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E_1936_Zeitung_Nr.097

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6 AUTOM OBIL-REVÜE

6 AUTOM OBIL-REVÜE DIENSTAG 1. DEZEMBER 1936 N°97 Schweizerische Rundschau Aufhebung von Einfuhrbeschränkungen. Im Zuge der vom Bundesrat unmittelbar nach der Abwertung verkündeten Neuorientierung unserer Wirtschaftspolitik, die eines ihrer wichtigsten Ziele in der Lockerung der staatlichen Eingriffe auf diesem Gebiet erblickt und erblicken muss, hat das eidg. Volkswirtschaftsdepartement in den letzten Tagen die Aufhebung einer ganzen Reihe von Einfuhrbeschränkungen angeordnet und damit eine weitere Etappe auf dem von ihm schon zuvor eingeschlagenen Weg zurückgelegt. Die neue Verfügung charakterisiert sich abermals als eine Massnahme der Anpassung an die im Gefolge der Abwertung stark veränderte Lage und wird ohne Zweifel dazu beitragen, unserer Wirtschaft, die vorher in den Fesseln der Kontingentierung zu erstarren drohte, neuen Auftrieb zu verleihen. Ab 1. Dezember fallen die Einfuhrbeschränkungen für Waren aus rund 60 Zolltarifpositionen dahin, doch gedenken die Behörden dabei nicht stehen zu bleiben, vielmehr sollen weitere Aufhebungen folgen. Unter den Warengattungen, deren Einfuhr mit diesem Schritt des Volkswirtschaftsdepartementes freigegeben worden sind, befinden sich auch die Geschwindigkeitsmesser für Motorfahrzeuge, welche der Bundesratsbeschluss vom 23. Januar 1934 einer Importbeschränkung unterworfen hatte. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Automobilverkehrs, der alljährlich Hunderte von Millionen in Umlauf bringt und mit Rücksicht auf das Automobilgewerbe, das mit seinen 40,000 Arbeitern und Angestellten einer grössern Zahl von Volksgenossen Arbeit und Verdienst sichert wie die Bahnen, erwächst unseren Behörden die Pflicht, bei ihren künftigen Vorkehrungen auch die Existenz dieses schwer darniederliegenden Zweiges erleichtern zu hellen, um so mehr als der Bundesrat durch die eben beschlossene Benzinzollreduktion implicite zugibt, dass der Staat ein Interesse an der Erhaltung und Wiederbelebung des motorischen Verkehrs hat Anerkennung nationaler Fahrzeug- and Führerausweise ausländischer Automobilisten. Einem Kreisschreiben des eidg. Justizund Polizeidepartements vom 27. November 1936 an die Kantonsregierungen entnehmen wir: Am 26. Mai 1936 hat der Bundesrat auf unsern Antrag hin beschlossen, versuchsweise bis Ende 1936 die Führer von 1. in den Vereinigten Staaten von Amerika oder Kanada, . 2. in den dem internationalen Abkommen vom 24. April 1926 über Kraftfahrzeugverkehr angehörenden Staaten immatrikulierten Motorfahrzeugen zum Personentransport zum Verkehr in der Schweiz zuzulassen unter der Bedingung, dass diese Führer ihre nationalem Fahrzeug- und Führerausweise besitzen und dass die Fahrzeuge mit den nationalen Polizeischildern, sowie einem Nationalitätszeichen versehen sind. Der Beschluss erfolgte in der Meinung, dass uns die Kantone ihre Erfahrungen auf Ende der Sommersaison mitteilen, damit sich die Bundesbehörden alsdann über das Ergebnis des Versuchs Rechenschaft geben und über das weitere Vorgehen schlüssig machen können. Nur wenige Kantone haben uns ihre Erfahrungen mitgeteilt. Diese kommen übereinstimmend zum Schluss, dass sich die Neuregelung bewährt hat. Aus dem Stillschweigen der andern Kantone darf geschlossen werden, dass sie gegen diese Regelung keine Einwendungen zu machen haben. Das grosse Interesse unseres Fremdenverkehrs an der Anerkennung der nationalen Fahrzeug- und Führerausweise der ausländischen Automobilisten und die bisherigen guten Erfahrungen in dieser Angelegenheit haben uns veranlagst, dem Bundesrat zu beantragen, seinen Beschluss vom 26. Mai 1936 für unbefristete Dauer zu verlängern. In seiner heutigen Sitzung hat der Bundesrat in diesem Sinne beschlossen. Chronik Grand Prix und Verkehrsfrequenz in Bern. Die Feststellung, dass der Grosse Preise der Schweiz für die Stadt Bern einen Faktor gewaltiger Wirtschaftsbelebung darstellt, ist genau so alt wie der Grand Prix selbst. Es mag aber doch interessieren, die Auswirkung des Rennens auf die Fremdenfrequenz der Bundesstadt zahlenmässig zu erfassen. Und darüber finden wir in einem bernischen Blatt folgende Angaben : « Sehr deutlich fällt uns aber die Ankurbelung der Wirtschaft bei sportlichen Veranstaltungen auf und hier möchten wir besonders den Grand Prix erwähnen. Kam man z. B. im Jahr 1935 im Monat August auf einen Tagesdurchschnitt von 650 Gästen, so wurden am Freitag vor dem Rennen bereits 828 Gäste und am Samstag 1470 Uebernachtungen registriert. Genau gleich wirkte sich dieser Sportanlass 'im ersten Jahr wie 1936 aus. » Dass die vom Grand Prix ausgehenden Impulse nicht nur dem Hotel- und Gastgewerbe zugute kamen, sondern dass daneben von den Hunderttausenden von Franken, welche das Ereignis in Bewegung setzt, auch für die Verkehrs- und Transportanstalten, für das Autogewerbe und für zahlreiche andere Wirtschaftszweige ein fettes Stück Geld abfiel, sei nur nebenbei bemerkt. - — TOURISTIK ACS-Ftthrer von Genf. Unter dem Patronat der Sektion Genf des ACS hat deren rühriger Sekretär, Henri Breitenstein, kürzlich ein Werk der Oeffentlichkeit übergeben, das bestimmt ist, eine Lücke in der autotouristischen Literatur Genfs auszufüllen. Es handelt sich dabei um den ACS-Führer von Genf, eine Publikation, welche sich zur Aufgabe gesetzt hat, in systematischer und erschöpfender Darstellung ein Bild der touristischen Möglichkeiten zu vermitteln, welche sich dem Automobilisten von der Völkerbundsstadt aus bieten. In 101 Itineraires erschliesst der Verfasser vorläufig die bekannten und weniger bekannten Ausflugsrouten im Kanton Genf, in der Waadt, in Savoyen, der Dauphine, im Departement de I'Ain, dem Jura, der Lyoner Gegend etc., doch ist bereits eine zweite Serie geplant, deren Gegenstand die Touren nach der Schweiz bilden sollen. Uebersichtlich in Gliederung und Anordnung, ohne überflüssigen Ballast in der Darstellung, wird die Broschüre mit ihren zahlreichen einzelnen Routenplänen und einer grossen schematischen Karte dem Autotouristen manche Anregung bieten und ihm wertvolle Dienste leisten. Thurgauer Notizen Strassenfragen vor dem thurgauischen Grossen Rat. In Zusammenhang mit der Beratung des Budgets für 1937 entspann sich in der Wintersitzung des thurgauischen Grossen Rats eine Debatte über die Strassenbaupläne der Regierung. Im Mittelpunkt der Diskussion stand dabei die von den Behörden ins Auge gefasste Verlegung der Staatsstrasse Wil-Amlikon-Konstanz im Abschnitt Bettwiesen-Bollßteg, wovon an dieser Stelle vor kurzem bereits die Rede war. Das Projekt scheint nicht überall auf Gegenliebe zu stoesen, einerseits weil man das Bedürfnis nach einer neuen Strasse in Abrede stellt, anderseits weil dabei eine Umfahrung der Dörfer vorgesehen ist. Allerdings erhoben sich auch Stimmen, welche, vor allem mit Rücksicht auf die bereite vorhandenen Anschlußstrecken der Nachbarkantone, für die Verlegung des in Frage stehenden Sektors eintraten. Regierungsrat Freyenmuth, der Chef des Strassen- und Baudepartements, betonte in seiner Antwort, dass heute noch der Ausbau der Querverbindungen Nord-Süd durch den mittleren Thurgau fehle. Ohne gründliche Arbeit müssen befriedigende Verhältnisse ein frommer Wunsch bleiben. Im Uebrigen handle es sich bei der Verlegung der Strasse von Bollsteg bis Bettwiesen nicht um ein endgültiges Projekt. Den Gemeinden sei doch wohl am besten gedient, wenn die Durchgangsstrassen in deren nächster Nähe verlaufen und die erforderlichen Anschlussstrecken geschaffen würden. Selbstverständlich erfolge auch der Aushau der oberen Strasse über Mettlen nach Wil. Die Anregung für den Ausbau der Strasee Wängi—Wil komme reichlich spät. Immerhin aber bestehe die Möglichkeit, die Strasse auf sieben Meter zu verbreitern und dazu noch ein Trottoir zu erstellen, zumal die Bahn Frauenfejd—Wil die Erklärung abgegeben habe, sie könnte das Geleise um einen halben noch auswärts verlegen. Aul jeden Fall solle die Anregung im Auge behalten und die nötigen Studien vorgenommen werden. ßüd.erf^di Erwin Faller: «Ich war der Koch des Negus.» Drei Jahre am Kaiserhof von Addis Abeba, verfasst von Herbert Volck, 280 Seiten, geb. Fr. 6.50, Jbrosch. Fr. 4.80, Verlag Hallwag, Bern. Es war schon eine besondere Fügung der Geschicke: Zur Zeit des mächtigsten Herrschers über Abessinien, des Kaisers Menelik, der im Jahre 1898 die Italiener in Adua aufs Haupt schlug, war ein Schweizer, der Thurgauer Hg, Minister in Addis Abeba. Am Hofe Haue Selas-sies, den die Italiener 36 Jahre später besiegten, war wieder ein Schweizer, diesmal ein Koch am aethiopischen Kaiserhof. Das dieser Tage im Hallwag-Verlag erschienene Buch berichtet nun in spannender Weise, wie dieser Schweizer, der sich auf den Schiffen des Norddeutschen Lloyd und dann auf der Griesalp im Berner Oberland' die Sporen seines Berufes verdiente, an den Hof des letzten Kaisers von Abessinien kommt. Er weiss nicht nur von den unzähligen, teils drolligen, teils dramatischen Begebenheiten in der Hofküche zu berichten, von einem gefährlichen Giftmischer, von Schlachten um Konservenbüchsen und den kaiserlichen Expeditionen ins Landesinnere, sondern wir vernehmen auch Dinge, die man bis dahin noch nicht kannte. Während den drei Jahren seines Aufenthaltes in Addia Abeba sah Faller, der Neguskoch, unzählige Begebenheiten, die nicht nur interessant zu vernehmen sind, sondern die zeigen, wie sonderbar auch die Verhältnisse um den gestürzten Kaiserthron gewesen sind. Nicht minder spannend ist der Bericht über den Zusammenbruch des Kaiserreiches, dio bangen Tage kurz vor dem Einzug der Italiener, bei welcher Gelegenheit Faller sein ganzes Vermögen verlor, um alsdann von den italienischen Truppen, als «Spion> verdächtig, in Ketten gelegt zu werden. Dieses Buch ist kein blosses Erlebnisbuch eines Schweizers; es ist gleichzeitig eine spannende Schilderung der ostafrikanischen Geschehnisse, wie sie bis dahin unbekannt war. ITliffeilun^en Von der ARVE-Ziehung. Wer hätte geglaubt, dass die Luzerner ARVE-Lotterie ein halbes Jabnach ihrem Start schon zur Ziehung schreite.' würde? Sie ist in wenigen Monaten populär geworden und hat sich die Anerkennung und Sympathie aller Volkskreise erworben. Die öffentliche Ziehung findet am 5. Dezember 1936, abends 8 Uhr, in den Sälen des Kunst- und Kongresshauses unter amtlicher und polizeilicher Aufsicht und unter Mitwirkung der Stadtmusik Luzern statt. Wer am 5. Dezember dabei sein will, tut gut, sich ein Los jetzt noch zu sichern, denn möglicherweise reicht der Losvorrat nicht bis zum letzten. Tage aus. ,. .. (Mitg.) AARAU: E. Goefsch & Co., Buchserstrasse 49. TeL 15.50, AIROLO: Tenconi Fratelli, Tel. 40. BASEL: Sigrist & Suter, Steinentorberg 12, Tel. 25.885. BERN: Güdel & Zaugg, Laupenstrasse 17, Tel. 27.117. BIEL: Gebrüder Probst, Freiestrasse 5 und 7, Tel. 25.24. BULLE: A. Schindler, rue de Vevey, Tel. 148. CHUR: J. Barfuss, Lindenquai 4. Obertor, Tel. 141. FRAUENFELD: Carl Moser, Tel. 5.35. FRIBOURG: Spicher & Audergon, Perolles 3, Tel. 7.54. » Henri Perroud, Avenue Beauregard 12, Tel. 45. GENEVE: Merz & Leutwyler, rue des Rois 1, Tel. 49.825. GLARUS: Mic Riffel, Tel. 2.54. GRÜNEN (Sumiswald): E. Leibundgut. HERISAU: Carl Erny, Mühlebühl, Tel. 51.387. INTERLAKEN: Bohren & Urfer, Rügenparkstrasse, Tel. Z07. LA CHAUX-DE-FONDS: Hans Stich, Rue Jacob-Brandt 71, Tel. 21.823, 21.824. LANGENTHAL: Ernst Hügli, Murgenthalstrasse, Tel. 60.174, LAUSANNE: Louis Guignard, Dipl. Ing., Avenue d'Echallens 4, Tel. 29.335. LOCARNO: F. Roveroni, Quartiere nuovo, Tel. 6.73. LUGANO: A. Keiser, Via Industria 3, Tel. 22.788. LUZERN: Ferrier, Güdel & Co., Moosstrasse 2, Tel. 22.211. NEUCHATEL: M. Conchon & Co., S.A., Manege 2, Tel. 53.457. ÖLTEN: J. Bleuel, Ecke Konradstrasse-HÜbelistrasse, Tel. 36.60. SCHAFFHAUSEN: H. Nohl, Freier Platz, Fischerhäuserstrasse, Tel. 14.77. SOLOTHURN: Auto-Electric A.-G., Werkhofstrasse, Tel. 21.848. ST. GALLEN: E. Grossenbacher & Co., MoosbrOckstrasse, Tel. 194. THUN: E. Trinler, Bernstrasse 13, Tel. 33.80. VEVEY: Blanc & von Gunten, Avenue du. Grand Hotel 21, Tel. 52.133. WIL (St. Gallen): R. Bruggmann, ZOrcherstrasse 6, Tel. 102. WINTERTHUR: H. Nohl, Wülflingerstrasse 61, Tel. 21.050. YVERDON: Equipement Electrique S.A., rue de la Plaine 53, Tel. 2.49. ZÜRICH 8: Kläy, Tschudi & Co., Utoquai 57, Tel. 28.286. SCINTILLA SOLOTHURN DUNLOP 7 PORTI

N° 97 — DIENSTAG, 1. DEZEMBER 1936 AUTOMOBIL-REVUE F E U I L L E T O N Musik der Nacht. Roman von Joe Lederer. 31. Fortsetzung. c Liebe Marion — haben Sie vielen Dank für Ihren Brief. Ich hätte Ihnen schon längst geschrieben, aber ich wollte die wenigen Wochen der Erholung, die Sie in Brioni fanden, nicht stören, Ihnen nicht vorzeitig eine Nachricht schicken, die Sie immer noch zu früh erfahren.» Was für ein Satz, Konstantin wird sich nie entschliessen können, etwas mit zwei Worten zu sagen, wenn er die Möglichkeit hat, es mit zwanzig Worten unklar zu machen ! Sybil liest hastig weiter. «Ich gestehe ein, dass mir diese Verzögerung lieb war, denn ich hatte nicht den Mut, Ihnen diese schlimme Nachricht zu bringen. Aber Sie haben als Einzige das Recht, es zu wissen...» Arme Marion ! Konstantin hat erfahren, dass sie von Toni betrogen wird — oder dass... Ah, jetzt ist die Ratte für alle Zeiten stumm geworden, der Brief geht nur Marion an,... < Es handelt sich um Sybil. » Um wen ? Um mich ? Ja, ganz richtig — da steht: Es handelt sich um Sybil. « Kurz nachdem Sie nach Brioni gereist sind, hatte Sybil einen merkwürdigen Fieberanfall, den wir alle — auch sie selbst — zuerst kaum ernst nahmen...» Was heisst das ? Komisch. Was für ein Pedant, dieser Konstantin ! Jetzt wird er der Reihe nach erzählen, was seit Juli gewesen ist. Hoffentlich weiss er auch noch, wann, wo und wie wir jeden Tag geluncht haben, damit es ein vollständiger und getreuer Bericht ist... kaum ernst nahmen, merkwürdig... kaum ernst nahmen — ? « Trotzdem bestand der Hausarzt darauf, dass Professor Kahr zu Rate gezogen würde und seine Diagnose stellen sollte.» Kahr, Professor Kah... ? Ach so, das war der Alte, Dicke. Schlaflosigkeit, müde das braucht doch keine grossen Diagnosen, ist doch nur Nervosität, oder Blutarmut oder ... ist doch schon längst vergessen ! c Professor Kahr, der sich eines ausgezeichneten Rufes erfreut und dessen Urteil nicht anzuzweifeln ist, machte mir eine furchtbare Eröffnung. > Sybil fängt von neuem an, sie liest nochmals die Ueberschrift, « Liebe Marion », Konstantin muss verrückt sein, das ist alles sinnlos, «nachte mir eine furchtbare Eröffnung», aber es steht da, Wort für Wort, das ist Wahnsinn, das äst.., Ihre Blicke : hetzten über die Zeilen hin, fangen einzelne Worte heraus, halbe Sätze. « Morbus Addisonii... der schleichende Beginn dieser Krankheit... getäuscht durch das relativ gute Aussehen der Kranken...» Sybil schüttelt den Kopf und starrt dumm vor sich hin. «Das eigentliche Wesen der Krankheit ist noch nicht geklärt, man weiss nur, dass es sich um eine Erkrankung der Nebennieren handelt und...» Woher weiss er das ? So, eine Erkrankung der Nebennieren ? Das ist alles ? Warum nimmt er das so tragisch ? « Zuweilen beginnt das Leiden mit heftigen, fieberhaften Anfangssymptomen und führt dann, nach wenigen Monaten, zu einem raschen Ende.» Sybil streicht mit dem Finger über die Zeile hin, sie buchstabiert « ei—nem raschen Ende... », sie muss die Lippen zusammenpressen, weil ihr Mund plötzlich voll Bitternis und Speichel ist. Aber sie versteht es noch immer nicht, kann es nicht begreifen, dass von ihr selbst die Rede ist. « Es handelt sich um Sybil...» Das muss ein Irrtum sein, o Gott, ein furchtbarer Irrtum! Ein Ende gibt es ja gar nicht, sie ist doch gesund, sie ist vierundzwanzig Jahre, sehr gesund und braun wie eine Indianersquaw. Konstantin ist ein Narr ! Sie ist vierundzwanzig Jahre, fährt nach Brasilien, ins neue Leben, in Genua Hegt der « Giulio Cesare » und wartet. Lukas ist im Nebenzimmer, es ist herrlich zu leben, — — und zu einem raschen Ende führt! Nein, nein, das gibt es nicht, das ist "nur Traum, grauenvoller Traum, aufwachen, es soll Morgen sein! Jetzt ist der Alp vorbei, jetzt ist es wieder gut... ja,... Licht kommt durch die Vorhänge, die Uhr tickt, Stasi bringt den Kaffee. Stasi! Zu einem raschen Ende führt... Die goldene Zukunft, brasilianische Küste, Arbeit, Liebe... jetzt soll es doch erst beginnen, alles, wofür man gross und schön geworden ist, wovon man. geträumt hat durch Jahre und Jahre. Mama ! Die Hand vor den Mund halten, still sein, still — Lukas ist nebenan, darf nichts merken. Mama ! Ma—a—tnaaa ! Ich hab es ja gewusst! Mein Verstand hat geschlafen, aber mein Körper hat alles gewusst ! « Es war Verhängnis, dass man die bronzefarbene Pigmentierung der Haut nur für Sonnenbräune hielt. Wenn es auch keine Heilung gibt, so wäre es doch vielleicht im Frühling noch möglich gewesen, den Verlauf der Krankheit zu verzögern, hinauszuziehen, einige Monate zu gewinnen. Sie müssen sich dieses Leiden vorstellen wie eine grosse, unaufhörliche Schlacht, in der die roten Blutkörperchen vernichtet werden.» Ach, so ist das... aber daran stirbt man doch nicht! Und rasches Ende, das heisst doch beinahe... ja, das heisst sterben. Aber zerstörte, rote Blutkörperchen, das ist doch nicht schlimm, man hat doch hunderttausend, nein, mehr: Millionen, Milliarden hat man, jeden Augenblick werden neue geboren, das hab ich irgendeinmal gehört, selbstverständlich ! Konstantin ist ein Feigling, schreit wegen- einer Kleinigkeit Ich bin krank, das kann sein, vielleicht sehr krank. Aber ich bin kein verlorener Mensch ! Ich kann wieder gesund werden. So jung! Da kann man einem den Kopf abschneiden, und er wächst wieder nach. Sybil lacht. Sie blickt in den Spiegel, betastet ihren Mund, die Schläfen — das Spiegelbild starrt ihr mit verzweifelten Augen entgegen, wühlt die Finger ins Haar — wendet sich ab. Sybil liest weiter. « Zur Uebersiedlüng nach Zürich bestimmte mich der Grund, dass an der hiesigen Universität Professor Stöckle ist, der sich eingehend mit diesem Leiden beschäftigt hat. Aber auch er bestätigte nur, was mir bereits Professor Kahr mitgeteilt hatte: dass der Morbus Addisonii ausnahmslos eine tödliche Krankheit ist. Professor Stöckle wird die Behandlung übernehmen, obwohl die ganze Therapie nur darin bestehen wird, das. furchtbare Endstadium erträglicher zu machen. Sybil scheint sich einstweilen noch ganz wohl zu fühlen und durch ihre Schlaflosigkeit ünd'die Schwindelanfälle nicht Beunruhigt zu sein. Es wird alles geschehen, um ihr diese Ahnungslosigkeit so lang wie möglich zu erhalten. Was weiter sein wird, will ich mir nicht vorstellen, ich weiss nicht, woher man die Kraft nehmen soll, eine Frau leiden zu sehen. Ich kann es noch immer nicht fassen...» Sybil zittert nicht mehr, sie fegt die lösen Blätter zu Boden und hat Lust, zu schreien. Hoch; dünn, wütend zu schreien, gegen Kon- §faritih loszugehen, mit Fäusten zu schlagen ! «Ich kann es noch immer nicht fassen » schreibt er, schreibt mit zierlichen, grausam exakten Buchstaben. Nicht fassen, dieser Lump, er tut sich leicht, er kann es nacht fassen, Schluss, basta ! Die Luft ist voll von Konstantins Schrift, kleine schwarze Buchstaben tanzen im Spiegel, « Nicht fassen», ach so, Monsieur Konstantin kann es nicht fassen. Sybil steht auf, sie kniet auf dem Boden und sammelt die Blätter. Sie ist voll Zorn, aber plötzlich muss sie lachen. Ohne Laut, mit hochgezogenen bösen Lippen, sie streicht die Bogen glatt, wie komisch, der Fussboden schwankt, man hätte die Tasche auch im Auto vergessen können — lag sie nicht auf dem Fussteppich, staubig wie ein herrenloser Hund ? Der Boden bewegt sich, schlägt Wellen, und der «Giulio Cesare» liegt im Hafen von Genua. Sie setzt sich wieder zum Tisch, liest weiter. ... nicht fassen, dass Sybil, ein junges, blühendes Geschöpf verloren sein soll. Aha, jetzt kommt der Nekrolog, jetzt kommt das schwarzgeränderte Taschentuch und die keusche Männerzähre. Aber nächstes Jahr reist er nach Tibet. Um zu vergessen, um sich zu erholen um weiterzuleben ! «Ich bin dem Schicksal dankbar, dass unsere Heirat, die Sybil schon längst wünschte, sie ein wenig erfreuen wird." Ich habe immer versucht, nach bestem Gewissen zu handeln, und meine Motive gegen diese Ehe waren keine egoistischen. Meine Liebe zu Sybil ist gross, aber ohne Blindheit. Ich bin ein Mensch der Arbeit, der Wirklichkeit, Sybil hätte in mir nicht gefunden, was sie sucht, und ihre Sehnsucht nach Romantik wäre enttäuscht worden. Ich bekenne offen, dass mein Zögern Sybil viele böse Stunden bereitet haben muss. Jetzt drücken mich die Vorwürfe, obwohl ich mir keiner wirklichen Schuld bewusst bin. Ich habe damals für uns beide überlegen müssen. Wie hätte ich an dieses Ende denken sollen, es für möglich halten, dass das Leben ein schönes, makelloses Geschöpf bildet und aufblühen lässt, nur um es plötzlich, in irrsinniger Wut, zu zertrampeln. Man sagt, wen die Götter lieben, der stirbt jung. Sybil schien immer ein Liebling der Götter zu sein — mögen sie ihr nun das Leiden gnädig bemessen...» Fortsetzung folgt Unübertroffene Startkqpazifäf der nauen Platten mit Gross.Oberfläche darum die bewährte THERMOLITH -BATTERIE Reparaturen sämtlicher Batterietypen prompt und billig Schutz vor Kälte, die dem Kühler lebensgefährlich werden könnte. Unsere seit langem bewährten Kühlerdecken sind rasch montiert und kosten wenig. Electric - Service für Motorfahrzeuge C. 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