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E_1936_Zeitung_Nr.088

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10 Automobil-Revue —

10 Automobil-Revue — y&l> Seine Söhne brachten die Nachricht an Ledger. Um die gleiche Zeit wurden die Samen Ledgers, die Blut gekostet hatten und Millionen wert waren, von seinem ahnungslosen" Bruder in London für einen lächerlich geringen Preis zur einen Hälfte an die englische, zur anderen an die holländische Regierung verkauft! Wer ist dieser Charles Ledger? So fragt man unwillkürlich. Wer war der Mann, der nur seine Leute zu schicken brauchte, wo andere sich lange Jahre hindurch selber abmühten, um schliesslich zu entdecken, dass sie die falschen Samen erobert hatten? Seiner Mutter durchgebrannter Sohn, sonst nichts, war Charles Ledger wie so viele andere Glücksjäger und Abenteurer eines Tages an der langen Westküste Südamerikas gelandet. Lange ge/iug hatte er auf die grosse Gelegenheit seines Lebens gewartet. Er hatte sich hierin und darin versucht, hatte geholfen, alte Regierungen' zu stürzen und neue in den Sattel zu heben, um nach kurzer Zeit auch diese wieder fallen zu sehen. Vielleicht begann dieses damals in Südamerika es nur in Südamerika. Wie aber, wenn es gelänge, sehr beliebte Spiel ihm, dem Engländer, bald langweilig zu werden. Charles Ledger war dieses einzigartige Monopol zu durchbre- chen? So kam Charles Ledger zu dem grössten ein Mann, der mit offenen Augen und Ohren Aßenteuer seines Lebens, noch grösser, noch durch die neue Welt wanderte. Nachdem er am Beispiel des Fieberbaumes das grosse Spiel um Hexenkünste den Reichtum ganzer Erdteile erst einmal mitgemacht hatte, ergriff es ihn wie eine Leidenschaft, er kam nicht los davon. Auf seinen Fahrten über die Anden hatte er schon lange die zahmen Herden der Alpakas und die noch zierlicheren, wilden Vikugnas gesehen. Er kannte ihre feine, fast unvergängliche Wunderwolle, warm im Winter, kühl im Sommer, mit dem unbeschreiblichen seidigen Glani;. Er wussteszwar noch nicht, dass Prinz Albert in persönlicher Audienz eine Abordnung der Weber von Bradford empfangen hatte, um ein Stück Stoff für die Königin Viktoria entgegenzunehmen, gewoben aus der Wolle jener beiden schneeweissen Alpakas, die im Park des Königsschlosses zu Windsor als Lieblinge Ihrer Majestät auf dem smaragdgrünen Rasen spielten und tollten. Aber er war dabei gewesen, als diese Tiere mit einem Dutzend anderer im Hafen von Arica im Auffrag Lord Derby's eingeschifft wurden. Alpakawolle, aus der damals die Modestoffe und die Fahnen- aller Länder gemacht wurden, stieg ständig im Preis. Alpakas und Vikugnas gab wilder, als es die Entführung des Fieberbaumes war. der Photog^rapliie Der Farbenfilm ist da! — Das Neueste vom Fernsehen — ^ ; Der lebende Magen wird photograpbiert » Der Farbenfilm ist da! Farbenfilm? — Wir haben so etwas gelegentlich im Kino gesehen, und es war ziemlich scheusslich: wir sahen «kolorierte» Filme, deren giftgrüne und grellrote Farbtöne an Hässlichkeit und völliger Unähnlichkeit mit den wirklichen Naturfarben kaum zu überbieten waren. Nun, das waren eben nur recht kümmerliche Vorstufen zum wirklichen, also nicht nachträglich «kolorierten» Farbenfilm, mit dem sich zahlreiche Wissenschaftler schon seit geraumer Zeit sehr eingehend beschäftigen. Diese Bemühungen haben jetzt zu recht erfreulichen Erfolgen geführt; es gibt neuerdings einen von der Agfa hergestellten farbigen Film (den sogenannten Agfacolor-Linsenrasterfilm), der für sehr viele Zwecke bereits eine durchaus befriedigende Lösung des so lange vergeblich umkämpften Problems des Farbenfilms bedeutet. Die Teilnehmer des Kongresses der Deutschen Naturforscher und Aerzte sahen in Hannover kürzlich zum ersten Male Farbenfilme, die mit diesem Material aufgenommen waren. Es wurden Aufnahmen von Rosengärten, bunten Volkstrachten usw. gezeigt, die durchaus «naturecht» wirkten und bewiesen, wie sehr die Kinofilme gewinnen werden, wenn die neuen Verfahren erst allgemein anwendbar sind. Ganz so weit ist es allerdings heute noch nicht; zwar ist das Problem des Farbenfilms nunmehr bereits in «publikumsreifer» Weise gelöst, aber noch bleibt die Aufgabe, das farbige Original ohne allzu grosse Kosten und in der gleichen Echtheit auf die Filmkopie oder den Papierabzug zu bringen. — Diese Dinge sind aber bereits energisch in Angriff genommen worden, und die ersten farbigen Filme werden wohl bald in unseren Kinos auftauchen. Mit einer der üblichen Kleinkameras (Leica, Contas usw.) kann man aber schon jetzt ganz ausgezeichnete farbige' Aufnahmen machen und mit den gebräuchlichen Amateurapparaten sogar farbige — und zwar sehr gute! — Filme herstellen; Für den Amateur ist also nunmehr das Problem des Farbenfilms'gelöst! Das Neueste vom Fernsehen. Eine besonders aktuelle und zukunftsreiche Aufgabe der modernen Photpgraphie besteht darin, gemeinsam mit den Technikern und Physikern die allge'meine Einführung der drahtlosen Bildübertragung, des «Fernsehens», möglich zu machen. Es ist ja bekannt, dass man für besondere, Zwecke Bilder, Dokumente, Steckbriefe usw. schon seit einiger Zeit auf diese Weise übertragen kann. Das interessiert aber die meisten von uns erheblich Wärme heilt! Bei Erkältungen ist daselektr. Heizkissen SOLIS ein bewährtes Mittel. Vier Wärmestuten! Hält jahrelang, ab Fr.21.- in Elektrizitäts- und Sanitätsgeschäften. weniger als das «drahtlose Fernkino», mit dessen Hilfe es möglich sein wird,, irgendein wichtiges Ereignis am Fernseh-Enpfänger zu Hause; mit-f erleben zu können. Kürzlich gingen durchfalle deutschen Zeitungen Berichte über die neuesten Fernseh-Versuche der Reichspost am Brocken, bei denen es gelang, einen von Berlin übertragenen, Film in recht guter Wiedergabe zu empfangen.; Es ist anzunehmen, dass wir 'schon in absehbarer Zeit einen im Preise erschwinglichen Fernseh-Empfqnger haben werden, wenn auch im Augenblick noch zahlreiche technische Schwierigkeiten überwunden werden müssen, ehe das «Fernkino für jeder- • mann» Wirkljchkeit wird. : , •,-,,. Ein sehr wesentlicher Fortschritt auf diesem Gebiete ist darin zu erblicken, dass es jetzt gelungen ist, die Zeitspanne zwischen dem Ablauf des photographisch aufzunehmenden Ereignisses [etwa einer politischen Kundgebung, einer sportlichen Veranstaltung usw.) und seiner Uebertragung = im «Fernkino» in geradezu erstaunlicher Weise -herabzudrücken. Diese Zeitspanne ist so kurz,.dass wir am zukünftigen Fernseh-Empfänger dem Abtauf des zu übertragenden Geschehnisses praktisch ohne Zeitverlust folgen werden. Das wird durch einen neuen Apparat ermöglicht, mit dessen Hilfe der zur Uebertragung verwandte Film in weniger als einer halben Minute nach der Aufnahme entwickelt, fixiert und drahtlos übertragen, werden kann. Die Uebertragung geschieht vom noch nassen Film, wobei gleichzeitig auf elektrischem Wege das Film-Negativ in ein Positiv — also fertig zur Vorführung am Empfänger — umgewandelt wird! Der lebende Magen wird photographiert! Ein besonderes Hexenkunststück der modernen Photographie wurde kürzlich auf medizinischem Gebiete erreicht. Bei den relativ häufigen Erkrankungen des Magens ist es für den Arzt naturgemäss ausserordentlich wichtig, den Ma^en von innen sehen und beobachten zu können. Schon seit einiger Zeit verwendet man zu diesem Zwecke sogenannte «Gastroskope».. Das sind lange Rohre/ in denen sich optische Linsen befinden, mit denen man direkt vom Mund aus in den Magen hineinsehen kann. Neuerdings ist nun die Magenphotographie erfunden worden, bei der eine winzige Kamera in den Magen eingeführt und kleine Auf- > nahmen von der Magenschleimhaut gemacht werden. Zwei deutsche Forscher haben einen von aussen lenkbaren Magen-Photoapparat konstruiert, mit dem man nach Belieben jede gewünschte Stelle der Magenschleimhaut einstellen und auch um Ecken herum und in Buchten hinein photographieren. kann. Dieses Verfahren ist für Arzt und Patient ungemein wichtig, weil es ganz genaue . Abbildungen 'des Magens liefert, mit deren Hilfe eine frühzeitige Erkennung schwerer Magenkrankheiten, besonders des Krebses, möglich ist.- ''; Belichtungszeit: Eine Millionstel-Sekunde! • In den letzten Jahren ist das Tempo der phototechnischen Entwicklung immer rascher geworden, * so rasch, dass der Photo-Amateur ihr nur mit grosse n Schwierigkeiten zu folgen vermag. Die Empfindlichkeit der handelsüblichen Filme konnte in erstaunlicher Weise gesteigert werden (sie ist heute rund zehnmal so gross wie im Jahre - #24!),-die . Dämmerstunde Traumgoldner Schein Durchwebet den Raum, Sanftes Verdämmern In dunkelnde Nacht. Leise und sacht Gedanken entschwinden, Süsses Versinken Ins ruhende Sein. Selige Träume, Des Herzens Erfüllung, Kurzes Erhaschen Zerrinnender Schäume! infrarot-empfindliche Platte reagiert auf Lichfeindrücke, die für unser Auge gar nicht vorhanden sind, Zeitlupe und Zeitraffer erobern der Photographie'Gebiete, die ihr vollständig verschlossen zu sein schienen. Es ist heute möglich geworden, mit Hilfe der beiden zuletzt erwähnten Verfahren die verstecktesten Geheimnisse der Natur aufzuspüren — es gibt einige wissenschaftliche Filme aus der letzten Zeit, die bei aller Sachlichkeit des Themas etwas geradezu Unheimliches an sich haben, weil sie uns Vorgänge in unserem Körper zeigen, bei denen wir bisher nie geglaubt hätten, sie jemals im Film sehen zu können. So wurden unlängst auf einem wissenschaftlichen Kongress Filme vorgeführt, die — am lebenden Objekt aufgenommen!— mit" aller Deutlichkeit die feinsten Lebenserscheihungen in den Zellen und Adern ' des Körpers zeigten; ein anderer Film verschaffte dem erstaunten Beschauer Einblicke in die ungeheuer komplizierten Vorgänge, die sich bei der ' allerersten Teilung und Entwicklung der befruchteten Ekelte'eines Wirbeltieres abspielen. Ein dritter, besonders unheimlicher Film schliesslich führte die Entwicklung und das Verhalten von bösartigen (Krebs!) Zellen im lebenden Körper vor. Es ist heute tatsächlich So, dass der modernsten Photographie kaum ein Gebiet triehr verschlossen Ist; mit Mikrofilm, Zeitraffer usw. entschleiert sie das Geheimnis irgendeines «unsichtbaren» Bakteriums, während sie auf der anderen Seite neue Sterne in unbekannten Tiefen des Weltalls auffindet. (Die meisten grossen astronomischen Entdeckungen der letzten Zeit sind mit Hilfe der photographischen Platte gelungen!) Die Photographie^ hat das erreicht, wonach wir Menschen vergeblich gestrebt haben und streben werden: sie hat über die Zeit gesiegt! Es ist ganz gleichgültig, ob irgendein Vorgang sehr rasch oder sehr langsam abläuft — die Photographie mächt ihn sichtbar. Ihr imponiert weder das für unser Auge unsichtbar langsam verlaufende Wachsen einer Pflanze -^ das macht sie mit dem «Zeitraffer» sichtbar — noch die Geschwindigkeit des Blitzes, den man ja schon mit einem ganz gewöhnlichen Apparat aufnehmen kann. Die «Rekordleistung» einer souveränen Beherrschung der Photographie über noch so rasch ablaufende Vorgänge ist kürzlich bei wissenschaftlichen Aufnahmen physikalischer Erscheinungen aufgestellt worden: man kam dabei auf eine Belichtungszeit von einer Millionstel-Sekunde! Ist es bei einer solchen Leistung nicht wirklich angebracht, von «Hexenkünsten» der Photographie zu sprechen? Dr. H. Schäfer. »er Klub der Kavaliere In Paris herrscht nach dem Bericht französischer Zeitungen eine lebhafte Meinungsverschiedenheit über das— nicht gerade lebenswichtige — "Problem, ob ein vor einigen Monaten in Detroit gegründeter «Klub der Kavaliere » in der französischen'Hauptstadt sein Gegenstück finden solle oder nicht. Der amerikanische Klub ist eine Vereinigung junger Leute, die über gesellschaftliche Talente verfügen und sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie Damen, deren Gatten oder Brüder durch Berufstätigkeit an der Erfüllung ihrer Kavalierspflichxen verhindert sind, ins Theater, ins Kino, in ein Restaurant oder auf einen Ball begleiten. Von diesen jungen Leuten wird elegantes Auftreten, Gewandtheit in der Kon- .versation, vollendete Beherrschung vornehmer Manieren verlangt. Der Klub hat seinen genauen Tarif: die niedrigste Taxe wird für Kavaliersdienste in der Zeit vor Mitternacht bezahlt. Die Stunden bis drei Uhr früh sind Idett Bing. •schon beträchtlich teurer. Die Damen aber, die so unverbesserliche Nachtschwärmerinnen sind, dass sie bis sieben Uhr früh eines Kavaliers bedürfen, der gute Miene zum bösen Spiel macht, auch;das leiseste Gähnen galant unterdrückt und beständig versichert, dass die Gnädigste entzückend sei und er sich glänzend unterhalte, müssen für diese hohen Ansprüche auch eine ganz besonders hohe Gebühr bezahlen. Wobei es sich von selbst versteht, dass nicht die Damen, sondern ihre Gatten, Väter oder Brüder die Zeche bezahlen müssen. Der Begriff « Zeche » ist übrigens ganz wörtlich zu nehmen. Besucht eine Dame mit einem ihr vom Detroiter Klub der Kavaliere zur Verfügung gestellten Begleiter ein Restaurant, Theater, Kino oder ein sonstiges Vergnügungslokal, so trägt sie die Kosten für beide. Sie ersetzt ihrem Ritter seine Auslagen für die Mahlzeit, für Eintrittskarten, Garderobe, ja sogar für die Blumen, die er ihr artig überreicht. Die Wochenend-Begleiter. Mit allen diesen Eigenheiten des amerikanischen Klubs könnte man sich auch in Paris befreunden. Was aber den Widerspruch französischer Zeitungen gegen die Gründung eines « Klubs der Kavaliere » nach Detroiter Muster hervorgerufen hat, sind Erfahrungen, die man in Detroit mit den sogenannten Weekend-Kavalieren gesammelt hat. Der amerikanische Klub stellt nämlich den geehrten Damen — selbstverständlich gegen eine entsprechend hohe Gebühr— auch für die Zeit von' Freitagabend bis Sonntagabend Begleiter zur Verfügung, mit denen sie das Weekend'verbringen können. Dabei ereigneten sich nun einige Unzukömmlichkeiten, programmwidrige Liebesaffären, Gefühlskomplikationen, die in den Statuten des Klubs nicht vorgesehen waren. Da es in Detroit kürzlich zu lebhaften Konflikten zwischen einigen Gatten, Vätern, Brüdern der betreffenden Damen und der Klubleitung kam, wünscht man in Paris ähnliche Erfahrungen zu vermeiden und lehnt lieber von vornherein eine derartige Klubgründung ab. Der Mann kocht, die Frau schiesst Goals Die hübsche, schlanke Blondine Maria Lutz, die beim Wiener Damenfussballklub «Tempo» auf dem Posten eines Mittelhalfs spielt, soll zugunsten des Sports ihre Hauswirtschaft und ihr Kind vernachlässigt haben. Der Gatte der Fussballerin, Karl Lutz, führt in der Scheidungsklage aus, dass Frau Marie ihre gesamte Zeit dem Fussballsport widme. Die Folge ist, dass der Gatte für sich und seinen zehnjährigen Knaben kochen und die Wirtschaft führen muss, während die Frau die Zeit im Kreise der Fussballerinnen verbringt. Auch die Erziehung des Kindes habe unter diesen Verhältnissen arg gelitten. Die Fussballerin wendet ein, es sei unrichtig, dass sie die Hauswirtschaft zugunsten des Sports vernachlässige. Als Prozesszeuginnen Sind unter anderen die Vereinsobmännin der Fussballerinnen und die Kapitänin geführt. Ans IS Cents wird ein Vermögen Seifsam und romantisch sind Markenschicksale. Ich hielt Markensammeln für eine sehr monotone Beschäftigung: Lupe nehmen, einpicken, zu Sammlern laufen, Marken kaufen, Lupe nehmen und wieder ins Album picken... Und nun hat man mir Schicksale berühmter Marken erzählt. Romanhafte Schicksale, beeinflusst von der grossen Weltgeschichte und kleinen politischen Wirren. Auch humorvoll sind die Geschichten mancher Marken. Zum Beispiel die Geschichte einer Marke der Philippinen, die im, Jahre 1932 herauskam. Schöne Landschäftsbilder, dazu bestimmt, den Stolz der Philippinen auf ihre Heimat zu heben, sollten auf den Marken aufscheinen. Die Naturschönheiten der Philippinen hatten ouf den Marken sichtbar zu werden. Eine Achtzehncentsmarke erschien: die Pagsanjanfälle, berühmte, schöne Wasserfälle der Philippinnen, sollten sie. zieren. In Wirklichkeit zeigte die Marke irgendeinen amerikanischen Wasserfall. Der ausführende Künstler scheint die Vorlage verloren und irgendeine Wasserfallphotographie zum Nachzeichnen verwendet zu haben. Nach Bekanntwerden des Irrtums wurde die ganze Serie eingezogen. Aber die Philatelisten suchen fieberhaft nach Marken mit diesem Irrtum...

— Automobil-Revue 11 Geschichten, die das Leben schrieb (Fortsetzung): Juanlta - die Hexe Tatsachenbericht von Christian Windecke In südlichen Ländern, sind abergläubische Vorstellungen im Volke, die an das finsterste Mittelalter erinnern, auch heute noch nichts Seltenes. Besonders in Italien und Spanien spielt der Glaube an den « bösen Blick » eine oftmals unheilvolle Rolle. Im Jahre 1932 verbreitete sich in Südspanien das Gerücht von einer jungen « Hexe », die über die verhängnisvolle Gabe des bösen Blickes verfügen sollte und den Menschen, mit denen sie in nähere Berührung komme, Unglück bringe. Diese böse Hexe war nun aber kein altes, buckliges Weib, wie man wohl vermuten könnte, sondern ein blutjunges, bildschönes Zigeunermädchen, dessen glutvolle dunkle Augen jene verderbliche Zaubermacht besitzen sollten. Man nannte sie Juanita, und das war auch alles, was man über sie wusste. Ihr Familienname war ebenso unbekannt wie ihre Herkunft. Niemand kannte ihre Eltern. Eines frühen Morgens hatte vor der Tür eines armen Bauern in der Nähe von Gibraltar, in schmutzige Lumpen eingehüllt, ein kleines Kind gelegen, das jämmerlich weinte und mit den Beinen strampelte. Hier fand es die Frau des Bauern, die es mitleidig zu sich nahm und aufzog. Der kleine Findling wurde Juanita genannt. Das Zigeunermädchen wuchs heran und verrichtete willig und bescheiden die Dienste einer Magd in dem ärmlichen Haushalt. Je älter sie wurde, desto eindrucksvoller entfaltete sich ihre Schönheit. Von allen Mädchen im Dorfe war Juanita unbestreitbar das schönste. Ihr Wuchs war von vollendetem Ebenmass, ihre dunklen Augen leuchteten glutvoll und ihr dichtes, pechschwarzes Haar fiel ihr in schweren Locken über den Nacken. Ihr Gang war stolz, und wenn sie mit dem Wasserkrug auf dem Kopfe vom Brunnen kam, glich sie in Haltung und Anmut einer Königin. Das Merkwürdigste an ihr aber waren ihre 2 x mit dem gleichen Los zu gewinnen, das bietet nur GEFA. Treffer Fr. 150.000.- Fr. 100,000.-, Fr. 60,000-, Fr. 20,000.-, Fr. 10,000.- usw., alle in bar. Ueber s /< Millionen werden an die Gewinner verteilt! Sämtliche verkauften Lose nehmen an der Zwischenziehung und der grossen Schlussziehung teil. Lospreis Fr.10.- Zehnerserie mit mindestens einem sichern Treffer, Fr.100.- Postoheckadresse: Lotteriebureau GEFA, Grenchen Va 1821. Briefadresse: Postfach 37, Grenchen 79. Diskrete Zustellung der Lose, nach allen Kantonen, auch gegen Nachnahme. Für Porto 40 Rp., für Ziehungsliste 30 Rp. beifügen. Telephon 85.766. — Auch erhältlich bei den solothurnischen Banken und der Basellandsohaftlichen Kantonalbank. — Auszahlung der Treuer nach allen Kantonen der Schweiz ohne jeglichen Abzug. Hauptziehung: 20B DGZB 1936 Zwischenziehung: 14M nOVi G E FA Genossenschaft für Arbeitsbeschaffung mehr Chance u. kleineres als Hausbesorgerin fand. Risiko. (Prospekte verlangen.) Einzellosverkauf Fr. 10.-, kpl. Serie Fr. 100.-. Schrein- Maschinen Dieser vernunftige Mann lachte über das Gerücht, dass sie eine Hexe sein sollte und erklärte dem verschüchterten und gehetzten Mädchen, dass er an sol- Einzahlungen (mit Porto '"— " . s . .7" i u A • Ä « 40 Rp.) auf Postscheck chen Unsinn nicht glaube und sie deswegen III2723, E. Fluri-Dill, Bern, Marktgasse 18, Telephon 34.306. — Diskrete voll Dank die Hand und fühlte sich wie von niemals entlassen werde. Juanita küsste ihm Bedienung. Büro auch über einem grässlichen Alpdruck befreit. Da, einige Mittag u. Ms abends 9 ühr Wochen nach ihrer Ankunft auf dem Gutshofe, offen. Büro in Zürich: Uraniastr. 16, I. St. erkrankte das Kind des Gutsbesitzers und Sehr günstige Vermietung von Erika, Underwood, Ideal usw. ä Fr. 10.— bis Fr. 20.— per Monat. Bei Kauf volle Abrechnung der Miete. Garantie. starb unter seltsamen Umständen. Sofort suchte man die Schuld an dem Tode des Kindes dem « bösen Blick » der jungen Zigeunerin zuzuschreiben und erwartete, dass der Vater die Hexe davonjagen werde. Allein der Gutsbesitzer dachte nicht daran, da er wusste, dass Juanita keine Schuld treffe. Juanita schien gerettet. Doch das Schicksal hatte es anders bestimmt. Auf dem Gutshof arbeitete nämlich ein Knecht, der dem Zauber der Schönheit des jungen Zigeunermädchens erlegen war und sie mit seinen Liebesanträgen verfolgte. Obgleich W. Häusler - Zepf, Ölten er bald merkte, dass seine Bemühungen erfolglos blieben, Hess er doch nicht von ihr ab und suchte sich ihr, wo er nur konnte, zu nähern. Als er nun eines Abends den Versuch machte, sie mit Gewalt zu umarmen, versetzte Juanita ihm einen Schlag ins Gesicht, so dass er zurücktaumelte. Der Knecht wusste jetzt, woran er war und hatte hinfort nur einen Gedanken, sich an Juanita zu rächen. Da ihm bekannt war, dass die junge Zigeunerin in dem Rufe stand, eine Hexe zu sein, beschloss er, sich diesen Umstand zunutze zu machen. Eines Nachts weckte Juanita Lärm und Ge- und diskret erfolgt der Versand meines illustr. Kataloges Nr. 6 über sämt- liehe Sanitäts- u. Gummiartikel, Frauendouchen etc. S. Recla-Bücheli, Chur, Martinsplatz 6. I. St schrei aus dem Schlaf. Der Raum, in dem sie mit den Mägden zusammenschlief, war von Feuerschein taghell erleuchtet. Der Stall, in dem das Vieh stand, brannte lichterloh. Während die Mägde hinauseilten, blieb Juanita zurück und schnürte in wahnsinniger Hast ihr Bündel. Dann lief sie, von niemand bemerkt, hinaus in die Nacht und rannte davon. Die Angst, man werde sie der Brandstiftung besichtigen, trieb sie fort. Ihre Flucht lenkte natürlich sofort den Verdacht auf sie und bestärkte auch die Polizei in ihrem Argwohn, sie habe den Stall in Brand gesteckt. Gegen das flüchtige Zigeunermädchen wurde ein Steckbrief erlassen und die Polizeiorgane angewiesen, nach ihr zu fahnden. Wieder irrte Juanita in der Sonnenglut auf den Landstrassen umher, wo sie an einem Haus vorüber kam, um Nahrung und einen Trunk bittend. Die Nacht brachte sie im Freien zu, unter dem glitzernden Sternenmantel der Nacht. Nach einigen Wochen gelangte sie auf ihrer Wanderung in die Nähe von Sevilla. Die Sonne brannte unbarmherzig um die Mittagszeit und die einsame Wanderin drohte vor Augen, deren Feuer niemand zu widerstehen dende Funke, um die drohende Entladung herbeizuführen. vermochte und die jeden unfehlbar in ihren Diese kam, als wider Erwarten Bann schlugen, auf den sie sich richteten. die alte Grossmutter plötzlich starb. Sei es Aber ihre Schönheit, die sie über alle anderen nun aus Bosheit, sei es aus Dummheit, der hinaushob, sollte ihr zum Verhängnis werden. Juanita hatte keine Freundin im Dorfe, denn Bauer beschuldigte Juanita, seine alte Mutter durch ihren « bösen Blick » ins Grab gebracht jedes Mädchen sah mit Neid, wie ihr die Bur- zu haben. Nicht genug damit, packte er unter sehen voll Bewunderung nachblickten und dem Beifall der ganzen Familie das schluchzende hasste sie insgeheim, weil sie so schön war. Mädchen am Arm und warf es zur Tür Juanita jedoch blieb unnahbar und lächelte hinaus mit der Drohung, sie solle sich nicht nur kühl, wenn ein besonders zudringlicher wieder blicken lassen. Im Dorfe aber verbrei- Bursche ihr seine Verliebtheit deutlicher zu tete sich das Gerücht, Juanita sei eine Hexe Durst und Erschöpfung zeigen suchte. Zu ihrem Unglück hatte der und habe durch den Zauber ihrer Augen den Bauer, der sie bei sich aufgenommen hatte, Tod der alten Frau verschuldet. Vergeblich eine Tochter,. die in einen der Bauernsöhne pochte das Mädchen an die Türen der übrigen verliebt war. Dieser jedoch wollte nichts von Dorfbewohner. Niemand wollte sie bei sich ihr wissen, sondern war dem Zauber der dunklen aufnehmen, denn jeder hatte Angst vor ihr Augen Juanitas verfallen. Eines Abends und befürchtete, von dem gleichen Schicksal passte er eine günstige Gelegenheit ab und betroffen zu werden wie die alte Frau. Nachdem man ihr überall die Tür gewiesen hatte, näherte sich Juanita, als sie gerade ausserhalb des Hauses beschäftigt war. Mit leidenschaftlichen Worten gestand er ihr seine Liebe und ihren Habseligkeiten auf dem Rücken, das verliess Juanita, ein armseliges Bündel mit versuchte das schöne Mädchen zu umarmen. Juanita sties ihn jedoch zurück und lief davon. Diesen dramatischen Auftritt hatte zufällig die alte Mutter des Bauern beobachtet und nichts Angelegentlicheres zu tun, als ihre Beobachtung ihrem Sohne mitzuteilen, wobei sie log, Juanita habe sich von dem Burschen küssen und umarmen lassen. Ihre Enkelin, die ebenfalls davon erfuhr, schenkte den .Worten ihrer Grossmutter ebenfalls Glauben und verzehrte sich vor Hass und Neid auf ihre vermeintlich glückliche Rivalin. Auch dem Copyright by tha Author Dorf, das sie einstmals gastlich aufgenommen hatte und jetzt als gefährliche Hexe verstiess. Sie wanderte auf der staubigen Landstrasse bis zum nächsten Dorf, in der Hoffnung, hier eine Zuflucht zu finden. Doch sie sollte grausam enttäuscht werden, denn kaum hatte man sie hier erblickt, als sich die Dorf Jugend zusammenrottete und sie mit Steinen bewarf, so dass sie das Weite suchen musste. Hatte sie schlieslich in einer Ortschaft bei mitleidigen Leuten Aufnahme gefunden, so fand diese Gastfreundschaft doch schon bald ein rauhes Bauern war der berichtete Vorfall nichts we- Ende, sobald auch hierher das Gerücht von niger als angenehm, hätte er doch den Burschen, ihrem « bösen Blick » gedrangen war. Dieses der Juanita nachstellte, nur zu gern als folgte ihr wie ein Schatten, wohin sie auch seinen Schwiegersohn gesehen. Alle diese kam. Die erregten Dorfbewohner rotteten sich Umstände trafen zusammen, um eine Juanita feindliche und gehässige Stimmung heraufzu- zusammen und der Gemeindevorsteher wusste nichts Besseres zu tun, als ihr zu raten, sich beschwören, und es'fehlte nur noch der, zün-"''Schleunigst aus dem Staube zu machen, da er 'S sonst für ihre Sicherheit nicht einstehen könne. e So zog Juanita als Verfemte von Ort zu Ort, GRENCHEN GEFA •'" unstet und flüchtig, begleitet von dem verhäng- : nisvollen Schatten ihres Makels, des « bösen ' Blickes ». Auf ihrer Wanderung gelangte sie Beteiligungen von Fr. 5.— eines Tages auf einen Gutshof in der Nähe von bis 200.— an zwei oder Gibrai tar bei dessen Besitzer sie eine Stelle mehreren Serien bieten . „ ' . , , _.. .. , . iRKT iiBiPMinFWENSm*! Gratis UN COGNAC AVEC MARTELL SODA FSPOOT Agenpe gänörale pour la Suisse Fred. NÄVÄZZÄ - GENEVE zusammenzubrechen. Müde und zerschlagen und an ihrem Dasein verzweifelnd, hockte sie sich an den Strassenrand hin, um ein wenig auszuruhen. Da kam ein mächtiges Auto angebraust, das zu ihrem Schrecken dicht neben ihr anhielt. Am Steuer sass ein elegant gekleideter Herr, der, sobald er das schöne Mädchen erblickte, ausstieg und auf sie zuschritt. Juanita wollte weglaufen, doch irgend etwas hielt sie zurück und sie blieb sitzen. Und als der feine Herr sie, freundlich lächelnd, einlud, ihn zu begleiten, bestieg das arme Zigeunermädchen nach kurzem Zaudern das Auto und fuhr mit dem unbekannten Manne davon. Alles das erschien ihr wie ein schöner Traum, und immer wieder blickte sie ihren Retter an, als könnte sie nicht glauben, dass das alles Wirklichkeit sei und nicht ein flüchtiges Trugbild ihrer Phantasie. Aber es war Wirklichkeit, und der Retter in der Not war ein reicher, junger spanischer Adeliger, Fernandez Gonsalez y Balba. Juanita sehen und sich in das schöne Mädchen verlieben, war für ihn eins. Er bewohnte dicht bei Sevilla eine einsam in einem grossen Garten gelegene Villa, wohin er seinen kostbaren Fund brachte. Nachdem er die Ausgehungerte mit Speise und Trank gestärkt hatte, bat er sie, ihm von ihr zu erzählen. Und Juanita erzählte ihm vertrauensvoll von ihrem armseligen. Leben und ihrem traurigen Schicksal, dass die Menschen sie des bösen Blickes bezichtigten, vor ihr als einer Hexe das Kreuz schlagen und dass sie von dem Gutshofe geflohen sei, um nicht wegen des Brandes, an dem sie schuldlos sei, gesteinigt zu werden. Fernandez hatte bereits in der Zeitung gelesen, dass sie von der Polizei wegen Verdachts der Brandstiftung gesucht wurde und tat daher alles, um ihren Aufenthalt geheim zu halten. Er kaufte ihr schöne Kleider und schenkte ihr Schmucksachen, so dass niemand in der vornehm gekleideten jungen Dame das ärmliche Bettelkind von früher wiedererkannt hätte. Juanitas Dankbarkeit für alles, was er für sie tat, verwandelte sich bald in tiefe Zuneigung. Und eines Abends widerstand sie nicht länger seinen leidenschaftlichen Bitten und wurde seine Geliebte. Und beide waren glücklich im Gefühl ihrer gegenseitigen Liebe. Irgendein unglücklicher Zufall wollte es aber, dass Juanitas Aufenthalt in der Villa des Fernandez bekannt wurde. Die schlimmen Folgen dieser Entdeckung Hessen nicht lange auf sich warten. Leute aus dem Volk rotteten sich vor der Villa zusammen und verlangten lärmend die Auslieferung der Hexe. Man suchte sogar mit Gewalt in das Haus einzudringen, um sie zu holen und zu steinigen. Von ihrer Anwesenheit in der Villa hatte aber auch die Polizei Kenntnis erhalten, die alsbald an Ort und Stelle erschien und, trotz des heftigen Einspruches von Fernandez, Juanita verhaftete, um sie in das Gerichtsgefängnis einzuliefern. Fernandez war untröstlich über den Verlust des geliebten Mädchens. Da er von ihrer Unschuld an dem Brande fest überzeugt war, beschloss er, nichts unversucht zu lassen, um ihre Freilassung zu erreichen. Er beauftragte daher einen Detektiv mit den Nachforschungen nach dem Brandstifter. Nach mühevollen und langwierigen Beobachtungen gelang es dem Detektiv, herauszubekommen, dass niemand anders als der von Juanita abgewiesene Knecht den Viehstall aus Rache angezündet hatte, konnte er doch mit Sicherheit darauf rechnen, dass der Verdacht sofort auf die Hexe fallen werde. Juanita wurde daraufhin freigelassen, nachdem sich ihre Unschuld klar herausgestellt hatte und kehrte zu ihrem Geliebten zurück, während, der Knecht verhaftet und zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Fernandez, der erkannt hatte, dass Juanita nicht nur einen schönen Körper, sondern auch ein gutes Herz besass und eine treue und zuverlässige Hausbesorgerin war, entschloss sich, allen Widerständen seiner Verwandten zum Trotz, die schöne Hexe zu heiraten. Und so geschah es, dass Juanita, das arme, verfemte Zigeunermädchen, die glückliche Frau eines spanischen Adeligen wurde.