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E_1934_Zeitung_Nr.018

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - NO 18 Die Katalognummer zum Die von den Interessenten wohl auch dieses Jahr mit Spannung erwartete Orientierungs- Nummer der Illustrierten Automobil - Revue Ober den Genfer Salon, erscheint am IZ.ffläPZ. Sie wird einen Umfang von 80 S. aufweisen und ist als Kabinettstück graphischer Leistungsfähigkeit ausgestattet. Die schematische Darstellung der Konstruktionsmerkmale aller In der Schweiz vertretenen Automobilmarken nach einheitlichen Gesichtspunkten. Diese Uebersicht erstreckt sich nicht nur auf die Neuheiten des Salons, sondern auf alle bekannten Fabrikate, sodass unsere Jahresschau als Katalog des schweizerischen Automobilhandels auch nach dem Genfer Salon noch von grossem Wert ist. Sie enthält ausserdem folgende orientierende Artikel: Das Auto in unserer Zeit Der gegenwärtige Stand der Automobiitechnik Federungsprobleme Stromlinienkarosseri© Das Automobil 1934 im Bild Der Kern des Inhaltes ist: L'Stat actuel , . . .. Eine besondere, durch das de la construct.on ganze Heft gefQhrte automobile 8 Pa | te s t e nt mit ihrer ^^_^^_______^____ Den Abonnenten der Illustrierten Automobil-Revue wird die Katalognummer unter gleichzeitiger Erhebung des Jahresbezugspreises (nur Fr. 2.—) zugestellt Sie erhalten im Sommer eine weitere Spezialnummer in ähnlichem Umfang. loh abonniere hiermit auf die ..ILLUSTRIERTE AUTOMOBIL-REVUE" für das Jahr 1Ö34 mm Preise von Fr. 2.— und ersuche um sofortige Zu Stellung der Katalosr-Nummer des Genier-Salons sofort nach Erscheinen. ' Die Katalognummer Ist auch einzeln (bei den Buchhändlern, Kiosken und unsern Geschäftsstellen) zum Preis von Fr. 1.— beziehbar. Sie wird vom Verlag auch einzeln per Nachnahme versandt. Verlag Automobil-Revue BUUHERZETTEL interessanten Note gleichsam eine zweite Zeltung dar. •"•"•^^ Unterhaltende Aufsätze der Katalog-Nummer: Aus den Kindertagen des Automobils. - Streifzug durch alt fry Rhätien. - Der Strassenverkehr des Spätmittelalters. • Neue Hochhäuser. - Rennfahrer- Handschriften etc. Bern Breitenrainstrasse 97 Zürich Löwenstrasse 51 Strahl einer Injektorpumpe die kalte Luft selbst an. Von nicht geringerer Bedeutung für den Ausgleich der Impulse dürfte sein, dass hinter jedem ausgepufften Gas-«BIock» vom Auspufftopf an ein Kaltluft-«Block» nachströmt, der somit gleichsam die Lücken im vorherigen Heissgas-Strom ausfüllt und den kontinuierlichen gleichmässigen Strom begünstigt. Das beistehende von der eidg. Materialprüfungsanstalt aufgenommene Diagramm lehrt, dass bei Anwendung Rieses neuen Auspuffsystems- der Rückstau der Oase, am Staudruck gemessen, um ein Vielfaches geringer ist als bei Anwendung von Auspufftöpfen bekannter Automobilmarken und Spezialfabriken. Ganz besonders interessant ist die Tatsache, dass im Auspuffsammeistutzen gemessen, der Staudruck bei Anwendung des neuen Auspufftopfes sogar wesentlich geringer ist, als wenn die Oase lediglich durch ein glattes Rohr ohne jedwede «Schikanen», aber auch fast ohne jede Geräuschdämpfung abgeführt werden. Praktisch ist also der «Vakuum-Schalldämpfer» sogar einem sog. freien Auspuff überlegen. Dass an diesem Erfolg das Prinzip der Kaltluftbeimengung eine wesentliche Rolle spielt, dürfte zum Teil auch daraus hervorgehen, dass, wie die eidg. Materialprüfungsanstalt festgestellt hat, die Abgase nach dem Auspufftopf Luft im Verhältnis von 1:3 bis 2 :3 enthalten. In ihrem Gutachten stellt die erwähnte offizielle Instanz ausserdem fest, dass die Schalldämpfung beim «Vakuum- Schalldämpfer» im Verhältnis zu den Apparaten, die mit hohem Druck im Auspuffsammeirohr arbeiten, geringer ist. Wenn sie nicht auch absolut an die Schalldämpfung jener Apparate hinreicht, so ist sie doch gut genug, um die Ansprüche der Verkehrsbehörden zu erfüllen. _ s . Die Entgiftung der Auspuffgase. Die schädliche Wirkung der Auspuffgase und deren Entgiftung steht seit langem im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Neuerdings soll nun ein silikatfreier Chromitkatalysator erfunden worden sein, der bei starker Erhitzung die Auspuffgase in ihrer Wirkung unschädlich macht und gleichzeitig; die brennbaren Bestandteile der Auspuffgase entfernt, so dass künftig auch Explosionen (so das Knallen im Auspufftopf usw.) nicht mehr auftreten werden. !»ral«# *«I.« Das Lenkrad als Stethoskop. Manche Motorgeräusche lassen sich leichter auf ihren Ursprung hin erkennen, indem man das Ohr Schmtt durch die Staufferbüchse mit eingesetzter Ventilkugel. nke büchse enthält in ihrem Unterteil eine federbelastete Stahlkugel, die als Rückschlagventil wirkt. Während nach aussen drückendes Wasser durch das Ventil zurückgehalten wird, ist ein Hineinpressen von Fett wie bisher ohne weiteres möglich. -f- Die Motorhaube gut befestigen! Es kommt zwar nicht oft vor, aber ist doch auch nicht ausgeschlossen, dass sich eine Motorhaube bei rascher Fahrt selbständig macht und dem Fahrer durch oder über die Windschutzscheibe an den Kopf fliegt. Wer eiri- Tial auf diese Art 10—20 ke Blech an den Schädel bekommen hat. eventuell noch sre- •vürzt mit einigen nackischen Glassolittern.. •vird in Zukunft nach Arbeiten am Motor den ^aubenverschlüssen die nötige Aufmerksamkeit nicht versagen. -y- IV. Antwort 8981. Shimmy. Zuschrift weiterg». leitet. Red. Antwort 8996. Bezugsquellen für Indikatoren. Zuschrift weitergeleitet. Red. Antwort 8999. Reparatur beschädigter Zylinder. Adresse mitgeteilt und Zuschrift weiterge-, leitet. Red. Antwort 9000. Steuerzahnrad aus Pressmaterial. Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 9006. Umänderung EIsenrädor-Gummlräder. Wer ändert Räder mit Eisenbereitung für leichte Anhänger um, in solche mit Gummi-Bereifung, die den neuen Schweiz. Verkehrs Vorschriften entsprechen?» W. G. in L. fl. Frage 9007. .Entschädigung für Reisend«. In einer der letzten Nummern der « A.-R. » wurde angefragt, wie die Entschädigung an Reisende festgesetzt werden könne. Eine Antwort darauf ist bis jetzt noch nicht erschienen. Da wir zur Zeit mit unserer Firma in derselben Angelegenheit in Verhandlung stehen, interessiert uns Ihre Stellungnahme in dieser Sache. Unsere Firma offeriert: feste Jahresentschädigung Fr. 1200.—; Steuer und Versicherung (z. B. Zürich) Fr. 470.—; total Fr. 1670.—. Dazu ein« Entschädigung von 5 Rappen per Dienstkilotneter. Die Jahresleistung beträgt für uns im Mittel 15 000 Kilometer. Die Gesamtentschädigung würde somit ca. Fr. 2420— betragen. Die Fahrzeuge sind Eigentum der Reisenden. Die Steuer-PS bewegen sich zwischen 5—14 und die Vertreter sind in. verschiedene Kantone der Schweiz verteilt. Mit der Offerte unserer Firma können wir uns nicht einverstanden erklären, da uns die Probefahrten, welche wir seit mehr als einem Jahr ausfuhren; teurer zu stehen kommen als obengenannte Total-- entschädigung. Privatkilometer laufen selbstverständlich auf unsere eigene Rechnung. J. W. in Z. Antwort- Der angeführte Enschädigungsmodus kann tatsächlich nicht als befriedigend bezeichnet werden. Bei jährlich 15 000 Fahrkilometern bedeutet die Pauschalentschädigung von Fr 1200— nur gerade knapp den Amortisationsbetrag des Wagens. Die übrigen Betriebskosten, abzüglich der Versicherung und der Steuern, lassen sich mit 5 Rappen pro Kilometer nicht begleichen. Bei der angegebenen jährlichen Fahrtleistuns ist doch mit mindestens Fr. 600.— für Benzin, Fr. 90— für Oel, Fr. 120.— für Pneus, Fr. 360.— für Garage, Fr. 300.— für Reparaturen und Instandhaltung, FT. 240.— für die Verzinsung des Kapitals und Fr 200.— für Verschiedenes zu rechnen, was zusammen Fr. 1910 ausmacht, oder pro Kilometer ca. 13 Rp. Der Thnen an die laufenden Betriebskosten ausgerichtete Beitrag von 5 Rp. pro Kilometer ist also um mindestens die Hälfte zu niedrig, -at- An den Pneudoktor. Anonymen Fragestellern wird nicht geantwortet. Teilen Sie uns also bitte Ihre Adresse mit. Red. .fuvastf« Anfrage 375. Uebersetzte Forderung. Im April 1933 bestellte ich bei einem Mechaniker eine Lichtmaschine mit passender Anschlussflansche. Die auf den Kranz des Lenkrades lesrt. So ist z. B. das Klopfen einzelner Lager oder mündliche, aber unter Zeugen abgegebene Offerte Kolben auf diese Art meist sehr leicht von lautete auf Fr. 230.—, wobei der Einbau innert einem Klopfen der Ventilsteuerung zu unterscheiden, -y- wieder zurückgesandt werden und als die richtige^, wenigen Stunden vollzogen sei. In der Folge mussten die verschiedenen Modelle von tichtmaschinen Einheit endlich eingetroffen war, benötigte der Be- t Wasserverlust an der Staufferbüchse der auftragte noch etliche Tage bis zum vollzogenen Wasserpumpe. Wasserverlust an der Wasserpumpe des Motors trifft oft dadurch ein, nicht benützen konnte. Dafür stellte mir der betr. Einbau, während welcher "Zeit ich meinen Wägen Mechaniker seinen Wagen zur Verfügung und berechnete dafür Fr. 180—. oder 20 Tage mit total dass sich das Wasser durch die Staufferbüchse hindurcharbeitet. Alles Abdichten und 600 km ä 30 Cts., wobei sich diese Berechnung Erneuern der Stopfbüchsen nützt nichts. nicht auf eine kontrollierte Kilometerzählung Ausgeschlossen sind nun diese Verluste bei stützte, sondern gefüblsmSssi? erfolgte. Ich offerierte deshalb die Bezahlung der Benzin- und Oel- für 100 resp 3 Liter. Ende Dezember wurde Anwendung einer Staufferbüchse der bei-kostestehend skizzierten Art. Diese Schmier- *•> Si» '«C!»Ä «I mir für den Einbau und den Kauf der Lichtmaschine eine Rechnung im Betrag von Fr. 544.15 präsentiert. Wie soll ich mich zu diesen gestellten Forderungen verhaltpn? H. M. in K. Antwort 1 Zur Beantwortung Ihrer Frage ist in ersteT Linie massgebend. oh in der Aeusserung des Mechanikers, die Lichtmaschine für Fr. 230.— zu liefern und in einigen Stunden einzubauen, die Zusicherung eines festen, genau bestimmten Preises lag, oder ob das nur ein vorläufiger, ungefährer Kostenansatz sein sollte. Um diese Frage zu beantworten, trnisste man die getroffenen Abmachungen näher kennen, wobei hauptsächlich auf die Zeugenaussagen abzustellen wäre. Daneben dürfte auch die in solchen Fällen herrschende Uebung berücksichtigt werden. Sollte nun tatsächlich ein fester Preis abgemacht worden sein, so wäre allerdings nur dieser zu bezahlen, auch wenn der Mechaniker mehr Arbeit und grössere Auslagen hatte, als vorgesehen. Handelt es sich dagegen nur um einen ungefähren Kostenansatz, so bestimmt sich der Preis nach Massgabe des Wertes der Arbeit und der Aufwendungen, soforn der Besteller nicht von seinem Recht Gebrauch macht, wegen unverhältnismässiger Ueberschreitung des Kostenansatzes überhaupt vom Vertrase zurückzutreten. In unserm Falle trifft nun allerdings den Mechaniker für den offenbar unrichtigen Kostenansatz ein Verschulden, und er wird daher in einem cewissen Umfang schadenersatzpflichtig. Seine Forderung ist daher entsprechend herabzusetzen. Dieses Verschulden ist auch mnssffebend für die Bestimmune der Versütung für Benützung seines Wagens Daraus, dass Sie weeen Verschuldens des Mechanikers, den eige* nen Wagen länger als vorgesehen nicht benützen können, soll Ihnen kein Nachteil erwachsen: anderseits aber auch kein Vorteil Sie können also den effektiven Verbrauch an Benzin und Oet. sowie einen kleinen Betrag für Abnützungen verrechnen Ort: . Name:. Adresse: Genf Rue de la ConfedeYation 7 Verkehrserziehung tut not, immer wieder, trotz allem, was in dieser Angelegenheit auch schon geschehen ist. Verkehrserziehung bedeutet Unfallverhütung! Unfallverhütung ist Dienst am Kinde und Dienst am Volke! Verantwortliche Redaktion: Dr. A. Bucht, Chefredaktion. W. Mathys. — Dr. E. Waldmeyer. — M. Bollfger. Telephon der Redaktion: 28.222 (Hallwag). Ausserhalb der Geschäftszeit: 23.295,

Bern, Dienstag, 6. März 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 18 Saint-Malo Die Seeräuberstadt der Bretagne. Ist der ein Tourist, der da mit Siegermiene meeressturmumbraust über die Wälle dieses Felsenstädtchens der Bretagne dahinschreitet? In seinen Gedanken ist er ein Seeräuber, dessen Segler über die blaugrünen Wellen dahinschiesst, eine englische oder holländische Handelsbarke überfällt und, verfolgt, hinter die unwahrscheinlich hohen Mauern seines Städtchens sich verkriecht. Mögen sie ihn da aufstöbern! Mögen sie sich die Zähne ausbeissen an dem Granit dieser Mauern und Türme, für die keine Kanonenkugel dick genug ist! Es gibt kein Loch, durch das der Feind hier hineinschlüpfen könnte, wenn die Tore von St. Malo verrammelt sind. Da haben einst die englischen Rothemden eine Höllenmaschine herangeschleppt, um die Stadt des Cambern-Apostels Mac Law (Malo!) In die Luft zu sprengen — aber die Mauern Mac Laws waren viel zu dick. Da hat die Herzogin Anna sich ein Schloss am Meer aufgebaut, nein, eine Festung mit Türmen, die den Jahrhunderten und dem Meeressturm trotzt. «Qui qu'en grogne!» (Nur immer 'ran) — so heisst der Koloss unter den Türmen dieses Schlosses. Auf dem Wall steht das Denkmal des berühmtesten aller französischen Seeräuber : Surcouf. Ein stattlicher Mann, der über das Meer schaut und die Hand ausstreckt, als -^yolle er das Zeichen geben: Auf nach Engand!- Aber der Traum vom Seeräuber ist ausgeträumt. Seeräuber, denen man Denkmäler setzt, sind ungefährlich. Die Engländer, denen Surcouf die Fehde angesagt, sind die besten Kunden von St. Malo geworden. Sie haben die Felsenstadt mit ihrem Pfunde erobert. Sie kommen mit dem Schiff von Southampton oder mit dem neuen Dampfer « Brittany » der Southern Railway von der Insel Jersey herüber und lustwandeln über die Wälle, von denen aus sie einst beschossen wurden. Sie tanzen und spielen im Kasino, das vor den Toren der Stadt erstanden ist. Family Houses, Dancings und Tea-Rooms sind die Zeugen der touristischen Eroberung St. Malos im 20. Jahrhundert. Glücklicherweise ist die Stadt so eng, dass für Neubauten in ihr kein Platz mehr ist. Darum hat sie ihr altes Gesicht bewahrt: —Ein bretonisches Hafenstädtchen mit dem Urwüchsig bunten Treiben, das nur ein Hafen am Meer mit sich bringt. In den engen Gassen quirlt das Leben seine kleinen Freuden durcheinander. Die Grande Rue ist gerade so breit, dass sich die Nachbarn gegenüber die Hände reichen können. Der schlanke F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Einen Augenblick sann sie nach, aber für Jul wurde er zur Ewigkeit. Bis sie endlich meinte, das könne sie von ihm doch nicht verlangen. Er aber fiel ihr rasch ins Wort, sie würde ihm damit nur eine grosse Freude bereiten, es sei doch mehr als selbstverständlich, dass er ihr Führerdienste leiste, wo er doch scheinbar ihr einziger Bekannter in Wien sei, und lachend fügte er hinzu, während es ihm die Kehle zuschnürte, er habe sich in dieser Eigenschaft hoffentlich schon in Salzburg bewährt. So wurden sie einig, dass er ihr Führer sein dürfe. Die Freude der Glückseligkeit lachte Jul aus den Augen. Sogleich wollte er ihr seine Pläne entwickeln, aber da wehrte sie lächelnd ab. So schnell gehe das nicht. Für die nächsten Tage sei sie noch durch Arbeit in ihrer neuen Häuslichkeit gebunden. Er möge in einer Woche wieder anfragen, vorausgesetzt natürlich, dass sie ihn Stürme Das war immer die Zeit der unruhigen Träume. Am Tag zuvor noch war die Welt bereift und die Bäume und Sträucher standen unwirklich und regellos im Land, als wären sie ohne Sinn und Zweck. Oder der Schnee begann auf den Hügelkuppen leicht einzusinken, kaum merklich vor der Sonne, die zum erstenmal ein Lächeln über das Land giesst oder die ersten wilden Vögel verlassen den Lanzenwald des Schilfs und manche von ihnen stossen vereinzelte Schreie aus. Das ist die Nacht der Stürme, wenn die Erde sich zum erstenmal wieder ihres Lebens besinnt. Noch ist es nicht der Frühling, nur die erste Schlacht ist es, die das Leben dem einsamen glänzenden Helden, dem Winter, liefert. Immer wieder war es wie eine Krankheit, auf die doppelt süsse Genesung folgt. Wir wohnten in einem grossen Haus, das einsam in der Ebene stand. Es waren viele Zimmer darin, grosse, hohe, leere Zimmer. In einem davon schlief ich allein. Vom tollen Gekreisch der Windfahne erwachte ich, der Hund schlug klagend an und die Fensterläden erbebten. Mitten im Fensterkreuz stand der Mond gross und bleich und gegen den Mond liefen die Wolken an in grosser gotische Kirchturm von St. Vincent ragt über die graue Stadt wie eine Steinlilie hinaus. In der Enge welche Fülle! Auf dem runden Fischmarkt, rings von Häusern umschlossen, breitet sich das Meer mit seinen Kostbarkeiten duftend vor dir aus. (Vergiss nicht die Langusten und Langustinen zu probieren, sie schmecken hier so rein wie das durchsichtig grünblaue Meer dieser Cöte d'Emeraude, der smaragdgrünen Küste.) Woher aber kommen die Blumeri, die. herrlichen Blumen des Blumenmarktes von St. Malo, das doch eine Steinstadt ist? Um den Reiz seiner Lage auszukosten, muss man aufs Meer hinausfahren. Vielleicht mit einem der kleinen weissen oder grünen Motorboote, die hier so nett Vedettes heissen, in einer Viertelstunde hinüber nach Dinard, dem in Grün gebetteten komfortablen Seebade der Bretagne. Dann erscheint St. Malo wie ein grauer festumgürteter Steinkörper. Braune Fühler tasten sich ins Meer hinunter, die gigantischen Wurzeln eines Granitbaumes, der im Meer weiterwächst und Felsenriffe und Inseln dem Ansturm der Wellen entgegenwirft. Zwischen den Felsenwurzeln von St. Malo hat sich von nichts abhalte. Das sei niemals der Fall, versicherte er ihr einmal über das andere Mal. Immer und immer beteuerte er es und wusste, dass er noch niemals in seinem Leben so die Wahrheit gesprochen habe. Mit Schrecken sah Jul den Stand des Zeigers an der Empire-Standuhr auf dem Kamin. Er erhob sich und dankte ihr mit entschuldigenden Worten, dass er seinen ersten Besuch so lange ausgedehnt, aber lächelnd wehrte sie ab. Sein Besuch habe sie nur gefreut. Da hätte er ihr gerne gestanden, am liebsten würde er gleich ganz hierher übersiedeln, aber er erinnerte sich rechtzeitig an eine voreilige Antwort in dem kleinen sonnigen Gastgarten bei Hellbrunn und an die bösen Folgen. Ein zweites Mal dürfte ihm seine Entschuldigung nichts nützen: «My tongue has betrayed me.» In seiner ganzen Länge stand er vor ihr, und trotzdem sie hoch und schlank gewachsen war, reichte sie ihm kaum bis zur Schulter. Und wieder hielt er etwas ungebührlich lange ihre Hand zum Abschied in der seinen. Als er endlich an der Türe stand, wurde sie aufgerissen. Dr. van der Witte trat ein. Hinter ihm ein Herr. Mit seinem ruhigen Lächeln streckte er Von Alexander von Sacher-Masoch. Eile. Die hohen, dürren Birken schwankten vor dem Haus und der Sturm schrie mächtig im Dunkeln. Die Kamine pfiffen das Sturmlied und drüben auf dem See barst mit hartem Klingen das Eis. Die Erde zitterte und es war, als zuckten auch die festen Mauern des Hauses. Ich war ein kleines Kerlchen damals. Die Decke krampfhaft an den Mund gepresst, sass ich gekrümmt Im Bett und empfand grosse Angst. Ich schrie auf, aber niemand hörte mich. Ich empfand nur den Kampf, der draussen tobte und wusste in meiner Einfalt nicht, wer siegen werde, der Frühling oder der Winter. Viele Jahre sind seither vergangen, aber wenn die Zeit der Stürme kommt, denke ich oft an meine Einsamkeit im grossen Haus. Gestern hat mein Kind nachts geschrien, wachgerüttelt vom Sturm. Da sass ich lange vor dem kleinen Bett und erzählte vom Kampf, den der Frühling gewinnen wird. Und von vielen Kämpfen, auf die stets ein Frühling folgt und von allem Glück, dem immer ein Kampf vorangeht. Aber es ist noch klein, das Kind, und begreift nur, dass ich da bin, um es zu schützen. Und es lächelt. Und das ist viel. » feiner gelber Sand angesiedelt, zur Flutzeit vom Meer überspült, zur Ebbe die Freude der Badenden. vAuf der einen Felseninsel im Meere, der Grand Be, hat man den grössten Sohn St. Malos zur ewigen Ruhe beigesetzt: Chateaubriand. In der Dämmerung scheinen die letzten Sonnenstrahlen durch die Gitterstäbe seines Grabdenkmales hindurch, das Denkmal eines grossen Einsamen. Steht man dort an diesem Denkmal im Meere und schaut hinüber nach der Felsenstadt St. Malo, so erscheint sie wie das Phantasiegebilde des Dichters — unwirklich, grandios und einmalig. E. M. Egalite Von Robert Peiper. Dies ist die ergreifende und rührende Geschichte eines= grausamen Schicksals, das einen Menschen getroffen hat. Einen jungen Mann, den ich Heinrich nennen will, der nach Paris verschlagen wurde, wo er — mit ein paar hundert Francs in der Tasche — herumlungerte, die Brust voller Tatendrang und Selbstbewusstsein, und dennoch ein Nie- Jul freundlich die Rechte hin, nachdem er vorher seiner Frau die Hand geküsst hatte. «Alles gut gegangen, Enid? Sie bleiben doch noch», wandte er sich an Jul. «Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich früher gekommen.» Jul aber lehnte dankend ab, seine freie Zeit sei vorüber. In Wirklichkeit widerstrebte es ihm, gerade jezt mit ihr und anderen beisammen zu sein. «Schade, schade», fuhr der Arzt fort, «aber vor allem entschuldige ich mich, beinahe hätte ich vergessen, vorzustellen, Herr Doktor Heckmann, mein Mitarbeiter.» Ein schmächtiger Herr, glattrasiert, tadelloser Scheitel. Auf der Nase vor den kurzsichtigen Augeh einen Klemmer. Qualvolle Tage für Jul schlichen vorüber. Vergeblich wartete er auf ein Lebenszeichen von ihr. Aber eines Tages wurden seine Erwartungen übertroffen. Eine Karte von Dr. van der Witte lud ihn zum Abendessen. Klopfenden Herzens, einen herrlichen Strauss La-France-Rosen überreichend, trat er ein. «Als Gabe zur Einweihung Ihres neuen Heimes.» Das habe er zufälligerweise richtig getroffen, denn ihre Einladung verfolge diesen mand, -ein Nichts, der erst auf die grosse Aufgabe wartete, die ihn zu einem Menschen machen sollte. Dieser Heinrich lernt ein reiches Mädchen kennen und lieben, er kann sie heiraten, wenn er dreihunderttausend Francs Vermögen hat. In einem kleinen Cafe am Boulevard St- Michel macht Heinrich die Bekanntschaft eines Russen. Swierschnikoff heisst er. Er erzählt, wie er einmal in einem Spielclub eine Million Francs verloren hat. Heinrich stutzt. Wenn er sie verloren hat, muss sie ein anderer gewonnen haben. Wie war das? Swierschnikoff erzählt ihm vom Spielclub. Er erzählt von den Umsätzen, die dort gemacht werden. Heinrich fängt Feuer. Er sieht plötzlich die Chance vor sich... Und geht mit Swierschnikoff. Jetzt erkannte Heinrich, der zum erstenmal einen solchen Club sah, mit Bangen, erlebnisstark, das Mysterium dieser Existenzmühle; er erlebte, von Schauern des Lampenfiebers und seiner Herausforderung gerüttelt, die Dämonie eines Raumes, in dem man während einer lächerlich kurzen Zeit» ohne besondere, sichtbare äussere Anlässe, oder zwingende Notwendigkeit, zum Bettler oder zum Herrn werden kann. Wo das Schicksal würfelt. Heinrich hat einen Augenblick lang das Gefühl, als stünde er in einem Operationszimmer, in dem eine Operation auf Leben und Tod vor sich geht. Nur müsste Chloroform doch besser riechen, als Schweiss, Geld und Angst... Heinrich sitzt am Spieltisch. Schon wird ihm der Schlitten mit den Karten zugeschoben und mit hämmerndem Herzen verschluckt er bitter schmeckenden Speichel und alle Erwägungen. Er macht fünf Schläge, der ganze Tisch spielt eifrig gegen ihn, die Bank. Sein Einsatz hat sich inzwischen vervielfacht. Aus den zwanzig Francs sind vierhundert geworden. Jahrelang gewohnte Aermlichkeit, das Zittern um den Groschen lässt die Hand nach dem Schlitten zucken, um «nach Hausse» zu gehen. Nein ! Diese Chance darf man nicht leichtsinnig verderben. Weiter! Neun Schläge. Heinrich hat < neuf», der Gegenspieler « six». In der Bank sind jetzt 4000 Francs. Noch einmal ! Der ganze Tisch ist jetzt überzeugt, dass sich jetzt das Glück wenden muss. Alles setzt — es gilt jetzt fünfzehntausend Francs. Heinrich beisst tief in das Zigarettenende, dass es zerplatzt und den Mund mit Tabak füllt. Zweck. Fast noch mehr, fügte sie hinzu, es sei sozusagen die Einweihung ihres Europaaufenthaltes, der sich bis jetzt nur von einem Hotelzimmer zum anderen abgespielt habe. Bewundernd hingen seine Blicke an ihr in ihrer königlichen Würde, trotz des einfachen dunkelblauen Kleides, das sie trug, das nichts schmückte, wie ein schmaler Spitzenkragen am Halsausschnitt. Absonderlich nur die an den Handgelenken weit geschnittenen Aermel, aus denen sich, wenn sie den Arm erhob, im matten Marmorton der zartgerundete Unterarm hervorhob. Nicht das kleinste Schmuckstück, ausser dem schmalen Goldreif des Eheringes an ihrer Rechten. Kaum dass sie Platz genommen und die ersten nichtssagenden Redensarten gewechselt hatten, wurde die Tür geöffnet. «Herr und Frau Doktor Heckmann.» Versteinert sah Jul auf die für ihn unerwarteten Gäste. Er hatte sich den Abend anders vorgestellt. Schade! «Herr Assistenzarzt Doktor Heckmann... Frau Doktor Heckmarm... Ach, die Herren kennen sich schon.» (Fortsetzung folgt.) Wer Stumpen, und Zigarren raucht, schützt schweizerische Handarbeit