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E_1933_Zeitung_Nr.090

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N» 90 für die sich diese Motoren als geeignet gezeigt haben, erwähnen wir Krane, Bagger und Kabel winden, Pressluftanlagen und Pumpen, Steinbrecher und Baumaschinen. Damit ist allerdings die Reihe der Möglichkeiten bei weitem nicht erschöpft. Man wird vielmehr in immer steigendem Masse den Diesel-Schnelläufer auf allen Zweigen der Kraftversorgung finden, weil er in einer bei allen anderen Kraftmaschinen unbekannten Vollkommenheit alle irgendwie erwünschten Betriebseigenschaften mit dem höchstmöglichen Mass der Wirtschaftlichkeit verbindet. 0. S. Dampfomnibus. Die Lokomotivfabrik Henschel in Kassel hat einen neuen Dampfomnibus-Typ geschaffen, der bereits in mehreren Exemplaren seit Monaten auf schweren Strecken erprobt wurde und der nun demnächst dem öffentlichen Verkehr übergeben II. Antwort 8864. Beton- oder Eternit-Garage? Die Eternit-Garagen haben sich in den letzten Jahren ausserordentlich gut eingeführt. Was sie sehr beliebt macht, ist die sehr rasche Aufstellung und die ausgezeichnete WärmehaiRung. Die seit vie- Jahren bewährte Hohlwandkonstruktion ergibt werden soll. Es handelt sich dabei um 40-len eine sehr gute Isolation gegen Kälte und Wärme. plätzige Wagen, deren Antriebsmaschine, Wenn Sie speziell Wert auf eine zerlegbare Garage legen, so dürfte für Sie die Eternit-Garage eine vor der Hinterachse eingebaute und die Hinterräder direkt mit Ritzeln antreibende das Richtige sein, denn infolge des kleinen Eigengewichtes ist sie leicht transportierbar und braucht Dampfmaschine, eine Leistung von etwa 120 aus dem gleichen Grunde auch nicht so schwere PS entwickelt. Die Bedienung der Wagen ist Fundamente. A. H. in Z. ausserordentlich einfach, da die Geschwindigkeit mit einem einzigen « Dampfpedal», Frage 8880. Dli trsttn Luftfahrer, Stimmt es, dass der Franzose Montgolfier der erste Mensch das die Stelle des gegenwärtigen Oaspedals war, der sich in die Luft erhob? T> P. in G. einnimmt, geregelt werden kann, eine Kupplung und ein Getriebe jedoch nicht vorhanfahrzeuges waren Pilätre de Rozier und Marquis Antwort: Die ersten Passagiere eines Luftden sind. Der Dampfkessel wird mit Oel geheizt, regelt sich automatisch auf einen Be- Luft erhoben. at. d'Arlandes, die sich mit einer Montgolfiere in die triebsdruck von rund 100 Atmosphären und ermöglicht ein Fahren schon 2 Minuten nach Beginn der Feuerung. -y- Ein wirksamer Diebschatz für Automobile •wurde von einem früheren Polizeichef des Londoner Scotland Yard erfunden. Man muss dem Erfinder zuerkennen, dass er seine Fachkenntnis gut,auszuwerten verstand. Wie unten skizziert, besteht der Diebschutz aus einem Stahl rolladen, der innerhalb der Windparkierte Wagen mit dem neuen Diebschutz aussieht. Schutzscheibe herabgezogen werden kann und dann, wenn in dieser Stellung festgeschlossen, die Sicht nach vorn gänzlich verhindert. Selbst dann, wenn es einem Schlangenmenschen gelingen sollte, trotz heruntergezogenem Rolladen wegzufahren, so musste er aber doch bald durch die leuchtend rote Inschrift < Parkiert > auf dem verchromten Rolladen auffallen. Die Befestigung des hinuntergezogenen Rolladens geschieht durch ein Yaleschloss. Sie ist so ausgedacht, dass sie sich, wie auch der Rolladen, in jedem Wagen nachträglich anbringen lässt. -s. Tethn.

Bern, Dienstag, 31. Oktober 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 90 Gra binsch riften grosser Männer Zu Allerseelen. P. O. Grabinschriften sind Zeichen der Erinnerung, Dankbarkeit und Liebe. Das schlichte Wort «Meine unvergessliche Mutter» kann ebenso erschütternd sein wie ein Bibelspruch, der Vers eines Psalmes oder der Lebensgrundsatz eines aufrechten Menschen, den ihm die Nachwelt dankbar aufs Grab setzt. Nicht in der Absonderlichkeit der Inschrift liegt der Sinn und der Wert für die Mitwelt; einer so einfachen Widmung wie «Dem unbekannten Soldaten» kann sich kein menschlich fühlendes Herz verschliessen. Tiefe Dankbarkeit drücken Michelangelos Worte aus, die er für Dantes Grab geschrieben: Wie gross er war, ist nimmer auszusagen, Zu hell den Blinden ward sein Licht entzündet... Er stieg hinunter zu des Irrtums Reichen, Uns zu belehren, dann empor zu Gotte. Der Himmel wehrt ihm nicht die hohen Tore, Dem seine Vaterstadt die ihren zuschloss. Danklose Vaterstadt, die sich zum Schaden Ward seines Unglücks Amme. Recht bezeugt das. Wie Gott den Besten gibt das meiste Leiden. Steh' hier für tausend Zeugnisse dies eine: Dass nie ein Gleicher so unwürd'gen Bann trug, Aus welchem die Blätter gerissen. Dessen Einband abgebraucht ist. Aber das Werk wird nicht verloren sein, Denn es wird wieder erscheinen, so hofft er, In einer neuen Auflage, Durchgesehen und verbessert vom Verfasser. Auf dem Kirchhof zu Bagneux findet man auf dem Stein Oscar Wildes Hiobs Worte: Verbis meis addere nihil audebant et super illos stillabat eloquium meum. (Nach meinen Worten redete niemand mehr und meine Rede troff auf sie.) Die Grabtafel des in Berlin verstorbenen Herausgebers der «Deutschen Rundschau», Julius Rodenberg, trägt folgende Verse: Was das Schicksal schickt, ertragen, Auch im Leide nicht verzagen, Für eine Stunde bin ich dem Hause entronnen, dem kühlen schattigen Zimmer, wo am Boden mein grosser alter Reisekoffer liegt, schon mehr als halb vollgepackt mit Wäsche, Büchern, Schreibzeug, Malzeug, Briefschaften und all dem gewohnten Kram; denn es ist tiefer Herbst geworden, es beginnt in meinem kleinen Dorf und in meinem ~ 7 ie nie ein gröss'rer Mann als er erschienen! Sommerhause unwirtlich zu werden, und ich will, wie jedes Jahr, die Flucht vor dem Auf Albrecht Dürers Grab auf dem Nürnberger Johannesfriedhof liest man: mern Sonne, sondern nordwärts zu den Winter antreten — nicht südwärts zur wär- Streue ihm Blumen, o Wanderer, Blumen. Städten und Häusern, wo man warme Oefen und warme Badezimmer findet, wo es zwar Goethe und Schiller schrieben für Lessings Nebel, Schnee und andere Uebel gibt, dafür aber auch befreundete Menschen, Aufführungen von Mozart und Schubert und derglei- Ruhestätte: • Vormals im Leben ehrten wir dich wie einen der Götter. chen geliebte Dinge. Nun du gestorben, so herrscht über die Geister O wie schnell ist das wieder gegangen dein Geist. mit dem Herbstwerden ! Dies Jahr war es wieder ein wunderbar schöner Spätsommer, William Penn, dem Gründer Pennsylvaniens, setzte man einfach und herzlich einen Tag um Tag wartete man, nach scheinbar er schien nie ein Ende nehmen zu- können, Stein: «Er war ein guter Mensch.» sicheren Anzeichen, auf Regen, auf Wind, auf Nebe], aber Tag um Tag stieg klar, golden und warm aus dem Luganeser Seetal Benjamin Franklin, einer der grössten Präsidenten Amerikas, schrieb sich selbst, nach herauf, nur dass die Sonne Tag für Tag um seinem an Erfolgen und Ehrungen unendlich ein Unmerkliches später kam, sie kam nun "wichen Leben, diese Grabschrift: nicht mehr über die selben Berge herangestiegen wie die Sommersonne, sondern ihr Hier ruht, Aufgangspunkt war weit vorgeschoben, gegen Como hin — aber all dies bemerkte man Speise der Würmer, Der Körper von nur, wenn man nachrechnete und kontrollierte, die Tage selbst waren einer wie der Benjamin Franklin, Buchdrucker, andere, Sonnentage, die Morgen kräftig Gleich dem Deckel eines alten Buches, leuchtend, die Mittage heiss und brennend, Ob in Freude, ob in Trauer, Glaube niemals an die Dauer, Trachte nur, dass vor dem Ende Sich dein inneres Sein vollende. Bächmanns, des Verfassers der « Geflügelten Worte », Grabinschrift lautet: « Eines Schatten Traum ist der Mensch.» Adolf von Harnacks Grab schmücken die Worte: Vera Creator Spiritus. Schon wieder Herbst die Abende farbig verglühend. Und dann kam, nach einem ganz kurzen Wetterwechsel, der bloss zwei Tage dauerte, dennoch auf einmal der Herbst herangeschlichen, und es kann nun am Mittag noch so warm und am Abend noch so strahlend farbig werden, es ist doch längst kein Sommer mehr, es ist Sterben und Abschied 1 in der Luft, und die Nächte sind kalt. Abschied nehmend — denn morgen will ich für Monate fortreisen — schlenderte ich durch den Wald. Von weitem sieht dieser Wald noch beinahe grün aus. in der Nähe aber sieht man wohl, dass auch er alt geworden und nah am Sterben ist, das Laub der Kastanien knistert trocken und wird immer gelber, das feine spielende Laub der Akazien blickt zwar an manchen feuchten, kühlen Waldstellen und Schluchten noch tief und bläulich, aber überall schon durchstreift und durchglänzt von welken Zweigen, an denen die grellgoldenen Blättchen einzeln schimmern, und bei jedem Windhauch herab zu tropfen beginnen. Hier beim Graben, wo das welke Laub sich schon häuft, obwohl die Wipfel alle noch voll scheinen, hier habe ich im vergangenen Frühling, in der Zeit vor Ostern, die ersten zweifarbigen Blüten des Lungenkrauts gefunden, und grosse Flächen voll Waldanemonen, wie roch es damals feucht und krautig hier, wie gärte es im Holz, wie tropfte und keimte es in den Moosen ! Und jetzt ist alles knisternd trocken, tot und starr verbrannt, das welke holzige Gras und die welken dürren Brombeerranken, alles klirrt, wenn der Von Emil HügU. Rauhreif liegt auf den entfärbten Matten, Erster weisser Schnee schon auf den Bergeshöh'n;, Früh schon wirft der Abend seine Schatten Uebers Land und kühle Winde weh'n... Lebensmüde, todesmatt Fällt vom Baum das letzte, dürre Blatt. So gemahnt Natur uns an das Sterben, Das Grab G. S. Schäfers, des Gründers und An den ungehemmten ew'gen Lauf der Zeit, Sprechers der humanistischen Gemeinde, zieren folgende Worte: Gruss entböte der Vergänglichen: Und es ist, als ob der Tod uns herben Aus stillem Denken kommt ein wachsend « Müdes Menschenkind, auch du Leben, Findest einst in deinem Grabe Ruh'!» Das wird die Welt aus ihren Angeln heben. Und war" es auch nach Hunderten von Jahren: Und so lasst ans zu den Gräbern wallen Ein Tag erscheint dem ausgesprochenen Unsrer Lieben — heut' am Allerseelentag, Wahren. Lasst uns fromme Grüsse bringen allen, Die kein Wunsch zu wecken mehr vermag, Die da schlafen tief und gut In der Mutter Erde treuer Hut. Von Hermann Hesse. Liebendes Gedenken sei gegeben Denen, die da in den stillen Grüften ruh'n... Doch dann: Kehren wir zurück ins Leben Um Lebend'gen Liebe anzutun! Lieb' tut jeder Seele not, Liebe überwindet noch den Tod. Wind anhebt, dünn und spröde aneinander. Nur pfeifen überall in den Bäumen noch die Siebenschläfer; die werden im Winter schweigen. Ah, da rieche ich etwas, das Freude macht Ein feuchter, dicklicher, etwas dumpfer, nahrhaft fetter Geruch zeigt mir Pilze an, Steinpilze. Sie wachsen hier nicht eben selten, doch findet man sie nicht leicht, denn auch der Tessiner fest Steinpilze sehr gern (im Risotto schmecken sie wundervoll) und sucht sie mit Leidenschaft. Eben habe ich einen Mann angetroffen, es war der Cavadini von Certenago, der schlich gespannt und lauernd wie ein Jäger an mir vorbei durchs MD * Allerseelen Volksheizkissen Einzige Schweizermark« mit 4-8tufigerWärmeregulierung und doppeltem Heizkörper. I Preis Fr. 24.-/28 F E U I L L E T O N Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Nach drei Tagen kehrte Oberst von Mjassojedow wieder zurück. Er sandte Mercedes zunächst ein sehr schönes und kostbares Blumenarrangement, das sie nicht gut zurückweisen konnte. Sie vermied es aber, mittags in den Speisesaal zu gehen und kam auch nicht um die gewohnte Stunde in das Lesezimmer. Gegen vier Uhr nachmittags pochte es plötzlich an ihre Tür, und Mercedes, in der Meinung, es käme jemand vom Hauspersonal mit irgendeiner Botschaft, rief herein. Der Oberst trat ins Zimmer. Er sah noch elender aus als gewöhnlich, aber in seinen grauen Augen glühte ein unheimliches Feuer. «Da Sie mir ausweichen, Madame, bleibt mir nichts anderes übrig, als Sie aufzusuchen. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich bei Ihnen eindringe — ich musste Sie heute noch sehen und sprechen!» «Herr Oberst — Sie sehen mich ausserordentlich überrascht! Wenn Sie unbedingt darauf bestehen, bin ich bereit, ins Lesezimmer zu kommen. Aber mein Zimmer muss ich Sie dringend bitten, zu verlassen!» «Das Lesezimmer, das jeden Augenblick von einem Fremden betreten werden kann! Nein, Madame! Ich bin hier und bleibe hier! Was ich Ihnen zu sagen habe, ist nicht für die Ohren Fremder bestimmt!» «Herr Oberst — ich bitte Sie dringend, das Zimmer zu verlassen! Was Sie mir zu sagen haben, will ich nicht anhören!» «Sie müssen, schöne Frau! Sie müssen!» Er hatte sich ihr genähert. Als er keuchend diese Worte heryorstiess, schlug Mercedes ein schwerer Alkoholdunst ins Gesicht. Der Mann war offenbar total betrunken. Mercedes wich hinter einen kleinen Tisch zurück. «Ich werde um Hilfe rufen, Herr Oberst, wenn Sie nicht sofort gehen!» «Das wird Ihnen nichts nützen, Madame. Denn in diesem Hotel wird es niemand wagen, gegen mich vorzugehen. Wollen Sie das, bitte, nicht vergessen. Warum wollen Sie mich denn nicht hören, schöne Frau? Ich liebe Sie! Verstehen Sie das? Ich liebe Sie! Ich begehre Sie! Man hat Ihnen das vielleicht schon oft gesagt, aber Sie haben es vermutlich noch von keinem Asiaten gehört! Aus meinem Munde haben diese Worte eine andere Bedeutung als aus dem eines Europäers. Ich bettle nicht um ein wenig Gegenliebe —: Sie müssen mein werden! Müssen! Weil das Feuer in meinem Blut gestillt werden muss, wenn es nicht mich und Sie verbrennen soll! Ich bin kein schmachtender Jüngling, Madame, der sich damit begnügt, gelegentlich Ihre Hand küssen zu dürfen — Sie müssen mein werden oder — ich werde Sie zerbrechen!» Mercedes war tief erblasst. Aus diesem von Leidenschaft und Alkohol geschüttelten Körper schlug eine Flamme, die sie und Eberhard vernichten konnte. «So nehmen Sie doch Vernunft an, Herr Oberst,» sagte sie mit bebenden Lippen. «Was Sie wollen, das ist doch unmöglich. Jeden Augenblick kann mein Mann kommen...» Der Oberst lachte laut auf. «Ihr Mann! Ihr Mann! Wollen Sie mir vielleicht die Komödie der liebenden und getreuen Gattin vorführen, Ata Bari? Oder Mercedes Farere oder wie Sie sonst heissen mögen? Das können Sie sich sparen! -Ich weiss, wer Sie sind, schöne Frau! Ich bin genau unterrichtet. Ich weiss auch, wie gefährlich Sie sind. Aber das ist es gerade, was mich an Ihnen vielleicht noch mehr reizt als Ihre Schönheit. Was wollen Sie denn von dem Menschen, in dessen Gesellschaft Sie sich befinden? Dieser blutige Dilettant, dieser lächerliche Patriot, den ich mit einem Knipsen des Fingers in die Luft gehen lasse, wenn es mir gefällt — das ist doch kein Partner für Sie, Ata Bari!» «Ich liebe ihn! Ich liebe ihn!» «Pah! Erzählen Sie das, wem Sie wollen, aber nicht mir! Eine Frau von Ihren Qualitäten kann sich nicht an solche Mittelmässigkeit verlieren. Zu mir gehören Sie, zu mir!» Es war ihm gelungen, ihre Hand zu fassen. Er suchte sie an sich zu reissen; der Tisch, an den sie sich klammern wollte, fiel um. In diesem Augenblick trat Eberhard ins Zimmer. Er sah den Obersten keuchend und vornübergebeugt, noch immer Mercedes Hand in der seinen. Er sah die Angst in den Augen der geliebten Frau. Er hatte merkwürdigerweise plötzlich die Impression, auf der Bühne zu sein, in einem banalen, lächerlichen Stück eine banale, lächerliche Rolle zu spielen. ,Was geht hier vor?', hatte er zu sagen, und dann kam die Auseinandersetzung. Aber ebenso plötzlich wie sie gekommen' war, schwand diese Impression. Was hier vorging, das brauchte er wahrhaftig nicht zu fragen. «Herr Oberst — lassen Sie, bitte, die Hand meiner Frau los!» Er sagte es ganz ruhig, Hit Kaffee Hag sind Sie stets restlos zufrieden