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Kulturfenster Nr. 01|2022 - Februar 2022

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BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Nr. 1

FEBRUAR

2022

Die Marchingband showband.CH

Singende Buben – Schicksal oder Auftrag?

Heimat – ein umstrittener Begriff

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 74. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift


vorausgeschickt

Mundwerbung

ist die beste Werbung

Liebe Leserinnen und Leser,

im Namen des gesamten Redaktionsteams

bedanke ich mich bei Ihnen für das entgegengebrachte

Vertrauen und für die zahlreichen

Rückmeldungen. Sie bestärken

uns in unserer Arbeit und helfen uns, die

Zeitschrift stetig weiterzuentwickeln. Wenn

Ihnen das „KulturFenster“ gefällt, sagen

Sie es weiter. Damit können Sie uns helfen,

unsere Geschichten hinauszutragen,

aus unseren Probe- und Vereinslokalen hinaus

– dorthin, wo sich die Menschen treffen:

im Dorfgasthaus, im Vorzimmer des

Arztes, im Friseursalon oder in der örtlichen

Bibliothek. Mundwerbung ist bekanntlich

die beste Werbung. Deshalb laden wir Sie

ein, die Zeitschrift unter die Leute zu bringen,

damit wir unsere Leserfamilie erweitern

können.

Auch diesmal präsentieren wir wiederum

interessante Themen. Alle drei Verbände

rücken in ihren Berichten die Jugend –

die Zukunft unserer Vereine – in den Fokus.

Den Beginn dazu macht die Blasmusik

mit einem interessanten Porträt der

Marchingband „showband.CH“ aus der

Schweiz mit ihrem erfolgreichen Konzept

in der Jugendarbeit, von dem man sich

auch beim Workshop Ende April in Südtirol

überzeugen kann. Der Heimatpfl egeverband

hat „Heimat und Jugend“ zu seinem

heurigen Jahresthema gemacht und

dazu spannende Initiativen geplant. Und

schließlich präsentiert der Chorverband die

Jugendarbeit in Salzburg. Dort gelingt es,

den Trend des Chorwesens zu brechen und

vermehrt auch Buben und junge Männer

für den Gesang zu motivieren.

Und schließlich darf ich Sie noch auf das

Hauptthema des Heimatpflegeverbandes

hinweisen, mit dem der Begriff „Heimat“

aus mehreren Perspektiven beleuchtet wird,

um diesen auch von seinem ideologischen

Beigeschmack zu befreien: „Wie das Wetter

und der Blick auf die Stadt, so ist auch

der Heimatbegriff nichts Statisches, sondern

etwas Dynamisches.“

Dazu gibt es die gewohnten Rubriken, in

denen die einzelnen Verbände ihre Tätigkeiten

dokumentieren und bereichsspezifische

Themen aufarbeiten. Ich wünsche

Ihnen dazu wiederum eine unterhaltsame,

aber auch informative Lektüre und einen

aufschlussreichen Blick durch unser „KulturFenster“.

Stephan Niederegger


Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann

trommle nicht die Männer zusammen

um die Aufgaben zu verteilen, sondern

lehre den Männern die Sehnsucht nach


dem endlosen, weiten Meer.

Antoine de Saint-Exupéry


Südtirol wäre ein ideales Testfeld für

einen offenen Heimatbegriff, dessen

Realisierung aber werde ich nicht mehr

erleben.


Hans Heiss



Wer auf Instrumenten spielt, muß des

Singen kündig seyn. Also präge man

das Singen jungen Leuten fleißig ein.

Georg Philipp Telemann

KulturFenster

2 01/Februar 2022


Inhalt

In dieser Ausgabe

Blasmusik

showband.CH rüttel Marschszene auf ................................. 4

Workshop mit showband.CH in Südtirol................................ 7

Stabführerin Karin Schuster im Porträt ................................. 8

EUREGIO Jugendblasorchester:

50 Jahre Zweites Autonomiestatut........................................ 9

(K)ein Wertungsspiel 2022 ................................................. 10

Landeswettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“ verschoben... 11

Neue Termine für

VSM-Bezirks- & Verbandsversammlungen.......................... 12

Blasmusik im Rundfunk..................................................... 12

Jungbläsertage Passeiertal 2021 ........................................ 13

Die Jugendkapelle der

MK Peter Mayr Pfeffersberg im Porträt ............................... 14

Begeisternde Konzerte des BJBO Bruneck 2021................ 16

Cäcilienkonzert der Musikkapelle Auer ............................... 18

Sepp Thalers musikalisches Erbe – Eine Analyse ................ 19

Zum 80. Geburtstag von Rudolf „Rudl“ Troger.................... 22

Der Komponist Heinrich Unterhofer im Porträt.................... 23

Heimatpege

Warum Heimat eine Einladung an alle ist............................ 40

Heimat in der Klimakrise – Beitrag von Hans Heiss............. 43

Was ist Heimat? – Der HPV-Vorstand antwortet................... 45

Interview:

Heimat – ein Begriff, der sich nicht definieren lässt ............ 46

Ein Positionspapier als Erklärung.........................................48

Im Jahr 2022 steht die Jugend im Mittelpunkt.................... 49

Dinge des Alltags: Der Rucksack........................................ 50

Waale: Immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe als Ziel ........ 51

Kornelkirsche läutet den Frühling ein ................................. 52

Flurnamen aus der Agrargeschichte (6).............................. 54

Säulenbildstock in Lana renoviert ....................................... 55

Gedenkschrift über Heimatforscher

Blasius Marsoner vorgestellt............................................... 56

Großes Interesse am Tag des offenen Denkmals ................. 57

Oskar Mulley – Kunst mit Südtirolbezug.............................. 58

Ein Hauch von Orient auf dem Tiroler Trachtenhut.............. 59

„Cäcilien-Messe“ von Gottfried Veit .................................... 26

Young Stars -

„Die kleine Orchesterschule“ von Willibald Tatzer ............... 26

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen....................... 27

Chorwesen

Singende Buben – Ist Salzburg seiner Zeit voraus? ............. 30

Der Südtiroler Chorverband hat eine

neue Mitarbeiterin: Monika Mair......................................... 33

Kinder- und Jugendchor Vahrn im Porträt........................... 34

„Im Leb’n’“ – Hochzeitslied/Volkslied für

gemischten Chor von Helmut Pertl ..................................... 36

Musikpionier Josef „Sepp“ Egger geehrt ............................. 37

kurz notiert – Neues von den Chören.................................. 38

Impressum

Mitteilungsblatt

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it

- des Südtiroler Chorverbandes

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it

- des Heimatpflegeverbandes Südtirol

Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it

Anschrift:

Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it

Raiffeisen-Landesbank Bozen

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SWIFT-BIC = RZSBIT2B

Jahresabonnement = 20,00 Euro

Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.

– gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung

KulturFenster

3 01/Februar 2022


Wo die showband.CH

aufkreuzt, erregt

sie Aufsehen.

KulturFenster

4 01/Februar 2022


präsentiert

Schweizer Leuchtturm-Formation

showband.CH rüttelt Marschmusikszene auf

Raffinierte Formationen aus Musik, Rhythmus

und Tanz überraschen und verzaubern das

Publikum auf nationalen und internationalen

Bühnen. Präzision und beeindruckender Leistungswille

bilden die solide Basis von showband.CH.

Seit 2006 verfolgt showband.CH

die Idee der traditionellen kanadisch-amerikanischen

Marchingbands. Heute ist der

50-köpfige Cast eine Leuchtturm-Formation

für andere Vereine: showband.CH steht

nicht nur jedes Jahr mit einer neuen, dynamischen

Show auf der Bühne, sondern gibt

ihr Wissen und ihre Erfahrung auch weiter.

„Wer isch dä Trend?“ – der Schlachtruf

hallt über den Rasen, bevor die Schweizer

Marchingband showband.CH überhaupt

einen ersten Fuß auf die Auftrittsfläche

gesetzt hat. Und dann geht es Schlag

auf Schlag: in den nächsten Minuten legt

die Marchingband, bestehend aus Blasorchester,

Drumcorps und Tanzcrew, einen

trittsicheren, atmungsaktiven und schlagfertigen

Auftritt hin.

Eine Kombination aus Musik,

Rhythmus und Bewegung

In mehreren Probenwochenenden studieren

die Jugendlichen im Alter zwischen 16

und 25 Jahren moderne Musikliteratur sowie

entsprechende Choreographien ein. Das

Endprodukt: eine Show, in der sich Musik,

Rhythmus und Bewegung optimal ergänzen.

So begeistert showband.CH jedes

Jahr mit einem neuen, populären Repertoire

an Rasen- und Bühnenshows sowie

Paraden. Das sorgt im In- und Ausland für

Auftrittserlebnisse, die bleiben!

Der ursprüngliche Gedanke von showband.CH

war es schon immer, mit kreativen

Choreographien zu modernen Stücken

die Marschmusikszene aufzurütteln

und aus einer neuen Sicht darzustellen.

Auf den Punkt – jeder Auftritt von showband.CH wird zum Highlight.

Das Potenzial, Blasmusik für das Publikum

attraktiv zu verpacken, erkannten die beiden

Initianten Jean-Luc Kühnis und Fabian

Wohlwend schon vor einigen Jahren:

2006 fand sich eine Gruppe junger

Erwachsener zusammen. Mit dem Slogan

„We are the trend“ setzte sich die

Schweizer Marchingband ein hohes

Ziel – mit Erfolg. Gemeinsam wurde

2008 eine Show aufgeführt, wie sie die

Schweiz noch nicht gesehen hatte –

ganz nach den Vorbildern der im Vorfeld

besuchten Marchingbands in Kanada

wurde der Traum umgesetzt. Bis

heute verfolgt showband.CH die Idee

der traditionellen kanadisch-amerikanischen

Marchingbands.

Eine Show, wie sie die Schweiz

noch nicht gesehen hat

Bein- und Kopfarbeit – erfolgreiche Auftritte bedingen ein ausgeklügeltes Trainingskonzept.

KulturFenster

5 01/Februar 2022


präsentiert

Musikalität und Präzision der Bewegungsabläufe vereinen sich in den Marching-Shows von showband.CH.

Wissen und Erfahrung

weitergeben

Heute ist showband.CH eine Leuchtturm-

Formation für andere Marchingbands im

Bereich Parademusik: Sie zeigt, was durch

Ausprobieren und Experimentieren an

neuen Elementen alles möglich ist.

So steht die rund 50-köpfige Marchingband

nicht nur selbst auf der Bühne, sondern

gibt die Erfahrung, die in unzähligen Planungs-

und Probestunden erlangt wurde,

unter anderem in Workshops an Musikvereine

und Tambouren-Sektionen weiter.

Ein wichtiger Schwerpunkt liegt zudem auf

der Nachwuchsförderung: Jedes Jahr im

Herbst findet das beliebte Marchingband

Jugendcamp statt.

Marchingband-Luft

schnuppern

musiziert, hier sammelt man unvergessliche

Erinnerungen und Freundschaften

fürs Leben werden geschlossen. Und oft

trudeln nach der Lagerwoche bereits die

ersten Anmeldungen für die nächste showband.CH-Saison

ein – das Jugendcamp ist

der Nachwuchs von showband.CH und

vergrößert jährlich den Cast.

Saison 2022 abgesagt!

2022 steht für showband.CH ganz unter

dem Motto „There are far better things

ahead than any we leave behind!“ Trotzdem

hat sich der Vorstand von showband.CH

schweren Herzens aufgrund der Entwicklung

der Pandemie bereits im vergangenen

Dezember dazu entschieden, die Saison

2022 abzusagen. Aber sie denken bereits

darüber nach, „wie und wo wir unsere

Füße auf den nächsten Hallenboden setzen

könnten“. Schon jetzt steht ein Jahreshighlight

fest: vom 9. bis zum 15. Oktober

2022 findet in Disentis die 10. Ausgabe des

Marchingband-Jugendcamps statt. Und

auch sonst wartet noch die eine oder andere

Überraschung – stay tuned!

Sina Schmid (Fotos: fotorubin.ch)

Weitere Informationen

finden Sie unter

www.showband.CH und

auf dem YouTube-Kanal

Inmitten der Bündner Berge können Jugendliche

im Alter von 12 bis 22 Jahren

eine Woche lang Marchingband-Luft

schnuppern. Abschluss und Höhepunkt des

Camps ist eine energiegeladene Show vor

Publikum. Nach nur einer Lagerwoche mit

zahlreichen Probestunden und selbstverständlich

ausreichend Lager-Fun sitzt die

Show – die Instrumente verharren noch in

der Luft und man wartet auf den verdienten

Applaus. Hier wird nicht nur gemeinsam

Begeisterung,

die begeistert,

dafür steht

showband.CH.

KulturFenster

6 01/Februar 2022


Blasmusik

Workshop in Südtirol

Anmeldungen innerhalb 31. März

– natürlich ohne Spiel, mit Musik im Hintergrund,

damit wir uns auf die Handhabung

der Instrumente und die Stabführung

konzentrieren können.

Obwohl showband.CH die Saison 2022 abgesagt

hat, ist es gelungen, sie dennoch

für eine Zusammenarbeit mit dem VSM

zu gewinnen. Die Initiative dazu ging von

Verbandsstabführer Klaus Fischnaller aus.

KulturFenster: Wie kam es zur Zusammenarbeit

mit showband.CH?

Klaus Fischnaller: Die Zusammenarbeit ist

aus der Idee entstanden, eine Jungbläserwoche

mit dem Schwerpunkt „Musik in

Bewegung“ anzubieten. Im Internet bin

ich zufällig auf die showband.CH gestoßen

und habe gesehen, dass sie schon

seit längerem Jugendcamps mit dem

Schwerpunkt „Musik in Bewegung“ anbieten

– also genau das, was wir suchen.

Daraufhin habe ich sie direkt kontaktiert.

KF: Welches werden die Inhalte des Workshops

sein?

Fischnaller: Auch wenn ihr Ziel in erster

Linie auf Marchingbands ausgerichtet ist,

so hat mich vor allem ihr Konzept interessiert,

wie sie mit Jugendlichen arbeiten.

Mit unserem Workshop wollen wir nicht

nur die Jugend ansprechen, sondern auch

die Stabführer*innen und alle, die sich

für die Musik in Bewegung interessieren.

Gerade im Bereich der Marschshows haben

wir noch Aufholbedarf, aber auch das

Potential, uns weiterzuentwickeln.

KF: Sollen aus unseren Musikkapellen

Marchingbands werden?

Fischnaller: Nein, auf keinen Fall – das

wäre ein ganz falscher Weg! Wir können

aber immer nur lernen. Es ist klar,

dass wir von einer Showband nicht alles

1:1 übernehmen können – und

auch nicht müssen, aber wir können sicherlich

viele Inputs für unsere zukünftige

Arbeit mitnehmen. Ich möchte mit

diesem Workshop ein Fenster öffnen,

wovon ich überzeugt bin, dass es uns

weiterbringt und dass wir die Musik in

Bewegung auch jugendgerechter gestalten

können.

KF: Welche Schwerpunkte wird es im

Workshop noch geben?

Fischnaller: Mit Sicherheit wird der Workshop

sehr praxisorientiert sein. Abgesehen

von dem Aufbau, der Musikwahl bis

hin zur Show, wird es einen kreativen Teil

geben, wobei wir in Gruppen versuchen,

einige Showelemente zu erarbeiten. Wir

laden die Teilnehmer*innen ein, ihre Instrumente

und den Tambourstab mitzubringen,

damit wir auch versuchen können,

das Erlernte in die Praxis umzusetzen

KF: Dies klingt sehr vielversprechend.

Fischnaller: Ja, das ist es auch. In den

Vorgesprächen mit der Koordinatorin

Sina Schmid – durch sie ist der Kontakt

entstanden – haben wir uns darauf geeinigt,

dass wir uns nicht nur auf eine Musikrichtung

bzw. Show konzentrieren werden.

Die Ideen und Anregungen, welche

die showband.CH mitbringt, sind vielfältig

und reichen vom Aufmarsch über die

Parademusik bis hin zur Show am Platz.

Dasselbe gilt für die Musik, wobei die Einfachheit

und das gute Musizieren im Vordergrund

stehen werden.

KF: Wann fi ndet der Workshop statt?

Fischnaller: Der ganztägige Workshop

findet am 30. April 2022 ab 9 Uhr im

Probelokal der MK Jenesien statt. Dabei

werden mit Kervin Schrag, dem künstlerischen

Leiter der showband.CH, und

seinem Team die einzelnen Schritte einer

Marschshow – von der Planung über die

Probenarbeit bis zum Auftritt – erarbeitet.

Anmeldungen werden über das VSM-

Office innerhalb 31. März angenommen.

Genauere Informationen sind auch auf

der VSM-Homepage abrufbar.

KF: Danke für das Gespräch.

Fischnaller: Danke sagen mein Team

und ich. Die Fachgruppe „Musik in Bewegung“

freut sich, wenn viele dieses

tolle Angebot annehmen und am Workshop

teilnehmen.

Gespräch: Stephan Niederegger

Im jährlichen Jugendcamp können Jugendliche im Alter von 12 bis 22 Jahren eine Woche lang Marchingband-Luft schnuppern.

KulturFenster

7 01/Februar 2022


ewegt

Alle folgen auf Karins Kommando

Karin Schuster geht der Musikkapelle Prags als Stabführerin voran

Die heurige Ausgabe des Frauenkalenders

„Alchemilla“ steht

unter dem Titel „überMut tut

Frauen gut!“ und widmet sich

couragierten Frauen. Dazu hat

Berta Linter in ihrem Beitrag

(S.265) auch in der VSM-Statistik

gestöbert und die „Frauen

im Verband Südtiroler Musikkapellen“

in den Fokus gerückt.

Während eine Frau am

Dirigentenpult oder als Obfrau

bei den Südtiroler Musikkapellen

keine Seltenheit mehr ist, sind

Stabführerinnen noch die Ausnahme – derzeit

ist Karin Schuster von der Musikkapelle

Prags die einzige.

Erste Frauen in den

Südtiroler Musikkapellen

1973 war Helga Huber aus Terlan die erste

Frau, die einer Musikkapelle beigetreten ist.

Als Flavia Crepaz 1983 den Taktstock der

Musikkapelle Morter übernahm, war sie die

erste Kapellmeisterin in Südtirol. Mittlerweile

(Stand: Juni 2021) stehen 14 Kapellmeisterinnen

am Dirigentenpult, 22 Musikkapellen

werden von einer Obfrau geführt und

596 Marketenderinnen marschieren in den

210 Musikkapellen. Derzeit hat aber nur die

Musikkapelle Prags eine Stabführerin. Im

folgenden beschreibt die 34-jährige Karin

Schuster ihren musikalischen Werdegang,

ihre Motivation und ihre Zukunftspläne.

Seit 21 Jahren Musikantin

Seit zwei Jahren ist Karin Schuster Stabführerin

der Musikkapelle Prags.

Foto: Elisabeth "Lissy" Moser

Musik begleitet mich schon seit meiner

Kindheit und ist aus meinem Leben nicht

mehr wegzudenken. Mit dem Erlernen der

Blockflöte begannen meine ersten musikalischen

Erfahrungen. Nach dem Besuch einiger

Musikanten in der Grundschule stand

für mich fest, dass ich Querflöte und später

dann auch das Piccolo erlernen wollte.

So sind es nun schon 21 Jahre, dass ich

bei der Pragser Musikkapelle bin. Durch

mein Studium der Krankenpflege und später

auch durch meine Arbeit in Innsbruck

war ich zwar nicht ständig zu Hause, dennoch

konnte ich mich nicht vom gemeinsamen

Musizieren in der Musikkapelle verabschieden.

Vor ca. sieben Jahren bin ich

schließlich wieder ganz in meine Heimat zurückgekehrt.

Mittlerweile bin ich verheiratet,

wohne in Sexten und habe zwei Jungs im

Alter von ein und vier Jahren. Auch wenn

es mich ständig in verschiedene geografische

Richtungen in meinem Leben gezogen

hat, blieb ich meinem Dorf und seiner

Musikkapelle stets treu. Die netten Kameradschaften,

welche sich in unserer Kapelle

entwickelt haben, bedeuten mir nach wie vor

viel. Deshalb pendle ich so oft es mir möglich

ist von Sexten nach Prags, um an Proben

und Auftritten teilzunehmen.

Das Amt der Stabführerin als

persönliche Herausforderung

Vor rund fünf Jahren besuchte ich den

Grundkurs für Stabführer*innen. Ich bin

ständig offen für Neues. Für mich stand

daher nach kurzem Überlegen fest, dass

ich mich in diese Materie einlernen wollte,

und sammelte so meine ersten Erfahrungen.

Schon nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass

das Erlernen des Stabführens einiges an

Können und Übung erfordert. Dies spornte

mich noch mehr an, dieses Amt irgendwann

auch offiziell ausüben zu können. Von Anfang

an war mir klar, dass ich mich in dieser

Männerdomäne zunächst einmal behaupten

musste. Die Akzeptanz war aber von Anfang

an da. Dennoch dauerte es nochmals

weitere zwei Jahre, bis ich

das Amt der Stabführerin gemeinsam

mit meinem Musikkollegen

Alfred übernahm. Zu

diesem Zeitpunkt war ich mit

meinem zweiten Kind schwanger.

Daher beschlossen wir,

dass wir dieses Amt gemeinsam

ausüben wollten, damit

wir uns gegenseitig ersetzen

können, wenn einer ausfällt.

Mit Herzklopfen stand ich

schließlich vor meinem allerersten

offiziellen Auftritt. Tausende Gedanken

schwirrten in meinem Kopf umher, ob

ich die Kommandos und Abfolgen alle richtig

machte, aber schließlich konnte ich diesen

Auftritt gut meistern. Somit legte sich auch

die Nervosität bei den folgenden Auftritten.

Positive Rückmeldungen

und Zukunftspläne

Schön fand ich die vielen positiven Kommentare

und Rückmeldungen aus der Pragser

Bevölkerung. Es erfüllt mich mit Stolz und

Freude, wenn wir mit der Kapelle aufmarschieren

können und das Publikum mit unserem

Auftritt begeistern.

Die Frage, warum es in Südtirol nicht mehr

Stabführerinnen gibt, kann ich leider auch

nur schwer beantworten. Sicherlich braucht

es einiges an Mut und Freude, aber wie bei

vielen Dingen im Leben kann man alles erlernen,

wenn man die nötige Motivation mit

sich bringt. Deshalb wäre es schön, wenn

sich auch mehrere Frauen für das Amt der

Stabführerin begeistern ließen.

Ein kurzfristiges Ziel für die Zukunft ist die

Teilnahme an einem großen Umzug, welcher

situationsbedingt in den letzten zwei Jahren

leider nicht stattfinden konnte. Ein langfristiges

Ziel ist die Teilnahme an einem Marschierwettbewerb.

Wohin mich mein weiterer

Weg als Stabführerin führen wird, lass

ich mir noch offen. Da ich nun in Sexten

wohne, würde ich irgendwann auch gerne

Mitglied der dortigen Musikkapelle werden.

Und wer weiß, vielleicht ist es auch dort

möglich, dass ich mein Amt als Stabführerin

nicht ganz an den Nagel hängen muss.

Karin Schuster

KulturFenster

8 01/Februar 2022


VSM intern

50 Jahre

Zweites Autonomiestatut

Uraufführung durch das EUREGIO Jugendblasorchester

Die drei Dirigenten (v. l.) Johann Finatzer (Südtirol), Franco Puliafito (Trient) und Wolfram

Rosenberger (Tirol) des EUREGIO Jugendblasorchesters

Wie bereits in der Oktoberausgabe des

„KulturFensters“ angekündigt (S.49), hat

der Südtiroler Landtag anlässlich des Jubiläums

„50 Jahre 2. Autonomiestatut 1972-

2022“ einen Wettbewerb für eine Komposition

für symphonisches Blasorchester

ausgeschrieben.

VSM-Verbandsjugendleiter Johann Finatzer

wurde als Koordinator des Projektes

und Präsident der Wettbewerbsjury eingesetzt.

Die Siegerkomposition wird im Rahmen

der alljährlichen Feierlichkeiten zum

Europatag am 9. Mai vom EUREGIO Jugendblasorchester

uraufgeführt.

Neben der klassischen Sommerwoche

vom 23. bis zum 31. Juli 2022 in Toblach

mit Konzerten in allen drei Landesteilen

fi nden bereits vom 14. bis zum 16. April

und vom 5. bis zum 8. April zwei Probenwochenenden

des EUREGIO Jugendblasorchesters

in Algund bzw. Bozen statt.

Die Teilnahme an diesem Frühjahrsprogramm

ist kostenlos.

Weitere Informationen zum Kompositionswettbewerb

können auf der Homepage

des Südtiroler Landtags (www.

landtag-bz.org) und des Südtiroler Künstlerbundes

(www.kuenstlerbund.org) eingesehen

werden.

Details zum EUREGIO

Jugendblasorchester

gibt es unter:

www.europaregion.

info/musiccamp

Stephan Niederegger

Medienreferent im VSM

KulturFenster

9 01/Februar 2022


VSM intern

(K)ein Wertungsspiel 2022

Neuer Termin, neue Ausrichtung

Wenn zurzeit Proben auch möglich

sind, so stellt die aktuelle Situation unsere

Musikkapellen doch vor enorme

Herausforderungen.

Steigende Infektionszahlen verunsichern

viele Vereinsmitglieder und an

einen normalen entspannten Probenbetrieb

ist wohl kaum zu denken. Wie

wertvoll und motivierend Wertungsspiele

auch sein mögen, die Rahmenbedingungen

wie regelmäßige planbare Proben

sind wohl eine Grundvoraussetzung,

um an einem Wertungsspiel teilzunehmen.

Gemeinsam mit dem VSM-Bezirk

Schlanders haben wir uns dafür ausgesprochen,

das im kommenden Mai

geplante Wertungsspiel auf den Herbst

zu verschieben. Auch die Ausrichtung

wird eine etwas andere sein. So wird es

nicht ein Wertungsspiel im herkömmlichen

Sinn sein, sondern vielmehr ein

Kritikspiel, bei dem die Musikkapellen bereits

in der Vorbereitungsphase – wenn

es gewünscht ist – eine Unterstützung in

Form eines Coachings erhalten. Auch die

Bewertung wird nicht in Form von Punkten

oder Prädikaten erfolgen, sondern in

Form eines Jurygespräches. Wir möchten

so die Musikkapellen unterstützen und

ihnen ein Ziel anbieten. Dabei soll die

Freude am Proben und gemeinsamen

Musizieren ohne Leistungsdruck im Vordergrund

stehen.

Meinhard Windisch

Verbandskapellmeister im VSM

BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Aboaktion

Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab September

1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler Volkskultur“ und seit

2008 als „KulturFenster“ lebendig, bunt und vielfältig über die Musikkapellen,

die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und das Trachtenwesen in Südtirol -

derzeit in einer Gesamtauflage von rund 3.300 Stück pro Ausgabe.

Sie möchten keine

Ausgabe verpassen?

Dann rufen Sie uns an (Tel. 0471 976 387)

oder schreiben uns eine Email an: info@vsm.bz.it

Sie bekommen das "KulturFenster"

sechs Mal im Jahr direkt nach Hause geschickt.

Weitere Informationen finden Sie im

Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.

KulturFenster

10

01/Februar 2022


Blasmusik

13. Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“

… auf den 14. Mai 2022 verschoben

Aufgrund der vorherrschenden Situation

und der Prognosen über die allgemeine

pandemische Lage hat der Verbandsvorstand

beschlossen, den Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“ vom

ursprünglichen Termin am 12. Februar

2022 in die sicherere warme Jahreszeit

zu verschieben.

Somit findet der Wettbewerb am Samstag,

dem 14. Mai 2022, in der Musikschule

und Aula Magna in Auer statt.

Bereits angemeldete Ensembles und

Gruppen müssen sich nicht erneut

anmelden, für sie ändert sich nur das

Austragungsdatum.

Durch die längere Vorbereitungszeit und

den neuen Termin ist es natürlich auch

möglich, dass sich weitere, bisher noch

nicht gemeldete Ensembles für den Wettbewerb

interessieren. Diese können sich

innerhalb Februar anmelden.

Dem Ensemblespiel im Allgemeinen und

diesem Wettbewerb im Besonderen kommt

eine wichtige Rolle zu – gerade in Pandemiezeiten,

wenn viele Musikkapellen nicht

in der vollen Besetzung proben (können).

Die bereits jetzt überdurchschnittliche Zahl

von mehr als 20 angemeldeten Ensembles

bezeugt dies eindrucksvoll.

Ich bedanke mich ganz persönlich wie

auch im Namen des Verbandes bei Ale-

xandra Pedrotti, der Direktorin der Musikschule

Unterland, und Thomas Rech,

dem Obmann der Musikkapelle Auer. Sie

stellen uns freundlicherweise die Räumlichkeiten

in Auer wie auch bei anderen

Verbandsveranstaltungen zur Verfügung

und waren zudem zuvorkommend und

hilfsbereit bei der notwendigen Terminverschiebung.

Ich freue mich auf viele jung- und junggebliebene

Musikbegeisterte, welche sich

auf den besonderen Moment des musikalischen

Wettstreites einlassen.

Johann Finatzer

Verbandsjugendleiter im VSM

Impressionen vom Wettbewerb 2018

KulturFenster

11 01/Februar 2022


VSM intern

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Neue Termine für Bezirks- & Verbandsversammlungen 2022

MAI

Bereits seit November steht das Jahresprogramm

des VSM für das heurige

Tätigkeitsjahr fest und ist im Jahreskalender

2022 niedergeschrieben.

Mit viel Freude und neuer Hoffnung

auf die Durchführbarkeit hat der Verbandsvorstand

geplant und vorausgeblickt.

Leider hat die Pandemie in den letzten

Wochen wieder derart „Fahrt aufgenommen“,

dass auf Grund der hohen

Inzidenz einige Vorhaben zum

wiederholten Male nicht planmäßig

abgewickelt werden können. In erster

Linie sind die großen Mitgliederversammlungen

der sechs Bezirke

Bozen, Bruneck, Meran, Brixen, Schlanders

und Sterzing betroffen, welche an

verschiedenen Wochenenden zwischen

dem 15. Jänner und dem 5. März 2022

vorgesehen waren. Zudem trifft es auch

die am 12. März 2022 in Bozen geplante

74. VSM-Mitgliederversammlung.

Da in allen Bezirken und im Verband

Neuwahlen anstehen, wollen wir versuchen,

die Versammlungen möglichst in

Präsenz abzuhalten. Um dies zu erreichen,

haben wir als ersten Schritt eine

Verschiebung der Versammlungen ins

Auge gefasst: die Mitgliederversammlung

des Verbandes wird auf Samstag, dem 7.

Mai 2022, verlegt.

Die neuen Termine der

Bezirksversammlungen:

Bezirk Meran - 12. März in Nals

Bezirk Bruneck - 26. März in Reischach

Bezirk Brixen - 26. März in Mühlbach

Bezirk Bozen - 9. April in Gries

Bezirk Sterzing - 23. April in Ratschings

Bezirk Schlanders - noch festzulegen

Wir alle hoffen stark, dass die hohe Inzidenz

der Corona-Pandemie bis dahin

abgeflacht ist und die Zusammenkünfte

zur ordentlichen Abwicklung der vorgesehenen

Tagesordnungspunkte möglich

werden.

Pepi Fauster

Verbandsobmann im VSM

BLASMUSIK IM RUNDFUNK

jeden Montag

von 17 bis 18 Uhr

„Dur und Schräg“

Traditionelle und neue

Blasmusik mit Norbert Rabanser

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Blasmusik“ mit Dieter Scoz

jeden Samstag

von 18 bis 19 Uhr

„Faszination Blasmusik“

mit Arnold Leimgruber

(Wiederholung

am Sonntag um 10 Uhr)

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Das Platzkonzert“

mit Peter Kostner

KulturFenster

12 01/Februar 2022


Blasmusik

jung musiziert

..

Jungblasertage Passeiertal 2021

Sieben Musikkapellen und Verein „Guitart“ arbeiten zusammen

40 Jungmusikant*innen aus sieben Musikkapellen nahmen im

Sommer 2021 an den Jungbläsertagen des Passeiertales teil.

Bereits zum 11. Mal wurden im August

2021 die „Jungbläsertage Passeiertal“ abgehalten.

Das Ziel dieser Musiktage war

von Beginn an Jungmusikant*innen aller

Musikkapellen des Tales zu vereinen und

eine gemeinsame musikalische Woche zu

verbringen.

Seit einigen Jahren läuft das Projekt parallel

zum Bandcamp des Vereins „Guitart“;

gemeinsam erarbeiten sich Bandmitglieder

und Jungbläser ein abwechslungsreiches

Konzertprogramm.

Im vergangenen Sommer fanden die Jungbläsertage

Passeiertal vom 23. bis zum

27. August in St. Martin in Passeier statt.

Die Schüler*innen waren jeweils von 9 bis

17 Uhr in der Obhut der Lehrpersonen und

kehrten anschließend wieder nach Hause

zurück. Im Laufe des Tages gab es Unterricht

mit den Instrumentallehrpersonen, Register-

und Tuttiproben und einen Workshop

zu Improvisation, Rhythmus und Harmonie.

Nach dem coronabedingten Ausfall der

Jungbläsertage 2020 konnte man dieses

Jahr 40 Jungmusikant*innen aus sieben

Musikkapellen begeistern. Sieben Lehrpersonen

begleiteten die Schüler*innen durch

die Woche und teilten ihr Wissen mit dem

musikalischen Nachwuchs. Durch die Förderung

der Jugendarbeit des Verbandes

Südtiroler Musikkapellen und durch die Un-

terstützung der Gemeinden St. Martin, St.

Leonhard, Moos und Riffian konnte in dieser

anregenden Woche auch ein Video erstellt

werden. Daniel Felderer begleitete die

Teilnehmer der Jungbläsertage am letzten

Tag und hielt dabei Proben und Konzert in

einem Kurzvideo fest. Das Abschlusskonzert

fand am Freitag, dem 27. August, auf

dem Dorfplatz in St. Martin statt.

Weitere Eindrücke der

„Jungbläsertage Passeier“

sind im Video unter

folgendem Link zu

sehen.

KulturFenster

13 01 Februar 2022


Kleine “

Piezn“ spielen groß auf

Die Jugendkapelle der Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg im Portait

Beim jährlichen Hüttenlager wird stets fleißig musiziert,

wie auch diese Aufnhame aus dem Jahr 2019 beweist.

und Mahr. Diese gehören allesamt zur Gemeinde

Brixen und befinden sich zwischen

550 und 1450 m ü. d. M. an der Westseite

des Brixner Talkessels. Wir sind eine sehr

junge Truppe, unsere Jungmusikant*innen

sind im Durchschnitt neun Jahre „alt“.

Grundsätzlich dürfen die Kinder bereits

nach dem ersten Lernjahr bei uns einsteigen.

Zur Zeit sind mehr Mädchen als

Buben dabei.

Klein, aber oho! Treffender könnte man die

„Pfeffersberger Piezn“ kaum beschreiben.

Seit nunmehr knapp 20 Jahren musiziert der

Nachwuchs der Musikkapelle Peter Mayr

Pfeffersberg gemeinsam.

Steckbrief

Name: Pfeffersberger Piezn

Musikkapelle: Musikkapelle Peter Mayr

Pfeffersberg

Anzahl der Mitglieder: 19

Musikalische Leitung: Bernhard Reifer

Jugendleiterin: Sabine Leitner Reifer

Im folgenden Gespräch mit Sabine Leitner

Reifer, der Jugendleiterin der Musikkapelle

Peter Mayr Pfeffersberg, wird die Jugendkapelle

vorgestellt.

Bernhard Reifer dirigiert die Bläserklasse

Pfeffersberg (Dezember 2021)

Kulturfenster: Sabine, wann wurde eure Jugendkapelle

gegründet und wie seid ihr auf

diesen ausgefallenen Namen gekommen?

Sabine Leitner Reifer: Unsere Jugendkapelle

wurde im September 2002 gegründet. Unser

damaliger Jugendleiter und heutiger Kapellmeister

Bernhard Reifer hatte diesen besonderen

Namen vorgeschlagen: Er meinte,

ein „Piez“ wäre etwas Kleines, wie etwa ein

Küken, und die Jungmusikant*innen seien

nicht viel größer gewesen.

KF: Woher kommen eure Mitglieder und

wie alt sind sie im Durchschnitt?

Reifer: Unsere Jungmusikant*innen kommen

von den acht Streuweilern des Pfeffersbergs:

Gereuth, Tils, Pinzagen, Pairdorf,

Tschötsch, Tötschling, Untereben

KF: Welche sind die Höhepunkte in eurem

Vereinsjahr?

Reifer: Unser jährlicher Höhepunkt ist

das mehrtägige Hüttenlager im Sommer,

welches wir meistens auf einer urigen Berghütte

verbringen. Dabei haben wir schon einiges

an Abenteuern erlebt: Wir waren auf

Hütten ohne Strom, schliefen im Heu oder

mussten zum Zähneputzen ins Freie zum

Brunnen. Zwischen Unwettern mit herumfliegenden

Zelten und einer Hubschrauberlandung

des Bergrettungsdienstes war alles

dabei. Als wir 2019 auf der Seiser Alm

waren, musste der Rettungshubschrauber

des Aiut Alpin neben unserer Hütte eine

Zwischenlandung machen, da es andernorts

nicht möglich war. Zufällig handelte es

sich beim Piloten um den Vater einer unserer

Jungmusikantinnen.

Was das restliche Jahr betrifft, so beginnt

unsere Probenarbeit in der Regel nach

dem Frühjahrskonzert der Musikkapelle.

Wir versuchen im Laufe des Jahres immer

ein bis zwei Konzerte zu organisieren, auch

in Zusammenarbeit mit Kapellen aus der

Umgebung. So hat beispielsweise bereits

in Teis und in Villnöß ein Jugendkapellentreffen

stattgefunden. Wir waren auch

schon beim Brixner Faschingsumzug mit

dabei. Weiters kommen bei uns außermusikalische

Aktivitäten nicht zu kurz. So hat

es auch öfters einen Kinoabend in unserem

Probelokal gegeben.

KF: Seid ihr im Moment musikalisch aktiv?

Reifer: Im Moment macht unsere Jugendkapelle

eine Pause, dafür haben wir unsere

Kräfte in den letzten Monaten auf ein

anderes Projekt konzentriert, und zwar auf

die „Bläserklasse Pfeffersberg“. Da unser

Tag der offenen Tür bereits zweimal nicht

KulturFenster

14 01 Februar 2022


stattfinden konnte, haben wir einen anderen

Weg gesucht, um neue Jungmusikant*innen

zu gewinnen. Mit Unterstützung der beiden

Grundschulen Tils und Tschötsch, der Musikschule

Brixen und natürlich der Eltern

der Schüler*innen, konnten wir das Projekt

von Anfang Oktober bis Mitte Dezember

durchführen. Insgesamt 44 Kinder im

Alter zwischen sechs und elf Jahren waren

mit dabei und erhielten in der Zweiergruppe

einmal wöchentlich 40 Minuten Unterricht

von ausgebildeten und motivierten

Musikpädagog*innen. Die erste Phase des

Projekts, die noch für alle verpflichtend war,

endete mit einem Abschlusskonzert im Dezember.

Die Mühen haben sich für die Musikkapelle

auf jeden Fall gelohnt: Von den

44 beteiligten Kindern haben sich etwas

mehr als die Hälfte dafür entschieden, ihr

Instrument weiter zu lernen.

KF: Habt ihr auch euer persönliches Lieblingsstück?

Reifer: Unsere Jungs und Mädels spielen

am liebsten Filmmusik. Wir haben zwar kein

Lieblingsstück an sich, möchten den Lesern

zum Abschluss aber den Refrain unserer

eigenen Hymne präsentieren. Die Melodie

entspricht dem bekannten „Zwergenlied“.

Der Text der acht Strophen wird bei jedem

Hüttenlager etwas angepasst.

Ein Piez ist grösser als man glaubt,

ein Piez das Größte überhaupt,

ein Piez spielt immer was er soll,

ein Piez findet die Musig toll!

Jugendleiterin Sabine Leitner Reifer

Zwei Jungmusikantinnen der

Pfeffersberger Piezn“ stellen sich naher vor:


Name: Amelie Unterrainer

Alter: 10 Jahre

Ich spiele: Fagott

Darum habe ich mich für mein Instrument entschieden:

Das Fagott hat mir immer schon gefallen.

Das gefällt mir bei der Jugendkapelle am besten:

Das Hüttenlager im Sommer

Mein Lieblingsstück: „Der Herbst“ von Antonio Vivaldi

Ein lustiges Ereignis bei der Jugendkapelle: Als es während einer Gemeinschaftsprobe

beim Hüttenlager regnete, mussten wir die Probe in

die Hütte verlegen - nur die Schlagzeuger mussten von draußen aus

mitspielen, da sie nicht mehr Platz hatten. Natürlich öffneten wir die

Fenster, dass wir uns gegenseitig hören konnten.

Name: Annalena Stockner

Alter: 11 Jahre

Instrument: Klarinette

Darum habe ich mich für mein Instrument entschieden:

Die Klarinette hat mir immer schon sehr gut gefallen. Ich habe mit der

Es-Klarinette angefangen, habe dann auf die C-Klarinette gewechselt

und mittlerweile spiele ich die B-Klarinette.

Das gefällt mir bei der Jugendkapelle am besten:

Mir gefällt es, mit meinen Freunden zusammen zu musizieren und

Spaß zu haben. Ich freue mich schon jetzt auf unser nächstes Konzert.

Mein Lieblingsstück: „Circle of Life“ aus „Der König der Löwen“

Ein lustiges Ereignis bei der Jugendkapelle: Toll ist immer unser Hüttenlager

im Sommer. Unsere Betreuer denken sich immer super tolle

Spiele aus. Einmal haben wir uns mit altem Zeitungspapier unsere eigenen

Kleidungsstücke kreiert und haben dann eine Modenschau

veranstaltet. Unser Hüttenlager ist einfach immer ein tolles Erlebnis.

Interviews: Hannes Schrötter

KulturFenster

15 01 Februar 2022


gehört & gesehen

Das Bezirksjugendblasorchester

rockt den Gustav-Mahler-Saal

Begeisternde Konzerte des BJBO Bruneck in St. Johann und Toblach

Mit der „Hymne für die Gefallenen“ aus dem Film „Der Soldat James Ryan“ und dem festlich gespielten „Schönfeld-Marsch“ bedankte

sich das BJBO Bruneck für den Applaus.

Zu Weihnachten spielte wieder das Bezirksjugendblasorchester

Bruneck. Nach

der Absage im Vorjahr und trotz der sich

dauernd ändernden Coronaregeln haben

die Verantwortlichen im Bezirksausschuss

der Pustertaler Musikkapellen am Projekt

festgehalten – mit Erfolg. Mit traditioneller

Blasmusik und modernen Rhythmen begeisterten

die jungen Musikantinnen und Musikanten

unter der Leitung von Daniel Niederegger

zum Jahresende das Publikum im

Ahrntal und im Hochpustertal.

Eigentlich hätte das Orchesterprojekt bereits

im Vorjahr verwirklicht werden und

gleichzeitig das Diplomkonzert von Daniel

Niederegger sein sollen. Coronabedingt

musste das Vorhaben aufgeschoben werden.

Der junge Musiker, seines Zeichens

Bezirkskapellmeister-Stellvertreter im Pustertal

sowie Kapellmeister der Musikkapellen

von St. Martin/Gsies und St. Jakob/

Ahrntal, hat inzwischen sein Dirigierstudium

abgeschlossen. Er freute sich umso

mehr, dass das Konzertprojekt nun doch

noch verwirklicht werden konnte.

Mit der Rhapsodie „Prevision“ beschreibt

Jan de Haan eindrucksvoll das Aufwachsen

und Erwachsenwerden seines Enkels.

Niederegger hat dieses Werk nicht zufällig

gewählt. Zum einen steht es symbo-

Trotz der unsicheren

Coronalage haben sie

am Projekt des BJBO

Bruneck 2021 festgehalten

(v.l.) - Bezirksobmann

Johann

Hilber, Daniel Niederegger

und Bezirksjugendleiter

Matthias

Kirchler

KulturFenster

16 01/Februar 2022


Redaktionsschluss für

Blasmusik

lisch für die musikalische Entwicklung der

jungen Orchestermitglieder, zum anderen

stand es bereits 2010 auf dem Programm

des Bezirksjugendblasorchesters, als er

selbst als junger Posaunist unter der Leitung

von Friedl Pescoller und Sigisbert Mutschlechner

mitspielte. Mit der 3-sätzigen

Suite „Tirol 1809“ von Sepp Tanzer, die

der Dirigent für seinen Studienabschluss

neu instrumentiert hatte, der schwungvollen

„Emperata Ouvertüre“ von Claude

T. Smith und den norwegischen Impressionen

„Mandålen Landscapes“ von Philip

Sparke begeisterte das junge Orchester

das Publikum am 23. Dezember im

Mehrzwecksaal von St. Johann und am

Stephanstag im Gustav-Mahler-Saal in

Toblach. Die Verantwortlichen rund um

Bezirksobmann Johann Hilber, Bezirksjugendleiter

Matthias Kirchler und den Dirigenten

verstanden es, während der intensiven

Probenzeit seit Mitte Oktober die

Corona-Fragen auszublenden und die 60

Musikantinnen und Musikanten aus 22

Pusterer Musikkapellen für die Musik zu

begeistern. Man habe sich laufend an die

veränderten Situationen angepasst, bestätigte

Kirchler. Seit Anfang Dezember

wurden alle – Geimpfte und Ungeimpfte

– vor jeder Probe und den Auftritten getestet:

„Das ist ein entsprechender organisatorischer

und fi nanzieller Mehraufwand,

aber es lohnt sich allemal.“ Zudem

musste die ursprünglich geplante „Rhapsodie

in Blue“ von George Gershwin, bei

der Prof. Walter Ratzek den Solopart spielen

sollte, kurzfristig wegen der unklaren


Die Spielfreude, aber vor allem

auch die Freude, endlich wieder vor

Publikum zu spielen, war bei den

beiden Konzerten förmlich sichtund

hörbar.


Stephan Niederegger

und unsicheren Reisebestimmungen gestrichen

werden.

Die Spielfreude, aber vor allem auch die

Freude, endlich wieder vor Publikum zu

spielen, war bei den beiden Konzerten förmlich

sicht- und hörbar. Ein selten gespieltes

Medley der schwedischen Popgruppe

ABBA, aus der Feder von Guido Rennert,

dem Haus- und Hofarrangeur des Musikkorps

Deutschen Bundeswehr, war der fulminante

Abschluss dieses Konzertreigens.

Nach dem Konzert fragte einer der jungen

Posaunisten den Dirigenten, wann

die nächste Probe sei. Ein schöneres Lob

könnte es wohl kaum geben.

Stephan Niederegger

Hörbeispiele

Hymn to The Fallen

Schönfeld-Marsch

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 11. März 2022

KulturFenster

17 01/Februar 2022


hinausgeblickt

bewegt

Musik in Bewegung

Workshop mit der showband.CH

in Jenesien

https://vsm.bz.it

30.04.2022

Cäcilienkonzert der

Musikkapelle Auer

Erinnerung an den 120. Geburtstag von Sepp Thaler

Die Musikkapelle Auer beim Cäcilienkonzert 2021 in der Aula Magna in Auer

Fotos: Peter Simonini

Nach einem Jahr Pause fand am 13. November

2021 in der Aula Magna in Auer wieder

das traditionelle Cäcilienkonzert der

Musikkapelle Auer statt.

Im Gedenken an den 120. Geburtstag von

Sepp Thaler umrahmten zwei seiner Werke

das Konzertprogramm, welches Kapellmeister

Arnold Leimgruber in sehr gelungener

Weise zusammengestellt hatte. So

begrüßten etwa die herrlichen Blechbläserklänge

aus Thalers Werk „Präludium

Heroicum“ die Zuhörer*innen.

Weiter ging es im Programm, hervorragend

moderiert von Maria Magdalena

Graiff-Zwerger, mit Arthur Sullivans Operette

„The Pirates of Penzance“, in einer

Bearbeitung von John Philip Sousa.

Das melodische und gänsehautreife, aber

auch mitreißende Stück „Emperor“ von

Thierry Deleruyelle ließ die Zuhörer endgültig

in die Welt der Blasmusik eintauchen.

Direkt darauf folgte das bekannte

Werk „Gabriel’s Oboe“ von Ennio Morricone.

Die Hauptmelodie wurde dabei bravourös

von der Solistin Anna Sofia Franceschini

interpretiert.

Auch Oliver Waespis dreiteilige Komposition

"Caledonia" überzeugte mit solistischen

Passagen, dynamischen Kadenzen

und ausgewogenen Tutti-Klängen.

Ein sehr bekanntes Stück präsentierte die

Musikkapelle anschließend mit Dimitri Shostakovitchs

„The Second Waltz“, dessen

Melodie in den Ohren des einen oder anderen

Zuhörers vielleicht noch nachhallt.

Mit dem Pasodoble „Puenteareas“ von

Reveriano Soutullo wurde das Publikum

nochmals in die spanische Musikwelt entführt.

Ausgefeilt kontrastierende Piano- und

Fortestellen charakterisieren dieses Werk.

Einen weiteren Ausflug in die Filmmusik

wagte die Musikkapelle Auer am Ende des

Programms mit dem spannungsgeladenen

Medley „At the Movies With Danny Elfman“.

Auf den langanhaltenden Applaus des Publikums

folgten zum Abschluss die beiden

Zugaben „Perfect“ von Ed Sheeran und der

Marsch „Schloss Auer“ von Sepp Thaler,

die das Konzert treffend abrundeten.

Jasmine Oberrauch

KulturFenster

18 01/Februar 2022


persönlich

Sepp Thalers musikalisches Erbe

Eine Analyse von VSM-Ehrenkapellmeister Gottfried Veit

Im „KulturFenster“ Nr. 3/2021 (S.39) hat

VSM-Ehrenkapellmeister Gottfried Veit bereits

an den großen (Blas-)Musikpionier

Südtirols anlässlich seines 120. Geburtstages

am 9. Juni erinnert. Am kommenden

10. März jährt sich zum 40. Mal Sepp Thalers

Todestag. Veit analysiert dazu im folgenden

Beitrag, was von Thalers vielfältigem

musikalischen Erbe geblieben ist.

Kreativität als

„Lebenselixier“

Die deutsche Schriftstellerin Hedwig Maria

Staffa sagte einmal: „Kreativität kennt

weder Monotonie noch Langeweile, sie ist

eine optimale Begleiterin, in guten wie in

schlechten Lebenslagen“. Sepp Thaler war

ohne Zweifel in mehrerlei Hinsicht ein kreativer

Mensch. Dies kommt nicht nur in

seinen über 100 Kompositionen, sondern

auch in seinem Leben immer wieder deutlich

zum Ausdruck.

Um sich ein musikalisches Fundament zu

schaffen, ging Sepp Thaler bereits als Kind

regelmäßig zum damaligen Kooperator Nikolaus

Pfaffstaller in Auer, um Gesangs- und

Klavierunterricht zu nehmen. Da seine Vorfahren

Kaufleute waren, wurde Sepp Thaler

in seinen jungen Jahren in die Handelsschule

nach Feldkirch geschickt. Auch dort

war er kreativ genug, neben der Ausbildung

zum Kaufmann bei Prof. Alois Both Unterricht

in Klavier- und Orgelspiel zu nehmen.

In seine engere Heimat zurückgekehrt, betätigte

er sich – neben seinen Brotberuf als

Kaufmann – spontan und mit größter Begeisterung

auch als Kapellmeister, Chorleiter

und Organist. 1937 trat Thaler als Aktivist

dem Völkischen Kampfring Südtirol

bei. Als ervom damaligen faschistischen

Regime aus politischen Gründen in einem

„Scheinprozess“ vom Tribunal in Trient zu

fünf Jahren Haft verurteilt wurde, setzte er

wieder seine Kreativität ein und gründete

im Gefängnis von Trient mit seinen Leidensgenossen

einen Männerchor, der sogleich

das Südtiroler Heimatlied „Wohl ist

die Welt so groß und weit“ anstimmte. Dies

wurde von der Gefängnisleitung alles eher

als gerne gesehen, aber brachte Licht in

Anm.d.Red.: Zur historischen Einordnung von Sepp Thalers Tätigkeit und Wirken wird auf die im

Universitätsverlag Wagner erschienene Publikation „In Treue fest durch die Systeme“ verwiesen.

diese dunkle Zeit. Als er im Zuge der Option

vorzeitig das Gefängnis verlassen durfte,

jedoch des Landes verwiesen wurde, kam

er nach Innsbruck. In der Tiroler Landeshauptstadt

kam er schon bald in Kontakt

mit Josef Eduard Ploner und Sepp Tanzer,

die zur damaligen Zeit zu den prominentesten

Vertretern des Tiroler NS-Musikbetriebes

zählten. Obwohl Sepp Thaler dort

u. a. auch die Innsbrucker HJ-Kapelle lei-

KulturFenster

19 01/Februar 2022


persönlich

Das „Präludium

heroicum“ mit der

Widmung an den

Lehrer Josef Eduard

Ploner

Im Werk „Die Etsch“

beschreibt Sepp

Thaler mit musikalischen

Ausdrucksmitteln

den Verlauf

des Flusses von seinem

Ursprung bis

zur Mündung.

Der Marsch „Mein

Heimatland“ beinhaltet

im Trio

das bekannte Lied

„Wohl ist die Welt

so groß und weit“.

KulturFenster

20 01/Februar 2022


Blasmusik

Mit spitzem Humor

nimmt Sepp Thaler,

der selbst passionierter

Kartenspieler

war, im „Perlagger-

Lied“ die Kartenspieler

und ihre Weinseligkeit

aufs Korn.

tete, war er wieder kreativ genug, um parteipolitisch

eher im Hintergrund zu bleiben.

Er nützte beispielsweise spontan die

Gelegenheit, beim damals sehr geschätzten

Tiroler Komponisten Josef Eduard Ploner

Unterricht in Harmonielehre und Kontrapunkt

zu nehmen. Als Thaler im Jahre

1943 wieder nach Südtirol zurückkehren

durfte, war seine musikalische Kreativität

natürlich allerorts gefragt. Er leitete

Musikkapellen und Chöre, wurde in Auer

wieder Organist und erhielt auch den Auftrag,

das Blasmusikwesen in Südtirol zu

reorganisieren. Der damalige Höhepunkt

seiner musikalischen Karriere war sicherlich

die Ernennung zum Landeskapellmeister

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

im Jahre 1948. Im VSM hatte er dann

bis 1980 – ganze 32 Jahre lang – die Möglichkeit,

all sein musikalisches Können und

Wissen vielfältig einzusetzen.

Das kreative Schaffen

Sepp Thalers

Denkt man an die Kreativität Sepp Thalers,

so bringt man diese vor allem mit seinen

Kompositionen in Verbindung. Zu seinem

kompositorischen Gesamtwerk zählen die

symphonische Dichtung „Die Etsch“, fünf

Konzertouvertüren, acht festliche Blasmusikstücke,

zwei Suiten, fünf Potpourris,

drei Konzertwalzer, fünf Solostücke mit

Blasorchesterbegleitung, rund 40 Märsche,

acht kirchliche Blasmusikwerke, über 20

volkstümliche Männerchorlieder, drei Singspiele

und eine ganze Reihe Gelegenheitskompositionen.

Sepp Thaler ist zudem auch

Verfasser mehrerer Gedichte.

Zu seinem 40. Todestag ist es legitim, sich

die Frage zu stellen: „Was ist von all seinen

Werken geblieben?“ Für einen Komponisten

ist es ebenfalls legitim zu fragen:

„Welche Werke werden ihn möglichst lange

überleben?“ Bei Sepp Thaler könnten dies

vor allem vier Werke sein: das „Präludium

heroicum“, die symphonische Dichtung

„Die Etsch“, der Marsch „Mein Heimatland“

und das „Perlagger-Lied“.

Blasmusik von

nachhaltigem Wert

Das heldenhafte Vorspiel für Blasorchester

mit dem Titel „Präludium heroicum“ entstand

noch während seiner Lehrzeit bei

Josef Eduard Ploner, erschien aber erst im

Jahre 1961 beim Philipp Grosch-Verlag in

München im Druck. Diese Komposition verarbeitet

vordergründig zwei markante Themen

– beinhaltet u. a. ein ausdruckstarkes

Fugato – und besticht den Hörer auch ohne

falsches Pathos.

Seine umfangreichste Komposition für Blasorchester

„Die Etsch“ bezeichnet Sepp

Thaler als „dreiteiliges Werk“. Es gehört

eindeutig zur Gattung der Programm-Musik

und erzählt mit klanglichen Mitteln den

Werdegang des größten Flusses Südtirols,

von seiner Quelle bis zur Mündung. Erstmals

erklungen ist dieses Blasorchesterwerk

beim Festkonzert anlässlich des ersten

Südtiroler Landesmusikfestes 1951

im Kursaal von Meran. Die Uraufführung

wurde von der Musikkapelle Algund übernommen,

die zu diesem besonderen Anlass

Sepp Thaler selbst dirigierte. Das Notenmaterial

dieser Komposition wurde damals

noch im Lichtpausverfahren von Emil Hornof

vervielfältigt, um es auch anderen Klangkörpern

zugänglich zu machen. Die eigentliche

Drucklegung erfolge erst 18 Jahre

später, als der deutsche Musikverlag Wilhelm

Halter „Die Etsch“ 1969 in sein Verlagsprogramm

aufnahm. Seither erlebte

diese „Originalkomposition für Blasorchester“,

wie man damals mit Nachdruck anmerkte,

zahlreiche Aufführungen.

Von den rund 20 im Druck vorliegenden

und einer ungefähr gleichen Anzahl nicht

gedruckter Märsche aus der Feder Sepp

Thalers sticht vor allem einer hervor: es

ist der Marsch „Mein Heimatland“. Diese

wohl meistgespielte Marschkomposition

Thalers entstand bereits im Jahre 1944,

wurde aber erst 1966 beim Musikverlag

Georg Bauer in Karlsruhe veröffentlicht.

Sie ist bewusst traditionell gehalten, verhältnismäßig

leicht ausführbar und verdankt

ihre Popularität nicht zuletzt jenem

Umstand, dass sie im Trio das allseits beliebte

Südtiroler Heimatlied „Wohl ist die

Welt so groß und weit“ beinhaltet. Dieser

praxisorientierte Marsch, der die Musikalität

der Ausführenden besonders anspricht,

wurde im Laufe der Zeit sozusagen zur inoffiziellen

Hymne Südtirols.

Eine Gasthausepisode wird

zum bekannten Lied

Von den zahlreichen dialektalen Männerchorliedern,

die am Schreibtisch Sepp Thalers

entstanden sind, ist eines besonders

oft zu hören: das „Perlagger-Lied“. Wie

bei allen seinen Männerchorliedern verfasste

Thaler auch bei diesem Lied nicht

nur den Text und die Melodie selbst, sondern

steuerte auch noch einen hübschen,

ins Ohr gehenden, vierstimmigen Satz bei.

Das „Perlagger-Lied“ ist inhaltlich die authentische

Schilderung einer wahren Begebenheit

anlässlich eines Kartenspiels

im Gasthaus „Zur Rose“ in Auer, dem Geburts-

und Wohnort Sepp Thalers. Dieses

mit viel Humor gespickte Lied liegt bereits

seit vielen Jahren beim Musikverlag Carl

Haslinger in Wien gedruckt vor.

Gottfried Veit

KulturFenster

21 01/Februar 2022


hinausgeblickt

EUREGIO JBO

Uraufführung: 50 Jahre

Zweites Autonomiestatut

im Kursaal Meran

https://vsm.bz.it

07.05.2022

Die Blasmusik ist

sein Leben

Zum 80. Geburtstag von Rudolf Troger

Der Jubilar Rudolf Troger mit Erwin Hölzl im Kreise seiner „Goldies"

Vor Kurzem hat Rudolf "Rudl" Troger seinen

80. Geburtstag gefeiert. Da er weit über

Girlan hinaus bekannt ist, trudelten Gratulationen

aus allen Himmelsrichtungen ein.

Bereits am Vorabend des 18. Dezember

überraschte eine Abordnung der

Bürgerkapelle Gries mit Kapellmeister

Georg Thaler den Jubilar mit einem Geburtstagsständchen.

Riesenfreude

Nicht minder freute sich Rudl über den

musikalischen Weckruf am Geburtstagsmorgen,

der ihm vom VSM-Ausschuss des

Bezirks Bozen überbracht wurde, ein Zeichen

des Dankes für die langjährige Tätigkeit

Trogers als Kassier und Obmann

des Bezirkes Bozen.

Man darf getrost sagen, dass der Jubilar

sein Herz an die Blasmusik verloren

hat. Viele Jahrzehnte hindurch war er in

verschiedenen Funktionen für den VSM

tätig. So ist Rudolf Troger Ehrenmitglied

der Bürgerkapelle Gries, Ehrenobmann

des Bezirks Bozen im VSM und Gründer

der Seniorenkapelle „Die Goldies“.

Der Geburtstag war wie aus dem Bilderbuch:

strahlender Sonnenschein und

ein Bläser-Quartett von Freunden empfingen

den Jubilar, die Familie und geladenen

Gäste im Hotel „Holzner“ in Oberbozen

mit klingendem Spiel. Eine Gruppe

der „Goldies“ wartete mit zwei Uraufführungen

auf, die eigens für den Jubilar

komponiert wurden: „Ein Hoch dem Jubilar“

von Konrad Kofler und die „Rudl-

Polka“ von Karl Hanspeter, arrangiert von

Dieter Viehweider.

Organisator und Freund Erwin Hölzl überreichte

Rudolf Troger einen Abzug der

beiden Musikstücke im Bildformat. Von

Musik und Gesang begleitet endete die

überaus gelungene Feier. Erfreut über

viele freundschaftliche Begegnungen und

gut gelaunt verabschiedete der Jubilar

die Geburtstagsgäste mit dem Wunsch,

alle schon bald gesund wiederzusehen.

Veronika Andrich

KulturFenster

22 01/Februar 2022


komponiert

„Elegia Amarcord“

von Heinrich Unterhofer

Eine Nostalgie der Vergangenheit ...

vom Blechbläserquintett zum Blasorchester

Heinrich Unterhofer, ein künstlerisch

begabter wie weltoffener

Südtiroler Musiker mit

Sarner Wurzeln, kann auf eine

ebenso vielfältige wie erfolgreiche

Tätigkeit als Komponist,

Dirigent und Videokünstler

verweisen.

Musikalischer

Werdegang

Heinrich Unterhofer, 1958 in

Sarnthein geboren, erlangte

nach dem Beginn seines Studiums

am Konservatorium

„Claudio Monteverdi“ in Bozen

bei Francesco Valdambrini

(Komposition) und Orgel-Unterstufe

bei Ezechiele

Podavini 1992 sein Diplom

in Komposition bei Maestro

Azio Corghi am Konservatorium

„Giuseppe Verdi“ in Mailand.

1985/86 besuchte er

Kompositionskurse in Siena

an der „Accademia Chigiana”.

1987/88 nahm er am

Kompositionskurs bei Sylvano Bussotti in

Fiesole teil.

Akademische und

didaktische Tätigkeit

Heinrich Unterhofer unterrichtete Harmonielehre

am Konservatorium „Pedrollo" in

Vicenza und Komposition an den Konservatorien

von Bari und Cosenza. Seit dem

Jahr 1992 hat er die Professur für Komposition

am Konservatorium „Claudio Monteverdi“

in Bozen inne. Von 1993 bis 1995

war Heinrich Unterhofer künstlerischer

Leiter der Abteilung Musik im Südtiroler

Künstlerbund (SKB) Bozen. Von 2014 bis

2017 war er Rektor der Hochschule für

Musik „Claudio Monteverdi“ in Bozen.

Zurzeit unterrichtet er dort Komposition

und Komposition für Elektronische Musik.

Für das Jahr 2018/19 hat er einen Lehrauftrag

im Fachbereich Medienproduktion

„Freies Projekt“ an der Hochschule

OWL in Detmold erhalten.

Heinrich Unterhofer

als Komponist

Als wichtige Auftragswerke komponierte

er die Kinderoper „UFO” für den Südtiroler

Sängerbund, das Singspiel „Der große

Mäuseprozess zu Glurns” für die Vereinigten

Bühnen Bozen (VBB), die Kirchenoper

„Genesis Requiem” für das Festival

Musik und Kirche von

Trient, Bozen und Klausen

und für das Kunstfestival

von Sella di Borgo Valsugana.

2004/2005 wurde die

Konzertsaison des Haydn-

Orchesters von Bozen und

Trient mit seinem sinfonischen

Werk „Arcus pulcher

aeteri" eröffnet und

2005 seine Komposition

für Orchester „Francesco e

Chiara D’Assisi“ im Rahmen

der „Incontri di musica Sacra

Contemporanea“ unter

eigenem Dirigat in Klausen

und Rom uraufgeführt. Auch

gibt es mehrere Aufnahmen

und Aufzeichnungen für die

RAI in Bozen und Trient,

für den ORF in Innsbruck

und für das Mailänder Label

M.A.P. Seine Werke wurden

von Rugginenti (Mailand),

Edipan (Rom), Pizzicato

(Udine), Kliment (Wien) und

A. Böhm & Sohn (Augsburg)

veröffentlicht. Sein Liederzyklus

„Polnische Dörfer” zu

Texten von Sepp Mall wurde am ORF Innsbruck

uraufgeführt und verzeichnete bei

der Wiederaufführung durch das „Amarida

Ensemble" großen Erfolg.

Sein Streichquartett „SUDOKU“ wurde

vom Minguett Quartett (Köln) uraufgeführt.

Im April 2014 wurde die Uraufführung

seines Werkes „Canticum Ascensionum

IV“ durch das Haydnorchester von

Bozen und Trient gespielt. Im Mai 2014

wurde seine multimediale Oper „Das

Narrenschiff“, eine Auftragskomposition

für die OWL Biennale mit Einbeziehung

der Wellenfeldsynthese, an der HfM in

Detmold uraufgeführt. 2018 wurde sein

„Amor Requiem“ für Frauenchor, Viola

und Orgel in der Kathedrale San Vitale

in Ravenna uraufgeführt.

KulturFenster

23 01/Februar 2022


komponiert

„Elegia

Amarcord“

Als ich noch ein junger Komponist war, habe

ich mir dieses Stück für ein Blechbläserquintett

ausgedacht. Es blieb in der Schublade,

wie es bei neuer Musik oft der Fall

ist, aber vor Kurzem nahm sich ein gutes

Blechbläserquintett die Mühe es aufzuführen.

Ich persönlich war begeistert und

gleichzeitig auch ein bisschen verlegen,

schließlich war es eine jugendliche Komposition,

und so besuchte ich das Konzert

eher widerwillig. Zu meiner großen Überraschung

war die Aufführung wirklich bewegend

und hatte eine große Wirkung auf

mich und das Publikum.

Nachdem ich das Stück und sein kompositorisches

Potenzial wiederentdeckt hatte,

dachte ich daran, es für ein symphonisches

Orchester zu entwickeln. Also überlegte ich

mir, die Komposition wieder aufzunehmen,

die Idee zu vertiefen und auszuarbeiten.

Das ursprüngliche kompositorische Material

wollte ich aber beibehalten und es erneut

dem Blechbläserquintett anvertrauen, um

es dann mit der großen Textur eines symphonischen

Blasorchesters zu verschmelzen.

Die Herausforderung, die ich anscheinend

gewonnen habe, bestand darin, die

kompositorische Sprache meiner Jugend

mit meiner heutigen künstlerisch-kreativen

Vision zu verbinden.

Der Untertitel „Amarcord", den ich instinktiv

mit dem berühmten Film von Federico

Fellini verbinde, erklärt das Thema, mit

dem ich mich beschäftige: persönliche

Erinnerungen, die Nostalgie der Vergangenheit,

die musikalisch auftaucht und

eine Art Programmmusik hervorbringt,

und von Momenten, die ein Musiker und

Mensch erlebt hat.

Heinrich Unterhofer

Ottavino

Flauto 1-2

Oboe 1-2

Clarinetto in Mib

Clarinetto in Sib 1

Clarinetto in Sib 2-3

Clarinetto contralto in Mib

Clarinetto basso in Sib

Clarinetto contrabbasso in Sib

Fagotto 1-2

Sax contralto in Mib 1

Sax contralto in Mib 2

Sax tenore in Sib

Sax baritono in Mib

Tromba in Sib 1

Tromba in Sib 2

Tromba in Sib 3

Corno in Fa 1-3

Corno in Fa 2-4

Cornetta in Sib 1-2

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Trombone 1

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Trombone 2

Trombone 3

Trombone basso

Eufonio 1-2

Tuba 1-2

Timpani

Incudine

Triangolo

Campane tubolari

Piatto sospeso

Piatti

Tam-tam

Tambourine

Rullante

Gran cassa

Glockenspiel

Vibrafono

Marimba

Contrabbasso a corde

Con ampio respiro q = 54

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Edited by: EDIZIONI MUSICALI M.BOARIO & C. S.a.s. C.so Galileo Ferraris, 7- Torino - Italy - Phone +39.3392791793

Copyright 2021 by Edizioni Musicali M. Boario & C. S.a.s. Tutti i diritti riservati - Tous droits réservés - All rights reserved

Printed in Italy - Imprimé en Italie.

E.B. 158

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Heinrich Unterhofer

Ein Ausschnitt aus der Partitur zu “Elegia Amarcord”

und der QR-Link zum Probehören

3

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In folgenden Links zu Soundcloud und YouTube sind Beispiele des künstlerischen Schaffens von Heinrich Unterhofer zu finden.

https://soundcloud.com/

heinrichunterhofer

https://www.youtube.com/watch?v=ky_DR_VuL1A

https://www.youtube.com/watch?v=Aik3qYmds-I

https://www.youtube.com/watch?v=bjsHdxODtQ8

https://www.youtube.com/watch?v=oqPZZg87PxA

KulturFenster

24 01/Februar 2022


Blasmusik

Medium Film und

Videokunst

Sein Schaffen hat er auf das Medium Film

und Videokunst ausgedehnt. In beiden Disziplinen

ist er sehr erfolgreich, was ihm anlässlich

seiner Auftritte beim Festival „TV

Zero“ (Premio speciale) in Meran, beim

Filmmusikwettbewerb „Rimusicazioni Harlock“

in Bozen (dritter Preis) und beim internationalen

Festival „Religion Today“ in

Trient bestätigt wurde. Sein Werk „Train“

aus seiner multimedialen Oper „Borderline“

wird zunächst exklusiv vom ORF und

anschließend anlässlich des Transart-Festivals,

ausgestrahlt. Seine experimentelle

Musik wird im Rahmen wichtiger Ausstellungen

uraufgeführt,wie u.a. in „Augenmusik“,

„Words Place“ im Museum für

Zeitgenössische Kunst in Genf, bei „Seven

Sins“ und bei „POINT OF LIGHT“,

einer Ausstellung im Museion – Museum

für Moderne und Zeitgenössische Kunst

in Bozen.

Vielseitiger Dirigent

Neben der vorrangigen Tätigkeit als Komponist

ist Heinrich Unterhofer auch als

Dirigent tätig, wobei das Hauptaugenmerk

auf die Verwirklichung neuer Musikprojekte

für Orchester und Ensembles

gerichtet ist. Sein Dirigatstudium

begann im Jahre 2004 an der Akademie

von Pescara mit Maestro Gilberto

Serembe. 2005 studierte er bei Maestro

Romolo an der Europäischen Akademie

in Vicenza. Im selben Jahr besuchte er

Dirigatkurse für Neue Musik in Monza

bei Maestro Sandro Gorli. Von 2006 bis

2011 studierte er bei Edgar Seipenbusch

in Innsbruck, mit welchem er sich in das

romantische und moderne Repertoire

sowie in das Opernrepertoire vertiefte.

Er dirigierte eigene Werke wie „Borderline”

(1997), “Francesco e Chiara degli

Angeli” mit dem Cantelli-Orchester von

Mailand (2007), König Yu” nach einem

Märchen von Hermann Hesse und die

Kirchenoper „Genesis Requiem” (2012)

sowie eine große Bandbreite klassischer

Werke namhafter Komponisten. Aber auch

Kompositionen junger Komponisten aus

Bozen und Udine brachte er 2013 für

ein Austauschprojekt zwischen beiden

Hochschulen zur Aufführung. Im September

2018 dirigierte er sein „Amor Requiem“

für Frauenchor, Viola und Orgel

in der Kathedrale San Vitale in Ravenna.

Die Komposition „Elegia Amarcord“ für

Blasorchester wurde beim dritten Kompositionswettbewerb

für Symphonisches

Blasorchester „Angelo Inglese“ mit einer

„Menzione Speciale“ ausgezeichnet. Die

Partitur wurde im Verlag M. Boario in Turin

veröffentlicht (https://www.mboario.com/

epages/990428805.sf/it_IT/?ObjectPath=/

Shops/990428805/Products/203).

Andere Uhraufführungen seiner Werke

mussten coronabedingt leider vertagt

werden und kommen daher erst im kommenden

Jahr zur Aufführung.

Heinrich Unterhofer

KulturFenster

25 01/Februar 2022


entdeckt

„Cäcilien-Messe“ von Gottfried Veit

Plenar-Messe für gemischten Chor, Kantor,

Volksgesang und Blasorchester (oder Orgel)

Am Cäcilien-Sonntag 2019 erlebte die

„Cäcilien-Messe“ von Gottfried Veit eine

denkwürdige Uraufführung in der weiträumigen

Heilig-Kreuz-Kirche von Lana. Bei

dieser erstmaligen Darbietung wirkten nicht

weniger als fünf Chöre, ein Kantor, die Bürgerkapelle

Lana sowie das Kirchenvolk von

Lana mit. Die Gesamtleitung lag dabei in

den bewährten Händen von Martin Knoll.

Leider gab es von dieser Messkomposition

coronabedingt bis heute keine weitere

Aufführung mehr.

Diese mit elf Messteilen breit angelegte sakrale

Komposition ist in mehrerlei Hinsicht

eine „Plenarmesse“: zum einen deckt sie

sowohl die Ordinariums- als auch die Propriumsgesänge

ab und zum anderen vereint

sie besetzungsmäßig alle musikalischen

Kräfte einer Dorfgemeinschaft. Sie stellt somit

im wahrsten Sinne des Wortes eine „Gemeinschaftsmesse“

dar. Stilistisch ist diese

neue „Cäcilien-Messe“ zwar streng tonal gehalten,

weist aber mit ihrer etwas neueren

Tonsprache ebenso auch in die Zukunft.

Natürlich können davon auch nur einzelne

Teile, die allesamt eine unüberhörbare Geschlossenheit

aufweisen, aufgeführt werden.

Der Schwierigkeitsgrad der vier Chorstimmen

bewegt sich bewusst in relativ engen

Grenzen. Auch die Instrumentation des Blasorchesters

ist so angelegt, dass sämtliche

Solo-Stellen von sogenannten „Mangelinstrumenten“

in adäquaten anderen Instrumentalstimmen

als Stichnoten aufscheinen. Für

Darbietungen in kleinerer Besetzung kann

das Blasorchester zudem durch eine Kirchenorgel

ersetzt werden.

Die ansprechend und übersichtlich gestaltete

Notenausgabe besteht aus einer Gesamtpartitur,

einer Chorpartitur, Instrumentalstimmen

für großes Blasorchester, einer

Orgelstimme sowie einer Singstimme für

den Gemeindegesang.

Ferruccio Delle Cave

Die „Cäcilien-Messe“ von Gottfried Veit ist

eine Gemeinschaftsmesse, die viel Raum

für aktive Beteiligung bietet.

Erschienen im Tirol Musikverlag

noten@tyrolis.com

Meilstrasse 36, A-6170-Zirl

Tel.: 0043(0)5238/515

Young Stars

„Die kleine Orchesterschule“ von Willibald Tatzer

Sieht man einmal von der Corona-Pandemie

ab, so kann man sagen: Noch nie

haben so viele Kinder und Jugendliche

ein Blas- oder Schlaginstrument erlernt

wie heute. Sowohl im Einzel- als auch im

Gruppenunterricht können derzeit junge

Leute ein beachtliches musikalisches Niveau

erreichen. Neben dieser begrüßenswerten

Aus- und Weiterbildung mangelt es

mancherorts jedoch an der ebenso wichtigen

Pflege des Zusammenspiels. Gerade

die Fähigkeiten im Ensemblespiel sind vor

allem beim Eintritt in eine Musikkapelle

von großer Bedeutung.

Um diesem Manko entgegenzutreten, verfasste

der niederösterreichische Komponist

und Verleger Willibald Tatzer mehrere

einfache Musikstücke in ebenso

einfachen Ton- wie Taktarten und instrumentierte

diese für eine kleine Bläserbesetzung,

in der alle gebräuchlichen Instrumente

eines Blasorchesters vorkommen.

Das Positive dieser Veröffentlichung ist

zweifelsohne die Tatsache, dass alle Instrumente

in einem geringen Tonumfang

und mit einfacher Rhythmik musizieren,

eben nach dem Motto einer "kleinen Orchesterschule".Unter

den ausgewählten

Spielstücken befinden sich zum einen

bekannte Weisen, wie zum Beispiel

„Hänschen klein“ oder „Guten Abend,

gute Nacht“, zum andern zeitnahe Musiknummern

wie „Haki Paki Monster“ oder

„Hipp Hopp Rock“, die der Autor selbst

beigesteuert hat.

Nachdem das Musizieren im deutschen

Sprachgebrauch mit „Spielen“ bezeichnet

wird, können Kinder und Jugendliche

mit dieser Musiksammlung sozusagen

„spielend“ ins „Orchesterspiel“

eingeführt werden.

Gottfried Veit

KulturFenster

26 01/Februar 2022


kurz notiert

kurz notiert –

das neue „Musikpanorama“

… für Nachrichten aus den Musikkapellen

Wenn wieder Proben, Auftritte und

Veranstaltungen von Musikkapellen

möglich sind, laden wir auch wieder

ein, uns Berichte davon zukommen

zu lassen. Im Zuge der Neugestaltung

des „KulturFensters“ ist die

ehemalige Rubrik „Musikpanorama“

in „kurz notiert“ unbenannt worden;

sie soll aber weiterhin als Plattform für

die Berichterstattung aus den Musikkapellen

und damit zu einem regen

Erfahrungsaustausch genutzt werden.

Damit aber alle Artikel Platz fi nden

können, ist es notwendig, dass die jeweiligen

Texte nicht mehr als 1.500

Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen.

Die Berichterstatter*innen der Musikkapellen

sind gebeten, diese Vorgabe

einzuhalten. Ein aussagekräftiges und

vor allem drucktaugliches Foto – in

entsprechend guter Auflösung und mit

Bildtext – ist ebenfalls immer sehr willkommen.

Bitte auch immer den Redaktionsschluss

beachten!

Wir freuen uns auf viele „kurz notierte“

Meldungen!

Die Redaktion

Musikkapelle Luttach. Projekt Klangspuren

Mit neuen Ideen und Konzepten durch das Krisenjahr 2021

Nichts tun und abwarten war für 60 eifrige

Musikant*innen der Musikkapelle Luttach

auch in Zeiten der Pandemie nie eine Option.

Deshalb galt es, neue Konzepte und

innovative Lösungen für Proben und Auftritte

zu entwickeln. Alle Ideen und Überlegungen

wurden schließlich im Projekt

„Klangspuren“ kombiniert: 6 Ensembles,

12 Stücke, professionelle Ton- und Videoaufnahmen.

Kapellmeister Patrick Künig hat ein umfang-

und abwechslungsreiches Programm

zusammengestellt. Die Bandbreite reichte

von besinnlichen Weisen über stimmungsvolle

Polkas bis hin zu moderner zeitgenössischer

Literatur. Das Probelokal wurde

in ein Tonstudio verwandelt, wo in Zusammenarbeit

mit dem "Newport Studio" aus

St. Lorenzen die Tonaufnahmen entstanden.

Im darauffolgenden Monat fanden

an zwei Drehtagen die Filmaufnahmen

statt, geleitet vom Team von Daniel Demichiel

aus Bruneck. Orte, Hotels sowie Sehenswürdigkeiten

in Luttach und im gesamten

Ahrntal wurden dafür in Szene

gesetzt. Ende August wurden die Stücke

unserem Publikum im Rahmen eines Ensemblekonzertes

in Luttach vorgestellt. Im

Herbst hielten wir dann die fertige CD und

die Videos in Händen; diese gingen nach

und nach auf unserer Homepage und in

den sozialen Medien online.

Zurückblickend können wir mit Stolz behaupten,

dass das Projekt ein voller Erfolg

war. Wir haben vielerlei neue Erfahrungen

gesammelt und viel gelernt, in musikalischer

wie auch organisatorischer Hinsicht.

Das Krisenjahr 2021 hat uns gezeigt, dass

es sich lohnt, neue Wege einzuschlagen,

um so die Motivation und Freude unserer

Musikant*innen am Musizieren weiter zu

fördern und unserem Publikum neue Facetten

der Blasmusik nahezubringen.

Musikkapelle Luttach

Mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung und des Tourismusvereins Ahrntal sowie des

Bildungsausschusses von Luttach konnte die Musikkapelle Luttach ein innovatives Projekt

umsetzen – im Bild eine Gruppe bei Filmaufnahmen.

KulturFenster

27 01/Februar 2022


Beim Cäcilienkonzert der Musikkapelle

Auer am vergangenen 13. November wurde

die Gelegenheit genutzt, um neue Mitglieder

offiziell in die Musikkapelle aufzunehmen

sowie einem Mitglied die ihm zugedachte

Ehrung zu überreichen.

Dem ehemaligen Obmann der Musikkapelle

Auer, Manfred Abram, wurde aufgrund

seiner 12-jährigen Tätigkeit als

Obmann (2008 bis 2020) das Verdienstzeichen

in Silber des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen verliehen. Insgesamt

war Manfred 26 Jahre im Ausschuss der

Musikkapelle Auer tätig. Bezirksobmann

Stefan Sinn sowie Kapellmeister Arnold

Leimgruber und Obmann, Thomas Rech

gratulierten dem Geehrten herzlich und

dankten ihm für sein verdienstvolles Engagement.

Außerdem freute sich die Musikkapelle,

imRahmen des Konzertes acht Neuzugänge

begrüßen zu können. Sonja Pircher

an der Trompete und Anna Sofia

Franceschini an der Oboe sind beide bereits

seit 2020 bei der Musikkapelle. Sie

wurden jedoch erst beim diesjährigen Cäcilienkonzert

offiziell begrüßt. Neu dazukurz

notiert

hinausgeblickt

Musik in kleinen Gruppen

13. Landesmusikwettbewerb

in Auer – neuer Termin

https://vsm.bz.it

14.05.2022

Neuzugänge und eine Ehrung

bei der Musikkapelle Auer

Großer Dank an Manfred Abram für langjährigen Einsatz

Die Neuzugänge bei der MK Auer: (v. l.) Paul Oberrauch, Emma Kröss, Lena Nones, Noemi Falser, Emma Stenico, Philipp Heinz,

Martin Lintner

Foto: Peter Simonini

gekommen in diesem Jahr sind: Martin

Lintner und Paul Oberrauch (Trompete),

Emma Kröss (Klarinette), Emma Stenico,

Noemi Falser und Philipp Heinz (Saxo-

phon), Lena Nones (Marketenderin). Die

Musikkapelle wünscht allen viel Freude

beim Musizieren.

Jasmine Oberrauch

Ehrung bei der MK Auer: (v. l.) Bezirksobmann Stefan Sinn, die Marketenderinnen Lena

Nones und Claudia Lantschner, Kapellmeister Arnold Leimgruber, der ehemalige Obmann

Manfred Abram, Obmann Thomas Rech (Foto: Peter Simonini).

KulturFenster

28 01/Februar 2022


Blasmusik

Cäcilienfeier der Musikkapelle Welschnofen

Ein Aperitif als Rahmen für die Ehrung verdienter Musikant*innen

Bei der Cäcilienfeier der MK Welschnofen: (v. l.) Ehrenmitglied Ferdinand Kohler, Obmann

Jörg Seehauser, Philipp Pardeller, Johanna Haas, Johann Haas, Mirijam Kohler, Dietmar

Pardeller und Kapellmeister Karl Stuppner.

Am 21. November 2021 feierte die Musikkapelle

Welschnofen den traditionellen

Cäciliensonntag. Nach einem Jahr Pause

konnte diesmal die Feier unter Einhaltung

der geltenden Coronamaßnahmen

durchgeführt werden. Die Ehrungen einiger

verdienter Mitglieder erfolgten bei

einem Aperitif im Pausenhof der Grundschule

Welschnofen.

Neben den Musikant*innen mit deren

Ehepartnern, Marketenderinnen, Altmusikanten,

Ehrenmitgliedern und Patinnen

waren auch Bürgermeister Markus

Dejori, sowie Richard Dejori als Vertreter

der Raiffeisenkasse Schlern-Rosengarten

anwesend.

Der festliche Anlass wurde durch die feierlichen

Eröffnungsklänge der Klarinettengruppe

eingeleitet. Anschließend begrüßte

Obmann Jörg Seehauser alle Anwesenden.

Höhepunkt der Cäcilienfeier waren die Ehrungen,

die von Ehrenmitglied Ferdinand

Kohler durchgeführt wurden. An Philipp

Pardeller und Johanna Haas wurde das

VSM-Ehrenzeichen in Bronze für ihre

15-jährige Mitgliedschaft im Verein verliehen.

Für ihre 25-jährige Mitgliedschaft

erhielten Mirjam Kohler und Dietmar Pardeller

das Ehrenzeichen in Silber. Johann

Haas wurde das Große Ehrenzeichen in

Gold für seine 50-jährige Mitgliedschaft

verliehen. Mit großem Applaus und den

Klängen der „Schrammel“ aus den Reihen

der „Böhmischen“ ließ man zum Geehrten

hochleben.

David Knollseisen

Am 30. November 2021 feierte Josef Oberschmied

seinen 80. Geburtstag. Dazu gratulierte

ihm seine Musikkapelle Reischach

mit einem Geburtstagsständchen und einer

schlichten Feier im „Haus am Anger“.

Josef Oberschmied trat am Josefitag des

Jahres 1955 als 14-jähriger Klarinettist in

die Musikkapelle Reischach ein, wo er immer

noch die 1. Klarinette spielt. Schnell

machte sich Josef Oberschmied als Musikant

und später als Kapellmeister auch weit

über Reischach hinaus einen Namen. 1973

begann er seine Tätigkeit als Kapellmeister

in St. Georgen. 1982 trat er in Reischach

die Nachfolge von Alois Regensberger an

und übernahm das Amt des Kapellmeisters

der Musikkapelle Reischach, das

Zum 80. Geburtstag von

Josef Oberschmied

Die Musikkapelle Reischach gratuliert

ihrem Ehrenkapellmeister

er 27 Jahre lang (1982-1987 und 1991-

2012) ausübte. Neben seiner Tätigkeit in

Reischach leitete er auch über einen längeren

Zeitraum – und teilweise parallel –

die Bürgerkapelle Bruneck und die Musikkapelle

Percha.

Ein ganz besonderes Anliegen war

ihm stets die Jugendarbeit. Unzählige

Jungmusikant*innen fanden in Josef Oberschmied

ihren Lehrer, der sie förderte, motivierte

und in der Ausbildung begleitete.

Seine Tätigkeit als Instrumentallehrer an der

Musikschule Bruneck wird noch heute als

„kleine Revolution“ bezeichnet. Er brachte

nämlich den Aufbau der Holzblasregister in

den Pusterer Kapellen in Gang und trieb ihn

voran. Von 1968 bis 2001 war Josef Oberschmied

in mehreren Funktionen im VSM

Bezirk Bruneck tätig, unter anderem auch

als Bezirkskapellmeister.

Im Jahr 2009 wurde Josef Oberschmied in

der Innsbrucker Hofburg die Verdienstmedaille

des Landes Tirol für besondere Leistungen

im Bereich der Blasmusik verliehen.

2018 wurde er mit dem Verdienstkreuz in

Gold des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

ausgezeichnet.

Florian Lahner

Geburtstagsgratulation für den Ehrenkapellmeister:

Kapellmeister und VSM-VerbandsobmannPepi

Fauster, Josef Oberschmied,

Musikobmann Florian Lahner (v. l.)

KulturFenster

29 01/Februar 2022


Für Jugendliche muss

es auf jeden Fall

erstrebenswert sein,

im Chor oder in einem

Ensemble zu singen.

Es soll das Gefühl bei

den jungen Menschen

entstehen, mit ihren

Fähigkeiten gebraucht

zu sein.

KulturFenster 30

01/Februar 2022


hinausgeblickt

Wo sind die singenden Buben?

Schicksal oder ein Auftrag für die Chorleitung

Seit einigen Jahren ist es in Salzburg wieder

selbstverständlich, dass zahlreiche Jugendliche,

vermehrt auch junge Männer, in

Chören singen. Wie ist es möglich, dass

hier der Trend des Chorwesens durchbrochen

wird? Ist hier die Zeit stehen geblieben

oder ist Salzburg seiner Zeit voraus?

Was steckt dahinter – Zufall oder von langer

Hand geplante und strukturierte pädagogische

Arbeit?

Für Jugendliche muss es auf jeden Fall erstrebenswert

sein, im Chor oder in einem

Ensemble zu singen. Es soll das Gefühl bei

den jungen Menschen entstehen, mit ihren

Fähigkeiten gebraucht zu sein.

Das Interesse eines Jugendlichen am Chorgesang

spannt sich zwischen einem sogenannten

Motivationsquadrat: das Interesse

an der Musik und die Literaturauswahl,

Formen der Präsentation, gesellschaftliche

Faktoren und musikfremde Eindrücke.

Die geschickte Literaturauswahl ist die

"halbe Miete", aber auch nicht mehr. Nicht

zu selten überschätzen Chorleiter*innen

bei Jugendlichen das allumfassende Interesse

an Musik. Zwar konsumieren viele

Jugendliche tagtäglich stundenlang Musik,

das heißt aber meist nicht, dass Carl Orff

oder Renaissancemusik über das Handy

wiedergegeben werden. Wie kann ich also

Jugendliche von der groovigen Pop-Nummer

auch zum Beispiel zu Mozarts Requiem

begleiten, ohne hier wertend zu sein.

Es sind dabei also weitere Motivationsfaktoren

zu beachten, und plötzlich

singt eine Schülergruppe im

Linienbus lautstark das Dies Irae.

Was verbirgt sich nun hinter den

anderen Ecken des Motivationsquadrats?

Formen der Präsentation sind im ersten

Moment nicht immer positiv besetzt. Doch

jeder Musiker lebt bekanntlich auch vom

Applaus, von der Rückmeldung des Publikums,

der Freunde oder der Familie. "Gehen

wir hinaus und zeigen, was wir können."

Interessante Spielstätten, Konzerte

und Konzertreihen mit Medieninteresse,

Der SCV bietet auch Singwochen speziell für Jungs an.

originelle Projekte und nicht zuletzt eine

gute PR-Arbeit sind daher unerlässlich.

Gesellschaftliche Faktoren beziehen sich

auf alle Formen von chorübergreifenden

Projekten, Konzertreisen und alle weiteren

Aktivitäten, die das gewohnte

Chorumfeld verlassen.

Zur Person

Über den Tellerrand hinausblicken, heißt

bei chorübergreifenden Projekten, sich

auch in die Karten blicken zu lassen, die

Qualitäten des eigenen Chores und der

anderen Chorleiter*innen erkennen zu

lassen und einen Vergleich in der Chorarbeit

zuzulassen. Auch sämtliche weitere

gemeinschaftliche Erlebnisse außerhalb

Moritz Guttmann unterrichtet Musik, Chor und Vokalensemble

am Erzbischöflichen Privatgymnasium Borromäum

und an der privaten Bildungsanstalt für Elementarpädagogik

(BAfEP) in Salzburg. Außerdem lehrt er Didaktik des vokalen Musizierens,

Stimmbildung, Jugendchorpraktikum und Literatur für Kinder- und

Jugendchor an der Universität Mozarteum und an der Pädagogischen Hochschule

Salzburg. Er leitet zahlreiche Chöre und Ensembles in Salzburg.

2010 wurde er mit dem Erwin-Ortner-Preis für Chorleitung ausgezeichnet.

Moritz Guttmann ist Referent bei diversen Chorleiterseminaren und Juror

bei Chorwettbewerben.

31

KulturFenster 01/Februar 2022


hinausgeblickt

Die Chorleitung darf gerade bei Buben nicht vergessen, dass auch die männliche Identitätsfindung mitberücksichtigt werden muss –

im Bild der Salzburger Chor "Vok Schock".

der Probenarbeit fallen unter diesen Motivationsbereich.

Musikfremde Eindrücke beziehen sich auf

Aktivitäten und besondere Sehenswürdigkeiten

auf Ausflugsfahrten oder den Eindruck

eines besonderen Aufführungsorts.

Fehlt die Spannung an einer dieser Ecken,

werden dies andere Bereiche kompensieren

müssen, was nicht immer möglich

sein wird und der Chor läuft Gefahr, Motivationskraft

und in der Folge Mitglieder

zu verlieren.

Folgende grundlegende Gedanken sind

für das Singen mit Knaben und jungen

Männern wichtig:

Identitätsfindung und Rollenbild

Der singende Knabe und junge Mann

braucht im nicht als besonders männlich

besetzten Feld des Chorsingens eine besondere

Rolle. Es hat auch im weitesten

Sinne etwas mit Prestige zu tun. Was denken

meine Freunde über mich als Chorsänger?

Das reicht von Belächeln bis Bewunderung

mit allen Abstufungen, die

dazwischen liegen. Die Chorpädagog*innen

müssen ich diese Facette im Auge behalten

und diese Prozesse der Peergroup

(Gruppe von etwa gleichaltrigen Kindern

oder Jugendlichen mit gleichen oder ähnlichen

Interessen, die als primäre soziale

Bezugsgruppe neben das Elternhaus tritt)

regelrecht mitplanen.

Berührpunkt Singen

Ein jahrelang gehegter Wunsch aller

Chorpädagog*innen ist das tägliche Singen

in der Schule. Singen ist nicht nur einer

kleinen, talentierten Schar von „Sonderlingen“

vorbehalten, sondern ist das einzige

Instrument, das alle in sich tragen. Der

Schritt von der Rezeption zur Produktion,

vom passiven Erleben zum aktiven Musizieren

steht im Mittelpunkt. Dies ist übrigens

für das gesamte Chorwesen von großer

Bedeutung. Die Grundlage für die Freude

am Singen ist mittlerweile die Schule, früher

war es meist die Familie.

Rückzugsbereiche und individuelle Förderung

Die Koedukation, d.h. die gemeinsame

Bildung und Erziehung von Mädchen und

Jungen, hat im musischen Bereich nur bedingt

einen Platz. Für das Singen sollte die

Schule oder der Chor einen musikalischen

Rückzugsbereich für Burschen bieten,

eventuell in Form von getrennten Chorproben,

getrenntem Einsingen und stellenweise

getrenntem Chorprogramm. Vor

allem die Zeit des Stimmwechsels kann

mit diesen Rückzugsbereichen gut begleitet

werden – und die jungen Männer bleiben

uns im Chor erhalten.

Vielleicht können diese Gedanken anregen,

neue Wege im Chorgesang zu gehen, standortbezogene

Strategien zu entwickeln und

sich vor allem vom unentwegten Lamentieren

über die ach so bedauerliche Situation in

Bildung und Gesellschaft zu verabschieden.

Moritz Gutmann

KulturFenster 32

01/Februar 2022


SCV-Intern

Chorwesen

„Ich freue mich auf eine

spannende Zeit!“

Südtiroler Chorverband hat neue Mitarbeiterin

Seit Dezember hat die Geschäftsstelle des

Südtiroler Chorverbands eine neue Mitarbeiterin:

Monika Mair.

Jahrgang 1974 und in Bozen aufgewachsen

zog sie 1994 zum Studieren nach Innsbruck,

wo sie nach ihrem Abschluss einige

Jahre gelebt und gearbeitet hat. 2004

kehrte sie mit ihrem späteren Mann nach

Bozen zurück. Seit einigen Jahren leben

sie mit ihren zwei Töchtern in Mölten. Ihr

Wunsch, sich beruflich neu zu orientieren,

hat sie zum Chorverband geführt.

KulturFenster: Wo liegt Ihr Aufgabenbereich?

Monika Mair: Im Moment unterstütze ich

Helga Huber, die langjährige gute Seele

der Geschäftsstelle in Bozen, bei den Tätigkeiten

im Büroalltag. Ich versuche so

schnell und so viel wie möglich von ihr zu

lernen, um auf längere Sicht ihren Platz

einnehmen zu können. Helga wird in den

wohlverdienten Ruhestand wechseln. Bis

dahin kann ich von ihrem großen Erfahrungsschatz

profitieren und mich einarbeiten.

Es geht darum, die allgemeinen

Büroarbeiten auszuführen, Obmann

Erich Deltedesco und die Mitglieder der

Verbandsgremien sowie Geschäftsführer

Dietmar Thanei in ihrer Arbeit zu unterstützen,

organisatorische Aufgaben bei

den Fortbildungsangeboten und den Verbandstätigkeiten

zu erledigen und Auskünfte

und Hilfestellung bei Fragen der

Mitgliedschöre zu geben.

KF: Und Sie fühlen sich wohl hier beim

Chorverband?

Mair: Ich befinde mich noch ziemlich am

Anfang meiner Zeit beim SCV, aber ich

kann jetzt schon mit Gewissheit sagen,

dass ich den für mich doch sehr großen

Schritt in eine neue Tätigkeit nicht bereue.

Das Team hat mich herzlich aufgenommen,

es ist eine Freude, mit netten Kollegen

zu arbeiten und täglich Neues zu

lernen. Helga ist eine überaus geduldige

Lehrmeisterin und es macht Spaß, jeden

Tag vielfältige Arbeiten zu erledigen. Es gibt

verwaltungstechnische Aufgaben ebenso

wie organisatorische, aber ich kann mich

auch kreativ einbringen und lerne jeden

Tag neue Menschen aus dem weiten Bereich

der Chormusik kennen – dies aufgrund

der momentanen Lage leider noch

meistens telefonisch, aber früher oder

später werde ich sicher auch mal die Gesichter

zu den Stimmen zu sehen bekommen.

Auf alle Fälle freue ich mich auf eine

spannende Zeit.

KF: Haben Sie auch einen persönlichen Bezug

zu Chorgesang und Musik?

Mair: Chorsingen ist mein großes Hobby.

Ich war in meiner Jugend Mitglied einer Jugendband

in unserer Pfarrgemeinde in Bozen

und über zehn Jahre lang beim „Chor

der deutschen Pfarrgemeinde J. Bosco”

(heute „Maria in der Au”), auch während

eines Großteils meines Studiums in Innsbruck.

Schließlich ließ sich das Chorsin-

gen in einem Verein nicht mehr mit meinen

Lebensumständen vereinen und so

musste ich vorläufig pausieren. Doch die

Musik blieb immer ein wichtiger Teil meines

Lebens. Viele liebe Menschen in meiner

Familie sind talentierte Sänger und Musiker,

sodass Musik und Gesang

immer präsent waren

und nach wie vor

sind. Seit 2017 lebe

ich mit meiner Familie

in Mölten. Dort bin

ich natürlich gleich als

erstes in den Kirchenchor

eingetreten.

Interview: Paul

Bertagnolli

Monika Mair, die neue Mitarbeiterin

in der Geschäftsstelle des Südtiroler

Chorverbands. © Athesia/ Martina Jaider

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)

Redaktionsschluss für

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 11. März 2022

33

KulturFenster 01/Februar 2022


Jung+

Stimmgewaltig

Kinder- und Jugendchor Vahrn

Name:

Kinder- und Jugendchor Vahrn

Gründungsjahr: 2020

Mitglieder:

aktuell 11 Kinder (8 Mädchen, 3 Buben)

im Alter von 8 bis 12 Jahren

Unser Motto lautet:

Komm, sing mit!

Wer sind wir, was macht uns aus? Was ist

unsere Motivation?

Der Kinder- und Jugendchor Vahrn ist ein

„Gewächs“ des Vahrner Kirchenchors. Unser

Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen

aus dem Dorf und der Gemeinde das Singen

und Musizieren näher zu bringen. Die

Kinder sollen das schönste Instrument,

die menschliche Stimme, hautnah erleben

dürfen. Uns motiviert auch die Notwendigkeit,

Kinder und Jugendliche in

einer immer technischer und digitaler werdenden

Welt in ihrer ganzheitlichen Entwicklung

unterstützen. Dabei kommt der

musischen Herzensbildung eine wichtige

Rolle zu. Musik selbst zu erleben und zu

gestalten, ist eine gute Investition in die

Zukunft unserer Jugend, die dadurch die

Möglichkeit erhält, das eigene Können

weiterzutragen.

Wie kam es zur Gründung?

Dem Vorstand des Vahrner Kirchenchors

war es schon seit längerer Zeit ein Anliegen,

Kinder und Jugendliche fürs Singen zu

begeistern. Treibende Kraft war dabei Michl

Baur, damals Obmann des Kirchenchors.

Nachdem er Rudi Chizzali als Chorleiter und

Pius Leitner als „Paten“ gewonnen hatte,

erfolgte im Februar 2020 die Gründung.

Der unmittelbar darauf folgende Ausbruch

der Corona-Epidemie und die einschränkenden

Maßnahmen konnten den Enthusiasmus

nicht bremsen, auch wenn die

Tätigkeit nur eingeschränkt möglich war.

Rudi Chizzali schafft es hervorragend, auf

spielerische und einfühlsame Weise, die

KulturFenster

34 01 Februar 2022


Kinder zu begeistern und ihnen den Umgang

mit der eigenen Stimme zu vermitteln.

Welches waren unsere bisherigen

Höhepunkte?

Trotz der widrigen Umstände unmittelbar

nach der Gründung konnte der Kinderund

Jugendchor am Ende des Schuljahres

mit einem Abschlusskonzert glänzen und

die Dorfbevölkerung erfreuen und begeistern.

Im laufenden Schuljahr wirkte er

bei der Gestaltung des Martinsumzugs

und der Kinderchristmette mit.

Was sind unsere Pläne für die Zukunft?

Wenn es die Umstände erlauben, wird

der Kinder- und Jugendchor im Fasching

auftreten und wieder ein Abschlusskonzert

zum Schulende geben, vielleicht in

Form eines Musicals.

Grundsätzlich möchten wir noch mehr

Kinder und Jugendliche fürs Singen und

Musizieren begeistern, sie in ihrer ganzheitlichen

Entwicklung unterstützen und

ihnen die Möglichkeit bieten, die Freizeit

sinnvoll zu gestalten.

Dazu meint Chorleiter Chizzali: „Singen

gehört zum Wesen des Menschen. So wie

das Kind reden lernt, muss es auch singen

lernen, um das Glück, die Gesundheit,

den Reichtum, die Freuden des Lebens

auszuschöpfen.

Wir gehen zusammen

den Weg zur Freude an

der Stimme, wie schön

es ist zu singen.“

Bei uns sind alle Kinder

aus dem Gemeindegebiet

ab der 3. Klasse

Grundschule bis zur 2.

Klasse Mittelschule herzlich

willkommen. Während des Schuljahres

bieten wir wöchentlich eine Stunde

Musikerziehung im Probelokal des Kirchenchors

an.

Wer kann bei uns mitmachen?

Wie kann man bei

uns mitmachen?

Chorleiter

Rudi

Chizzali

Wir suchen EUCH und eure Geschichten!

Ihr seid „jung“ und „stimmgewaltig“?

Ihr seid ein Kinderchor, ein Jugendchor, ein junges Ensemble oder

eine junge Singgruppe? … dann würden wir euch gerne unseren

Leser*innen vorstellen und zeigen, dass es euch gibt.

Wir berichten auch gerne laufend

über eure Konzerte, Projekte und

Aktivitäten.

Schreibt uns einfach eine Mail an

info@scv.bz.it

Wir freuen uns schon, eure

Geschichten zu teilen!

KulturFenster

35 01 Februar 2022


entdeckt

Im Leb'n

Hochzeitslied/Volkslied für gemischten Chor

Dieses Hochzeits-/Volkslied vom österreichischen

Komponisten Helmut Pertl

ist im vergangenen Sommer entstanden.

„Mein musikalischer Bereich liegt

zwar eher in der Blasmusik, aber durch

einige Jahre Chormitgliedschaft konnte

ich auch in dieser Sparte so manche Arrangements

und Lieder verfassen“, erklärt

er: „In der Hoffnung, dass wir alle

bald wieder befreit singen und musizieren

können, wünsche ich dabei viel Freude

mit meinem Lied“.

Die vollständige 4-stimmige Partitur

(SATB) ist kostenlos für Chöre zur Probe

bzw. Aufführung beim Südtiroler Chorverband

verfügbar.

Bei Interesse wird sie gerne per E-Mail

zugeschickt.

Sopran



q = 86


1.Un's

2.Au

re

f'n

3.Wonn de

Im Leb'n

Hochzeitslied/Volkslied für gemischten Chor

Her - zen geh'n

Weg kimp oft

Zeit

a

längst

ge - mein-sam

wos

on - ders,

va - gon - ga,


durch des

ois

ma

uns' re

Leb'n

glab

Kin

Helmut Pertl



des uns ge -

und vi - re -

- der ö - ter

Pertl Helmut

geboren 1969 in Tamsweg

im Lungau, Salzburg.

Er gehörte 1989

bis 1990 der Militärmusik

Salzburg an und absolvierte

1998 bis 2001

das Lehramtsstudium in

Salzburg. Am Johann-

Joseph-Fux-Konservatorium

in Graz studierte

er Blasmusikkomposition

und Direktion bei

Franz Cibulka und Armin

Suppan.

5

9



14



geb'n.

plant.

wer'n.

wor.

Berg.

Leb'n.

Gen -gan

Schritt für Schritt

noch

O - ba moch da koa - ne Sor - g'n,

Gra - e Hoor und a poor Foi - tn,

Wei im Hiaz is

Glei nit auf-geb'n

und

O

Donk-

schea

bun - den

- ba

Donk -schea

sogn

sogn

bis

stringendo . . . . .

oas

in

in

zan

is

un - ser Le - b'n,

ver - zo - g'n,

oh - ne Zwei-fel,

Herr - gott,

Herr-

gott,

Gor - wer'n,

dass

er

dass er

oh - ne

vi

- re, oh - ne

un - ser

zoagn de

soi ma glück-lich

sei

is's

a Liacht des uns

dass ma uns

un -ser'n

Weg

di

is

hoib

no

un -ser'n Weg losst


hin - ter-z'schau'n

wos

Liab'

Johr

va - setzt an


in

be gleit'.

un

im - mer meg'n.

losst geah.

so

-

sern

und z'fried'n. Der -fn

1.2.

geah.

Der fn

San ver



2.Au - f'n

3.Wonn de


3.

18

summen bis *






* singen


schea. m m m m m m m m m m m m m m m San ver-

23



bun



rit.

- den bis zan Gor - wer'n, oh - ne di is hoib so schea.

KulturFenster 36

01/Februar 2022


kurz notiert

Mehr als ein halbes

Jahrhundert für die

Musik in Nals

Musikpionier Josef Egger

Josef Egger

(zweiter von

rechts) wurde

für seine langjährige

Einsatz

für die Musik in

Nals geehrt.

Vorsitzende des Südtiroler Chorverbandes,

und Heinrich Walder, der Vorsitzende des

Verbandes der Kirchenmusik: „Ich weiß,

mit welchem Verständnis und mit welchem

Fachwissen, aber auch mit welchem theologischen

und liturgischen Wissen du an die

Sache herangehst“, sagte Walder in seiner

Laudatio. „Du hast die Tradition gepflegt,

aber dich auch in musikalisches Neuland

gewagt.“ Seinem Dank stellte er voran: „Du

bist eine Institution geworden im Dorf, aber

auch ein Vorbild und Beispiel für alle Chorleiter

in unserem Land. Durch deine Arbeit

mit dem Chor hast du vielen eine Heimat

gegeben, hast die Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit

gefördert und hast viele

vielleicht auch zum Glauben herangeführt.

Du hast einen unschätzbaren Beitrag geleistet

in und für die Kirche, aber auch für

das kulturelle Vereinsleben des Dorfes und

unseres Landes.“

60 Jahre als Musikant

und Kapellmeister

Am Cäciliensonntag haben Kirchenchor und

Bürgerkapelle Nals einen ganz besonderen

Musiker in ihren Reihen ehren können: Josef

Egger leitet seit 50 Jahren den Kirchenchor,

spielt die Orgel und ist eine wichtige Stütze

der Pfarrgemeinde in Nals. Seit 60 Jahren

ist er außerdem Musikant der Bürgerkapelle.

Mit großem Wissen und menschlichem Feingefühl

hat er sein Dorf über Jahrzehnte zum

Klingen gebracht – und tut es auch weiterhin

mit unvermindertem Engagement.

Josef Egger gehört zu jenen Südtiroler Musikpionieren,

deren positiven Einfluss auf

die kulturelle Entwicklung des Landes man

nicht hoch genug schätzen kann. Für viele

Nalser ist „der Seppl“ ein Fixpunkt und bereichert

das Leben in seiner Gemeinde und

darüber hinaus.

„Schon als Ministrant war Seppl fasziniert

vom Chorgesang. Mit den Worten 'Moch du's

weiter' übergab ihm der frühere Chorleiter

Sepp Tarfußer im Jahr 1970 den Taktstock“,

erzählt die Obfrau des Kirchenchores, Marvi

Habicher: „Seppl war der erste Absolvent

des neu geschaffenen Studiengangs der Kirchenmusik

am Bozner Konservatorium bei

Professor Herbert Paulmichl.“

Seine Begeisterung hat Seppl an viele junge

Menschen weitergegeben. „Seppl gehen“

hieß die Nachwuchsschulung einfach, die er

über Jahrzehnte wöchentlich im Pfarrheim

unentgeltlich anbot. Durch seinen großen

Einsatz gelang es ihm auch, das musikalische

Niveau des Dorfchores beständig zu

steigern: Wer Mitglied des Chores werden

wollte, musste bei einer Prüfung beweisen,

was er in Theorie und Praxis gelernt hatte.

„Es war ihm immer wichtig zu zeigen, dass

ein Kirchenchor kein fader Verein ist, sondern

wie lebendig Kirchenmusik ist und wie

viel Freude, Trost und Bereicherung sie uns

schenkt“, hebt die Obfrau hervor.

Tradition gepegt und

Neuland betreten

„Seppl steht auch an der Orgel immer zur

Verfügung, wenn er gebraucht wird. Ihm

ist es zu verdanken, dass unsere wunderbare

Orgel in den 1980er Jahren gründlich

erneuert wurde und daher eines der

besten Instrumente des Landes blieb“, erinnert

Habicher.

Auch in den Zeiten der Pandemie bemühte

sich Seppl, die Gottesdienste mit Orgelklang

und Kleingruppen weiterhin musikalisch zu

bereichern. „Ohne diesen großartigen, engagierten,

nimmermüden Musiker Seppl wären

wir wohl alle um einiges ärmer“, fasst

Habicher zusammen.

Als Zeichen der Wertschätzung, auch über

die Dorfgrenzen hinaus, waren anlässlich

seiner Ehrung am Cäciliensonntag 2021

die Obmänner beider Südtiroler Sängerverbände

anwesend: Erich Deltedesco, der

Bei der Cäcilienfeier wurde Josef Egger auch

von der Bürgerkapelle Nals geehrt: für 60

Jahre als Klarinettist, 25 davon als Kapellmeister

und Stabführer. Allein daran wird offenkundig,

wie groß der musikalische, aber

auch menschliche Einsatz ist, den Egger für

sein Dorf und Südtirol im Allgemeinen leistet.

„Nach seinem Militärdienst bei der renommierten

„Banda dell'esercito“ in Rom war

unser Seppl in den 1970er und 1980er

Jahren im Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) tätig, zuerst als Bezirksvizejugendleiter,

später als Bezirksjugendleiter

und als Bezirkskapellmeisterstellvertreter.

Seppl unterrichtete auch viele Jahre

beim Kapellmeisterkurs des VSM und erhielt

von seinem Kollegen Peter Wesenauer

2002 als Abschiedsgeschenk eine eigene

Kantate, die „Guiseppl-Kantate“, sagte der

Obmann der Bürgerkapelle Nals, Christian

Mahlknecht. „Seppl setzte auch, als einer

der ersten Kapellmeister, auf die klassischen

Instrumente in der Besetzung der

Kapelle: die Oboe und das Fagott. Legendär

ist wohl das erste Wertungsspiel in

Feldkirch mit nur 30 Musikanten und dem

Resultat 1. Rang mit Auszeichnung.“ Das

Niveau der Kapelle stieg stetig an und die

Kapelle wuchs auch mit den Erfolgen, erinnert

der Obmann: „Seppl führte auch die

ersten Mädchen bei der Kapelle ein. Zur

damaligen Zeit noch eine Sensation.“ Im

Jahr 2000 erhielt Josef Egger für seinen

ehrenamtlichen Einsatz für Dorf und Musik

die Verdienstmedaille des Landes Tirol.

KulturFenster 37

01/Februar 2022


kurz notiert

Die Gaulsänger

Gottesdienstgestaltung in Meran

Am zweiten Sonntag nach Weihnachten,

dem Fest der Hl. Familie, wurde

in der Kapuzinerkirche von Meran ein

feierlicher Gottesdienst gehalten. Die

Messfeier zelebrierte P. Robert Prenner.

Musikalisch gestalteten die Gaulsänger

aus Lana die Messfeier - in Hirtenkleidung

und mit weihnachtlichen Weisen.

Der Andachtsjodler und das zum

Abschluss gesungene Lied "Wir wünschen

euch zum Neuen Jahr" gaben

der Festfeier eine besondere Note. Die

Die Gaulsänger Marlene Platter, Martha

Schrötter, Maria Theresia Rufinatscha,

Alfred Sagmeister, P. Robert Prenner,

Theresia Paris, Maria Sagmeister und

Maria Sulzer (v.l.)

Gaulsänger wurden 1998 in Lana gegründet,

um Theateraufführungen einen

musikalischen Rahmen zu geben.

Seither singt der Chor vor allem alpenländisches

Liedgut und Jodler, sei es

weltliche wie geistliche Werke.

Besondere Ehrungen wurden am Cäciliensonntag

2021 im Pfarrchor Lana vorgenommen.

Der Tag begann mit einem festlichen

Gottesdienst in der Hl. Kreuzkirche

mit der Aufführung der „Kleinen Messe“

von Benedikt Baldauf. Bei der weltlichen

Feier im Pfarrsaal, zu dem auch Dekan

P. Peter Unterhofer OT gekommen war,

wurden langjährige, verdiente Mitglieder

geehrt. Aufgrund der aktuellen Situation

waren alle Teilnehmer*innen mit dem

„Green Pass“ ausgestattet. Albert Ungerer

wurde für seine 50-jährige musikalische

Tätigkeit – unter anderem auch

als fl eißiger und umsichtiger Notenwart

– mit der Ehrenurkunde vom Südtiroler

Dank und Anerkennung

Ehrungen im Pfarrchor Lana

Chorverband und vom Verband der Südtiroler

Kirchenmusik ausgezeichnet und

gewürdigt. Claudia Insam erhielt die Ehrenurkunde

für 15 Jahre Singen im Chor,

zur Ehre und zum Lobpreis Gottes. Dank

und Anerkennung gab es zudem für Ingrid

Rieder Ebnicher. Sie leitet seit über 15

Jahren erfolgreich, mit viel Engagement

und Fachkönnen den Pfarrchor Lana.

Dekan P. Peter. Unterhofer OT, Claudia Insam, Albert Ungerer, Chorobmann Reinhard

Ladurner und Chorleiterin Ingrid Rieder Ebnicher (v.l.)

Cäciliensonntag mit strengen Corona-Regeln

Kirchenchor Nals

Gemeinsam feierten Kirchenchor und

Bürgerkapelle den Cäciliensonntag – unter

Einhaltung strenger Anti-Covid-Regeln

mit Green Pass und Schnelltestmöglichkeit

– bei der Festmesse und anschließend

im Vereinshaus.

Geehrt wurden neben Chorleiter

Josef Egger (siehe Seite 37) die

Sänger*innenMartin Kompatscher (40

Jahre), Martin Egger (25 Jahre), Franz

Ladurner (25 Jahre), Marvi Habicher

(15 Jahre), und die Musikanten Ulrich

Windegger (40 Jahre), Martin Huber (40

Jahre), Sara Stanger (25 Jahre), Werner

Schwarz (25 Jahre), Margit Passler (15

Jahre) und Peter Mathá (15 Jahre). Die

Ehrung für Walter Brugger (50 Jahre im

Kirchenchor) wird zu einem späteren

Zeitpunkt nachgeholt. Auch Seelsorger

Richard Sullmann, Bürgermeister Ludwig

Busetti, der Obmann des VSM-Bezirks

Meran, Andreas Augscheller, das

Ehrenmitglied des Kirchenchores, Hilda

Ebner, der Kommandant der Freiwilligen

Feuerwehr Christian Malpaga und die Direktorin

der Raiffeisenkasse Etschtal, Susanne

Huber, feierten mit.

KulturFenster 38

01/Februar 2022


Chorwesen

75 Jahre Kapuzinerchor Lana

Neue Sänger*innen sind willkommen

Coronabedingt sind im Bild nur vier der Geehrten zu sehen: (von links nach rechts) Dieter

Laner, Martha Rösch Aspmair, Annemarie Gasser Fabi und Luis Hanspeter.

Am Cäciliensonntag 2021 feierte der Kapuzinerchor

Lana sein 75-jähriges Bestandsjubiläum.

Bei der Messfeier verwies Pater

Bruno auf die ehrenamtliche Tätigkeit

des Chores und dankte für die erbauliche

Mitgestaltung der Gottesdienste. Er erinnerte

daran, dass der Chor im Jahre 1946

vom Flüchtlingspriester Anton Radanovic

als Kinderchor gegründet wurde, um die

10-Uhr-Messe aufzuwerten. Ihm zur Seite

stand Kathi Leitgeb als Organistin. Ihre Arbeit

übernahm später Franz Hanspeter bis

1988. Auf ihn folgte Paolo Valenti, der bis

heute den Chor ehrenamtlich auf der Orgel

begleitet. Seit 1978 leitet Frau Erika Pedoth-

Kerschbamer unermüdlich den Chor, und

seit 1998 fungiert Renate Häser-Kaserer als

Obfrau. Im Laufe seines 75-jähriges Bestehens

hat der Chor hauptsächlich an Feiertagen

und Jubiläen in der Kapuzinerkirche

gesungen. Die Messe im Juli am Vigiljoch,

Rorate in der St. Peter Kirche, Maiandachten

in St. Agatha, Helmsdorf und Johanneskirche

durften nicht fehlen. Gerne sang

der Chor mit dem Pfarrchor bei den Prozessionen

und Messen zu Fronleichnam,

Herz Jesu, Maria Geburt und Allerheiligen.

Er beteiligte sich auch immer an Gemeinschaftskonzerten

mit allen Chören und der

Bürgerkapelle. Das letzte Konzert war die

Aufführung der Cäcilienmesse von Gottfried

Veit. Gute Zusammenarbeit pflegt der Chor

auch mit den Bäuerinnen beim „Sträußleinbinden

für einen guten Zweck“ am Hoch-

Unser-Frauentag. Diesmal fiel die weltliche

Cäcilien- und Jubiläumsfeier coronabedingt

aus. Aber Ehrungen gab es trotzdem. Der

Dank für ihre langjährige Tätigkeit zum

Wohle der Kirchengemeinschaft ging an Annemarie

Gasser Fabi (70 Jahre), Dieter Laner

(60 Jahre), Luisl Hanspeter (35 Jahre),

Josef Margesin (35 Jahre), Christian Höller

(30 Jahre), Hans Troger (30 Jahre), Martha

Rösch Aspmair (20 Jahre) und Monika Hintner

Lösch (20 Jahre). Doch der Dank gilt

auch allen anderen Chormitgliedern für ihren

unermüdlichen Einsatz, besonders in

dieser schwierigen Coronazeit. Der Kapuzinerchor,

der sich schon sehr auf ein geregeltes

Vereinsleben freut, lädt alle Interessierten

ein, sich bei ihm zu melden und

Mitglied des Chors zu werden.

Rückblick auf ein gelungenes Adventskonzert

Singkreis Runkelstein

Für Liebhaber alpenländischer Adventsmusik

waren die Konzerte des Singkreis

Runkelstein am vergangenen 27. November

in der Franziskanerkirche in Bozen ein

Geschenk. Chorleiterin Petra Sölva hat es

verstanden, den Stimmen Zartheit, Innigkeit

und Kraft zu entlocken. Das Programm

wurde einfühlsam auf den Advent

wie „Hiatz kimmb a wunderbare Zeit“ sowie

auf die Jahreszeit „Is‘ finster draußt"

und "Still, ganz still is da Winta hiatz keman“

abgestimmt. Auch der darauf folgende

8. Dezember zum Fest Mariä Empfängnis

wurde thematisch durch mehrere

Marienlieder beleuchtet – etwa mit „Maria

ging übers Gebirge“, wobei die erste Strophe

vom Männerchor, die zweite Strophe

mit drei Solostimmen von Frauen, die dritte

Strophe vom gesamten Chor und abschließend

vom Männerchor vorgetragen wurde.

Das Quartett „Holzsound“ vom Ritten unter

der Leitung von Andreas Mair unterstrich

mit dem „Advent Boarischer“ und

anderen Melodien, wie „Es wird ein Stern

aufgehen", die Fröhlichkeit der Adventszeit.

Das Konzert wurde mit dem schlichten

Lied „ An Friedn dafragn“ und dem

Andachtsjodler würdig beendet.

Der Singkreis Runkelstein gestaltete in der Franziskanerkirche in Bozen ein besinnliches

Adventskonzert.

KulturFenster

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01/Februar 2022


Der Begriff Heimat lässt sich weder

übersetzen noch ersetzen – Heimat ist

etwas ganz Besonderes.

KulturFenster 40

01/Februar 2022


verwurzelt

„Heimat ist eine Einladung“

Versuche einer Begriffsdefinition – Das sagt der Heimatpflegeverband

„Heimat, immer noch? – Zur Dauer und Aktualität

eines Begriffes“ – unter diesem Titel

fand im Dezember 2021 an der Freien

Universität Bozen eine Tagung statt. Die

Veranstaltung ist Anlass für den Heimatpflegeverband,

den nicht unumstrittenen

Begriff, den er in seinem Namen trägt, näher

zu beleuchten. Jeder und jede kann

und sollte sich vielleicht einmal die Frage

stellen: Was ist Heimat? Auf dieser und

den folgenden Seiten gibt es einige Inspirationen

für den ganz persönlichen Heimatbegriff.

Für den Heimatpflegeverband Südtirol

nahm Obfrau Claudia Plaikner an der Tagung

„Heimat, immer noch?“ teil. Aus ihrem

Statement – hier zusammengefasst

– geht klar hervor, was der Begriff Heimat

für den Verband bedeutet, der ihn

namentlich vertritt:

„Heimat ist ein altes Wort: Verwahr ich‘s

oder werf ich‘s fort?“, singt der deutsche

Liedermacher und Folkmusiker Tom Kannmacher.

Dass das Wort nicht weggeworfen

werden kann, ist evident: Es wird von

vielen Menschen mehr oder weniger bewusst

gebraucht. Wissenschaftler*innen,

Politiker*innen und auch Institutionen wie

die Heimatverbände zerbrechen sich den

Wie das Wetter und der Blick auf die Stadt, so ist auch der Heimatbegriff nichts Statisches,

sondern etwas Dynamisches.

Foto: IDM Südtirol/Tina Sturzenegger

Kopf über Definition von Heimat. Man

distanziert sich vom Begriff, weil ideologische

Verstrickungen damit verbunden

sind. Man entleert ihn der alten Konnotationen,

versucht, einen adäquaten neuen

Begriff an seiner statt zu fi nden.

Es gibt auch Symbole, die man unwillkürlich

mit dem Heimatbegriff verbindet.

Foto: E. Runer

Weder über- noch ersetzbar

Heimat ist ein Wort, das schwerlich in

eine andere Sprache zu übersetzen und

schwerlich mit einem adäquaten anderen

Wort zu ersetzen ist.

Wir Südtiroler Heimatpfl eger*innen stehen

ganz klar zu historischer und gesellschaftlicher

Verantwortung, zu einem dynamischen,

inkludierenden Heimatbegriff,

der auch eine durchaus selbstkritische und

dialogische Erinnerungskultur pflegt – so

wie Aleida Assmann das in ihrem Buch

„Die Wiederfindung der Nation“ als wichtigen

integrierenden Bestandteil von Demokratisierung,

Friedenssicherung und Anerkennung

der Menschenrechte definiert.

Erinnerungskultur lässt sich an den zwei

Konstanten von Ort und Zeit festmachen.

Kultur zu pflegen bedeutet laut unserem

Verständnis die Vertiefung des Wissens

über Herkunft, Geschichte, Sozial- und

Kulturformen in einem definierten Umkreis.

Sie widmet sich der wissenschaftlichen

Aufarbeitung derselben und ver-

KulturFenster 41

01/Februar 2022


verwurzelt

Heimatpflege – Pflege der Heimat: Der Schutz und die behutsame sowie verantwortungsbewusste Weiterentwicklung von Natur- und

Kulturlandschaft gehören dazu.

Foto: IDM Südtirol/Dietmar Denger

sucht, daraus Handlungsräume für die

aktuellen Themen und Herausforderungen

zu entwickeln.

Nicht statisch,

sondern dynamisch

Heimat ist nichts Statisches, sondern immer

etwas Prozessuales, Dynamisches.

Der Mensch schafft Heimat als Wahrnehmender

und Agierender, und durch


Heimat ist ein Wort, das schwerlich

in eine andere Sprache zu übersetzen

und schwerlich mit einem adä-


quaten anderen Wort zu ersetzen ist.

Claudia Plaikner

die Ermöglichung von Partizipation entsteht

Transformation. „Heimat entsteht

aus emotionalen Bindungen und sozialer

Vernetzung in einem persönlichen Handlungs-

und Verantwortungsraum“. Diese

Definition von Heimatverständnis, wie sie

der BHU in Deutschland gibt, erscheint mir

eine durchaus überzeugende und praktikable

Annäherung an diesen so schwer

zu fassenden Begriff zu sein.

Heimat im Plural

Die globalisierte Welt, die Möglichkeit des

fast unbeschränkten Erkundens der Welt,

forciert auf der einen Seite – im besten

Fall – eine intellektuelle und gefühlsmäßige

Öffnung gegenüber anderen Lebenswelten.

Andererseits ruft es ein Bedürfnis

nach Beheimatung oder besser Verortung

hervor. Berufliche Notwendigkeiten

und private Interessen führen dazu, dass

wir im Laufe unseres Lebens häufig mehrere

Heimaten kennenlernen. Wir nehmen

aus diesen Heimaten einiges mit auf die

Reise, einiges lassen wir – freiwillig oder

auch notgedrungen – zurück. „Heimat entsteht

durch das inspirierte Tun vieler, geprägt

vom Mut, sich selbst an kulturelles

und gesellschaftliches Wirken heranzuwagen

…“, schrieb der Bayerische Landesverein

für Heimatpflege 2019 in einem offenen

Brief.

Für den Heimatpflegeverband Südtirol entstehen

konkrete Handlungs- und Verantwortungsräume

im Schutz und in der behutsamen

und verantwortungsbewussten

Weiterentwicklung von Natur- und Kulturlandschaft.

Wir setzen dabei zunehmend

auf Netzwerkarbeit, um durch Partizipation

das Engagement von Einzelpersonen

und Vereinigungen mit zu unterstützen.

Heimat ist in unserem Selbstverständnis

prinzipiell eine Einladung.

Claudia Plaikner

KulturFenster 42

01/Februar 2022


Heimatpege

Neu aufgewärmt?

In folgendem Beitrag beleuchtet der Historiker

Hans Heiss – auch er nahm an der Tagung

der Uni Bozen teil – das Thema „Heimat“

aus verschiedenen Blickwinkeln und

kommt zum Schluss: Südtirol wäre ein ideales

Testfeld für einen offenen Heimatbegriff.

Die Klimakrise hat die Frage der Heimat

wiederum aufs Tapet gebracht und neu

aufgewärmt, im wahrsten Wortsinne. Denn

die klimatischen Veränderungen zielen wie

„Heimat“ auf allgemeine und größere Zusammenhänge,

die in diesem Fall zudem

eine globale Dimension erreichen. Sie erreichen

aber auch die subjektive Dimension,

wenn die Klimakrise die Frage an

uns richtet: Welche Verantwortung willst

du übernehmen?

Heimat in der Klimakrise –

Ein Beitrag des Historikers Hans Heiss

Der Historiker Hans Heiss erklärt, warum

Heimat in direktem Zusammenhang mit der

Klimakrise steht.

Nächstes und Fernstes sind eng verbunden.

Wer sein bislang gewohntes CO 2

-Paket

weiter ungerührt in die Luft bläst, beschädigt

damit nicht nur die eigene Ökosphäre,

sondern auch den Lebensraum von Menschen

und Gesellschaften auf einer anderen

Seite des Planeten und greift ihre

Heimaten an. Damit stehen persönliche

Lebensführung, eigene Werthaltungen

und Raumvorstellungen grundlegend auf

dem Prüfstand. „Heimat“ ist mehr als das

Eigene. Die Klimakrise zerbricht vertraute

Zusammenhänge von Raum und Zeit, von

Aktion, Umgang und Austausch, von Riten

und Gewohnheiten. Und sie stellt drei

grundlegende Fragen: Wo leben wir? Mit

wem leben wir? Wie leben wir?

Beim Versuch einer Antwort auf die drei

einfachen Fragen wird sich bald zeigen, wie

wenig wir darüber wissen. Es geht in der

Klimakrise vorab darum, den eigenen Lebensraum

neu zu bewerten und zu überprüfen,

ob unser Handeln, das eigene Verhalten

verträglich ist, ob sie das Prädikat

„heimatgerecht“ verdienen.

Die identitäre Versuchung

Südtirol ist heute bestimmt vom Spannungsfeld

dreier Pole: zwischen identitärer

Versuchung, ökonomischer Verwertung

und europäischer Verortung, die wir

einer Erklärung zuführen.

Die identitäre Versuchung einer autonomen

und mehrsprachigen Provinz wie

Südtirol liegt darin, das Prinzip des Ethnischen

und des Eigenen als zentrale Logik

zu begreifen. Das Bewusstsein vieler

Bürger*innen, einer Sprachgruppe anzugehören

und der eigenen Ethnie Vorrang

zuzubilligen, ist der jüngeren Geschichte

Südtirols eingeschrieben und

ein Bauprinzip der Autonomie. Die lange

dominante Ethnisierung hat sich aber in

den letzten Jahrzehnten abgeschwächt.

Zum Teil wurde sie übersetzt in den kommunikativen

Prozess eines Miteinanders

und Austausches, überwiegend aber in

ein „Ohne einander“ (Gabiele Di Luca).

Die Kunst vieler Deutsch- oder Italienischsprachiger,

weniger der Ladiner, die jeweils

andere Sprachgruppe zu vermeiden,

hat hohe Virtuosität erreicht, in einer

Form von sanfter Segregation, in der Südtirol

führend ist. Und die Rivalität der traditionellen

Sprachgruppen hat sich auch

dadurch abgeschwächt, dass inzwischen

140 weitere Nationalitäten in Südtirol leben

und die nicht durchwegs geliebte multikulturelle

Realität die Scheidelinie alter

ethnischer Vorbehalte stark relativieren.

Die identitäre Versuchung fühlt sich weiter

hingezogen zu einer Abkehr von Italien, sie

ist aber das Programm einer Minderheit,


Es geht in der Klimakrise vorab darum,

den eigenen Lebensraum neu

zu bewerten und zu überprüfen, ob

unser Handeln, das eigene Verhalten

verträglich ist, ob sie das Prädi-


kat „heimatgerecht“ verdienen.

Hans Heiss

KulturFenster 43

01/Februar 2022


verwurzelt

die auf Selbstbestimmung, einen Freistaat

oder eine Rückkehr zu Österreich abzielt.

Im Allgemeinen aber überwiegt die pragmatische

Haltung „Wir sind nun halt einmal

bei Italien“. Das Identitäre fi ndet sich

schließlich in starker Betonung des Lokalismus,

im Eigenleben vieler Dörfer, die als

Konsens- und Konfl iktgemeinschaft das

Eigene hingebungsvoll pflegen. Als Ortsgemeinschaft,

vor allem im überaus regen

Vereinsleben und der dialektalen Betonung.

Der stete Bau an Mikroheimaten

ist ein Bauprinzip der Autonomie.

Die ökonomische

Verwertung


Die Landschaft gilt als Ziel des Investments

von Bauträgern, die nicht

nur den landeseigenen Wohnbedarf

und maßvolle Profitabilität im Auge

haben, sondern das Anlage- wie Erholungsbedürfnis

einer mobilen


Oberschicht.

Hans Heiss

Ein zweites Spannungsfeld liegt in der ökonomischen

Verwertung des Landes. Man

kennt den Leitspruch der IDM, Südtirol

„zum begehrlichsten Lebensraum Europas“

zu erheben. Die Ambivalenz der Devise

ist erhellend, da sie zwar meint, Südtirol

auf den Rang einer hoch begehrten

Destination zu führen. In der Formel des

„begehrlichsten Lebensraumes“ sind aber

auch das eigene Begehren, die eigene Gier

angesprochen. Und in der Tat: Die neben

den Menschen und der Biosphäre wertvollste

Ressource des Landes, die Landschaft,

ist vielfältigen Begierden ausgesetzt.

Sie gilt als Ziel des Investments von

Bauträgern, die nicht nur den landeseigenen

Wohnbedarf und maßvolle Profitabilität

im Auge haben, sondern das Anlagewie

Erholungsbedürfnis einer mobilen

Oberschicht. Und Landschaft gilt als Expansionsraum

touristischen Wachstums,

das trotz aller Bettenstopp-Beteuerungen

ungebrochen ist. Ein Gebirgsraum mit reicher

wie vulnerabler Biosphäre, aber einer

besiedelbaren Fläche von fünf Prozent,

mag begehrenswert sein, erreicht

aber in seiner Belastbarkeit sehr rasch

seine Grenzen.

Die europäische Verortung

Die europäische Verortung Südtirols ist

denkbar, aber nicht realistisch. Südtirol

wäre denkbar als eine Region, die Nähe,

Verbindlichkeit und seine oft gerühmte

Herzlichkeit mit Offenheit verknüpft. Als

ein Ort, der neben 230.000 Gästebetten

auch ein Promille davon für Obdachlose

bereitstellt. Als eine Provinz mit nicht nur

einem einzigen kleinen „Haus der Solidarität“

(in Brixen), sondern die durchgängig

von Solidarität bestimmt ist.

Südtirol als ein Lebensraum, der sich weniger

nach außen abgrenzt, dafür aber innere

Grenzen respektiert: seine begrenzte

ökologische Belastbarkeit, die Vulnerabilität

seiner Natur und Landschaft, deren Vielfalt

stetig abnimmt und als Region, deren

Begabteste jährlich nicht zu Hunderten in

die Welt abziehen, sondern die ihnen als

Ort der Innovation und Qualifikation Chancen

in Fülle bietet.

Kurzum: Südtirol wäre ein ideales Testfeld

für einen offenen Heimatbegriff, dessen

Realisierung aber werde ich nicht

mehr erleben.

Hans Heiss

Südtirols Natur und Landschaft sind

ebenso einzigartig wie verletztlich.

Foto: E. Runer

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des

Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

Redaktionsschluss für

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 11. März 2022

44

KulturFenster 01/Februar 2022


Heimatpege

Was ist Heimat?

Umfrage unter den Mitgliedern des HPV-Vorstandes

Heimat ist für mich dort, wo mein

Herz sich rundum wohl fühlt.

Heimat ist für mich

... jeden Sommer

aufs Neue

der Duft der blühenden

Edelkastanie.

Johannes Ortner

Agnes Andergassen

Heimat bedeutet

für mich ein

Gefühl der Geborgenheit,

Zugehörigkeit

und Sicherheit.

Heimat gibt in der heutigen

schnelllebigen Welt Orientierung,

die notwendiger denn je ist.

Franz Fliri

Heimat besteht für mich in erfüllenden

emotionalen Bindungen, in

wertvollen sozialen Beziehungen

und verdichtet sich in meinem Engagement

für die Kultur und Natur

unseres Landes.

Claudia Plaikner

Heimat bedeutet

für mich etwas

Wertvolles, das ich

verbinde mit Erinnerungen

und Träumen,

mit Gerüchen und Geräuschen, mit

Landschaft und Natur, mit Sprache

und Musik, aber besonders mit Menschen,

die mir nahe stehen, und Orten,

an denen ich mich mehr oder weniger

zuhause fühle.

Josef Vieider

Heimat bedeutet für mich nicht nur

den Ort, wo man den Heimatschein

erhält, sondern das Land der Ahnen,

der Kindheit und auch des

Sterbens. Kaiser Maximilian hat in

diesem Sinne treffend über Tirol gesagt,

und das teile ich auch: „Tirol ist wie ein

Bauernkittel, er ist rau, aber er hält fest und warm.“

Georg Hörwarter

Heimat verspüre ich, wo ich mich empfangen fühle und einfach sein kann. Heimat

bedeutet für mich kein bestimmter Ort, keine physische Gebundenheit und ist

an keine bestimmte Menschengruppe geknüpft. Die Heimatbezüge sind im ständigen

Wandel und werden in den verschiedenen Lebenssituationen stets neu defi

niert. Heimat sind Orte des Wohlgefühls.

Valentine Kostner

45

KulturFenster 01/Februar 2022


verwurzelt

Weltoffen und in die

Zukunft gerichtet

Vom Versuch, einen ganz besonderen Begriff zu erklären

„KF“: Der BHU vertritt rund 500.000 Mitglieder

mit vielleicht fast ebenso vielen

persönlichen Interpretationen. Wie ist es

gelungen, diese auf einen gemeinsamen

Nenner zu bringen?

Gotzmann: Wir haben unser Anliegen mit

den Landesverbänden, den Fachgruppen,

dem Beirat und natürlich im Vorstand eingehend

diskutiert und zudem eine Tagung

zum Thema „Heimat“ organisiert. Das Ergebnis

dieser Arbeiten wurde zusammengefasst,

erneut in den Gremien behandelt

und schließlich in der Mitgliederversammlung

abgestimmt. Es war ein Prozess von

zwei bis drei Jahren.

Wie aus der Umfrage (Seite 35) ersichtlich,

hat jeder ein ganz individuelles Verständnis

von Heimat. Aber wofür steht Heimat

dann eigentlich? Lässt sich der Begriff

überhaupt defi nieren? Mit diesen schwierigen

Fragen hat sich der Bund Heimat und

Umwelt (BHU) in Deutschland auseinandergesetzt

und ist auf ein spannendes Ergebnis

gekommen, wie Geschäftsführerin Inge

Gotzmann in folgendem Interview erklärt.

„KulturFenster“: Den Begriff Heimat zu

definieren, scheint ein schwieriges Unterfangen.

Der Bund Heimat und Umwelt

(BHU) in Deutschland hat es gewagt. Wie

kam es dazu?

Inge Gotzmann: Als Organisation, die den

Begriff im Namen trägt, kommen wir natürlich

immer wieder in die Lage, uns mit Heimat

auseinanderzusetzen. Und wir stoßen

unwillkürlich auf die unterschiedlichsten Interpretationen.

Problematisch ist aber, dass

Heimat leider immer wieder mit rechtsgerichtet

gleichgesetzt oder zumindest indirekt

so wahrgenommen wird. Dem wollten

wir entgegentreten. Wir wollten öffentlich

erklären, was wir unter Heimat verstehen.

„KF“: Und was versteht der BHU darunter?

Gotzmann: Nun, wir sind uns in den Diskussionen

schnell klar geworden, dass es keinen

Sinn macht, den Begriff mit einem Satz

zu definieren, weil jegliche Definition auf

irgendeine Weise eingrenzend erscheint.

Also haben wir uns dazu entschlossen,

eine Positionsbestimmung zu verfassen

und darin zu beschreiben, wofür Heimat

aus unserer Sicht steht.

„KF“: Laut Duden ist Heimat ein „Ort, wo

man aufgewachsen ist oder sich durch

ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt“. Der

BHU geht in seiner Beschreibung viel weiter.

Warum?

Gotzmann: Wir fanden die Duden-Definition,

die Heimat rein als Ort begreift, nicht

mehr passend. Zum einen, weil unsere

Gesellschaft heute sehr mobil ist, viele

Menschen nicht mehr dort wohnen, wo

sie aufgewachsen sind, und daher vielleicht

zwei oder mehrere Heimaten haben.

Zum anderen ist uns bewusst, dass

vor allem junge Menschen Heimat eher

mit einem Gefühl als mit einem Ort verbinden.

Wenn man sie fragt, bedeutet

Heimat für sie in erster Linie Freunde,

Familie, soziale Kontakte. Ich wage die

These, dass erst mit zunehmendem Alter

bestimmte Orte oder Landschaften

stärker als Heimat empfunden werden,

da sie mit schönen Erinnerungen und

Emotionen verbunden sind. Deshalb haben

wir den Begriff auf das Emotionale

und Soziale ausgedehnt.

„KF“: Sie haben bereits angedeutet, dass

der Heimatbegriff ideologisch belastet ist.

Glauben Sie, dass er dieses Brandmal jemals

loswerden kann?

Gotzmann: Ich fürchte, dass es nicht so

einfach ist, den Begriff von seinem ideologischen

Beigeschmack zu befreien. Dafür

gibt es leider immer noch zu viele Kräfte,

die versuchen, ihn zu instrumentalisieren.

Der BHU sagt allerdings auch ganz klar:

Aufgeben wollen wir den Begriff nicht. Das

ist wichtig, denn wir hören aus dem universitären

Bereich, insbesondere jenem

der Ethnologie die These, Heimat sei nicht

mehr zeitgemäß und sollte daher als Begriff

nicht mehr verwendet werden. Wenn

wir dem folgen, überlassen wir die „Heimat“

tatsächlich den Rechten.

KulturFenster 46

01/Februar 2022


Heimatpege


„KF“: Reicht ein Positionspapier aus, um

sich von der rechten Ecke zu distanzieren?

Gotzmann: Ich glaube, es reicht für uns Heimatverbände

nicht, einfach zu sagen: Wir

Heimatverbände verstehen Heimat nicht

als rechtsgerichtet. Vielmehr müssen wir

unsere Haltung offensiv stärken und kommunikativ

damit umgehen, zum Beispiel

mit Veranstaltungen, im Internet, in Kulturzeitschriften.

Wir sollten den Begriff zudem

aktiv nutzen, ihn gestalten. Auch das

Positionspapier des BHU ist nicht in Stein

gemeißelt. Es kann eines Tages auch weiterentwickelt

und der Zeit angepasst werden.

Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Die Gestaltung

unseres Positionspapieres liegt in

etwa vier Jahre zurück. Die Zeit war damals

vor allem in Deutschland sehr stark von der

Flüchtlingsbewegung geprägt. Deshalb haben

wir an manchen Stellen im Papier besonders

betont, dass es auch Menschen

gibt, die ihre Heimat verlieren, und dass

es darum geht, offen zu sein für alle, die

ankommen und hoffentlich hier bei uns

Heimat fi nden. Diese Betonung hätte es

früher vielleicht nicht so gegeben.


Problematisch ist, dass der Begriff Heimat leider immer

wieder mit rechtsgerichtet gleichgesetzt oder zumindest

indirekt so wahrgenommen wird.

Ich wage die These, dass erst mit zunehmendem Alter

bestimmte Orte oder Landschaften stärker als Heimat

empfunden werden, da sie mit schönen Erinnerungen und

Emotionen verbunden sind. Je mehr sich die Menschen bewusst

werden, was Teil ihrer Heimat ist, sei es Materielles oder

Immaterielles, desto wertvoller wird diese Heimat.

„KF“: In seiner Definition gibt der BHU der

Heimat viel Spielraum. Können Sie einige

wesentliche Punkte hervorheben?

Gotzmann: Ich glaube schon, dass Heimat

auch als Ort eine wichtige Rolle spielt. Wesentlich

sind aber auch die sozialen Beziehungen.

Im Positionspapier haben wir versucht,

deutlich zu machen, dass es auch

um das persönliche Engagement geht. Man

sollte vernetzt, Teil einer Gesellschaft sein.

„KF“: Es fällt auf, dass auf die Partizipation,

also die Teilhabe, Wert gelegt wird. Warum?

Gotzmann: Je mehr sich die Menschen bewusst

werden, was Teil ihrer Heimat ist,

sei es Materielles oder Immaterielles, desto

wertvoller wird diese Heimat – und damit

auch die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen,

sie zu gestalten oder

zu erhalten.

„KF“: In Südtirol ist Heimat sehr eng mit

Tradition verstrickt. Wie wichtig ist Tradition?

Gotzmann: Es ist interessant, dass in gewissen

Gebieten wie Südtirol, Bayern, Österreich,

aber auch in Schleswig Holstein

Bund Heimat und Umwelt in Deutschland

Inge Gotzmann

Der 1904 gegründete Bund Heimat und Umwelt

in Deutschland (BHU) ist der Bundesverband

der Bürger- und Heimatverbände in Deutschland

– vergleichbar mit dem Heimatpflegeverband

in Südtirol, jedoch auf gesamtstaatlicher

Ebene. Über seine 18 Landesverbände vertritt

er rund 500.000 Mitglieder und ist damit die

größte kulturelle Bürgerbewegung dieser Art in

Deutschland.

oder Mecklenburg Vorpommern Heimat

stark mit Traditionen wie Tracht, Tanz und

Musik verbunden ist. Wir hier in Bonn –

der Sitz des BHU ist in Nordrhein-Westfalen

– verbinden Heimat im Vergleich weniger

mit diesen traditionellen Themen.

Insofern ist das ein weiterer Aspekt, der

beweist, dass Heimat ganz unterschiedlich

wahrgenommen wird.

„KF“: Wie könnte man Ihrer Ansicht nach

junge Menschen dazu animieren, sich mit

dem Heimatbegriff auseinanderzusetzen

und also auch mit den Themen der Heimatverbände?

Gotzmann: Jugend ist für unseren Verband

ein Dauerthema, wohl auch deshalb, weil

es nicht so einfach ist, jüngere Generationen

mit unseren Ideen zu erreichen. Es

gibt eine ganze Reihe von Initiativen, deren

Erfolg aber sehr von den Personen abhängt,

die mit den Kindern und Jugendlichen

in Kontakt stehen. Ebenso ist es bei

den Schulprojekten, die nur dort gut gelingen,

wo das Engagement und Interesse

von Direktoren oder Lehrpersonen entsprechend

ist. Leider sind Lehrpersonen stark

an Vorgaben gebunden und haben kaum

die Möglichkeit, den Unterricht frei zu gestalten.

Ich bin mir aber sicher, dass mit

zunehmendem Alter auch das Interesse

an Heimat steigt.

„KF“: Die gute alte Heimatkunde wieder

als Schulfach …?

Gotzmann: Ich bin mir nicht sicher, ob das

die Lösung ist. Kritische Stimmen sagen,

dass es dann zur Pflicht würde, und wir

wollen ja eigentlich die Begeisterung, das

ehrliche Empfinden für den Wert der Heimat

stärken. Vielleicht ist es sinnvoller, Angebote

zu machen, die freiwillig sind und

jungen Leuten Spaß machen.

„KF“: Der BHU hat seine Haltung zum Begriff

„Heimat“ auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Wie reagieren Menschen, Organisationen,

die Politik?

Gotzmann: Es gibt eigentlich kaum offizielle

Reaktionen. Was uns aber aufgefallen

ist, dass sich junge Menschen, die sich bei

uns auf eine Stellenausschreibung bewerben,

im Internet über uns erkundigen und

wissen wollen, was wir überhaupt machen,

wofür wir stehen, ob wir womöglich rechtsgerichtet

sind. Sie sind dann meist positiv

überrascht, wenn sie den Inhalt des Positionspapiers

lesen, weil sie merken, welch

weltoffene und in die Zukunft gerichtete

Haltung wir haben.

KulturFenster 47

01/Februar 2022


verwurzelt

Emotional, sozial, persönlich

Auszüge aus der Positionsbestimmung des BHU in Deutschland

➤ Heimat entsteht aus emotionalen Bindungen

und sozialer Vernetzung in einem

persönlichen Handlungs- und Verantwortungsraum.

➤ Heimat bedeutet Verortung, die materiell

und räumlich, virtuell oder in anderen

Formen ausgebildet ist. Ankerpunkte

für Heimat können die Landschaft, die

Stadt, das Dorf oder die Nachbarschaft

sein, das Natur- und Kulturerbe, aber

auch Arbeit und Gemeinschaft, geteilte

Überzeugungen, gemeinsame Interessen

und vielfältige Weisen des realen

und virtuellen Austausches von Menschen.

Heimat ist dynamisch, weil es

im Leben der Menschen viele Ankerpunkte

geben kann.

➤ Wenn Menschen sich verankert und

gestärkt fühlen, empfinden sie ihr Lebensumfeld

als Heimat, denn Heimat

betrifft den Menschen als soziales Wesen.

Als persönlicher Verantwortungsraum

umspannt Heimat Lokales und

Globales. Geschichtsbewusstsein und

die Suche nach Erklärungen dafür, warum

die Dinge so – geworden – sind, wie

sie heute sind, gehören zur Aneignung

von Heimat. Freude am Mitwirken und

Ideen für die Zukunft sind weitere wichtige

Triebfedern, wenn es darum geht, individuelle

und gesellschaftliche Lebensqualität

zu erhalten und zu gestalten.

➤ Heimat zu fi nden, ist auch ein Vernetzungsprozess,

der den sozialen Zusammenhalt

stärkt. Die Grundlage dafür ist

die Kommunikation, eine entscheidende

Voraussetzung ist die Möglichkeit der

Teilhabe und der Teilnahme für alle.

➤ Um Heimat zu pflegen und zu gestalten,

braucht es das Engagement der

Zivilgesellschaft, der Bürgerinnen und

Bürger. Heimat-, Geschichts- und Bürgervereine

sowie viele neu entstandene

Formen von Engagement haben große

Bedeutung für das soziale Leben, im

ländlichen Raum ebenso wie in den

Städten. Mit ihrer Arbeit tragen diese

engagierten Menschen zur Stabilität der

Gesellschaft bei, zum Beispiel in Zeiten

neuer Ideale des Wirtschaftens und Zusammenlebens

sowie im Spannungsfeld

staatlicher Hoheit und privatisierender

Partizipation ist ein wichtiges Schlagwort. „Das Recht auf Mitgestaltung der Heimat …

soll allen Menschen zugestanden werden“, heißt es im Positionspapier. Foto: BHU

Tendenzen. Das Recht auf Heimat ist

ein Menschenrecht; auch das Recht auf

Partizipation verstehen wir so.

➤ … Heimat endet nicht an politischen

Grenzen: So mobil die Menschen sind,

so mobil ist auch Heimat geworden.

Heute leben und agieren viele Menschen

nacheinander an mehreren, oft

weit voneinander entfernten Orten, die

sie als Heimat bezeichnen. Sie haben

also mehrere Heimaten. Eine wichtige

Aufgabe unserer Zeit ist es, Menschen

den Erwerb emotionaler Bindungen an

weitere Heimaten zu ermöglichen. …

Aus der Überzeugung, dass Heimat

dynamisch ist und den Zusammenhalt

im größeren Rahmen braucht, fordern

wir, dass die europäische Zusammenarbeit

nicht auf wirtschaftliche Zusammenhänge

verengt wird, sondern die in

Europa beheimateten Bürgerinnen und

Bürger in den Mittelpunkt des Handelns

stellt. Deswegen müssen die Menschen,

ihre Gefühle und Bedürfnisse immer im

Blick behalten werden.

Um Heimat zu pflegen und zu gestalten, braucht es das Engagement der Zivilgesellschaft.

Foto: E. Runer

KulturFenster 48

01/Februar 2022


informiert & reektiert

Heimat und Jugend

Das Jahresthema 2022 stellt die jungen Menschen in den Mittelpunkt

Der Heimatpflegeverband

Südtirol setzt im

laufenden Jahr den Fokus

seiner Arbeit auf die

Jugend. Spannende Initiativen

sind geplant.

Junge Menschen sind sehr wohl zu begeistern

und für wichtige Themen zu

bewegen.

Foto: Pixabay

Die Tätigkeiten des Heimatpflegeverbandes

sind

sehr breit gefächert, geht

es doch um die Kulturund

Naturlandschaft in

Südtirol. Deshalb hat der

HPV auch die Fokussierung

auf ein Jahresthema

in sein Programm aufgenommen.

2021 lautete

das Schwerpunktthema

„Baukultur“, das mit Tagungen,

Info-Veranstaltungen,

Ortsbegehungen

und Medienberichten behandelt

wurde.

2022 soll im Zeichen der

Jugend stehen: Die Kinder

und Jugendlichen von heute sind die Erwachsenen

und Entscheidungsträger*innen

von morgen. Deshalb erscheint es uns

wichtig, sie so früh wie möglich für viele

gesellschafts- und kulturrelevante Themen

zu sensibilisieren. Es bietet sich hier eine

große Auswahl an Themen an, die wir als

Heimatpfleger*innen auch behandeln.

Über das Kennenlernen unserer Heimat

wird die Wertschätzung und in der Folge

im besten Fall der persönliche Einsatz für

Natur und Kultur angestoßen.

Schule als Partnerstruktur

An welcher Stelle kann man bei Kindern

und Jugendlichen ansetzen? Neben der

Familie ist es vor allem die Schule, in der

man junge Menschen erreichen und aktivieren

kann. In Zusammenarbeit und Absprache

mit erfahrenen Pädagog*innen, mit

dem Katholischen Südtiroler Lehrerbund

(KSL) und der Pädagogischen Abteilung

des Landes Südtirol gab es bereits Vorgespräche,

um zu eruieren, welche Themen

und Methoden sich am besten eignen, um

junge Menschen zu sensibilisieren, welche

Partner*innen man hierzu braucht und für

welche Themen die Erarbeitung von didaktischem

Material notwendig ist.


Die Kinder und Jugendlichen von

heute sind die Erwachsenen und

Entscheidungsträger*innen von

morgen. Deshalb erscheint es uns

wichtig, sie so früh wie möglich für


viele gesellschafts- und kulturrelevante

Themen zu sensibilisieren.

Claudia Plaikner

Da junge Menschen täglich sehr viel Zeit

in der virtuellen Welt (Smartphone, Computer

…) verbringen, erscheint es sinnvoll,

sie wieder vermehrt zu einer bewussten,

„realen“ Wahrnehmung ihres Lebensumfeldes

zu bewegen, um „mit Kopf, Herz

und Hand“ (Johann Pestalozzi) über das

kognitive Wissen, die emotionale Beteiligung

und die konkrete Aktivität möglichst

ganzheitlich der Welt zu begegnen und

sie mitzugestalten.

Geplante Projekte

Der Heimatpflegeverband möchte u. a.

das Projekt „Erkunde den Ort, an dem

du lebst“ angehen, einen „Heimatkoffer“

bzw. eine „Heimatmappe“ in Zusammenarbeit

mit pädagogisch-didaktischen

Fachleuten erarbeiten sowie im Rahmen

des fächerübergreifenden Lernbereichs

„Gesellschaftliche Bildung“ – zu dem u.

a. Kulturbewusstsein und Nachhaltigkeit

gehören – in den Schulen Angebote an

Lehrpersonen und Schüler*innen in den

genannten Bereichen machen.

Junge Menschen sind sehr wohl zu bewegen

und zu begeistern – man denke an die

Bewegung „Fridays for Future“. Wir möchten

sie darin unterstützen, durch die Aneignung

von Kenntnissen und durch die

Auseinandersetzung mit den Entwicklungen

in unserem Land verantwortungsbewusste

Gestalter*innen ihrer Heimat zu werden.

Claudia Plaikner

KulturFenster 49

01/Februar 2022


informiert & reektiert

Der Rucksack

Mit dem Leinen- oder Lederrucksack auf

den Markt – früher war das ein alltägliches

Bild.

Dinge des Alltags

aus Geschichte und

Gegenwart

Ein Rucksack gehört heute zum Alltag

und zur Freizeit vieler Menschen dazu.

Bereits die Kleinsten gehen mit einem

Säckchen auf dem Rücken in den Kindergarten.

Schulkinder verstauen in ihrem

Rucksack Bücher und Hefte, Erwachsene

nutzen ihn für den Transport

von Laptop und anderen Geräten. Paketzusteller,

die in den Städten durch die

Straßen und Gassen fl itzen, verwenden

ihn sowieso. Aus den Freizeitaktivitäten

ist der Rucksack erst recht nicht mehr

wegzudenken. Er hat es zum Universaltransportmittel

geschafft.

Während gegenwärtig ständig neue Modelle

und gerade für Sport- und Freizeitzwecke

immer leichtere Materialien auf

den Markt kommen, waren Rucksäcke ursprünglich

aus Leder oder starkem Leinen

gemacht. Neben dem großen Beutel hatten

sie zum Teil auch Außenfächer mit Riemen

und Schnallen.

Wann und wo der Rucksack entstanden

ist, ist nicht bekannt. Im Reclam-Kostümlexikon

wird er als „beutelförmige Tasche

mit zwei Gurten“ beschrieben. Zur Verwendung

steht Folgendes: „Bereits seit der

Bronzezeit, u. a. zum Transport von Salz aus

Bergwerken, erhielt er sich besonders bei

Jägern und Wanderern“. Die Liste der einstigen

Träger*innen ließe sich stark erweitern.

So waren Rucksäcke fester Bestandteil

der Ausrüstung von Soldaten. Auch Bauern,

die auf einen Markt gingen, oder Handwerker

auf der Stör trugen einen Rucksack

auf dem Rücken.

Neben diesen Funktionen als Tragegerät

war ein Rucksack aber noch weit mehr.

Der Inhalt des Sackes, gefüllt mit Wäsche

und persönlichen Dingen, war oft alles, was

ein Mensch besaß. So fand das Hab und

Gut von Dienstboten, die an den Schlenggeltagen

ihren Arbeitsplatz wechselten, im

Rucksack Platz. Im Vintschger Museum in

Schluderns ist ein Exemplar aus Leinen ausgestellt,

weil „ein Rucksack und ein Wanderstab“

oft das Einzige waren, das Schwabenkinder

bei sich hatten, als sie ihre Heimat

verließen und sich auf den Weg machten.

Im Etschtal und am Tschögglberg wurde für

den Rucksack der Begriff „Schnurfer“ verwendet.

Diese Bezeichnung mag vom Wort

schnurfen (einziehen, schrumpfen) kommen.

Barbara M. Stocker

Rucksäcke trugen auch Frauen, die in

der Stadt einkauften oder ihre Waren

verkauften.

Fotos: Erika Groth-Schmachtenberger,

Archiv SVM/ Inv.-Nr. 241 und 5296.

50

KulturFenster 01/Februar 2022


Heimatpege

Immaterielles

UNESCO-Weltkulturerbe als Ziel

Waale im Obervinschgau auf nationaler Liste des immateriellen Kulturerbes

Die Wiesenbewässerung auf der Malser

Haide ist eine jahrhundertealte Kulturtechnik,

die bis heute nichts von ihrer Effizienz

und Faszination eingebüßt hat. Davon ist

auch das Landwirtschaftsministerium in Rom

überzeugt und hat die Praktik der traditionellen

Bewässerung im Obervinschgau auf

die nationale Liste für landwirtschaftliche

Praktiken und traditionelles Wissen gesetzt.

Knapp 400 Hektar werden auf der Malser

Haide noch traditionell über Waale bewässert,

indem sie nach einem streng geregelten

Zeitplan, der sogenannten „Road“, in

regelmäßigen Abständen überflutet werden.

„Die Kulturtechnik der Überflutung

hat keinen musealen Charakter, sondern

ist eine effiziente Technik, die heute nach

wie vor so angewandt wird wie vor Hunderten

von Jahren“, erklärt Verbandsobfrau

Claudia Plaikner. „Aus diesem Grund

sind wir der Meinung, dass sie auch eine

Zukunft haben sollte.“

Auf Bedeutung der Waale

aufmerksam machen

Der Heimatpflegeverband arbeitet zusammen

mit der Bauernbund-Ortsgruppe Burgeis,

der Gemeinde Mals, dem Heimatpflegeverein

Mals und dem Wirtschaftsdienstleister

IDM daran, die traditionelle Bewässerung im

Obervinschgau über Waale zum internationalen

immateriellen Weltkulturerbe zu machen.

Damit soll der Öffentlichkeit der Wert

und die Bedeutung dieser Kulturtechnik vor

Augen geführt werden, aber auch welcher

Aufwand damit verbunden ist. Gleichzeitig

wären damit auch neue Projekte und Fördermittel

zugänglich, um die traditionelle

Bewässerung attraktiv zu halten.

Nun wurde mit der positiven Bewertung des

Ansuchens und der Aufnahme in das nationale

Register eine erste wichtige Etappe

erreicht.

Nächster Schritt: Aufnahme

in die Welterbe-Liste

Mehrere Interessensgruppen in Deutschland,

der Schweiz, Belgien, Niederlande,

Luxemburg und vor allem in Österreich stellen

in Kürze ein gemeinsames Ansuchen

für die Aufnahme der traditionellen Bewässerung

über Kanäle in die internationale Liste

des immateriellen Weltkulturerbes. Nun

steht fest, dass auch Südtirol dabei ist. Die

italienische UNESCO-Kommission hat Mitte

Jänner 2022 der Teilnahme an der internationalen

Bewerbung zugestimmt.

HPV


Die Kulturtechnik der Überflutung

hat keinen musealen Charakter, sondern

ist eine effiziente Technik, die


heute nach wie vor so angewandt

wird wie vor Hunderten von Jahren.

Claudia Plaikner

Als immaterielles Weltkulturerbe

könnten die Waale mehr Aufmerksamkeit

erhalten.

Die Kulturtechnik der Überflutung mit

Hilfe von Waalen ist alt, aber dennoch

modern und hocheffizient. Fotos: HPV

KulturFenster 51

01/Februar 2022


informiert & reektiert

Die Kornelkirsche (Cornus mas)

Natur-, Kultur- und Namensgeschichte eines besonderen Strauches

„A blianete Granellschtaud hinter der Kirch“ in Vilpian

Nach den kalten Wintertagen läuten die

Blüten der Kornelkirsche in vielen Teilen

Südtirols den Frühling ein. Grund genug,

um die Kornelkirsche vorzustellen.

Die Kornelkirsche (auch Gelber Hartriegel)

gehört zur Familie der Hartriegelgewächse.

Mit seinen schwefelgelben, vor

dem Laub erscheinenden Blüten, läutet

der Strauch Ende, mitunter sogar Mitte

März bis Anfang April den Frühling auf

unseren Mittelgebirgsterrassen ein.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Kornelkirsche

erstreckt sich von Ostösterreich

über den gesamten Balkan bis nach

Kleinasien, den Kaukausus und die Krim,

sie kommt aber auch in Italien und Frankreich

vor. Die Nordgrenze bildet Mitteldeutschland.

Der anspruchslose Strauch

liebt sonnige Hänge, Waldränder, ist kalkhold

und wird bis zu 100 Jahre alt. Einzelexemplare

erreichen mitunter ein Alter von

250 Jahren. Das größte bekannte Exemplar

ist die „Sigrid-Dirndl“ in Michelbach

(Niederösterreich) mit einem Stammumfang

von 1,8 Metern.

Woher die

Bezeichnung kommt

Der Name Kornelkirsche ist eine Entlehnung

aus dem lateinischen cornus

„Hartriegel“ (hart wie ein „Horn“), woraus

sich die Diminutivform cornolium entwickelte,

Ausgangspunkt für das im 11. Jh.

belegte althochdeutsche churniboum bzw.

chuirnilboum. In den verschiedenen Tiroler

Mundarten wird der Strauch mit den

schmackhaften roten Früchten durchwegs

Granellschtaud, Garnelln, Grinelln

oder Ganelln genannt. In Bayern, Salzburg,

Kärnten, der Steiermark und Böhmen

kennt man ihn als Dirnbaum oder Diandl;

in Süd- und Mitteldeutschland wird

er Dirlitz, Horlitze bzw. Herlitze genannt.

Orts- und Flurnamen

Von der mundartlichen Form Granell leiten

sich zahlreiche Flurnamen ab, wie

z’Garnella in Stilfs, Garnelln in Kaltern,

Garnell in Latzfons oder der Garnellbühl

in St. Oswald/Kastelruth. Im milden Westen

und Süden Südtirols stößt man häufig

auf den Hof- und Geländenamen Karnol

(Goldrain, Naturns, Grissian, Andrian,

Aldein, St. Andrä), der mundartlich oft zu

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01/Februar 2022


Heimatpege

Ginoal verschliffen wurde. Karnol ist eine

Entlehnung aus dem Alpenromanischen

*kornj la (area) „Gelände mit Kornelkirschenbewuchs“.

Es gibt noch weitere Namen,

in denen die Kornelkirsche steckt:

Kornell in Siebeneich, Karnod in Völs und

der Ort Karneid. Letzterer könnte auf ein

romanisches Mengensuffix *cornēdu

„Kornelkirschen-Bestand“ zurückgehen.

Ein Eisenholz

Die häufigen Flur-, Hof- und Ortsnamen

setzen voraus, dass die Kornelkirsche früher

häufig angepflanzt wurde – aus einem

ganz bestimmten Grund: Es handelt sich

um das härteste in Europa vorkommende

Holz, das zu den sogenannten Eisenhölzern

zählt. Ein Schlag auf den Stamm

dieses Strauches genügt. Erstaunlich ist

auch, dass das dichte Holz im Wasser

nicht schwimmt.

Das „Eisenholz“ ist technologiegeschichtlich

bedeutsam. Es wurde dort eingesetzt,

wo man beanspruchte Holzteile brauchte,

also für die Herstellung von Messergriffen,

Hammerschäften, Zahnrädern in Mühlwerken,

Klüpfeln in der Bildhauerei, hölzerne

Schusternägel, Kämme oder mathematische

Instrumente. Vor allem aber

benötigten Drechsler und Rädermachern

das harte Holz zur Herstellung der Radspeichen.

Feste Spazierstöcke wurden

und werden nach wie vor aus „Granellenholz“

geschnitzt.

Ein Strauch für harte

Männer...

Einen abgehärteten Mann nennt man in

Kastelruth und Völs heute noch einen

„Granellenen“, die lateinische Artkennzeichnung

„mas“ bedeutet „männlich“

im Sinne von „hart, beständig“.

Aus der Geschichte weiß man, dass die

Wurfspeere der Antike, wie die sechs Meter

hohen Lanzen der mazedonischen Phalanx,

vorzugsweise aus dem Holz der Kornelkirsche

bestanden. „Er schwang die

mit Erz vorblinkende Last der Kornelle“,

dichtet Ovid in den Metamorphosen und

umschreibt metaphernreich den Speer.

Der Dichter Pausanias überliefert, dass

das Trojanische Pferd aus Granellenholz

gezimmert war, um die menschliche Last

in seinem Inneren zu tragen. Dass der

Bogen des Odysseus aus dem Holz der

Kornelkirsche bestand, versteht sich von

selbst. Selbst seine in Schweine verzauberten

Gefährten wurden mit Eicheln,

Bucheckern und Granellen gemästet.

Auf dem römischen Palatin stand der

Überlieferung nach ein uralter Kornelkirschenbaum,

der wieder austrieb, als

Romulus und Remus ihre „kornellene“

Lanze als Grenze in den Boden stießen.

Früchte und Destillate

Die in überreifem Zustand wohlschmeckenden

Früchte werden Anfang September

geerntet und zu Marmeladen, Kompotten

und Fruchtsäften verarbeitet. In

Albanien und in der Türkei wird daraus das

Erfrischungsgetränk „Scherbet“ hergestellt.

Am Balkan sind die Früchte im Herbst allgegenwärtig

und bis heute ein Grundnahrungsmittel

geblieben. Eine Spezialität ist in

Niederösterreich der Dirndlbrand – ideal,

um auf den Frühling anzustoßen.

Johannes Ortner

Schneaglögglen

Ban Mühlbachl untn,

die Schneaglögglen, die zortn,

kennens foscht nimmr drwortn.

Tians Köpfl gonz gwundrig zan Himml reckn;

dr Winter isch long gnua gwesn,

wou sie sich hom gmiaßt vrsteckn

und iatz tuat sie der erschte worme Sunnenstrohl weckn.

Olt und jung, olle hom drmit a Freid,

wenns draußn wiedr griant und treib,

dr Langes isch nimmer weit!

Maria Sulzer

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informiert & reektiert

Quadra, Fascha und Gebreite

Serie: Flurnamen aus der Agrargeschichte (6)

Fascha

Im „KulturFenster“ Nr. 06/2021 wurde

das weite Themenfeld der Rodungsnamen

abgeschlossen. In dieser und in den folgenden

Ausgaben werden nun historische

Flurnamen in Bezug auf Acker- und Feldbau

vorgestellt.

Quadra

Fascha, Matsch;

Franziszeischer Kataster 1855–1861

Bei Quadres in Mals ist der

quaderartige Flurblock (bestehend

aus 8 Grundparzellen)

noch gut zu erkennen.

Franziszeischer Kataster 1855–1861

Die Gebreite (mda. Gipraate)

in Oberolang

Franziszeischer Kataster 1855–1861

Im Obervinschgau, im Tiroler Oberland

und in Graubünden stößt man immer wieder

auf den Flurnamentyp „Quadra“. Ein

Beispiel: die Groß- und Klein-Quadra in

Burgeis. Goswin von Marienberg erwähnt

im Urbar von 1394 allein für Burgeis eine

Quadraprada, eine Quadra de cruce und

eine Quadra abbatisse). Jeweils eine Quadra

ist in Schleis, Prämajur, Taufers i. M.

und in Glurns zu verzeichnen, auffälligerweise

jeweils bei den frühmittelalterlichen

Eigenkirchen St. Jakob in Söles sowie St.

Lorenz. Weitere Beispiele: Quadres in Mals

und in Matsch, jeweils eine Quadrella in

Taufers i. M. und in Laatsch. Ableitungen

zu Quadra kennt auch das bereits früher

eingedeutschte Burggrafenamt: Quadrat

(mda. Ggo-drëgg) bei Partschins und vermutlich

auch Gratsch bei Meran, das sich

von alpenromanisch *quadratšja ableiten

könnte. Im Puster-, Wipp- und Eisacktal

ist „Quadra“ unbekannt.

Der Begriff „Quadra“ ist lateinisch und bedeutet

in etwa „Flurblock, ausgemessener

Flurteil“. Bei den Quadra-Fluren handelt

es sich um die Altackerareale einer Gemeinde

von ausgezeichneter Bodenqualität.

Diese Gunstlagen des Getreidebaus

wurden im Theresianische Kataster dann

auch relativ hoch besteuert.

Der ungeteilte Quadra-Block wurde ursprünglich

gemeinschaftlich bebaut. Erst

in der Folge wurde er in Streifen parzelliert,

ähnlich wie die Gewanne in Mitteldeutschland

im Rahmen der Dreifelderwirtschaft.

Lange und schmale Ackerparzellen waren

beim Pflügen erwünscht, gerade in

alpiner Hanglage. Dies hatte den Vorteil,

den Pflug samt Zugtieren an den Ackerrändern

selten wenden zu müssen.

Im romanischen Vinschgau wurden die

Ackerzeilen „Fascha“, „Faschen“ oder

„Pfasch“ genannt, zu romanisch *faša

„Binde, Streifen“. Auffallend ist, dass sich

die „Faschen“ manchmal genau neben

einer Quadra befinden... A Långs und a

Geproats könnte man in Abwandlung einer

bekannten Tiroler Redensart fast sagen...

In Taufers im Münstertal, Schlinig (hier

als Verkleinerung „Faschetta“), Schleis,

Laatsch (1419 Fäsch, 1669 in Fäsches),

Matsch und Prämajur gibt es jeweils Fluren

dieses Namens. „Pfaschen“ fi nden sich

vinschgauabwärts in Prad, Tschengls,

Morter, Tschars und Tabland.

Gebreite

Im kaum romanisch unterschichteten Südtirol

gibt es eine genaue Entsprechung zu

den rätoromanischen Quadrafluren, nämlich

die „Gebreite“ bzw. „Gebreitige“ (mda.

Geproaten, Proatn). Im langobardisch geprägten

Oberitalien gibt es den entsprechenden

Flurnamen „Braida“.

Gebreiten sind – wie der Name schon aussagt

– „breite“ Flurkomplexe mit gutem

Heu- und Kornertrag. Ganz ähnlich wie

bei der Quadra hat jede Gemeinde immer

nur eine auf diese Weise benannte Flur.

Beispiele quer durch Südtirol: Es gibt jeweils

eine Gebreite in Riffian, Gratsch, Schenna,

Völlan, Nals, Latzfons, Feldthurns, Pinzagen,

St. Andrä, Karnol (Hofname Gebreitner,

der bereits 1268–1280 als Gepraite

belegt ist), Valgenäun, Stilfes, Lüsen, Rodeneck,

Terenten, Pfalzen, Montal, Gais

(hier „Giproatige“), Stefansdorf, Reischach,

Olang, Antholz und in Niederdorf.

Johannes Ortner

KulturFenster 54

01/Februar 2022


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Heimatpege

Säulenbildstock beim

Burgerhof renoviert

Heimatschutzverein kümmert sich um Erhaltung

Am 16. August 2021 zog ein heftiges Gewitter

mit Sturm über Lana hinweg. Dabei wurde

der 1930 errichtete neugotische Säulenbildstock

beim Burgerhof am alten Braunsberger

Weg am Frigeleberg umgeworfen und zerbrach

in mehrere Teile.

Beim Lokalaugenschein von Simon Terzer

und Albert Innerhofer vom Heimatschutzverein

Lana mit Regina Verdorfer und Peter

Holzner vom Burgerhof wurde vereinbart,

diesen Bildstock wieder herzurichten

und aufzubauen. Dabei sollten vor allem die

wertvollen Fresken vom Maler und Restaurator

Cassian Dapoz (1874–1946) erhalten

und zudem renoviert werden. Mit Hilfe von

Architektin Annemarie Mitterhofer, die hierfür

auch alle bürokratischen Arbeiten für

das Bauamt erledigte, gelang es, eine Baufirma

zu finden, die wichtige Arbeiten ausführte.

Die Lananer Firma Carlucci rückte

mit einem Kranauto an, um die Teile des

zerstörten Bildstocks zu bergen und in die

Werkstatt zu bringen.

Aufwändige Arbeiten …

Die Gebrüder Michele und Marco Carlucci

begannen nun, den unteren, total zerstörten

Säulenschaft neu in Beton zu gießen. Der

gesamte Säulenbildstock wurde statisch

wiederum vollständig hergestellt. Der wertvollste

obere Teil mit den Fresken wurde aufgesetzt

und am Schaft integriert. Auch das

mit Mönch-und-Nonne-Ziegeln eingedeckte

Zeltdach musste neu errichtet werden.

Restaurator Hubert Mayr aus Percha reinigte

anschließend die drei in Secco-Malerei

ausgeführten Bilder Christus auf dem

Thron (Herz Jesu), Maria und der hl. Josef.

Die Malschicht wurde gefestigt, die Untergründe

wurden demineralisiert und die

neuen Zementteile geätzt. Die schadhaften

und fehlenden Stellen wurden ergänzt, die

roten Umrahmungen an den Kanten erneuert.

Ein rechteckiges Feld zeigt an der

Säule eine Totenbahre, die ebenfalls erneuert

wurde. Dies ist ein Hinweis auf die dortige

ehemalige Totenrast.

… und aufwändiger Transport

Nun transportierte die Firma Gufler Baustoff

aus Burgstall den erneuerten Säulenbildstock

in die Ultner Straße und stellte diesen

noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch

Ende November mittels eines großen Krans

dort auf, wo zuvor ein neues Fundament

gegossen worden war. Dank gebührt dabei

der Firma Gufler für die unentgeltliche Bereitstellung

des Kranautos mit Fahrer. Der

Dachaufsatz mit Kugel und Kreuz wurde

noch vom Spengler Günther Husnelder

aus Lana erneuert und ergänzt. Die Kosten

für die Erneuerung dieses Säulenbildstocks

übernahmen die Familie vom Burgerhof

sowie der Heimatschutzverein Lana.

Dazu kamen ein Erlös aus dem Frigeleberg-

Fest sowie eine Spende von Veronika und

Hannes Herz. Am Dreikönigstag bedankten

sich Regina Verdorfer und Peter Holzner

bei einem Umtrunk bei den Sponsoren

und den Nachbarn.

Albert Innerhofer

Der zerstörte …

… und nun wieder erneuerte Säulenbildstock

beim Burgerhof Fotos: Simon Terzer, Albert Innerhofer

KulturFenster 55

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Heimatforscher

Blasius Marsoner

Gedenkschrift vorgestellt

Blasius Marsoner (1924 –1991)

Zum 30. Todestag des Heimatforschers, Lyrikers

und Essayisten Blasius Marsoner aus

St. Pankraz wurde am 24. September 2021

im Kultursaal von St. Pankraz eine Gedenkschrift

vorgestellt. Herausgegeben wurde

das Werk vom Verein für Kultur und Heimatpflege

St. Pankraz in Zusammenarbeit

mit dem Südtiroler Künstlerbund.

Diese Gedenkschrift ist ein Versuch, Marsoners

Leben und Werk zwischen zwei Buchdeckeln

festzuhalten und seine literarischen

Leistungen zu würdigen. Im Rahmen einer

schlichten Feier mit musikalischer Begleitung

wurde zunächst in kurzen Streiflichtern

anhand von Bildern das schicksalhafte

Leben Marsoners aufgezeigt.

Fast 20 Jahre hat Blasisus Marsoner der

Übersetzung der „Divina Commedia“ von

Dante Alighieri gewidmet.

Fast 20 Jahre hat Marsoner der Übersetzung

der „Divina Commedia“ von Dante

Alighieri gewidmet, einem der bedeutendsten

Werke der Weltliteratur. Marsoner hatte

ein ausgezeichnetes Sprachgefühl. Neben

dieser Übersetzung ins Deutsche hat

Marsoner auch mehrere „Gedichte“, eine

„Geschichte des Ultentales“ und eine 200

Seiten umfassende Abhandlung „Meine

Weltanschauung“ verfasst.

Besonders am Herzen lag Marsoner die Erhaltung

echter Werte in seinem Heimattal.

Er hat oft den moralischen Zeigefinger erhoben,

wurde aber vielfach nur belächelt.

Darunter hat er sehr gelitten.

Ferruccio Delle Cave, ein Kenner der

Südtiroler Literaturlandschaft, hob bei

der Feier Marsoners literarische Leistungen

hervor und zeigte die Besonderheiten

dieser einmaligen Übersetzung

der „Divina Commedia“ auf. Es ist die

einzige deutsche Übersetzung im gesamten

Alpenraum.

In der öffentlichen Bibliothek St. Pankraz

können sämtliche Texte Marsoners in kopierter

Form eingesehen werden. Die Gedenkschrift

ist in der Bibliothek kostenlos

erhältlich.

Luis Egger

Verein für Heimatpflege St. Pankraz

KulturFenster 56

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Heimatpege

Kapelle und Gasthaus

mit Geschichte

Beispiele für gelungene Renovierungen beim Tag des offenen Denkmals

Im Zeichen zweier vor kurzem sanierter und

renovierter Objekte am Gries in Oberlana stand

der 18. Tag des offenen Denkmals. Der Heimatschutzverein

und der Bildungsausschuss

Lana hatten zur Besichtigung von Gasthaus

und Kapelle in der Metzgergasse sowie zur

Segnung der letzteren eingeladen.

Der Tag des offenen Denkmals war von einer

ehrenamtlichen Arbeitsgruppe vorbereitet

worden, die fast drei Jahre daraufhin gearbeitet

hatte. Coronabedingt hatte die Veranstaltung

2020 nicht abgehalten werden können.

Umso erfreulicher war es daher, als am

25. September 2021 Albert Innerhofer, Obmann

des Heimatschutzvereines, zahlreiche

Gäste begrüßen konnte. Er umriss die seit

2004 andauernden Bemühungen des Vereines,

die Wiesmair-Kapelle, die seit 1990

eine Denkmalschutzbindung aufweist, zu

restaurieren. Mit einem Eigentümerwechsel

vor wenigen Jahren konnte das Vorhaben

umgesetzt werden. Unter Aufsicht des

Denkmalamtes erfolgten Innen- und Außenrestaurierung,

wobei u. a. die barocke Fassung

mit Architekturmalerei und ein qualitätsvolles

Fresko des hl. Antonius von Padova

zum Vorschein kamen (einen ausführlichen

Bericht dazu gibt es im „KulturFenster“ Nr.

3/2020). Albert Innerhofer dankte allen, die

zur Aufwertung dieses Kulturdenkmales beigetragen

hatten.

Authentische Gastround

Hotelkultur

Die Wiesmair-Kapelle wurde von Diakon Hubert Knoll gesegnet.

Nach der Segnung der Kapelle durch Diakon

Hubert Knoll luden Martina und Andreas

Heinisch, die Betreiber des Gasthauses

„Reichhalter“, zu einem Umtrunk. Gertrud

Margesin, Obfrau des Bildungsausschusses,

sprach Begrüßungsworte, bevor Kapelle und

Gasthaus mit Führungen den ganzen Tag

über besichtigt werden konnten.

Eva Gadner, Christoph Gufler und Simon

Terzer erklärten den knapp 100 Interessierten

nicht nur die Geschichte beider Objekte,

sondern auch Wissenswertes zu den

Renovierungen und Revitalisierungen. Besonders

das Gasthaus „Reichhalter“ konnte

nach langjähriger Führung durch die bekannte

Wirtin Balbina Geiser Peintner und

folgendem Eigentümerwechsel in ein inzwischen

weltweit bekanntes Boutiquehotel

unter Führung von Klaus Dissertori umgewandelt

werden. Mit viel Gespür für eine

authentische Gastro- und Hotelkultur haben

Architekt Zeno Bampi und Einrichtungsarchitektin

Christina Biasi von Berg das ortsbildprägende

Gebäude wieder zu einem inte-

Fotos: Patrick Schwienbacher

ressanten Begegnungsort gemacht. Gerade

an der Wiesmair-Kapelle und am Gasthaus

„Reichhalter“ zeigte sich in bester Weise,

was der Tag des offenen Denkmals schon

seit der Begründung durch Altbürgermeister

Christoph Gufler bezweckt, nämlich auf

wertvolle Baudenkmäler aufmerksam zu

machen und dadurch beispielgebend deren

Erhaltung und Renovierung zu fördern.

Simon Terzer

Heimatschutzverein Lana

Authentisch und ortsprägend:

das Gasthaus

„Reichhalter“ in

Lana, hier beschrieben

von Christoph

Gufler.

KulturFenster 57

01/Februar 2022


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Südtiroler Motive für hohe Kunst

Buchtipp: Der Kunstmaler Oskar Mulley und seine Werke

Oskar Mulley (1891–1949) war ein bekannter

Kunstmaler mit interessantem Südtirol-

Bezug. Sein Urenkel und Nachlassverwalter

Herbert Ascherbauer hat nun ein Buch

über Mulley herausgegeben.

Oskar Mulley kam in Klagenfurt zur Welt.

Schon in der Realschule war das Zeichnen

und Malen seine große Leidenschaft.

Nach Abschluss der Kunstakademie trat

der akademische Maler seinen Präsenzdienst

an. Ende 1914 erfolgte die Einberufung

in den Krieg, der ihn 1916 an die

Südwestfront nach Südtirol führte. Dort

lernte er das Hochgebirge und die obersten

Siedlungen der Bauern kennen. Seine

Eindrücke hat er später in zahlreichen Bildern

verarbeitet.

Während des Ersten Weltkrieges erregte

Mulley erstmals auch im Süden Tirols

Aufmerksamkeit. Im Bozner Merkantilgebäude

gab es eine „Galerie heimischer

Kunst“. Dort war ein „äußerst gediegenes

Gemälde von Schloß Runkelstein“ ausgestellt,

das Ende Oktober 1917 mit einem

Artikel in der „Bozner Zeitung“ sowie in der

Zeitung „Der Tiroler“ (Innsbruck) gewürdigt

wurde. Im gleichen Jahr 1917 heiratete

Mulley Luise Staudacher aus Bruneck,

die er an ihrem Arbeitsplatz in der Bozner

Sparkasse kennengelernt hatte.

Zu Kriegsende 1918 wurde Mulley zum

Bei seiner Arbeit ließ sich der Künstler von der Südtiroler Landschaft inspirieren.

Stationskommando nach Kufstein versetzt,

wo er sich mit seiner Frau niederließ. Bald

schon konnte er sich als Künstler etablieren

und die materielle Existenz seiner Familie

– er hatte zwei Töchter – sichern.

„Egger Lienz der Landschaft“

Ab 1920 waren Mulleys vom Wiener Secessionismus

inspirierten Bilder in zahlreichen

Ausstellungen zu sehen. 1925 entstanden

die ersten Bilder hochalpiner Landschaften,

bei denen die mit Pinsel und Spachtel

dick aufgetragene Farbe geradezu in

Materie des Dargestellten übergeht. Einige

Mulley-Bilder wurden ausgezeichnet.

Auch wurde der Maler in die Künstlervereinigung

„Wiener Secession“ aufgenommen.

Die Presse bezeichnete ihn mitunter

als „Egger-Lienz der Landschaft“.

Mit der 1933 vom Deutschen Reich gegen

Österreich verhängten „1.000 Mark-

Sperre“ war Mulley von seinen deutschen

Kunsthändlern abgeschnitten. Schweren

Herzens verließ er deshalb das ihm zur

geliebten Heimat gewordene Land Tirol

und übersiedelte nach Garmisch in Bayern.

Dort widmete er sich fortan in feiner

Pinselmalerei und kleineren Bildformaten

Motiven des Alpenvorlandes.

Oskar Mulley verstarb im Jänner 1949.

Seine Bilder erzielen bis heute im Kunsthandel

und bei Auktionen beachtliche

Preise. Zwei Bilder sind in den Bergmuseen

von Reinhold Messner in Bruneck

und Bozen zu sehen.

Unlängst erschien ein Buch über Oskar

Mulley. Es ist über Buchhandlungen erhältlich

bzw. bestellbar, kann aber auch

per E-Mail (mulleybuch@gmail.com) um

35 Euro erstanden werden. Weitere Infos

dazu sind unter www.mulley.eu abrufbar.

Oskar Mulley um 1930

KulturFenster 58

01/Februar 2022


getragen

Leuchtend gelbe Immortellen

Ein Hauch von Orient auf Tiroler Trachtenhut

Sarner Trachtenhut mit Ewigkittar

Foto: KUADRAT – aus: „Die Sarner Tracht“,

Orientalische Strohblume

Foto: Wikimedia

Trocknen der Blütenstände

Foto: Internet

2011, S.103, Folio-Verlag

Bei der Männertracht spielt der Hut eine

wichtige Rolle. So ist es nicht verwunderlich,

dass man seit jeher versucht, durch

unterschiedlichstes Zierwerk den Blick ganz

besonders auf ihn zu lenken. Von Bändern

bis Kordeln, von Federn bis Flitterwerk, von

Schnallen bis Quasten findet man so ziemlich

alles, was einen Trachtenhut verschönern

kann. Ein besonderer Hingucker ist

dabei der Blumenschmuck, der sogar einen

ganz einfachen Hut gebührend aufhübschen

kann.

Blumen am Hut

Es ist bei uns Brauch, dass je nach Jahreszeit

und Anlass eine frische Blume auf

den Hut gesteckt wird. Naturblumen wie

die klassische Brennende Liab oder eine

rote Nelke mit etwas Geranienblatt, Asparagus

oder auch Eichenlaub verleihen

den Hüten erst ein festliches Aussehen.

Je nach Gegend kommen noch andere

Blumen zum Einsatz. Auch farblich ist so

ziemlich alles mit dabei. Bei Beerdigungen

allerdings wird auf Blumenschmuck verzichtet

und nur ein Fichtenzweig, etwas

Buchs oder Efeublatt am Hut getragen.

Ewigkittar

Mancherorts, wie zum Beispiel im Sarntal,

fallen goldgelb leuchtende Trockenblumen-Sträußchen

neben der roten Nelke

am Hut auf. Kleine, halbkugelige gelbe

Blüten ziehen unweigerlich die Blicke auf

sich. Ewigkittar, Ewigkeitsbuschn, Ewigkeitln,

Immortellen – alle Bezeichnungen

drücken letztendlich dasselbe aus: Diese

getrockneten Blümlein halten für immer,

bleiben immer gleich schön leuchtend gelb.

Orientalische Strohblume

„Helichrysum orientale“ – so lautet der

wissenschaftliche Name dieser Pflanze

aus der Familie der Korbblütler. Die Orientalische

Strohblume stammt ursprünglich

aus dem warmen Süden und hat von der

Westtürkei über die griechischen Inseln

der Ägäis ihren Weg in den mediterranen

Raum gefunden. Nässe liebt sie nicht. Am

wohlsten fühlt sie sich in der Vegetationszone

der Macchia. Interessant ist dabei die

Tatsache, dass sie trotz allem auch bei uns

an sonnigen, geschützten Stellen strenge

Winter mit bis zu minus zwölf Grad überstehen

kann. Wie sonst hätte sie wohl den

Weg auf unsere Trachtenhüte geschafft?

Trocknen der Blütenstände

Der immergrüne Halbstrauch ist in Südtirol

eher selten anzutreffen. Er wird bei

uns auch nur 20 bis 30 Zentimeter hoch.

Die mehrjährige Pflanze hat silbergraue,

an der Unterseite behaarte, rosettenartige

Blättchen. Die kleinen, doldenförmigen

Blüten erscheinen von Ende Juli

bis September an langen dünnen Stängeln.

Die Blüten dürfen nicht zu weit, aber

auch nicht zu wenig geöffnet sein, wenn

sie geschnitten, gebündelt und kopfunter

hängend im Schatten getrocknet werden.

Nur dann nämlich behalten sie für immer

ihre leuchtendgelbe Farbe.

Agnes Andergassen

Arge Lebendige Tracht

KulturFenster 59

01/Februar 2022


09.04.2022

Termine

72. Jahreshauptversammlung

des Heimatpflegeverbandes Südtirol

Ort: Bürgerhaus Tramin

Infos unter:

https://hpv.bz.it

07.05.2022

NEUER TERMIN: 74. Vollversammlung

mit Neuwahlen des VSM

im Waltherhaus Bozen – Beginn: 14 Uhr

Infos unter:

https://vsm.bz.it

21.05.2022

NEUER TERMIN: 73. Vollversammlung

mit Neuwahlen des SCV

im Vereinshaus Nals – Beginn: 15 Uhr

Infos unter:

https://scv.bz.it/vollversammlung

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