Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1940_Zeitung_Nr.011

E_1940_Zeitung_Nr.011

II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 12. MÄRZ 1940 Eüne Seereise im Kriegte Von R. Brennwald. (Schluss aus Nr. 10) Sechzehn Tage lang ging nun das Leben an ersten Klasse eine Woche Arrest. Es ist ja trau- Bord seinen gewohnten Gang. Die Truppen hat- rig, das« unsereiner, der genug Geld besitzt, um ten auch eine Negerkapelle, die ihre regelmässigen nicht nur dieses Schiff, sondern sämtliche Schiffe Konzerte zum besten gab, so dass die Leute der Reederei erwerben zu können, sich nicht einnicht wenigstens etwas aufgeheitert wurden. mal einen Schluck Wein verschaffen darf. Also Wir in der ersten Klasse machten gewöhnlich nochmals herzlichen Dank, mein Herr.» ' vor dem Frühstück gymnastische Uebungen oder Hierauf wurde er abgeführt. Später erkundigte leichtere Spiele auf dem Boot-Deck und Spaziergänge ich mich bei dem Offizier, wie denn der. Mann auf dem Promenaden-Deck. Im übrigen heisse, und da erfuhr ich zu meinem Erstaunen, aber verlief der Tag beinahe ohne Unterschied dass er der Sohn eines der grössten amerikanischen von dem gewöhnlichen Leben an Bord, wie es zu Zeitungsverleger war, dessen Name weit Friedenszeiten sich abwickelt. Der einzige Unterschied über Amerika hinaus wohlbekannt ist. Es wird war die ernste Stimmung'; • das zeitweise eben im Kriege auch auf den Sohn eines Reichen Schiessen und die damit verbundene Aufregung keine Rücksicht genommen, was nur recht und unier den Passagieren. billig ist. Erst bei einbrechender Dunkelheit begann das Im allgemeinen ging die Reise sehr langsam Leben von dem der Friedenszeit abzuweichen. Alle vonstatten. Es schien uns manchmal, als ob wir Aussenlichter wurden gelöscht, alle Bullaugen geschlossen, überhaupt nicht vorwärts kämen. das Schiff fuhr langsam in vollständiger Am zwölften Tage wurde zu unserem Erstau- Dunkelheit dahin. Es durfte weder gesungen noch nen unser Convoi aufgeteilt. Zwölf Schiffe, in Begleitung Musik gemacht werden. Selbst in den Innenhallen sämtlicher Kriegsschiffe, die uns bisher des Schiffes waren alle Lichter abgeblendet, damit begleitet hatten, nahmen plötzlich Kurs nach beim Oeffnen der Türen nach den Decks kein Nordosten, während unser Schiff mit der «Lorraine» Licht von aussen sichtbar wurde. Rauchen sowie und noch einem dritten Dampfer, dessen Anbrennen von Streichhölzern usw. war strengstens Namen wir nicht kannten, südöstlichen Kurs ger verboten. Das Promenieren auf Deck war gen Bordeaux nahm. Man erklärte uns, dass der daher sehr erschwert, und die Leute prallten ständig grössere Teil de* Convoi nach England fahre und gegeneinander. In langen Reihen von Liege- nur unsere drei Schiffe nach Frankreich bestimmt stühlen sassen und lagen Damen und Herren, seien. Wir waren jetzt ohne irgendeine Schutzbegleitung, zum Teil mit angelegtem Rettungsgürtel, zum Teil und dies gab Anlass zu schweren diesen in Greifweite- neben sich. Die Nächte waren Befürchtungen unter den Passagieren, denn es häufig sehr kalt und feucht, und ich bemit- war doch klar, dass nun, nachdem wir uns der leidete jeden Morgen die armen Passagiere, die französischen Küste näherten, die U-Boot-Gefahr die Nacht in den Liegestühlen zugebracht hatten bedeutend zunahm. Der Erste Offizier des .Schiffes und .übernächtigt und erfroren dalagen, mit ängstlichen erklärte uns jedoch, dass wir in wenigen Stun- und übermüdeten Gesichtern. den französische Torpedoboote sichten werden, Gleich an einem der ersten Abende auf See die uns dann bis Bordeaux begleiten würden. Dies bemerkte ich in der Nähe meiner Kabine einen gewöhnlichen war dann wirklich auch der Fall. Soldaten, der mir vom Ende des Ganges her zuwinkte. Es war ein hübscher Kerl, mit offenem Gesicht, dem ich sofort trotz der einfachen Uniform den gebildeten Mann ansah. Ich fragte ihn, auf welche Weise er vom Zwischendeck hierher in die erste Klasse gekommen sei und was er von. mir wünsche. „ «Sehr einfach», meinte er, «ich habe genug Geld, um den Zwischendeck-Steward zu schmieren. Der hat mir dann auch die Verbindungstüre hinten Jm Gange offengelassen, und so kam ich «Bolzenhuber und Müller, Automobilfahr^ hier herein. Ich bitte Sie um eine Gefälligkeit. schule. » Hätten Sie die Güte,--mir für mich,.< und. einige Drückt eine breite, schwammige Hand auf Kameraden etwa sechs Flaschen Weih zu' besor- den Knopf der Hausglocke: «Gestatten: Kleingen? Sie sind Zivilist und stehen daher nicht unter rentner John Bitterling: ich habe neulich ein dem Militärgesetz. Sie haben nichts: weiter zu Automobil geerbt und möchte...» tun, als die Flaschen zu kaufen und auf Ihre Kabine zu nehmen. In der Nacht stellen Sie sie vor ihre Kabinentüre, ich werde sie abholen und Ihnen das Geld dafür unter die Türe -schieben. Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar und werde aufpassen, dass niemand etwas merkt, darüber können Sie sich beruhigen. Es war nun zwar verboten, den Soldaten Getränke zu schenken oder zu verkaufen. Aber weshalb sollte ich dem armen Kerl, der doch in den Krieg musste, nicht einen so einfachen Gefallen erweisen? So gab ich ihm eine Zusage für die kommende Nacht. y Wie abgemacht, stellte ich die Flaschen vor meine Türe und war natürlich sehr erstaunt, als diese am nächsten Morgen noch» immer dastanden «Sie möchten bei uns einen Fahrkurs nehmen?» «Ganz richtig.» «Bittel» Die Firma Bolzenhuber und Müller schmilzt in Zuvorkommenheit, Zuvorkommenheit. sie Sie senwatzt schwätzt auf Bitterling ein. Ueberzeugt ihn, dass er nach vierzehn Tagen Fahrkurs ein Caracciola sein wird, Dass sämtliche grossen Autokanonen aus der Fahrschule Bolzenhuber und Müller hervorgegangen sind und dass ein gewisser Wilhelm Teil, sofern man.zu seiner Zeit schon Kraftwagen gehabt hätte ... und so weiter. Mit einem Wort: Dienst am Kunden in des Wortes schwatzhaftester Bedeutung. Herr Bitterling lässt den empfehlenden Wortüber ^"m^7l^^'^iili^rnZT^ ^^^--^^^ si f ergehen und erkundigt sich s0 über sehr bald' aufgeklärt werden. Im Laufe des nebenbei nach der Höhe des Kursgeldes. Vormittags erschien vor mir ein Leutnant in Be- . «Hundertfünfzig Franken, ein bescheidener gleitung meines Weinbestellers. Der Offizier er- Bfefra « in Anbetracht unserer Gegenleistung, klärte mir, dass der Junge unter Arrest sei, aber Ratenzahlung ohne Aufschlag gestattet.» den Wunsch geäussert habe, einige Worte mit , John Bitterling nickt sein Einverständnis, mir zu sprechen. Man habe ihm bewilligt zehn Aber er ist immer noch nicht ganz von der Minuten mit mir sprechen zu dürfen. Der. Junge Güte seiner Fahrschule überzeugt. «Sagen Sie trat hierauf auf mich zu, während der Offizier an- mal, können Sie mir vielleicht Referenzen von standshalber zur; Seite trat, um die Konversation Ehemaligen angeben?» nicht mitanzuhören. «Aber mit Vergnügen. Hunderte, wenn Sie es Der junge Mann begann: «Ich danke Ihnen wünschen. Da haben wir zum Beispiel einen vielmals für Ihre Freundlichkeit. Man hat. mich Herrn Splittermann, der ganz in Ihrer Nähe leider gestern nacht im Gang abgefasst, ehe ich wohnt.» bis zu Ihrer Kabine kam. Somit weiss niemand, «Und der hat hier richtig fahren gelernt?» was ich dort gewollt oder gesucht habe. Ich er- «Er kam hierher als wahre Unschuld vom halte nun wegen' widerrechtlichem Betreten der Lande, der ein Auto nicht von einem Kinder- Am vierzehnten Tage, also zwei Tage vor unserer Ankunft in Bordeaux, hatten wir noch ein letztes, aber typisches Erlebnis. Als wir an diesem Morgen auf Deck kamen, war die «Lorraine* verschwunden. So weit wir auch den Horizont absuchten, konnten wir nichts entdecken, als das dritte Schiff, das zu unserem Convoi gehörte und drei französische Torpedoboote als Begleiter. Von der «Lorraine» war nichts mehr zu entdecken. Plötzlich entstand eine furchtbare Panik unter unseren Passagieren, hauptsächlich den weiblichen. Irgend jemand gab die Erklärung ab, die «Lorraine» sei über Nacht torpediert worden und zweifellos gesunken. Es begann eine Aufregung, wie ich sie noch selten erlebt habe. Die Frauen wurden zum Teil hysterisch, weinten, schrien, rannten wie besessen auf dem Deck herum, rissen sich in den Haaren, und manche musste man von der Reling zurückreissen, da sie versuchten, über Bord zu springen. Als die Panik immer schlimmere Ausmasse annahm, erschien plötzlich der Kapitän und verlangte, den Revolver in der Hand, mit Donnerstimme Ruhe und Aufmerksamkeit. Es nalim lange Zeit in Anspruch, bis die Leute sich soweit zusammennahmen und sich so ruhig verhielten, dass der Kapitän sprechen konnte. Er erklärte, dass absolut kein Grund zur Beunruhigung wegen der «Lorraine» bestände. Die Referenzen «Lorraine» habe eine bedeutend grössere Geschwindigkeit als unser Schiff. Sie sei nun über Nacht • vorausgefahren und komme einen Tag vor uns in Bordeaux an. Er sei in ständiger drahtloser Verbindung mit ihr. Er werde ferner eine strenge Untersuchung einleiten, um herauszufinden, wer unter den Passagieren die unsinnige Mär einer Torpedierung der «Lorraine» ausgestreut habe. Er werde in der Folge jeden unbarmherzig niederschiessen, der solche falschen Gerüchte verbreite, die dazu angetan seien, eine Panik unter den Passagieren hervorzurufen. Und damit beruhigten sich die guten Leute wieder. In normalen Zeiten mag eine solche Aufregung unverständlich erscheinen, rur Kriegszeit aber sind die Nerven der Passagiere bald derart durch die ewige Unsicherheit, Unklarheit, durch Humoreske von Jakob Stehler. wagen unterscheiden konnte. Heute fährt. er nie unter hundert Kilometern. Alles in unserer Fahrschule erworben.» * «Hm! Aber glauben Sie, dass der Mann auch ganz sicher fährt?» «Unsere Ausbildung bürgt dafür. Fragen Sie den Mann mal persönlich, Er wird Ihnen alles bestätigen.» Bitterling wendet sich befriedigt zum Gehen. Und unter der Tür: «Also nochmals: Sie können mir aufs bestimmteste versichern, dass Sie den Mann zu einem wirklich zuverlässigen und strassensicheren Fahrer ausgebildet haben?» «Unnütze Frage. Wir übernehmen zehn Jahre Garantie für jeden, der aus unserer Schule hervorgeht.» «Fabelhaft. Wie heisst der Mann nun schon «Splittermann.» «Schön. Ich werde nächstens wiederkommen.» Eine Woche vergeht. Es vergehen zwei Wochen. Bitterling kommt nicht zurück. Nach vier Wochen schickt ihm die Firma Bolzenhuber und Müller ihren tüchtigsten Vertreter auf die Bude «Gestatten Sie, Herr Bitterling. Sie haben sich seinerzeit für einen Fahrkurs bei unserer Firma interessiert. Wir hatten Ihnen Referenzen angegeben. Ein neuer Kurs beginnt übermorgen. Darf ich Sie nun fragen, ob...» «Selbstverständlich. Ich habe bei Herrn Splittermann vorgesprochen. Sie haben nicht übertrieben. Der Kerl ist eine wahre Kapazität auf dem Gebiete des Autofahrens. Und billig überdies. Fünfzig Franken die ganze Ausbildung. Heute Vormittag habe ich eben meine Fahrprüfung bestanden. Auf Wiedersehen.» — schlaflose Nächte und die ständige Furcht vor den U-Booten, angegriffen, dass es nur geringfügiger Ereignisse bedarf, um Nervenzusammenbrüche und hysterische Anfälle auszulösen. Der Rest der Reise ging dann ohne weitere Aufregungen vorüber, und wohl alle Passagiere dankten Gott, als wir endlich am sechzehnten Tage seit unserer Abfahrt von New York in Bordeaux eintrafen, glücklich und wohlbehalten, trotz allen Unterseebooten die die Meere unsicher machten. Zu unserer grossen Freude legten wir gerade hinter der «Lorraine» an, die bereits am vorhergehenden Tage den Hafen erreicht hatte. Wieder rasen Unterseeboote durch den Ozean und suchen sich ihre Opfer. Das Leben an Bord der Ueberseedaxnpfer wird sich nun wohl ähnlich abwickeln, wie ich es hier geschildert habe. Der Rauch von Moskau No 11 Im alten Russland sassen einst zwei Mächtige der Regierung beisammen, und es sprach der eine: — Hör mal, deine Exzellenz — warum machst du die grossen Regierungsgeschäfte immer mit diesem Ivan Ivanovicz Ivanov und niemals mit meinem Freunde Alexander Alexandrovicz Alexandrov? — Das will ich dir genau sagen, deine Hochwohlgeboren: weil mein Ivan Ivanovicz ein guter und dein Alexander Alexandrovicz ein schlechter Kaufmann ist! — Das müsste erst bewiesen werdenI — Aber bitteI Sekretär] Lassen Sie mir den Alexandrov kommen! — Alexandrov wurde gerufen, arbeitete sich durch sechzehn Vorzimmer, alles ging wie — geschmiert. Dann stand er vor der Exzellenz und die sagte: — Hören Sie mal, Alexander Alexandrovicz. Sie sollen auch mal ein Geschäft mit der Regierung machenl Wir sind bereit, Ihnen den Rauch von Moskau zu verkaufen! Hier liegt schon der fertige Vertrag I Sie zahlen 100000 Rubel und hoben den ganzen Rauch! Einverstanden? — Aber, erlauben Sie, Exzellenz, das kann doch nur ein Scherz sein! Was soll ich mit diesem Rauch von Moskau? Was soll man überhaupt mit wertlosem Rauch, ich bitte Sie... Alexandrov empfahl sich kopfschüttelnd. Exzellenz warf einen vielsagenden Blick auf Hochwohlgeboren und Hess nun den Ivanov kommen. — Hören Sie mal Ivanovl Ein Geschäft für Sie! V/ollen Sie den Rauch von Moskau kaufen? 100000 Rubel! • Ivanov holte seine Brieftasche heraus und meinte: — Warum soll ich den Rauch von Moskau nicht kaufen? Aber 100000 ist ein bisschen viel... Sagen wir 50000? — Abgemacht!... Hier haben Sie den Vertrag. Unten, auf der Strasse, vor dem Ministerium, schlägt sich Ivanov beide Fäuste vor die Stirn und jammert: — Mein Gottl was bin ich für ein Narr! Was habe ich denn da für einen Dreck gekauftI Da fällt Ivanovs Auge auf die Rauchsäule, die aus dem Schornstein einer Fabrik aufsteigt. Ivanov kriegt einen roten Kopf — stürzt in die Fabrik und schrie den Fabrikdirektor an : — Mein Herr! wie kommen Sie dazu, über meinen Rauch zu verfügenl? Herrl meinen Rauch werden Sie nicht so ungestraft in die Luft hinauslassen ! !... Er zeigt dem Direktor seinen Regierungsvertrag über die «ausschliessliche Moskauer Rauchabtretung an den Kaufmann Ivanov > und droht mit einem Prozess. — Monstre. Der Direktor zahlt 20000 Rubel, und Ivanov gibt sich zufrieden. Viele Fabriken hat Moskau... viele Schornsteine ... Nach Verlauf einer Woche begibt sich Ivanov ins Ministerium. Schon von weitem winkt die Exzellenz ab: — Nichts zu machen, mein Lieber! Vertrag ist Vertrag! Wir lassen Sie nicht herausI Ivanov aber, der treffliche Kaufmann, schüttelt strahlend das Haupt: — Wer spricht von Herauslassen?! Ich komm» zu Ihnen — ob ich nicht den Rauch von ganz Russland kriegen kann?... (Uebertragen von R. B.) tdie Frühjahrsmüdigkeit überwinden, Körper stärken, N> Nerven stählen — den ganzen Organismus-bei der Erneuerung der Kräfte unterstützen mit . A ßi und D tf Vitamine A, !*• « FOFAG, VOUETSWIt.ZORICH

N° 11 — DIENSTAG, 12. MÄRZ 1940 AUTOMOBIL-REVUE SB Die Entstehung der Maginotlinie politisch gesehen Werke wie die Maginotlinie, die nicht nur in ihrer materiellen Ausdehnung, sondern ebensosehr in der Neuartigkeit ihrer grundlegenden Gedanken als gigantisch bezeichnet werden dürfen, verdanken ihre Entstehung in den seltensten Fällen der Initiative und Schöpferkraft eines einzelnen. Die Hindernisse sind meist nicht nur zu zahlreich, sondern vor allem auch Andre Maginot ist, trotzdem er in Paris gebo ren wurde (1877), lothringischer Herkunft. Nach einem längeren Aufenthalt in Afrika als Generalsekretär der algerischen Regierung wurde er 1910 als Vertreter des Departements Meuse in die Kammer gewählt. Bei Ausbruch des Weltkrieges trat er im 44. Territorial-Regiment als gewöhnlicher Soldat in den Aktivdienst und zeichnete sich bald durch einen hervorragenden Mut und ständige freiwillige Einsatzbereitschaft aus. Am 9. November 1914 zerschlugen ihm zwei feindliche Kugeln die rechte Kniescheibe und das Kniegelenk, so dass das Bein für den Rest seines Lebens gelähmt blieb. Während des Krieges übernahm er vorübergehend das Ministerium der Kolonien und Anfang 1922 noch dasjenige der Pensionen, welchen beiden er bis Juni 1924 vorstand. 1928/29 wurde er unter Poincare wiederum Kolonial- und am 3. November 1929 unter Tardieu Kriegsminister. Dieses Portefeuille behielt er bis zu seinem Tod am 14. Januar 1932 inne. III III \ zu vielfältig, als dass ein einzelner mit ihnen fertig werden könnte. Der Bau aus Stahl und Beton, der sich bis zu fünfzig Meter tief durch den Boden des östlichen Frankreich zieht, trägt den Namen « Maginot-Linie ». An Andre Maginot denkt die Welt, wenn sie davon spricht, welch ungeheure Blutopfer ihr seit Ausbruch des gegenwärtigen Krieges erspart geblieben sind, weil die Stärke der befestigten Zone bis in die höchsten Militärkreise aller Länder hinein anerkannt wird. Darüber vergisst sie vielleicht jene Männer und Faktoren, die bei der Verwirklichung des ganzen ebenfalls entscheidend mitgewirkt haben: Painleve, Petain, Debeney, Belhague, Alby, Tardieu; Verdun, den Geburtenrückgang, die Rheinlandräumung, verschiedene aussenpolitische Vorgänge. Damit soll das Verdienst Maginots Keineswegs in irgendeiner Weise geschmälert werden. Wenn die fertigen Pläne nicht in der Schublade irgendeiner Kommission verstaut und vergilbt sind, wenn sie heute als Panzertürme und Kasematten, als Maschinengewehrnester und unterirdische Gänge verwirklicht dastehen, dann ist dies das besondere Verdienst des kriegsinvaliden Sergeanten, der in den entscheidenden Jahren den Posten des Kriegsministers bekleidete. Darum lassen die Franzosen allen immer wieder auftauchenden Erwägungen zum Trotz an der jetzigen Bezeichnung nicht rütteln. Es ist praktisch überhaupt unmöglich, einen Punkt, ein Datum oder einen Menschen zu bestimmen, von dem sie ihren Ausgang genommen hätte. Soll man sich für den Rapport entscheiden, den der Chef des Armeestabes, General Alby, im Februar 1919 an Clemenceau gerichtet und in welchem er die Schaffung einer starken Verteidigungslinie im Osten gefordert hat? Soll man an Verdun denken, das den immer wieder verbesserten Angriffswaffen jahrelang standgehalten hat, was zur logischen Folgerung führte, dass der Ausbau der Festungen auch einem weiteren Fortschritt der Ballistik gewachsen wäre? Oder soll man sogar noch weiter zurückgreifen auf die Tatsache, dass Frankreich innert sechs Jahrhunderten über ein dutzendmal von Osten her durch gegnerische Truppen überschwemmt worden ist und sich nie sicherer gefühlt hatte als im 17. Jahrhundert, nachdem durch Vauban die erste Reihe der Befestigungen geschaffen war und nach dem 70er Krieg als Se>e de Riviere den Gürtel auf die Höhe der damaligen Ansprüche ausgebaut hatte? Die französischen Militärkreise, allen voran der Generalissimus Foch, waren mit dem Friedensvertrag von Versailles nicht einverstanden gewesen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hatten sie den Rhein als Verteidigungslinie verlangt; Rheinland und Pfalz blieben jedoch beim Deutschen Reich. Die neue Grenze ging quer durch die Vogesen, der Saar und anderen strategisch weniger günstigen Flüssen entlang. Allerdings hatte sich Frankreich (las Recht vorbehalten, die Rheinlande bis zum Jahre 1935 besetzt zu halten. Militärs denken nicht in politischen Formeln, sondern einzig in strategischen Möglichkeiten. Für den Tag, an dem sich die französischen Truppen auf die eigene Grenze zurückzögen, mussten sie um jeden Preis bereit sein. Foch und Pelain, als Lenker der militärischen Geschicke Frankreichs, Painlevd als Kriegsminister und Maginot als Präsident der Armee-Kommission, der Generalinspektor des Genie Belhague und manche andere beginnen bereits im Jahre 1922 mit der Vorbereitung, die vorerst auf eingehende Studien beschränkt blieben. Da Elsass und Lothringen französisch geworden sind und in kriegswirtschaftlicher Hinsicht eine grosse Bedeutung besitzen, kann die alte, fünfzigjährige Linie Verdun - Nancy - Epinal - Beifort nur noch als Reservestellung dienen. Es wird 1927, bis über die prinzipiellen Fragen Klarheit geschaffen ist und die eigentlichen Studien im Terrain beginnen können. Die Zeit drängt. Eingeweihte Kreise wissen, dass die Besetzung der Rheinlande unter dem Druck der damaligen Abrüstungs- und Ausgleichbestrebungen bedeutend früher zu Ende gehen wird als ursprünglich vorgesehen war; sie wissen auch, dass die Geburtsziffern während des Weltkrieges bedenklich zurückgegangen sind und dass auf die Jahre 1935—1939 hin das Rekrutierungsergebnis besorgniserregende Ausfälle zeigen wird. Um keine langwierige Kammerdebatte notwendig zu machen, werden aus dem Verkauf von veralteten Kasernen und entbehrlich gewordenen militärischen Grundstükken 450 Millionen Franken flüssig gemacht und für praktische Versuche verwendet. Painleve, der nach links orientierte Politiker, unterstützt die Bestrebungen, wo immer er dazu Gelegenheit hat, trotzdem fast alle Befürworter der Linie im Lager der politischen Gegner stehen. Am 17. Februar 1928 werden die praktischen Arbeiten begonnen. Am 3. Februar 1929 wird Maginot Kriegsminister im Kabinett Tardieu, nachdem er den Posten bereits 1922—1924 bekleidet hatte. Die Verhältnisse drängen immer mehr. Noch hält Frankreich Mainz besetzt, doch auch dieses soll geräumt werden. Was tut Maginot? Er, der mütterlicherseits von einer englischen Familie mit der Devise «no words but deeds» — keine Worte, sondern Taten — abstammt, entschliesst sich, die Kreditgewährung durch das Parlament zu- brüskieren, ohne dabei jene Mässigung zu verlassen, die im politischen Leben so viel eher zum Ziele führt als kraftstrotzendes Auftreten. Bereits kurze Zeit nach dem Amtsantritt entschliesst sich Maginot, dem Abzug der Truppen aus Mainz, einem der seit Jahrhunderten wichtigsten Brückenköpfe am Rhein, zuzustimmen. Er weiss, dass die Durchführung dieser Massnahme für die Beratung vor der Kammer ein wichtiges Argument für den Bau der Befestigungslinie bildet. Das Budget 1930 wird behandelt. Maginot verlangt für den Ausbau der Befestigungen im Nordwesten drei Milliarden Franken. So sehr die Lage dazu reizt, alle Register der parlamentarischen Beredsamkeit spielen zu lassen, verzichtet er darauf, leistet aber, der sich nur noch mit zwei Stöcken fortbewegen kann, eine ungeheure Arbeit der persönlichen Ueberzeugung. In der Kammer-Sitzung vom 10. Dezember 1929 weist er in schlichten Worten auf die Notwendigkeit einer starken und beweglichen Verteidigungslinie hin, betont, dass es sich nur um die Fortsetzung der Arbeit seines Vorgängers Painleve handelt und dass du ganze Werk im Jahre 1935 beendigt sein muss. Die NÄCHSTEN SEVA ZIEHUNG WORINGER Paul Painleve, bereits im Alter von 32 Jahren Mathematikprofessor an der Sorbonne, war von April bis November 1925 Ministerpräsident, darauf Kriegsminister bis 1929, nachdem er diesen Posten schon während des Weltkrieges vorübergehend bekleidet hatte. Trotzdem er dem Lager der republikanischen Sozialisten entstammte und deswegen auf Seiten der entschlossenen Abrüstungsfreunde stand, ist die Schaffung der Maginot-Linie zu einem grossen Teil sein Verdienst, vor allem soweit dies die Vorarbeiten anbetrifft. Er starb 1933 siebzigjährig, etwa anderthalb Jahre nach Maginot. Keiner der hauptsächlichsten Initianten der « Linie » hat somit deren Vollendung erlebt. Diskussion wird kaum benützt, der Kredit von 3300 Millionen Franken in offener Abstimmung gewährt. Auch der Senat stimmt in überwältigendem Mehr zu, nachdem der jetzige Präsident der französischen Republik, Albert Lebrun, dafür noch eine Lanze gebrochen hatte. Wie waren alle erstaunt, als sie nachher vernahmen, dass die Arbeiten, die durch den Kredit finanziert werden sollten, bereits seit drei Monaten im Gange waren! Maginot hat die Vollendung des Werkes, das seinen Namen trägt, nicht mehr erlebt; er ist am 7. Januar 1932 an den Folgen einer Austernvergiftung gestorben. Doch was er und seine Mitarbeiter geschafft haben, ist als bahnbrechende Neuerung in die Geschichte eingegangen. 0" AAfi. f/ fP*>W « A#f s* \ 6.MÄRZ Noch einige Tage! Noch einige Stunden I Noch einige Minuten! Dabei sein • und zwar rechtzeitig - nicht erst nach Schalterschlussl Darauf kommt es an, wenn man einen (oder gar mehrere) der 20 986 Treffer Im Gesamtwert von Fr. 500 OOO.- gewinnen will! Wer nimmt die letzten Lose - wer die letzte 10-Los-Serie? Ja, die 10-Los-Serie - ihr fliesst nicht nur ein sicherer Treffer zu, sie kann sogar (dank des neuen Ziehungs-Modus) 3 Mal Fr. 1000.- gewinnen! - Darüber hinaus gibt es diesmal 25 Treffer ä Fr. 1000.- EXTRA Jetzt aber heisst es, sofort bestellen!!! 1 Los Fr. 5.- (10-los-Serie Fr. 50.-) plus 40 Cts. für Porto auf Postcheck III10 026 (für Ziehungsliste nach Erscheinen 30 Cts. mehr). Adr.: Seva-Lotterie, Genfergasse 15, Bern. Sie können auch Nachnahme-Bestellungen per Postkarte oder Tel. 2 8813 aufgeben. Lose auch in bernischen Banken u. am Schalter der Privatbahnen zu Infanterie-Kommandoposten in der Maginotlinie.