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244. Ausgabe, ET 14.04.2018

Kurz, kindisch, gefährlich: Die gute alte Diplomatie in heikler Lage ist neuerdings kurzbündigen Botschaften gewichen, zum Beispiel durch Ausweisung der Diplomaten oder auch durch Trumps Twitter-Tweets. Diese Kommunikation kann tödlich sein. Von Michael Zäh

2 FREIBURG UND DIE WELT

2 FREIBURG UND DIE WELT Samstag, 14. April 2018 Die iranische Partnerstadt Isfahan: Freiburg ist die einzige deutsche Kommune, die eine Städtepartnerschaft in diesem Land pflegt. Filmreife Partner „Weltweite Freundschaften“: Der Dokumentarfilm über Freiburgs zwölf Partnerstädte ist im Kino angelaufen. Von Barbara Breitsprecher Zwölf Länder auf drei Kontinenten bereiste Regisseur und Produzent Bülent Gençdemir in eineinhalb Jahren, um daraus einen Film über Freiburgs Partnerstädte zu machen. „Weltweite Freundschaften. Freiburg und seine Partnerstädte“ heißt der 85-minütige Kinofilm, der gerade im Cinemaxx seine Premiere feierte. Alles begann im Jahr 1959 mit der französischen Stadt Besançon., die damals Freiburgs erste Partnerstadt wurde. Innsbruck folgte 1963 als zweite Patenstadt. Zwei Jahre später fragte die norditalienischen Stadt Padua an, ob eine offizielle Städtepartnerschaft mit Freiburg nicht möglich wäre, 1967 wurde sie dann realisiert. Die Verbrüderung mit der englischen Stadt Guildford war das Ergebnis einer privaten Initiative: Die gebürtigen Londonerin Dorothy Elchlepp, die mit ihrem deutschen Ehemann in dessen Heimatstadt Freiburg gezogen war und dort 1959 den „Anglo-German Club“ gegründet hatte, verfolgte beharrlich das Ziel einer Partnerschaft und erreichte schließlich 1979 das einstimmige Votum des Freiburger Gemeinderates, die kleine Universitätsstadt in den Kreis der Partnerkommunen aufzunehmen. Kontinuierlich knüpfte die Stadt weiter enge Bande in die gesamte Welt. So kam Lviv in der Ukraine 1990 hinzu und Granada in Spanien 1991. Im Jahr 2000 schloss Freiburg Freundschaft mit der iranischen Stadt Isfahan und ist bis heute die einzige deutsche Kommune, die eine Partnerschaft zu einer iranischen Stadt unterhält. 2015 kamen Wiwilí in Nicaragua, das israelische Tel Aviv-Yafo und Suwon in Südkorea dazu. Anlässlich des 50. Geburtstages der Partnerschaft mit Padua in Italien im vergangenen Jahr und des Doppeljubiläums Matsuyama in Japan: Bülent Gençdemir filmte in allen Partnerstädten Freiburgs der beiden dreißigjährigen Partnerschaftsabkommen mit Madison (USA) und Matsuyama (Japan) gab die Stadt Freiburg dann diesen Dokumentarfilm in Auftrag. Unter der Federführung des städtischen Referats für Internationale Kontakte wurde die Freiburger Produktionsfirma Südfilm damit beauftragt, die zwölf Städte zu porträtieren und die Bedeutung dieser Verbindungen ins Bild zu setzen. „Es war eine aufwändige Produktion – aber auch eine, die sehr viel Spaß gemacht und mich durch die vielen Eindrücke persönlich bereichert hat“, so Bülent Gençdemir, Geschäftsführer der Film- und Fernsehproduktionsfirma Südfilm der sich über die gut besuchte Premierenvorstellung der Doku im Kino freut. Der 40-Jährige, der aus Kehl am Rhein stammt, sagt, die „große logistische Herausforderung“ habe ihm viel Spaß gemacht. „In wirklich jedem Land habe ich viel Unter- stützung erfahren und wirkliche Gastfreundschaft erlebt.“ Die Frage, welche der zwölf Partnerstädte ihn am meisten beeindruckt habe, ist für Bülent Gençdemir schwer zu beantworten. Letztlich entscheidet er sich dann aber doch für das nicaraguanische Wiwili. „In dieser bitter armen Region habe ich gelernt, wie wenig Materielles Menschen brauchen, um glücklich zu sein.“ Bei der Dokumentation handelt es sich um den offiziellen Partnerstadtfilm der Stadt Freiburg. Und die ist sehr angetan: „Wir wollten den sehr gelungenen Film unbedingt ins Kino bringen, um den Freiburgerinnen und Freiburgern Lust auf einen Besuch der Partnerstädte oder die Mitarbeit in einem Partnerschaftsverein zu machen“, sagt Günter Burger, Leiter des Referates Internationale Kontakte der Stadt Freiburg. Der Film behandelt die historischen Verbindungen Freiburgs zu den Partnerstädten ebenso wie die aktuellen Herausforderungen. ■ „Weltweite Freundschaften“, Sonntag, 15. April, 17 Uhr und Montag, 16. April, 19 Uhr, CinemaxX Freiburg Fotos: Bülent Gençdemir

Samstag, 14. April 2018 ESSAY POLITIK 3 Fest entschlossen, zu arbeiten! Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg. Nach den meist unionsinternen Querschüssen der erst seit vier Wochen im Amt befindlichen Regierung war es laut Merkel das Ziel des Treffens, „sich kennenzulernen.“ Von Michael Zäh Wenn der Geist erst einmal aus der Flasche ist, so heißt es, kriegt ihn da keiner mehr rein. In dieser Hinsicht ist das Schloss Meseberg natürlich ein idealer Ort für die Kabinettsklausur der neuen, alten Groko gewesen. Dem Schloss wohne nämlich ein Zauber inne, weshalb sich dann auf Fluren und Gängen auch nach der Geisterstunde neue Minister (sagen wir Jens Spahn) und alte Haudegen (wie etwa Horst Seehofer) zufällig begegnen können, um gemeinsam „Buhbuh“ zu sagen. Schon 2014 waren die Koalitionäre im Schloss Meseburg, um sich näher kennen zu lernen. Damals sagte der neue SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel auf die Frage nach dem Geist von Meseberg, dieser sei ihm nicht untergekommen - aber Himbeergeist habe man getrunken. So ist es eher bezeichnend, dass 2018 genau umgekehrt von der Kanzlerin ein neuer Geist beschworen werden muss: „Ich kann nur von später Stunde und Rotwein berichten“, sagte Angela Merkel. War damals ein lässiger Scherz von Gabriel noch vertretbar, ist heute ein Ernst angesagt, der doch sehr mühsam erscheint. So sagte also die alte und neue Kanzlerin: „Über Himbeergeist habe ich mich nicht informiert. Aber der Geist war insgesamt gut. Sehr kooperativ.“ An ihrer Seite Vizekanzler, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der von einer „guten Klausurtagung“ sprach un d weiter ausführte, die neue Regierung könne konstruktiv sein und werde „auch den dementsprechenden Erfolg“ haben können. Sein Bonmot, griffig wie sonst nur im Fußball:„Teambuilding gelungen, der Rest kommt jetzt“, sagte Scholz. Alle Kabinettsmitglieder seien entschlossen, „sich den Aufgaben, die sich aus dem Koalitionsvertrag ergeben, auch wirklich zu stellen“, sagte hingegen Merkel in einer gemeinsamen Pressekonferenz deutlich verklausulierter. Sie habe einen „gut ausgeprägten Willen zur Zusammenarbeit“ festgestellt. War Angela Merkel deutlich angezählt, und zwar vor allem in den eigenen Reihen. So kam ja auch der Wirbel der letzten Wochen von eigenen Ministern. Der erzkonservative neue CDU-Gesundheitsminister Spahn, den Merkel unter Druck ins Kabinett berief und dabei hoffte, dass er mit seinem schwierigen Ressort genug zu tun haben würde, hat gleich mal eine fachfremde Debatte nach der anderen angezettelt, zuerst über Hartz IV und dann über „Recht und Ordnung“ in Deutschland. Wie es sich für ein neues Kabinettsmitglied unter Merkel gehört, hat Jens Spahn seine „Thesen“ in Interviews mit großen Zeitungen unters Volk gebracht. Auch Innenminister Seehofer hatte sich umgehend wieder mit der eigenen Kanzlerin angelegt, weil er ja in seiner neuen Funktion nichts mehr im Sinn haben kann als seiner CSU in Bayern (somit seinem Erzfreund Söder) via BILD-Zeitung möglichst maximale Wahlkampfunterstützung zukomdas so gegen vier Uhr in der Nacht, als der Rotweingeist aus der Flasche gewichen war? Es ist ja durchaus lustig, wenn hier ein neu zusammen gestelltes Kabinett mit den Ministern aus CDU, CSU und SPD nach gerade mal vier Wochen im Amt doch „Ich kann nur von später Stunde und Rotwein berichten. Der Geist war insgesamt gut“ tatsächlich fest entschlossen ist, sich den ihnen (letztendlich vom Wähler) übertragenen Aufgaben „auch wirklich zu stellen“. Der nüchterne Vizekanzler Olaf Scholz macht bei dem Zirkus bei weitem die beste Figur. Nach dem endlosen Durchhänger bis zur neuen Regierungsbildung ist nämlich men zu lassen, indem er die (alte) Debatte anstieß, ob der Islam zu Deutschland gehöre. Vor der Klausur des Kabinetts im Schloss Meseberg gab es also in den nur vier Wochen nach der Regierungsbildung nur lauter Querschüsse, meist unionsintern, weshalb die Kanzlerin danach den sensationellen Satz sagte, dass das Ziel des (geisterbeflügelten) Schloss-Treffens auch gar nicht gewesen sei, „detaillierte Vorhabenplanung zu diskutieren“, sondern „sich kennenzulernen und Arbeitsfähigkeit herzustellen.“ Nun gut, das werden all jene Menschen im Lande doch gerne hören, die täglich arbeiten und dies sogar ohne den Geist aus der Flasche zu lassen. Wenn es übrigens eine politische Botschaft gab,die auf dem Schloss beschlossen wurde, dann die, dass die neue Bundesregierung bis 2025 „Vollbeschäftigung“ im Lande anpeilt. Wäre okay, wenn die Minister vorher „Arbeitsfähigkeit“ herstellen. SOMMERZEIT MARKISENZEIT. Schatten ...rundum sorglos! Am Stollen 10 Gutach/Bleibach 07685 / 910580 www.decopointmayer.de Öffnungszeiten Mo– Fr: 10.00 bis 18.00 Uhr Sa: 10.00 bis 14.00 Uhr Schausonntag 14 –17 Uhr keine Beratung, kein Verkauf ideen im raum

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