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E_1928_Zeitung_Nr.037

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suchen um automobilistische Ausbildung richterlicher Funktionäre gestellt wurde. Es wurde hiebe! geltend gemacht, dass bei den Wiener Gerichten die Behandlung der zahlreichen Verkehrsunfälle in die Hände bestimmter Richter gelegt wird, welche im Laufe der Zeit eine gewisse Spezialisierung auf diesem Rechtsgebiete erlangt haben. Es fehle ihnen jedoch eine gewisse Sachkenntnis und so bleibe der Richter immer ein Laie den sachverständigen Parteien gegenüber. Die Parteien aber empfinden es als eine schwere Rechtsunsicherheit, ihre Angelegenheit in den Händen eines Forums zu sehen, das die wichtigsten Tat- und Beweisfragen infolge mangelnder Sachkenntnis unmöglich verstehen, geschweige denn richtig beurteilen kann. Um nun dem Postulat für eine automobilistische Ausbildung der richterlichen Funktionäre zu einem praktischen Erfolge zu verhelfen, erklärten sich die drei obgenannten Verbände bereit, alljährlich 15 Freiplätze in gut geführten Fahrschulen für richterliche Funktionäre gratis bereitzustellen, damit sich letztere dort über die wichtigern Fahr- und Verkehrsprobleme praktisch ausbilden können. Dabei wurde die Anregung gemacht, dass dann inskünftig Automobilrechtsfälle nur noch solchen Richtern zur Behandlung übergeben werde sollen, die sich auf diese Weise die notwendigen praktischen Kenntnisse über das moderne Motorfahrzeug angeeignet haben. Oesterreich geht hier mit einem Beispiel voran, das auch anderorts Nachahmung verdient, s. Kontrolle oder Schikane? Zur Gültigkeit des internationalen Fahrausweises. Dem Präsidenten einer der grössten Sektionen des A. C. S. ist jüngst folgendes passiert: Er fährt für drei Wochen nach der Cöte d'Azur. Bei Boudry wird er gestoppt und der Polizist verlangt seinen Fahrausweis. Der Fahrer greift in die Tasche: er findet das Dokument nicht, da er es in seinem zweiten Wagen liegen Hess, den er zum täglichen Gebrauch in der Stadt benötigt. Wohl aber kann er den internationalen Fahrausweis vorlegen. Der Polizist bedauert: er will die kantonale Fahrbewilligung sehen. Neben dem Fahrer sitzt seine Frau, die sowohl den kantonalen wie den internationalen Fahrausweis bei sich trägt. «Mais c'est vous qui avez conduit.» Bussenzettel in der Höhe von Fr. 20.—. Der Fahrer reklamiert schriftlich und weist darauf hin, dass die Kontrolle doch den Zweck habe, die Befugnis zum Fahren nachgewiesen zu erhalten. Daraufhin Ermässigung der Busse auf Fr. 5.—. Dies die Tatsachen. Der Polizeibehörde von Boudry war offenbar nicht ganz wohl bei ihrer Bussenverfügung, sonst hätte sie den Betrag wohl kaum ermässigt. Nach dem gesunden Menschenverstand liegt die Sache wohl so, dass wir Automobilisten sehr einverstanden sein dürfen mit der Kontrollierung auf der Landstrasse. Wer zu Unrecht einen Wagen führt, möge kräftig bestraft werden, und dann und wann wird sogar zum Vorschein kommen, dass einer mit einem gestohlenen Wagen fährt. Aber er rafft sich auf. « Muss Schiff haben, Massa Mac. Sofort! Earl zur Insel zurück!» « Zur Insel der Blackcorners ! » Jim nickt. « Wir mit Motorboot vor einer Stünde zurückgekommen. Wir hierher eilen — Weg verfehlen — Jim suchen, Earl und Lady aus dem Auge verlieren — dann plötzlich — Jim sie sehen in weissen Auto!» Hill Cliff fällt die Pfeife aus dem Munde. Einen Augenblick stehen sie alle wie gebannt. « Jim muss Schiff haben ! » Mac wendet sich an den Captain. Der kommt ihm zuvor. « Cornwell mit « Sunny » in einer Viertelstunde in See! 40 Mann ! Insel besetzen. Kommen in einer Stunde nach !» Eine Ordonnanz verschwindet im Laufschritt. Der Neger greift nach seinem zerknüllten Hut. « Jim mitgehen — halt! » Mac fasst ihn am Arm. «Bist du sicher, dass dein Herr im weissen. Auto sass ? » « Jim totsicher sein! Oh — auch Lady!» * Was für eine Lady ? » « Massa Higgens Frau ! » Der Advokat ist so erstaunt, dass er den Nigger laufen lässt. Er wendet sich an den Captain. «Werde mir einer klug aus dieser verdammten Geschichte !» Hill beschäftigt sich mit seiner Pfeife. «Müssen folgen — —» Einen Augenblick stiert jeder seinen Gedanken nach. «Come on, machen wir säubern Tisch hier. Freund Higgens wartet auf uns.» Zum ersten Mal in dieser Nacht greift der Captain nach seiner Waffe und entsichert sie. « Die Reserven. Alle Mann mir nach ! » (Fortsetzung folgt) Wir haben nicht die Absicht, uns in prophetische Vernehmlassungen zu ergehen. Wenn man aber beispielsweise an den geplanten Bau einer Autostrasse von den Hansa-Stätten bis Basel, durch die Schweiz nach Italien denkt und sich dieses ungeheure Problem richtig vergegenwärtigt, so stösst der Mensch auf verschiedene Gedanken, die unbedingt in die Zukunft weisen. Das Automobil wirkt revolutionär. Bitte nicht zu erschrecken. Es bringt die Menschen auf die Strasse, lässt sie aber nicht zur Masse werden, sondern trägt dem Individualismus Rechnung. Und doch wirkt es in gewissem Sinne revolutionär. Die Menschen des 20. Jahrhunderts, die mitten drin in dieser gewaltigen Umwälzung stecken, werden sich dessen vielleicht noch zu wenig bewusst. Das Automobil baut neu auf, es gestaltet den Verkehr, unsere Wirtschaft, unsere Wohn- und Industriesiedlung, damit unser kulturelles und politisches Leben um. Ueber die Verkehrsumwälzungen brauchen wir in diesem Zusammenhang nicht mehr zu sprechen. Was die Volkswirtschaft anbetrifft, so weiss man, dass Gegenden, die in irgend einer Weise von einer nennenswerten Verkehrsader berührt werden, zu allen Zeiten eine wirtschaftliche günstige Entwicklung aufweisen. Erst die günstige Lage zum Verkehr steigert oder ermöglicht die Konkurrenzfähigkeit eines Betriebes innerhalb des allgemeinen Wirtschaftslebens. Konkurrenzfähig aber ist nur derjenige Betrieb, dem es nicht zuletzt vermöge seiner örtlichen Lage zur Verkehrsader gelingt, den Preis seiner Ware auch durch verbilligten Transport auf ein Mindestmass zu beschränken. Nicht von ungefähr sind von frühester historischer Zeit an Wohn- und Industriesiedelungen an Flussläufen, Strassen oder Eisenbahnlinien entstanden. Das Automobil ist heute dasjenige Verkehrsobjekt, das, sofern die Strasse da ist, auch die entlegenste Ortschaft mit einer grossen Verkehrsader verbinden kann. Ein ausgebautes Strassennetz wird unserer Industrie, unserer Landwirtschaft und unserm Gewerbe, die sich heute alle noch in gedrückter Wirtschaftslage befinden, zur Hebung ihrer Produktion und Im Entwurf zum eidgenössischen Fahrradund Automobilgesetz, das am 15. Mai bachab geschickt wurde, waren geradezu drakonische Strafen für das Fahren ohne Fahrausweis vorgesehen. Vor zehn und zwanzig Jahren ferner fand dann und wann, besonders in der Ostschweiz und an Sonntagen, eine förmliche Razzia gegenüber den Velofahrern statt: wer die Radfahrerkarte vergessen hatte, wurde um einige Franken gebüsst. Die kantonalen Polizeivorsteher haben dem Unfug gesteuert, und wenn man heute die Radfahrer auf das Mitführen ihres Ausweises hin prüfen wollte, so müssten 99 Prozent gebüsst werden. Uns will scheinen, dass das Anhalten der Automobile auf der Strecke den Charakter einer Kontrolle, nicht einer Schikane haben sollte. Dem widerspricht es, dass das Mitführen des regelrecht ausgefüllten internationalen Fahrscheins nicht als Ausweis gelten soll. In der Konkordatsverordnung heisst es in Art. 12: «Niemand darf einen Motorwagen führen, ohne hierzu die Ermächtigung der zuständigen Behörde seines Wohnsitzkantones zu besitzen.» Ist etwa im internationalen Fahrausweis diese Ermächtigung der zuständigen Behörde des Wohnsitzkantones nicht enthalten? Noch ein zweites Mal ist im Konkordat von der Führung des Ausweises die Rede, in Artikel 46: «Auf den Aufruf oder das Zeichen eines Vertreters der Behörde, der sich als solcher zu erkennen gibt, hat der Führer des Motorfahrzeuges anzuhalten und auf Verlangen seine Fahrbewilligung vorzuweisen.» Als Fahrbewilligung sollte unter allen Umständen der kantonale wie der internationale Ausweis gelten. Denn wer stellt den internationalen Fahrausweis aus? Genau dieselbe Behörde, von der der kantonale Ausweis bezogen wird. Ohne Bezahlung der Steuer auf AUTOMOBIL-REVUE 1928 — N r 37 -A.Tl.tO laxxd ZSuLkxxnft ihres Absatzes wesentlich mithelfen. Die Möglichkeit eines erleichterten und verbilligten Transportes der Ware bildet die Grundlage hiefür. Die grosse Beweglichkeit -des Autos spielt dabei eine' bedeutende Rblffc» denn es ist gewiss nicht belanglos, 06 ich eine Ware zunächst auf dem Rollwagen verlade, dann zur Bahn schaffe, um sie dort in einen Wagen zu verladen und am Bestimmungsort' wieder die gleiche Prozedur vornehme, oder ob ich die im Herstellungsorte verladene und für einen solchen Transport geeignete Ware der Empfängerin direkt vor den Laden führe. Das Automobil wird neben der Hebung unserer Produktionskraft auch die dringend erwünschte und dringend notwendige Dezentralisation unserer Industrie fördern. Wir wissen alle, wie ungesund die Zusammenballung der Industrie an gewissen Punkten nicht nur unser Wirtschafts-, sondern auch unser Kulturleben beeinflusst hat Die Zentralisation hat das Land entvölkert, hat unsere Grossstädte werden lassen und hat damit weite Kreise des Volkes, die ehedem bodenständig waren, aus dem Heimatboden entwurzelt und sie der Verproletarisierung preisgegeben. Dieser ungesunden und fatalen Entwicklung werden Motorrad und Auto Einhalt gebieten. Ein gut befahrbares Verkehrsnetz wird geeignetes Industrieland neu erschliessen und damit eine Industriebevölkerung schaffen, die trotz der Industriearbeit an die Heimatscholle gebunden bleibt. Es wird aber auch weiten Kreisen der in der Stadt tätigen Arbeiter ermöglichen, ihren Wohnsitz trotz Arbeitsstätte auf dem Lande zu belassen. So werden grössere Massen von Arbeitern wieder aus der Grossstadt herausgebracht und neu mit dem Lande verwachsen werden. Die unhaltbare und gefährliche Kluft zwischen Stadt- und Landbevölkerung, die heute scheinbar unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zweier Weltanschauungen, werden mittels der Strasse und des Motors neu überbrückt und verbunden werden können. Der Gedanke der Volkseinheit, ohne den auf die Dauer kein Volk bestehen kann, wird neue Wurzeln fassen. Der Gedanke der Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird neu zum Durchbruch gelangen. Die kulturellen Auswirkungen werden nicht ausbleiben. Die Wohn- und Siedelungsverhältnisse nehmen neue Formen an. Landschaftlich besonders schön gelegene Orte in der Nähe von Verkehrszentren werden als Wohnorte bevorzugt werden. Solche Gegenden werden nicht mehr nur das Ziel des Wochenendes bilden, sondern zum Mittelpunkt des gesamten häuslichen Lebens werden. Dies um so mehr, wenn billigere Lebensund Steuerverhältnisse einen Ausgleich für die entstehenden Autospesen bieten. Nicht nur der Fabrikherr, der Industrielle, sondern auch die breiten Massen der Arbeiter werden dem Gewühle und der Enge der Grossstadt entzogen und der Natur zurückgegeben. Was der einzelne an Unkosten für Motor, Automobil oder Autobus aufzubringen hat, gleicht die bessere und natürlichere-Le-- bensweise, 'die der Gesundung und Gesunderhaltung unserer Bevölkerung in grossem Masse zugute kommen wird, aus. Die Autostrasse mit ihren Verkehrsinstrumenten leistet hier bereits ein gewaltiges Stück Kulturarbeit und Kulturpolitik. Die bis heute gemachten Erfahrungen lassen uns vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Durch das Automobil ist eine neue Aera dem Volksgemeinschaftsleben eröffnet worden, die sich für die Menschheit je länger je mehr segensreich auswirken wird. K. Grund einer regelrecht abgeschlossenen Haftpflichtversicherung erteilt keine kantonale Behörde einen internationalen Fahrausweis. Halt! wird jemand sagen. Die kantonale Bewilligung läuft mit dem Kalenderjahr, der internationale Ausweis ist auf ein Jahr vom Datum der Ausstellung an gültig. In der Tat kann also jemand «international fahren», ohne die kantonale Bewilligung zu besitzen. Und hier tatsächlich ist ein Fehler aufzudecken. Aber nicht der Fahrer ist hiefür verantwortlich zu machen, sondern das System. Dem internat. Fahrausweis ist der Untertitel beigefügt: «für den zeitlich beschränkten Verkehr im Ausland». Dann aber heisst es auf der Titelseite weiter unten: «Dieses Ausweisheft ist in allen Vertragsstaaten* nur ein Jahr vom Ausstellungstag an gültig.» Und als Anmerkung zu dem Sternchen (*) heisst es weiter unten: «Dies sind folgende Staaten: Schweiz, Deutschland, Oesterreich... usw.» Also in dem von der schweizerischen Eidgenossenschaft ausgestellten internationalen Fahrausweis ist unter den Staaten, in denen der Ausweis gültig sein soll, ausdrücklich auch die Schweiz genannt. Es befindet sich darin auf Seite 2/3 auch ein Blatt für die Schweiz. Die kantonale Behörde lässt es indessen leer und fügt ihre Feststellungen auf einem angeklebten Blatt samt der Photographie bei. So lange aber im internationalen Fahrausweis, der von einer schweizerischen Behörde ausgestellt wird, die Schweiz unter den Vertragsstaaten aufgeführt wird, in denen der Ausweis Gültigkeit hat, sollte die Vorlegung des internationalen Fahrausweises bei einer Kontrolle in der Schweiz genügen. Will man das nicht, so ändere man den Text im internationalen Ausweis. So lange dies nicht geschieht, muss der internationale Fahrausweis auch bei den -Kontrollen auf einer schweizerischen Strasse anerkannt werden. Im oben zitierten Falle vollends hatte die Vorschriften für den Sonntagsfahrverkehr ab 1. Mai siehe Seite 16. Kontrolle durchaus den Charakter einer Schikane. Zum Schlüsse noch eine Anregung. Ist es absolut nötig, dem Fahrer und Besitzer ein Büchlein auszuhändigen, wie es im Konkordatsgebiet geschieht? Das beständige Mitführen des Carnet in der Tasche ist lästig, und lässt man es in einer Wagentasche, so kann es einem, wie es dem Schreiber dieser Zeilen passiert ist, gestohlen werdet?. Könnte nicht der kantonale Fahrausweis auf einer Karte ausgestellt werden, die sich in der Brieftasche unterbringen Hesse? Sollte ein schweizerischer Monsieur Lebureau das bestreiten, so können wir auf unsere Nachbarstaaten hinweisen, in denen ein Blatt zur Ausstellung der Fahrbewilligung für Wagen und Lenker genügt. Dann wird niemand in den Fall kommen, seinen Ausweis zu «vergessen». Wahrscheinlich aber ist der Vorschlag zu einfach, als dass man ihn in Erwägung ziehen wird. 0 Hinaus! Das Automobil gegen die Dekadenz. Die rauhen Tage sind einem wolkenlosen Himmel gewichen. Die Sonne erfüllt das Land mit einer Klarheit, wie sie nur den Frühlingstagen eigen ist. Wald und Feld bergen das Wunder des Sicherneuerns. Die Erde atmet in unbändiger Kraft Aus der Enge der Stadt und der Eintönigkeit der Woche entführt uns der Wagen in stille Weiten. Ist eine derartige Fahrt nicht wie eine Reinigung vom Staub der Häuser, von den Schlacken ruheloser Gedanken? Eine Reinigung unseres ganzen Menschen? Das Automobil führt uns hinaus aus dem brutalen Existenzkampf und der krankhaften Vergnügungstollheit des modernen Lebens. — Es bringt uns mit dem herben Werden der 1 ., Scholle in Berührung, die nichts kennt von _J der Dekadenz, die unsere Grossstadtluft schwängert. Das Automobil wird Mittel zum Zweck zu einer neuen Lebensethik. In wenigen Jahren ist die ursprünglich amerikanische Weekendbewegung zur Allgemeinheit unseres ganzen Kontinentes geworden. «Zurück zur Natur» lautet die Losung, der heute nicht nur Schillerkragenphanatiker Gefolge leisten. Dem Automobil gebührt das Verdienst, das Freiluftleben der Familie gefördert zu haben. Das Zelt am Flussbord oder an den Ufern unserer malerischen Seen ist kein Grund mehr, dessen Besitzer als anormalen Menschen zu betrachten. Autoparks säumen die Strandbäder. An schönen Tagen rollen unzählige Wagen durch die Strassen des Landes. Der Autotourismus steht im Zeichen eines noch * H nicht abzusehenden Aufschwungs. *— Ein bekannter Sozialpolitiker bezeichnete das Automobil als den Ausdruck des nacktesten Egoismus. Seine Theorie zersplittert an den Tatsachen, dass das Motorfahrzeug vor keinen Schichten halt macht, mehr und mehr auch die unteren Stände erfasst. Das Auto fördert das Familienleben, das als Gemeinschaft dem Egoismus diametral gegenübersteht. Es bildet die einzige Brücke, welche die Massen über den grenzenlosen Ichkult emporführen kann. Ein englischer Arzt bewies im Verlaufe* eines Vortrages in einem Londoner Institut, dass die moderne Lebensweise unserer Städte der Grund für das Ueberhandnehmen der Herzkrankheiten sei. Nach dem täglichen geschäftlichen Tohuwabohu hetzen wir unsere Nerven durch Filme, Revolverdramen, Detektivromane, Jazzgeheul.Wir rauchen und trinken in stickigen, vollgepfropften Lokalen. Die Sitte, die Samstagnacht auf dem Tanzparkett zu verbringen, ist für Tausende zu einer üblen Gewohnheit geworden. Während die Herzschläge vor wenigen Jahren noch zwischen 50 und 60 Jahren auftraten, erfolgen sie jetzt schon in früherem Alter. Aus dieser Atmosphäre führt das Automobil hinaus. Dem vernünftigen Fahrer, der den Tourismus nicht des Rasens willen pflegt, bringt es Licht, Luft und Erholung in der Natur. Erholung bedeutet Wiedererneuerung. Die Wiederenieuerung aber setzt der Dekadenz unüberwindliche Schranken. V. Automobil-Weltkongress in Rom Im Verein mit dem Königlich italienischen Automobil-Club und unter Mitwirkung des Bureau Permanent der Automobil-Industrien in Paris, hat es der italienische Verband der Automobil-Industriellen — wie wir bereits in letzter Nummer der «A.-R.» kurz mitteilten — übernommen, den diesjährigen Automobil- Weltkongress in Rom zu organisieren, und zwar in der Zeit vom 25. bis 29. September. Erstmalig auf einer europäischen Konfe« renz wird auch die Frage, wie der Automobil' handel gefördert werden kann, diskutiert

1928 AUTOMOBIL-REVUE Iwerden. Alle Fragen des Motorfahrzeugverkehrs sollen besprochen werden. Die feierliche Eröffnung findet am Dienstag üen 25. September, auf dem Kapitol, statt. Es iwerden dabei offizielle Reden gehalten und tder Präsident des Kongresses wird «über 'den Einfluss des Fortschrittes im Automobilwesen auf den nationalen Fortschritt» sprechen. Ueber die Verwendung des Motorfahrzeugs werden am 26. September verschiedene Reigierungsvertreter referieren. Am 27. September werden Fragen der Brennstoffwirtschaft behandelt werden und der 28. September ist ider Diskussion über die Verbesserung der Strossen und deren Finanzierung gewidmet. Das aktuelle Thema betreffend Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn und Autos kommt am 29. September zur Sprache. Ebenso wird man über die Fragen, wie man den Verkauf der Motorfahrzeuge lieben kann, und über Erleichterungen im Einzelverkauf und in der Zahlungsweise sprechen. Im Programm sind ferner Festlichkeiten und Empfänge, sowie Besichtigungsfahrten auf italienischen Autornobilstrassen (Autostrada bei Mailand) vorgesehen. Es wäre sehr zu wünschen, wenn sich auch die Vertreter des schweizerischen Motorfahrzeugverkehrs an dieser bedeutungsvollen und wichtigen Tagung recht zahlreich beteiligen würden. Schon auf der Londoner Tagung wurden unsere Vertreter mit grosser Sympathie empfangen und manche von ihnen gegebene Anregung wurde zur praktischen Verwertung gebracht. Der grosse Umfang der systematischen Behandlung aller Zweige der Motorverkehrswirtschaft, wie sie auch bei uns immer mehr gepflegt wird, Hesse es zweckmässig erscheinen, wenn die schweizerische Beteiligung gründlich und in enger Zusammenarbeit organisiert würde! R. Eine unerhörte Rücksichtslosigkeit. Man schreibt uns: Freitaig den 20. April kam ich von Lyss her an die geschlossene Barriere bei Münchenbuchsee. Gegenüber stand schon ein Auto, als ich die Barriere zuerst sah. Sie muss also schon einige Minuten vor meiner Ankunft geschlossen gewesen sein. Ich kam 16 Uhr 35 an die Barriere. Wir warteten geduldig 10 Minuten, 15 Minuten auf das Oeffnen der Barrieren, aber umsonst! Es hatten sich so an die 20 Autos und Fuhrwerke, nebst einer stattlichen Schar Radfahrer und Fussvoik an den Barrieren gesammelt. Die Barrieren bewegten sich nicht! Grosse Erbitterung und Aufregung bei allen, die das Vergnügen hatten, zu warten. Autohupen tönten, Pfeifen und Gebrüll erhob sich, aber die Barriere öffnte sich erst punkt 17 Uhr! Während diesen 25 Minuten wäre mehrere Male ausgiebig Zeit gewesen, die Strasse auf einige Minuten dem Verkehr frei zu geben. Die Barriere ist örtlich bedient und darf deshalb von der Bedienung geöffnet werden, um den Verkehr der Strasse nicht zu sehr zu hindern. Absichtlich und mit sichtlicher Schadenfreude wurde aber von dieser Vorschrift während einer vollen halben Stunde kein Gebrauch gemacht! Ich halte es für eine Rücksichtslosigkeit und Unverschämtheit sondergleichen der Organe der S. B. B., eine der grössten Verkehrsstrassen im Kanton halbstundenlang unnötigerweise zu sperren. In diesem Verhalten der Organe der S.B.B, liegt eine böswillige und unzulässige Schikane gegenüber dem die Strasse benützenden Publikum, wogegen man des Bestimmtesten Verwahrung einlegen muss! Nachschrift der Red.: Darf man von der zuständigen Stelle der S. B. B. erwarten, dass der Fall untersucht und das Publikum über den Grund oder Nichtgrund der während 30 Minuten geschlossenen Barriere aufgeklärt werde? Besuch einer Martini-Autokolonne in Zürich. Auf dem Heimweg von Basel nach St. Blaisc passierte dio stattliche Kolonne, der an der Mustermesse in Basel viel beachteten Ausstellungs- und Vorführungswagen unserer einheimischen Marke Martini, am Donnerstag abend Zürich. In zwei kürzeren Rundfahrten machten die Martini-Wagen den Zürchern ihre Honneurs. Recht wirkungsvoll and originell war die Dekoration der sieben drei-, resp. 4 Liter 6-Zyl.-Chassis. Auf einer mit dem markanten Martini-Plakat geschmückten Pyramide thronte auf jedem Wagen je ein mächtiger Buchstabe, welche durch die Kombination der sieben Wagen das Wort Martini ergaben. Bei der unmittelbar vor der Weiterfahrt absolvierten Runde waren die Buchstaben hell erleuchtet und die fast lautlos dahingleitende, illuminierte und wuchtige Markenbezeichnung vermochte die Aufmerksamkeit sämtlicher Passanten auf sich zu ziehen. Vor dem Haus zum Du Pont, wo die ansehnliche Gruppe einige Zeit parkiert war, sammelte sich bald ein grösseres Publikum an, welches mit sichtbarem Interesse die verschiedenen Modelle betrachtete. Dio Aufmerksamkeit galt vor allem den karossierten Wagen, wovon die beiden von Gangloff prachtvoll karossierten Cabriolets in der besonderen Gunst des Publikums zu stehen schienen. Die Demonstration der Handhabung und Wirkungsweise des bei dem einen Cabriolet eingebauten, zurückrollbaren Daches nach System Gangloff überzeugte alle Anwesenden von der hohen Annehmlichkeit dieser Die S.B.B, eröffnen ab 1. Mai 1928 versuchsweise einen « Flug-Eisenbahn-Verkehr » für Gütersendungen. •— Sollte uns das Automobil schon wieder zu einer begrüssenswerten verkehrstechnischen Neuerung verholfen haben... ? Sechs junge englische Studenten erlitten bei Leeds mitten auf der Landstrasse einen tragischen Tod. Ein Telegraphenmast, der durch Kurzschluss der Starkstromleitung in Brand geraten war, stürzte auf ihr Automobil. Der Motor explodierte und ehe jemand Hilfe bringen konnte, verbrannten die Insassen. In den Vereinigten Staaten kommt auf jeden 80. Einwohner eine Benzin-Tankstelle, dafür aber auf je 5000 Einwohner ein Schuhgeschäft. Eine Statistik der Brandunfälle in den Grossstädten hat ergeben, dass Stockholm die Stadt ist, in der es am meisten brennt. Die dortige Feuerwehr wird durchschnittlich alle 48 Minuten nach einem Brandherd gerufen. •* Der Kommandeur der Londoner Polizei, Sir Walter Allen, stellt für die Verkehrspolizisten folgendes höchstes Gebot auf: Verliere nie die Geduld, nimm Rücksicht und sei vor allem höflich. — In der Schweiz gibt es Verkehrspolizisten, die mit Pistolen hantieren ... * Die französische Stadt Troyes hat eine Klaviersteuer eingeführt. — Würde wohl von manchem Mieter auch in unserem Lande begriisst! * Die amerikanischen Zeitungsverleger melden, dass 57 Automobilfirmen im Laufe des letzten Jahres 33,505,000 Dollars für Inserate ausgegeben haben. Der grösste und der kleinste Berliner Oberkellner befinden sich auf einem Fussmarsch Genf-Berlin. — Eine Demonstration der Fussgänger-Liga? Das dreirädrige Kontrollfahrzeug der Zürcher Stadtpolizei stiess dieser Tage in Zürich während der Verfolgung eines zu schnell fahrenden lessiner Automobils mit einem Strassenbahnwagen zusammen. Olia! hat sich infolge seiner von Paul Daimler geschaffenen hervorragenden Konstruktion, durch seine vornehme Linie und seine Fahreigenschaften den ihm gebührenden Rang unter den Wagen erster internation. Klasse gesichert. Die an allen internationalen Ausstellungen sich anschliessenden Erfolge des HORCH 8 bringen seine hervorragende Stellung deutlich zum Ausdruck. Der HORCH 8 wird in die Schweiz eingeführt durch In England und Amerika kann man neuerdings auch Flugzeuge auf Abzahlung haben. Eine schweizerische Städtebau-Ausstellung findet erstmals vom 4. August bis 2. September im Zürcher Kunsthaus statt. Neben den topographischen Unterlagen, den Besitzverhältnissen, der Bevölkerungsdichtigkeit, der Baustellenpreise etc. ist auch dem Verkehrswesen ein breiter Raum eingeräumt. Ein Chauffeur aus Busswil stiess auf einer Strolchenfahrt mit einigen Kameraden gegen eine Mauer, wodurch das Automobil starke Beschädigungen und zwei Insassen leichte Verletzungen erlitten. Der Chauffeur vollbrachte in der darauffolgenden Nacht Selbstmord. * Der in der Schweiz «best»bekannte Philosoph und Graf von und zu Keyserling wurde anlässlich eines Tournees durch Amerika von Upton Sinclair eingeladen. Von Keyserling nahm die Einladung unter der Bedingung an, dass während den Festlichkeiten Champagner und schöne Frauen die Tafel zieren. Entrüstet widerrief Sinclair die Einladung: Für Champagner-Philosophen habe Amerika kein Interesse,... Der malerische schiefe Turm von St. Moritz soll nun doch erhalten bleiben — eine Kunde, die den Autotourist freuen wird. Der erste Luftverkehrspolizist ist in Philadelphia in Amt und Würde eingesetzt worden. — Ein historischer Moment.... Kriminalistische Knochenschüttler sind bekanntlich heute auf allen englischen Bühnen Trumpf. Kostproben wie « Der Hexer » und « Broadway » sind auch unserem Hirtenvolke serviert worden. Eine Gipfelleistung verzeichnet zweifelsohne eine Londoner Bühne, die in dem Stück « Das Monstrum » — einer Verherrlichung des Sadismus — einen regelrechten elektrischen Henkerstuhl en detail auf die Bretter pflanzt. X. Der deutsche Achtzylinder Spezialität. Die Sechsplätzer-Innenlonker-Limousinen erweckten sofort den Eindruck des komfortablen Reisewagens, der, ausgerüstet mit dem vorzüglichen Martini-Chassis den Tourenwagen par excollence für unsere Berggegendon abgibt. Der kurze Besuch hat neuerdings die Popularität unserer einheimischen Marko und das ihr entgegengebrachte Interesse durch das allgemeine Publikum wiederum eindrücklich demonstriert. Z. Das Fazit der Untersuchung der Nalyaffäre lautet: Naly hat als Kassaführcr des A. C. S total 225,000 Franken unterschlagen. Er gesteht aber nur einen Betrag von 217.000 Franken ein, entlastet hingegen die Kassierin, die lediglich nach seinen Instruktionen gehandelt habe, von jeder Schuld. Die «Schweizerische Winkelriedstiftung» ist um Fr. 105,628 und die «Soeiete du Jeu de l'Arc> um Fr. 22,443 geschädigt worden. Die Akten werden dein Gericht überliefert. Naly befindet sich noch in Haft und wird bald vor den Geschworenen seine umfangreichen Betrügereien zuungunsten des A. C. S. zu verantworten haben. lt. Mausefallen. Kürzlich befasste sich eine im Dienste der Bahnen stehende Schreibfeder mit der «unerfreulichen Entwicklung» des schweizerischen Automobil-Aussenhandels. Sie schreibt: «... In sieben Jahren hat der Automobilaussenhandel die Passivseite unserer Handelsbilanz um über 350 Millionen belastet, also mehr als 50 Millionen Franken im Jahr, ilazu kommen dio vielen Millionen, die für Benzin Jahr für Jahr ins Ausland gehen. Die Zahlen sind um so schwerwiegender, als das Automobil in wachsendem Masse in ein Konkurrenzverhältnis zu der Bahn tritt, deren Betrieb mit fortschreitender Elektrifizierung unsere Handelsbilanz nach der Aktivseite entlastet.» Die Zahlen stimmen natürlich, das wird niemand abstreiten können. Die daraus gezogene Logik ist aber eine plumpe Falte. Der verfolgte Zweck ist eindeutig: Der Leser soll selbst zum Schlüsse kommen, dass unter solchen Verhältnissen das Automobil für unser Land nichts anderes bedeute als eine unglückliche Last. Würde man von einem derartigen Prinzip ausgehen, könnte man die halbe Volkswirtschaft lahmlegen. Es gibt ja bekanntlich noch andere Zweige, die unsere Passivseite belasten! — Der brave Bürger wird ia hinter seinem Bierglas nicht weiter denken, nicht wahr ? Es wäre in der Tat herrlich bestellt um unsere Handelsbilanz, wenn das Automobil vor den eidgenössischen Grenzpfählen halt machen müsste ! Eine starke Zumutung an die helvetische Dummheit...! xL Ray Keech schlägt Campbells Weltrekord. Wie der Draht meldet, gelang es dem Amerikaner Ray Keech, auf der bekannten Weltrekordstrecke von Daytona während den beiden bei Rekordversuchen üblichen Hin- und" Rückfahrten über eine Meile folgend© phantastische Geschwindigkeiten zu erzielen: Hinfahrt mit Gegenwind in 17,86 Sekunder! (201,56 Std.-Meilen); Rückfahrt in 16,36 Sek. (213,90 Std.-Meilen). Das Stundenmittel der beiden Zeiten ergibt den neuen Weltrekord von 207,73 Meilen Stundendurchschnitt, was 334,23 km entspricht. Auf der Rückfahrt stiegen die Zeiger sogar auf 344 Kilometer. Campbell konnte sich seines Meistersohafttitels nicht lange erfreuen. Seine Leistung von 206,9 Meilen vom 18. Februar ist schon am 32. April in den Schatten gestellt worden. Segrave hat, wie verlautet, seinerzeit versprochen, zu einem neuen Weltrekordversuch starten zu wollen, sobald die Ehre, den schnellsten Automobilfahrer zu besitzen, den Briten entrissen werde. Die Rekordlerei wird also binnen kurzem von Neuen einsetzen — ihr Ende ist nicht abzusehen. Technisch ist die Bedeutung der Weltrekordversuchsfahrten gering. Es handelt sich mehr um die Befriedigung sportlichen Ehrgeizes, Unser Londoner Korrespondent schreibt uns hiezu: Nach den vorläufigen kurzen Berichten zu schliessen, hatte der Fahrer während den Versuchen mit ernstlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. So wurde Keech nach dem zweiten Versuch an einem Vorderarm durch zurückschlagende Flammen erheblich verbrannt. Während der beiden letzten Fahrten machte ihm der gewaltige Gegenwind viel zu schaffen und drohte ihm für einen Augenblick die Herrschaft über das Fahrzeug zu entreissen. Es gelang dem Fahrer aber noch rechtzeitig, den Wagen, der bereits bedenklich von der ursprünglichen Fahrrichtung abgekommen war, wieder in seine Gewalt zu bringen. Campbell hat die Meldung mit sportlicher Selbstlosigkeit aufgenommen und den Sieger unverzüglich beglückwünscht. Seinen Freunden gegenüber äusserte er sich, dass er dem Amerikaner den Erfolg wohl gönnen möge, da dieser bei seinen früheren achtunggebietenden Versuchsfahrten, die aber nicht von Erfolg begleitet waren, von andauerndem Pech verfolgt worden sei. Campbell wird nun, so gut es eben die Terrainverhältnisse an der englischen Küste erlauben, seinen «Blauen Vogel» auf seine maximale Leistungsfähigkeit ausprobieren. Wie wir bereits früher berichteten, ist er der Ansicht, dass sein Wagen bedeutend mehr zu leisten imstande ist. Sobald ihn die Probefahrten davon überzeugt haben, wird er sich wieder nach Amerika einschiffen. Segrave, der frühere Weltrekordinhaber, erwartet mit Unge-> duld die Vollendung seines in Konstruktion befindlichen neuen Rennwagens. Wie verlautet soll auch' Frank Lockhart mit seinem Stutz-Spezialwagen neuo Versuche unternehmen. Der Tanz kann also weitergehen ! Bi. Tödlich-verunglückt ist, wie wir in letzter Stunde erfahren, der berühmte Rennfahrer Frank Lockhardt bei einem Versuche, den von Ray Keech aufgestellten neuen Weltrekord zu brechen.