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WOLL Magazin 2021.4 Winter I Brilon, Marsberg, Willingen und Diemelsee

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<strong>Winter</strong> 2021<br />

18<br />

Sauerland<br />

Worte, Orte, Land <strong>und</strong> Leute.<br />

Ausgabe für<br />

<strong>Brilon</strong>, <strong>Marsberg</strong>,<br />

<strong>Willingen</strong> <strong>und</strong><br />

<strong>Diemelsee</strong><br />

In dieser Ausgabe: Sauerländer<br />

Erfindungen + Patente<br />

Frauenpower am Diemelstrand<br />

Till Eulenspiegel im Sauerland<br />

<strong>Brilon</strong>er Erfindungen<br />

<strong>Marsberg</strong>s Bürgermeister Thomas Schröder im Interview<br />

Für den schönsten Tag im Leben:<br />

Hochzeits-Spezial im <strong>Magazin</strong> <strong>und</strong> auf imsauerland.de/heiraten<br />

<strong>WOLL</strong> - mit Herz <strong>und</strong> Hand von


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Liebe Leserinnen <strong>und</strong> Leser,<br />

wir freuen uns immer wieder, Ihnen schöne, spannende, lustige sowie nachdenkliche<br />

Geschichten erzählen zu können. Unser Anspruch ist jedenfalls, „das Schöne<br />

auf Papier“ zu bringen, wie es die <strong>WOLL</strong>-Philosophie vorsieht. Unser Sauerland<br />

ist eine Region toller Geschichten.<br />

„Volle Pulle fürs Dorf“ engagiert sich beispielweise der TuS Petersborn-Gudenhagen,<br />

der für seinen Einsatz mit einem Preisgeld bei den „Sternen des Sports“<br />

ausgezeichnet wurde. Wir haben uns in Welleringhausen, dem kleinsten Ortsteil<br />

der Gemeinde <strong>Willingen</strong>, umgesehen, Ortsvorsteher Karl Briehl hat uns dabei<br />

begleitet. Vielen Madfeldern Schülerinnen <strong>und</strong> Schülern hat Birgitt Rudolf Lesen<br />

<strong>und</strong> Schreiben beigebracht, wir lesen ihre Geschichte.<br />

Ein Schwerpunkt der <strong>WOLL</strong>-<strong>Winter</strong>ausgabe bildet das Thema „Erfindungen<br />

<strong>und</strong> Patente“. Damit tragen wir auch der Tatsache Rechnung, dass das Sauerland<br />

eine Region kluger Köpfe ist. Patente sind nicht nur für Firmen wichtig <strong>und</strong><br />

schützen ihr geistiges Eigentum. Dass Frauen genauso gut wie Männer forschen<br />

können, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, zeigt auch <strong>und</strong> besonders<br />

die Entwicklungsingenieurin Katharina Figge aus Madfeld.<br />

Paul Senske<br />

Chefredakteur<br />

Wie bunt <strong>und</strong> abwechslungsreich das <strong>WOLL</strong>-<strong>Magazin</strong> inzwischen geworden ist,<br />

können Sie auch daran erkennen, dass wir Ihnen einen Nikolaus mit Zertifikat<br />

vorstellen, verschiedene Zeichen <strong>und</strong> Symbole einer hörgeschädigten jungen<br />

Mutter lernen oder Ihnen den Manta 400 präsentieren.<br />

Viele Spaß <strong>und</strong> Freude bei der Lektüre.<br />

Paul Senske<br />

Kontakt:<br />

www.woll-magazin.de<br />

redaktion-woll@axo.media<br />

facebook.com/<strong>WOLL</strong><strong>Brilon</strong><br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 3


<strong>Brilon</strong><br />

5 Huberta<br />

9 Die Hollen bei Scharfenberg<br />

10 Perspektive<br />

18 <strong>Brilon</strong>er Wirtschaft<br />

19 Das <strong>Brilon</strong>er Rathaus<br />

24 Die Madfelder Lehrerin Birgitt Rudolf<br />

27 Krankenhaus Maria Hilf<br />

33 Till Eulenspiegel im Sauerland<br />

34 Traktoren aus <strong>Brilon</strong><br />

39 REMBE<br />

42 Entwicklungsingenieurin Katharina Figge<br />

<strong>Marsberg</strong><br />

6 <strong>Marsberg</strong>s Bürgermeister<br />

Thomas Schröder<br />

12 Raumausstatter Hellermann<br />

28 Tennispark <strong>Diemelsee</strong><br />

30 Die Mädels von der Bürgerwiese<br />

68 Clever Architekten<br />

99 LWL <strong>Marsberg</strong><br />

Aus dem Sauerland<br />

21 Josefsheim<br />

44 Miele-Werk Arnsberg<br />

50 Rehatechnik Heymer<br />

55 Rose-Handwerk<br />

58 Hasse chehört<br />

62 CONSTAB<br />

67 Impressum<br />

79 Neujahrsbrauch<br />

86 Wohnraumgalerie<br />

88 Heiraten im Sauerland<br />

93 Gendern im Sauerland<br />

94 Geschichte des alten Klosters Oeventrop<br />

98 <strong>Winter</strong>gedicht<br />

70 Die <strong>Brilon</strong>er Skischanze<br />

76 AWO-Tanzsportgruppe<br />

80 „Sterne des Sports“ für Gudenhagen/Petersborn<br />

83 Autohaus Witteler<br />

102 Gespräch mit einer hörgeschädigten Mutter<br />

104 Krankenhaus Maria Hilf<br />

<strong>Willingen</strong><br />

14 Ortsporträt Welleringhausen<br />

72 Das versunkene Schloss<br />

<strong>Diemelsee</strong><br />

20 Die versunkene Stadt<br />

73 Die Erbsensage<br />

74 Ortsnamen der Gemeinde <strong>Diemelsee</strong><br />

84 Flachs aus dem Sauerland<br />

Schwerpunkt “Erfindungen <strong>und</strong> Patente<br />

aus dem Sauerland” ab Seite 35<br />

100 Tiergehege im Enser Gewerbegebiet<br />

106 Tiger Tec & Systems<br />

108 Der Mensch dahinter<br />

111 Der Raubritter vom Wallenstein<br />

112 Robert geht wandern<br />

115 Autohaus Witteler<br />

117 Das Warsteiner Bauernhaustor<br />

118 Der Rallye Opel Manta 400<br />

121 Alexa Macketing<br />

122 Michael Stappert – Gegen den Hexenwahn<br />

124 Kuhgeflüster<br />

125 Ein zertifizierter Nikolaus<br />

128 Sauerländer Botschaft<br />

4 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Hubertas<br />

Ecke<br />

Anke Kemper<br />

Tach zusammen.<br />

Es gibt Tüftler <strong>und</strong> Bastler <strong>und</strong> es gibt die Künstler. Also<br />

nicht die gut malen oder singen können, sondern die, die<br />

mit ihren jeweiligen Fahrzeugen auf Straßen <strong>und</strong> Wegen<br />

unterwegs sind. Der Begriff stammt übrigens nicht von mir,<br />

sondern von meinem Futtergeber. Für alle, die es an dieser<br />

Stelle noch nicht wissen: Mein Futtergeber nennt sich „mein<br />

Besitzer“ <strong>und</strong> ich lasse ihn in seinem Glauben.<br />

Also immer dann, wenn sich mein Futtergeber gegenüber<br />

seiner Frau, die ich übrigens nach wie vor sehr schätze, ausschweifend<br />

über die anderen Verkehrsteilnehmer auslässt.<br />

Ich bew<strong>und</strong>ere sie immer wieder <strong>und</strong> scheinbar muss sie<br />

meinen Futtergeber wirklich lieben. Nur ihre rollenden Augen<br />

verraten sie ab <strong>und</strong> an. Aber in Beziehungen mische ich<br />

mich nicht ein. Vielmehr bin ich neugierig geworden, was<br />

mein Futtergeber denn mit den „Künstlern im Straßenverkehr“<br />

so meint.<br />

Die letzte Weide für dieses Jahr liegt diesmal an der Möhnestraße.<br />

Also Logenplatz mit Blick auf die B<strong>und</strong>esstraße<br />

<strong>und</strong> den parallel verlaufenden Radweg. Seit ich dort grase,<br />

weiß ich, was er meint. Aber ich habe auch gelernt, dass es<br />

immer auf die Sichtweise ankommt. Die Planer des Radweges<br />

haben mit Sicherheit die Sicherheit der Radfahrer im<br />

Auge gehabt. Wenn der Radfahrer aber beim Durchfahren<br />

der sogenannten Drängelgitter, offiziell „Umlaufgitter mit<br />

Sicherheit“, ins Gras ausweichen muss, hat die Planung<br />

sicherlich nicht den gewünschten Effekt. Zumindest hab ich<br />

von Radfahrern Wörter gehört, die nicht für Fohlenohren<br />

geeignet sind. Nicht nur da, sondern auch bei dem Brett auf<br />

dem Weg oder dem Poller, der die Radfahrer ausbremsen<br />

soll, ehe sie die Fahrbahn überqueren. Dabei ist es doch für<br />

die Sicherheit der Radfahrer gedacht.<br />

Besonders beim Abzweig nach Scharfenberg, wo die Radfahrer<br />

sogar aufgefordert werden, abzusteigen <strong>und</strong> sich abzusichern,<br />

damit keine Kraftfahrzeuge an dieser sehr unübersichtlichen<br />

Stelle die Unterbrechung des Radweges kreuzen<br />

<strong>und</strong> somit zu einer Gefahr für die Radler werden können.<br />

Ich habe einige Zeiten dort verweilt <strong>und</strong> komme zu dem<br />

Schluss, dass dieser Hinweis mehr als ignoriert wird. Die<br />

Krönung war der ganz in blau gekleidete Rennradfahrer, der<br />

es nur der Vollbremsung meines Futtergebers zu verdanken<br />

hat, dass er nicht angefahren worden ist. Ist bin Zeuge:<br />

Völlig ungebremst, den Kopf nach unten gebeugt, ist dieser<br />

Radfahrer über die Straßenquerung geschossen <strong>und</strong> hat erst<br />

reagiert, als er bereits auf der anderen Straßenseite war <strong>und</strong><br />

das bremsende Auto bemerkt hat.<br />

Was mein Futtergeber da aus dem Fenster gebrüllt hat,<br />

war dann auch nicht für Fohlenohren geeignet. Es reichte<br />

aber dafür, dass der blaue Radler auf seinem blauen Rennrad<br />

fluchtartig zum Spurt ansetzte. Vielleicht sollten sich<br />

Tüftler, Bastler <strong>und</strong> Künstler an einen Tisch setzen. Aber<br />

das ist wohl ein frommer Wunsch. Ach ja – Man möge es<br />

mir verzeihen, wenn ich mal wieder jemandem durch meine<br />

veröffentlichte Sichtweise zu nahegetreten bin, weil er sich<br />

hier wiedergef<strong>und</strong>en hat. Aber schließlich bin ich ja nur ein<br />

Sauerländer Esel. ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 5


Gespräch mit <strong>Marsberg</strong>s Bürgermeister Thomas Schröder<br />

MARSBERG – MEHR ALS LWL<br />

Manfred Eigner<br />

S. Droste<br />

<strong>Marsberg</strong>, das östliche Tor<br />

des Sauerlandes, wird oft<br />

in einem Atemzug mit den<br />

Kliniken des LWL in Verbindung gebracht.<br />

Doch <strong>Marsberg</strong> bietet viel<br />

mehr. Seit einem Jahr hat die Stadt<br />

an der Diemel mit Thomas Schröder<br />

einen neuen Bürgermeister. Hier erfahren<br />

wir, was aus seiner Sicht <strong>Marsberg</strong><br />

auszeichnet.<br />

<strong>WOLL</strong>: Herr Schröder, was fällt Ihnen<br />

spontan zu dieser Überschrift ein?<br />

Thomas Schröder: Das alte Klischee<br />

mit dem LWL-Bezug gibt es schon lange<br />

nicht mehr. Der LWL ist Bestandteil <strong>und</strong><br />

der größte Arbeitgeber in unserer Stadt.<br />

Er trägt gemeinsam mit dem Allgemeinkrankenhaus,<br />

den Seniorenheimen, den<br />

niedergelassenen Ärzten <strong>und</strong> vielen anderen<br />

Akteuren dazu bei, dass sich <strong>Marsberg</strong><br />

mit Fug <strong>und</strong> Recht als Ges<strong>und</strong>heitsstandort<br />

bezeichnen kann. Dazu gehören<br />

natürlich dann auch die externen Dienstleister<br />

<strong>und</strong> das Handwerk, die einen erfolgreichen<br />

Standort abr<strong>und</strong>en.<br />

Was zählt für Sie zu den Gründen, die<br />

<strong>Marsberg</strong> als Lebensmittelpunkt auszeichnen?<br />

Thomas Schröder: Wir haben neben<br />

den Kliniken viele mittelständische<br />

Unternehmen in unserem Stadtgebiet,<br />

unter anderem einige sogenannte „Hidden<br />

Champions“, die in allen Bereichen<br />

sehr interessante Arbeitsplätze anbieten.<br />

Wichtig ist dabei die Breitbandigkeit der<br />

Branchen von Glas, Papier <strong>und</strong> Technik,<br />

nur um einige Beispiele zu nennen. In<br />

<strong>Marsberg</strong> sind Weltfirmen mit ganz speziellem<br />

Knowhow ansässig. Außerdem<br />

verfügen wir über interessante Bildungsangebote<br />

<strong>und</strong> entsprechende Angebote<br />

zur Kinderbetreuung. Der Wohnraum<br />

in <strong>Marsberg</strong> ist bezahlbar <strong>und</strong> der Ein-<br />

6 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


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Das <strong>Marsberg</strong>er Rathaus<br />

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zelhandel bedient seine K<strong>und</strong>en in<br />

allen Segmenten. Der Freizeitwert<br />

unserer Stadt ist, nicht zuletzt aufgr<strong>und</strong><br />

der geographischen Lage, sehr<br />

hoch. Hier ist die Nähe zur <strong>Diemelsee</strong>-Region<br />

genauso zu nennen, wie<br />

Rad- <strong>und</strong> Wanderwege, als bekanntester<br />

der Diemelradweg, sowie die<br />

folgenden Ausflugsziele: Kilianstollen,<br />

Waldlehrpfad, Bilsteinturm, Kloster<br />

Bredelar usw. Außerdem gibt es durch<br />

ein intaktes Vereinsleben viele weitere<br />

Angebote, beispielsweise im Sport, in<br />

der Musik oder im Schützenwesen.<br />

Welche Faktoren waren wegweisend<br />

bzw. ausschlaggebend, dass die Entwicklung<br />

der Stadt <strong>und</strong> Dörfer zu<br />

dem gemacht hat, was <strong>Marsberg</strong><br />

heute ist?<br />

Thomas Schröder: Hier ist sicherlich<br />

einerseits das private unternehmerische<br />

Engagement zu nennen.Gleiches<br />

gilt natürlich auch für das ehrenamtliche<br />

Engagement vieler <strong>Marsberg</strong>erinnen<br />

<strong>und</strong> <strong>Marsberg</strong>er, die in ganz vielen<br />

Bereichen dafür sorgen, dass das alltägliche<br />

Leben in unserer Stadt so gut<br />

funktioniert. Ein herzliches Dankeschön<br />

sage ich allen für das Verständ-<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 7


„Es lohnt sich, für <strong>Marsberg</strong> <strong>und</strong> seine<br />

Bürgerinnen <strong>und</strong> Bürger da zu sein“<br />

(Thomas Schröder)<br />

nis in den Jahren der Haushaltskonsolidierung. Diese Jahre<br />

liegen nun Gott sei Dank hinter uns <strong>und</strong> so haben wir sogar in<br />

der letzten Sitzung dem Stadtrat eine moderate Steuersenkung<br />

vorschlagen können.<br />

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Thomas Schröder<br />

Welches Fazit ziehen sie nach einem Jahr im Amt als erster<br />

Bürger der Stadt <strong>Marsberg</strong>?<br />

Thomas Schröder: Das Spektrum der Tätigkeit als Bürgermeister<br />

ist sehr groß. Man plant morgens den Tag <strong>und</strong> wenn<br />

man abends auf den Tag zurückschaut hat sich vieles ganz anders<br />

ergeben. Eins ist mir immer bewusst: Es lohnt sich, für<br />

<strong>Marsberg</strong> <strong>und</strong> seine Bürgerinnen <strong>und</strong> Bürger da zu sein.<br />

Wird seitens der Unternehmen <strong>und</strong> der Bevölkerung auf<br />

die Stadt zugegangen?<br />

Thomas Schröder: Mit den Unternehmen sind wir über unsere<br />

Wirtschaftsförderung sehr gut vernetzt. Hier hat Corona<br />

leider dafür gesorgt, dass geplante Präsenztermine nicht stattfinden<br />

konnten. Aktuell sind wir dabei, auch auf dieser Ebene<br />

wieder in einen Dialog mit unseren Unternehmen einzusteigen.<br />

Für die Sorgen <strong>und</strong> Nöte aber auch für gute Ideen der Bevölkerung<br />

haben wir immer ein offenes Ohr. Das äußert sich<br />

sowohl in der regelmäßigen Bürgersprechst<strong>und</strong>e als auch in der<br />

persönlichen Ansprache zu allen möglichen Gelegenheiten.<br />

Was wünschen Sie sich persönlich als Stadtoberhaupt für<br />

Ihre Heimatstadt?<br />

Thomas Schröder: Dass wir endlich zu einem „normalen Leben“<br />

zurückkehren können. Dass uns die „große Politik“ genügend<br />

Gestaltungsspielraum für unsere Zukunft lässt. Dass<br />

wir eben diese Zukunft gemeinsam anpacken <strong>und</strong> im Sinne<br />

der uns nachfolgenden Generationen gestalten. ■<br />

8 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Die Hollen bei Scharfenberg<br />

Nahe beim Dorf Scharfenberg, in der Nähe von <strong>Brilon</strong>,<br />

ist das Hollenloch. Dort hausten in früheren Zeiten<br />

die Hollen. Sie konnten durch verschlossene<br />

Türen kommen, waren fre<strong>und</strong>lich zu den Dorfbewohnern<br />

<strong>und</strong> liebten ganz besonders die kleinen<br />

Kinder. Nicht selten trugen sie ein kleines Kind<br />

heimlich fort <strong>und</strong> brachten es in ihre Höhle.<br />

In dieser Höhle hatten sie allerhand Geschirr,<br />

das sie den Dorfbewohnern gern liehen. Man<br />

braucht nur mit dieser Absicht zu dem Hollenloch<br />

gehen – schon stand das gewünschte<br />

Gerät vor der Höhle bereit. Die Hollen hatten<br />

auch einen großen Braukessel, den sie den Wirten<br />

des Dorfes oft liehen, wenn sie Bier brauen wollten. Brachten<br />

sie ihn dann zurück, so ließen sie zum Dank ein wenig Bier<br />

in demselben. So sahen einmal übermütige Burschen den<br />

zurückgebrachten Kessel mit Bier in der Höhle stehen.<br />

Sie tranken das Bier aus <strong>und</strong> beschmutzten den Kessel<br />

auf schändliche Weise.<br />

Seit dieser Zeit bekam niemand mehr den Kessel<br />

wieder <strong>und</strong> die Hollen waren bald darauf spurlos<br />

verschw<strong>und</strong>en.<br />

(Quelle: Adalbert Kuhn: Ausgewählte Ausgaben von Sagen, Gebräuche<br />

<strong>und</strong> Märchen aus Westfalen)<br />

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10 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 11


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Die Familie Hellermann ist einer der ältesten<br />

Familien in <strong>Marsberg</strong>-Bredelar. Schon seit<br />

1895 ist sie in in dem lebendigen Ort mit seiner<br />

vielfältigen Geschichte ansässig. Heinrich Hellermann<br />

gründete im Jahre 1931 in der Sauerlandstraße eine Sattler-<br />

<strong>und</strong> Polsterei.<br />

Da ihr Mann 1945 im Krieg starb, übernahm seine Ehefrau<br />

Anna den Betrieb - bis Ende 1973. Danach trat ihr Sohn<br />

Heinz in die Fußstapfen seiner Eltern. Der Raumausstattermeister<br />

führte ihn 32 Jahre lang.<br />

Dass gemeinsame Leidenschaften verbinden, sieht man an<br />

Gerd Hellermann <strong>und</strong> seiner Frau Anke. Die beiden haben<br />

sich auf der Meisterschule für das Raumausstattende Handwerk<br />

in Oldenburg kennengelernt. Am 01.01.2006 übernahmen<br />

sie den Handwerksbetrieb.<br />

Die Liebe zu ihrem Beruf haben sie auch an ihren Sohn weitergegeben.<br />

Paul Hellermann, der jüngste Meister im Familienkreis,<br />

hat seine Ausbildung im elterlichen Betrieb absolviert.<br />

In seiner Gesellenzeit sammelte er auch Erfahrungen in<br />

anderen Raumausstatterbetrieben Anschließend besuchte er<br />

die Kerschensteiner Meisterschule in Stuttgart <strong>und</strong> kam mit<br />

dem Meisterbrief in der Tasche - plus Belobigung für seine<br />

überdurchschnittlichen Leistungen - zurück ins Sauerland.<br />

Nun ist auch die 4. Generation der Familie Hellermann im<br />

Betrieb tätig. Die nächste Betriebsübernahme ist also auch<br />

in Zukunft gesichert. Das Team besteht derzeit aus vier Personen:<br />

Gerd, Anke <strong>und</strong> Paul Hellermann (alle Meister) <strong>und</strong><br />

Antonia Zeitler (Auszubildende im 1. Lehrjahr). Bei größeren<br />

Objekten kommen zuzüglich Montagehelfer zum Einsatz.<br />

In den 90 Jahren seit Bestehen des Handwerksbetriebes hat<br />

sich schon rein räumlich so einiges getan:<br />

12 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


1975 wurde mit dem Erweiterungsbau des Wohn- <strong>und</strong> Geschäftshauses<br />

begonnen. Die Geschäftsräume wurden um<br />

160 qm erweitert.<br />

2007 wurden die Ausstallungsräume renoviert <strong>und</strong> um einen<br />

Sonnenschutz-Shop erweitert.<br />

2020 war es nötig, dass die Polsterwerkstatt vergrößert wird.<br />

Immer öfter wird immer mehr Platz für größere Projekte benötigt.<br />

Paul, Gerd <strong>und</strong> Anke Hellermann <strong>und</strong> Antonia Zeitler<br />

2021 stand die Renovierung eines weiteren Teils der<br />

Geschäftsräume DER an, UMWELT in dem sich ZULIEBE:<br />

über 200 Kollektionen von<br />

Polster-<br />

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<strong>und</strong> Gardinenstoffen befinden. Außerdem gibt es<br />

hier nun auch eine kleine Ausstellung ausgesuchter Sitzmöbel<br />

der Firma Werter – die Möbelmanufaktur.<br />

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Die Firma Hellermann bietet ein breites Spektrum im Bereich<br />

der Raumausstattung <strong>und</strong> Polsterei. Ob Aufarbeitung,<br />

Neubezug, Neuanfertigung oder Verkauf von Polstermöbeln,<br />

die Anfertigung von modernen oder klassischen Fensterdekorationen,<br />

Fußbodenbelägen <strong>und</strong> abgepassten Teppichen. Im<br />

Laufe der Jahre haben sie sich zum Spezialisten für Sonnen<strong>und</strong><br />

Insektenschutz entwickelt. Auch die Verarbeitung, Aufarbeitung<br />

<strong>und</strong> Färben von Leder steht auf dem Programm.<br />

Und wenn es um Wandbespannungen, <strong>und</strong> Akustiklösungen<br />

geht, ist Hellermann der richtige Ansprechpartner.<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 13


Sehr klein <strong>und</strong> sehr eigen<br />

Andreas Melliwa<br />

sabrinity<br />

14 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


H<br />

ätte es vor 350 Millionen Jahren in<br />

den Tiefen des Urmeers am Äquator<br />

keinen gewaltigen Vulkanausbruch<br />

gegeben, sähe die Landschaft r<strong>und</strong> um <strong>Willingen</strong>-Welleringhausen<br />

wohl komplett anders<br />

aus. Die Lavafetzen, die auf die beschauliche<br />

Gegend heruntergeprasselt sind, prägen heute<br />

als „Grotenberg“ <strong>und</strong> „Kuhtenberg“ die hügelige<br />

Mittelgebirgs-Landschaft. Und haben<br />

den Menschen, die sich dort viel später niedergelassen<br />

haben, reichlich Bodenschätze <strong>und</strong><br />

fruchtbare Erde beschert. Darunter Gold <strong>und</strong><br />

seltene Apfelsorten. Die Welleringhäuser nutzen<br />

beides bis heute…<br />

85 Einwohner <strong>und</strong> 25 Häuser<br />

<strong>Willingen</strong>-Welleringhausen ist der kleinste Ortsteil<br />

der Gemeinde <strong>Willingen</strong> <strong>und</strong> vermutlich auch<br />

deshalb schwer zu finden. „Wir liegen ziemlich ab<br />

vom Strom“, sagt Ortsvorsteher Karl Briehl, „aber<br />

das macht uns auch aus. <strong>Willingen</strong> selbst gilt ja<br />

als ziemlich trubelig, <strong>und</strong> wir bieten das komplette<br />

Gegenteil.“ Wellinghausen ist aber nicht nur<br />

der kleinste Willinger Ortsteil, sondern auch der<br />

älteste. Vor r<strong>und</strong> 1.000 Jahren ließen sich die ersten<br />

Menschen in der Senke <strong>und</strong> im Schatten vom<br />

Grotenberg <strong>und</strong> Kuhtenberg nieder. Die Suche<br />

nach Gold <strong>und</strong> Eisen <strong>und</strong> die fruchtbaren Böden<br />

zogen sie an.<br />

„Das ist auch bis heute so geblieben. Wir haben<br />

noch drei Vollerwerbs-Landwirte <strong>und</strong> einen Betrieb<br />

im Nebenerwerb“, ist Karl Briehl sichtlich<br />

stolz, „für einen so kleinen Ort ist das schon sehr<br />

außergewöhnlich. Der Goldrausch ist zwar lange<br />

vorbei, aber wir nutzen ihn für den Tourismus.“<br />

Zwei zertifizierte Wanderwege<br />

Nur fünf Quadratkilometer ist Wellinghausen<br />

klein, da ist man schnell durch <strong>und</strong> schnell rum.<br />

Den besten Überblick bieten der „Vulkanpfad“<br />

<strong>und</strong> „Geschichtspfad“, zwei je sieben Kilometer<br />

lange R<strong>und</strong>wanderwege, die das b<strong>und</strong>esweite<br />

Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“ tragen.<br />

Die Wege sind gespickt mit Infotafeln, die<br />

über die Gesteinsformationen <strong>und</strong> die Siedlungsgeschichte<br />

informieren. „Wer mehr wissen will,<br />

kann sich ausführlich auf unserer Homepage<br />

darüber informieren. Auch während des R<strong>und</strong>gangs,<br />

denn auf den Infotafeln gibt es QR-Codes,<br />

mit denen man direkt per Smartphone auf unsere<br />

Seite kommt“, erklärt der Ortsvorsteher (www.<br />

welleringhausen.de). Und wer die Augen aufhält<br />

<strong>und</strong> etwas Glück hat, der findet in den Bachläufen<br />

oder Schieferhalden sogar noch Gestein mit<br />

Goldpartikeln. Start ist am Feuerwehr-Gerätehaus.<br />

Der Tourismus steht in Welleringhausen<br />

eher an zweiter Stelle. Sechs Ferienhäuser gibt<br />

es im Ort, davon stehen vier auf dem Erlebnisbauernhof<br />

der Familie Faß. „Wir bieten Urlaub<br />

<strong>und</strong> Entspannung im Schatten des Tourismus-<br />

Magneten <strong>Willingen</strong>“ ,sagt Karl Briehl gelassen,<br />

„das tut unserer Dorfgemeinschaft ganz gut. Und<br />

unsere Besucher wissen das zu schätzen.“<br />

Butter <strong>und</strong> Äpfel nach alter Tradition<br />

Ein bisschen „vom Schuss zu liegen“, heißt für die<br />

Welleringhäuser allerdings noch lange nicht, sich<br />

einzuigeln. Seit 30 Jahren sind sie regelmäßig mit<br />

fünf Ständen auf dem mittelalterlichen Markt im<br />

benachbarten Korbach vertreten, ein Drittel der<br />

Bewohner ist dann vor Ort im Einsatz. Vor allem<br />

ihre selbstgemachte Butter ist der Renner, frisch<br />

abgepackt aus einer historischen Holzform. Mit<br />

den Einnahmen wurden zum Beispiel Geräte für<br />

den Spielplatz oder Tische für das Welleringhäuser<br />

Dorfgemeinschaftshaus angeschafft. Aktuell<br />

steht dort auch der Bau einer neuen Küche an.<br />

Wer’s eher ges<strong>und</strong> <strong>und</strong> fruchtig mag, der ist im<br />

Sommer auf der Welleringhäuser Apfelallee gut<br />

aufgehoben. Vor allem historische Sorten, die es<br />

heute kaum noch gibt, sind hier zu finden: der<br />

„Große rheinische Bohnapfel“ oder der „Prinzenapfel“,<br />

im Willinger Upland besser bekannt<br />

als „Schluder- oder Klapperapfel“. Die Apfelallee<br />

geht auf die Fürsorge des Fürsten zu Waldeck zurück.<br />

Vor allem die Kinder sollten so auch in der<br />

<strong>Winter</strong>zeit genügend Vitamine bekommen. Die<br />

Allee wächst übrigens ständig weiter – denn will<br />

ein Fremder in den Ort einheiraten, muss er zuvor<br />

zwei Apfelbaumstämme pflanzen…<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 15


Ortsvorsteher Karl Briehl<br />

Beerdigungen mit Presslufthammer<br />

Überhaupt haben in der Abgeschiedenheit des Ortes noch viele<br />

Traditionen überlebt. Stirbt ein Wellinghäuser, so heben auch<br />

heute noch die Nachbarn auf dem Friedhof die Grabstätte aus.<br />

Im Sommer ist das mit Spaten <strong>und</strong> Schüppe gut machbar. „Im<br />

<strong>Winter</strong> haben wir allerdings auch schon mal zum Presslufthammer<br />

gegriffen“, erzählt Ortsvorsteher Karl Briehl mit einem verlegenen<br />

Schmunzeln, „der Boden war so tief gefroren, wir sind<br />

einfach nicht anders reingekommen…“ Entscheidend ist auch,<br />

auf welcher Seite des Friedhofs die Grabstätte liegt. R<strong>und</strong> um die<br />

romanische Abrahams-Kirche gibt es nämlich einerseits lockeren<br />

erdigen Untergr<strong>und</strong>, aber auch harten Felsen. Je nachdem fließt<br />

dann mehr oder weniger Schweiß bei den Nachbarn. Der aktuelle<br />

Trend kommt den Welleringhäusern allerdings entgegen. „Die<br />

letzten beiden Beisetzungen waren Urnen-Begräbnisse, das war<br />

dann überhaupt kein Problem“, erzählt Karl Briehl.<br />

Hausnummern nach Milchkannen-Prinzip<br />

Noch bis vor zwanzig Jahren musste man sich schon genau in<br />

Welleringhausen auskennen, um im Ort klarzukommen. Es gab<br />

nämlich keine Straßennamen, sondern die Adressen waren nach<br />

der Nummer der Milchkannen sortiert. „Für uns kein Problem“,<br />

sagt der Ortsvorsteher, „aber für den Rettungswagen von auswärts<br />

könnte das fatale Folgen haben. Deshalb gibt es jetzt Straßennamen.“<br />

Die Namen haben sich die Welleringhäuser natürlich<br />

selbst ausgedacht. Für die örtliche Feuerwehr gab’s sowieso<br />

nie ein Problem. „Bei nur 25 Häusern ist praktisch in jedem Haus<br />

ein Feuerwehrmann“, sagt Karl Briehl <strong>und</strong> lacht, „da weiß jeder,<br />

wo er im Notfall hin muss!“ ■<br />

Die Abrahams-Kirche<br />

16 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Digitale Reichweite<br />

im Sauerland?<br />

Haben wir!<br />

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Digitales Marketing im Sauerland<br />

Über 18,5 Millionen Impressions <strong>und</strong> mehr als 83.000 Fans +<br />

Follower in den sozialen Netzwerken sind eine echte, digitale Wucht.<br />

Starten Sie mit der Kooperation imsauerland, <strong>WOLL</strong> digital durch:<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 17


WIR STEIGERN DAS BRUTTOSOZIALPRODUKT…<br />

Bei diesem Lied der Gruppe „Geier Sturzflug“<br />

können die <strong>Brilon</strong>er laut mitsingen, denn so viele<br />

Beschäftigte hatte <strong>Brilon</strong> noch nie! 14.013 Menschen<br />

sind nach dem Stand der B<strong>und</strong>esagentur für Arbeit<br />

(Stand: März 2021) sozialversicherungspflichtig in der<br />

Hansestadt beschäftigt.<br />

Der passende<br />

Stoff mit der richtigen<br />

Technik vom Fachmann<br />

WIR<br />

MACHEN DEN<br />

UNTERSCHIED<br />

Die Beschäftigtenzahl ist natürlich nur eine Stellschraube,<br />

um das Bruttosozialprodukt zu steigern, aber eine volkswirtschaftlich<br />

sehr wichtige. Denn je mehr Menschen erwerbstätig<br />

sind, umso mehr Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen können<br />

produziert <strong>und</strong> erbracht werden. Denn auch in diesem<br />

Bereich sind die <strong>Brilon</strong>er Unternehmen weit vorne. Alleine<br />

sieben Unternehmen sind von der IHK Arnsberg als Weltmarktführer<br />

identifiziert <strong>und</strong> produzieren mit vielen weiteren<br />

Unternehmen von <strong>Brilon</strong> aus für den Weltmarkt.<br />

Dazu <strong>Brilon</strong>s Wirtschaftsförderer Oliver Dülme: „Die <strong>Brilon</strong>er<br />

Unternehmen sind gut durch die Krise gekommen. Es<br />

zeigt sich einmal mehr, dass unsere heterogene Mischung<br />

aus großen <strong>und</strong> kleinen Unternehmen aus den verschiedenen<br />

Branchen, gerade in Krisenzeiten, viele Vorteile bietet. Gemeinsam<br />

mit den Unternehmen arbeiten wir daran, dass sich<br />

der positive Trend für den Wirtschaftsstandort <strong>Brilon</strong> weiter<br />

fortsetzt.“<br />

In <strong>Brilon</strong> wird also kräftig an der Wirtschaftswachstumsschraube<br />

gedreht. (c.z.) ■<br />

18 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


DAS BRILONER<br />

RATHAUS<br />

Gastfre<strong>und</strong>lich war <strong>Brilon</strong> wohl schon im 16. Jahrh<strong>und</strong>ert,<br />

denn 1574 wurde die Einrichtung eines Bierkellers im jetzigen<br />

<strong>Brilon</strong>er Rathaus beschlossen. Durchreisende <strong>und</strong> Fremde sollten<br />

die Möglichkeit haben, hier Bier <strong>und</strong> Brot zu bekommen.<br />

Die oberen Räumlichkeiten des Gebäudes dienten als Gildehaus,<br />

in dem einheimische Handwerker <strong>und</strong> Krämer <strong>und</strong> auch<br />

fremde Kaufleute ihre Waren anboten.<br />

Das vermutlich 1217 gebaute Haus – übrigens eines der ältesten<br />

Rathäuser Deutschlands - diente schon den unterschiedlichsten<br />

Zwecken: Gefängnis, Heimatmuseum, Krankenhaus, Polizeistation<br />

<strong>und</strong> Verwaltungsgebäude. Seine schöne barocke Fassade<br />

erhielt es während eines Umbaus im Jahre 1750. (c.z.) ■<br />

Fotoquelle: Tourismus <strong>Brilon</strong> Olsberg GmbH, sabrinity<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 19


DIE VERSUNKENE STADT (ADORF)<br />

Da, wo jetzt die Poile* sind, ist einmal eine große Stadt gewesen, die Aa hieß. Die Leute, die darin<br />

gewohnt haben, haben jeden, den sie nur erreichen konnten, getötet.<br />

Nun kommt aber einmal so ein großes Wasser <strong>und</strong> bricht die Mauern durch <strong>und</strong> die Stadt geht unter <strong>und</strong><br />

alle Leute ertrin ken im Wasser. Dort sieht man noch jetzt ganz große Teiche, es werden in der Nähe bisweilen<br />

Mauersteine gebrochen, die sind von den Häusern <strong>und</strong> Mauern der versunkenen Stadt.<br />

Es können jetzt etwa h<strong>und</strong>ert Jahre sein, da ist einmal ein kleiner Knabe dorthin gekommen. Er sah unter<br />

andern einen r<strong>und</strong>en Stein, der hebt er auf <strong>und</strong> will damit hickeln. Dann sieht er auf einmal, dass unter<br />

diesen Steinen ein großer Schlüssel liegt. Den hebt er auf; es ist der Kirchenschlüssel<br />

gewesen. ■<br />

Aus: Volksüberlieferungen aus dem Fürstenthum<br />

Waldeck von Louis Friedrich Christian Curtze<br />

*=Teiche<br />

20 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Anzeige<br />

Start ins Berufsleben – auch mit Handicap<br />

Job Navi-Tage: BBW Bigge stellt Ausbildungswege<br />

für Jugendliche mit Beeinträchtigung vor<br />

Britta Melgert<br />

sabrinity<br />

Die Herausforderung zum Ende der Schulzeit ist für junge Menschen mit Beeinträchtigung wesentlich größer als<br />

bei Gleichaltrigen. Wie soll es nach dem letzten Schultag weitergehen? Welcher Betrieb wird ihnen einen Ausbildungsplatz<br />

anbieten, wenn bisher vielleicht nicht einmal ein regulärer Schulabschluss erzielt wurde? Dabei<br />

ist eine gute Qualifikation enorm wichtig, um beruflich Fuß zu fassen <strong>und</strong> den Lebensweg möglichst selbstständig gehen zu<br />

können. Hier kommen Berufsbildungswerke ins Spiel. Ein solches gehört zur Sauerländer Josefsheim gGmbH.<br />

Die Schulzeit neigt sich dem Ende zu. Die Mitschüler schmieden<br />

bereits Berufspläne <strong>und</strong> träumen von großen Herausforderungen.<br />

Doch wie soll es für Mia weitergehen? Mit ihrer<br />

körperlichen Beeinträchtigung hat sie es nicht leicht. Liebevolle<br />

Begleitung durch die Familie, Förderung in der Schule – all<br />

das war immer gegeben. Doch der bevorstehende Schritt ins<br />

Berufsleben fällt schwer. Wie soll sie künftig ihr Leben meistern<br />

<strong>und</strong> den oft harten Joballtag bestehen? Gemeinsam mit ihren<br />

Eltern kam sie jetzt nach Bigge, um sich im Rahmen der Job<br />

Navi-Tage über ihre Möglichkeiten <strong>und</strong> ihren aussichtsreichen<br />

Weg in den Beruf zu informieren.<br />

Ausbildung nach Maß in über 30 Berufen<br />

Klaus-Peter Körner <strong>und</strong> Christiane Gottschalk sind als Sozialpädagogen<br />

<strong>und</strong> Integrationsmanager die künftigen Begleiter<br />

für alle, die eine Ausbildung am Berufsbildungswerk Bigge<br />

(kurz: BBW Bigge) absolvieren. „Wir bieten den jungen Leuten<br />

die Ausbildung in verschiedensten Berufsfeldern an, beispielsweise<br />

im technischen Bereich, in der Hauswirtschaft oder der<br />

Agrarwirtschaft, aber auch in kaufmännischen oder verwaltenden<br />

Berufen“, informiert Körner. „Während unserer Job Navi-<br />

Tage können bei den Schülern Ideen entstehen, welche Aus<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 21


ildung zu ihnen passt. Dafür öffnen wir die Tore zu unserem<br />

BBW <strong>und</strong> lassen sowohl die aktuellen Azubis als auch deren<br />

Ausbilder zeigen <strong>und</strong> berichten, welche Herausforderungen,<br />

aber auch Erfolge erlebt werden. Zusätzlich kann man sich über<br />

das Internat, die Außenwohngruppen <strong>und</strong> den attraktiven Freizeitbereich<br />

hier auf dem Campus informieren.“<br />

Im Mittelpunkt der Mensch<br />

„Die Ausbildung im BBW Bigge dauert im Normalfall genauso<br />

lang wie in der freien Wirtschaft“, ergänzt Christiane Gottschalk.<br />

„Auch die Abschlussprüfung, vor den Kammern, z.B.<br />

der IHK, ist dieselbe. Die Besonderheit bei uns ist, dass wir,<br />

im Gegensatz zu herkömmlichen Ausbildungsbetrieben, dank<br />

Stütz- <strong>und</strong> Förderunterricht mehr Zeit für individuelles Lernen<br />

haben, um letztlich das erforderliche Bildungsniveau zu<br />

erzielen. Zudem wird jeder der jungen Menschen kontinuierlich<br />

durch unser Case Manager-Team begleitet. Das beginnt<br />

bereits vor der Ausbildung <strong>und</strong> endet nicht erst mit dem Ausbildungsende.<br />

Nahezu wie Eltern kümmern wir uns beispielsweise<br />

darum, dass der junge Mensch pünktlich in der Schule oder<br />

am Arbeitsplatz erscheint oder das Führen des Berichtsheftes<br />

nicht vergisst. Wenn ein Vorstellungsgespräch stattfindet, sind<br />

wir gern die hilfreiche Begleitung. Getreu unserem Motto „Im<br />

22 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Mittelpunkt der Mensch“ unterstützen wir individuell <strong>und</strong> zielgerichtet<br />

da, wo es gebraucht wird.“<br />

Gelebte Inklusion<br />

Das Gelernte soll natürlich später auch angewendet werden.<br />

Gottschalk erklärt: „R<strong>und</strong> die Hälfte der Ausbildungszeit findet<br />

als Praktikum in heimatnahen Betrieben statt. Viele unserer<br />

Azubis hinterlassen dabei gute Eindrücke <strong>und</strong> schaffen sich damit<br />

wertvolle Kontakte für die spätere Arbeitsplatzsuche.<br />

Und die Betriebe haben die Möglichkeit, den Azubi in aller<br />

Ruhe kennen zu lernen <strong>und</strong> zu prüfen, ob er oder sie ins Team<br />

passen würde. Oft wird daraus eine kleine Erfolgsgeschichte,<br />

die ohne die Ausbildung hier im Hochsauerland nicht stattgef<strong>und</strong>en<br />

hätte. Wir sind immer richtig stolz, wenn wir auch nach<br />

einigen Jahren noch vom erfüllten Berufsleben unserer ehemaligen<br />

Schützlinge hören. Gelebte Inklusion pur!“<br />

Vorberuflicher Bildungsbereich zur Orientierung<br />

Die Eltern von Mia sind sich unsicher, ob ihre Tochter den Herausforderungen<br />

einer Ausbildung gewachsen ist – <strong>und</strong> falls ja,<br />

was wäre das Richtige für sie? Ist ihr Körper stark genug für<br />

die Anforderungen an eine Hauswirtschafterin, oder käme die<br />

Arbeit als Mediengestalterin am PC oder als Produktdesigner<br />

eher für sie in Frage? Klaus-Peter Körner kann beruhigen: „Generell<br />

empfiehlt sich unser Vorberuflicher Bildungsbereich. Die<br />

jungen Menschen durchlaufen dabei mehrere Ausbildungsbereiche.<br />

Während dieser Zeit kann sich zeigen, was zu ihrem<br />

Behinderungsgrad <strong>und</strong> ihren Fähigkeiten passt <strong>und</strong> wie es danach<br />

weitergehen kann. Wird es tatsächlich die klassische Berufsausbildung,<br />

oder sind dabei die Anforderungen (noch) zu<br />

hoch? Es besteht auch meist die Möglichkeit, sich mit weniger<br />

Theorie als Fachpraktiker in anerkannten Berufen ausbilden zu<br />

lassen. So kann beispielsweise in der Holztechnik sowohl der<br />

Tischlerberuf erlernt werden, aber auch der des Fachpraktikers<br />

für Holztechnik. Erfolgversprechende Chancen auf dem Ersten<br />

Arbeitsmarkt haben Beide, insbesondere im handwerklichen<br />

Bereich.“ ■<br />

Das Berufsbildungswerk Bigge gehört zur Josefsheim gGmbH <strong>und</strong> ist eins<br />

von über 50 BBWs in Deutschland. Zielgruppen hier im Hochsauerland<br />

sind junge Menschen mit Körper-, Lern- <strong>und</strong> Hörbehinderungen oder<br />

weiteren Einschränkungen, wie z.B. Autismus oder ADHS.<br />

Sowohl die Ausbildung als auch die Unterbringung werden gefördert durch<br />

die Agentur für Arbeit. Weiterführende Infos zum BBW Bigge online unter<br />

www.bbw-bigge.de oder direkt telefonisch unter 02962 800-477.<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 23<br />

josefsheim-bigge.de


Birgitt Rudolf aus Madfeld:<br />

„Kein Kind darf<br />

jemals zurückgelassen<br />

werden“<br />

Petra Kleine<br />

sabrinity<br />

Ü<br />

ber 40 Jahre war Birgitt Rudolf Lehrerin in<br />

Madfeld. Die Förderung jedes einzelnen Kindes war<br />

ihre größte Motivation, nachdem sie selbst eine von<br />

Krieg <strong>und</strong> Vertreibung geprägte Kindheit hatte.<br />

„Das Wort Inklusion gab es damals noch nicht,“ erinnert sich<br />

Birgitt Rudolf. „Es war eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder<br />

mit <strong>und</strong> ohne Behinderung gemeinsam in einem Klassenraum<br />

unterrichtet wurden. Die stärkeren unterstützen die schwächeren,<br />

meist waren sogar mehrere Jahrgänge zu einer Klasse zusammengefasst.“<br />

Ja, sie war eine tolle Lehrerin, die ihren Beruf aus Überzeugung<br />

ausübte. Ich selbst hatte sie im 1. <strong>und</strong> 2. Schuljahr als Klassenlehrerin.<br />

Eine sehr prägende Zeit. Wie spannend war es doch,<br />

von ihr immer wieder neue Buchstaben beigebracht zu bekommen,<br />

aus denen man schließlich Worte <strong>und</strong> ganze Sätze baute.<br />

Sogar Bücher konnte man selbst lesen, wenn man ordentlich<br />

geübt hatte.<br />

Eine schöne, eine unbeschwerte Zeit, die man ein Leben lang<br />

nicht vergisst. Nicht alle Kinder hatten so eine glückliche Kindheit.<br />

Birgitt Rudolf wurde 1934 in Danzig geboren. Als Kind<br />

lief sie mit ihren Geschwistern am Ostseestrand entlang <strong>und</strong><br />

suchte nach Bernstein, den ihr Vater, ein Uhrmacher <strong>und</strong> Goldschmiedemeister,<br />

zu edlem Schmuck verarbeitete. Birgitt Rudolf<br />

zeigt auf ihre w<strong>und</strong>erschöne Kette <strong>und</strong> ihren Armreif mit Bernstein.<br />

„Die hat mein Vater noch selbst angefertigt“, erklärt sie.<br />

Später hat sie die Schrecken des Krieges erlebt. Bombenangriffe,<br />

die Eroberung Danzigs durch die russische Armee, <strong>und</strong><br />

dann kamen die Polen <strong>und</strong> die Familie wurde 1945 „ausgewiesen“,<br />

wie man damals sagte. In einem Güterzug wurde sie mit<br />

24 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Birgitt <strong>und</strong> Johannes Rudolf als Schützenkönigspaar 1959. Ein Schüler rief begeistert:<br />

„Frau Rudolf sieht aus wie eine Teepuppe, nur ohne Beine, aber mit Schuhe!“<br />

Zur Verabschiedung bekam Birgitt Rudolf ein liebevoll gemaltes Bild der Gr<strong>und</strong>schule<br />

Madfeld, in der sie Jahrzehnte unterrichtete <strong>und</strong> Generationen von<br />

Schülern weit mehr als nur das ABC beibrachte.<br />

ihren Eltern <strong>und</strong> Geschwistern, nur mit einem Rücksäckchen<br />

voll Habseligkeiten, mit über 70 Menschen pro Waggon in<br />

wochenlanger, beschwerlicher Fahrt nach Berlin transportiert.<br />

Prägende Kindheit<br />

Die Stadt war unfassbar zerstört, es ging nur ums Überleben.<br />

„Das hat mich geprägt,“ sagt Birgitt Rudolf. „Wenn man so<br />

etwas erlebt hat, sieht man vieles, was heute passiert, deutlich<br />

gelassener.“ Die Schulen wurden im Oktober 1945 wieder geöffnet.<br />

„Gelernt wurde im Licht von alten Funzeln, Hefte gab<br />

es keine <strong>und</strong> wir schnitten die weißen Ränder von alten Zeitungen<br />

ab, klebten sie zusammen, nur um etwas aufschreiben<br />

zu können. In den Schuttbergen suchten wir nach Büchern.“<br />

Während der Berliner Blockade kamen die Rosinenbomber.<br />

„Wir Kinder sind dann losgerannt ins Olympiastadion. Mit<br />

kleinen weißen Tüchern haben wir gewunken. Oftmals haben<br />

die Piloten kurz vor der eigentlichen Landung kleine Päckchen<br />

für uns abgeworfen. Ein bisschen Kartoffelpulver, sogar mal<br />

ein paar Süßigkeiten“, erinnert sie sich dankbar.<br />

Die junge Birgitt macht in Berlin Abitur <strong>und</strong> hat bereits einen<br />

Studienplatz an der Humboldt Universität Berlin sicher, als<br />

es am 17. Juni 1953 zum blutig niedergeschlagenen Aufstand<br />

im Ostsektor Berlins kommt. Ein Studieren im Osten ist damit<br />

für Westberliner nicht mehr möglich <strong>und</strong> die Liebfrauen-<br />

Schwestern, an deren humanistischem Gymnasium sie war,<br />

empfahlen ihr das Studium in Paderborn.<br />

Mit einem Interzonen-Pass dufte sie Berlin verlassen <strong>und</strong> fuhr<br />

mit einem Köfferchen in der Hand nach Paderborn. Nach zwei<br />

Jahren harten Studiums, ohne Semesterferien, legte sie das erste<br />

Staatsexamen ab. Es musste schnell gehen, denn überall gab<br />

es Lehrermangel.<br />

Maler- <strong>und</strong> Fußbodenfachbetrieb<br />

Prior GmbH & Co. KG<br />

34431 <strong>Marsberg</strong>, Hauptstraße 58 • Tel. (02992) 90 82 22<br />

· Malerarbeiten<br />

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· innenliegender Sonnenschutz<br />

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· Einzelhandel mit großer Ausstellung<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 25


Ankunft in Madfeld<br />

So auch an der katholischen Volksschule<br />

in Madfeld, in die sie eingewiesen wurde.<br />

„Sind Sie die frische Lehrerin?“ wurde<br />

sie sogleich gefragt, als sie in Madfeld<br />

an der Bushaltstelle ausstieg. Das war<br />

der 3. Mai 1955.<br />

Wer hätte damals gedacht, dass die<br />

„Junglehrerin aus Berlin“ 42 Jahre in<br />

Madfeld unterrichten würde, davon sogar<br />

31 Jahre als Schulleiterin? Sogar ihre<br />

große Liebe fand sie hier, den Forstwirt<br />

Johannes. Drei Kinder, vier Enkel <strong>und</strong><br />

ein Urenkelkind sind bisher daraus entsprungen.<br />

„Ohne die Unterstützung<br />

meines Mannes <strong>und</strong> meiner Kinder bei<br />

den vielfältigen Aufgaben in Schule <strong>und</strong><br />

Gemeinde hätte ich das alles nicht schaffen<br />

können“, sagt sie. „Durch meine<br />

Familie ist Madfeld zu meiner Heimat<br />

geworden.“<br />

Zusätzlich erleichterten ihr das Kollegium,<br />

die Pfarrgemeinde, die hilfsbereiten<br />

Nachbarn <strong>und</strong> die Dorfgemeinschaft das<br />

Eingewöhnen ins dörfliche Leben. Das<br />

ist ihr sehr wichtig zu erwähnen. Aus<br />

ihrem Unterricht kann Birgitt Rudolf so<br />

manche Anekdote berichten. Als sie im<br />

Religionsunterricht von der Hochzeit zu<br />

Kana sprach, wo Jesus als Gast Wasser in<br />

Wein verwandelte, fragte sie ihre Schüler:<br />

„Was hättet ihr von solch einem Gast<br />

gedacht?“ Die Antwort kam prompt:<br />

„Den laden wir mal öfter ein!“<br />

Oder das W<strong>und</strong>er, als Jesus die Blinden<br />

wieder sehen ließ, die Lahmen wieder<br />

laufen ließ. „Was machte er dann wohl<br />

mit den Tauben?“ fragte sie. „Die ließ er<br />

fliegen!“ war sich ein Schüler sicher.<br />

Birgitt Rudolf liebte die Arbeit mit den<br />

Kindern <strong>und</strong> sah die Schule auch als<br />

Kulturträger an, rief Krippenspiel, Kinderschützenfest<br />

<strong>und</strong> -karneval ins Leben.<br />

Generationen von Madfelder Kindern<br />

hat sie viel mit auf den Lebensweg gegeben,<br />

sie optimal auf die „Schule des<br />

Lebens“ vorbereitet. ■<br />

In Madfeld fand sie die große Liebe<br />

Einmal Lehrerin, immer Lehrerin: Birgitt Rudolf<br />

voll in ihrem Element an alter Wirkungsstätte<br />

26 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


„W<br />

ir tragen mit unseren Anstrengungen der Verpflichtung,<br />

die wir gegenüber den Einwohnern des<br />

Hochsauerlandkreises <strong>und</strong> darüber hinaus haben,<br />

Rechnung, für eine bestmögliche Behandlung vor Ort zu sorgen“,<br />

ist die klare Aussage von Dr. Martin Pronadl, Chefarzt am Krankenhaus<br />

Maria Hilf. Deshalb wird im <strong>Brilon</strong>er Krankenhaus ein<br />

breites Spektrum an Versorgungsmöglichkeiten, in Zusammenarbeit<br />

mit den anderen Abteilungen, geboten.<br />

Chirurgische Abteilungen<br />

Dr. Pronadls Spezialgebiet ist die minimalinvasive Chirurgie, die es<br />

möglich macht, dass durch modernste chirurgische Technik der Krankenhausaufenthalt<br />

verkürzt werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt<br />

sind chirurgische Eingriffe bei Adipositas. Auch in der Abteilung für<br />

Unfallchirurgie, Orthopädie <strong>und</strong> Sportmedizin, die Chefarzt Dr. Ulrich<br />

Schmidt leitet, werden gewebsschonende minimalinvasive Operationstechniken<br />

angewandt. Neben der Versorgung akuter Verletzungen<br />

der Extremitäten, der Wirbelsäule <strong>und</strong> des Beckens liegt ein besonderer<br />

Schwerpunkt im Bereich des endoprothetischen Ersatzes des Schulter-,<br />

Hüft- <strong>und</strong> Kniegelenkes unter Einschluss von Wechseloperationen.<br />

Zudem haben die minimalinvasiven arthroskopischen Operationen der<br />

großen Gelenke einen besonderen Stellenwert. Die Abteilung für Unfallchirurgie,<br />

Orthopädie <strong>und</strong> Sportmedizin ist zertifiziert als lokales<br />

Traumazentrum des Traumanetzwerkes Ostwestfalen-Lippe. „Uns ist<br />

es ein besonderes Anliegen, dass unsere Patienten im Rahmen ihres stationären<br />

Aufenthaltes nach den modernsten medizinischen Methoden<br />

versorgt werden <strong>und</strong> sich auch menschlich gut aufgehoben fühlen“, betont<br />

Dr. Schmidt. Ergänzt werden beide Abteilungen vom „Wirbelsäulenzentrum<br />

<strong>Brilon</strong>“.<br />

Neu: Das Hernienzentrum Sauerland<br />

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Die Chirurgischen Abteilungen<br />

im Krankenhaus <strong>Brilon</strong><br />

,,ALLES UNTER<br />

EINEM DACH“<br />

Chefarzt Pronadl freut sich ganz besonders über das neu gegründete<br />

„Hernienzentrum Sauerland“. Die Behandlung der Hernien, die man<br />

umgangssprachlich als Bruch oder Weichteilbruch bezeichnet, hängt<br />

ganz vom individuellen Fall ab. „In der Hernienchirurgie benennen wir<br />

dies als maßgeschneidertes Konzept“, so Dr. Pronadl. Wer Genaueres<br />

dazu wissen möchte, dem stehen während der neu eingerichteten Herniensprechst<strong>und</strong>e<br />

(mittwochs 9-11 Uhr), die erfahrenen Hernienchirurgen<br />

um Dr. Pronadl zur Verfügung. ■<br />

Christel Zidi<br />

sabrinity<br />

Am Schönschede 1 | 59929 <strong>Brilon</strong><br />

Tel: 0 29 61/780 – 0<br />

Fax: 0 29 61/780 – 12 40<br />

info@kh-brilon.de


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Der Tennispark Diemeltal setzt auf zusätzliche<br />

Trendsportarten<br />

AUF DEM WEG<br />

ZUM SPORTPARK<br />

MARSBERG<br />

Andreas Melliwa<br />

sabrinity<br />

Katharina Pape <strong>und</strong> Marc Scholand<br />

wollen neue Trendsportarten nach<br />

<strong>Marsberg</strong> holen<br />

T<br />

ennis ist seit über 30 Jahren in <strong>Marsberg</strong> gut etabliert:<br />

Die Clubanlage des TC <strong>Marsberg</strong> <strong>und</strong> die direkt<br />

benachbarte Hallenanlage des „Tennisparks Diemeltal“<br />

-beide getrennt <strong>und</strong> doch eng verb<strong>und</strong>en- sind zu einem<br />

echten Zentrum des weißen Sports geworden. Das reicht den<br />

neuen Geschäftsführern des Tennisparks, Katharina Pape <strong>und</strong><br />

Marc Scholand, aber nicht mehr. Sie wollen neue Trendsportarten<br />

nach <strong>Marsberg</strong> holen <strong>und</strong> den Tennispark zum Sportpark<br />

<strong>Marsberg</strong> entwickeln.<br />

Zunächst ist eine Boulder-Anlage geplant<br />

„Wir wollen auch andere Sportarten nach <strong>Marsberg</strong> holen, die es<br />

hier vor Ort noch nicht gibt“, sagt Katharina Pape, „deshalb haben<br />

wir uns zunächst für eine Indoor-Boulder-Anlage entschieden.“ Das<br />

Klettern ohne Seil <strong>und</strong> Gurt an künstlichen Kletterwänden sieht<br />

erstmal gefährlich aus, ist es aber nicht. „Bei einer Höhe von 3,50m<br />

ist bei uns Schluss,“ erklärt Marc Scholand, „das ist die offiziell erlaubte<br />

Höhe, von der gefahrlos abgesprungen werden kann, natürlich<br />

durch dicke Matten abgefedert!“ Die Kletterer hangeln sich an<br />

den künstlichen Wänden an vormontierten Griffen entlang. Verschiedene<br />

Farben der Griffe markieren verschiedene Schwierigkeitsgrade.<br />

28 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Klettern auf r<strong>und</strong> 150 Quadratmetern<br />

Bisher müssen Boulder-Fans aus <strong>Marsberg</strong> immer noch zu Kletterhallen<br />

in <strong>Willingen</strong>, Paderborn oder Kassel fahren. „Der<br />

Bedarf ist da“, sind sich die beiden Geschäftsführer sicher,<br />

„das haben wir auch gemerkt, als wir bei Jugendlichen <strong>und</strong><br />

jungen Erwachsenen mal nachgefragt haben, wie sie unsere<br />

Boulder-Pläne so finden. Super, klasse, cool – das haben<br />

wir immer wieder gehört!“<br />

Kurz vor Weihnachten soll die Indoor-Boulderwand fertig<br />

sein. Über Eck montiert sind dann auf 150 Quadratmetern<br />

Fläche unterschiedliche Kletterparcours möglich.<br />

Zusätzlich zur Boulderwand wird es einen riesigen Kletterwürfel<br />

auf dem Boden der Halle geben. R<strong>und</strong> 100.000 Euro<br />

haben Katharina Pape <strong>und</strong> Marc Scholand für das Projekt in die<br />

Hand genommen. Geld, um den Tennispark Diemeltal auf eine<br />

neue Stufe zu hieven <strong>und</strong> fit für die Zukunft zu machen.<br />

Buchungen fast ausschließlich online<br />

Das Buchungssystem hat Marc Scholand, im Hauptberuf selbstständiger<br />

IT-Experte, bereits umgestellt: „Die allermeisten Tennisplätze<br />

<strong>und</strong> Spielzeiten für unsere Indoor-Socceranlage werden<br />

mittlerweile online gebucht, das hat sich nach ersten Bedenken<br />

bei unseren K<strong>und</strong>en absolut durchgesetzt!“ Es ist ja auch denkbar<br />

einfach <strong>und</strong> bequem: Für die gebuchte Zeit gibt es einen Zahlencode,<br />

mit dem die Tür zum Tennispark geöffnet werden kann.<br />

Da man zum Bouldern spezielle Schuhe tragen sollte, kann man<br />

auch die zum Ausleihen online dazu bestellen. Eine spezielle Aufsicht<br />

ist beim Bouldern nicht erforderlich, es kann sich also jeder<br />

zu seiner Wunschzeit durch die Kletterwand hangeln. Mit sieben<br />

bis zehn Euro sind die Kletterfans dabei, je nach Alter. Eine Zeitbegrenzung<br />

gibt es nicht, aber „Bouldern ist anstrengend, da ist<br />

in der Regel nach eineinhalb St<strong>und</strong>en Schluss“, weiß Marc Scholand<br />

aus Erfahrung.<br />

Kindergeburtstag in der Kletterwand – kein Problem<br />

Bouldern kann aber auch länger dauern <strong>und</strong> richtig gemütlich<br />

werden. Direkt neben der Kletterwand wird es eine kleine<br />

Lounge geben, die zum Durchschnaufen einlädt oder einfach<br />

zum Zugucken. „In Zusammenarbeit mit unserer Gastronomie,<br />

dem „Bistro <strong>und</strong> Biergarten Pegasus“, wollen<br />

wir zum Beispiel Geburtstagsfeiern für Kinder<br />

anbieten“, erklärt Katharina Pape, „dann<br />

können Eltern <strong>und</strong> Fre<strong>und</strong>e bequem von der<br />

Lounge aus den Kindern beim Klettern zusehen<br />

<strong>und</strong> hinterher zusammen feiern.“ An<br />

der Kletterwand wird dafür mit speziellen<br />

Griffen eine kindertaugliche Route installiert.<br />

„Tag der Offenen Tür“ im Januar<br />

Damit die <strong>Marsberg</strong>er mal unverbindlich ins gesamte Angebot<br />

des Tennisparks Diemeltal reinschnuppern können, wird es am<br />

Wochenende 8. <strong>und</strong> 9. Januar einen „Tag der Offenen Tür“ geben.<br />

Neben der Gastronomie, Tennis, Tennisschule <strong>und</strong> Indoor-<br />

Soccer auf Kunstrasen steht dann natürlich auch die nagelneue<br />

Boulderwand zur Verfügung. „Alle dürfen alles ausprobieren“,<br />

nennt Marc Scholand das Motto, „wir hoffen, dass unser Projekt<br />

so nochmal einen zusätzlichen Schub bekommt. Wir möchten<br />

auch die Schulen mit einbinden <strong>und</strong> AG’s anbieten. Vielleicht<br />

entwickelt sich daraus ja eines Tages ein eigener Boulder-Verein“.<br />

Fernziel Paddle-Tennis<br />

Das Bouldern soll aber nicht der letzte Schritt sein auf dem Weg<br />

vom „Tennispark Diemeltal“ zum Sportpark <strong>Marsberg</strong>. Die beiden<br />

jungen Geschäftsführer träumen vom Paddle-Tennis, einer<br />

in Deutschland noch wenig bekannten Kombination aus Tennis,<br />

Squash <strong>und</strong> Badminton. „In Spanien ist Paddle-Tennis schon die<br />

landesweit zweibeliebteste Sportart,“ sagt Katharina Pape, „in<br />

Deutschland gibt es nur ein paar wenige Indoor-Anlagen in den<br />

großen Städten. So etwas bei uns zu haben, wäre ein Traum!“ Die<br />

Chancen stehen nicht schlecht: Tennis boomt nach wie vor in<br />

<strong>Marsberg</strong>, auch dank der guten Jugendarbeit beim benachbarten<br />

Tennisclub. Eine gute Basis für eine gute Zukunft, da sind sich<br />

die beiden Geschäftsführer Katharina Pape <strong>und</strong> Marc Scholand<br />

ganz sicher. ■<br />

www.tennispark-diemeltal.de<br />

gf@tennispark-diemeltal.de<br />

So wird die Boulderanlage im Sportpark<br />

<strong>Marsberg</strong> aussehen<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 29


Die BüwiMädels mit dem Bauleiter Stefan Wrobel (liegend) von der Ideenwerkstatt Lebens(t)raum<br />

Petra Franz, Nicole Röleke, Helga Hefer, Sandra Pohlmeyer <strong>und</strong> Sarah Massino (v.l.)<br />

FRAUENPOWER AM<br />

DIEMELSTRAND<br />

Die „Bürgerwiesen-Mädels“ wuppen<br />

ein Erfolgsprojekt<br />

Andreas Melliwa<br />

privat<br />

Anfang stand, wie immer wenn Neues<br />

angepackt werden soll, Skepsis. „Ja,<br />

Am lass die erst mal machen, so war die Reaktion<br />

hinter vorgehaltener Hand“, erinnert sich Sandra<br />

Pohlmeyer an die Zeit, als sie 2016 mit vier weiteren Müttern<br />

einen Spielplatz für ihre Kinder in Angriff nehmen<br />

wollte. Heraus kam ein preisgekröntes Projekt: die mittlerweile<br />

fest etablierte Bürgerwiese. „BüWi“ wird sie in<br />

<strong>Marsberg</strong> nur noch genannt, <strong>und</strong> das Team um Sandra<br />

Pohlmeyer folgerichtig die „BüWi-Mädels“.<br />

Sandra Pohlmeyer, Petra Franz, Nicole Röleke, Helga Hefer<br />

<strong>und</strong> Sarah Massino hatten zunächst nur die Idee, einen gemeinsamen<br />

Platz zum Spielen für die Kinder zu schaffen. So<br />

etwas fehlte ihrer Meinung nach in der <strong>Marsberg</strong>er Kernstadt.<br />

Sandra Pohlmeyers Mann brachte dann den Stein ins Rollen –<br />

er hatte bei einem Ausflug nach Detmold genau das gesehen,<br />

was den Frauen vorschwebte: eine Spiellandschaft aus naturnahem<br />

Material, nachhaltig <strong>und</strong> behutsam in die Landschaft<br />

eingepflegt. Die fünf luden den Architekten nach <strong>Marsberg</strong><br />

ein, <strong>und</strong> der hatte auch gleich den idealen Standort gef<strong>und</strong>en<br />

– ein Stück der Wiese neben dem Hallenbad. Dort, wo früher<br />

das Freibad war, direkt am Ufer der Diemel.<br />

Die Bürgerhilfe hilft in die Spur<br />

Der entscheidende Impuls kam dann durch die Zusammenarbeit<br />

mit dem Verein „<strong>Marsberg</strong>er Bürgerhilfe. Bürger helfen<br />

30 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Bürgern“. Die fünf BüWi-Mädels brachten einen Förderantrag<br />

für das Leaderprojekt „Mehrgenerationen-Platz für <strong>Marsberg</strong>“<br />

auf den Weg. Und es gelang: Letztlich flossen r<strong>und</strong> 60.000<br />

Euro öffentliche Gelder in das Projekt. „Ich find es schade,<br />

dass es so kompliziert ist, an Fördergelder zu kommen“, sagt<br />

Sandra Pohlmeyer im Rückblick, „ich glaube, es könnten viel<br />

mehr gute Ideen umgesetzt werden, wenn die Hemmschwelle<br />

nicht so hoch wäre.”<br />

Die fünf BüWi-Mädels haben die Hürde genommen, durch<br />

Eigenleistung <strong>und</strong> jede Menge Sponsoren brachten sie dann<br />

insgesamt 106.000 Euro zusammen. Die konkreten Planungen<br />

konnten noch 2016 beginnen.<br />

Allerdings dauerte diese Phase wesentlich länger als später der<br />

Bau an sich. Ein Planungs-Workshop folgte auf den anderen,<br />

bei den Treffen waren alle Altersgruppen zwischen fünf bis 75<br />

Jahren vertreten. 2018 war dann die Bürgerwiese als Mehrgenerationen-Platz<br />

tatsächlich wahr geworden <strong>und</strong> wurde<br />

einweiht. Und auch gleich prämiert: die Initiatoren der BüWi<br />

erhielten den Julius-Drescher-Preis, mit dem die SPD im<br />

Hochsauerland besonderes bürgerliches Engagement würdigt.<br />

Generationenschaukel <strong>und</strong> Hochseilgarten<br />

Auf r<strong>und</strong> 3.000 Quadratmetern gibt es nun unter anderen<br />

einen Beachvolleyball-Platz, eine kleine Bühne, jede Menge<br />

Schaukeln, Kletterparcours, einen Wasserspielplatz <strong>und</strong> einen<br />

Kinder-Hochseilgarten. Von Profis angelegt, aber gebaut<br />

hauptsächlich von freiwilligen Helfern. „Die Kinder haben<br />

zum Beispiel das Mosaik des Plattenwegs gelegt“, erinnert sich<br />

Sandra Pohlmeyer, „die haben nicht lange überlegt, sondern<br />

einfach gemacht. Da sind auch ganz viele Fähigkeiten erstmals<br />

hervorgekommen.“ Brigitte Hellkötter <strong>und</strong> Gerlind<br />

Ulrich von der Bürgerhilfe haben an den hölzernen Spielgeräten<br />

per Hand die Rinde von den Baumstämmen abgeknibbelt.<br />

„Wir spüren heute noch das Kribbeln in den Fingerspitzen.“<br />

Auch einige Flüchtlinge haben damals spontan ins Rad<br />

gegriffen <strong>und</strong> geholfen, die Bürgerwiese zu vollenden.<br />

Kartoffelbraten <strong>und</strong> Open-Air-Gottesdienste<br />

Nach drei Jahren hat sie sich zu einem echten Treffpunkt der<br />

Generationen in <strong>Marsberg</strong> entwickelt. <strong>Marsberg</strong>er Kindergärten<br />

machen hierher häufig einen kurzen Ausflug, Schüler der<br />

Auf der <strong>Marsberg</strong>er Bürgerwiese<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 31


Die Bürgerwiese gehört<br />

allen ein wenig<br />

nahen Sek<strong>und</strong>arschule verbringen auf der BüWi so manche<br />

Freist<strong>und</strong>e. Daneben gibt es aber auch die Älteren <strong>und</strong> Alten,<br />

die sich zum Quatschen auf der Bürgerwiese verabreden oder<br />

einfach in der Generationen-Schaukel „abhängen“. Genauso<br />

wie die Jugendlichen, denn eine Sperrst<strong>und</strong>e kennt die BüWi<br />

nicht. In den Abendst<strong>und</strong>en werden an der Feuerstelle öfters<br />

auch Kartoffeln am Stock gebraten.<br />

In der Coronazeit hat Pastor Markus Pape von der evangelischen<br />

Kirchengemeinde mal eine Andacht auf der kleinen Bühne<br />

der Bürgerwiese zelebriert. Als in den Schulen die Turnhallen<br />

wegen der Pandemie geschlossen waren, sind Lehrer mir ihren<br />

Schülern zur BüWi gekommen, um auf den Baumstämmen zu<br />

balancieren oder die wetterfesten Fitness-Geräte zu nutzen. In<br />

der Adventszeit wird es wieder einen Weihnachtsbaum geben,<br />

den die Bürger dann selbst schmücken dürfen. „Da machen sich<br />

ganze Kindergartengruppen dran“, weiß Sandra Pohlmeyer,<br />

„aber auch Erwachsene hängen kleine Figuren oder Sterne in<br />

die Zweige. Ein w<strong>und</strong>erschönes Bild!“<br />

Der Weihnachtsbaum ist auch ein Zeichen des <strong>Winter</strong>schlafs<br />

auf der Bürgerwiese. Zwar ist die BüWi ganzjährig geöffnet,<br />

aber in der kalten Jahreszeit verlieren sich nur einzelne Spaziergänger<br />

hierher. Manchmal auch nur um zu schauen, ob’s<br />

ihrer Bürgerwiese auch gut geht. Gehört sie letztlich doch allen<br />

ein wenig. ■<br />

Liebevoll gepflegte Anlagen<br />

32 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Till Eulenspiegel<br />

im Sauerlande<br />

Foto: Christine Faust, CC BY 3.0,<br />

via Wikimedia Commons<br />

die Nase, „Ich kann <strong>und</strong> will euch helfen; doch müsst ihr mir<br />

einen angemessenen Lohn zahlen.“ Gern war man dazu bereit.<br />

Alle freuten sich <strong>und</strong> waren gespannt darauf, wie Eulenspiegel<br />

die Sache anstellen würde. Dieser aber ging von Haus zu Haus.<br />

Alte Nägel sammelte er, dicke <strong>und</strong> dünne, krumme <strong>und</strong> schiefe<br />

jeglicher Art. Ganze Säcke voll schleppte er zum Rathaus. Dann<br />

schlug er Nagel neben Nagel ein in die Pfeiler, dass sie bewehrt<br />

waren wie ein Igel. Für ewige Zeiten waren sie vor Beschädigungen<br />

geschützt. Ohne Murren zahlten die beglückten Stadtväter<br />

den verlangten Lohn. In feierlicher St<strong>und</strong>e schenkten sie Eulenspiegel<br />

das Ehrenbürgerrecht der Stadt <strong>Brilon</strong>. ■<br />

DER UMWELT ZULIEBE:<br />

AUFPOLSTERN<br />

(El. Betten, nach Brüder Grimm aus „Sagen des Mescheder Landes“)<br />

STATT NEUKAUF<br />

<strong>Brilon</strong>s Stadtväter waren in großer Not. Wie stolz waren sie auf<br />

ihr altes Rathaus mit der prächtigen Freitreppe! Zwei schmale<br />

Hallen dehnten sich darin, die gebildet wurden durch eine Doppelreihe<br />

hoher hölzerner Pfeile. An den Marktagen schlugen hier<br />

die <strong>Brilon</strong>er Kaufleute ihre Stände auf <strong>und</strong> die Tuchmacher, die<br />

Pelzer, die Löher <strong>und</strong> Fleischer hielten hier ihre Waren feil. Die<br />

Bürger aber, die ins Rathaus wollten, mussten sich zwischen den<br />

alten Pfeilern hindurchzwängen. Sie erhielten dabei manchen<br />

derben Stoß. Schon oft hatten die klugen Stadtväter überlegt, wie<br />

sie die Holzpfeiler vor Verschleiß schützen könnten. Das Gewölbe<br />

ruhte auf ihnen, darum konnte man sie nicht versetzen. Groß<br />

war die Sorge <strong>und</strong> guter Rat teuer. Eben zu der Zeit war Eulenspiegel<br />

durch das Mescheder Land gezogen. Er kam dann von<br />

Nuttlar über die „Alte Straße“ nach Antfeld. Bei einem Kruge<br />

kräftigen Gerstensaftes hörte er hier von der Not der <strong>Brilon</strong>er<br />

Stadtväter. „Den Leuten kann geholfen werden“, dachte er. Das<br />

schnellste Pferd besorgte er sich, <strong>und</strong> am frühen Morgen ritt er<br />

von Antfeld über Altenbüren nach <strong>Brilon</strong> hinein. Er meldete<br />

sich beim Stadtrat, der gerade in derselben Angelegenheit wieder<br />

versammelt war. „Hört“, sagte er <strong>und</strong> legte weise den Finger an<br />

Der Umwelt zuliebe:<br />

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• Ressourcen sparen<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 33


Schlüter Traktoren sorgen mit vielen raffinierten Details für Begeisterung<br />

UND DER ERBAUER<br />

KAM AUS THÜLEN…<br />

Petra Kleine<br />

sabrinity<br />

W<br />

er hätte das gedacht? Die Heimat der beliebten<br />

<strong>und</strong> berühmten Schlepper liegt in <strong>Brilon</strong>-Thülen<br />

<strong>und</strong> somit im Sauerland<br />

Da fangen die Herzen an, schneller zu schlagen. Echte Schlüter-Fans<br />

kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus,<br />

wenn sie von den Traktoren erzählen, die längst zum Kult geworden<br />

sind.<br />

Robuste <strong>und</strong> kraftvolle Motoren sowie eine hohe Motorisierung<br />

begeistern die Fangemeinde ebenso wie die außergewöhnliche<br />

Optik <strong>und</strong> die auffallende Farbgebung in Knallrot <strong>und</strong> Silber.<br />

Frisch gewienert strahlen sie in der Sonne <strong>und</strong> haben auch als<br />

Oldtimer noch einen hohen Liebhaberpreis.<br />

Viele nützliche <strong>und</strong> praktische Details hatte ihr Erbauer immer<br />

wieder ausgetüftelt, um einen echten Mehrwert zu bieten. So<br />

konnte beispielsweise der Treckersitz samt Steuerung nach hinten<br />

gedreht werden, um problemlos rückwärtsfahren zu können.<br />

Aber wer weiß schon, dass der Erbauer gebürtiger Thülener ist?<br />

Immerhin ist dort noch heute eine Straße nach ihm benannt.<br />

Anton Schlüter (1867 geboren) verbrachte nur die ersten Lebensjahre<br />

dort, da seine Eltern früh verstarben <strong>und</strong> er zur Pflege<br />

kam. Es verschlug ihn nach Bayern, wo er später Traktorfabrikant<br />

wurde. Bis zum Ende des 20. Jahrh<strong>und</strong>erts bestand seine<br />

Firma fort, bevor sie ihre Pforten schließen musste. ■<br />

34 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Foto: AdobeStock_ 55396423_stokkete<br />

<strong>WOLL</strong><br />

Erfindungen + Patente<br />

aus dem Sauerland<br />

INHALT<br />

Karriere bei<br />

innovativen Firmen im Sauerland<br />

36 Patente sind Gold wert<br />

39 Produkte, um Leben zu schützen<br />

40 Den Kopf voller Ideen...<br />

42 Weibliche Kompetenz bei Patenten<br />

44 Kompetenzzentrum für saubere Luft<br />

46 Haus der kleinen Forscher<br />

48 Patente für Nachhaltigkeit<br />

50 Mobilität hat einen Namen<br />

52 Prof. Matthias Hermes<br />

56 Sauerländer Geistesblitze<br />

58 Hasse chehört<br />

59 Das Kapitänspatent<br />

60 Kleiner Schalter - riesen Wirkkraft<br />

62 Nachhaltigkeit <strong>und</strong> Kunststoffe<br />

64 Ein genialer Brückenkonstrukteur<br />

66 Emsige Erfinder<br />

www.woll-magazin.de | www.imsauerland.de


Mittelstand im Fokus: Fach- <strong>und</strong><br />

Patentanwälte sorgen für den Schutz<br />

des geistigen Eigentums, denn …<br />

„<br />

PATENTE<br />

SIND GOLD<br />

WERT<br />

“<br />

Paul Senske<br />

Marc Niemeyer<br />

P<br />

atente <strong>und</strong> der Schutz des geistigen Eigentums<br />

sind ein hohes Gut. Patente gelten als Indikatoren<br />

für die Innovationskraft eines Unternehmens, als<br />

Puls des technologischen Fortschritts <strong>und</strong> damit als Treiber<br />

für die Wirtschaft. Die Zahl der Patente ist in den<br />

letzten Jahren weltweit gestiegen, die Folge ist ein schwer<br />

durchschaubares Patentdickicht. „Patente sind Gold<br />

wert“, sagt Marco Hoffmann. „Sie können aber auch strategisch<br />

eingesetzt <strong>und</strong> als Machtmittel missbraucht werden.<br />

Diese Zweckentfremdung schadet der Wirtschaft <strong>und</strong><br />

geht besonders zu Lasten des Mittelstands.“<br />

Hoffmann weiß, wovon er spricht. Er ist seit 1994 Rechtsanwalt<br />

der b<strong>und</strong>esweit <strong>und</strong> mit Kooperationspartnern sogar<br />

weltweit operierenden Neheimer Kanzlei FRITZ Patent- &<br />

Rechtsanwälte Partnerschaft mbB <strong>und</strong><br />

für den „gewerblichen Rechtsschutz“<br />

zuständig. Dabei geht es um den<br />

Schutz vor Produktnachahmungen<br />

durch das Patent-, Marken-, Design-,<br />

Wettbewerbsrecht- <strong>und</strong> das Recht der<br />

Geschäftsgeheimnisse. Der Großteil<br />

der Klienten stammt aus dem innovativen<br />

Mittelstand, dem Motor der deut- s c h e n<br />

Wirtschaft. „Wir sprechen die Sprache der Sauerländer Unternehmer“,<br />

betont Hoffmann, der auch Mitglied im Fachverband<br />

GRUR (Deutsche<br />

Starkes Plädoyer <strong>und</strong> Einsatz für den Mittelstand: Marco Hoffmann.<br />

Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz <strong>und</strong> Urheberrecht)<br />

<strong>und</strong> im Vorstand der Einigungsstelle für Wettbewerbsstreitigkeiten<br />

der IHK Arnsberg ist. Die präventive Beratung<br />

der Firmen nimmt einen hohen Stellenwert<br />

ein. „Bei Streitigkeiten über<br />

mögliche Patentverletzungen versuchen<br />

wir diese ohne Gericht zu<br />

lösen. Das gelingt in vielen Fällen.“<br />

Natürlich landen Patentverletzungen<br />

durch andere Firmen auch vor Gericht.<br />

Dafür ist in der Regel das Landgericht Düsseldorf zuständig.<br />

Das B<strong>und</strong>espatentgericht in München trifft Entscheidungen<br />

über den Rechtsbestand von Patenten <strong>und</strong> über Beschwerden<br />

gegen Beschlüsse des Deutschen Patent- <strong>und</strong> Markenamts,<br />

ebenfalls in München ansässig.<br />

36 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Patentschutz gilt für 20 Jahre<br />

Ein Patent ist das traditionsreichste unter den gewerblichen<br />

Schutzrechten. Es gilt für 20 Jahre <strong>und</strong> muss vier Kriterien<br />

enthalten: Neuheit, erfinderische Tätigkeit, gewerblicher<br />

Nutzen <strong>und</strong> Technizität, die dabei eine dominierende Rolle<br />

spielt. Ein Schutzrecht für Produkte vom Originalhersteller ist<br />

sinnvoll, weil die Opfer von Plagiaten sich nur in diesem Fall<br />

rechtlich wehren <strong>und</strong> Schadensersatz verlangen können. Für<br />

die Formulierung der Patentschrift, das Verfassen des Patentanspruchs<br />

<strong>und</strong> die (elektronische) Übermittlung ans Deutsche<br />

Patent- <strong>und</strong> Markenamt bzw. das Europäische Patentamt sind<br />

die Patentanwälte zuständig. Sie sind Naturwissenschaftler<br />

mit einer dreijährigen Zusatzausbildung (Praktika <strong>und</strong> auf<br />

den Beruf passendes rechtswissenschaftliches Fernstudium).<br />

„Die Patentanwälte arbeiten bei der umfassenden <strong>und</strong> spannenden<br />

Patentrecherche <strong>und</strong> bei der Formulierung der wichtigen<br />

Patentansprüche an der Schnittstelle von Technik <strong>und</strong><br />

Recht“, betont Hoffmann. Patentanmeldungen sind nicht billig.<br />

Der B<strong>und</strong> unterstützt daher mit seinem Programm „Wipano“<br />

kleine <strong>und</strong> mittlere Unternehmen.<br />

Neben Firmen können auch Einzelpersonen Anträge auf Patente<br />

stellen. Die Palette der (möglichen) Erfindungen dieser<br />

Einzelerfinder ist reichhaltig. Kofferraum-Aufhalter, Haarwuchsmittel<br />

oder Getränkedosen-Verschluss sind einige Beispiele.<br />

„Das Problem ist nicht die Anmeldung, sondern die<br />

meistens fehlende Vermarktungsmöglichkeit“, so Hoffmann.<br />

Vielen Sauerländern ist die Biogasanlage von Bauer Frese in<br />

Medebach-Titmaringhausen ein Begriff. Vor über 30 Jahren<br />

hat er ein entsprechendes Patent für die erste Anlage dieser Art<br />

im Hochsauerlandkreis erhalten.<br />

Schwer durchschaubares<br />

Patentdickicht<br />

Weltweit hat die Zahl der Patente exorbitant zugenommen.<br />

Experten sprechen von Patentdickicht, begleitend von zunehmenden<br />

Verletzungen des Patenrechts, von einer wahren Flut<br />

an schwer durchschaubarer <strong>und</strong> auswertbarer Patentliteratur<br />

sowie von Missbrauch als Macht- <strong>und</strong> Druckmittel. „Es ist<br />

schon regelrechte Detektivarbeit erforderlich, um einigermaßen<br />

durchzublicken“, sagt Hoffmann. Die mögliche Folge: Firmen,<br />

die innovative Produkte auf den Markt bringen wollen, werden<br />

angesichts der nicht nur für Laien schwer zu beurteilenden Lage<br />

verunsichert, weil sie Klagen befürchten. Hoffmann sorgt sich<br />

daher um den Mittelstand, für den ein besserer Schutz im Patent-<br />

<strong>und</strong> Markenrecht von<br />

existenzieller<br />

Bedeutung ist.<br />

„Wir sprechen die Sprache<br />

der Sauerländer Unternehmen“<br />

(Marco Hoffmann)<br />

Der Rechtsanwalt gehört der Kommission Recht des<br />

B<strong>und</strong>e sverbandes der mittelständischen Wirtschaft (BVMW)<br />

an, die sich auf B<strong>und</strong>esebene explizit für diesen Schutz einsetzt.<br />

Große Gefahr durch Patent-Trolle<br />

Gefahren für den Mittelstand lauern besonders durch das<br />

aggressive Auftreten von Patent-Trollen, auch als Patent-Haie<br />

oder Patent-Jäger bezeichnet. Ihr Geschäftsmodell: Sie sind<br />

weder erfinderisch tätig, noch verwenden sie eine patentierte<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 37


Erfindungsidee für die eigene Produktion. Sie missbrauchen<br />

ihre zweifelhaften Patente ausschließlich zur<br />

Erwirtschaftung von Gewinnen durch Klagen, erwirken<br />

Unterlassungsansprüche <strong>und</strong> setzen Firmen mit<br />

hohen Lizenzgebühren erheblich unter Druck.<br />

Der BVMW fordert in diesem Zusammenhang eine<br />

verbesserte Patentsicherheit für den Mittelstand.<br />

Knapp die Hälfte aller Patente werden auf B<strong>und</strong>es<strong>und</strong><br />

Europaebene im Einspruchs- bzw. Nichtigkeitsverfahren<br />

widerrufen. Besonders das Europäische Patentamt<br />

vernachlässige die Patentqualität zugunsten<br />

hoher Neupatentierungen, so heißt es in einem von<br />

Hoffmann verfassten Positionspapier des BVMW<br />

weiter. Die Sicherstellung der Patentqualität sei für<br />

den Mittelstand von hoher Priorität. Zudem wird eine<br />

Verkürzung der Patent-Prüfungsverfahren bzw. der<br />

Rechtsbestandsverfahren angemahnt, damit die Mittelständler<br />

während der Verfahren keine Klagen von<br />

Patent-Trollen mit Zwangsgeldern befürchten müssen.<br />

Ein weiterer Aspekt ist die Absolutheit des patentrechtlichen<br />

Unterlassungsanspruchs. Beim Bau einer<br />

vernetzten, hochkomplexen Firmen-Anlage greift man<br />

zum Beispiel in den Schutzbereich von H<strong>und</strong>erten Patenten<br />

ein. Der Inhaber eines ganz kleinen Patents wie<br />

eines Schalters kann durch einen entsprechenden Unterlassungsanspruch<br />

den Bau stoppen. „Das ist unverhältnismäßig<br />

<strong>und</strong> kann erhebliche negative Folgen für<br />

die Firma haben“, erklärt Hoffmann. Die Forderung:<br />

Bei unverhältnismäßiger Härte soll die Unterlassung<br />

gerichtlich nicht anzuordnen sein. Das kürzlich verabschiedete<br />

zweite Patentmodernisierungsgesetz weist<br />

in die entsprechende Richtung.<br />

Ein wichtiges Zukunftsthema werden für den Mittelstand<br />

die standardessenziellen Patente (SEP) sein.<br />

In vielen Bereichen ist man immer mehr auf das Zusammenspiel<br />

verschiedener technologieübergreifender<br />

Systeme abhängig. Die Entwicklungen verschiedener<br />

Patentanmelder kommen zusammen <strong>und</strong> werden genormt,<br />

damit die Produkte entsprechend vom Endverbraucher<br />

genutzt werden können. Musterbeispiel<br />

ist die 5G-Technik, die Gegenstand Tausender standardessenzieller<br />

Patente ist. Diese müssen bei der Implementierung<br />

genutzt werden. Dafür benötigen die<br />

Firmen Lizenzen, die viel Geld kosten können. „Da<br />

kommt was auf die Unternehmen zu“, so Hoffmann.<br />

„Sie müssen sich rechtzeitig um die Lizenzen kümmern<br />

oder Patente tauschen.“ ■<br />

Marco Hoffmann<br />

Zentralbehörde für den gewerblichen<br />

Rechtsschutz<br />

Das Deutsche Patent- <strong>und</strong> Markenamt (DPMA) mit Hauptsitz in<br />

München sowie Nebenstellen in Jena <strong>und</strong> Berlin gilt als das Kompetenzzentrum<br />

für gewerblichen Rechtsschutz in Deutschland. Als<br />

gesetzlicher Auftrag ist der Schutz des geistigen Eigentums definiert.<br />

Das DPMA prüft Erfindungen, erteilt Patente, registriert Marken,<br />

Gebrauchsmuster <strong>und</strong> Designs, verwaltet Schutzrechte <strong>und</strong> informiert<br />

darüber die Öffentlichkeit.<br />

Neben dem DPMA führt das Europäische Patentamt - Europäische<br />

Patentorganisatin (EPO) mit Hauptsitz ebenfalls in München - ein<br />

eigenständiges Patenterteilungsverfahren durch. Ein europäisches<br />

Patent kann für die 38 Vertragsstaaten des Europäischen<br />

Patentübereinkommens (EPÜ) beantragt werden. Das Patent gilt<br />

aber nicht einheitlich für alle Vertragsstaaten. Es kann ausgewählt<br />

werden, in welchen EPÜ-Staaten das europäische Patent gelten<br />

soll. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO – World<br />

Intellectual Property Organization) hat ihren Sitz in Genf. Eine<br />

wesentliche Aufgabe ist die weltweite Förderung von Rechten an<br />

immateriellen Gütern.<br />

38 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


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technische Leiter des Unternehmens.<br />

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Erfolg <strong>und</strong> großer Reputation unterwegs: Das<br />

In 1973 von Bernhard Penno gegründete Unternehmen<br />

REMBE® GMBH SAFETY + CONTROL ist<br />

ein Spezialist für Druckentlastungssysteme in den Bereichen<br />

Explosionsschutz <strong>und</strong> Prozesssicherheit <strong>und</strong> mit<br />

seinen Produkten <strong>und</strong> Dienstleistungen breit aufgestellt.<br />

REMBE® Produkte zur Druckentlastung <strong>und</strong> als Explosionsschutzsysteme<br />

in Industrieanlagen werden in <strong>Brilon</strong><br />

weltweit für die Chemie-, Pharma-, Lebensmittel-, holzverarbeitende<br />

Industrie oder die Luft- <strong>und</strong> Raumfahrt<br />

hergestellt. „Ein großer Zukunftsmarkt ist der Energiemarkt“,<br />

betont Dr.-Ing. Stefan Rüsenberg, der technische<br />

Leiter des Unternehmens, das neben dem Standort <strong>Brilon</strong><br />

weltweit zehn Verkaufsbüros („Satelliten“) unterhält <strong>und</strong><br />

insgesamt r<strong>und</strong> 300 Mitarbeiterinnen <strong>und</strong> Mitarbeiter<br />

beschäftigt.<br />

unterwegs als in der Vergangenheit“, sagt Rüsenberg. Neun<br />

Patente sind angemeldet, weitere acht stehen zur Prüfung aus.<br />

Zudem sind über 70 Marken angemeldet sowie zwölf Geschmacksmuster<br />

(Designschutz).<br />

Eine bedeutende Rolle spielen für die „REMBE®-Familie“<br />

auch die Themen Ausbildung <strong>und</strong> Weiterentwicklung. Der<br />

Grad der Ausbildung ist signifikant hoch. 17 Auszubildende<br />

lernen <strong>und</strong> arbeiten derzeit am Standort <strong>Brilon</strong>, der r<strong>und</strong> 220<br />

Mitarbeiter*innen aufweist. Dabei geht es auch <strong>und</strong> besonders<br />

darum, den Wissenstransfer von innen nach außen <strong>und</strong><br />

umgekehrt zu ermöglichen. „Die jungen REMBE® Familienmitglieder<br />

(RFM) lernen von den erfahrenen <strong>und</strong> bringen<br />

gleichzeitig ihre Ideen ein.“ Jedes neue RFM brauche -so Rüsenberg<br />

- zwei bis drei Jahre, um die „komplexen Zusammenhänge“<br />

im Unternehmen zu realisieren <strong>und</strong> sich an REMBE®<br />

zu gewöhnen. „Berstscheiben zu bauen, lernt man hier.“ ■<br />

„Safety is for life“: Mit diesem Slogan ist die Unternehmensphilosophie<br />

bestens umschrieben. „Unsere Produkte <strong>und</strong><br />

ARRIERE<br />

Dienstleistungen schützen im Extremfall Leben“, so Rüsenberg.<br />

Die Produktpalette reicht von Standard- bis zu Sonderlösungen.<br />

„Mit den Sonderlösungen sind wir groß geworden,<br />

daraus haben sich zum Teil Standardlösungen entwickelt.<br />

N BRILON<br />

Unsere Leistungen <strong>und</strong> Produkte erfüllen höchste Qualitätsansprüche.<br />

Wir machen das, was keiner machen kann oder<br />

machen will.“ So liefert das Unternehmen beispielsweise seit<br />

zwei Jahren Sicherheitskonzepte für japanische Kernkraftwerke.<br />

Bei einer stetig wachsenden Globalisierung mit steigender<br />

REMBE<br />

Transparenz durch internationale Digitalisierung geht es auch<br />

® GmbH Safety + Control<br />

darum, die eigenen Produkte zu schützen. „Durch den internationalen<br />

Erfolg rücken wir natürlich verstärkt in den Fokus 59929 <strong>Brilon</strong><br />

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des Wettbewerbs. Mit der Patentierung sind wir heute stärker Deutschland<br />

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e suchen eine neue Herausforderung? Dann sind<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 39


Den Kopf voller Ideen…<br />

Besondere Erfinder <strong>und</strong> Erfindungen aus dem Sauerland<br />

Christel Zidi<br />

Es den bisher noch niemand<br />

reicht nicht, eine gute Idee<br />

zu haben, einen Einfall,<br />

hatte. Eine Menge Ehrgeiz gehört<br />

ebenfalls dazu, gegen Widerstände<br />

hinweg an der Umsetzung der Idee zu<br />

arbeiten. Die hier vorgestellten Erfinder<br />

hatten es ebenfalls nicht leicht.<br />

Teils wurden sie belächelt <strong>und</strong> verspottet.<br />

Nicht jede Erfindung schaffte<br />

es zur Patentierung. Heute können<br />

wir von der Beharrlichkeit <strong>und</strong> dem<br />

Schöpfergeist dieser Vier profitieren<br />

<strong>und</strong> stolz auf diese außergewöhnlichen<br />

Sauerländer sein. Wer weiß, wie<br />

viele Erfindungen es noch gäbe, wenn<br />

so manch „heller Kopf“ mehr Mut<br />

<strong>und</strong> mehr Ausdauer gehabt hätte…<br />

Vielleicht sollte scheinbar desinteressierten<br />

<strong>und</strong> aufmüpfigen Jugendlichen<br />

mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden…<br />

Zumindest könnte man auf den<br />

Gedanken kommen, wenn man die Lebensgeschichte<br />

des Franz Anton Lohage<br />

liest.<br />

Ein aufsässiger Sohn<br />

Der 1815 geborene Grevensteiner sollte<br />

eigentlich Schneider werden. Ebenso<br />

wie schon sein Vater, wahrscheinlich<br />

auch der Großvater. Aber der 12-Jährige<br />

zeigte deutlich sein Desinteresse an diesem<br />

Beruf. So musste er also zunächst als<br />

Ackerknecht arbeiten, später als Arbeiter<br />

in der Chemischen Fabrik Wocklum.<br />

Mit seinen „Verbesserungsvorschlägen<br />

zur Arbeitsvereinfachung“ handelte er<br />

sich - ungerechterweise – allerdings seine<br />

Entlassung ein. Als Ludwig von Vincke,<br />

Oberpräsident von Westfalen, von<br />

diesem Vorfall erfuhr, ermöglichte er<br />

dem Jungen den Besuch der Gewerbeschule<br />

in Hagen, später besuchte Lohage<br />

als Stipendiat das Gewerbeinstitut in<br />

Berlin, ein Vorgänger der Technischen<br />

Hochschule. Franz Anton Lohage gründete<br />

später in Dortm<strong>und</strong> eine Stearinfabrik.<br />

Als er 1848 im Auftrag des preußischen<br />

Staates eine Studienreise nach<br />

England <strong>und</strong> Schottland unternahm,<br />

beschäftigte er sich – gemeinsam mit<br />

einem Bekannten - mit Verfahren zur<br />

Herstellung von Stahl. Unter strikter<br />

Überwachung <strong>und</strong> Steuerung des Glühvorgangs<br />

gelang es den beiden, harten<br />

Stahl im Puddelofen zu erzeugen. Das<br />

neue Verfahren schuf ein hochwertiges<br />

Zwischenprodukt, den Schweiß-Stahl.<br />

Die gemeinsame Erfindung, eine Weiterentwicklung<br />

des sogenannten Puddelverfahrens,<br />

wurde von vielen Werken<br />

übernommen. Ab 1857 war er für<br />

führende Eisen- <strong>und</strong> Stahlunternehmen<br />

als Berater tätig. Darunter waren die<br />

Gutehoffnungshütte in Oberhausen, ein<br />

Unternehmen in Sheffield <strong>und</strong> auch die<br />

Wilhelmshütte in Warstein. Während<br />

seiner Zeit für die Bochumer Gussstahlhütte<br />

gelang es ihm, große Gussstahlblöcke<br />

herzustellen. Dieses Verfahren<br />

wurde in Großbritannien <strong>und</strong> den USA<br />

patentiert. Was den Erfinder früherer<br />

Zeiten von den angestellt Forschenden<br />

moderner Entwicklungsbüro unterscheidet,<br />

trifft auch für Lohage zu: Er<br />

beschäftigte sich mit völlig unterschiedlichen<br />

Bereichen, so<br />

z. B. mit der Theorie<br />

der Bierherstellung<br />

<strong>und</strong> der Entfernung<br />

von Chlor<br />

aus der Bleiche.<br />

Vom Waisenkind<br />

zum Industriellen<br />

Auch <strong>und</strong> besonders der Neheimer<br />

Hugo Bremer war für seinen Ideenreichtum<br />

bekannt. So forschte er an beheizbaren<br />

Mänteln, meldete die Herstellung<br />

von Papierbleistiften, die Zange zum Befestigen<br />

von Ösenknöpfen mittels Drahtstifte<br />

<strong>und</strong> den Fahrzeug-Kühlergrill als<br />

Patent an. Vor allem durch das nach ihm<br />

benannte „Bremer Licht“ geriet Bremer<br />

buchstäblich ins Licht der Öffentlichkeit.<br />

Auf der Pariser Weltausstellung<br />

1900 erhielt er für die hell brennenden<br />

Intensivflammenbogenlampen den<br />

„Grand Prix“, die höchste Auszeichnung.<br />

Thomas A. Edison, den er während eines<br />

Amerikaaufenthalts kennengelernt haben<br />

soll, hat vermutlich mehr als 1.000<br />

Patente angemeldet. Bremer kam auf immerhin<br />

mehr als 170 Patente <strong>und</strong> zahlreiche<br />

Gebrauchsmuster. Wie schwer das<br />

Patentrecht zu durchschauen ist, hat der<br />

Neheimer bald erkennen müssen. Zahlreiche<br />

Prozesse führte er u.a. gegen den<br />

Großkonzern Siemens. Der in Elberfeld<br />

geborene Hugo Bremer war schon<br />

mit drei Jahren Vollwaise. Er wuchs im<br />

Heim auf, machte eine kaufmännische<br />

Ausbildung <strong>und</strong> betrieb später eine Heftzwecken-Produktionsfirma<br />

in Menden.<br />

40 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Nach der Trennung von seinem Geschäftspartner<br />

verlegte er die Produktion<br />

nach Neheim. Dort nahm er zusätzlich<br />

Schuhknöpfe ins Sortiment auf.<br />

Hugo Bremer erregte in Neheim nicht<br />

nur durch seine Erfindungen Aufsehen,<br />

sondern fiel in den letzten Lebensjahren<br />

auch durch seine Eigenarten auf. So soll<br />

er bei jedem Wetter einen Regenschirm<br />

mit sich geführt <strong>und</strong> stets zwei unterschiedliche<br />

Schuhe getragen haben.<br />

Breit gefächert <strong>und</strong> vor<br />

allem praktisch<br />

Auch der Neheimer Hubert Wiegelmann<br />

war mit nicht nur einer Erfindung<br />

erfolgreich. In den 1940er-Jahren beteiligte<br />

er sich maßgeblich an der Entwicklung<br />

der Röntgenraumsicht <strong>und</strong> meldete<br />

ein Patent für Höhenausgleichssysteme<br />

für Möbel an, ebenso wie für die Schalteinrichtungen<br />

von Krankenbetten oder<br />

elektrisch betriebene Rasierapparate mit<br />

Luftsaugvorrichtung.<br />

Kabinettstückchen <strong>und</strong><br />

„coole“ Erfindung<br />

Nicht nur die Erfinder aus der Vergangenheit<br />

beeindrucken. Auch in der<br />

Gegenwart gibt es besonders helle Köpfe.<br />

Zum Bespiel Friedhelm Hillebrand,<br />

der 1940 in Sichtigvor bei Warstein geboren<br />

wurde. Hillebrand war zu Beginn<br />

der 1980er-Jahre bei der Telekom deutscher<br />

Projektleiter eines neuen analogen<br />

deutsch-französischen Mobiltelefonsystems.<br />

1984 stand er vor der Herausforderung,<br />

ein System zu entwickeln, das<br />

in der Lage war, mit dem Mobiltelefon<br />

Nachrichten ohne Zusatzgeräte wie den<br />

Laptop senden <strong>und</strong> empfangen zu können:<br />

„Um SMS in jedem Endgerät <strong>und</strong><br />

jedem Netz verfügbar zu haben, war<br />

eine kostengünstige Implementierung<br />

erforderlich“, berichtet Hillebrand, „Ich<br />

habe das Konzept 1984 entwickelt. Es<br />

stieß auf große Widerstände, konnte<br />

aber doch 1985 im Standard verankert<br />

werden. Ab 1993/4 war SMS in jedem<br />

GSM-Netz <strong>und</strong> Endgerät verfügbar.<br />

Aber niemand nutzte es, bis es von der<br />

Jugend als „cool“ entdeckt wurde <strong>und</strong><br />

Teil der Jugendkultur wurde. Hillebrand<br />

bezeichnet SMS eher als Kabinettstückchen:<br />

„So bezeichnet man in<br />

der Malerei ein kleinformatiges Meisterwerk<br />

<strong>und</strong> so etwas ist SMS. SMS war der<br />

Öffner für alle Dienste, die das Telefon<br />

direkt als Datenterminal benutzten. In<br />

der Spitze wurde mehr als 100 Mrd. €<br />

Umsatz der Netzbetreiber erreicht. Heute<br />

dominieren Spezialanwendungen <strong>und</strong><br />

Notrufe.“ Von 1994 bis 1996 war Hillebrand<br />

der erste Technische Direktor des<br />

Weltverbandes der GSM-Netzbetreiber.<br />

Mit seiner Erfindung, dem Konzept für<br />

SMS (einschl. Cell Broadcast) reiht er<br />

sich in die Reihe der großen Sauerländer<br />

Erfinder ein. Auch wenn es völlig unterschiedliche<br />

Menschen sind, verbinden<br />

sie doch drei konstitutive Eigenschaften:<br />

Sie haben ein Problem als solches<br />

erkannt, hatten den Willen, es auf neue<br />

kreative technische Art <strong>und</strong> Weise zu<br />

lösen <strong>und</strong> waren mindestens einmal in<br />

ihrem Leben dabei erfolgreich. ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 41


Schützenkönigin Katharina Figge<br />

<strong>und</strong> ihr Mann Heiko<br />

Entwicklungsingenieurin Katharina Figge aus Medebach-Referinghausen<br />

Weibliche Kompetenz - auch bei<br />

Neuentwicklungen <strong>und</strong> Patenten<br />

Petra Kleine<br />

sabrinity<br />

„Tu, was du für richtig hältst“ - Diesen Rat ihres Chefs Dr.<br />

Dresel hat sich Entwicklungsingenieurin Katharina Figge<br />

zu Herzen genommen <strong>und</strong> maßgeblich dazu beigetragen,<br />

dass nun ein Patent zur Energieeinsparung angemeldet<br />

werden konnte<br />

Katharina Figge ist eine selbstbewusste, sympathische junge<br />

Frau, die mitten im Leben steht. Abgesehen davon, dass sie<br />

gerade Schützenkönigin ist, gerne durchs Sauerland radelt, im<br />

Orchester Klarinette spielt <strong>und</strong> in vielen Vereinen engagiert<br />

ist, hat sie auch einen (für eine Frau) eher ungewöhnlichen<br />

Beruf, sie ist Entwicklungsingenieurin.<br />

Ungewöhnlich, aber leider ist es immer noch viel zu selten<br />

geschieht es, dass Frauen technische Berufe ergreifen <strong>und</strong> im<br />

MINT-Bereich tätig werden (MINT = Mathematik, Informatik,<br />

Naturwissenschaften, Technik).<br />

Umso mehr freut sich Dr. Christian Dresel, Inhaber des Unternehmens<br />

Condensator Dominit in <strong>Brilon</strong>-Wald, dass Katharina<br />

Figge sich vor r<strong>und</strong> vier Jahren, nach ihrem Studium<br />

an der RWTH Aachen, für eine Stelle bei ihm entschieden<br />

hat. „Sie ist eine echte Bereicherung für unser Team,“ erklärt<br />

er mir. „Dass wir jetzt ein neues Patent anmelden konnten, ist<br />

maßgeblich auch ihr Verdienst.“<br />

„SIMΩN, so heißt unsere Erfindung, läuft gerade in der Bemusterung,<br />

unter anderem bei VW. Sie wird als komplett<br />

neue Produktreihe auf der Hannovermesse 2022 vorgestellt<br />

42 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Hier steckt die neue Erfindung drin: Sie heißt SIMΩN (Simulation<br />

Ohmscher Netze) <strong>und</strong> ist eine Hommage an den großen Elektroingenieur<br />

Georg Simon Ohm)<br />

Wo früher ein Großteil der Projektarbeit beim Modelle bauen <strong>und</strong><br />

löten verbracht wurde, findet heute viel über Computersimulationen<br />

an modernen, fre<strong>und</strong>lichen Arbeitsplätzen statt.<br />

dann noch hohe Intelligenz <strong>und</strong> ein ges<strong>und</strong>es Selbstbewusstsein<br />

hinzukommen, ist das einfach ideal. Oh ja, da müssen die<br />

Jungs manchmal in Deckung gehen.“<br />

Dr. Dresel ist für klare Worte bekannt <strong>und</strong> nimmt kein Blatt<br />

vor den M<strong>und</strong>. „Männer <strong>und</strong> Frauen ergänzen sich fantastisch.<br />

Wir sollten bloß nie den Fehler machen, Frauen zu<br />

Männern machen zu wollen. Ich will doch keine Kampfemanzen,<br />

sondern Frauen, die mit ges<strong>und</strong>em Selbstbewusstsein<br />

<strong>und</strong> aus Überzeugung das tun, was sie machen möchten.<br />

Weil sie Freude daran haben, <strong>und</strong> nicht, weil sie irgendjemanden<br />

etwas beweisen wollen.“<br />

Katharina Figge ist fest im Sauerland verwurzelt<br />

<strong>und</strong> hat hier ihren Traumjob gef<strong>und</strong>en<br />

werden“, fährt er fort. „Uns ist es gelungen, Störungen in<br />

Stromnetzen nicht nur zu eliminieren, sondern in nutzbare<br />

Energie umzuwandeln, quasi Energierecycling zu betreiben<br />

<strong>und</strong> Prozesse zu optimieren.“<br />

Klingt kompliziert. Ist es auch. Aber im Team mit Dr. Dresel,<br />

Entwicklungsleiter Kuhnhenne, Entwicklungsingenieurin<br />

Figge <strong>und</strong> in Zusammenarbeit mit der FH Soest ist es in monatelanger<br />

Arbeit, mit unendlich vielen Computersimulationen<br />

<strong>und</strong> anschließenden Modellbauten tatsächlich gelungen,<br />

eine Lösung zu finden.<br />

„Oh ja. Da müssen die Jungs manchmal<br />

in Deckung gehen“ (Dr. Dresel)<br />

„Es tut jedem Team gut, eine Frau dabei zu haben,“ ist sich<br />

Dr. Dresel sicher. „Vielleicht klingt es wie ein Stereotyp, aber<br />

Eigenschaften wie Besonnenheit, Sorgfalt, Ruhe, Kommunikationsfähigkeit,<br />

die findet man verstärkt bei Frauen. Wenn<br />

„Mein Chef hat viel Vertrauen in mich gesetzt <strong>und</strong> hat mir<br />

große Freiräume gelassen. Das hat mich zusätzlich motiviert,“<br />

so Katharina Figge, die ihren Beruf mit viel Begeisterung <strong>und</strong><br />

Leidenschaft ausübt.<br />

„Es würde mich freuen, wenn ich für die eine oder andere<br />

junge Frau, die sich in der Berufswahl befindet, ein Beispiel<br />

sein könnte,“ fährt sie fort. Vorbild könnte man natürlich<br />

auch sagen…<br />

„Die Energiewende wächst nicht auf Bäumen,“<br />

resümiert Dr. Dresel. „Mehr junge Menschen<br />

sollten daher soziale Verantwortung<br />

übernehmen <strong>und</strong> sich in technischen<br />

Berufen engagieren, um dafür<br />

zu sorgen, dass wir auch morgen<br />

noch genug Energie haben werden -<br />

<strong>und</strong> zwar saubere.“ ■<br />

Unternehmer Dr. Christian Dresel im Gespräch:<br />

„Es werden dringend mehr Frauen<br />

in technischen Berufen gebraucht!“<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 43


Anzeige<br />

MIELE-WERK ARNSBERG<br />

Kompetenzzentrum für „saubere Luft“ in der Küche<br />

Miele<br />

Miele & W. Böinghoff<br />

H<br />

igh-Tech nach Maß bekommen<br />

Miele-K<strong>und</strong>innen <strong>und</strong><br />

K<strong>und</strong>en aus Arnsberg – dem<br />

Kompetenzzentrum für die Entwicklung<br />

<strong>und</strong> Fertigung leistungsstarker<br />

Dunstabzugshauben der Miele Gruppe.<br />

260 Beschäftigte entwickeln <strong>und</strong><br />

fertigen hier jährlich etwa 140.000 Geräte<br />

für den weltweit führenden Anbieter<br />

von Premium-Hausgeräten für die<br />

Küche, Wäsche- oder Bodenpflege.<br />

Das Arnsberger Werk gehört seit der<br />

Übernahme des Küchengeräteherstellers<br />

Imperial im Jahre 1989 zur Miele<br />

Gruppe. Dabei sorgt die hohe Fertigungstiefe<br />

<strong>und</strong> -flexibilität im Werk<br />

für eine große Auswahl an Bauformen,<br />

Designs <strong>und</strong> Größen. Ob Abluft oder<br />

Umluft, an der Decke oder im Kochfeld<br />

installiert, dezent versteckt oder<br />

als markanter Blickfang, ob Standardformat<br />

oder Maßanfertigung: „Bei uns<br />

finden K<strong>und</strong>innen <strong>und</strong> K<strong>und</strong>en auf der<br />

ganzen Welt für jede Küchensituation<br />

die passende Haube“, sagt Werkleiter<br />

Stefan Krüger. Auch die Farbauswahl<br />

ist groß: von der Haube im klassischen<br />

Edelstahl bis zu Pulverbeschichtung in<br />

einem RAL-Ton nach Wahl. „Unsere<br />

K<strong>und</strong>innen <strong>und</strong> K<strong>und</strong>en erhalten in jedem<br />

Fall ein Produkt, das Maßstäbe in<br />

Design, Leistung <strong>und</strong> Qualität setzt“,<br />

so Krüger weiter. Die Wandhaube PUR<br />

98W ist der aktuelle Testsieger bei der<br />

Stiftung Warentest. Überzeugend: Das<br />

Gerät filtert bis zu 90 Prozent der Fette<br />

aus den Kochdünsten heraus. Für ihre<br />

Verarbeitung erhielt die PUR 98 W als<br />

einziges Gerät im Test ein „sehr gut“.<br />

Bei Miele in Arnsberg wird stetig weiter<br />

an Innovationen gearbeitet. Für die<br />

44 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Mielestr. 1<br />

59759 Arnsberg<br />

Telefon: (02932) 305-0<br />

www.miele.de<br />

Werkleiter Stefan Krüger<br />

Viel mehr als nur eine Umlufthaube: Die<br />

Aura 4.0 Ambient vereint außergewöhnliches<br />

Design, individuelle Ambientebeleuchtung<br />

<strong>und</strong> zarte Düfte für ein angenehmes<br />

Raumklima mit einer smarten Bedienung.<br />

Beim Einschalten fährt der schlanke Haubenkörper<br />

der „Black Levantar“ in seine Arbeitsposition.<br />

Hier ist Handarbeit erforderlich<br />

Serienfertigung mit hohem Automatisierungsgrad<br />

sogenannte Downdraft-Haube „Black<br />

Leventar, die während des Kochens aus<br />

der Arbeitsplatte herausfährt <strong>und</strong> die<br />

außergewöhnliche Aura 4.0, die wie<br />

eine Designerlampe über dem Kochfeld<br />

zu schweben scheint, sind allein<br />

20 Patentschriften entstanden. Damit<br />

bietet Miele exklusive Funktionen wie<br />

motorisch bewegliche Hauben oder<br />

Filter, die Feuchtigkeit beim Kochen<br />

adsorbieren <strong>und</strong> später sensorgesteuert<br />

wieder an die Raumluft abgeben.<br />

In die permanente Modernisierung des<br />

Standortes hat der Hausgerätehersteller<br />

in den vergangenen Jahren Millionenbeträge<br />

investiert. Hightech-Metallverarbeitung<br />

<strong>und</strong> Handwerksarbeiten<br />

auf höchstem Niveau sorgen für die<br />

erstklassige Qualität der Geräte. Gemäß<br />

dem Markenversprechen „Immer<br />

besser“ ist es unabdingbar, dass die Bleche<br />

vor allem im Sichtbereich sauber<br />

<strong>und</strong> ohne scharfe Kanten oder Spalten<br />

verarbeitet werden. Rechteckige Wrasenschirme<br />

beispielsweise werden zunächst<br />

mehrfach gekantet <strong>und</strong> dann an<br />

den Ecken sauber verschweißt, bevor<br />

die Naht nachgeschliffen wird. Bei einigen<br />

Modellen ist nach wie vor echte<br />

Handarbeit erforderlich - ausgeführt<br />

von Konstruktionsmechanikern, gelernten<br />

Schweißern <strong>und</strong> Metallschleifern.<br />

„Wir beschäftigen eine Reihe<br />

hochqualifizierter Handwerker. Ein gelernter<br />

Metallschleifer benötigt fast ein<br />

Jahr Einarbeitungszeit, um das gesamte<br />

Produktspektrum zu beherrschen. Und<br />

der Bedarf an Fachkräften wächst weiter.<br />

Werkleiter Krüger: „Wir freuen uns<br />

auch im kommenden Jahr auf neue Auszubildende<br />

<strong>und</strong> erfahrene Kräfte.“ ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 45


„Haus der kleinen Forscher“ in Freienohl<br />

Mathe, Deutsch, Robotik – wie schon<br />

Gr<strong>und</strong>schüler das Programmieren lernen<br />

Monika Loerchner<br />

S. Droste<br />

Anna Reinelt <strong>und</strong> die kleinen Forscher<br />

S<br />

ie arbeiten hochkonzentriert <strong>und</strong> zumeist in<br />

Zweierteams. Stecken die Köpfe zusammen, deuten<br />

auf Baupläne oder Programmierbausteine. Diskutieren<br />

Probleme, untereinander oder mit den anderen<br />

Teams. Dann startet die heiße Phase: Der Versuchsaufbau<br />

muss sich in der Praxis beweisen. Spannung liegt in der<br />

Luft. Dann strahlende Gesichter <strong>und</strong> Lachen. Oder Stirnrunzeln<br />

<strong>und</strong> Kopfschütteln: Nein, da müssen wir noch mal<br />

dran! Die Kinder der vierten Klasse von Anna Reinelt an<br />

der Nikolaus-Gr<strong>und</strong>schule am Hauptstandort in Freienohl<br />

bauen <strong>und</strong> programmieren heute Roboter.<br />

Als erste Gr<strong>und</strong>schule im HSK zertifiziert<br />

„Wir wurden 2016 zum ersten Mal als ‚Haus der kleinen Forscher’<br />

ausgezeichnet“, erzählt die Gr<strong>und</strong>schullehrerin. Seitdem<br />

ist die Nikolausschule Freienohl regelmäßig rezertifiziert<br />

46 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


worden. Dafür muss die Schule nachweisen, dass sie die<br />

Kinder regelmäßig in verschiedenen Fächern forschen<br />

lässt. Im Sachunterricht können Bienen ebenso erforscht<br />

werden, wie der Wald, auf den man vom Forscherraum<br />

aus einen herrlichen Ausblick hat. In Sachen Mathematik<br />

soll es bald um das Pascal´sche Dreieck gehen, im Fach<br />

Deutsch kann man viel zum Thema Kommunikation<br />

experimentieren. Heute ist aber erst einmal die Konstruktion<br />

eines eigenen kleinen Roboters dran. Die dazu nötigen Baukästen<br />

kann die Schule dank ihres Zertifikats bei der ZDI- (Anmerk.<br />

d. Red.: = „Zukunft durch Innovation“) Netzwerk Soest<br />

ausleihen.<br />

Kinder wachsen mit anderer Technik auf<br />

„Die Kinder lernen auf diese Art, dass sie<br />

es selbst in der Hand haben, Probleme zu<br />

lösen, Teams zu bilden oder mit anderen<br />

zu kooperieren“ (Anna Reinelt)<br />

Integrationskraft Diana Kraft ist von dem Konzept der kleinen<br />

Forscher ebenfalls begeistert: „Es ist immer schön, wenn der<br />

Unterricht so gestaltet ist, dass die Kinder gar nicht merken,<br />

dass es welcher ist.“ Und es funktioniert. Alle arbeiten emsig<br />

<strong>und</strong> konzentriert getreu dem berühmten Satz des Konfuzius:<br />

„Sagst du es mir, so vergesse ich es. Zeigst du es mir, so behalte<br />

ich es. Lässt du mich es tun, so verstehe ich es.“<br />

„Jede Schule hat ja ihren Schwerpunkt; unserer liegt im MINT-<br />

Bericht, also auf den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften<br />

<strong>und</strong> Technik“, so die Lehrerin. Dank moderner<br />

Technik wie Schüler-Tablets können die Kinder so auch neue<br />

Medien aktiv in ihre Forschung einbauen. „Anders als wir<br />

wachen die Kinder heute mit Smartphones, Laptops <strong>und</strong> Tablets<br />

auf.“ Daher sieht es Anna Reinelt als wichtige Aufgabe<br />

der Schulen an, die Kinder auch im Schulalltag im Umgang<br />

mit den Geräten zu schulen. Die neuste Anschaffung im Forscherraum<br />

ist eine digitale Tafel. Schülerinnen, Schüler <strong>und</strong><br />

Lehrkräfte können diese mit ihren eigenen Tablets verbinden.<br />

„Uns ist wichtig, dass die Kinder selbstständig lernen können.“<br />

Und das kommt bei den Kindern richtig gut an. Egal, ob extrovertiert<br />

oder schüchtern, Junge oder Mädchen: Alle sind mit<br />

Feuereifer dabei. Anna Reinelt lacht. „Ich glaube, ich könnte<br />

jetzt rausgehen <strong>und</strong> die Kinder würden es nicht mal merken.“<br />

So auch Mats <strong>und</strong> Arne. Die beiden Neunjährigen bilden ein<br />

tolles Team, ihr Roboter funktioniert. Ob das jeder lernen<br />

kann? „Na klar!“, sagen die Jungs. Beide sind sportlich aktiv,<br />

wollen Profisportler werden. Oder Polizist oder Sänger oder<br />

Lohnunternehmer. Aber erstmal träumen sie vom nächsten<br />

Forscherprojekt, denn bei dem sind sie sich einig: „Einen Hubschrauber<br />

bauen, das wäre cool!“ ■<br />

Entdeckerfreude<br />

Das Roboter-Projekt steuert auf seinen Höhepunkt zu. Nachdem<br />

die Kinder ihren Roboter mit Hilfe visualisierter Programmierbausteine<br />

zum Rollen gebracht haben, beginnt der eigentliche<br />

Versuch: Mit wieviel Zugladung schafft es der Roboter<br />

noch zu fahren, wann bleibt er stehen? Treffen zwei Maschinen<br />

aufeinander, welche schafft es, die andere zu sich zu ziehen?<br />

Und wieso funktioniert der Sensor auf einmal nicht mehr?<br />

Viel ausprobieren <strong>und</strong> beobachten, aber auch messen, notieren<br />

<strong>und</strong> auswerten ist hier gefragt. Ein echtes Experiment eben.<br />

„Die Kinder lernen auf diese Art, dass sie es selbst in der Hand<br />

haben, Probleme zu lösen, Teams zu bilden oder mit anderen zu<br />

kooperieren. Dass man nicht so schnell aufgeben soll, dass es<br />

immer etwas zu entdecken gibt.“<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 47


Patente für Nachhaltigkeit,<br />

nachhaltige Patente<br />

Christel Zidi<br />

J<br />

edes Unternehmen möchte wachsen, jedes die Nase<br />

ganz weit vorn haben. Neue Technologien sollen<br />

Wettbewerbsvorteile schaffen. Doch die Konkurrenz<br />

schläft nicht. Schon bald ziehen Mitbewerber mit ähnlichen<br />

Technologien nach. Was tun? Ständig neue Technologien<br />

auf den Markt bringen, ist eine Möglichkeit. Aber<br />

bleibt da nicht die Nachhaltigkeit auf der Strecke? Es gibt<br />

nicht wenige Sauerländer Unternehmen, die auf nachhaltige<br />

Produkte setzen, sie zum Patent anmelden – damit äußerst<br />

erfolgreich sind.<br />

Nachhaltigkeit ist eines der Ziele der Weltgemeinschaft. Deshalb<br />

wurde mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS)<br />

beschlossen, dass „der notwendige Strukturwandel für globales<br />

nachhaltiges Produzieren <strong>und</strong> die dafür nutzbar zu machenden<br />

technischen Modernisierungen wirtschaftlich erfolgreich sowie<br />

im deutschen <strong>und</strong> globalen Kontext ökologisch <strong>und</strong> sozial<br />

tragfähig sein sollen“. Schutzrechte können einen erheblichen<br />

Beitrag dazu liefern, Innovationen zu sichern, die Wettbewerbsfähigkeit<br />

steigern. Sie können zum Treiber von Innovation <strong>und</strong><br />

Kreativität werden <strong>und</strong> als Multiplikatoren wirken.<br />

Eine gute Sache, denn oft ist wochen-, monate-, manchmal<br />

auch jahrelanges Forschen nötig, um ein neues Produkt oder<br />

eine Technologie mit Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten.<br />

Um sich dann nicht unnötigem Leistungsdruck auszusetzen,<br />

sich ein größeres Zeitfenster zu verschaffen <strong>und</strong> so den Strukturwandel<br />

zu vollziehen, macht es also Sinn, seine Forschungen<br />

<strong>und</strong> Entwicklungen zu schützen. Mit der Anmeldung von<br />

Patenten <strong>und</strong> Schutzrechten verschafft man sich einen klaren<br />

Zeitvorsprung. Besonders Start-ups können davon profitieren,<br />

teils auch durch Zuschüsse <strong>und</strong> Fördergelder.<br />

Nachhaltige Gemüse Growbags<br />

Einige gestandene Sauerländer Unternehmen sind in Sachen<br />

Nachhaltigkeit <strong>und</strong> Innovation schon ganz weit vor.<br />

Das Westfälische Erdenwerk Kleeschulte aus Rüthen zum Beispiel<br />

hat mit seinen nachhaltigen Gemüse Grow Bags ein Produkt<br />

auf den Markt gebracht, das nicht nur durch Nachhaltigkeit<br />

von sich reden macht, sondern mit dem Gemüsesubstrat<br />

– aus topora® <strong>und</strong> Perlite – auch für höhere Ernteerträge sorgt.<br />

Sogar höhere Erträge (bis zu 20 % ) als mit den üblichen Substraten<br />

auf Steinwoll- oder Kokos-Basis sind möglich. Die Rüthener<br />

haben dazu eine Substratfaser entwickelt, zu der Rohstoffe<br />

aus den heimischen Wäldern verwendet <strong>und</strong> in einem einzigartigen<br />

Verfahren verarbeitet werden. Wie an dem RAL- Zeichen<br />

ersichtlich, haben KLEESCHULTE ERDEN rechtzeitig dafür<br />

gesorgt, dass ihr Verfahren auch gesetzlich geschützt wird. Den<br />

Rüthenern ist es wichtig, „dass Ressourcen nicht überlastet, verschwendet<br />

oder gar vernichtet werden!“. Mit dieser Einstellung<br />

schützen sie nicht nur die Umwelt, sondern haben sich auch<br />

den „Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design“ im Jahre 2020<br />

verdient.<br />

48 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Recycelte Oberschwingungen<br />

Condensator Domininit aus <strong>Brilon</strong> ist nachhaltig in einem völlig<br />

anderen Bereich, <strong>und</strong> zwar innerhalb der Energieversorgung.<br />

Mit dem patentierten Filtersystem SIMΩN® werden nachweislich<br />

gefilterte Oberschwingungen lokal wieder ins Netz gespeist<br />

<strong>und</strong> damit sozusagen recycelt. Mit diesem Filtersystem wird die<br />

Reduktion von Störpegeln innerhalb von elektrischen Energieversorgungsnetzen<br />

erreicht. Besonders dann, wenn eine breitbandige<br />

Filterung über einen weiten Frequenzbereich erforderlich<br />

ist.<br />

Leuchtenkörper aus Maisstärke<br />

Auch Unternehmen der Sauerländer Leuchtenindustrie gehen<br />

mit gutem Beispiel voran: TRILUX ist eine international agierende<br />

Unternehmensgruppe, die schon seit Jahren auf Umwelt,<br />

Energie- <strong>und</strong> Ressourcenschutz setzt. „Nachhaltigkeit beeinflusst<br />

alle Prozesse <strong>und</strong> Entscheidungen zur kontinuierlichen<br />

Verbesserung der Klimabilanz – denn 2025 werden wir in<br />

Deutschland eine klimaneutrale Produktionsstätte haben“, erklärt<br />

Katrin Discher, Nachhaltigkeitsmanagerin bei TRILUX,<br />

TRILUX treibt auch das Thema Forschung <strong>und</strong> Entwicklung<br />

alternativer Materialien kontinuierlich voran, bspw. im Rahmen<br />

einer Studie zur Parelia LED auf Mais-Basis. Der Leuchtenkörper<br />

wird aus Poly-Milchsäure PLA herstellt, die man umweltfre<strong>und</strong>lich<br />

aus Maisstärke gewinnt. Der gewonnene Stoff<br />

zeichnet sich durch eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme <strong>und</strong><br />

Flammbarkeit sowie eine hohe UV-Beständigkeit, Farbechtheit<br />

<strong>und</strong> Biegefestigkeit aus. Außerdem ist er unter industriellen<br />

Kompostierungsbedingungen innerhalb weniger Monate<br />

vollständig zersetzt. Letztlich überzeugt die TRILUX-Leuchte<br />

auch durch ihr Design: „Unser Ziel ist es, die hohen lichttechnischen<br />

<strong>und</strong> ästhetischen Ansprüche an eine Architektur-Lösung<br />

mit einer neuen Nachhaltigkeit zu verbinden. Mit dem Parelia-<br />

PLA-Prototypen setzen wir neue Impulse in Sachen Umweltverträglichkeit<br />

<strong>und</strong> werden unserem Ruf als Innovationstreiber<br />

gerecht“, erklärt Katrin Discher.<br />

Unter den hier kurz vorgestellten Unternehmen sind gleich zwei<br />

Weltmarktführer. Weltmarktführer u. a. auch deshalb, weil<br />

sie ihre Erfindung/Technologie rechtzeitig haben patentieren<br />

lassen. Auch <strong>und</strong> besonders die, bei denen es um das Thema<br />

Nachhaltigkeit geht. ■<br />

ERFINDERGEIST VS. VIREN<br />

Die Corona-Zeit hat auch im Sauerland den einen<br />

oder anderen Produktentwickler auf den Plan gerufen:<br />

Schmelter LED-Technology aus Bestwig hat mit<br />

UVCARE ® ein Produkt auf den Markt gebracht, dass<br />

als Teil effektiver Corona-Schutzsysteme überall dort<br />

sinnvoll ist, wo mehrere Menschen zusammenkommen,<br />

sei es in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen,<br />

Praxen oder Privat. Bei diesem Produkt wird die Viren<br />

zerstörende UVC-Strahlung im Innern gekapselt <strong>und</strong><br />

die Luft dieser vorbeigeführt; die Ansteckungsgefahr<br />

kann durch die flexible Standortwahl, nahe der Aerosolquelle,<br />

minimiert werden. Jochen Schmelter: “Es ist<br />

das einzige mir derzeit bekannte Produkt, das neben<br />

dem Wirksamkeitsnachweis der Forschungsuniversität<br />

der Helmholtz Gemeinschaft (KIT) bei einem extrem<br />

niedrigen Verbrauch ein so hohes Fördervolumen hat<br />

<strong>und</strong> gleichzeitig so leise ist.” Dazu ist UVCARE ® relativ<br />

günstig <strong>und</strong> – mit nur einem Ein-Aus-Schalter - simpel in<br />

der Anwendung. Unter bestimmten Voraussetzungen ist<br />

für Kitas <strong>und</strong> Gr<strong>und</strong>schulen auch eine Förderung von<br />

bis zu 100 % möglich.<br />

Schmelter LED-Technology GmbH<br />

Wiemecker Feld 14 | 59909 Bestwig<br />

Tel: + 49 (2904) 711 600<br />

Fax: <strong>WOLL</strong> + 49 (2904) <strong>Winter</strong> 711 2021 60 - 29 - 49<br />

info@uvcare.de | www.uvcare.de


Anzeige<br />

Mit Hilfe des Transfer-Toiletten-Gurtes<br />

können Rollstuhlfahrer aus dem Sitzen bis<br />

in den Stand aufgerichtet werden<br />

Rehatechnik Heymer GmbH<br />

MOBILITÄT HAT EINEN NAMEN<br />

Rehatechnik Heymer<br />

M<br />

an kann pflegebedürftigen Menschen im Alltag<br />

durch Pflegepersonal helfen. Beiden zu helfen, das<br />

ist möglich durch die Entwicklung <strong>und</strong> Fertigung<br />

entsprechend hochwertiger Produkte. Letzteres hat sich die<br />

Firma Rehatechnik Heymer aus Arnsberg-Bergheim zur Aufgabe<br />

gemacht. Mit Erfolg – denn aus diesen Entwicklungen<br />

gingen im Laufe der Jahre bereits vier europäische Patente <strong>und</strong><br />

20 Gebrauchsmuster hervor.<br />

Als Dipl. Ing. Reinhard Heymer 1988 sein Rehatechnik-<br />

Unternehmen gründete, hatte er genau dieses Ziel vor Augen: die<br />

Entwicklung <strong>und</strong> Fertigung von hochwertigen Produkten, um<br />

Behinderten <strong>und</strong> Pflegenden den Alltag zu erleichtern. Und er<br />

hat schon so einiges auf den Weg gebracht – im wahrsten Sinne<br />

des Wortes. So wurden z. B. Zusatzantriebe für Faltrollstühle<br />

entwickelt: Der „Radun“ als Schiebehilfe zur Unterstützung der<br />

Begleitperson, die den Rollstuhl schiebt. Der „Rasant“ als Zusatzantrieb,<br />

der den manuellen Faltrollstuhl zu einem Elektrorollstuhl<br />

umfunktioniert. Die Vorteile dieser Zusatzantriebe<br />

der Firma Rehatechnik Heymer liegen darin, dass man sie<br />

demontieren <strong>und</strong> im Auto verladen kann. So ist man auch beim<br />

Einkaufen <strong>und</strong> auf Reisen mobil.<br />

Innerhalb geschlossener Räume ist es nicht leicht für gehbehinderte<br />

Menschen, selbst nahgelegene Ziele zu erreichen: zum Bei-<br />

50 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


spiel die Toilette, die Badewanne oder den Ruhesessel. Selbst mit<br />

Hilfe erweist sich das oft als schwierig. Für diesen Transfer hat<br />

Rehatechnik Heymer die passenden Hilfsmittel entwickelt: der<br />

fahrbare Aufricht- <strong>und</strong> Umsetzlifter „StehFix“<br />

<strong>und</strong> den stationären Lifter „KlemmLi“, der<br />

besonders in kleinen <strong>und</strong> engen Badezimmern<br />

sinnvoll zum Einsatz kommt.<br />

Wie gut, dass es Menschen gibt, die sich Gedanken<br />

darum machen, wie die unterschiedlichsten<br />

Probleme gelöst werden können.<br />

Und die – wie eben Rehatechnik Heymer –<br />

auch eine Lösung finden:<br />

Schlaganfallpatienten, die aufgr<strong>und</strong> einer halbseitigen<br />

Lähmung ihre Dusche nicht betreten können, müssten im Normalfall<br />

viel Zeit <strong>und</strong> Geld für den Umbau des Bades investieren.<br />

Mit dem „DuSi“ ist dieser Umbau gar nicht mehr nötig, denn<br />

der verschiebbare Duschsitz auf Schienen wird in die vorhandene<br />

Dusche eingebaut.<br />

Faltrollstuhlfahrer können neben der Treppe direkt auf das<br />

Podest gelangen, wenn sie die akkubetriebene Hubbühne „Hub-<br />

E“ besitzen. Durch die „Hub-E“ können auch größere Geländearbeiten<br />

im Außenbereich vermieden werden.<br />

Heymer entwickelte aus diesem Gr<strong>und</strong> den Treppendeckenlift<br />

„Trio“ . Mit diesem Lift kann der Ein- oder Anbau eines Fahrstuhles<br />

vermieden werden.<br />

Das jüngste europäische Patent der Firma Rehatechnik<br />

Heymer bezieht sich auf einen Transfer-Toiletten-<br />

Gurt TTG, mit dem man Rollstuhlfahrer aus dem<br />

Sitzen bis in den Stand aufrichten kann. So wird<br />

es für den Pflegebedürftigen <strong>und</strong> die Pflegekräfte<br />

wesenlich komfortabler, Kleidungsstücke aus- <strong>und</strong><br />

anzuziehen, da der gesamte Beckenbereich frei<br />

bleibt. Der „TTG“ wird darüber hinaus auch für<br />

den Toilettengang, die Intimpflege, das Windeln<br />

wechseln im Stehen, für Sitzplatzwechsel <strong>und</strong> für Gehübungen<br />

genutzt.<br />

Mit seinen Erfindungen <strong>und</strong> Produkten macht Rehatechnik<br />

Heymer das Leben von Pflegebedürftigen <strong>und</strong> Pflegenden<br />

definitiv ein Stück leichter <strong>und</strong> lebenswerter.<br />

Prospekte <strong>und</strong> Videos unter www.rehatechnik-heymer.de ■<br />

Manch einer hat schon über den Einbau eines Treppenlifts nachgedacht,<br />

um vom Erdgeschoss ins Obergeschoss zu gelangen. Der<br />

Einbau scheitert oft an der Tatsache, dass die Treppe zu steil oder<br />

zu schmal ist. Oder aus Sicherheitsgründen, wenn durch einen<br />

Treppenlift kein Fluchtweg mehr vorhanden ist. Rehatechnik<br />

Rehatechnik Heymer GmbH<br />

Von Siemensstr. 15a<br />

59757 Arnsberg<br />

Tel.: 02932 902 200<br />

info@rehatechnik-heymer.de<br />

www.rehatechnik-heymer.de<br />

Rehatechnik Heymer GmbH aus Arnsberg Bergheim


Prof. Matthias Hermes von der Fachhochschule in Meschede<br />

„Beim Erfinden kommt es darauf an,<br />

kreativ zu sein. Und hartnäckig“<br />

Monika Loerchner<br />

S. Droste<br />

W<br />

er sich mit dem Thema „Technische Patente<br />

aus dem Sauerland“ beschäftigt, kommt an diesem<br />

Mann nicht vorbei: Matthias Hermes ist seit<br />

2013 Professor für Fertigungstechnik <strong>und</strong> Umformtechnik<br />

an der Fachhochschule Südwestfalen, Standort Meschede.<br />

Der Prof. Dr.-Ing. hat bereits ein Dutzend Patente angemeldet.<br />

Für seine innovativen Ideen wurde er zudem mit<br />

zahlreichen Preisen geehrt. Höchste Zeit, dem Professor mal<br />

bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen.<br />

Die Versuchshallen in Sachen Maschinenbau befinden sich<br />

außerhalb der Fachhochschule. „Das hier ist die schmuddelige<br />

Seite der FH“, sagt Professor Hermes <strong>und</strong> lacht. Er<br />

führt uns durch ein wahres Labyrinth aus Gängen, die in<br />

regelmäßigen Abständen von schweren Brandschutztüren<br />

unterbrochen sind. Schließlich erreichen wir den Raum, in<br />

dem der sympathische Dozent seinen Studenten <strong>und</strong> Studentinnen<br />

die Praxis des Ingenieurwesens beibringt.<br />

Erstes Patent bereits als Student<br />

Überhaupt ist ein Praxisbezug für ihn das A <strong>und</strong> O eines Studiums.<br />

„Ich habe nach dem Abitur eine Lehre zum Werkzeugbauer<br />

gemacht, weil ich eben keine Lust mehr auf Theorie hatte“,<br />

erzählt der 44-Jährige. Da ihn die Lehre dann aber doch<br />

nicht ausreichend forderte, schickte ihn sein Meister kurzerhand<br />

noch nebenbei zur Fachhochschule Soest. „Ich habe mir<br />

damals quasi ein eigenes Duales Studium gebastelt.“<br />

Bereits als „HiWi“ (= wissenschaftlicher Mitarbeiter) an der Uni<br />

Dortm<strong>und</strong> reichte er dann gemeinsam mit seinem Professor<br />

sein erstes Patent ein. Die Freude am Entwickeln <strong>und</strong> Tüfteln<br />

hat der zweifache Familienvater bis heute nicht verloren. Auf die<br />

Frage nach einer seiner Erfindungen zeigt er uns ein gebogenes<br />

Blech.<br />

52 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Erfindungen im Zeichen des Umweltschutzes<br />

„Wenn man das so sieht, wirkt es nicht besonders spektakulär“,<br />

sagt Matthias Hermes – <strong>und</strong> erzählt im selben Atemzug von<br />

der großartigen Neuerung, die eben dieses Stück Metall darstellt.<br />

Zwei bis drei Jahre Forschung stecken in dem Blech, das<br />

durch Hermes´ innovatives Verfahren in Sachen Metallfirmung<br />

perfekt in eine Flugzeugturbine passt. Der Professor zeigt uns<br />

eine Zeichnung, die aus Sicherheitsgründen geheim bleiben<br />

muss. „Hier wird das Blech angebracht“, sagt er <strong>und</strong> zeigt auf<br />

einige Teile. Sein Blech wird die Reibung verringern <strong>und</strong> sorgt<br />

so dafür, dass der Luftstrom besser genutzt werden kann. So<br />

zumindest haben wir es verstanden. Im Endeffekt bedeutet das<br />

vor allem: „Eine höhere Effizienz <strong>und</strong> somit weniger Kerosinverbrauch,<br />

weniger Kosten <strong>und</strong> vor allem weniger Umweltverschmutzung.“<br />

Und all das dank eines unscheinbaren Stückes<br />

Metall.<br />

Der Professor zeigt uns ein seine erste Erfindung. Ich rätsele<br />

eine Weile herum, wo es Verwendung finden könnte, <strong>und</strong> liege<br />

erstaunlicherweise richtig - wenn auch einen halben Meter zu<br />

tief: Das Teil ist für ein Auto bestimmt. Auch hier geht es letztendlich<br />

um Sicherheit, aber auch eine leichtere Bauweise <strong>und</strong><br />

somit einen geringeren Energieverbrauch. Umweltschutz also,<br />

direkt vom Entwickler.<br />

In den Maschinenbau-Versuchshallen wird mit Präzision...<br />

... <strong>und</strong> Hochdruck gearbeitet<br />

Gemeinsam mit zwölf Angestellten forscht, schraubt, tüftelt<br />

<strong>und</strong> erfindet Professor Hermes hier Sachen. Dass es dabei nicht<br />

immer ernst zugeht, ist Ehrensache. „Einmal haben wir eine riesige<br />

Rauchtrommel gebaut <strong>und</strong> dann Rauchringel quer durch<br />

den Hörsaal gejagt.“<br />

Schon in seiner Jugend hat Matthias Hermes gern an Zweirädern<br />

gebastelt. Zu seinem 14. Geburtstag bekam er einen<br />

1954er-Traktor geschenkt, einen blauen Eicher mit 16 PS. Der<br />

steht heute noch einsatzbereit in seiner Garage. Sehr zur Freude<br />

seiner Töchter, die einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten<br />

möchten. Der hat nichts dagegen; im Gegenteil wünscht er<br />

sich, dass sich viel mehr Mädchen <strong>und</strong> Frauen für Maschinenbau<br />

begeistern. „Unsere Frauenquote ist wirklich Mist, dabei<br />

sind meine weiblichen Studenten echt gut!“<br />

Direkter Bezug zur Praxis<br />

Zurück zum Erfinden: Wie kommt man überhaupt darauf?<br />

„Oft erhalten wir Forschungsaufträge oder Anfragen von Firmen“,<br />

so der Professor, „da geht es dann auch oft um Problemlösungen.“<br />

Dann macht er sich allein oder mit Kollegen daran,<br />

eine Lösung zu finden. Ein Prozess, der ihm viel Freude bereitet<br />

– <strong>und</strong> oft alles andere als geradlinig ist. Die Spezialität des<br />

Lippstädters ist die Metallumformung. So kann er zum Beispiel<br />

durch spezielle Verfahren Rohren ganz bestimmte Formen geben,<br />

ohne dass diese wie früher zusammengelötet werden müssten.<br />

Das bedeutet, weniger Materialverschleiß, weniger Fehler,<br />

weniger Schwachstellen, weniger Energieverbrauch. Und somit,<br />

wie gehabt, weniger Umweltbelastung. Viele Werkzeuge, die<br />

für den Bau der nötig sind, fertigen der Professor <strong>und</strong> seine<br />

Mitarbeiter übrigens selbst an. Oder zumindest fast: Roboter<br />

„Roby“ ist in der Fertigungskabine im wahren Sinne des Wortes<br />

für die ganz heißen Eisen zuständig. Ständige Zusammenarbeit<br />

mit Kollegen <strong>und</strong> Kolleginnen andere Fachbereiche wie etwa<br />

der Informatik sind ebenfalls an der Tagesordnung.<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 53


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„Wenn man feststellt, dass es so nicht<br />

geht, dann geht es halt irgendwie<br />

anders.“ (Prof. Hermes)<br />

milie<br />

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milie<br />

„Mir kommen ständig irgendwelche Ideen.“ Der Erfinder deutet<br />

auf die Halle voller Maschinen, Geräte, Werkzeuge, Rohre,<br />

Bleche, Schrauben <strong>und</strong> Tische. „Und ich habe das große Privileg,<br />

dass ich hier auch frei forschen kann.“.<br />

Hochgeschwindigkeitshochdruckumformen<br />

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Eine seiner neuen Erfindungen ist eine<br />

Maschine, die Metallrohre innerhalb<br />

einer Millisek<strong>und</strong>e unter<br />

einem Druck von 4.000 Bar<br />

bearbeitet – angetrieben von<br />

Hydraulik. „Da merkt das<br />

Rohr gar nicht, dass es umgeformt<br />

wird!“<br />

®<br />

Demnächst möchte das<br />

Team um Professor Hermes<br />

papierdünne Fahrradrahmen<br />

aus Titan herstellen, die dann ganz<br />

individuell an den Fahrer angepasst werden<br />

können. Das können wir uns zwar nicht so recht vorstellen,<br />

aber sehen möchten wir es natürlich gerne.<br />

Beim Erfinden kommt es darauf an, kreativ zu sein. Und hartnäckig.<br />

Hat der Erfinder dennoch schon mal vor einem Problem<br />

kapituliert? Er schüttelt den Kopf. „Wenn man feststellt,<br />

dass es so nicht geht, dann geht es halt irgendwie anders.“<br />

Geschenktipp 2021: Der Heide Modegutschein!<br />

54 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021<br />

Mode für die ganze<br />

Familie einkaufen <strong>und</strong><br />

direkt bei uns als Geschenk<br />

verpacken lassen.<br />

Eine echte Flugzeugturbine hat die Halle des Professors übrigens<br />

noch nicht gesehen. Die Konstruktionspläne sind aber<br />

so genau, dass sein Blech trotzdem auf den Zehntelmillimeter<br />

passt. „Bei so etwas wie Flugzeugtriebwerken macht jeder<br />

ein kleines Pömpelchen, da bin ich sozusagen nur ein kleines<br />

Rädchen“, sagt der Professor. Und sein Blech ist nur ein Blech.<br />

Doch die Wirkung ist eine ganz, ganz große! ■


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Sammelsurium Sauerländer Geistesblitze<br />

Erfinden – Entwickeln - Patentieren<br />

Christel Zidi<br />

Das Sauerland ist voller Erfinder <strong>und</strong> Erfindungen. Kaum möglich, über alle zu berichten. Manchmal war<br />

es ein Geistesblitz des Erfinders, meist aber das jahrelange Forschen <strong>und</strong> Entwickeln eines Produktes. Eine<br />

kleine Auswahl bedeutender Erfindungen haben wir für Sie zusammengestellt, die Sie – wie auch uns zuvor<br />

– wohl in Erstaunen versetzen wird.<br />

1. Die “Flotte Lotte” aus Eslohe<br />

Spätestens dann, wenn Sie auch Marmeladen<br />

einkochen oder ihrer Mutter<br />

beim Marmeladenkochen zugesehen<br />

haben, wird Ihnen die “Flotte Lotte”<br />

ein Begriff sein. Vielleicht nicht jedem<br />

bekannt ist die Tatsache, dass dieser<br />

Begriff für die Passiermühle eine geschützte<br />

Marke der GEFU Küchenboss<br />

GmbH ist. GEFU, der Küchenwerkzeugspezialist<br />

aus Eslohe, hat diesen<br />

Klassiker schon seit mehr als 65 Jahren<br />

im Programm. Kaum verändert, trotzdem<br />

kontinuierlich optimiert, kommt<br />

die “Flotte Lotte” in drei unterschiedlichen<br />

Varianten auch in modernen<br />

Küchen zum Einsatz. Dann, wenn<br />

Marmeladen, aber auch feine Suppen,<br />

Babybreis, Gelees oder Gemüsepürees<br />

zubereitet werden sollen. Funktional<br />

<strong>und</strong> mit schönem Design – ein Klassiker<br />

eben.<br />

2. Eine Lampe gegen Viren...<br />

… <strong>und</strong> nicht nur gegen die. Denn<br />

UV-C-Strahlung wirkt bekanntermaßen<br />

stark bakterizid. Die kurzwellige<br />

Strahlung macht Mikroorganismen<br />

wie Bakterien, Hefe, Pilze <strong>und</strong> eben<br />

auch Viren im Bruchteil von Sek<strong>und</strong>en<br />

unschädlich. Von der Schmelter<br />

LED-Technology GmbH aus Bestwig<br />

wurde die UVC-Lampe als UVCA-<br />

RE® entwickelt. Die UVCARE® hat<br />

eine spezielle Luftführung, sodass die<br />

Luft im Inneren des Hohlzylinders,<br />

trotz gleichbleibend hohem Fördervolumens,<br />

doppelt so lange verbleibt.<br />

Die UVC-Beleuchtungsstärke <strong>und</strong> Beleuchtungszeit<br />

bewirken nachgewiesen<br />

eine mindestens 96%ige Desinfektion<br />

der Raumluft.<br />

Bei max. 30,5 W Stromverbrauch <strong>und</strong><br />

einem Luftdurchsatz von 135 m³/h sowie<br />

Verzicht auf Chemikalien <strong>und</strong> Filter<br />

wird die UVCARE®midi lt. Herstellerangaben<br />

zu einem, wenn nicht sogar<br />

zu dem effektivsten Gerät auf dem<br />

Markt. Und das auch noch formschön<br />

<strong>und</strong> leise <strong>und</strong> mit dem RedDot Innovations<br />

ausgezeichnet. Außerdem ist das<br />

Produkt komplett recyclingfähig.<br />

3. Geschenk-Gutscheine<br />

über die Webseite<br />

Nicht nur jetzt in der Vorweihnachtszeit<br />

sind Gutscheine ein praktisches<br />

<strong>und</strong> schnell zur Verfügung stehendes<br />

Geschenk. Aber welche Firma hat denn<br />

die Zeit, Gutscheine auf seiner Webseite<br />

einzubinden <strong>und</strong> sich um deren Abwicklung<br />

zu kümmern?<br />

Die Firma FIRMEDIA aus <strong>Willingen</strong><br />

hat deshalb ein eigenes Gutscheinsystem<br />

entwickelt, das die unterschiedlichsten<br />

Unternehmen auf ihrer<br />

Webseite einbinden können. Die Gutscheine<br />

<strong>und</strong> auch Gutschein-Deals<br />

oder Tickets mit festen Terminen können<br />

direkt darüber verkauft werden.<br />

Gut für die Firmen, aber auch gut für<br />

K<strong>und</strong>en, die so eine perfekte Übersicht<br />

aller Anbieter der Region haben.<br />

4. Ein Brauseschlauch aus<br />

Nuttlar<br />

Zahlreiche Patente hat das Familienunternehmen<br />

RAMSPOTT aus Nuttlar<br />

in den über 60 Jahren seines Bestehens<br />

schon auf den Weg gebracht. Derzeit<br />

aktiv <strong>und</strong> im Einsatz sind: vier europäische<br />

Patentanmeldungen, 10 Marken<br />

im In- <strong>und</strong> Ausland, 13 Designschutzrechte<br />

<strong>und</strong> zwei Gebrauchsmuster.<br />

RAMSPOTT geht es immer wieder<br />

um die Verbesserung der Schläuche, sei<br />

es in funktionaler oder optischer Hinsicht.<br />

Zuletzt wurde ein Brauseschlauch<br />

entwickelt, der in der wasserführenden<br />

Schicht PVC-frei ist, gleichzeitig die<br />

Festigkeit <strong>und</strong> alle Vorteile eines herkömmlichen<br />

PVC-Schlauches besitzt.<br />

Die Brauseschläuche aus Kunststoff,<br />

56 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Metall oder anderen Materialien sind<br />

sowohl günstig als auch hochwertig.<br />

RAMSPOTTs Brauseschläuche haben<br />

eben den besonderen Sauerländer Pfiff.<br />

5. Schluss mit dem Kabelgewirr<br />

Waffeln schmecken das ganze Jahr über.<br />

Dass die Handhabe mit dem Waffelautomaten<br />

so gut funktioniert, ist der<br />

Firma CLOER aus Neheim-Bergheim<br />

zu verdanken. Vor genau 40 Jahren<br />

brachte sie den ersten Waffelautomaten<br />

mit Backampel auf den Markt. Das<br />

allein war schon ein Fortschritt, doch<br />

Cloer optimierte den Waffelautomaten<br />

<strong>und</strong> stattete ihn mit einem akustischen<br />

Signal aus, damit auch in der Hektik<br />

des Backens nicht überhört wird, wenn<br />

die nächsten Waffeln fertig sind. Dass<br />

anschließend auch das Aufräumen gut<br />

funktioniert, ist ebenfalls der Firma<br />

CLOER zu verdanken, denn mit der<br />

neuesten patentierten Erfindung wird<br />

dafür gesorgt, dass die Kabelaufwicklung<br />

das Gerät gleichzeitig verriegelt.<br />

Auch für den Cloer-Eierkocher gibt es<br />

die passende Kabelaufwicklung.<br />

6. Sicher unterwegs - mit<br />

SCHROTH-Gurten<br />

Bei der Neheimer Firma SCHROTH<br />

Safety Products dreht sich alles um die<br />

Sicherheit. Hier werden Sicherheitsgurte<br />

entwickelt, die nicht nur in der PKW-<br />

Industrie eingesetzt werden, sondern<br />

auch in der Luftfahrt, beim Rennsport<br />

<strong>und</strong> beim Militär <strong>und</strong> sogar in der<br />

Raumfahrt eingesetzt werden. Mit dem<br />

Patent US 9,821,913 B1 wird der Monument<br />

Mounted Airbag beschrieben,<br />

ein Airbagsystem, das auf Passagiersitzen<br />

in Flugzeugen Anwendung findet:<br />

Moderne Business Class Sitze sind häufig<br />

in einem Winkel zur Flugrichtung<br />

angeordnet. Dadurch besteht im Falle<br />

eines Crashs, z. B. bei Start oder Landung,<br />

die Gefahr, dass der Kopf des<br />

Insassen auf die Sitzstruktur prallt <strong>und</strong><br />

der Passagier verletzt wird. Die Erfindung<br />

der SCHROTH Safety Products<br />

beschreibt einen Airbag, der sich um<br />

die Kontur der Sitzstruktur herumlegt,<br />

den Aufprall des Kopfes abmildert <strong>und</strong><br />

auf diese Weise schwere Verletzungen<br />

verhindert. ■<br />

3.<br />

1. „Flotte Lotte“ von GEFU<br />

2. UVCARE® von Schmelter<br />

4. Brauseschläuche<br />

von Ramspott<br />

5. Cloer-Waffeleisen mit Kabelaufwicklung<br />

6. Airbagsystem von Schroth<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 57


Hasse chehört…?<br />

Anke Kemper<br />

Fine, wat macht denn dein Otto<br />

den Friedel wuschig mit seiner neuesten<br />

„Hömma<br />

Erfindung? Der Friedel is ja janz ausm<br />

Häuschen, woll?“<br />

„Ach, hörmirauf. Ich kannet auch schon nich mehr hören.“<br />

„Ja, wat hat denn der Otto überhaupt erf<strong>und</strong>en?“<br />

„Na, ne Schnappes-Brennmaschine, weißte. Abba dat is<br />

noch cheheim.“<br />

„Wieso dat denn?“<br />

„Na, weil der Otto da nen Patent drauf anmelden will. Abba<br />

dat is ja so teuer, da muss er erst mal unter der Hand so einiges<br />

an Schnappes verkaufen, woll?“<br />

„Is dat denn lejal?“<br />

„Ne, nich so janz. Ich chlaube nur für den Eigengebrauch.<br />

Abba, dat muss der Otto ja auch selber wissen. Da halte ich<br />

mich raus. Weißte noch Lisbett, als ich ma ne Strickmaschine<br />

haben wollte, da hat er doch zu mir jesacht, dat lohnt nich,<br />

mach dat ma weiter mit der Hand, da bleibste fit. Und jetzt<br />

sowat. Typisch Mann.“<br />

„Jau, isso. Abba Schnappes wird doch schon imma chebrannt.<br />

Dat chibt et doch schon seit ein paar h<strong>und</strong>ert Jahren!<br />

Wat will er denn da neuet anmelden?“<br />

„Ich habe es ja auch nich verstanden. Is zuviel technisches<br />

Jedöns. Abba auf jeden Fall kann er den Gärprozess um einen<br />

janzen Tach verkürzen.“<br />

„Haste Töne! Einen janzen Tach bei einer Gärung von mehreren<br />

Wochen? Dat lohnt doch jarnich, wennde noch einen<br />

Tach länger watten musst odda nich! Dat macht doch den<br />

Kohl auch nich fett.“<br />

„Hab ich ihm auch jesacht, abba kennst ja de Mannsleute.<br />

Er is so stolz auf seine Erfindung. Da hat er Monate dran<br />

jetüftelt.“<br />

„Also, wenn er es schafft, aus nem Schlehenschnaps nen<br />

Kirschlikör zu machen, dann is dat reif für ein Patent, abba<br />

sonst…<br />

„Sonst is es janz einfach ne Schnapsidee.“ ■<br />

58 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Das Kapitänspatent<br />

WAS ERFINDEN<br />

DENN KAPITÄNE?<br />

Kapitän George William Manbyn (1766-1854) erfand<br />

einige Geräte zur Seenotrettung. Außerdem war der<br />

Engländer Erfinder des ersten modernen<br />

Feuerlöschers. Errungenschaften, die nicht nur für Seeleute<br />

nützlich sind.<br />

Trotzdem gehört das Erfinden nicht wirklich zu den Aufgaben<br />

eines Kapitäns. Ein Kapitänspatent allerdings muss heutzutage<br />

jeder Kapitän besitzen, der auf größeren Gewässern<br />

<strong>und</strong> mit großen <strong>und</strong> leistungsstarken Schiffen unterwegs sind.<br />

Dieses Patent ist quasi ihr Führerschein.<br />

Mit Erfindungen brachte man Patente im 17. Jahrh<strong>und</strong>ert,<br />

also vor der Einführung des modernen Patentwesens, noch<br />

nicht in Verbindung. Entlehnt wurde das Wort dem französischen<br />

„patente“, was soviel bedeutet wie Gewerbeschein. Die<br />

Franzosen wiederum verkürzten damit das lateinische Wort<br />

„littera patens“, womit die „Urk<strong>und</strong>e über bestimmte Rechte<br />

gemeint war.<br />

Übrigens dürfen die Kapitäne auf Henne-, Möhne- <strong>und</strong> Sorpesee<br />

auch ohne Kapitänspatent unterwegs sein. Zumindest<br />

wenn ihr Motorboot eine Stärke von 15 PS nicht überschreitet.<br />

Das ist auf jeden Fall so bei dem Boot von Carsten Ross.<br />

Der Angler ist oft <strong>und</strong> gern auf dem Möhnesee unterwegs ist.<br />

Hier in Begleitung der fünfjährigen Annie aus Berlin. (c.z.) ■<br />

Fotoquelle: Wirtschafts- <strong>und</strong> Tourismus GmbH Möhnesee<br />

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Zukunft bieten wir eine<br />

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Familienbetrieb seit 70 Jahren<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 59


Der Elleringhauser Franz Josef<br />

Schulte machte eine erstaunliche<br />

Erfindung<br />

KLEINER<br />

SCHALTER MIT<br />

RIESEN-WIRKKRAFT<br />

Sonja Funke<br />

Iris Böning<br />

E<br />

nergie sparen - ein Thema der Jungen? Von wegen.<br />

„Lass nie eine Lampe zu viel brennen!“ Diese goldene<br />

Regel seiner Eltern aus den 50ern hat sich bei<br />

Franz Josef Schulte aus Elleringhausen fest ins Bewusstsein<br />

gebrannt. So sehr, dass er sich Mitte der 90er für einen kleinen<br />

Sparschalter einsetzte, um ganz viel Strom bei Geräten<br />

im Standby-Betrieb zu sparen. Kostenpunkt beim Einbau<br />

für die Hersteller: ca. 50 Cent. Stromersparnis in Europa<br />

pro Jahr: mindestens der jährliche Stromverbrauch ganz<br />

Dänemarks.<br />

Seit Ende 2013, r<strong>und</strong> 15 Jahre nach Schultes erstem Intervenieren,<br />

<strong>und</strong> dank des vehementen Einsatzes des heimischen<br />

Europa-Abgeordneten Dr. Peter Liese, darf kein Gerät mehr auf<br />

den europäischen Markt - auch nicht aus China - das mehr als<br />

0,5 Watt im Standby verbraucht. „Ich kannte einen Olsberger,<br />

dessen Fernseher kam in den 90ern im Standbybetrieb auf stolze<br />

70 Watt Strom“, sagt Schulte. Der Diplom-Ingenieur hatte<br />

selbst bei seinem Fre<strong>und</strong> gemessen. Das ist heute Vergangenheit.<br />

Aber was passiert, wenn heute das kleine rote Lämpchen<br />

am Fernseher leuchtet? „Das Gerät ist aus, der Stromverbrauch<br />

ist nahe Null <strong>und</strong> es leuchtet nur die Standby-LED zur Anzeige,<br />

dass das Funksignal der Fernbedienung erwartet wird“,<br />

erklärt Schulte.<br />

„Allein durch diese Reduzierung kann die Leistung von vier<br />

Atomkraftwerken in Europa eingespart werden“, betonte Dr.<br />

Peter Liese, nachdem die Richtlinie 2013 nach einer Übergangszeit<br />

in Kraft getreten war. Mit der zunehmenden Technisierung<br />

der Gesellschaft wird bis heute vermutlich doppelt so<br />

viel eingespart, schätzt Franz Josef Schulte. Das in seiner Firma<br />

damals „eigentlich als Microcontroller-Übung für einen Ingenieur“<br />

produzierte Gerät, das zwischen Fernseher <strong>und</strong> Steckdose<br />

eingebaut werden sollte, bekam die besten Noten der Stiftung<br />

Warentest. Nur: Es kostete u. a. wegen es aufwändigen Gehäuses<br />

<strong>und</strong> anderer Bestandteile 59 DM. „Geld habe ich mit dem<br />

Gerät keins verdient. Es ging mir um das Ideelle, zu zeigen, wie<br />

einfach diese gewaltige Ersparnis für alle Bürger umzusetzen<br />

ist. Besonders erfreulich ist auch der Wegfall des ewigen Streits<br />

in Familien über die vergessene Abschaltung von Elektrogeräten.“<br />

In fast allen Industriestaaten ist die Standby-Schaltung<br />

heutzutage Pflicht.<br />

60 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Franz Josef Schulte hat sich einer neuen Sache zugewendet,<br />

die er schon seit Jahren verfolgt <strong>und</strong> mit seinen 72 Jahren<br />

noch zu Ende bringen möchte: „Dass mindestens in 30 Prozent<br />

aller Haushalte die Hälfte des Stroms selbst erzeugt<br />

wird <strong>und</strong> das zur richtigen Zeit, so ganz nebenbei.“ Wie? „Es<br />

sind immer einfache Fragen, die man nur stellen <strong>und</strong> beantworten<br />

muss. Die Mehrheit nutzt im Haus eine Heizung, die<br />

mit Pellets, Heizöl oder Gas befeuert wird. Alle haben eine<br />

Flammtemperatur zwischen 1.200 <strong>und</strong> 1.400 Grad Celsius.<br />

In den Gebäuden braucht man allerdings nur etwa 60 Grad<br />

Vorlauftemperatur für die Heizkörper <strong>und</strong> fürs Brauchwasser.“<br />

Die einfache Frage: Kann man diese Temperaturdifferenz<br />

zur Stromerzeugung nutzen? Wie macht man das? Auch<br />

das hat er zusammen mit Partnern inzwischen bis zur Serienreife<br />

entwickelt. Aber das ist eine neue Geschichte. ■<br />

Franz Josef Schulte arbeitet schon an seiner nächsten Erfindung<br />

WO LICHT IST, IST LEBEN<br />

www.trilux.com<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 61


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CONSTAB – Masterbatches & Compo<strong>und</strong>s für<br />

eine nachhaltige Zukunft<br />

CONSTAB Polyolefin Additives GmbH<br />

Das international tätige Rüthener Unternehmen<br />

CONSTAB Polyolefin Additives GmbH, seit<br />

2003 Teil der israelischen KafritGroup, ist nun<br />

genau 50 Jahre einer der Qualitäts- <strong>und</strong> Marktführer im<br />

weltweiten Masterbatches <strong>und</strong> Compo<strong>und</strong>s Geschäft.<br />

Schwerpunkt Nachhaltigkeit<br />

Nachhaltigkeit <strong>und</strong> Kunststoffe – zwei vermeintliche Gegenspieler,<br />

die in der öffentlichen Debatte r<strong>und</strong> um den<br />

Klimawandel, Ocean Littering <strong>und</strong> den Verbrauch fossiler<br />

Rohstoffe immer wieder bemüht werden. Dabei werden oft<br />

die wichtigen Eigenschaften z. B. von Kunststoffverpackungen<br />

zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung<br />

unterschlagen. Das Unternehmen ist sich seiner Verantwortung<br />

gegenüber der Gesellschaft <strong>und</strong> seinem Mitarbeiterteam<br />

dabei absolut bewusst: „CONSTAB bewegt sich in<br />

einer Branche, die im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung<br />

steht, deshalb ist mir eine proaktive Positionierung<br />

der CONSTAB zum Thema Nachhaltigkeit im Markt so<br />

wichtig <strong>und</strong> deshalb gehen wir am Standort fokussiert<br />

diesen Weg“, so Olaf Allekotte, der seit 2016 als Geschäftsführer<br />

die Geschicke des Traditionsbatchers leitet, welcher<br />

mehr als 130 Menschen Arbeit gibt.<br />

CONSTABs Nachhaltigkeitsreise begann schon vor<br />

einigen Jahren, als man durch freiwillige Kompensation<br />

von unvermeidbaren CO2-Emissionen Klimaneutralität<br />

auf Unternehmensebene erreichte. Diesen Weg<br />

gehen die Rüthener konsequent auch in den kommenden<br />

Jahren, ergänzt durch ein vielfältiges Nachhaltigkeitsprogramm,<br />

das am Firmenstandort unter anderem darauf<br />

abzielt, die Gesamtmenge der Emissionen durch Effizienzsteigerungen,<br />

Analysen von Lieferketten <strong>und</strong> Optimierung<br />

der Transportwege zum K<strong>und</strong>en stetig zu<br />

reduzieren, um so auf das EU-Ziel des klimaneutralen<br />

Kontinents einzuzahlen.<br />

62 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Innovative Produktlösungen<br />

Außerdem betont Fabian Schulte, Leiter des Nachhaltigkeitsprojekts,<br />

dass CONSTAB die von den zahlreichen<br />

nationalen wie internationalen K<strong>und</strong>en geschätzte Innovationskraft<br />

des Unternehmens explizit in die Entwicklung<br />

neuer, nachhaltigerer Produktlösungen<br />

investiert. So ist zum Beispiel die<br />

BOPE Produktpalette CON-X zu<br />

nennen, die die Herstellung von<br />

leistungsfähigen Folien aus einem<br />

einzigen Kunststoff, Polyethylen,<br />

ermöglicht <strong>und</strong> somit als sogenannte<br />

Monomateriallösung das Recycling<br />

deutlich erleichtert.<br />

Auch das gemeinsam mit dem Institut für Kunststofftechnik<br />

der Universität Stuttgart entwickelte Produkt<br />

CONSTAB® CON-Batch 30X leistet einen großen<br />

Beitrag zu verbesserten Nachhaltigkeitseigenschaften von<br />

Thermoformfolien, die durch Energie- <strong>und</strong> Materialeinsparung<br />

wesentlich ressourcenschonender produziert<br />

werden können.<br />

CONSTAB als Unterstützer <strong>und</strong> Arbeitgeber in<br />

der Region<br />

Ebenfalls hat die CONSTAB als offizielle Unterstützerin<br />

der Allianz für Entwicklung <strong>und</strong> Klima, einer Initiative des<br />

B<strong>und</strong>esministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />

<strong>und</strong> Entwicklung, das Engagement vor Ort im Blick. So<br />

fördert das Unternehmen nicht nur aktiv den Rüthener<br />

Förderverein Zukunftswald, der sich um die Wiederaufforstung<br />

nach der Borkenkäferplage verdient macht, sondern<br />

auch zahlreiche lokale Vereine <strong>und</strong> Gruppierungen.<br />

Schließlich – <strong>und</strong> dies ist CONSTABs Personalchefin<br />

Christin Korb ganz besonders wichtig – ist das Unternehmen<br />

als familienfre<strong>und</strong>liches Unternehmen im<br />

Kreis Soest stolz auf seine Mitarbeiterinnen <strong>und</strong> Mitarbeiter,<br />

die täglich zum Gelingen beitragen <strong>und</strong> regelmäßig<br />

weitergebildet werden, um fit für die beruflichen<br />

Herausforderungen zu sein. Ges<strong>und</strong>heits- <strong>und</strong> Bike-<br />

Leasing-Angebote sind dabei nur einige der vom<br />

Arbeitgeber angebotenen Benefits.<br />

Interessierte Bewerberinnen <strong>und</strong> Bewerber sind herzlich<br />

eingeladen auf der Karriereseite des Unternehmens zu<br />

stöbern <strong>und</strong> sich bei Christin Korb zu melden. Denn klar<br />

ist für Geschäftsführer Olaf Allekotte, dass „die erfolgreiche<br />

Zukunft des Unternehmens neben innovativen Entwicklungen<br />

<strong>und</strong> einer zielgerichteten Nachhaltigkeitsstrategie<br />

insbesondere auch von einer motivierten <strong>und</strong> leistungsfähigen<br />

Belegschaft abhängt.“ ■<br />

CONSTAB Polyolefin Additives GmbH<br />

Industriestraße Möhnetal 16<br />

59602 Rüthen<br />

www.constab.com<br />

Personalabteilung – Christin Korb - working@constab.com<br />

Marketing – Birgit Plenge – marketing@constab.com<br />

Nachhaltigkeitsmanager – Fabian Schulte – f.schulte@constab.com<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 63


Der Herdringer Ulrich Diehl <strong>und</strong> seine Visionen<br />

ARNSBERGER ERFINDET DIE ERSTE<br />

WAGGONBRÜCKE DEUTSCHLANDS<br />

Gisela Wilms<br />

Tom Linke & privat<br />

Brückenbau inn Heiligenhaus (Kreis Mettmann)<br />

In Juni 2012: „Mit der Waggonbrücke Nr. 1 haben<br />

einem Brief an Ulrich Diehl schrieb der damalige<br />

Bürgermeister der Stadt Heiligenhaus am 1.<br />

Sie das Stadtbild in Heiligenhaus nachhaltig bereichert,<br />

geprägt <strong>und</strong> zugleich eine bleibende Erinnerung an den<br />

einstigen Bahnbetrieb in unser sich wandelnden Stadt geschaffen.“<br />

Wie kam der Herdringer auf die Idee, einen ausrangierten<br />

Eisenbahnwaggon zu einer Fußgänger-Brücke umzufunktionieren?<br />

Den Diplom-Ingenieur treibt seit Jahren der Umweltgedanke<br />

um, lange bevor Fridays-for-Future auf die Straßen<br />

ging. „Ressourcen sind, wie jeder wissen sollte, begrenzt.<br />

Deshalb dürfen funktionsfähige, intakte Dinge nicht einfach<br />

weggeworfen werden. Wir alle sind aufgefordert, uns um die<br />

Wiederverwendbarkeit Gedanken zu machen.“ Nachdem er<br />

urplötzlich, um genauer zu sagen, mitten in einer Nacht, eine<br />

zündende Idee hatte, stand er auf <strong>und</strong> kritzelte Notizen auf ein<br />

Blatt Papier.<br />

In Hüsten saniert<br />

Aus diesen Notizen entstand die erste Waggonbrücke Deutschlands,<br />

die als Fußgänger- <strong>und</strong> Radfahrerbrücke 2009 in Heiligenhaus<br />

in Betrieb genommen wurde. Vorher war der 20<br />

Meter lange <strong>und</strong> 26 Tonnen schwere Güterwagen aus dem<br />

Jahr 1976 in Hüsten saniert worden. Am eigentlichen Waggon<br />

wurde nichts geändert, denn das wäre dem Anspruch von<br />

Ulrich Diehl nicht gerecht geworden. „Viele haben es nicht<br />

verstanden, dass mein Hauptantrieb für dieses Projekt eine<br />

wirtschaftliche Verwendung ausrangierter Waggons war. Sozusagen<br />

Recyling auf hohem Niveau. Alle Originalteile - Räder,<br />

Puffer, Schläuche, Leitungen - wurden verwendet, Zeichen<br />

<strong>und</strong> Beschriftungen an ihrem alten Ort angebracht.“ Hätte<br />

Diehl den Eisenbahnwagen nicht zu neuem Leben erweckt,<br />

wäre er geschreddert <strong>und</strong> eingeschmolzen worden. Rohstoffe<br />

<strong>und</strong> Energie wären verschwendet worden, ganz abgesehen vom<br />

CO2-Ausstoß durch die Arbeiten. Dass mit dieser ersten Waggonbrücke<br />

Deutschlands eine Steigerung der Attraktivität von<br />

Fuß- <strong>und</strong> Radwegen <strong>und</strong> somit ein touristischer Anziehungs-<br />

64 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Ein Prophet gilt nichts im eigenen Land<br />

Ulrich Diehl<br />

punkt geschaffen oder allgemein das Interesse für technisches<br />

Arbeiten geweckt wurde, ist für den Tüftler aus Herdringen<br />

nur ein sek<strong>und</strong>ärer Effekt.<br />

Kein Ding ohne Ing<br />

„Gerne hätte ich auch für meine Heimatstadt Arnsberg eine<br />

solche Überquerung gebaut“, sagte Diehl, „als Verbindung<br />

zwischen Rathaus <strong>und</strong> Bahnhof. Aber das hat leider nicht geklappt.“<br />

In diesem Zusammenhang scheint ein Bibelzitat passend:<br />

„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland.“<br />

Vielleicht fehlte den Entscheidern damals das Geld oder<br />

der Mut. Vielleicht aber auch beides. Nun schmückt sich die<br />

Stadt Heiligenhaus mit der ersten Waggonbrücke Deutschlands,<br />

erf<strong>und</strong>en von dem Arnsberger Ulrich Diehl.<br />

Ideen hat der Herdringer noch reichlich. „An der Wiese am<br />

Ruhrtalradweg könnte ein ausrangierter Speisewagen als gastronomische<br />

Einrichtung umfunktioniert werden Ein weiteres<br />

Modell habe ich für einen Übergang über die Ruhr am Arnsberger<br />

Bahnhof gebaut: Ein beladener Langholzwagen als Gedenkstätte<br />

für Kyrill. Fußgänger <strong>und</strong> vor allem Radfahrer hätten<br />

hier die Möglichkeit, sich das Ausmaß <strong>und</strong> die Folgen des<br />

damaligen Sturmes anschaulich vor Augen zu führen.“ Diehls<br />

Einfallsreichtum beschränkt sich nicht auf neue Verwendungsmöglichkeiten<br />

von Eisenbahnwagen. Er besitzt Patente für den<br />

Umbau von LKW, Schiffen oder Flugzeugen. Ihn reizt es, Gegenstände<br />

einer anderen Nutzung zuzuführen als ursprünglich<br />

gedacht. Wie den Zugwaggon, der nun eine Brücke ist <strong>und</strong><br />

viele Touristen anzieht. Wer weiß, möglicherweise nutzen die<br />

Vertreter unserer Stadt doch irgendwann einmal die Ressourcen<br />

ihres erfindungs reichen Bürgers. ■<br />

„Manchmal liegt der Charme im<br />

Gebrauchten.“ (Ulrich Diehl)<br />

Ulrich Diehl musste sich oft für seine teils ausgefallenen Ideen<br />

belächeln lassen. Seit die Verbindung über die Bahnhofsstraße<br />

in Heiligenhaus (Kreis Mettmann) von vielen bew<strong>und</strong>ert<br />

wird, lächelt niemand mehr über seine Vorstellungen. Mehrere<br />

Fernsehsender berichteten über die Realisierung seiner<br />

kühnen Idee, eine Miniatur steht im Miniatur W<strong>und</strong>erland<br />

Hamburg <strong>und</strong> beim Projekt „Kein Ding ohne Ing“, einer<br />

Kampagne der Inge nieurkammer-Bau NRW, wurde die Waggonbrücke<br />

als Beispiel für Ingenieurkunst ausgewählt. Anfragen<br />

erhielt er aus ganz Deutschland. Die Freude über die<br />

Resonanz ist ihm auch heute noch anzumerken. Seine Vision<br />

wurde Wirklichkeit, ein schier unbeschreibliches Gefühl im<br />

Leben eines Erfinders.<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 65


EMSIGE ERFINDER IM SAUERLAND<br />

Arnsberg hat die meisten Erfinder- <strong>und</strong> Anmeldersitze im HSK, in<br />

Meschede wohnen die meisten freien Erfinder.<br />

Christel Zidi<br />

H<br />

eutzutage hat fast jede größere<br />

Firma eine Abteilung,<br />

die sich mit Forschung <strong>und</strong><br />

Entwicklung beschäftigt. Eine Patentanmeldung<br />

erfolgt in der Regel über<br />

das Unternehmen, das später auch die<br />

Patentrechte besitzt. Freie Erfinder,<br />

sogenannte „Garagentüftler“, die ihre<br />

Erfindung zum Patent anmelden, sind<br />

relativ selten.<br />

Laut den Daten über Patenanmeldungen<br />

aus dem Jahr 2018, die uns das Institut<br />

der Deutschen Wirtschaft zur Verfügung<br />

stellte, gab es 112,2 Patentanmeldungen<br />

mit Erfindersitz im HSK. Aus Arnsberg<br />

stammten mit Abstand die meisten Anmeldungen<br />

(48,4). Dann folgten S<strong>und</strong>ern<br />

(11,5,) <strong>und</strong> <strong>Brilon</strong> (10,6). Anmeldungen<br />

mit dem Anmeldersitz im HSK<br />

gab es insgesamt 92 (Arnsberg 56, <strong>Brilon</strong><br />

10 <strong>und</strong> S<strong>und</strong>ern 8). Dass es sich nicht immer<br />

um ganze Zahlen handelt, liegt daran,<br />

dass z. B. eine Patentanmeldung zwei<br />

Erfinder hat. Der Unterschied zwischen<br />

den 112,2 Patentanmeldungen nach dem<br />

Erfindersitz <strong>und</strong> den 92 Anmeldungen<br />

nach dem Anmeldersitz kommt dadurch<br />

zustande, dass einige Erfinder pendeln<br />

<strong>und</strong> für ein oder mehrere Unternehmen<br />

außerhalb des HSK tätig waren. Von den<br />

92 Anmeldern mit Sitz im HSK, waren<br />

es 12,5 natürliche Personen <strong>und</strong> 79,5<br />

juristische, also Unternehmen, Hochschulen<br />

etc. Hier hatte Meschede mit<br />

vier Personen die Nase vorn, gefolgt von<br />

Arnsberg mit drei <strong>und</strong> <strong>Marsberg</strong> mit<br />

zwei Personen.<br />

Landes- <strong>und</strong> b<strong>und</strong>esweiter<br />

Vergleich<br />

Der B<strong>und</strong>esdurchschnitt der Patentanmeldungen<br />

lag im Jahre 2018 bei 56<br />

Anmeldungen pro 100.000 Einwohner.<br />

Dabei waren es vor allem zwei B<strong>und</strong>esländer,<br />

Bayern <strong>und</strong> Baden-Württemberg,<br />

die mit ihren gut doppelt so hohen Werten<br />

den Durchschnitt nach oben trieben.<br />

In NRW lag die Zahl lt. dem Umfrageinstitut<br />

Statista bei 38 pro 100.000 Einwohner.<br />

Vergleicht man diesen Wert einmal<br />

mit den HSK-Zahlen, so steht das<br />

Sauerland recht gut da. Hier gab es bei<br />

261.591 Einwohnern in 2018 sogar 43<br />

Anmeldungen pro 100.000!<br />

Weniger Garagentüftler,<br />

mehr Forschung in der Kfz-Industrie<br />

Während die Patentanmeldungen einzelner<br />

Erfinder in den letzten Jahren<br />

stark zurückgegangen sind, sieht Oliver<br />

Koppel, Senior Economist für Innovationen<br />

<strong>und</strong> MINT beim Institut der<br />

Deutschen Wirtschaft - <strong>und</strong> geborener<br />

Arnsberger - die Forschungen im Bereich<br />

der Kfz-Industrie – auf ganz Deutschland<br />

bezogen – als Innovationstreiber.<br />

(Quelle: Pressemitteilung Kfz-Industrie:<br />

Innovativ wie nie). ■<br />

Anm. : Patentanmeldungen werden frühestens 18 Monate nach der Einreichung offengelegt werden; die Daten für das Jahr 2019 stehen demnach erst Mitte 2022 bereit.<br />

66 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Impressum<br />

Deine<br />

Gedanken werden Zukunft<br />

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Redaktion:<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Magazin</strong><br />

c/o axo.media west GmbH<br />

<strong>Brilon</strong>er Straße 27<br />

59909 Bestwig<br />

Tel. 02904 711 80-00<br />

Paul Senske (ps)<br />

Christel Zidi (cz)<br />

Hermann-J. Hoffe (hh)<br />

Anke Kemper<br />

Andreas Melliwa<br />

Britta Melgert<br />

Constab Polyolefin Additives GmbH<br />

Gisela Wilms<br />

Helmut Gaida<br />

Manfred Eigner<br />

Miele<br />

Monika Loerchner<br />

Peter P. Neuhaus<br />

Petra Kleine<br />

Raumaustattung Hellermann<br />

Rehatechnik Heymer<br />

Robert Dröge<br />

Robert Hinkel<br />

Sabina Butz<br />

Sonja Funke<br />

Sonja Nürnberger<br />

Christel Zidi<br />

Rainer Zepernick<br />

i-dexe werbung-design GmbH<br />

Catharina Schäfer<br />

Daniel Kaminski<br />

Luca Cramer<br />

Philipp Nolte<br />

Sophie Schmucker<br />

Anke Kemper<br />

Clever Architekten + Ingenieure<br />

Titelfoto:<br />

Illustrationen:<br />

Druck:<br />

Verlag:<br />

Geschäftsführer:<br />

Anzeigenverwaltung:<br />

Constab Polyolefin Additives GmbH<br />

Georg Giannakis<br />

Heimat-, Kultur <strong>und</strong><br />

Geschichtsverein <strong>Willingen</strong><br />

Iris Böning<br />

Jürgen Eckert<br />

Karl Hesse <strong>und</strong><br />

Hiltruper Missionare<br />

Marc Niemeyer<br />

Martin Richter<br />

Miele<br />

Philipp Nolte<br />

Raumaustattung Hellermann<br />

Rehatechnik Heymer<br />

REMBE® GmbH Safety + Control<br />

Robert Hinkel<br />

Sauerländer Botschaft<br />

S. Droste<br />

Sabrinity<br />

Tiger Tec & Tools<br />

Tom Linke<br />

Tourismus <strong>Brilon</strong> Olsberg GmbH<br />

W. Böinghoff<br />

WGB Mainzer GmbH<br />

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ON-Photography<br />

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<strong>Brilon</strong>er Straße 27<br />

59909 Bestwig<br />

Tel. 02904 711 80-00<br />

Dirk Bannenberg<br />

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Dieses Druckprodukt wurde auf FSC-zertifizierten Papier gedruckt <strong>und</strong> stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.<br />

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2021.1<br />

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Preis Jahresabo: Für 4 Ausgaben 18,90 EUR<br />

inkl. MwSt. <strong>und</strong> Versandkosten<br />

Lizenzgeber: <strong>WOLL</strong>-Verlag, Kückelheim 11,<br />

57392 Schmallenberg<br />

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Manuskripte, Fotos <strong>und</strong> Daten übernehmen wir keine<br />

Haftung. Ebenso nicht für Informationen von Herstellern<br />

oder (<strong>und</strong>) von Artikeln, die mit Quellenangaben<br />

gekennzeichnet sind, z.B. V.i.S.d.P. etc. Die mit Namen oder<br />

Initialen gekennzeichneten Artikel geben nicht unbedingt<br />

die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält<br />

sich das Recht zur Kürzung oder Änderung von Artikeln vor.<br />

Urheberrecht: Nachdruck <strong>und</strong>/oder Verbreitung im Internet,<br />

auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung des Verlages<br />

gestattet.<br />

Die nächste Ausgabe<br />

erscheint März 2022<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 67


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Thimm Clever mit seinem Team<br />

Projekt Filltech GmbH Warburg<br />

WIR ENTWICKELN<br />

INDUSTRIEBAU-PROJEKTE –<br />

UND VERBESSERN SIE<br />

Christel Zidi<br />

CLEVER Architekten + Ingenieure/sabrinity<br />

Aufgaben stellen sich immer nach den Bedürfnissen<br />

des K<strong>und</strong>en“, sagt Firmenchef<br />

„Die<br />

Thimm Clever. Bei jedem Projekt ist er mit<br />

vollem Einsatz dabei. Ebenso wie sein Team, das aus Architekten,<br />

Ingenieuren, Bauzeichnern <strong>und</strong> der Büroorganisation<br />

besteht. Das eingespielte Team von CLEVER Architekten +<br />

Ingenieure aus <strong>Marsberg</strong>, das aus sechs Mitarbeitern besteht,<br />

übernimmt bei Bauprojekten die gesamte Konzeption<br />

– von der Ausführungsplanung bis hin zur konsequenten<br />

Bauleitung <strong>und</strong> auf Wunsch auch die schlüsselfertige Erstellung<br />

zum Festpreis. Damit verb<strong>und</strong>enen sind alle Rahmenbedingungen,<br />

insbesondere bauordnungsrechtliche Anforderungen,<br />

aber auch mitunter Umweltschutzrichtlinien.<br />

Wie ein Industriebau-Projekt sich in der Konzeption verändert,<br />

lässt sich zu Beginn nicht immer vorhersagen; viele<br />

Einflussfaktoren müssen unter der Maßgabe der Restriktion<br />

berücksichtigt werden. „Das Ergebnis kann gelegentlich von<br />

dem abweichen, was zu Beginn überlegt wurde - es hat sich<br />

weiterentwickelt. Es hat sich angepasst, verbessert“, erklärt<br />

Thimm Clever. „So gesehen ist der ein oder andere K<strong>und</strong>e<br />

überrascht über das Ergebnis, aber mit dem Verlauf der Entwicklung<br />

des Projektes sehr zufrieden, nicht zuletzt auch<br />

wegen des hohen wirtschaftlichen Interesses.“<br />

Corporate Identity spielt auch im Industriebau eine immer<br />

größere Rolle. Der K<strong>und</strong>e möchte sein Unternehmen,<br />

sein Produkt in der Architektur wiederfinden, um letztlich<br />

dadurch Sachverstand <strong>und</strong> Kompetenz zu demonstrierten.<br />

„Dadurch wird die Architektur, unsere Arbeit immer<br />

68 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


komplexer – aber auch immer spannender“, so Clever, „Produkt<br />

<strong>und</strong> Industrieanlage müssen im Gleichklang sein. Es soll<br />

einfach eine ansprechende <strong>und</strong> ausgewogene Darstellung sein,<br />

damit sich die Firma mit dem Gebäude genau so präsentiert,<br />

wie sie sich sieht.“<br />

Das Büro bietet das gesamte Leistungsspektrum an <strong>und</strong> für<br />

jede Leistung den passenden Mitarbeiter. Thimm Clever sieht<br />

die Umsetzung der gestellten Aufgaben als Mannschaftssport:<br />

„Alle Beteiligten haben ihren Anteil daran <strong>und</strong> es ist keiner<br />

auszuklammern oder hervorzuheben. Viele Verschneidungen<br />

gibt es zu Behörden, Fachplanern <strong>und</strong> Gewerken. Ungefähr<br />

50 Menschen lassen ein solches Projekt entstehen. Die<br />

externen Firmen zählen dabei mit zum Team: begleitende<br />

Ingenieure, Fachingenieure für Heizungstechnik, Klimatechnik,<br />

für Elektro, Statik, Prüfstatik etc.– sie alle sind Bestandteil<br />

der Mannschaft. „Jeder im Team kennt seine Aufgabe,<br />

die Ziele <strong>und</strong> Termine. Jeder bringt seinen Teil der Leistung.“<br />

Auch wenn CLEVER Architekten + Ingenieure im Raum<br />

<strong>Marsberg</strong> in den vergangen 45 Jahren mehr als 300 private<br />

Objekte fertiggestellt hat, liegt der Fokus des Büros nach wie<br />

vor im Industriebau. Hier geht es um Aufgabenstellungen,<br />

die auch unter marktwirtschaftlichen <strong>und</strong> betriebswirtschaftlichen<br />

Aspekten umgesetzt werden müssen. „Unsere Schwerpunkte<br />

sind nicht nur die vorausschauende Planung <strong>und</strong> Umsetzung<br />

des Bauwerks, sondern auch die Projektsteuerung <strong>und</strong><br />

das Planungsmanagement, wie z. B. die Übernahme der permanenten<br />

Kosten- <strong>und</strong> Terminkontrolle“, so Thimm Clever,<br />

der sowohl Architektur als auch Wirtschaftsingenieurwesen<br />

studiert hat.<br />

Mit klaren Einstellungen <strong>und</strong> der passenden Umsetzung sind<br />

die CLEVER Architekten + Ingenieure schon seit fast fünf<br />

Jahrzehnten erfolgreich: „Über jedes Projekt lassen wir eine<br />

individuelle hohe Detailtreue <strong>und</strong> Detailplanung laufen. Man<br />

definiert sich ausschließlich über die Qualität des gesamten<br />

Projektes“, betont Thimm Clever. „Ob wir da besser sind als<br />

viele andere? Ja, denke ich schon.“ ■<br />

Projekt Kunststoff-Technik Kuhn, Büroerweiterung II<br />

Projekt Ritzenhoff AG, Showroom<br />

Projekt ALDI Nord, Baunatal<br />

Clever Architekten + Ingenieure<br />

Gansauweg 118<br />

34431 <strong>Marsberg</strong><br />

Tel.: 02992 8481<br />

https://clever-architekten.de/


In <strong>Brilon</strong> flogen früher Skispringer durch die Lüfte<br />

IM STURZFLUG DEN<br />

POPPENBERG HINUNTER<br />

Sonja Nürnberger<br />

S. Droste<br />

Die Skischanze im Jahre 1953<br />

70 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Der <strong>Winter</strong>sport<br />

gehört ungefähr<br />

genauso zum<br />

Sauerland wie seine<br />

1000 Berge. Denkt man<br />

an Skispringen sieht<br />

man direkt die Schanzen<br />

in <strong>Winter</strong>berg oder<br />

<strong>Willingen</strong> vor sich. Dass<br />

in früheren Zeiten aber<br />

auch in <strong>Brilon</strong> Menschen<br />

auf Skiern durch die Luft<br />

flogen, daran erinnern sich nur<br />

noch Wenige.<br />

Das Skilaufen nahm vermutlich 1889 seinen<br />

Anfang im Sauerland, zunächst nur als Langlauf <strong>und</strong> zur<br />

reinen Fortbewegung, dann kamen das Alpine Skilaufen<br />

<strong>und</strong> das Skispringen hinzu. Eine Vorreiterrolle hatte dabei<br />

wohl <strong>Winter</strong>berg, das prädestiniert für den <strong>Winter</strong>sport war.<br />

Aber auch in <strong>Brilon</strong> tat sich etwas: 1910 wurde gemeinsam<br />

mit dem Skiclub <strong>Willingen</strong> auch der Skiclub <strong>Brilon</strong> gegründet.<br />

Immer mehr Sportler zog es damals zum Hellhohl, dessen<br />

Gelände beste Voraussetzungen zum Skispringen bot.<br />

Nachdem zunächst zwei Naturschanzen genutzt wurden, erbaute<br />

der Skiclub im Jahr 1933 eine richtige Sprungschanze.<br />

Um gleichzeitig etwas für den Tourismus zu tun, wurde ein<br />

Aussichtsturm gebaut, auf dessen halber Höhe der Anlauf<br />

für die Skispringer montiert wurde. Die besten Springer<br />

aus der Umgebung <strong>und</strong> sogar finnische Studierende, die im<br />

Sauerland zu Gast waren, ließen es sich nicht nehmen, die<br />

Schanze zu testen.<br />

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Turm jedoch<br />

baufällig <strong>und</strong> wurde nicht wieder aufgebaut. Erst mit der<br />

Errichtung eines vereinseigenen Skiliftes Anfang der 60er<br />

Jahre wurde ein dritter Schanzenneubau geplant. Das Skispringen<br />

erlebte noch einmal einen Aufschwung. Seit dreißig<br />

Jahren liegt die Schanze jedoch brach – nicht zuletzt<br />

aufgr<strong>und</strong> des sich verändernden Klimas.<br />

Eine Holzskulptur namens Severin<br />

Hildegard Schneider erinnert sich noch gut an die letzte Skischanze,<br />

von der heute nur noch ein paar Überreste zu sehen<br />

sind. Die geborene <strong>Brilon</strong>erin<br />

half als kleines<br />

Mädchen beim Aufbau:<br />

„Obwohl ich früher<br />

selbst nie springen<br />

durfte, weil ich ein<br />

Mädchen war, habe<br />

ich auch noch immer<br />

eine Verbindung zu<br />

dieser Schanze.“ Heute<br />

geht sie regelmäßig auf<br />

dem Poppenberg joggen<br />

<strong>und</strong> nicht nur einmal wurde<br />

sie darauf angesprochen, was es<br />

denn mit den verfallenen Mauerresten<br />

auf sich hat. „Ich fand, dass, hier Aufklärung<br />

nötig war <strong>und</strong> so kam ich auf die Idee, eine<br />

Skulptur aufstellen zu lassen, die an die Vergangenheit dieses<br />

Ortes erinnern sollte.“ Im Namen des Skiclubs bemühte sie<br />

sich um Fördergelder aus einem LEADER-Projekt, bekam<br />

diese <strong>und</strong> beauftragte den Züschener Bildhauer Georg Steden,<br />

der Holzskulpturen herstellte. Es sollte ein hockender<br />

Skispringer nach kurz vor dem Absprung werden, damit der<br />

ursprüngliche Zweck der Anlage leicht erkennbar war. Das<br />

Ganze nacheinem Entwurf von Gerd Schlecking. Gleichzeitig<br />

war er eine schöne Ergänzung für den Landschaftstherapeutischen<br />

Weg, der seit 2016 durch das Tal führt.<br />

Der Severin<br />

vom Poppenberg<br />

„Severin“, so taufte Hildegard Schneider den Skispringer im<br />

roten <strong>und</strong> blauen Skianzug <strong>und</strong> besuchte ihn von nun an regelmäßig<br />

auf ihren Touren. Doch an Pfingsten dieses Jahres<br />

machte sie eine traurige Entdeckung: Die Skulptur war Opfer<br />

von Vandalismus geworden <strong>und</strong> teilweise zerstört. „Ich<br />

streichelte Severin über den Kopf <strong>und</strong> versprach, alles zu<br />

tun, um ihm zu helfen.“ Der Künstler kam noch am selben<br />

Tag vorbei <strong>und</strong> schaute sich den unglücklichen Skispringer<br />

an. Nach einigen Reparaturarbeiten <strong>und</strong> einem neuen Anstrich<br />

steht „Severin“ nun wieder an Ort <strong>und</strong> Stelle <strong>und</strong> freut<br />

sich über viele fre<strong>und</strong>liche Besucher. ■<br />

Altes Foto: Willi Kampf / Lizenzinhaber: SteveK, CC BY-<br />

SA 4.0 , via Wikimedia Commons<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 71


DAS<br />

VERSUNKENE<br />

SCHLOSS (WILLINGEN)<br />

Zwischen Usseln <strong>und</strong> <strong>Willingen</strong>, in Brocken Bruche auf einem Hügel,<br />

da hat vor alten Zeiten ein Schloss gestanden. Die Leute, die darin<br />

wohnten, sind so reich gewesen, dass die Pferde goldene Ketten <strong>und</strong><br />

goldene Hufeisen hatten. Da sie aber den Armen nichts gaben, so ist das<br />

Schloss in einen Brunnen versunken, so tief, man mit einem Heubaume nicht<br />

auf den Gr<strong>und</strong> kommen kann. Noch jetzt hört man mitunter dort Hähne<br />

krähen. ■<br />

Aus: Volksüberlieferungen aus dem Fürstenthum Waldeck von Louis<br />

Friedrich Christian Curtze<br />

72 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Der Buiterling<br />

GENDERN<br />

IM SAUER-<br />

LAND<br />

Sabina Butz<br />

Anke Kemper<br />

Ein Buiterling bezeichnet im Sauerland einen Zugezogenen,<br />

jemand, der nicht aus dem Ort stammt, wobei die<br />

Entfernung überhaupt keine Rolle spielt, das können<br />

ein paar oder h<strong>und</strong>erte Kilometer sein. Gendergerecht müsste<br />

ein weiblicher Buiterling vielleicht Buiterlingine heißen? Den<br />

Ausdruck gibt es aber im Sauerland nicht, <strong>und</strong> das scheint auch<br />

offensichtlich niemanden zu stören. Während alle Welt sich lautstark<br />

<strong>und</strong> nicht immer auf Anhieb verständlich um Gendergerechtigkeit<br />

bemüht, fragt man sich doch, was es mit dem Gendern<br />

im HSK auf sich hat?<br />

Der Sauerländer an sich ist für „klare Kante“, also<br />

kurz, knapp, präzise, keine sprachlichen Schnörkel<br />

<strong>und</strong> Verrenkungen. Der Buiterling ist ja nun auch<br />

nicht unbedingt ein Kosewort. Deshalb sollen die<br />

Frauen doch zufrieden sein, dass sie nicht auch noch<br />

extra „diskriminiert“ werden. Dasselbe gilt auch für<br />

den Verbrecher, den Mörder, den Kidnapper <strong>und</strong> den<br />

Erpresser. Wenn die Männer da gender-zickig wären,<br />

würden die Frauen sich noch w<strong>und</strong>ern.<br />

Auch wenn der Duden Gästin legalisiert hat, gebraucht es<br />

hier kaum jemand. Das hängt aber nicht mit der Ablehnung<br />

gendergerechter Sprache, sondern eher mit der Wortkargheit<br />

oder dem zur Bequemlichkeit neigenden Pragmatismus der<br />

Sauerländerinnen <strong>und</strong> Sauerländer zusammen.<br />

Ganz abgelehnt werden die vermeintlich feminisierten Adjektive:<br />

Fre<strong>und</strong>lich muss nicht durch fre<strong>und</strong>inlich gendergerecht<br />

ergänzt werden. Bei manchen Substantiven, wie z.B. Benutzerhandbuch<br />

soll es sogar Frauen geben, die ein solches Buch<br />

mit sieben Siegeln gern den Männern überlassen. Für Meschede<br />

könnte man jedoch vielleicht eine gendergerechtere Kneipenbenennung<br />

ins Auge fassen: Kotthoffs Theodora oder Zur<br />

schwarzen Petra klingen doch auch richtig gut, wobei wir die<br />

schwarze Petra vielleicht vorsichtshalber als farbenfrohe Petra<br />

bezeichnen sollten, um nicht gleich in das nächste Fettnäpfchen<br />

zu treten? ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 73


Die Ortsnamen der Gemeinde <strong>Diemelsee</strong><br />

Bis Ende des 7. Jahrh<strong>und</strong>erts war in der Region der<br />

heutigen Gemeinde <strong>Diemelsee</strong> der Sachsenstamm<br />

der Engern ansässig. Wie es zur Entwicklung der<br />

Ortsnamen kam, ist meist nicht mehr festzustellen.<br />

Dies konnten wir für Sie herausfinden:<br />

Christel Zidi<br />

Adorf<br />

Erstmals erwähnt 1120. Orte, die mit dem Bindewort<br />

a, ahe, aha gebildet werden, liegen an einem<br />

Fluss oder Gewässer. Bei Adorf ist es die Rhene.<br />

Benkhausen<br />

1072 erstmals erwähnt als Beigenchusun. Namensdeutung:<br />

Siedlung, in der die Leute des Beo wohnen.<br />

Deisfeld<br />

Der alte Name disfelde wurde 1302 erstmals<br />

erwähnt. Lt. Etymyologen könnte der Ortsname als<br />

„tiefes Feld“ gedeutet werden<br />

Flechtdorf<br />

Ersterwähnung 826 als fliathorpe. Der Ortsname kommt<br />

von Flat oder Fleet, womit ein feuchter Talgr<strong>und</strong> bezeichnet<br />

wird.<br />

Giebringhausen<br />

Erstmals 1168 erwähnt als Gevardinchusen.


Heringhausen<br />

1043 wird “Herdinghusen” erwähnt<br />

Ottlar<br />

Rhenegge*<br />

Aus dem Begriff Reney entstand Rhenegge. Auf der ältesten<br />

Fahne der Schützengesellschaft aus dem Jahre 1726 findet<br />

sich noch der Name RENEY. Die niederdeutsche Bezeichnung<br />

„ney“ bedeutet „neu“. Die Herleitung vom Ausdruck<br />

„Egge“ (= langgestreckte Hügelkämme bzw. Bergrücken)<br />

scheint wenig wahrscheinlich. Der Bachname Rhene soll<br />

keltischen Ursprungs sein.<br />

1281 erstmals als Otterlare erwähnt<br />

Schweinsbühl<br />

Scanesbuele zu Anfang des 11. Jahrh<strong>und</strong>erts so erwähnt.<br />

Stormbruch<br />

Sturibrock, in (1052)<br />

Sudeck<br />

Zum ersten Mal 1141 genannt unter dem Namen Sudwich<br />

Vasbeck<br />

Wirmighausen<br />

Erstmals 1101 wurde der Ort als Winemarinchus erwähnt, in<br />

den Regesten des Kölner Erzbischofs 1194 als Wynnemarinkusen.<br />

Vermutliche Deutung: “Bei den Häusern des Wennemar”.<br />

Eine frühe Ortsbezeichnung war Wennemaringhusen,<br />

eventuell nach dem Gründer Wennemar benannt.<br />

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung<br />

(1108) von Vasbeck erfolgte unter dem Namen<br />

Fassenbike<br />

Foto: Jürgen Eckert | Am Gipfelkreuz Muffert<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 75


<strong>Brilon</strong>er Seniorinnen bringen das Parkett zum Beben<br />

“Der Körper bleibt<br />

geschmeidig, der Kopf<br />

hat eine Menge zu tun”<br />

Sonja Nürnberger<br />

S. Droste<br />

Direkt an der Altenbürener Straße liegt die AWO<br />

<strong>Brilon</strong>. Geradeaus durch die Tür, den Flur hinunter,<br />

da hört man sie schon: ein fröhliches<br />

Stimmengewirr, das Klappern von Kaffeetassen auf Untersetzern.<br />

An den Tischen sitzen zwölf ältere Damen, unterhalten<br />

sich angeregt, lachen <strong>und</strong> stimmen sich langsam auf<br />

ihr Training ein. Denn gleich wird getanzt.<br />

„Die alten Zeiten vorübergleiten<br />

Da draußen wogt die Nacht<br />

Und immer wieder sing’n wir die Lieder<br />

Die uns so froh gemacht.“<br />

Die Stimme von Heino <strong>und</strong> fröhliches Pfeifen tönen durch den<br />

kleinen Saal. „Vor Hände, rück Hände, vorwärts gehen <strong>und</strong><br />

rechts – <strong>und</strong> drehen. Eins, zwei, drei, vier – vor Hände, rück<br />

76 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Hände …“, Monika Gründer gibt im Rhythmus zur Musik Anweisungen.<br />

„Ich mache das jetzt bald seit zehn Jahren, dabei bin<br />

ich aber schon seit 16 Jahren“, erzählt sie. „Ich habe immer gerne<br />

mit meinem Mann getanzt <strong>und</strong> als das nicht mehr ging, habe<br />

ich mich diesem Tanzkreis angeschlossen. Der wurde bereits<br />

vor 35 Jahren hier in der AWO gegründet.“ Jeden Donnerstag<br />

treffen sich die zwölf Frauen zum Tanzen – <strong>und</strong> anschließend<br />

zu Kaffee, Kuchen <strong>und</strong> Plaudereien. „Alles seniorengerecht“,<br />

sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Männer machen leider<br />

keine mit – die trauen sich nicht.“<br />

Getanzt wird nach vorgegeben Choreografien oder sie denken<br />

sich selber welche aus. Zunächst langsam, Schritt für Schritt,<br />

bis die Reihenfolge <strong>und</strong> die Übergänge sitzen. Dann kommt die<br />

Musik dazu. Immer mal wieder verliert jemand den Takt, ver-<br />

„Wenn wir hier sind <strong>und</strong> zusammen<br />

tanzen dann sind wir noch<br />

einmal richtig jung.“<br />

Die flotten Tänzerinnen aus <strong>Brilon</strong><br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 77


gisst doch einen Tanzschritt, aber das ist nicht schlimm. Weiter<br />

geht’s <strong>und</strong> in der nächsten R<strong>und</strong>e läuft es schon viel flüssiger.<br />

“Der Körper bleibt geschmeidig,<br />

der Kopf hat eine Menge zu tun”<br />

„Wir tanzen eigentlich alles: Walzer, manchmal auch Tango<br />

oder Kreistänze. Auch eine Art Line Dance, das nennt sich bei<br />

uns Blocktanz, weil der eigentliche Line Dance für uns etwas zu<br />

schnell ist.“ Monika Gründer ist mit 72 Jahren die Jüngste, die<br />

älteste Teilnehmerin kann 87 Jahre vorweisen. Ein stolzes Alter.<br />

Aber Tanzen hält ja auch fit. „Es hält uns jung. Nicht nur der<br />

unserer Zeit. Wenn wir hier sind <strong>und</strong> zusammen tanzen, dann<br />

sind wir noch einmal richtig jung.“<br />

Ein neues Lied beginnt, neue Tanzschritte. Ein Walzer. Monika<br />

Gründer ist jetzt wieder voll in ihrem Element. „Und: Eins,<br />

zwei – durchfassen, vor – wenden, rück – wenden, vier Schritte<br />

gehen <strong>und</strong> – vier Schritte drehen!“ ■<br />

Körper bleibt geschmeidig, auch der Kopf hat eine Menge zu<br />

tun, denn die Tanzschritte wollen eingeprägt <strong>und</strong> koordiniert<br />

werden“, bestätigt die Seniorin. „Es ist wichtig im Alter beides<br />

zu trainieren – Körper <strong>und</strong> Geist.“ Tanzen sorgt für ein höheres<br />

Konzentrationsvermögen, trainiert das Langzeitgedächtnis <strong>und</strong><br />

reduziert Stress. Wer tanzt, tanzt sich ges<strong>und</strong> <strong>und</strong> glücklich.<br />

Sogar gemeinsam aufgetreten sind die Frauen schon <strong>und</strong> einmal<br />

im Jahr fahren die Tänzerinnen auch als Gruppe in den<br />

Urlaub. „Wir haben Spaß zusammen <strong>und</strong> machen das Beste aus<br />

78 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


ALTER<br />

NEU<br />

JAHRS<br />

BRAUCH<br />

Rezept Plattenkuchen:<br />

Zutaten für den Teig:<br />

220 ml Milch<br />

1 Würfel Hefe<br />

Ca. 500 g Mehl<br />

100 g Zucker<br />

1 P. Vanillezucker<br />

80 g weiche Butter<br />

1 Becher Crème fraîche<br />

1 Ei (Gr. M)<br />

1 Prise Salz<br />

Zutaten für die Streusel:<br />

150 g kalte Butter in kleinen Stückchen<br />

150 g Zucker<br />

300 g Mehl<br />

Mark einer Vanilleschote <strong>und</strong>/oder 1 TL Zimt<br />

eine Prise Salz<br />

In<br />

der Neujahrsnacht macht<br />

der Nachtwächter die R<strong>und</strong>e<br />

durch das ganze Dorf<br />

<strong>und</strong> bläst <strong>und</strong> singt jedem Hause das<br />

Neujahr an nebst den entsprechenden<br />

Wünschen <strong>und</strong> holt sich am Nachmittage<br />

darauf sein Trinkgeld, wobei er<br />

außerdem so reichlich mit Waffel –<br />

<strong>und</strong> Plattenkuchen bedacht wird, das<br />

er schließlich damit in den Taschen<br />

<strong>und</strong> auf der Brust unter dem Rock<br />

förmlich ausgepolstert ist.<br />

(Aus „Das Sauerland <strong>und</strong> seine Bewohner“<br />

von F. W. Grimme)<br />

Zubereitung:<br />

Milch in einem Topf erwärmen (max.<br />

40 Grad). In eine Schüssel geben, den<br />

Hefewürfel hinein bröseln, einen EL<br />

Zucker dazu, verrühren.<br />

500 g Mehl in eine große Rührschüssel<br />

geben, in die Mitte eine Vertiefung machen,<br />

Hefemilch hineingießen, etwas<br />

Mehl darüber. Die Schüssel mit einem<br />

Tuch abdecken <strong>und</strong> ruhen lassen, bis<br />

die Hefe leicht aufgegangen ist. Dann<br />

Vanillezucker, Butterwürfel, das Ei sowie<br />

eine Prise Salz dazu geben. So lange<br />

kneten, bis ein elastischer Teig entsteht,<br />

der sich leicht vom Schüsselrand löst.<br />

Evtl. Mehl zugeben.<br />

Anschließend den Teig auf einer<br />

mit Mehl bestreuten Unterlage<br />

durchkneten, zur Kugel formen.<br />

In eine Schüssel geben,<br />

Frischhaltefolie <strong>und</strong><br />

Geschirrtuch darauf<br />

legen <strong>und</strong> solange<br />

ruhen lassen, bis<br />

sich das Volumen<br />

verdoppelt hat<br />

(ca. 1,5 St<strong>und</strong>en).<br />

Den Teil noch<br />

einmal leicht<br />

du rc h k neten,<br />

dann auf einem<br />

eingefetteten oder<br />

mit Backpapier ausgelegten Backblech<br />

ausrollen. Noch einmal 30 Minuten<br />

gehen lassen.<br />

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen.<br />

In dieser Zeit die Streusel zubereiten:<br />

Butterstückchen mit Mehl, Zucker,<br />

Salz <strong>und</strong> Vanilleschote bzw. Zimt verkneten.<br />

Mit den Händen zu Streuseln<br />

formen. Nicht zu lange kneten, damit<br />

die Butter nicht schmilzt.<br />

Crème Fraîche glattrühren <strong>und</strong> vorsichtig<br />

auf dem Hefeteig verstreichen. Dann<br />

die Streusel darauf verteilen. 30 Minuten<br />

backen, bis die Streusel eine goldene<br />

Farbe haben. ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 79


EIN STERN LÄSST<br />

DAS DORFLEBEN<br />

LEUCHTEN<br />

TuS Petersborn-Gudenhagen<br />

gewinnt Preis für Hilfsprojekt<br />

Andreas Melliwa<br />

sabrinity<br />

Andreas Droß mit der Auszeichnung<br />

Die Coronakrise hat die Menschen wieder mehr<br />

zusammengeführt – klingt nach einem Satz aus der<br />

Küchentisch-Philosophie, hat aber in <strong>Brilon</strong>-Gudenhagen/Petersborn<br />

tatsächlich funktioniert. Als vor eineinhalb<br />

Jahren der Komplett-Lockdown das Alltagsleben auch hier<br />

drastisch runterfuhr, gingen einige Bewohner von Petersborn<br />

<strong>und</strong> Gudenhagen mit dem Hilfsprojekt „Gemeinsam sind wir<br />

stark – volle Pulle für das Dorf“ an den Start. Federführend<br />

waren der Sportverein TuS Petersborn/Gudenhagen <strong>und</strong> sein<br />

Vorsitzender Andreas Droß. Für sein Engagement hat der Verein<br />

nun auf Kreisebene den dritten Platz bei der Aktion „Sterne<br />

des Sports“ belegt – ein Wettbewerb des Deutschen Olympischen<br />

Sportb<strong>und</strong>s mit der Volksbank Sauerland.<br />

„Mit dem Lockdown waren viele aus dem Dorf plötzlich wie<br />

ausgeschlossen,“ erzählt der 1. Vorsitzende des TuS Petersborn-<br />

Gudenhagen, Andreas Droß, „wir haben uns dann spontan<br />

überlegt, wie wir all denen helfen können, die jetzt völlig allein<br />

sind oder sich nicht mehr selbst versorgen können.“ Einkaufen,<br />

Fahrten zum Arzt oder zur Apotheke war für einige<br />

Petersborner <strong>und</strong> Gudenhagener so gut wie unmöglich geworden.<br />

Andreas Droß trommelte zusammen mit dem Ortsvorsteher<br />

Wolfgang Diekmann die Vertreter der Vereine <strong>und</strong><br />

weitere freiwillige Helfer zusammen, schon bald entstand eine<br />

„Helfer-WhatsApp-Gruppe“ mit r<strong>und</strong> 40 Mitgliedern. Diese<br />

Führungscrew konnte dann im Laufe der Zeit auf einen immer<br />

größeren Pool von freiwilligen Helfern zurückgreifen, die<br />

mit der bestehenden Dorf-WhatsApp angefunkt wurden, wenn<br />

Hilfe benötigt wurde.<br />

Hilfe von Haus zu Haus funktioniert<br />

Als es losgehen konnte, war Andreas Droß aber trotzdem überrascht<br />

– weil viele der erwarteten Hilferufe ausblieben. An der<br />

Werbetrommel konnte es nicht liegen, die hatten sie kräftig gerührt.<br />

Klar ging’s einmal über Facebook <strong>und</strong> Instagram, aber<br />

auch per Wurfsendung in jeden Haushalt <strong>und</strong> per Plakate an<br />

den markanten Stellen des Ortes ging die Info rum.<br />

80 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


„Im Nachhinein ist das ja ein gutes Zeichen“, meint Andreas<br />

Droß, „zeigt es doch, dass es bei uns noch direkte Nachbarschaftshilfe<br />

gibt <strong>und</strong> auch in vielen Häusern noch mehrere Generationen<br />

unter einem Dach leben. Die haben die Hilfe ganz<br />

selbstverständlich unter sich organisiert, ohne uns.“ Trotzdem<br />

blieb noch genügend Arbeit übrig. „Das Entscheidende war<br />

doch, dass wir über die Aktion „Volle Pulle für das Dorf“ wieder<br />

mehr zueinander gef<strong>und</strong>en haben!“ sagt Christian Rasche,<br />

Kassierer beim TuS Petersborn-Gudenhagen <strong>und</strong> ist trotzdem<br />

mehr als zufrieden.<br />

Werbung für die Vereine vor Ort<br />

Die spontane Coronahilfe vor Ort lag Andreas Droß zweifellos<br />

am Herzen, aber er wollte auch für seinen Sportverein, den TuS<br />

Petersborn-Gudenhagen werben. „Da bin ich ganz ehrlich,“<br />

sagt er mit einem leichten Grinsen, „wir haben zwar knapp 350<br />

Mitglieder, neben der Fussball-Abteilung auch eine richtig erfolgreiche<br />

Tischtennisabteilung, aber es könnte sich mehr bewegen.<br />

„Dabei bieten wir <strong>und</strong> die übrigen Vereine vor Ort so viel<br />

mehr, was über das reine Vereinsleben hinausgeht!“ sagt Andreas<br />

Droß <strong>und</strong> macht auch Werbung für den Heimat-<strong>und</strong><br />

Schützenverein, den Bürgerwaldverein, die Caritas <strong>und</strong> die<br />

KfD (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands), die sich<br />

ebenfalls in Petersborn-Gudenhagen engagieren.<br />

Neue Pläne für die ev. Kirche <strong>und</strong> Gemeindezentrum<br />

Dem Schwung <strong>und</strong> Elan der Corona-Hilfsaktion „Gemeinsam<br />

sind wir stark – volle Pulle für das Dorf“ wollen die Petersborner<br />

<strong>und</strong> Gudenhagener nun eine längerfristige Perspektive<br />

geben. Der dritte Platz bei der b<strong>und</strong>esweiten Aktion „Sterne<br />

des Sports“ ist da das perfekte F<strong>und</strong>ament. Damit die Dorfgemeinschaft<br />

noch enger zusammenwächst, soll in der Ortsmitte<br />

ein sozialer Treffpunkt entstehen. Als Dreh-<strong>und</strong> Angelpunkt<br />

bietet sich die evangelische Kirche an. Es war bekannt, dass die<br />

Kirche aus wirtschaftlichen Gründen entweder verkauft oder<br />

sogar abgerissen werden sollte.<br />

Das kam für die Bewohner des Ortes aber nicht in Frage. Es<br />

sollte dort etwas Gutes <strong>und</strong> Neues entstehen. Als buchstäblicher<br />

Segen hat sich dabei die Unterstützung durch die evangelische<br />

Kirche herausgestellt. Moderiert von der Regionalpfarrerin Kathrin<br />

Koppe-Bäumer wird jetzt ein alternatives Nutzungskonzept<br />

für die Kirche samt Gemeindezentrum „Albert Schweitzer“<br />

erarbeitet.<br />

Da sind spannende Ideen dabei: so könnte der Kirchenbereich,<br />

in dem jetzt noch die Bankreihen stehen, durch Glaswände abgetrennt<br />

werden. Leergeräumt würde so Platz für verschiedenste<br />

Veranstaltungen entstehen. Der Raum drumrum böte sich<br />

dann zum Beispiel für Kunstausstellungen an. Oder als einfaches<br />

Hostel für Wanderer oder Biker. Neben der Kirche ist auch<br />

Ortsansicht Gudenhagen-Petersborn<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 81


„Wir haben über „Volle Pulle für das<br />

Dorf “ wieder mehr zueinander<br />

gef<strong>und</strong>en“ (Christian Rasche)<br />

ein kompletter Neubau für betreutes Wohnen oder als speziell<br />

konzipierter Wohnraum für Alleinerziehende im Gespräch. Im<br />

Gemeindezentrum „Albert Schweitzer“ soll Gastronomie einziehen,<br />

zum Beispiel eine Gaststätte oder Dorfcafé.<br />

Die evangelische Kirche<br />

Nun müssen nur noch die geeigneten Investoren gef<strong>und</strong>en<br />

werden, Anfragen hat es schon gegeben. All das können einzelne<br />

Bürger oder ein einzelner Verein nicht stemmen. „Unser<br />

Ziel ist ein Dorfverein, in den alle eintreten können, die sich<br />

für Peterborn/Gudenhagen engagieren möchten, wie <strong>und</strong> in<br />

welcher Form auch immer,“ wirft Andreas Droß einen Blick<br />

in die Zukunft. Außerdem nimmt Petersborn-Gudenhagen<br />

am geförderten LEADER-Pilot-Projekt „Wir sind Digital-<br />

Dorf“ teil. Sie sind auf einem langem Weg, geführt von einem<br />

guten Stern… ■<br />

Es wird fleißig gebaut in Gudenhagen-Petersborn<br />

82 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Anzeige<br />

EIN ATTRAKTIVER ARBEITSPLATZ<br />

FÜR AZUBIS<br />

Paul Senske<br />

Philipp Nolte<br />

Das Unternehmen Paul Witteler GmbH & Co. KG<br />

mit den Mercedes-Standorten <strong>Brilon</strong>, <strong>Winter</strong>berg,<br />

Frankenberg ist ein renommiertes, in der Region<br />

fest verankertes Autohaus, Mitglied der <strong>Brilon</strong>er „Big Six“<br />

<strong>und</strong> legt großen Wert auf die Ausbildung seiner künftigen<br />

Mitarbeiterinnen <strong>und</strong> Mitarbeiter. „Die Ausbildung spielt<br />

bei uns eine enorm wichtige Rolle“, sagt Thomas Skoczylas,<br />

der Koordinator Ausbildung im Unternehmen. „Azubis zu<br />

finden, wird allerdings immer schwieriger, das ist offensichtlich<br />

ein generelles Problem in den handwerklich-technischen<br />

Berufen. Einige Azubis haben uns zudem nach dem Abschluss<br />

ihrer Ausbildung verlassen, um sich weiterzubilden.“<br />

Auch das Interesse möglicher Praktikanten sei spürbar geringer<br />

geworden, so Skoczylas. „Ein Praktikum bietet eine gute<br />

Gelegenheit, den Beruf kennen- <strong>und</strong> schätzen zu lernen.<br />

zehn Azubis in der PKW- <strong>und</strong> LKW-Werkstatt. Am Standort<br />

<strong>Winter</strong>berg ist ein „wissbegieriger“ Azubi aus der Volksrepublik<br />

China beschäftigt.<br />

Große Probleme hat Witteler Auszubildende für die Lackiererei<br />

zu finden. Derzeit lernt dort nur ein Auszubildender. „Das ist<br />

natürlich viel zu wenig“, betont Friedhelm Fehst, der Leiter der<br />

Lackiererei <strong>und</strong> für die Ausbildung zuständig. „Dabei bietet die<br />

Lackiererei ein attraktives, umfangreiches <strong>und</strong> anspruchsvolles<br />

Arbeitsfeld.“ Unfallgeschädigte Teile der Oberfläche des Fahrzeugs<br />

wieder so herzustellen, wie sie vorher war, ist die zentrale<br />

Aufgabe dieser Werkstatt. „Vorbereitende <strong>und</strong> begleitende Arbeiten<br />

wie Gr<strong>und</strong>ieren, Spachteln, Schleifen, Farbtöne mischen sowie<br />

Abdecken bzw. Abkleben r<strong>und</strong>en das Tätigkeitsfeld ab.“ ■<br />

Vor dem Hintergr<strong>und</strong> der „zukunftsträchtigen technischen Umbruchphase“<br />

der Automobilbranche ist der Bedarf an künftigen<br />

Mechatronikern für PKWs <strong>und</strong> Nutzfahrzeuge (LKWs) groß<br />

<strong>und</strong> bietet sichere Arbeitsplätze bei Witteler mit seinen derzeit<br />

ARRIERE<br />

r<strong>und</strong> 150 Beschäftigten <strong>und</strong> seinem „guten Arbeitsklima“. Zudem<br />

- so Skoczylas - gehen mittelfristig fünf erfahrene Mitarbeiter<br />

in den Ruhestand. „Auszubildende haben an unseren Standorten<br />

glänzenden Perspektiven.“ Derzeit lernen <strong>und</strong> arbeiten jeweils<br />

N BRILON<br />

Paul Witteler GmbH & Co KG. | Möhnestraße 54 | D-59929 <strong>Brilon</strong><br />

Telefon: 0 29 61 / 74 04 - 0 | Telefax: 0 29 61 / 50 37 - 8 | info@witteler-automobile.de<br />

ttttttttttttttttttttttttt<br />

Hier geht’s zum Video:


Weihnachtsdecken –<br />

aus Waldecker Spinnstuben<br />

In der Spinnstube<br />

Christel Zidi<br />

W<br />

as wäre das Weihnachtsessen ohne festlich<br />

geschmückte Tafel? Selbst Tischdecken-Muffel<br />

müssen lobend anerkennen, dass der Anblick<br />

von Omas Damasttischdecke – frisch gestärkt <strong>und</strong> gemangelt<br />

– die feierliche Stimmung zusätzlich hebt. Wo das<br />

gute Stück vor langer Zeit gefertigt wurde, lässt sich jetzt<br />

kaum noch feststellen? Vielleicht war es sogar an einem der<br />

Webstühle in der alten Grafschaft Waldeck ...<br />

Ein bronzener Leinenhändler steht an der Waldecker Straße<br />

in <strong>Willingen</strong>. Er erinnert an die Zeit, als der Leinenhandel<br />

noch die Haupteinnahmequelle des Ortes war. Hans-Herbert<br />

Kesper, Vorsitzender des Heimat- Kultur- <strong>und</strong> Geschichtsvereins<br />

<strong>Willingen</strong> kennt sich in der Heimatgeschichte bestens aus<br />

<strong>und</strong> weiß, „dass es die Wanderhändler in <strong>Willingen</strong> schon im<br />

Mittelalter gab. Man hat mit Eisen gehandelt. In der Epoche<br />

‚Hammer- <strong>und</strong> Hüttenwesen’ hat man schmiedbares Eisen erzeugt<br />

<strong>und</strong> das Roheisen wurde nach außen verkauft. Nach<br />

dem Erliegen des Hammer- <strong>und</strong> Hüttenwesens wurde der<br />

Wanderhandel - <strong>und</strong> zwar speziell der Leinenhandel (Linnenkerle)<br />

- für 100 Jahre der absolute Schwerpunkt, die Einnahmequelle.<br />

Zunächst waren es gesponnene Wollwaren, später<br />

<strong>und</strong> dann aber fast nur noch Leinenhandel.”<br />

Heimat-, Kultur <strong>und</strong> Geschichtsverein <strong>Willingen</strong><br />

Reine Frauenarbeit<br />

Das Leinen wurde aus Flachs gewonnen, der im Sauerland<br />

<strong>und</strong> im Waldecker besonders gut gedieh. Bis aus Flachs aber<br />

Stoff entstand, war viel Arbeit, Mühe <strong>und</strong> das Wissen um die<br />

richtige Verarbeitung nötig. Mit der Hand wurden die Flachspflanzen<br />

samt Wurzeln aus dem Boden gezogen, später die getrockneten<br />

Stengel für den “Gärvorgang” auf dem Feld ausgebreitet<br />

<strong>und</strong> bis zu vier Wochen lang alle zwei Tage gewendet.<br />

Erst wenn der Pflanzenleim gelöst, die Holz- <strong>und</strong> Rindenteile<br />

mürbe waren, konnten die Fasern vom Stroh getrennt werden.<br />

Dazu wurde das Flachsstroh mit einem Schlegel gebrochen<br />

<strong>und</strong> später gehechelt, also durch ein kammartiges, landwirtschaftliches<br />

Gerät gezogen. So aufbereitet kamen die Flachsfasern<br />

zu den Spinnerinnen, die aus den einzelnen Fasern<br />

Fäden spannen. Von der Aussaat des Flachs bis zum Weben<br />

lagen diese zeitaufwändigen Arbeiten fast ausschließlich in<br />

der Hand der Frauen.<br />

Aus dem Leinen wurden Tücher, Bettwäsche <strong>und</strong> Kleidung<br />

gefertigt. Manchmal wurde nicht nur einfaches Leinen, sondern<br />

auch besonders schönes. In <strong>Diemelsee</strong>-Benkhausen z. B.<br />

fertigte man früher “Tirtelei”: grobes, dicht gewebtes Material<br />

84 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Schwalefelder Frauen beim Flachsbrechen <strong>und</strong> -hämmern<br />

mit schönem Glanz: der Waldecker Damast. Es gab ihn auch<br />

mit Bildwerk, also eingewebten Pflanzen, Tieren <strong>und</strong> Ornamenten.<br />

Für die Niedersfelder war der Flachsanbau bis 1929 ein wichtiger<br />

Erwerbszweig. Auch in Meschede-Eversberg <strong>und</strong> Sichtigvor<br />

bei Warstein waren die Leinenweber noch lange aktiv,<br />

bis ins späte 19. Jahrh<strong>und</strong>ert hinein.<br />

Dann aber verdrängten andere Stoffe wie die Baumwolle das<br />

Leinen fast vollständig. Heute wird aus dem anspruchslosen<br />

Flachs vor allem Leinsamenöl <strong>und</strong> Leinsamen gewonnen, von<br />

besonders ernährungsbewussten Menschen vor allem wegen<br />

seiner ges<strong>und</strong>en Omega-3-Fettsäure geschätzt.<br />

Die Flachspflanze ist aber nicht nur sehr nützlich,<br />

sondern bietet mit ihren w<strong>und</strong>erschönen,<br />

blauen Blüten auch<br />

einen herrlichen Anblick.<br />

Nicht nur im <strong>Winter</strong>berger<br />

Raum, sondern auch<br />

im Waldeck´schen gab<br />

es viele Wanderhändler<br />

wie diesen Linnenhändler.<br />

■<br />

Quelle:<br />

Jubiläumsfestschrift<br />

925 Jahre<br />

Benkhausen<br />

Waldecker Linnenhändler<br />

Kein Flachs: Sportgeräte aus Flachs<br />

Erst in der jüngeren Zeit entdeckt man den Flachs als Rohstoff<br />

in der Textilverarbeitung zurück. Außerdem - kein Flachs –<br />

findet Flachs auch in der Autoindustrie Verwendung, denn er<br />

ist die beliebteste Zugabe für Naturverb<strong>und</strong>stoffe. Flachs ist<br />

sehr reißfest <strong>und</strong> leichter als Glasfasern. Zusammen mit Polymeren,<br />

entstehen dann auch z. B. hochwertige Helme <strong>und</strong><br />

Sportgerät aus der alten Nutzpflanze.<br />

Der Ausdruck “Mach keinen Flachs” geht<br />

wohl darauf zurück, dass die Frauen sich bei<br />

der anstrengenden <strong>und</strong> eintönigen Arbeit<br />

gern mal unterhielten, auch mal ein paar<br />

Scherze oder Späße machten.<br />

Tolle Geschenke im WortReich!<br />

Kalender - Bücher - Bildbände - Spiele<br />

Schönes für Ihr Zuhause!<br />

Meschede<br />

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Tel: 0291 908 35 53<br />

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Ab dem 2. Dezember auch in<br />

<strong>Winter</strong>berg, Neue Mitte!<br />

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Wie wäre es mit einem Gutschein?<br />

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Wir freuen uns auf Sie!<br />

Ihr WortReich-Team<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 85


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WOHLFÜHLOASE<br />

IN WEHRSTAPEL<br />

Ihr neues Badezimmer aus der Wohnraumgalerie<br />

Britta Melgert<br />

Philipp Nolte<br />

F<br />

ür viele Eigenheim-Besitzer steht beim Thema<br />

Renovierung der Wunsch nach einem komfortableren,<br />

zeitgemäßen Badezimmer an vorderer Stelle.<br />

Ein ansprechendes Ambiente <strong>und</strong> hochwertige, aufeinander<br />

abgestimmte Badprodukte – der Traum vieler Sauerländer.<br />

Jetzt wird die Umsetzung dieses Traums leichter,<br />

denn in Meschede-Wehrstapel eröffnete kürzlich die<br />

Wohnraumgalerie.<br />

„Mit unseren neuen Ausstellungsräumen wollten wir etwas<br />

ganz Besonderes schaffen“, erzählt Daniel Hauke, Inhaber<br />

der Wohnraumgalerie. „Inzwischen sind alle Pläne umgesetzt<br />

worden <strong>und</strong> wir können voller Freude <strong>und</strong> Stolz die Türen für<br />

unsere K<strong>und</strong>en öffnen. Mit viel Sorgfalt, Sachverstand <strong>und</strong><br />

Liebe zum Detail haben wir ein Potpourri an Bad- <strong>und</strong> Bodenprodukten<br />

erstellt, um aus unseren guten Ideen realitätsnahe<br />

Vorstellungen in den Köpfen der Bauherren zu machen.“<br />

Neue Ideen bekommen durch 3D-Visualisierung<br />

„Richtig“, ergänzt Mitarbeiterin Claudia Fokkens. „Bei uns<br />

kann man nicht nur die neuesten Trends ansehen <strong>und</strong> die<br />

schönen Materialien befühlen, sondern sich auch von uns die<br />

verschiedenen Produkte ins eigene Badezimmer visualisieren<br />

lassen - natürlich in 3D. Es ist durchaus interessant, zu sehen,<br />

wie beispielsweise diese modernen Graffiti-Fliesen in Ihren<br />

Räumen wirken würden. Wer es lieber klassisch marmoriert<br />

oder einfarbig im Bad mag, wird überrascht sein, wie cool<br />

dazu eine Eyecatcher-Fliese als besonderer Akzent aussehen<br />

kann. Man kann so viele tolle Sachen machen!“<br />

Großraumfliesen – modern <strong>und</strong> beeindruckend<br />

Claudia Fokkens, die Bauwesen mit der Fachrichtung Einrichtungsberatung<br />

studiert hat, zeigt uns aber auch stolz die<br />

große Vielfalt der angesagten Großraumfliesen. „Die haben<br />

Maße von bis zu 270 x 120 cm <strong>und</strong> wirken allein schon aufgr<strong>und</strong><br />

ihrer Dimension beeindruckend“, erklärt sie. „Natürlich<br />

sind unsere Mitarbeiter gut geschult für die Herausforderungen,<br />

die bei der Verlegung beachtet werden müssen.<br />

Wir bieten sowohl den kompletten Handwerker-Service an<br />

als auch den reinen Produktverkauf. Und sogar wer lediglich<br />

86 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


„Man kann so viele<br />

tolle Sachen machen“<br />

einen besonderen Fliesenkleber oder speziellen Fugen-Mörtel<br />

sucht, wird bei uns fündig.“<br />

Marie oder Carmen? Der Geschmack entscheidet!<br />

Während wir noch die verschiedenen Musterwände bestaunen,<br />

stehen wir plötzlich vor einladenden Badewannen. „Legen<br />

Sie sich ruhig mal hinein <strong>und</strong> erleben Sie die Gemütlichkeit“,<br />

rät die Beraterin <strong>und</strong> zeigt auf das moderne, freistehende<br />

Modell ‚Carmen‘. Doch vielleicht lockt uns die etwas altmodische<br />

Optik der Wanne ‚Marie‘ mit ihren Löwenfüßen <strong>und</strong><br />

historisch anmutenden, wenngleich technisch hochmodernen<br />

Armaturen noch etwas mehr? Eine Frage des Geschmacks!<br />

Hölzer aus dem Sauerland für natürliche Böden<br />

Auf eine langjährige Erfahrung blickt man bei Hauke auch<br />

auf das Angebot <strong>und</strong> den Einbau von Holzböden, nicht nur<br />

für Bäder, zurück. „Hier bei uns gibt es die besonderen Holzdielen<br />

<strong>und</strong> Parkett; meist direkt aus dem Sauerland“, informiert<br />

uns Daniel Hauke über die naturnahe Alternative zur<br />

Einrichtungsberaterin<br />

Claudia Fokkens<br />

Bodenfliese im Badezimmer. „Wer Wert auf gute Qualität<br />

<strong>und</strong> heimische Hölzer legt, ist bei uns immer richtig!“<br />

Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann besuchen Sie die neue<br />

Ausstellung der Wohnraumgalerie in Meschede-Wehrstapel –<br />

oder informieren Sie sich gern vorab auf unserer Homepage ■<br />

Wohnraumgalerie<br />

Am Bahnhof 1<br />

59872 Meschede-Wehrstapel<br />

Telefon: 0291-95289-161<br />

Mail: info@wohnraumgalerie.de<br />

Web: www.wohnraumgalerie.de<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 87


Heiraten<br />

im Sauerland<br />

Am Tag deiner Hochzeit im Sauerland soll alles perfekt sein.<br />

Bei der Organisation einer Hochzeitsfeier solltest du allerdings<br />

einiges beachten. Du weißt nicht so recht, wo du bei der<br />

Hochzeitsplanung anfangen sollt? Wir haben die wichtigsten<br />

Punkte auf einen Blick für dich zusammengefasst:<br />

Vom Programm vor der Hochzeit über die Planung des großen<br />

Tages selbst bis hin zu Tipps für die Flitterwochen <strong>und</strong> Gastgeschenken<br />

nach der Hochzeit.<br />

Das Programm vor der Hochzeit <br />

Viele Paare stimmen sich bereits vor der Hochzeit auf ihren<br />

großen Tag ein. Doch auch Junggesellenabschied <strong>und</strong> Polterabend<br />

wollen gut organisiert sein.<br />

Junggesellenabschied <br />

Miete eine schicke Limousine, reserviere Plätze in einem angesagten<br />

Lokal oder lasse witzige T-Shirts für deinen Junggesellenabschied<br />

bedrucken. Feiere vor deiner Hochzeit noch<br />

einmal so richtig mit den besten Fre<strong>und</strong>en oder Fre<strong>und</strong>innen<br />

- ganz gemütlich, ausgelassen, einen ganzen Tag oder ein<br />

Wochenende lang.<br />

Der Polterabend <br />

Vor deiner Hochzeit soll ausgiebig gepoltert werden? Wie auch<br />

für die eigentliche Hochzeitsfeier ist eine passende Location<br />

für den Polterabend von Bedeutung: Ist sie zu groß, kommt<br />

nur schwer Stimmung auf <strong>und</strong> die Feier verläuft sich. Auch<br />

Platzmangel kann unangenehm sein <strong>und</strong> die Laune drücken.<br />

Mit professionell gestalteten Einladungskarten schürst<br />

du die Vorfreude deiner Hochzeitsgäste <strong>und</strong> erhältst<br />

rechtzeitig die nötige Rückmeldung.<br />

Tipp:<br />

Erfrage früh genug die Gästezahl sowohl für den<br />

Polterabend als auch die Hochzeitsfeier. Damit vermeidest<br />

du schlechte Stimmung oder Platzmangel!<br />

Der schönste Tag<br />

deines Lebens<br />

Hochzeit planen <strong>und</strong><br />

unbeschwert feiern<br />

88 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Hochzeitsfeier richtig planen <br />

Für den schönsten Tag deines Lebens bieten dir Veranstalter,<br />

Geschäfte, Friseure <strong>und</strong> Dienstleister im Sauerland<br />

zahlreiche Möglichkeiten.<br />

Von Hochzeitskleid <strong>und</strong> Mode für den Bräutigam über<br />

ausgezeichnete Hochzeitslocations mit professionellem<br />

Catering <strong>und</strong> ausreichend Tanzfläche bis hin zu DJs,<br />

Musikbands sowie Animateuren zum Anheizen der<br />

Stimmung. Auch Floristen, Dekorateure, Juweliere,<br />

Konditoren, Hochzeitsfotografen <strong>und</strong> Friseure stehen<br />

dir mit tatkräftiger Unterstützung zur Seite, um deine<br />

Hochzeit im Sauerland in ein ganz besonderes Erlebnis<br />

zu verwandeln. Für die Fahrt zur Hochzeitslocation<br />

nach der Trauung mietest du dir ein schickes Auto oder<br />

eine Kutsche. Auch die Organisation eines Fahrdienstes<br />

für deine Gäste ist möglich.<br />

Kleinigkeiten mit großer Wirkung <br />

Du freust dich, endlich mit den liebsten Menschen dein<br />

Glück zu feiern <strong>und</strong> bist dankbar, dass sie Teil deines<br />

großen Tages sind. Viele Brautpaare entscheiden sich<br />

für kleine Gastgeschenke, um dieser Wertschätz ung<br />

Ausdruck zu verleihen – gerne auch personalisiert.<br />

Denn ohne Gäste wäre deine Hochzeit nur halb so aufregend,<br />

halb so lustig <strong>und</strong> halb so schön. Dabei musst<br />

du dich für die kleinen Aufmerksamkeiten nicht in Unkosten<br />

stürzen. Wie wäre es mit Kleinigkeiten direkt aus dem<br />

Sauerland? Säckchen gefüllt mit Bonbons aus der Region,<br />

Fläschchen mit heimischen Likören oder kleine Holzscheiben<br />

beschriftet mit dem Namen des jeweiligen Gastes: Mit<br />

liebevollen Überraschungen fühlt sich jeder Gast auf deiner<br />

Hochzeitsfeier im Sauerland willkommen.<br />

Unsere Tipps<br />

Denk daran, den Termin der Trauung rechtzeitig mit<br />

dem Standesamt oder der Kirche festzumachen!<br />

Beginne zeitnah mit den Tanzst<strong>und</strong>en für deinen<br />

Hochzeitstanz.<br />

Kümmere dich rechtzeitig um einen Hochzeitsfotografen,<br />

um den schönsten Tag deines Lebens in Bildern<br />

festzuhalten.<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 89


Nach der Hochzeitsfeier <br />

Auch die Zeit nach deiner Hochzeit solltest du im Voraus<br />

planen. Wie <strong>und</strong> wo verbringst du mit deinem<br />

Ehepartner die Flitterwochen? Es muss ja nicht<br />

gleich die Karibik sein - auch das Sauerland hält<br />

viele tolle Optionen bereit. Lass dich von Kopf<br />

bis Fuß in einem der zahlreichen Luxushotels verwöhnen,<br />

spann in einem kleinen Wellnessurlaub<br />

aus oder genieße die idyllische Natur des Sauerlandes.<br />

Du möchtest deinen Gästen gerne noch<br />

einmal für die gelungene Hochzeitsfeier danken?<br />

Liebevoll gefertigte Danksagungen mit<br />

professionellen Fotos von der Hochzeitsfeier<br />

halten den Liebsten diesen Tag<br />

noch lange in Erinnerung.<br />

Svenja <strong>und</strong> Jens Figge vor Kloster Flechtdorf,<br />

Fotos: sabrinity<br />

Außergewöhnliche Hochzeitslocations<br />

im Sauerland <br />

Egal ob du in 300 Meter Tiefe oder bei einer frischen Brise<br />

auf einem See heiraten möchtest – das Sauerland macht's<br />

möglich! In unserer schönen Heimat gibt es vielfältige<br />

Möglichkeiten, um sich an außergewöhnlichen Orten das<br />

Ja-Wort zu geben.<br />

HOCHZEITSFOTOS<br />

AFTERWEDDINGSHOOTINGS<br />

TRASH YOUR DRESS<br />

EROTISCHE FOTOGRAFIE<br />

FAMILIENFOTOS<br />

BUSINESS-SHOOTINGS<br />

Deine Lieblingsfotografin aus <strong>Brilon</strong>


Behalte während der gesamten Organisation deiner<br />

Hochzeit stets dein gesetztes Budget im Blick, um böse<br />

Überraschungen zu vermeiden <strong>und</strong> unbeschwert in die<br />

Flitterwochen starten zu können.<br />

. .<br />

Die schonsten<br />

Hochzeitslocations im Sauerland<br />

Haus Delecke Möhnesee<br />

Kahler Asten <strong>Winter</strong>berg<br />

Fort Fun Abenteuerland Bestwig Kloster Bredelar <strong>Marsberg</strong><br />

Gut Glindfeld Medebach<br />

Rathaus Eversberg Meschede<br />

Haus Kupferhammer Warstein Schloss Melschede S<strong>und</strong>ern<br />

Jagdschloss Herdringen Arnsberg


Online Spezial<br />

mit vielen Locations <strong>und</strong><br />

Dienstleistern im Sauerland<br />

imsauerland.de/heiraten<br />

www.woll-magazin.de I www.imsauerland.de<br />

www.i-dexe-fotobox.de<br />

HOCHZEITSFOTOGRAF<br />

GESCHÄFTSZWEIGE DER:<br />

Philipp Nolte<br />

0151 226 848 43<br />

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Anfertigung von<br />

Verlobungsringen<br />

Trauringen<br />

Brautschmuck<br />

Manschettenknöpfen<br />

AdobeStock_172415575<br />

Der Ring, das Zeichen der Unendlichkeit <br />

Die ganze Hochzeitsgesellschaft hält den Atem an, wenn der Augenblick<br />

des Ringtauschens gekommen ist. Spätestens dann kullern die<br />

ersten Freuden-Tränen. Bestimmt auch bei dir...<br />

Der Ring, das Zeichen der Unendlichkeit, das Symbol für eure Liebe<br />

<strong>und</strong> Treue. Du hast dich dafür entschieden, ihn am linken Ringfinger<br />

zu tragen, obwohl in Deutschland meist der rechte dafür gewählt<br />

wird. Links, weil man früher annahm, dass von diesem Finger eine<br />

Ader direkt zum Herzen führt. Naja, du hattest schon immer eine sehr<br />

romantische Ader. Aber klassisch wolltest du ihn, schlicht <strong>und</strong> in Gelbgold.<br />

Selbstverständlich mit Namensgravur <strong>und</strong> dem Datum eures<br />

großen Tages. Die Wahl ist dir – trotz der vielfältigen Auswahl - nicht<br />

schwergefallen. Und du liegst mit deiner Entscheidung sogar wieder<br />

im Trend, wie uns Nina Drees aus S<strong>und</strong>ern verriet.<br />

Gerne<br />

planen wir<br />

mit Ihnen<br />

Ihre<br />

individuellen<br />

Trauringe.<br />

Die Goldschmiede-Meisterin betont aber: „Alles ist möglich. Jeder<br />

hat seinen persönlichen Geschmack. Wir Goldschmiede möchten<br />

natürlich rauskitzeln, was am besten zum Paar passt.“ Eine wichtige<br />

Ent scheidung, denn schließlich sind Trauringe für ein Leben lang<br />

gemacht...<br />

N.art Schmuckgestaltung<br />

Stockumer Straße 28<br />

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93


Hochschule für Philosophie<br />

<strong>und</strong> Theologie sowie Ausgangspunkt<br />

der Welt-Mission<br />

AUCH JOSEPH<br />

RATZINGER<br />

REFERIERTE<br />

IN OEVENTROP<br />

Paul Senske<br />

Karl Hesse <strong>und</strong> Hiltruper Missionare<br />

Auf diese Epoche der Geschichte kann Oeventrop<br />

stolz sein. Das (ehemalige) Kloster an<br />

der Egge war über 60 Jahre eine renommierte<br />

Hochschule für Philosophie <strong>und</strong> Theologie der Missionare<br />

vom Heiligen Herzen Jesu aus Hiltrup. Von<br />

1902 bis 1969 wurden in dem aus rotem Klinker errichteten<br />

imposanten Gebäude Priester ausgebildet,<br />

die als Missionare in Papua-Neuguinea, Peru <strong>und</strong><br />

in Afrika wirkten. Einer der in Oeventrop geweihten<br />

<strong>und</strong> ins Dorfleben eingeb<strong>und</strong>enen Seminaristen<br />

<strong>und</strong> Patres war der gebürtige Voßwinkeler <strong>und</strong> spätere<br />

Erzbischof von Rabaul (Papua-Neuguinea) Karl<br />

Hesse (85). Die mit dem Kloster einhergehende Thomas-Akademie<br />

war hoch angesehen. Als einer der Dozenten<br />

referierte 1965 der Theologie-Professor Joseph<br />

Ratzinger über das Zweite Vatikanische Konzil.<br />

Dass der als „Konzils-Theologe“ berufene Professor Ratzinger,<br />

damals mit Lehrauftrag an der Universität in<br />

Münster, später als Papst Benedikt XVI. gewählt wurde,<br />

war 1965 natürlich nicht vorauszusehen. Im Nachhinein<br />

hat Ratzingers Teilnahme an der Thomas-Akademie<br />

94 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


10.03.1965 Prof. Ratzinger in Oeventrop<br />

aber eine besondere Dimension. Der Professor referierte über<br />

das Konzil, genau über die Beziehung zwischen Bischofs- <strong>und</strong><br />

Papstamt. „Welche Zukunftssymbolik lag in diesem für Oeventrop<br />

ausgewählten Vortragsthema“, sagte der damalige<br />

Arnsberger Bürgermeister Hans-Josef Vogel bei seinem Festvortrag<br />

zum 775-jährigen Oeventroper Jubiläum am 5. Mai<br />

2007. „Pater Superior Martin Kleespies führte den zukünftigen<br />

Bischof <strong>und</strong> Papst durch Kloster <strong>und</strong> Missionsseminar. In<br />

Bayern gibt es den touristischen Benedikt-Weg, der die Stationen<br />

des Papstes verbindet. Oeventrop liegt heute am Benedikt-Weg<br />

zwischen Münster, wo Ratzinger damals Professor<br />

war, <strong>und</strong> Rom.“<br />

Ratzingers Vortrag war einer der Höhepunkte im Klosterleben.<br />

Im 1902 von den Hiltruper Missionaren errichteten, offiziellen<br />

„Herz-Jesu-Missionshaus“, wurden Abiturienten zunächst<br />

in Philosophie <strong>und</strong> danach in Theologie unterrichtet.<br />

93 Studenten waren beispielsweise 1938 eingeschrieben, die<br />

von 18 Hochschullehrern unterrichtet wurden. Der Zweite<br />

Weltkrieg beendete zunächst die Blütezeit des Klosters. Nach<br />

der Beschlagnahme diente es als Lazarett für lungenkranke<br />

Soldaten. Davon sind 1.300 im Kloster gestorben <strong>und</strong> wurden<br />

auf dem Oeventroper Soldatenfriedhof bestattet. Später waren<br />

auch alte <strong>und</strong> kranke Menschen aus Dortm<strong>und</strong> im Kloster<br />

untergebracht. Nach dem Krieg nahmen Seminar <strong>und</strong> Lehrtätigkeit<br />

wieder an Fahrt auf. Welche Bedeutung <strong>und</strong> Dimension<br />

die Lehrstätte hatte, verdeutlicht einmal mehr die f<strong>und</strong>amentale<br />

Bibliothek mit 45.000 Bänden, die sich heute im<br />

Besitz des Erzbistums Paderborn befindet. Aufgebaut wurde<br />

auch ein Missionsmuseum „Schätze der Südsee“. In die Südsee,<br />

genau nach Papua-Neuguinea, führte es 1966 auch Karl<br />

Hesse aus Arnsberg-Voßwinkel. Der heute 85 Jahre alte emeritierte<br />

Erzbischof von Rabaul wirkte über 50 Jahre als Missionar.<br />

Sein Studium absolvierte er im Herz-Jesu-Missionshaus<br />

Oeventrop (HJMOe) <strong>und</strong> wurde am 23. Mai 1963 zusammen<br />

mit sieben Mitbrüdern von Johannes Hoehne, dem damaligen<br />

neuen Erzbischof von Rabaul, in der Kapelle des Klosters<br />

zum Priester geweiht. Vier Jahre studierte Karl Hesse in Oeventrop:<br />

„Das HJMOe spielte eine wichtige Rolle in Oeventrop<br />

<strong>und</strong> Umgebung. Durch die seelsorgerischen Tätigkeiten<br />

der Patres <strong>und</strong> der handwerklichen Arbeiten der Brüder war<br />

es ein Ausgangspunkt des christlichen Lebens in der Region.“<br />

„Missionare reden nicht nur,<br />

sie packen auch an“ (Karl Hesse)<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 95


Die Elf mit Karl Hesse (4. v.r.)<br />

Auf den Dörfern Kartoffeln gesammelt<br />

Er erinnert sich auch an Traktorfahrten sowie Fahrten mit einem<br />

Pferdewagen durch verschiedene Dörfer, um Kartoffeln<br />

<strong>und</strong> andere Lebensmittel von den Bauern „zu erbitten“. Denn,<br />

so Karl Hesse, es fehlte den Patres an Geldern, um Lebensmittel<br />

zu kaufen. Zudem wurden die Seminaristen in die Dörfer<br />

des Sauerlandes geschickt, um den Hiltruper Jahreskalender<br />

zu verkaufen. „Das war keine angenehme Tätigkeit, aber so<br />

lernten wir die Menschen kennen <strong>und</strong> die Art <strong>und</strong> Weise, mit<br />

ihnen auszukommen.“ Ein Anziehungspunkt des Klosters waren<br />

die Ausstellung von Kulturelementen der Missionsgebiete<br />

Peru <strong>und</strong> Papua-Neuguinea. Ein Hobby der Seminaristen war<br />

der Fußball. „Gepöhlt“ wurde auf dem Kloster eigenen Bolzplatz,<br />

u. a. gegen seinen Voßwinkeler Jahrgang oder Vereine.<br />

Auch der TuS Oeventrop spielte eine Rolle. Walter Gödt<br />

schaffte es als Seminarist <strong>und</strong> Pater gar in die erste Mannschaft,<br />

die in der Landesliga spielte. Gödt war Torjäger <strong>und</strong><br />

kam immer mit „Kutte <strong>und</strong> Sporttasche zum Sportplatz“, wie<br />

sich seine Sportkameraden erinnern. Überhaupt waren die<br />

Patres <strong>und</strong> Missionare in Oventrop hoch angesehen <strong>und</strong> verwurzelt.<br />

Sie gehörten dazu – Oeventrop als weltoffene <strong>und</strong><br />

gastgeberfre<strong>und</strong>liche Gemeinde. Karl Hesse reiste im Juni<br />

1966 mit drei Mitbrüdern auf dem Auswandererschiff Achille<br />

Lauro von Rotterdam aus als Missionar nach Papua-Neuguninea.<br />

Dass er als Missionar nach dorthin ging, daran hatte der<br />

erfahrene Missionar Pater Karl Laufer großen Anteil. „Durch<br />

seine Vorlesungen <strong>und</strong> seine ausstrahlende Persönlichkeit<br />

wurde ich bestärkt, als Missionar nach Papua-Neuguinea auszureisen.“<br />

Dort arbeitete er als „Mann Gottes <strong>und</strong> Mann des Volkes“,<br />

gab einen von der örtlichen Regierung in die Berge abgeschobenen<br />

Stamm von r<strong>und</strong> 3.000 Menschen Selbstvertrauen <strong>und</strong><br />

Identität zurück, baute das Schul- <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heitssystem auf.<br />

„Missionare reden nicht nur, sie packen auch an, vor allem als<br />

Sauerländer“, so Karl Hesse, der mit dem B<strong>und</strong>esverdienstkreuz<br />

ausgezeichnet wurde <strong>und</strong> von der britischen Königin<br />

zum „Mitglied des Britischen Empire“ ernannt wurde. „Liebe<br />

<strong>und</strong> Gerechtigkeit standen immer an erster Stelle. Den Willen<br />

<strong>und</strong> die Bedürfnisse der Menschen habe ich immer akzeptiert.<br />

Die Menschen sind mir ans Herz gewachsen.“<br />

Seinen Lebensabend genießt er in Papua-Neuguinea: „Voßwinkel<br />

ist meine Heimat, Papua-Neuguinea ist mein Zuhause.“<br />

96 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Weihnachten auf Papua-Neuguinea: Karl Hesse<br />

Und Oeventrop: „Ich bin sehr dankbar für die vier Studienjahre<br />

im HJMOe. Sie haben mich geprägt.“ 1969 wurde das<br />

Seminar in Oeventrop geschlossen. Die Seminaristen absolvierten<br />

in den Folgejahren ihre Ausbildung in Innsbruck.<br />

1975 wurde „Auf der Alm“ ein neues Kloster errichtet, es<br />

war zunächst ein Altersheim für ehemalige Missionare <strong>und</strong><br />

ältere Patres. Inzwischen ist es verkauft <strong>und</strong> nicht mehr im<br />

kirchlichen Besitz. ■<br />

Herz-Jesu-Missionare wirken weltweit<br />

Der Orden der Herz-Jesu-Missionare (MSC) wurde<br />

1854 von P. Jules Chevalier in Issoudun, Diözese<br />

Bourges (Frankreich) gegründet. Das Herz als Symbol<br />

für die Liebe, die Gott in Gestalt von Jesus den Menschen<br />

<strong>und</strong> der Welt schenkt, war der Leitgedanke der<br />

Gründung mit der Mission als eine der zentralen Aufgaben.<br />

Weltweit wirkt der Orden heute mit r<strong>und</strong> 1800<br />

Patres, Brüder <strong>und</strong> Novizen in über 50 Staaten <strong>und</strong><br />

auf allen Kontinenten. 1956 wurde der Schwesternorden<br />

der Missionarinnen Christi gegründet.<br />

Das Generalat, die zentrale Leitung, sitzt in Rom. Die<br />

Herz-Jesu-Missionare der norddeutschen Provinz sind<br />

in Hiltrup bei Münster ansässig <strong>und</strong> als „Hiltruper<br />

Missionare“ bekannt. 1897 gründeten „die Hiltruper“<br />

ein Gymnasium, das nach 1945 den Namen Kardinalvon-Galen-Gymnasium<br />

erhielt <strong>und</strong> seit 1975 in Trägerschaft<br />

des Bistums Münster ist. Das Gymnasium<br />

hat einen exzellenten Ruf.<br />

Ausbildung bei WEPA<br />

Gemeinsam Zukunft gestalten<br />

Du hast Lust auf ein zukunftsorientiertes Familienunternehmen?<br />

Du möchtest jeden Tag aufs Neue über Dich<br />

hinauswachsen? Dann bist Du bei uns genau richtig!<br />

Für unseren Standort in Müschede suchen wir Dich!<br />

Starte durch als<br />

→ Papiertechnologe (m/w/d)<br />

→ Mechatroniker (m/w/d)<br />

→ Fachkraft für Lagerlogistik (m/w/d)<br />

→ Fachinformatiker (m/w/d)<br />

→ Kaufmann Spedition <strong>und</strong><br />

Logistikdienstleistungen (m/w/d)<br />

→ Elektroniker für Betriebstechnik (m/w/d)<br />

→ Industriemechaniker (m/w/d)<br />

→ Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenführer (m/w/d)<br />

Bewirb Dich<br />

jetzt über<br />

www.wepa.eu<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 97


<strong>Winter</strong>zeit = Freud <strong>und</strong> Leid<br />

Robert Dröge<br />

Als Letzter in der Jahreszeit<br />

macht der <strong>Winter</strong> sich bereit,<br />

tiefer Frost <strong>und</strong> Schneegestöber<br />

darüber freut sich nun nicht jeder.<br />

<strong>Winter</strong>sportler, Kinder freuen sich<br />

fällt der Schnee so richtig dicht.<br />

Skier, Schlitten werden eingepackt,<br />

zum Skigebiet sich aufgemacht.<br />

Per Lift geht´s dann Berg hinauf<br />

<strong>und</strong> runter dann mit vollem Lauf.<br />

Egal, ob Schlitten, Snowboard, Skier,<br />

rauf <strong>und</strong> runter immer wieder,<br />

<strong>und</strong> das auch oft noch bei Dunkelheit<br />

.. das Flutlicht den Weg der Piste zeigt.<br />

Ja, das wünscht sich Tag für Tag,<br />

ein jeder, der den <strong>Winter</strong> mag.<br />

Doch wer tagtäglich am Steuer sitzt,<br />

wenn Glatteis, Schnee auf den Straßen ist,<br />

wer täglich den Bürgersteig vom Schnee befreit,<br />

für den ist der <strong>Winter</strong> keine sehr schöne Zeit.<br />

unser Dank gilt dem fleißigen Räumdienst,<br />

durch den Straße <strong>und</strong> Gehweg sicher ist,<br />

er sichert uns ab … r<strong>und</strong> um die Uhr,<br />

was machen wir ohne deren Einsatz nur?<br />

So hält der <strong>Winter</strong> für jeden etwas bereit,<br />

für den einen Mühe, für den anderen Freud.<br />

Doch seien wir ehrlich, Als Mädchen <strong>und</strong> Jungen<br />

fanden wir den <strong>Winter</strong> immer gelungen,<br />

kamen wir auch durchgefroren abends im Haus,<br />

uns Kindern machte das gar nichts aus. ■<br />

98 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Anzeige<br />

Sara Fleschenberg, Sophia Scholand, Diana Emmerich,<br />

Matthias Hüllen <strong>und</strong> Julia Hollwedel (v.l.)<br />

LWL-Einrichtungen <strong>Marsberg</strong><br />

präsentieren sich als starker Arbeitgeber<br />

Großformatige Plakate, folierte Autos <strong>und</strong> Banner sind<br />

Mosaiksteine der neuen Kampagne der LWL-Einrichtungen<br />

<strong>Marsberg</strong>, um neue Arbeitnehmer:innen<br />

zu gewinnen. Sophia Scholand vom Team Personalmarketing<br />

<strong>und</strong> Recruiting erklärt: „Unser Leitmotiv ist es authentisch<br />

zu sein. Auf unseren Fotos sind zum Beispiel echte<br />

Mitarbeiter:innen zu sehen. Die Aussagen fußen auf ihren<br />

Erfahrungswerten, die von einer Werbetexterin auf den<br />

Punkt gebracht wurden.“ Eine der Mitabeiter:innen auf den<br />

Plakaten ist Vanessa Priebe. „Erst war das total ungewohnt<br />

vor der Kamera zu stehen. Aber dann hat es auch Spaß gemacht“,<br />

sagt sie. „Ich werde oft angesprochen <strong>und</strong> freue mich<br />

über die große Resonanz. Bei uns im LWL gibt es vielfältige<br />

Möglichkeiten <strong>und</strong> tolle Berufsperspektiven.“<br />

Insgesamt sei die Kampagne unter Mitarbeit von Vertreter:innen<br />

aller fünf LWL-Einrichtungen am Standort <strong>Marsberg</strong> entstanden.<br />

„Der demokratische Prozess der Kampagnenplanung<br />

ist ein starkes Beispiel für die Vorteile des öffentlichen Dienstes“,<br />

sagt Sophia Scholand. „Neben einem sicheren Arbeitsplatz,<br />

Bezahlung nach Tarif, verschiedenen Arbeitszeitmodellen,<br />

30 Tage bezahlten Urlaub <strong>und</strong> einer ergänzenden Altersvorsorge<br />

ist es eben die sinnstiftende Tätigkeit in Kombination mit der<br />

Mitbestimmung, die das Arbeiten im öffentlichen Dienst so attraktiv<br />

macht.“<br />

verrichten einen Dienst am Menschen <strong>und</strong> somit für die gesamte<br />

Gesellschaft“, betont Scholand. Die LWL-Einrichtungen seien<br />

ein attraktiver Arbeitgeber in der Region.<br />

Dafür lassen sie sich immer wieder etwas Neues einfallen. Wie<br />

das Programm für ausländische Fachkräfte. Daniela Frackowiak<br />

erklärt das Konzept: „Da sind wir Pioniere. Wir helfen ausländischen<br />

Mediziner:innen hier Fuß zu fassen, stehen zur Seite<br />

bei der Erledigung der Formalitäten, vermitteln Sprach- <strong>und</strong><br />

Prüfungsvorbereitungskurse <strong>und</strong> sind bei der Wohnungssuche<br />

behilflich. Aktuell arbeiten wir an einem Programm für ausländische<br />

Pflegekräfte. Die neuen digitalen Angebote erleichtern die<br />

ersten Kontaktaufnahmen.“<br />

Digitale Wege geht auch die neue Kampagne. „Wir sind da,<br />

wo sich die Menschen nach neuen Perspektiven umsehen: im<br />

Internet, auf Online-Jobbörsen <strong>und</strong> den sozialen Medien“,<br />

so Scholand. „Manche von unseren Ärzt:innen <strong>und</strong> Psycholog:innen<br />

stammen aus umliegenden Universitätsstädten wie<br />

Kassel oder Paderborn. Dort haben uns viele noch nicht auf<br />

dem Schirm. Aber das wird sich jetzt ändern.“ ■<br />

Ein Ziel der neuen Kampagne sei es, mit ausdrucksstarken Motiven<br />

dem „etwas angestaubten“ Image des öffentlichen Dienstes<br />

frische Impulse entgegenzusetzen. „Viele junge Menschen sind<br />

auf der Suche nach einem Job mit Sinn. Die LWL-Einrichtungen<br />

LWL - Klinik <strong>Marsberg</strong><br />

Weist 45<br />

34431 <strong>Marsberg</strong><br />

Tel.: (02992) 601 10 00<br />

lwl-ep-marsberg@lwl.org<br />

www.lwl-klinik-marsberg.de<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 99


Wie der Enser Bernd<br />

Schwane zum „Herrn<br />

der Tiere“ wurde<br />

Bernd Schwane <strong>und</strong> Jan Heimann<br />

Ein Tiergehege r<strong>und</strong> um das Firmengebäude<br />

Monika Loerchner<br />

S. Droste<br />

Bernd Schwane ist 58 Jahre alt, Versandleiter<br />

eines Unternehmens der HEICO-Gruppe mit<br />

300 Mitarbeitern <strong>und</strong> er betreut 30 Tiere. Den<br />

„Herrn der Tiere“ nennen sie ihn in den Dörfern r<strong>und</strong><br />

um das Gewerbegebiet Ense-Höingen. Und das kam<br />

so…<br />

Als HEICO-Chef Jan Heimann vor einigen Jahren mit<br />

seinen Kindern im Streichelzoo war, keimte in dem<br />

44-Jährigen eine Idee: Wieso nicht ein eigenes Tiergehege<br />

auf dem großläufigen Firmengelände errichten? Den Anfang<br />

machte die Ziege Knut; mittlerweile sind 30 Tiere im<br />

Industriegebiet Ense-Höingen zuhause.<br />

„Wir haben vier Miniaturpferde, das Fohlen ist 14 Wochen<br />

alt, dazu zwei Esel, fünf Schafe <strong>und</strong> sechzehn Ziegen“,<br />

zählt Bernd Schwane auf. Hinzu kommen drei Alpaka-<br />

Damen, von denen zwei derzeit tragend sind. Gemeinsam<br />

mit seinem Chef ist Bernd Schwane für das Wohl der Tiere<br />

zuständig. Drei weitere Mitarbeiter kümmern sich um<br />

die technische Wartung des Geheges <strong>und</strong> der Ställe.<br />

Angefangen mit einem kleinen Gehege, hat das Team das<br />

firmeneigene Tiergehege nach <strong>und</strong> nach ausgebaut. Im<br />

Frühjahr wird das Gehege der Tiere 5.000 Quadratmeter<br />

groß sein <strong>und</strong> fast ganz um das Firmengebäude herum<br />

gehen. Den menschlichen Angestellten stehen im Gehege<br />

übrigens Bänke <strong>und</strong> Liegen zur Verfügung.<br />

In der Pause: Tiere streicheln<br />

Wichtig für die Tiere ist nicht nur das Futter, sondern<br />

sind auch die täglichen Streicheleinheiten Wie Eselsdame<br />

Grisella, die es sich nicht nehmen lässt, an meiner Tasche<br />

zu knabbern. Ziege Knut mag es, zwischen den Hörnern<br />

gekrault zu werden. Nur die Schafe sind ihrem Wesen entsprechend<br />

erstmal scheu.<br />

Jeden Morgen, jeden Abend <strong>und</strong> auch an den Wochen-<br />

100 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


„Bei den Tieren kann man sich entspannen,<br />

abschalten <strong>und</strong> Kraft tanken.“<br />

(Chef Jan Heimann)<br />

enden versorgt Bernd Schwane seine vierbeinigen<br />

Fre<strong>und</strong>e. Das ungewöhnliche<br />

Tiergehege hat sich längst in der<br />

Gegend herumgesprochen.<br />

Dann wird Bernd Schwane<br />

auch schonmal im Supermarkt<br />

angesprochen:<br />

„Sie sind doch von der<br />

Firma mit den vielen<br />

Tieren, oder?“ Auch<br />

Schulen <strong>und</strong> Kitas<br />

nutzen gern das Angebot<br />

der Firma HEI-<br />

CO, nach Absprache<br />

das Tiergehege besuchen<br />

zu dürfen. Die Kita<br />

„Zauberwald“ wird bald<br />

sogar eigene Räume im Firmengebäude<br />

haben <strong>und</strong> dann<br />

bis zu dreimal die Woche die Tiere<br />

besuchen. Für andere firmenfremde Besucher<br />

steht die Handynummer von Bernd Schwane auf einem Schild unten<br />

am Tor: „Wenn Leute um 10 Uhr anrufen, dass sie um 11 Uhr kommen<br />

wollen, bin ich zur Stelle!“<br />

„Hier bei den Tieren kann ich Kraft tanken.“<br />

(Jan Heimann)<br />

Meine Fotografin <strong>und</strong> ich lassen uns herumführen, bew<strong>und</strong>ern die winzigen<br />

Ponys, kraulen die flauschigen Alpakas, knuddeln die Ziegen <strong>und</strong><br />

stupsen allzu freche Esel zur Seite. „Ich glaube schon, dass meine Mitarbeiter<br />

jetzt besser gelaunt sind“, erzählt Jan Heimann. Sein Lieblingstier<br />

ist übrigens Ziege Knut. „Bald wird es in Sachen Tiere noch eine große<br />

Überraschung geben“, verspricht Bernd Schwane. Mehr möchte er uns aber<br />

nicht verraten.<br />

Langsam wird es Zeit, dass sich die Herren wieder an die Arbeit machen.<br />

Versandleiter Schwane wird allerdings immer freigestellt, wenn Besucher<br />

vor der Tür stehen. Und er macht es gerne, mit viel Leidenschaft <strong>und</strong> Herzblut.<br />

Allerdings hat er jetzt ein kleines Problem: Unsere Fotografin <strong>und</strong> ich,<br />

wir wollen hier gar nicht mehr weg! ■<br />

KOPFKINO FÜR<br />

DAS SAUERLAND<br />

Was passiert, wenn herzergreifende Geschichten<br />

aus unserer Heimat auf über 300.000 Print-Lesende<br />

pro Quartal <strong>und</strong> über 83.000 Fans <strong>und</strong> Follower<br />

in den sozialen Netzwerken treffen? Richtig:<br />

Es entsteht allerfeinstes Kopfkino!<br />

Und wozu ist das für Firmen gut? Nun, wenn man<br />

alles richtig macht, wird man zur Marke.<br />

Mit einer Marke kann man die attraktiveren K<strong>und</strong>en<br />

gewinnen, höhere Preise durchsetzen <strong>und</strong><br />

als Arbeitgebermarke die besten Talente der Region<br />

anziehen.<br />

Wir von axo.media helfen mit einem Team aus<br />

über 40 festen <strong>und</strong> freien Redakteuren, Fotografen,<br />

Videoleuten, Medienberatern <strong>und</strong> Grafikern<br />

dabei, aus Firmen echte Sauerland- <strong>und</strong> Südwestfalen<br />

Marken zu machen.<br />

www.axo.media


W<br />

O<br />

Planzeichnung für das Gesellenhaus.<br />

Gespräch mit einer hörgeschädigten Mutter<br />

Wenn Hände sprechen<br />

E<br />

ine junge Mutter geht mit ihrer 1 ½ Jahre<br />

alte Tochter spazieren. Als das Kind einen Vogel<br />

sieht, zeigt es mit der Hand dorthin. Dabei<br />

führt es Zeigerfinger <strong>und</strong> Daumen mehrfach zusammen.<br />

Die Mutter macht dasselbe <strong>und</strong> antwortet: „Ja,<br />

ein Vogel“. Die Neugierde des Autors, selbst von einer<br />

Hörschädigung betroffen, ist geweckt. Mit der Gebärde<br />

für „Guten Morgen“ ist der Kontakt schnell hergestellt.<br />

Angelika Gerke aus <strong>Brilon</strong>, kann keine hohen<br />

Töne hören. Da dazu auch Kinderstimmen wie die<br />

ihrer Tochter zählen, hat die junge Mutter einen guten<br />

Weg gef<strong>und</strong>en, wie sie ihre Tochter „hören“.<br />

Die Hörschädigung liegt schon lange bei mir vor. Ausschließlich<br />

lautsprachliche Kommunikation klappt bei mir<br />

nicht so gut. Informationen können verloren gehen. Das<br />

Gesagte kommt in meinem Ohr nicht so an, wie es gesagt<br />

Woll: Sie ergänzen ihr kommunikatives Miteinander<br />

durch den Einsatz ihrer Hände <strong>und</strong> der Mimik. Um<br />

was für eine „Sprache“ handelt es sich dabei?<br />

Angelika Gerke: Lautsprachlich begleitende Gebärden,<br />

kurz LBG.<br />

Wie sind sie darauf gekommen, das fehlende Hören<br />

oder besser gesagt, das Verstehen, durch die Unterstützung<br />

von Gebärden auszugleichen?<br />

Angelika Gerke mit ihrer Tochter<br />

102 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


L<br />

L<br />

Manfred Eigner<br />

sabrinity<br />

Mandolinenabteilung der Kolpingfamilie 1925<br />

wurde. Das führt oft zu Missverständnissen. Lautsprachliche<br />

Kommunikation ist dann für beide Seiten frustrierend,<br />

weil es nicht zum gewünschten Ergebnis kommt.<br />

Ihre Tochter wächst dann ja zweisprachig auf. Wie<br />

stellen Sie sicher, dass auch die Lautsprachenentwicklung<br />

optimal gefördert wird?<br />

LBG stellt keine eigene Sprache dar <strong>und</strong> darf nicht mit<br />

Deutscher Gebärdensprache (DGS) verwechselt werden.<br />

Meine Tochter wächst „normal“ in einem hörenden Umfeld<br />

auf. Im Familien- Fre<strong>und</strong>es- <strong>und</strong> Bekanntenkreis<br />

wird ganz „normal“ gesprochen. Lediglich bei der Kommunikation<br />

mit mir soll sie unterstützend zur Lautsprache<br />

Gebärden einsetzen.<br />

Wie reagieren Ihr Umfeld, Familie, Fre<strong>und</strong>e, Bekannte<br />

aber auch Fremde darauf, dass Sie - <strong>und</strong> natürlich<br />

ihre Tochter - durch den Gebrauch der Gebärdensprache<br />

miteinander reden?<br />

Meine Tochter kann mit eineinhalb Jahren noch nicht<br />

sprechen. Es fällt also derzeit kaum auf. Sie kann sich aber<br />

durch Gebärden tatsächlich schon relativ gut äußern. Dies<br />

wird allerdings nicht so wahrgenommen, dass dies auch<br />

langfristig so angewendet werden soll.<br />

Menschen mit Hörschädigungen gibt es mehr, als man<br />

auf den ersten Blick erkennen kann. Der Laie denkt sicher<br />

sofort an ein Hörgerät <strong>und</strong> gut ist es. Doch so einfach<br />

ist es ja scheinbar nicht. Welche Ideen haben Sie<br />

aus eigener Erfahrung, damit Hörgeschädigte im alltäglichen<br />

Leben hilfreiche Unterstützung bekommen?<br />

Zum einen durch Öffentlichkeitsarbeit <strong>und</strong> zum anderen<br />

durch Aufklärung jedes hörgeschädigten Menschen selbst.<br />

Durch die derzeit bestehende Maskenpflicht fehlt das<br />

M<strong>und</strong>bild <strong>und</strong> zusätzlich wird die Lautstärke gedämpft.<br />

Hier erfahren auch oft Guthörende, dass Verstehen nicht<br />

mehr so einfach ist. ■<br />

Manfred Eigner hat´s (noch) nicht<br />

verstanden = “ein Loch im Kopf”<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 103


Anzeige<br />

Das <strong>Brilon</strong>er Krankenhaus Maria-Hilf<br />

baut Pflege-Ausbildung aus<br />

OFFENSIVE FÜR<br />

DEN DIENST AM<br />

MENSCHEN<br />

Andreas Melliwa<br />

sabrinity<br />

ist ein so sinnstiftender Beruf“, ist die<br />

gelernte Krankenschwester <strong>und</strong> jetzige<br />

„Es Lehrerin für Pflegeberufe Claudia H<strong>und</strong>ertmark-Vogel<br />

nach wie vor von ihrer Arbeit begeistert, „die<br />

Perspektiven sind gut, auch wenn die aktuellen Bedingungen<br />

herausfordernd sind!“ Sie muss es wissen, denn sie ist Kursleiterin<br />

am <strong>Brilon</strong>er „Bildungszentrum für Ges<strong>und</strong>heitsberufe<br />

BfG. Das Bildungszentrum ist direkt an das Maria-<br />

Hilf-Krankenhaus angeschlossen.<br />

ARRIERE<br />

N BRILON<br />

Mit 100 Plätzen war das Bildungszentrum des „Maria-Hilf“ bisher<br />

schon großzügig aufgestellt, im kommenden Jahr sollen es<br />

150 werden. Im Fokus steht die Pflege am Patienten im Krankenhaus,<br />

dem Bewohner in der stationären Langzeitpflege <strong>und</strong> dem<br />

Klienten in der ambulanten Versorgung, sei es nun als Pflegefachmann/<br />

Pflegefachfrau oder als Pflegefach-Assistent/in. Die<br />

Ausbildung ist intensiv, sie dauert zum Pflegefach-Assistent/in<br />

ein Jahr, zum Pflegefachmann/Pflegefachfrau drei Jahre.<br />

Gute Chancen für alle Bildungsabschlüsse<br />

ttttttttttttttttttttttttt<br />

Wer Pflegefach-Assistent werden will, muss mindestens den klas-<br />

e suchen sischen eine Hauptschulabschluss neue Herausforderung? in Tasche haben. Nach Dann dem sind<br />

Abschluss ist es möglich <strong>und</strong> gewünscht, die 3-jährige Ausbil-<br />

e bei uns dung genau aufzusatteln. richtig. Beim Pflegefachmann/Pflegefachfrau Die „,Big Six BRILON“ muss stehen<br />

es mindestens der Hauptschulabschluss nach der Klasse 10 sein.<br />

r hervorragende Karrieremöglichkeiten in einer<br />

104 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021<br />

milienfre<strong>und</strong>lichen Region. Hier finden Sie zum<br />

Abiturienten bzw. Fachabiturienten können parallel ein duales<br />

Studium zum „Bachelor in Pflege“ aufnehmen. Auch Migranten<br />

<strong>und</strong> Flüchtlinge sind in der Assistenzausbildung hoch willkommen.<br />

„Ich kann nur allen Mut machen, sich zu bewerben. Wir<br />

helfen gerne, Fragen zur Ausbildung zu beantworten.“ Der früheste<br />

Ausbildungsbeginn ist im April nächsten Jahres, Infos unter<br />

www.krankenhaus-brilon.de ■<br />

Hier geht’s zum Video:<br />

Am Schönschede 1 | 59929 <strong>Brilon</strong><br />

Tel: 0 29 61/780 – 0<br />

Fax: 0 29 61/780 – 12 40<br />

info@kh-brilon.de


Foto: Martin Richter | Kahler Asten mit selbst illuminierten Bäumen <strong>und</strong> Milchstraße.<br />

GESCHENKTIPP:<br />

GREEN BIKES<br />

GUTSCHEIN<br />

FINDE DEIN PERFEKTES RAD!<br />

Dieselstraße 1 · 59823 Arnsberg<br />

www.instagram.com/greenbikes.de<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 105


Anzeige<br />

WIR HELFEN IHREN<br />

BAUMASCHINEN<br />

AUF DIE SPRÜNGE<br />

Nutzfahrzeugbereich neu aufgestellt bei TIGER TEC & TOOLS<br />

Britta Melgert<br />

Georg Giannakis & Tiger Tec & Tools<br />

W<br />

er mit seinem PKW Probleme hat, fährt in<br />

eine Kfz-Werkstatt. Nicht ganz so einfach ist<br />

es für einen Handwerksbetrieb, der ein Problem<br />

mit seinem Transporter, dem Anhänger <strong>und</strong> gleichzeitig<br />

noch seiner Baumaschine hat. Eine gute Lösung<br />

ist dann, Kontakt zu TIGER TEC & TOOLS zu suchen.<br />

Der Spezialist für Baumaschinen hat sein Dienstleistungsspektrum<br />

kürzlich um den Bereich Nutzfahrzeuge<br />

erweitert <strong>und</strong> trifft damit den Bedarf vieler Gewerbetreibender,<br />

die bisher vergeblich nach einem solchen<br />

umfassenden Service suchten.<br />

„Uns gibt es bereits seit einigen Jahren im Mescheder Gewerbegebiet<br />

‚Schwarzer Bruch‘, <strong>und</strong> bestimmt hat jeder in<br />

der Gegend schon einmal unser Logo auf unseren Miet-<br />

Baumaschinen <strong>und</strong> Service-Fahrzeugen gesehen“, schätzt<br />

Geschäftsführer David Lenze. „Nun erweitern wir unseren<br />

Service um eine freie Kfz-Werkstatt mit dem Schwerpunkt<br />

leichte Nutzfahrzeuge. Wir sind dabei herstellerunabhängig<br />

aufgestellt, sodass wir nun auch der richtige Partner bei Reparaturen<br />

oder Wartung von Transporten <strong>und</strong> Anhängern<br />

sind. Gleichzeitig bieten wir hier auch eine große Auswahl<br />

an Zubehör an.“ Für die Geschäftsausweitung wurde eine<br />

neue Werkstatthalle auf dem großen Bauhof eingerichtet,<br />

die zusätzlich zur bisherigen genutzt wird. Hell <strong>und</strong> einladend<br />

wirkt sie – <strong>und</strong> aufgeräumt. Ein guter Platz für perfekt<br />

ausgebildete Spezialisten! „Regelmäßige Fortbildung unserer<br />

neun Mitarbeiter ist bei uns eine Selbstverständlichkeit“,<br />

erfahren wir von Lenze, „<strong>und</strong> natürlich bilden wir auch<br />

selbst aus.“<br />

Anhänger namhafter Hersteller<br />

Auch der Kauf von Anbaugeräten für Baumaschinen,<br />

Schnellwechselsystemen <strong>und</strong> vielem weiteren r<strong>und</strong> um die<br />

Baumaschine ist bei TIGER TEC & TOOLS möglich.<br />

Hinzugekommen ist der Verkauf von Anhängern namhafter<br />

Hersteller, die zum großen Teil ab Lager zum Kauf oder<br />

zur Miete verfügbar sind.<br />

Hydraulikschläuche <strong>und</strong> modernste Technik<br />

Große Kompetenz zeigt man bei TIGER TEC & TOOLS<br />

in der Hydraulikschlauchfertigung. Speziell geschulte Mitarbeiter<br />

kommissionieren <strong>und</strong> verpressen vor Ort Schläuche<br />

bis DN32. „Durch einen umfangreichen Lagerbestand<br />

kann hier innerhalb kürzester Zeit dem K<strong>und</strong>en weitergeholfen<br />

werden. Diesen Service nutzen auch immer mehr<br />

K<strong>und</strong>en aus der Landwirtschaft“, weiß Lenze. Der Kfz-<br />

Meister führt stolz durch die neue Werkstatt <strong>und</strong> lenkt unsere<br />

Aufmerksamkeit auf ein Diagnosegerät für Baumaschinen.<br />

„Da steckt die allerneueste Technik drin. Bei TIGER<br />

TIGER Tec & Tools GmbH & Co. KG<br />

Jahnstr. 38<br />

59872 Meschede<br />

Ansprechpartner: David Lenze<br />

Fon 0291 2994-52<br />

Fax 0291 2994-62<br />

lenze@tiger-tec.com<br />

www.tiger-tec.com


TEC & TOOLS wollen wir stets mit der Zeit gehen <strong>und</strong><br />

dem K<strong>und</strong>en den bestmöglichen Service bieten, vor allem<br />

in technischer Hinsicht.<br />

Mit dem mobilen Bohrwerk raus zum K<strong>und</strong>en<br />

Service der besonderen Art leistet das Team von TIGER<br />

TEC & TOOLS mit einem mobilen Bohrwerk <strong>und</strong> vier<br />

voll ausgestatteten Servicewagen. „Stellen Sie sich vor“, so<br />

Lenze, „Ihre Bau– oder Forstmaschine streikt mitten im<br />

Einsatz. Der Weg zur Werkstatt ist nicht möglich oder<br />

wäre sehr teuer. Dann kommen wir halt dorthin <strong>und</strong><br />

helfen Ihnen schnell wieder auf die Sprünge. Und dank<br />

unseres Netzwerks an Partnern <strong>und</strong> Lieferanten ist auch<br />

ein eventuell nicht vorrätiges Ersatzteil schnell besorgt.“<br />

Mit dem professionellen Umbau <strong>und</strong> der Montage von<br />

Schnellwechselsystemen hat sich TIGER TEC & TOOLS<br />

inzwischen weit überregional einen Namen gemacht; die<br />

K<strong>und</strong>en kommen aus dem gesamten B<strong>und</strong>esgebiet.<br />

Der Universalzerkleinerer<br />

Arjes Impaktor 250 kann für<br />

den gelegentlichen Bedarf<br />

gemietet werden<br />

Praktisch: Der Vermietungsservice für den<br />

gelegentlichen Bedarf<br />

„Doch auch wenn Sie nur gelegentlichen Bedarf für beispielsweise<br />

den Universalzerkleinerer Arjes Impaktor<br />

250 oder eine andere Baumaschine, aber auch für einen<br />

Anhänger haben, ist es eine gute Idee, TIGER TEC &<br />

TOOLS einzuschalten“, rät David Lenze. „Und unser<br />

9-Sitzer-Bus wird von Firmen gerne als Team-Fahrzeug<br />

genutzt.“ Zusammenfassend kann man sagen, dass nun<br />

für die Region Hochsauerland <strong>und</strong> darüber hinaus ein einzigartiger<br />

R<strong>und</strong>umservice durch TIGER TEC & TOOLS<br />

geboten wird. Technisches Know-how, gepaart mit kurzen<br />

Wegen, Schnelligkeit <strong>und</strong> dem Verständnis für das, was<br />

gebraucht wird – auf einen solchen Partner haben viele<br />

Gewerbetreibende gewartet! ■<br />

David Lenze <strong>und</strong><br />

Franz-Josef Gödde<br />

Der Tiger Service-Wagen rückt<br />

aus, um den Harvester vor Ort<br />

zu reparieren<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 107


AUTODIDAKT JOSEF GEORG<br />

POLLMANN UND SEIN<br />

WISSENSDRANG<br />

Sabina Butz<br />

Tom Linke<br />

M<br />

anche Menschen gehören einfach<br />

zum Stadtbild. Der Neheimer<br />

Josef Georg Pollmann<br />

ist so einer. Dass er sympathisch <strong>und</strong><br />

bescheiden ist, wissen auch die, die<br />

ihn nur flüchtig kennen. Wer<br />

sich allerdings etwas länger mit<br />

ihm unterhält, ist verblüfft,<br />

wieviel Wissendrang in<br />

ihm steckt.<br />

Sauerländer LEUTE –<br />

Der MENSCH dahinter<br />

Wissenschaftler oder Forscher,<br />

die ihren Lebensunterhalt<br />

nicht aus diesen<br />

Tätigkeiten bestreiten<br />

mussten, hat es immer<br />

schon gegeben. Ab dem<br />

19. Jahrh<strong>und</strong>ert wurden<br />

solche unabhängigen Forscher<br />

„Privatgelehrte“ genannt.<br />

Die Privatgelehrten<br />

konnten sich in der Regel<br />

ein freies, ungeb<strong>und</strong>enes Leben<br />

leisten, sie waren begütert<br />

<strong>und</strong> mussten sich nicht um ihren<br />

Lebensunterhalt kümmern. Heute<br />

arbeiten die meisten Wissenschaftler<br />

<strong>und</strong> Forscher an Hochschulen oder Forschungsinstituten,<br />

also mit institutioneller<br />

Unterstützung zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts.<br />

Josef Georg Pollmann ist weder „begütert“<br />

noch kann er auf eine akademische<br />

Ausbildung zurückgreifen. Er ist<br />

Arbeiter, wie sein Vater vor ihm, er<br />

hat sich sein Wissen ausschließ-<br />

108 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


lich selbst angeeignet, ohne institutionelle<br />

Unterstützung, <strong>und</strong> er<br />

ist ein bescheidener, sympathischer<br />

Mitmensch, der seine Leistungen<br />

<strong>und</strong> Forschungsergebnisse lieber herunterspielt<br />

<strong>und</strong> jeden Geschichts-,<br />

Architektur- <strong>und</strong> Umwelt-Interessierten<br />

zunächst einmal verblüfft.<br />

Woher weiß der das alles?<br />

„Ich lese natürlich gern <strong>und</strong> viel,<br />

<strong>und</strong> was ich in Büchern nicht finden<br />

kann, erk<strong>und</strong>e ich selbst. So einfach<br />

ist das.“ Los ging es mit der eigenen<br />

Familiengeschichte. Die Pollmanns<br />

können ihre ostwestfälischen Vorfahren<br />

bis zum 30-jährigen Krieg<br />

zurückverfolgen. Erst um 1900<br />

siedelten sie sich im Sauerland an.<br />

Überwiegend waren sie Landarbeiter,<br />

Kleinbauern <strong>und</strong> später Industriearbeiter.<br />

Die Familiengeschichte<br />

führt zu den eigenen Wurzeln, verbindet<br />

unsere Vergangenheit mit<br />

der Gegenwart <strong>und</strong> schenkt uns<br />

Identität. Über die Ahnenforschung<br />

in eigener Sache gelangte Pollmann<br />

zur Lokalgeschichte: „Beim Joggen<br />

<strong>und</strong> Wandern stieß ich immer<br />

wieder auf Kreuze, die am Wege<br />

stehen, da wollte ich einfach mehr<br />

wissen, warum, weshalb, wieso dieses<br />

Kreuz genau hier stand“. Seine<br />

diesbezüglichen Fragen an in der<br />

Nähe wohnende Bürger wurden<br />

genau <strong>und</strong> ausführlich beantwortet.<br />

Daraus erstand ein 260 Seiten<br />

umfassendes Kompendium unter<br />

dem gleichen Namen „Kreuze, die<br />

am Wege stehen“, welches 1988<br />

von der Verlagsgemeinschaft Franz<br />

Josef Molitor in Oeventrop herausgegeben<br />

wurde <strong>und</strong> viel Beachtung<br />

fand. Es sollte die erste von insgesamt<br />

über 100 weiteren Veröffentlichungen<br />

Pollmanns sein.<br />

Der Mensch dahinter<br />

Pollmann hatte die Lokalgeschichte<br />

für sich entdeckt, die ihn zur Architektur<br />

führte. Wie genau sahen die<br />

Bauernhäuser, die Gutshäuser, aber<br />

auch die kleinen Häuser der Arbeiter<br />

aus? Unzählige Dachstühle,<br />

Häuser <strong>und</strong> andere Bauten wurden<br />

vermessen. Die differenzierten <strong>und</strong><br />

exakten Zeichnungen dazu fertigte<br />

Pollmann selbst an. Wer sonst? Unglaublich,<br />

welche Fertigkeiten sich<br />

ein Mensch selbst aneignen kann.<br />

Sein Interesse galt <strong>und</strong> gilt bis heute<br />

aber immer „dem Menschen dahinter“.<br />

Wie haben die Menschen<br />

gelebt? Was hat sie bewegt? Wie<br />

sind sie miteinander umgegangen?<br />

Seine Forschungsobjekte in Lokal-<br />

Regional- <strong>und</strong> sonstiger Geschichte<br />

suchte Pollmann nicht; sie ergaben<br />

Der Marketing Club<br />

lädt zum Jahresempfang ein:<br />

Jahresauftaktprogramm mit<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 109<br />

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sich von selbst: „Ich beschäftige<br />

mich mit den Sachen,<br />

die andere noch nicht gemacht<br />

haben, ob es nun<br />

um Kreuze, Sakralbauten,<br />

Scheunen oder einfach<br />

nur Auffälligkeiten<br />

geht.“<br />

Die Perspektive<br />

wechseln<br />

Seit der Wiedervereinigung<br />

fasziniert Pollmann der Osten<br />

Deutschlands, auch über die Grenzen<br />

hinaus. Zwei R<strong>und</strong>fahrten durch<br />

die Neuen B<strong>und</strong>esländer brachten neue Perspektiven.<br />

Polen war schließlich das Land, das ihn besonders<br />

faszinierte: Historische Plätze, Dorfgeschichte,<br />

immer im Hinblick auf die Menschen, die dort gelebt<br />

haben, gerieten in den Mittelpunkt seines Interesses. Die<br />

Gemeinde Gmina Krzeszyce, südwestlich von Landsberg<br />

an der Warthe zeichnete ihn aus für seine Arbeiten zur<br />

Gemeindegeschichte. Das deutsch-polnische Miteinander<br />

fand in Pollmann einen neuen leidenschaftlichen Verfechter.<br />

sehr am Herzen liegt: Jede<br />

Raupe wird gerettet, jeder<br />

Schmetterling behütet,<br />

was er mit vielen<br />

w<strong>und</strong>erschönen,<br />

selbst erstellten Fotos<br />

<strong>und</strong> als Mitglied der<br />

Arbeitsgemeinschaft<br />

biologischer Umweltschutz<br />

belegen kann.<br />

Auf seine herausragenden<br />

Beobachtungen,<br />

Veröffentlichen <strong>und</strong> Studien<br />

angesprochen, erklärt<br />

Pollmann: „Es geht alles nur<br />

miteinander. Ohne Mentoren hätte<br />

ich nicht so viel erarbeiten können. Für<br />

alle meine Unterstützer möchte ich exemplarisch einen<br />

benennen: Zbigniew Czarnuch, meinen polnischen Mentor,<br />

der meine Arbeiten in Polen unermüdlich fördert <strong>und</strong><br />

unterstützt.“<br />

Josef Georg Pollmann<br />

Eigentlich zwangsläufig <strong>und</strong> irgendwie selbstverständlich<br />

hat Pollmann inzwischen als Autodidakt so viel polnisch<br />

gelernt, dass er sich unterhalten <strong>und</strong> polnische Texte lesen<br />

kann.<br />

Es geht nur miteinander<br />

Neben seinen geschichtlichen Arbeiten findet Pollmann<br />

noch Zeit für den Umwelt- <strong>und</strong> Naturschutz, der ihm<br />

Ein wirklich guter Geschichts- <strong>und</strong> Architektur-Experte,<br />

ein Umweltschützer, aber in erster Linie ein aufrichtiger<br />

Menschenfre<strong>und</strong>, so könnte man Josef Georg Pollmann<br />

wohl am besten beschreiben. ■<br />

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Hart an der Wenne erhebt sich zwischen Calle <strong>und</strong> Berge<br />

eine nach allen Seiten steil abfallende Kuppe, der Wallenstein.<br />

Auf einem Gipfel findet man noch heute die<br />

Mauerreste einer alten Burg. Sie soll – wie die Leute im unteren<br />

Wennetal erzählen – vor langen Jahren der Sitz eines Raubrittergeschlechtes<br />

gewesen sein.<br />

DAS ENDE<br />

DES LETZTEN<br />

RAUBRITTERS<br />

VOM<br />

WALLENSTEIN<br />

Damals war das Sauerland schon kurkölnisch, <strong>und</strong> der Talweg<br />

entlang der Wenne <strong>und</strong> der Höhenweg über das Hallo hatten<br />

als Handelsverbindungen zwischen Ruhr <strong>und</strong> Lenne eine große<br />

Bedeutung. Die Beschwerden der Kaufleute über die Schandtaten<br />

des Wallensteiners häuften sich zuletzt derart beim Kurfürsten<br />

von Köln, dass dieser sich entschloss, mit seinen Reisigen* gegen<br />

den Raubritter ins Feld zu ziehen. Die Burg auf dem Wallenstein<br />

wurden belagert. Lange Zeit trotzte der Wallensteiner den Belagerern.<br />

Als aber die Lebensmittel ausgingen <strong>und</strong> die Burginsassen<br />

in höchste Bedrängnis kamen, sprengte der Raubritter auf seinem<br />

Ross plötzlich aus der Burg heraus – mitten durch die Reihen der<br />

nichtsahnenden Belagerer hindurch – <strong>und</strong> entkam nach Norden.<br />

Er war schon ein gutes Stück Weges entflohen, als endlich der<br />

überraschte Kurfürst mit einigen Rittern die Verfolgung aufnahm.<br />

Auf dem Bremkebach östlich von Freienohl stand damals eine<br />

Mühle, deren Fischteiche noch heute im Bremketal zu finden sind.<br />

Zu dieser Mühle hin sprengte der flüchtige Raubritter mit seinem<br />

keuchenden <strong>und</strong> schweißbedeckten Ross. Der Müller saß gerade<br />

vor seiner Mühle <strong>und</strong> schärfte mit einem Meißel einen Mühlstein.<br />

Er war nicht wenig überrascht, als er plötzlich vor sich den Wallensteiner<br />

sah, dessen Schandtat er wohl kannte <strong>und</strong> schon oft selber<br />

zu spüren bekommen hatte. Der Raubrittter sprang vom Ross<br />

<strong>und</strong> forderte vom den Müller ungestüm <strong>und</strong> drohend ein ausgeruhtes<br />

Pferd. Den Müller jedoch überkam ein gerechter Zorn.<br />

Er schlug den Wallensteiner mit dem Meißel den Schädel ein.<br />

Kurze Zeit darauf ritt der verfolgende Kurfürst mit seinen Rittern<br />

auf den Mühlenhof ein. Er hatte sich nach dem Weg erk<strong>und</strong>igen<br />

wollen <strong>und</strong> war nicht wenig erstaunt, den Wallensteiner erschlagen<br />

in der Mühle zu finden. Der Kurfürst lobt die mannhafte Tat<br />

des Müllers <strong>und</strong> schenkte ihm zum Dank für seinen Anteil an der<br />

Wiederherstellung des Landfriedens den Gr<strong>und</strong>besitz des erschlagenen<br />

Raubritters. Der Kurfürst soll gesagt haben: Es ist schade,<br />

dass Du nur ein Müller bist, ich hätte sonst wohl Lust, Dich zu<br />

einem Ritter zu machen!“ Der Müller hat sich von der Zeit an<br />

Bauer Schade – oder, wie andere erzählen, Freiherr von Schade –<br />

genannt. ■<br />

(Hugo Blessenohl) Aus: Sagen des Mescheder Landes<br />

*Berittene Begleitpersonen<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 111


Robert geht Wandern ... im Arnsberger Wald<br />

VOM<br />

WALDBAHNHOF<br />

UND SICH<br />

ERHOLENDER<br />

NATUR<br />

Robert Hinkel<br />

Blick auf den Flughafen<br />

112 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Robert Hinkel ist zertifizierter Wanderführer.<br />

Einer der jüngsten im Sauerland, aber trotz<br />

dem mit jeder Menge Erfahrung, denn er wandert<br />

bereits seit frühester Kindheit durch das Sauerland <strong>und</strong> die<br />

Alpen. Nach einem Wanderführer-Seminar bekam Robert<br />

eine Teilnahmebescheinigung - die ihm allerdings nicht<br />

reichte: „Ich wollte auch das Zertifikat“. Das hat er dann<br />

auch bekommen <strong>und</strong> zeigt unseren Lesern seitdem – mit bescheinigter<br />

Kompetenz - die schönsten Wanderstrecken im<br />

Sauerland.<br />

<strong>WOLL</strong>: Welche Strecke wanderst du dieses Mal?<br />

Robert: Diesmal geht’s durch den 600 km² großen Arnsberger<br />

Wald. Das ist ein Rechteck mit 15 km Länge <strong>und</strong> 40 km Breite,<br />

vereinfacht gesprochen. Er gehört zu den größten zusammenhängenden<br />

Waldgebieten Deutschlands. Allerdings war der<br />

Arnsberger Wald im Spätmittelalter nur ein Teil des noch viel<br />

größeren Lürwalds, der weite Teile des Herzogtums Westfalen<br />

bedeckte.<br />

Es ist eine R<strong>und</strong>wanderung mit Start <strong>und</strong> Ziel am Wanderparkplatz<br />

Bockstall. Der befindet sich auf dem höchsten Punkt<br />

der B 229 zwischen Arnsberg <strong>und</strong> Breitenbruch. Google findet<br />

ihn. Erst geht es nach Altenbreitenbruch, dann ostwärts mitten<br />

in den Wald hinein. Wenn wir auf den Dinscheder Weg<br />

treffen, geht es hoch zum Dinscheder Bahnhof. Der Rückweg<br />

führt über den Plackweg (X1). Das sind knapp 14 km, Abkürzungen<br />

sind möglich, indem man schon früher rechts bergauf<br />

geht.<br />

Ein Bahnhof mitten im Wald auf einem Berg?<br />

Ja. Sowohl der Begriff „Bahn“ als auch „Hof“ sind wesentlich<br />

älter als die Eisenbahn. Ein Viehgespann auf einem Jahrh<strong>und</strong>erte<br />

alten Handelsweg wie dem Plackweg hat sicherlich mal<br />

eine Pause gebraucht. Der Dinscheder Bahnhof eignete sich<br />

wohl besonders dafür. Das Wort Bahn hatte früher die Bedeutung<br />

von „Durchhau durch einen Wald“ oder „festgeschlagener<br />

Weg“, als Hof bezeichnete man ursprünglich ein Areal, einen<br />

Freiraum. Möglich ist auch die Herkunft vom „“bâmhof“, was<br />

Baumgarten bedeutet.<br />

Für wen eignet sich die Wanderung? Wie schwer ist sie?<br />

Für knapp 14 km braucht man natürlich etwas Kondition. Sie<br />

ist wellig, aber für Sauerländer Verhältnisse relativ flach. Kein<br />

Vergleich mit meinen Wanderungen auf den Bastenberg oder<br />

den Olsberg im letzten <strong>Winter</strong> <strong>und</strong> Frühling. Tiefster <strong>und</strong><br />

Pferde auf der Weide zwischen Alt-Breitenbruch<br />

<strong>und</strong> Breitenbruch<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 113


höchster Punkt liegen 150 Höhenmeter auseinander. Schwierigkeitsgrad<br />

3 von 7.<br />

Welche Besonderheiten bietet sie?<br />

Wälder <strong>und</strong> Ton-Boden speichern Feuchtigkeit ziemlich gut.<br />

Das gilt auch für die Wege, wenn der Boden nicht oberflächlich<br />

gefroren oder ausgetrocknet ist (nach einer Kälte- bzw. Hitzewelle).<br />

Der Arnsberger Wald ist – übertrieben formuliert – ein<br />

einziges Moor mit teils spezieller Vegetation. Seit der Borkenkäfer-Plage<br />

gibt es aber auch schöne Aussichtsstellen, zum Beispiel<br />

nach Süden über das Ruhrtal hinweg. Der Arnsberger Wald<br />

war so ziemlich früh vom Borkenkäfer betroffen. Deshalb kann<br />

man jetzt mit als Erstes sehen, wie sich die Natur nach zwei,<br />

drei Jahren langsam regeneriert. ■<br />

Dinscheder Bahnhof<br />

Wer diese Strecke mit Robert wandern<br />

möchte, findet sich am 06. Februar 2022<br />

um 10 Uhr am Parkplatz Bockstall ein.<br />

114 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


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NUR EIN TOR<br />

Christel Zidi<br />

S. Droste<br />

Dieses prachtvolle Portal ist<br />

mehr als nur das übrig gebliebene<br />

Tor eines alten Bauernhauses.<br />

Es verkörpert ein Stück<br />

Stadtgeschichte. Der gesamte Hof<br />

stand einst - fast genau - auf dem gleichen<br />

Platz. Er war der schönste <strong>und</strong><br />

größte Hof in Warstein.<br />

Der Erbauer, Johannes Konrad Cramer,<br />

war ein Sohn der Warsteiner Brauerfamilie.<br />

Er hatte sich sein Erbteil auszahlen<br />

lassen <strong>und</strong> war ins Wästertal gezogen,<br />

auf ein Gr<strong>und</strong>stück der Familie Kaiser.<br />

„Die Bebauung des Wästertals als Unterstützung<br />

geschah vom Stadtberg aus ab<br />

dem 17. Jahrh<strong>und</strong>ert“, berichtet uns dazu<br />

Warsteins Ortsvorsteher Dietmar Lange,<br />

„sodass es seit dieser Zeit eine Oberstadt<br />

auf dem Stadtberg <strong>und</strong> eine Unterstadt<br />

im Tal gab, was bis zum Stadtbrand am<br />

31.12.1802 so war.“<br />

Da Konrads Ehefrau Anna Maria Christina<br />

geb. Hötte aus wohlhabendem Hause<br />

kam, konnte das Paar hier 1784 ein<br />

besonders schönes <strong>und</strong> repräsentatives<br />

Fachwerkhaus errichten.<br />

Ihre Tochter Petronella, die auf dem Hof<br />

blieb, heiratete später Franz Göke. Und<br />

so hieß der Hof denn auch bis zu seinem<br />

Abbruch: Göke-Kaiser.<br />

In den 1950er Jahren kaufte die Stadt<br />

Warstein den Hof auf. Die Rangekreuzung<br />

musste erweitert werden <strong>und</strong> der<br />

Neubau der Sparkasse war geplant. Das<br />

Freilichtmuseum Detmold interessierte<br />

sich für das schöne Hallenhaus <strong>und</strong><br />

ließ den damals 170 Jahre alten Hof demontieren<br />

<strong>und</strong> einlagern, um ihn später<br />

im Museum wieder aufzubauen. Doch<br />

ein zerstörerischer Pilz hatte die Balken<br />

des Hauses befallen. Lediglich das alte<br />

Tor war soweit erhalten geblieben, dass<br />

es 2011 – auf Initiative der Bullerteichfre<strong>und</strong>e<br />

- nach Warstein zurückgeholt<br />

werden konnte. ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 117


DER<br />

RALLYE-<br />

MANTA<br />

400<br />

IM SAUERLAND<br />

Christel Zidi<br />

Marc Niemeyer<br />

118 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Manta 400 Gruppe B<br />

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215 km/h<br />

ca 4,5 Sek.<br />

*Rothmans Design<br />

Das Sauerland hat sich zum Bikerland entwickelt. Das<br />

bedeutet aber nicht, dass hier nicht immer wieder<br />

auch ganz besondere Autos unterwegs sind. Eines<br />

davon hat unser Fotograf Marc Niemeyer in Oeventrop entdeckt.<br />

Ein Opel Manta – aber was für einer.<br />

Zwar ist es nicht das Original-Fahrzeug, das der finnische<br />

Rennfahrer Henri Toivonen (1956-1986), der leider viel zu<br />

früh bei einer Rallye verstarb, fuhr. Aber dieses flotte Teil ist<br />

schon sehr nah dran. Vier Jahre, unzählige St<strong>und</strong>en hat der<br />

Oeventroper Rallye-Auto-Besitzer investiert, bis der Manta<br />

so – fast originalgetreu - dastand. „Aber das größte Problem<br />

ist, alle Teile, die zu so einem Auto gehören, zusammenzutragen“,<br />

so der Oeventroper. Seine Mühe hat sich gelohnt. Im<br />

November kam das Fahrzeug bei der Retro Rallye Hessisches<br />

Bergland zum Einsatz <strong>und</strong> konnte von Manta- <strong>und</strong> Rallye-<br />

Fans bestaunt werden.<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 119


Ganz so schnell wie der Finne Toivonen war unser Oeventroper<br />

wohl kaum am Start, denn der fuhr 1983 bei der Manx<br />

International Rallye auf der Isle of Man das Original-Fahrzeug<br />

gegen Marken wie Audi Quattro A2 oder den Lancia<br />

037, die zu dieser Zeit die Rallye-Welt beherrschten. Obwohl<br />

der Manta untermotorisiert war, gewann Toivonen – beim<br />

ersten Versuch. ■<br />

120 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


„Alexa,<br />

was ist eigentlich eine Marke?“<br />

„Ich habe das hier im <strong>WOLL</strong> <strong>Magazin</strong> gef<strong>und</strong>en:“<br />

Das Sauerland ist, wie wohl<br />

jeder Dorfbewohner weiß,<br />

die Heimat von herausragenden<br />

Marken. Jedes Dorf hat seine<br />

bekannten Marken. Heißt es doch:<br />

„Der Schulten Jupp, das ist auch so‘ne<br />

Marke!“ Schauen wir uns nun Schulten<br />

Jupp <strong>und</strong> das, was er so macht, genauer<br />

an, erfahren wir, was eine Marke auszeichnet<br />

<strong>und</strong> unverwechselbar macht.<br />

1. Schulten Jupp ist eine Marke. Er<br />

ist bekannt wie’n bunter H<strong>und</strong>.<br />

2. Schulten Jupp erkennst Du<br />

sofort an seinem harten Sauerländer<br />

Dialekt, an seiner recht<br />

lauten Stimme <strong>und</strong> bestimmt<br />

an seiner eigenwilligen Lache.<br />

Den brauchst Du nicht zu<br />

sehen, den hörst Du.<br />

3. Schulten Jupp ist ehrlich. Der<br />

sagt, was er denkt. Und er macht,<br />

was er sagt.<br />

4. Auf Schulten Jupp ist immer<br />

Verlass. Wenn Du Hilfe brauchst,<br />

Schulten Jupp ist da <strong>und</strong> macht<br />

das.<br />

Es gibt noch viel mehr über Schulten<br />

Jupp zu erzählen. Aber das muss<br />

reichen. Jetzt verstehst Du, was eine<br />

Marke ist. Oder immer noch nicht?<br />

Dann habe ich für Dich noch ein<br />

Beispiel. Das Sauerland ist eine Marke.<br />

Und was für eine. Die Menschen im<br />

Sauerland mögen ihre Marke. Sie sind<br />

stolz darauf. Ihr Herz schlägt für das<br />

Sauerland. Auf das Sauerland lassen sie<br />

nichts kommen. Egal, wie Du Sauerland<br />

schreibst: groß, klein, mit dicken<br />

Buchstaben, mit geschwungenen<br />

Buchstaben, mit oder ohne Bild. Sauerland<br />

bleibt Sauerland. Und es ist ja in<br />

den Herzen. Damit identifiziert man<br />

sich. Das nennt man Identität. Manche<br />

sprechen sogar von Sauerlandität.<br />

Also merke Dir!<br />

● Sauerland ist eine Marke<br />

● Man spricht von der Sauerländer<br />

Lebensart<br />

● Sauerland ist eine Lebensform,<br />

sagt zumindest Ulrich Raulff.<br />

Und der muss es wissen.<br />

Er ist ein bekannter Historiker<br />

<strong>und</strong> Autor.<br />

Eine Marke musst Du natürlich pflegen.<br />

Immer <strong>und</strong> überall. Dann macht<br />

sie Dein Leben einzigartig <strong>und</strong> schön.<br />

Du lächelst, wenn Du den Namen<br />

hörst. Dein Gegenüber auch. Du<br />

verbindest viel Schönes mit dem Sauerland.<br />

Dein Gegenüber auch. Du erzählst<br />

mit Stolz<br />

über das Sauerland. Dein<br />

Gegenüber hört gespannt zu. Du<br />

merkst, man interes siert sich für Dich,<br />

pardon für das Sauerland. Was gibt es<br />

Schöneres.<br />

Aber beachte! Überall lauern Gefahren<br />

<strong>und</strong> Neider, die am Glanz der<br />

Marke kratzen wollen, die ihr den<br />

Erfolg nicht gönnen. Oder, die von<br />

der Bekanntheit, dem Image <strong>und</strong><br />

Vertrauen der Marke etwas abbekommen<br />

möchten. Du musst die Marke<br />

schützen. Sie muss unverwechselbar,<br />

einzigartig, begehrenswert <strong>und</strong> immer<br />

sympathisch bleiben.<br />

Jetzt weißt Du, was eine Marke ist.<br />

Und schau Dich mal um im Sauerland,<br />

wo Du überall bekannte, sympathische<br />

<strong>und</strong> einzigartige Marken fin dest.<br />

Sauer land ist ein Markenland. Das<br />

kann ich Dir versprechen. ■<br />

www.marketingclub-hsk.de<br />

Mein Name ist Macketing. Alexa Macketing. Ich bin Dozentin im Fachbereich<br />

„Dönekes“ an der Sauerland-Universität zu Blüggelscheidt-Mosebolle.<br />

Zusammen mit meinem Marketingclub-Team forsche ich am Geheimnis,<br />

warum es so viele welt-erfolgreiche Sauerländer Unternehmen gibt. Zugegeben:<br />

Noch tappen wir ein wenig im Dunkeln, aber wir bleiben am Ball…<br />

Mehr Marketing-Dönekes in den kommenden <strong>WOLL</strong>-Ausgaben!<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 121


Drei Männer im Sauerland des 17. Jahrh<strong>und</strong>erts<br />

Christel Zidi<br />

JÄGER, GEJAGTER<br />

- UND MICHAEL STAPPERT<br />

Drei Männer trafen sich im<br />

Juni 1617 in Warstein-Allagen. Drei Männer,<br />

wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten: ein<br />

Hexenkommissar, ein Bierbrauer <strong>und</strong> ein Pfarrer. Eine<br />

schicksalhafte Begegnung.<br />

Der junge Michael Stappert hatte schon einigen Prozessen<br />

beigewohnt, bei denen Menschen der Hexerei angeklagt <strong>und</strong><br />

zum Tode verurteilt worden war. Als Pfarrer kam er hinzu, um<br />

geistlichen Trost zuzusprechen. Bei diesen Gesprächen hörte<br />

er immer wieder, wie die Verurteilten zu ihren Geständnissen<br />

gebracht worden waren: durch suggestive Fragen <strong>und</strong> durch<br />

Folter.<br />

Noch gar nicht lange her war es, dass der aus Rüthen-Meiste<br />

stammende Stappert - auch Michael Stapirius genannt – sich als<br />

Pfarrer der Kirchengemeinde St. Christophorus Hirschberg für<br />

die Ausrottung der Hexen aussprach. Aber waren diese Menschen,<br />

die da vor ihm saßen, wirklich Hexen…? Es gab einige<br />

unter ihnen, die ausdrücklich darum baten, das, was sie ihm<br />

anvertrauten, nicht den Richtern mitzuteilen. Zu groß war die<br />

Angst vor weiteren Folterungen. Lieber wollten sie sterben…<br />

Dieser neue Richter aus Köln, Dr. Heinrich Schultheiß, hatte<br />

in den letzten beiden Jahren schon so einige Prozesse geführt.<br />

Nun stand sein 13. Fall an: Steffen von Niederbergheim. Stappert<br />

kannte ihn. Die Niederbergheimer war ungefähr in seinem<br />

Alter. Eigentlich kannte ihn jeder in der Umgebung, denn mit<br />

dem Wasser aus der Wäster braute Steffen besonders gutes Bier.<br />

Aber dieser Bierbrauer, der da auf der Anklagebank saß, hatte<br />

doch mit Hexerei nun wirklich nichts im Sinn. Natürlich vernebelte<br />

zu viel seines Bieres einem schon mal den Kopf, aber<br />

das tat anderes Bier ebenso. Als Michael dem jungen Brauer<br />

die letzte Beichte abnahm, hört er fast das Gleiche, das er zuvor<br />

auch von den anderen Verurteilten erfahren hatte. Von denen<br />

in Kallenhardt, Hirschberg, Hellefeld <strong>und</strong> jetzt hier in Allagen.<br />

Die Zweifel des Priesters<br />

Die schon zuvor aufgekommenen Zweifel des Pfarrers verstärkten<br />

sich. Für Steffen konnte er nichts mehr tun, aber er wollte<br />

seinen Blick mal genauer auf das richten, was bei diesen Prozessen<br />

wirklich vor sich ging. Michael Stappert war bis 1821 in<br />

Hirschberg tätig, dann zog er nach Grevenstein. In den Jahren<br />

1628/1629 war er bei Hexenprozessen in Anröchte, Balve, Calle<br />

<strong>und</strong> Hirschberg dabei. Dieses Mal führte er aber nicht nur Gespräche<br />

mit den Verurteilten <strong>und</strong> ihren Verwandten, sondern<br />

auch mit anderen Geistlichen, mit den Gefängniswärtern.<br />

Foto: Hexenhammer: Sprenger, Jakob, Public domain, via Wikimedia Commons<br />

Jetzt wollte er genau wissen, was wirklich bei den Hexenprozessen<br />

<strong>und</strong> den Folterungen geschah. Dazu nahm er auch den Hexenkommissar<br />

genauer unter die Lupe.<br />

122 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Der Bauernsohn aus Stormede<br />

Heinrich Schultheiß stammte aus ein reichen Großbauernfamilie aus Scharmede<br />

bei Salzkotten. Was hat ihn zu dem werden lassen, der er war? Seine Lehrer an<br />

der Jesuitenschule in Paderborn oder später die an den Universitäten in Köln <strong>und</strong><br />

Würzburg, die keinen Zweifel an der<br />

Notwendigkeit der Hexenverfolgung<br />

ließen. Hatte ihn der Verfolgungseifer<br />

der Brüder Dietrich <strong>und</strong> Kaspar von<br />

Fürstenberg angesteckt? Der eine Bischof<br />

im Hochstift, der andere Landdrost<br />

im Herzogtum Westfalen. Oder<br />

war es die Tatsache, dass sein Vater,<br />

als Schöffe an einem Hexenprozess<br />

Das Pfarrheim in Grevenstein wurde Michael<br />

Stappert gewidmet<br />

Hier in der Arnsberger Altstadt<br />

wohnte der Hexenkommissar<br />

beteiligt - damals wurden zwölf Frauen<br />

verurteilt <strong>und</strong> hingerichtet – vom<br />

Sohn einer Verurteilten wegen Rechtsbeugung<br />

verklagt wurde? Was hatte<br />

Schultheiß zum unbarmherzigen Hexenkommissar<br />

werden lassen? Mischte<br />

sich da der Kampf gegen den Protestantismus<br />

<strong>und</strong> mit der Bekämpfung<br />

des „Hexenunwesens“? Um 1614 war<br />

Schultheiß nach Arnsberg gekommen,<br />

zunächst als kurfürstlicher Rat, dann<br />

als Vertreter des Fiskus bei Prozessen.<br />

Der Scharmede Bauernsohn kam bei<br />

seinen Vorgesetzten gut an <strong>und</strong> wurde<br />

später sogar in den Adelsstand erhoben.<br />

1633, während des 30-jährigen Krieges musste er vor den protestantischen<br />

Truppen nach Köln fliehen, kehrte aber wieder nach Arnsberg zurück, war 1643<br />

an den „Zaubereiprozessen“ in Werl beteiligt. Dr. Heinrich von Schultheiß starb<br />

1646 in Arnsberg. Den Angeklagten Geständnisse abzuverlangen, gelang Schulte<br />

fast immer. Entweder durch Suggestivfragen – oder eben durch Folter. Da machte<br />

er auch vor dem damaligen Bürgermeister der Stadt Arnsberg - Henneke von Essen<br />

- nicht halt.<br />

Die Erkenntnisse, die Michael Stappert erlangt hatte, führten zu einem vollständigen<br />

Sinneswandel. Er schrieb diese nieder <strong>und</strong> wandte sich fortan gegen das Unrecht,<br />

gegen gnadenlose Folterung <strong>und</strong> die Verurteilung Unschuldiger als Hexen,<br />

gegen deren Tod auf dem Scheiterhaufen. Seine Schrift wurde allerdings erst 1676<br />

in dem Buch des Amsterdamer Kaufmanns Hermann Löher veröffentlicht.<br />

MUSTERHAUS<br />

IN BESTWIG<br />

WOHNGESUNDES<br />

HAUSKONZEPT MIT STIL<br />

Sie möchten bauen <strong>und</strong> suchen noch<br />

Inspiration für Ihr Traumhaus? Dann laden<br />

wir Sie recht herzlich ein, unser neues<br />

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auf 143 m², was ein Büdenbender Haus<br />

auszeichnet. Wir freuen uns auf Sie.<br />

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Telefon 0 29 04 / 984 90 80<br />

hallo@buedenbender-hausbau.de<br />

Michael Stappert, der von 1621 bis zu seinem Tod im Jahre 1663 in Grevenstein<br />

wirkte, hat sich neben seiner pastoralen Tätigkeit für die Verbesserung des Schulwesens<br />

engagiert. ■<br />

Fotoautoren:<br />

Thomas Jostes (Michael-Stappert-Haus)<br />

ArtMechanic, via Wikimedia Commons<br />

(Haus zur Krim)<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 123<br />

www.buedenbender-hausbau.de


Kuhgeflüster im <strong>Winter</strong><br />

Kuhgeflüster im Herbst<br />

Peter P. Neuhaus<br />

Vom Mittelmaß<br />

von Peter P. Neuhaus<br />

Die Kuh flog niemals auf den Mond,<br />

sah nie Amerika.<br />

Sie ist zufrieden, wo sie wohnt –<br />

wie Tante Erika.<br />

Die Kuh schrieb niemals ein Poem,<br />

obwohl sie’s sicher kann.<br />

Sie fuhr nicht selbst nach Bethlehem,<br />

sie schickte ihren Mann.<br />

Sie schnurrt nicht <strong>und</strong> sie haart nicht sehr,<br />

taugt nicht als Kind-Ersatz.<br />

Sie fährt nicht mit dem Nahverkehr,<br />

zahlt Standardsteuersatz.<br />

Ist keine, die sich groß beschwert,<br />

braucht keine Majestät,<br />

geht ungern nur ins Jazzkonzert,<br />

sah niemals Breaking Bad.<br />

Sie denkt nicht übers Große nach,<br />

das Ganze juckt sie kaum.<br />

Und liegt sie dann im Schlafgemach,<br />

vergisst sie Zeit <strong>und</strong> Raum.<br />

Die Kuh, sie ist zufrieden schon<br />

mit wenig. Von derWelt<br />

erwartet sie nicht Gotteslohn,<br />

nicht Auto, Haus, nicht Geld.<br />

124 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021<br />

Die Kuh isst nicht beim Sternekoch<br />

<strong>und</strong> trinkt nur selten Gin.<br />

Am Abend sagt sie:„Sicher doch …“<br />

<strong>und</strong> legt sich friedlich hin.<br />

Sie hofft nicht auf den großen Spaß.<br />

Sie ist <strong>und</strong> bleibt bloß: Kuh.<br />

Ist glücklich mit dem Mittelmaß,<br />

genau wie ich <strong>und</strong> Du.<br />

Die Comic von Rüdiger Tillmann <strong>und</strong> die Gedichte von Peter P. Neuhaus finden Sie<br />

im Buch "Kuhgeflüster – Geschichten <strong>und</strong> Gedichte aus dem Sauerland"<br />

15,90 € / ISBN-978-3-943681-63-5 / Erschienen im <strong>WOLL</strong>-Verlag<br />

Erhältlich im www.woll-onlineshop.de oder in den Sauerländer Buchhandlungen<br />

Die Comic von Rüdiger Tillmann <strong>und</strong> die Gedichte von Peter P. Neuhaus finden Sie<br />

im Buch "Kuhgeflüster – Geschichten <strong>und</strong> Gedichte aus dem Sauerland"<br />

15,90 € / ISBN-978-3-943681-63-5 / Erschienen im <strong>WOLL</strong>-Verlag<br />

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„Das ganze Buch ist gut.“<br />

Thomas Gsella<br />

Auf den sauerländischen Weiden <strong>und</strong> in den dunklen<br />

Wäldern der berühmten Mittelgebirgs region zwischen<br />

Ural <strong>und</strong> französischem Zentralmassiv tummeln sich Tiere,<br />

die sich allerlei zu erzählen haben.<br />

Das wird von Rüdiger Tillmann genaustens beobachtet<br />

<strong>und</strong> in bunten Cartoons festgehalten. Und darüber muss<br />

man Worte verlieren. Also reimt Peter P. Neuhaus, was<br />

die Tierwelt hergibt.<br />

Immer wieder steht im Zentrum dieser Beobachtungen<br />

die Kuh, die Symbolfigur des Lands der tausend Berge, in<br />

dem am Ende der Geschichte manchmal sogar Cowboys<br />

gen Horizont ziehen sollen. Und wenn die grad nicht da<br />

sind, tut’s eben die Kuh.<br />

Geschichten <strong>und</strong> Gedichte aus dem Sauerland R. Tillmann / P. P. Neuhaus<br />

ÜSTER<br />

Rüdiger Tillmann Peter P. Neuhaus<br />

KUHGEFLÜSTER<br />

aus dem Sauerland


Ein<br />

Nikolaus<br />

mit Zertifikat<br />

Andreas Wiemar aus Warstein<br />

Helmut Gaida<br />

sabrinity<br />

Andreas Wiemar aus Warstein ist ein vielbeschäftigter<br />

Mann. Das ganze<br />

Jahr über. Doch in der Vorweihnachtszeit<br />

ist er in besonderer<br />

Mission unterwegs. Dann nämlich tritt<br />

er in die Fußstapfen des Heiligen Nikolaus<br />

<strong>und</strong> bringt großen <strong>und</strong> kleinen<br />

Menschen Freude.<br />

Andreas Wiemar zieht ein rotes Kostüm<br />

an, setzt die Mitra auf <strong>und</strong> nimmt den<br />

Bischofsstab zur Hand. Jetzt ist er der<br />

Nikolaus. Um ein solcher zu werden,<br />

hat der 52-jährige Wiemar eigens einen<br />

Ausbildungs-Kurs des Erzbistums Paderborn<br />

besucht <strong>und</strong> das „Nikolaus-<br />

Zertifikat“ erhalten. Als Nachfolger<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 125


Das erste Kostüm nähte seine Frau Haare <strong>und</strong> Bart wachsen erst ab Ende November Knecht Ruprecht muss dem Nikolaus dienen<br />

des heiligen Nikolaus von Myra, der für Selbstlosigkeit <strong>und</strong><br />

Nächstenliebe steht, besucht er seitdem in der Vorweihnachtszeit<br />

die Menschen <strong>und</strong> schenkt ihnen ein bisschen Freude.<br />

Wie auch einem kleinen Mädchen, im letzten Dezember vor<br />

dem Hirschberger Rathaus. Die Kleine zupfte schon eine ganze<br />

Weile an seinem Gewand. Auf seine Frage, was sie denn<br />

möchte, antwortete das Mädchen mit glänzenden Augen: „Der<br />

Bauch ist echt. Du bist der richtige Nikolaus.“<br />

Wenn er zu Kindern geht, ist er meist allein unterwegs. Denn<br />

um die Kleinen nicht zu verängstigen, verzichtet er auf den Einsatz<br />

des furchteinflößenden Knecht Ruprecht: „Kinder sollen<br />

im positiven Sinne vom Nikolaus träumen.“ Aus dem gleichen<br />

Gr<strong>und</strong> gibt es bei seinen Worten keine erzieherischen Reden,<br />

sondern nur Geschenke <strong>und</strong> eine schöne Zeit.<br />

Anders, wenn es zu abendlichen Nikolausfeiern geht. Dann<br />

tritt er meist im Dreiergespann auf, mit dem dunklen Gesellen<br />

Knecht Ruprecht (Andreas Reineke), der schon mal die Rute<br />

auspacken muss, <strong>und</strong> einem Rentier (Markus Kruse) hoch aus<br />

dem Norden (des Sauerlandes). Andreas Wiemar: „Es ist ein<br />

schönes Miteinander <strong>und</strong> ein w<strong>und</strong>erbarer Job.“<br />

Ein Job, der ihm viel Freude bereitet, aber durchaus nicht der<br />

einzige. Weil es für Andreas Wiemar eine Selbstverständlich-<br />

Du möchtest im<br />

Sauerland<br />

etwas bewegen <strong>und</strong> an sympathischen<br />

Marken mitarbeiten?


Der Bart muss in Form gebracht werden Die Mitra auf den Kopf, die Brille auf... ... <strong>und</strong> dann hinein die blankgeputzten Schuhe.<br />

keit ist, ehrenamtlich tätig zu sein, ist er schon seit langer Zeit<br />

bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt. Der 52-jährige Warsteiner<br />

ist gern unter Menschen, sowohl bei der Warsteiner<br />

Brauerei, wo er als Betriebsrat arbeitet, als Vorsitzender des Vereinsbürgerrings<br />

oder beim Karneval. Und natürlich ist er auch<br />

regelmäßig auf dem Fußballplatz zu finden, äh zu hören, denn<br />

Wiemar ist Stadionsprecher des TuS Warstein.<br />

Aber jetzt freut sich Andreas Wiemar erst einmal auf seinen<br />

nächsten Besuch in den Werkstätten für Behinderte. Hier wird<br />

seiner Ankunft förmlich entgegengefiebert. ■<br />

Bischof Nikolaus von Myra wurde vermutlich zwischen<br />

270 <strong>und</strong> 286 geboren, in Patara/ Lykien,<br />

der heutigen Türkei geboren. Er starb an einem 6.<br />

Dezember zwischen 343 <strong>und</strong> 351 in Myra.<br />

Nach seiner Priesterweihe war Nikolaus zunächst<br />

Abt des Klosters Sion in der Nähe von Myra. Das<br />

große Vermögen, das er von seinen Eltern geerbt hatte,<br />

verwendete er, um armen Menschen zu helfen.<br />

Sales Manager Digital Media (m/w/d)<br />

Stellvertretende<br />

Redaktionsleitung (m/w/d)<br />

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unser Team<br />

Deine Gedanken werden Zukunft<br />

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<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 127


Menschen, Ideen <strong>und</strong> Lösungen in Berlin vernetzen<br />

Sauerländer Anlaufpunkt<br />

in der Hauptstadt<br />

Hermann-J. Hoffe<br />

Sauerländer Botschaft<br />

Sauerländer Lebensart. Sauerland als Lebensform. Sauerländer Botschaft in Berlin. Das Sauerland <strong>und</strong><br />

seine Menschen machen sich zunehmend bemerkbar. Und das ist gut so. Jedenfalls, wenn man zurückschaut<br />

<strong>und</strong> sich w<strong>und</strong>ert, warum es der Region mitten im Herzen von Deutschland, oder wie es ein Schmallenberger<br />

Unternehmen einmal sagte: „im Herzen Europas“, an hoher Bekanntheit <strong>und</strong> einem unverwechselbaren<br />

Image mangelt.<br />

Seit kurzem gibt es den Verein Sauerländer Botschaft in<br />

Berlin. Die Gründer <strong>und</strong> Initiatoren sind der Überzeugung,<br />

dass es einen zentralen Anlaufpunkt in der B<strong>und</strong>eshauptstadt<br />

geben sollte, der Sauerländerinnen <strong>und</strong><br />

Sauerländer in Berlin zusammenführt. Seien es ‚Exil-Sauerländer‘,<br />

die in Berlin leben <strong>und</strong> arbeiten, seien es Sauerländer<br />

Unternehmen die geschäftlich in Berlin vertreten<br />

sind, seien es Politikerinnen <strong>und</strong> Politiker, die unsere Region<br />

vertreten oder einfach heimatverb<strong>und</strong>ene Menschen<br />

aus dem Sauerland, die an einem spannenden Netzwerk<br />

interessiert sind. Die Sauerländer Botschaft in Berlin als<br />

„Schützenhalle“ im unübersichtlichen Häusermeer einer<br />

Großstadt.<br />

Treffen <strong>und</strong> bei einem Sauerländer Pils<br />

nett unterhalten<br />

„Eine erste Abfrage in der Region zeigt: Nicht nur wir<br />

Initiatoren haben großes Interesse daran, auch viele Mitarbeiterinnen<br />

<strong>und</strong> Mitarbeiter in Sauerländer Unternehmen,<br />

heimische Politikerinnen <strong>und</strong> Politiker sowie weitere<br />

Funktionäre fänden es klasse, wenn wir Sauerländer in<br />

Berlin eine zentrale Anlaufstelle hätten.“ Emanuel Homann<br />

aus Alme, ein forscher Sauerländer Dorfjunge, Inhaber<br />

eines b<strong>und</strong>esweit agierenden Architekturbüros mit<br />

Standorten in Frankfurt, Düsseldorf, <strong>Brilon</strong> <strong>und</strong> Berlin,<br />

einer der Gründer der Sauerländer Botschaft, berichtet<br />

128 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


mit großer Begeisterung über die Entwicklung in den<br />

vergangenen Wochen <strong>und</strong> Monaten. „Zu unserem ersten<br />

Treffen am 9. November in der Parlamentarischen<br />

Gesellschaft kamen mehr als 80 Sauerländerinnen <strong>und</strong><br />

Sauerländer. Die Medien haben b<strong>und</strong>esweit darüber berichtet.<br />

Man kennt uns jetzt nicht nur im Sauerland.“<br />

Sein Bruder Cornelius, der als Rechtsanwalt, unter anderem<br />

als Fachanwalt für Bau- <strong>und</strong> Architekturrecht, in<br />

<strong>Brilon</strong> tätig ist, ergänzt: „So wie wir uns im Sauerland<br />

beim Schützenfest ungezwungen treffen <strong>und</strong> sich jeder<br />

mit jedem unterhält, so soll das auch bei der Sauerländer<br />

Botschaft in Berlin sein.“<br />

Sauerländer haben Ahnung <strong>und</strong> teilen<br />

sie gerne mit Gleichgesinnten<br />

Der Journalist <strong>und</strong> Buchautor Ulrich Raulff hat erst<br />

kürzlich in seinem Esay „Das Sauerland als Lebensform“<br />

trefflich über die Sauerländer formuliert: „Sie haben Ahnung.<br />

Diese Gabe prägt ihre Lebensform <strong>und</strong> verbindet<br />

sich mit ihrem natürlichen Realismus. Aber anders als<br />

Annette (Anm. der Redaktion: hier meint der Autor die<br />

Dichterin Annette von Droste-Hülshoff) meinte, macht<br />

sie die Sauerländer nicht zu erfolgreichen Spekulanten.<br />

Sie macht sie zu phantastischen Fabrikanten.“<br />

Diese Fabrikanten, Unternehmer, Macher <strong>und</strong> Vordenker<br />

will die Sauerländer Botschaft zusammenbringen.<br />

Und ihnen, wenn sie dann in der Hauptstadt geschäftlich<br />

Vorstandsvorsitzender Cornelius Homann aus <strong>Brilon</strong> (Foto privat)<br />

NEUES JAHR,<br />

NEUES GLÜCK!<br />

2022B<br />

AUSSTELLUNG<br />

AUSSTELLUNG<br />

Haus Garten Technik<br />

Haus Haus Haus Garten Garten Technik<br />

Technik<br />

Meschede<br />

Meschede<br />

Täglich<br />

10:30 bis<br />

17:30 Uhr<br />

Täglich<br />

St. Georgs Halle Meschede<br />

10:30 bis<br />

Haus Garten Technik<br />

Haus Haus Haus Garten Garten Technik<br />

Technik<br />

Sa. 12. Feb.<br />

So. 13. Feb.<br />

Sa. 12. Feb.<br />

So. 13. Feb.<br />

17:30 Uhr<br />

www.BauLokal.de<br />

St. Georgs Halle Meschede<br />

www.BauLokal.de<br />

Wir hoffen auf eine mögliche Durchführung der<br />

BauLokal Ausstellung im Februar 2022, <strong>und</strong> zwar „live<br />

<strong>und</strong> in Farbe“! Natürlich kann man nicht messerscharf<br />

in die Zukunft blicken, doch wir sind optimistisch,<br />

dass unsere beliebte Baumesse im kommenden Jahr<br />

stattfinden wird.<br />

Für interessierte Aussteller: Es gibt 100%<br />

Rücktrittsrecht ohne Kosten, falls aufgr<strong>und</strong> Covid die<br />

Veranstaltung nicht stattfinden kann. Melden Sie sich<br />

gern bei uns <strong>und</strong> sichern Sie sich Ihre Standfläche.<br />

Kontakt: Oliver Schaeffer<br />

02904 / 711 80-20 oliver@axo-media.de<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 129<br />

B<br />

N<br />

Wi<br />

im<br />

nic<br />

da<br />

Fü<br />

fal<br />

Sie<br />

Ko


Über besondere Leistungen <strong>und</strong> Erfolge der heimischen<br />

Unternehmen oder über Politiker, Sportler, Künstler <strong>und</strong><br />

andere Menschen aus dem Sauerland, die gerade etwas Bemerkenswertes<br />

gesagt oder getan haben. Man fühlt sich<br />

wohl in der Gemeinschaft von Menschen, deren Herz für<br />

das Sauerland schlägt <strong>und</strong> ist wohl auch ein bisschen stolz<br />

auf das, was uns verbindet.“<br />

oder privat unterwegs sind, einen vertrauten Ort zum Gedanken-<br />

<strong>und</strong> Meinungsaustausch anbieten. Barbara Maria<br />

Lempp, geboren <strong>und</strong> aufgewachsen in Serkenrode <strong>und</strong><br />

jetzt Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Energiehändler<br />

e.V. in Berlin freut sich auf die Treffen mit den<br />

Sauerländerinnen <strong>und</strong> Sauerländern <strong>und</strong> allen, die Freude<br />

an Sauerländer Gemütlichkeit haben. „Wann immer Menschen<br />

aus dem Sauerland fern der Heimat zusammenkommen,<br />

haben sie sich meist etwas „Sauerländisches“ zu erzählen.<br />

Über das Dorf oder die Stadt aus der sie stammen.<br />

Nach einhelliger Meinung der drei Vorstandsmitglieder<br />

der Sauerländer Botschaft ist der erste wichtige Schritt<br />

nun getan. Wie es weitergeht, darüber wird das <strong>WOLL</strong>-<br />

<strong>Magazin</strong> an dieser Stelle <strong>und</strong> über die Online-Kanäle<br />

regelmäßig berichten. Wer bereits jetzt mehr über die<br />

Sauerländer Vertretung in Berlin wissen möchte oder an<br />

einer Mitgliedschaft interessiert ist, findet auf der Website<br />

www.sauerland.berlin weitere Informationen. ■<br />

www.sauerland.berlin<br />

Vorstand <strong>und</strong> Gäste des ersten Sauerländer Abends in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin - am 9. November 2021 (Foto privat)<br />

130 - <strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021


Silvia Padberg<br />

Steckrüben -<br />

die Waldecker<br />

Südfrüchte<br />

Steckrübengemüse<br />

Zutaten für 4 Personen:<br />

2 Steckrüben<br />

250 ml Brühe<br />

100 g Butter<br />

Salz<br />

Pfeffer<br />

4 Kohlwürste<br />

Butter<br />

Zubereitung:<br />

Die Steckrübe schälen <strong>und</strong> in dünne Streifen schneiden.<br />

250 ml Brühe zum Kochen bringen <strong>und</strong> das Gemüse<br />

hineingeben. Kräftig mit Salz <strong>und</strong> Pfeffer abschmecken.<br />

Die geräucherten Kohlwürste hinzufügen. Sobald das Gemüse<br />

bissfest ist, Kohlwürste entnehmen <strong>und</strong> die Brühe<br />

abschütten, die Steckrüben kurz in Butter schwenken. Mit<br />

Salzkartoffeln servieren.<br />

Durch ihren hohen Wassergehalt sind Steckrüben<br />

sehr kalorienarm. Steckrüben enthalten die Vitamine<br />

B1, B2, C, Traubenzucker, Eiweiß, Fett,<br />

schwefelhaltige ätherische Öle, Mineralstoffe,<br />

Carotin, Provitamin A <strong>und</strong> Nicotinsäureamid.<br />

Haben Sie schon mal von den Waldecker Südfrüchten<br />

gehört? Die haben mit Ananas, Bananen <strong>und</strong><br />

Co. nun überhaupt nichts zu tun. Denn mit diesen<br />

Südfrüchten sind ganz schlicht <strong>und</strong> einfach die Steckrüben<br />

gemeint.<br />

Während des Steckrübenwinters 1916/17 stand die Steckrübe<br />

von morgens bis abends auf dem Menüplan. Ausgerechnet<br />

während des 1. Weltkrieges war die Kartoffelernte zur Missernte<br />

geworden. Als Ersatz wurden Steckrüben herangezogen.<br />

Feldfrüchte, die zuvor hauptsächlich als Schweinefutter<br />

angebaut wurden. Um nicht an Hunger zu Leiden, kochte<br />

man aus ihr Suppe, machte damit Aufläufe <strong>und</strong> Koteletts,<br />

sogar Kuchen <strong>und</strong> Marmelade. Auch diente sie als Ersatz für<br />

Sauerkraut. Selbst Kaffee wurde daraus gemacht.<br />

Besonders beliebt war die Steckrübe trotz allem nicht, denn<br />

selbst beste Steaks oder feinste Früchte wird man leid, wenn<br />

man sie, zwar in allen nur denklichen Variationen, aber ständig<br />

bekommt. Obwohl die gute, alte Steckrübe sicherlich<br />

mehr Dankbarkeit verdient hätte.<br />

Anders im Waldeckschen Land. Dort baute man sie schon seit<br />

Jahrh<strong>und</strong>erten an <strong>und</strong> – so erzählt man es sich - aß sie auch<br />

stets mit Begeisterung. So, als wären es eben exotische Früchte,<br />

die man sich zu Beginn des 20. Jahrh<strong>und</strong>ert natürlich nicht<br />

hätte leisten können.<br />

Wie gut, dass die Steckrübe, die mit ihrem herbsüßen Geschmack<br />

an Kohl erinnert, gemeinhin wieder ihren Weg in<br />

die Küchen gef<strong>und</strong>en hat – sogar in den Jahren 2017 <strong>und</strong><br />

2018 das “Gemüse des Jahres war.<br />

Mit den richtigen Zutaten kann ein Steckrübengericht durchaus<br />

zur Delikatesse werden. ■<br />

<strong>WOLL</strong> <strong>Winter</strong> 2021 - 131


Leg los!<br />

Dein Karriere-Kick im Sauerland<br />

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Wachse über dich hinaus! Unsere Ausbildung<br />

steckt voller Power. Die „,Big Six BRILON“ stehen<br />

für ausgezeichnete Ausbildungskonzepte in<br />

einer Umgebung voller Outdoor-Fun. Hier erwarten<br />

dich nicht nur tolle Karrierechancen,<br />

auch die Freizeitmöglichkeiten können sich<br />

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Weitere Infos zu den Big Six<br />

erhalten Sie auf unserer Homepage.<br />

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Caritasverband<br />

<strong>Brilon</strong> e.V.

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