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WOLL Magazin 2022.2 Sommer

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Sommer 2022

20

Sauerland

Worte, Orte, Land und Leute.

Schwerpunkt in dieser Ausgabe:

NACHHALTIGES

SAUERLAND

Ausgabe für

Brilon, Marsberg,

Willingen und

Diemelsee

20 SEITEN SPEZIAL:

Starker Wirtschaftsstandort

Brilon

Ritterschlag in Brilon-Scharfenberg:

Sauerland-Schlaraffenland

Sportliches Marsberg:

Triathletin Johanna Geise

Jüdische Geschichte in Brilon und Umgebung

Begegung mit der Erinnerung

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WOLL - mit Herz und Hand von


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IM EIGENEN ZUHAUSE

Britta Melgert

sabrinity

„Das richtige Bett muss nicht

das teuerste sein.“

(Inge Wiese)

Für jeden Rücken das passende Bett finden - bei Becker Matratzen

R

und ein Drittel des

Lebens verbringt der

Mensch im Bett. Schlaf

soll entspannen, stärken und sogar

heilen. Doch Viele wachen morgens

mit Schmerzen auf. Meist ist der

Rücken das Problem. Die Ursache

ist oft das falsche Bett. Bei Becker

Matratzen in Brilon finden die Geplagten

kompetente Unterstützung

bei der Optimierung ihres Schlafkomforts.

„Das richtige Bett zu finden ist eine

Expertenaufgabe“, erklärt Inge Wiese,

die Geschäftsführerin des Briloner

Familienunternehmens. „Das perfekte

Zusammenspiel von Matratze, Lattenrost,

Deckbett und Kissen kann wahre

Wunder bewirken. Einen Berater zu

finden, der viel Erfahrung, Fachwissen

und Geduld in sich vereint, ist für viele

unserer Kunden Gold wert.“

Jeder Körper hat eigene

Bedürfnisse

Etliche Trends hat Inge Wiese kommen

und gehen sehen. „Cleveres

Marketing lässt Menschen heutzutage

glauben, es gäbe die eine Matratze, die

für Jeden die richtige ist. Wie soll das

Katharina und Inge Wiese

denn funktionieren? Jeder Körper ist

anders und hat eigene Bedürfnisse.“

Tochter Katharina fügt vergleichend

hinzu: „Man geht ja auch nicht ins

Schuhgeschäft und kauft irgendeinen

Sportschuh, der gleichzeitig auf

Wandern, Fußball und Jogging passt.

Genauso ist es beim Bett. Die zarte

Angestellte mit sitzender Tätigkeit

benötigt für den gesunden Schlaf eine

andere Unterlage als der breitschultrige,

sauerländische Naturbursche.“

Optimierung im Liegen

Und so erleben Kunden bei Matratzen

Becker die Unterschiede im Liegen.

„Unser geschultes Auge erkennt schnell,

ob der Körper optimal ausgerichtet

ist oder ob beispielweise der

Lattenrost anders eingestellt werden

muss“, erklärt die Chefin. „Manchmal

hilft sogar schon ein kleines,

zusätzliches Kissen, damit sich der

Körper entspannen kann. Das richtige

Bett muss nicht das teuerste sein.

Oft ist den Menschen mit umgerechnet

wenigen Cent pro Nacht entscheidend

geholfen auf dem Weg zum

absoluten Lieblingsplatz im eigenen

Zuhause.“ ■

Becker-Matratzen

Am Hängeberg 2 . 59929 Brilon

info@becker-matratzen.de

www.becker-matratzen.de


Liebe Leserinnen und Leser,

seit wir Menschen erkannt haben, dass alle Rohstoffe und Energievorräte auszugehen

drohen, wenn wir sie so unüberlegt wie zuvor nutzen, hat eine Sensibilisierung

begonnen. Wir sorgen uns z. B. um verschwindende Wälder und den

auch daraus resultierenden Klimawandel. Die Begriffe „Geregelte Ressourcen-

Nutzung“ und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Wer jetzt denkt, dass das ganz

neue Handlungsprinzipien sind, irrt. Schon vor mehr als 300 Jahren hat Hans

Carl von Carlowitz den Begriff „nachhaltig“ geprägt. Vorrangig ging es ihm um

die Forstwirtschaft, doch das Handlungsprinzip der Ressourcennutzung bezieht

noch wesentlich mehr Bereiche ein. Nachhaltig können alte Apfelsorten sein, ein

Tiny- und sogar ein Autohaus. Von vielen, mir bisher nicht bewussten Facetten

der Nachhaltigkeit hat der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Stadt Arnsberg, Sebastian

Witte, berichtet. Sie werden erstaunt sein, wenn Sie in unserem Magazin darüber

lesen. Den ausführlichen Bericht finden Sie auch auf unserer Internetseite

https://www.imsauerland.de/informationen/blog/.

Paul Senske

Chefredakteur

Nachhaltigkeit ist auch die Triebfeder, weshalb wir Ihnen vierteljährlich unsere

Beiträge präsentieren, denn wir wollen in Ihnen die Verbundenheit mit unserer

Heimat, mit den tollen Menschen, die hier leben und den wunderbaren Geschichten,

die hier passieren und passiert sind, wecken und erhalten. In dieser

Ausgabe erfahren Sie von Jubiläen, Sportlern und Künstlern, einer Frau, die sich

speziell um ihre Heimatstadt kümmert und einem Ehepaar, das ein Waisenhaus

in Myanmar unterstützt. Wir zeigen Ihnen einen wunderbaren Blick auf und von

der Burgruine Hachen und noch ganz viel mehr.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihr

Paul Senske

Kontakt:

www.woll-magazin.de

redaktion-woll@axo-media.de

WOLL Sommer 2022 - 3


FRISCHE KOMMT

SELTEN ALLEIN.

Leidenschaft ist, was uns verbindet.

Frisches VELTINS.

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4 - WOLL Sommer 2022


20

39

54

Ab Seite 86: Starker Wirtschaftsstandort Brilon

06 St. Franziskus-Hospital Winterberg

07 Der WOLLänder

08 Künstlerin Dorothea Bach

11 Veltins „Helles Pülleken“

12 Aqua Olsberg

14 Eishockey im Sauerland

16 Willingens Bürgermeister Thomas Trachte

17 Caritas: Heimat-Helden

18 Ritterschlag bei den Schlaraffen

20 Burgruine Hachen

22 CREO

24 Hasse Chehört

Spezial: Nachhaltiges Sauerland

25 Das Prinzip Nachhaltigkeit

26 Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Arnsberg

28 Autohaus Witteler

30 Naturparkschulen

32 Bionik - der Natur abgeschaut

34 Leben im Tiny House

36 20 Jahre Firma Schüttler

38 Alte Obstsorten in Sundern-Weninghausen

40 Jüdisches Leben in Sauerländer Dörfern

43 ROSE Handwerk

44 Die Warstein-Lippstadt-Bahn

45 25 Jahre LH Security

48 Hüstener Formel Fahrer

50 Der Mensch dahinter: Marie-Theres Schennen

52 SC-Neheim-Legende Uli Dohmann

54 Josefsheim

55 Der Buiterling: Homeoffice

56 Waisenhausprojekt in Myanmar

58 Triathletin Johanna Geise

60 Dirigent Thiemo Kraas

62 Matricula

64 Gerichtsmuseum in Bad Fredeburg

66 Robert geht wandern

68 Impressum

70 750 Jahre Freienohl

74 1250 Jahre Obermarsberg

75 950 Jahre Nuttlar

77 Krankenhaus Maria Hilf

78 Künstler Sliwiok

80 Radsportler Maximilian Rados

82 Radsport - Deutsche Meisterschaft im Sauerland

84 Caritasverband Interview

86 Wirtschaftsstandort Brilon

88 Tourismus Brilon

90 Grafik Handel

WOLL Sommer 2022 - 5


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WENN IHNEN ETWAS AUF DIE NERVEN GEHT,…

Christel Zidi

Raphael Sprenger

...sollten Sie sich im St. Franziskus-Hospital in Winterberg

behandeln lassen. Natürlich nicht, wenn es

sich um das Gezeter einer nervigen Kollegin oder

den nicht eingehaltenen Zeitplan der Bahn geht.

Wer als Patient in die neurologische Abteilung kommt,

nennt eher Symptome wie Bewegungs- und Gedächtnisstörungen,

Schwindel oder Kopfschmerzen. All diesen Krankheitsbildern

können - müssen aber nicht - schwerwiegende

Ursachen zu Grunde liegen. Um das abzuklären, sind die

Patienten bei den Spezialisten der Winterberger Neurologie

bestens aufgehoben. Aber auch bei akuten

und chirurgischen Notfällen wie Herzinfarkt,

Schlaganfall oder bei Arbeitsunfällen

stehen die Neurologen mit

ihrem Spezialwissen und modernsten

Geräten an der Seite der Patienten.

Zunächst erfolgt eine genaue Patientenbefragung,

die sogenannte

Anamnese. Die Anamnese – also die

Befragung des Patienten nach Symptomen,

Vorerkrankungen, Medikamenten

etc. – stellt das Fundament der

weiteren, sorgfältigen Untersuchungen dar.

Schließlich ist es das Ziel, unnötige Untersuchungen

zu vermeiden und die zu Grunde liegende Erkrankung

schnellstmöglich und exakt zu lokalisieren. Neurologen wie

Dr. Thorsten Okulla, Leitender Arzt der Neurologie am St.

Franziskus-Hospital, beschäftigen sich mit dem Aufbau,

der Funktion und den Erkrankungen des Nervensystems.

Das Spektrum an Krankheiten ist breit gefächert. Unter anderem

gehören Anfallskrankheiten,

Multiple Sklerose, Parkinson,

Demenzerkrankungen sowie

Entzündungen und

Tumore des Gehirns

und des Rückenmarks

dazu. In der

neurologischen

Abteilung des St.

Franziskus Hospitals können Laboruntersuchungen vor

Ort durchgeführt werden. Der Geschäftsführer des Gesundheitszentrum-Winterberg,

Dennis Figlus ist auch stolz

darauf, dass im Hospital moderne, diagnostische Medizingeräte

zur Verfügung stehen, wie z. B. das EEG, EMG, CT

sowie spezielle Ultraschallgeräte. Diese dienen der bestmöglichen

und direkten medizinischen Versorgung des Patienten.

Ebenso stehen moderne, diagnostische Medizingeräte

zur Verfügung, wie z. B. das EEG, EMG, CT sowie spezielle

Ultraschallgeräte. Diese dienen der bestmöglichen und

direkten medizinischen Versorgung des Patienten. Nach

den gründlichen Untersuchungen und der individuellen

Behandlung, ist eine möglichst

vollständige Genesung das Ziel der Neurologen,

getreu dem Motto des Krankenhauses:

„Ihre Gesundheit ist unsere

Aufgabe“. Dazu arbeiten sie eng

mit verschiedenen therapeutischen

Berufsgruppen zusammen: Ergotherapie,

Logopädie, Physiotherapie und

die Neuropsychologie.

“Die ganzheitliche Betrachtung der Patienten

steht im Mittelpunkt der Versorgung”,

erfahren wir von Dr. Thorsten Okulla,

Leitender Arzt der Neurologie am St. Franziskus-

Hospital. “Sollten während der Therapie andere Symptome

auftreten, werden hausinterne Konsultationen dazu

genutzt, schnellstmöglich die Ursache zu finden und die

bestmögliche medizinische Versorgung noch während des

Aufenthalts zu ermöglichen.”

Im St. Franziskus Hospital in Winterberg wird also alles

dafür getan, dass Sie bald wieder „Nerven wie Drahtseile“

haben. ■

6 - WOLL Sommer 2022

Sektionsleiter Dr. Thorsten Okulla und Dennis Figlus,

Geschäftsführer Gesundheitszentrum Winterberg


DER WOLLänder

Wieso in die Ferne schweifen, …

Sonja Nürnberger

Thea Rother

… wenn das Gute liegt so nah? Nach zwei Pandemie-Sommern

wollen nun wirklich alle in den Urlaub – am besten

mit dem Flugzeug und so weit weg wie möglich? Von wegen!

Der WOLLänder bleibt gern daheim. Denn wieso wegfahren,

wenn man doch dort wohnt, wo andere Urlaub machen?

Wer will sich schon freiwillig auf ein winziges Handtuch

beinahe Haut an Haut mit irgendeinem Fremden an

den Strand legen, hinter sich Hotelbunker und vor sich ins

Wasser pullernde Kinder? Im Hotel ein Buffet, an dem es

kein Mettbrötchen und schon gar keine dicken Sauerländer

gibt. Ganz zu schweigen von der Bierauswahl an der Bar …

Der WOLLänder weiß, wie Urlaub geht – für wenig Geld

und ohne Anreise. Sonne und zumindest Wasser gibt’s

schließlich auch in den heimischen Gefilden:

Schnell sind ein paar Leute zusammengetrommelt, ein Treckermotor

springt an und kurz darauf kommt einer mit

vollbeladenem Anhänger um die Ecke getuckert. Alle packen

an, schon sind die Strohballen abgeladen und auf der

Wiese platziert. Eine große Plane drüber, ein paar Backsteine

zum Beschweren und dann: „Wasser marsch!“ Eine

weitere Plane wird am Hang platziert und mit Autoreifen

fixiert – perfekt!

Während der Pool sich langsam mit Wasser füllt und die

erste Proberutsche absolviert wird, werden die ersten Kästen

kühles Bier angeschleppt, die Flaschen geöffnet und der

Inhalt in Eimer gefüllt. Lange Strohhalme rein, Badehosen

und Bikinis an und der sauerländische Ballermann ist startklar.

Rein geht’s ins kühle Nass – der Urlaub kann beginnen!

Was will man mehr, woll?! ■

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WOLL Sommer 2022 - 7


Eine Künstlerin, nicht nur an der Harfe

DOROTHEA

BACH

M

it einer Harfe verbinden wir automatisch

Begriffe wie Engel und Harmonie. Das

Instrument ist allerdings den meisten Menschen

nicht wirklich bekannt, und eine Harfenspielerin

findet sich nicht unbedingt in jedem Bekanntenkreis.

Die 1988 in Leipzig geborene Dorothea Bach unterrichtet Harfe

an der Musikschule des Hochsauerlandkreises. Stolz erzählt

sie von den ca. 5.000 Musikschülern in zwölf Städten und Gemeinden,

darunter ihre 13 Harfenschüler/innen. „Ja, es gibt auch

männliche Harfenschüler, nicht nur Kinder und Jugendliche, son-

Sabina Butz

Tom Linke

8 - WOLL Sommer 2022


dern auch Erwachsene lieben es, dieses wunderbare Instrument

zu spielen, und ich unterrichte mit Leidenschaft und

großer Freude.“ Neben ihrer Lehrtätigkeit gibt es noch weitere

künstlerische Tätigkeiten in ihrem Leben: Als studierte

Musikerin mit Diplom und Masterabschluss gibt sie auch

Konzerte, gern mit ihrem Ehemann, dem Konzertpianisten

Marcos Kopf, Leiter des HSK Sinfonie- und Jugendsinfonieorchersters

und stellvertretendem Leiter

der Musikschule HSK. Als Schauspielerin

arbeitet sie genauso gern wie für

die Bühnenmusik, in der Regie, an

Performances und Projekten.

Den künstlerischen Ansatz im

Auge behalten

Wie diese zierliche, quicklebendige

und Ideen sprühende Frau

und Mutter von drei Kindern

zwischen ein und sechs Jahren

das alles schafft, wird mit einem

Lächeln quittiert: „Ich liebe meine

Unterrichtstätigkeit und versuche

dabei immer, den künstlerischen Ansatz im Auge zu behalten.

Dabei greift eins in das andere. So ist zum Beispiel die

Bühnenmusik das Bindeglied zwischen Musik und Schauspiel.

Eine Performance vereint Kreativität, Spontaneität,

Individualität und Schauspielerei, die auch gern das Publikum

mit einbezieht. Diese gemeinsamen Konzepte sind mir

eine Herzensangelegenheit und erfüllen mich. Dazu bietet

die Musikschule HSK Workshops an: fünf Termine, einmal

monatlich vier Stunden mit anschließender

Präsentation in der Öffentlichkeit, wie zum

Beispiel der Alten Synagoge in Meschede. Es

macht mich sehr glücklich, dass das Publikum

sich offen und spontan eingebracht hat.“

Die Harfe kommt dabei

nie zu kurz

„Meine Haupttätigkeit ist derzeit allerdings

der Harfenunterricht, der sich hier im HSK

inzwischen schon richtig etabliert hat.“

Dazu muss man wissen, dass dieses Saitenund

Zupfinstrument seit mehr als 5.000 Jahren

aus mesopotamischen und ägyptischen

Heizen mit Holz:

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WOLL Sommer 2022 - 9


Abbildungen bekannt ist. Aus Irland und Schottland kennen

wir seit dem 15. Jahrhundert die ältesten europäischen

Harfen.

Heute stehen Einstiegsinstrumente wie die Hakenharfe ab

einem Preis im niedrigen vierstelligen Bereich zur Verfügung.

Viele Musikhändler bieten Mietkauf oder Leih-Harfen

an. Für eine Doppelpedalkonzertharfe liegen die Kosten

im Bereich eines Mittelklassewagens.

In Meschede konnte 2021 mit der großzügigen Unterstützung

des Mescheder Ehepaares Annegret und

Hans-Richard Meininghaus die hiesige Musikschule

eine vollwertige Konzert-Doppelpedalharfe erwerben,

die den Orchestern nun zur Verfügung steht.

Je länger, desto besser! Es gibt ein paar einzigartige Vorteile,

die nur die Harfe bieten kann: „Die Töne sind sofort

da, man kann also direkt spielen. Die Harmonie ist

voreingestellt, man kann nicht schief spielen. Harfe lernen

kann man ab dem Kindergartenalter und ohne Altersbegrenzung.“

Vielleicht hat jemand ja gerade sein Interesse am Harfespielen

entdeckt? Ganz nebenbei: Den zauberhaften

und berührenden Harfenklang einfach nur

anzuhören, ist in jedem Fall ein großer

Genuss. ■

Das kann sonst kein Instrument

Dorothea Bach hat mit acht Jahren ihren

ersten Harfenunterricht bekommen. Seitdem

vergeht kaum ein Tag, an dem sie

nicht spielt. Die Geläufigkeit der Finger

muss konstant trainiert werden,

auch wenn es nur ein paar

Minuten sind. Natürlich gilt:

10 - WOLL Sommer 2022


Advertorial

„HELLES

PÜLLEKEN“

vermittelt Leichtigkeit

und Lebensfreude

Seit zwei Jahren sogt das helle Pülleken

für Begeisterung im Sauerland

und darüber hinaus. Mit der kleinen,

charmanten Flasche

und dem humorvollen

Etikett ist das Pülleken

schon für seine sympathische

Leichtigkeit

bekannt und erfreut sich

großem Erfolg. Das untergärig

eingebraute Bier,

das nur mild gehopft ist,

entfaltet seine Blume

über den stimmigen Aromahopfen,

erweist sich als vollmundig

und erhält seinen bierigen

Charakter über Spezialmalze, wie

dem Wiener Malz. Dabei besitzt es

eine angenehme Spritzigkeit, ist kristallklar

und überzeugt mit einer satten

goldenen Farbe und einer weichen,

schneeweißen Schaumkrone. Das

unkomplizierte, mild-süffige Helle

mit dem humorvollen Charakter verbreitet

gute Laune und Lebensfreude.

„Mit dem ‚Hellen Pülleken‘ ist es unseren

Braumeistern gelungen, eine genussfreudig

süffige Vollmundigkeit zu

erreichen“, so Dr. Volker Kuhl.

Die handliche Flasche erinnert an

die Werbemotive aus den siebziger

Jahren, die das damalige Lebensgefühl

einer neuen, sympathischen

Leichtigkeit vermitteln. Mit dem humorvollen

Trio von

Harlekin und seinen

Mitstreitern prägt es auf dem

Etikett den unverwechselbaren Sorten-

und Produktcharakter. Es vermittelt

die volkstümlich, humorvolle

Harlekin-Szenerie, die von den

Abenteuern des Till Eulenspiegels

motiviert wird und verbreitet gute

Laune. Der Name „Helles Pülleken“

entstammt der westfälisch regionalen

Mundart und ist die Verkleinerungsform

des weithin bekannten Alltagsbegriffs

„Pulle“, der die traditionelle

Glasflasche meint. „Mit dem ‚Hellen

Pülleken‘ besinnt sich die Brauerei

C. & A. Veltins auf die bierige Kultivierung

traditioneller Bodenständigkeit,

Ehrlichkeit und Brauertradition“,

so Dr. Volker Kuhl.

Das Pülleken besticht durch eine

satte gelb-goldene Farbaura und ein

kristallklares Aussehen. Hopfige und

blumige Aromen und eine hauchzarte

Hefenote sind auf Anhieb zu erkennen

und runden den ersten Eindruck

des Bieres ab. Der Geschmackseindruck

ist mild und süffig und zugleich

spritzig bei einem Alkoholgehalt von

5,2 % vol. Das Pülleken ist Geschmack

und Lebensfreude zugleich und wurde

somit schnell zum Sympathieträger

für den unbeschwerten Biergenuss.

Das Pülleken weckt spontane Lust

auf Geselligkeit und vermittelt dieses

Gefühl von Leichtigkeit und guter

Laune. ■

Brauerei C.& A. VELTINS

GmbH & Co. KG

An der Streue

59872 Meschede

WOLL Sommer 2022 - 11


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BADEFREUNDE AUFGEPASST:

ES GEHT BALD WIEDER LOS!

Christel Zidi

Vanessa Schulte

Seit dem Brand im Oktober letzten Jahres ist viel passiert im Inneren des „Aqua Olsberg“. Hauptsächlich

Aufräum- Säuberungs- und Rückbauarbeiten. Demnächst wird es an den Wiederaufbau gehen. Badleiter

Johannes Butterweck hat für uns einen Blick zurückgeworfen, über den Stand der Dinge berichtet und uns

verraten, wie es mit den Planungen aussieht.

Ein Blick auf die Uhr im Bereich des

Solebeckens: 18.40 Uhr. Etwas verwundert

geht unser Blick in Richtung

Badleiter und prompt kommt die

Erklärung: „Genau zu diesem Zeitpunkt

– am 13.10.2021 um 18.40 Uhr

ist es passiert.“ „Es“ – das war der

Kurzschluss, der einen verheerenden

Brand im Saunabereich des Aqua

Olsberg auslöste und auch andere Bereiche

in Mitleidenschaft zog.

Badleiter Johannes Butterweck kann

sich noch gut an diesen Abend erinnern.

Über sein Handy bekam er die

Nachricht und war innerhalb weniger

Minuten vor Ort. Es war ein Schock

für ihn, für seine Mitarbeiter, für

die Olsberger und alle Aqua-Fans.

Die Ursache für den Brand war ein

technischer Defekt in einer Saunakabine

- obwohl diese noch kurz zuvor

gewartet und überprüft wurde. 90

Gäste waren zu diesem Zeitpunkt im

Bad, alle konnten zum Glück rechtzeitig

evakuiert werden. Doch wegen

des vielen Holzes in der Sauna-Anlage

dauerten die Löscharbeiten sehr

lange.

Das Ausmaß der Zerstörung

Die Flammen zerstörten den Saunabereich,

der bis auf den Estrich zurückgebaut

werden musste. Rauch

und Ruß zogen sich durch alle Lüftungen

und Öffnungen, hinterließen

auch in anderen Räumen Schäden.

Das erschwerte die Arbeit und ließ die

Aufräum- und Reinigungsarbeiten

sehr lange dauern. Noch Monate später

ist in manchen Bereichen ein leichter

Rauchgeruch wahrzunehmen.

Anders als Küche, Verwaltung und

Solebereich, blieb der Eingangsbereich

verschont. Dagegen war der

technische Bereich – das Herzstück

eines Schwimmbades – sehr stark betroffen:

„Es hat lange gedauert, bis

wir das einigermaßen wieder zum

Laufen bekommen haben. Die Reinigungsarbeiten

wurden sofort in

Angriff genommen. Aber gerade im

Technikbereich gibt es viele Ecken

und Winkel, die beim Putzen nur

schwer erreichbar sind. Also mussten

die Teile ausgebaut, gereinigt und

12 - WOLL Sommer 2022


Badleiter Johannes Butterweck

wieder eingebaut werden. Überall war

das nicht möglich, denn dort, wo Isolierung

mit verbaut war, z. B. in den

Decken, musste alles entsorgt und

entfernt werden.

Immer wieder traten dabei neue Schadensfälle

zutage. Eine Tatsache, die

es auch dem Versicherungsgutachter

nicht leicht machte, dass gesamte

Schadensmaß festzustellen. Die von

der Versicherung beauftragte Spezialfirma

war von November bis Mitte

Mai im Einsatz, zeit- und stellenweise

mit bis zu 30 Leuten.

Reinigungs- und Rückbauarbeiten

sind soweit abgeschlossen. Langsam

kann es an die Renovierungsarbeiten

gehen – und damit auch an den Wiederaufbau?

Dazu Johannes Butterweck:

„Die entscheidende Frage ist:

Bauen wir jetzt 1:1 wieder auf, quasi

mit dem Stand vom 2008 oder nutzen

wir jetzt die Chance, die uns geboten

wird, um das Bad für die nächsten

Jahre ordentlich aufzustellen?“

Pläne und Wiederaufbau

Mit einem Architekturbüro, das sich

auf Bäder spezialisiert hat, ist man im

Gespräch und in der Planung. Aber:

„Der Schaden muss erst mal feststehen.

Erst dann können die Planungen

beginnen. Und dann geht es um die

Finanzierung. Das ist natürlich auch

eine politische Entscheidung. Wollen

wir noch mehr Geld in die Hand

nehmen, um uns völlig neu aufzustellen?

Uns vielleicht auch energetisch

neu aufstellen? Gerade in einer Zeit,

in der die Gaskosten ins Unermessliche

steigen. Auch sind Fördermittel

in Aussicht gestellt, die letztlich auch

den Stadthaushalt entlasten.“

All diese Planungen dauern ihre Zeit

und müssen mit unterschiedlichen

Gremien abgestimmt werden. Sobald

das abgeschlossen ist, kann der Wiederaufbau

beginnen

Ob also das Aqua Olsberg wie Phönix

aus der Asche neu auferstehen wird,

moderner und schöner als zuvor, „ist

natürlich eine Kostenfrage“, gibt

Johannes Butterweck zu bedenken.

Sicher ist, dass der Neubau mit einigen

baulichen und technischen Verbesserungen

verbunden sein wird.

Aber wie weit man alles umsetzen

kann, bleibt zum gegenwärtigen

Stand noch abzuwarten.“ Bei seinem

angefügten „Aber man wird sehen“

schwingt Hoffnung mit. Sobald die

Entscheidungen getroffen sind, wird

die Öffentlichkeit natürlich umgehend

informiert.

Eines interessiert derzeit jeden Olsberger

rasend: Wann geht es wieder

los? Wann geht das Aqua Olsberg

– endlich - wieder an den Start? Da

kann Badleiter Johannes Butterweck

mit guten Nachrichten aufwarten:

„Höchstwahrscheinlich noch vor den

Sommerferien werden das Freibad

und das 25-m-Becken wieder in Betrieb

gehen. Wir legen verstärkt Wert

darauf, dass es wieder mit dem Schulund

Vereinsschwimmen losgeht.

Auch Kinderschwimmkurse werden

bald wieder möglich sein. Mit dem

Herzstück, dem Solebereich mit dem

warmen Salzwasser, und dem Saunabereich

wird es allerdings noch etwas

dauern.

Das sieht doch gar nicht so schlecht

aus. Auch die Mitarbeiter des Aqua,

die „den ganzen Weg mitgegangen

sind und stets Gewehr bei Fuß standen,

wenn etwas zu tun war“, freuen

sich mit Badleiter Johannes Butterweck

schon auf die (Teil-) Wiederöffnung

des Aqua Olsberg. ■

Stadt Olsberg -AquaOlsberg-

Bigger Platz 6

59939 Olsberg

WOLL Sommer 2022 - 13


Julius Kolossa

Tom Linke

Eishockey seit 63 Jahren im Sauerland

346 TORE IN

416 SPIELEN

Jörg Schauhoff

„W

ir wollten aufs Eis“, fasst Jörg

Schauhoff zusammen, was ihn und

seine Freunde im Jahr 1958 antrieb,

sich seinerzeit nicht dem Fußball- oder Turnverein im

heimischen Deilinghofen anzuschließen, sondern vielmehr

Eishockey bei den Kanadiern spielen zu lernen.

Diese waren dort nach Ende des Zweiten Weltkriegs

am Rande des Dorfes stationiert

und übten in ihrer Freizeit ihr Hobby,

den Eishockey, auf einer eigens

dafür angelegten Eisfläche

auf dem Kasernengelände aus.

„Und von dem, was da abging,

waren wir fasziniert.“

Diese Begeisterung ist dem

inzwischen 78-Jährigen nach

wie vor anzumerken. Viel

hat er zu erzählen über „seinen“

Sport, für den er weitere

17 Jugendlichen der Jahrgänge

1942 und 1941 zur Gründung des

„EC Deilinghofen“ am 28. Februar

1959 im Gasthof Sonneborn motivierte.

Trainiert wurde anfangs in Trikots, die ihnen von den

Kanadiern zur Verfügung gestellt wurden. Diese waren

auch ihre Trainer. „Anfangs waren wir richtig schlecht“,

Schauhoff blickt auf die ersten Gehversuche zurück. Doch

er und seine Jungs wollten besser werden und nahmen dafür

viel in Kauf. So auch das Training an jedem Sonntag

von 7 bis 9 Uhr bei den Kanadiern. „Dadurch haben wir

viel gelernt, aber auch durch das Spielen auf zugefrorenen

Teichen und auch Straßen bei uns in Deilinghofen.“

„Anfangs waren wir richtig schlecht“

Diese Trainingsmethoden gehören inzwischen der

Vergangenheit an, denn 1971 wurde in Iserlohn

eine eigene Eishockeyhalle gebaut.

Ab dann gab es auch eigene Trikots.

Und aus dem EC Deilinghofen ist

seit 2020 der IEC Roosters geworden.

Doch Jörg Schauhoff

bleibt ECD-ler. Er wechselte

schnell von der Außenbahn

zum Mittelstürmer und war

in seiner sportlichen Karriere

mit 346 Toren in 416 Spielen

erfolgreich, ein bis heute ungeschlagener

Rekord beim ECD. Aus

beruflichen Gründen hängte er 1976

nach 16 Jahren die Eishockeyschuhe an

den Nagel. Da spielte der ECD in der 2. Liga.

„Durch Eishockey habe ich viel erlebt: die erste Saison

bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Köln 1959/60

mit dem 5. Platz, dann, 1961, in Frankfurt am Main, den

2. Platz.“ Chronologisch führte Schauhoffs Weg von da

an nach oben. 1961 wurde er in die Deutsche Jugendnationalmannschaft

berufen und sah im selben Jahr

bei einem Turnier in Adelboden in der Schweiz zum

14 - WOLL Sommer 2022


ersten Mal die Alpen. „Dort haben wir zwei Freundschaftsspiele

verloren, aber dafür viel an Erfahrung gewonnen.“

Souvenir von der

chinesischen Nationalmannschaft

Er wurde so gut, dass er seit seiner Benennung ins

ECD-Seniorenteam im Jahr 1962 zum Stammspieler

mit der Rückennummer 5 und auch für viele Jahre

Mannschaftskapitän wurde. „Wir Deilinghofener waren

stark im Zweikampf“, denkt er gerne an die alten

Zeiten zurück, in denen er mit seiner Mannschaft

nicht nur Erfolge gegen deutsche, sondern auch gegen

ausländische Mannschaften gefeiert wurden. „7:3 gewannen

wir am 4. März gegen die Volksrepublik China.“

Von dort nahm er einen Eishockeyschläger mit

den Unterschriften der Spieler mit. Auch nach seiner

aktiven Zeit prägte Schauhoff seinen Verein, als Nachwuchstrainer,

sportlicher Leiter und Berater. Dass der

sportliche Erfolg in all dieser Zeit nicht von ungefähr

gekommen ist, sondern vielmehr hart erarbeitet wurde,

stellt er fest: „Unser erstes Spiel gegen ein kanadisches

Team fand am 8. März 1958 vor 120 Zuschauern

in Deilinghofen statt - und ging mit 2:6 verloren.“

Immerhin – die Neulinge schossen zwei Tore gegen

erfahrene Sportler. Schauhoff selbst gehörte damals

nicht zu den Torschützen. Doch er steigerte sich bis hin

zum Leistungsträger. Honoriert wurde dies von seinem

Verein mit Würdigungen im Eishockeymuseum

in Hemer an der Nelkenstraße 5. „Dort bin ich im

Türrahmen verewigt.“ ■

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• Laufen für den guten Zweck

Beim Urlaub mit Küchenmeister, Food-Coach und

Extremsportler Martin Hengesbach ist dies alles

möglich. Auf dem Alpe-Adria-Trail geht es durch

Österreich, Slowenien und Italien.

Mit seinem gemeinnützigen Verein

„SocialXtremesport“ wird ein Kölner

Therapiezentrum für extrem körperlich und geistig

eingeschränkte Kinder unterstützt und in diesem

Jahr auch speziell ein junges Mädchen aus Bad

Berleburg.

Besonderes Bonbon für die Teilnehmer:

Vom Alpe-Adria-Trail wird ein sportlicher Reisebericht

als Hochglanzmagazin entstehen.

Plan Deinen Urlaub mit uns.

Engagiere dich für den guten Zweck

Detaillierte Informationen

gibt es hier:

Martin Hengesbach

Oedackerweg ∙ 59872 Meschede

E-Mail: mhengesbach@t-online.de

Tel.: 0171-8377571

WOLL Sommer 2022 - 15


Gespräch mit Willingens

Bürgermeister Thomas Trachte

WILLINGEN

– EINE BUNTE GEMEINDE

Manfred Eigner

S. Droste

Der erste Gedanke zu Willingen: Sport und

Tourismus. Im Winter der facettenreiche

Ski-Sport, das Jahr über Mountainbiking,

Wandern, Radfahren und vieles mehr. Ebenso fallen

Clubreisen und Feiern oder das sonntägliche Shoppen

in die Aufzählung. Doch damit ist Willingen sicher

nicht umfassend beschrieben.

WOLL: Bürgermeister Thomas Trachte, was möchten

Sie spontan an dieser Beschreibung ergänzen?

Thomas Trachte: Willingen (Upland) ist die Heimat vieler

netter Menschen. Ganz wichtig ist mir, dass, wenn wir

von Willingen sprechen, immer auch die neun umliegenden

Orte mit dazugehören

Was macht die Gemeinde Willingen aus Ihrer Sicht lebens-

und liebenswert?

Willingen ist eine attraktive, vielseitige und bunte Gemeinde.

Jeder der neun Ortsteile hat seine besonderen Eigenheiten

und Reize. Die Bevölkerung ist aufgeschlossen,

es gibt ein sehr aktives Vereinsleben, die Wirtschaft ist innovativ

und die örtliche Kommunalpolitik arbeitet effektiv

und zielorientiert. Auf diese Weise ist ein Gemeinwesen

entstanden, das den hier lebenden Menschen in sozialen,

wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen einiges

zu bieten hat. Deswegen lebt man in unserer Gemeinde

gerne, es wird viel geboten und es ist immer etwas los.

Auch Willingen braucht Handwerk und Dienstleister.

Welchen Anreiz bietet das Upland Fachkräften und ihren

Familien, ihren Lebensmittelpunkt hier zu finden?

Hier kann man an die Antwort zur vorherigen Frage anknüpfen.

Auf der einen Seite verfügen wir über eine leistungsfähige

Wirtschaft, in der Arbeits- und Ausbildungsplätze

in vielen verschiedenen Berufsfeldern angeboten

werden. Auf der anderen Seite stimmt aber auch das soziale

Umfeld. Beispiele dafür sind: Wir haben sehr gute

Kinderbetreuungsangebote in den Kindertagesstätten, es

gibt Schulangebote bis hin zur gymnasialen Oberstufe,

wir haben viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche

durch die touristische Infrastruktur sowie die vielen

und sehr gut aufgestellten Vereine. Für die Familien gibt

es Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, es gibt eine ordentliche

gesundheitliche Grundversorgung, der Weg zu

den Kleinstädten Korbach und Brilon ist nicht weit, für

Senioren gibt es Angebote, wir leben in einer schönen Naturlandschaft

und vieles mehr.

Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Worin

sehen Sie die Möglichkeiten und Chancen für das zukünftige

Willingen?

Natürlich gibt es gute Entwicklungsmöglichkeiten im

Tourismus und der gewerblichen Wirtschaft. Aber auch

die zuvor genannten sozialen und gesellschaftlichen Themen

gegeben. Beispielsweise wollen wir in der nahen Zukunft

viel Energie in die Themen „Lebensqualität für

Senioren“ und „Aufbau eines Gesundheitsnetzwerkes“

stecken. Aber auch die Ausweisung von Wohnbauland für

Familien und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum

sind wichtige Arbeitsfelder, für die wir in Willingen gute

Möglichkeiten sehen. Weitere Entwicklungsschwerpunkte

werden die Themen Klima- und Naturschutz sein.

Welche Ihnen besonders am Herzen liegende Sache

würden Sie gerne an dieser Stelle einmal ansprechen?

Mir war es bei meiner Arbeit als Bürgermeister immer

16 - WOLL Sommer 2022


Bürgermeister Thomas Trachte

sehr wichtig, für das Wohl der Bürgerinnen

und Bürger zu arbeiten

und dabei auch sehr bürgernah

zu sein. Ich würde mir für die

Zukunft wünschen, auch weiterhin

mit den Menschen in

Kontakt zu stehen, zusammen

zu arbeiten und gemeinsam die

Zukunft zu gestalten. ■

Anzeige

Neues

Kühlfahrzeug für

Mescheder Tafel

benötigt

1.200 Personen werden mit

Lebensmitteln unterstützt

Lebensmittel retten, Menschen helfen: Nach diesem Prinzip

arbeitet die Mescheder Tafel und benötigt dringend ein neues

Kühlfahrzeug. Einer der zwei bestehenden Tafel-Transporter

ist sehr reparaturanfällig und muss ersetzt werden, damit die

Lebensmittelqualität auf dem Weg zur Tafel erhalten

bleibt. Denn ehrenamtliche Mitarbeitende holen

die Spenden von Lebensmittelgeschäften

im Raum Bestwig, Eslohe, Meschede und

Schmallenberg ab und bringen sie zum Mescheder

Ladenlokal im Ittmecker Weg. Dort

sortiert das ehrenamtliche Team die Lebensmittel,

lagert sie und verteilt sie an zwei festen

Öffnungstagen pro Woche.

Werden Sie Heimatheld des Caritasverbandes

Meschede e.V. und unterstützen Sie die Mescheder

Tafel mit einer Spende für das neue Fahrzeug, das rund 45

000 Euro kostet. Als eines der größten Sozialprojekte in der

Region unterstützt die Tafel aktuell rund 500 Familien, also

rund 1.200 Personen, aus dem Zuständigkeitsbereich Eslohe,

Bestwig, Meschede und Schmallenberg – darunter sind

auch einige Geflüchtete aus der Ukraine. Gleichzeitig

wird Nachhaltigkeit gefördert, denn dank

der Tafel werden weniger Lebensmittel verschwendet.

Mehr dazu bei Stefanie Badelt vom Caritasverband

Meschede unter

0291/9021181 oder

s.badelt@caritas-meschede.de

WOLL Sommer 2022 - 17


Dreifacher Ritterschlag im S(a)uerland

EIN ABEND IM SCHLARAFFENLAND

Sabina Butz

sabrinity

Procedere für den Abend in

Schlaraffia ist fest geregelt: Ein Ritter

„Das

führt als Pate einen mitgliedswilligen

Mann ein, der eine Prüfungszeit absolvieren muss,

bevor er durch allgemeine Abstimmung (Kugelung)

als Knappe aufgenommen wird. Eine Zeit als Junker

schließt sich an, bevor als Höhepunkt der Ritterschlag

und die Nennung des Ritternamens erfolgen können.

Den Standeserhöhungen zum Junker bzw. Ritter gehen

jeweils „Hochnotpeinliche Prüfungen“ durch den Ritter

Schulrat voran. Hört sich an, als ob wir im Archiv

eines Ritterordens auf die Aufnahmeregelungen gestoßen

wären, uns also im Mittelalter belesen hätten.

Stimmt aber nicht: Wir schreiben das Jahr 2022 und

befinden uns in Scharfenberg (Brilon), wo wir der Zeremonie

der Schlaraffen beim Ritterschlag von Torben

Jegotka, Heinrich Kraft und Josef Berkenkopf (Bild

S.2 unten v.l.) beiwohnen dürfen.

Das hohe Reich im Sauerland

Sie sippen (treffen sich) seit 1986 in den Winterungen

(Wintermonate von Anfang Oktober bis Ende

April) in der sogenannten Alberichsburg in Scharfenberg

einmal wöchentlich. Derzeit sind sie 34 Sassen

(Mitglieder) inclusive der drei neuen Ritter.

Insgesamt gibt es weltweit ca. 270 aktive Reyche mit ca.

10.000 Sassen (Mitgliedern). Die ersten Schlaraffen gründeten

sich 1859 in Prag. Die ausschließlich männlichen

Sassen müssen nicht deutsche Staatsbürger sein, aber die

Vereinssprache ist weltweit deutsch, wobei es eine ganze

Reihe schlaraffischer Wortschöpfungen gibt, die zu beachten

sind: Begrüßt wird mit „Lulu“, Missfallen wird mit

„Ulul ausgedrückt. Die Schwiegermutter heißt Burgschreck

und die Freundin oder Lebensgefährtin wird als „Burgwonne“

bezeichnet, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Gespannt folgen die Rittter...

... dem schlaraffischen Protokoll

18 - WOLL Sommer 2022


Kunst, Freundschaft und Humor

„In arte voluptas“ (in der Kunst liegt das Vergnügen) lautet

der schlaraffische Leitspruch. Freundschaft, Kunst

und Humor prägen das Miteinander der Schlaraffen.

Das signalisiert auch das Wappentier der Schlaraffen:

der Uhu, der als Sinnbild für pfiffige Weisheit bei allen

Schlaraffen hoch angesehen ist. In seinem Namen leben

die Schlaraffen spielerisch ihre Werte: Toleranz, individuelle

Anerkennung, Wertschätzung und Freundschaft aus.

Josef Berkenkopf formuliert es so: „In unserem Spiel

setzen wir uns humoristisch und selbstironisch mit vorgeschlagenen

Themen auseinander, wobei geschäftliche,

politische oder religiöse Themen nicht zugelassen

sind.“ Wichtig ist der humorvolle Austausch, das Spielen

mit Worten, die Sprache als „Waffe“. Respektvoller

Umgang ist Grundvoraussetzung, was schon die Anrede

„Ihr“ verdeutlicht. Polemisieren ist ausdrücklich verpönt.

Das Ritual des Ritterschlags

Am 5. Tag des Ostermonds a.U. 163 (eigener Kalender

der Schlaraffen seit 1859; a.U. = anno Uhui) dürfen wir

dem feierlichen Ritterschlag von drei Junkern beiwohnen.

Im ersten, protokollarischen Teil der Sippung fungiert der

Oberschlaraffe Ritter Wesentlich vom Warenberge (profan

Willi Morgenroth). Nach der Schmuspause übernimmt

Ritter Singmantau der Liederklau (profan Rolf Klein) die

Funktion und zelebriert nach dem strengen Regelwerk aus

„Spiegel und Ceremoniale“ die Ritterschläge. Angeredet

werden fungierenden Oberschlaraffen mit „Herrlichkeit“.

Ihm zur Seite steht der Ceremonienmeister, Ritter

Herrschaftszeiten (profan: Herbert Knappstein), und der

Herold, Ritter Atzefechs (profan: Hans-Jürgen Stappert).

Beeindruckend sind nicht nur die musikalische Unter-

malung durch

Tamtam und

Fanfare, sondern

das Spalier der

Schwerter kreuzenden

Ritter. Das

Entzünden der blauen

Kerze der Freundschaft

während jeder Sippung

ist symbolträchtig und spricht

für sich selbst. Nach vielen Lulu-Rufen

und ritualisierten Anweisungen werden die neuen

Ritter eingekleidet und mit neuen Namen benannt: Josef

Berkenkopf als Ritter „Riegelius Ex“, der filigrane

Pfortenöffner, Torben Jegotka als Ritter „Reinherz“, der

Stiepeler Zwergenspross und Heinrich Kraft als Ritter

„Klabunderix“ von Halse und Wende. Die Jung-Ritter

bedanken sich musikalisch mit einer Schlaraffenversion

von „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Ein Gänsehauterlebnis,

welches neben dem Carl Valentin Motto: „Die

Dinge nicht so ernst nehmen, wie sie sind“ das Anliegen

der Schlaraffen, im fröhlichen Spiel den Alltag zu verarbeiten,

besonders eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. ■

Sonnenschutz Innen und Außen

vom Fachmann Wir beraten Sie gerne.

34431 Marsberg-Bredelar - Sauerlandstr. 85

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Die drei Junker

Insektenschutz nach Maß

WOLL Sommer 2022 - 19


Von Kaiserenkeln, der Königin von Polen

der Prinzessin von Kiew und anderen Adligen

EIN

MAJESTÄTISCHER

AUSBLICK

Christel Zidi

Martin Richter

20 - WOLL Sommer 2022


vb-sauerland.de

Gut möglich, dass an dieser Stelle, hier am Ehrendenkmal

vor der Burgruine Hachen, einst eine adlige Kinderschar

Fangen und Verstecken spielte und sich anschließend im

kühlen Wasser der Röhr erfrischte. Damals, vor rund eintausend

Jahren.

Ezzo, der Sohn des Pfalzgrafen von Lothringen war der erste Besitzer

der Burg Hachen. Mit zahlreichen, teils weit verzweigten Grafschaften

und Vogteien ausgestattet, war ihm die standesgemäße Versorgung seiner

Ehefrau Mathilde möglich, der Tochter Kaiser Otto II.

Die jüngste Tochter des Kaisers sollte eigentlich Äbtissin des damals

sehr bedeutenden Stiftes Essen werden. Ebenso wie ihre beiden älteren

Schwestern, die mangels standesgemäßer Partner ebenfalls diesen Weg

einschlugen.

Doch es kam anders. Mathilde heiratete den – rangniedrigeren – Ezzo

von Lothringen. Man erzählt sich, dass Mathildes Bruder, der junge

Otto III. Ezzo die Erfüllung eines Wunsches versprochen hatte, wenn

dieser ihn im Schach besiege – und genau das gelang dem Pfalzgrafensohn.

Ob er sich wohl schon zuvor in die junge Mathilde verliebt hatte? Berichtet

wurde, dass die Äbtissin des Essener Stift sich zunächst weigerte,

Mathilde, die designierte Äbtissin, herauszugeben. Ihre Mutter Theophanu,

eine angeheiratete Nichte des byzantinischen Kaiserhauses, sah

das anders und stimmte der Hochzeit zu. Schließlich war die Pfalzgrafen-Familie

weder unbedeutend noch unvermögend. Hinzu kam, dass

durch zahlreiche Schenkungen ein angemessener Lebensstandard der

Kaisertochter sichergestellt werden konnte.

Man erzählt sich, dass die Ehe zwischen Mathilde und dem zwanzig

Jahre älteren Ezzo recht glücklich und mit zehn Kindern gesegnet war.

Die Burg Hachen war nur eines von vielen Besitztümern des Paares.

Dass deren Kinderschar auch mal hier im Sauerland gespielt hat, ist

nicht ausgeschlossen.

Eines der Kinder war Richeza,die spätere Ehefrau Mieszkos II. und

damit Königin von Polen. Sie lebte nach dem Tode ihres Mannes (ab

1036) auf den Gütern ihrer väterlichen Familie, der Ezzonen. Aus dieser

Ehe stammten drei Kinder: Sohn Kasimir, der später zurück nach

Polen ging und Maria Dobronega Wladimirowna, die Prinzessin von

Kiew, heiratete. Tochter Gertrud wurde mit dem Großfürsten von

Kiew verheiratet. Und das dritte Kind, Richeza, nach ihrer Mutter benannt,

heiratete den späteren ungarischen König Béla.

Die Burg Hachen war nicht der ständige Aufenthaltsort des Hochadels,

aber bestimmt ein gern angepeiltes und erholungsreiches Reiseziel.

Schon der Großvater Mathildes hielt sich gern im Sauerland auf,

besonders in Meschede, wo noch heute ein Platz nach ihm benannt ist:

der Kaiser-Otto-Platz. ■

Einfach

Danke für

150 Jahre!

Gemeinsam was erreichen.

Jetzt und für

eine gute Zukunft.

„Was einer nicht schafft, das schaffen viele!“

aus diesem Gedanken heraus legten Mescheder

Bürger am 24. Januar 1872 den Grundstein für

unsere heutige Volksbank Sauerland eG. Dieser

Kern des genossenschaftlichen Prinzips bildet

bis heute das Fundament unserer Bank. Wir sind

dankbar und stolz, dass wir für viele Sauerländer

über Generationen „meine Bank“ waren und

sind. Für dieses Vertrauen bedanken wir uns

ganz herzlich. Zuversichtlich schauen wir nach

vorne und sagen: Morgen kann kommen.

Quelle: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/

WOLL Sommer 2022 - 21


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creo – Dein Baufachmarkt

verändert sich für Dich

Creo

S

eit nun vier Jahren ist creo ein fester Bestandteil

der Sunderaner Einkaufswelt und bietet ein

großes Repertoire an hochwertigen Produkten aus

dem gesamten Baumarktsortiment. Und genau hier liegt

der Anspruch von Marktleiter Jendrick Otto – bewusst

auf qualitative Produkte zu setzen und stets die Auswahl

so zu verändern, dass sie dem Kunden und aktuellen

Trends gerecht wird.

Da sich creo gerne selbst als den „etwas anderen Baumarkt“

bezeichnet, liegt es auf der Hand, dass bestimmte

Bereiche hier zu den Kernkompetenzen zählen. So zum

Beispiel alles, was sich um die Themen Terrassengestaltung

und Grillgenuss dreht.

Aus diesem Grund wurde und wird in diesem Jahr einiges

im Markt in Sundern verändert. Im vorderen Bereich ist

eine ca. 100 qm große Fläche entstanden, die das Zuhause

draußen schöner werden lässt.

22 - WOLL Sommer 2022


Böden und Sichtschutz für den Wohlfühlfaktor

Gemütlich wird es im heimischen Garten erst mit dem

richtigen Untergrund. Auf der neuen Fläche finden sich

unter anderem WPC Böden und Steinplatten in verschiedenen

Ausführungen für den Außenbereich. Hier

entdeckt jeder den passenden Boden für seine Terrasse

und kann sich von fachkundigen Beratern helfen lassen.

Diese haben natürlich immer ein paar hilfreiche Tipps auf

Lager. Zusätzlich gibt es, durch eine Auswahl namhafter

Hersteller wie TraumGarten, OSMO und FelixClercx,

unterschiedlichste Möglichkeiten sich mehr Privatsphäre

durch den richtigen Sichtschutz zu ermöglichen. Die

Zaun-Baukasten-Systeme ermöglichen eine große Vielfalt

an pflegeleichten Materialien, anspruchsvollen Designelementen

sowie unterschiedlichen Formen. Das individuelle

Maß an Sichtbarkeit zu finden, liegt in der eigenen Hand.

WPC, HPL, Aluminium und Glas bieten ungeahnte

Kombinationsmöglichkeiten.

Grillherzen schlagen höher

Aber auch die Weber® Ausstellung, die bereits seit der

Eröffnung 2008 ein Teil von creo ist, hat einen neuen Platz

gefunden. Zunächst in der Mitte zu finden gewesen, ist das

gesamte Sortiment mit auf die neue Fläche im Eingangsbereich

gezogen. Jede:r Grillliebhaber:in findet hier das

richtige Modell – ob Holzkohle, Gas, Elektro oder Pellet.

Auch der Bereich „Räuchern“ findet nun besondere Aufmerksamkeit.

Sie können an den verschiedenen Chunks

und Chips riechen, die sich sowohl für das intensiv-süßliche

Whiskey-Aroma als auch für ein perfektes Raucharoma

eignen. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.

Grillen ist schon jetzt nicht mehr nur ein Sommertrend,

sondern ein Ganzjahres-Event.

Apropos Event: In diesem Jahr finden nach der Corona-Pause

endlich wieder Weber® Grillkurse bei creo statt.

Der erste „Steak, Burger & More“ wurde im Mai bereits

erfolgreich vom Grillmeister des Vertrauens durchgeführt

und das Team ist gespannt auf die kommenden Kurse mit

neuen Gesichtern – Es sind noch Plätze frei!

Aber auch DIY-Projekte, Umbauarbeiten, Garten arbeiten

und Co. lassen sich weiterhin mit der Hilfe des Baufachmarktes

verwirklichen. Die freundlichen Mitarbeiter

helfen gerne weiter und unterstützen, soweit es möglich

ist.

Es bleibt spannend, was sich noch alles verändern wird.

Eins ist aber schon jetzt klar: Stillstand gibt es bei creo

nicht! – Bis zum Jahresende wird sich noch einiges tun und

die Sortimente anhand der Kundenwünsche angepasst und

optimiert. ■

wir freuen uns auf deinen besuch!

ÖFFNUNGSZEITEN:

Mo - Fr 08:00 - 18:30 Uhr

Sa 08:00 - 16:00 Uhr

In den Röhrwiesen 8

59846 Sundern

Tel. 0 29 33 / 909 35 - 00

www.creo-sundern.de

info@creo-sundern.de

WOLL Sommer 2022 - 23


Hasse

chehört…?

Anke Kemper

dat schon chehört, Lisbeth?“

„Ja wat denn, Fine?“

„Hasse

„Da hinten in dat alte Haus vonne Kaulmanns

is ne junge Familie reinjezogen und jetzt kommt et:

die leben nachhaltich! Kannste dir sowat vorstellen?“

„Jau, der Friedel war schon da und hat erst mal jeguckt, wat

die so machen.“

„Sach nur. Und wat machen die denn andert als wir?“

„Na, die machen vielet selber, z. B. Putzmittel, Zahnpaste

„Stricken geht immer, auch

im Sommer, auf dem

Weg in die Ferien, im

Schwimmbad, auf dem

Balkon, der Terrasse, am

Pool, im Garten, am Stausee,

der Parkbank, dem

Beifahrersitz, dem Rücksitz,

auf dem Sofa etc. “

Ideen und Garne für große

und kleine Projekte warten

bei Ihrer Woll Diva.

Ich freue mich

auf Ihren Besuch!

Änderung der Öffnungszeiten

während des Sommers von Ende

Juni Beginn der Sommerferien bis

Ende September.

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Lange Wende 82

59755 Arnsberg

0176 / 50 71 73 02

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Öffnungszeiten

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Ruhetag

Dienstag - Freitag

10:00-13:00 Uhr І 14:30-17:30 Uhr

Samstag

10:00-13:00 Uhr

und so nen Jedöns, woll?“

„Neee, dat kann man selber machen?“

„Jau. Und die leben so, dat allet, wat se brauchen, auch für

künftige Jenerationen widda nachwachsen kann, woll? Also

so nen ökologisches und ökonomisches Handeln nennt man

dat.“

„Dat haste abba nich vonnem Friedel. Dat haste sicher jegoogelt.“

„Haste recht. Abba nur, weil der Friedel jesacht hat, ich soll

auch ma gucken, wo ich wat einspare und de Waschmittel

ma selber machen. Und dat findeste im Internet, woll?“

„Haste Töne! Und wat macht der Friedel so für nen nachhaltiges

Jedöns?“

„Der Friedel sacht, er muss dat allet planen.“

„Ich hoffe, der hat noch nich mit meinem Otto jesprochen.

Weil da mache ich abba nich mit.“

„Sollste sehen, dat Thema is bei dem Friedel auch janz schnell

Jeschichte, weißte.“

„Warum dat denn?“

„Weil ich jetzt janz doll am Düngen im Chatten bin, damit

de Möhren und der Salat noch besser und reichhaltiger

wachsen tun.“

„Ja und? Dat is doch dat, wat er will, odda?“

„Ne. Janz sicha nich bei Jemüse. Da issa imma froh, wenn de

Schnecken dat wegfuttern und er et nich aufn Teller kricht.“

„Sach nur. Und wie machste ihm jetzt de selbstjemachte Zahnpaste

madich?“

„Da mische ich ihm wat in de Schlemmkreide, dat ihm

schlecht wird.“

„Und wat? Kann man dat auch joogeln?“

„Man kann allet joogeln, woll?“ ■

24 - WOLL Sommer 2022


Werte schaffen – auch für spätere Generationen

PRINZIP

NACHHALTIGKEIT

SEIT MINDESTENS

300 JAHREN

Christel Zidi

AdobeStock_23177340

B

ei der Rodung von Wäldern müsse man „bedenken

[...] wo ihre Nachkommen Holz hernehmen

sollen“ – diesen Satz findet man in

dem Buch „Sylvicultura oeconomica“ (1713), einem

Werk zur Forstwirtschaft von Hans Carl von Carlowitz.

(1645-1714).

Zwar hat von Carlowitz die Nachhaltigkeit nicht erfunden,

aber den Begriff „nachhaltend“ deutlich formuliert.

Schon in jungen Jahren kam er mit dem französischen

Finanzminister Jean Baptiste Colbert in Kontakt und

er las das für Furore sorgende Buch des englischen Gartenplaners

John Evelyn. Beide waren schon Mitte des

17. Jahrhundert über die Holzknappheit besorgt.

Von der Verehrung der Bäume und Wälder als Heiligtümer,

wie sie noch bei den Germanen üblich war, war zu

Beginn des 17. Jahrhundert kaum noch etwas zu spüren.

Im Gegenteil: Rücksichtslos wurden Bäume gefällt und

Wälder gerodet. Von Carlowitz, Oberberghauptmann

am kursächsischen Oberbergamt in Freiberg (Sachsen),

war einer der Ersten, der die Ausbeutung der Wälder kritisierte.

In seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ forderte

er, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden

sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen

kann. Dadurch wird dafür gesorgt, dass der

Wald für die künftige Nutzung zur Verfügung steht und

auf Dauer seinen Wert behält.

Hans Carl von Carlowitz, der aus einem altem sächsischen

Adelsgeschlecht stammte, forderte, dass man

„Verschwendung und Verderbung desselben, so viel wie

möglich verhüte“. Zur Verdeutlichung führte er das alte

Sprichwort an: „Man soll keine alten Kleider wegwerfen,

bis man neue hat.“ Also nicht erst Lücken schaffen und

dann erst auffüllen.

Von Carlowitz´ Prinzip wurde nicht nur zum zentralen

Grundsatz der Forstwirtschaft in Deutschland, sondern

auch zum Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen

überhaupt. ■

Das Wort nachhaltend stammt aus dem

Verb nachhalten, was bedeutet, dass etwas

für längere Zeit anhält oder bestehen bleibt.

Das Substantiv hierzu ist das mittlerweile

veraltete Wort Nachhalt, also etwas, dass

zurückgehalten bzw. für schlechte Zeiten

aufbewahrt wird. Das Wort Rückhalt hat

heutzutage diese Bedeutung übernommen.

WOLL Sommer 2022 - 25


Nachhaltigkeits- und Klimabeauftragter

Sebastian Marcel Witte

NACHHALTIGKEIT IST NICHT (NUR)

VERZICHT, SONDERN MACHT SPASS

UND BRINGT GROSSEN MEHRWERT

Paul Senske

Vanessa Schulte & Stadt Arnsberg

Es

ist ein langwieriger,

aber lohnender und

spannender Prozess:

Arnsberg hat sich auf den Weg zu einer

widerstandsfähigen (resilienten)

und global nachhaltigen Kommune

gemacht und ist eine der bundesweiten

Vorreiterinnen der von den Vereinten

Nationen 2015 beschlossenen

Agenda 2030. „Wir leisten damit

einen Beitrag für die Umsetzung

der globalen Nachhaltigkeitsziele,

der Sustainable Development Goals

sowie nationaler und regionaler

Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler

Ebene“, erklärt Sebastian Marcel

Witte. „Es ist ein Gemeinschaftswerk.

Wir müssen die Menschen davon

überzeugen, dass Nachhaltigkeit

nicht (nur) Verzicht ist, sondern auch

Spaß macht, der Stadtgesellschaft,

der Region und jedem etwas persönlich

bringt.“

Witte ist Nachhaltigkeits- und Klimabeauftragter

der Stadt, arbeitet im

Team des Zukunfts- und Strategiebüros

Nachhaltigkeit und begann seine

Tätigkeit vor zehn Jahren als Klimaschutzmanager

in Arnsberg. Der Diplom-Ingenieur

für Raumplanung arbeitet

mit seinem Team, das demnächst

auf vier Personen aufgestockt wird, mit

Nachdruck und voller Überzeugung an

der 2018 vom Rat beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie.

Drei + eine Säule als Handlungs-

Maßstab

Der 41-Jährige aus Arnsberg-Hüsten

weiß, dass der Begriff Nachhaltigkeit

„exakt“ schwer greifbar ist, aber

viel mehr als nur Umwelt, Natur und

Klima beinhaltet. „Nachhaltigkeit hat

drei Säulen als Handlungs-Maßstab:

Ökologie, Ökonomie (Wirtschaft) und

Soziales. In diesen drei Dimensionen

bewegen wir uns. Die ‚starke’ Nachhaltigkeit

stellt den Umweltgedanken voran.“

So sollen bei jeder Entscheidung

alle drei Aspekte berücksichtigt werden

(integrierte besser integrierende Nachhaltigkeit).

Die Ziele sollen aus verschiedenen

Perspektiven beleuchtet werden.

Die Ziele der Agenda 2030 und der 17

globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs)

sind hier Richtschnur.

Für Witte gibt es darüber hinaus „de

facto“ eine vierte Säule: „Beteiligung &

Kultur: Wie können wir die Menschen

mitnehmen und die gesellschaftliche

Bewegung schaffen? Wie können wir

ihnen vermitteln, dass Nachhaltigkeit

Spaß macht, einfach ist, dem Einzelnen

etwas bringt und viel mehr als nur

‚Verzicht’ bedeutet?“ Witte spricht in

diesem Zusammenhang von „Drehmomenten“

oder „Schwungrädern“ wie

Sharing Economy, Kreislaufwirtschaft,

26 - WOLL Sommer 2022


Bauen mit nachhaltigen Rohstoffen

oder Digitalisierung, die vermittelt

werden müssen. „Jeder kann zudem

etwas mit kleinen Schritten im Alltag

machen. Wenn ‚weniger genug ist’: Verzicht

ist gut, wenn er einem persönlich

etwas bringt. Carsharing und Foodsharing

sind Beispiele für „Nutzen statt

Besitzen“. Es gehe dabei auch um eine

neue „Kultur der Nachhaltigkeit“.

Gemeinwohl im Großen und im

Kleinen

Nachhaltigkeit zielt, so Witte, im Endeffekt

auf das Gemeinwohl, im Kleinen

und im Großen, in Arnsberg auf eine

Gemeinwohlstadt. Dazu gehöre im Bereich

der sozialen Nachhaltigkeit auch

die Frage der Armutsbekämpfung, der

Inklusion oder der Umgang mit Geflüchteten.

Oder beim Thema Wirtschaft:

„Geht es eigentlich nur um

wirtschaftliches Wachstum? Sind immaterielle

Werte wie Zufriedenheit und

Lebensqualität der Beschäftigten nicht

ebenso viel oder gar mehr wert?“ Mit

diesen Fragen, der Gemeinwohlbilanzierung,

beschäftigen sich das Strategiebüro

und zehn Firmen/Verbände.

Arnsberg ist in Sachen Nachhaltigkeit

ambitioniert unterwegs, im Großen

und im Kleinen, Schritt für Schritt.

Das gilt auch für eigene Maßnahmen,

zum Beispiel beim künftigen Ziel der

klimaneutralen Stadtverwaltung. Auch

wird an einer klimaneutralen Gesamtstadt

gearbeitet. Noch in diesem Jahr

wird es mit der Arnsberger Roadmap

konkrete Zielerreichungspfade geben.

Das Thema Wald spielt - neben einem

nachhaltigem Gebäudebestand, Mobilität

und Energie - eine bedeutende Rolle.

#klimafit heißt ein jährlicher Kurs

von VHS Arnsberg-Sundern, der Verbraucherzentrale

NRW und der Stadt

Arnsberg. „Wir bilden hier die Multiplikatoren

für den Klimaschutz aus. ”

Das Zukunfts- und Strategiebüro will

zudem über die Stadtgrenzen hinausgehen.

Geplant ist mit den Nachbarstädten,

allen voran Sundern, gemeinsam

zu agieren, z. B. beim „STADTRA-

DELN“, der „Fair Trade Stadt“ oder

dem Projekt „Oekoprofit“ für einheimische

Unternehmen.

Vernetzungen

Seit 2012 arbeitet Arnsberg im klimanetzwerk.südwestfalen.

Neben Arnsberg

organisieren der Kreis Siegen-

Wittgenstein und der Märkische Kreis

sowie die Städte Iserlohn, Lüdenscheid

dieses Netzwerk. Mit den Partnerstädten

Alba Julia und Olesno arbeitet

die Stadt in Sachen Klimaschutz

und Smart City zusammen. In diesem

Jahr ist ein Eurocamp, auch zum Thema

Nachhaltigkeit, mit Jugendlichen

beider Partnerstädte geplant. Sogar in

den USA ist Arnsberg im Projekt Climate-smart

Municipalities mit anderen

NRW-Städten unterwegs. Mit dem

Ort Warren (Minnesota) besteht eine

Kooperation. Unter dem Leitbild „Eine

Welt“ denkt Witte auch an eine künftige

Zusammenarbeit mit Städten aus

Schwellen- oder Entwicklungsländern,

beispielsweise in Klimapatenschaften.

Bürgermeister Ralf Paul Bittner

beim Schlabberkappes

Fair-Trade, Vision Hochschule und

Schlabberkappes

Konkretes nächstes Projekt: Arnsberg

soll eine Fair-Trade-Stadt werden

- wie Sundern. Eine Idee, mehr schon

eine Vision, ist die Initialisierung einer

Hochschule für nachhaltige Entwicklung

in Arnsberg. „Unternehmen,

Institutionen und Akteur:innen aus

der Region stehen hinter der Idee von

Bürgermeister Ralf Paul Bittner, ein

Konzept wird bald erarbeitet“, betont

Witte. „Als Schwerpunkte bieten sich

Wald- und Forstwirtschaft, das zukunftsfähige,

nachhaltige Bauen oder

Nachhaltigkeit in Unternehmen an.

Denn natürlich umtreibt uns hier die

Frage, wo die Fachkräfte für die Energiewende

herkommen sollen“.

Das Nachhaltigkeitsfestival „Schlabberkappes“

in Alt-Arnsberg und insbesondere

der “Markt der Möglichkeiten“

gelten als Leistungsschau und

Plattform zum Netzwerken. Leitbild ist

auch hier: Nachhaltigkeit soll Spaß vermitteln

und Glück bringen. Deswegen

stehen das Lernen, das Genießen und

vor allem das selber Machen und Erleben

im Vordergrund. ■

Weiter lesen…

http://www.imsauerland.

de/informationen/blog

WOLL Sommer 2022 - 27


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DIE IN VIELE RICHTUNGEN GEHT

Christel Zidi

sabrinity

Nachhaltigkeit beginnt bei

der Firma Witteler in

Brilon mit der Ausbildung

und endet – eigentlich gar nicht. Ein

fortwährendes Thema für den Firmeninhaber:

„Nachhaltigkeit geht nicht

nur in eine Richtung. Sie besteht auch

darin, dass wir viele Mitarbeiter haben,

die schon sehr lange im Unternehmen

tätig sind. Manche sogar schon 50 Jahre

und länger.“ Den Hauptgrund für

die lange Firmenzugehörigkeit sieht

Paul Witteler in der Identifikation

mit dem Unternehmen: „Die Mitarbeiter

haben ihre Ausbildungs- und

Aufstiegsmöglichkeit genutzt und ihre

Erfüllung in dem gesehen, was sie tun

und machen.“ Berufsanfängern werden

die gleichen Perspektiven geboten.

Der Ausbildungsanteil ist mit über 50

Azubis sehr hoch. „Besonders wichtig

ist uns, dass wir ein hohes Qualitätsniveau

erreichen“, so Witteler. Deshalb

wird auch dafür gesorgt, dass stets genügend

Arbeitsplätze zur Verfügung

stehen.

Bei Witteler stimmt das Betriebsklima

- und auch das Mikroklima. 1995

wurden die ersten Gründächer errichtet.

„Uns war klar, dass wir durch Bauten

Flächen versiegeln; aber wir wollten

das Thema dann auch wieder entzerren.

Gründach besitzt gleich mehrere

Vorteile: Es hat eine längere Prognose

in Sachen Haltbarbarkeit, verhindert

Hitzestau unterm Dach und schafft

ein Mikroklima. Zudem bietet es Lebensraum

für Insekten und Vögel.“

Der Schauraum des Autohauses wurde

bewusst nach Süden ausgerichtet, vor

dem Gebäude 60 Jahre alte amerikanische

Roteichen angepflanzt, die in der

dunklen Jahreszeit viel Licht durchlassen.

Wenn im Winter kurzwellige

Sonnenstrahlen flach durch die großflächigen

Fensterflächen fallen, wird

28 - WOLL Sommer 2022


Neue und alte Schätze

Wie der Ladevorgang funktioniert, können sich Interessierte direkt erklären

lassen und dabei Infos für die private Umsetzung mitnehmen. Paul Witteler, Wolfgang Litzke, Gerhard Arens, Werner Koch

das Gebäudeinnere erwärmt. Im Sommer

schützt das Blattwerk der Eichen

vor zu viel Sonneneinstrahlung, quasi

als natürliche „Beschattungsanlage“.

Von der passiven Solarenergienutzung

zur aktiven: Auf einigen Dächern wird

Photovoltaik zur Energieumwandlung

eingesetzt. Auch Regenwasser wird

genutzt: In einem Teich wird es als

Löschwasser gesammelt, aufgefangen

in Zisternen für die LKW- und PKW-

Waschanlagen verwendet.

Firmenchef Witteler weiß, dass man

sich nicht immer auf Bewährtem ausruhen

kann: „Manchmal muss man

sich auch auf neue Themen einstellen,

ohne gleich jedem Trend nachzurennen.

Dabei ist es wichtig, seine

Ressourcen nicht überzustrapazieren.“

Seine Investitionen haben ihm – neben

anderen Vorteilen - auch Einsparungen

gebracht. Die letzte größere

Anschaffung in Sachen Klimatechnik

war ein Blockheizkraftwerk.

Alle Neuerungen werden, nach Möglichkeit,

nach und nach auch an

den anderen Standorten in Brilon,

Meschede, Korbach, Frankenberg und

Vöhl umgesetzt.

E-Fahrzeuge wurden bei Witteler

schon früh angeboten, parallel dazu

die entsprechende Ladeinfrastruktur

aufgebaut: „Das gehört für uns einfach

dazu, sonst ist die Sache nicht rund.“

Wie der Ladevorgang funktioniert,

können sich Interessierte direkt erklären

lassen und auch Infos für die private

Umsetzung mitnehmen.

Nicht nur die neuesten Fahrzeugmodelle

findet man im Autohaus, wie den

definitiv „atemberaubend eleganten“

EQS, auch Oldtimer, die im schönsten

Glanz erstrahlen. Wer solch ein altes

Schätzchen besitzt, kann dies bei Bedarf

hier reparieren lassen. Überhaupt

ist die Erfüllung von Kundenwünschen,

und damit die Schaffung von

langfristigen Kundenbindungen, ein

wichtiges Thema – und ein weiterer

Aspekt der Nachhaltigkeit.

Im Autohaus Witteler ist nicht nur der

Blick auf das Dach interessant, auch

der auf den Boden: Der pflegeleichte

„Bodenbelag“ aus Kopfsteinpflaster

stammt aus abgerissenen Dortmunder

Kasernen. Ressourcen-Nutzung par

excellence. ■

Bewirb

dich hier!

WOLL Sommer 2022 - 29


Erleben – Lernen – Nachhaltig handeln

FRÜH ÜBT SICH´S –

AUCH IN SACHEN NACHHALTIGKEIT

Helmut Gaida

Naturpark Sauerland Rothaargebirge & Petra Dorenkamp/Nikolausschule Rüthen

In

Sachen Nachhaltigkeit können Erwachsene

oft eher von ihren Kindern und Enkelkindern

lernen, als dies umgekehrt der Fall ist.

Das kann auch Dirk Zimmermann vom Naturpark

Sauerland Rothaargebirge unterstreichen, der als

Regionalmanager für den Hochsauerlandkreis zuständig

ist: „Früher durften Kinder oft über die Farbe des neuen

Autos mitentscheiden. Heute weisen sie mit konkreten

Beispielen auf ihre Zukunftssorgen in Bezug auf Umweltprobleme

hin. Sie bringen damit ihre Eltern und Großeltern

zum Nachdenken und damit letztendlich zum

nachhaltigen Handeln“, sagt Zimmermann und weist

damit auf den lange unterschätzten Einfluss der Kinder

im Elternhaus hin.

2015 wurde der Verein Naturpark Sauerland Rothaargebirge

gegründet, der räumlich die drei alten Naturparke Ebbegebirge,

Rothaargebirge und Homert vereint. „Die Arbeit unseres

Vereins basiert auf vier gleichrangigen Säulen als Kern des

nachhaltigen Denkens: Naturschutz, Erholung, Regionalentwicklung

und Umweltbildung“, erklärt Dirk Zimmermann.

Umweltbildung wird innerhalb des Naturparks umgesetzt

durch Lehrpfade, Erlebnisführungen (zum Beispiel mit Rangern),

Besucherzentren und auch durch Naturpark-Schulen

und Kitas.

Früh übt sich´s – auch in Sachen Nachhaltigkeit

Naturpark-Schulen sind ein Beitrag zur Bildung der nachhaltigen

Entwicklung (BNE). Am Kooperationsprojekt Naturpark-Schule

sind als Partner Naturpark, Schule und Schulträger/Gemeinde

beteiligt. Wichtig ist zudem die Kooperation

mit außerschulischen Partnern. Das kann das Forstamt oder

ein Museum sein. Auch Handwerker, Künstler, Landwirte,

Ranger und Stadtführer kommen in Frage sowie Vereine und

interessierte Privatleute.

Im Sauerland und Upland haben sich bereits einige Schulen

als „Naturpark-Schule“ zertifiziert. Beispielsweise die Niko-

Meschede

Rebell 2a

✆ 0291 908 35 53

0291 908 35 54

Schmallenberg

Oststraße 4

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Winterberg

Neue Mitte

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Arnsberg

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gibt´s im WortReich!

30 - WOLL Sommer 2022


lausschule in Rüthen Schule (mit Standort in Kallenhardt).

Hier hat sich die Grundschule dazu verpflichtet, das Thema

Naturpark mit dem Lehrplan zu verknüpfen, z. B. durch

Projekttage und Wanderungen. Seitens des Naturparks (hier

Arnsberger Wald) wird Lernmaterial zur Verfügung gestellt

und bei Exkursionen und an Projekttagen zusätzlich unterstützt.

Schulleiterin Astrid Falkenstein dazu: „Der Schutz

unserer Natur, Kultur und Umwelt ist ein ganz wichtiges

Thema unserer Zeit - vielleicht sogar das Wichtigste. Unsere

Unterrichtsprojekte sollen dazu beitragen, dass an unserer

Schule - frei nach Albert Einstein - Lernen Erleben ist. Denn:

Alles andere ist Information.“

Auch die Graf-Gottfried-Schule in Neheim ist dabei. Diese

veranstaltet z. B. jedes Jahr im September die „Zu-Fußzur-Schule-Aktion“,

an der die ganze Schule teilnimmt. Die

Kinder treffen sich an den bekannten Sammelpunkten und

gehen von dort gemeinsam zur Schule. Besonders schön und

passend zum Thema Nachhaltigkeit sind die Mottos der Diemeltalschule

Usseln („Gemeinsam unsere Welt begreifen“)

und der Grundschule in Giershagen („Ich behandle Dich so,

wie gern behandelt werden möchte“), die damit schon ihre

nachhaltige Einstellung zum Ausdruck bringen. Beide Schulen

gehören zum Naturpark Diemelsee.

Ebenfalls zertifiziert im Sauerland bzw. Upland sind folgende

Schulen: die Egge-Diemelschule in Marsberg-Westheim, die

Mittelpunktschule in Diemelsee-Adorf, die Kardinal-von-

Galen-Schule in Eslohe die Grundschule in Fredeburg und

die Städt. Kath. Grundschule in Hallenberg.

Die besondere Bedeutung von Umwelt und nachhaltiger

Entwicklung ist eines von zahlreichen Kriterien, die auch

schon Naturpark-Kitas erfüllen müssen. Im Hochsauerland

hat sich dazu als Erste die DRK-Kindertageseinrichtung in

Olsberg Assinghausen zertifiziert. Für ihre Exkursionen sind

die kleinen „Asker“ gut ausgerüstet. „Entdecker-Westen“, die

unter anderem mit Lupe, Kompass, Karte und Becherlupe

ausgestattet sind.

Der Grundstock für Rückkehrer

Die Förderung des regionalen Bewusstseins ist für das Naturpark-Team

ein Aspekt seiner Arbeit „Dahinter steht, neben

der Sensibilisierung für die Natur- und Umwelt, der Gedanke,

die Kinder nachhaltig an ihre Heimat „zu binden“, macht

Dirk Zimmermann klar, „Nicht ihre Heimat nach dem Studium

für immer zu verlassen, sondern aufgrund schöner Erinnerungen

eine Rückkehr in Betracht zu ziehen.“ ■

Schmallenberger...

und Rüthener Schüler

im Naturpark

In Deutschland gibt es 104 Naturparke. Sie

gehören dem Dachverband VDN (Verband

Deutscher Naturparke) an. Der Leitsatz des VDN

ist: “Natur und Landschaft sind nur zusammen

mit den Menschen zu schützen und zu erhalten!”

• Fensterbankbleche

• Mauerabdeckungen

• Dachabschlussprofile

Garagen und Flachdächer

• Sonderabkantungen

nach Wunsch

• Aluminium versch.

Stärken und Farben

• Kupfer-, Zinkblech

und verzinktes Stahlblech

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WOLL Sommer 2022 - 31


Schön und anhänglich: Kletten

Ausstellung im Landschaftsinformationszentrum (Liz) in Möhnesee-

Günne informiert über der Natur entlehnte Erfindungen

Matthias Koprek

W

er durch die heimischen Felder, Wälder und Wiesen streift, der kennt das Phänomen: Kletten bleiben an

der Kleidung haften. Diese Beobachtung machte auch der Schweizer Ingenieur Georges de Mestral (1907 -

1990), der vor allem im Fell seines Hundes immer wieder die stachelig-runden Früchte der Großen Klette

entfernen musste. Um hinter das Geheimnis des Klebemechanismus zu kommen, schaute er sich die Klettfrüchte unter

dem Mikroskop genauer an. Dabei entdeckte er winzige elastische Häkchen, die selbst dann nicht kaputtgehen, wenn

man sie mit mehr oder weniger Gewalt von der Kleidung oder aus dem Fell löst.

Was für die Klette die perfekte Technik ist, um ihre Samen

in einem großen Radius zu verbreiten, ist heute das wohl bekannteste

und erfolgreichste Produkt der Bionik. Dabei handelt

es sich um eine noch verhältnismäßig junge Disziplin der

Wissenschaften, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, technische

Herausforderungen mithilfe von Phänomenen aus der

Natur zu lösen. Dabei machen sich Bioniker die vielfältigen

biologischen Prozesse und Strukturen zunutze, die von Mutter

Natur in Milliarden Jahren evolutionärer Entwicklung erprobt

und optimiert wurden.

Biologie + Technik = Bionik

Heute wimmelt unser Alltag vor Erfindungen, die ihre

Vorbilder in der Natur haben. So haben wir es beispielsweise

der Fledermaus zu verdanken, dass Einparkhilfen

uns akustisch davor warnen, wenn uns ein Hindernis gefährlich

nahekommt. So wie das Säugetier Ultraschallwellen

ausstößt, um im Dunkeln nicht gegen Hindernisse

zu fliegen und Insekten zu jagen, messen auch die Ultraschallsensoren

in der Stoßstange von Autos, wie weit ein

Objekt noch entfernt ist. Die Zeitspanne zwischen dem

Versenden und Empfangen der Wellen lässt eine präzise

Entfernungsmessung zu.

Bionik-Ausstellung informiert über

regionale Beispiele

Das sogenannte Geweih der männlichen Hirschkäfer

diente als Vorbild für die heute in jedem Werkzeugkasten

allgegenwärtige Greifzange. Ziegelsteine und andere

Bauelemente sind den sehr leichten und dennoch enorm

stabilen Bienenwaben nachempfunden. Orthopädische

Schrauben wurden mit dem Blick auf Bäume entwickelt,

32 - WOLL Sommer 2022


„Uns ist es generell wichtig, immer einen

Bezug zu den Nachhaltigkeitszielen der

Vereinten Nationen herzustellen“

(Liz-Leiterin Kerstin Heim-Zülsdorf)

die an möglichen Bruchstellen beim Wachsen schon vorsorglich

zusätzliches Material anlagern, um Spannungskräfte

auszugleichen. Ameisen sind echte Organisationstalente,

die für den Transport immer den kürzesten Weg

finden. Das half dabei, Logistik- und Kommunikationsprozesse

zu optimieren.

Über all diese und viele weitere der Natur entlehnten Erfindungen

informiert die Bionik-Ausstellung im Landschaftsinformationszentrum

(Liz) in Möhnesee-Günne.

„Wir haben uns vor allem auf die Erfindungen fokussiert,

die ein Stück weit mit Pflanzen und Tieren aus dem Wald

zu tun haben. Dadurch sollen die Besucher einen Eindruck

davon bekommen, was die heimischen Errungenschaften

der Natur sind und was man daraus gemacht

hat“, sagt Waldpädagogin Nicola Rätsch. Aber auch der

Blick über den eigenen Tellerrand wird gewagt. Schließlich

gibt es mit den Blättern der Lotuspflanze, die dank

noppenartiger Struktur eine selbstreinigende Oberfläche

besitzen, und der Geckofüße, die es dem Tier dank feiner

Härchen ermöglichen, selbst senkrechte glatte Flächen

emporzulaufen, auch prominente Bionik-Beispiele aus der

exotischen Flora und Fauna.

Bionik trägt zur Erreichung der

Nachhaltigkeitsziele bei

„Uns ist es generell wichtig, immer einen Bezug zu den

Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen herzustellen.

In der Bionik-Ausstellung informieren wir besonders

über hochwertige Bildung, Industrie, Innovation und Infrastruktur,

nachhaltigeren Konsum und nachhaltige Produktion

sowie das Leben an Land“, erklärt Liz-Leiterin

Kerstin Heim-Zülsdorf.

Neben der Ausstellung hat das Liz sieben verschiedene Bildungsprogramme

zum Thema Bionik entwickelt, die von

den Kita-Kindern bis hin zu Senioren auf verschiedene

Zielgruppen abgestimmt sind und jederzeit auf Anfrage

gebucht werden können. Den Kleinsten wird die Bionik

unter anderem mit dem Hund von Georges de Mestral

nähergebracht, woraus bereits vor 70 Jahren der Erfindung

des Klettverschlusses resultierte. Sein Unternehmen, das

Waldpädagogin Nicola Rätsch

nach der Patentanmeldung 1951 im Jahr 1959 den ersten

Klettverschluss auf den Markt brachte, ist bis heute Weltmarktführer.

Dank des Pilzkopfes ist der Klettverschluss

längst weiterentwickelt und überzeugt mit noch stärkerer

Haftung. Das macht die Verschlusstechnik tauglich für

viele weitere Anwendungsbereiche. ■

WIRTSCHAFTSPRÜFER STEUERBERATER RECHTSANWÄLTE

PARTNERSCHAFTSGESELLSCHAFT MBB

CHRISTIAN KORFF

Dipl. Kaufmann

Steuerberater

PETER KRÄMER

Rechtsanwalt & Notar | Amtssitz Rüthen

Fachanwalt für Arbeitsrecht Fachanwalt

für Verkehrsrecht

THOMAS HENKELMANN

Dipl.-Kaufmann

Wirtschaftsprüfer & Steuerberater

ELKE EBERS

Rechtsanwältin

Fachanwältin für Familienrecht

KONTAKT

59494 Soest

Jakobistraße 11

02921-3580-0

59581 Warstein

Bahnhofstr. 12

02902/8044-0

KATHARINA BRITWIN

Rechtsanwältin & Notarin | Amtssitz Warstein

Fachanwältin für Verkehrsrecht

JOACHIM TWARDY

Wirtschaftsprüfer & Steuerberater

SOPHIE BÖMER

Rechtsanwältin

MARION SCHLASS

Rechtsanwältin

Fachanwältin für Sozialrecht

PATRICK ELIXMANN

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Erbrecht

Fachanwalt für Bank- u. Kapitalmarkrecht

Fachanwalt für Handels- und

Gesellschaftsrecht

59555 Lippstadt

Blumenstr. 10

02941/9755-0

59602 Rüthen

Hachtorstr. 45

02952/9746-0

www.bhwsr.de

WOLL Sommer 2022 - 33


Matthias Koprek

Wenn das Eigenheim am Haken hängt

LEBEN IM TINY HOUSE

Als ihr Haus im November des vergangenen Jahres

endlich ankam, war gefühlt das halbe Dorf

auf den Beinen. Ein Haus, das am Haken eines

Krans schwebt, hat Drewer in seiner rund 800-jährigen

Geschichte schließlich auch noch nicht gesehen. Dabei

dauerte das Spektakel gerade einmal ein paar Stunden.

Der kleine, dörflich anmutende Stadtteil von Rüthen

versprüht genau das ländliche Flair, das sich Silke und

Dirk Birnbaum gewünscht haben.

„Man braucht nicht viel,

um glücklich zu sein.“

(Silke Birnbaum)

„Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Haus mit

Pool zu haben“, erzählt der 52-Jährige. „Ein normales Haus

– Stein auf Stein – kann man sich als normaler Bürger heute

gar nicht mehr leisten. Es sei denn man buckelt, buckelt,

buckelt. Und das wollte ich nicht.“ Aus Zufall ist Dirk im

Internet auf Häuser in Modulbauweise und so auf die heute

ziemlich trendigen Tiny Houses gestoßen. Das Konzept hat

beide begeistert – nicht zuletzt, weil es eine bezahlbare Möglichkeit

darstellt, sich den Traum vom Haus zu erfüllen.

„Wir wollten uns von Ballast befreien“

Vor allem aber passt das Tiny House in das Lebenskonzept

des Paares, das seit 17 Jahren verheiratet ist. „Wir wollten

raus aus der Stadt, einfach mehr Ruhe haben“, erzählt

Silke. Beiden ist es wichtig, bewusst und nachhaltig zu le-

34 - WOLL Sommer 2022


„Ich kaufe kein Duschgel mehr,

ich mache schon lange alles nur mit

Kernseife.“ (Dirk Birnbaum)

ben. Dazu gehört es auch, sich von Dingen zu befreien, die

man nicht braucht. Und das musste sie auch. Denn im Tiny

House gibt es – abgesehen von der Küche und dem Schlafzimmer

– keine Schränke. „Wir haben uns von zwei Drittel

unseres Eigentums getrennt. Und trotzdem haben wir uns

beim Anblick der Umzugskartons gefragt, wo das alles noch

hin soll. Also wurde im Haus weiter aussortiert“, sagt Silke.

„Dabei gab es schon einige Diskussionen“, gibt Dirk zu, der

sich schweren Herzens von seinen Oldtimerteilen trennen

musste.

Dabei ist ihr Tiny House gar nicht so tiny. Es besteht aus

zwei länglichen Modulen mit jeweils etwa knapp 10 mal 4

Metern, die L-förmig angeordnet sind. Während der Wohnraum

mit Küche und Wohnzimmer sehr offen gestaltet ist,

wurde der nach Osten verlaufende Trakt in ein Bad mit

Badewanne und zwei Schlafzimmer aufgeteilt. So hat die

Pflegetochter, die jedes zweite Wochenende zu Besuch ist,

sogar ein eigenes Zimmer. Im ausgesprochen hellen Haupttrakt,

mit der großen Fensterfront zum Garten hin, haben

am nördlichen Ende sogar noch ein Vorratsraum und eine

Gästetoilette Platz. Die geschickte Aufteilung trägt dazu

bei, dass man niemals das Gefühl hat in einem Schlauch

oder auf beengtem Raum zu wohnen.

Standort des Hauses richtet sich nach seinen

Bewohnern, nicht umgekehrt

Dass das Mobilheim der Birnbaums zu den eher geräumigeren

zählt, hat auch damit zu tun, dass es nicht wie viele

andere Tiny-Häuser auf einem Anhänger gebaut wurde.

Der setzt nicht nur Grenzen, was die Größe, sondern auch

was das Gewicht angeht. Trotzdem lässt sich das Haus der

beiden bei Bedarf versetzen: „Wenn wir später mal wollen,

können wir es theoretisch wieder an den Haken hängen

und zur Nordsee bringen, wo wir jedes Jahr Urlaub machen“,

sagt Dirk.

Bei der Planung haben der Monteur und die Sozialarbeiterin

Wert auf Energieeffizienz gelegt. Denn auch das gehört

für sie zum Nachhaltigkeitsgedanken. Das mit Holz

verschalte Stahlgestell verfügt über eine stärkere Dämmung

als standardmäßig vorgesehen. Außerdem sind alle Fenster

Silke und Dirk Birnbaum

dreifach verglast. Irgendwann soll auch mal eine Solaranlage

aufs Dach, um die eigene Unabhängigkeit auszubauen.

Dank elektrischer Fußbodenheizung muss kein wertvoller

Raum an die Heizkörper verschenkt werden. Wobei die

Fußbodenheizung nur selten in Betrieb ist. Der kleine Ofen

im Wohnraum heizt das Haus schnell auf und erzeugt eine

viel romantischere Wärme.

„Wir ziehen unsere Klamotten wirklich an,

bis sie kaputt sind.“

Die nachhaltige Lebensweise der Birnbaums zeigt sich auf

vielen Gebieten. So versuchen beide schon seit langem den

Müll zu reduzieren, indem sie beispielsweise ihre eigenen

Behälter und Taschen zum Einkaufen mitnehmen.

„Wir haben gern auf Dinge verzichtet, weil das

Leben im Tiny House mit Garten für uns viel

mehr wert ist als in der Wohnung mit Balkon.“

(Silke Birnbaum)

Sie backen ihr Brot selbst und machen eigenen Joghurt.

Jetzt aber wollen sie das Thema Nachhaltigkeit noch mal

auf ein ganz neues Level heben. Wenn die letzten Arbeiten

am Haus fertig sind, werden sie sich dem Garten widmen.

In den Hochbeeten soll idealerweise all das wachsen, was

ihr Zwei-Personen-Haushalt an Gemüse und Kräutern über

das Jahr benötigt – natürlich in Bio-Qualität. „Je weniger

wir zukaufen müssen, desto besser“, sagt Silke. Und auch

Dirks Traum wird in Erfüllung gehen. Es ist nur eine Frage

der Zeit, bis der ovale Pool bestellt wird. Unmittelbar an

die hölzerne Terrasse soll er angrenzen, damit man von hier

direkt ins kühle Nass springen kann. ■

WOLL Sommer 2022 - 35


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Das motivierte und erfahrene Team von Firma Schüttler

JUBILÄUM VON FIRMA SCHÜTTLER IN RAMSBECK:

20 JAHRE ZUFRIEDENE KUNDEN

Hier schlägt das Herz fürs SHK-Handwerk

W

ir Sauerländer haben

ein gutes Gespür dafür,

wenn jemand direkt frei

von der Seele spricht. Und so stellen

wir von WOLL beim Besuch der Firma

Schüttler in Ramsbeck schnell

fest: Hier schlägt das Herz fürs

SHK-Handwerk im Sauerland!

Aber fangen wir von vorne an: Exakt

zu Neujahr, am 1. Januar 2002, gründete

Christoph Schüttler seinen eigenen

Handwerksbetrieb. “Das war ein

riesiger Schritt für mich, nachdem ich

lange als angestellter Meister gearbeitet

hatte”, verrät uns der sympathische

Chef von sieben Mitarbeitern und

ergänzt: “Am Ende war das die goldrichtige

Entscheidung. Immerhin

konnte ich bereits nach kurzer Zeit

schon die ersten Mitarbeiter einstellen.”

Familienbetrieb mit

gesicherter Nachfolge

Aus der kleinen Selbstständigkeit

ist inzwischen ein prosperierendes

Familienunternehmen geworden.

Ehefrau Barbara Schüttler bildete

sich zur geprüften Fachwirtin für

Betriebsführung im Handwerk weiter

und kümmert sich seitdem um die

kaufmännischen Angelegenheiten.

Sohn Felix (25), seit 2020 Meister im

SHK Handwerk, ist im Betrieb bereits

eine echte Stütze und freut sich auch

schon auf die Unternehmens nachfolge:

“Auf jeden Fall möchte ich in spätestens

vier Jahren die Firma übernehmen”,

sagt der junge Mann selbstbewusst

und Vater Christoph ergänzt:

„Der Jugend gehört die Zukunft!” Bei

Familie Schüttler wird Zusammenhalt

großgeschrieben. Das merkt man auch

daran, dass der zweite Sohn der Familie,

Nachhaltig: Firma Schüttler ist Effizienzpartner

von NIBE Wärmepumpen.

Foto: NIBE Systemtechnik GmbH

Christoph Schüttler hat sich am 1. Januar 2002

selbstständig gemacht

36 - WOLL Sommer 2022

Felix Schüttler, Meister im SHK Handwerk, freut

sich schon auf die Unternehmensnachfolge


Schuettler_BB_A4 06.03.13 12:42 Seite 1

CHRISTOPH SCHÜTTLER SANITÄR-HEIZUNG-KLIMA

Auf'm Heidfeld 3 І 59909 Bestwig

Telefon: 02905 1815

www.christoph-schuettler-shk.de

info@christoph-schuettler-shk.de

... clever installiert

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S A N I T Ä R

I M A

I Z U N G

H E

Moritz (22), als Automobilkaufmann

zwar einen anderen beruflichen Weg

einschlägt, sich aber dennoch z.B. bei

der Pflege der Website einbringt und

auch zu 100 % hinter der Firma steht.

Ausbildung wichtig

Zum Schüttler-Team gehören außerdem

zwei weitere feste Mitarbeiter sowie

zwei Auszubildende. “Spannenderweise

haben wir keine Probleme, Nachwuchs

zu finden”, sagt Christoph Schüttler.

“Ich glaube das liegt daran, dass wir mit

Felix einen sehr jungen Meister an Bord

haben und trotz der Arbeit immer Platz

für Spaß und ein gutes Miteinander

da ist. Das zieht die jungen Leute an”,

ist der Chef überzeugt. Felix ergänzt:

“Spaß ist so wichtig für ein gutes

Betriebsklima, das gehört bei uns einfach

mit dazu und auch die Kunden

spüren diesen tollen Teamgeist!”

Technik, Qualifikation

und Nachhaltigkeit

Neben der Freude am Beruf ist außerdem

Fleiß, Geschick und besonders

Können gefragt. Der SHK Beruf ist

mittlerweile technisch so anspruchsvoll

geworden, dass regelmäßige Weiterbildungen

unerlässlich sind. So hat

Firma Schüttler etwa die Möglichkeit,

Wärmepumpen des Herstellers NIBE

als deren “Effizienzpartner” nicht nur

zu installieren, sondern auch selbst

in Betrieb zu nehmen. Und als Fachbetrieb

für “Heizölverbrauchsanlagen”

darf Firma Schüttler, und das ist eine

Besonderheit in der Region, Recyclingkonzepte

erstellen und alte Ölheizungen

entsorgen. Dazu wird jedes zweite Jahr

eine spezielle TÜV-Prüfung absolviert

und die Mitarbeiter müssen zusätzlich

alle drei Monate eine Fachschulung zu

diesem Thema durchführen.

Badsanierung und

Barrierefreiheit

Ein wichtiges Standbein für das

innovative Handwerksunternehmen ist

auch der Sanitärbereich. Besonders die

Sanierung hin zu barrierearmen oder

–freien Bädern ist ein echtes Steckenpferd

von Firma Schüttler. “Das wird

für viele Sauerländer immer wichtiger,

schließlich möchte man möglichst

lange in den eigenen vier Wänden

leben”, sagt Barbara Schüttler und

Sohn Felix ergänzt: “Im Bad haben wir

als Handwerker immer ein besonders

tolles Erfolgserlebnis - und zwar dann,

wenn man “Vorher” und “Nachher”

vergleicht. Wir sehen halt, was wir

geschaffen haben!”

Zukunft

Die Firma Schüttler ist für die Zukunft

bestens gerüstet: Technisch auf der

Höhe der Zeit, dazu ein junges,

motiviertes Team mit Nachwuchs im

Rücken und eine gesicherte Unternehmensnachfolge.

Das sind überragende

Aussichten für Firma Schüttler - nicht

nur für die kommenden 20 Jahre,

sondern auch darüber hinaus. ■

Gründung: 1. Januar 2002

Mitarbeiter: 7

Branche: SHK Handwerk

Kunden: Überwiegend Privatkunden

in Meschede, Bestwig, Olsberg und

Umgebung

Besonderheit:

- Effizienzpartner NIBE Wärmepumpen

- Fachbetrieb für Heizölverbrauchsanlagen

- Barrierearme/-freie Badsanierungen

- Flüssiggastank Aufstellung

„Auch die Kunden spüren diesen tollen

Teamgeist.“ (Felix Schüttler)

Moderne Badezimmer für ein behagliches

Zuhause. Foto: obs/ELEMENTS

Der moderne Fuhrpark von Firma Schüttler


SCHATZKAMMER

IN WENINGHAUSEN

In Weninghausen entfaltet der Begriff „Nachhaltigkeit“ einen ganz

besonderen Zauber: Hier sind längst vergessene und sogar schon

gänzlich verschwunden geglaubte Apfelsorten wiederentdeckt worden.

Und zwar weit über den Sauerländer Tellerrand hinaus.

Verena Sen

Tom Linke

Z

wischen Altenhellefeld und Westenfeld, mitten

im „Alten Testament“, liegt Weninghausen.

Fünf Höfe schmiegen sich hier seit Jahrhunderten

ins schützende Tal. Herbert Bartetzko, selbst Einwohner

von Weninghausen und Vorstand des BUND-HSK, erklärt,

dass Äpfel ursprünglich vor ca. 10.000 Jahren aus

Asien über die Seidenstraße und römische Handelswege

ihren Weg nach Europa, und damit auch ins Sauerland,

gefunden haben. Aus den Wildäpfeln entwickelten sich

dann nach und nach verschiedene Kultursorten bis zu

den heutigen Züchtungen.

Kühlschränke und Lagerhallen sind auch in der Zeitgeschichte

des Apfels vergleichsweise neu, und so galten bis weit in

die Mitte des vorigen Jahrhunderts noch ganz andere Apfel-

Prioritäten: Die Früchte mussten vor allem haltbar, also gut

lagerfähig sein. Die meisten alten Sorten waren erst um die

Weihnachtszeit verzehrfähig, manche hielten sich gut bis ins

Frühjahr. Während der mehrmonatigen Lagerzeit konnten sie

in aller Ruhe ihre Fruchtaromen entfalten. Die Äpfel wurden

hierzu im Keller auf Bretter gelegt, ohne sich zu berühren. Eine

Stromversorgung oder andere zusätzliche Energie-Ressourcen

waren damit überflüssig. Geschmacklich sind diese oft eher

mürben Sorten dem modernen Gaumen leider nicht mehr

sehr gefällig, da wir inzwischen vor allem auf Süße und auch

auf den knackigen Biss geeicht sind. Darum sind viele der alten

Sorten mit der Zeit nicht nur vom Speisetisch, sondern

auch aus der Landschaft verschwunden. Außer in

Weninghausen!

Apfel-Sensationen im

Alten Testament

Vor 20 Jahren zog es den ehemaligen Diskothekenbesitzer

Bartetzko aufs Land und er kaufte den alten Obstbaumhof

im Ort. Nach ungefähr zwei Jahren bat ein Wissenschaftler

der Universität Bielefeld, die Sorten der Apfelbäume untersuchen

zu dürfen, da hier ungewöhnlich viele verschiedene

alte Sorten auf einem Fleck zusammenstanden. Einige Bäume

waren bereits umgefallen, was nach 100-150 Jahren Apfelbaumleben

jedoch nicht ungewöhnlich sei, versichert der

naturverbundene Privatier.

Die wissenschaftliche Untersuchung brachte Erstaunliches

zutage: Eines der Glanzstücke war der Edelborstorfer, die äl-

38 - WOLL Sommer 2022


Herbert Bartetzko

teste erhaltene Apfelsorte,

die schon vom Archivar

Karls des Großen

beschrieben wurde.

„Von dieser Sorte vermutet

man weniger

als 30 Exemplare in

ganz Deutschland“,

berichtet Apfelkenner

Bartetzko. Der „Neu“-

Fund in Weninghausen

war also von bundesweiter

Tragweite. Und es läuft einem

das Wasser im Munde zusammen,

wenn man Bartetzkos Beschreibung des

Apfels lauscht: „Der ist fantastisch fruchtig, kleine goldgelbe

Früchte mit wunderbarem Aroma, honigähnlich. Der

schmeckt schon vom Baum, ist aber auch gut lagerfähig“.

Ontario im Sauerland

Die Osnabrücker Stadtgärtnerei nahm daraufhin Kontakt

mit Bartetzko auf, um diese besondere Sorte aus ihrem Dornröschenschlaf

zu erwecken. Der engagierte Naturfreund half

gerne mit, die Sorte über zahlreiche Edelreiser zu vermehren

und zu erhalten.

Mitten in der Corona-Zeit entstand dann die Idee, zusammen

mit der Weninghauser Dorfgemeinschaft 100 Bäume

alter Obstsorten entlang der Flurstückgrenzen rund um den

kleinen Ort zu pflanzen. Hierfür wurden Mittel aus einem

EU-Programm beantragt, und dann ging’s los: Neben Apfelbäumchen

säumen nun z. B. auch Birnen und Pflaumen

einen knappen Kilometer Wegesrand. Auch der kanadische

Ontario fühlt sich dort wohl: „Der wurde vor 120 Jahren in

Kanada gezüchtet und blüht erst Ende Mai. Der schmeckt

sensationell, sehr fruchtig. Am Baum hängt er bis Ende November,

bis März ist er gut haltbar. Das ist ein großer, oben

rot gefärbter Apfel mit grüner Basis“, zeichnet Bartetzko ein

weiteres, verlockendes Apfel-Portrait. ■

Eine noch größere Sensation war die Bestimmung der Osnabrücker

Renette – eine Sorte, die bereits als ausgestorben galt.

NEU

WOLL Sommer 2022 - 39


Jüdische Familien in Sauerländer Dörfern

BEGEGNUNG MIT DER ERINNERUNG

Petra Kleine

sabrinity

Auf dem jüdischen Friedhof in Madfeld können wir auch heute noch den

Spuren des jüdischen Lebens im Ort begegnen.

J

eder Blick zurück

in die Vergangenheit

lässt uns mehr finden als

wir erwarten. Traurige Schicksale berühren

uns. Chroniken und Erzählungen

der älteren Generation machen Erlebtes lebendig.

Überlieferte Anekdoten lassen uns schmunzeln. Dies

gilt auch für den Blick zurück auf das jüdische Leben in

unseren Dörfern.

Gebannt lausche ich, wenn mein Vater Geschichten von früher erzählt. Besonders

berührend ist diese: „Ihr müsst hier weg“, beginnt er. „Das hat mein Vater, also dein

Großvater, an jenem Abend seinem jüdischen Freund Ernst gesagt. Er hatte zufällig gehört, dass sein Name auf der Liste

derer stand, die am nächsten Tag ’abgeholt’ werden sollten. ’Dann muss ich aber morgen erst zur Kasse, um Geld für die

Reise abzuheben’, antwortete dieser. ‘Ihr müsst sofort weg. Noch heute Nacht, denn sie wollen euch schon morgen früh

holen! ’ entgegnete mein Großvater. ’Hier hast du ein bisschen Geld von mir, aber du musst dich beeilen!’ Das hat er dann

auch getan und konnte gerade noch rechtzeitig fliehen.“ Anderen gelang das nicht. Mehrfach wurden Juden abgeholt und

meist nach Theresienstadt, später Auschwitz, deportiert. Wie die 66-jährige Madfelder Jüdin Fanny Goldschmidt, Mutter

40 - WOLL Sommer 2022


Fanny Goldschmidt (3.v.l.) überlebte die Judenverfolgung nicht. Ihr Sohn Ernst (ganz re.) konnte gerade noch rechtzeitig nach Amerika fliehen.

(Quelle: „Hesse, Ursula: Jüdisches Leben in Brilon und Ortsteilen“)

von oben erwähntem Ernst und von 14 weiteren Kindern.

Auch der 24-jährige Oskar Eichengrün aus Beringhausen

war einer von ihnen, Lilli Kronenberg (54) aus Giershagen

und Albert Schönemann aus Helminghausen. Sie überlebten

die Gräuel der Nazis nicht. Dies sind nur wenige Namen

von Millionen, die dem Unrechtsregime zum Opfer

fielen. Gerade noch wohnten sie im Dorf nur einige Häuser

entfernt. Dann gequält und ermordet von Menschen,

die selbst noch vor kurzem ein normales Leben als Vater,

Sohn und Ehemann geführt hatten, bevor sie sich von der

menschenverachtenden Ideologie vereinnahmen ließen…

1943, als das Dorf offiziell „judenfrei“ war, ging eine nahezu

250-jährige jüdische Geschichte in Madfeld zu Ende.

Jüdisches Leben in Madfeld bleibt für immer

ein Teil der Geschichte Madfelds

So wie Beringhausen, Bontkirchen, Giershagen, Helminghausen,

Messinghausen und Rösenbeck gehörte Madfeld

zum 1847 gegründeten Synagogenbezirk Padberg. Bereits

1704 lässt sich eine jüdische Familie in Madfeld nachweisen.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit rund 100 jüdischen

Mitbürgern der Höchststand erreicht. Eine beachtliche

Gruppe, zumal die Gesamteinwohnerzahl Madfelds

damals bei knapp 1.000 lag. Um sich am Ort niederlassen

zu können, benötigte man einen Erlaubnisschein, den man

nicht ohne weiteres bekam.

Dem Menschen dienen.

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WOLL Sommer 2022 - 41


Birgitt Rudolf, ehemalige Leiterin der Madfelder Volksschule,

erklärt: „Viele der Juden waren Handelsleute, die

über die Dörfer zogen, um dort ihre Waren anzubieten. Da

sie in Hessen kein Bleiberecht hatten und es vor Sonnenuntergang

wieder verlassen mussten, suchten sie sich Wohnorte

nahe der hessischen Grenze.“

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte sich in

Madfeld eine jüdische Gemeinde gebildet. In dieser Zeit

entstand auch der jüdische Friedhof. Gab es zunächst nur

einen kleinen Betraum, so konnte 1858 in Madfeld eine eigene

Synagoge eigeweiht werden. Sie war jedoch sehr klein

und bescheiden.

Sobald genügend jüdische Kinder zusammenkamen und sie

es sich finanziell erlauben konnte, beauftragte die jüdische

Gemeinde einen eigenen Lehrer. „In den alten Schulbüchern

und Archiven lässt sich das nachlesen“, so Birgitt Rudolf.

„Die Israeliten, wie es damals in den Klassenbüchern

stand, wurden dann aus der regulären Schule ausgeschult

und später wieder eingeschult, wenn sie keinen eigenen Lehrer

mehr hatten. Das ging so manches Mal hin und her.“

In ihren besten Kleidern gingen die Juden am Sabbat in

die Synagoge. Der letzte Hundertjährige Madfelds, der „alte

Schulz“, an den ich mich selbst noch gut erinnern kann

(immer seine Eckstein-Zigaretten rauchend), soll sich als

kleiner Junge ein paar Pfennige damit verdient haben, die

Kerzen in der Synagoge zu den Gottesdiensten angezündet

und später wieder gelöscht zu haben.

Bereits in den 1930er Jahren war die Synagoge aber renovierungsbedürftig

geworden. Beantragte Zuschüsse wurden

nicht gewährt und die jüdische Gemeinschaft selbst konnte

die erforderlichen Gelder nicht aufbringen. So diente sie

nur noch als Strohlager, als sie am Abend der Reichspogromnacht,

am 9. November 1938, angesteckt wurde.

Männer aus Marsberg (aber auch einige Madfelder waren

dabei) brannten sie nieder und randalierten mit Eisenstangen

und Hämmern an jüdischen Häusern in Madfeld.

Noch immer stehen einige Häuser, in denen früher jüdische

Familien wohnten, in Madfeld. Wie auch über andere Häuser,

wird zu ihnen die eine oder andere Anekdote von den

Älteren zum Besten gegeben. Je nachdem, wer sie erzählt,

mit mehr oder weniger Ausschmückungen und durchaus

wechselnden Details. Vom Hörensagen eben…

Geschichten, die man sich im Dorf erzählt…

So wie die vom Juden in „Beilens altem Hause“. Es wird erzählt:

„Die hatten einen Kolonialwarenladen und bekamen

immer ein ganzes Fass voll Fische. Der jüdische Inhaber war

recht klein und sobald das Fass fast leer war, musste er sich

tief hineinbeugen, um an die letzten Fische zu kommen.

Eines Tages verlor er dabei sein Gleichgewicht und steckte

schwuppdiwupp und zur Belustigung aller kopfüber im

Fass.“

Recht deftige Streiche gab es im Dorfleben, von denen auch

die Juden nicht verschont blieben. „Bei Röbbens im Hause

wohnten Juden“, erinnert sich mein Vater an Erzählungen

der Älteren. „Der Walter durfte eigentlich keinen Alkohol

trinken. Vertragen konnte er ihn ohnehin nicht, aber er

mochte so gerne einen… Einmal haben ihn ein paar Madfelder

ganz schön ’abgefüllt’, sodass er richtig betrunken

war. Den armen Mann haben sie dann in seiner eigenen

Miste so tief eingegraben, dass nur noch Kopf und Kappe

heraus guckten.“

Vom Lärm vor der Tür aufgeweckt, soll sein Vater Salomon

nach draußen gestürzt sein und dort den Schreck seines Lebens

bekommen haben. Dann rief er wohl nach seiner Frau:

„Rosa! Rosa! Unser Walter sein Kopf liegt auf der Miste!“

Was früher als derber Streich angesehen wurde, zöge heute

einige juristische Konsequenzen nach sich, und das nicht

unbegründet…

Neben Erzählungen und alten Dokumenten findet man

heutzutage nur noch wenige Spuren jüdischen Lebens in

Madfeld. Der jüdische Friedhof jedoch, dessen Geschichte

bis ins 18.Jahrhundert zurückreicht, ist noch da und

beheimatet jüdische Grabstätten mit teils deutscher, teils

hebräischer Schrift. ■

Wo einst die Madfelder

Synagoge stand,

erinnert heute dieses

Schild im Rahmen des

historischen Dorfrundgangs

Alt und Jung an

vergangene Zeiten.

42 - WOLL Sommer 2022


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Die Gebirgsbahn zwischen Lippstadt und Warstein

Johannes Glöckner

WESTFÄLISCHER SEMMERING

Es

soll eine Gebirgsbahn zwischen Lippstadt

und Warstein geben? Das klingt

doch ein bisschen merkwürdig. Wo bitte

sind in Lippstadt Berge und seit wann ist Warstein

als Wintersportparadies im Sauerland bekannt? Was

auf den ersten Blick unmöglich und unnötig erscheint,

sieht beim zweiten Blick schon anders aus. Johannes

Glöckner, Eisenbahnfotograf aus Leidenschaft hat

mit der Kamera eingefangen, was der ungläubige Leser

dieser Zeilen zunächst nicht glauben will. Dabei

ist ein Bildband entstanden, der Lust machen möchte

auf eine reizvolle Urlaubsregion mit einer grandiosen

Eisenbahnstrecke. Bekannt geworden ist sie als Westfälischer

Semmering.

Diese Gebirgsstrecke über den Haarstrang verbindet die

Bördelandschaft im Raum Soest/Lippstadt mit dem Möhnetal

und dem Naturpark Arnsberger Wald. Der Bahnverkehr

mit seinen langen Bier-, Kalkstein- und Holzzügen

ist nicht weniger spektakulär als die Landschaft und garantiert

außergewöhnliche Fotos. Dem Buch liegt deshalb

ein Booklet mit den notwendigen Beschreibungen der

Fotos sowie den Standortdaten mit QR-Code bei. Damit

lassen sich die Motive nachempfinden und mit der eigenen

Kreativität nachmachen.

Dabei kann jeder jedes Motiv neu interpretieren. Wetter,

Jahreszeiten, die Bestellung der Felder und die Zusammensetzung

der Züge sind einem ständigen Wechsel

unterzogen. Wer auf dem Haarstrang steht, wird jeden

Tag anders erleben. Mal ist die Fernsicht so gut, dass man

bis zum Teutoburger Wald und zum Ruhrgebiet schauen

kann, mal hängen die Wolken so tief, dass die Flügel der

Windräder kaum zu sehen sind.

Der Schienenstrang über den Haarstrang hat beinahe etwas

Künstlerisches. Das stählerne Band zeichnet Linien

in die Landschaft, die Züge erinnern an Schlangen, die

Windräder kreisen um gewaltige Wolken, das Wetter

sorgt für ein Schauspiel, bei dem Täler und Berge die Kulisse

bilden, so, als würde ein dramatisches Theaterstück

aufgeführt. Mal stellt die Regie einen Bauern mit Traktor

in die Landschaft, mal sind es ganz andere Accessoires, die

für immer neue Stimmungen und Bilder sorgen.

Als Eisenbahnfotograf und Naturliebhaber hat der Autor

diese Region schätzen gelernt. Sie bietet Entspannung und

Abwechslung zugleich, sie bietet vielfältige Fotomotive für

jeden Geschmack. Aber Vorsicht, es gibt Szenerien, die

einen nicht mehr loslassen, an denen man sich wahrlich

abarbeiten kann. Der Betrachter ist einladen, an diesem

Schauspiel teilzunehmen. (hh) ■

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44 - WOLL Sommer 2022


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Wir gratulieren LH Security

zum 25.Jubiläum und wünschen weiter viel Erfolg.

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Wort „Feier“

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es gibt in der näheren

Umgebung kaum eine

größere Veranstaltung,

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Team auskommt. Sei

es das Schützenfest,

das Stadtfest oder

eine Musikveranstaltung.

Die Anwesenheit

seiner Sicherheitskräfte

vermittelt ein Schutzgefühl,

das man meist nur

unbewusst wahrnimmt, sich aber umso

mehr auf den eigentlichen Grund des Kommens, ein

fröhliches Fest konzentrieren kann. In diesem Jahr

haben seine 55 Mitarbeiter Grund für eine eigene

Feier: Das 25-jährige Bestehen von LH Security.

JAHRE

PRO

FESSIONAL

SECURITY

Seine Leidenschaft für den Kampfsport entdeckte Ludger

Hilgenhaus früh: Mit 15 Jahren erlernte er in der

Sportschule in Velmede Nin-Jitsu und ich erwarb mit

20 Jahren den schwarzen Gürtel 1. DAN erworben mit

22 den 2. DAN

Genau sein Metier – und das zeigte sich daran, dass

er schon bald so einige Pokale gewann. Das mediale

Interesse an seiner Person war groß in dieser Zeit. Doch

zunächst machte er eine Ausbildung zum Kaufmann

für Groß- und Außenhandel.

In seiner Freizeit arbeitete er als Türsteher bei Veranstaltungen

und für Diskos. Für größere Veranstaltungen

brachte er gleich mehrere Leute mit. Irgendwann

wurde daraus die Idee geboren, die Nebentätigkeit zum

Hauptberuf zu machen und auch gleich in die Selbständigkeit

zu gehen. Mit elf Leuten – überwiegend Aushilfskräfte

– ging es 1997 los. Und was er macht, das

macht er gründlich: LH Security ist von der Dekra im

Qualitätsmanagement zertifiziert und zusätzlich DIN-

Norm-qualifiziert, was Sicherheitsdienstleistung angeht.

Der Aufgabenbereich ist breit gefächert: Objekt-,

Personen-, Veranstaltungs- und Werkschutz, Detektei,

46 - WOLL Sommer 2022


Empfangsdienste und Pförtnertätigkeiten. Jüngst auch die Unterstützung

bei Corona-Schutzmaßnahmen.

Ganz ungefährlich sind diese Tätigkeiten des Sicherheitsdienstes nicht.

Ähnlich wie Polizisten, müssen seine Mitarbeiter in heiklen Momenten

starke Nerven bewahren und deeskalierend wirken, denn „die Zündschnur

ist schon mal kurz“, verriet der Firmenchef. Das hat er vor einigen Jahren

auch am eigenen Leibe zu spüren bekommen, als er mit einem Messer angegriffen

wurde.

Ludger Hilgenhaus liegt nicht nur das Beschützer-Gen in Kopf und Muskeln,

er setzt sich auch für ein verändertes Rollenbild ein. „Für mich ist

es frustrierend, dass es Frauen in Führungspositionen immer noch sehr

schwer haben.“ Ein echtes Herzensanliegen, das spürt man deutlich, dabei

geht er mit gutem Beispiel voran. Er beschäftigt nicht nur weibliche

„Fachkräfte für Schutz und Sicherheit“, sondern seit 1999 auch weibliche

Führungskräfte. Und wenn er mal außer Haus ist, vertritt ihn eine Frau:

Laura Wegener. Kompetenz spielt für ihn die entscheidende Rolle, nicht

das Geschlecht. Um Frauen auch körperlich stark zu machen, war er eine

Zeitlang als Dozent an der Volkschule Brilon-Olsberg-Marsberg tätig und

unterrichtete sie in Selbstverteidigung.

Irgendwann wird der Firmenchef das Zepter aus der Hand und möglicherweise

in weibliche Hände legen. Aber das hat noch Zeit, Hilgenhaus

ist gerade 48 Jahre alt und noch fit genug, um dem „manchmal schon

überwältigend großen Stress“ zu trotzen. Seine klare Einstellung trägt wohl

auch zum Erfolg seines Unternehmens bei. Denn das Geschäft läuft gut

und der Firmenchef denkt über Expansion nach. ■

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Wir wünschen alles

Gute zum 25-jährigen

Jubiläum – und

weiterhin viel Erfolg!

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WOLL Sommer 2022 - 47


Formula Racing-Team aus Hüsten wurde Meister der „GLP-Pro-Serie“

MIT „BENZIN IM BLUT“

Markus Weber

Marc Niemeyer

Es

gibt nicht nur die

Formel 1, die in der

Medienlandschaft fast

alle Aufmerksamkeit auf sich zieht,

auch in vielen anderen Motorsport-Serien

begeistern Piloten mit „Benzin im

Blut“ ihre Fans. Einer von ihnen ist Jürgen

Bukoitz aus Arnsberg-Hüsten, der mit seiner Familie

das Sauerländer „Formula Racing-Team“ bildet und

2021 mit dem Titel in der Rundstrecken-Meisterschaft

der GLP Pro-Serie („Gleichmäßigkeitsprüfung Professionell)

seinen bisher größten Erfolg feierte.

Jürgen Bukoitz

- „Ohne sie geht nichts“ - unterstützt tatkräftig.

Ebenso Sohn Julian, der zeitweise

selbst als Fahrer unterwegs ist. Bereits bei

seinen ersten Rennen erzielte Jürgen Bukoitz

Erfolge. Damals in der „NAVC“, der

deutschen Slalom-Meisterschaft. Hier fahren

Amateure bevorzugt in abgesperrten Gewerbegebieten

oder auf stillgelegten Flughafen-Landebahnen. In

Höchstgeschwindigkeit geht es um aufgestellte Pylone herum.

Dass Bukoitz herausragende fahrerische Fähigkeiten

besitzt, konnte er schon damals beweisen: Bereits sein erster

Slalom endete auch gleich auf dem Siegertreppchen.

„Alles hat ganz kurios begonnen“, berichtet Jürgen Bukoitz

von den Anfängen seiner Motorsport-Karriere. „Ich bin seit

den Zeiten von Michael Schuhmacher Motorsport-Fan - als

Zuschauer wohlgemerkt. Eigentlich wollte ich ja einen Formel-1-Fahrsimulator

kaufen, zum stolzen Preis von 30.000

Euro…“ Doch es kam anders: Ein Bekannter aus der Szene

machte den heute 57-Jährigen darauf aufmerksam, dass er

für dieses Geld bereits ein gutes – älteres - Formelfahrzeug

erwerben könne, um dann selbst reale, nicht simulierte

Rennen fahren zu können.

Erste Erfolge

So kam es im Jahr 2016 zur Gründung des Formula Racing-

Teams. Eine reine Familien-Angelegenheit: Ehefrau Petra

Meisterschaft im Jahre 2019

Mitte 2017 folgte dann der nächste Schritt. Mit der entsprechenden

Lizenz ging es für das „Racing-Team“ auf Rundstreckenrennen:

„Der Reiz, selbst einmal auf dem Nürburgring

oder in Hockenheim zu fahren, nachdem man dort

unzählige Rennen am TV verfolgt hatte, war natürlich

riesengroß“, erzählt uns der Pilot. Weitere, den Insidern

bekannte Strecken sind der Lausitzring und Oschersleben

in Deutschland. Die acht Läufe umfassende Serie führt die

Teams auch ins benachbarte Ausland, nach Luxemburg und

Tchechien. Interessant die Regularien der Gleichmäßigkeitsrennen:

Zunächst fahren alle (bis zu 38) Fahrzeuge ca.

20 bis 30 Minuten auf den Rundstrecken und legen dabei

ihre schnellste Zeit fest. Diese kann, da die Fahrzeuge unter-

48 - WOLL Sommer 2022


Zufriedenheitsabfrage 2019 bei Kunden Freier Werkstätten.

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schiedlich motorisiert sind und unterschiedliche Baujahre

haben, durchaus stark variieren. Am Rennsonntag kommt

es dann darauf an, die vorgegebene Zeit möglichst exakt

zu erreichen. Gewertet werden die vier Runden, die der

Präferenzzeit am nächsten liegen. „Und das ohne Tempomat“,

wie Jürgen Bukoitz schmunzelnd anmerkt. Auf dem

Nürburgring beispielsweise, bei einer Rundstreckenlänge

von 5,2 Kilometern , die in etwa 1 Minute 50 Sekunden

gefahren wird, betrug die größte Abweichung des Hüsteners

2021 gerade mal 3/10 Sekunde.

Hilfreiche Konkurrenten

Knallhart beim Rennen, fair im Umgang. Jürgen Bukoitz

kann nur Gutes von seinen Konkurrenten berichten. 2019

hatte er einen Unfall auf dem Nürburgring: „Ich hatte

eine Passage falsch eingeschätzt, war von der Strecke abgekommen.

Die „Nase“ und einiges mehr am Wagen war

demoliert.“ Sehr deprimierend, da das eigentliche Rennen

am nächsten Tag anstand… Umso mehr hat ihn dann

die Hilfsbereitschaft mehrerer Konkurrenten überrascht:

„Gemeinsam schraubten wir die ganze Nacht am Auto, so

dass ich am Sonntag tatsächlich das Rennen fahren konnte.“

Über die gesamte Renn-Serie 2021 hinweg war Bukoitz

der beständigste aller Fahrer. Obwohl er nicht jedes

Rennen gewann, konnte er am Ende fast sensationell die

Meisterschaft einfahren. ■

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Die stellvertretende Landrätin

Marie-Theres Schennen

NICHT MECKERN,

SONDERN SICH

KÜMMERN

Gisela Wilms

Philipp Nolte

Bekommt man als Redakteurin

den Auftrag, über

eine Person des öffentlichen

Lebens zu schreiben, ohne zu politisch

zu werden, bedeutet dies eine

Herausforderung. Vor allem, wenn

es sich um eine Frau handelt, die

seit 40 Jahren auf diesem Gebiet

aktiv ist. Aber Marie-Theres Schennens

Leben weist weit mehr auf.

Sauerländer LEUTE –

Der MENSCH dahinter

Dennoch muss man natürlich auf die

politischen Aktivitäten eingehen, sind

sie doch eng mit dem Menschen Marie-Theres

Schennen verbunden. In

der Jugendorganisation ihrer Partei in

Ense machte sie in jungen Jahren die

ersten Erfahrungen. Und die waren so

positiv, dass sie sich nach ihrer Heirat

und dem damit verbundenen Umzug

nach Arnsberg weiter engagierte. Sie

saß im Rat der Stadt und in diversen

Ausschüssen und wurde schließ-

lich 2020 nach ihrem Einzug in den

Kreistag zu einer der Stellvertreterinnen

des Landrates gewählt.

Ehrenamt ist Ehrensachen

Wer schon einmal ein Ehrenamt ausgeübt

hat, weiß, dass das mit sehr

viel Energie und Zeitaufwand verbunden

sein kann, wenn man es ernst

nimmt. Für die 70-Jährige war das

nie eine Frage. „Wenn ich etwas für

die Menschen in der Stadt tun kann,

dann setze ich mich für sie ein.“ Tempo-30-Zone

am Neuen Schulweg in

Arnsberg? Kein Problem, Frau Schennen

boxte es mit Mitstreitern durch.

Schwer zu öffnende Türen im (alten)

Brückencenter? Nach wenigen Wochen

gingen diese automatisch auf.

Als sie vor vielen Jahren mit ihren

kleinen Töchtern eine Treppe hochsteigen

musste, ein Kind erst auf der

obersten Stufe abstellte, um dann das

50 - WOLL Sommer 2022


andere mit Kinderwagen hochzuhieven,

hat sie später dafür gesorgt, dass

eine Rampe angebracht wurde. Junge

Familien und Menschen mit Gehbehinderung

haben es ihr gedankt.

Der Einsatz für die Gesellschaft war

der gelernten Ökotrophologin nur

deshalb in dem Maße möglich, weil

sie sich der Unterstützung ihres Mannes

gewiss war. Beide hatten bei der

VEW gearbeitet und für ihn war es

selbstverständlich, dass er das Engagement

seiner Frau mittrug.

Kriminalroman und

Tannenspitzenlikör

Mittlerweile sind die familiären Aufgaben

weniger geworden. Die Töchter

wohnen nicht mehr zu Hause, die Enkelkinder

sind schon größer. So bleibt

der Arnsbergerin mehr Zeit, sich

ihren Hobbys zu widmen. Sie pflegt

ihren kleinen Garten, in dem neben

vielen anderen ihre Lieblingsblumen

Dahlien und Tulpen blühen und freut

sich, dass der Schwiegersohn nun ein

Gemüsebeet in Angriff genommen

hat. Kochen ist eine ihrer Leidenschaften,

wobei Eingemachtes ebenso

die Regale füllt wie selbst hergestellte

Schnäpse. Letztere haben allerdings

ein geringes Haltbarkeitsdatum…

Brombeer- und - ganz aktuell - Tannenspitzenlikör

gehören zu ihrem

Repertoire, das sie gerne ihren Gästen

anbietet. Wenn sie mal nicht als

Kreistagsabgeordnete in Meschede

sitzt, oder als Landrätin bei einer Veranstaltung

im HSK ein Grußwort

spricht, macht sie es sich zu Hause mit

einem Kriminalroman gemütlich. Bei

schönem Wetter tritt sie in die Pedale

ihres leuchtend orangefarbenen Fahrrades

und fährt durch unsere herrliche

Landschaft. Gerne zieht sie auch

im NASS ihre Bahnen.

Kirchenvorstand und ein

aussergewöhnlicher Wunsch

Eigentlich sollte man meinen, dass die

Zeit, die die vielbeschäftigte Frau zur

Verfügung hat, ausgefüllt sei. Aber

nein, da wäre noch das Engagement

in der Kirchengemeinde zu erwähnen.

In der Propsteipfarrei sitzt sie im

Vorstand und kümmert sich auch hier

um das Wohl der Arnsbergerinnen

und Arnsberger. Ob es um die Instandhaltung

der Friedhofswege geht,

um Bäume, die aufgrund von Verkehrssicherung

gefällt werden müssen

oder auch um die neuere Bestattungsmöglichkeit

in Form von Baumgräbern,

für alles hat sie ein offenes Ohr

und versucht zu helfen. In diesem Zusammenhang

fällt ihr die Geschichte

einer älteren Bewohnerin aus Arnsberg

ein. Die hochbetagte Dame

wollte unbedingt in einem Baumgrab

beerdigt werden und trat vor den

damaligen Propst Böttcher mit den

Worten: „Herr Pfarrer, ich kann nicht

eher sterben, bis dass in Wennigloh

die Möglichkeit einer Baumbestattung

gegeben ist.“ Mittlerweile gibt

es dort diese Begräbnisform. Ob die

Neuerung unmittelbare Auswirkung

auf die Lebenszeit der über 80-Jährigen

hat, ist der Verfasserin dieses Artikels

nicht bekannt.

Immaterieller Lohn

Was treibt Marie-Theres Schennen

seit vielen Jahren an, sich für ihre

Mitmenschen einzusetzen? „Ich

habe mich schon immer gekümmert.

Wenn es eine Situation gab, die für

mich oder andere nicht zufriedenstellend

war, habe ich mich für eine Veränderung

eingesetzt. Nur meckern,

ohne selbst aktiv zu werden, ist nicht

mein Ding. Gerade junge Menschen,

hier insbesondere Frauen, möchte

ich dazu ermutigen, tätig zu werden.

Man kann einiges bewegen, wenn

man sich engagiert.“ Und der Lohn

für das Ganze? „Das Materielle spielt

im Ehrenamt nur eine untergeordnete

Rolle. Aber ich habe sehr viele interessante

Menschen kennengelernt und

bin inzwischen gut vernetzt, was mich

persönlich bereichert. Wenn ich dann

merke, dass ich für andere etwas bewirken

konnte und ich Anerkennung

finde, ist das der Lohn, der für mich

zählt.“ ■

WOLL Sommer 2022 - 51


EINE

LEBENDE LEGENDE

DES SC NEHEIM

Fußball und Familie: Für Uli Dohmann ist „Aufgeben keine Option“

Das Neheimer Binnerfeld ist seine

sportliche Heimat: Uli Dohmann.

Paul Senske

S. Droste

Auf dem Fußball-Platz und

im Leben war und ist er

ein Kämpfer. „Aufgeben

ist für mich keine Option“, sagt

Uli Dohmann. Das 69-jährige Ehrenmitglied

des SC Neheim hat als

Spieler, Trainer und Vorstandsmitglied

des Vereins Geschichte geschrieben

und seine Kämpferqualitäten

unter Beweis gestellt. Zwei

schwere Krankheiten hat er besiegt.

Seine Liebe gilt seiner Familie und

dem Fußball. Das Ehrenamt hat

für den pensionierten Beamten der

Arnsberger Bezirksregierung eine

„überragende Bedeutung“. Er gilt

als eine lebende Legende des SC.

Wenn Uli Dohmann über den SC

spricht, dann geht sein Herz auf. Er

hat allen Grund, auf sein Engagement

im Klub „stolz“ zu sein. Gebürtig

stammt er aus Höxter-Godelheim,

beruflich verschlug es ihn zur Arnsberger

Bezirksregierung, bei der er

46 Jahre arbeitete. Sportlich heuerte

er beim SC an, spielte von 1976 bis

1985 in der ersten Mannschaft - und


„Mein Leben als Fußballer war immer

vom Kampf geprägt“ (Uli Dohmann)

schrieb bei seinem „Herzensklub“

Fußball-Geschichte. 1979 führte er

als Vorstopper bzw. letzter Mann und

vor allem als Kapitän das Team in die

Verbandsliga, damals die dritthöchste

Spielklasse. Trainer war Willi Kellermann,

der in Neheim ebenfalls Geschichte

geschrieben hat. Dohmann

definierte sich besonders über den

Kampf und den Einsatz für den Zusammenhalt

im Team. Einen Platzverwies

hat er in seiner Karriere nie

kassiert.

Sieben Jahren später folgte ein weiterer

Höhepunkt seiner sportlichen Karriere.

Dohmann, ebenfalls ein klasse

Tennisspieler, ließ seine Fußball-Karriere

in der zweiten und der Altherren-

Mannschaft ausklingen, ehe er auf

der legendären Weihnachtsfeier 1986

einem Ruf folgte, das Traineramt

der ersten Mannschaft zu übernehmen.

Das damalige Landesliga-Team

schwankte in seinen Leistungen, die

Unzufriedenheit bei Spielern und

Vorstand mit Rainer Richard Zenka

war groß. „Uli, Du musst das machen“,

lautete der einhellige Wunsch.

Dohmann erfüllte den Wunsch, holte

in der Folge 16:0 Punkte und erreichte

am Ende ein Entscheidungsspiel in

Lippstadt gegen Versmold. Der SC

gewann 1:0, Ferdi Rudolphi erzielte

das goldene Tor zum Aufstieg in die

Verbandsliga. Dohmann schafft das,

was anderen nicht

gelungen ist: 1979 als

Kapitän und 1986 als Trainer

den SC in die Verbandsliga zu führen.

1986 hatte er längst seine ehrenamtliche

Karriere als Vorstandsmitglied

begonnen. „Ich war immer Hauptgeschäftsführer.“

Er war stets ansprechbar,

auch in schwierigen Zeiten, als

es dem Verein nicht gut ging. „Das

Ehrenamt hat für mich eine zentrale,

auch und besonders eine gesellschaftliche

Bedeutung“, so Dohmann.

Auch zwei schwere Krankheiten

meisterte er. Als er 2012 in der Uniklinik

Essen operierte wurde und es

kritisch um ihn stand, sagte der behandelnde

Arzt: „Herr Dohmann,

Sie sind ein Kämpfer.“ Dohmanns

Antwort: „Mein Leben als Fußballer

war immer vom Kampf geprägt. Aufgeben

ist keine Option.“

Großer Rückhalt

bei seiner Familie

Rückhalt hat Dohmann stets bei seiner

Familie, seiner Frau Ruth und

den beiden Kindern Anja und Britta

gefunden. Die beiden Töchter waren

auch leistungsmäßig orientierte Tennisspielerinnen

in der Westfalenliga

beim TC BW Sundern. „Die Familie

hat mich immer unterstützt.“

Sein Engagement im Verein und vor

allem auch das Bestreben, „den SC

nach außen zu öffnen“,

fanden ihren Widerhall

auch beim Fußball- und

Leichtathletikverband (FLVW) in

Kaiserau. Er vertrat den Verband als

einer der Vereinsmitarbeiter beim

Amateur-Kongress des DFB 2018

in Kassel. „Sie sind kompetent und

sympathisch“, antworte die damalige

FLVW-Referentin und ehemalige

Nationalspielerin Annike Krahn auf

Dohmanns Frage nach den Gründen

für seine Nominierung. „Diese Wertschätzung

erfüllt mich mit Stolz“, betont

Dohmann. Das gilt auch für seine

Auszeichnung als Ehrenmitglied

des SC auf der Generalversammlung

am 3. September 2021, als er aus dem

Amt des Hauptgeschäftsführers ausschied

und den Weg für eine Neuaufstellung

des SC-Vorstands freimachte.

„Die Ehrenmitgliedschaft sehe ich

als Belohnung für meine Arbeit im

Verein.“

Natürlich will und wird sich Dohmann

nicht komplett zurückziehen.

Er ist Mitglied des Beirats, der den

neuen SC-Vorstand unterstützt. Zudem

gehört er dem Vorstand des Jugendleistungszentrums

Neheim-Hüsten

an. „Leistung und Kampf sind für

mich zwei elementare Elemente des

Sports.“ Uli Dohmann verkörpert sie

auf eindrucksvolle Weise. ■

WOLL Sommer 2022 - 53


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54 - WOLL Sommer 2022


HOMEOFFICE -

Die große Versuchung

Sabina Butz

Anke Kemper

Da

sind wir also schon wieder in die Anglizismusfalle

getappt, wie beim Handy, das auf

englisch eben nicht handy, sondern mobile

phone heißt, versteht der Engländer oder Amerikaner auch

unter „Homeoffice“ etwas ganz anderes, als wir damit meinen:

Schlicht und ergreifend das Arbeitszimmer zu Hause.

Die Briten bezeichnen auch ihr Innenministerium als home

office. Also aufgepasst, wenn es um vermeintliche Anglizismen

geht.

Coronabedingt, ist das Homeoffice, bzw. die Arbeit aus oder in

demselben auch im Sauerland angekommen, und der Sauerländer

registriert, wie es seine Art ist, zunächst einmal ganz pragmatisch

die vielen positiven Aspekte: Die elende Fahrtzeit zum Büro fällt

komplett weg. Das macht hier in vielen Fällen gut und gern eine

Stunde Zeitersparnis pro Tag aus, und, was ebenfalls richtig gut

ist: Die Spritkosten oder auch Bus- und Bahnkosten können eingespart

werden. Dagegen ist nichts einzuwenden. Darüber hinaus

spüren wir auch die Auswirkungen auf den Dresscode, hier vielleicht

nicht ganz gendergerecht, denn die Frauen haben eindeutig

den größeren Vorteil: Selbst bei digitalen Arbeitsmeetings ist untenherum

alles unsichtbar. Jeans und Schuhe können durch Jogginghose

und Filzpantöffelchen ersetzt werden. Die Textilindustrie

ist alarmiert bis verzweifelt. Wo soll das denn noch hinführen?

Die Experten streiten schon heftig, ob im Homeoffice besser und

effizienter gearbeitet wird, als am Arbeitsplatz im Büro unter Kollgegen/innen.

Jetzt mal ganz ehrlich: Es ist schon verlockend, mal

eben kurz die Waschmaschine anzustellen oder das lange Kundentelefonat

mit dem eintönigen Bügeln zu kombinieren, oder?

Natürlich fehlt der Kontakt zu den Kollegen/innen. Für manche

nicht unbedingt tragisch, für andere geradezu psychisch belastend

mit entsprechenden Folgen. Beide Fälle werden derzeit umfangreich

erforscht und analysiert. Vielleicht raten uns die Wissenschaftler

bald dazu, zwischen dem HOT (Homeoffice Typ)

und dem PT (Präsenz Typ) zu unterscheiden, um ein optimales

Arbeitsklima zu gewährleisten? ■

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WOLL Sommer 2022 - 55


Martina Senge

Taisir Senge

MINGALABA – DAS GLÜCK MIT DIR

Ein Waisenhausprojekt in Myanmar Anke Kemper S. Droste

M

artina und Taisir Senge aus Freienohl

sind schon immer viel und gerne gereist. In

Länder und Gegenden jenseits des Mainstreams

– stets den tiefen Wunsch im Gepäck, in einem

Waisenhaus zu arbeiten. Im Jahr 2010 sollte sich ihr

Traum verwirklichen und von da an begann eine Reise

in ein ganz besonderes Abenteuer.

Vom Reisefieber zum Herzensprojekt

„Die Zeit musste reif sein. Als unsere Tochter Jelena groß

war, haben wir Pläne geschmiedet“, beginnt Martina Senge.

Die Vorarbeit ist das Wichtigste. Zunächst wurde über

das jeweilige Land recherchiert, welche Möglichkeiten

gibt es, wie ist die politische Lage. Ihr Herzenswunsch,

in das Geburtsland von Taisir Senge – nach Syrien zu gehen,

konnte leider nicht erfüllt werden. „Ich wollte etwas

zurückgeben an mein Land“, erzählt Senge, der als Kind

durch den Sport dort gefördert wurde. „Wegen des Bürgerkrieges

konnten wir das Projekt dort leider nicht verwirklichen.“

Zusammenbringen, was uns wichtig ist

Bei einer Reise nach Myanmar fiel die Entscheidung. Als

das Paar mit einem Taxi die Gegend erkundete, gab ihnen

der Taxifahrer wertvolle Tipps und fuhr sie zu einem Waisenhaus,

wo 95 Jungen lebten und von einem buddhistischen

Mönch betreut wurden. „Hier war dringend Hilfe

nötig“, erzählt Taisir Senge. Die Kinder schliefen alle in

einem Raum auf Paletten, Kopf an Kopf, ohne Kissen.

Die sanitären Anlagen waren eine Katastrophe, die Armut

kaum in Worte zu fassen. Zuerst mussten Stockbetten

gebaut werden. „Wir haben einen Hochdruckreiniger

gekauft, damit alles gereinigt werden konnte“, berichtet

Martina Senge. „Elektrische Geräte, wie Waschmaschinen

funktionieren nicht, wenn es kein stabiles Stromnetz gibt

und es an Wasserversorgung mangelt.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn erst einmal etwas ins Rollen kommt, dann greift

eins ins andere. Es wurden Toiletten und Duschen ge-

56 - WOLL Sommer 2022


e Änderungsschneiderei

llservice

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baut und die Strom- und Wasserversorgung ermöglicht.

„Mit Begeisterung haben die Kinder mitgeholfen, die

Räume zu streichen“, fügt sie hinzu. Den Menschen zu

zeigen, wie man etwas machen kann, war Martina und

Taisir Senge am wichtigsten. „Uns liegt viel daran, dass

die Kinder eine gute Ausbildung bekommen und eine

Zukunft haben.“ Kaum wieder in Deutschland angekommen,

wurde der nächste Flug gebucht.

Parken kostenlos

Ein Konzept und wertvolle Unterstützung

Kinderspielecke

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„Die Behördengänge schienen uns zunächst schwierig“,

erzählt Martina Senge. „Aber als wir unser Konzept der

Botschaft vorgestellt hatten, kam die Genehmigung.“

Das Konzept heißt: Die Kinder sollen fröhlich sein! Sie

sollen sich durch Spiel und Spaß ausdrücken können.

„Kinder fördern und damit etwas voranbringen, das ist

unser Herzensprojekt“, fügt sie hinzu. Ihr Mann hat innerhalb

nur einer Woche einen Spielplatz zusammen mit

den größeren Kindern gebaut. „Mit Händen und Füßen

haben wir Fundamente für die Spielgeräte erstellt. Die

Kinder waren mit Begeisterung dabei und haben gleichzeitig

viel gelernt“, berichtet er. In Deutschland ging es

dann darum, Spielzeughersteller zu kontaktieren, bei der

Fluggesellschaft Freigepäck für Sachspenden und Medizin

zu beantragen u. v. m. Wertvolle Unterstützung

bekamen die beiden von der Jürgen-Wahn-Stiftung, die

rund um den Globus bedürftige Kinder und deren Familien

unterstützt.

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Ideen umsetzen

Martina und Taisir Senge sind zwei Mal jährlich für

jeweils drei Wochen nach Myanmar zu ihrem Waisenhausprojekt

gereist, um das zu geben, was benötigt

wurde und das zu tun, was gerade anstand - immer mit

viel Freude und Begeisterung für ihre Arbeit. Der Militärputsch

im Februar 2021 schien alles ins Stocken zu

bringen. „Wir haben unsere Kontakte genutzt, um Möglichkeiten

zu schaffen, damit wir weiter helfen können“,

erklärt Martina Senge und fügt hinzu, dass es Privatbanken

gibt, wo sie das Geld sicher hinüberweisen können.

„Und es kommt dort an, das ist das Wichtigste!“ Das

eingespielte Team Senge sieht immer Möglichkeiten,

weiterhin zu helfen. Und wer weiß, wann die Reise weitergeht.

Mingalaba. ■

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WOLL Sommer 2022 - 57


Schwimmen – Radfahren –

Laufen

TRIATHLON IST „POWER HOCH 3“

Petra Kleine

sabrinity

Die aus Marsberg stammende Triathletin

Johanna Geise ist auf der Erfolgsspur und

hat sich für die WM 2023 im finnischen

Lahti qualifiziert

1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und anschließend

noch 21,1 km Laufen. Diese Distanzen

müssen über die Mitteldistanz im Triathlon bewältigt

werden. Johanna Geise (25) ist so erfolgreich darin,

dass sie das Ticket zur WM 2023 schon gelöst hat.

Bereits als Dreiährige war die kleine Johanna, die aus

einer sportbegeisterten Familie stammt, sportlich aktiv.

Zunächst in der Leichtathletik, von ihrer Oma trainiert,

später im Leistungsschwimmen. 2018 kam sie dann zum

58 - WOLL Sommer 2022


Triathlon, eigentlich über einen Zufall. Obwohl Radfahren

nicht so sehr ihr Ding war, faszinierte sie diese Sportart

und ihr Ehrgeiz war geweckt. Sie ging, wie sie sagt, mit

„Null Erwartung, aber viel Spaß“ ins erste Rennen. Ein Jahr

später kam sie bei ihrer ersten Mitteldistanz, viel schneller

als erwartet, in fünf Stunden und sieben Minuten ins Ziel.

„Erst haben alle gedacht, dass ich spinne, aber sie

wussten genau, wenn ich mir etwas in den Kopf setze,

dann will ich das auch schaffen“, erinnert sie

sich. Ihre Erfolge geben ihr Recht. Ob Sprinttriathlon

oder Mitteldistanz, ob in Österreich, Polen,

den Niederlanden, am Twistesee oder am Hennesee.

Am schönsten ist es, wenn die Familie dabei ist

„In Österreich hatten wir gerade mal 14° Wassertemperatur“,

erzählt die sympathische Sportlerin. „Das war

schon extrem, trotz Neoprenanzug.“ Johanna hat bislang

keine Sponsoren. Sie muss alles alleine stemmen,

unterstützt von ihrer Familie. So ein Neoprenanzug sei

ganz schön teuer, erzählt sie mir. Außerdem braucht sie

Wettkampfrad und Trainingsräder und ein zweiwöchiges

Trainingslager auf Fuerteventura musste auch her.

ist genau durchgeplant. „Manchmal muss ich regelrecht

von meinem Trainer gebremst werden“, erzählt sie lachend.

„Ich habe auch mal übertrainiert. Das war nicht so gut. Der

Rhythmus muss stimmen.“ An harten Trainingstagen werden

locker 3.000 bis 4.000 Kalorien verbrannt, beim Wettkampf

sind es sogar 5.000 bis 6.000. „Beim Essen brauche

ich mich somit nicht zurückzuhalten,“ verrät Johanna.

Nach ihrem abgeschlossenen Studium der Sportjournalistik

studiert die Wahl-Hamburgerin aktuell

per Fernstudium Sportwissenschaften, um später

im Bereich Leistungsdiagnostik zu arbeiten und

selbst als Trainerin junge Sportler betreuen zu können.

„Ich bin ein Familienmensch und fahre so oft es geht nach

Hause, denn hier im Sauerland ist meine Heimat,“ sagt

Johanna. „Hier kann ich auch wunderbar trainieren. Bei

den kraftvollen Trainingseinheiten höre ich gerne Musik

mit ganz viel Power. Bei den leichten genieße ich es, einfach

nur der Natur zu lauschen und dem Gesang der Vögel!“ ■

Für ihren Erfolg trainiert sie hart und diszipliniert, oft

gemeinsam mit ihrem Freund, der ebenfalls Triathlet ist.

Krafttraining, Intervalltage, aktive Erholungsphasen, alles

WOLL Sommer 2022 - 59


Seine Kompositionen

werden weltweit gespielt

GUTE NOTEN VON

THIEMO KRAAS

Julius Kolossa

Bernhard Kunz

N

ur gute Noten gibt es von Thiemo Kraas, denn

der 37-Jährige aus Arnsberg-Oeventrop hat ein

ganz besonderes Talent dafür. Und damit erfreut

er die Menschen aus unserer Region, aber auch weit

darüber hinaus – denn, wenn Konzerte von Musikvereinen

stattfinden, dann ist immer einmal wieder ein Stück

dabei, das aus der Feder von Thiemo Kraas stammt.

Thiemo Kraas ist Komponist, Dirigent sowie Mitarbeiter des

Rundel-Musikverlags im oberschwäbischen Rot an der Rot.

Schwerpunkt seiner Arbeit sind Kompositionen für Bläser

und Blasorchester. Bisher hat er etwa 50 eigene Kompositionen

verfasst: „Die Spieldauer der Stücke variiert dabei von

kleineren Eröffnungsstücken von circa zwei Minuten bis hin

zu größeren und aufwändigeren Kompositionen und Arrangements

von bis zu 15 Minuten.“

Dass er jetzt so kreativ sein darf, das ist auch seiner Mutter

zu verdanken. Diese spielt nicht nur Gitarre, sondern hat

mit ihrem Sohn auch viel gemeinsam zu Hause gesungen.

Thiemo Kraas machte seine Liebe zur Musik schließlich zum

Beruf und studierte Musikpädagogik im Hauptfach Schlagzeug

an der Hochschule für Musik in Detmold. Seit dieser

Zeit arbeitete er als Schlagzeuglehrer sowie Dirigent von

Jugendorchestern und leitete eine kleine Musikschule. Es

schloss sich ein Zweitstudium in Musiktheorie, Tonsatz und

Gehörbildung an. Abgerundet wird seine Biographie bisher

damit, dass er seit 2016 für den Rundel-Musikverlag arbeitet.

Dieser bietet Kompositionen und Arrangements für Musikvereine

im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus an. Und der

Oeventroper trägt einen kleinen Teil dazu bei.

Mit dem Schlagzeug fing alles an

Mit neun Jahren begann er Schlagzeug zu spielen. Mit 15

Jahren kam das Klavier dazu. Während des Unterrichts kam

die Freude am Erfinden eigener Melodien auf. So entstand

mit 16 Jahren die erste Komposition, mit der Gefühle über

den Unfalltod einer Schulkameradin verarbeitet wurden.

Kraas hat viele Vorbilder: Die Spanne reicht dabei von den

„großen Meistern“ sinfonischer Werke bis hin zu Musikern aus

dem Bereich des Pop oder Jazz. Aktuell arbeitet er an einem

Musikstück für Blasorchester und an einem pädagogischen

Stück für Jugendorchester.

60 - WOLL Sommer 2022


Vorbilder aus Bereichen von Pop und Jazz

„Ich entdeckte im Schreiben von Musik eine Art Ventil; eine

Möglichkeit mich auszudrücken und mein inneres Erleben

darzustellen“, sagt er dazu. Dabei kommt die Inspiration aus

den unterschiedlichen musikalischen Richtungen: „Generell

versuche ich, nicht in Kategorien zu denken und Musik (oder

Menschen) nicht in solche einzuteilen. Ich

glaube ich bin sehr begeisterungsfähig und

kann mich somit von ganz vielen unterschiedlichen

musikalischen Persönlichkeiten

und ihrer Musik inspirieren lassen.“

Musikalische Einflüsse kommen dabei

zahlreich zum Ausdruck, denn er hat Erfahrungen

nicht nur in der Schulband,

sondern auch in einem Musikverein und

in einem Auswahlorchester, aber auch in

einem Sinfonieorchester einem Kammerorchester,

einer Big-Band und einer Tanz-Band

gesammelt. ■

„Generell versuche ich, nicht in

Kategorien zu denken und Musik (oder

Menschen) nicht in solche einzuteilen“

(Thiemo Kraas)

Probenarbeit

mit dem

Musikverein

Edelweiß Pfaffenrot

bei Karlsruhe

NEU!

Das internationale Brass Festival Sauerland-Herbst präsentiert

2022 erstmalig auch in seinem brandneuen Format

4 Open-Air-Sommerkonzerte

auf der Freilichtbühne Herdringen, 59757 Arnsberg:

Und erleben Sie vom 30. September bis

30. Oktober 2022 die Vielfalt von 18

Brass-Konzerten an außergewöhnlichen

Orten im Sauerland.

Wer selbst aktiv werden möchte, findet in

unseren zahlreichen Workshops die

besten Angebote zur Weiterqualifizierung.

Alle Infos unter: www.sauerland-herbst.de

Big Band der Bundeswehr

mit Laith Al-Deen

Do 11. August 2022 – 19.30 Uhr

Da Blechhauf`n (AT)

Fr 12. August 2022 – 19.30 Uhr

Men in Blech

Sa 13. August 2022 – 19.30 Uhr

Kapelle So & So

So 14. August 2022 – 11.00 Uhr

© Laith Al-Deen: Chris Gonz

© Daniela Matejschek

Veranstalter

Hochsauerlandkreis

Fachdienst Kultur / Musikschule

Steinstr. 27 | 59872 Meschede

Telefon: 0049 291 94 1800

sauerland-herbst@hochsauerlandkreis.de

www.sauerland-herbst.de

Gefördert durch:

WOLL Sommer 2022 - 61

Änderungen

vorbehalten


Digitalisierung der Sauerländer Kirchenbücher

UPLOAD FÜR

SAUERLÄNDER MATRIKEL

Die Andreaskirche in Velmede

Foto: Vanessa Schulte

Christel Zidi

Dicker Staub auf Jahrhunderte alten Kirchenbüchern. So stellt sich

mancher den Verbleib der alten Matrikelbücher vor. „Dem war

aber nicht so“, klärt Michael Streit, Leiter des Erzbistumsarchiv

in Paderborn, auf, „ Die Kirchenbücher wurden von den Pfarrämtern in

Ehren gehalten.“ Die sprichwörtlich armen Kirchenmäuse kamen erst gar

nicht an die Bücher ran. Dafür aber die Archivare des Erzbistums, die 2015

im Rahmen eines Digitalisierungsprojektes begannen, die Sauerländer

Kirchenbücher einzuscannen. Der Großteil liegt ihnen schon vor, denn die

Pfarrämter waren in dieser Hinsicht sehr kooperativ. Zum Glück für alle

Familienforscher, denen die eingescannten Matrikel seit 2018 auf der Plattform

Matricula kostenfrei zu Verfügung stehen.

Zwei Mädchen hatten im Jahre 1664

die Nase vorn: Elisabeth Hanxleden

aus Berlar und Clara Moritz aus Nuttlar.

Erst zwei Monate später folgten

zwei Jungs, die am selben Tag geboren

wurden: Jacob Bronnen aus Bestwig

und Michael Anna Deiken aus Velmede.

Diese vier Taufeinträge sind, wie es

noch lange in der katholischen Kirche

üblich war, in lateinischer Sprache aufgeführt.

An die damals übliche Kurrentschrift

hat man sich relativ schnell

gewöhnt, auch daran, dass aus einem

Heinrich dann ein Henricus wurde

und Jo´es kein eingewanderter Engländer

war, sondern die Abkürzung für

Johannes. Auch zur Sittsamkeit (natürlich

nur der Bräute) wurden Angaben

gemacht: So erscheint nicht allzu

selten der Ausdruck “deflorata” (=verblüht)

statt eines “pudica virgo”, womit

eine sittsame Jungfrau gemeint war.

Eine Schwangerschaft, soweit sichtbar,

wurde mit dem Worten «impudica»

(unehrenhaft) oder praegnata (in

Erwartung) angedeutet. Je nachdem.

Zur Vereinfachung wurden in späterer

Zeit Namensregister hinzugeführt,

fein säuberlich, in alphabethischer

Reihenfolge und meist von weiblicher

Hand niedergeschrieben.

Digitalisierungen im Erzbistum

Ein Glück für alle, denen das Lesen

der Urkunden nicht ganz so leicht fällt

wie Julia Hennig vom Erzbistum Paderborn.

Die Archivarin kümmert sich

darum, dass die Einträge der Kirchenbücher

noch lange erhalten bleiben.

Die meisten Kirchenbücher der Sauerländer

Pfarreien wurden an das Bistum

übergeben, wenige befinden sich noch

in den Pfarrämtern. In den letzten Jahren

konnten schon sehr viele Bücher

digitalisiert werden und sind jetzt über

die Homepage www.matricula-online.

eu für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die ältesten Kirchenbücher

im HSK

Das macht den Zugang zur Familien-

und Heimatgeschichte wesentlich

einfacher. Auf jeden Fall für unsere

Leser, denn sowohl die drei Dekanate

im Hochsauerland, das Dekanat Waldeck

sowie die Dekanate Hellweg und

Lippstadt-Rüthen gehören zum Bistum

Paderborn.

Sehr alte Kirchenbücher liegen von der

Pfarrei St. Pankratius in Sundern-Stockum

(Dekanat Hochsauerland-West)

vor, mit Einträgen von 1606, erfahren

wir von Jutta Hennig „Allerdings

sind die Kirchenbücher des Dekanats

Hochsauerland-West noch nicht digitalisiert,

werden aber noch im Laufe

62 - WOLL Sommer 2022


des Projekts und gemäß den Schutzfristen

auf Matricula veröffentlicht.“

Nach aktuellen Planungen geht das

Projekt bis Ende 2023. Weiter erfahren

wir von der Archivarin, dass von

den bereits veröffentlichten Kirchenbüchern

aus dem HSK die Pfarrei St.

Martin in Bigge (Beginn 1614) die

ältesten hat. Einer der ersten Einträge

dort besagt, dass am 7. April 1614 Jürgen

Eilers (genannt Ritters) und Anna

Jutten in Bigge geheiratet haben. Getraut

wurden sie vom damaligen Pastor

Henricus Christianus.

Die Pfarrei in Wormbach, die älteste

im Sauerland, hat die meisten Kirchenbuchteile

(wie Kapitel), insgesamt

236 Matrikel auf 24 Bände verteilt. St.

Walburgis Meschede hat 107 Matrikel,

die sich auf 43 Bände verteilen.

Die Urpfarrei Velmede

Zurück zu den vier Täuflingen. Pastor

Anton Gödde hatte die Segnungen der

Kinder vorgenommen. Er wurde als

dritter Pastor der Gemeinde aufgelistet.

Der zuerst in den Kirchenbüchern von

Velmede genannte Pfarrer ist Jodocus

Rotgeri (†1621), sein Nachfolger war

Michael Ritters aus Gevelinghausen

(† 1658). Pastor Gödde stammte ebenfalls

Gevelinghausen, das zum großen

Bezirk der Urpfarrei gehörte. Deren

Bedeutung war in alter Zeit um einiges

größer als heute, erfahren wir auch von

Pfarrer Michael Schmitt aus Meschede:

„Die Pfarrei Velmede umfasste ursprünglich

- allerdings lange vor dem

Beginn der Velmeder Kirchenbücher

- den Bereich von Brilon-Thülen im

Osten bis zur Sorpe vor Sundern im

Westen, also incl. des großen Kirchspiels

Hellefeld. Vor der Abpfarrung

Ramsbecks (1861) umfasste sie den

Bereich der heutigen politischen Gemeinde

Bestwig, zu der früher auch

Gevelinghausen und Eversberg gehörten.“

Als Gründungsjahr der Pfarrei

vermutet man die Zeit um 800. Damals

wurden die Urpfarreien Velmede

Archivarin Julia Hennig und Michael Streit,

Leiter des Erzbistumsarchivs, sind stolz auf das

Digitalisierungsprojekt. Foto: Thomas Throenle /

Erzbistum Paderborn

und Wormbach zum Lochtropgau zusammengeschlossen.

Diese karolingische

Landesteilung bestand noch bis

zum Jahre 1000. Durch Abpfarrungen

schmolz die Velmeder Urpfarrei

ab dem Spätmittelalter immer weiter.

Meschede hingegen gewann durch

sein bedeutendes Stift und die günstige

Lage immer größere Bedeutung.

Das Zeugnis der Macht und Größe

der alten Pfarreien ist noch immer zu

ahnen, wenn man vor den gewaltigen

Kirchenbauten steht. In ihnen haben

sich lange viele Schätze erhalten, auch

in Form von Kirchenbüchen, die das

Leben vieler Sauerländer Familien widerspiegeln.

Und die jetzt die Gelegenheit

haben, einen weiten Blick zurück

in ihre Familiengeschichte zu werfen

– ganz bequem von zuhause aus. ■

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WOLL Sommer 2022 - 63


Besuch im Gerichtsmuseum in Bad Fredeburg

FESSELNDE

GERICHTSBARKEIT

Sabina Butz

Gerichtsmuseum Bad Fredeburg

macht einen großen Unterschied, ob man

über einen Schandkäfig, in den Frau-

Es en und Kinder eingesperrt und öffentlich

zur Schau gestellt wurden, liest oder ob man eine originalgetreue

Nachbildung anschaut, die wesentlich

plastischere Eindrücke hinterlässt. Genau das erlebt

der Besucher im Gerichtsmuseum in Bad Fredeburg

(Schmallenberg).

Das Gerichtsmuseum in Bad Fredeburg ist das einzige seiner

Art in Nordrhein-Westfalen. Als Justizgeschichtsmuseum

zeigt es Requisiten wie z. B. eine Gefängniszelle mit

originalem Inventar, einen historischen Richterstuhl, alte

Büroeinrichtungen, eine Bibliothek mit ca. 1.500 Büchern

und Schriftstücken, eine außergewöhnliche Sammlung

alter Siegelmarken und die Entwicklung des Grundbuchamtes.

Über 700 Jahre Gerichtsgeschichte werden auf über

300 qm vorgestellt. Das Museum befindet sich im Dachgeschoss

des Amtsgerichtsgebäudes. Betrieben wird es vom

Verein „Gerichtsmuseum Bad Fredeburg“, der 2002 gegründet

wurde und heute 98 Mitglieder hat. Der Vereinsvorsitzende

Josef Raulf und die Schriftführerin Dagmar

Sträter-Müller stellen sich nicht nur den WOLL Fragen,

sondern bieten eine ganz exklusive und fesselnde Führung

durch „ihr“ Museum.

Was genau bezweckt ein Gerichtsmuseum?

Josef Raulf: Unser Gerichtsmuseum veranschaulicht die

Geschichte der Gerichtsbarkeit vom Mittelalter bis in die

Neuzeit. Natürlich steht die Fredeburger Geschichte im

Vordergrund, aber vor dem Hintergrund der Verhältnisse

im Herzogtum Westfalen bieten wir einen überregionalen

Bezug. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist unsere

Heimatgeschichte nicht unbedingt bekannt, und die Gerichtsgeschichte

schon gar nicht. Genau da setzen wir an:

64 - WOLL Sommer 2022


Wir wollen das Alte nicht vergessen, um das Neue vielleicht

etwas mehr zu schätzen.

Wo sehen Sie den Schwerpunkt oder Mehrwert des Gerichtsmuseums?

Dagmar Sträter-Müller: Die Frage nach dem Zusammenhang

von Recht und Gerechtigkeit bewegt uns heute

noch genauso wie in der Vergangenheit. Die Rechtsprechung

ändert sich, das Gerechtigkeitsempfinden ist in

jeder Generation durchaus kontrovers. Diese Vorgänge

nicht nur jungen Menschen zu vermitteln, ist eine große

Aufgabe, die sich lohnt, was uns die vielen Gespräche

während unserer Führungen immer wieder beweisen.

Wie werden die Inhalte im Museum vermittelt?

Josef Raulf: Zu Beginn jeder Führung wird in unserer Bibliothek

ein kurzer Film gezeigt (kann auch über YouTube

angesehen werden), der in einer Einführungspräsentation

die wichtigsten Exponate beschreibt und die Besucher mit

dem Museum vertraut macht. Danach besichtigen wir die

einzelnen Räume, und können auf alle Fragen eingehen.

Wie reagieren die Besucher/innen

Dagmar Sträter-Müller: In der Regel äußern sie ihre Verblüffung

darüber, dass sie „das alles nicht gewusst haben,

obwohl es doch

so spannend ist.“

Da wir im Verein

ausschließlich ehrenamtlich

tätig sind, freuen wir uns über die

fast ausschließlich positiven Reaktionen, aber natürlich

auch über jede noch so kleine Spende, die unsere Arbeit

unterstützt.

„Das Alte nicht vergessen,

das Neue schätzen“

(Josef Raulf)

Was bedeutet Ihnen Ihr Museum?

Josef Raulf: Zunächst einmal gefällt es uns, eine so tolle

Gründungsidee weiterführen zu können: Heinrich Aufmhoff,

der 2018 verstorbene ehemalige Geschäftsleiter und

Rechtspfleger unseres Gerichts, hatte nicht nur die Idee,

sondern vor allem unermüdlichen Einsatzwillen und

handwerkliches Engagement. Die vielen Exponate verdanken

wir diesem einmaligen Sammler und Gründer

unseres Museums. Er schuf die Möglichkeit, Gerichtsgeschichte

mit der Ortsgeschichte zu verbinden.

Dagmar Sträter-Müller: Für die Zukunft wünschen wir

uns natürlich viele Besucher, gern auch neue Vereinsmitglieder,

die ein Jahresbeitrag von 12 Euro gewiss nicht abschrecken

kann, vor allem aber den lebendigen Austausch

mit allen Interessierten. ■

Dagmar Sträter-Müller

Josef Raulf in der Amtsstube

WOLL Sommer 2022 - 65


Robert geht wandern…

VON HIRSCHBERG

NACH KALLENHARDT

Robert Hinkel

Blick auf Hirschberg

U

nsere Wandertour führt dieses Mal von Hirschberg

bis nach Kallenhardt. 17 km mit Hunderten

Höhenmetern sind kein Pappenstiel, da braucht

man schon Training. Für den Rückweg allerdings nicht

mehr, denn dafür nutzen wir den Bus.

Wir treffen uns in der Dorfmitte Hirschbergs, am Parkplatz

in der Nähe der Post. Im schönen Städtchen Hirschberg

können wir zunächst das Hirschberger Tor besichtigen. Obwohl

wir in Hirschberg sind, ist es nur ein Nachbau des original

Hirschberger Tores, das heute in Alt-Arnsberg steht.

Zum 700-jährigen Jubiläum haben die Hirschberger das

Jagdtor in Eigeninitiative wieder aufgebaut. Ein wenig kleiner

als das ursprüngliche Tor, aber auf 70% der Originalgröße

sind die Jagdszenen trotzdem sehr gut zu erkennen.

Wanderführer Robert am Hohlen Stein

Raus aus dem Ort geht es durch die Felder zum Dindeltor,

wo man an der Sagenstation auch etwas über den „falschen

Schnadegänger“ erfahren kann. Weiter geht es durch den

66 - WOLL Sommer 2022


Arnsberger Wald zum Bilstein-Park, wo sich ein Besuch immer

lohnt. Hier sieht man Rot- und Sikahirsche. Und während

es auf der Wanderung eher selten ist, Wildschweinen,

Füchsen, Mardern zu begegnen, ist die Wahrscheinlichkeit

hier um ein Vielfaches höher. Anders beim Luchs, ihm in

NRW in freier Wildbahn zu begegnen, ist nach aktuellem

Stand sogar ausgeschlossen. Auch ein Besuch der Tropfsteinhöhe

lohnt sich – wenn man die Zeit hat. Übrigens

durchfließt ein aktiver Höhlenbach die untere Etage des

Höhlensystems. Dort entsteht eine neue Höhle, denn das

Wasser wäscht täglich die Höhle weiter und tiefer aus.

Doch für uns geht es erst mal weiter Richtung Warsteiner

Brauerei. Dann nochmal durch den Arnsberger Wald. Vorbei

an Wiesen und Feldern geht es nach Kallenhardt. In näherer

Umgebung finden sich sogar zwei Höhlen: Der Kalkstein

des Hohlen Steins im Naturschutzgebiet Lörmecketal

entstand vor 350 Millionen Jahren. Dort fand man auch

Werkzeug aus der Steinzeit.

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per E-Mail an: hennewandern@gmail.com

Insgesamt ist es eine sehr abwechslungsreiche Strecke mit viel Feld- und Waldanteil.

Der Schwierigkeitsgrad ist 5 von 7, für Mittelgebirgs-Verhältnisse. Wer nicht

so geübt ist, kann aber am Bilstein-Park loswandern. Da hält der Bus auf dem

Rückweg auch. Dann sind es 12 km bzw. Schwierigkeitsgrad 4. Die An- und Abstiege

sind nicht lang, alle weit unter 100 Höhenmeter. Es gibt nur viele davon.

Weitere Infos auch auf Instagram:

https://www.instagram.com/wandern_im_sauerland/

Link zur Strecke:

https://www.alltrails.com/explore/map/map-may-5-2022-10-56-am-d5da28d ■

Zwei Naturliebhaber

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57392 Schmallenberg

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Manuskripte, Fotos und Daten übernehmen wir keine

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oder (und) von Artikeln, die mit Quellenangaben gekennzeichnet

sind, z.B. V.i.S.d.P. etc. Die mit Namen oder

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die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält

sich das Recht zur Kürzung oder Änderung von Artikeln vor.

Urheberrecht: Nachdruck und/oder Verbreitung im Internet,

auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung des Verlages

gestattet.

Die nächste Ausgabe

erscheint September 2022

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68 - WOLL Sommer 2022


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WOLL Sommer 2022 - 69


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Bereits während seiner Berufstätigkeit kam Jörg Kasupke

täglich hierher zur ehemaligen Dehler-Werft. Und

noch heute zieht es ihn und seine Frau Andrea bei Spaziergängen

entlang der Ruhr ins Gewerbegebiet Langel.

„Es macht immer wieder Spaß, wenn die Radfahrer hier

anhalten, um sich staunend das gelbe, aus dem Fabrikgebäude

‚herausgerutschte‘ Boot anzusehen.

Ein äußerst beliebter Fotomagnet bei allen Radfahr-

Touristen! Meiner Einschätzung nach gibt es wohl

kaum ein Freienohler Motiv, dass von Urlaubern häufiger

per WhatsApp verschickt wird.“

70 - WOLL Sommer 2022


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WOLL Sommer 2022 - 71


„freienohler.de“ erreicht das Level 2.0

HERZBLUT

FÜR FREIENOHL

Britta Melgert

S. Droste

G

ibt es etwas Schöneres von einem Ort zu

behaupten, als dass er auch nach 750 Jahren

noch lebendig, modern und zukunftsorientiert

ist? Zwei Freienohler fühlten sich berufen, alle im Ort

mitzunehmen auf ihrem Weg, neu mit den Themen

Kommunikation, Information und vor allem Freude

an Gemeinsamkeit umzugehen. Der große Erfolg gibt

ihnen Recht.

„Ich war immer ein begeisterter Sammler“, erzählt Karl-

Heinz Kordel. „Alles, was es irgendwo über Freienohl gab,

habe ich mir besorgt, doch es war natürlich viel zu schade,

all das in Regalen schlummern zu lassen. Deshalb suchte

ich lange nach einer Möglichkeit, meine Schätze der Öffentlichkeit

zu präsentieren. Ein Museum wollte ich nicht

einrichten. Das Internet war zwar noch recht jung, aber

mit Hilfe meines Sohnes habe ich es dann einfach mal

angepackt.“

Die Geburtsstunde von freienohler.de

Freienohler.de war geboren, noch recht überschaubar vom

Inhalt her, aber stetig wachsend. Kordel erinnert sich: „Das

war ähnlich wie mit meinen Programmierkenntnissen, die

quasi bei null starteten. Learning by doing – mit viel Mut

und Akribie musste ich mir das, was heute Programme

eigenständig erledigen, noch selbst anlesen und erlernen.

Aber die Freude über die wachsende Seite und erste positiven

Feedbacks haben mich immer weiter angespornt.“

Und so waren sie fortan online und frei zugänglich, seine

Ansichtskarten, die alten Fotos und Dokumente über

Freienohl. Die Abbildungen des alten Notgeldes kamen

hinzu, dann die Information aus der Zeit, als Freienohl

noch Zollstelle war oder als der Ort mit 36 Gastronomiebetrieben

bundesweit die zweithöchste Durchdringung

pro Einwohner hatte, direkt nach Hamburg, oder als sich

der FC Schalke 04 mit dem Gewinn der ersten Meisterschaft

einen gemeinsamen Sommerurlaub in Freienohl

verdient hatte.

Register für Beinamen

Kordel hatte Blut geleckt. „Ich wollte auch Informationen

zu alten Brauchtümern für die Nachwelt festhalten. Wer

würde wohl sonst in 50 Jahren noch wissen, dass man beispielsweise

früher an Neujahr singend um die Häuser zog,

um Würste auf einem Spieß zu sammeln?“ Was auch mit

der Zeit in Vergessenheit geraten könnte, sind die Beinamen,

die viele Familien hatten und die teils auch noch verwendet

werden. „Ich habe dazu ein Register angelegt, das

bis heute für Zugezogene eine hilfreiche Unterstützung bei

der Who’s who-Frage darstellt“, verrät er augenzwinkernd.

72 - WOLL Sommer 2022


„Viele Freienohler haben unsere Seite

als ihre Startseite gewählt!“

(Sebastian Severin)

Sebastian Severin

Neustart nach Staffelübergabe

Vor rund zehn Jahren war für Kordel der perfekte Zeitpunkt

gekommen, die Arbeit, an der er immer mit Herzblut

gehangen hat, an Sebastian Severin abzugeben. Dieser

erinnert sich: „Anfangs habe ich lediglich ein wenig am

Design gearbeitet. Um dann aber das Ziel 2.0 anzugehen,

habe ich mir Julian Geppert fürs Technische sowie meinen

Bruder Michael für den Bereich Social Media mit ins Boot

geholt.“

Karl-Heinz Kordel

Plattform für alle, die was zu

berichten haben

Örtliche Unternehmen und Vereine können inzwischen

deren Veranstaltungen oder Fotos eigenständig auf freienohler.de

posten. „Das macht unsere Seite so interessant,

dass viele sie sich sogar als Startseite gesetzt haben“, weiß

Severin. Der Datenschutz erlaubt es zwar nicht mehr, dass

wir sehen können, wie viele Besucher täglich bei uns reinschauen,

aber es müssen einige sein, denn das Feedback

ist nicht nur direkt aus Freienohl gut. Oft hören wir auch

von Fortgezogenen, wie schön es doch ist, auf diese Art

weiter am Ortgeschehen teilhaben zu können“, verrät er

schmunzelnd.

„Und ziemlich stolz sind wir letzten Endes sogar darauf,

dass etliche Senioren allein deshalb, weil so gut über unsere

Seite gesprochen wird, überhaut den Zugang zum Internet

fanden und somit heute nicht von der sich immer

schneller ändernden Welt abgeschnitten sind. Wenn das

nicht ein wirklich gutes Zeichen dafür ist, wie modern

unser Freienohl ist!“ ■

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WOLL Sommer 2022 - 73


1250 JAHRE

OBERMARSBERG

Jubiläumsbericht online lesen:

Im einstigen Paris des Sauerlandes…

http://www.imsauerland.de/informationen/blog

74 - WOLL Sommer 2022


ERINNERUNGEN AN

DAS ALTE

NUTTLAR

Robert Friederichs, Louise Dünschede, Heinz Kersting (v.l.)

Drei Dorfbewohner haben

viel zu erzählen

Britta Melgert

S. Droste

Anlässlich eines Jubiläums ist ein Blick in

die Vergangenheit obligatorisch. Besonders

spannend und authentisch wird Historisches

immer dann, wenn Augenzeugen in ihren Erinnerungen

kramen und über das Erlebte berichten.

Drei gebürtige Nuttlarer erzählen ihre hautnah

erlebte Geschichte des Dorfes in den letzten acht Jahrzehnten…

„Wo fängt man an, wo hört man auf“, beginnt Luise Dünschede

lachend. Gemeinsam mit ihrem Bruder Robert

Friederichs und Heinz Kersting werden Fotoalben durchblättert.

Die Geschichten aus der Vergangenheit sprudeln

nur so aus ihnen heraus. Immer wieder ein „Weißt du noch

…“ oder ein „Das muss ich unbedingt erzählen…“. Eins

wird klar: Das Dorf war ein anderes als heute.

Das alte Ortsbild

„Allein schon die alten Gebäude“, wirft Heinz Kersting

ein. Der Zahn der Zeit, planerische Veränderungen aber

auch der Krieg haben ihre Spuren hinterlassen. „Das vermutlich

älteste, heute noch erhaltene Wohnhaus ist das

Haus Raffenbeul. Darin befand sich früher auch ein Lebensmittelgroßhandel“,

weiß Robert Friederichs.

Gewerbebetriebe an jeder Ecke

Überhaupt gab es eine rege Geschäftstüchtigkeit in Nuttlar.

Drei Bäckereien, zwei Metzger, zwei Schuhmacher

und ein Schreiner fallen den Senioren sofort ein. Dann

benötigen sie die Finger, um auf verlässliche Zahlen zu

kommen. Sieben Lebensmittelläden und sechs Gastronomiebetriebe

sowie etliche Fremdenpensionen – so lautet

die letzte Hochrechnung ohne Gewähr. Daneben natürlich

der Bahnhof, der 1969 geschlossen wurde, das Postamt

und die Polizeistation.

Das Taschengeld ging für

Speiseeis drauf

Sein Geld konnte der Nuttlarer also durchaus im eigenen

Ort ausgeben. „Meine paar Münzen gingen anfangs meist

in die Bäckerei Samson, bei denen es nach dem Krieg sommertags

das allererste Speiseeis im Dorf gab“ erinnert sich

Luise Dünschede. „Unter einer Treppe im Verkaufsraum

befand sich die Eismaschine, die auf den ersten Blick wie

eine Waschmaschine wirkte. Es gab nur Vanilleeis, das

mit einem Löffel aus dem Bottich geschabt und auf einer

flachen Waffel für 5 Pfennig verkauft wurde. Wir Kinder

standen Schlange für diese spektakuläre Süßigkeit!“ Ihr

WOLL Sommer 2022 - 75


Bruder weiß noch, dass man irgendwann bei Dalla Valle

der enormen Nachfrage folgte und mit einer größeren Sortenvielfalt

für die Qual der Wahl sorgte.

Originalton: „Wir Kinder standen Schlange für ein Eis“

Zu Fuß zur Arbeit

Auch Arbeit fand man gut in Nuttlar. Ob im Schieferbergwerk

oder bei der Kornbrennerei Schneider, bei Mönig

oder Sauerwald & Söhne, aber auch bei vielen Handwerkern

oder im Kohlenhandel Friederichs gab es genug

zu tun. Unvergessen sind dorfbekannte Originale wie

Adolf Kissler, der tagtäglich mit seinem Pferdewagen die

Dorfhaushalte mit Kohle belieferte. Heute beschränkt

sich das Jobangebot im Wesentlichen auf die Firmen

Martinrea Honsel und den Dusch- und Brauseschlauchhersteller

Ramspott.

Glockenläuten um Mitternacht

Nicht nur das Arbeiten, sondern auch Zusammenhalt

und Miteinander waren früher anders.

„Wir hatten hier immer viel Spaß“, berichtet

Heinz Kersting. „Neben den Festen, die es sehr häufig

gab, waren etliche Dorfbewohner auch stets zu Scherzen

aufgelegt.“ Eine Anekdote fällt ihm ein: „Das Geld für den

Bau des Kindergartens reichte nicht, und so ging Pastor

Finke auf dem Feuerwehrfest mit der Sammeldose herum.

Da wir aus seiner Sicht nicht großzügig genug hineinwarfen,

bot er für ein Extra-Scheinchen an, die Spender in

sein Gebet aufzunehmen. Das war uns Nuttlarern nicht

genug und so handelten wir ihn hoch auf ein lautes Glockenläuten

um Mitternacht. Wir hatten unseren Spaß –

und der Kindergarten konnte gebaut werden.“

Typische Nuttlar-Events:

Weltrekord und Straßenrennen

„Ja, in Nuttlar wurde es nie langweilig“, fügt Luise Dünschede

hinzu. „Unvergessen sind Events wie das Bierfass-

Rollen mit offiziellem Weltrekord. Und dann natürlich

die legendären Bergrennen auf der kurvigen Rennstrecke

zwischen Nuttlar und Kallenhardt. Das Dorf stand Kopf,

wenn bis zu 30.000 Fans hierherkamen, um Rennsportgrößen

wie Jochen Maas oder Hans-Joachim Stuck zuzujubeln.“

Auch in diesem Jahr gibt es viele Veranstaltungen auf

denen unsere Drei kräftig mitfeiern können, denn

Nuttlar feiert sein 950. Jubiläum. ■

Zeichnung: http://www.wir-nuttlarer.de

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ÜBERGEWICHT - DIE OFT UNTERSCHÄTZTE GESUNDHEITSGEFAHR

Die Zahlen sind erschreckend, die Folgen noch

mehr: Laut RKI sind 34 % der Erwachsenen

von “bauchbetonter Adipositas” betroffen. Das

sogenannte viszerale Fett, das in der Bauchhöhle sitzt, ist

eine tickende Gesundheitsbombe. Es setzt chronische Entzündungen

in Gang und beeinflusst das Immunsystem,

außerdem erhöht es das Risiko für Herzkrankheiten und

Typ2-Diabetes.

Mit einer Diät ist es bei den Menschen, die zu Dr. Martin

Pronadl, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Maria Hilf

in Brilon, ins Adipositaszentrum kommen, nicht getan. Viele

von ihnen haben einen Bodymaß-Index von über 40 kg/

m² und damit krankhaftes Übergewicht. Dr. Pronadl ist es

wichtig klarzustellen, dass „massives Übergewicht krankhaftes

Übergewicht ist“ und damit eine chronische Erkrankung

darstellt. In seiner Abteilung werden Patienten ab einem BMI

über 35 kg/m² mit erheblichen Begleiterkrankungen behandelt.

„Ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel“ – dieser Spruch

hat ausgedient. „Es kommen immer mehr Männer zu uns“,

berichtet Dr. Pronadl. „Bauchfett ist viel schädlicher als Hüftspeck

und produziert Hormone und Substanzen, die Entzündungen

fördern und somit das Immunsystem schwächen. Je

mehr Bauchfett, desto größer ist das Risiko an einem Herzinfarkt

oder Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Zusätzlich

verfetten die inneren Organe. Insbesondere die Leber und die

Bauchspeicheldrüse.“ Durch Magenverkleinerungseingriffe

ist es den Patienten nicht mehr möglich, die gleichen Mengen

an Nahrung aufzunehmen. Im ersten Jahr nach der bariatrischen*

Operation nehmen sie das meiste Gewicht ab. Um aber

nicht wieder zuzunehmen, müssen sie ein Leben lang darauf

achten, was sie essen. „Denn natürlich kann man den Magen

wieder „groß“ essen und somit wieder zunehmen. Es bleibt

eine lebenslange Lebensumstellung für die Patienten”, klärt

Dr. Pronadl auf.

„Natürlich birgt jede Operation ein Risiko, aber die Risiken

einer solchen Operation sind durchaus überschaubar“, versichert

Dr. Pronadl und fährt fort: „Die Erfolgsquote dabei

liegt immer auch am Patienten. Wir machen den operativen

Teil und den Rest macht der Patient zusammen mit der Ernährungsberatung

bzw. den Koordinatoren. Wir klären die

Patienten über alle Möglichkeiten auf und begleiten sie auf

dem kompletten Weg durch das Multimodale Therapiekonzept,

wenn eine Operation für die Patienten in Frage kommt.”

Nach dem operativen Eingriff wird eine lebenslange Nachsorge

garantiert. Alle Patienten, mit oder ohne operativen Weg,

werden der Selbsthilfegruppe Adipositas im Krankenhaus

Brilon angeschlossen, um sich auszutauschen. Die Wichtigkeit

dieses Austausches kann auch Adipositas-Koordinatorin

Sarah Wiese bestätigen: „In kleinen Gruppen motivieren

die Patienten sich auch gegenseitig, verabreden sich mal zum

Sport.“ Durch ihre persönliche Erfahrung und medizinische

Ausbildung kann sie sich sehr gut in die Patienten hineinversetzen.

„Für die Patienten ist es sehr wichtig, jemanden zu

haben, der sie versteht und sie nicht direkt verurteilt.“ Sarah

Wiese war selbst seit ihrer Kindheit stark übergewichtig. Eine

Hormonstörung war der Grund. Als später der Kinderwunsch

laut wurde, rieten Endokrinologe und Gynäkologe zur Magenverkleinerung.

Für Sarah Wiese keine leichte, aber eine unbedingt

gute Entscheidung. 65 Kilo hat die Elleringhauserin

verloren. Sarah Wiese führt seitdem ein komplett neues und

aktives Leben mit Familie und Hund. Michael Hanses wurde

vor acht Wochen operiert: „Bei mir ist alles hervorragend

gelaufen und es gab auch keine Komplikationen. Der „Kopf-

Hunger“ ist zwar noch da, aber ich komme gut zurecht. Ich

werde aber weiter in der Selbsthilfegruppe bleiben, weil man

dort immer ein offenes Ohr für evtl. Probleme hat und auch

sehr schnell einen Termin bekommt.“ ■

*Bariatrie = medizinische Behandlung

des Übergewichts

BMI-FORMEL =

KÖRPERGEWICHT

(IN KG) GETEILT

DURCH KÖRPERGRÖSSE

(IN M) ZUM QUADRAT

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WOLL Sommer 2022 - 77


Marek Sliwiok aus Antfeld

„ES ZÄHLT DER AUGENBLICK -

IN JEDER HINSICHT ...“

Sonja Funke

Iris Böning & Privat

Ja,

der Augenblick. Er macht die Werke von

Marek Sliwiok aus, in jeder Hinsicht. Seit

der Antfelder ein kleiner Junge war, zeichnet

und malt er. Dies unbedingt auch, um nach einem

langen Arbeitstag als hauptberuflicher Holzwerker und

außerhalb vom familiären Alltag zu entspannen. Mit

Pastellkreiden, mit Bleistift, mit Buntstiften. Mit dem,

was passt, in genau diesem Moment.

So kommen auch die meisten Bilder über den einen Augenblick

zu ihm. Weil jemand zum Beispiel jemanden kennt,

der weiß, dass der 52-Jährige malt. Marek Sliwiok hat seine

Familie ebenso wie Kommunionkinder porträtiert. Er hat

die Mutter Gottes in ihrer Grotte auf dem Hamberg und

die Kreuzweg-Bilder restauriert. Er hat fantastische Zeichnungen

für ein psychologisches Kinder-Buch erstellt und

Farbenglasfenster zusammengesetzt. „Sehr gerne beschäftige

ich mich mit Porträts. Ich versuche dabei, die individuellen,

für jeden Menschen dazugehörigen Eigenschaften herauszufiltern.

Noch viel interessanter ist das bei Karikaturen, wo zusätzlich

ein Spaßfaktor unentbehrlich ist.“

Wenn das Suchen wichtiger ist...

Als wir den kleinen Atelier-Raum in seinem Antfelder Wohnhaus

betreten, fällt der Blick sofort auf das große Porträt auf

der Staffelei. Das Gesicht ist bereits gemalt, ein Foto dient

als Vorlage. „Mein Schwager wollte, dass ich ihn male. Was

meint ihr, wie kann ich ihn etwas anders darstellen, vielleicht

als Helden?“ Wir rufen ihm spontan Herkules, römischer

Feldherr, Asterix und Obelix und Superman rein. Und wir

sehen ihm an, wie es innerlich rotiert. „Das Malen bedeutet

für mich die Auseinandersetzung mit einem Prozess, wo

das Suchen generell wichtiger ist als das Finden.“ Wie ging

das alles los? „Ich glaube, am Anfang war es keine bewusste

Entscheidung, zu malen oder zu zeichnen. Es war eher unbewusst

das Bedürfnis, den Stift in die Hand zu nehmen und

loszulegen. Sicherlich hat das Umfeld, in dem ich aufgewachsen

bin, hier eine wichtige Rolle gespielt.“

Impulse aus der alten Heimat

Damals lebte Marek Sliwiok noch in Kattowitz in Polen, vor

rund 30 Jahren kam er ins Sauerland. „In einer grauen Industriestadt

in Schlesien sucht man ohnehin instinktiv nach

farbigen Objekten.“ Alles Bunte, ob in der Umwelt oder in

Büchern, inspirierte ihn. „Außerdem verbrachte ich viel Zeit

bei meiner Großmutter und schaute ihr bei der Arbeit als

Künstlerin zu. Dieses Eintauchen in eine andere, fantastische

Welt ist immer wieder aufs Neue ein schönes Erlebnis

gewesen. Und auch die farbigen Werke der Glasfenstermalereiwerkstatt

meines Urgroßvaters übten eine geradezu ma-

78 - WOLL Sommer 2022


gische Wirkung auf mich aus.“ All diese Impulse ließen ihn

als weiterführende Schule das fünfjährige Kunstlyzeum in

Kattowitz wählen. „Hier standen Kunstgeschichte, Zeichnen

und Malen, Bildhauerei, Buchstabenzeichnen und Kunstschmieden

auf dem Stundenplan.“

Die Freiheit, ohne Druck zu arbeiten

Was wurde daraus? Hobby? Profession? Er beschreibt es so:

„Das Malen selbst, also das Suchen, ist ein richtig schönes

Gefühl. Es reicht, wenn man halbwegs mit dem Endeffekt

zufrieden ist. Wahrscheinlich deswegen sehe ich mich nicht

als Künstler. Würde ich das nämlich machen, wäre ich verpflichtet,

mich mit den Besten zu messen und durchgehend

ästhetisch gelungene Werke zu entwerfen. Ich nehme mir lieber

die Freiheit, ohne Druck zu arbeiten. Andererseits möchte

ich nicht irgendetwas auf die Leinwand schmieren und den

Betrachter nach dem Ausdruckssinn suchen lassen. Wenn ich

das Gefühl habe, dass ich mich im Kreis drehe und kaum

weiterkomme, so lege ich das Projekt aufs Eis – manchmal

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es auch ist, anfangs vor einem weißen Blatt zu stehen. Er weiß

aus Erfahrung: „Sobald der erste Strich sichtbar ist, wird der

Kreativität nichts im Wege stehen. Der erste lebendige Strich.

Durch die kreative Arbeit kann jeder den Weg zum tiefsten

Ich finden und zum Ausdruck bringen. Die eigene Schöpfungskraft

wird aktiviert und vielleicht werden sich als Folge

die verborgenen Talente und Fähigkeiten entfalten.“ Gern

zitiert er seine Cousine Katherina, die vor nicht allzu langer

Zeit ihre Leidenschaft fürs Malen entdeckt hat: „Heute in der

schnell lebenden Welt ist es immer mehr notwendig, etwas

Zeit für sich zu finden, sich zu entschleunigen und auch mal

zu spüren, einen Glücksmoment zu erleben.“

Das Schöne: Dieser Augenblick gehört beiden, erst Marek

Sliwiok, dann dem Betrachter! ■

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WOLL Sommer 2022 - 79


Maximilian Rados – ambitionierter

Amateur in der Bundesliga

MAXI UND DIE

FREIHEITSMASCHINE

Britta Melgert

sabrinity

und zu aufs Rad umzusteigen, ist in

vielerlei Hinsicht eine gute Empfehlung.

Ab Schon lange wird der Trend auch im Sauerland

immer deutlicher. Natürlich gibt es auch Menschen,

deren tägliches Pensum wir Durchschnittsradler

nie erreichen. Einer von ihnen ist Maximilian Rados

aus Meschede.

Zurückblickend auf seine sportlichen Anfänge erkennt

Maximilian bereits im kleinen Maxi einen ausgeprägten

Kampfgeist. „Wie im Sauerland üblich, habe auch ich mich

zunächst beim Fußball ausprobiert. Doch schnell merkte

ich, dass ich zwar ein Teamplayer bin, aber trotzdem mehr

auf mich selbst setzen wollte, auch um spontaner trainieren

zu können. Eine gute Alternative war der Radsport. Und

natürlich stand zuhause das Kommunionfahrrad, das ohnehin

als Transportmittel ständig im Gebrauch war.“

Entwicklung

Maxi machte sich gut, und so gab es bald erste Starts

bei Kinderrennen. Dann mit 13 Jahren der Umstieg

aufs Rennrad. „Ich hatte Glück, und wurde immer gut

durch meine Vereine betreut, zuletzt lange Jahre vom RC

Viktoria Neheim“, erzählt Maximilian. „Da geht’s ja nicht

nur um die Steigerung der Kondition. Wie im Elternhaus

auch, werden hier für Heranwachsende Werte gesetzt.

Man orientiert sich an Trainern, Teamkollegen und

sonstigen, den Vereinen verbundenen Menschen.“

Wegbegleiter

Ein interessantes Thema. Maximilian, der für Freunde auch

heute noch „der Maxi“ ist, zählt mit leuchtenden Augen

auf: „Bastian Müller aus Wenholthausen hat mich beispielweise

stark geprägt. Er war anfangs mein fester Ansprechpartner

und immer für mich da. Ebenfalls wichtig war der

alte Trainer Lothar Föst. Er wollte immer der Jugend was

mitgeben - ein Mentor par excellence. Und dann natürlich

Kai Exner - DAS Vorzeigesymbol des hiesigen Radsports.

Anfänglich sind wir noch gemeinsame Rennen gefahren,

aber selbst heute noch hängt er mich locker ab. In der gemeinsamen

Zeit ist eine schöne Freundschaft entstanden,

die ich sehr schätze.“

Beides wichtig: Beruf und Sport

Zum Ende der Schulzeit stand Maximilian vor der Wahl,

ob es für ihn in Richtung Profikarriere gehen sollte oder ob

eine Amateurlaufbahn mit Berufsausbildung der richtige

80 - WOLL Sommer 2022


Weg wäre. „Die Entscheidung für die zweite Variante habe

ich nie bereut, denn in meinem Beruf gehe ich ebenfalls voll

auf. Ich verbinde beides so gut es geht. Die Strecke zum Arbeitgeber

in Belecke wird halt mit dem Rad absolviert. Dort

guckt schon lange niemand mehr komisch, wenn ich mich

vor Dienstbeginn erstmal frisch machen muss fürs Büro“,

erzählt Maximilian schmunzelnd. „Inzwischen bin ich seit

15 Jahren Lizenzfahrer und fahre in der Bundesliga für den

FSV Köln im Team HCC. Im kommenden Sommer führt

übrigens ein Teil der Strecken zur Deutschen Meisterschaft

direkt durchs Sauerland. Es wäre mein größter sportlicher

Wunsch, dabei in der Heimat am Start zu stehen.“

Unterschätzte Herausforderung

„Eine nette Anekdote am Rande: Kürzlich habe ich meine

HCC-Teamkollegen, die aus ganz Deutschland kommen,

zu mir nach Meschede eingeladen, für gemeinsame Touren

durchs Sauerland.“ Maximilian muss grinsen. „Nicht einer

von ihnen hätte mit dieser großen Herausforderung durch

die stetigen Anstiege gerechnet, aber auch nicht mit dieser

tollen Landschaft. Sowas macht mich stolz auf meine schöne

Heimat.“

„Mein größter Wunsch: Bei der

Deutschen Meisterschaft als Sauerländer

in der Heimat am Start zu stehen.“

(Maximilian Rados)

Mein Fahrrad – meine Freiheitsmaschine

Und diese Liebe für das Sauerland ist für ihn zusätzlicher

Motivator, sich immer wieder aufs Rad zu setzen. „Hier

gibt es so viele Strecken, dass es nie langweilig wird. Und

selbst, wenn mal zeitlich keine große Tour drin ist, geht’s fix

mit dem Rad hoch auf den Klausenberg, weiter Richtung

Berghausen, Hennesee und dann mal schauen. Wenn ich

so durch die Gegend husche, ist das Gefühl der Freiheit wie

ein Rausch.“ Er ergänzt: „Im ausgehenden 19. Jahrhundert

nannte man das Fahrrad auch Freiheitsmaschine. Es brachte,

insbesondere auch für Frauen, die gute Gelegenheit, mobiler

und damit unabhängiger, freier zu werden. Unabhängigkeit

und Freiheit, das ist genau auch das, was ich bei jeder

Radtour fühle.“ ■

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WOLL Sommer 2022 - 81


Deutsche Meisterschaft im Sauerland

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SCHERF UND VOLKERT DREHEN

Heimspiel für das SARIS ROUVY SAUERLAND Team

bei den Deutschen Straßenmeisterschaften AM GROSSEN im Sauerland. RAD

Philip Stallmeister

Das Team Sauerland ist, mittlerweile als Saris Rouvy Sauerland

Team unterwegs, längst den Kinderschuhen entsabrinity

NEHEIM

SUNDERN

HIRSCHBERG

ARNSBERG MESCHEDE

ESLOHE

MARSBERG

SIEDLINGHAUSEN

KAHLER ASTEN

SCHMALLENBERG

A

ls Rennen in der Radbundesliga hat sich

die Sauerlandrundfahrt etabliert. Nun

ist ein Großteil der bekannten Strecke

Bestandteil des Straßenrennens der Deutschen

Radrennmeisterschaft. Vom 24. bis 26. Juni befindet

sich die deutsche Rad-Elite im Sauerland,

um die besten in diversen Disziplinen zu finden.

Verantwortlich für die Austragung der Sauerlandrundfahrt

sind Jörg Scherf und Heiko Volkert von SVL Sports

aus Eslohe. Als Versicherer von Radprofis haben sie sich

mit ihrem Unternehmen etabliert. Durch diese Arbeit und

den Kontakt mit ambitionierten Sportlern kamen dann

auch die Ideen, einen eigenen Rennstall und auch ein Rennen

im Sauerland zu etablieren.

www.sauerlandrundfahrt.de

82 - WOLL Sommer 2022


wachsen und fährt nicht nur in der Rad-Bundesliga ganz

vorne mit. Die Sauerlandrundfahrt gehört auf diesem

Niveau zu den anspruchsvollsten Kursen und bildete 2019

und 2021 im letzten Rennen das große Finale der Bundesligasaison.

Nun wird ein Großteil der Strecke Schauplatz

der Deutschen Meisterschafts-Route sein. Wer allerdings

glaubt, dass ein Bundesligarennen als komplette Schablone

für eine DM passt, der irrt. „Es ist ein Riesenunterschied.

Wir haben drei Regionen im Sauerland, die wir unter einen

Hut bringen Heimspiel müssen. für das Da SARIS ist ROUVY zum einen SAUERLAND die Gegend Team rund

um Marsberg, bei den Deutschen wo die Zeitfahrwettbewerbe Straßenmeisterschaften im Sauerland. sind, dann die

längere Sauerlandrundfahrt und das Rennen der Frauen

von Siedlinghausen. Das bedeutet viel mehr Aufwand für

Ordnungsämter, Polizei und Absperrungen. Die Ordneranzahl

verdoppelt sich da mal eben“, zählt Heiko Volkert

einiges im Vergleich auf. Volkert ist den Verantwortlichen

und den Menschen im Sauerland dankbar, dass die Deutsche

Meisterschaft in der Region stattfinden kann. Von

Marsberg im Nordosten bis Schmallenberg im Südwesten

wird ein Großteil einen Streckenteil stellen. „So viel Ehrenamt,

das da im Einsatz ist, meines Wissens gab es das

so noch nicht. Bei einem Bundesschützenfest ist alles an

einem Ort. Da ist das ein Verein, der ausrichtet. Bei uns

sind so viele im Einsatz. Diese positive Einstellung auch

bei den Ordnungsämtern und der Polizei spricht für das

Sauerland“, schwärmt Volkert in sprühender Begeisterung

über das Engagement. Die Helfer und Zuschauer sorgten

bereits in den Vorjahren für besondere Atmosphäre an den

markanten Punkten. Die Bergwertungen an der Hirschberger

Wand, am Arnsberger Schlossberg, dem Niederwald

zum Odin bei Meschede und der Rochuskapelle in

Eslohe mutierten während der Durchfahrt des Renntrosses

zur Partymeile. ■

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WOLL Sommer 2022 - 83


„Alles mit Liebe.“

Caritas Meschede sorgt mit

Nächstenliebe für die Menschen

in Bestwig, Eslohe, Meschede und

Schmallenberg

Die Caritas ist im Sauerland in vielen

verschiedenen Bereichen tätig. Senioren,

behinderte Menschen und Kinder werden von

ihr liebevoll versorgt. Weit verstreut bietet sie im Sauerland

auch eine spannende Perspektive für die Berufswahl.

Ob stationär oder ambulant: Junge Menschen

mit Interesse an Pflegeberufen finden bei der Caritas

abwechslungsreiche und zukunftssichere Möglichkeiten.

WOLL hat in einem Interview mit Dominik Hansmeier,

Natalie Plett und Michael Rosenkranz über den Stand

und die Zukunft der Caritas Meschede gesprochen.

Michael Rosenkranz (61 Jahre) ist in einer Handwerkerfamilie

aufgewachsen und seit mehr als 30 Jahren als Sozialarbeiter

tätig. „Ich bin durch eine Mutterschaftsvertretung

zur Caritas gekommen“, beschreibt er seinen Werdegang

bei der Caritas. Seine Kollegin Natalie Plett (27) hat nach

dem Abitur eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin

gemacht. Neben ihrem Pflegemanagementstudium

in Münster hat sie an den Wochenenden bei der

Caritas gearbeitet, die sie schon während ihrer Ausbildung

kennengelernt hatte. „Mit einem guten Jahr Unterbrechung

bin ich nun seit 2016 bei der Caritas Meschede in

verschiedenen Bereichen tätig“, so die jetzige Ausbildungskoordinatorin.

Caritas als Leistungsanbieter

und Ausbildungsbetrieb

Dominik Hansmeier (36) leitet den Bereich Personal und

Organisation. Sein Berufsleben startete er mit einer kaufmännischen

Ausbildung in der Automobilbranche. Über

den Vertrieb ging es für ihn in den Personalbereich und so

hat er sieben Jahre beim Josefsheim Bigge in dieser Funktion

gearbeitet. „Ich habe mich 2018 bei der Caritas beworben,

weil ich hier spannende Entwicklungsmöglichkeiten

gesehen habe“, fasst der Olsberger zusammen.

Neben dem Standort Meschede ist die Caritas auch in

Bestwig, Schmallenberg und Eslohe zentral vertreten. Alles

muss gut organisiert sein: der Bereich Menschen mit Pflegebedarf,

Familie und sozialer Dienst, Menschen mit Behinderung

und natürlich der Verband als solcher. Beispielsweise

organisiert die jeweilige Sozialstation die Versorgung

der Klientinnen und Klienten: Die Pflegedienstleitung der

Station plant mit den Teamleitungen die hauswirtschaftliche

und pflegerische Versorgung, diese wird in einem Tourenplan

hinterlegt.

„Einigen ist das vielleicht nicht bekannt: Wir haben einen

kirchlichen Hintergrund, aber unsere fachliche Arbeit hat

sich deutlich professionalisiert“, so Natalie Plett über den

Ruf des Verbandes. „Caritas ist auch nicht gleich Caritas,

denn sie ist in viele Strukturen untertteilt“, ergänzt Michael

Rosenkranz. „Wir als gemeinnütziger Verein, die ehrenamtliche

Caritas in den Kirchengemeinden, die Caritas

Deutschland mit dem weltweit agierenden Hilfswerk Caritas

International.“ Eins haben alle dieser Verzweigungen

gemein: Sie machen ihre Arbeit mit (Nächsten-)Liebe.

Was hat sich verändert?

WOLL: Herr Rosenkranz, hat sich die Arbeit der Caritas

in Meschede über die Jahre verändert?

Michael Rosenkranz: Einige grundlegende Probleme der

84 - WOLL Sommer 2022


Menschen haben sich kaum verändert. Sorgen in der Familie,

Krankheit und Sterben gehören immer zum Leben

dazu. Hier haben wir immer noch die gleichen Themen

wie vor 30 Jahren. Aber andere Bereiche und auch die

Rahmenbedigungen haben sich sehr verändert – Stichwort:

Individualisierung der Gesellschaft, Digitalisierung,

Medienkonsum, Migration und vieles mehr. In diesem

Spannungsfeld bieten wir unverändert unsere Hilfe an,

egal ob es um Pflegebedürftigkeit, Erziehung oder andere

Beratungsangebote geht. Die Umstände wandeln sich und

wir müssen uns dem anpassen, aber wir sind nach wie vor

ein offenes Haus. Die Menschen sehen das Logo der Caritas

und wissen, wofür es steht.

WOLL: Herr Hansmeier, wie hat sich die Organisation

der Caritas verändert?

Dominik Hansmeier: Die Arbeit des Caritasverbandes

hat sich über die Jahre professionalisiert. Früher war die

Caritas noch keine Sozialstation und die Krankenschwester

hat die Dienstpläne geschrieben. Aber wir sind stark

gewachsen. Seit ich hier angefangen habe, sind wir um 160

Mitarbeiter gewachsen. Jeden Tag betreuen und versorgen

wir rund 2.000 Klienten. Da existieren viele Strukturen

und Ebenen, gerade auch bei der Administration, die es

vor 20 Jahren noch nicht gegeben hat.

WOLL: Frau Plett, was sollte jemanden auszeichnen,

der für die Caritas arbeiten möchte?

Natalie Plett: Auf jeden Fall braucht man sehr viel Einfühlungsvermögen.

Man muss sich immer bewusst sein,

dass die Menschen auf einen angewiesen sind. Gerade in

der ambulanten Pflege ist es für die Senioren oder Kranken

das Highlight des Tages, wenn jemand einfach mal da ist,

gerade, wenn die Menschen alleine wohnen. Man arbeitet

mit Menschen zusammen, denen man hilft und die sehr

dankbar für diese Hilfe sind. Jeder wird alt und jeder wird

irgendwann auf Hilfe angewiesen sein. Deswegen ist es

außerordentlich wichtig, dass es Menschen gibt, die diesen

besonderen Beruf ausüben. ■

Wichtige Kennzahlen und Leistungsdaten

Mitarbeiter – 605 Mitarbeitende, davon 432 in der Pflege

Klienten – 2.000 Menschen täglich, davon 1.200 in der

Pflege

Einrichtungen

Bestwig: Sozialstation Bestwig • Tagespflege St. Anna Nuttlar

Eslohe: Kardinal-von-Galen-Schule • Sozialstation Eslohe •

Tagespflege Am Kurpark

Meschede: Ambulanter Hospizdienst • Beratungsstelle für

Eltern, Kinder und Jugendliche • Kinderhort • Marcel-Callo-

Haus für Menschen mit Behinderung • Montessori-Kinderhaus

• Seniorenzentrum St. Elisabeth • Sozialstation Meschede •

Tagespflege Haus Schamoni • Tagespflege Am Hennepark •

Tafel Meschede

Schmallenberg: Beratungsstelle für Eltern, Kinder und

Jugendliche • Sozialstation Schmallenberg • Tagespflege Bad

Fredeburg

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WOLL Sommer 2022 - 85


BRILONER

FILETSTÜCKE

DER BESONDEREN ART

Starke Wirtschaft mit vorbildlicher Zusammenarbeit

und hoher Heimatverbundenheit

Paul Senske

sabrinity

Allein der Blick auf die Zahlen unterstreicht

eine außergewöhnlich positive Tendenz: Die

Briloner Wirtschaft hat sich in den vergangenen

Jahren zu einem Filetstück der besonderen Art entwickelt.

„Viele heimatverbundene Menschen sind in

Führungspositionen der Betriebe. Sie haben nicht nur

ihre Firmen im Blick, sondern sie richten auch und besonders

den Blick auf die Stadt und tragen gesellschaftliche

Verantwortung“, sagt Oliver Dülme. „Diese Haltung

ist in Brilon sehr stark ausgeprägt.“

Dülme hat die Zahlen im Blick und weiß, worüber er

spricht. Der 38-jährige Diplom-Geograf aus Erlinghausen

ist seit 2011 Wirtschaftsförderer und seit 2019 gemeinsam

mit Rüdiger Strenger Geschäftsführer der Brilon Wirtschaft

und Tourismus GmbH. „Wir haben vor allem im

Bereich der Arbeitsplätze eine sehr gute Entwicklung genommen“,

betont Dülme. „Brilon verzeichnet die höchste

Steigerung in den letzten 15 Jahren, wobei alle HSK-Kommunen

Zuwächse aufweisen. Wir haben in Brilon noch

eine Schüppe draufgelegt.“ Der Anstieg beträgt von März

2007 bis März 2022 exakt 46,88 Prozent, von 9.579 auf

14.070 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das

ist eine Steigerung um 4.491. Brilon mit 27.440 Einwohnern

ist derzeit nach Arnsberg (78.500) die Kommune mit

den meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im

HSK. „Die positive Entwicklung erfolgte vor allem aus

dem Bestand.

Die größeren Unternehmen haben sich weiterentwickelt,

aber auch viele kleine und mittlere Betriebe sind

gewachsen.“

Deutlich mehr Arbeitsplätze,

als die Bevölkerung benötigt

Zwei weitere Statistiken unterstreichen den blühenden

Wirtschaftsstandort der „Stadt des Waldes“: Bei der „potenziellen

Arbeitsplatzversorgung“, dem Verhältnis zwischen

Arbeitsplätzen und Arbeitnehmern vor Ort, weist

die Stadt mit 119,8 den höchsten Wert im Hochsauerlandkreis

auf. „Brilon hat deutlich mehr Arbeitsplätze vor Ort,

als die Bevölkerung benötigt.“ Bei den Pendlerzahlen ist

der Saldo ebenfalls bemerkenswert. So betrug Mitte 2021

die Zahl der Einpendler 8.018, die der Auspendler 5.215.

„Diese Differenz ist sehr hoch und ungewöhnlich für eine

Beim Blick auf die Betriebe sticht die Elektroindustrie

ins Auge. „Die Häufung der Betriebe im Elektrobereich

ist schon außergewöhnlich.“ Zudem weist Brilon einen

breiten Branchenmix der großen, mittleren und kleineren

Unternehmen und Betriebe auf: Elektroindustrie, Holzverarbeitung

mit der gesamten Wertschöpfungskette vom

Wald über Sägewerke bis zu fertigen Produkten (u. a. Küche/Bad),

Metallverarbeitung, Kunststoffindustrie, Gastgewerbe,

Tourismus, Gesundheitswesen sind die stärksten

und wichtigsten Branchen.

86 - WOLL Sommer 2022


„Die Briloner Wirtschaft zeichnen

inhabergeführte Familienbetriebe mit einer

hohen Heimatverbundenheit aus.

Sie erkennen die Trends der Zeit und können

mit innovativen Produkten auf dem

Weltmarkt bestehen.“

(Oliver Dülme)

Begonnen hatte die positive Entwicklung Ende der 1980er-

Jahre, nachdem Brilon von einer hohen Arbeitslosenquote

gebeutet worden war. Mit der Ansiedlung von Egger und

weiterer Industriebetriebe hat die positive Entwicklung

von Brilon eingesetzt. „Egger und die weiteren Betriebe

waren die Impulsgeber.“

Das Erfolgsrezept des florierenden Wirtschaftsstandort

fasst Dülme so zusammen: „Die Briloner Wirtschaft

zeichnen inhabergeführte Familienbetriebe mit einer hohen

Heimatverbundenheit aus. Sie erkennen die Trends

der Zeit und können mit innovativen Produkten auf dem

Weltmarkt bestehen.“ Viele Betriebe seien von Brilonern

gegründet worden, das Zusammengehörigkeitsgefühl und

die gesellschaftliche Verantwortung dementsprechend

sehr ausgeprägt. „Bei Veranstaltungen sind die Firmenchefs

immer präsent, das ist für sie selbstverständlich.“

„Düt ist alles use“ (Das gehört alles uns)

Ein wichtiger Player ist der Gewerbeverein mit den Fachausschüssen

PRIMA Brilon (Einzelhandel, Dienstleistung,

Gastronomie und Tourismus), Auto Brilon mit elf

führenden Autohäusern sowie Briloner Bauhandwerker

mit über 60 Betrieben. Eine bedeutende Rolle spielt die

Unternehmensinitiative Big Six Brilon mit ihren zwölf

Unternehmen und rund 6.500 Beschäftigten. Ein Highlight

und praktisch ein Symptom für das Zusammengehörigkeitsgefühl

ist der jährliche Fußball- und Familientag,

stets am Tag des DFB-Pokalfinals in Berlin. „Die Unternehmen

fühlen sich verpflichtet, was zu machen.“ Sie sind

auch stolz auf „ihre“ Stadt. Der Schlachtruf beim „Stutzäsen“

während der Schnade „Düt is alles use“ (Das gehört

alles uns) ist geradezu bezeichnend für eine stolze Stadt

mit einem hohen Zusammengehörigkeits- und Selbstwertgefühl

und wichtig für die weitere Entwicklung, nicht nur,

aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Mit Optimismus blickt Dülme in die Zukunft: „Die positive

Entwicklung unseres starken und florierenden Wirtschaftsstandort

wird sich fortsetzen.“ Eine große Herausforderung

sei dabei die Sicherung von Fachkräften für die

heimischen Betriebe. Als großes Pfund auf diesem Weg

sieht der studierte Diplom-Geograf die guten Rahmenbedingungen.

„Wir bieten gute Jobs in guten Firmen, der

Wohnraum ist bezahlbar.

Insgesamt

bietet Brilon eine

hohe Lebensqualität

– wir sind der

lebenswerte Wirtschaftsstandort

im

Grünen.“ ■

BWT-Geschäftsführer Oliver Dülme

WOLL Sommer 2022 - 87


Andauernder Aufwärtstrend des Briloner Tourismus

MÄRCHENHAFTE FAKTEN

AUS DER STADT DES

WALDES Christel Zidi BWT Brilon/sabrinity

K

önnen trockene Zahlen eine märchenhafte

Situation widerspiegeln? Auf jeden Fall. Zumindest,

wenn es um den Tourismus in Brilon

geht. Ein Blick auf die Zahlen verrät, warum man in

Brilon zurzeit sehr zufrieden kann.

Ein Anstieg von sagenhaften 30 Prozent (Vergleich

2019/2021) bei den Übernachtungszahlen in den Monaten

Juli bis Oktober: Zahlen, die einen Touristiker glücklich

machen können. Da können selbst die acht Prozent

weniger (bezogen auf das Gesamtjahr) die Stimmung

kaum trüben. Denn das, was im ersten Moment wie eine

negative Schlagzeile wirken könnte, kann beim genaueren

Hinsehen schnell relativiert werden. Schließlich gab es im

Jahre 2021 eine fast fünfmonatige Schließung für Beherbungsbetriebe.

„Ohne Lockdown hätten wir sicherlich

mindestens 200.000 Übernachtungen gehabt. Berücksichtigt

man die Betriebe unter zehn Betten sogar 300.000

Übernachtungen“, berichtet BWT-Geschäftsführer Rüdiger

Strenger. Als Grund für diesen letztlich sehr positiven

Trend gibt Strenger an, dass schon in

2019/2020 Kapazitäten ausgebaut

wurden. Davon können die Briloner

Gäste profitieren, die überwiegend

aus NRW und Niedersachen den

Weg ins Sauerland finden und natürlich

unsere Nachbarn aus den Niederlanden,

deren Anteil bei mindestens

25 % liegt.

Rückblick:

Die Entwicklung der Übernachtungszahlen

Vergleicht man die Übernachtungszahlen von 2019 gegenüber

den Zahlen aus 2015 zeigt sich eine deutliche Steigerung.

„Allein die Kurbeitragseinnahmen von 2019 haben

sich gegenüber dem Jahr 2015 verdoppelt“, so Strenger.

Trotz Schließung der Jugendherberge gab es 160.000

Übernachtungen bzw. 250.000 Übernachtungen, wenn

man die Betriebe unter zehn Betten berücksichtigt.

Blick in die Zukunft

Die Briloner folgen dem Trend: Im zweiten Halbjahr 2021

und im ersten Quartal 2022 kamen 350 neue Betten auf

den Markt. Für die Folgejahre sind sogar 400 weitere neue

Betten in Planung. „Damit sind nach Eröffnung aller neuen

Kapazitäten sogar insgesamt 450.000 Übernachtungen

realistisch“, ist Strenger zuversichtlich.

Magnetische Wirkung

Wenn man bei manchen Orten von einer besonderen

Strahlkraft spricht, die nach außen dringt,

so sollte man bei Brilon wohl eher von Anziehungskraft

sprechen. „Magnetische Wirkung

hat da in erster Linie der Outdoortourismus

in allen seinen Facetten“, erläutert das Rüdiger

Strenger. „Das Wandern schon immer,

88 - WOLL Sommer 2022


aber auch alle Formen des Radfahrens – und das mit deutlicher

Steigerung.“ Eng verknüpft ist der Briloner Tourismus

mit der heimischen Wirtschaft. Und auch hier zeigt sich ein

positiver Trend.

Die heterogene Mischung aus großen und kleinen Unternehmen

aus den verschiedenen Branchen hat den Wirtschaftsstandort

Brilon zu einer starken Marke werden lassen. Was

sich wiederum auf die Übernachtungszahlen auswirkt. Der

Geschäftsreiseverkehr hatte in 2019 einen Anteil von knapp

10 % aller Übernachtungen, in Zahlen ausgedrückt rund

23.000.

Schon seit Jahrhunderten lockt die Hansestadt Brilon Menschen

aus nah und fern an. Die Stadt war während der historischen

Hanse ein wichtiger Handelsort. Und auch heute

sind es wieder die Händler, besonders die Einzelhändler, die

sich freuen, wenn die Menschen von überall her in ihre Stadt

kommen. Was sich natürlich auch auf ihren Umsatz niederschlägt:

Bei manchen haben die Touristen sogar einen Anteil

von 20 bis 30 % ihres Umsatzes.

Zum Schluss noch etwas zu den Menschen,

die den Tourismus und die Gastronomie

in Brilon aufrechterhalten, eingeschlossen

die Briloner Waldfee, seit

2004 die offizielle Repräsentantin

der „Stadt des Waldes“.

BWT-Geschäftsführer

Rüdiger Strenger

Was sie alle angeht, hat BWT-

Geschäftsführer Rüdiger Strenger

- trotz der sonst so erfreulich guten

Zahlen - doch noch einen Wunsch:

„Durch Corona ist die Personalsituation

in der Gastronomie extrem schwierig geworden.

Ich hoffe, dass es auch hier bald wieder aufwärts geht

und viele Beschäftigte den Weg zurückfinden. Denn in

kaum einer Branche lernt man – täglich – so viele Menschen

kennen, führt unterhaltsame und interessante Gespräche –

und kann ganz nebenbei auch seinen Horizont erweitern.“ ■

Im Stadtgebiet Brilon werden rund

70 Ferienwohnungen über das

Onlineportal AiRBnB vermietet.

Zoe Tilly, die amtierende Waldfee

WOLL Sommer 2022 - 89


Die Briloner – grafisch betrachtet

Brilon 14.626

Einwohnerzahlen

Einwohnerzahlen

Brilon und seine Ortssteile

Gesamt: 27.372

Gudenhagen-Petersborn 1.273

Wülfte 402

Thülen 965

Scharfenberg 1.362

Altenbüren 1.384

Alme 1709

Brilon-Wald 452

Madfeld 1.273

Hoppecke 1.156

Rösenbeck 777

Rixen 110

Radlinghausen 139

Nehden 447

Messinghausen 749

Esshoff 77

Bontkirchen 471

8.018

Einpendler

5.215

Auspendler

Geschlechter-

Verteilung

13.698

13.674 13.674

Generationen

Altersverteilung (nur Kernstadt)

.

„Brilon hat deutlich mehr Arbeitsplätze

vor Ort, als die Bevölkerung

benötigt.“ (Oliver Dülme)

.

90 - WOLL Sommer 2022


Christel Zidi

Brilons Geschichte

als Handels- und

Wirtschaftsstandort

BRILONER

NETZWERKER

– FLEISSIGE

KAUFLEUTE

Stadtarchiv Brilon & Wikimedia

Die Briloner beherrschten - unbewusst - schon

recht früh einige volkswirtschaftliche Regeln,

zu denen auch der Austausch von Waren gehörte.

Aber es war nicht nur der Import und Export;

man „tauschte“ auch Informationen und damit Wissen.

Letztlich kurbelte der wirtschaftliche Erfolg auch den

Arbeitsmarkt an. Wenn Sie unser Magazin bisher aufmerksam

gelesen haben, dann fallen Ihnen sicherlich die

Parallelen zum heutigen Wirtschaftsstandort auf. Wirtschaftlicher

Erfolg und die Stadt Brilon – zwei Begriffe,

die schon seit dem Mittelalter zusammenhängen.

Wohl mit besonderem Wohlwollen musterte der Kölner

Erzbischof Engelbert I. den verkehrstechnisch günstig gelegenen

Ort und verlieh Brilon 1220 die Stadtrechte.

Reiche Bodenschätze

Hier, an der östlichen Grenze Westfalens, wurde schon früh

mit dem gehandelt, was der Boden an Schätzen hergab. Vor

allem Erze und Blei. Bei Reinighaus* ist zu lesen, dass es

in und bei Brilon spätestens im 11. Jahrhundert (nach der

Römerzeit wieder) einen bedeutenden Bleibergbau gegeben

haben muss. „Die Ausbeutung der Buntmetallvorkommen

förderte die Entwicklung Brilons zur Stadt“, schreibt Reinighaus,

„zumal Soest sich seit dem 13. Jahrhundert offenbar

aus der handwerklichen Verarbeitung der Buntmetalle zurückzog.

Dies muss Brilon weiteren Aufschwung verliehen

und die Handwerkerschaft, zumal die Schmiede gestärkt

haben“. Schwefelfreies Zinkerz, das sogenannte Galmei,

wurde für die Gewinnung von Messing benötigt, Blei für

die Kupfergewinnung und zur Herstellung von Waffen,

Wasserleitungen und Hausgeschirr. Und um Salz zu gewinnen

- speziell im Raum Soest mit dem dort vorkommenden,

salzhaltigen Wasser. Handelsbeziehungen zu Soest sind seit

dem Jahre 1255 belegt.

Eisenerz wurde bereits im 10. bis 13. Jahrhundert im Gebiet

der östlichen Herrschaft Padbergs gefördert. Auf den

dortigen Anhöhen standen die Schmelzöfen, erst später verlagerten

sich die Standorte der Hütten in die Täler: Neun

Hammerwerke und fünf Hütten standen noch 1629 am

Flusslauf der Hoppecke.

Wollwebereien

Die Bedeutung des Textilgewerbes war geringer. Auch wenn

es schon im Hochmittelalter einige Walkmühlen gab. Die

Wolle dazu bezog man wahrscheinlich aus einer Schäferei

bei Madfeld (die Hirtenstabtülle ist noch heute im Madfelder

Wappen zu sehen).

Aufblühender Handel

Insgesamt gab es wohl so einiges, das die Briloner „exportieren“

konnten und das dann mittels der sogenannten „Buckelkrämer“

oder „Kiepenkerle“ auf Reisen ging. In großen

Körben, den Kiepen, die sie auf ihrem Rücken trugen, wenn

sie auf Handelstour gingen. Das Aufkommen von Zünften

und Gilden fiel in die Zeit des Hochmittelalters. Diese von

Handwerkern und Kaufleuten gegründeten Zusammenschlüsse

kümmerten sich um die strenge Einhaltung ihrer

aufgestellten Regeln. Auch nahmen sie kulturelle, politische,

WOLL Sommer 2022 - 91


militärische und religiöse Aufgaben wahr. Im Erdgeschoss

des Gildehauses war auch die Markthalle untergebracht.

Dort konzentrierte sich das wirtschaftliche Leben, handelten

ortsansässige Gilden und fremde Kaufleute.

„Es war das „in Stein geronnene Zeichen wirtschaftlicher

Macht“, beschreibt das Heimatforscher Dr. Christof

Thüen in seinem Aufsatz „Handel und Hanse, Briloner

Wirtschaftsbe ziehungen im Mittelalter und in der frühen

Neuzeit“. Später wurde aus dem Gildehaus das Rathaus.

Dass die in unmittelbarer Nähe stehende Kirche dem Heiligen

Nikolaus gewidmet ist, kommt nicht von ungefähr.

Nikolaus ist nicht nur der Schutzpatron der Seeleute, sondern

auch der der Kaufleute.

Starke Netzwerke

Die Bedeutung von Netzwerken war den Brilonern schon

früh bekannt. Ganz bewusst suchten sich die Briloner

Kaufleute auf Märkten, die für sie wichtig waren, Handelspartner.

Auch brachten sie Familienmitglieder in den für

sie wichtigen Städten unter. Andersherum konnten auch

Nicht-Briloner, die in Handelsbeziehungen standen, in der

Bruderschaft der Kaufleute untergebracht werden. In dieser

Bruderschaft ging es bald nicht nur um Handelsbeziehungen,

sondern man schloss auch Freundschaften und Ehen.

Ab dem 15. Jahrhundert entstanden größere Netzwerke,

Handelsbeziehungen. Je größer ein solches Netzwerk war,

umso größer war auch Macht und Einfluss eines solchen

Kaufmannes. Bald waren die Briloner Kaufleute

Teil des Hansebundes. Allerdings nicht in

vorderer Front, wie die Soester, sondern

eher in der Rolle des Zulieferers, was deren Bedeutung

und Einfluss jedoch nicht schmälerte. Nur wenige Briloner

Kaufleute waren auch im Fernhandel tätig.

Maßhalten

Wenn die Briloner exotische Waren beziehen wollten,

brauchten sie nur die Fahrt nach Soest auf sich nehmen,

denn die Soester standen im direkten Kontakt mit den großen

Hansestädten. Wer sich jetzt vielleicht wundert, warum

sich Brilon mit dieser Rolle zufriedengab, dem sei ein Stichwort

genannt: Maßhalten. Nicht das Anhäufen von Gold

und Geld war das Ziel der Briloner Kaufleute, sondern ein

gutes Auskommen. Der Austausch von Waren bescherte

den Handelstreibenden nicht nur ein gutes Auskommen, es

wurde auch Wissen getauscht. Zum Beispiel das über Verkaufs-

und Transportmethoden innerhalb des Hansebundes.

Die geknüpften Handelsbeziehungen blieben – auch

über das Ende der Hanse hinaus – vielfach bestehen. Das

sicherte den Brilonern – anders als vielen anderen im restlichen

Hochsauerland – auch nach der Soester Fehde, die das

Ende der Hanse einläutete, ein sicheres Einkommen. Und

darüber hinaus auch genügend, um den Landbesitz – vor

allem im 16. Jahrhundert – weiter auszubauen.

Schwierige Zeiten und Aufschwung

Der Dreißigjährige Krieg, Brände und Seuchen setzten der

Stadt in den folgenden Jahrhunderten erheblich zu, aber der

Fleiß seiner Bewohner ließ sie auch wieder aufblühen.

Mit der Fertigstellung der Ruhr-Diemel-Eisenbahn (Dortmund

- Brilon-Wald - Warburg) 1873 bekam die Montanindustrie

im nordöstlichen Sauerland einen gewaltigen

Aufschwung. Weitere Eisenbahnfertigstellungen machte es

in den Nachfolgejahren leichter, die Handelskontakte zu

pflegen.

Die letzten zwei Jahrhunderte

Ab den 1920er Jahren siedelten sich bedeutende Industrieunternehmen

in Brilon an: Accumulatorenwerke

Das frühere Gildehaus und jetzige Rathaus um 1900


Nach der Soester Fehde nahm Brilon, als

bevölkerungsreichste Stadt Westfalens,

politisch den ersten Rang ein.

Hoppecke, Dominit-Werke, Holzwerke Hennecke, Nolte-

Möbel. Hinzu kamen ab den 1950er Jahren zahlreiche öffentliche

Gebäude und viele moderne Kaufhäuser. Zudem

wurde die Infrastruktur verbessert, Straßen wurden ausgebaut.

Die ältesten eingetragenen Unternehmen sind die

beiden Banken (Volksbank und Sparkasse), die um 1900

gegründet wurden.

Heute gibt es in Brilon rund 1.319 niedergelassene Betriebe,

die Gewerbesteuereinnahmen liegen bei über 27 Millionen.

Brilon hat die zweitmeisten sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten im Kreis, die Arbeitslosenquote liegt bei

niedrigen 2,6 %.

Gut 300 Jahre nach dem Ende der alten Hanse, zählt Brilon

zu den Hansestädten, und zwar zu denen des Westfälischen

Hansebundes, der sich 1983 gegründet hat. Wurde mit dem

neuen Hansebund auch der hansische Gedanke wieder aufgelebt?

Dass es dazu durchaus Parallelen gibt, erfahren wir

Brilon um 1720 (Gemälde im Stadtmuseum Brilon)

von Dr. Christof Thüer: „Es war der freie Geist der Bürger,

der unternehmerische Spürsinn der Kaufleute und eine umsichtige

Stadtregierung, die Brilon einst zur Hansezeit so erfolgreich

machten. Das sind Charakteristika, die im Prinzip

auch heute noch dafür sorgen, dass die Stadt ein blühender

Wirtschaftsstandort ist.“ ■

Quellen:

Dr. Christof Thüer: Handel und Hanse, Briloner Wirtschaftsbeziehungen im Mittelalter

und in der frühen Neuzeit

Wilfried Reinighaus: Westfälische Geschichte

Karl Féaux de la Croix: Geschichte Arnsbergs

Stadtarchiv Brilon

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Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch und

der „Reiz“ in seiner Heimatstadt zu gestalten

STOLZE STADT MIT 16 „EXTREM

WERTVOLLEN DÖRFERN“

Paul Senske

sabrinity

W

enn Dr. Christof Bartsch über Brilon

spricht, dann geht sein Herz auf. Der „Ur-

Briloner“ ist als Nachfolger von Franz Schrewe

seit 2014 Bürgermeister der „stolzen“ Hansestadt.

„Es ist ein besonderer Reiz, in der Stadt, in der man

groß geworden ist, zu gestalten. In keiner anderen

Stadt wäre ich für das Amt des Bürgermeisters aus meinem

Beruf ausgestiegen“, sagt Bartsch, der zuvor als

Professor für Steuerrecht an der Fachhochschule NRW

für Finanzen in Nordkirchen tätig war. Er selbst sieht

sich „ohne Einschränkung als dauerhaft zuversichtlichen

Menschen“. Zuversicht und Weitblick bestimmen

auch sein Handeln als Bürgermeister der Stadt mit 16

„extrem wertvollen“ Dörfern.

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit im Briloner historischen

Rathaus hatte Bartsch eine in der Folge viel zitierte Vision

als seinen Antrieb beschrieben: Brilon = Lebenswerter

Wirtschaftsraum im Grünen. Diese Gleichung trifft

in ihrer prägnanten Form den Kern der Hansestadt – die

wirtschaftliche Wertschöpfungsstärke als Grundlage für

den Lebensstandard in der Kernstadt und den 16 Dörfern.

„Der attraktive Lebensstandard ist eine Grundlage für die

Fachkräftesicherung und einen gesunden Mix der Generationen,

zusammen ist das auch die Basis, um die Wirtschaftskraft

auf Dauer zu sichern“, betont der 59-Jährige.

Brilon ist aber nicht nur ein blühender Wirtschaftsstandort,

sondern als bedeutender kommunaler Waldbesitzer

auch die „Stadt des Waldes“. Der Wald mit seinen vielfäl-

96 - WOLL Sommer 2022


Historische Ansicht des Briloner Marktplatzes.

Quelle: Haus Hövener

tigen Funktionen ist ein echtes, nicht nur ökonomisches

Pfund für Brilon und die Region. Leider ist auch er von

Kalamitäten geprägt, Klimawandel, Witterung und der

Borkenkäfer haben eine Kahlfläche von 2.500 Hektar hinterlassen

– Tendenz steigend.

Besondere gesamtgesellschaftliche Bedeutung misst

Bartsch den 16 Briloner Dörfern und insgesamt dem Leben

im ländlichen Raum zu. „Alle sind in ihrer je eigenen

Art und Besonderheit extrem wertvoll, weil hier Grundlagen

geschaffen werden, die gesamtgesellschaftlich von

überragender Bedeutung sind. Soziale Kompetenzen in

den Vereinen, das nachbarschaftliche Miteinander, insgesamt

die dörfliche Gemeinschaft, werden hier von Kindesbeinen

gelernt und gelebt. Dieses gesellschaftliche Pfund

im ländlichen Raum trägt die Gesellschaft.“

Als wesentliche Aufgabe der kommenden Jahre sieht Brilons

Bürgermeister „die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung

des Bildungs- und Gesundheitsstandortes“.

Was die Bildung betrifft, so soll jeder seinen adäquaten

Platz finden und beim Übergang von den allgemeinbildenden

Schulen zum Beruf enge Begleitung erfahren. Beim

Thema Gesundheit geht es konkret darum, das städtische

Krankenhaus Maria Hilf als „guten Versorgungsfaktor“

aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. Insgesamt sei

es wichtig, die Strukturen in allen Stufen der gesundheitlichen

Vor- und Versorgung - Prävention, ambulante und

stationäre Versorgung, Reha sowie Pflege - zu sichern.

Identität.“ Das gelte ebenso für die „Sauerlandidtät“ der

Stadt. „Unsere Heimat ist das Sauerland. Diese Heimat ist

von einem wunderbaren Landschaftsbild, der gemeinsamen

Kultur und auch von unseren Innenstädten geprägt.

Das gemeinsame herausragende Bindeglied ist das Schützenwesen.“

Für Bartsch „bedeutet Brilon auch Mitte“. Für jede Stadtgesellschaft

sei es wichtig, eine Mitte zu haben. „Für Brilon

ist es der Marktplatz. Früher war er ein Ort des Handels

und der Versorgung. Ein Ort des Austausches und der

Kommunikation ist er bis heute geblieben, beispielsweise

an den beiden Markttagen oder beim Musiksommer. Der

historische Marktplatz bewegt und zieht die Menschen an.“

Bedeutend - so Bartsch - sei auch das Thema „Bewegung“,

die Infrastruktur wie die Sportstätten oder die Natur beim

Joggen, Wandern und Biken zu nutzen, die Freizeit aktiv

zu nutzen. „Das hat auch einen touristischen Wert.“

Insgesamt sieht Bartsch seine Stadt auf einem guten Weg.

Auf die Frage, ob „Brilon eine stolze Stadt“ sei, antwortet er

mit „Ja, aber es gibt keinen Grund zum Übermut. Wir müssen

uns dieses Prädikat jeden Tag neu erarbeiten. Uns ist

es gelungen, den Wohlstand, der im Mittelalter aufgebaut

wurde, in die Neuzeit zu transportieren.“ Daher blickt Brilons

Bürgermeister auch bei der Bewältigung kommender

Aufgaben wie den Neuaufbau des Waldes, die Sicherung

der Gesundheitsversorgung, die Bewältigung der Wanderungs-Bewegungen

oder den Klimaschutz zuversichtlich in

die Zukunft. „Ich bin ein ohne Einschränkung dauerhaft

zuversichtlicher Mensch.“ ■

Marktplatz Brilon

„Brilon bedeutet auch Mitte“

(Dr. Christof Bartsch)

„Historizität und Sauerlandität“

Nicht ohne Stolz verweist Bartsch auf die Historizität der

Stadt, das intensive Eingehen und die Pflege der Geschichte.

„Es ist wichtig zu wissen, wo man seine Wurzeln hat

und den geschichtlichen Hintergrund kennt. Das verleiht

WOLL Sommer 2022 - 97


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Brilon –

international.

Brilon ist nicht nur der Wirtschaftsstandort, an dem vor

knapp 50 Jahren unsere Mission begann, hier liegt auch

heute noch das Herz unserer Berufung „Safety is for life“.

Als einer der Markt- und Technologieführer im Bereich

Prozesssicherheit und Explosionsschutz haben wir in Brilon

den Engineering- und Produktions standort unseres familienfreundlichen

Unternehmens REMBE® GmbH Safety+

Control und bekennen uns klar zu unserer Heimat. Unsere

internationale Ausrichtung ist dabei kein Widerspruch,

sondern zeigt einmal mehr unsere unabhängige und vielseitige

Unternehmensausrichtung.

Um diese Position zu stärken investieren wir aktuell rund

3 Mio. Euro in unseren Standort „Am Gallbergweg“ im

Briloner Industriegebiet. Nach der fast abgeschlossenen

Renovierung und Erweiterung des Büroturms, errichten wir

eine innovative Hybridhalle. Diese Halle wird eine Mischun g

aus Lager, Produktion und direkt integriertem Engineering.

Neben unserem Hauptsitz in Brilon und dem Produktionsstandort

am alten Thülener Bahnhof, mit verschiedenen

Toch ter- und Partnerunternehmen, gehören neun eigene

inter nationale Gesellschaften zum Unternehmensverbund,

die Kunden rund um den Globus vor Ort betreuen.

Als ausgezeichneter Arbeitgeber und Weltmarktführer sind

wir uns sowohl unserer unternehmerischen Verantwortung

als auch der Verantwortung gegenüber unserer 300

REMBE®-Familienmitgliedern (RFM) und nachfolgenden

Genera tionen bewusst. Regional wie auch global engagieren

wir uns über die üblichen Belange eines Unternehmens

hinaus. Mit unseren Initiativen REMBE® green und REMBE®

Chari ty, dem REMBE® WeltWald und dem REMBE® Sport-

Park förden wir soziales Engagement und Umweltengagement

aus Überzeugung, damit auch nachfolgende

Generationen unserer Mission folgen können.

98 - WOLL Sommer 2022


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WOLL Sommer 2022 - 99


Thomas Mester

BRILONER KULTUR-DREIKLANG

Wirtschaft und Tourismus bieten ein solides Fundament

Andreas Melliwa

sabrinity

Den über zwei lange Jahre anhaltenden Kultur-Shutdown

sieht man Thomas Mester

nicht an – im Gegenteil, er strahlt eine gehörige

Portion Optimismus aus. Der Leiter des

Briloner Kulturbüros hat die Zeit notgedrungen

genutzt, um zusammen mit seinem Team neue Formate

zu entwickeln und gute Startbedingungen für

die anstehende Kultursaison zu schaffen. Mit der

engagierten Briloner Wirtschaft und dem blühendem

Tourismus kann er auf starke Partner bauen.

WOLL: Ein Rückblick auf die vergangenen zweieinhalb

Jahre - wie fällt er aus?

Thomas Mester: Also die erste Veranstaltung hab ich im

März 2020 abgesagt, das war ein Kerzenkonzert. Und

dann hätten wir ja eigentlich in Brilon unsere großen Hansetage

gehabt. Dafür haben wir in einem großen Team

vier Jahre gearbeitet, und wo ich dann wirklich schlucken

musste, war die Absage. Da sitzt du da im Bürgersaal, und

nach langer Diskussion sagt der Bürgermeister: „Dann

sagen wir hiermit jetzt die Hansetage offiziell ab“. Das

war für mich der Start in diese furchtbaren zwei Jahre, die

noch kommen sollten.

Es gab aber eine kleine Erholung im Sommer vergangenen

Jahres.

Ja, das stimmt. Wir haben versucht zu machen, was geht.

Wir haben verschiedene Formate gebaut, weil wir als

Kommune auch einen kulturellen Auftrag haben. Wenn

wir das nicht können, wer dann. So wurde aus dem traditionellen

„Briloner Musiksommer“ der „Kultursommer“,

d. h. elf Veranstaltungen sitzend mit Musik, Theater und

Comedy.

Ein anderes Projekt ist das „Kunststück der Woche“: da

zeigen wir im Schaufenster unseres Kulturbüros im 14-tägigen

Wechsel ein Kunstobjekt. Das ist das Ergebnis einer

meiner schlaflosen Nächte. Und es ist so gut eingeschlagen,

dass unser Fenster bis Januar nächsten Jahres ausgebucht

ist. Also wir sind schon länger wieder am Start, aber

richtig los geht es erst jetzt.

100 - WOLL Sommer 2022


Wie wird der Start in die neue Saison sein? Was

erwarten Sie?

Also für den Sommer mache ich mir keine großen Sorgen,

da bin ich ganz entspannt. Wir machen den Musiksommer

auf dem Marktplatz, so wie wir ihn kennen. Da

freuen sich die Leute drauf, da werden sie rausgehen. Aber

die Leute laufen uns nicht die Türen ein, es gibt schon

eine Kulturentwöhnung. Wir müssen uns das Publikum

zum Teil zurück-erarbeiten. Außerdem ist die Pandemie

ja nicht weg. Mal sehen im Herbst, wie die Leute dann

reagieren. Es bleibt spannend.

Welche kulturellen Highlights wird es denn in diesem

Jahr geben?

Na, wie gesagt wieder den „Briloner Musiksommer“ vom

14.07. bis 05.08., wie gehabt donnerstags und freitags

auf dem Marktplatz. Dann haben wir zusammen mit

Olsberg und Winterberg Ende September das Tanzprojekt

„SauerlandHop“ auf den Weg gebracht. Und natürlich

spielen wir im Oktober die Jazz-Nacht, seit sieben

Jahren eine feste Größe in der Jazzszene. Zusätzlich

gibt’s noch viele Veranstaltungen von Vereinen, Besucherring,

Kulturverein „Kulibri“ und anderen, die wir in

unserem Programmheft bündeln. Das kommt im Juni

raus und läuft bis Mai nächsten Jahres. Und schließlich

kommt noch das exzellente Programm und Angebot unseres

Museums „Haus Hövener“ dazu. Es ist echt viel los

bei uns.

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WOLL Sommer 2022 - 101


Thomas Mester und WOLL-Redakteur Andreas Melliwa

kennen und schätzen sich schon seit langer Zeit

Der Briloner Musiksommer (Fotoquelle: Brilon Kultour)

Ihr Kulturbüro sitzt mit der „Briloner Wirtschaft und

Touristik GmbH (BWT)“ unter einem Dach. Das ist

kein Zufall…

Nein, die Verzahnung mit Wirtschaftsförderung und

Tourismus ist ganz wichtig. Wir sind natürlich städtisch,

aber als GmbHs aus dem Rathaus ausgegliedert. Die Zusammenarbeit

ist klar: Ich arbeite mit vielen Sponsoren

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Wir haben das Privileg, dass wir hier in Brilon eine starke

Wirtschaftskraft haben. Na ja, und mit dem Tourismus

ergeben sich natürlich auch viele Schnittmengen. Also

das 3-Säulen-System, das passt schon, keine Frage.

Mal ehrlich – hältst Du Dir manchmal auch die Ohren

zu, zum Beispiel beim Briloner Musiksommer?

Nee, ganz ehrlich nicht. Der Musiksommer ist ja für alle

da: Es gibt Bands, die spielen deutsche Schlager, Rock

‚n‘ Roll oder Folklore, aber es ist immer live und handgemacht.

Sobald da Seele drin ist und die Akteure richtig

Spaß haben, dann ist das für mich gut.

Du hast ja selbst lange Zeit die Briloner Kulturszene

aufgemischt, die Partyband „Amadeus“ mit Thomas

Mester an den Drums und Gesang war legendär…

…aber 40 Jahre waren dann auch genug. Unser ausverkauftes

Abschlusskonzert im November 2019, also kurz

vor Corona, war eine Punktlandung. Wir haben einen

tollen Abschluss gehabt, den wollen wir uns nicht kaputtmachen.

Also „Amadeus“ ist Geschichte. Außerdem

habe ich ´ne Menge Leben zurückbekommen. Zum Beispiel

samstags um 18 Uhr Sportschau gucken – ging

früher ganz selten. Da waren wir schon mit der Band

unterwegs oder beim Aufbau der Show. Aber klar, auf

der Bühne in die bunte Lampe gucken, das vermisse ich

schon ab und zu… ■

102 - WOLL Sommer 2022


HUBERTAS ECKE

Anke Kemper

Tach zusammen.

Die Wirtschaft und das Handwerk

blühen. Auch in Brilon. Aufträge über

Aufträge. Alles muss schnell gehen, damit

die Termine gehalten werden können

und wer einen Handwerkertermin

hat, ist auf der Seite der Glücklichen.

So auch Katharina, so heißt die nette

Hausbesitzerin, deren Grundstück an

meine derzeitige Weide, die ich mir

mit einer Schafherde teile, grenzt. Ich

bin wieder „ausgeliehen“ wegen der

„Wölfe“. Keine Idee von mir, sondern,

wie ja schon vor kurzem berichtet, von

meinem Futtergeber.

Für alle, die es an dieser Stelle noch

nicht wissen: Mein Futtergeber nennt

sich mein ‚Besitzer‘ und ich lasse ihn

in seinem Glauben. Aber jetzt zurück

zu Katharina, die mir übrigens täglich

ein Leckerli zukommen lässt. Das

alte Haus hat sie ja mit ihrer Familie

fast komplett allein zu einem schicken

Schmuckstück umgebaut. Aber jetzt

muss schweres Gerät herbei, um dem

Hang vor der geplanten Terrasse zu

Leibe zu rücken. Der Mutterboden

soll auf dem Grundstück bleiben – der

Rest wird abgefahren. So lautet der

Plan.

An einem herrlich warmen Frühlingstag

war es dann so weit. Letzte Anweisung

von der Bauherrin und die

Baggerschaufel grub sich in die Erde

und legte behutsam den Mutterboden

zur Seite. Das schöne Wetter nutzend,

stellte die Bauherrin ihre Liege auf.

Handy und ein Kaltgetränk auf dem

Mauersims geparkt, schaute sie dem

Einsatz des Baggers zu. Ob es den vielen

Arbeitsstunden auf dem Bau oder

dem monotonen Motorengeräusch der

Baumaschine geschuldet war, konnte

ich von meiner Wiese aus nicht erkennen,

auf jeden Fall befand sich Katharina

in kürzester Zeit im Reich der

Träume.

Ob es dem Terminstress geschuldet

war oder dem Anblick der sich sonnenden

Bauherrin konnte, ich ebenfalls

nicht beurteilen, nur so viel: Der Baggerfahrer

lud Schaufel um Schaufel auf

den immer größer werdenden Hügel,

der langsam aber stetig wuchs - nicht

nur in die Höhe, sondern auch in die

Breite. Ob es der durch den Schatten

des Erdhügels nun fehlenden Sonne

geschuldet war, oder die Bauherrin

einfach nur ausgeschlafen hatte, mochte

ich ebenfalls nicht einschätzen. Nur

der blitzschnelle Sprung von der Liege

und der Aufschrei der jungen Frau entlockte

sogar mir ein: „Oh-oh!“. „Mein

Handy...“ war stammelnd zu hören,

denn da, wo vorhin noch ein kleines

Mäuerchen stand, thronten jetzt mehrere

Kubikmeter Mutterboden.

Der Baggerfahrer war sichtlich kein

Mann vieler Worte. Ein Sauerländer

halt. Seine einzige Reaktion, als er

sein Baufahrzeug verlassen hatte, war

die Mütze absetzen, am Hinterkopf

kratzen, Mütze aufsetzen und der Satz

„Das kriegen wir wieder. Ruf einfach

an!“ Dann stieg er wieder auf seinen

Bagger und löffelte die Suppe aus, die

er der Bauherrin eingebrockt hatte.

Diese stand entschieden weniger entspannt

mit ihrem Festnetztelefon in

der Terrassentür und tätigte Anruf auf

Anruf. Mit jedem Löffel war die Anrufmelodie

deutlicher zu hören und

nach der siebten Schaufelbewegung

lag schließlich das sehnlich vermisste

Mobiltelefon frei.

Ich muss gestehen, der Mann beherrscht

seinen Job! „Ich sach nix

dazu“, war sein einziger Kommentar,

der allerdings offenbar nicht so ganz

der Wahrheit entsprochen hat. Am

Abend war´s schon im halben Dorf

rum und die andere Hälfte brauchte

auch nicht lange auf diese Nachricht

zu warten. Auch sieht man Katharina

seit dieser Aktion nicht mehr im Dorf

mit dem Handy in der Hand telefonieren.

Aber ich halt mich daraus.

Ach ja – Man möge es mir verzeihen,

wenn ich mal wieder jemandem durch

meine veröffentlichte Sichtweise zu nahegetreten

bin, weil er sich hier wiedergefunden

hat. Aber schließlich bin ich

ja nur ein Sauerländer Esel. ■

WOLL Sommer 2022 - 103


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WACHSEN AUS

EIGENER KRAFT

EGGER in Brilon blickt auf mehr als drei erfolgreiche Jahrzehnte zurück

Das Werk Brilon im Hochsauerlandkreis wu r-

de 1990 auf „grüner Wiese“ erbaut und hat

sich in den vergangenen über 30 Jahren zu einem

der größten Arbeitgeber in der Region entwickelt.

Vom ersten Spatenstich bis heute ist das Betriebsgelände

auf nunmehr 570.000 m² gewachsen und aus 250

Mitarbeitern sind inzwischen 1.170 geworden.

„Wir entwickeln uns seit 1990 vom regionalen Spanplattenwerk

zu einem der strategisch wichtigsten Standorte

der EGGER Gruppe. Heute sind wir ein vollintegrierter

Stand ort mit Spanplatten- und MDF-Produktion sowie

Veredelung, PP-Kantenfertigung, Digitaldrucktechnik,

eigenem Sägewerk und Biomassekraftwerk“, so Martin

Ansorge, kaufmännischer Leiter bei EGGER. Der Fokus

richtet sich auf einen besonders nachhaltigen Einsatz von

Ressourcen: vom Baumstamm bis zum fertigen Produkt

werden alle Produktionsprozesse innerhalb des Werkes

abgewickelt und die dabei entstandenen Restmaterialien

wiederverwertet - zum Beispiel bei der Erzeugung von

Strom im eigenen Biomassekraftwerk.

Mehr für Mitarbeiter

„Die wichtigste Ressource, wenn es um den Erfolg des

Unternehmens geht, sind aber unsere Mitarbeiter. An

unserem Standort bieten wir ihnen deshalb eine Reihe

von Zusatzleistungen an wie attraktive Arbeitszeitmodelle,

Altersvorsorge, sportliche Aktivitäten oder unser

umfassen des Gesundheitsmanagement. Als familienfreundliches

Unternehmen ist es uns außerdem ein besonderes

Anliegen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestmöglich

zu unterstützen“, so Martin Ansorge. Die starke

Unterstüt z ung der Mitarbeiter spiegelt sich auch in einer

Reihe an Fortbildungsmöglichkeiten wider. Der Belegschaft

stehen von kompakten Trainings über duale

Studiengänge bis hin zu langfristigen Ausbildungen viele

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung.

Auch auf die starke Verbundenheit mit der gesamten

Region Südwestfalen und zur Stadt Brilon ist man bei

EGGER stolz. „Die Unterstützung sozialer Projekte ist uns

sehr wichtig und wird durch die Initiative ‚EGGER läuft‘

gefördert. Darüber hinaus unterstützen wir verschiedene

Kulturangebote, um den Standort Brilon auch über die

Arbeitszeit hinaus für unsere Mitarbeiter attraktiv mitzugestalten“,

so Martin Ansorge weiter.

Film erzählt die EGGER Geschichte

Die Perspektiven der Mitarbeiter stehen auch im Unternehmensfilm

von EGGER im Vordergrund. Dieser erzählt die

facettenreiche Geschichte der EGGER Gruppe und wagt

dabei einen Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft. ■

Hier geht’s zum Film:

EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co.KG

Im Kissen 19 · 59929 Brilon

104 - WOLL Sommer 2022


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DAS BESONDERE ERBE DER

WILHELMINE HÖVENER

Christel Zidi

sabrinity

Das Haus Hövener kann man nicht versetzen.

Natürlich könnte man es translozieren, also in

seine Einzelteile zerlegen und dann an anderer

Stelle wieder aufbauen. Aber dann wäre es nicht mehr

das gleiche. Denn dieses Haus ist mit ganz viel Heimatgefühl

gefüllt und tief in Brilon verwurzelt..

Dort, wo sich seit der Gründung der Stadt die alten Verkehrswege

kreuzten, steht seit über 200 Jahren eine ringsum

verschieferte Villa im klassizistischen Stil. Ihr Inneres wird

getragen von Eichen aus den Wäldern rund um die alte Hansestadt.

Das Haus hat schon sehr viele Menschen kommen

und gehen sehen.

Der Platz der Lehrerinnen

Ebenfalls sein Vorgängerbau, das „Hospiz zum Heiligen

Geist“. Dort wurden bedürftige Frauen unterstützt und gepflegt.

Im 17. Jahrhundert wohnten und unterrichteten dort

die beiden Lehrerinnen der Stadt, allerdings ausschließlich

Mädchen. 1742, beim großen Brand von Brilon, wurde das

Haus zerstört.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert entstand das heutige Haus.

Die letzte Besitzerin war Wilhelmine Hövener. Sie war ebenfalls

Lehrerin, zuletzt Studiendirektorin am Gymnasium Petrinum.

Dinos im Fachwerkhaus

Dinosaurier tummeln sich im Gewölbekeller des alten Fachwerkhauses.

Am Tag ist noch nicht mal ein Knirschen ihrer

uralten Skelette zu hören. Wie es aber „nachts im Museum“

zugeht, kann sich jeder vorstellen, der den gleichnamigen

Film kennt. Der Briloner Nachtwächter beginnt seine Führungen

stets vor dem Eingang des Hauses. Wahrscheinlich

drückt er stets ein Auge zu, wenn „Iguanodon” im Keller hinter

ihm rumort.

Ein umfangreiches Programm

Am Tage faszinieren Museumspädagoginnen mit entsprechenden

Programmen. Kinder und Jugendliche lernen in diesem

besonderen außerschulischen Lernort mehr oder weniger

spielerisch, auch digital, das Besondere ihrer Heimat kennen

und schätzen. Mit einem Museumsbus können Schulklassen

aus dem gesamten Altkreis Brilon zum Museum kommen.

„Das Programm wird von den Schulen und auch Kindergärten

sehr gerne angenommen“, so Winfried Dickel,

Vorsitzender des Geschichtsvereins Semper – Idem

und des fusionierten Vereins „Briloner Heimatbund

– Semper Idem e.V.“

Als Ergänzung zum Museumsbus gibt es die Azubitage. Ein

Beitrag, um die Auszubildenden mit der Region bekanntzumachen,

die Bindung herzustellen. Und es gibt noch viele

weitere Angebote. Das Museum beschränkt sich dabei nicht

nur auf die Kernstadt: „Durch das Geoparkportal beziehen

wir den gesamten Geopark GrenzWelten von Marsberg bis

Marburg und Fritzlar bis Winterberg mit ein”, so Winfried

Dickel, “Die neueste Errungenschaft ist das Portal des ‚Geschichtserlebnisparks

Brilon und die 16 Dörfer‘. Hier kann

der Besucher durch Texte und Bilder erste Eindrücke jeden

einzelnen Dorfes gewinnen und dann eventuell entscheiden,

ob er dorthin einen Ausflug unternimmt. Großes Lob

bekommen wir für das einmalige dreidimensionale Stadtmodell.

Dieser Wissensspeicher ist weit und breit einmalig.

Zudem haben wir auf den einschlägigen Plattformen Videobeiträge

zur Geschichte der Region veröffentlicht. Diese

wurden bereits 140.000-mal aufgerufen. Analog und digital

ergänzen sich.“

Vergangene Pracht, unvergangene Größe

Das 1803 als Wohn- und Geschäftsbau errichtete Gebäude

war seit 1816 im Besitz der alten Briloner Kaufmanns- und

Gewerkenfamilien Kannegießer-Unkraut-Hövener.

106 - WOLL Sommer 2022


Winfried Dickel

Geschichte modern dargestellt)

So wohnte Wilhelmine Hövener

Wilhelmine Hövener hat im Haus kaum etwas verändert.

Treppen und Tapeten sind noch im Original. Unter dem

zweigeschossigen Mansardendach ist noch immer das Lastenförderrad

erhalten. Heute befindet sich auch eine alte

Glocke unterm Dach, denn schließlich war Brilon einst eine

bedeutende Glockengießerstadt.

„Wenn Du den Schlüssel zum Haus

Hövener umdrehst, öffnest Du

zugleich die Herzen der Briloner“

(Winfried Dickel)

Die einstige Pracht des Hauses ist noch zu erkennen, wenn

man die Bildergalerie im Salon zu betrachtet. Kaum noch etwas

davon ist im Haus zu sehen. Die wertvollen Möbel und

kostbares Porzellan hat Wilhelmine Hövener dem LWL-Freilichtmuseum

in Detmold geschenkt. „Die Besucher des Museums

Haus Hövener – Kinder wie Erwachsene - fasziniert

vielmehr, wie bescheiden Wilhelmine Hövener lebte. “Sie

hätte sich alles kaufen können”, berichtet Dickel, “So lebte

Wilhelmine Hövener aber nicht, das war nicht ihre Art. Sie

verschenkte ihr gesamtes Vermögen: Geld, Grundstücke und

vieles mehr. Zum Schluss hatte sie noch das Haus direkt am

Briloner Marktplatz, unser heutiges Museum. Dieses schenkte

sie den Bürgern der Stadt und der Dörfer, indem sie die

Stiftung Briloner Eisenberg und Gewerke einrichtete.“

Wohltäter der Stadt

Nicht nur einmal, sondern viele hunderte Male hat Winfried

Dickel schon den Schlüssel zum Haus Hövener umgedreht.

Er begleitete das Werden des Museums von Beginn an und

hat - mit verschiedenen Unterstützern (Stadt Brilon, Hochsauerlandkreis,

Geopark GrenzWelten, Leaderregion, Arbeitsgemeinschaft

der Geschichts- und Heimatbünde im Altkreis

Brilon, Land NRW, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung,

Mitglieder des Fördervereins und Briloner Heimatbundes

Semper Idem) - permanent an der Erfolgsgeschichte des Museums

gearbeitet. Seit 2002 ist er Mitglied des Kuratoriums

und seit 2013 Vorsitzender der Museumsstiftung. Winfried

Dickel weiß er genau, was die Faszination des Hauses Höveners

ausmacht: „Wer sich mit dem Haus und der Geschichte

des Hauses und insbesondere mit den Familien Unkraut,

Kannegießer, Hövener beschäftigt, erkennt schnell, dass zwar

das Haus selbst die Faszination ausmacht, insbesondere ist es

aber die Art und Weise, wie die Familien in Brilon lebten und

wirkten.

Die Familie hat die Post nach Brilon geholt, Familienmitglieder

haben die verschiedensten öffentlichen Ämter bekleidet,

sie waren Arbeitgeber und insbesondere Wohltäter. Darüber

können heute noch zahlreiche Personen berichten. Mit anderen

Gewerkenfamilien begründeten sie in ihrer Zeit über 400

Jahre Wohlstand und Bedeutung der Stadt.

Dankbare Verwalter

Dickel ist begeistert, dass er von Beginn an seine Ideen einbringen

konnte, ganz nach seinem Wahlspruch „Heimat ist

das, was man daraus macht“. Und er freut sich darüber, dass

die Damen des Museumsteams um Museumsleiter Carsten

Schlömer jeden Tag mit Begeisterung bei der Sache sind.

Nicht zuletzt ist er Wilhelmine Hövener dankbar: „Sie hat

durch ihre Großzügigkeit das Geschichtsbewusstsein und ein

Gefühl für Brilon und die Region geweckt. Das war ihr besonderes

Anliegen als letzter Vertreterin der Unternehmerfamilien

Unkraut, Kannegießer, Hövener. Als ehemaliger Lehrerin

würde es gefallen, dass ihr Haus ein Anziehungspunkt

für alle Altersgruppen und Interessen ist.“

Durch ihre Stiftung wirkt Wilhelme Hövener bis weit

in die Zukunft und ganz tief in die Herzen der Briloner

hinein. ■

WOLL Sommer 2022 - 107


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