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E_1939_Zeitung_Nr.062

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10 AUTOMOBIL-REVl JE

10 AUTOMOBIL-REVl JE DIENSTAG, 1. AUGUST 1939 — N° 62 Unser Bolz Siebenhundert Jahre sind es her, seit im Saastal hinten, auf 1850 Meter Höhe, ein Lärchensamenkorn zu Boden fiel und die ersten Wurzeln in die Walliser Erde trieb. Siebenhundert Jahre hindurch hat der Baum aus ihr seine Lebenssäfte gezogen und Ring um Ring um den Stamm gelegt. Heute bietet er - als ältester seiner Art in der Schweiz - ein Schaur stück der Landesausstellung in der Abteilung «Unser Holz». Ich habe lange vor ihm stillgestanden, wie ich den* Querschnitt in seiner schlichten Einfachheit daliegen sah. Nicht etwa, weil ich grundsätzlich alles verehren würde, dem aus diesem oder jenem Grund ein aussergewöhnlich langes Leben beschieden ist. Hier jedoch reden die Jahrringe zum Beschauer eine deutliche und ernste Sprache. Sie wären Zeitgenossen der ganzen Schweizergeschichte. Als die drei Eidgenossen auf dem Rütli den ersten Bund beschworen, hatte der Baum schon sein erstes Zentennium hinter sich mit seinen Sturm- und Drangzeiten, in denen er wie nie nachher in die Höhe und Breite gegangen ist. Man sehe sich nur einmal die Dicke der einzelnen Ringe zwischen dem 20. und 70. Jahr an und wie sie schmäler werden, je mehr das Alter zunimmt. Ja, es ist, als ob sich im Schnitt das Werden der Eidgenossenschaft selbst mit seinen Kämpfen und Schlachten, Triumphen und Erniedrigungen widerspiegle als Astkerne, Risse und hier und dort plötzlich gesteigertes Wachstum, was dem Ganzen wohl einen unregelmäßigen aber gerade dadurch kraftvollen "Ausdruck verleiht., wie ihn ein Werden ohne Widerstand nie ausstrahlen kann. Es will mir übrigens scheinen, als ob dieser Baumstrunk, der siebenhundert Jahre die sengende Walliser Sonne auf sich niederbrennen sah und ebenso lang den guxenden Nordwind in den Aesten hatte, mit der ganzen grossangelegten Schilderung der Forstwirtschaftuns Stoppuhrengeschöpfen eine Mahnung zur Beschaulichkeit und Bedächtigkeit sein möchte. Wo Ingenieure und Fabrikanten für die Herstellung ihrer Erzeugnisse mit Tagen, ja oft mit Stunden rechnen, da lässt sich der Wald Jahre und Jahrzehnte Zeit. Wo wir Stadtmenschen drängen und hasten, um möglichst viel auf unsere Lebenskunkel zu spinnen, dieweil sie sich noch schnurrend dreht, hält die Natur ihren uralten, ehernen und gemessenen Rhythmus unverändert bei und liefert dabei uns Menschen doch einen Rohstoff, der sich in unseren Händen wie wenig andere für die ungeheuer vielgestaltigen Anforderungen der modernen Zeit nutz- und dienstbar erweist: Unser Holz. Richtige Forstwirtschaft, wie sie an der «Landi» so lebendig und anschaulich zum Ausdruck kommt, heisst in einem einzigen Satz: Lenkung des natürlichen Werdens. Wir alle haben ein Interesse daran, dieses Werden zu verfolgen, denn es bietet nicht zuletzt dem Automobilisten in mancherlei Hinsicht viel Wissens- und Schauenswertes. Dabei möchten wir weder darauf hinweisen, was das Holz als Brenn- und Doppel-Seilwinde zum Langholz-Laden der Firma E. Wirz, Uetikon Baumaterial der Allgemeinheit direkt oder indirekt bedeutet, noch darauf, wie wir wohl unser tägliches Leben einrichten wollten, wenn wir den Grundstoff Holz entbehr enmüssten. Vielmehr möchten wir auf jene Punkte aufmerksam machen, denen der Automobilist als solcher immer wieder begegnet. Haben Sie sich schon einmal überlegt, wenn Sie auf unsern modernen Alpenstrassen der Passhöhe zustrebten und dabei erst durch dichten Tannenwald lind später durch immer lichter werdenden Föhren- und Lärchenwuchs fuhren, das alles unmöglich wäre, wenn nicht planvolles Wachen diesen Bestand pflegen und hegen würde? Weil nämlich der Wald ein eigentliches Wasserreservoir bildet, das einen zu reichlichen Abfluss der Gewitterregen verhindert und sich bei mangelnder Feuchtigkeit erst allmählich entleert, weil ferner die Wurzeln der Bäume an den Steilhängen droben gleich Netzen das Erdreich zusammenhalten und weil die knorrigen, wetterzerzausten Stämme an vielen Stellen Schutz und Hort sind gegen Steinschlag, Rutschungen und sogar Lawinen! Nicht nur in seinem Naturzustand, sondern auch in seiner Nutzanwendung steht uns Automobilisten der Wald näher als ein geschäftiges Treiben zum Bewusstsein kommen lässt. Machen Sie einmal Halt vor einem jener Holzbrücken-Modelle, deren mehrere ausgestellt sind - auch wenn im übrigen in der Praxis der meist notwendige Halt am Eingang nicht immer angenehm ist. Wie

62 — DIENSTAG, 1. AUGUST 1939 AUTOMOBIL-REVUE 11 viel Schönheit der Form steckt nicht m diesen Gebälkkonstruktionen, deren Alter in die Jahrhunderte geht! Wie elegant sind die Bogen geschwungen und wie harmonisch die Streben und Pfeile angeordnet! Die Erbauer dieser Brücken waren geniale Techniker, weil sie gleichzeitig reife Künstler waren und weil sie es schon damals verstanden, die Zweckmässigkeit mit den Gesetzen der Aesthetik in Einklang zu bringen. Sie verstanden es schon damals, so gut wie die Erbauer der verschiedenen schweizerischen Holzhäuser. Auch diese sind über die blossen Forderungen hinjWie «Unser Holz» als Treibstoff für das Motorfahrzeug dient, zeigt die Holzgasgeneratoren AG. ausgewachsen, welche die klimatenschen Verhältnisse der Gegend an die Behausung stellen und auch sie zeigen in der Gestaltung des Ganzen wie der Einzelheiten einen hochentwickelten künstlerischen Sinn, der es verstand, die Lust zum Schönen auswirken zu lassen. Dass dabei, wie gesagt, die eigentliche Aufgabe der Bauten nicht ausser acht gelassen wurde, ergibt sich z. B. aus den eingehenden Erklärungen, die über die verschiedenen Typen abgegeben wurden. Da ist das Hochgebirgshaus im Wallis und im Graubünden, das mit einfachen Mitteln aus den Stämmen des nahegelegenen Waldes hergestellt wird; da ist das Appenzellerhaus in windausgesetzter, regenreicher Hügellandschaft mit breiter Sonnen- und schmaler Wetter- seite, wobei der Stall meist als Wärmeschutz auf der Westseite liegt und da ist endlich das Berner Oberländerhaus mit dem grossen, breiten Dachüberstand und den seitlichen Lauben, die zum Trocknen der Feldfrüchte und zum Aufbewahren der Geräte dienen. Eine eingehende Betrachtung dieser Abteilung wird für spätere Fahrten durch das Schweizerland gar viele Anregungen zum besseren Geniessen des Schönen geben, das unser Land in so vielgestaltiger Weise bietet. Wie mancher unserer Leser, der über das notwendige Kleingeld verfügt, wird sein Herz an eines der projektierten Ferienhäuschen verlieren? Wir hoffen, es werden recht, viele sein, nicht nur der Baufirmen, sondern noch mehr ihrer selbst wegen. In einem besonderen Raum gegen den Schluss des Rundganges hin ist eine ver- hältnismässig neue Verwendungsmög- lichkeit des Holzes eingehend erläutert und illustriert: Die Hexstellung des Holzgases und seine Verwendung als Betriebsstoff für Fahrzeuge. Es hat Kämpfe und Arbeit gekostet, bis es gelungen ist, die Apparaturen genügend klein zu konstruieren, um sie auf Lastwagen verwenden zu können. Der Beschluss der Bundesversammlung, den Holzgaswagen, die landeseigenen Brennstoff verwenden können, besondere Vergünstigungen zu gewähren, ist wohl ein untrüglicher Beweis dafür, dass das Problem als gelöst betrachtet werden darf und Vertrauen verdient, auch wenn damit natürlich nicht gesagt sein soll, dass, wie übrigens in der gesamten Technik, immer wieder neue Detailverbesserungen gefunden werden. Der Automobilist wird es sich auch nicht nehmen lassen, die Modelle, Schemen, Apparaturen und was noch alles zur Erzielung einer möglichst klaren und leichtverständlichen Darstellung dient, aufmerksam zu verfolgen, um so mehr als die Frage auch vom Standpunkt der Landesverteidigung ihre gewaltige Bedeutung hat. Wozu das Holz in Zukunft wohl noch alles herhalten soll? Eine Auswahl von dem, was die moderne Wissenschaft und Technik daraus herzustellen versteht, bildet mit einer Verkaufslaube für gedrechselte und geschnitzte Holzwaren den würdigen Abschluss dieser in ihrer Vielgestaltigkeit wirklich sehenswerten Abteilung. :—: Dies und Das von der Verkehrsrampe •Löschzug der Zürcher Feuerwehr. Berna-Diesel-Karosserie als Stadtomnibus; 30 Sitz- und 15 Stehplätze. Einachsanhänger der Firma Knupp, St. Gallen. Wir wollen eine Brücke bauen Car Alpin Berna, 85 PS-Diesel- Frontantrieb, acht Gänge. Projektierung und Werden der Kräzerenbxücke bei St. Gallen Saurer-Car Alpin, karossiert durch Ramseier & Jenzer, Bern. Schlittenzug-Traktor, konstruiert durch Hürlimann, Wii;(St. G.). Dreiseitenkipper der Firma E. Wirz Uetikon.