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E_1939_Zeitung_Nr.062

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 1. AUGUST 1939 — N° 62 Dem Automobilisten, der auf seinen Fahrten die" Berge erleben will, ist gutes, aufschlussreiches Orientierungsmaterial längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Für Alpenfahrten gibt es keinen besseren Behelf als den Automobilführer durch die Alpen In neuer Auflage erschienen Der revidierte in vier Hauptstücke - Deutschland, Italien, Schweiz und Frankreich - gegliedert, enthält Einzelbeschreibungen sämtlicher Paßstrassen, Schilderungen aller einzelnen Gegenden, zahlreiche Routenvorschläge und 150 prächtige Strassen- und Passbilder mit Tabellen aller Alpenpässe der Schweiz, Italiens, Deutschlands und Frankreichs mit Angabe über Befahrbarkeit, Steigung in %, Oeffnung etc. Der auf den neuesten Stand gebrachte, mit den neuen Grenzen versehene 6 farbige umfasst 50 für Ihre Fahrten von Wien bis Lyon und vom Bodensee bis Marseille und der Riviera notwendigen Karten im Maßstab 1 :500,000. In dem dem handlichen Band Textteil Karteitteil beigegebenen Ortsregister sind sämtliche wichtigeren Orte des gesamten Alpengebietes beschrieben, so dass Sie nicht noch andere, gesonderte Reisehandbücher mitschleppen und studieren müssen. Neben den Sehenswürdigkeiten finden Sie im Ortsregister auch Hotels verzeichnet, die dem Automobilisten empfohlen werden können. Der wertvollste und zuverlässigste Berater für Ihre Alpenfahrten In Ganzleinen Fr. 8.— In jeder grösseren Buchhandlung erhältlich, wo nicht, beim V E R L A G H A L L W A G B E R N

Der Automobilist erlebt die „ILan i" BERN, Dienstag, I.August 1939 Automobil-Revue - II. Blatt, Nr. 62 Karosserien und Anhänger Wenn der Durchschn/tfsbürger von der schweizerischen Carrosserie hört, dann denkt er gewöhnlich an schnittige Cabriolets mit langgezogener Haube, raffiniert ausgesuchtem Polstermaterial, ausgeklügelter Farbenzusammenstellung und... das dazu notwendige Scheckbuch. Im Grunde ist diese Vorstellung des Publikums, wenigstens in den drei ersten Punkten, eine hervorragende Qualifikation für die schweizerischen Carrosseriebauer. Der gute Ruf ihrer Qualitätsarbeit ist bereits seit langem über die Grenzen unseres Landes gedrungen. Deren Erzeugnisse sind bis heute nur deswegen noch nicht zu einem erfreulichen Faktor unserer Exportbilanz geworden, weil die uns umgebenden automobilproduzierenden Länder ihre eigenen Firmen durch zoll- und devisenpolitische Massnahmen in weitgehendem Maßstab schützen. > Ein Gang über die Verkehrsstfasse zeigt aber, dass mit dieser Beurteilung dem Carrosserie-Gewerbe noch nicht Genüge getan wird. Ebenso imponierend wie die Formenschönheit und die Sorgfalt der Verarbeitung ist auch die Verschiedenartigkeit der Modelle und die Anpassung der verschiedenen Wagenformen an alle denkbaren Verhältnisse, die der moderne Strassenverkehr nun einmal mit sich bringt. Eng und karg Ist unser Land , Reich und gross durch seinen Fleiss* fveisst es in der Höhenstrasse. Diese Enge, die so manchen Ellenbogenstupf auf dem Gewissen hat, verlangt vom Carrosserie- und Anhängerbauer nicht nur eine volle Hingabe an seinen Beruf, sondern darüber hinaus eine noch viel weifergehende Anpassung an individuelle Verhältnisse und bedingt, gemessen an den erzeugten Einheiten, ein bedeutend grösseres Mass von Findigkeit und Fertigkeit, als dies z. B. bei der Serienfabrikation der Fall ist. Diese Findigkeit und Fertigkeit aufgebracht, und mitgeholfen zu haben, unser Land «reich und gross» zu machen, darauf darf die schweizerische Carrosserie- und Anhänger- Indusfrie mit vollem Recht stolz sein. Man ist sich nachgerade gewohnt, dass die Meister der Spezial-Carrosserien, die Graber, Ramseier, Langenthai, Reinbolt usw. mit ihren Ausstellungsobjekten der Menschenschlange manch Ah und Oh entlocken. Sie zeigen das Cabriolet in seinen verschiedenen Formen : 2-türig 2-plätzig, 2-türig 4-plätzig, 4-türig 4- plätzig usw. (in der Aluminium-Halle hat übrigens Langenthai auch ein interessantes Schnittmodell eines Cabriolets ausgestellt, für dessen Metallkonstruktion Aluminium verwendet wurde) Wer aus irgend einem Grund Lust verspürt zur Behauptung, der Schweizer stehe in bezug auf Eleganz und Formensinn hinter seinen Nachbarn zurück, dem bieten diese Objekte Gelegenheit, sich in aller Ruhe vom Gegenteil überzeugen zu lassen ... Sein, sondern gewinnt deswegen noch an Interesse, weil sie auch das Werden in weitgehendem Masse illustriert und demonstriert. In erster Linie sei erwähnt, was der schweizerische Carrosserie-Verband dem Publikum Die vorhin erwähnte Anpassung an individuelle Bedürfnisse tritt besonders an denzu sagen hat. Eine grosse Originalzeichnung «Schwergewichten» auffällig zutage. Gleich am Anfang der Aufstiegrampe finden wir ein Saurer-Chassis mit dem bekannten Ochsner-Kehrichtwagen, der bereits in vielen Städten der Schweiz seinen Dienst tut. Weiter oben folgfein 22pl. Car Alpin mit Bema-Unterbau, der nicht nur mit allen Finessen ausgestattet ist, sondern auch als Hochsitzer ausgebildet wurde, d. h. dass sich der Führersitz nicht mehr hinter, sondern neben dem Mofor befindet. Die Firma Knupp zeigt an einem Einachsanhänger von 1 Tonne Tragkraft, wie sowohl Stahl als Leichtmetall Verwendung finden — jedes dort, wo es sich durch die Praxis als vorteilhaft erwiesen hat. Im weiteren sehen wir einen Berna Omnibus mit 30 Sitz- und 15 Stehplätzen, woran sich ein Saurer Pu-Ilman- Car schliesst, den die Berner Ramseier und Jenzer geschmackvoll karossiert haben. Ein imposantes Stück ist der 6-7-Tonnen 100 PS Berna, den Wirz unter Verwendung von Stahl und Antikorodal mit einem 3-Seitenkipper versehen hat, und der Einachsanhänger, ebenführten Dodge-Cabriolets sind beson- Die durch Graber in Wiehtrach ausgefa'lls mit 3-Seifenkipper und durch denselben ders niedrig und dadurch äusserst schnittig. Konstrukteur ausgeführt. Als Bremse dient ein Schmutz-Aggregat. Wer Lust hat, die Kippvorrichtungen für die Anhängerbrücke funktionieren zu sehen, braucht einfach auf den Knopf einer daneben stehenden zu drücken. Apparatur Als weiteres Beispiel schweizerischer Konstruktionstätigkeit steht am Ende der Rampe ein Turmwagen, den ebenfalls die Firma Wirz erstellt hat; beachtenswert ist im weiteren die Musteranlage einer Feuerwehr-Garage, die ebenfalls von der Vielfältigkeit schweizerischer Konstruktion ein be'redtes Zeugnis abgibt. Die Schau beschränkt sich nicht nur auf das einen Einblick in die Arbeit eines Konstruktionsbüros, das die gesamten Zeichnungen in wirklicher Grosse anfertigt und wovon ein Beispiel eine der drei Wände vollständig einnimmt. Grosse Photographien und Musterstücke zeigen, was als Material verwendet und wie dieses verarbeitet wird: Holz, Blech, Beschläge, Profile der verschiedensten Arten aus Stahl und Leichtmetall, Blachen, das Schweissen mit Lichtbogen-Elektroden, Deckenleder, Polsterfedern, Sperrholz, Polsterplatten, Teppiche, Innendach- und Äufoverdeck-Stoffe, Sicherheitsglas, Gummi - Profile, Heizungen, Feuerlöscher, Kabel, Stoff-Ueberzüge. Sollten Sie etwa glauben, der Automaler verdiene sein Brot verhältnismässig leicht, da er nur mit dem Spritzapparat über den Wagen zu streichen hätte, dann sehen Sie sich die Ecke an, in der die Färb- und Lackfabrikanten ebenfalls an Hand von photographischen Vergrösserungen die zahlreichen Stadien zeigen, bis der Lack eines Wagens zur vollen Zufriedenheit des Besitzers glänzt: Schleifen des Bleches, Entrosten desselben, Grundieren, Auftragen des Spachtels, Schleifen, Spritzen, Brennen und Polieren. So wird die Einsicht in die Tätigkeit des Andern zur Grundlage für das Verständnis seiner Arbeiten, seiner Freuden und seiner Sorgen. :—: , Ramseier & Cie., Worblaüfen, zeigen eine Gabriolet-Carrosserie auf S.S.-Jaguar-Chassis. Reinbolt & Christe AG. in Basel ist durch ein formschöne* Buick-Cabriolet rertreten.