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E_1934_Zeitung_Nr.012

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lössten Häuptern

lössten Häuptern warfen wir die Flaggen Norwegens, der Vereinigten Staaten und Italiens ab. Dann gaben wir Vollgas und flogen in Richtung auf das 2500 km entfernte Kap Barrow. Das unbekannte Gebiet unter uns war dreiviertel so gross wie die Vereinigten Staaten. Stunde um Stunde verging. Wir sahen nichts als die ewig gleiche glitzernde Eisfläche, stellenweise von Wind und Strömung getürmte Stauwälle oder offene Waken. Sie liefen alle in ostwestlicher Richtung, quer zu unserem Kurs. 5Yi Stunden nach dem Abflug vom Nordpol waren wir am ,Eispol', dem besonders schwer zugänglichen Kernpunkt des arktischen Packeises. Er liegt beim 86. Breiten- und 157. westlichen Längengrad. Unter uns lag ein Trümmerfeld, das aussah, als hätten sich dort Titanen mit Eisblöcken bekriegt. Wir sahen hinab und waren uns darüber einig, dass dieses Gebiet nur auf dem Luftwege zugänglich sei. Bisher hatten wir den halben Weg von der Königsbucht bis Point Barrow zurückgelegt. Von unseren sieben Tonnen Treibstoff waren nur zwei verbraucht. Hier sahen wir auch wieder das erste Lebenszeichen: ein Eisbär setzte über eine grosse Scholle hinweg. Dann tauchten wir in dichten Nebel, Wind und feuchtes Schneegestöber. Eis legte sich auf unsere Antenne und stoppte den Kraftspender des Senders, unsere Verbindung mit Alaska war unterbrochen. Die letzte Wetternachricht von dort hatte ein Tief über der Beringstrasse angekündigt. Nun hatte sich auch am Bug der ,Norge' ein Eisbelag gebildet. Das konnte gefährlich werden, denn das Eis beschwerte die Spitze und beschädigte die Hülle. Wir brachten als Gegengewicht das Benzin vom Bug zum hinteren Tank und schickten die ganze Besatzung ans Achterende. Die grösste Gefahr waren die Eissplitter, die der Luftwirbel der Propeller von den Seitenwänden losriss und gegen die Hülle schleuderte. Ein absonderlicher Eisklotz bildete sich am Sonnenkompass, stoppte das Uhrwerk und machte das Instrument für den Rest der Fahrt unbrauchbar. Eine Beobachtung ergab zu unserer Ueberraschung am 13. Mai, 4 Uhr morgens, dass wir richtigen Kurs hatten, obwohl seit der letzten Längenbeobachtung 12 Stunden vergangen waren. Wir flogen in Richtung Nord—Süd und näherten uns der Küste von Alaska nur etwa 36 km westlich von Point Barrow. Zwei Stunden später sichteten wir Land voraus. Nach 48stündiger Fahrt waren wir an der Küste. Das Land war flach, von Schnee bedeckt, die denkbar trostloseste Gegend, aber es war Land, und das genügte uns. Wir folgten der Küste, kamen in Nebel und mussten der Sicht wegen immer tiefer gehen. Das Wetter wurde so schlecht, dass wir am Ende überhaupt nichts mehr sahen. Nur manchmal kamen durch einen Riss in den Wolken die Spitzen der De-Long-Berge zum Vorschein. Das reichte aber bei weitem nicht aus, um sich über die Fahrtrichtung klar zu werden. Als wir nach unserer Annahme weit genug südlich sein mussten, versuchten wir unter die Nebelschicht zu kommen. Erst bei 100 m konnten wir sehen, was unter uns war: Treibeis. Das sagte gar nichts. In diesem Augenblick ging unsere Funkanlage wieder; wir fingen einen starken Anruf auf. Er schien von Nome zu kommen und gab uns eine Position nördlich der Diomedesinsel. Nun konnten wir Kurs auf Kap Prince-of-Wales nehmen. Bald danach erkannten wir unter uns offenes Wasser. Das machte uns bedenklich. Vielleicht waren wir schon südlich der Beringstrasse. Dann musste der Kurs uns zu den Aleuteninseln führen. Als die Sonne wieder herauskam, wollten wir die Breite feststellen, aber wir konnten uns drehen und wenden, "wie wir wollten, immer verdeckte der Rumpf unseres Luftschiffs die Sonne. Es blieb uns nichts übrig, als auf den Rücken des Rumpfes zu klettern. Wir massen 67 ° 30', gingen durch die Wolkenschicht nach unten und waren nun wieder über Land. Der Kotzebuesund war schon überflogen, der Nordwind hatte uns etwas abgetrieben. Wir hielten uns westlich der Küste zu, bekamen auch wieder Verbindung mit der Station Nome und erhielten von ihr unsere genaue Position. Am 14. Mai, 3 Uhr 30 Minuten morgens, flogen wir um das Kap Prince-of-Wales und landeten sicher bei Teller, einer kleinen Handelsniederlassung nordwestlich von Nome. Der Eisbelag auf den Wandungen der ,Norge' wog eine Tonne.» Die Polarflüge folgten in den nächsten Jahren Schlag auf Schlag. Gleichzeitig mit Amundsen flog Hubert Wilkins von der entgegengesetzten Seite, von Point Barrow, über das Polarbecken. Er traf im Laufe des Jahres 1926 seine Vorbereitungen und brachte Ausrüstung und Verpflegung selbst mit bewundernswerter Ausdauer im Flugzeug von Fairbanks über das gewaltige Endicottgebirge nach Point Barrow. Im Jahre 1927 machte er zwei Flüge übers Polarmeer. Am 29. März flog er in weniger als 5^ Stunden 875 km weit nach Nordwesten und landete beim 77. Breitengrad auf dam Packeis. Er mass mit dem Echolot eine Meerestiefe von 5440 m, die grösste, die bisher im Polarbecken festgestellt worden ist. Im Jahre 1928 unternahm er den Hauptflug, diesmal nach Nordosten. Er legte in 20 Stunden am 15./16. April ohne Zwischenlandung die Strecke von Point Barrow über die nördlichen Küstengewässer Grönlands nach Spitzbergen zurück. Diese fliegerische Meisterleistung ist noch nicht wieder erreicht. Das Jahr 1928 ist auch durch das traurige Schicksal der «Italia» denkwürdig. Die «Italia», ein Luftschiff der gleichen Bauart wie die «Norge», nur etwas grösser, war General Nobile von seiner Regierung zur Verfügung gestellt. Nobile steuerte sie selbst von Rom nach Spitzbergen und unternahm von dort aus zwei grosse Flüge. Der erste am 15. Mai hatte die Severnaja Semlja nördlich vom Kap Tscheljuskin zum Ziel. Nobile fuhr nördlich von Franz-Joseph-Land nach Osten, kam aber wegen schlechten Wetters nicht bis zur Severnaja Semlja, deren Westküste er erkunden wollte. Auf der Rückfahrt verschlug ihn der Sturm bis Nowaja Semlja, von dort kam er aber glücklich nach Spitzbergen zurück. Am 23. Mai trat er den Nordpolflug über Kap Bridgman an der Nordküste Grönlands an. Er überflog auf diesem Weg unbekanntes Gebiet. Die «Italia» war schon auf dem Rückweg vom Nordpol, Spitzbergen war schon fast in Sicht, da geschah das Unglück. Eine Störung am Höhensteuer oder ein Leck in einem Gasbehälter muss schuld gewesen sein, dass sie plötzlich niederging und auf das Packeis aufschlug. Franz Behounek, ein Mitglied des Forscherstabes, schildert den Vorgang so: «Ich sah hinaus und beobachtete, dass die .Italia' mit dem Achterende voran abfiel. Mir war unheimlich zumute. Das Eis schien auf uns einzuströmen, und während es immer näher kam, verwandelte sich seine Oberfläche, die von oben so glatt erschienen war, in ein Chaos wild durcheinander geworfener Blöcke. Stellenweise war das Eis von offenen Wasserrinnen unterbrochen. Ich zog den Kopf zurück und schloss die Augen in der Ueberzeugung: nun ist alles vorbei. Ich spürte einen Stoss und gleich darauf einen zweiten. Die Gondel bohrte sich mit unheimlichem Krachen in den Schnee und zersplitterte. Ich arbeitete mich mit der Kraft der Verzweiflung aus dem Schnee heraus. Mein erster Blick galt dem davonfliegenden Luftschiff. Es sah sonderbar aus. Die Kommandogondel und die eine Motorengondel waren weg. Von der anderen Motorenbrücke AUTOMOBIL-REVUE 1934 — N° 12 blickte Urduino auf uns herab. So entschwebte die .Italia' mit sechs Kameraden an Bord int Nebel nach Osten.» Die auf dem Eis Zurückgebliebenen vermochten einen drahtlosen Sender instand zu setzen und funkten in die Welt hinaus. Russen, Schweden, Finnen, Norweger und Franzosen eilten ihnen im Flugzeug zu Hilfe, aber nur der starke russische Eisbrecher «Krassin» kam an Ort und Stelle. Die Schiffbrüchigen hatten die Zeit vom 25. Mai bis zum 12. Juli auf einer Eisscholle zugebracht. Der junge schwedische Gelehrte Finn Malmgreen hatte inzwischen bei einem Versuch, trotz schwerer Verletzungen Hilfe vom Land zu holen, den Tod gefunden. Das Wrack der «Italia» und die sechs Mann, die noch an Bord waren, blieben, trotz aller Nachforschungen in den Jahren 1928/29, spurlos verschwunden. Die sprechende Uhr. Von Ueber-Erfindern hört man, dass sie eine Maschine bauen könnten, die auf Wunsch die Zeitung vorliest. Eine Vorstufe zu dieser beglückenden Tat ist die sprechende Uhr, die jetzt am Observatorium zu Paris in Betrieb genommen ist. Wenn ein Telephonabonnent wissen will, wie spät es ist, wählt er < Zeitansage » und erhält darauf die erbetene Auskunft: 18 Uhr, 27 Minuten, 10 Sekunden — bei voller Minute noch ein dreifaches Glockenzeichen für die 58., 59 und 60. Sekunde. Der technische Aufbau der sprechenden Uhr ist sehr interessant. Auf einer grossen Trommel befindet sich ein Tonfilm, auf den 24-Stunden-, 60-Minuten- und 60-Sekunden- Ansagen aufgesprochen sind. Alle drei Ansagen werden von je einem Lichtstrahl abgetastet und über eine Photozelle im Lautsprecher hörbar gemacht. Die Trommel wird von einer astronomischen Uhr in Gang gehalten und beginnt zu « sprechen », sobald ein Teilnehmer sie anruft. Die jeweilige Stellung der Filmtrommel entspricht auf Sekunden genau der Ortszeit. Ein König sucht eine Frau. In Albanien regiert bekanntlich König Zogu, und König Zogu möchte gern heiraten. Er möchte eine Frau haben, die schön und reich ist und einer recht alten Familie entstammt. Man sieht, der König von Albanien ist ein sachlich-praktischer Mann, und das erweist vollends die Art, wie er sich auf die Freite begibt. Er sucht nämlich nicht selbst, sondern er hat seinen Vertrauten, Catin-Pascal Seraci beauftragt, nach Amerika zu fahren und dort eine Liste von Frauen zusammenzustellen, welche die drei genannten Bedingungen erfüllen und demnach würdig sind, mit ihm den Thron zu teilen. Zurzeit befindet sich Herr Seraci bereits auf der Rückreise von Amerika nach Albanien. Es wird versichert, dass er mit einem mächtigen Album heimkehrt, das eine Reihe verführerischer Photographien enthält, nebst Angaben über Vermögen, Lebenslauf und Familie dieser Schönheiten. Nun hat König Zogu die schwere Qual der Wahl... Technik, wie sie nicht sein soll! Nicht jeder technische Fortschritt erregt Bewunderung. So liest man mit gemischten Gefühlen, dass in den Turm der Magdalenakirche in Amsterdam eine Lautsprecheranlage eingebaut wurde, von der Glockengeläut und Glockenspiel in höchster Vollendung nach Schallplattenaufnahmen gesendet werden. Es stimmt: Untergang des Abendlandes! Mit dem Schiffbruch der «Italia» sind die eigentlichen Polflüge vorläufig abgeschlossen. Seitdem ist der Streckenflug in den Vordergrund gerückt. Bis jetzt ist es aber nur dem Deutschen Wolfgang von Gronau gelungen, von Deutschland über Norwegen, Island, Ostgrönland und Labrador nach New York zu fliegen. — Das deutsche Luftschiff «Graf Zeppelin» flog im Sommer 1931 über Nowaja Semlja zu den ostsibirischen Inseln. Beim heutigen Stande der Technik können Flugzeuge und Luftschiffe nicht ohne schwerste Gefahr auf dem Eise landen. Daher kann die Luftfahrt zwar der vorläufigen Erkundung weiter unbekannter Gebiete dienen, aber für die eigentliche Forschungsarbeit bedarf es nach wie vor der alten Fortbewegungsmittel: Schiff und Schlitten. Der Tagesfilm Das schönste Ohr. Während der letzten zwölf Jahre sind In aller Welt viele Schönheitsköniginnen gekürt worden. Man hat «schönste Rücken» und «schönste Beine» preisgekrönt. Dieser Tage aber entschied in Paris ein Komitee von Kennern, im Auftrage einer Zeitschrift und eines Damenklubs, über das schönste Ohr. Die Jury bestand aus einem Maler, einem Musiker, einem Theaterdichter, einem Anatomen, einem Juwelier und drei Herren der eleganten Gesellschaft. Es wurden viele Preise verteilt; das schönste Ohr aber erhielt das schönste Paar Ohrringe, das zurzeit in Paris aufzutreiben war. Sie sind noch immer der Stolz unserer «Kultur», diese — Viehprämiierungen! Spargeld verwandelt sich fn Tokaier. In Ungarn gibt es ein Städtchen Somogymegy; dies Städtchen hat eine sparsame Bevölkerung und eine Sparkasse. Aber schoi*** seit drei Jahren zahlt 'diese Sparkasse nicht mehr aus, und die sparsamen Bürger können trotz aller Bemühungen nicht wieder zu ihrem Gelde kommen. Die schuldigen Sparkassen- Funktionäre sind festgesetzt; aber dadurch ist das verschleuderte Geld nicht wieder zurückgekehrt. Zahlungsaufträge und Pfändungsbeschlüsse blieben erfolglos. Jetzt aber will die Stadtverwaltung mit den Sparkasseneinlegern ins Reine kommen, und da sie zwar in ihren Kassen kein Geld, aber in ihren Kellern viele Fässer edlen Tokaierweins hat, so spricht sie mit Goethe: «Euch soll sogleich Tokaier fHessen!» Wer 60 Prozent seiner Forderungen nachlässt, der bekommt die restlichen 40 Prozent in echtem Tokaierwein ausgezahlt. Sicherlich ist Tokaierwein besser als gar nichts. Und so werden die Somogymegyer wenigstens die Genugtuung haben, dass ihr Katzenjammer nicht nur vom Verlust ihrer Gelder, sondern gleich*- zeitig vom Genuss des Tokaiers stammt Bitte nachrechnen! Wenn man in der Reihe der Zahlen von I' bis 8 die 6 durchstreicht, dann sind die Summen der Zahlen zu beiden Seiten der durchgestrichenen 6 ©inander gleich — mit andern Worten: die Summe der Zahlen von 1 bis 5 ist gleich der Summe von 7 und 8. Bitte rechnen Sie nach! Ein französischer Mathematiker mit viel Zeit und wenig Sorgen hat jetzt festgestellt, dass man das gleiche Ergebnis erhalten kann, wenn man in der Reihe der Zahlen von 1 bis 1940 449 die Zahl 1 372105 streicht — mit andern Worten : die Summe der Zahlen von 1 bis 1372 104 ist gleich der Summe der Zahlen von 1372106 bis 1 040 449. Bitte rechnen Sie nach ! immeinacri Erst wenn Sie eine Rasierklinge vieroder fünfmal gebraucht haben, wissen Sie, was sie wert ist. Je besser sie dann mit dem Bart noch fertig wird, desto vorteilhafter ist sie im Gebrauch, Machen Sie einmal folgenden Versucht Sie rasieren sich am ersten Tag mit der Maog-Klinge, am zweiten mit einer andern, am dritten wiederum mit der Maag-Klinge usw.j Sie werden dann selber feststellen, wie cussergewöhnlieh lange die Maag-Klingen scharf bleiben. Sie erhalten Maag-Klingen, dio in Sat Schweiz hergestellt werden, in allen grösseren einschlägigen Geschäften. Hch. 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No 12 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE 15 Schaufensterspaziergänge sind die geheime Leidenschaft der Damen und der stille Kummer der sie begleitenden — Männer. Nur ein geringer Prozentsatz der Frauen geht im wahren Sinne des Wortes einkaufen, um mit Paketen voll beladen heimzukommen. Die Mehrzahl wandert sehnsuchtsvoll von Schaufenster zu Schaufenster, um mit Kennerblikken zu betrachten, was die letzten Tage und Wochen gebracht haben. Was haben sie also wirklich gebracht? Zählen wir ganz zufällig auf! Vor allem einen entzückenden Regenschirm aus dünnstem, wasserundurchlässigem Gewebe, dem englischen Oilskin, jenem Material, aus dem unsere Gummimäntel gearbeitet waren. Ein Regenschirm aus dunkelbrauner Oelhaut mit Griff aus poliertem braunen Holz. Elegant und dabei durchaus logisch, so dass man sich unwillkürlich fragen muss, weshalb man die Regenschirme nicht schon längst aus gerade diesem Material angefertigt hat. Ein Jäckchen aus platinfarbenem Seehund, dessen Anschrift verkündet, dass es sich da um ein ganz neuartiges Fell handelt. Im Aussehen etwa einem gröberen Breitschwanzpelz ähnlich und durchaus nicht kostspielig. Die kurze Jacke kann offen getragen werden und besitzt ausserdem noch eine kleine Pelzweste, so dass sie als Wärmespender unerreichbar sein wird. Geradezu märchenhaft wirkt die Goldgarnitur zum Abendkleid: lange, goldene Handschuhe aus ganz dünnem Ciregewebe, die r Verein gute Schriften in Bern, Distel weg 15, hat seine vor 1930 erschienene Literatur Im Preise so angesetzt, dass fast iedes Bändchen nur noch 20 Rp. kostet, einige ganz grosse 50 Rp. Wer für wenig Geld ein gutes Buch erwerben will, wende sich an obige Adresse um Gratiszustellung des Verzeichnisses. der Strasse. — Auch die Hauskleidung soll im Winter einen grösseren Wärmeschutz bieten als im Sommer. Zwar temperieren wir die Wohnräume im Winter auf eine der heurigen Saison besonders smart zu ma-Sommerwärmchen. Ein Gürtel aus weinrotem Lack war Lufttemperatur, in ihrer Wirkung auf den annähernd entsprechende mit zwei in verschiedenartiger Richtung eingehakten Nägeln aus lackiertem Leder geler, insbesondere da die im Winter kälteren Körper sind die Räume aber trotzdem kühschlossen und als Gegenstück dazu wurde Wände einen grösseren Wärmeverlust durch ein flaches Krägelchen aus dem gleichen Leder getragen, das ebenfalls mittels zweier Das Massgebende für den Wärmeschutz Strahlung bedingen. Nägel am Kleide befestigt war. Dieses Kleid einer Kleidung ist ihr Luftgehalt, da die Luft war aus grauem Tweed gearbeitet und hatte ein schlechterer Wärmeleiter ist als die Kleiderfasern. Ein höherer Wärmeschutz wird mässigrote Schinkenärmel. Der ganze Hintergrund dieses Schaufensters war aus Kleidern gebildet: Da war ei- lockeren, leichten Geweben als durch ein deshalb eher erzielt durch Bekleidung mit nes aus schmutzigweissem, steifem Moire, für vermehrtes Auflegen dichter Stoffe. Die Wahl den Abend, mit ganz schmalen Achselbändern und einer enorm grossen flachen Schleife währt den Vorteil, dass das Gewicht der derartiger lockerer Iufthaltiger Stoffe ge- aus schwarzem Seidensamt, die nahezu das Winterkleidung trotz der nötigen zunehmenden Dicke nicht übermässig erhöht wird. ganze Vorderteil des Kleides bedeckte, während der Gürtel hinten zu einer Schleife mit Dieses Prinzip gilt sowohl für die Oberkleidung wie für die Unterkleidung. Wenn beim langfallenden Enden gebunden war. Sehr elegant und neuartig dabei das Abendjäckchen aus Samt mit Kapuze, deren Rand oder aus leichten Baumwollstoffen nicht ge- Mann das gewohnte Oberhemd aus Leinen mit einem dünnen Draht versteift war. Bei gen ein dickeres vertauscht, sondern durch ungünstigem Wetter schützt diese über den ein Unterziehhemd ergänzt wird, so erfüllt Kopf gehobene Kapuze die Frisur, ohne sie dieses Vorgehen nicht völlig seine Absicht. überhaupt zu berühren. Eine weitere wesentliche Eigenschaft der Eine runde, steife, tief über die Schultern Kleidung ist ihre Lüftbarkeit. Die Wärmeabgabe des Körpers erfolgt ja zu einem gros- fallende Pellerine aus dicht nebeneinander gereihten, gestärkten weissen Litzen, die am sen Teil durch Wasserverdunstung. Es ist Halse mit grossen, dreieckigen Knöpfen aus Aufgabe der Kleidung, diese zu ermöglichen. weissem Holz verschlossen war, gehörte zu ohne dass eine Schweissbildung oder eine einem graugrünen Velvetkleid mit engem, Durchfeuchtung der Kleidung eintreten kann. bis zu den Knöcheln reichendem Rock. Die Kleidung schafft normalerweise für den Charakteristisch für das weisse Satinkleid waren komplizierte Achselbänder aus me und relativ trockene Atmosphäre. Damit Körper eine als behaglich empfundene war- Perlen und Metall, zu denen passende Armbänder getragen wurden. Eine Garnitur, die halten werden kann, muss ein ständiger Luft- diese Beschaffenheit der Kleiderluft aber er- einer Märchenprinzessin würdig wäre, aber wechsel innerhalb der Kleidung erfolgen weder theatralisch noch aufdringlich wirkt können. Diese Lüftbarkeit ist vor allem durch die Kombination mit dem grauen Metall. eine Ueberwärmung des Körpers vermieden wichtig bei der Sommerkleidung, bei der Wir wollen jetzt Abschied nehmen von unseren Schaufenstern, in denen wir in der dung ist sie nicht zu vernachlässigen. Wenn werden soll. Doch auch bei der Winterklei- nächsten Woche wieder eine reiche Auswahl für die Strassenkleidung bei kaltem Wetter Schaufenster-Bummelei Handflächen aus weichem, beigefarbenem Glaceleder, Halskette und Armband aus steifen, dicken Goldborten. Und diese Litzen sind mit vergoldeten Holzkorallen montiert, das Halsband ist dreireihig und fällt bis aufs Schlüsselbein. Das sechsreihige Armband besitzt eine Schliesse aus vergoldetem, geschnitztem Holz. Ergänzt wird die Garnitur durch ein Handtäschchen aus grossschuppigem Goldflitter. Luxuriös, von geradezu interessanter Neuheiten zu finden hoffen. orientalischer Pracht. Welch erregende Freude, diese Schaufenster- Dann sieht man die verschiedensten Gürtel, aus flauschiger Harraswolle, die Bummel ! wie stacheliges Rosshaar wirkt und aus Goldoder Silberfaden geflochten ist. In allen erdenklichen Farben, meist mit grossen, viereckigen Metallschliessen. Zum Woll- oder Jerseykleid bestimmt. Monogramme gab es schon im Sommer, jetzt sieht man plastische Lederbuchstaben und Monogramme in allen Farben, die auf Sportkleider appliziert werden, und Glasmonogramme, besser gesagt Monogramme aus einer unzerbrechlichen, glasähnlichen Masse, die als Gürtelschliesse getragen werden und zu denen als Garnitur gleiche Ringe in Chromium gehören. Selbstredend ebenfalls in allen Farben. Diese Monogramm- Schliessen sind so gearbeitet, dass sie ohne den Gürtel an Schnur oder Kette als Collier getragen werden können. In das Gebiet der Ketten gehören auch die reizenden, grossen, über die Schultern fallenden Kragen aus unzähligen feinen Kettchen oder Schuppengliedern zusammengesetzt, so ähnlich wie einst die vielgeliebten Silbertäschchen waren. Zu den Kragen gehören natürlich auch Manschetten, breite Gürtel und sogar Einsätze in Schuhe. Der Eindruck ist ebenso solid als leicht, der Kragen bildet schöne, graziöse Falten. Zu einem dun- kelbraunen Nachmittagskleid aus Sammet wirkten dieser Kragen und die Manschetten ausnehmend schön und originell. Vollendet schön sind auch die Handschuhe aus grünem, kanavaartig gewebtem Wolltrikotin, deren Handfläche und Finger aus zartem, grüngefärbtem Rehleder bestehen und -die auf zwei braune Holzknöpfe geknöpft werden. Spangen, Klipse und Nägel, Klötzchen und Haken haben die Bestimmung, die Gürtel der Billige Lektüre BDBBB SEITE CD Dl DDP UPC tm Die Hygiene der Winterkleidung Im Winter treten die verschiedenen Aufgaben, die die Kleidung zu erfüllen hat, vollständig zurück hinter diejenige des Wärmeschutzes. Im unbekleideten Zustand — so liest man in der deutschen «Umschau» — ist der Mensch an eine Lufttemperatur von ungefähr 30° C angepasst; er ist also gezwungen, sich künstlich klimatische Verhältnisse durch Wohnung und Kleidung zu beschaffen. In einer einmal gewählten Kleidung vermag sich der Körper auf Temperaturdifferenzen von etwa 12 Grad einzustellen; bei darüber hinausgehenden Temperaturschwankungen ist ein Wechsel der Bekleidung erforderlich. Die Kleidung muss sich also dem Lauf der Jahreszeiten anpassen. Diese Anpassung erfolgte in den letzten Jahren zweifellos stärker als früher, und im wesentlichen dadurch, dass die frühere recht schwere Sommerkleidung durch leichtere ersetzt wurde. Es muss davor gewarnt werden, nun in den entgegengesetzten Fehler zu fallen und diese leichte Kleidung auch im Winter ohne die notwendige Anpassung an die kalteren Temperaturen zu tragen. Einem ärztlichen Rat zu einer wärmeren Kleidung wird aber oft entgegengehalten, dass diese dem Ziel einer Abhärtung des Körpers widerspreche. So hoch der Einfluss der Abhärtung für die körperliche Gesundheit auch einzuschätzen ist, so falsch ist es zweifellos, eine Abhärtungskur mit Hilfe einer ungenügenden Strassenkleidung durchführen zu wollen. Es ist nicht einzusehen, weshalb etwa bei den Frauen gerade die Haut der Beine abgehärtet werden sollte. Es wäre aber falsch, allein die Auswüchse der Mode für die Unzulänglichkeit der win- fach ist, so bestehen Schwierigkeiten bei der Bekleidung der Beine, insbesondere der weiblichen Bevölkerung. Am zweckmässigsten wäre das Anlegen von Gamaschen auf der Pelz mit über 95% Luftgehalt den besten Wärmeschutz abgibt, so kann er anderseits infolge seiner Undurchlässigkeit für Wasserdampf unzweckmässig werden, sobald bei einer stärkeren körperlichen Arbeit die Wärmeproduktion des Körpers erhöht wird. Die Strassenkleidung muss noch einem weiteren klimatischen Faktor Rechnung tragen, nämlich der Luftbewegung. An sich günstig zu beurteilende, luftdurchgängige Ge- schatten der Grundstoffe der Kleidung —ob Wolle oder Baumwolle usw. — viel unwichtiger, als meist angenommen wird. Wesentlich ist die Verarbeitung des Stoffes, die ihren Luftgehalt und ihre Luftdurchlässigkeit bedingt, und weiterhin die richtige Zusammenstellung der Kleidungsstücke zur Gesamtkleidung. Aus den Ausführungen geht hervor, dass eine Bekleidung desto hygienischer sein wird, je mehr sie sich den individuellen Eigenschaften des Menschen einerseits und den wechselnden klimatischen Bedingungen anderseits anpassen kann, je mehr Kombinationen sie also zulässt. Die soziale Lage ist deshalb von grossem Einfluss auf die Möglichkeit einer zweckmässigen Bekleidung. In den letzten Jahren herrschte in gewissen Kreisen, besonders der notleidenden Arbeiter- und Kleinbauernbevölkerung, eine Bekleidungsnot. Es ist Pflicht jedes einzelnen, dazu beizutragen, dass diese soziale Bekleidungsfrage gelöst wird und dass der Kampf gegen die Winterkälte hinsichlich der Bekleidung erfolgreich durchgeführt werden kann. Der sehr empfehlenswerten Eltern-Zeitschrift (Verlag: Orell-Füssli, Zürich) entnehmen wir den folgenden Beitrag (siehe Büchertisch dieser Nummer) : Sie ist eigentümlicherweise das Sorgenkind mancher Mütter. Nicht soweit es die Pflichten betrifft, die die Tochter infolge ihrer Selbständigkeit erledigt, sondern erst dann, wenn sie auf ihre Selbständigkeit pocht, soweit ihr Vergünstigungen daraus erwachsen. Dass sie täglich auf ihre Arbeitsstätte geht, sie sich ihren Umgang dort nicht wählen kann, mit losen und ernsten, liederlichen und pedantischen Kollegen und Kolleginnen auskommen muss, findet die Mutter in Ordnung, auch dass sie geschickt und tapfer genug ist, sich vor Uebergriffen ihrer Umgebung während und nach der Arbeitszeit zu schützen. Bedenken kommen der Mutter erst, wenn die Tochter etwa den Wunsch äussert, allein ihre Ferienreise anzutreten. Dann sieht sie plötzlich die vielen Gefahren, die ein alleinstehendes, junges Mädchen umlauern. Leider sind noch immer einige Mütter viel weniger besorgt, wenn es die Freiheit ihres Sohnes betrifft, und wägen die Rechte des Sohnes und der Tochter mit zweierlei Mass. Trotz aller Bedenken, die diesen Müttern recht geben, ist es doch eine Ungerechtigkeit, die Tochter wohl selbständig ihr Brot verdienen zu lassen, sie aber bezüglich ihrer Erholungszeit zur Unfreiheit zu degradieren. — Gewiss ist Vorsicht geboten, und es ist gut, wenn die Eltern orientiert sind über den Platz, wo ihre Tochter ihre Freiheit verlebt, um ihr als Erfahrenere guten Rat erteilen zu können. Aber altmodische Ansichten wie : Eine Dame reist nicht allein, der Ruf leidet usw. sind unangebracht, denn sie entbehren unter heutigen Verhältnissen jeder Begründung. Eine Mutter, die webe werden einen genügenden Wärmeschutz nicht mehr ausüben können, wenn sie einem erheblichen Wind ausgesetzt sind. Für die Ueberkleidung kommen dann Stoffe mit einer geringeren Luftdurchlässigkeit in Frage. Bei der Beurteilung der Lüftbarkeit einer Kleidung ist immer daran zu denken, dass diese nicht nur von der Art des Kleiderstoffes abhängig ist, sondern auch von demihre Tochter ins Berufsleben schickt, muss Schnitt und dem Sitz der Kleidung. Die ihr so viel Vertrauen entgegenbringen, dass Luftdurchlässigkeit der Kleidung wird für sie nicht befürchtet, ihr erwachsenes Kind ihre Beurteilung dann ausschlaggebend, wenn nütze die Zeit, wo es unbeaufsichtigt ist, in in ihr stärkere körperliche Arbeit geleistet ihm unwürdiger Weise aus. Hat die Mutter werden soll. Denn diese Arbeit, sei es nun ihre Tochter gut erzogen und ihr die Pflichten und die Verantwortung, die sie ganz be- berufliche Handarbeit, sei es Sportausübung, wird nicht kontinuierlich geleistet, sondern sonders als Frau trägt, nahe gebracht, so geht mit kürzeren oder längeren Unterbre- darf sie ihr auch unbedenklich Vertrauen chungen einher. Dem Wechsel in der Beanspruchung des Körpers entspricht dann auch ein Wechsel in der Wasserabgabe. Eine zweckmässige Kleidung soll deshalb in möglichst weiten Extremen die Verdunstung Zustandekommen lassen und trotzdem ein hohes Wärmeschutzvermögen besitzen. Einer derartigen Beanspruchung wird eine Kleidung gerecht, die die Forderung der Homogenität erfüllt. Die verschiedenen Kleidungsschichten sollen von gleicher Durchlässigkeit sein. Aus diesem Grund ist ein einheitliches' stärkeres Trikothemd zweckmässiger als eine Kombination eines glatten Oberhemdes mit einem porösen Unterziehhemd. Aus dem gleichen Grund sind vor allem die wenig durchlässigen Stoffe unzweckmässig, die als Rock- und Westenfutter verwendet werden und eine sonst günstige Bekleidung völlig terlichen Bekleidung verantwortlich zu ma- stören können. Eine Betrachtung der heutigen Wintersportkleidung lehrt, dass diesem Grundsatz der Homogenität schon weitgehend Rechnung getragen wird. Es sind an Stelle der Kleiderweste die lufthaltigen Wollwesten getreten, es werden entsprechende wollene chen. Die Schwierigkeiten liegen tiefer, und zwar darin, das« der Städter im Winter ständig wechselnd unter zweierlei gänzlich verschiedenen Witterungsverhältnissen, unter denen der Strasse und denen der geheizten Wohnräume, lebt. Der Uebergang zwischen beiden soll schnell und ohne umständlichen Kleiderwechsel erfolgen können. Wenn dieses für den Oberkörper verhältnismässig ein- Handeb- 1 idemann bzw. baumwollene Hemden getragen und auch für die Oberkleidung werden Trikotstoffe bevorzugt. Hierbei sind die Eigen- Die selbständige Tochter schenken, auch wenn sie nicht immer mahnend und beaufsichtigend ihr zur Seite stehen kann. Sich unkorrekt zu benehmen, hat die Tochter, wenn sie will, gewiss täglich Gelegenheit. Freizeit, die sie selbständig verleben darf, wird wahrscheinlich sogar ihre Verantwortlichkeit stärken. Färb.»/* Sämtl. 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