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E_1929_Zeitung_Nr.045

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Sie suchen und graben,

Sie suchen und graben, sie grenzen Felder ab •wie die Goldwäscher, sie heuern Fischer an, die mitSTichen müssen. Es herrscht eine Stimmung wie bei einem Brudermord. Das Meer gibt blaues Glas wieder, Tand und Scherben in allen Nuancen, aber keinen Aquamarin. Der Westernbuxry fährt nach, Venedig hinüber nnd kehrt abends mit Siegermiene in den Kreis mir.ück. Das Glück ist ihm hold. Morgen soll er den schönsten Aquamarin von ganz Venedig besitzen. Die Kaufsumme ist, selbst an seinem Reichtum gemessen, enorm. Aber er wird Sieger seinl Er denkt an das Watgeheul der anderen. — und eittert doch, solange er sie noch am Ufer suchen sieht. Auch der Kilometerhunger des Autos hat sein© Grenzen. Es würde niemand einfallen, von einer Speise, und sei sie noch so schmackhaft und zukömmlich, so lange zu essen, bis sich Abscheu und Ekel einstellten. Vergesst es nicht: auch das Auto will sich keinen Kilometerschmerbauch zulegen. Auto oder Bahn aber wenn Sie nach Zürich kommen, dann speisen Sie in den helmeligen r neu renovierten Räumen des -unfthauses z. Saf f ran - Zürich 1 Küche und Keller sind als züglich bekannt. Bohemien (Eiü junger, die französischen Akademien besuchender Schweizer erzählt über seine ersten Eindrücke von Paris als Musenstadt.) Müdegebummelt durch Galerien und private Ausstellungen betrete ich das Cafe du Dome, den obligatorischen Treffpunkt aller Künstler von Montparnasse. Schon die Türen sind belagert von diskutierendem Gruppen, drinnen im Cafe ist der letzte Platz besetzt. Da sitzen die Vertreter der alten und neuen Kunst, die die Natur naturalistisch; nachzuahmen empfehlen, die den extremsten, die den problematischsten Formen huldigen! Der hagere nervöse Jüngling dort drüben mit der keifenden Stimme — es ist der Sohn eines Pariser Grosskaufmannes! — beweist sein Künstlertum dadurch, dass er sich erbärmlicher kleidet als ein Vagabund! Der lebhafte schmächtige Italiener stellt sich kraft seines breitrandigen schwarzen Schlapphutes und eines grossen seidenen Künstlerschlipses in die Reihen der Musensöhne! Dieser gewöhnlich unbegabte Typus, der sich lediglich in seiner Künstlerrolle gefällt und präsentiert, ist recht harmlos gegenüber dem manchmal sehr genialen Virtuosen. Ich denke da nicht an die Bequeme Zivile Preise. AUTOMOBIL-REVÜE 1929 - NO 45 Die Kunst in Paris Der braune junge Gentleman blieb ausser Konkurrenz. Er rang mit sich und seinem Stolz, bis sein Stolz zusammenbrach im Uebermass seiner Liebe. Ex schleicht bei aufsteigendem Mond heimlich zum Strand, schwimmt, taucht, siebt den Sand mit beiden Händen,, erkennt das Aussichtslose seines Tuns und wirft sich erschöpft nnd zu Tode traurig am TJfer nieder. Ein Zeigefinger berührt seine Schulter: cScusi, Signore!» Er fährt herum. Der kleine Boy streckt ihm eine kindlich verschlossene Faust entgegen: «Die Lady schickt Euch diesen blauen Stein!> Fort rennt der Knabe, dass der Lidosand aufhiebt. Im Schein des Mondes sprüht der Aquamarin geheimnisvolles Licht. — Die Lady schickt Euch... Lachend und schluchzend küsst der Glückliche den Stein. Die blonden Haare hängen ihm nass und jungenhaft in die Stirn, als er laufend im Glänze eeiner braunen Glieder die Terrasse erreicht. Sein *Dank! Dank!» verhaucht er leise auf ihrer Hand, keiner ahnt den Trug. Das vornehme Hotel hat seine Sensation. Di« grauen Geiernasen sind bis eur Ohnmacht schokkiert. Die Gentlemen fluchen hinter verbissenen Mienen. Fatum ist Fatum, lächelt die junge Lady sanft «ind unschuldig. • Der Westernburry verschwindet als erster aus iäcrn Hotel. Zähneknirschend macht er mit grossem Verlust in Venedig seinen Kauf rückgängig. Es ist derselbe Juwelenhändler, bei dem später das junge Paar vorspricht, um den Stein wieder anschmieden zu lassen, doch diesmal so, dass keine earte Fiauenhand ihn so leicht ablösen kann. (Käthe Bxändel-Ehner in der «Münchener Telegramm-Zeitung».) vor- KARL SEILER, TRAITEUR Tel. Hott. 42.96 Virtuosität und Geschicklichkeit unserer alten Meister, deren Kunst die höchste Steigerung des Handwerks war, sondern vielmehr an den, wenn auch geschickten, immer rein äusserlichen Nachahmer: den Macher. Diese Künstler, wenn man sie so nennen darf, sind in erster Linie gerissene Geschäftsleute. Sie «machen» in allem und für alles und betreiben mit ihren Erzeugnissen einen schwunghaften Handel. Leute, die ganz, wie es der liebe Besteller wünscht, ihre Arbeit ausführen können. wComme vous desirez, monsieur, je fais tout. > Modern oder antik, zahm oder wild, farbig oder plastisch, naturalistisch oder kubistisch. seVous n'avez rien, qu'ä' choisir, monsieur! » Der gefährlichste Typus, der Problematiken ist in Paris seltener: «Künstler», die als Plastiker eine mit einigen Schürfungen tätowierte Gipsplatte schräg auf einen Sockel pflutschen und ihrem Kunstprodukt die kühnsten Namen geben. (Femme d'ebout, homme assis.) Als Maler zirkeln sie einige mehr oder minder brüllende Farbklexe auf ein© Leinwand, kleben einige Zeitungsausschnitte, Hühnerfedern und Glaspapiersilhouetten, oder was ihnen sonst an Naturalien durch die Finger geht, dazu und tragen die fertige Mischung als «Erotik am Meeresstrand» in die Galerie. Die Galeriebesitzer beurteilen nach zwei Gesichtspunkten: entweder ist eine Sache modern und originell oder dem Alten längst Anerkannten nachgeahmt. zu werden. Restaurant Sihleck MT gegenüber Sihlporte "H| ZÜRICH 1 Bekannt gutgepflegte Küche und Keller. Wer einkehrt kommt wieder! Das genügt, um angenommen Sie sagen, meine Stellung zu der Kunst in Paris sei zu pessimistisch? Mag sein. Doch was Paris an wirklich Gutem produziert — egal, sei es nun modern oder antik —• ist verdammt wenig. (Nicht dass ich dadurch die Verhältnisse in Deutschland und in der Schweiz hervorstreichen möchte, ich werde mich davor hüten können!) Unsere ganze zeitgemässe Kunstauffassung trägt Schuld daran. Wir sind davon abgewichen, die Natur, wie sie sich dem Künstlerauge offenbart, mit künstlerischer Hand zu reproduzieren, was der Inbegriff aller Kunst ist. (Abgesehen von Kunsthandwerk.) Auto-Haltestelle. FR. SPRING. Magenschmerzen Bind äusserst unangenehm. Dieselb. verschwinden aber nach kurzer Zeit beim Gebrauch von Columba-Magenpulver Es ist ein unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen Verdauungsstörungen jeder Art, gegen Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Magenkrampf, Uebelkeit, Erbrechen, Magendrücken, Sodbrennen, Blähungen, Aufstossen, übelriechenden Atem. Preis pro Schachtel Fr. 3.—u Machen Sie einen Versach ,und Sie werden von dessen Güte, wie schon hundert andere Kunden, überzeugt sein. Einzig erhältL bei der Apotheke zur Taube, Schaffhausen 7. Ausstellung RAPHAEL RITZ in Sitten 3.-31. Mai Wir haben alles um den einen! Preis gegeben: originell zu sein! Originell in der] Auswahl des Objektes, originell in der Arti des Reproduzierens! Und was ist das Pro-« dukt: Bluff! Der Laie schaut sich krumm und! dumm vor den phantastischen Ausgeburten! einer schwülen Phantasie (30° im Schatten\)A Nur die Schar der mit dem genialen Schöpfer in lockeren oder engeren persönlichen Be* Ziehungen stehenden Verehrer erstirbt in Be wunderung. Was braucht man sich um den Begriff Kunst zu scheren, wenn man * en yo-i In der modernen Ausstellung gue» ist und das Geschäft sich macht» Kunst...? Aber: Abend für Abend zahlreiche Ateliers-» und Akademiebälle mit den tollsten Ko^ stümen! Jeder schiebt sich mit SchlapphuÜI und Schlips durch die Strassen! Jeder be* müht sich, seinem Atelier eine künstlerische! Note zu geben! (Unordnung natürlich.) Aufl der Strasse schreitet man versonnen oder mit! einem Buch vor dem Gesicht, um dem Ver-* kehr in jeder Hinsicht im Wege zu sein9 (Als Künstler muss man das!) Wenn unsii alles fehlt, unser Aeusseres, unsere Tradition wollen wir nie hergeben. Es ist so schön* Künstler, ungehemmte Individualität zu sein 9 «Garcon, l'addition!» Und damit trollet ich mich in traditioneller Gleichgültigkeit aus dem Lokal. N.V., Paris. SPARGELN im Hotel de la PAIX in Sitten im Mai Qarag« 32 Wagan Er begleitet Sie!... Wir kleiden Sie gut und preiswert Hinaus an die Sonne! Das macht lebensfroh. Der kleine Hit Master's Voice ist auch dabei. Draußen beweist er seine große Tonstärke und seine klare Wiedergabe. Er ist elegant, solid konstruiert u. praktisch. Preis schwarz Fr. 200.—, farbig Fr. 220.—. Bitte hören Sie ihn an und vergleichen Sie seine Leistungen! — Katalog gratis. TAILLEURS Belleyueplat*- Rämisb-asc* % der angenehme Sommerfreund 1 HUG & Co., ZÜRICH, Heimi Verkaut auch in Spezialgeichaften. »- Hallersche Buchdruckerei '""»'m,« und Wagnersche Verlagsansfalf DUCH&OFFfETDRUCK Die verehrlichen Leser werden gebeten, bei Bedarf die hier vertretenen Firmea zu berücksichtigen und bei Bestellungen, Anfragen etc. sich ausdrücklich aufl die Automobil-Revue beziehen zu wollen.

N» 45 —1929 &UTOMQBIL-REVUE, 15 EDEIP BD1ME SEOTE Verratene Geheimnisse Etwas über Schönheit, Kleidung, Savoir vivre und Liebe der Männer. ESne grosse amerikanisch© Zeitschrift brachte im Anschloss am eine ausgedehnte Rundfrage einen abschliessenden Artikel Ober die Möglichkeit, Frauenherzen zu erobern. Sie schreibt: «EJne berühmtei Fratr hat mit Redrt bemerkt, dass Schönheit für einen Mann ein fest unnützer Schmuck sei Schönheit ist nur eine Art