

Johann Gevers Unsere Technologie

gibt dem Nutzer mehr Kontrolle. Es handelt

sich um eine Vertragsplattform, die gewisse

Nachteile bestehender Kryptofinanzlösungen

umgeht und den Abschluss

von Transaktionen in einem Bruchteil der

Zeit und äusserst kostengünstig erlaubt.

Dies ist vor allem im Detailhandel wichtig.

Kommen wir kurz auf bestehende

Kry pto finanztechnologien zurück. Die meisten

von uns wissen nicht, worum es dabei

eigentlich geht.

Johann Gevers Im Zentrum der Kryptofinanz

steht die Erfindung einer wirklich

digitalen Währung, die sich – anders als

etwa physisches Bargeld oder digitale Musik –

nicht kopieren oder fälschen lässt. Der

damit ermöglichte Übergang von herkömmlichem

Bargeld zu modernem digitalem Cash

generiert enorme Effizienzgewinne. Laut

der Bank of England wird er beispielsweise

das Bruttoinlandprodukt (BIP) nachhaltig

um 3% steigern. Das ist massiv, und

in Entwicklungsländern wird dieser Effekt

sogar noch höher ausfallen.

Wo steht die Blockchain in diesem Szenario?

Johann Gevers Eine Blockchain ist

eine dezentralisierte Datenbank, ein öffentliches

Hauptbuch für digitale Transaktionen.

Sie basiert auf einem Konsenssystem und

ermöglicht es einer Vielzahl verschiedener

Nutzer – beziehungsweise verschiedener

Computer – rund um den Erdball, Transaktionen

zu bestätigen, indem ein Konsens zu

diesen gefunden wird. Wenn Sie eine Transaktion

über ein Konsenssystem abwickeln,

müssen all diese Computer über diese

abstimmen und grünes Licht geben. Dies

macht ein Konsenssystem widerstandsfähig

gegenüber politischer Einflussnahme und

Kor ruption. Es ist zudem gegenüber technologischen

Fehlern wenig anfällig.

Wie lässt sich dies konkret nutzen?

Johann Gevers Konsenssysteme

wie Blockchains eignen sich gut, um umfassende

Vermögenswerte oder wichtige

Informationen sicher zu speichern. Handelsregister

und Grundbücher, in denen der

Besitz von Unternehmen und Immobilien

eingetragen wird, sind ein gutes Beispiel.

Sichere elektronische Stimmabgabesysteme

sind ein weiteres.

Haben Blockchains auch Nachteile?

Johann Gevers Betrieb und Unterhalt

von Konsenssystemen sind sehr teuer.

In der Bitcoin-Blockchain belaufen sich die

Gesamtkosten einer Transaktion beispielsweise

auf rund fünf US-Dollar. Das ist

viel Geld. Wenn Sie zudem bei Starbucks

oder im Lebensmittelladen einkaufen,

wollen Sie an der Kasse nicht zehn Minuten

bis mehrere Stunden warten, bis ein

globales Netzwerk von Computern einen

Konsens erzielt und die Transaktion genehmigt.

Im Detailhandel ist ein effizientes,

schnelles und günstiges System erforderlich,

das Millionen von Transaktionen

pro Sekunde abwickelt. Das Bitcoin-Netzwerk

bewältigt maximal sieben Transaktionen

pro Sekunde.

>


GLOBAL INVESTOR 1.17 —32

Foto: Thomas Eugster

«Wenn Sie nur physisches Bargeld

verwenden können, sind nur direkte

Transaktionen von Angesicht zu

Angesicht möglich.»

Johann Gevers


GLOBAL INVESTOR 1.17 —33

Was uns wieder zu Ihrer Vertragsplattform

zurückbringt …

Johann Gevers Richtig. Vertragsplattformen

wie Monetas wickeln Transaktionen

in Millisekunden ab, sodass sämtliche

Transaktionen rund um den Erdball in Echtzeit

vorgenommen werden können. Und

die Kosten belaufen sich auf weniger als ein

Zehntausendstel eines Rappens. Solche

Plattformen sind daher für den Detailhandel

ideal. In Verbindung mit Konsenssystemen

bieten sie zudem das Beste aus zwei

Welten: Sie speichern Vermögenswerte

sicher in einem Konsenssystem und handeln

diese effizient über eine Vertragsplattform.

Wie funktioniert die Monetas-Plattform?

Johann Gevers Im Monetas-System

brauchen sich lediglich die Transaktionsparteien

zu einigen, um die Transaktion abzuschliessen.

Anders als im Konsenssystem

müssen sie nicht warten, bis sich Millionen

nicht beteiligter Parteien in einem langsamen

und teuren Prozess einigen. Die erste

Anwendung der Monetas-Technologie

ist ein mobiles Zahlungssystem. Jeder kann

unsere Software kostenlos auf sein Mobiltelefon

herunterladen und dann mit anderen

Monetas-Nutzern Transaktionen tätigen.

Die Nutzer laden an einem Kiosk, beim

Geldautomaten oder bei einer Bank digitales

Bargeld auf ihr Handy und können

dann einfach mit diesem bezahlen. Unsere

Plattform besticht zudem durch ihre Offenheit,

sie ist nicht auf individuelle Anbieter

oder Geräte beschränkt. Damit können

Transaktionen mit jeder Gegenpartei vorgenommen

werden – unabhängig von deren

Mobilfunkanbieter oder deren Standortland.

Sie benötigen nicht einmal ein Bankkonto.

Unser System eignet sich deshalb hervorragend

für jene 80% der Menschen in Afrika,

die kein Bankkonto haben. Zudem sind

unsere Transaktionen deutlich günstiger als

jedes andere System auf dem Markt.

Sie sind sogar günstiger (und sicherer) als

solche mit physischem Bargeld. Physisches

Bargeld verursacht in Industrieländern

Kosten von rund 1%– 2% des BIP, und in

Entwicklungsländern sind es sogar

5% – 7%. Der Übergang zu digitalem Cash

wird unseren Volkswirtschaften daher

enormen Auftrieb geben.

Ist Monetas bereits über das

Prototypenstadium hinaus?

Johann Gevers Wir haben in Südafrika

mit Erfolg eine Pilotversion unserer Plattform

lanciert. Unsere Partner sind mit den

Resultaten sehr zufrieden und planen, die

«Die Idee

für Monetas

basierte

auf meinem

Wunsch,

etwas zu tun,

das die Welt

besser

funktionieren

lässt.»

Johann Gevers

Johann Gevers

ist Gründer und CEO von Monetas,

Gründer von Crypto Valley sowie Gründer

und Präsident der Digital Finance

Compliance Association. Er ist Unternehmer

mit über 20-jähriger Erfahrung

in Wirtschaft, Finanz und Technologie.

Er agiert als strategischer Berater für

Unternehmen aus unterschiedlichsten

Branchen, darunter auch für preisgekrönte

Technologie-Start-ups. Gevers ist

ein visionärer Vordenker im Fintech-

Geschäft und wurde jüngst zu einem der

100 Top-Banker in der Schweiz erkürt.

Plattform nun landesweit an über 1000

Standorten einzuführen und in weitere

Länder Afrikas zu expandieren – für uns

eine sehr spannende Zeit!

Wem werden Kryptofinanztechnologien

künftig am meisten zugutekommen?

Johann Gevers Die Konsumenten

werden enorm profitieren. Die Technologien

ermöglichen nutzerfreundliche Dienstleistungen,

die alle heutigen in den Schatten

stellen. Sie werden Transaktionen tätigen

und ihr Geld sicher deponieren können, ohne

sich an Passwörter erinnern und Schlüssel

oder elektronische Karten herumtragen

zu müssen. Und sie können all dies über ihr

Mobiltelefon und (dank Back-ups in der

Cloud) sicherer als im traditionellen Banking

erledigen. Die Kryptofinanz eröffnet

Milliarden von Menschen ohne Bankkonto

Zugang zur Weltwirtschaft. Sie können

somit Vermögen bilden und ihre Lebensqualität

weit über das heute mögliche Mass

hinaus verbessern.

Es sind also auch heute noch Menschen von

der Weltwirtschaft ausgeschlossen?

Johann Gevers Ja, Milliarden von

Menschen – weltweit über die Hälfte der

Erwachsenen – haben kaum oder keinen

Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen

und tätigen alle Transaktionen mit Cash.

Wenn sie nur physisches Bargeld verwenden

können, sind nur direkte Transaktionen

von Angesicht zu Angesicht möglich.

Dies reduziert sie auf ein sehr kleines wirtschaftliches

Netzwerk und beschränkt

ihre Fähigkeit zur Vermögensbildung einschneidend.

Arme bleiben folglich arm.

Wer Vermögen bilden und seine Lebensqualität

steigern will, muss an einem grossen

wirtschaftlichen Netzwerk partizipieren.

Selbst in armen Ländern hat heute praktisch

jeder ein Mobiltelefon. Unsere Mobilplattform

eröffnet allen Mobiltelefonbesitzern

Zugang zu den weltweit fortschrittlichsten

Finanzdienstleistungen, was ihre Fähigkeit

zur Kapitalbildung dramatisch erhöht.

Sie werden den Vermögenszuwachs nutzen,

um ihre Gesundheit, Bildung und Lebensqualität

im Allgemeinen zu verbessern.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —35

Wohnformen

im Wandel

Die rapide Urbanisierung in den Entwicklungs- und Schwellenländern und der demografische

Wandel in den Industrienationen sind zwei der beherrschenden Trends, mit denen die Weltwirtschaft

derzeit konfrontiert ist. Faktoren wie Abwanderung in die Städte, Bevölkerungsalterung,

steigende Einkommen und die wachsende Mittelschicht in den aufstrebenden Ländern werden

entscheidende Auswirkungen darauf haben, wie wir leben und welchen Wohnbedarf wir haben.

2

MEHRGENERATIONENWOHNEN

In Zeiten zunehmender Verstädterung,

steigender Einkommen und

Mobilität ist es selten geworden,

dass Familien in mehreren Generationen

unter demselben Dach

leben. Die Vorteile dieses Arrangements

verschwinden somit. Eine

Initiative zum Wiederaufbau familienähnlicher

sozialer Netzwerke

ist das Mehrgenerationenwohnen.

1

COHOUSING

Das Leben in einer anonymen

Gesellschaft geht mit einem Verlust

des Gemeinschaftssinns einher.

Mit gemeinschaftlichen Wohnarrangements

wird versucht, einige der

Vorteile des Kleinsiedelns in einer

zunehmend urbanisierten Welt wieder

aufleben zu lassen.

3

MIKROWOHNUNGEN

Die Sicherstellung von erschwinglichem

Wohnraum und die Vermeidung

unerwünschter Segregation werden

als entscheidend für wachsende

Städte angesehen, die mit steigenden

Grundstückspreisen und einer

zunehmenden Bodenknappheit zu

kämpfen haben. Ein vielversprechender

Ansatz zur Lösung dieses

Problems ist der Bau bezahlbarer

Kleinstwohnungen.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —36

Städte sind die Mittelpunkte des

wirtschaftlichen Handelns sowie

der sozialen und kulturellen Interaktion

von Menschen. Das Bevölkerungswachstum

des 21. Jahrhunderts hat

vor allem Auswirkungen auf Städte, von denen

sich die Menschen angezogen fühlen,

weil sie ihnen Arbeitsplätze, eine ordentliche

Gesundheitsversorgung und erschwinglichen

Wohnraum bieten. Städte in Asien,

Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten

dürften besonders stark wachsen, weil

dort viele Menschen nach einem besseren

Leben suchen und hoffen, Teil der aufsteigenden

Mittelschicht zu werden. Das Phänomen

der Urbanisierung ist jedoch nicht nur

in den weniger entwickelten Ländern anzutreffen.

Auch in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften

wachsen die Städte, wenn auch

nicht so schnell. London etwa dürfte bis 2031

einen Bevölkerungsstand von über zehn Millionen

erreichen, ein Zuwachs von 15 Prozent

gegenüber heute. Bis 2030 wird es Schätzungen

zufolge 41 solcher Megastädte geben,

verglichen mit 28 im Jahr 2015. Rund zwölf

davon werden sich in Schwellenländern befinden.

Die Vereinten Nationen (UNO) schätzen,

dass in China bis 2020 sogar die erste

sogenannte «Gigastadt» (mehr als 100 Millionen

Einwohner) entstehen wird. Dieser Trend

wird bis zum Jahr 2050 6,3 Milliarden Menschen

weltweit in Ballungsgebiete abwandern

lassen. Dies entspricht einem Zuwachs

von 75 Prozent gegenüber heute, wobei zwei

von drei Einwohnern weltweit bis dahin in

städtischen Räumen leben werden.

Effiziente Nutzung ist entscheidend

Der starke Zustrom von Menschen in wohlhabende

Städte rührt von den wirtschaftlichen

Vorteilen her, die solche Städte bieten.

Mit zunehmender Bevölkerung wächst allerdings

auch der Druck auf Infrastruktur und

Grundstückspreise, sodass sich städtische

Liegenschaften weiter verteuern und damit

noch unerschwinglicher werden. Durch den

intensiveren Wettbewerb um Flächen wird

sich zudem die bauliche Dichte in Städten erhöhen.

Jedoch ist das vertikale Wachstum

der Stadt oft durch regulatorische Bestimmungen

begrenzt. Sobald ausserdem eine

gewisse Bauhöhe überschritten wird, entstehen

höhere Baukosten für die Gebäudestruktur,

die Fassade und Installationsarbeiten,

was den Kostenvorteil höherer Nutzflächen

bei gegebenem Baulandkonsum überkompensiert.

Wenn eine zusätzliche Verdichtung

nicht mehr möglich oder zu teuer ist, besteht

ein alternativer Ansatz zur Schaffung von bezahlbarem

Wohnraum in Städten in der Reduktion

der Wohnungsgrössen. Dieser Effekt

ist bereits in einigen Megastädten sichtbar,

wie in Tokio, wo die Wohnungen heute um 14

Prozent kleiner sind als noch vor zehn Jahren.

Die grösste Herausforderung für Wohnbauentwickler

wird somit künftig darin bestehen,

wie sie begrenzte Flächen effizienter nutzen

und bezahlbarer machen können.

Bedarf für neue Wohnformen

Eine weitere zentrale Herausforderung für nahezu

alle Länder ist der demografische Wandel,

der die Nachfragestruktur für Immobilien

grundlegend beeinflussen wird. Laut UNO

wird der Anteil der Menschen, die 60 Jahre

und älter sind, von 2025 bis 2030 jährlich um

2,8 Prozent steigen. Die Entwicklungsländer

werden dabei die jüngste Bevölkerung stellen,

gleichzeitig aber auch die schnellste Bevölkerungsalterung

verzeichnen. Die wachsende

urbane Mittelschicht in den aufstrebenden

Ländern wird für eine steigende Nachfrage

nach Wohnraum sorgen, wobei hier Quantität

und Qualität gleichermassen eine Rolle spielen.

In den Industriestaaten macht es die alternde

Generation von Babyboomern indessen

erforderlich, neue Wohnalternativen zu

entwickeln. Ein steigender Anteil älterer Menschen

wird nicht nur die Organisationsweise

von Gemeinschaften für Pflegedienste verändern,

sondern auch die kulturelle Sichtweise

auf das Älterwerden. Somit sollte die Integration

der älteren Generation in die Gemeinschaft

ermöglicht werden.

Die demografischen Verschiebungen

dürften einen grossen Bedarf an verschiedenen

neuen Formen des Wohnens wecken.

Da die älteren Menschen heute in der Regel

gesünder sind als früher, empfinden viele

ein Altersheim als keine attraktive Alternative

zu ihrem eigenen Zuhause. Gleichzeitig

sorgt die zunehmende Mobilität – ein weiterer

Megatrend – tendenziell dafür, dass sich

die räumliche Entfernung zwischen den Familienmitgliedern

vergrössert. Ältere Mitbürger

dürften daher zunehmend nach alternativen

Wohnformen suchen, die darauf ausgelegt

sind, ihren sich mit steigendem Alter verändernden

Bedürfnissen Rechnung zu tragen.

Antworten auf die Herausforderungen

Diese beiden Megatrends – Urbanisierung und

demografischer Wandel – werden verschiedene

Herausforderungen nach sich ziehen: knappen

und nicht bezahlbaren Wohnraum, die

mangelnde Zugänglichkeit von Familien- und

Seniorendiensten sowie der Verlust des Gemeinschaftssinns.

Die Suche nach Antworten

auf diese Herausforderungen hält immer noch

an. Durch verschiedene alternative Wohnprojekte,

die gerade überall auf der Welt entstehen,

zeigen die Immobilienbranche und eine

Vielzahl lokaler Bürgerinitiativen jedoch inzwischen

mögliche Wege auf. Zu den vielversprechendsten

Ansätzen zählen dabei Mikrowohnungen,

Mehrgenerationenwohnen und

gemeinschaftliches Wohnen, auch bekannt

als «Cohousing». Alle von ihnen gehen einige

der Herausforderungen an, die sich derzeit

am globalen Wohnungsmarkt abzeichnen,

und könnten als zukünftige Wohnlösungen

dienen.

Fabian Waltert

Real Estate Analyst

+41 44 333 25 57

fabian.waltert@credit-suisse.com


GLOBAL INVESTOR 1.17 —37

1

Foto: Jeremy M. Lang

Die Pacifica-Cohousing-Gemeinschaft in Carrboro, North Carolina. Gemeinschaftliches Wohnen bietet die Vorteile des Kleinsiedelns in einer

urbanisierten Welt. Die Menschen bewohnen privaten Raum, nutzen aber gemeinsam Güter und Dienstleistungen innerhalb der Gemeinschaft.

Cohousing

In den 1960er-Jahren in Dänemark entstanden und dann

von vielen Regionen weltweit übernommen, beschreibt

Cohousing eine gemeinschaftliche Lebensform, bei

der die Menschen privaten Raum bewohnen und sich die

gemeinsamen Einrichtungen der Gemeinschaft teilen.

Die Organisation dieser Gemeinschaften erfolgt nicht

hierarchisch. Vielmehr entscheiden die Bewohner demokratisch,

indem alle Wünsche und Bedürfnisse gleichermassen

berücksichtigt werden. Das Leben in einer

Cohousing-Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch verschiedene

gemeinsame Aktivitäten innerhalb der Gemeinschaft

(z.B. Gruppenbetreuung, gemeinsame Mahlzeiten,

Einkaufshilfe, soziale Interaktion etc.), bei denen die

Teilnahme wünschenswert, aber nicht verpflichtend ist.

Diese Gemeinschaften sind in ihren Absichten und Zielen

sehr heterogen und lassen sich in städtischen, vorstädtischen

sowie ländlichen Gebieten finden. In Grossbritannien

gibt es z.B. das Projekt «Older Women’s Co-Housing»,

das durch seine Gemeinschaft für Frauen über 50 eine

besondere Form des Mehrgenerationenwohnens darstellt.

Andere, wie «Pacific Cohousing» in den USA, sind indes

stärker daran interessiert, Wohngemeinschaften mit Fokus

auf Nachhaltigkeit zu schaffen. Statt eine Lösung für

die mit dem demo grafischen Wandel verbundenen Probleme

zu bieten, geht es der Cohousing-Bewegung vor allem

darum, Antworten auf die sich ändernden Bedürfnisse

von Menschen weltweit zu finden. Der wichtigste wirtschaftliche

Vorteil von Cohousing besteht in der Möglichkeit,

Güter und Dienstleistungen innerhalb der Gemeinschaft

gemeinsam zu nutzen. Einige Menschen geniessen

vielleicht auch gerade das Gemeinschaftsgefühl, das

in der Anonymität der heutigen Städte weitgehend verloren

gegangen ist. Allerdings müssen die Teilnehmer ihren

finanziellen Beitrag leisten und sind auch zur Zusammenarbeit

unter einander verpflichtet, was zu Spannungen

innerhalb der Gemeinschaft führen kann. Cohousing dürfte

als Wohnalternative dennoch zunehmend relevant

werden, nicht zuletzt deshalb, weil es einige der Vorteile

von Dorfgemeinschaften in einer zunehmend urbanisierten

Welt wieder aufleben lässt.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —38

Mehrgenerationenwohnen

Im Zuge steigender Einkommen und einer zunehmenden

Mobilität ist es in vielen Ländern selten geworden, dass

mehrere Generationen miteinander unter einem Dach leben.

Die Vorteile dieses traditionellen Wohnarrangements

(z.B. kostenlose Betreuung für Kinder und Senioren) verschwinden

somit. Die wachsende Anzahl älterer Menschen

sorgt zudem für steigende Kosten im öffentlichen Pflegewesen.

In Deutschland wurde mit den sogenannten

«Mehrgenerationenhäusern» die Initiative ergriffen, um das

mit Familien vergleichbare soziale Netzwerk wieder aufzubauen.

Mit solchen Häusern wollen die Initiatoren ein Umfeld

schaffen, das Platz für Senioren, Kinder und Kindertagesstätten

bietet und wo Jung und Alt sich gegenseitig

unterstützen können. Der «Leuchtturm» in Berlin ist ein Beispiel

für ein Mehrgenerationenhaus, in dem 29 Erwachsene

im Alter von 26 bis 70 Jahren, 14 Kinder zwischen 2 und

13 Jahren sowie mehrere Haustiere zusammenleben. Diese

Menschen verkörpern die ureigenste Idee der «teilenden

2

Gesellschaft» (Sharing Economy), da die älteren Bewohner

beispielsweise den Kindern Bücher vorlesen, während

die Teenager den Senioren Computerkenntnisse vermitteln.

Mehrgenerationenwohnen dient aber nicht allein dazu,

die ältere Generation stärker ins gesellschaftliche Leben

ein zubinden. Es schafft auch neue Wohnmöglichkeiten für

aufgeschlossene jüngere Menschen, für die der reguläre

Wohnungsmarkt zu teuer ist und die deshalb froh sind, eine

bezahlbare Unterkunft zu finden. Eine etwas erweiterte

Form des Mehrgenerationenwohnens lässt sich bei generationsübergreifenden

Wohnprojekten finden, wo Altersheime

und Kitas unter einem Dach vereint sind. Derartige Arrangements

dürften zu einer deutlichen Senkung der Pflegeund

Betreuungskosten beitragen. Vielleicht wird das Mehrgenerationenwohnen

eher als Nischenmodell denn als globale

Lösung für die Wohnungsprobleme im Zusammenhang

mit dem demografischen Wandel betrachtet. Ein vielversprechender

Ansatz für die Zukunft bleibt es aber allemal.

Die Cohousing-Gemeinschaft Murundaka in Melbourne, Australien, ist ein Beispiel für erfolgreiches Mehrgenerationenwohnen.Die Idee

dahinter ist, Jung und Alt in einem Umfeld zusammenzubringen, in dem sie sich zu erschwinglichen Kosten gegenseitig unterstützen können.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —39

3

Der Nakagin Capsule Tower

in Tokio, Japan, ist ein früher

Versuch für die Errichtung

von Mikroapartments.

Kaum grösser als ein geräumiges

Wohnzimmer,

bieten diese Miniwohnungen

eine Lösung für das Doppelproblem

Nachhaltigkeit

und be zahlbarer Wohnraum

in Innenstädten.

Foto: Manakin / Getty Images

Mikrowohnungen

Foto: Chris Grose

Klein, in vielen Fällen nachhaltig und vor allem bezahlbar –

so lassen sich Mikroapartments oder Minihäuser beschreiben.

Die Idee dahinter ist, Wohnungen auf 20 bis 30 Quadratmeter

(in manchen Fällen sogar noch weniger) zu verkleinern

und so den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum in den

Innenstädten und in Arbeitsplatznähe zu ermöglichen. Eines

der ersten und radikalsten Mikrowohngebäude ist der

Nakagin Capsule Tower, der in den 1970er-Jahren in Japan

entstand. Der Komplex umfasst 140 einheitliche Wohnkapseln,

die jeweils weniger als neun Quadratmeter gross sind.

Angesichts des exponentiellen Städtewachstums und der

Tatsache, dass Land immer knapper und teurer wird, gewinnt

die Idee des Mikroapartments wieder an Bedeutung. In

New York City beispielsweise wurde 2016 das Projekt «Carmel

Place» fertiggestellt. Es ist das erste moderne Gebäude

in New York, bei dem die Wohnungen kleiner sein dürfen als

generell vorgeschrieben. Insgesamt verteilen sich 55 Mikroapartments

über neun Etagen. Die Wohnungen sind möbliert,

jedes Zimmer wird einmal die Woche gereinigt, und es werden

den Mietern noch weitere Annehmlichkeiten wie ein Fitnessraum

geboten. Kritiker behaupten, dass sich die Menschen

in solchen Wohnungen einsam und isoliert fühlen werden,

dass die Wohnungen tendenziell kleiner werden, die Mieten

aber gleich bleiben und dass solche kleine Wohnquartiere

die Slums von morgen sein könnten, weil sie gerade für

einkommensschwächere Mieter attraktiv sind. Mikroapartments

erlauben es jedoch jungen Menschen, Fachkräften,

Beschäftigten im Dienstleistungssektor und Rentnern,

an zentralen, sonst unbezahlbaren Lagen zu wohnen, womit

Segregationstrends entgegen gewirkt wird.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —40

Foto: Bram Belloni

Bürojobs der mittleren Stufe werden immer rarer, erläutert Randstad-CEO Jacques van den Broek. Dies verändert den Arbeitsmarkt grundlegend.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —41

Flexibles Arbeiten

Arbeit im neuen

Jahrtausend

Zahlreiche Faktoren wie die fortschreitende Automatisierung und Robotertechnik, unsere höhere

Lebenserwartung, die Unterfinanzierung der Pensionssysteme und die andersdenkenden

jüngeren Generationen verändern das Angebot und die Nachfrage für Arbeit, wie wir sie kennen.

INTERVIEW VON RETO HESS, Credit Suisse

Reto Hess: Die Digitalisierung – speziell

die Informations- und Kommunikationstechnologie

(ICT) – übt einen immer grösseren

Einfluss auf unser tägliches Leben aus,

unser Arbeitsleben mit eingeschlossen. Von

welchem Ausmass der Veränderungen

sprechen wir?

Jacques van den Broek Vor Kurzem

haben wir unseren Bericht Flexibility@work

2016 zur Zukunft der Arbeit im digitalen

Zeitalter veröffentlicht, der sich gezielt mit

den derzeit wahrnehmbaren Folgen der

Digitalisierung auseinandersetzt. Es gibt

hier zwei verschiedene Überlegungen: Nach

der ersten, etwas fatalistischeren, werden

rund 40 Prozent der Arbeitsplätze verschwinden.

Gemäss der zweiten Überlegung,

die auch die OECD in einem separaten

Bericht unterstützt, würde jedoch die Hälfte

der Arbeitsplätze ohnehin einen natürlichen

Wandel vollziehen.

Mit welchen Wünschen kommen Ihre

Kunden heute zu Ihnen? Gibt es

irgendwelche Besonderheiten, die Sie

beobachten können?

Jacques van den Broek Ich stelle fest,

dass sich die Menschen gerne auf ein

bestimmtes Idealprofil versteifen. Das sagt

mir sofort, dass sie nicht viel über den

Arbeitsmarkt wissen. Sie als Kunde könnten

beispielsweise nach einem Mitarbeitenden

suchen, der Mitte 30 ist, über entsprechende

Kenntnisse verfügt und beim grössten

Konkurrenten erfolgreich tätig war, nun aber

nach einer neuen Herausforderung in

Ihrem Unternehmen sucht. Diesen Mitarbeitenden

werden Sie so nicht finden. Wir

versuchen daher zunehmend, den Fokus der

Unter nehmen weg von ihren Idealvorstellungen

hin zu jüngeren Menschen, älteren

Menschen oder vielleicht auch Menschen

aus einem anderen Land zu lenken.

Konnten Sie beobachten, dass sich infolge

der wachsenden Bedeutung der ICT

und der zunehmenden Automatisierung die

Nachfrage von wissensbasierten Berufen

auf kreativere oder stärker sozialorientierte

Tätigkeiten verlagert hat?

Jacques van den Broek Nein. Dafür ist

es noch ein bisschen zu früh. Wenn wir

beispielsweise von künstlicher Intelligenz

reden, entspricht das Höchste, was unsere

Jacques van den Broek

Jacques van den Broek ist CEO und

Vorstandsvorsitzender der Randstad

Holding nv. Er absolvierte ein Jurastudium

an der Universität Tilburg in den

Niederlanden und hielt kurzzeitig eine

Managementposition bei Vendex International

inne, bevor er 1988 als Niederlassungsleiter

zu Randstad wechselte.

2004 wurde er in den Vorstand berufen.

Branche derzeit vorweisen kann, dem

Intellekt eines zweijährigen Kindes. Das

heisst, in 78 Prozent der Fälle erkennt

künstliche Intelligenz das Bild einer Katze

als Katze. Wenn es darum geht, ein

persönliches Profil auszuwählen – vor allem

das eines Wissensarbeiters –, wird es

noch einige Jahre dauern, bis die Technologie

diese Entscheidung treffen kann.

Kommen wir noch einmal auf den Bericht

zurück, den Sie eingangs erwähnt haben.

Darin heisst es, dass die Fortschritte

in der ICT zu einer Polarisierung der Arbeit

führen. Die Nachfrage für hoch bezahlte

Hightech-Tätigkeiten und gering bezahlte,

einfache Jobs bleibt dabei bestehen,

während die Mitte verliert. Wie kommt es

dazu?

Jacques van den Broek Wir finden

Nichtroutinearbeiten am oberen und am

unteren Ende des Arbeitsmarktspektrums.

Ein Gärtner etwa verrichtet eine nicht

routinemässige Arbeit, die sich auch nicht

automatisieren lässt. Eine Krankenschwester

führt Nichtroutinearbeiten durch,

die sich nur teilweise automatisieren lassen.

Interessant ist, dass die bislang hoch

angesehene mittlere Angestelltentätigkeit

sehr schnell verschwindet. Dies ist insofern

problematisch, als die meisten Sozialsysteme,

die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg

errichtet wurden – allen voran die Pensions-,

Gesundheits- und Bildungssysteme – >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —42

«Die Menschen versteifen sich

gerne auf ein bestimmtes Idealprofil.

Das sagt mir sofort, dass sie nicht

viel über den Arbeitsmarkt wissen.»

Jacques van den Broek

wesentlich von der Mittelschicht getragen

werden. Das muss sich nun ändern.

Was kann getan werden,

um dieses Problem zu lösen?

Jacques van den Broek Die Unternehmen

müssen mittel- bis langfristig planen,

um zu sehen, wie sich ihre Belegschaft

verändern kann. Auch der Staat ist

gefordert, denn es bedarf einer pro aktiven

Arbeitsmarktpolitik.

Welche Entwicklung erfährt Ihr

Geschäftsmodell bei Randstad?

Jacques van den Broek Es verändern

sich ein paar Dinge. Zum einen weisen

die Arbeitsmärkte zunehmend strukturelle

Diskrepanzen auf, sowohl auf Länderebene

als auch international. Zwar herrscht keine

echte Knappheit an Arbeitskräften, die

Menschen leben jedoch häufig am falschen

Ort. Eine wichtige Aufgabe von uns besteht

deshalb darin, Arbeit weltweit zu verteilen.

Dies bedarf staatlicher Unter stützung und

muss von den Kunden akzeptiert werden.

Aber letztlich wird uns keine andere

Wahl bleiben. Zum anderen werden sich die

Erwerbstätigen mit einer Spanne von z.B.

18 bis 68 Jahren auch wesentlich stärker

in ihrem Alter unterscheiden. Massgeschneiderte

Beschäftigungslösungen dürften

zudem zunehmend an Bedeutung

gewinnen, da sich nicht jeder für eine Vollzeitstelle

entscheiden wird. Folglich sehen

wir uns auch in einer Rolle, die kreative

Personalplanung erfordert.

Erwarten Sie einen spürbaren Trend zum

Freelancing?

Jacques van den Broek Im ICT-Bereich

beispielsweise besteht die Hauptmotivation

der Arbeit in der Attraktivität des Projekts.

Ausserdem sind hier gerade die jungen

Menschen zunehmend abgeneigt, für die

Arbeit ihr Zuhause zu verlassen. Diese Art

von Tätigkeit lässt sich allerdings auch

gut aus der Ferne ausüben. Die Arbeits­

kräfte der Zukunft werden teils von anderen

Orten aus und teils als Freiberufler arbeiten.

Unserer Meinung nach werden sogar 30

bis 35 Prozent der Gesamterwerbsbevölkerung

künftig einer Arbeit nachgehen, die

nicht fest ist.

In den Niederlanden haben Sie ein

Programm speziell zur Förderung älterer

Mitarbeitender entwickelt.

Jacques van den Broek Sie meinen

+Power, wobei «alt» nicht unbedingt das

treffende Wort ist. In den Niederlanden setzen

wir uns stark dafür ein, dass die

Unternehmen etwas von ihren Idealvorstellungen

abrücken und darauf schauen,

welche Vorteile der Einzelne bieten kann.

Diese Bemühungen stehen allerdings noch

am Anfang. Nach wie vor ist es für uns

schwierig, ältere Menschen wieder in Arbeit

zu bringen.

Woran liegt das?

Jacques van den Broek Das hängt mit

den Vorlieben zusammen. Ein weiterer

Grund besteht darin, dass sich die Menschen

aufgrund von Tarifskalen und Vergütungsmodellen

mit der Zeit selbst aus

dem Arbeitsmarkt drängen. Schliesslich

spielt auch die Nachfrage eine Rolle. Das

letzte Mal, dass wir wirklich verschiedene

Profile erstellt haben, war im Jahr 2007 –

seither hat es in Europa auch kein nennenswertes

Wirtschaftswachstum mehr gegeben.

Sobald das Wachstum zurückkehrt,

werden die Kunden ihre Zurückhaltung verlieren.

Im Moment denken die Menschen

kurzfristig, aber schauen wir uns doch bloss

einmal die langfristigen demografischen

Herausforderungen an. Die Kunden müssen

ohnehin gegenüber neuen Profilen offen

sein. Das gilt auch für Arbeitnehmende.

Wenn Menschen ihre Arbeit verlieren,

suchen sie als Erstes nach genau dem

gleichen Job, der gerade weggefallen ist.

Das wird dann immer schwierig. Arbeitgeber

und Arbeitnehmende sind gemeinsam

dafür verantwortlich, die Beschäftigungsfähigkeit

sicherzustellen. Somit führen

wir zunächst ein Gespräch, in dem wir die

Kompetenzen des Arbeits suchenden

gegenüber anderen, am Arbeitsmarkt

verfügbaren Stellen neu definieren.

Was passiert, wenn Sie die Generation Y

in den Arbeitsmarktmix einbeziehen?

Jacques van den Broek Es zeigen sich

dann leichte Unterschiede. Die Generation Y

macht sich vor allem Gedanken über Sinnhaftigkeit

und eine gute Work-Life-Balance.

Sie wollen für Start-ups und kleine Unternehmen

arbeiten. Als Arbeitgeber sind

Sie gefordert darüber nachzudenken, wie

Sie für diese Gruppe attraktiv sein können.

Es besteht nach wie vor eine ziemliche Kluft

zwischen dem, was Unternehmen als ihr

Alleinstellungsmerkmal betrachten, und dem,

was Menschen in der Arbeitswelt zu

finden hoffen. Unseres Erachtens wird die

An passung an die Bedürfnisse der neuen

Generation daher entscheidend sein, um die

richtigen Talente zu gewinnen.

Ist es für mich als Kandidat von Vorteil, in

sozialen Netzwerken präsent zu sein?

Jacques van den Broek Aber ja. Wenn

Sie unbekannt sind, können wir Sie auch

nicht finden. Früher, als die Menschen noch

in meine Niederlassung kamen, sagte ich

zu ihnen, dass wir in Kontakt bleiben. Denn

wenn ich nach zwei Wochen nichts gefunden

habe, sind bereits alle Kandidaten berücksichtigt

worden. So ähnlich läuft das auch in

den sozialen Medien. Wenn Sie also sehr

subtil mitteilen wollen, dass Sie auf Jobsuche

sind, ändern Sie einfach Ihr Profilbild auf

Facebook. Wir werden es erfahren.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —44

Jung und

autofrei

Für viele Erwachsene stehen die eigenen vier Räder für Freiheit. In zahlreichen

Industrieländern benutzen junge Menschen Autos jedoch immer weniger.

Wir analysieren die Ursachen dieses Trends und die Frage, ob er vorübergehender

oder bleibender Natur ist.

100%

Zugelassene

FahrerInnen im Alter

von 18 –24 Jahren

Quelle: US-Verkehrsministerium,

Schweizer Bundesamt für Statistik

87%

84%

81%

USA

2014

77%

71%

69%

63%

2010

2005

2000

1994

50%

59%

Foto: macida/Getty Images


GLOBAL INVESTOR 1.17 —45

Ein Auto galt früher als Statussymbol

und wurde mit Freiheit und Erwachsensein

assoziiert. Tempi passati: In

den letzten Jahren scheinen junge

Erwachsene in Industrieländern wie den USA,

Norwegen, den Niederlanden, Grossbritannien,

Deutschland und Japan immer weniger

Interesse am Auto zu zeigen. Dieser Trend,

der in den 1990er-Jahren einsetzte, manifestierte

sich anfänglich in weniger Fahrausweisen

unter jungen Menschen im Vergleich zur

selben Altersgruppe früherer Generationen.

In den USA fiel der Anteil der 20- bis 24-Jährigen

mit Fahrausweis z.B. von 87.2% (1994)

auf 76.7% (2014). In den meisten Ländern

ging dieser Rückgang mit einer allgemeinen

Reduktion der Autonutzung einher, d.h. mit

einer sinkenden Zahl täglicher Autofahrten

und täglich zurückgelegter Kilometer unter

jungen Erwachsenen. In gewissen Ländern

wie Deutschland benutzen sie alternative

Transportmittel wie Eisenbahn oder Fahrrad,

wogegen ihre Mobilitätsnachfrage in den USA

insgesamt abgenommen hat.

Virtuelle statt physische Mobilität

Diese sich ändernden Mobilitätsmuster lassen

sich mit zwei fundamental unterschiedlichen

Theorien erklären. Die erste basiert auf sozioökonomischen

Faktoren, wie etwa der

Dauer der Ausbildung und dem Heiratsalter,

die sich in den letzten Jahren beträchtlich verändert

haben. Der deutliche Anstieg des wirtschaftlichen

Ertrags einer guten Schulbildung

hat die Einschreibungen an den Bildungsstätten

steigen lassen. Dieser Trend wurde durch

die jüngste Rezession weiter akzentuiert. In

den USA nahmen die Hochschulanmeldungen

deutlich stärker zu als im langfristigen Trend,

weil sich Junge mit niedrigem Bildungsniveau

zu einer Fortsetzung ihrer Ausbildung motiviert

sahen, um ihre Chancen im Arbeitsmarkt zu

erhöhen. In den USA stieg der Anteil der 25-

bis 30-Jährigen mit Hochschulabschluss zwischen

1995 und 2009 um 4 Prozentpunkte,

während die Beschäftigungsquote derselben

Kohorte um 9 Prozentpunkte nachgab. Dasselbe

Muster zeigte sich auch in den meisten

anderen Ländern der Organisation für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

(OECD). Aufgrund der längeren Ausbildungszeit

stieg das Alter bei Arbeitsmarkteintritt,

was ein tieferes oder gar kein Einkommen

während der Studentenjahre sowie eine spätere

Eheschliessung und Elternschaft impliziert.

Wenn die rückläufige Autonutzung durch

tiefere Einkommen in den Jugendjahren und

eine zurückgestellte Familiengründung bedingt

ist, sollten die Jugendlichen im späteren

Leben, wenn sie finanziell bessergestellt sind,

mehr Auto fahren. Diese Theorie lässt sich

mit einem Zitat aus einem Bericht des Netherlands

Institute for Transport Policy Analysis

zum sich verändernden Mobilitätsverhalten

junger Erwachsener zusammenfassen: «Not

carless, but car-later».

Sozioökonomische Faktoren im Wandel

Die zweite Theorie besagt, dass die heutigen

Jungen andere Verhaltensweisen und Mobilitätspräferenzen

haben als frühere Generationen.

Damit wäre die rückläufige Autonutzung

auch das Resultat generationsspezifischer

Faktoren. Diese Theorie wird beispielsweise

durch Daten zu jungen Erwachsenen in

Deutschland untermauert, die zwar ein Auto

besitzen, sich aber trotzdem weniger oft hinters

Steuer setzen. Eine mögliche Ursache für

dieses veränderte Verhalten ist die Informations-

und Kommunikationstechnologie, die

physische mit virtueller Mobilität ersetzt. Die

Freiheit, die mit dem Autobesitz einhergeht,

wie z.B. der Zugang zu Informationen und Produkten

oder der Austausch mit Familie und

Freunden, wird heute auch durch Smartphones,

Online-Shopping und soziale Medien geboten.

Eine weitere Verhaltensänderung, die

das Auto als Statussymbol infrage stellt, ist

der Trend vom Besitz hin zum Sharing. Das

Auto wird heute als nützliches Fortbewegungsmittel

gesehen, das sich bei Bedarf ausleihen

lässt – wie wenn man Musik streamt,

statt eine CD zu kaufen. Dieser Trend wird

durch den globalen Vormarsch des Carsharing

bestätigt. Von 2006 bis 2014 stieg die Mitgliederzahl

der Carsharing-Netzwerke weltweit

von 346 610 auf 4.8 Millionen. In den USA

alleine wird der Carsharing-Markt gemäss

Prognosen bis 2020 auf 3.8 Millionen Mitglieder

expandieren (von 1.3 Millionen 2014).

Schlussfolgerungen und Implikationen

Die meisten Studien zeigen, dass der rückläufige

Autobesitz durch eine Kombination der

beschriebenen Faktoren bedingt ist, wobei

jedoch die sozioökonomischen Aspekte überwiegen.

Die erläuterten gesellschaftlichen

Faktoren, wie der Trend zu längerer Bildung

und einer späteren Familiengründung in Verbindung

mit tieferen Einkommen, bieten jungen

Erwachsenen weniger Anreiz, ein Auto

zu benutzen oder zu kaufen. Indessen dürfte

ihr Interesse an Autos zunehmen, wenn sie

älter werden. Die Auswirkungen der virtuellen

Mobilität und von Smartphones auf die physische

Mobilität sind wohl von geringerer Bedeutung,

weil sich diese Technologien erst

weit verbreiteten, nachdem die Autonutzung

zu sinken begann. Der Trend weg vom Autobesitz

hin zum Sharing könnte sich über tiefere

private Autoverkäufe auf die Automobilhersteller

auswirken. Er könnte aber durch

steigende Verkäufe von gemeinsam genutzten

Fahrzeugen teilweise aufgewogen werden.

Tatsächlich gelangt ein Bericht von McKinsey

zu den Perspektiven der Autoindustrie zum

Schluss, dass die zunehmende Popularität

der Sharing-Mobilität das Wachstum der

globalen Autoabsätze bremsen könnte. Dennoch

werden die weltweiten Autoverkäufe

bis 2030 voraussichtlich um 2% jährlich steigen.

Vor diesem Hintergrund wird die Änderung

des Mobilitätsverhaltens die Autobranche

wahrscheinlich vor gewisse Herausforderungen

stellen, sie aber nicht existenziell

bedrohen.

Julia Dumanskaya

Research Analyst

+41 44 333 92 83

julia.dumanskaya@credit-suisse.com


GLOBAL INVESTOR 1.17 —46

GenerationY

fordert

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Anliegen der Generation Y.

Die Unternehmen müssen Prozesse und Produktionspraktiken

so anpassen, dass ihre Produkte nachhaltig werden. So können

sie die Chancen nutzen, die diese rasant wachsende Generation

von Konsumenten schafft.

Die Generation Y (auch Millennials

genannt, mit den Jahrgängen

1980 bis irgendwann Anfang der

2000er-Jahre) hat ein grosses

Nachhaltigkeitsbewusstsein. Jüngste Studien

von Nielsen und Deloitte zeigen, dass sie

von allen Konsumentengruppen am ehesten

mehr für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen

zahlt. Da die Millennials ein stark

wachsendes und noch dazu einflussreiches

Segment von Konsumenten repräsentieren,

werden wir nun analysieren, wie Unternehmen

diese Gruppe als Kunden gewinnen wollen,

und vor allem, wie ihr Nachhaltigkeitsanliegen

die Produkte und die Produktion in

verschiedenen Sektoren beeinflusst.

Fischerei als Exempel

Über die Menschenrechtsverletzungen auf

asiatischen Fisch-, Krabben- und Garnelenfarmen

ist in den Medien berichtet worden.

2014 enthüllte eine Zeitung, dass Zulieferer

des weltgrössten Garnelenproduzents, CP

Foods, Sklavenarbeit betreiben. Die Garnelen

landeten in den Regalen von Supermarktketten

wie Walmart, Carrefour, Costco und Tesco.

Carrefour stoppte daraufhin kurzerhand

die Käufe bei CP Foods.

Nachhaltige Fischerei entstand als Bewegung

in den 1990er-Jahren. Sie hat aufgezeigt,

wie verheerend Überfischung und

schädliche Fangmethoden für die Meeresumwelt

sein können. Soziales Marketing durch

Umweltzeichen und Bewusstseinskampagnen

helfen den Konsumenten, beim Einkauf bewusste

und informierte Entscheidungen zu

treffen. Beim Umweltkennzeichnungsverfahren

beurteilen unabhängige Dritte anhand

festgesetzter Umweltstandards den Produktionsprozess.

Sind die Anforderungen erfüllt,

kann der Hersteller bzw. Vermarkter das Umweltzeichen

für sein Marketing verwenden.

Der Konsument weiss dann, dass das Produkt

nachhaltig produziert wurde. Häufig lassen

sich mit diesen Produkten Spitzenpreise erzielen.

Erfolg mit nachhaltiger Lieferkette

Für die heutige Fischereiindustrie bedeutet

das, dass Unternehmen die Nachhaltigkeit

ihrer Fänge garantieren müssen. Fische dürfen

nur unter Verwendung umweltfreundlicher

Methoden und unter Respektierung der Menschenrechte

gefangen werden. Zudem muss

die Fischart reichlich vorhanden sein. Unternehmen

erkennen ausserdem zunehmend,

dass sie mit einer nachhaltigen Lieferkette

erfolgreicher sind. Tetley Tea (eine Marke von

Tata Global Beverages) baut Tee nachhaltig

an. Eine Kampagne von Tetley, in der Kleinbauern

und Plantagenarbeiter über ihr Leben

und ihre Arbeit berichten und mit Kunden kommunizieren,

war ein voller Erfolg. Das Unternehmen

bemüht sich mittlerweile für einen

wachsenden Teil des Sortiments um eine

Zertifizierung durch die Umweltorganisation

Rainforest Alliance, welche die Erfüllung von

Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsstandards

nachweist.

Angesichts der grösseren Nahrungsmittelmengen,

die für eine wachsende Bevölkerung

notwendig sind, und der steigenden Herausforderungen

für die Umwelt trägt vor allem

die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie

dazu bei, dass Standards für eine nachhaltige

Landwirtschaft etabliert werden. Nestlé und

Unilever engagieren sich in dieser Richtung.

Unilevers Marken mit Nachhaltigkeitszweck

wachsen stärker als das übrige Geschäft. Sie

trugen 2015 fast zur Hälfte zum Gesamtwachstum

des Unternehmens bei. Nestlé

stellt bestimmte Anforderungen an Palmöl,

Papier und Karton, Zucker, Soja, Kakao,

Kaffee, Molkereiprodukte, Fisch, Meeresfrüchte,

Fleisch, Geflügel, Eier, Vanille sowie

Haselnüsse und hat 2015 43 Prozent dieser

Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen bezogen.

Transparentere Bekleidungsindustrie

Nach dem tragischen Einsturz eines Fabrikgebäudes

in Bangladesch im April 2013

reagierten viele internationale Modeunternehmen

und unterzeichneten zusammen mit

der bangladeschischen Regierung und Gewerkschaften

das Bangladesch-Abkommen

für Sicherheit in Textilfabriken. Ausserdem

verpflichteten sich die globalen Markenketten,

die Fabriken ihrer Lieferanten zu kontrollieren.

Das Problem ist aber, dass die Modebranche

ihre Lieferkette ständig ändert und die


GLOBAL INVESTOR 1.17 —47

Zulieferer nicht genehmigtes Outsourcing vornehmen.

Vor Kurzem brachte eine BBC-Untersuchung

unethische Praktiken und Kinderarbeit

in der türkischen Textilindustrie zutage.

Die beteiligten Unternehmen beteuerten, dass

diese Methoden nicht ihrem Verhaltenskodex

entsprächen und sich in nicht durch sie genehmigten

Fabriken abgespielt hätten.

Wie in der Nahrungsmittelindustrie lassen

sich Rohmaterialien wie Baumwolle und Prozesse

wie das Färben nachhaltig erzeugen

bzw. durchführen. Die Fairtrade-Baumwollsiegel

erscheinen auf Kleidungsstücken oder

werden als ganze Produktlinie entwickelt. Bis

heute mangelt es der Branche immer noch an

Transparenz. Es gibt aber inzwischen Standards

und Labels für faire Baumwolle, und die

Unternehmen haben Corporate-Governance-Grundsätze

entwickelt, die darauf abzielen,

Nachhaltigkeit zu fördern.

Umgestaltung der Automobilindustrie

Wenn wir den Nachhaltigkeitsgedanken auf

die Automobilbranche anwenden und im Kontext

des Klimawandels vor allem die Luftverschmutzung

betrachten, können wir davon

ausgehen, dass die Generation Y Elektroautos

gegenüber herkömmlichen und Carsharing

gegenüber Privatautos bevorzugt.

Der Abgasskandal bei Volkswagen im Jahr

2015 hat die Branche grundlegend verändert.

So wird hinter vorgehaltener Hand unter den

Autoherstellern schon das Ende des Dieselmotors

in zehn Jahren proklamiert. Die strengeren

Abgasprüfungen lassen ihnen indessen

keine andere Wahl, als sich eingehender mit

dem Thema Elektroauto zu beschäftigen. Entwicklungen

bei Technologieunternehmen wie

Google und neue Marktakteure wie Tesla

drängen die Automobilbranche zudem dazu,

bereits heute zu handeln. Hersteller haben

deshalb bereits einige ehrgeizige Entwicklungspläne

für E-Mobile bekannt gegeben.

Daimler stockte sein Investitionsprogramm

auf und wird Premium-Elektroautos entwickeln.

Auch Continental, ein Zulieferer von vor

allem deutschen Automobilherstellern, hat

kürzlich angekündigt, die Investitionen zu erhöhen.

Bei Volkswagen sollen bis zum Jahr

2025 25 Prozent der Fahrzeuge rein batteriebetrieben

sein. BMW schliesslich brachte als

eines der ersten Unternehmen Elektroautos

auf den Markt. Die Branche hat die Notwendigkeit

erkannt, jetzt und in den kommenden

Jahren zu investieren.

Autonomes Fahren stellt eine weitere Entwicklung

im Automobilbereich dar. Autos werden

mit immer mehr technischen Ausstattun-

gen versehen. Zwar müssen die gesetzlichen

Hürden noch überwunden werden, doch rechnen

wir damit, dass das vollständige autonome

Fahren in ungefähr zehn Jahren Realität

sein wird.

Wachstum durch Nachhaltigkeit

Allgemeiner ausgedrückt bringt dieses Streben

nach nachhaltigem Verhalten die Generation

Y dazu, neue Konsumgewohnheiten anzunehmen,

wodurch wiederum neue Wachstumsmöglichkeiten

eröffnet werden. «Teilen

statt Konsumieren» ist die Devise, die gerade

zur Ausdehnung der Sharing Economy führt.

Dabei können wir beobachten, wie weniger

Geld für klassische Einzelhandelsprodukte

ausgegeben wird. Die Sportbekleidungsindustrie

profitiert allerdings sehr, da Sportartikel

zu einem festen Bestandteil der Alltagskleidung

geworden sind. Durch die gesunde

Ernährung mit Produkten aus biologischem

oder lokalem Anbau sind spezielle Biosupermärkte

wie Whole Foods oder Sprouts Farmers

Market entstanden. Der traditionelle

Lebensmitteleinzelhandel hat diesen Trend

ebenfalls aufgegriffen und konnte in den letzten

Jahren seine Präsenz in der Natur-/Biobranche

vergrössern. Kleinere Marken erscheinen

in der Basiskonsumgüterindustrie

und gewinnen auch Marktanteile.

Die Generation Y repräsentiert einen einflussreichen,

schnell wachsenden Konsumentenmarkt.

Etablierte Branchen müssen ihre

Geschäftsmodelle jetzt anpassen, wenn sie

diese Generation als Kunden gewinnen wollen.

Die Unternehmen müssen ein hohes Sozial-

und Umweltengagement zeigen und

nachhaltige Praktiken anwenden. Andernfalls

laufen sie Gefahr, zukünftig auf der Strecke

zu bleiben. Neue Unternehmen werden gegründet,

um neue Geschäftsgelegenheiten zu

ergreifen.

Julie Saussier

Research Analyst

+41 44 333 12 56

julie.saussier-clement@credit-suisse.com

«Teilen statt

Konsumieren ist

die Devise.»

Julie Saussier


GLOBAL INVESTOR 1.17 —48

ERNÄHRUNG KÜNFTIGER GENERATIONEN

Wie das Wetter die Landwirtschaft beeinflusst und IBM mit präzisen Wetterprognosen Landwirten helfen kann. Quelle: IBM

STEIGENDE

ERNTEERTRÄGE

90 %

aller Ernteverluste sind wetterbedingt.

Witterungsbedingte Ernteschäden könnten durch den

Einsatz von Wetterprognosemodellen und Techniken

der Präzisionslandwirtschaft um 25 % reduziert werden.

PRÄZISIONSLANDWIRTSCHAFT

IBM nutzt Daten, um Landwirten dabei zu helfen,ihre betriebliche

Effizienz zu verbessern und präzisere Entscheidungen über

den Anbau von Nutzpflanzen,die Aberntung und den Transport

zu treffen – für bessere Preise und eine stabile Lieferkette.

WETTERMODELLIERUNG

DEEP THUNDER

Deep Thunder ist ein Service von IBM,

der bis zu 36 Stunden im Voraus

hyperlokaleWettervorhersagen mit einer

Genauigkeit von 90 % liefert.

SENSOREN

ANBAU

70 %

der weltweiten Wasservorräte

werden für landwirtschaftliche

Zwecke genutzt.

Wenn Landwirte wissen, wann und wo

es genau regnet, können sie ihre Bewässerung

besser steuern. Es hilft ihnen

ausserdem, besser einzuschätzen, wann

sie mit der Düngung aufhören sollten,

um Abschwemmungen zu vermeiden.


GLOBAL INVESTOR 1.17 —49

Der

Landwirt als

IT-Manager

Landwirte zählen zu den bedeutendsten

Nutzern von Robotertechnologien.

Neue Anwendungen, die sich das Internet

der Dinge (IdD), Big Data und die Technik

der Roboter zunutze machen, haben das

Potenzial, den Agrarsektor in den nächsten

zehn Jahren zu revolutionieren. Dies könnte

helfen, das derzeitige Ungleichgewicht

zwischen steigender Nahrungsnachfrage und

begrenzten Anbaukapazitäten zu beseitigen.

TRANSPORT

50 %

der erntefertigen Nahrungs -

mittel gelangen nie in

den Mund der Konsumenten.

Durch das Verständnis der Auswirkungen

verschiedener Witterungsver

hältnisse auf die Verkehrsnetze

können Unternehmen besser entscheiden,

welche Routen den schnellsten

Transport ihrer Waren gewährleisten.

DER EFFEKT

Aus der Verlustreduzierung

und den höheren Ernte -

erträgen in der Landwirtschaft

ergeben sich positive wirtschaftliche

Effekte, die für die

Konsumenten im Lebensmittelladen

spürbar werden.

Früher galten Landwirte als naturliebende Menschen, die ein

strapaziöses und relativ einsames Leben mit wenig Kontakt

zur Aussenwelt führen. Auch wurde ihnen oft nachgesagt,

dass sie dem technologischen Fortschritt grundsätzlich kritisch

gegenüberstehen. Heutzutage spielen Automatisierung und Digitalisierung

jedoch eine zunehmend wichtige Rolle in der Landwirtschaft,

sind sie doch notwendige und unverzichtbare Elemente, um

die Probleme im Agrarbereich zu lösen. Von der vertikalen Landwirtschaft,

wo Obst und Gemüse digital überwacht und in künstlichen

Welten angebaut werden, bis hin zu weitläufigen Anbauflächen, die

durch Sensor-, Roboter- und Big-Data-Lösungen mit dem Internet

verbunden sind – sie alle helfen, Kosten zu reduzieren und die Ernteerträge

zu verbessern. «Digital Farming» kann auch dazu genutzt

werden, neue Anbaugebiete zu kultivieren. Vor diesem Hintergrund

dürften Landwirte ihr traditionelles Rollenbild zunehmend aufgeben

und stattdessen als «IT-Manager» des Agrarsektors fungieren.

Begrenzte Nahrungsverfügbarkeit erfordert neue Lösungen

Illustration: C3, IBM, The Noun Project

Die Vereinten Nationen (UN) prognostizieren, dass die Weltbevölkerung

von heute 7.3 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 auf 9.7

Milliarden Menschen wachsen wird. Laut der UN-Organisation für

Ernährung und Landwirtschaft (FAO) würde dieses Wachstum eine

Zunahme der Nahrungsmittelproduktion um insgesamt rund 70 Prozent

erforderlich machen, da mit der wachsenden Mittelschicht auch

die Nahrungsansprüche steigen. Je höher die Einkommen in Schwellenländern

sind, desto grösser ist auch die Nachfrage nach >


GLOBAL INVESTOR 1.17 —50

Fleisch-, Milch- und anderen Erzeugnissen. Es besteht daher eine

klare Notwendigkeit, bestehende Anbauflächen zwecks entsprechender

Ertragssteigerung noch effizienter zu nutzen. Anbaufähiges Land

ist jedoch in erster Linie in Ozeanien und den USA zu finden, während

ein Grossteil der Weltbevölkerung auf anderen Kontinenten lebt. In

China etwa wird die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zunehmend

so schwierig, dass blosse Effizienzverbesserungen für die Lösung

des Problems nicht mehr ausreichend sind. Die Kultivierung neuer

Anbaugebiete ist somit ebenfalls wichtig.

Roboter und Drohnen für Landwirte

Der zunehmende Druck auf die Nahrungsmittelversorgung, die Verfügbarkeit

der Landarbeiter und deren Kosten, die Herausforderungen

und Schwierigkeiten bei der Landarbeit, die schrumpfenden

Ackerflächen, der Klimawandel und die wachsende Verbreitung der

Pflanzenkultivierung in geschlossenen Räumen («Indoor Farming»)

sprechen allesamt dafür, Roboter zunehmend in der Landwirtschaft

einzusetzen. Nun hat es zuletzt Fortschritte bei der Verbilligung von

Rechenleistung gegeben. Im Verbund mit künstlicher Intelligenz und

der Tatsache, dass Maschinen immer lernfähiger werden, ermöglicht

dies eine neue Art des «E-Farming».

Während Melksysteme bereits weitverbreitet sind, hinken andere

Technologien noch hinterher. Aufgrund der erwarteten hohen Innovationsdynamik

gehen wir allerdings davon aus, dass die Nachfrage

für fahrerlose Traktoren bzw. halbautonome Fahrzeuge, synchronisierte

Vehikel und Verarbeitungsanlagen sowie intelligente Agrarapplikationen

wie Spür- oder Schwarmroboter in der Erntezeit exponentiell

steigen wird. Drohnen beispielsweise können zur Sicherheitsüberwachung

und zur Aufspürung von Gebieten eingesetzt werden,

in denen das Getreide nicht wächst. Im letzteren Fall würden die

Drohnen kollektiv programmierte Schwarmroboter ausschicken, um

die betroffenen Flächen zu schützen bzw. wieder fruchtbar zu machen.

Laut einem Bericht von Tractica («Agricultural Robots», Juli

2015) dürfte der jährliche Absatz von Agrarrobotern nach 33 000

Einheiten im Jahr 2015 bis zum Jahr 2024 auf 992 000 Einheiten

steigen. Tractica rechnet dabei vor allem mit unbemannten Fluggeräten

(Drohnen) für landwirtschaftliche Zwecke, Robotern für die

Boden- und Materialbewirtschaftung, fahrerlosen Traktoren sowie

Milchbewirtschaftungsmaschinen.

werden Farmen zudem mit einfachen Wassertanks, Bodenfeuchtigkeitssensoren

und Infrarotkameras zur Überwachung der Pflanzengesundheit

ausgestattet, die höhere Erträge und Kosteneinsparungen

bringen. Smartphone-Applikationen von anderen Firmen wie

M-Farm, iCow, FarmDrive, WeFarm oder MBeguChoice bieten Zugang

zu Bildungsinformationen (zum Beispiel Fütterungsmethoden

und Krankheitskontrolle) und besseren, dürretoleranten Saatgutsorten,

helfen bei der Finanzierung und leisten Unterstützung bei Störungen.

Die Investitionen für die Digitalisierung der Landwirtschaft

in Afrika stammen zunehmend aus dem Ausland. So haben beispielsweise

chinesische Unternehmen Ländereien im Kongo, in Mosambik

und Angola gekauft, wo sie nun mithilfe der IT neue Ackerflächen

bestellen.

Präzisionslandwirtschaft für mehr Effizienz

John Deere, ein führender Hersteller hoch technisierter Maschinen

für den Agrarbereich, schickt das Internet der Dinge ins Feld und

steigert die Effizienz mithilfe der Big-Data-Lösungen von SAP. Die

an die Maschinen angebrachten Sensoren helfen Landwirten dabei,

ihren Fuhrpark effektiv zu verwalten, die Ausfallzeiten von Traktoren

zu verringern und Kraftstoff einzusparen. Die Sensoreninformationen

werden mit einer Vielzahl anderer Daten kombiniert, darunter historische

und Echtzeit-Wetterdaten, Bodenverhältnisse und Erntebesonderheiten.

Der Hardwaremarkt für das sogenannte «Precision Farming»

(Anzeige- und GPS-Geräte, Ertragsmonitore und -sensoren)

dürfte nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Marketsand-

Markets zwischen 2015 und 2020 mit einer jährlichen Rate von 11.7

Prozent wachsen und dabei ein Volumen von 4.8 Milliarden US-Dollar

erreichen. Die potenziellen Vorteile durch Softwareanwendungen in

der Landwirtschaft – etwa höhere Erträge, eine geringe Verschwendung

von Einsatzstoffen und geringere finanzielle Verluste – könnten

sich als sehr gross erweisen. Aus Sicht der UN-Organisation FAO hat

«Precision Farming» das Potenzial, die Ernteerträge bis zum Jahr

2050 um 70 Prozent zu steigern und damit einen wertvollen Beitrag

zur Welternährung zu leisten.

Agrotechnologie in Afrika – ein neuer Wachstumsbereich

In Afrika liegt ein Viertel der weltweiten landwirtschaftlichen Anbaufläche,

doch 80 Prozent davon werden zu gering genutzt oder liegen

einfach brach. Der Grossteil der verbleibenden 20 Prozent befindet

sich in den Händen von Kleinbauern, die ihre Produktion nicht steigern,

weil sie keine Erfahrung mit kommerzieller Landwirtschaft haben.

Es gibt zahlreiche Projekte in Afrika, die sich darauf konzentrieren,

mithilfe moderner Informationstechnologie die Ernteergebnisse

zu verbessern und neues Ackerland zu kultivieren. Für Schwierigkeiten

sorgt dabei bisher der mangelhafte Internetzugang in den ländlichen

Gebieten. Die Marktforscher von McKinsey schätzen allerdings,

dass Afrika seine Internetpenetration bis zum Jahr 2025 auf über 50

Prozent – dies entspricht einer Anzahl von 600 Millionen regelmässigen

Internetnutzern – verdreifachen wird.

Projekte wie EZ-Farm von IBM nutzen Big-Data- und IdD-Technologie,

um Bauern und Wasserversorger via Smartphone-Applikationen

aktuelle Wasserstands- und Bodenfeuchtigkeitswerte sowie

entsprechende Prognosedaten zu liefern. Im Rahmen dieses Projekts

Uwe Neumann

Research Analyst

+41 44 334 56 45

uwe.neumann@credit-suisse.com


GLOBAL INVESTOR 1.17 — 51

Autoren

Lorenzo Biasio

Research Analyst.........................................................

lorenzo.biasio@credit-suisse.com..................................

+41 44 333 14 79.......................................................

Lorenzo Biasio ist Research Analyst im Global Equity &

Credit Research der Credit Suisse, wo er sich auf den

Gesundheitssektor konzentriert. Bevor er 2014 zur Credit

Suisse stiess, war er Managementberater im Pharmaund

Gesundheitsbereich. Er hat einen Master in Biologie

der ETH Zürich. > S. 21 – 24

Julia Dumanskaya

Research Analyst.........................................................

julia.dumanskaya@credit-suisse.com.............................

+41 44 333 92 83.......................................................

Julia Dumanskaya ist Research Analyst im Economic Research

der Credit Suisse und arbeitet dort im Fundamental-Macroeconomics-Team.

Sie stiess 2011 zur Credit

Suisse und hat fünf Jahre Erfahrung als Finanz- und

Research-Analystin im Foreign-Exchange- sowie im

Economic-Research-Team. Sie hat einen Master in Wirtschaftswissenschaften

und Betriebswirtschaft der

Universität Zürich. > S. 44 – 45

Reto Hess

Research Analyst.........................................................

reto.hess@credit-suisse.com........................................

+41 44 334 56 24.......................................................

Reto Hess ist Senior Research Analyst bei Credit Suisse

International Wealth Management. Er verfügt über

12 Jahre Erfahrung im Aktienresearch und in der Vermögensverwaltung.

Er leitet das Global-Equity-Research-

Team und ist für den europäischen und US-amerikanischen

Industriesektor zuständig. Er ist Chartered Financial

Analyst (CFA) und Chartered Alternative Investment

Analyst (CAIA). Hess hat einen Master in Naturwissenschaften

der Universität Zürich. > S. 03, 41 – 42

Ulrich Kaiser

Research Analyst.........................................................

ulrich.kaiser@credit-suisse.com....................................

+41 44 334 56 49.......................................................

Ulrich Kaiser ist Senior Financial Analyst in der International

Wealth Management Division der Credit Suisse, wo er

für den Technologiesektor zuständig ist. Er kam 1993 zur

Credit Suisse und verfügt über 28 Jahre Erfahrung im

Wertschriften- und Bankgeschäft. Er hat einen Master

in Wirtschaftswissenschaften der Universität Konstanz

und ist Certified European Financial Analyst (CEFA).

> S. 28 – 30

Angus Muirhead

Senior Portfolio Manager..............................................

angus.muirhead@credit-suisse.com..............................

+41 44 332 32 59.......................................................

Angus Muirhead ist Senior Portfolio Manager im Thematic-

Equity-Team bei Credit Suisse Asset Management.

Er stiess im September 2016 zum Team und verfügt über

19 Jahre Erfahrung als Analyst und Portfoliomanager

für Anlagen in den Sektoren Technologie und Gesundheitswesen.

Zusammen mit Dr. Patrick Kolb zeichnet

er zurzeit für die Verwaltung des CS (Lux) Global Robotics

Fund verantwortlich. Angus hat einen BA in Modern

Languages (Japanese) and Business Studies der Durham

University, Grossbritannien, und ist Chartered Financial

Analyst (CFA). > S. 17 – 19

Uwe Neumann

Research Analyst.........................................................

uwe.neumann@credit-suisse.com.................................

+41 44 334 56 45.......................................................

Uwe Neumann ist Senior Research Analyst im Bereich

Global Equity & Credit Research bei Credit Suisse

International Wealth Management, wo er für die Sektoren

Telekommunikationsdienste und Informationstechnologie

zuständig ist. Er verfügt über 29 Jahre Erfahrung im

Wertschriften- und Bankgeschäft. Neumann hat einen

Master in Wirtschaftswissenschaften der Universität

Konstanz und ist Certified European Financial Analyst

(CEFA). > S. 03, 25 – 27, 48 – 50

Julie Saussier

Research Analyst.........................................................

julie.saussier-clement@credit-suisse.com......................

+41 44 333 12 56.......................................................

Julie Saussier ist Senior Research Analyst im Global-

Equity-Team, wo sie für den Nicht-Basiskonsumgütersektor

zuständig ist. Sie verfügt über 14 Jahre Erfahrung als

Research-Analystin und stiess 2015 zur Credit Suisse.

Sie hat einen Master in Business and Management der

Université Paris-Dauphine sowie einen Master in Corporate

Finance der EMLyon Business School, Frankreich, und

ist Chartered Financial Analyst. > S. 46 – 47

Christine Schmid

Head of Global Equity & Credit Research........................

christine.schmid@credit-suisse.com..............................

+41 44 334 56 43.......................................................

Christine Schmid ist Head of Global Equity & Credit

Research bei Credit Suisse International Wealth

Management. Sie verfügt über 23 Jahre Erfahrung und

ist für den Finanzsektor zuständig. Sie hat einen

Master in Wirtschaftswissenschaften der Universität

Zürich und ist Chartered Financial Analyst (CFA).

> S. 03, 31 – 33

Fabian Waltert

Research Analyst.........................................................

fabian.waltert@credit-suisse.com..................................

+41 44 333 25 57.......................................................

Fabian Waltert ist Senior Economist im International

Wealth Management der Credit Suisse. Er ist für den

Schweizer Immobilien- und Bausektor zuständig und hat

an der Universität Zürich in Wirtschaftswissenschaften

promoviert. > S. 35 – 39

Alicia Fontana

ist Teilnehmerin am Junior Banking Program. Sie

absolvierte ihr erstes Ausbildungsjahr im Frontoffice,

bevor sie im August zum Global-Equity-Research-Team

wechselte. Dort unterstützt sie den IT-Analysten.

> Karte

Drilon Kastrati

kam 2016 als Praktikant für den Bereich Swiss Real

Estate Research der Division International Wealth

Management zur Credit Suisse. Davor war er als

Forschungs- und Lehrassistent am Institut für Banking

und Finance der Universität Zürich tätig. Drilon Kastrati

besitzt einen Masterabschluss in Banking and

Finance der Universität Zürich. > S. 35 – 39


Risikowarnung

Jede Anlage ist mit Risiken verbunden, insbesondere in Bezug

auf Wert- und Renditeschwankungen. Sind Anlagen in einer

anderen Währung als Ihrer Basiswährung denominiert, können

Wechselkursschwankungen den Wert, den Kurs oder die Rendite

nachteilig beeinflussen.

Informationen zu den mit Anlagen in die hierin behandelten

Wertpapiere verbundenen Risiken finden Sie unter folgender

Adresse: https://research.credit-suisse.com/riskdisclosure

Dieser Bericht kann Informationen über Anlagen, die mit besonderen

Risiken verbunden sind, enthalten. Bevor Sie eine

Anlageentscheidung auf der Grundlage dieses Berichts treffen,

sollten Sie sich durch Ihren unabhängigen Anlageberater bezüglich

notwendiger Erläuterungen zum Inhalt dieses Berichts

beraten lassen. Zusätzliche Informationen erhalten Sie ausserdem

in der Broschüre «Besondere Risiken im Effektenhandel»,

die Sie bei der Schweizerischen Bankiervereinigung erhalten.

Kurs, Wert und Ertrag der in diesem Bericht beschriebenen

Wertpapiere oder Finanzinstrumente können sowohl steigen als

auch fallen. Der Wert von Wertpapieren und Finanzinstrumenten

unterliegt Schwankungen von Kassa- bzw. Termin- und Wechselkursen

sowie der Entwicklung von wirtschaftlichen Indikatoren,

der Bonität von Emittenten oder Referenz-Emittenten usw.

Diese Schwankungen und Entwicklungen können sich sowohl

vorteilhaft als auch nachteilig auf den Ertrag bzw. den Kurs der

betreffenden Papiere oder Instrumente auswirken. Beim Kauf

von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten können Sie aufgrund

von Schwankungen der Börsenkurse oder anderer finanzieller

Indizes usw. einen Verlust oder einen den investierten Betrag

übersteigenden Verlust erleiden. Dieses Risiko betrifft insbesondere

Anleger in Wertpapiere wie beispielsweise ADRs, deren

Wert von Wechselkursschwankungen beeinflusst wird.

Provisionssätze für Maklergeschäfte entsprechen den zwischen

der CS und dem Anleger vereinbarten Sätzen. Bei Transaktionen,

die als Abkommen zwischen selbstständigen Händlern/

Kommittenten (Principal-to-principal-Basis) zwischen der Credit

Suisse und dem Anleger abgeschlossen werden, entspricht

der Kauf- bzw. Verkaufspreis der Gesamtvergütung. Auf Principal-to-principal-Basis

durchgeführte Transaktionen, einschliesslich

ausserbörslicher (OTC) Transaktionen mit Derivaten,

werden als Kauf-/Geldkurs oder Verkaufs-/Briefkurs angegeben,

wobei zwischen diesen Kursangaben eine Differenz

(Spread) bestehen kann. Gebühren für Transaktionen werden

vor dem Handel gemäss den geltenden Gesetzen und Bestimmungen

vereinbart. Bitte konsultieren Sie vor einem Kauf die

handelsvorbereitende Dokumentation, in der Sie eine Erläuterung

der Risiken und Provisionen usw. der jeweiligen Wertpapiere

oder Finanzinstrumente finden.

Bei strukturierten Wertpapieren handelt es sich um komplexe

Anlageinstrumente, die typischerweise ein erhöhtes Risiko aufweisen.

Diese Produkte richten sich ausschliesslich an erfahrene

und informierte Anleger, die alle mit der entsprechenden

Anlage verbundenen Risiken verstehen und akzeptieren. Der

Marktwert strukturierter Wertpapiere wird durch wirtschaftliche,

finanzielle und politische Faktoren beeinflusst (insbesondere

Spot- und Forward-Zinsen sowie Wechselkurse), ebenso durch

Faktoren wie Laufzeit, Marktkonditionen, Volatilität oder Bonität

des Emittenten bzw. Referenzemittenten. Anleger, die den

Erwerb strukturierter Produkte erwägen, sollten das betreffende

Produkt eigenständig prüfen und analysieren und ihre eigenen

Berater zu den mit dem geplanten Erwerb verbundenen

Risiken konsultieren.

Einige der in diesem Bericht behandelten Produkte weisen ein

erhöhtes Mass an Volatilität auf. Anlagen mit hoher Volatilität

können plötzlich und in beträchtlichem Umfang an Wert verlieren.

In diesem Fall kann es zu Verlusten kommen, wenn die Anlagen

veräussert werden. Derartige Verluste können dem Wert der

ursprünglichen Anlage entsprechen. Bei bestimmten Investments

können die erlittenen Verluste den Wert der ursprünglichen

Anlage sogar übersteigen. In einem solchen Fall müssen

Sie die erlittenen Verluste durch zusätzliche Zahlungen decken.

Die Rendite auf ein Investment kann fluktuieren, deshalb wird

gegebenenfalls ein Teil des für die ursprüngliche Anlage gezahlten

Betrags für die Zahlung der Rendite verwendet. Bestimmte

Investments können gegebenenfalls nicht ohne weiteres realisiert

werden, und der Verkauf bzw. die Realisierung der betreffenden

Instrumente kann sich als schwierig erweisen. Ebenso

kann es sich als schwierig erweisen, zuverlässige Informationen

zum Wert eines Investments oder den damit verbundenen Risiken

zu erlangen. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an Ihren

Kundenberater.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für

zukünftige Ergebnisse. Provisionen, Gebühren oder andere Kosten

sowie Wechselkursschwankungen können die Performance

mindern.

Sensitivität

Die Sensitivitätsanalyse entspricht der Veränderung des Marktwerts

(z. B. des Preises) eines Finanzinstruments bei einer

bestimmten Veränderung eines Risikofaktors oder einer Modellannahme.

Insbesondere der Marktwert eines Finanzinstruments

wird durch wirtschaftliche, finanzielle und politische Faktoren

beeinflusst (u. a. Spot- und Forward-Zinsen sowie Wechselkurse),

ebenso durch Faktoren wie Laufzeit, Marktkonditionen,

Volatilität oder Bonität des Emittenten bzw. Referenzemittenten.

Finanzmarktrisiken

Historische Renditen und Finanzmarktszenarien sind keine Garantie

für zukünftige Ergebnisse. Der Preis und der Wert der

hierin erwähnten Anlagen und alle daraus resultierenden Erträge

können sinken, steigen oder schwanken. Die Performance

in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung.

Sind Anlagen in einer anderen Währung als Ihrer

Basiswährung denominiert, können Wechselkursschwankungen

den Wert, den Kurs oder die Rendite nachteilig beeinflussen.

Sie sollten, soweit Sie eine Beratung für erforderlich halten,

Berater konsultieren, die Sie bei dieser Entscheidung unterstützen.

Anlagen werden möglicherweise nicht öffentlich oder nur an

einem eingeschränkten Sekundärmarkt gehandelt. Ist ein Sekundärmarkt

vorhanden, kann der Kurs, zu dem die Anlagen an

diesem Markt gehandelt werden oder die Liquidität bzw. Illiquidität

des Marktes nicht vorhergesagt werden.

Schwellenmärkte

In Fällen, in denen sich dieser Bericht auf Schwellenmärkte

bezieht, weisen wir Sie darauf hin, dass mit Anlagen und Transaktionen

in verschiedenen Anlagekategorien von oder in Zusammenhang

oder Verbindung mit Emittenten und Schuldnern,

die in Schwellenländern gegründet, stationiert oder hauptsächlich

geschäftlich tätig sind, Unsicherheiten und Risiken verbunden

sind. Anlagen im Zusammenhang mit Schwellenländern

können als spekulativ betrachtet werden; ihre Kurse neigen zu

einer weit höheren Volatilität als die der stärker entwickelten

Länder der Welt. Anlagen in Schwellenmärkten sollten nur von

versierten Anlegern oder von erfahrenen Fachleuten getätigt

werden, die über eigenständiges Wissen über die betreffenden

Märkte sowie die Kompetenz verfügen, die verschiedenen Risiken,

die solche Anlagen bergen, zu berücksichtigen und abzuwägen

und ausreichende finanzielle Ressourcen zur Verfügung

haben, um die erheblichen Risiken des Anlageausfalls solcher

Anlagen zu tragen. Es liegt in Ihrer Verantwortung, die Risiken,

die sich aus Anlagen in Schwellenmärkten ergeben, und Ihre

Portfolio-Strukturierung zu steuern. Bezüglich der unterschiedlichen

Risiken und Faktoren, die es bei Anlagen in Schwellenmärkten

zu berücksichtigen gilt, sollten Sie sich von Ihren eigenen

Beratern beraten lassen.

Alternative Anlagen

Hedge-Fonds unterliegen nicht den zahlreichen Bestimmungen

zum Schutz von Anlegern, die für regulierte und zugelassene

gemeinsame Anlagen gelten; Hedge-Fonds-Manager sind weitgehend

unreguliert. Hedge-Fonds sind nicht auf eine bestimmte

Zurückhaltung bei Anlagen oder Handelsstrategie beschränkt

und versuchen, in den unterschiedlichsten Märkten

Gewinne zu erzielen, indem sie auf Fremdfinanzierung, Derivate

und komplexe, spekulative Anlagestrategien setzen, die das

Risiko eines Anlageausfalls erhöhen können.

Rohstofftransaktionen bergen ein hohes Mass an Risiko und

sind für viele Privatanleger möglicherweise ungeeignet. Marktbewegungen

können zu erheblichen Verlusten oder sogar zu

einem Totalverlust führen.

Anleger in Immobilien sind Liquiditäts-, Fremdwährungs- und

anderen Risiken ausgesetzt, einschliesslich konjunktureller Risiken,

Vermietungsrisiken und solcher, die sich aus den Gegebenheiten

des lokalen Marktes, der Umwelt und Änderungen

der Gesetzeslage ergeben.

Zins- und Ausfallrisiken

Die Werthaltigkeit einer Anleihe hängt von der Bonität des Emittenten

bzw. des Garanten ab. Sie kann sich während der Laufzeit

der Anleihe ändern. Bei Insolvenz des Emittenten und/oder

Garanten der Anleihe ist die Anleihe oder der aus der Anleihe

resultierender Ertrag nicht garantiert und Sie erhalten die ursprüngliche

Anlage möglicherweise nicht oder nur teilweise

zurück.

Offenlegungen

Die Informationen und Meinungen in diesem Bericht wurden von

der Abteilung Research der Division International Wealth Management

der CS am angegebenen Datum erstellt und können

sich ohne vorherige Mitteilung ändern. Aufgrund unterschiedlicher

Bewertungskriterien können die in diesem Bericht geäusserten

Ansichten über einen bestimmten Titel von Ansichten

und Beurteilungen des Credit Suisse Research Department der

Division Investment Banking abweichen oder diesen widersprechen.

Beiträge von Anlagestrategen sind keine Research-Berichte.

Anlagestrategen gehören nicht dem CS Research Department

an. Die CS verfügt über Weisungen, die sicherstellen, dass das

Research Department unabhängig ist. Dies schliesst Weisungen

zu Handelsbeschränkungen für bestimmte Wertschriften vor der

Veröffentlichung von Research-Berichten ein. Diese Weisungen

gelten nicht für Anlagestrategen.

Die CS lehnt jede Haftung für Verluste aus der Verwendung

dieses Berichts ab, es sei denn, dieser Haftungsausschluss

steht im Widerspruch zu einer Haftung, die sich aus bestimmten,

für die CS geltenden Statuten und Regelungen ergibt. Dieser

Bericht ist kein Ersatz für eine unabhängige Beurteilung. Die

CS hat möglicherweise eine Handelsidee zu diesem Wertpapier

veröffentlicht oder wird dies möglicherweise in Zukunft tun.

Handelsideen sind kurzfristige Handelsempfehlungen, die auf

Marktereignissen und Katalysatoren basieren, wohingegen Un-

ternehmensempfehlungen Anlageempfehlungen darstellen, die

auf dem erwarteten Gesamtertrag im 6- bis 12-Monats-Horizont

basieren, gemäss der Definition im Disclosure-Anhang. Da

Handelsideen und Unternehmensempfehlungen auf unterschiedlichen

Annahmen und Analysemethoden basieren, könnten

die Handelsideen von den Unternehmensempfehlungen

abweichen. Ausserdem hat die CS möglicherweise andere

Berichte veröffentlicht oder wird möglicherweise Berichte veröffentlichen,

die im Widerspruch zu dem vorliegenden Bericht

stehen oder zu anderen Schlussfolgerungen gelangen. Diese

Berichte spiegeln die verschiedenen Annahmen, Einschätzungen

und Analysemethoden wider, auf denen sie basieren, und die

CS ist in keiner Weise verpflichtet, sicherzustellen, dass der

Empfänger Kenntnis von anderen entsprechenden Berichten

erhält.

Bestätigung der Analysten

Alle in diesem Bericht aufgeführten Analysten bestätigen hiermit,

dass die in diesem Bericht geäusserten Ansichten über

Unternehmen und deren Wertschriften mit ihren persönlichen

Ansichten über sämtliche hier analysierten Unternehmen und

Wertschriften übereinstimmen. Die Analysten bestätigen darüber

hinaus, dass eine bereits erhaltene oder zukünftige Vergütung

in keiner Art und Weise direkt oder indirekt mit den in

diesem Bericht ausgedrückten Empfehlungen oder Ansichten

in Verbindung steht.

Die in diesem Bericht erwähnten Knowledge Process Outsourcing

Analysten (KPO-Analysten) sind bei der Credit Suisse

Business Analytics (India) Private Limited angestellt.

Wichtige Angaben

Die CS veröffentlicht und aktualisiert Research-Berichte/Empfehlungen

in den Intervallen, die ihr angemessen erscheinen.

Dabei bezieht sie sich auf Entwicklungen in den analysierten

Unternehmen, im Sektor oder Markt, die für die im Bericht geäusserten

Meinungen und Ansichten wesentlich sein können.

Die CS veröffentlicht ausschliesslich unparteiische, unabhängige,

eindeutige, faire und nicht irreführende Anlagestudien.

Der für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Credit Suisse

verbindliche Code of Conduct ist online unter folgender Adresse

abrufbar: http://www.credit-suisse.com/governance/en/

code_of_conduct.html

Weitere Informationen finden Sie im Dokument «Unabhängigkeit

der Finanzanalyse» unter folgender Adresse: https://www.credit-suisse.com/legal/pb_research/independence_en.pdf

Die Vergütung der für diesen Research-Bericht verantwortlichen

Analysten setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen,

darunter aus dem Umsatz der CS. Einen Teil dieses Umsatzes

erwirtschaftet die Credit Suisse im Bereich Investment Banking.

Zusätzliche Angaben

Vereinigtes Königreich: Weitere Informationen zu Angaben über

den Bereich Fixed Income erhalten Kunden der Credit Suisse

(UK) Limited und der Credit Suisse Securities (Europe) Limited

unter der Telefonnummer +41 44 333 33 99.

Indien: Unter der Adresse http://www.credit-suisse.com/in/

researchdisclosure finden sich weitere Offenlegungen, die

gemäss Securities And Exchange Board of India (Research

Analysts) Regulations, 2014, vorgeschrieben sind. Die Credit

Suisse könnte Interessen in Bezug auf die im vorliegend Bericht

genannten Unternehmen haben. Die Research-Berichte der

Credit Suisse sind auch unter https://investment.credit-suisse.

com/ abrufbar.

Informationen zu rechtlichen Hinweisen und Offenlegungen

bezüglich der von Credit Suisse Investment Banking beurteilten

Unternehmen, die in diesem Bericht erwähnt wurden, finden Sie

auf der Seite «Disclosure» der Investment Banking Division unter

folgender Adresse: https://rave.credit-suisse.com/disclosures

Weitere Informationen wie Angaben im Zusammenhang mit

anderen Emittenten finden Sie auf der der Seite «Disclosure»

der Private Banking & Wealth Management Division unter folgender

Adresse: https://www.credit-suisse.com/disclosure

Allgemeiner Haftungsausschluss/Wichtige Information

Der vorliegende Bericht ist nicht für die Verbreitung an oder die

Nutzung durch natürliche oder juristische Personen bestimmt,

die Bürger eines Landes sind oder in einem Land ihren Wohnsitz

bzw. ihren Gesellschaftssitz haben, in dem die Verbreitung,

Veröffentlichung, Bereitstellung oder Nutzung dieser Informationen

geltende Gesetze oder Vorschriften verletzen würde oder

in dem CS Registrierungs- oder Zulassungspflichten erfüllen

müssten.

In diesem Bericht bezieht sich CS auf die Schweizer Bank Credit

Suisse AG oder ihre Tochter- und verbundenen Unternehmen.

Weitere Informationen über die Organisationsstruktur finden

sich unter folgender Adresse: http://www.credit-suisse.com

KEINE VERBREITUNG, AUFFORDERUNG ODER BERATUNG:

Diese Publikation dient ausschliesslich zur Information und Veranschaulichung

sowie zur Nutzung durch Sie. Sie ist weder

eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zur

Zeichnung oder zum Erwerb von Wertschriften oder anderen

Finanzinstrumenten. Alle Informationen, auch Tatsachen, Mei-


nungen oder Zitate, sind unter Umständen gekürzt oder zusammengefasst

und beziehen sich auf den Stand am Tag der Erstellung

des Dokuments. Bei den in diesem Bericht enthaltenen

Informationen handelt es sich lediglich um allgemeine Marktkommentare

und in keiner Weise um eine regulierte Finanzberatung

bzw. Rechts-, Steuer- oder andere regulierte Finanzdienstleistungen.

Den finanziellen Zielen, Verhältnissen und

Bedürfnissen einzelner Personen wird keine Rechnung getragen.

Diese müssen indes berücksichtigt werden, bevor eine Anlageentscheidung

getroffen wird. Bevor Sie eine Anlageentscheidung

auf der Grundlage dieses Berichts treffen, sollten Sie sich

durch Ihren unabhängigen Anlageberater bezüglich notwendiger

Erläuterungen zum Inhalt dieses Berichts beraten lassen. Dieser

Bericht bringt lediglich die Einschätzungen und Meinungen der

CS zum Zeitpunkt der Erstellung des Dokuments zum Ausdruck

und bezieht sich nicht auf das Datum, an dem Sie die Informationen

erhalten oder darauf zugreifen. In diesem Bericht enthaltene

Einschätzungen und Ansichten können sich von den durch

andere CS-Departments geäusserten unterscheiden und können

sich jederzeit ohne Ankündigung oder die Verpflichtung zur

Aktualisierung andern. Die CS ist nicht verpflichtet sicherzustellen,

dass solche Aktualisierungen zu Ihrer Kenntnis gelangen.

PROGNOSEN & SCHÄTZUNGEN: Vergangene Wertentwicklungen

sollten weder als Hinweis noch als Garantie für zukünftige

Ergebnisse aufgefasst werden, noch besteht eine ausdrückliche

oder implizierte Gewährleistung für künftige Wertentwicklungen.

Soweit dieser Bericht Aussagen über künftige Wertentwicklungen

enthält, sind diese Aussagen zukunftsgerichtet und bergen

daher diverse Risiken und Ungewissheiten. Ist nichts anderes

vermerkt, sind alle Zahlen ungeprüft. Sämtliche hierin erwähnten

Bewertungen unterliegen den CS-Richtlinien und -Verfahren

zur Bewertung. KONFLIKTE: Die CS behält sich das Recht vor,

alle in dieser Publikation unter Umständen enthaltenen Fehler

zu korrigieren. Die Credit Suisse, ihre verbundenen Unternehmen

und/oder deren Mitarbeitende halten möglicherweise

Positionen oder Bestände, haben andere materielle Interessen

oder tätigen Geschäfte mit hierin erwähnten Wertschriften oder

Optionen auf diese Wertschriften oder tätigen andere damit

verbundene Anlagen und steigern oder verringern diese Anlagen

von Zeit zu Zeit. Die CS bietet den hierin erwähnten Unternehmen

oder Emittenten möglicherweise in erheblichem Umfang

Beratungsdienstleistungen in Bezug auf die in dieser Publikation

aufgeführten Anlagen oder damit verbundene Anlagen oder

hat dies in den vergangenen zwölf Monaten getan. Einige hierin

aufgeführte Anlagen werden von einem Unternehmen der CS

oder einem mit der CS verbundenen Unternehmen angeboten

oder die CS ist der einzige Market Maker für diese Anlagen. Die

CS ist involviert in zahlreiche Geschäfte, die mit dem genannten

Unternehmen in Zusammenhang stehen. Zu diesen Geschäften

gehören unter anderem spezialisierter Handel, Risikoarbitrage,

Market Making und anderer Eigenhandel. Die CS hat mit dem

Emittenten eine Vereinbarung über die Erbringung von Dienstleistungen

durch Kapitalanlagegesellschaften geschlossen.

BESTEUERUNG: Diese Publikation enthält keinerlei Anlage-,

Rechts-, Bilanz- oder Steuerberatung. Die CS berät nicht hinsichtlich

der steuerlichen Konsequenzen von Anlagen und empfiehlt

Anlegern, einen unabhängigen Steuerberater zu konsultieren.

Die Steuersätze und Bemessungsgrundlagen hängen

von persönlichen Umständen ab und können sich jederzeit ändern.

QUELLEN: Die in diesem Bericht enthaltenen Informationen

und Meinungen stammen aus oder basieren auf Quellen,

die von CS als zuverlässig erachtet werden; dennoch garantiert

die CS weder deren Richtigkeit noch deren Vollständigkeit. Die

CS lehnt jede Haftung für Verluste ab, die aufgrund der Verwendung

dieses Berichts entstehen. WEBSITES: Der Bericht

kann Internet-Adressen oder die entsprechenden Hyperlinks zu

Websites beinhalten. Die CS hat die Inhalte der Websites, auf

die Bezug genommen wird, nicht überprüft und übernimmt keine

Verantwortung für deren Inhalte, es sei denn, es handelt sich

um eigenes Website-Material der CS. Die Adressen und Hyperlinks

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Website-Material der CS) werden nur als als praktische Hilfe

und Information für Sie veröffentlicht, und die Inhalte der Websites,

auf die verwiesen wird, sind keinesfalls Bestandteil des

vorliegenden Berichts. Der Besuch der Websites oder die Nutzung

von Links aus diesem Bericht oder der Website der CS

erfolgen auf Ihr eigenes Risiko.

Distribution von Research-Berichten

Sofern hier nicht anders vermerkt, wurde dieser Bericht von der

Schweizer Bank Credit Suisse AG erstellt und publiziert, die der

Zulassung und Regulierung durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht

untersteht. Australien: Dieser Bericht wird von der

Credit Suisse AG, Sydney Branch (CSSB) (ABN 17 061 700 712

AFSL 226896), ausschliesslich an «Wholesale»-Kunden, definiert

nach s761G des Corporations Act 2001, verteilt. CSSB

übernimmt keine Gewähr, noch macht sie Zusicherungen zur

Wertentwicklung der in diesem Bericht erwähnten Finanzprodukte.

Bahrain: Dieser Bericht wird von der Credit Suisse AG,

Bahrain Branch, verteilt, die über eine Zulassung der Central

Bank of Bahrain (CBB) als Investment Firm Category 2 verfügt

und von dieser reguliert wird. Die Adresse der Credit Suisse AG,

Bahrain Branch, lautet Level 22, East Tower, Bahrain World

Trade Centre, Manama, Königreich Bahrain. Deutschland: Der

Vertrieb dieses Berichts erfolgt durch die Credit Suisse

(Deutschland) AG, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

(BaFin) zugelassen ist und reguliert wird.

Dubai: Diese Informationen werden von der Credit Suisse AG

(DIFC Branch) verteilt, die über eine ordnungsgemässe Lizenz

der Dubai Financial Services Authority (DFSA) verfügt und unter

deren Aufsicht steht. Finanzprodukte oder Finanzdienstleis-tungen

in diesem Zusammenhang richten sich ausschliesslich

an professionelle Kunden oder Vertragsparteien gemäss

Definition der DFSA und sind für keinerlei andere Personen

bestimmt. Die Adresse der Credit Suisse AG (DIFC Branch)

lautet Level 9 East, The Gate Building, DIFC, Dubai, Vereinigte

Arabische Emirate. Frankreich: Dieser Bericht wird von der

Credit Suisse (Luxembourg) S.A., Succursale en France, verteilt,

die von der Autorité de Contrôle Prudentiel et de Résolution

(ACPR) als Anlagedienstleister zugelassen ist. Die Credit

Suisse (Luxembourg) S.A., Succursale en France, wird von der

Autorité de Contrôle Prudentiel et de Résolution und der Autorité

des Marchés Financiers überwacht und reguliert. Gibraltar:

Dieser Bericht wird von der Credit Suisse (Gibraltar) Limited

vertrieben. Die Credit Suisse (Gibraltar) Limited ist eine unabhängige

Gesellschaft, die zu 100% im Besitz der Credit Suisse

ist. Sie untersteht der Regulierung der Gibraltar Financial Services

Commission. Guernsey: Dieser Bericht wird von der Credit

Suisse (Channel Islands) Limited verteilt, einem rechtlich unabhängigen

Unternehmen, das in Guernsey unter der Nummer

15197 und unter der Anschrift Helvetia Court, Les Echelons,

South Esplanade, St Peter Port, Guernsey, eingetragen ist. Die

Credit Suisse (Channel Islands) Limited ist zu 100% im Besitz

der Credit Suisse AG. Sie wird von der Guernsey Financial Services

Commission überwacht. Der jeweils aktuelle testierte

Jahresabschluss ist auf Anfrage erhältlich. Hongkong: Der vorliegende

Bericht wird in Hongkong von der Credit Suisse AG,

Hong Kong Branch, herausgegeben. Die Credit Suisse AG,

Hong Kong Branch, ist als «Authorized Institution» der Aufsicht

der Hong Kong Monetary Authority unterstellt und ist ein eingetragenes

Institut nach Massgabe der «Securities and Futures

Ordinance» (Chapter 571 der gesetzlichen Vorschriften Hongkongs).

Indien: Der Vertrieb dieses Berichts erfolgt durch die

Credit Suisse Securities (India) Private Limited (CIN-Nr.

U67120MH1996PTC104392), die vom Securities and Exchange

Board of India als Researchanalyst (Registrierungsnr. INH

000001030), als Portfoliomanager (Registrierungsnr.

INP000002478) und als Börsenmakler (Registrierungsnr.

INB230970637; INF230970637; INB010970631;

INF010970631) unter der folgenden Geschäftsadresse beaufsichtigt

wird: 9th Floor, Ceejay House, Dr.A.B. Road, Worli,

Mumbai - 18, Indien, Telefon +91-22 6777 3777. Italien: Dieser

Bericht wird in Italien einerseits von der Credit Suisse (Italy)

S.p.A., einer gemäss italienischem Recht gegründeten und registrierten

Bank, die der Aufsicht und Kontrolle durch die Banca

d’Italia und CONSOB untersteht, sowie andererseits von der

Credit Suisse AG, einer Schweizerischen Bank mit Lizenz zur

Erbringung von Bank- und Finanzdienstleistungen in Italien,

verteilt. Japan: Dieser Bericht wird von Credit Suisse Securities

(Japan) Limited, Financial Instruments Dealer, Director-General

of Kanto Local Finance Bureau (Kinsho) No.66, Mitglied der

Japan Securities Dealers Association, Financial Futures Association

of Japan, Japan Investment Advisers Association und

Type II Financial Instruments Firms Association, ausschliesslich

in Japan verteilt. Credit Suisse Securities (Japan) Limited wird

diesen Bericht nicht ausserhalb Japans verteilen oder in Länder

ausserhalb Japans weiterleiten. Jersey: Der Vertrieb des vorliegenden

Berichts erfolgt durch die (Channel Islands) Limited,

Jersey Branch, die von der Jersey Financial Services Commission

hinsichtlich der Durchführung von Anlagegeschäften beaufsichtigt

wird. Die Geschäftsadresse der Credit Suisse (Channel

Islands) Limited, Jersey Branch, in Jersey lautet: TradeWind

House, 22 Esplanade, St Helier, Jersey JE4 5WU. Libanon: Der

Vertrieb des vorliegenden Berichts erfolgt durch die Credit Suisse

(Lebanon) Finance SAL (CSLF), ein Finanzinstitut, das

durch die Central Bank of Lebanon (CBL) reguliert wird und

unter der Lizenzierungsnummer 42 als Finanzinstitut eingetragen

ist. Für die Credit Suisse (Lebanon) Finance SAL gelten die

gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen der CBL sowie

die Gesetze und Entscheidungen der Capital Markets Authority

of Lebanon (CMA). Die CSLF ist eine Tochtergesellschaft der

Credit Suisse AG und gehört zur Credit Suisse Group (CS). Die

CMA übernimmt keinerlei Verantwortung für die im vorliegenden

Bericht enthaltenen inhaltlichen Informationen, wie z.B. deren

Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die Haftung für den Inhalt dieses

Berichts liegt beim Herausgeber, seinen Direktoren oder

anderen Personen, wie z.B. Experten, deren Meinungen mit

ihrer Zustimmung Eingang in diesen Bericht gefunden haben.

Darüber hinaus hat die CMA auch nicht beurteilt, ob die hierin

erwähnten Anlagen für einen bestimmten Anleger oder Anlegertyp

geeignet sind. Anlagen in Finanzmärkte können mit einem

hohen Ausmass an Komplexität und Risiko einhergehen und sind

möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Die CSLF prüft

die Eignung dieser Anlage auf Basis von Informationen, die der

Anleger der CSLF zugestellt hat, und in Übereinstimmung mit

den internen Richtlinien und Prozessen der Credit Suisse. Es

gilt als vereinbart, dass sämtliche Mitteilungen und Dokumentationen

der CS und/oder der CSLF in Englisch erfolgen bzw.

abgefasst werden. Indem er einer Anlage in das Produkt zustimmt,

bestätigt der Anleger, dass er gegen die Verwendung

der englischen Sprache nichts einzuwenden hat. Luxemburg:

Dieser Bericht wird von der Credit Suisse (Luxembourg) S.A.

verteilt. Diese ist eine luxemburgische Bank, die über eine Zulassung

der Commission de Surveillance du Secteur Financier

(CSSF) verfügt und von dieser reguliert wird. Österreich: Der

Vertrieb dieses Berichts erfolgt durch CREDIT SUISSE (LUX-

EMBOURG) S.A. Zweigniederlassung Österreich. Die Bank ist

eine Niederlassung von CREDIT SUISSE (LUXEMBOURG) S.A.,

ein ordnungsgemäss zugelassenes Kreditinstitut im Grossherzogtum

Luxemburg unter der Anschrift 5, rue Jean Monnet,

L-2180 Luxemburg. Sie unterliegt ferner der finanzmarktrechtlichen

Aufsicht der luxemburgischen Commission de Surveillance

du Secteur Financier (CSSF), 110, route d’Arlon, L-2991

Luxemburg, Grossherzogtum Luxemburg und der österreichischen

Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA), Otto-Wagner Platz

5, A-1090 Wien. Katar: Diese Information wird von der Credit

Suisse (Qatar) L.L.C verteilt, die über eine Bewilligung der Aufsichtsbehörde

für den Finanzplatz Katar (QFCRA) verfügt und

von dieser reguliert wird (QFC Nr. 00005). Alle Finanzprodukte

oder Finanzdienstleistungen im Zusammenhang mit diesem

Bericht sind nur für Geschäftskunden oder Vertragspartner (wie

in den Regeln und Vorschriften der Aufsichtsbehörde für den

Finanzplatz Katar (QFCRA) definiert) zugänglich. Zu dieser Kategorie

gehören auch Personen mit einem liquiden Vermögen

von über USD 1 Mio., die eine Einstufung als Geschäftskunden

wünschen und die über genügend Kenntnisse, Erfahrung und

Verständnis des Finanzwesens verfügen, um sich an solchen

Produkten und/oder Dienstleistungen zu beteiligen. Singapur:

Dieser Bericht wurde zur Verteilung in Singapur ausschliesslich

an institutionelle Anleger, zugelassene Anleger und erfahrene

Anleger (wie jeweils in den Financial Advisers Regulations

definiert) erstellt und herausgegeben und wird von der Credit

Suisse AG, Singapore Branch, auch an ausländische Anleger

(gemäss Definition in den Financial Advisers Regulations) verteilt.

Die Credit Suisse AG, Singapore Branch, ist gemäss den

Bestimmungen der Vorschrift 32C der Financial Advisers Regulations

berechtigt, Berichte, die durch ihre ausländischen oder

verbundenen Unternehmen erstellt wurden, zu verteilen. Für

Fragen, die sich aus diesem Bericht ergeben oder die damit in

Verbindung stehen, wenden sich Leser aus Singapur bitte an

die Credit Suisse AG, Singapore Branch, unter +65-6212-2000.

In Bezug auf Finanzberatungsdienstleistungen, die Sie von der

Credit Suisse AG, Singapore Branch, erhalten, entbindet Ihr

Status als institutioneller Anleger, zugelassener Anleger, erfahrener

Anleger oder ausländischer Anleger die Credit Suisse AG,

Singapore Branch, von der Verpflichtung bestimmte Anforderungen

des Financial Advisers Act, Chapter 110 in Singapur (das

«FAA»), der Financial Advisers Regulation sowie der entsprechenden

Hinweise und Richtlinien, die hierzu erlassen wurden,

zu erfüllen. Spanien: Dieser Bericht wird in Spanien von der

Credit Suisse AG, Sucursal en España, verteilt. Diese ist ein

durch die Banco de España autorisiertes Unternehmen (Registernummer

1460). Thailand: Der Vertrieb des vorliegenden Berichts

erfolgt durch die Credit Suisse Securities (Thailand) Limited,

die von der Securities and Exchange Commission,

Thailand, beaufsichtigt wird und unter der Adresse 990 Abdulrahim

Place Building, 27/F, Rama IV Road, Silom, Bangrak,

Bangkok, Tel. 0-2614-6000, eingetragen ist. Türkei: Die hierin

enthaltenen Anlageinformationen, Anmerkungen und Empfehlungen

fallen nicht unter die Anlageberatungstätigkeit. Die

Anlageberatungsleistungen für Kunden werden in massgeschneiderter

Form von den dazu berechtigten Instituten erbracht,

und zwar unter Berücksichtigung der jeweiligen Risiko- und

Ertragspräferenzen der Kunden. Die hierin enthaltenen Kommentare

und Beratungen sind hingegen allgemeiner Natur. Die

Empfehlungen sind daher mit Blick auf Ihre finanzielle Situation

oder Ihre Risiko- und Renditepräferenzen möglicherweise nicht

geeignet. Eine Anlageentscheidung ausschliesslich auf Basis

der hierin enthaltenen Informationen resultiert möglicherweise

in Ergebnissen, die nicht Ihren Erwartungen entsprechen. Der

Vertrieb dieses Berichts erfolgt durch Credit Suisse Istanbul

Menkul Degerler Anonim Sirketi, die vom Capital Markets Board

of Turkey beaufsichtigt wird und ihren Sitz an der folgendenAdresse

hat: Yildirim Oguz Goker Caddesi, Maya Plaza 10th Floor

Akatlar, Besiktas/Istanbul-Turkey. Vereinigtes Königreich: Dieser

Bericht wurde von der Credit Suisse (UK) Limited und der Credit

Suisse Securities (Europe) Limited herausgegeben. Die

Credit Suisse Securities (Europe) Limited und die Credit Suisse

(UK) Limited verfügen beide über eine Zulassung der Prudential

Regulation Authority und stehen unter der Aufsicht der Financial

Conduct Authority und Prudential Regulation Authority.

Sie sind der Credit Suisse zugehörige, aber rechtlich unabhängige

Gesellschaften. Der Schutz privater Kunden durch die Financial

Conduct Authority und/oder Prudential Regulation Authority

gilt nicht für Investments oder Dienstleistungen, die durch

eine Person ausserhalb des Vereinigten Königreichs angeboten

werden. Das Financial Services Compensation Scheme gilt

nicht, wenn der Emittent seine Verpflichtungen nicht erfüllt.

Sofern es im Vereinigten Königreich verteilt wird oder zu Auswirkungen

im Vereinigten Königreich führen könnte, stellt dieses

Dokument eine von der Credit Suisse (UK) Limited genehmigte

Finanzwerbung dar. Die Credit Suisse (UK) Limited ist durch die

Prudential Regulation Authority zugelassen und wird hinsichtlich

der Durchführung von Anlagegeschäften im Vereinigten Königreich

durch die Financial Conduct Authority und die Prudential

Regulation Authority beaufsichtigt. Der eingetragene Geschäftssitz

der Credit Suisse (UK) Limited ist Five Cabot Square, London,

E14 4QR. Bitte beachten Sie, dass die Vorschriften des

britischen Financial Services and Markets Act 2000 zum Schutz

von Privatanlegern für Sie nicht gelten und dass Sie keinen

Anspruch auf Entschädigungen haben, die Anspruchsberechtigten

(«Eligible Claimants») im Rahmen des britischen Financial

Services Compensation Scheme möglicherweise zur Verfügung

gestellt werden. Die steuerliche Behandlung hängt von

der individuellen Situation des einzelnen Kunden ab und kann

sich künftig ändern.

USA: WEDER DIESER BERICHT NOCH KOPIEN DAVON

DÜRFEN IN DIE VEREINIGTEN STAATEN VERSANDT, DORTHIN

MITGENOMMEN ODER AN US-PERSONEN ABGEGEBEN WER-

DEN (IM SINNE DER REGULIERUNGSVORSCHRIFTEN

GEMÄSS US SECURITIES ACT VON 1933, IN SEINER GÜLTIGEN

FASSUNG).

Das vorliegende Dokument darf ohne schriftliche Genehmigung

der Credit Suisse weder vollständig noch auszugsweise vervielfältigt

werden. Copyright © 2016 Credit Suisse Group AG und/

oder mit ihr verbundene Unternehmen. Alle Rechte vorbehalten.

16C032A_R


Impressum

Credit Suisse AG, Investment Solutions & Products,

Postfach 300, CH-8070 Zürich

Herausgeber

Loris Centola

Redaktion

Reto Hess, Uwe Neumann, Christine Schmid

Redaktionsschluss

22. Dezember 2016

Produktionsmanagement

Iryna Hofer, Manuel Moser

Konzept

C3 Creative Code and Content Schweiz AG

Der in Paris geborene Vincent Poinas ist

Journalist, Stylist und 3D-Illustrator.

Zurzeit wirkt er als Design-Redaktor für

das Mode- und Kulturmagazin Citizen K,

und er arbeitet auch mit IDEAT zusammen,

einem Magazin für zeitgenössischen

Lifestyle. Für beide Publikationen schreibt

er Artikel und kreiert visuelle Auftritte.

Davor arbeitete er für Le Figaro Magazine,

AD und M&Oxygène.

Design und Realisierung

C3 Creative Code and Content Schweiz AG

Angélique El Morabit, Sibylle Brodbeck, Monika Häfliger,

Esther Rieser, Claudia Veit,

Franziska Krüger (Projektmanagement)

Redaktionsleitung

C3 Creative Code and Content Schweiz AG

Giselle Weiss

Redaktionelle Mitarbeit

Zoe Arnold, Christa Jenni, Manuel Moser,

Christine Mumenthaler, Francis Piotrowski

Druck

gdz AG, Zürich

Kopien dieser Publikation können Sie bei Ihrem Kundenberater

bestellen; Mitarbeiter kontaktieren hierfür direkt den MyShop.

Die vorliegende Publikation ist auf dem Internet verfügbar:

www.credit-suisse.com/globalinvestor

Intranet-Zugang für Mitarbeiter der Credit Suisse Group:

http://research.csintra.net

Das internationale Research stützt sich auf das globale Netzwerk

der Vertretungen der Credit Suisse.

PERFORMANCE

neutral

Drucksache

No. 01-16-190876 – www.myclimate.org

© myclimate – The Climate Protection Partnership


GID 1545891

Die Top-Themen und Trends, welche die Märkte

im neuen Jahr antreiben dürften,

finden Sie in unserem Investment Outlook 2017 unter

credit-suisse.com/investmentoutlook/de

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