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E_1938_Zeitung_Nr.073

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AUTÖMOBIC-PEVUE

AUTÖMOBIC-PEVUE FREITAG, 9. SfiPTÖTBER' 1938 — N° 73 Finanzartikel nicht gerade den besten Eindruck hinterlassen hatte, glaubt nun eine ständerätliche Kommission unter dem Vorsitz von Ständerat Amstalden (Obwalden) in die nämlichen Fußstapfen treten zu müssen, in dem. sie einmal nicht beschlussfähig war, und dann eine dem Schweizervolk als dringlich hingestellte Vorlage neuerdings auf die lange Bank schiebt. Wirklich, die Schweizerbahnen kommen ihren Besitzern recht teuer zu stehen, während deren eigentliche Beherrscher alle Hebel in Bewegung setzen, um den längst fälligen Taxabbau zu hintertreiben. Macht und Stärke der SBB wird an der kommenden Landesausstellung durch die grösste elektrische Lokomotive der Welt zur Darstellung gelangen. In keinem Gegensatz hiezu steht hingegen die Einstellung zahlreicher Volksvertreter zu den schwerwiegenden Verkehrsproblemen unseres Landes. Es hat wirklich den Anschein, als ob wir wieder auf jenem glitschigen Boden ständen, auf dem es kein Aufhalten mehr gibt. Nicht nur auf der bundeseigenen Schiene, sondern auch auf andern und sich täglich mehrenden Gebieten, stellt das Schweizervolk an seinen zaudernden, in zickzackund rückwärtsfahrenden Räten die bange Frage : Wohin die Fahrt ? Schweizerische Rundschan Radfahrerkurse für Anfänger. Zur Nachahmung empfohlen ! Auf eine originelle Idee im Dienste der Verkehrssicherheit ist ein Velohändler in Bern gekommen. Er veranstaltet im Monat September Lernfahrkurse für Radfahrer. Neben der eigentlichen Lehrtätigkeit erteilt er Unterricht über Zeichengebung, richtige und falsche Fahrkunst, Reparaturenkenntnisse usw. Die Fahrräder werden kostenlos zur Verfügung gestellt, ohne dass irgend eine Verpflichtung besteht, ein Fahrrad zu erwerben. Als Helfer stellen sich dem Veranstalter die Mitglieder eines Radsportclubs zur Verfügung. Dieser Versuch verdient alle Förderung und weitgehende Beachtung. In der Verkehrssicherheit steht das Radfahrerproblem an vorderster Stelle. Innert der kurzen Zeit von 10 Jahren haben die Radfahrer in der Schweiz um eine halbe Million zugenommen. Ihre Beteiligung an den Verkehrsunfällen ist erschreckend gross. Neben dem Ausbau der Strassen kommt der Kenntnis der Verkehrsregeln und dem richtigen Vertrautsein mit dem Fahrrad grösste Bedeutung zu. Gerade in dieser Richtung wird der Kurs arbeiten und es ist bestimmt anzunehmen, dass die Absolventen den Verkehrsgefahren viel besser begegnen können, als diejenigen, die selbst die Kunst des Radfahrens (Radfahren ist wirklich eine Kunst) lernen. BFU. Bundesrat Etter inspiziert die Alpenstrassen. Der Chef des Departements des Innern, Bundesrat Etter, ist gegenwärtig in Begleitung von Oberbauinspektor von Steiger auf einer bis Ende dieser Woche dauernden Fahrt über die wichtigsten Alpenpässe begriffen. Die Reise dürfte in erster Linie dazu bestimmt sein, dem hohen Magistraten, in dessen Ressort die Behandlung der Alpenstrassenfrage fällt, einen Ueberblick über den heutigen Stand der Ausbauarbeiten zu vermitteln. F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 15. Fortsetzung. (Durch ein technisches Versehen war das Feuilleton in der letzten Nummer verstünimelt worden. Wir wiederholen deshalb den in Betracht fallenden Abschnitt hier nochmals, um die Verwirrung, welche durch den Schnitzer entstanden, wieder gut zu machen. Red.) « Aber ich habe gehört, dass sie bereits festgesetzt ist», sagte Beale unbeirrt. Bill gab keine Antwort. Es entstand eine unbehagliche Pause, die ich durch die Frage an Celia unterbrach, woher der gestickte Schal sei, der über der Rückenlehne ihres Stuhles hing und einen blendent dekorativen Hintergrund für sie bildete. c Bill hat ihn mir mitgebracht >, sagte sie. «Ich habe nicht gewusst, dass Sie Schals tragen », liess sich Herr Beale vernehmen. « Schals sind für ältere Damen. Wenigstens bin ich der Ansicht. Aber wenn Sie eine Vorliebe dafür haben, werde ich Ihnen einen Fortschritte im Bau von Betonstrassen Die zunehmende Motorisierung des Strassenverkehrs, die ständig wachsenden Verkehrsgeschwindigkeiten stellen höchste Anforderungen an die Fahrbahndecken der Strassen. Denn sollen diese dem Schnell^ und Schwerverkehr wirklich genügen können, dann sind Gleitsicherheit selbst in nas4 sem Zustande und eine anhaltende Ebenheit, welche alle nennenswerten Erschütterungen schnellfahrender Fahrzeuge automatisch aus^ schliesst, unbedingte Voraussetzungen. Die-, sen Forderungen nun, resultierend einerseits: aus der Eigenheit des motorisierten Strassenverkehrs überhaupt und anderseits aus Erfordernissen der Fahrsicherheit, vermögen Fahrbahndecken aus Beton in grossem Masse gerecht zu werden. Infolge ihrer Biegefestigkeit sind sie nicht nur in der Lage, geringe Unebenheiten des Unterbaues auszugleichen, sondern sie können sogar Bewegungen bzwi Setzungen desselben in gewissem Masse mitmachen, ohne Schaden zu nehmen. Kein Wunder, dass der Betonstrassenbau sich auf Grund der gemachten guten Erfahrungen in den verschiedensten Ländern der Welt mehr und mehr einbürgert! Zitieren wir als Beispiel nur unsere Heimat: Noch im Jahre 1927 verfügte unser Land über wenig mehr als 10,000 m 2 Betonstrassenflache; es kam in der Folge die rapide Entwicklung des Betonstrassenbaues, und Ende 1937 wies die Schweiz bereits 954,210 m 2 Betonstrassen auf. Vor allem die Kantone Thurgau, St. Fie. 1. Innerort Gallen und Zürich bekundeten für diese-moderne Bauweise bald ein besonderes Interesse. Zu diesen gesellt sich nun seit kurzem der Kanton Solothurn; auf Grund eigener ausgezeichneter Erfahrungen gibt man auch hier der Betonstrasse den Vorzug. Im Jahre 1930 hatte dieser Kanton nämlich ein 2300 m langes Strassenstück zwischen Solothurn und Lüsslingen betonieren lassen. Zu anerkannt schwierigen Untergrundverhältnissen gesellte sich eine starke Beanspruchung des Belages durch regen Schwerverkehr. Acht Jahre sind seither vergangen und es wurden seinerzeit nur relativ geringe Plattenstärken (16 cm an den Fahrbahnrändern und in der Strassenaxe, 14 cm in der Plattenmitte)' verwendet. Doch dies Strassenstück darf sich noch immer sehen lassen; eine auf Einladung der Betonstrasse AG, Wildegg, vorgenommene Besichtigung an Ort und Stelle ergab einen recht guten Strassenzustand. Solche Resultate überzeugen, ermuntern zu weitern Taten. Der Kanton Solothurn je- indischen schenken. Einen handgestickten Kaschmirschal. Woher ist dieser ? Aus Venedig ? » « China », sagte Bill und kein Wort weiter. « Es ist herrlich », rief Celia beglückt und legte ihn dekorativ um ihre Schultern. Beide Männer warfen einen Blick auf sie. und dann stierten sie einander an; Jane und ich tranken unsern Tee. Aeusserlich herrschte Ruhe; aber einige von uns waren einem Wutausbruch nahe und die andern voller Spannung. Als Sally aus dem Nachbarhaus zurückkam, schlang sie ihre Arme um Bills Hals und sagte ihm, wie sehr sie ihn vermisst habe. « Wann wirst du heiraten ? » fragte si« Bill, während sie auf seinem Schoss sass und ihren Kopf an seine Schulter lehnte. «Ich weiss nicht», antwortete Bill wieder. « Sehr merkwürdig >, bemerkte Beale ungehalten. « Wirklich sehr merkwürdig. * Ich trank meinen Tee aus und erhob mich. Ich hoffte, dass Beale sich verabschieden würde. Aber er blieb mit mürrischem Gesicht sitzen und hatte offenbar die Absicht, länger zu bleiben als BilL Celia trug den Schal, als ob er einen Zauber auf sie ausübte. Sie sah glücklich aus, zum erstenmal, seit Bill abgereist war; und Bill, der nie seine Gefühle zeigte, sass neben ihr und rauchte. Seine Art gegen Celia war so, als ob er Rechte auf sie hätte, was einfach lächerlich war. Es überraschte mich nicht, dass Beale sich ärgerte. Ich hielt es für richtig, Sally wieder aus dem Zimmer zu schicken. « Diesen Schal hätten Sie Ihrer zukünftigen Frau schenken sollen », polterte Beale gleich darauf. « Er ist sehr kostbar. » «Beruhigen Sie sich», sagte Bill, aufs äusserste überrascht. ; 7-50 IX IC ^^Ä ^ ^^fc A _. M ^K .^K ^ ^ ^^^ ^h BM ^k 7-50 denfalls hat sich auf Grund dieser erfreulichen Feststellung einer neuen, 4600 m langen Betonstrasse zwischen Solothurn and Selzach entschlossen. Diese, letzten Dienstag ebenfalls in Augenschein genommene Baustelle dürfte nach Fertigstellung zweifellos zu den leistungsfähigsten und vor allem auch verkehrssichersten Strassenanlagen unseres Landes zählen. Für den Ausbau seiner Durchgangsstrasse wählte das solothurnische Baudepartement das Normalprofil, also eine totale Strassenbreite von 13,75 m inner- und 13,40 m ausserorts. Vorgesehen sind eine 7,50 m breite Fahrbahn, beidseitig verlaufende Radfahrwege von je 1,75 m Breite, uud an diese angegliedert — innerorts — noch ein ebenfalls 1,75 m breiter Fussgängerstreifen. Im Innern der Ortschaften sollen zudem die Radfahrwege und damit auch die Fussgängerstreifen gegenüber der Fahrbahn um 14 cm erhöht werden. Ausserorts kommen die erstem auf die Höhe des Strassenniveaus zu liegen, werden jedoch durch einen 70 cm breiten Asphaltstreifen von der Fahrbahn getrennt. (Siehe Fig. 1 und 2.) Zur bessern Abgrenzung dieser letztern sollen in dem .Trennungsstreifen Markierungspfähle angebracht werden. Dürfen wir im Interesse der Verkehrssicherheit den Wunsch aussprechen, es möchten diese doch ausreichende Dimensionen bekommen, auf dass nicht wie beispielsweise auf der Strecke Schweizerhall-Basel, resp. Pratteln- I 8 cm ,70 1.75 50 Muttenz, die ungenügende Höhe derselben direkt verkehrshindernd wirke? Das Trasse der neuen Fahrbahn folgt der alten Strasse, musste aber beidseitig verbreitert werden. Die alte Fahrbahn riss man einfach aul und walzte die neue ins Profil ein. Gerade dieser relativ einfache und billige Unterbau stellt bekanntlich einen der grossen Vorteile der Betonbauweise dar; infolge der druckverteilenden Eigenschaften dieser Belagsart wird sowohl die Erstellung eines Steinbettes als einer Schotterplanie überflüssig. Der im Einbau begriffene Betonbelag erhält eine Stärke von 16 cm, und zwar 10 cm Unterbeton P 250 und 6 cm Oberbeton P 350, beide frisch auf frisch eingebracht. Zwischen die beiden Schichten kommt eine Rundeisenarmierung von ca. 3 kg Gewicht pro m 2 zu liegen. Während im einen Baulos die Aufbereitung des Betons in zwei stationären 500- Liter-Mischern geschieht und das Mischgut im Lastautomobil zur Einbaustelle gebracht «Ich bin ja ruhig. Sie sind mit einer jungen Dame verlobt und kommen hierher, um einer andern den Kopf zu verdrehen. Aber es gibt noch andere Schals und andere Männer auf der Welt. Frau Brooke weiss, was ich meine.» « Dann weiss sie mehr als ich », sagte Bill. < Wer sagt, dass ich verlobt bin ? » « Ganz Porthlew. > Celia sah ihn an, als ob von seiner Antwort ihr Leben abhinge, und ich rührte mich nicht. Aber er paffte nur weiter. « Vielleicht wollen Sie die Gnade haben, sich darüber zu äussern», schrie Beale. « Nein », sagte Bill. « Warum denn ? » « Aber Bill», sagte ich. « Hauptmann Godolphin erzählte es uns.» « Ich wünschte, die Leute würden sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern», sagte er sichtlich verärgert, und dann erhob er sich, um zu gehen. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Celia erhob sich ebenfalls, und während sie aufstand, glitt der Schal von ihren Schultern. Zu meinem Erstaunen und Unbehagen stürzte sich Beale darauf, rollte ihn eiligst zusammen und schleuderte ihn fast Bill zu, «Hier», sagte er, « das gehört Ihnen. > Bill sah ihn nur an, blickte dann auf Celia, als ob er sich über sie wundere. Sie nahm Beale den Schal aus der Hand. « Er gehört mir», sagte sie. «loh habe mit Ihnen zu sprechen», wird, bringen im andern Baulos Rollbahnwagen die Betonmaterialien vom Depot zum selbstfahrenden Mischer von 500 Liter Trommelinhalt. Der Mischtrog entleert sich auf ein Transportband, das — schwenkbar —« den Beton über die Baustelle verteilt. Die Zusammensetzung der Betonmaterialien erfolgt auf Grund granulometrischer Untersuchungen, nach der Fullerkurve. Im Alter von 7 Tagen wurden auf der Baustelle folgende Festigkeiten erreicht: Druckfestigkeit Biegzugfestigkeit Unterbeton P 250 ca. 325 kg/cm s ca. 54 kg/cm 2 Oberbeton P 350 ca. 460 kg/cm 2 ca. 60 kg/cm s Der Einbau des Betons erfolgt in beiden Baulosen mit Hilfe eines Strassenfertigers mit eingebautem Vibrator, und zwar jeweilen auf der halben Fahrbahnbreite. Die Tagesleistung beträgt ca. 600—750 m 2 , d.h. ca. 160—200 Laufmeter. 'Dabei ist hervorzuheben, dass diese hohe Leistung nicht zuletzt auf die vorzügliche Organisation der Baustelle zurückgeführt werden darf. In Abständen von je 10 m folgen sich Querfugen; jede dritte dieser Querfugen wird als Dehnfuge ausgebildet. Schutzdächer bewahren den fertigen Belag vor Sonne und Regen. Nach derri Erhärten muss dieser mit einer ca. 5 cm starken Materialschicht abgedeckt und während 14 Tagen feucht gehalten werden. Bedenkt man, dass gerade der Kanton Solothurn sich durch einen intensiven .Radfahrerverkehr auszeichnet, dann wird die Erstellung von speziellen Radfahrwegen doppelt begrüssenswert. Welche Entlastung dies© Neuerung für den motorisierten Strassenverkehr bedeutet, ergibt sich aus nachfolgenden Tatsachen : Auf der Strecke Solothurn- Derendingen zirkulieren beispielsweise täglich 4470 Velofahrer; auf der in Bau begriffenen Strecke dürfte die bezügliche Frequenz zwischen 1500 und 2500 liegen. Die Radfahrwege erhalten einschichtig armierten Betonbelag von 8 cm Stärke. Innerorts ruht der gegen die Fahrbahn hin auf 14 cm verstärkte gleichzeitig als Randstein ausgebaute Belag auf der Fahrbahnplatte. Die Verdichtung des Betons erfolgt hier durch Pressluftvibrator. Die in Abständen von 5 m angebrachten Ouerfugen werden als Dehnfugen ausgebildet. Die Fussgängerstreifen ihrerseits werden gegenüber den Radfahrwegen nicht erhöht; sie erhalten Teer-Asphaltbelag. -wa- ...und jetzt eine Rawylstrasse? Zur Besprechung des Baus einer Rawylstrasse zwischen Sitten und Lenk tagte kürzlich in Sitten eine Konferenz, zu der sich neben einer Reihe prominenter Walliser Persönlichkeiten auch eine Delegation des Thuner Gemeinderates eingefunden hatte. Die Aussprache führte zur Bildung eines Initiativkomitees, das sich zur Aufgabe stellt, das Proiekt so rasch als möglich in die Tat umzusetzen. Das Reglement für den Oenfer Salon 1939 (3.—12. März) ist soeben erschienen. Als Schlusstermin für die Anmeldungen setzt es den 1. Oktober 1938 fest; Platzansprüche für die Ausstellung sind dem Organisationskomitee bis zu diesem Datum bekanntzugeben. Was die Gliederung des Salons anbelangt, so umfasst er folgende Gruppen: Personenwagen und Chassis; Nutzfahrzeuge, Omnibusse und Anhänger; Karosserien; Motoren; Motor- und Fahrräder; Nautik; Zubehör- und Bestandteile; Werkzeuge und Garage-Einrichtungen; Rohmaterialien und Halbfabrikate; Sportausrüstungen und Fachliteratur; Touristik, Sport und Camping. brummte Beale. « Es halten sich zu viele Leute in diesem Hause auf. Frau Brooke, Sie wissen, dass ich Ihrer Tochter etwas zu sagen habe. Entweder — oder. Ich habe meine Köchin geopfert. Sie geht Ende dieses Monats.» « Ist er übergeschnappt ? > sagte Bill zu mir, als wir in die Halle hinaustraten. « Was ist los mit ihm ? » « Er macht Celia im Augenblick einen Heiratsantrag », antwortete ich. «Sie wird ihn doch nicht annehmen, nicht ? > «Ich weiss es nicht, er ist sehr reich. » Bill schlüpfte umständlich in seinen Mantel und nahm dann wieder seine Pfeife hervor. « Ich glaube, ich werde sie noch einmal stopfen, bevor ich gehe », sagte er. Ich setzte mich in den einzigen Stuhl, der in unserer Halle steht, und beobachtete ihn. « Sollten Sie nicht hineingehen ? » sagte er. « Warum ? » «Er kann ekelhaft werden, wenn Celia ihm einen Korb gibt.» « Vielleicht nimmt sie ihn. » Er stiess ein paar Rauchwolken aus. « Sie wissen, dass an der Sache mit Isabel nichts ist. » «Ihre Mutter hat es aber an Hauptmann Godolphin geschrieben.» * Hm, Sie kennen doch meine Mutter. Sie glaubt, immer bluffen zu können.» (Fortsetzung folgt.)

m FREITAG, 9. SEPTEMBER 1936 AÜTOMOBIL-REVUE 3 JCottwtendett Sonntag.: Grosser Preis von Italien - die entscheidende Schlacht der Saison Von Livorno, wo er letztes Jahr «über die Bühne > ging, ist der Grosse Preis von Italien heuer wieder nach Monza, seiner gewohnten Stätte, zurückgekehrt. Seit Tagen schon erfüllt der metallische Gesang der Motoren den herrlichen Park, der die Piste umrahmt. Mit Hingabe und Ausdauer liegt männiglich dem Training ob, denn man weiss, worum es am nächsten Sonntag vor den Toren Mailands geht : um die entscheidende Auseinandersetzung der Saison 1938. Fieberhaft ist in den letzten Wochen auf diesen Grosskampf gerüstet worden, der alles in die Arena führt, was gegenwärtig im europäischen Automobilsport mitzureden hat und dessen besondere Bedeutung daran liegt, dass er sich als eine. Art Generalabrechnung ankündigt. Gilt es dabei für Mercedes, die Spitzenposition, welche es sich unter dem Regime der neuen Rennformel erobert, zu verteidigen, so werden Auto-Union, Alfa Ror-^o und Maserati, die wenig zu verlieren und alles zu gewinnen haben, sämtliche Minen springen lassen, um eine Lücke in die tertürkheiuer Werke zu reissen und deren Hegemonie zu brechen. Heiss ist der italienische Boden, heiss verspricht die Schlacht zu entbrennen. Was die Rennsaison 1938 an internationalen Grossen Preisen gebracht, sah Mercedes in Front. Doppelte und dreifache Siege heimste es dabei ein. Das verpflichtet. Aber die Leute von der Marko mit dem Dreizackstern sehen auch den schweren Waffengang vom 11. September mit Ruhe und Vertrauen entgegen. Was sie sich allerdings mit gutem Grunde leisten dürfen, haben doch ihre Wagen bisher eine Ueberlegenheit an den Tag gelegt, an der es nichts zu deuteln gab. Ob es ihren Gegnern inzwischen gelungen ist, den Vorsprung, den Mercedes auf sie gewonnen, wettzumachen? Das ist eben die Frage. Wir unsererseits neigen dazu, sie zu verneinen, selbst wenn die bisher unschlagbaren Boliden der süddeutschen Fabrik in Monza zum erstenmal auf die geschlossene Allianz ihrer Rivalen stossen, und wenn diese Koalition mit wirksamerem Geschütz auffährt wie früher. Um eine Nasenlänge dürften ihnen die Schwaben auch heute noch voraus 6ein; denn dafür kennen •wir sie nicht, dass sie sich auf ihren Lorbeeren zur Ruhe legen würden. Immerhin: sie werden das Letzte aus Fahrern und Wagen herausholen müssen, um ihre Stellung zu behaupten. Das Letzte ... weil die andern inzwischen doch etliches hinzugelernt haben und weil deshalb die Annahme nicht ohne weiteres gerechtfertigt ist, Mercedes •werde sich, wie PS bisher fast immer der Fall war, nicht voll ausgeben müssen, um seine Gegner abzuschütteln. Die Auto-Union hat. wie wir wissen, nicht« unversucht gelassen, am die Schwächen ihres 12-Zylinders zu beheben, für Maserati — den einzigen, der bisher in der Geschwindigkeitsepitze an die Untertürkheimer heranreichte — sollte es auch kein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein, der Vergaserstörungen Herr zu werden und was echliesslich Alfa Romeo anbelangt, so darf man damit rechnen, dass es die Leistung seines 12- Zylinders ebenfalls verbessert habe, währenddem der neue 16-Zylinder allerdings kaum schon soweit ä point sein wird, um bei der Entscheidung mitzutun. Noch weiss man übrigens nicht genau, ob die Mailänder Firma mit einem oder zwei Exemplaren dieses Modells antritt. Wenn auch «normalerweise » Mercedes den Ton angeben sollte, Ueberraschungen könnten dennoch erstehen, wobei auch das Wetter eine nicht ganz nebensächliche Rolle spielt. Abgesehen davon, dass 419 km immerhin eine Distanz sind, die es in sich hat. So oder eo: Kampf bis aufs Messer •wird es setzen, und die Antwort auf die Frage, •wer sich als Sieger ins Goldene Buch dieses klassischen Rennens einträgt, vermag erst das Rennen selbst zu erteilen. 15mal ging der Grosse Preis von Italien bisher in Szene, aber bloss Caracciola brachte es dabei fertig, zwei Siege zu feiern, 1934 und 1937 nämlich, dieweil 1935 Stuck und 1936 Rosemeyer den Vogel abschössen. Alles in allem genommen ging der « Gran Premio » siebenmal an Italien und je viermal an Frankreich und Deutschland. Mit dem Umbau der Piste, der allerdings erst teilweise vollendet ist, schnellen die Geschwindigkeiten wieder nach oben. Fuhr Nuvolari beim Mittwochtraining seine beste Runde mit einem Durchschnitt von 163 km/St., so rechnet man für das Rennen selbst mit einem Mittel um die 150 km/Stherum. Die Startliste für den Grossen Preis präsentiert sich wie folgt: Mercedes-Benz: Caracciola, Brauchitsch, Lang, Seaman; Auto-Union: Nuvolari, Stuck, Müller, Hasse; Alfa Romeo: Farina, Biondetti, Taruffi, Wimille; Maserati: Trossi, Varzi, Gigi, Villoresi. Daneben starten als Einzelfahrer noch der Schweizer de Graffenried auf Maserati und Belmondo auf Alfa Romeo. Im «Vorspiel», dem Rennen für 1 ^-Liter-Wagen, •werden vor allem die Fabrikmannschaften von Maserati und Alfa einen Strauss miteinander ausfechten. Die Partie steht, wie schon gesagt, auf Remis, seitdem die neue cAlfetta» ihre erste Auf- t wartung gemacht. Mit Emilio Villoresi am Steuer gestaltete der Wunderwagen gleich sein Debüt in Livorno zu einem Erfolg, doch revanchierte sich Maserati dafür in Pescara. Dort, wie hier, hat man sich seither mit Macht auf Monza vorbereitet, doch wird man kaum von gleichen Waffen sprechen dürfen, denn Maserati hat seinem Gegner immerhin die grössere Erfahrung und den Vorteil besser erprobter Wagen voraus. Wozu sich noch die stärkere Ausgeglichenheit seines .Fahrertrios gesellt, in dem übrigens, wie wir zu wissen glauben, auch d«r Schweizer Hug figuriert. Wenigstens ist sein Name von der Nennliste, auf der er zuvor als Einzelfahrer erschien, plötzlich verschwunden. Und die Vermutung scheint gar nicht so abwegig, dass er sieh hinter einem der X. verbirgt, womit Maserati einstweilen noch seine Fabrikfahrer bezeichnet. Im einzelnen umfasst die Nennliste für den «Grossen Preis von Mailand» folgende Konkurrenten: Alfa Romeo (X, X, X, X), Maserati (X, X, X), Pietsch (Maserati), Dobson (E.R.A.), De Teffe (Maserati), Bianco, Ralph, Dusio, Brezzi, Teagno, Barbieri, Negro, Baruffi, Castelbarco, Ruggeri, Pelassa, Garagnani (alle auf Maserati) und Plate (Talbot). IN ENGLAND Shelseley-Walsh — das kürzeste Bergrennen Europas. Zweimal jährlich treffen sich am Shelseley Walsh bei Birmingham, mit einer Streckenlänge von 910 m, das kürzeste Bergrennen Europas, Fahrer mit Wagen von internationalem Ruf und Bastler mit allen möglichen und unmöglichen Konstruktionen, die sie im Schweisse ihres Angesichts zusammengebaut haben. Am nächsten Samstag, den 10. September, steigt der Kampf zum zweitenmal in dieser Saison. Wobei es sehr wohl denkbar ist, dass der Rekord, den Fane mit 38,77 Sek. hält, sein Leben lassen muss, denn sowohl der gegenwärtige Rekordmann selbst als auch sein schärfster Rivale Mays. der mit dem neuen 2-Liter-E.R.A. anrückt werden alles daran setzen, ihn zur Strecke zu bringen. Von hinten gesehen gleicht das Rennboot, womit Campbell dieser Tage auf dem Hallwilersee Rekordversuche zu unternehmen gedenkt, einer riesigen Schildkröte. Nach einer Frist von Ungewissheit und dann von eifrig betriebenen Vorbereitungsarbeiten ist es nun so weit: noch diese Woche werden am Hallwilersee die Versuche von Sir Malcolm Campbell, seinen eigenen Motorbootsschnelligkeitsrekord von 208,403 km/St, zu schlagen, einsetzen, und zwar gleich mit aller Energie, denn der Engländer, der sich schon um den 20. September nach Amerika einschiffen muss, legt Wert darauf, als neuer Rekordman drüben anzukommen und seinem alten Rivalen zu Lande, Capt. Eyston, ebenfalls mit neuen Lorbeeren zu begegnen. Am Wochenende wird somit der Hallwilersee der Schauplatz grosser und vor allem schneller Dinge sein. Schon am Freitag wird Sir Campbell erwartet; am Mittwoch hat sich bereits der Präsident des schweizerischen Motorbootverbandes, Herr Albert Schmid, von Genf, nach Brestenberg begeben und gleichzeitig auch der Hauptmechaniker Campbells samt dem ganzen Stab, der seit den Genfer internationalen Motorbootrennen auf die Beendigung der technischen Vorbereitungen am Hallwilersee warteten. STANDARD-MINERALOELPRODUKTE A.G. GEGRÜNDET 1894 Vor Campbells Rekordversuchen auf dem Hallwylersee In Zusammenarbeit mit Herrn Schmid hat der Verkehrsverein vom See- und Oberwynental nun bei Brestenberg am Seeufer einen Spezialhangar für den «Blue Bird», das Rekordboot, gebaut und am östlichen Ufer beim Delphin und Seerose Meisterschwanden die Fixpunkte zur Distanz- und Geschwindigkeitmessung bestimmt. Der genaue Zeitpunkt für die Abhaltung der Rekordversuche ist natürlich noch unbestimmt, da er von einer Reihe von Umständen abhängt; aber auf alle Fälle wird am nächsten Sonntag den 11. September bestimmt Gelegenheit sein, das Rekordboot nicht nur am Hangar, sondern auch an der Arbeit auf dem Wasser bestaunen zu können. Auch über die Dauer der Rekordversuch^ lässt sich im Moment schwerlich Genaues sagen, indessen wird der Umstand, dass Campbell — wie wir vernehmen — drei verschiedene neue Monstrebootsschrauben probieren will, darauf schliessen lassen, dass auch im Verlaufe der nächsten Woche noch Sensationen am Hallwilersee gekocht werden. Fest steht jedoch, dass der Hallwilersee mit diesem Wochenende als Rennstrecke debütieren wird. Man tut deshalb gut daran, die Augen nach Brestenberg zu richten, von wo vielleicht schon am Sonntag der Draht berichtet, dass ein neuer Rekord im Motorbootsport geboren ist. Wie wir einem Privatbrief Campbells entnehmen, brennt er förmlich darauf, seinem « alten» Blue Bird nach den Misserfolgen von Genf noch eine Revanchechance zu geben, ehe er nächstes Jahr mit dem neuen Boot, das nach den Erfahrungen mit dem gegenwärtigen Typ für ihn in England gebaut wird, ebenfalls auf dem Hallwilersee zu weiteren Angriffen gegen seinen eigenen Rekord schreitet. N. Wie wir in letzter Stunde erfahren, kann Campbell unvorhergesehener Umstände wegen erst am Sonntagabend oder am Montag eintreffen, so dass mit dem Beginn der eigentlichen Rekordfahrten auf Dienstag zu rechnen ist. Dagegen führt am Sonntag der Chefmechaniker Villa mit dem Blue Bird Versuchs- und Schaufahrten auf dem Hallwilersee durch. Zudem kann das Boot im Schuppen besichtigt werden. SI»O>I*£ £ma A k u s l a n d Glgi Villoresi am Rundrennen von Lucca in Front. Zur vierten Auflage des am letzten Sonntag ausgetragenen Rennens in den Strassen von Lucca, das für 1,5-Liter-Wagen reserviert war, erschienen 11 Mann, fast lauter Spezialisten dieser «Disziplin» am Start. Bianco zog mit der Spitze davon, gefolgt von Villoresi, Pietsch und Cortese. In der 3. Runde jedoch hatte Villoresi bereits das Kommando an sich gerissen, um es bis zum Schluss der 141 km nicht mehr abzugeben, obwohl ihm erst Bianco und in der zweiten Hälfte Cortese und Pietsch das Leben sauer zu machen versuchten. Bianco verschwand übrigens später infolge eines Getriebe- Schadens vom Schauplatz. Verlor Rocco in der 7. Runde durch einen Boxenhalt mehr als eine Minute, so war kurz darauf die Reihe an Pietsch, der von der Strasse setragen wurde und «glücklich» am Schluss des Feldes lag, als er seinen Wagen wieder flott gekriegt hatte. Dann aber entfesselte er pine wilde Jagd, in deren Verlauf er bis auf den 3. Platz vorstiess und die ihm auch die beste Rundenzeit des Tages eintrug. Nach dem Ausscheiden Biancos war Cortese in zweite Position aufgerückt, doch vermochte er dem Spitzenreiter Villoresi nichts anzuhaben, war es diesem doch gelungen, sich einen Vorsprung von nahezu einer Minute zu sichern. Resultate: 1. E. G. Villoresi (Maserati), 141 km in 1:36:02.2 (Stundenmittel 88.901 km); 2. Cortese (Maserati), 1:36:52,6; 3. Pietsch (Maserati), 1:37:05.4; 4. Taruffi (Maserati), 1:36:09 (59 Runden); 5. Rocco (Maserati). 1:37:39 (59 Runden); 6. Barbieri (Maserati) (58 Runden). Mit seinem Sieg in Lucca errang sich G. Villoresi die italienische Meisterschaft der 1,5-Liter- Klasse vor Marazza.