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E_1930_Zeitung_Nr.085

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Maybach. Bis zur

Maybach. Bis zur Herausgabe des neuen Zwölfzylinder-Modells beschränkte sich der Absatz der Maybach-Wagen in der Hauptsache auf Deutschland; der neue «Maybach 12» ist nun auch auf dem ausländischen Markt eine schwer zu schlagende Konkurrenz in der internationalen Höchstklasse geworden. Auf dem Stand finden wir ein blankes 150 PS-Fahrgestell, an dem die spielend leichte Schaltung des Schnellgang-Getriebes und all die anderen interessanten Einzelheiten gezeigt werden; des weiteren ein 4-sitziges Cabriolet, in Formvollendung und eleganter Gediegenheit ein Meisterstück moderner Wagenbaukunst. Beim Publikum des Pariser Salons findet ausser den bestechenden Zweckformen des «Maybach 12» und seiner Mechanik vor allem die Möglichkeit des kupplungslosen Schaltens der meist benötigten Gangstufen grösste Beachtung. Wie ein getrennt ausgestelltes Schnellgang-Wechselgetriebe zeigt, ist es nun möglich, durch Konstruktion eines Doppel-Schnellgang-Getriebes 5 Gangstufen zur Verfügung zu haben, von denen 4 Gänge geräuschlos sind und durch 2 kleine Hebel in der Mitte des Lenkrades ohne die Gefahr einer Beschädigung kupplungslos geschaltet werden können. Der Schaltvorgang spielt sich folgendermassen ab: Man stellt am Lenkrad den kleinen Hebel in die gewünschte Lage, hebt den Fuss für einen Moment vom Gaspedal und gibt gleich wieder Gas. Währenddessen hat sich der Schaltvorgang selbsttätig abgespielt, ohne dass die Kupplung betätigt zu werden brauchte. Bei dieser Schaltweise ist — abgesehen von der Einfachheit und Bequemlichkeit — besonders wertvoll, dass Im entscheidenden Augenblick beide Hände des Führers am Lenkrad bleiben können. Die Schaltbewegung wird durch Ansaugrohr-Unterdruck ausgelöst, also in einer Weise, wie sie sich bei den Maybach-Schnellgängen schon bewährt hat. Bisher haben die Vielen Versuche, eine solche Vakuumbetätigung für das Getriebe zu verwenden, immer daran gescheitert, dass das Wechseln von Klauen oder Zahnrädern rein mechanisch — also ohne Gefühl — nicht möglich ist. Durch die vom Maybach-Schnellgang her bekannt gewordene Ueberholungskupplung ist es grundsätzlich möglich geworden, eine Klaue — ohne gefühlsmässiges Schalten — von einem Zahnrad in das andere, trotz verschiedener Drehzahl, bei allen Geschwindigkeiten wechseln zu können. Ebenso wie beim einfachen Maybach- Schnellgang kann man auch bei diesem neuen Getriebe die Untersetzung der Hinterachse so wählen, dass von den beiden obersten Gängen der eine eine möglichst geringe Untersetzung (Schnellgang) für das schnelle Fahren auf der Ebene ergibt, während der andere als ausgesprochener Beschleunigungsund Berggang ausgebildet ist. Wenn man z. B. annimmt, dass die übliche Kompromisshinterachse bei grossen Reisewagen bisher im Verhältnis 4,3:1 untersetzt gewesen ist, dann kann bei dem neuen Maybach-Getriebe die Hinterachse so geändert werden, dass die beiden obersten Gänge je eine Gesamtuntersetzung von 3,5:1 und 5,3:1 ergeben. Dabei ist es ganz gleichgültig, welcher dieser beiden obersten Gänge der direkte ist. Der Techniker kann auf dem Stand von Maybach, der für ihn ein wirklicher Leckerbissen ist, noch eine Unzahl hochinteressanter anderer Detailkonstruktionen finden. Der Laie kommt angesichts der prachtvollen Durcharbeitung der Chassis und dem Luxus der Karosserien ebenfalls voll auf seine Rechnung. Die älteste und gleichzeitig eine der bedeutendsten österreichischen Automobilfabriken beteiligt sich heuer zum erstenmal am Pariser Salon. Das neueste Austro-Daimler-Modell, das gezeigt und das Fabrikationsprogramm 1931 beherrschen wird, ist ein Achtzylinder höchster Klasse. Sein Motor hat 80 mm Bohrung, 115 mm Hub und ein Volumen von 4624 ccm. Der Zylinderblock ist mit dem Oberteil des Kurbelwellengehäuses und dem Kühlwassertritt an Stelle des Trittbrettes eine parallel zur Längswand laufende Stossstange, um die Karosserie auch von seitlichen Anrempelungen zu schützen. Dass dies ebenso notwendig ist, wie der frontale Schutz, erkennt man leicht bei Beobachtung des Pariser Stadtverkehrs, wo die vielen eiligen Fahrer sich selbst durch die breiteste Kolonne von Wagen durchzuschlängeln versuchen, eine Lotsenfahrerei, in der hauptsächlich die Taxichauffeure wahre Artisten sind. Zahlreiche Details, wie äusserst bequeme und formschöne Türgriffe, geräumige Werkzeug- und Bagagekasten, die sich harmonisch an die Wagenlinie anschmiegen, usw. sind einer besonderen Vervollkommnung zuteil geworden. Die starre Metallkarosserie mit Nitrozellulosespritzung domir.iert vollständig. Die weiche Bespannung mit Kunstleder etc. ist ganzdahingefallen. Was die Typen anbetrifft, so gehört der offene Wagen weiterhin zur grossen Seltenheit, während sich die Limousine und Das Hauptinteresse wird auf diesem Stand durch ein teilweise aufgeschnittenes Demonstrationschassis des Types PY in Anspruch genommen. Es handelt sich dabei um den Typ, der kürzlich, wie wir berichtet haben, von einem amerikanischen Automobilkonzern in Lizenz angekauft wurde, und der nun in Amerika in einer vorläufigen ersten Auflage von 100,000 Stück herausgegeben werden soll. Wenn das erste Kleinautomobil, das in Amerika produziert und verkauft werden soll, gerade ein Mathis ist, so spricht das sicher genügend für den Wert dieser Konstruktion. Der Vierzylindermotor des Typs PY hat bei 65 mm Bohrung und 80 mm Hub eine Bremsleistung von 30 PS bei 3000 Touren, womit bequem eine Maximalgeschwindigkeit von 95 Stundenkilometern zu erreichen ist. Die Kurbelwelle läuft in drei Lagern. Weitere Charakteristiken sind die Batteriezündung, die Einplattenkupplung und das dreigängige Getriebe, die Abfeden das Cabriolet etwa die Waage halten. Der geschlossene Wagen mit veränderlichen Dach, der Sun Salon, scheint sich in Frankreich keiner besonderen Popularität zu er* freuen und ist nur in wenigen Exemplaren auf den besonderen Ständen der Karossiers zu sehen. Wir müssen allerdings zur Ehre unserer schweizerischen Fachleute sagen, dass man bei uns punkto Rollverdeckmechanismus den Franzosen ordentlich voraus ist und primitive Einrichtungen, wie man sie hier noch sieht, bei uns schon lange verschwunden sind. Die schweizerische Automobilhändlerschaft ist seit Sonntag recht zahlreich vertreten- Mancherorts sind Verhandlungen über die Uebernahme neuer Vertretungen im Gange und die Ergebnisse dieser Besprechungen werden die eine oder andere Ueberraschung bringen. Wie wir vernehmen, regt sich ein besonderes Interesse für französische und auch englische Marken in bescheidener und .mittlerer Preislage. Auf dem Programm 1931 der Mathis- Werke stehen neben dem Typ PY zwei Vierzylinder, zwei Sechszylinder und ein Achtzylinder, die z. T. auch auf dem Stand vertreten sind. Neben dem schon sehr stark verbreiteten Achtzylindertyp «Hupmobile 8» bringt diese Marke auf ihrem Stand einen neuen Achtzylinder, den «Hupmobile 8, Typ H» zur Schau. Während der «Hupmobile 8» an der Bremse 100 PS leistet, beträgt die Bremsleistung beim neuesten Typ 133 PS. Die Wagen weisen alle Merkmale einer gepflegten Tradition auf. Hupmobile war eine der ersten Fabriken, die Achtzylinder baute. Heute, nach zehnjähriger Erfahrung, bringen die Hupmobile-Werke ausgereifte, schon äusserlich sofort ansprechende Linien-Achtzylinder auf den Markt, die allgemein als vorbildlich gelten. Der Motor des Typs H hat 88,9 Bohrung und 120,7 mm Hub, was einem Zylinder von 5889 ccm entspricht, seitlich- rung durch vier halbelliptische Felder, S&T Inhalt Niederrahmen. Interessant ist, dass die " stehende A ~ 1 Ventile, fünfmal gelagerte, sehr drei Gänge des Getriebes so übersetzt stark dimensionierte Kurbelwelle mit Gegengewichten und Torsionsschwingungs- sind, wie die drei oberen Gänge eines Vierganggetriebes. Das Mathis-Dreigang- dämpfer. Welchen Wert man auf Dauerhaftigkeit legt, geht aus dem Umstand Getriebe entspricht deshalb ungefähr einem Vierganggetriebe, ohne ersten Gang. hervor, dass als Kolbenmaterial Grauguss Infolge des geringen Wagengewichtes von gewählt wurde, und dass man die Pleuelstangen rohrförmig ausführte, um das 700 kg und der verhältnismässig hohen Motorleistung ist der Verzicht auf den Schmieröl unter Druck bis zu den Kolbenzapfen führen zu können. Die Vergasung ersten Gang vollkommen gerechtfertigt erfolgt durch einen Fallstrom-Vergaser Anderseits kann mit den Uebersetzungsverhältnissen, wie sie gewählt wurden, auch in den indirekten Gängen noch rasch gefahren werden, ohne dass der Motor eine zu hohe Tourenzahl annehmen muss. Mit Rücksicht auf eine lange Lebensdauer des Motors, kommt dem letztgenannten Punkt natürlich grosse Bedeutung zu. Eine Probefahrt zeigt, dass der neue Mathis es an Leistungsfähigkeit mit manchem schweren Luxusfahrzeug aufnehmen kann. Seine übrigen Fahreigenschaften sind dank der guten Abfederung, Stossdämpfung und der Schraubenlenkung ebenfalls vorzüglich, und die Karosserien zeichnen sich, da sie fast ebenso breit sind wie die Spurweite, durch erstaunliche Geräumigkeit aus. AUTOMOBIL REVUE 1930 - N" 85 Durch die Stände des Pariser Salons Mathis. Betrachtungen am Pariser Salon Fortsetzung von Seite 1 Hupmobile. Sohnitt duroh eine Zylinderreihe des 12-Zylinder Maybaoh-Motois. eigenen Typs. Der Zylinderkopf ergibt Verbrennungsräume von sehr günstiger Form. Trotz des angewandten hohen Kompressionsverhältnisses von 5,2 :1, das im Interesse einer hohen Leistung und Wirtschaftlichheit liegt, zeigt der Motor einen bemerkenswert weichen und stossfreien Lauf. Die Kühlwassertemperatur wird durch Thermostaten und Kühlerjalousien geregelt. Zur Brennstofförderung dient eine zwangsläufig angetriebene Pumpe. In das Schmiersystem ist ein ungewöhnlich grosser, aussenliegender und damit sehr guter, zugänglicher Filter eingebaut. Das Chassis besitzt nicht weniger als sieben rohrförmige Versteifungstraversen. Die Bremsen werden nach dem bewährten Steeldraulic-System, in biegsamen Rohren verlegte Stahldrahtkabeln, betätigt. Die Karosserien machen wie immer bei Hupmobile einen vorzüglich durchgearbeiteten Eindruck. Hotchkiss. Die Hotchkiss-Werke in St. Denis haben in den letzten Jahren einen sensationellen Aufstieg zu verzeichnen gehabt. Jahr für Jahr mussten Neubauten erstellt werden, bis nun die Chassis-Werke allein eine Fläche von 32 Hektaren bedecken. Entsprechend der Vergrösserung der Fabrikanlagen wurden auch die Fabrikationsanlagen noch immer besser und rationeller. Wenn früher der Hotchkiss seinem Preis nach zu den Luxuswagen gezählt werden musste, so ist er jetzt dank dieser Fabrikrationalisierung auch gewöhnlichen Sterblichen zugänglich geworden. Die Qualität des Wagens hat dabei nicht gelitten, sondern eher noch zugenommen. Kennzeichnend für diese Marke ist der Ausspruch, den ein bekannter Fachmann getan hat und der lautet, dass unentwegtes Arbeiten an einem Problem schliesslich zur Vollendung führen muss. Der Ausspruch hatte dabei das Beispiel Hotchkiss zum unmittelbaren Vorbild. Seit Jahren arbeitet die Fabrik zähe an Wagen «du juste milieux». Ihr Programm ist streng festgelegt und kennt keine Extravaganzen, die schliesslich doch nur auf Kosten des Käufers gehen. Mit diesem Prinzip sind die schon in Tausenden von Exemplaren verbreiteten Vier- und Sechszylinder entstanden, die die wir auf dem Stand mit teilweise neuen, gediegenen Karosserien bewundern können. Der Vierzylinder hat einen Zylinderinhalt von 2413 ccm und nach unserer Steuerformel berechnet 13 PS, der Sechszylinder 3000 ccm und 15 Steuer-PS. Beide Motoren zeigen die letzten technischen Neuerungen. Ihre Ventile sind hängend angeordnet und werden durch Stossstangen und Kipphebel betätigt. Beim Vierzylinder wird die Zündung durch einen Magneten besorgt, beim Sechszylinder durch Batterie und Spule. Eine Neuerung, die auf dem Pariser Salon am Hotchkiss-Sechszylinder zum erstenmal vorgeführt wird, ist das viergängige Getriebe mit zwei geräuschlosen obersten Stufen. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der andern Konstrukteure erzielt dabei Hotchkiss den geräuschlosen Getriebelauf durch innenverzahnte Zahnräder. Willys Whippet. Die Willys-Overland Crossley Ltd. hat ihr bisheriges Produktionsprogramm mit zwei sehr beachtenswerten neuen Modellen ergänzt. Beim einen davon handelt es sich um einen Sechszylinder von 16 Steuer-PS, der besonders durch aussergewöhnliche Preiswürdigkeit auffällt, während das andere als Achtzylinderwagen hauptsächlich den Ansprüchen des verwöhnten Automobilisten angepasst ist. Beide Motoren haben seitlich angeordnete, von unten gesteuerte Ventile. Bohrung und Hub betragen beim Sechszylinder 82,55 m bzw. 98,4 mm, was einen Zylinderinhalt von 3162 ccm ergibt. Dank der Anwendung einer relativ hohen Kompression beträgt die Bremsleistung des Motors nicht weniger als 65 PS bei 3400 Touren, also mehr als 20 PS pro Liter. Die Wasserpumpe und ein vierflügeliger Ventilator sind als Einheit zusammengebaut, ihr Antrieb erfolgt durch einen starken Gummikeilriemen. Die Bremsen, System Bendix, wirken mit Servo-Kraftverstärkung. Zur normalen Ausrüstung gehören hydraulische Monroe-Stossdämpfer an beiden Achsen, Oeldruckmesser, Amperemeter, elektrischer Benzinstandanzeiger. Beim Achtzylindermodell sind ausser den allgemein grösseren Dimensionen und der noch feineren Ausführung folgende Abweichungen festzustellen: Bohrung und Hub betragen 79,37 mm bzw. 101,6 mm, der Zylinderinhalt 4021 ccm. Bei 3200 Touren leistet der Motor an der Bremse volle 80 PS, womit er dem Wagen im direkten Gang eine Geschwindigkeit von 115 Stundenkilometern verleiht. Als Kolbenmaterial wurde mit Rücksicht auf eine möglichst lange Motorlebensdauer und geräuschlosen Motorlauf Grauguss gewählt. Der Eadstand des Wagens beträgt über drei Meter und die Chassislänge volle 425 cm. Das Bestreben, höchsten Fahrkomfort zu bieten, geht aber auch noch aus zahlreichen andern Charakteristiken hervor. So sind z. B. die halbelliptischen Vorderfedern 91,4 cm lang, die ebenfalls halbelliptischen Hinterfedern 142 cm. Für die grosse Leistungsfähigkeit des Fahrzeuges spricht ausser der Maximalgeschwindigkeit von 115 Stundenkilometern die nicht weniger erstaunliche Geschwindigkeit im zweiten Gang. Ausser einigen schönen Exemplaren des schon gut bekanten Willys-Knight-Wagens, die ebenfalls auf dem Willys-Stand vertreten sind, werden von der gleichen Weltfirma einige Stände weiter noch die letzten Whippet-Modelle gezeigt. Auch hier können wir uns jedoch mit einem Hinweis auf die Standberichte des Genfer Salons begnügen. Die Neuerungen, die seit jenem Salon vorgenommen wurden, tragen sozusagen ausschliesslich den Charakter kleinerer Detailverbesserungen. Austro-Dalmler.

N° 85 — 1930 AUTOMOBIL-REVUE » mantel ein Leichtmetallgussstück. Die neunmal gelagerte Kurbelwelle ist dynamisch >, . ; , ^ . v^..^.- j'r^U • :. Y !^%-&kk ^.W-V^V»' *' a 'v'U'i und das Zentral-Chassisschmiersystem. vollkommen ausgewuchtet. Im gemeinsamen |-'-- r-r-fU^^v^v/A-V-i**-*/^ *. '*S;t' "W^i^f^Ä¥^^'--U'v|H~^''-~^T ^S . ; Weiterentwicklungen des berühmten Achtwelle mit im Rahmenhauptrohr festgelager- ^sJ^^S'' / ^ '3§ • ' ' - j Zylinders Typ «90», der natürlich weiter tem Ausgleichgetriebe auf die gelenkig an- ^®ß®.