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E_1933_Zeitung_Nr.091

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Schweizerische Rundschau

Schweizerische Rundschau Vom schweizerischen Benzinmarkt.* Eine Interpellation im Nationalrat in der Junisession der Bundesversammlung über die Verhältnisse auf dem Schweiz. Benzinmarkt hat der Vorsteher des eidg. Volkswirtschaftsdepartementes, Herr Bundespräsident Schulthess, damit beantwortet, « auf dem schweizerischen Benzinmarkt habe einmal Ordnung geschaffen werden müssen ». Wenn das die Gründe für das heutige Einfuhrsystem sind, dann müssen sie alle diejenigen Kreise enttäuschen, die bisher glaubten, unsere oberste Landesbehörde habe sich bei ihren Massnahmen einzig und allein leiten lassen durch das Ziel und den Zweck, die Benzineinfuhr im Dienste der Exportförderungspolitik handelspolitisch auszunützen. Die vom Herrn Bundespräsidenten abgegebene Begründung wäre geeignet, der Auffassung Raum zu geben, dass nicht die handelspolitische Ausnutzung der Benzinimporte der hauptsächlichste Grund für die Schaffung einer für den schweizerischen Benzinmarkt so einschneidenden Vorzugsstellung einiger Importeure gewesen sei, sondern das Ordnungschaffen durch Ausschaltung des freien Spiels von Angebot und Nachfrage. Die Frage muss erlaubt sein, wie sich die Ordnung, die geschaffen wurde, heute auswirkt. Ueber die freien Händler, die ia ausschliesslich auf die Monopolibiporteure angewiesen sind, wird die Lieferungssperre verhängt, wenn sie sich den Verkaufsklauseln und dsn Verkaufspreisen, die diejenige eines geschlossenen Kartells sind, nicht fügen wol'en. Um Benzin zu bekommen, haben sie Kautionen zu hinterlegen, die bei jeder Zuwiderhandlung gegen das Kartelldiktat als verfallen erklärt werden. Anstatt sich ihrem Geschäfte, das ihre Existenz ist. widmen zu können, stehen die freien Händler tagtäglich im Kampf mit den Importeuren. ständig bedroht mit der Lieferungssperre und ständig unter dem Druck, dass sie gezwungen werden können, ihr Geschäft von heute auf morgen zu schliessen. Das ist die Ordnung, die dazu dienen soll, um die Importe im Dienste unseres Exportes handelspolitisch auszunützen. Die grossen Kosten des Gutachtens der internationalen Autorität — damit war betraut worden der heutige holländische Ministerpräsident Coljin, der selbst an grossen holländischen Benzininteressengruppen nicht unbeteiligt sein soll — hätten erspart werden können, weil durch eine Zentraleinkaufstelle keine Preisfragen aufgeworfen worden wären. Das Gutachten kam zum Schlüsse, dass der von den Importeuren festgesetzte Zisternen-Preis von Fr. 13.70 per 100 kg franko Schweizergrenze, unverzollt, den schweizerischen Verhältnissen angemessen sei und dass dieser Engros-Preis auch den von den Importeuren festgesetzten Detail- Preis (Pumpen-Preis) von 38 Rappen pro Liter rechtfertige. Dazu ist zu bemerken, dass diese Preise dazumal schon dem Weltmarktpreis nicht mehr entsprachen. Es war überhaupt unrichtig, Preise als allgemein verbindlich festzulegen für einen Artikel, dessen Weltmarktpreis ständig wechselt und welch letzterer doch allein unsere Inlandpreise bestimmen sollte. Späterhin, als man das gleiche Prinzip dann auch auf die Importeure angewendet wissen wollte, nahm denn auch das Volkswirtschaftsdepartement Aus dem Memorial der Genossenschaft freier Benzinhändler. Fortsetzung aus «A.-R.» Nr. 88. «Vielleicht sprechen Sie eines Tages anders!» Mercedes antwortete nicht mehr. Nach einer geraumen Zeit wurde die Tür geöffnet; Eberhard trat ein. «Ich bitte um Entschuldigung, Herr Oberst, dass ich Sie länger warten lassen musste, als ich vermutete. Es ist nicht ganz leicht, immer gleich den richtigen telephonischen Anschluss zu finden!» Er trat auf Mercedes zu und nahm ihr die Waffe aus der Hand, sicherte sie und Hess sie in die Tasche gleiten. «Herr Oberst von Mjassojedow! Ihrer Entfernung steht nichts im Wege. Wenn Sie das unternehmen wollen, was Sie mir angedroht haben — bitte!» Der Oberst stand auf;, es machte ihm sichtlich Mühe, aufrecht zu stehen, aber er zwang sich zu militärischer Haltung.. «Sie werden an diese Stunde noch denken, Graf Hatzberg!» «Bitte —. drohen Sie nicht, Herr Oberst. Ich weiss, dass ich in Ihrer, Hand bin, aber Sie sind auch in der meinen. Viel fester als Sie glauben!» «Sie machen sich lächerlich!» Eberhard hatte die Tür geöffnet und Hess den Oberst mit einer Verbeugung hinausgefien. Ein tückischer Blick aus den grauen Augen traf ihn noch, dann fiel die Tür ins Schloss. «Packen, Liebling! So rasch als möglich!» den Standpunkt ein, dass man bei einem so variablen Faktor, wie es die Benzinpreise seien, die Importeure nicht auf feste Preise estlegen dürfe. Auf Grund des. Gutachtens ist es dann, trotzdem seine Schlussfolgerungen unrichtige waren, während langer Zeit mit der Genehmigung des Volkswirtschaftsdepartements dabei geblieben, dass die Importeure den Preis von Fr. 13.70 (in Zisternen, geliefert) verlangen durften, obschon z. B. Ia rumänisches Mittelbenzin zu Fr. 12.— gekauft werden konnte. Das amerikanische war noch billiger. Was den Pumpenpreis anbelangt, so bestimmte das Volkswirtschaftsdepartefnent, dass er nicht über 38 Rp. per Liter betragen dürfe, dass es aber jedem Händler freistehe, auch unter 38 Rp. an seiner Säule zu verkaufen, m. a. W., das Volkswirtschaftdepartement sah davon ab, den Importeuren auch Minimal-Detailpreise zuzugestehen und den freien Händlern solche vorzuschreiben. Wenn aber der Bundesrat noch in seinem V. Bericht bemerken konnte, dass er ein an ihn gerichtetes Gesuch, Vorschriften über die Minimalpreise aufzustellen, aus naheliegenden Gründen habe ablehnen müssen, so zeigte sich bald, dass die Importeure auch in diesem Punkte ihre Interessen zu wahren wussten. Sie schrieben den freien Händlern vor, dass unter 38 Rp. nicht verkauft werden dürfe. Wer das nicht tat, sondern sich" an die Auffassung des Volkswirtschaftsdepartementes hielt, wurde von den Importeuren boykottiert. Diese Zwangsmassnahme wurde allerdings anfänglich vom Volkswirtschaftsdepartement nicht gebilligt; sie war die Veranlassung, dass auch Kontingente an Outsiders erteilt wurden. Das Volkswirtschaftsdepartement nahm den Standpunkt ein, dass niemanden die Benzinlieferung entzogen werden dürfe, deshalb, weil er unter 38 Rp. verkaufe. Diesen Standpunkt vom Oktober 1932 hat dann aber das Volkswirtschaftsdepartement verlassen. Gemäss dem Bundesbeschluss vom 23. Dezember 1931 ist der Bundesrat mit dessen Vollzug und mit dem Erlasse der nötigen Ausführungsvorschriften beauftragt. Der Bundesrat hat aber mit seinen, Beschlüssen die Delegation des Gesetzgebers weit überschritten. Voraussetzung der Delegation ist, dass die Verordnungen sich inner-, halb des von der Bundesversammlung erteilten Auftrages bewegen. Eine allgemeine Ermächtigung zum Erlasse von Recjits->: Vorschriften, als welche sich die Bundesrat beschlüsse, die den Gegenstand "der Benztosv kontingentierung und -einfuhr bilden, darstellen, besitzt der Bundesrat nicht. Sie ist insbesondere nicht, schon in der Kompetenz des Bundesrates zur Vollziehung der Bundesgesetze enthalten. Die Befugnis, an Stelle des Gesetzgebers Recht zu erzeugen, kann nach Bundesrecht nur von Fall zu Fall übertragen werden. Die Rechtssätze rechtsgültiger Verordnungen sind von derselben Art «Was willst du tun?» «Wir beziehen noch heute ein Privatlogis in der Nähe des Nikolaibahnhofs. Ich habe es eben gemietet. Dass wir nicht eine Nacht mehr hier bleiben können, das ist dir doch; klar!» «Allerdings. Aber wird dieser plötzliche Umzug nicht auffallen?» «Möglich, aber wir können darauf nicht Rücksicht nehmen!» «Ist das alles richtig, was du dem Obersten gesagt hast?» Eberhard Hess ein leises Lachen hören. «Aber keineswegs. Er wehrt sich auch mit allen Kräften dagegen, es zu glauben. Aber er weiss nicht, ob nicht am Ende doch etwas daran ist, und das wird ihn hindern, gegen uns vorzugehen. Allerdings hier, in dem Hotel, das er eigentlich beherrscht — hier sind wir gegen .Zufälligkeiten', wie sie in seinem Charakter zu Hegen scheinen, nicht geschützt. Aber im Grunde ist er ebenso feige wie brutal; er fürchtet für die eigene Haut. Und darum denke ich, er wird uns zufrieden lassen, wenn wir ihm erst aus tlen Augen sind. Ich hoffe übrigens, dass wir nicht allzu lange mehr in Petersburg bleiben müssen; ich brenne darauf, nach Moskau zu gehen. Hier ist sowieso wenig Neues mehr zu sehen.» In einer Stunde hatten die beiden gepackt, die Hotelrechnung in Ordnung gebracht und AUTOMOBIL-REVUE 1933 - und Kraft wie die des Gesetzes. Voraussetzung ist, dass die Verordnung sich inner-, halb des vom Gesetzgeber erteilten Auftrages bewegt; sie erzeugt gültige Rechtssätze nur intra legem. Art. 31 der B. V. gewährleistet die Freiheit des Handels und der Gewerbe. Es wird mit diesem Memorial nicht geltend gemacht, dass der Bundesbeschluss vom 23. Dezember 1931 selbst verfassungswidrig sei, sondern es wird geltend gemacht, dass gesetzwidrig sei die Ueberschreitung dieses Bundesbeschlusses durch den Bundesrat, indem er das Recht der Einfuhr von Benzin auf eine gewisse Anzahl von Importeuren beschränkte, indem er weiterhin vorschreibt, es seien den Importeuren Minimal-Engrospreise zu bezahlen und dass er die Importeure mit dem Recht ausstattet, auch den freien Händlern einen Minimal-Pumpenpreis vorzuschreiben unter der Androhung des Boykottes und Schutz dieser Androhung durch das Volkswirtschaftsdepartement. Hätte die Bundesversammlung zum vornherein die Grundlage für die Rechtmässigkeit von Massnahmen im Sinne der Bundesratsbeschlüsse und -Verordnungen schaffen oder die Möglichkeit, eine solche Grundlage zu schaffen, offen lassen wollen, dann hätte das im Bundesbeschluss vom 23. Dezember 1931 oder in einem neuen Bundesbeschluss ausdrücklich festgelegt werden müssen. Solche als dringlich erklärte Bundesbeschlüsse werden überdies immer nur als eine provisorische Massregel erlassen, die so rasch als möglich durch eine verfassungsmässige Anordnung ersetzt werden soll. Die angeführten Bundesratsbeschlüsse und -Verordnungen sind Um so schwerwiegender, als die Bundesversammlung eine solch verfassungsmässige Anordnung bis jetzt nicht getroffen hat, sondern jeweilen, gestützt auf die Berichte des Bundesrates, die Wirksamkeit des Bundesbeschlusses vom 23. Dezember 1931 einfach wieder verlängerte. Die Gefahr ist demnach nicht ausgeschlossen, dass die verfassungsmässigen Rechte eines grossen Kreises von Gewerbetreibenden nicht nur ausnahmsweise und vorübergehend verletzt werden, sondern dass dieser Zustand ein jahrelang dauernder sein kann oder, auf :dem Umwege über die Wirtschaftskorporation, überhaupt dauernd sanktioniert werden soll. In seinem II. Bericht gibt der Bundesrat der Meinung Ausdruck, dass die Zusammenfassung und die Verwertung der Benzinimporte theoretisch wohl am einfachsten auf dem Wege des staatlichen Einfuhrmonopols erreichbar wäre. Der Bundesrat fügt dann aber bei: ; «Ganz abgesehen davon, dass unser Volk einer solchen Lösun? kaum zustimmen dürfte, müssteft sich auch erhebliche Schwierigkeiten zeigen. Eine srosse Reihe -von Existenzen würde ruiniert oder doch schwer gefährdet, und vor allem aus könnten kaum innerhalb nützlicher Frist staatliche Organisationen mit dem nötigen sachkundigen Personal geschaffen werden.» ; Es hat sich in der Folge gezeigt, dass der Theorie durchaus keine praktischen Schwierigkeiten im Wege stehen: es ist innert kur- , zer Zeit mit Hilfe des Staates eine Organisation für das private Einfuhrmonopol mit sphärfstem Preiskartell geschaffen worden, ,,wje sie auch für das Staatsmonopol ebensogut hätte geschaffen werden können. Weder sind heutenoch die Bedenken berechtigt, dass dem Staate nicht das nötige sachkundige Personal zur Verfügung stehen würde, noch kann die Rücksicht auf eine grosse Reihe von Existenzen, die ruiniert oder doch schwer gefährdet sein würden, ausschlaggebend gewesen sein. Auch durch das private Einfuhrmonopol ist eine grosse Reihe von Existenzen ständig schwer gefährdet, weil sie von einem Tag auf den andern und fortgesetzt mit dem Boykott bedroht sind. Solche unhaltbaren Zustände wären beim staatlichen Einfuhrmonopol nicht denkbar: es würde wenigstens den vornehmen Grundsatz des Art. 4 der Bundesverfassung verwirklichen, dass alle Schweizer vor dem Gesetze gleich sind und dass es in der Schweiz keine Vorrechte von Personen gibt. Unabhängig davon, wie für die Zukunft die Verhältnisse auf dem schweizerischen Benzinmarkt geordnet werden sollen, ob mit staatlichem Einfuhrmonopol oder mit Hilfe einer Wirtschaftskorporation, erlauben wir uns das Ersuchen zu stellen, 1. mitzuwirken, dass die Stätte verlassen, die ihnen nun durch Wochen eine zwar nicht sehr freundliche, aber immerhin eine Gaststätte gewesen war. Das Asyl, das Eberhard so rasch gefunden hatte, befand sich in einer ruhigen Seitenstrasse des Newskij-Prospektes, in einer Mietskaserne allerdings, die wenig Annehmlichkeiten bot. Aber Eberhard musste froh sein, diese beiden keineswegs besonders elegant möblierten Zimmer gefunden zu haben, wenigstens in dieser Schnelligkeit. Vermieterin war eine ältere Dame, deren Mann von Petersburg abwesend war, und die ihre Fünfzimmerwohnung nicht brauchte. Sie schien sehr höflich und zuvorkommend, Hess sich aber sofort die Pässe aushändigen; der Hausmeister hatte sie schon verlangt, ehe die neuen Mieter eingezogen waren. Eberhard sah ihn auf dem Korridor; der richtige, typische Petersburger Hausmeister, dem man die Beziehungen zur Polizei und zur Ochrana vom eckigen Gesicht ablesen konnte. Nun war die Frage: unternahm der Oberst etwas gegen sie oder nicht? Eberhard schlief sehr schlecht in dieser Nacht, trotz seiner am Abend zur Schau getragenen Zuversicht. 16. Es ereignete sich nichts. Die beiden Pässe kamen am anderen Tage wieder von der Polizei zurück, und von einer etwaigen Ueberwachung konnte Hatzberg nichts wahrnehmen. Er ging nach wie vor in die Putilow- innerhalb des Rahmens des Art. 1 des Bundesbeschlusses vom 23. Dezember 1931, in welchen nachträglich auch die Benzinkontingentierung einbezogen worden ist, die Einfuhr freigegeben wird. Dies allerdings gemäss den Weisungen des Volkswirtschaftsdepartementes und unter der Kontrolle der Zentralstelle für die Einfuhr flüssiger Brennstoffe. Auf diese Weise wird dem Volkswirtschaftsdepartement auch fernerhin die Zusammenfassung der Importe im Dienste des Exportes vollumfänglich ermöglicht sein; 2. dass der Art. 3 des Bundesratsbeschlusses Nr. 4 vom 6. Mai 1932, der bestimmt, dass nur den bisherigen Importeuren (d. h. denjenigen des Jahres 1931) Einfuhrkontingente erteilt werden sollen, aufgehoben wird. Die weitere Bestimmung dieses Art 3, gemäss welcher nach dem 30. Juni 1932 Einfuhrbewilligungen nur an die Zentralstelle hätten erteilt werden sollen, ist sowieso nie zur Anwendung gekommen. Aus «leim Ksan#«»n«»n Der Schlaf des Zürcher Einführungsgesetzes zum eidg. Automob'lgesetz, von welchem wir in einer letzten Nummer berichtet haben, wird wohl demnächst unterbrochen werden. Auf alle Fälle wird der Regierungsrat Gelegenheit haben, über die bisher geleisteten Vorarbeiten im Ratssaal Auskunft ia geben, da von Kantonsrat M. Gassmann folgende Interpellation einging: Der Regienmgsrat wird ersucht, Auskunft zu geben, aus welchen Gründen er es bis heute unterlassen hat, zum eidg Verkehrsgesetz die für dlon Kanton Zürich dem eidg. Gesetz entsprechende Verkehrsordnung zu erlassen, oder ein kantonales Einführuftgsgesetz vorzulegen. Die Anfrage erscheint um so gerechtfertigter, als manche andere Kantone es schon vor Monaten fertig gebracht haben, ihre Vorschriften den neuen eidg. Bestimmungen anzupassen und man seinerzeit, als die Regierung den Verkehrsverbänden nur eine Frist von 7 Tagen einräumte, um zur Vorlage Stellung zu nehmen, zur Annahme berechtigt war, dass das Gesetz spätestens auf den Nachsommer zur Abstimmung bereit sei. z. Von der rechtsufrigen Thunerseestrasse. Bekanntlich haben sich die Obligationäre der rechtsufrigen Thunerseebahn, in Missachtuns der in jener Gegend durchwegs vorherrschenden Stimmung für die Einführung des Omnibusverkehrs, für die weitere Beibehaltung des Strassenbahnbetriebes ausgesprochen. Vorläufig bleibt es allerdings beim frommen Wunsche, indem die Mittel für die Reorganisation des Strassenbahnunternehmens noch fehlen und sich wohl nur schwerlich Behörden oder Private finden, um in ein so aussichtslos gewordenes Unternehmen weiteres Geld zu stecken. Die Gemeinderäte von Thun und Steffis* bürg wollen nun die Frage, ob der Wsiterbetrieb der rechtsufrigen Thunerseebahn oder deren Ersatz durch einen Autobusbstrieb in Betracht gezogen werden solle, neuerdings durch eine Expertise beurteilen lassen. Wie erinnerlich, wurde bereits vor längerer Zeit ein Gutachten durch Verkehrsfachleute ausgearbeitet, welches sich zugunsten des \utobusverkehrs aussprach. Die in Frage stehenden Gemeinderäte scheinen aber noch nicht endgültig überzeugt zu sein oder dann dem Grundsatz zu huldigen «doppelt genäht hält besser». Wie wir erfahren, wurden die Herren Oftinger, alt Kursinspektor der Oberpostdirektion, und Dir. Amstutz der Solothurn- Bern-Bahn mit der Ausarbeitung Expertise betraut. N»91 dieser werke; von einem Argwohn gegen ihn war nichts zu spüren. Man Hess genau wie bisher die wichtigsten Dinge herumliegen; man sprach genau wie bisher in aller Offenheit von den Ereignissen auf den Kriegsschauplätzen, von den augenblicklichen wie von den bevorstehenden. Buturlin sah er nur höchst selten, da er ja in der Maschinengewehrabteilung nichts mehr zu tun hatte. Um so mehr war er überrascht, als ihm plötzlich eines Tages der «Mann mit der Brille», wie er eben aus der Kantine kam, entgegentrat und ihm zuraunte: «Geben Sie auf Ihre Aktentasche acht. Da ist etwas passiert!» Als Eberhard in seinen Arbeitsräum zurückkehrte, in dem ausser ihm noch mehrere Offiziere und Zivilingenieure arbeiteten, lag seine Aktentasche auf dem Platz, auf dem sie vorher gelegen hatte. Eberhard öffnete sie. Sie konnte nichts enthalten als ein paar Zeitungen, die er sich unterwegs gekauft hatte. Aber zwischen der «Nowoje Wremja» und dem «Figaro» lag auch noch etwas anderes: die Zeichnung eines neuen Geschützmodells von besonders weiter Tragkraft. Eberhard war gar nicht im Zweifel, was das bedeuten sollte. Der höchste Offizier in diesem Arbeitsraum, ein Oberstleutnant, der immer ausserordentlich liebenswürdig gegen den französischen Ingenieur gewesen war, trat eben zur Tür herein. (Fortsetzung folgt.)

flo 91 - 1933 Sportnachrichten Aktuelle Sportfragen. Die internationalen Rennen vom schweizerischen Blickpunkt aus. Die verschiedenen Unfälle die das günstige Gesamtergebnis der diesjährigen sportlichen Saison leicht überschatten, haben, wie man erwarten konnte, in weiten Kreisen viel Stäub aufgewirbelt. Nicht nur die Fachleute, sondern auch das breite Publikum, das vom Rennsport im allgemeinen nicht besonders viel versteht, beschäftigte sich mit der Angelegenheitj, Was ist zu tun, 'im solche bedauerlichen Unfälle in Zukunft möglichst ausschalten zu können? — das war die vieldiskutierte Frage, die neben der Fach- auch von der internationalen Tagespresse gestellt wurde. Wir haben in einer unserer letzten Nummern in dem Artikel « Angriffe gegen di3 neue Rennformel » die französischen Bestrebungen erwähnt, die darauf hinzielten, die Durchschnittsgeschwindigkeiten der Rennwagen durch Abschaffung des Kompressors, Limjtierung des Zylinderinhaltes, Wahl sehr schwieriger Rennstrecken usw. zu beschränken und. damit das Sicherheitsmoment zu erhöhen. Belgien, unterstützt von Frankreich, trat mit einem ähnlichen Vorschlag auch vor die Internationale Sportkommission, die kürzlich in Paris ihre traditionelle Herbsttagung abgehalten hat, ohne indessen die Zustimmung der übrigen Delegierten zu finden. Nach der Meinung der Sportkommission bedeutet eine Schnelligkeit von 200 km/St, an •und für sich für einen erfahrenen Rennfahrer noch keine unbedingte Gefahr. Die Unsicherheit entsteht erst, wenn die Rennstrecken nicht mehr die Gewähr für hohe Durchschnitte bieten. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass diese Auffassung der Sportkommission selbstverständlich nicht die allgemeine Zustimmung 5 findet. An Kritik hat es denn auch nicht gefehlt. Aus diesem Grunde mag es von Interesse sein, die Einstellung einzelner kompetenter Persönlichkeiten der ganzen Frage gegenüber kennenzulernen. Der schweizerische Delegierte in der Internationalen Sportkommission, Herr Jules Decrauzat, äusserte sich nach seiner Rückkehr von Paris einem Journalisten gegenüber zu diesem Thema und kam dabei zu Feststellungen, die auch unsere Leser interessieren dürften. Nach der Meinung des Präsidenten der N. S.K. des A. C. S. ist das ganze Problem äusserst heikel, da es in jeder Beziehung seine guten und schlechten Seiten hat. Das Verbot des Kompressors würde er als einen grossen Fehler empfinden, da dies nicht Fortschritt, sondern Rückschritt gleichkäme. Die Autorennen sind noch immer die besten Prüfungen aller autoteohnischen Neuerungen, und die auf den Pisten gemachten Erfahrungen wirken sich später wieder im Gebrauchswagenbau aus. Durch solche Verbote würde die Automobüteehnik sehr geschädigt. Bedeutend besser bewertet der schweizerische Sportpräsident den Vorschlag, die Rennen auf sehr schwierigen Rundstrecken auszutragen, da diese automatisch die Geschwindigkeiten reduzieren. Sie haben ferner den Vorteil, an die Wagen stärkste Anforderungen zu stellen und alle Bestandteile gleichzeitig einer grossen Belastung zu unterziehen. Die Konstrukteure haben am besten auf schwierigen Strecken die Möglichkeit, Neuerungen auf die Leistungsfähigkeit zu erproben. In der Praxis wird es aber kaum möglich sein, viele Rennen auf solchen ausgesprochen schwierigen Bahnen durchzuführen. Höchstens die paar europäischen Grands Prix — der von Monaco zum vorneherein ausgenommen — die die Pisten wechseln, kämen hier in Betracht, während selbstverständlich Rennen, wie die Coppa Acerbo, die Grossen Preise von Marseille, Nizza, der Marne, von Spa, der Eifel usw. an den Grt ohne weiteres gebunden sind, oder dann eben nicht mehr oder nur äusserst schwer ausgetragen werden könnten. Herr Decrauzat schlägt seinerseits eine Lösung vor, die in der Rennformel der nächsten Jahre schon inbegriffen ist. Nach seiner Auffassung bieten Rennen von sehr langer Dauer die grösste Garantie für beschränkte Geschwindigkeiten. Während bei Veranstaltungen, die nur über eine relativ kurze Sirecke führen, die Fahrer die Maschinen bewusst forcieren, sind sie bei Langstreckenrennen notwendigerweise zu einer mehr oder weniger verhaltenen Fahrweise gezwungen, um die Maschine nicht zu früh zuschanden zu hetzen. Die neue Rennformel, die eine Rennlänge von 500 km fordert, wird die Piloten automatisch von übertriebenen Durchschnitten abhalten. Den besten Beweis für diese Feststellungen haben die Rennen von Monza vom 10. Setember geleistet, wo sich während des ganzen Grossen Preises von Italien, der über 500 kro führte, kein Unfall ereignete, während bei den sehr kurzen und darum übertrieben schnellen Läufen um den Grossen Preis von Monza drei Fahrer tödlich verunglückten. Die nächste Saison wird, nach der Voraussage des Präsidenten der nationalen Sportkommission, ganz ausserordentlich lebhaft werden und zahlreiche interessante Rennen bringen. Die Rückkehr mehrerer Firmen zum Autosport wertet er als ein äusserst günstiges Zeichen. Wie Herr Decrauzat erzählte, war es bei der Aufstellung des internationalen Sportkalenders kein leichtes, die Kollision wichtiger ausländischer Rennen mit dem Klausen und dem Grossen Preis der Schweiz zu verhindern. Der Grosse Preis von Luxembourg und der Grosse Sommerpreis von Schweden bilden nach seiner Meinung keine ernsthafte Konkurrenz für den Klausen; auch das nur unter Umständen stattfindende Stilfserjoch- Rennen und der Grosse Preis von Comminges dürften keine gefährliche Bedrohung des Grossen Preises der Schweiz darstellen. Im übrigen sei noch vermerkt, dass der Präsident der N. S. K., der sich bekanntlich um die internationale Alpenfahrt sehr bemüht hat, in Anerkennung seiner Leistungen von den diesjährigen organisierenden nationalen Automobilclubs eine prächtige Dhrenkette erhalten hat. Diese Würdigung ist nicht nur für ihn selbst, sondern auch für den ganzen schweizerischen Autosport eine schöne Ehrung, bo. Sitzung der Nationalen Sportkommission. Die Nationale Sportkommission wird am nächsten Dienstag den 7. November in Bern unter dem Präsidium von Herrn Decrauzat zu einer Sitzung zusammentreten. Der Bericht über die Tagung der Internationalen Sportkommission in Paris und die Besprechung der Saison 1934 werden die Haupttraktanden der Verhandlungen bilden. x. AUTOMOBIL-REVUE Um den Grossen Preis der Schweiz. Die Vorarbeiten für den Grossen Preis der Schweiz machen vielversprechende Fortschritte. Die grösste Aufgabe, die noch der endgültigen Lösung harrt, ist die Finanzierung des Streckenausbaues und der grossen Organisationsarbeiten. Nachdem bekanntlich die Stadt Bern vor kurzem beschlossen hat, sich finanziell an der Rundstrecken-AG, zu beteiligen, hat nun auch der Verkehrsverein der Stadt Bern in einer vor wenigen • auf schneeiind eisbedeckten Strassen Der Diesel-Rennwagen des Engländers Eyston während der Rekordfahrt auf der stark verregneten Brooklandsbahn. Eyston erreichte bekanntlich die Welt-Bestzeit für Diesel-Rennwagen mit dem Mittel von 164,12 km/St Tagen abgehaltenen Sitzung sich dazu bereit erklärt, sich mit Fr. 2000.— einen Anteil am Aktienkapital zu sichern. mb. Neuer Weltrekord über die stehende Meile. Kaum dass es Rüesch gelungen ist, einen neuen Weltrekord über den stehenden Kilometer aufzustellen, kommt auch schon aus England die Meldung von einem neuen Weltrekord über die stehende Meile. Dem bekannten Fahrer John Cobb gelang es mit seinem 500pferdigen Napier-Railton, der seinerzeit viel Aufsehen erregt hat, die Meile mit stehendem Start auf der Brooklandsbahn mit dem Durchschnitt von 164,95 km/St, zurückzulegen. Den alten Rekord hielt sein Landsmann Kaye Don (Sunbeam) mit 162,13 km/St. Die neue Welt-Bestzeit über den stehenden Kilometer konnte Cobb nicht schlagen, da er Schneereifen bestens bewährt J^uslaincl Startsicher - Bremssicher - Unverwüstlich Lastwae«: 6.00 — 2O • Personenwagen: 4.75 — 17 Type Aero 7.50 — 17 6.25 — 17 32 X 6 / 7,28 — 20 extnt 5.60 — IS H h 84 x 7 extra 6.00 - 18 „ „ 40 x 8 „ 6.00-20 „ „ 9.75 — 20 _ I*»t wagen: 32 x 6 1 /, / 7.50 — 20 ext» 8.75 — 20 extra Continental Caoutchouc Co. A.G. Genf Zürich Sf»€»»t im inen Lieferbare Abmessungen: St. Gallen einen Durchschnitt von 141,817 km erreichte, während Rüesch das Mittel von 142,349 km/St, erzielte. Neue Rekorde In Montlhery. Der englische Fahrer Jamisson stellte auf der Bahn von Montlhery auf einem Austin 750 oc. einen neuen internat. Rekord über 50 km mit der Zeit von 16 Min. 25 Sek. 72/100 auf (Stundenmittel 182,6 km/St.). x. Die Seuderia Ferrari ist jetzt schon eifrig mit Vorbereitungen auf die kommende Saison hin beschäftigt, und wird nicht nur verschiedene bedeutende Fahrer, sondern ebenfalls erstklassige technische Fachleute für den Rennwagenbau um sich versammeln. Ferrari hat kürzlich die beiden sehr erfahrenen Techniker Bazzi und Marinoni — der letztere ist auch als Rennfahrer gut bekannt — für 1934 engagiert. Beide gelten als Grossen in ihrem Fach und haben lange im Dienste Alfa Romeos gestanden. x. Um Caracclola. Wie wir vernehmen, soll Caracciola, der von seinem schweren Unfall in Monte Carlo hergestellt ist. in den letzten Tagen bei Professor Putti in Bologna seine Krankheitsentlassung geholt haben. Der Fahrer gibt wohl zu, dass er von Mercedes Angebote zum Eintritt in die nächstjährige Equipe der Untertürkheimer Firma erhalten hat, doch scheinen noch keinerlei bestimmte Abmachungen getroffen worden zu sein. Unter Umständen denkt Caracciola auch an eine neue Equipenformation mit Chiron im Jahre 1934. x. Grosser Preis der Marne 1934. Das in der Nähe von Reims jedes Jahr stattfindende Rennen um den Grossen Preis der Marne ist in den letzten Jahren neben dem Grand Prix von Frankreich zum bedeutendsten französischen Rundstreckenrennen geworden. Der sorgfältige Ausbau der Strecke vor einem Jahr hat noch dazu beigetragen, die Wichtigkeit dieser Veranstaltung zu erhöhen. Schon jetzt werden die ersten Vorarbeiten für 1934 in Angriff genommen, dabei werden auch die ausgesetzten Preise bekannt, die ganz aussergewöhnlich hoch sind. Das Rennen wird mit 235,000 franz. Fr. dotiert sein, und der Sieger erhält 100,000 franz. Fr., der Zweite 50,000, der Dritte 25,000, der Vierte 15,000 usw. Diese Zahlen dürften einen eigentlichen Rekord darstellen und gleichzeitig auch den Organisatoren der nächstjährigen grossen Schweizerrennen vor Augen halten, wie sehr man sich im Ausland Mühe gibt, mit guten Preisen die Rennfahrer anzuziehen, mb. Umbau der Berliner Avus? Wie verlautet, beschäftigt sich die Verwaltung der Berliner Avusbahn mit sehr weitreichenden Umbauplänen. Unter anderm soll eine neue Pressetribüne errichtet werden, die bessere Sichtmöglichkeiten bietet, während die bisherige Pressetribüne für andere Zuschauer zugängig gemacht werden soll. Weiter liegen auch Pläne für eine Verbreiterung der Avus vor, da sich bereits beim letzten Rennen gezeigt hat, dass mit zunehmender Geschwindigkeit der Wagen die Rennstrasse nicht mehr breit genug ist. Allerdings dürften die letzteren Pläne noch nicht sobald zur Ausführung kommen, da die Kosten so erheblich sind, dass die Aufbringung der Mittel Schwierigkeiten bereitet. Bei kommenden Rennen soll eine Beschränkung der Zahl der Teilnehmer eintreten, um die Gefahrenmomente auf ein Minimum zu beschränken.