Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.067

E_1938_Zeitung_Nr.067

Notizen Zürcher Fiskus

Notizen Zürcher Fiskus und Motorfahrzeugverkehr. Man weiss es im Kaspar-Escherhaus in Zürich ganz genau, dass der Motorfahrzeugverkehr im kantonalen Finanzhaushalt heute eine bedeutsame Rolle spielt. Von den rund 124,5 Millionen Fr. Einnahmen entfallen rund 6,5 Millionen auf die Verkehrssteuern und -gebühren. Rechnet man noch den Anteil am Benzinzoll dazu, so erhöht sich dieses Erträgnis auf 7,65 Millionen Fr. oder fast 6,5 % der ordentlichen Einnahmen des Kantons im Jahre 1937. Erstmals seit 1912 wieder bewegt sich der Erlös aus dem Motorfahrzeugverkehr in aufsteigender Linie, wenn er auch immer noch um einige hunderttausend Franken unter dem 1933er Ergebnis bleibt. Deutet man diesen « Silberstreifen » von Seiten der Regierung als die gern gesehene Besserung im zürcherischen Motorfahrzeugwesen und als Vorwand dazu, um von einer Aenderung d. h. Herabsetzung der Verkehrssteueransätze vorläufig abzusehen ? Die Langsamkeit, womit die Verkehrsgesetzinitiative seit Monaten behandelt wird, scheint diese Vermutung nahezulegen. Die Einnahmen der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle Zürich beliefen sich nämlich im Jahre 1937 auf: Staats- und Schreibgebühren Fr. 420.662,80 (Fr. 18.000 mehr), Gebühren für Prüfung von Fahrzeugen und •Führern Fr. 172.125,65 (Fr. 5000 mehr), Verkehrssteuern Fr. 5.885.540,95 (Fr. 95.000 mehr), Kontrollschilder und CH-Schilder Fr. 28.567,50 (Fr. 2000 weniger). Für die letzten 5 Jahre stellen sich die Gesamteinnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr wie folgt: Zu- resp. Abnahme 1933 Fr. 6.971.936,15 — 1934 Fr. 6.896.634,69 —Fr. 75.301,46 1935 Fr. 6.799.549,20 —Fr. 97.085,49 1936 Fr. 6.389.759,71 —Fr. 409.789,49 1937 Fr. 6.506.896,90 +Fr. 117.137,19 Es fehlt somit immer noch fast eine halbe Million bis zum 1933er Rekordresultat, und wenn man bedenkt, dass Ende 1937 die Zahl der zurückerstatteten Kontrollschilder wieder merklich höher war als Ende 1936, so wird man dem 1938er Ergebnis keine .zu günstige Prognose stellen dürfen. Da überdies auch die Zahl der in Verkehr gesetzten Motorfahrzeuge keine Zunahme verzeichnen kann, der Zug zum Kleinwagen aber neue Fortschritte macht, wird das Erträgnis aus den Verkehrssteuern 1938 wohl wieder im Zeichen einer Abnahme stehen, wobei nur zu bedauern ist, dass die bezüglichen Resultate erst im März 1939 bekannt werden dürften. Bis dahin jedoch wird in den Kreisen der kantonalen Behörden wiederum eine, allerdings unberechtigte, optimistische Auffassung die Segel schwellen, mit dem Erfolg, dass die in der Verkehrsgesetzesinitiative niedergelegten Postulate für Verkehrssteuererleichterungen vorläufig ad acta gelegt werden. Zu den Einnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr gesellen sich noch diejenigen aus dem Fahrradverkehr, der ja im Kanton Zürich Jahre grösster Prosperität durchmacht. Diese warfen pro 1937 folgende Summen ab: Ausweiskarten Fr. 343.261,50, Kontrollschilder Fr. 14.560, Versicherungsprämien Fr. 239.295, Beitrag der Versicherungsgesellschaft Fr. 10.000, und Verschiedenes Fr. 7469,13, total Fr. 614.589,63, gegenüber Fr. 533.968,10 im Jahre 1936 und Fr. 499.635,90 im Jahre 1935. Somit bucht der Kanton innert zwei Jahren eine Zunahme von Fr. 115.000 oder 23 %. Fügt man noch die Einnahmen an Gebühren für Schiffskontrolle in der Höhe von Fr. 2228,85 und die verschiedenen Einnahmen von Fr. 13.364,85 bei. Weitete. Stimmen zum JCapUet „Anpotelunq. von Austäitdecn" ' Aus der Menjre der Zuschriften, die uns nach den in Nr 64, 65 und 66 unseres Blattes erfolgten Veröffentlichungen zu diesem Thema zugekommen sind, greifen wir nachstehend noch ein paar weitere heraus, möchten indessen damit die Diskussion schliessen. Red. Nicht nur Ausländer, sondern auch Schweizer werden angerempelt. Ein Berner Leser äussert sich wie folgt: « Mein Bruder und ich fuhren oft in Richtung Thun, wo es uns hie und da passierte, dass der "Wagen bespuckt oder dass uns Kies nachgeworfen wurde. TJnd dies bei einem Wagen mit Berner Nummer! Interessant ist vielleicht auch die Tatsache, dass unser Auto nicht etwa ein grandioses Luxusmodell ist, sondern ein ganz bescheidener Peugeot älteren Modells. Vielleicht handelt es sich bei diesen Missetätern vielfach um politisch Verhetzte, die in jedem, der da in einem Auto daherkommt, einen Grosskapitalisten wittern, vielleicht auch um Bauern, die sich auf diese Art für vielleicht manches Federvieh rächen wollen, das von unbekannten Automobilisten ins Jenseits befördert wurde. In meinem Berufsleben habe ich den ganzen Tag mit Ausländern zu tun und dabei bietet sich nur wirklich Gelegenheit, die Leute kennen zu lernen. Im grossen und ganzen sind die wenigen Deutschen, die in die Schweiz kommen freundlich. Aber oft — und besonders von Frauen, bekommt man Antworten, dass helle Empörung in einem auflodert und dass man sich schon genau der Tatsache bewusst bleiben muss, wieviele Schweizer durch den Fremdenverkehr ihr Brot verdienen, um nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten und unverblümt herauszusagen, was man denkt. — Allerdings — das muss ebenfalls gesagt sein — es gibt auch Schweizer, die sich durch ähnliches rüpelhaftes Benehmen unrühmlich hervortun und denen die gleiche, stillschweigende Verachtung gebührt. H Z Angenehm überrascht. Von anderer Seite geht uns folgende Einsendung zu : Zu den Beschwerden, die in Ihrem Blatt über die Anrempelung Deutscher publiziert worden sind, möchte auch ich mich äussern. Ich habe «icher ein' Dutzend durchfahrende Deutsche um ihre Meinung über die Schweiz gefragt. Einzelne haben in Deutschland gelesen odeT gehört, dass man sich in der Schweiz auf Anpöbelungen gefasst machen müsse, sie sind nun doppelt überrascht über die zuvorkommende und liebenswürdige Behandlung, wobei natürlich ein Teil des Lobes der landschaftlichen Schönheit gilt. Ich kann es aber verstehen, dass nicht jeder Schweizer anmassende Bemerkungen von Auslän-r dem schweigend hinnimmt. Dieser Typ von Fremden ist es, der in der Schweiz durch sein Verhalten Anstoss erregt und dementsprechend auch Anstände haben wird. Es ist unsere Pflicht, und den Gästen gegenüber höflich, anständig zu benehmen, was aber nicht heissen will, dass wir .von Leuten, die nicht wissen, was sich schickt, alles einzustecken brauchen. A. G. Ein Armutszeugnis für unsere politische Reife sagt der Schweiz. Fremdenvertuhrsverbarod. In einem Artikel «Schweizerische Gastlichkeit in Gefahr» setzt sich auch der Schweizerische Fremdenverkehrsverband mit diesen beschämenden Vorkommnissen auseinander, wobei er zu der Feststellung gelangt, dass dadurch die Früchte jahrelanger Propagandaarbeit aufs schwerste gefährdet werden. Den Schaden tragen allerdings nicht die anonymen «Helden» der Strasse, sondern Hotele* rie, Verkehrsunternehmungen und Tausende von so ergibt sich pro 1937 ein Totalertrag aus dem Motorfahrzeug-, Fahrrad- und Schiffsverkehr von Fr. 7.137.076,23. Im Vergleich dazu flössen dem Fiskus während der Vorjahre zu : 1936 Fr. 6.938.618,96 1935 Fr. 7.305.129,55 1934 Fr. 7.371.841,60 1933 Fr. 7.422.654,90. Trotz den sehr starken' Mehrerträgnissen ans dem Fremdenverkehr verbleibt somit noch immer eine Mindereinnahme von fast 300.000 Fr. binnen 4 Jahren! •• Die Ausgaben der Motorfahrzeugkontrolle für Motorfahrzeug-, Fahrrad- und Schiffsverkehr beliefen sich im Jahr 1937 auf Fr. 475.613,65 gegenüber Fr. 455.855,50, wobei der Mehraufwand von rund 20.000 Fr. vollständig auf Mehrkosten für Fahrradversicherungsprämien zurückzuführen ist AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, den 19. August 1938 — N° 67 Mitbürgern, denen der Fremdenverkehr ihr tägliches Brot bedeutet Darüber hinaus aber gehe es um Grundsätzliches, um die Frage nämlich, ob wir die Ablehnung der unserem Denken und Fühlen entgegengesetzten Weltanschauung eines Nachbarstaates^ dadurch Ausdruck verleihen müssen, dass wir einzelne seiner Angehörigen verunglimpfen. Das hiesse allerdings unserer demokratischen Erziehung und vielgerühmten politischen Einsicht ein Armutszeugnis ausstellen. Wenn auch solche Ausschreitungen von der Übergrossen Mehrheit unseres Volkes missbilligt werden, so bedürfe es doch, um sie inskünftig zu verhindern, der steten Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit, vor allem bei unserer Jugend. ... und eine Ehrenrettung aus Deutschland ! Ein treuer, in Deutschland wohnhafter Leser schildert uns die Erfahrungen und Beobachtungen auf seinen Schweizerreisen wie folgt : «Liebe Schriftleitung! Jetzt hast Du selbst und mit Dir eine Anzahl Deiner Mitarbeiter und Leser so viel und so lange darüber geschimpft, dass wir Automobilisten aus dem deutschen Reichsgebiet auf den'Pass-Straseen Deines schönen Landes, in Deinen friedlichen Dörfern und Städten so von Euren freien Eidgenossen angegeifert, angespuckt und beschimpft werden, dass es mir eigentlich angst und bange werden könnte bei dem Gedanken, dass ich jetzt wieder vier Wochen die Strassen der Eidgenossenschaft mit meinem Auto unsicher machen will. Da ich Dein Land jedoch so gut kenne wie mancher Schweizer und seit einem Menschenalter alljährlich drinnen zu Gast bin, glaube ich jedoch als Deutscher eine Lanze für den braven Schweizer Bürger und Eidgenossen brechen und zu seiner Verteidigung auch einmal das Wort ergreifen zu dürfen. Ich stelle mit Freude — ganz im Gegensatz zu den Klagen und Beschwerden, die Du •veröffentlicht hast — fest, dass ich alljährlich einige Tausend Kilometer auf fast allen wichtigen Strassen der ganzen Schweiz zurücklege •und dass ich diese Besuche auch in den letzten Monaten und Wochen noch durchgeführt habe, ohne dass mir in Deiner Heimat jemals auch nur eine feindselige oder drohende Miene begegnet wäre. Ich bin von jeher gewohnt, auf alle Kleinigkeiten am Wegerande und auf jede Nuance zu achten. Umsomehr kann ich mit gutem Gewissen bezeugen, dass ich in 30 Jahren als Automobilist in Deinem Lande noch niemals beschimpft, noch niemals bedroht und noch niemals angespuckt wurde. Ich kann auch bezeugen, dass man mir noch keine Flaggen vom Wagen gestohlen, noch keine Luft aus den Reifen gelassen, noch keinen Zucker in den Tank gefüllt und noch keine Pflastersteine gegen Karosserie und Schutzscbeibe ge J warfen hat. Im Gegenteil, was ich in der »Schweiz, antraf, war die echte, vorbildliche Kameradschaft der Landstrasse und ein sauberes, reines Menschentum auch bei einfachen, schlichten Menschen, wie ich es mir auf meinen Wegen in Europa überall wünschen möchte. Es mag sein, dass einzelne Automobilisten weniger gute Erfahrungen in Deinem Lande gemacht haben. Meine Erfahrungen weichen jedoch von diesen Klagen ab und ich habe viele deutsche Freunde, die mir dasselbe sagen. Wie es aber auch seil loh halte es für eine selbstverständliche Pflicht, als ständiger Gast Deines Landes auch einmal für jenen Teil des Schweizer Volkes einzutreten, der fraglos menschlich und anständig ist, damit nicht in der Oeffentlichkeit der Eindruck entsteht, wir würden beim lieber®chreiten der Schweizer Grenze in die Hände unzivilisierter Menschen fallen. Was mit dem Einnahmenüberschuss 1937 geschah ? Er wurde wie folgt verwendet: Zuweisung an den Fonds für Verbesserung und Unterhalt der Haupt- 1937 1936 verkehrsstrassen des Fr. Fr. Kantons 4.713.029,30 4.602.069,85 Bgitraj? an die Stadt Zürich für Strassenunterhalt 918.198,30 901.912,15 Beitrag an die Stadt Winterthur für Strassenunterhalt 346.385,15 340.241,30 Der vorgenannte Fonds für die Verbesserung und den Unterhalt der lauptvtrkehrsetrassen des Kantons Zürich wurde 1937 mit folgenden Beiträgen dotiert: Anteil an Verkehrssteuern und -gebühren Fr. 4.713.029,30, Baueinnahmen Fr. 675.623,70, Anteil am Benzinzoll pro 1936 Fr. 1.142.536,— und Kapital- und Kontokorrent-Zinsen Fr. 370.170,80. Anderseits erfolgte im Jahre 1937 eine Entnahme für Verbesserung und Unterhalt der Hauptverkehrsstrassen von Fr. 7.233.256,05, so dass sich der Fonds auf Jahresende auf Fr. 10.061.696,— stellte. Die Rolle, welche die Erträgnisse aus dem Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr heute im zürcherischen Finanzhaushalt spielen, muss zu besonderer Aufmerksamkeit Anlass geben. Optimisten sei vorausgesagt, dass wir noch nicht « über den Berg » sind, dass weitere Rückschläge mit Bestimmtheit folgen werden. Es wäre daher nicht zu verstehen, wenn man die dringend nötige finanzielle Entlastung der Motorfahrzeughaltung durch unstichhaltige Argumente noch länger hinausschieben und mit der Behandlung der Verkehrsgesetzesinitiative immer und immer noch nicht ernst machen wollte. Diese zögernde Haltung müsste sich bitter rächen und es wäre für die Regierungsvertreter keine dankbar© Aufgabe, die Verantwortung für ein solch kühnes Spiel noch weiter zu übernehmen. V Stpassen Eine neue Betonstrasse im Thurgau. Am vergangenen Samstag ist die neue Betonstrasse Kradolf-Bischofszell in Betrieb genommen worden. Eines der schlimmsten Strassenstücke des ganzen Thurgaus hat damit eine Modernisierung an «Rumpf und Gliedern» erfahren, welche diese Strecke nunmehr zu einer der modernsten und besten des ganzen Kantons stempelt. Bei einer Länge von 4083 m besitzt die neue Strasse ein© durchschnittliche Breite von 6 m und ist zudem mit 50 cm breiten Banketten versehen. Was für ein ansehnliches Stück Arbeit hier im Dienste des Verkehrs geleistet wurde, erhellt im weiteren aus der Tatsache, dass der Belag eine Fläche von 24.560 m* verkörpert. Die Baukosten sollen sich auf 400.000 Fr. belaufen. Die neue Auto-« Direkte » Flawll-Toggenburg-Ricken. Die Staatsstrasse Flawil - Lütisburg - Toggenburg ist während der letzten Jahre einer grosszügigen Korrektion unterzogen worden, nachdem «ie zuvor während Dezennien nichts weniger als verkehrswerbend wirkte. Der Verkehr nahm aber trotzdem zu, vor allem der Mötorwagenverkehr, so dass die Staubfrage unbedingt eine radikale Lösung erheischte. Die Arbeitslosigkeit wirkte dabei fördernd mit, so dass der Kanton St. Gallen sich entschloss, die Korrektion der ganzen Strecke als Notstandsarbeit durchzuführen Während 3/4 Jahren konnten gegen 300 Arbeitslose aus der ganzen Gegend beschäftigt werden. Dabei verschwanden alle scharfen Kurven. Es darf denn auch gesagt werden, dass sich der ganze Strassenzug heute in einer vorbildlichen Verfassung präsentiert. Die Fahrbahn ist durchgehend 6,5 Meter breit; der Strassenbelag besteht aus Teermakadam; nur in Lütisburg, wo eine Steigung von mehr als 8 Prozent überwunden werden muss, fand Steinpflästerung Verwendung. Die korrigierte Strasse beginnt westlich von Flawil. bei Botsberg und zieht sich, immer dem Gelände angepasst, in möglichst gleicher Höhenlage über Unterrindal bis zur Thur bei Lütisburg. Ihre Länge beträft 9.7 km. Di* Baukosten stellen sich auf Fr. 1,060,000. Im Anschluss an die Fertigstellung der korrigierten Strasse fand eine offizielle Besichtigung statt, zu de' sieb der Regierungsrat, soweit er zur Zeit nicht in den Ferien weilt, in corpore eingefunden hatte. Dazu kamen die Vertreter der Bezirke Untertoggenburg und Alttoggenburjt und der an der Strasse direkt interessierten 7 Gemeinden. Der kantonale Baudirektor, Landammann Dr. K. Kobelt, wies nicht bloss auf die verkehrstechnische Bedeutung der Strasse hin, sondern namentlich auch auf diren staatspolitische Mission: Toggenburg und die Linthgegend werden damit der Kantonshauptstadt nähergebracht. Die Freude über das gelungene Werk fand dann ihren Ausdruck auf dem aus den letzten Manövern her bekannten Feldherrenhügel, unmittelbar über Lütisburg, wo sich aus einem einfachen Vesper heraus sozusagen ganz von selbst eine Aelplerchilbi mit Musik und Tanz entwickelte. E. D. Tante Betty sandte die hundert Pfund, die ursprünglich Nancy zugedacht waren; zur Hochzeit kam sie nicht. Nancy ebenfalls nicht. Sie hatte- eine schlecht bezahlte Stellung 1 in einem Kinderkrankenhaus in einer der östlichen Grafschaften, angenommen und schrieb, dass ihr die Arbeit Freude mache, aber sie könne die Oberin nicht ausstehen. Sie ging nicht auf Einzelheiten ein, und wir hofften, sie würde einige Zeit dort bleiben und dann etwas Besseres finden. Die Hochzeit brachte sehr viel Arbeit und Unruhe mit sich, und als sie vorüber war, fühlten wir uns zwar erleichtert, aber sehr ermüdet. George Vincent sagte, dass er genötigt gewesen war, selbständig ein neues Kinderfräulein zu engagieren, weil ich nie Zeit hatte, ihm dabei behilflich zu sein. Unsere Silberhochzeit war nicht annähernd so anstrengend gewesen, und wir freuten uns auf einen geruhsamen Herbst. Wenigstens Nicholas und ich sagten, dass wir ruhig leben wollten; aber wo junge Leute im Hause sind, gibt es immer unruhige Elemente darunter. Herr Beale zeigte plötzlich ein auffallendes Interesse für Celia. Er stammte nicht aus Cornwall; ich habe nie gewusst, woher er überhaupt kam.,-Er lebte in sehr guten Verhältnissen und : hatte sich ein Haus in der Umgebung von Porthlew gekauft, weil er Narzissen züchten wollte. Er hatte eine kleine, gedrungene Gestalt, «ine schwatzhafte Zunge, strahlte nervöse Unruhe aus und war sehr von sich eingenommen. Er erzählte mir, dass er nicht geheiratet habe, weil er mit dreissig Jahren noch nicht,. in der Lage dazu gewesen wäre, ferner, dass die modernen Mädchen nichts für ihn seien. Er lehnte sie gründlich ab, besonders aber die Art, wie sie mit übereinandergeschlagenen Beinen dasitzen und dabei ihre Dessous zeigen. «Ich könnte eine solche Frau nicht ertragen », sagte er und heftete seine Augen auf ein jung verlebtes Mädchen, das entzückende hellgrüne Schlüpfer trug, deren Farbton auf ihre Strümpfe und ihr Kleid abgestimmt war. Man konnte sie wirklich sehen. «Man säst, eine Hochzeit zieht die andere nach sich. Es gibt Männer, die Angst vor so vielen Schwägerinnen haben; aber in diesem Falle sehe ich keinen Grund zur Angst. Jedermann spricht mit Hochachtung von Ihren Töchtern. Ja, die Kinderstube macht es. Es geht nichts über eine gute Kinderstube, Sie haben ihnen sicherlich nie erlaubt, sich so hinzusetzen ? » «Darüber habe ich nie nachgedacht>, erwiderte ich belustigt «Vielleicht sind unsere Stühle zu unbequem.» c Leider kenne ich Ihre Stühle nicht so gut, wie mir lieb wäre, weil ich zu selten in Ihr Haus komme. Interessieren Sie sich für Narzissen ? Ich möchte Ihnen gern meinen Garten zeigen. Interessiert sich Fräulein Brooke für Gärtnerei? Sie sieht so aus, als ob sie etwas dafür übrig hätte. Ich meine nicht, ob sie Gartenarbeit macht. Sie hat wundervolle Hände, und es wäre ein Jammer, wenn Ihre Tochter sie sich ruinieren würde. Wie denken Sie über eine absolute Uebereinstimmung des Geschmacks zwischen Eheleuten ? Ich bin nicht dafür. Sympathie und Verständnis muss von beiden Seiten wohl unbedingt vorhanden sein; aber nicht ,ein Herz und eine Seele', wie das die Leute nennen. Wenn ich je heirate, dann wäre es mein Wunsch, dass meine Frau sich für den Küchengarten interessiert. Zurzeit überlasse ich ihn dem Gärtner. Ich habe eine grosse Vorliebe für Spinat; er ist ein sehr bekömmliches Gemüse. Wenigstens bin ich der Ansicht. Nicht, dass ich im Essen wählerisch wäre, im Gegenteil. Ich habe zwar einen empfindlichen Magen, aber wenn man mir Hummer anbietet, esse ich Hummer, ja, sogar Krabben. Wenn sie frisch sind, sind sie ebenfalls eine gesunde Nahrung, wenigstens bin ich der Ansicht. Interessiert sich Fräulein Brooke für die Küche ? Für mein Gefühl eine sehr wertvolle Liebhaberei. Ja, das Kochen! Manche Frauen halten es für unter ihrer Würde. Ein Kapitalfehler. Die Gesundheit hängt von der Ernährung ab und der Seelenzustand von der Gesundheit, wenigstens bin ich der Ansicht. Aber vielleicht bin ich Materialist.» (Fortsetzung folgtJ

N° 67 -^ FREITAG, ged 19. &ngnst 1988 AUTOMOBIL-REVUE V. Grosser Preis der Schweiz Voäständiqe lUtwtiste Grosser Preis der Schweiz. A. FABRIKFAHRER UND RENNSTÄLLE 1 DAIMLER-BENZ A.-G., STUTTGART. Rudolf Caracciola, Deutschland Mercedes-Benz M. v. Brauchitsch, Deutschland Mercedes-Benz Hermann Lang, Deutschland Mercedes-Benz Richard Seaman, England Mercedes-Benz Z AUTO-UNION A.-G., ZWICKAU. Tazio Nuvolari, Italien Auto-Union Hans Stuck, Deutschland Auto-Union Christian Kaufz, Schweiz Auto-Union Hermann Müller, Deutschland Auto-Union t. ALFA CORSE, MAILAND. Dr. Giuseppe Farina, Italien Alfa Romeo Jean-Pierre Wimille, Frankreich Alfa Romeo 4. ECURIE BLEUE, BURNAY. Rene Dreyfus, Frankreich Delahaye R. Raph, Frankreich Delahaye 5. SCUDERIA SABAUDA, TURIN. Di'no Teagno, Italien Maserati 8. SCUDERIA TORINO, TURIN. Piero Taruffi, Italien Alfa Romra 7. ECURIE DUPUY ET DE GRAFFENRIED, USA/SCHWEIZ. E. de Graffenried, Schweiz Maserati B. PRIVATFAHRER Giovanni Mlnozzi, Italien Emilio Romano, Italien Jatvan de Sztriha, Ungarn Adolf Mandirola, Schweiz Max Christen, Schweiz Preis von Bern. Alfa Romeo Alfa Romeo Alfa Romeo Maserati Maserati A. FABRIKFAHRER UND RENNSTÄLLE 1 ENGLISH RACING AUTOMOBILES LTD, BOURNE. Lord Howe, England E. R. A. Raymond Mays, England E. R. A. 2. ALFA CORSE, MAILAND. Emilio Villoresi, Italien • Alfa Romeo Raymond Sommer, Frankreich Alfa Romeo 3. SCUDERIA AMBROSIANA, MAILAND. Eugenlo Minetti, Italien Maserafl Manuel de Teffe, Italien Maserati Luigi Villoresi, Mafien Maserati 4. SCUDERIA SABAUDA, TURIN. Dioscoride Lanza, Italien Maserafl Dino Teagno, Italien Mastratf 6. SCUDERIA TORINO, TURIN. Piero Ghersi, Italien Maserati 6. GRUPPO VOLTA, COMO. Tino Baruffi, Italien Maserati Luciano Uboldi, Italien Maserati Programm der Berner Automobilsport-Tage Freitag, 19. August: 13.30—14.45 Uhr: Training der Konkurrenten am «Preis vom Bremgarten». 14.45—15.30 Uhr: Unterbruch des Trainings. 15.30—16.45 Uhr: Training der Konkurrenten am «Grossen Preis der Schweiz>. 16.45—18.00 Uhr: Training der Konkurrenten am «Preis von Bern». Samstag, 20. August: 7AS Uhr: Abnahme der Wagen der Konkurrenten am «Preis vom Bremgarten» bei den Boxen an der Murtenstrasse. 9.15 Uhr: Abnahme der Wagen der Konkurrenten am «Preis von Bern» bei den Box«n an der Murtensfrasse. 70.00 Uhr: Abnahme der «Grand-Prix»-Wagen auf der Zollrampe des Güterbahnhofes Weyermannshaus. 13.30—14.30 Uhr: Training der Konkurrenten am «Grossen Preis der Schweiz». / 14.30—15.45 Uhr: Training der Konkurrenten am «Preis von Bern». 16.00 Uhr: Aufstellen der am «Preis vom Bremgarten» teilnehmenden Touren-, Sport* und Rennwagen. 16.15 Uhr: Start zum «Preisvom Bremgarten» über 14 Runden = 101 km 920. / 17.15 Uhr ca.: Schluss des Rennens. 20.15 Uhr: Freilichtspiel auf dem Münsterplatz: «Ewiger Reigen». 20.30 Uhr: Festkonzert der Stadtmusik Bern auf dem Bundesplatz (bei schlechtem Wetter im Kornhauskeller). Festliche Beleuchtung öffentlicher Gebäude, Ballanlässe im Bellevue-Palace, Casino, Kornhauskeller etc. 21.00 Uhr: Rennball und Rendez-vous der Fahrer und Konkurrenten, Ehrengäste und Pressevertreter im Kursaal Schänzli. Sonntag, 21. August: 9.50 Uhr: Aufstellen der im 1. Vorlauf des «Preis von Bern» startenden Wagen. 10.00 Uhr: Start zum 1. Vorlauf dejcPreijvon Bern» über 14 Runden = 101 km 920. 10.50 Uhr: Aufstellen der im 2. Vorlauf des «Preis von Bern» startenden Wagen. 11.00 Uhr: Start zum 2. Vorlauf des «Preis von Bern» über 14 Runden = 101 km 920, 11.45 ca.: Schluss der Vorläufe zum «Preis von Bern». 11.45—13.00 Uhr: Mittagspause. 13.00 Uhr: Aufstellen der im EndJauf des «Preis von Bern» startenden Wagen. 13.15 Uhr: Start zum Endlauf des «Preis vo n Bern» über 21 Runden = 152 km 880. 14.25 ca.: Schluss des Rennens. 14.45 Uhr: Aufstellen der im «V. Grosse Preis der Schweiz» startenden Rennwagen. 15.00 Uhr.- Start zum «V. Grossen Preis der Schweiz» über 50 Runden = 364 km 000. 17.20 Uhr: Schluss des Rennens. 21.00 Uhr: Schlussakt im Hotel Believue-Palace: Verkündigung der Resultate und Bali Rennsport .von hinten" Prominente} die im stillen wirken. Was wir am nächsten Sonntag auf der Bühne der grossen Rennen im Bremgartenwald zu sehen kriegen, sind wohl die ersten Tenöre des internationalen Automobilsports, die Koryphäen und Meister des Volants. Aber Herr Dir. M. Sailer, Leiter der Rennabteilung bei Mercedes-Benz. Ehemals selbst Rennfahrer, hat er ausserordentlich viel zur Entwickjnng des Untertürkheimer Werks beigetragen. B. PRIVATFAHRER Herbert Berg, Deutschland Maserati Paul Pietsch Deutschland Maserati Robin Hanson, England Maserati Conn Pollock, England E. R. A. A. P. R. Rolt, England E. R. A. John Wakefield, England E. R. A. Norman Wilson, England E. R. A. Guido Barbieri, Italien Maserati Ettore Bianca, Italien Maserati Graf L. Castelbarco, Italien* Maserati Enrico Plate, Italien Maserati Gigi Plate, Italien Talbot Sptz. Arialdo Ruggerl, Italien Maserati Harry Herkuleyns, Holland M. G. Theophil Bircher, Schweiz Bugattl Bernhard Blancpain, Schweiz Maserati Armand Hug, Schweiz Maserati Hans Kessler, Schweiz Maserati « B. Bira », Slam E. R. A. Inen UMbn tM stanniert sie sind es nicht aHein, denen diese oder jene Marke ihren Ober Länder und Meere dringenden Ruf verdankt, sie sind lediglich Glieder — allerdings eminent wichtige — jener Organismen, die da unter dem Namen « Rennabteilung » ein ausgesprochen diskretes, den Blikken d«s Publikums entzogenes Dasein führen. Als streng gehütete Heiligtümer geben sie ihre Geheimnisse nicht einmal dem Personal der Fabrik, geschweige denn einem gewöhnlichen Sterblichen preis. Aber hinter diesen dicht ver- •NMtUn Ertitanc tar Ubrnta* ftrfolta; WHMM mUbik anxiuUniM. Ing. Heess, Konstruktionsleiter des Motorenbau» bei der Daimler-Benz A.-G. Preis vom Bremgarten. Tourenwagen bis 1500 cem: Alfred Dattner, Zürich Flat-Balilla Alois Kaiser, Zug Opel Hans Stich, Chaux-dt-Fond« Fiat-Balllla Hans Weber, Suhr Lancia Aprilia Tourenwagen über 1500 cem: < Aryll» Graham Hans Portmann, Basel Ford August Scheibler, Laupen Bugattl Sportwagen bis 1500 cem: Emilio Campolongo, Zürich Hanomag Dr. Curt Dold, Zürich B.M.W. Karl Häffner, Zürich Fiat Willy Jaeger, Zürich M. G. Hermann Triimpy, Glarus M. G. H. K. von Tscharner, Bern M. G. Sportwagen über 1500 cem: Werner Allmendinger, Hörn Alfa Romeo Ulice Delmue, Giubiasco Alfa Romeo Hans Gübelin, Zürich B.M.W. Louis de Montfort, Lausanne Bugattl Louis Noverraz, Genf B. M. W. Friedrich Riesen, Bern B.M.W. Dante Schiumarini, Basel Lincoln-Zephir Rennwagen bis 1500 cem : Theophil Bircher, Lausanne Bugattl Bernhard Blancpain. Fribourg Otto Geser, Zürich Maserati Rennwagen über 1500 cem : Alfred Brechbühler, Adliswll Bugattl E. de Graffenried, Fribourg Maserati Karl Hahn, Luzern Bugatti Hans Mabelfini, Zürich Bugattl Martin Walther, Bern Bugattl Max Christen, Zürich Maserati Adolf Uandirola. Genf Maserati Ing. Wagner, Konstruktionsleiter des Wagenbaus ia Untertürkheim.